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Anomale electrische Dispersion von Flssigkeiten.

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1896.
J5 5.
ANNALEN
DEB
PHYSIK UND CHEMIE.
NEUE FOLGE. BAND 58.
1.
Anorna.le electrische Dispers4on von P'luss4gkeiten; von P. D r u d e .
(Auszug des Herrn Verf. aus den Abhandl. der k. slichs. Geaellsch. der
Wiss., Bd. XXIII der math.-ply. Klasse.)
(Hlerzu Tat 1.)
Bei der Beschreibung einer Untersuchuiigsmethode fur
den electrischen Brechungsexponenten von Flussigkeiten ') hatte
ich das auffallige Resultat erwahnt, dass kurze electrische
Wellen (von 70 cm Wellenlange in Luft) in Alkohol und besonders in Glycerin in vie1 starkerem Grade gedampft werden,
als in Wasser, oder in wasserigen Salzlosungen. Dies muss
deslidb auffallig erscheinen , weil die Dampfung electrischer
Wellon in einer Substanz von deren electrischer Leitfahigkeit
abhtingen muss in der Weise, dass erstere mit der letzteren
zunehmen muss. Nun ist aber die Leitfahigkeit von Glycerin
oder Alkohol bei weitem geringer, als die von Wasser oder
gar wasserigen Salzlosungen. Trotzdem kann man aber mit
Hiilfe der damals beschriebenen Methode sehr leicht constatiren, dass Glycerin jene kurzen electrischen Wellen zweifellos
starker dampft , als eine etwa 0,8proc. Kupfersulfat,losung,
deren Leitfahigkeit bei 18O C. bezogen auf Quecksilber als
Einheit 4700.10-10 ist, wahrend das von mir benutzte Glycerin,
wenn es nach der Kohlrausch'schen Methode rnit Hiilfe
eines Inductionsapparates untersucht wird, bei 18 O die Leitfahigkeit 2,84. lo-'(' besitzt. Ich habe jetzt durch die im
Folgenden zu beschreibenden Versuche ermittelt, dass eine
etwa 5 proc. Kupfersulfatlosung, deren Leitfahigkeit 17000.10-1"
ist, electrische Wellen der in Luft gemessenen Wellenlange
von 74 cm ebenso stark dampft, wie Glycerin, namlich in dein
Maasse, dass die Welle sich auf der Strecke von
Wellen1) P. D r u d e , Ber. d. k. slichs. Gesellsch. d. Wiss., matbphys.
K1. p. 329. 1895.; Wied. Ann. 65. p. 633. 1895.
Aun. d. Phys. u. Chem. N. F. 68.
1
2
Paul D m d e .
langen todt lauft. Die Leitfahigkeiten beider Flussigkeiten
verhalten sich wie 6000 zu 1.
3 s kann also vorkommen, dass Substanzen, welche f ~ lanyr
same electrische Wechselfelder, wie sie z. B . Inductionsappnrate
erzeugen, im Perhaltniss 6000 zu 1 verschieden isoliren, fGr sehr
schnelle electrische lvechself ilder gleich schlecht isoliren.
Durch Ausdehnung der Untersuchung auf mehrere Fliissigkeiten habe ich constatirt, dass derartiye AuffaUQkeiten bei
denjenQen Substanzen hohen Boleculargewichtes anzutreffen sind,
deren Dielectricitatsconstante stark vom Quadrat des optischen
Brechungsexponenten abweicht, welche also nach der Dispersionstheorie Eigenschwingungen besitzen, die langsamer als die des
Lichtes sind. Es zeigt sich allemal in diesen Fallen eine rum
l'heil sehr starke anomale Dispersion und Absorption, d. h. der
electrische Brechungsexponent nimmt mit zunehmender Schwingungszahl ab, die Absorption zu.
Das Moleculargewicht hat jedenfalls einen bedeutenden
Einfluss auf die Erscheinung. In der Reihe der Alkohole
wird die anomale Absorption und Dispersion fur bestimmte
Schwingungsgebiete in sehr hohem Grade intensiver, j e hoher
das Moleculargewicht ist, d. h. j e complicirter das Molecul
gebaut ist. Complicirtere Molecule der Alkohole besitzen demnach lanysamere E9enschwiiigunyen, als einfachere, und diese
mit der chemischen Constitution in so einleuchtendem Zusammenhange stehende Thatsache wird sich vermuthlich auch
fiir andere homologe Reihen bestatigen, welche uberhaupt sehr
langsame Eigenschwingnngen besitzen.
Auch will ich gleich im Voraus bemerken, dass ich fur
Wasser, in Uebereinstinimung mit anderen Beobachtern, keine
Dispersion und Bbsorption habe nachweisen konnen. Nach
den Resultaten, welche ich bei anderen Fliissigkeiten erhalten
habe, muss ich vermuthen, dass das niedrige Moleculargewicht
des Wassers, d. h. die Kleinheit des Moleculs, die Eigenschwingungen in Gebiete ruckt, in deren Nahe man mit den
bisherigen esperimentelleii Hulfsmitteln nicht gelangen konnte.
So ist wohl durch die, ich mochte sagen zufallige Kleinheit des
Mrassermoleculs eineErscheinungbeiden so zahlreich angestellten
Eeobachtungen mit electrischen Wellen lange Zeit entgangen,
die fur andere Flussigkeiten ganz evident zu Tage tritt.
3
Anomale electrisciie Dispersion.
Besonders merkwiirdig muss es j a erscheinen, dass die
Schwingungszalilen von verhaltnissmassig noch trjlgen electrischen Wellen schon mit den langsamsten Eigenschwingungen
von Flussigkeiten selbst sehr hohen Moleculargewichtes vergleichbar oder gar benachbart werden. Aus diesem Grunde
bin ich anfangs schr skeptisch bei der Deutung dieser Erscheinungen verfahren, nls ich zunachst beim Glycerin und
Alkohol starke Absorption bemerkte und fir Glycerin nur
eine halb so grosse Dielectricitatsconstante erhielt , als sie
T h w i n g l) fur langsamere Schwingungen gewonnen hat. Ich
liess zunachst2) die Ursache hierfur offen zwischen den beiden
Moglichkeiten, dass jene Flussigkeiten in der Nahe der von
mir benutzten Schwingungen auswahlende Absorption besassen,
oder dass das Glycerin stark verunreinigt ware.
Spater 7 habe ich, weil mir auswahlende Absorption und
anomale Dispersion filr die benutzten electrischen Wellen zu
unwahrscheinlich schien, vermuthet, dass ein mangelnder metallischer Contact eines Drahtbugels, welcher die Drahte B U
iiberlwiickt, langs denen sicli die electrischen Wellen fortpflanzen, Ursache der Dampfung der Wellen sein konnte. Bei
dem zahflussigen Glycerin drangt sicli leicht diese Vorstellung
auf. Indess kaiin ich nicht leugnen, dass schon damals das
Verhalten des Alkohols mir sehr wenig dadurch erklart schien,
da in ihm der Bugelcontact doch sichorlich nicht schlecliter
ist, als im Wasser, welches auf die Wellen keine nierlcliclie
Dampfung ausubt.
Da die Dampfung in Glycerin ganz dieselbe ist4), wenn
iiicht ein beweglicher Biigel die Drghte DD uberbruckt, soiidern wenn dieselben ein einziges zusnmmenhangendes Drahtstuck von zu variirender Lange bilden, so ist es ausgeschlosseii,
dass die liier angemandte Messungsmethode durch zufallige,
stiirende Nebenumsthnde falsche Resultate liefert. - I m Gegentheil stimmen dieselbeii bei normal sich verhaltendeii Flussig1) Cli. B. T h w i n g , Zeitschr f. phys. Chein. 14. p. 286. 1894.
2)
. ' l Drudc, Bcr. d. k. s l i c l ~ .Bescllscli. d. Wise. 1. D. p. 342,
Anm. 3: p. 348, Anm. 1.
3) Beini Abdruck des Gesellschaftsbcr. in Wied. Ann. 55. p. F4G,
Anm. 3; p. 652, Anm. 1. 1895.
4) Die Anordnung dimes Versucl~csist in den Abhandl. der slidis.
C~esellsch.1. c. p. 39 genaucr beschricbcn.
1*
4
Paul Drude.
keiten mit grosser Genauigkeit mit den Resultaten, welche
andere Forscher nach anderen Methoden erhalten haben,
uberein, und iiberhaupt erweist sich die Pracision der Methode
a19 so gross, wie ich sie ursprunglich nicht fiir moglich gehalten hatte,') Ich werde die Praicision bei den einzelnen
Resultaten angeben.
Kurz nach Vollendung des Druckes dieser Arbeit in den
Abhandl. der k. sachs. Gesellsch. der Wiss. ist eine Arbeit
von A. D. Colea) in Wied. Ann. erschienen, in welcher starke
anomale Dispersion des Aethylalkohols fur Wellen, welche
noch wesentlich kurzer als die von mir angewandten sind,
constatirt ist. Ich mochte betonen, dass die von mir erlidtenen Zahlen ohne Kerintniss der Arbeit von Cole gewonnen sind und dass daher die Uebereinstimmung des von
uns Beiden nach ganz verschiedenen Methoden (Cole benutzte
die Reflexionsintensit%t) fur Aethylalkohol gefundenen Resultates fur die Zuverlaissigkeit desselben spricht.
1) Bei der ersten Mittheilung (Bcr. d. k. sichs. Gesellsch. d. Wiss.
1. c. p. 361, Wied. Ann. 1. c. p. 655) habe ich angegeben, dass die Me-
thode die Dielectricititsconstante niit einer Genauigkeit von 2 Proc. zu
bestimmen erlaube. Ich habe midi jetzt davon iiberzeugt, dass sie fiir
Substanzen, die keine starkc auswahlende Absorption fur die benutzten
Proc., getrieben werdcn
Wellen besitzen, wesentlich Iioher, oft bis auf
kann, vgl. Abhandl. 1. c.
2) A. D. C o l e , Wied. Ann. 61. p. 290. 1896.
3) Ich muss C o l e die Prioritat hinsichtlicb der Entdeckuiig der
Voraiiomalen electrisclien Dispersion bcim Aethylalkohol zuspreclicn.
hcr ist im Mai 1895 (Ber. der k. sachs. Gesellsch. d. Wiss. math.-phys.
lilssse, 1895, Sitzung vom ti. Mai) von niir das Resultat ausgesprochen,
dass fur Glycerin das Quadrat des electrischen Brechungsexponenten fur
kurze Wellen fast halb so groas ist wie seine Dielcctricitltsconstante,
welche von T h w i n g fur langsamere Schwingungcn ermittelt wurde. Wenngleich icli damals die Interpretation dieses Reaultates als anomale Dispersion nur sehr zweifelliaft ausgesprochen habe, so iet es doc11 tlls erste
Entdeckung deraelbrn bei Flussigkeiten iiberhaupt anzusehen, da bei genailer Untersuchung jene Beobachtung thats8chlich allein als Dispersion
iuterpretirt werdcn kann. Solchc genauen Untersuchungen, die micli uber
den Zweifel etwaiger Interpretation erhoben, habe ich im Juli 1895 angestellt, aber noch nicht sofort piiblicirt, wril icli mehrere Flussigkeiten
iiach ihrer Dispersion zunachst priifen wollte. - Auch habe ich an der
citirten Stclle fur Aethylalkohol zuerst Beobachtiingcn mitgetheilt, welche
Lei richtiger Intcrpretation als anomale Absorption electrischer Wellen, d. h.
als eine nicht der Leitfahigkeit entsprechende Absorption anzusehen sind.
-
5
Anomale elech-ische Bi.Vpersion.
Beschreibung des Apparates.
Hinsichtlich der Details verweise ich auf die fruhere Mittlieilung und den Originalaufsatz’) in den Abhandl. d. k. sachs.
Gesellsch. Bd. XXIII. Ich will hier nur das Wesentliche
wiederholen (vgl. die skizzirte Fig. 1).
Es sind zwei verschiedene Erreger der electrischen Wellen
und dem entsprechend zwei verschiedene Schwingungsdauern
zur Untersuchung aiigewandt worden. Die Schwingungsdauern
rcrhalten sich etwa wie 1 :3. Der kleinere Erreger besteht
aus zwei halbkreisformig gebogenen, 3 mm dicken, Drahten EZ,
welche zusammen einen Kreis von 5 cm Durchmesser bilden.
An ihrem einen Ende tragen sie zwei Messingkugeln von 5 mm
Durchmesser, zwischen denen ein Funkenspiel durch Zuleitung
ron einem Ruhmkorff’schen Inductionsapparate J zu Stande
E
J
Fig. 1.
gebracht wird. Von diesen Zuleitungsdrahten d A liegt der
eine metallisch an der einen Entladungskugel, wahrend der
andere eino kleine Funkenstrecke mit der ,anderen Entladungskugel bildet. Beide Funkenstrecken (letztere und die zwischen
den Messingkugeln) sind mikrometrisch verstellbar.
Der Ruhmkorff’sche Apparat besitzt einen schnell
schwingeiiden D eprez’schen Unterbrecher. - Der grossere
Erreger besteht aus zwei langeren , halbkreisforlnigen Kupferdrahten, welche zusammen einen Kreis von 15 cm Durchmesser
bilden. Tm Uebrigen ist der Apparat fur diese langeren, wie fur
jene kiirzeren Wellen ganz gleich construirt.
Der Erreger ist nahe (auf 1 mm Distanz) umgeben von
einem 1 m m diclten, kreisformig gebogenen Kupferdraht (Empfanger), der in die beiden Paralleldrahte B U auslauft, deren
1) Derselbe ist eiuzeln bei S. H i r z e l , Leipzig (Preis 2 Mark),
bezieheu.
211
6
I?
Drude.
Asen 1,s cm Distanz besitzen. Die Parallelitat und Unveranclerlichkeit wird durch Einklelnmen und Straffspaniien
durch Ebonithalter HI, H, an zwei Stellen gesichert. I n etwa
10 cm Distanz von den Messingkugeln des Erregers ist eine
Briicke B , , bestehend ails 1 mm dickem Kupferdraht, oder
1 mrn breiten Kupferblechstreifen, uber die Drahte B I) gelegt.
Jenseit B, kann eine zweite Briicke B, iiber clen Drahten
D B verschoben werden. Bei bestimmten Lagen (Knoten der
elcctrischeri Kraft) von B2 bilden sich intensive stehende electrische Wellen zwischen 3, und B2,deren Existenz an dem
-4ufleuchten einer zwischen die Drahte D D gebrachten
Z e h n d er’schen Vacuumrohre Z
, erkannt wird. Die Glimmelectroden dieser Z e h n d e r ’schen Rollre sind (lurch eineii
14,5 bez. $0 cm lnngen Kupferdraht s verbunden. Dadurch
besitzt die Rohre eine Eigenschwingung , welche in Resonanz
stelit mit clen Schwiiigungen, welclie der kleiiiere, bez. grossere
Erreger in dem Dralitsystein vor B, erzeugt.
Erreger und Empfinger siiicl in Petroleum (Kaisertil) eingetaucht, die Driihte B U dugegen verlaufen zwischen beiden
Ebonithnltern HI,H,,in Luft. 4 cm hinter H, trilgen die
1)riiIite D D sehr ltleine Klernnischrnuben, rerrnittelst tleren
man nach Belieben entweder eirie 2 ni lange Luftleitung, die
nus straff und genau parallel gespannten 1 mni dicken KupferdrBhten besteht, anlegen kaiin, oder eine Drahtleitung, welche
eineii Trog aus glasirtem Thon durclisetzt, in welchen die zu
uiitersuchenden Plussiglteiten gegosseii werden (in Fig. 1 i r t
letztere Anordnung gezeichnet).
Der Thontrog hat 31 crn Llnge, 12 cm Hohe, 10 crn Breite
ini Lichten.’)
Die Schmalseiten besitzen j e zwei Locher,
welche den Eintritt einer 1 mni diclren Drahtleitung in den
Trog ermogliclien. Diese ist durch Korkstopfen in den Locherii auf 1,8 cm Axenabstand festgeklernmt uric1 reicht iiber
die Vorderwancl in dernrtiger LBnge (etws 4 em) heraus, dass
beim Ansetzen dieser Drahtleitung an die Klemnischrauben
der Drahte D D a n der Innenfllche der Vorderwand des Troges,
d. 11. beim Anfang der Fliissigkeit, bei geeigneter Lage clcs
1) Dic Querdiiiiensioiicii des Troges h o e h e n nur 3 cm h i 1 crn
Dr;iliiabstsnd zu betrngcii , olinc Feliler lierbeizufuhreu. Alan ksnii also
aricli rnit dein zelinteii Tlieil der Subst~nzinengenarbeiteii.
Anomale electrisehe Dispersion.
7
Biigels B, genau der erste wahre Knoten des Wellenzuges
hinter B, liegt.
Als Biigel B, ist stets ein gerader. 2 cm langer Kupferdraht gewahlt. E r tragt in der Mitte an einem Seidenfaden
oder feinem versilberten Kupferdraht eine 12 mm grosse Bleikugel, welche ihm durch seine Schwere guten Contact mit der
Drahtleitung sichert. F u r die Luftleitung ist der Biigel mit
der Hand verschoben, da eine Einstellungsgenauigkeit von 1 mm
bei 37 cm Knotenabstand (halber Wellenlange) vollkommen
geniigt, fur die Leitung des Troges ist eine besondere E n richtung zur Biigeleinstellung construirt, da bei der kurzen
Wellenlange in einigen Fliissigkeiten (4 cm Knotenabstand im
Wasser) der Biigel B, eine genaue Pltrallelfiihrung besitzen
1) Der Apparat (Erreger init mikrometrischer Einstcllung beider
Funkcnstrecken, 1 rn lange Luftlcituiig mit Wagenfuhrung der Brucke,
zwei Glasliiisten, von denen der eine
Liter, der kleincre 0,27 Liter
beansprucht und deren Drahtleitung vergoldet ist, darauf passende Metsllscliienen mit Wagen, eventucll auch auf Resonanz abgestimrnte Zcli n
8
P. Drude.
Untersuchungsmethode.
1. M e t h o d e d e r L e u c h t w i r k u n g e n .
Die gegenseitigen Abstande der Knoten der electrischen
Rraft in den Draliten D U konnen durch Ermittelung der
Stellungen des Biigels B, erhalten werden, fur welche die
Vacuumrohre 2 maximales Leuchten aufweist. Bequerner und
genauer kann man die Punkte larigs B D mit B, aufsuchen,
a n welchen das Leuchten von 2 gerade eingesetzt, d a dieses
mit grosser Pracision geschieht. Indess fallen die Mittelwerthe
zweier solcher benachbarten Einsatzlagen von B, nur dann
mit den Knotenlagen (fur maximales Leuchten) zusammen,
wenn die Distanz der Einsetzlsgen nicht sehr gross ist. Deshalb wurden zur Ermittelung der Knotenlagen diejenigen
Stellungen des Biigels B, aufgesucht, fiir welche dss Leuchten
der Rohre 2 von massiger Starke in grosse Intensitat iibergeht (Uebergangspunkte). Diese Stellungen liegen nur wenige
Centimeter (etwa 2 cm bei 37 cm halber Wellenlange in Luft)
auseinander und ihr Mittel fallt genau zusnmmen mit den
Knotenlagen von B,. Sie lassen sich experimentell sehr bequem
und scharf ermitteln. Die Wellenlange i n Luft kann schon
bei Beobachtung von drei Knoten mit einer Genauigkeit von
1/4 Proc. ermittelt werden.
Wenn die Wellen sehr kurz werden, wie es in manchen
Fliissigkeiten (z. B. Wasser, 4 cm Knotenabstand) der Fall ist,
so kann man auch die relative Lage der Bauche der electrischen Kraft zu den Knoten erhalten als hlittel der zwei Lagen
des Biigels B,? fur welche das Leuchten der Rohre von Z
gerade einsetzt, d a diese dann sehr nahe bei einander liegen,
bez. (bei starker Dampfung in den Fliissigkeiten) fiir welche
das Leuchten von 2 von geringer Intensitiit zu grosserer Starke
iibergeht. Dns Mittel dieser Lageii fallt dann zusammen mit
denjenigen Bugelstellungen, fur welche die Riihre 2,wenn sie
uberhaupt leuchtet, minimale Lichtentwickelung zeigt.
Die Beobachtung geschali nun in der Weise, dass zunachst an der Luftleitung die Knotenabstande vermittelst 3,
aufgesucht wurden. Sodann wurde die Luftleitung aus den
der’sche Rohre, ist beim hlechaniker D o n n e r des Leipziger physikalischen Institus fiir ctws 90 Mk. inlit Zehnder’scher Rohre 18 Mk. mehr)
zu beziehen.
Anomale electyische Dispersion.
9
Klemmschrauben der Drahte B B gelost und, ohne etwns an
der Stellung des Biigels B,, des Erregers E E , oder der
Zehnder’schen Rohre Z zu andern, mit der den Thonkasten
durchsetzenden Leitung ausgewechselt. I n dem mit Fliissigkeit gefullten Thonkasten wurden die Knoten bez. Bauche
durch Verschieben des Biigels B, symmetrisch hinsichtlich der
Zeit durch Hin- und Ruckgang ermittelt und bestandig die
Temperatur der Fliissigkeit gemessen. Schliesslich wurde
wieder vorsichtig die Luftleitung an die Drahte B B geklemmt,
und wiederum die halbe Wellenlange in Luft ’I, 2. bestimmt.
Letzteres geschah, urn sicher zu sein, dass wahrend der Versuchsreihe ‘I2A constant geblieben ware. Meistens war ‘I, A
am Schluss etwa 0,l Proc. kleiner als am Anfang, was jedenfalls durch die geringe Erwarmung des Petroleumbedes des
Erregers infolge der Funken und demen tsprechende Verkleinerung seiner Dielectricitatsconstante verursacht wird.
Als Beispiel fur die Pracision der Methode moge hier
nur eine Messung mit destillirtem Wasser ausfuhrlicher mitgetheilt werden. F u r die Wellen in Luft bedeuten die Zahlen
die Entfernungen der Knotenlagen des Biigels B, von der
Hinterseite des Ebonithalters H, in Centimetern, fur die
Wellen im Wasser die Entfernungen der successiven Bauche
und Knoten vom Wasseranfang, welcher in einen wahren
Knoten gelegt ist. Die erste Zahl entspricht einem Bauch. Die Zahlen (Ber.) sind aus den Beobachtungen nach der Methode der kleinsten Quadrate berechnet worden. Die hiernnch berechnete Wellenlange ist ‘mit A bez. il’ gezeichnet.
Wellen in Luft:
-4nfang:
Beob. 9,0 46,s 84,5 121,l 158’2
Ber.
9,4 46’7 83,9 121,2 158,4,
I/, I = 37,25.
Schluss:
Beob. 9,1 46,6 84,2 120,7 157,9
Ber. 9’3 46,5 83,7 120,s 158’0, 1/21= 37,17.
Wellen in Wasser. 9 = 11,7.
Beob. L72 3,130 5,82 7,136 9,94 12,OO WOI 1607 %14 %19
Ber.
72
77
82
87
93 98 03 08 14
19
Beob. %25 24,25 26-35 %40 3,52 3%46
Ber.
24
29
34
40
45
50
37 21
3 il‘ = 4,104. M = -’P 9,067.
M’ = 82,21. EH = 83,SO.
4,104
10
P. Urude.
n bedeutet das Verhaltniss der Wellenlangen in Luft und
Wasser, d. h. den electrischen Brechungsexponenten des Wassers.
ist die von H e e r w a g e n l ) fur die gleiche Temperatur
(9.= 11,7) in sehr langsamern Wechselfelde gefundene Dielectricitatsconstante des Wassers.
l l i e Absorption der electrischen Wellen in der Flussigkeit
kann man dadurch schatzen, dass mit wachsender Absorption
die Leuchtintensitat der Rohre Z in den Knotenlagen von B,
urn so mehr abnehmen muss, j e weiter B, vom Fliissigkeitsanfang entfernt liegt, wiihrend die Leuchtintensitat in den
Bauchstellungen von B, dadurch allmahlich zunehmen muss.
Schliesslich, bei einer gewissen Entfernung, die um so weniger
Viertelwellenlangen umfasst, j e starker das Absorptionsvermogen der Fliissigkeit ist, tritt es ein, dass Knoten- und
Bauchstellung von B, nicht mehr am Leuchtcn von 2 zu
unterscheiden ist.,)
Destillirtes Wasser und selbst Wasscr der Leitfahigkeit
K = 360.10-10 (bezoggen auf Quecksilber als Einheit) besitzen
keine merkbare Absorption €ir die electrischen Wellen. Es sind
alle innerhalb des Thontroges fallenden Knoten und Bauche
gut erkennbar. - Wasserige Salzlosungen verhalten sich insofern normal, als ihre Dielectricitiitsconstante durch den gelosteii Korper nicht beeinflusst wird3), wahrend die Absorption
electrischer Wellen bestimmter Periode allein durch die Leitfahigkeit der Losung bestimmt wircl.4)
1) F. H e e r w a g e n , Wied. Ann. 49. p. 279. 1893.
2) Die beschriebcno Erscheinung , d. 11. das allmiililiche Verloschen
der stehenden Wellen, tritt, allerdings in sehr geringem Grade, auch an
einer sehr langen Luftleitung ein. Hier licgt der Grund fur diese ErScheinung fast auscliliesslicli in der zeitlichen Diimpfung der vom Erreger
entsitndten Wellcn. Man kann cinen oberen Grenzwerth dieser zeitlichen
Diimyfungsconstante berechnen, wenn man die Knoten zilhlt, welche mit
dem Bagel R, noch erkennbar sind. Es ergab sich, dass an einer 12 m
langen Luftleitung von 1 nun dickcn liupferdraht in 1,s crn gegcnseitigen
Abstand noch einunddreissig ilquidistante Knotenstellungen von B, deutlich crkennbar F V ~ T C I I . Daraus berechnet sich als oberer Grenzwerth f i r
das zeitliche logaritbmische Dekreinent 7 < 0,06.
3) Mit welchcr Genauigkeit sich dies- behaupteu lasst, werde ich
an anderer Stelle mittheilen.
4) Dieses Resultat hat clrich P. Z e e m a n n (Commun. fr. the Labor.
of Pliys. a t the Univ. of Leiden. Nr. 22) kurz vor Veroffentlichung meiner
Arbeit publicirt.
diiomale electrische Dispersion.
11
Letzteres Resultat gilt, wie schon eingangs erwahnt wird,
nicht fiir andere Flussigkeiten, z. B. die Alkohole. Man erhalt
nun die Absorption der letzteren nach gewissen theoretischen
Berechnungen l ) aus der Beobachtung, fur welche Leitfahigkeit
einer wasserigen Salzlosung gerade so viele Knoten und Bauche
erkennbar sind, wie fiir die untersuchte Fliissigkeit.
Wegen der Schnelligkeit der Schwingungen hort erst bei
grosser Leitfahigkeit einer wasserigen Salzlosung die Bildung
stehender electrischer Wellen auf. So ist mit dem kleinen
Erreger der erste Bauch in einer Kupfersulfatlosung der Leitfaliigkeit K = 38 000.10-10 noch erkennbar.
2. W i d e r 8 tan d s m e tli o d e.
An Stelle der Leuchtintensitat in der Vacuumrohre kann
manz) gut die Messung des galvanischen Widerstandes ihres
luminiscirenden Gasraumes benutzen z u r Abschatzung der Intellsitkt der electrischen Kraft an der Vacuumrohre, wenn der
Biigel B, auf cler Drahtleitung verschoben wird. Man erzielt
cladurch den Vortheil, dass man so in gewisser Weise das
Bild der Welle langs der ganzen Drahtleitung erhalten kann.
l)a der Widerstand der luminiscirenden Gasstrecke sehr hoch
ist (Millionen Ohm), so verwendet man zu seiner Messung
pajsencl ein Electrometer, anstatt eines Galvanometers. Die
Vc~suchsatiorclnu~ig
war ganz ahnlich, wie ich sie fruher (1. c.,
vgl. dort dss Detail) fur Luftwellen angewandt und beschrieben
liabe. Es wurden zwei d s Resonatoren gleich abgestimmte
Zehnder’sche Rijhren 2, uncl 2, angewandt, von denen .TIin
der ini Vorigen benutzten Lage hinter B, lag, wahrend Z
.,
dicht vor B, lag und als Reagens s u f die magnetische Kraft
angew;indt wurde. 2, clieiite als Standardrohre fur die Erregerscliwiiigungen, tler Widerstand von.Zl wurde durch ein Thornson’sclies Quadrantelectrometer mit den1 Widerstand von Z2 bei
verschiedenen Biigellagen B, verglichen. Die Nadel des Electromtkers wurde, falls 2, gut leuchtet, wahrend X. (durch Entfemung von der Drahtleitung BB) dunkel bleibt, zum Potential von l G I Kupfer-Zink-Elementen, die in Leitungswasser
1) Diese sollen iri einem spatcren theoretisehen Tlieil gegeben
werden.
2) P. D r u d e , W e d . A m . 53. p. 761. 1894.
P. Brude.
12
tauchten, geladen. Wenn dagegen 2, dunkel ist und Zs
leuchtet (was es in seiner bei den Versuchen benutzten Lage
vor B, immer thut), so war das Nadelpotential durch Leitung
iiber fi2 gleich Null. Die Quadranten des Electronieters
waren zur Potentialdifl erenz von drei Kupfer-Zink-Elementen
geladen.
Die Resultate fiir Wasser, Losungen von CuSO, und
NaCl und Glycerin siud in den Curvenl) der Tafel I graphisch
dargestellt. Die Abscissen sind die Entfernung d der Briicke
B, vom Fliissigkeitsanfang in naturlicher Grosse, die Curven
stellen daher die in der Fliissigkeit fortgepfianzten electrischen
Wellen hinsichtlich der Lage ihrer Knoten und Bauche in
naturlicher Grosse quantitativ, hinsichtlich ihrer Absorption
qualitativ dar. Die Ordinaten sind den Electrometerausschlagen proportional, von den in der l'afel stark gezeichneten geraden Linien als Nulllinien aus gerechnet. Die Maxima
der Ordinsten entsprechen deli Knotenstellungen von B2. Aus
den Curven liarin m a n anschaulich entnehrnen, dam beim Wasser
und den wasserigen Salzlosungen die Lage der Knoten und
Biiuche unabhiingig von der Leitfahigkeit ist, und dass die
halbe Wellenlaiige il' etwa 16,5 : 4 = 4,12 ist.
Uiese Beobaclitungen sullen aber weniger dazu dienen,
das Verhaltniss ;I:1' genau zu ermitteln, da dieses scharfer
mittelst der Methode der Leuclitwirkungen moglich ist, als
vielmehr anschaulich das Wachsen der Absorption mit steigender Leitfahigkeit zu erweisen. Dieses Wachsen der Absorption
richtet sich, wie die Curven zeigen, nur nach der LeitfAhigkeit La),riicht nach der Natur des gelosten Salzes.
Ganz eclatant zeigt sich aus den Curven das abnorme
Verhalteii des Glycerins, da dies an Diimpfung der CuS0,Losung niit k' = 20 000 etwa gleichkommt. Die Viertelwellenlange im Glycerin ist etwa +j.' = 3,5.
Diese Widerstandsmethode ist auf andere Fliissigkeiten
nicht angewandt worden, da sie sehr zeitraubend ist und die
Methode der LeuchtwiIkungen nicht iiur schneller , sondern
auch sicherer arbeitet.
+
1) Hinsichtlich der numerisehen Wcrthe, nach denen die Curven
construirt sind, vgl. deli Originalaufsatz.
2) Dic nunicrischcn Werthc fiir h' sind in der Tafel angegebcn.
Anomale dectrische Bispersioii.
13
Fehlerquellen.
Solche konnen entstehen :
1. durch zu geringe seitliche Ausdehnung der Flussigkeit,
2. falls der galvacische Widerstand der Drahte D B eine
gewisse Hohe iiberschreitet,
3. durch falsche Lnge des Fliissigkeitsanfangs,
4. eventuell hat auch die Lage des Fliissigkeitsendes
etwas EinHuss auf das Resultat.
Hirisichtlich der Discussion und Vermeidung dieser Fehlerquellen verweise ich auf den Originialaufsatz.
Resultate.
Im Folgenden bezeichnet n den electrischen Brechungsexponenten, d. h. das Verhaltniss der Wellenlangen in Luft
und in der betreffenden Fliissigkeit. I n Klammer ist die Genauigkeit beigefugt, mit der n nach den Beobachtungen als
ermittelt anzusehen ist. 9. bezeichnet die Versuchstemperatur.
Die Beobachtungen sind ausfiihrlicher im Originalaufsatz mitgotheilt.
1. Bestillirtes H'asser. I )
Kleiner Erreger: 9. = 1 7 O ; n = 8,95 (+ 'I, Proc.)
19. = 11,7O; n = 9,07 (k'/,
,, )
Grosser
,, 9. = 11,6O; n = 9,03 (+ 'I, ,, )
Absorption isi nicht bemerkbar. - n 2 stimmt mit den zuverliissigsten Zahlen, welche andere Beobachter mit langsameren
electrischen Wechselfeldern fur die Dielectricitatsconstante des
Wassers erhalten haben, innerhalb 1 Proc. Abweichung iiberein.
Da die Schwingungszahl des kleinen Erregers (reciproke Dauer
einer Doppelschwingung) 400 Millionen in der Secunde ist, so
ist also die Dielectricitatsconstante des Wassers bis z u Schzuinqiinqen deer Schiuinyungszahl PO0 Billionen in der Secunde innerAalb 1 PTOC.constant.
1) Mit Wasser sind sehr viele Versuche unter variirenden Nebenuinstlnden angestellt. Das Kesultat aller dieser Versuche sowie der
Texnperaturcoefficient, sol1 spater mitgetheilt. werden. Hinsichtlich des
letzteren will ich aber schon hier bemerken, dass ich ihn bis zur Temperatur 25O sehr nahe in Uebereinstimmung mit der H eerwagen'achen
Zahl gefunden habc.
,
14
P. .Urude.
2. Glycerin, kauflich reines. Spec. Gew. 1,26 bei 15('.
Kleiner Erreger: 19.= 15; = 5,04 ( 5 3 Proc.)
Grosser
,, I? = 15; n = 6,24 (& 3 ,, )
Absorption ist sehr bedeutend. Es war nur der erste Bauch
und der erste Knoten erkennbar, letzterer beim kleinen Erreger schwieriger , als beim grossen. U e r Brechnun.qsexponen.t
besitzt starhe anomab Dispersion.
3. Meth!jlalkohol, Ton K a h l b a u m als acetonfrei bezogen.
Spec. Bew. 0,796 bei 15".
Kleiner Erreger: I? = 16,5; n = 5,76 ( & 1/4 Proc.)
Absorption ist nicht bcmerkbar.
4. Aethylalholiol, 90,5proc.
Kleiner Erreger : 9. = 1 ti,4; n = 4,80 (h Proc.)
,, 17 1S,4; n = 4,92 (& 1 ,, )
Grosser
Absorption cleutliclr bemerkbar, der zweite Knoten ist mit
dem kleinen Erreger nicht mehr zu erkennen. Der Brechunpexponent besitzt anornab Dispersion, die allerdings nicht stark
ist, aber unzweideutig aus den Beobachtungen folgt.
6 . dmylalkohol, von K a h l b a u m bezogen. Spec. Gew.
0,812 hei 16O.
Kleiner Erreger: A. = 18,5; n = 2,34 ( & 2 Proc.)
,, A, = 17,3; n = 3,03 (& 1,Fj ,, )
Grosser
Die Absorption ist selir stark, noch etwas stirker als bei
Glycerin. - Ber Brecliunpxponert besitzt starke anomale Uispcrsion.
6 . Xssigsiiure, Eisessig, von R a h l b a u m bezogen.
Proc.)
Kleiner Erreger: 7 9 = 19,5; n = 2,51 (&
,, 19 = 17,O; n = 2,66 (& 1 ,, )
Grosser
Die Absorption ist ziemlich stark, der zweite Knoten ist mit
dem kleinen Erreger nicht einstellbar. Dar Brecliunpe.~poncnt
besitzt clcutliclie anomale Dispersion.
7. A d i n , von K a h l b a u m hczogen. Spec. Gew. 1,03
liei 15 O.
Kleiner Eheger: ;k = 1 4 ; n = 2,67 (+ 'I, Proc.)
Die Absorption ist g e r i t y , ober cleiitlicli bcinsrkbar anotnal,
d . h. grosser, als sie der Leitfahiglteit fur constante Strome entsprechen wurde. Der zweite Knoten hat diesellie Deutlichkeit
wie der fiinfte his scchste Knotcn im Wasser.
-
15
ilnomale electrische Bispersiott.
8 . Aethylather, von K a h l b a u m als wasserfrei bezogen.
Spec. Gew. 0,722 bei 1 2 O .
Kleiner Erreger: 19 = 17,8; n = 2,10 (f 'la Proc.)
dbsorptiorr ist nicht rnit Sicherheit constatirt.')
9. Benzol, von K a h l b a u m als thiophenfrei bezogen.
Kleiner Erreger: 9. = 19,4; n = 1,504 (+ Proc.)
Absorption ist nicht bemerkbar.
Zueammenfaeaung.
Im Folgenden stelle ich die hier gewonnenen Resultate
zusammen und vergleiche sie mit den Werthen der Dielectricitatsconstante, welche andere Beobachter mit langsameren
Wechseizahlen erhalten haben. Ich benutze dazu die BeobTereachtungen von H e e r w a g e n ?-), F r a n k e 7, N e r n s t
s c h i n 6 ) , T h w i n g 7, C o h n und Zeemann. ') Erstere vier
Beobachter haben Wechselzahlen benutzt, die als sehr klein zu
bezeichnen sind (N sehr klein), bei T h w i n g war die Wechselzahl, wie ich aus den Dimensionen seines Erregers berechnet
habe, etwa N = 25. 10ssec-l ( A = 12 m), bei Cohn und Z e e m a n n lag N zwischen 2 7 . 1 0 G und 100.106. Ihre Beobachtungen, die sich nur auf Wasser beziehen, sind zum Ersatz der (wahrscheinlich unrichtigen) Zahl von T h w i n g benu tzt word en.
Die Zahlen der anderen Beobachter sirid auf die Ten)peratur meiner Beobachtungen, die in der mit 9. iiherschriebenen Columne angegeben ist, umgerechnet fur folgende Flussigkeiten unter Annahnie folgender Temperaturcoefficienten:
"),
1) Gewisse Aozeichen, die niiher im Originalaufsatz angegeben sind,
eine ganz geringe anomale Absorption wahrscheinlich machen.
2) F. H e e r w a g e n , Wied. Ann. 49. p. 272. 1893.
3) A. F r a n k e , Wied. Ann. GO. p. 163. 1893.
4) W. N e r n e t , Zeitachr. f. phys. Chemie 14. p. 622. 1894.
5) S. T e r e s c h i n , Wied. Ann. 36. p. 792. 1889.
6) Ch. B. T h w i n g , Zeitachr. f. phys. Chem. 14. p. 286. 1894.
7) E. C o h n u. P. Z c e m u n n , Akatl. d. Wissensch. zii Amsterdam,
September 1895.
-
D i s D e rs ion s t a be11e.
N
=
~~
4O0.10'
-
a
17
~
N = 150.10'
-
15
N
80,2
17000
16
-
d
-
25,P
-
17
17
bis
18
19
19
8000
14
-
+ (3)
+
Abs.
25. loe
79,7
3400
33,2
7 500
723
79,4
39,l
23,O
6929(19
448
2,262
7,14
+
Abs.
18
56,2
+
18
~
Wasser
92
3470(16)
24,4
18000
M
Glycerin
32
24,s
6,51
-
Methylalkohol
46
+
Substanz
Aethylalkohol
10,s
(17)
11,3
60
7,07
88
Essigsfiure
93
10'3(16)
Amylalkohol
Anilin
74
78
Aethyllther
Benzol
17
Anomale electrische Dispersion.
Wasser
da = - 0,45 Proc. pro Grad
Aethylalkohol d e = - 0,4
,, ,, 1 1
Amylalkohol d a = - 0,i'
,, ., 1 7
-4ether
d e = - 0,3
,, ,, 1 1
Benzol
d & = - 0,09
,, ,: 91
Anilin
d e = - 0,5
,, ,, 7 1
Den Temperaturcoefficienten fur Wasser (den ich auch
fur kurze Wellen sehr gut bestatigt gefunden habe) entnehme
ich der Arbeit von H e e r w a g e n , die anderen Temperaturcoefficienten der Arbeit von Nernst. - Fur Glycerin war
eine Umrechnung nicht nothig, da auch T h w i n g bei 1 5 O beobachtet hat, fiir Essigsaure und Methylalkohol habe ich keine
Reduction vorgenommen, da bisher keine Messungen uber den
Temperaturcoefficienten vorliegen. Die in Klammern dabei
gesetzten Zahlen beziehen sich auf die Beobachtungstemperatur
bei diesen Flussigkeiten. Die Indices der in der Columne ,,Nklein"
angefuhrten Zahlen beziehen sich auf die Beobachter H e e r wagen: 1, F r a n k e : 2, N e r n s t : 3, T e r e s c h i n 4, die Thwing'schen Zahlen sind (mit Ausnahme der Zahl fur Wasser,
vgl. oben) in der Columne ,,A7 = 2 5 . lo6" enthalten. - Die
dritte Columne enthalt das Moleculargewicht M , die vierte
das Quadrat des optischen Brechungsexponenten fur rothes
Licht. In der Columne ,,A' = 150. l o s r cbez. ,,N = 400. 106"
sind meine Beobachtungen angefiihrt , und zwar das Quadrat
des Verhaltnisses der Wellenlangen in Luft und Flussigkeit.
In den Columnen ,,Abs." (Absorption) ist entweder die Leitfahigkeit K einer sich gleich verhaltenden Kupfersulfatlosung,
multiplicirt mit 1010, angegeben , oder , falls keine genaueren
Bestimmungen vorliegen, durch ein - das Fehlen, durch
das Vorhandensein von Absorption gekennzeichnet.
Diese Zusammenstellung bestatigt die von mir gemachten
Beobachtungen insofern , als fiir alle diejenigen Substnnzen,
fur welche deutlich anomale Absorption und durch Vergleich
des mit dem kleinen und dem grossen Erreger gefundenen
Resultates deutlich anomale Dispersion nachgewiesen ist, das
ist Glycerin, Aethylalkohol, Amylalkohol, Essigsaure, die Dielectricitatsconstante fur kleinere Schwingungszahlen N zum Theil
wesentlich grosser ist , als das Quadrat des Wellenlthgenverhilltnisses bei den von mir benutzten Schwingungen. Die
+
Ann. d. Phyn. u Chem. N. F. 68.
2
18
P. Brude.
'Substanzen sind in der Reihenfolge geordnet , wie sie der
Differenz :
Dielectricitatsconstnte E gegen n2 optisch
entspricht. Im allgemeinen nimmt in derselben Reihenfolge
die Starke der anomalen Dispersion ab, indess macht sich ein
bedeutender Einfluss des Moleculargewichtes geltend, wie man
an der fehlenden Dispersion im Wasser und Methylalkohol.
a n der starken beim Glycerin und Smylalkohol erkennt. Auch
beim Aethylalkohol ist die fur kleines N erhaltene Dielectricitittsconstante deutlich grosser, als na fur schnelle Schwingungen.
Es ist zwar zu berticksichtigen, dass die Beobachtungen mit
Prjlparaten angestellt sein konnen, die etwas verschieden sind
von den von mir benutzten. So ist der von N e r n s t angewandte Aethylalkohol hoher concentrirt (99,8 Proc.), als meiner
(99,5 Proc.). Indess wachst die Dielectricitatsconstante durch
Wassergehalt, die Differenz meines na beim Aethylalkohol
gegen den N e r n s t'schen Werth l) wird also noch vergrbssert,
wenn die Nernst'sche Zahl auf einen 99,5 proc.-Alkohol
reducirt wiirde. Die jiingst erschienene Arbeit von Cole
(vgl. oben p. 4) ergiebt n2 = 10 fur N = 6 . log, sodass die
anomale Dispersion des Aethylalkohol ausser Zweifel steht.
- Die Verschiedenheit des n2 und der Dielectricitatsconstante bei den ubrigen anomalen Substanzen ist so gross,
dass sie nicht entfernt durch Verunreinigungen erklart werden kann.
F u r Wasser, Methylalkohol, Benzol ist keine Dispersion
nachgewiesen. P u r letztere Substanz war sie auch nicht zu
erwarten , weil n2 optisch nahezu mit der Dielectricitatsconstante iibereinstimmt.
Fur Aether ist bei den kurzesten Wellen moglicherweise
etwas Absorption vorhanden. Anomale Dispersion ergiebt sich
aber aus der Zusammenstellung nicht; ob eine sehr geringe
normale Dispersion vorhanden ist, kann man mit Sicherheit
nach den bisherigen Resultaten wohl noch kaum sagen. 1) Der Werth von T e r e s c h i n ist etwas kleiner, als der Werth
von Nernst. Indess sind letztere Zahlen wegen der Compensation der
Leitftihigkeit wohl ah die zuverlresigeren anzusehen, wie auch schon der
Umstsnd zeigt , dam T e r e s c h i n fur Wasser einen unwahrscheinlich
hohen Werth (82,6) erhalten hat.
19
Anomale electrische Dispersion.
Beim Anilin scheint eine geringe anomale Dispersion vorhanden zu sein , wofiir besonders die Andeutung anomaler
Absorption fiir kleine Wellen spricht ; auch die Verschiedenheit des na und 6 scheint grasser zu sein, als sie eventuellen
Verunreinigungen zugeschoben werden konnte.
Von hohem Interesse ist die Untersuchung mit noch
schnelleren electrischen Schwingungen , als die hier angewandten, um die Dispersionscurve weiter fortzusetzen und. auch
die wichtige Frage zu erortern, ob innerhalb der experimentell
erreichbaren schnellsten electrischen Schwingungen die Absorption der anomal sich verhaltenden Substanzen mit zunehmender Schwingungszahl wiederum abnimmt. Da Dank der erfolgreichen Arbeiten von R i g h i und L e b e d e w die Schwingungszahl sehr hoch getrieben werden kann, und (wie ich friiher
zeigte) schon mit Drahtwellen eine sehr hohe Schwingungszahl zu erreichen ist, so scheinen mir derartige Untersuchungen
Erfolg zu versprechen. l)
Man erhalt dann vollkommeneren Aufschluss iiber die
Natur und Lage der Hauptabsorptionsgebiete der Substanzen,
und durch die Ausfiihrung dieser electrischen Syectralanat'yse
werden sich, da sie die Grundschwingungen der Korper, und
zwar der (vielleicht gegenseitig beeinflussten) Moleciile, ergiebt,
vermuthlich directere Beziehungen zur chemischen Constitution
der Korper ergeben, als sie bisher mit Hulfe der optischen
Spectralanalyse ermittelt sind, die vielleicht nur auf hohe
Oberschwingungen, oder auf die Grundschwingungen der Atome
Schliisse ziehen lasst.
Schon die bisherigen Resultate locken zu einer Deutung
von chemisch - theoretischem Standpunkte aus. Dass es nahe
liegt, das Fehlen der Dispersion im Wasser mit der Einfachheit
des Moleciilbaues und dadurch bedingter hoher Schwingungs1) C o l e (1. c.) hat fiir Aethylalkohol schon 15mal schnellere Schwingungen benutzt, als ich sie hier mgewandt habe. Nach seiner Methode
ist das Absorptionsvermijgen nur sehr indirect und nicht genau zu bereohnen ; durch Vergleich des Reflexionsvermogeus f~ Schwingungen,
die parallel, bez. senkrecht zur Einfallsebene statt6nden. - Durch Nachbildung der in der Optik iiblichen Methoden erhglt man genauere Bestimmungen der Absorption durch Reflexion.
2*
20
P. Brude. Anomale electrische Dispersion.
zahl der Grundschwingung in Beziehung zu setzen, habe ich
schon oben p. 2 angedeutet. Dass Benzol und Anilin trotz
hohen Moleculargewichtes tiefer Grundschwingungen entbehren, kann mit der ring flrmigen Constitution des Moleciils
in Zusammenhang stehen. Denn ein Ring hat einerseits
hohere Eigenschwingungen, als ein gestreckter Korper gleicher
Lange, andererseits ist er auch weniger fahig, die Energie
ausserer electrischer Wellen in Eigenschwingungen umzusetzen.
Indess entsteht dann die Frage, weshalb fiir andere
Kohlenwasserstoffe und iiberhaupt sehr viele Korper die Dielectricitatsconstante , wie sie fiir kleinere Schwingungszahlen
gefunden wird, nahezu mit dem Quadrat des optischen
Brechungsexponenten zusammenfallt. Nach der Dispersionstheorie ist zwar fur diese die Existenz langsamer Eigenschwingungen nicht unmbglich l), aber allerdings sehr unwahrscheinlich.
Die Beantwortung solcher Fragen kann mit Erfolg erst
durch Anwendung der electrischen Spectralanalyse auf viele
Substanzen gewonnen werden. Bass diese schon mit verhaltnissmassig langen Wkllen und einfachen Bulfsmitteln uberhaupt
moglich ist, mochte ich als Hauptresultat des JJitgetheilten bezeichnen. - Das speciellere Resultat lautet :
1. Glycerin, Aethjlalkohol, Amylalkohol, Essigsaure besitzen
fur schnelle electrische Schwingungen anomale Dispersion, d. h.
Abnahme des electrischen Brechungsexponenten mit wachsender
Schwingungszahl, und (mit Einschluss von Anilin) anomale Absorption, d. h. eine solche, welche vie1 grosser ist, als sie ihrer
Leitf'ahigkeit fur constante Strome entsprechen wurde.
2. Die Dielectricitatsconstante , welche diese Flussigkeiten
fiir langsame Wechselzahlen besitzen , ist griisser , als das
Quadrat ihres electrischen Brechungsexponenten f u r sehr schnelle
Wechselrahlen.
3. f i r Ifasser, Methylalkohol, Benzol gelten diese Anomalien innerhalb der benutrten Schm'ngungszahlen nicht, jiir Aether
nur insofern, als er vielleicht etwas anomale Absorption besitzt.
1) Die Dispersionstheorie zieht nur mit Nothwendigkeit den umgekehrten Schluss, daes, falls die Dielectricitiitsconstante gr6sser als daa Quadrat
dea optischen Brechungsexponenten (fur rothes Licht) ist , langsamere
Eigenschwingungen vorhanden sein miissen.
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