close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Народное искусство Doping-Pong

код для вставкиСкачать
Интерьвью Димы Мишенина на немецком языке о скандале с Олимпийской рекламой Doping-pong для политического журнала из Германии Zuerst.de
Wie kamen die Briten darauf, Ihre Wer-
bung dann als die offi zielle Olympia-
werbung zu bezeichnen?
Mischenin: Da es in Rußland sonst kei-
ne gute Werbung gibt und wir die einzi-
gen professionellen Künstler in diesem Bereich sind, haben alle unsere auffälli-
ge Kunst für die olympische Werbung gehalten. Nochmals: Die Motive seien „faschi-
stisch“, behaupten die britischen Zei-
tungen…
Mischenin: Diese Motive faschistisch zu nennen, ist der dritte Fehler, den die britischen Journalisten gemacht haben. Jeder unserer abgebildeten Helden hat einen roten Stern an der Brust – das ist das alte sowjetische Symbol, das Zei-
chen des Volkes, das den Faschismus während des Zweiten Weltkrieges be-
kämpft hat.
Die Motive strahlen Kraft und Zuver-
sicht aus und wirken sehr optimistisch und positiv. Haben Sie mit einer solchen Kritik überhaupt gerechnet?
Mischenin: Das ist die erste russische Werbung, über die man im Westen ge-
sprochen hat. Das ist ein geradezu hi-
storisches Ereignis. Die russische Kunst wurde so skandalisiert, erregte Aufse-
hen und verursachte Debatten. Das ist gut. Es ist natürlich ungewöhnlich, daß ich plötzlich mein Foto neben denen von Lars von Trier und John Galliano Herr Mischenin, die britischen Zeit-
ungen The Telegraph und Guardian überzogen Sie mit scharfer Kritik. Der Grund: Die Motive, die Ihre Agentur angebliche für die Werbung für die russische Winterolympiade in Sochi 2014 gestaltet hat, seien „faschi-
stisch“…
Mischenin: Das alles war ein großer, großer Fehler der britischen Medien. Erstens, wir sind keine Werbeagentur, sondern eine Gruppe von Künstlern. Ich bin der Gründer von Doping-Pong, außer mir besteht unsere Kunst-Grup-
pe noch aus zwei weiteren Personen: Creator Anna Maugli und die Künstler von Postoronnim V. Unsere Arbeiten werden in den Galerien und Museen in der ganzen Welt ausgestellt. Wir be-
schäftigen uns mit der Werbung nicht mehr, als die anderen modernen aus-
ländischen Künstler und Fotografen. Wir sind die Pioniere der Digitalkunst in Rußland. Unsere ersten Arbeiten er-
schienen schon in den 1990er Jahren in Jugendzeitschriften. Der zweite Fehler ist, daß diese kritisierten Motive angeb-
lich die offi zielle Werbung der Olympi-
schen Winterspiele in Sochi 2014 sind. Niemand von der Regierung bestellte bei uns solche Motive. Wir arbeiten nicht mit den Machthabern zusammen. Die Werbung, die wir gemacht haben, dient einem Bauprojekt eines Skikuror-
tes. Sie war der Auftrag eines privaten Unternehmens. Und es war unsere Ent-
scheidung, sie im olympischen Stil zu machen. 32
3/2012 ∙ Deutsches Nachrichtenmagazin
Britische Medien attackierten eine russische Künstlergruppe, weil diese angeblich „faschistische Kunst“ mache. ZUERST! sprach mit dem russischen Künstler Dima Mischenin
„Unsere Gemälde sind Volksbilder“
Foto: Doping-Pong
KULTUR
unter dem Titel „Die drei Hauptnazis Europas“ sehe. Aber andererseits ist es wunderschön, daß die russische Kunst im Ausland wieder populär wird, und sie befi ndet sich damit in einer nicht so schlechten Gesellschaft. Die Kraft und die Zuversicht, die die Motive von Do-
ping-Pong ausstrahlen, sind der Glaube daran, daß die russische Kunst trotz al-
ler Hindernisse durch verschiedene Kulturorganisationen zu ihrem Publi-
kum kommt. Und zwar sowohl in unse-
rer Heimat als auch im Westen!
Wollten Sie denn überhaupt provozieren?
Mischenin: Zweifellos ja! Aber das war ja die britische Presse, die provoziert hat.
Wie meinen Sie das?
Mischenin: Der Mechanismus ist ganz einfach: Man wollte eine Provokation gegen Rußland. Und man wählte dies-
mal das Thema Kultur, Olympische Spiele, Werbung aus. Ein russischer Soldschreiber hat zunächst in Rußland einen Artikel darüber verfaßt. Darin hat er unsere Motive kritisiert. Dieser Arti-
kel wurde dann von den britischen Pro-
vokateuren zitiert. Wenige Tage später sind die Beiträge in den britischen Zei-
tungen mit Bezug auf den russischen Artikel erschienen, der übrigens er-
schien, nachdem die Journalisten vom Guardian mit mir gesprochen hatten. Wozu wurde das gemacht? wir sogar die Opposition und statteten ein Solidaritätskonzert zur Unterstüt-
zung eines unserer Freunde aus der rus-
sischen Opposition aus. Sehen Sie, wir sind keine Werbeagentur, wir sind mo-
derne Künstler von Weltruf, und wir haben unseren eigenen Stil. Der ist recht patriotisch, und er ist beim Volk beliebt. Das haben die Provokateure dabei nicht berücksichtigt. Ihre Provokation ist da-
mit gescheitert.
Sie haben gegen die Berichte und Vor-
würfe in den Medien protestiert…
Mischenin: Richtig. Als meine Anwälte ein Protestschreiben an eine große rus-
sische Zeitschrift sendeten, die die briti-
schen Lügen weiterverbreitet hatte, de-
mentierte diese aus Angst vor einem Gerichtsprozeß die Falschbehauptun-
gen und entschuldigte sich öffentlich bei uns. So schlugen wir zurück. Und plötzlich wurde viel über unseren Ab-
wehrkampf berichtet. Es hieß nun, daß die ausländischen Massenmedien be-
kannte russische Künstler und damit das ganze Land angreifen. Die ausländi-
schen Massenmedien wollen uns diktie-
ren, was wir zeichnen dürfen und was nicht. Bald war im Internet zu lesen: Alles, was passiert ist, ist eines der ersten Vorzeichen eines neuen Kalten Krieges gegen Rußland. Verraten Sie es uns!
Mischenin: So war möglich zu behaup-
ten, daß das angeblich die Meinung in Rußland ist und keine Kritik vom We-
sten. Das ist der alte Trick der politi-
schen Provokation. So einfach bilden sich falsche und erlogene Meinungen. Das funktioniert wie die Arbeit eines Geheimdienstes, der die Verräter auf dem Territorium des Gegners kauft – in diesem Fall den russischen Journalisten.
Wie ging es weiter?
Mischenin: Später – nach den Briten – begannen die russischen Zeitungen und Zeitschriften wie Papageien diese Verleumdungen zu wiederholen. Un-
sere Mannschaft verbrachte zwei Wo-
chen in einer regelrechten Medien-
hölle. Alle Massenmedien behaupteten plötzlich, daß wir Faschisten seien. Aber dieses Mal haben sich die Briten geirrt. Inwiefern?
Mischenin: Doping-Pong ist ein Kunst-
projekt, das niemals mit den Machtha-
bern – egal mit wem auch immer – kol-
laboriert. In dieser Zeit unterstützten 33
Deutsches Nachrichtenmagazin ∙ 3/2012
„Als Verehrer der Schönheit beziehen wir uns mit Liebe auch auf das Schaffen von Leni Riefenstahl.“
Die Anhöhen-Stadt der Helden.
rem Film „Das blaue Licht“ sehen. Zweitens war sie eine geniale Regisseu-
rin, und ihr Film „Olympia“ ist ein Mei-
sterwerk der Weltkultur. Drittens ist ihre spätere Periode – afrikanische Fo-
tos und Video der Unterwasserwelt – das Vorbild für die Arbeit mit Farbe. Ich war sehr froh, als sie Sankt Petersburg besucht hatte. Zu ihrem Tod machte Doping-Pong ein Bild mit dem Titel „101 Märchen von Leni Riefenstahl: das Mädchen, das die Haifi sche liebte“. Das ist ein persönlicher und zarter Brief von den russischen Künstlern des 21. Jahr-
hunderts an die deutsche Künstlerin des 20. Jahrhunderts. Ich mag ihre ge-
meinsamen Fotos mit Mick Jagger und Andy Warhol. Warum sind den russi-
schen Kritikern und englischen Repor-
tern nur ihre Fotos mit Hitler bekannt? Das verstehe ich nicht. Wahrscheinlich sind sie nicht genug gebildet und haben in ihrem Leben nicht viel Schönes gese-
hen.
Sie sagen, Ihre Kunst machen Sie vor al-
lem auch für das russische Volk. Gab es positive Reaktionen?
Mischenin: Zunächst waren die Reak-
tionen nur positiv, bis sich die britische Presse eingemischt hat. Allen hat diese Werbung gefallen, man zog sie als Bei-
spiel heran als die schönste Moskauer Werbung überhaupt. Und als diese Kampagne über uns hereinbrach, un-
terstützten uns die besten russischen Künstler, Georgij Gurjanow und Aleks-
ei Beljaew-Gintowt. Sogar der New Yor-
ker Kultregisseur Slawa Zuckerman – er drehte den Punk-Klassiker „Liquid Sky“ – unterstützte uns. Er verglich unser Schaffen mit der sowjetischen Klassik und mit dem Film „Zirkus“ von Grigo-
rij Aleksandrow. Ich bekam viel Post, sowohl von der Bohème als auch von einfachen Leuten, von Russen und Amerikanern. Die mir völlig unbekann-
ten Leute schrieben in ihren Briefen, daß sie zutiefst empört seien und daß sie nicht verstünden, wie man uns des Faschismus beschuldigen kann, nur weil wir schöne Menschen mit euro-
päischen Äußeren zeichnen. Der tat-
sächliche Faschismus ist es, der diese schönen Bilder verbieten möchte. Gin-
ge die englische Presse noch einen Schritt weiter, könnte sie gleich dazu auffordern, alles Schöne zu verbrennen. Besonders waren übrigens Blonde und Blondinen empört. Sie fragten mich: „Was denn?! Müssen wir uns kahl rasie-
ren oder unsere Haare färben, damit die englische Presse uns nicht für Faschi-
sten hält?“
Ab wann ist Kunst offensichtlich nicht mehr „politisch korrekt“?
Das klingt aber sehr politisch…
Mischenin: Sehen Sie, man wollte uns und unserem Volk verbieten, zu schaffen, was wir wollen und so auszusehen, wie wir aussehen – hellhäutig und blond. Die Ausländer mischen sich in unsere Innen-
politik ein, und das ist unzulässig. Für uns war in dieser Situation sehr wichtig, daß wir in diesem Kampf für unser Schaffen von unseren Freunden, Anhän-
gern, Kunden und Geschäftspartnern unterstützt wurden – von allen außer von unserer Regierung oder den Behör-
den. Es gab keinen einzigen Versuch aus Moskau, die Bürger dieses Landes vor den Lügen zu schützen. Das hat mich sehr erschüttert. Niemand aus unserer Regierung hat sich getraut, den Stolz un-
seres Landes und unser Kulturgut zu ver-
teidigen. Wir mußten alles selbst ma-
chen, unser Land und unsere Kunst mußten wir alleine verteidigen.
Herr Mischenin, was hat Sie eigentlich zu diesen Motiven inspi-
riert?
Mischenin: Ich könn-
te nun sagen, daß mein Sohn, meine Mutter und ich blond sind, darum stellt Doping-Pong blonde Menschen dar. Aber das wäre so nicht ganz richtig. Wir pfl e-
gen den russischen „Retro-Futurismus“: die Bilder des Künst-
lers Alexander Deine-
ka, der Film „Der strenge Junge“ und die Fotos von Alexan-
der Rodtschenko in-
spirieren uns. Natür-
lich faszinieren uns die Filme über die Olympischen Spiele von Kultregisseuren, dazu gehören „Olym-
pia“ von Leni Riefen-
stahl (1936), „Sappo-
ro Orinpikku” von Masahiro Shinoda (1972) und auch der do ku mentarische Fi -
lm über die Olym-
pischen Spiele wäh-
rend meiner Kind -
heit im Jahre 1980 in der Sowjetunion von Elem Klimow. In den 1990er Jahren orien-
tierte ich mich am so-
genannten Sankt Pe-
tersburger Neuakade-
mismus, an der Richtung des Moder-
nismus am Ende des 20. Jahrhunderts. Das alles fi ndet seinen Ausdruck in un-
serer Werbung, die eine Art der Stra-
ßenkunst ist, bei der wir die Häuser als Wände von Galerien und die Banner als Leinwände betrachten und das ganze Volk auf der Straße unser Publikum ist.
Vor allem die Orientierung an Leni Rie-
fenstahl wird Ihnen bei Ihrer Sochi-
Werbung vorgeworfen… Mischenin: Grundsätzlich: Doping-
Pong äfft niemanden nach. Unser Stil fi ndet seine Inspirationsquellen in der Sowjetunion, in unserer Pionierkind-
heit und in der sowjetischen Kinokunst. Aber als die Verehrer der Schönheit be-
ziehen uns mit Liebe auf das Schaffen von Leni Riefenstahl. Warum?
Mischenin: Erstens war sie eine schöne und begabte Frau, das kann man in ih-
34
3/2012 ∙ Deutsches Nachrichtenmagazin
Dima Mischenin ist einer der Köpfe der russischen Künstlergruppe Doping-Pong. Die Gruppe bekam den Auftrag, die Werbemotive für das Bauprojekt des russi-
schen Skikurortes Gorki-Gorod, zu erstellen. Mischenin 1972 in St. Petersburg geborene Künstler ist verheiratet und hat einen Sohn. Foto: Privat KULTUR
Mischenin: Für mich persönlich ist nur das Häßliche politisch nicht korrekt, al-
les, was stinkt, nicht schön ist und arm-
selig aussieht. Ich bezeichne das als „de-
generierte Kunst“. Und das ist fast alles, was in diesen Tagen in den großen rus-
sischen Museen und Galerien, die der modernen Kunst gewidmet sind und durch die Unterstützung der westlichen Fonds und der russischen Regierung funktionieren, ausgestellt wird. Die wichtigen Auszeichnungen und Preise auf dem Gebiet der Kunst bekommen die Vandalen und Menschen, die nicht malen und dichten können. Sie verder-
ben die russische Kultur und die Welt-
kultur. Es gibt aber einige Ausnahmen. Wen meinen Sie damit?
Mischenin: Zum Beispiel unsere Grup-
pe Doping-Pong! Das ist ein Beispiel der modernen Kunst in der Werbung. Und wenn man das politisch nicht kor-
rekt nennt, so sagt man damit, daß die Schönheit das Leben stört. Ja, es ist bes-
ser schön zu sein, als nicht schön zu sein. Und es ist ein großes Talent, schön zeichnen oder schön dichten oder einen schönen Film drehen zu können. Kein Talent zu haben und nicht schön zu sein, ist doch eine seelische Erschütte-
rung. Und anstatt dann ein dankbares Publikum zu werden und uns, den Schöpfern, Beifall zu klatschen, werden einige unglückliche Menschen zu Kri-
tikern. Ihr Leben ist schrecklich und voller Leiden wegen ihrer unbefriedig-
ten Ambitionen. Deshalb bezeichnen sie die Häßlichkeit als „Kunst“ und ver-
folgen die Schönheit, indem sie sie als „politisch unkorrekt“ bezeichnen. Das ist ganz normal. In der Sowjetunion nannten die Zensoren damals Walt Dis-
ney und Salvador Dali „Imperialisten“, und in Großbritannien nennt man Do-
ping-Pong heute „Nazis“. Die Geschich-
te wiederholt sich. Aber jetzt ist die Zensur von Moskau nach London über-
gesiedelt. Das ist schon paradox.
Das Volk soll sich also am Schönen er-
freuen anstatt am Häßlichen?
Mischenin: Ich meine, daß solche Kunst in Rußland sein muß. Sie ist authen-
tisch, echt. Unsere Gemälde sind Volks-
bilder. Sie werden von allen Bevöl-
kerungsschichten geliebt, genauso wie die Lieder des sowjetischen Sängers und Schauspielers Vladimir Vysotsky. Arbei-
ter und Unternehmer, Polizisten und Banditen lieben sie. Einige von unseren Bildern – zum Beispiel „Der Salut“ mit der Darstellung einer Pionierin – wur-
den einfach gestohlen. Man meinte, daß es für dieses Bild keine Urheberrechte gibt, daß dieses Werk allen gehört. Unse-
re Rechtsanwälte drohen zahlreichen sich selbst gefunden und fühlen sich hier wirklich frei. Hier kann einfach man al-
les: den Präsidenten beschimpfen und mit der staatlichen Politik nicht einver-
standen sein, viel Geld als Kapitalist ver-
dienen und gleichzeitig die Ansichten eines Kommunisten haben, weil man sich gerne an die sowjetische Kindheit erinnert. Und schließlich kann man hier eine Werbung machen, die Entsetzen und Zittern bei so einem mächtigen Land wie Großbritannien hervorruft. Selbstverständlich ist es die Aufgabe der britischen Medien, den Kalten Krieg ge-
gen Rußland zu führen und gegen alles Fortschrittliche und Beste in unserem Land zu Felde zu ziehen. Aber in diesem Fall fühlen wir uns stärker als sie – sogar ohne Unterstützung der Mächtigen in Moskau. Es kommt genug Hilfe von un-
seren Rechtsanwälten und Freunden. Die kritisierten Werbebanner haben das letzte Jahr über im ganzen Land gehan-
gen. Und jetzt ist Doping-Pong zur Teil-
nahme an der Werbung eines neuen nichtstaatlichen Privatprojekts eingela-
den worden, und es ist viel größer als das, über das wir hier sprechen. Ich kann Ihnen nur sagen: Wenn unsere Werbung für einen russischen Skikurort im We-
sten für die zukünftige Olympiawerbung gehalten wurde, so könnte es sein, daß unsere neuen Gemälde bald für das neue Bild des zukünftigen Russlands gehalten werden. Herr Mishenin, vielen Dank für das Ge-
spräch.
Raubkopierern fast jeden Monat mit Gerichtsprozessen und führen diese mal gegen einen Sportverein, mal gegen eine Fabrik, weil diese unsere Motive ohne unsere Erlaubnis benutzen. Das ge-
schieht übrigens vor den Augen unserer Regierung und unserer Kunstszene – für die wir allerdings Dissidenten sind.
Warum hält man Sie für Dissidenten?
Mischenin: Wir werden für Dissidenten gehalten, weil wir fi nanziell unabhängig sind und das machen können, was uns gefällt. Das ist entsetzlich für die Mäch-
tigen, die daran gewöhnt sind, alle zu kaufen, und für die Kunstwissenschaftler, die daran gewöhnt sind, alle zu verkau-
fen. Einen modernen Künstler zu treffen, der gar kein Interesse an ihrer Meinung hat, ist wirklich schlimm für sie.
Ausländische Medien fordern nun, daß man Ihre Motive abhängt und durch andere ersetzt. Befürchten Sie, daß das geschieht?
Mischenin: Es ist naiv zu denken, daß die ausländischen Medien die Situation in einem solchen starken und selbst-
bewußten Land wie Rußland wirklich beeinfl ussen könnten. Wenn man sich eine Anti-Utopie vorstellt, wo so etwas geschehen könnte, so müßten dann alle freisinnigen Leute Rußland verlassen und dorthin umsiedeln, wo es noch Frei-
heit gibt – oder Partisanen werden oder einen Weltraumfl ug machen. Meiner Meinung nach ist die richtige Freiheit nur in Rußland geblie-
ben, nicht in England oder in den USA. Rußland ist heute ein Vorbild der Freiheit für die ganze zivi-
lisierte Welt. Nicht ohne Grund kom-
men zu uns viele Ausländer zum Le-
ben und Arbeiten. Unter meinen Freun-
den gibt es viele Bel-
gier, Finnen, Deut-
sche, Amerikaner, Engländer, Franzo-
sen, Spanier und Ita-
liener, für die Ruß-
land längst zur zwei-
ten Heimat wurde. Wie zu Zeiten Peters des Großen haben sie 35
Deutsches Nachrichtenmagazin ∙ 3/2012
„Man kann hier Werbung machen, die Entsetzen und Zittern bei einem so mächtigen Land wie Großbritannien hervorruft.“
Foto: Doping-Pong Britische Medien fühlen sich von den Motiven provoziert: „Es ist besser, schön zu sein, als nicht schön zu sein.“
Автор
doping
Документ
Категория
Постеры
Просмотров
209
Размер файла
5 398 Кб
Теги
dima mishenin, dopingpong
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа