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Auszug aus einem Briefe.

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1
v I,
AUSZUG AUS EINEM BRIEFE
von
Herrn
R I C H .C H E N E V I X ,
Esq., M i t g l . d . L o n d n . u. D u b l . S o e . ,
o n den Pro/.
Gilbert.
Miinchen irn Oct. 1806.
I c h bin Ihnen fehr verpfljchtet fiir die A r t , wir
Sie bei meinem Bemiihen, Thorheiten in den Wifienlchaften zu riigen , mir behulflich gewefen find;
und ich rechne auf Sie auch fiir die Zukunft. Nicht
dars ich mit irgend jemand und am allerweoig;
ften mit den Tranfcendentaliften einen litterarifchen Krieg zu fiihren gedenke; nur auf einiga
Streifzilge durch das Reich der Phantome ilt es
a bg efeh n
ZU der Zeit, als Sie mir die E h r e erteigt hab e n , meine verfchiednen Auffatze ilber Gegenftgnde diefer Art zu uberfetzen, *) dachte ich
.
*) Kritirche Bernerkungen, Gegenrttlnde der Naturlehre betreffend, gdchriebeh wahrend leiner
Aufenthalts in DeutZchland, ron R i c h ar,d
C h e n e v i x Deutfch bearleitet , und mit einigen Zufdtzen von L. W. G i l b e r t , Halle 1805,
86 s. 8. Einzeln abgedruckt aus diefen Annal.,
Gih
XX, ( 1805, Sta8,). 4 ~ .
.
n f c h t , dafs ich je ivieder Phnliche wfirde fichrelben kijnneo. Xcb habe feit einem Jahre zu Lande und zp Waffer alles mogliche Milsgefchick erlitten. Auf meiner Reile durch Ungarn traf ich
in Temsiuar rnit dem Ritter D ’ O c a r i z zulatnm e n , der als fpanjfcher GeFandter nach Conftantinopel ging, u p d den ich van Paris her kannte,
Jch benutzte diefe Gelegenheit, C o n h a t i n o p e l zu
fehen, urn fo lieber, da ich, der Jahrszeit nach, einen &Ionat dort hztte zubrlngen , und doch norh
zeitig genug nach Ungarn zuriick lcornmen konn e n , urn alles zu fehen, was ioh wiinfchte, und
daiin den Winter in Wien zu verleben. Das Schick[a1 hatte es indek anders belchldfen.
I n einem
hulgarifchen Dorfe, Sumlow, cfas zwifclien RUSZczuk und Warna liegt, faoden wir uns uolerer
1.7 krank, U R ~darunter auch R r . D ’ Q c a r i z .
Wir liefsen den beruhmtelten Arzt hqhlen ; es war
ein fehr gelehrter Jude m d Arzt dcs fchrecklichen Terfenigli.
Salz zum Purgiren hatte e r
nicht, er wollte uns aber Pillen gebes, die wir
a i c h t mochten,
D a indefs unfer Ueb-elhefinden
zunahm, und die Leste des Landes uas verfichert e n , fie nahmen Feit uedenklicher Zeit kein anderes Mittel gegen Alles, liefsan wir uns endlich
itherreden. l h r e piirgirende Wirkung war fchreckjich; am Abend fie1 ich in ein Fieber mit heftigem Phantafiren, welches die folgenden TaSe hier
anhielt. Herrn D ’ O c a r i z warf ein andres Mittel ausenblicklich in die grijfste Schwache, wid
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er ftarb am achten T a g e , den 27ften Sept. 1805,
zu Warna, i n einem Zimmer, welches von dern
meinigen nur cturch eine halb offne Bretterwand
getrennt war. Von dem Augenblicke a n lag ich
ahne Eewulstfeyn, Ein Bedienter, der oftreichifcher Compagnie Chirurgus gewefen war, gab
mir in diefern hoffnungslafen Ziiftande Kampher;
dieler hewirkte zwar eine ganftige CriGs, ineine
Schwiiche blieh aber fo. grofs, cfafs, als ich, ~ i m
die ubrigen nicht IPnger aufzuhalten , inich am
eilften T a g e unter dern grcfsten Leiden auf das
Schiff tragen liefs, ich jeden Augeyblick den Tod
erwartete.
-
Wir hatten drei Schiffe; das unfrige wsr 5
St. zqriick , als wir nach einer Fahrt von I S Stunden d e n Eiogang des Bo.spariis entdeckten. Wir
fahen die beiden vordern Scbiffe eiplaufeo; in
demfelben Augenblicke a k r trat zwilchen uns
ynd das Land eine Wolke, gerade fo) als wenn
man auf dern Theater den Vorhang herab ldst,
und ein fiircbteslicher W i n d trieb u s i n das offne &leer zuriick, w o wir als ein Spiel d e r Wel.
]en qrnher getrieben wurden.
D e n a weder die
Tijrken poch die Griechen verfteben die Schjfffqhrt; fie fingeq an zu heten und zu weinen.; ihre
~ ~ u i l o befand
le
Gch i n der Wihe yon Eifen, untl
fie wursten nicht fich ihrer 7 4 bedienen. Wir ware0 in einer fchrec$Jk!ien Lage, als wir u n s qm
anderi: Tdge an ~ t e raliatifChon Yiifte der Stac!t H e -
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1
gegtn aber befanden. *) Selbft n a c h , als
wir in den Hafed einliefen, ftiefsen wir gegen die
dndetti Schiffe, riffen Maften und Segel a b , u n d
verloren zwei v6n unferm Gefolge, welche ein
Schiff mit fortnahm, dao durch uns losgeriffen und
i n s offne iMeer getrieben wurde. Wir fanden endlicli gegen das fchreckliche Wetter i n d e r griechifchen Kirche Schutz, und bei dem Popen ein
Nachtlager. Es gab hier kein anderes Trinkwaffer, als purgirendes, und djefes griff mich hei
meiner Schwache fo gewaltig a n , dafs ich zwei
"age o h n e Lebenszeichen l a g , und dafs'man mich
vollig aufgab.
Erft nach neun Tagen konnten
wir uns wieder einfchiffen, urn die reitzenden Gefilde von Heraklea zu verlaflen , die rnit alien den
duftenden Blumen bedeckt find, welche M i 1 t o n
i m glacklichen Arabien lucht, und deren Frtichte alle andere ubertreffen.
Wir gelangten ziim zweiten Mahl bis an den
Eingang des Bosporus; zum zweiten Mahle trieb
uns der Sturm zuriick, unii wir blieben vier Tage lang ein Spiel aller Winde.
Die fechs Pferd e d e r Gefandtin, welche fich am Bord befand e n , wurden dabei fo unbzndig, dafs wir befiirchten rnukten, das Schiff werde ihnen nicht
lange widerftehen k o n n e n , und doch hatten wir
nichts, weder um fie zu tiidten, noch am fie iiber
Bord zu werfen; alle Lehensmiftel untl alles
r&ea
*)
Oder Eregli irn Innern eines Meerbufens, 3"
Gife.
oftl. voa Conftantinopel.
c
337
3
Walfer waren aufgezehrt; der Kapita'n wufste
nicht, wo er w a r , und getraute fich nicht, wiihr e n d des Sturms fich dem Lande zu niihern. Wir
zogen indefs jede andere Gefahr dem gewiffen Untergange v or , d e r uns vor Augen fchwebte , und n6thigten ihn , a u f die kilfte zd laufen; und das zu
unferm grofsen Glfick, denn wir hatten nur eben
n n c h Zeit, uns auf die Fellen zu retten, uod das a n
demfelben Heraklca, das wir vier T a g e zuvor verIaffen hatten, und das nicht von Einem der Matrofen war wieder erkannt worden. Nach fo vieler
iiberftaadnerNoth befanden wir uns bei den gebratn e n Kaftanien, den Wafferfuppen und dem elenden
Trinkwaffer unfers guten Popen fehr gliicklich.
D e r Landweg von Heraklea nach Conftantinopel war durcli Rauberbanden allzu unficher,
und in unferm vorigen Schiffe liefs Gch die Reife
nicht fortfetzen.
Wir oahmen daher kleinere
Schiffe, die gerudert ivurtlen, um dicht an rler
Kilhe hin zu fahren. A m zweiten Tage nach unferee Abfahrt wurden wir bei Znharia , einem wa€ten und ruinirten Dorfe, an das Land geworfen.
E i n e r unfrer Leute entdeckte bier ein Complot,
welches Riiuber gemacht hatten, uns zu ermord e n , und die Wachfamkeit des Aga rettete uns.
Zum vierten Mahle erlitten wir Schiffbruch zu
Chila, 8 Stunden von dem Eingange in den Rosporus.
Endlich gelangten wir am ngften Oct.
1805 nach Conftantinopel.
Was ieh diele 27 Tage iiber gelitterr hrbe,
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ftbzrfteigt a h Vorftellung.
Es hlieb mir acht
RIollate iiher eina folche Schwiche der Eingeweid e , dals ich taghoh zwiilf Mahl und mehc laxiren mulste, uod mich nicht aufrecht erhalten
konnte, und ich verfiel i n ein intermittirenctes
Fieber, das eilf hlonate anbielt, und wavon ich
faft alle Varietaten gehabt habe, unter andern dia
tertiana,[aporofa, van d e r ein A n h H 1 8 , rand ein
anderer 1 5 S’tunden dauerte. Erft nachdem icli
Jurch Ungarn naEh Wien zuriick gekomrnen war,
erlangte ich rneine Gefundheh wieder.
Icurze
Ztrit nach unferer Aslkunft In Cmfttjntinapel ftarh
oia Kurfcher des Hro. D ’ O c a r i z an den Folgen
deffdhen Vorfalls. H e r r D ’ 0 c a r i t war der tugendhaftelte Diplomatiker b i n e r Zeit.
Nichts
].iiCst &h mit feinem Betragen b e i dem Prozeffe
unti nach dem T o d e des unglucklichen Cudwigs
des Sechzehnten vergleichcn. Beim Sterben trug
er mir auf, feine Gemahlin nicht ehec, als wenn
fie an viiIlig Gcherm Orte fepn wiirde, zu verlaf{en, u n d aus diegem Orunde werde ich fie iiber
Paris nach Madrit begleiten.
Wahrend ich i n der Tilrkei war, und fiir todt
p h a l t e n q u r d e , hat man rnir in Deutfchhnd auf
e i n e beleidigende Weife den Krieg semacht, und
uur Sie hahen mich vertheidigt. .
Sehen Sie
fich var, mein werthelter H e r r , d d s man nitht
i n diefer Welt eiilen aegativen Menfchen ruche,
und i n Ihre Nnhe fithre, urn Sie beid.e m i t einqn(ier verlrchwinden zit macheo, wie man cks mit
. . ..
+ -
1.
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3
dern
und
t h u t , und wie es die Tranfcendentariften mit der gelamniten Materie thun zu konn e n behaupten.
Ift i h r $yftem des Dualismus
w a h r , fo miiffen wir i n d e r T h a t alle fiir uns
ftirohten ; tlenn wahrfcheinlich werden fie i n ihu r n Syfterne den Tranfcendentaliften ausfchlielsljch das Vermogen vorbehalten, die pofitiven und
die negativen Menfchen zu erkennen, und fo eixien mit dem andern his auf die lztzte Spur ausaurotten. Hoffentlich wird es wenigftens i m Paradiefe lieine pofitivon und negativen Seelen geben ;
die Engel, w e k h e aus d e r tranfcendentalen Schul e k o m m e n , mochten urn fanft wohl gar u.nfre
Aechte an die ewige Seligkeit esoamotiren.
In einer Abhandlung 6ber einige rnineralagifchc Gegenftando habe i c b die Sylteme d e r
X e r r e n W e r n e r und Hau.y mit einander verglichen, und jch geftehe I k n e n , ich bin ftir das
letztere. Dafs man i n Sachlen wiinfche, die Nineralogia fo geJehrt zu fehen., wie fie der Bergmann braucht, ift, lehx natlixlich ; diefes ftihrt aber
zu einem rnethodifirten Ernpirismus, d e r nicht die.
Wiffenfchaft ilt. Firr den Bprgmann ift tliervletl~ode
H a u y ’ s nicht; warurn will man aber Clem Satucforfcher die Mjttel entziehsn, auf fe19erri Ziminer
unfere Kenntnige au $ + - e n ? I n der Wiffenfct;$:
ift es rnehr werth, l k h e r , als fchnoll zu beltim-
--
men..
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