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Beitrag zur Beantwortung der Frage ob Chlor Jod und mehrere andere Metallode suren- und basenbildende Krper wie der Sauerstoff seyen.

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3.36
II. Beitrag
zur Beantmortung iler Frage, ob
CJiZor, Jot1 und mchrere andere ~fetalloide
sauren - urid basenbildende Kb'rprr wie der
Sauerstof f seyen ;
oon P . A. c o n B o n s d o r f J :
(t'eienrk. A c a d . UandIing. f: 1830, Pt. 1. Fonsetzting der im
Bd. 93. S. 265. abgebrocbenen Ablrandlung.)
B e v o r ich zu der Reihe von Versuchen iibergehe, welche ich weiterhin aus eiuander setzeu werde, mag es mir
erlaubt seyn, iioch einige erghzende Bemerkungen iiber
verschiedene der Verbindungell vorauszuschicken , w e l c h
ich in dem friiheren Theil meiner Abhandlung zwar beschrieben, aber spaterbin Gelegenbeit gehabt, noch naher
zu untersuchen.
Unter den Chloro -Hydrargyriaten habe ich friiher
ron der ails 1Atom Kaliumchlorid und 2 Atomen Quecksilberchlorid bestehenden Verbindung gesagt, dafs sie in
groben nadelf6rmigen Krystallen, zusalnlnengewachsen zu
sternfiirrnigen Gruppen, anschiefse *). Ich habe spater
Lin gefunden, dafs eine wafsrige Aufliisuug des genannten Salzes, weiche man in einem etwas hohelu Glase,
desseil Rznder zur Verhinderung der Efflorescenz mit
etwas Talg bestrichen siud, bei Sornmerwiirwe verduusten l m , diinne oder plattgedriickte vierseitige Prismen
giebt, an denen der M'inliel zwiscben der Basis und deu
Seitenflzchen nur zwei bis drei Gind vom rechten Winkcl abzuwcicheu scheiat. Ich fiihre diefs besonders ails
dem Grunde an, weil ich, wie wan vieiterbin sehen wird,
eine andere Verbindung gefundeu habe, die in derselben
Form anscbiefst, und die, ob@eich ein anderes elektrone*) Poggendorff's Annalen, 1529, No. 9. S. 125.
337
negatives, oder, nach meiner Ansicht gesprochen, cin anderes saure- und basenbildendbs Element enthalteud, doch
cine vollkommen analoge Zusammensetzung besitzt, und
&her nach allem, was sich an den diinnen, fast lamellenf6migen Krystallen dieses Salzes beobacbten lelst , 'mit
jenem isomorph ist.
In Bezug auf die Verbindung aus 5 At. Quecksilberchlorid und 1 At. Calciumchlorid verdient bemerkt
zu werden, dab wenn eine nicht vollkolnmen mit Quecksilberchlorid gesattigte Liisung von Calciumchlorid der
freiwilligen Verdunstung bei warmer Winterluft iiberlassen wird, grofse Krystalle mit einer Menge Flachen anscbiefsen, doch nicht so vollkolnnien ausgcbildet , d a t
die Gestalt mit Sicherheit erkannt werden konnte; einer
der Hauptwinkel sclieint 125O oder nahe so vie1 ZLI betragen. Da ich noch eine dritte Verbindung von den genaunten Chloriden vermujhete, so analysirte ich diese
Krystalle, erhielt aber dasselbe Resultat wie bei dem, in
Octaedern oder Tetraedern nach dem angefiilirten Verlialtnifs anscbielsenden Salz, namlich S5,23 Quecksilberchlorid, 6,65 Calciumchlorid und 5,12 Wasser. Uer gefundene Winkel von 1250 kaun dahcr nur einem CuboOctasder angehoren, der dritten Krystallform aus dem
regelmatigen Systeme, welche dieses eigen genug und
gerade nicht einfach zusammengesetzte Salz darbietet.
Was das Chloro-Platinas Caicicus betrifft, so muk
ich bemerken, dafs eine Losung desselben, welcbe bei
geringer Trockenheit der Luft eioem sehr langsamen Verdunsten ausgesetzt war, dabei sehr deutliche rhombisclie
Prismen mit Seitenwinkeln von 90° und einigen weiiigen
Graden, nebst einer nur unbedeutend schief angesetzten
Endfliiche gab. Ihr lockerer, fast pulvsrformiger Zusainmenhang Ialst krtine nahere Bestimmung zu, aber aller
Vermuthung nach ist die Krystallform isomorph mil der
des Strontiumsalzes, dessen rhoinbische Prismen, mie i c i
fruher angefuhrt habe, eiiieii Winkel von 9 3 O in deu
I\nnnl.d.Physit.R.95.St.3.J.1830.St.7.
Y
338
Seitenfl:iclien bilden. Bestitigt wird diek ailherdem durcli
die vollkoininen analoge Zusamniensetzung, wobei icli
binzusetzen mufs, dafs d i e friiher von mir aus einer nicbt
in allen Theilcn gnnz sicheren Analysc hergeleitete Forinel: Ca CI+PtC12+8Aq. *), durcli eiue neue Zerlegung
des in prismatiscben Krystallen angeschossencn Salzcs mittelst der Redoction durch Wasserstoffgas vollkommen bcstdtigt worden ist.
Das gefundene nnd das daraus berechncte Resnltal
ist niimlich folgendes:
Chlor. nercchn. Rcsulta?.
Platincblorid
Calciurnchlorid
Wasser
56,79
2-1,lO
11,66
57,OS
24,76
1S,7G
24,16
lo0,OO
lO0,OO.
19,45
Einige Zeit, nachdem ich ineine ersten Vcrsuche zum
Erweise, daL das ChIor als ein ssuren- und basenbilderider Kiirper eine eigene Klassc von Salzen bervorbringe , aiigestellt hatte, trat B a l a r d niit dcr interessanten Entdeckung eines einfachen Kiirpers hervor, welclier
durch seine pliysisclien und chemischen Cbaraktere in die
Reihe der elektro- negativen Elemelite neben deiii Chlor
zu stehen kommt, oder gewissermafsen das Verbindungsglied zwischen dem Chlor und Jod ausmacht. Da der
neuentdeckte Kiirper, den man mit dcin Nainen Bront
bezeichoet hat, iu seineill cbeinischen Yerhalten zu nnderii Kiirpern eiue so 'grofse Analogie mit den beiden
ebengenanuten Elementen zeigt, so schieu es mir sehr
natiirlich, dafs seiue binzren Verbindongen n i t elektronegativeu und elektro-posiliven Metollen, gleich den entsprecheiiden binkiren Verbiuduugeu des Clilors und Jods,
nach der von mir aufgestcllten Ansicht, Karper bilden
wiirden, die den SZureu und Hasen analog wsren, und
sich folglich wie dicse ontcr cinander zu Snlzen verbrinden.
*) A. a. 0.No. 10. S. 254.
339
Mit besonderer Riicksicht auf die elektro -negdtiven Met&,
Verbindungen mit Chlor ich bisher unterhatte, unternahm ich daher eine Untersuchung uber
die Verbindungen der Bromide dieser Motalle mit den
Bromjaen der elektro -posithen Metalle. Das Resultat
dieser Versuche hat gezeigt , dafs die elektro -negativen
Bromide, wenigstens die voo mir in dieser Beziebung
geprcften , niimlich die vom Quecksilber, Platin, Gold
und Palladium, ohne Ausnabme, auf gleicbe Weise wie
die Chloride VerbindunKen mit den Bromiden der elektropositiven Metalle eingehen; zugleiclr hat sich bei dieser
Untersuchung ergeben, dafs das Brom, auch als Szurenoder Basenbildner die auffallendste Aehnlichkeit uit dem
Chlor zeigt, und dak die analogen Salze beider Kiirper,
wenigstens in den mcisten Fiillen, neue uiid schlngcnde
Beweiae voo der Isomorphie einfacher Kiirper und deren
analogen Verbindungen abgeben.
Ich gehe nun zur Auseioandersetzung der von mir
auf diesem Felde angestellten Untersuchungen tiber, und
werde dabei der Kiine wegen eine aualoge lateinische
Nomenclatur wie friiher anwenden.
Bromo -Hydrargyriate.
Das Quecksilberbromid, oder die hachste Verbindung des Broms mit Quecksilber besitzt eine solche A&lichkeit mit dem Chloride dieses Metalls, da€s man, wenn
man diefs Chlgrid zum Vorbild nimmt, die der Theorie
nach miSglichen Verbindungen leicht und sicher erhalt.
Eine AuflBsung des Quecksilberbromids in Wnsser reagirt, besondcrs wenn man Wiinne zu Hiilfe nimmt, ganz
deutlich als S u r e auf Lackmuspapier, und diese Reaction
mird durch die Bromide elektro - yositiver Metalle, wie
Kaliiun, Natriurn, Barium , Calcium, Magnesium, Maugan
u. s. IV., vollliommen aufgehoben odcr neutralisirt. Aucll
habe icli die den Chloro - Hydrargyriatcu abnlichen Verbindungen erbaltcn, wenn ich cine geszttigte kalte AufY2
340
l6sung der elektro-positiven Bromide mit trocknem Quecksilberbromid behandelte, welches sicli darin init vieler Regierde aufldste. Die gesattigten Losungen fillrirt und abgedonstet, entweder bei gewilhnkher l'ernperatur im warmen Zirnmer oder unter der Evaporationsglocke *), liehen
sehr leicht krystallisirende Verbindungen zuruck. Alle
SaIze, welche ich erhalten habe, sind leicht liislich im
Wasser; ein Theil derselben ist unvertinderlich an der
Luft, ein anderer zerflietlich. Das zu diesen Vcrbindungen angewandte Quecksilberbroinid wurde durch Behandlung von metallischem Quecksilber init Brom uiid
Wasser in Digestionswarme, durch Aufldsung des Gemenges in siedendein Wasser und Krystallisation bereitet; die tibrigen Bromide wurden meistens dargestellt
durch Auflbsung der Metalloxyde oder deren Carbonate
in Brornn;asserstoffsBure, bereitet aus Brom mittelst Schwefelwasserstoff.
Brorno- Hydrargyrias Kalicus. Das Quecksilberbromid verbindet sich wenigstens in zwei Verhiiltnissen
init dein Kaliumbroniid. Die kalte geSsttigk AufIiisiing,
in gewiihnlicher Ziinmer- Temperatur zuin Verdunsteii hingestellt , giebt diiiiiie oder plattgedruciite rhonibische
Prismen init Endflachen, die unter einelu nicht vie1 von
90° abweichenden Winkel gegen die Seitenfllcheii neigen. Allem Vermuthen nach siiid diese Krystalle isomorph init denen der lnittleren Verbindung aus Quecksilberchlorid und Kaliurnchlorid (S. 336. ). Das Salz halt
sich unversndert an mehr oder weniger trockner Luft und
ist liislich in Alkohol. Die Analyse desselben wurde mit
0,718 Grm.vollkoinlnen aiif dieselbe Weise angestellt, \vie
ich sie bei deli Vcrsuclicn mit den Chloro-Hydrargyriaten
beschrieben babe, niinilich durch Sublimation in einein
kleinen mit einer zweilen Kugel versehenen Glasapparalw)
I
*) S. diese Aonalen, Bd. 91. S. 604.
") S. diesc Annalcn, Bd. 93. S. 121.
341
Das Wasser wiirde vorsichtig ausgetrieben, das Que&silberbromid' soblimirt, ulld das Kahlnchlorid blieb ZUruck, so d d s das Gewicht eines jeden Bestand1Iieils fur
sich bestinirnt werden konntc. Das Resultat dcr Analyse
war folgendes:
Brom.
Qiecksilberbroinid
K ali um bromid
Wasscr
72,42
2410
Bereelin. Verldtn.
3,43
72,61
23,75'
3,64
100,oo
100,00
31,58
10,06
welchem ziifolge die chernische Constitution des Salzes
durch
KBr+HgBr+2k
ausgedruckt mird, eine Formel, welche der fur das genaunte Chloro-Hydrargyriat ganz analog ist.
Vermischt man eine Aufliisung des eben beschriebeneu Salzes mit einer Aufliisung von etwa einer gleichen
Menge Kaliumbromid, und llilst das Gen!eiige verdansten,
so setzt sich ein Salz in prismatischen Krystallen ab, welches eine cigene Verbiiidiing zu seyn scheint, und veriiiuthlich ein Atom vou jcdelu Bestaiidtheil enthdt, wie
das analoge Salz aus Quecksilberchlorid und Kaliumchlorid. Biers prismatische Salz ist unveranderlich a n der
IAUft.
Erorno - Hydrargyrias Natricus schiefst in prismatischen Nadeln an, die in einer trocknen Luft, wie in crwsrmter Winterluft hallbar sind, in weniger trockner Luft
aber feucht werden. Als dieses Salz in trockner Form
in einem offncn GeFifse aufbewahrt wurde und dabei
durch die gerade nicht schr feuchte Zimmerluft (in Folge
eiuer ahnlicben Ueschaffenheit der freieu Luft) in eine
Fliissigkeit iibergegangen war, fanden sich uacli einigeu
Tagen, wahrend der die aukere Luft k3lter und trockuer gcn ordcn war, ziemlicli g r o t e IirysLaIle in platten
rlcnibisclicn Prismen lnit schiefen Uasen angeschossen,
342
denen ahiilich , welche das eben beschriebcne Kaliumsalz
giebt.
Bromo-Hydrargyrins Baryticus schiefst in prismatischen, stark glanzenden Krystallen an, welche sich in einer etwas trockneu Atmosphare halten, in feuchter aber
zerfliefsen.
Bromo - Hydrargyn'as Calcicus. W i e das Calciumchlorid, bildet das Calciumbromid zmei verschiedene Verbindungen. Durch Verdunstung der mit Qnecksilberbromid gesattigten LBsung von Calciumbromid , bei gelinder
W a r m e oder urter der Evaporationsglocke, so wie auch
durch freiwillige Verdunstung in trockuer Luft, schieht
zuerst ein Salz in octacdrischen oder tetraiidrischen, stark
glanzenden Krystallen an, welche in trockner Luft sich
halten, und, mit ein wenig Wasser iibergossen, sich zersetzen, aber durch Warme wieder aufgelijst merden konnen, und dann aiifs Neue anschielen. Die von diesen
zuerst angeschossenen Krystallen abgegossene Liisung giebt,
bei weiterer Verdunstung in der WSrme oder unter der
Evaporationsglocke, eine andere Verbindiing in Prisinen
oder nndelformigen Krystallen, welche iiii hochsten. Grade,
selbst in trockuer Luft, zerflicfslich siud.
Man wird aus dieser Beschreibung ersehen, dafs diese
Salze die grsfste Aehnlichkeit mit den Chloro -Hydrargyriaten des Calciumchlorids besitzen, und ohne Zweifel
wiirde die Analyse dieser S a k e auch eine analoge Zusammensetzung nachweisen, wie in diesen Amalen, Bd. 93.
S. 131., angefiihrt ist *).
Brorno - Hydrargyrias Magnesicu. Auch Magnesiumbromid giebt mit dein Quecksilberbromid zwei besondere Verbindungen. Die erste schiekt in dijnnen breitblattrigen Krystallen an, welche sich selbst in einer we.)Eine rnit dem znerst angcschossenen Salze unternornmene Analyse hat auch diesen Schluh best:tigt, obgleich sic nicht so volikommen gennue Rosultate gegebcn, d a h sic hier angefuhrt zu
werdcn vcrdientcn.
343
niger trockneii Luft haltci : die andere, welche bernach
beiiu Verdunsteu uuter der Eval)orationsglocke krystallisirt, gleicht in der Schuelligkeit, mit der es Feuclitigkeit
aus der Luft anzieht, dem Calciumsalz. Auch in diesen
Magnesiumsalzen zeigt sich eine sicbtlichc Analogie mit
den entsprechenden Cliloro -Hydrargyriateu.
Bromo - Hydrargyrius i?langanosus scliiefst in prismatischen Krystallen an, ausgezcichnet durcli eine hellrothe Farbe, und selbst in einer trocknen Luft scbnell
ieucht merdend.
Bromo-IIj.drargyrius Ferrosus giebt bei cioer langsameii Verdunstung unter der Evaporatiousglocke prismatische Krystalle, welche eine triibe gelbliche Farbe besitzen, uud in gewiihnlicher selir b;dd zer!lieheo.
Brorno- Ilydrurgyrius Zincicus schicfst in prisinatisclien oder tafelfiirinigen Krystallen an, die sic11 'in trockuer Luft halten, in feucliter jedoch zerHieEsen.
B ro m o - P 1 a t i n a t c.
Platinbromid, bereitet durcli Aufliisung von Platinschmamm in einem Gelnenge vou BrouiM.asseI'storfstiure
und Salpetersiiure, und ~~achlcrige
Verduiistung bei etwa
70° bis zur Trockne, giebt uoch vie1 leichter als die auf
einc hlinliche Weise dargestellte Aufliisiing von Platinchlorid . eine reine und von iiberschussiger Shure freie
Verbindung. Sie bildet eine brauiie krystallinische IVlasse,
welche sich wit rothgelbcr Farbe in Wasser liist. Eine
so bereitete klare Aufliisung wirde zu den Versuclren
angewaiidt, die i c t nun beschreibeii werde.
Das Platiiilroniid reagirt deutlich aIs SGWCauf Lackmustiuktur, ulld diesc Keaction wird wenigstei~sv o ~ ldell
iueisteil Broiuiden elektroposiiiver Melalle wiedcr d g e huheu, dcsto d~~Lliclie~*,
je d r r wan von diescii zitsetzt,
wvobei icli iiiicli atif i13S berol'eri I t i t l k , 5Yas in clcr friihei'eii Abii:iidluiy, bi.i*cits ribcr dic €ie;;clicili clcs Platinchlorids ;;ceat;t worclcil 1st. Ziir DnrstcIhiug der wcitcrhill
beschriebenen Salze wurde eine wiifsrige Auflbsllng des
Platinbroinids mit einer Auflasung von elelitro -positivein
Bromid vermischt, und darauf in gelinder \Vanne, oder
besser noch unter der Evaporatiollsglocke abgedunstet.
Die angeschossene Verbinhung wurde darauf lcicllt von
der gewtjhnlich im IJeberechufs hinzagesetzten Basis abgesondert , und durch eine aberinalige Krystallisalion gereinigt. Die Beschreibung der foIgenden Salze wird zeigeii, dafs wehigsfens die meisten Verbindangen eine ausgezeichuete Aehnlichkeit mit den entsprechenden Chloraalzen besitzen.
Bromo Platinas Katicus. W i r d eine concentrirte
L6sung von Platinbromid mit eiuer ebenfalls etwas concentrirten Auflijsung von Kaliuinbromid vermischt, so entsteht ein cochenillrother, feinkijrniger Niederschlag, welcher eine Verbindung beider Bromide ist. Vermischt man
beide Liisungen etwas verdiinnt und stellt sie darauf zum
Verdunsteu in die Warme bin, so setzt sich diese Verbiudung in kleinen Krystallen ab, welclie sicb durch eine
etwas hbhere uod ausnehmend schiiu rothe Far5e auszeichnen. Die Verbindung ist schwerliislich in Wasser
und unlbslich in Alkohol, verknistert iu der Wiirme wzhrend die Farbe dabei dunkler wird, uud zersetzt sich
darauf unter Entwickluug von Bromgas.
Zur Analyst? dieses Salzes murden voii dem durch
F;illung bereiteten 0,554 Grm. in der Kugel eiues kleinen Apparats, welcher a m einer Glasriihre von etwa 4 Zoll
im Durchmesser geblasen war, wohlgetrocknet, und darauf mit Wasserstolfgas reducirt, so wie es in dem friiheren Theil dieser Abhandlung bei der Analyse des ChloroPlatinas Stronticus angegeben ist. Das Resultat dieser
Analgse war, daL 100 Th. dieses Salzes 26,OG Th. metallischen Platins und 31,03 Kaliumbromid gaben, uud es
verdient dabei bemerkt zu werden, d a t sich bei der Erhitzung nur eine unbedeutende Meiige Wasser abschied.
Da das Platiubroinid aller Vermuthuug nach eine aualoge
-
345
Zusnmmensetzung wie das Platinchlorid besitzt , so miissen, nach dem' von Hrn. Prof. B e r z e l i u s bestimmten
Atomengcwicht des Groins, 2G,06 Th. ,Platin 41,36 Th.
&om aiifnehmen. Hienach wird das durch den Versuch
erhaltene uud das berechnete Resultat folgendes:
Platinbromid
Kaliumbromid
V\-'asscr als Verlust
G7,42
31,03
Brom.
Brrcchn. Verhiltn.
41,36
20,67
G8,50
31,50
1,55
100,00
und zugleich wird dic Formel fur die Zusammensetzung
des Salzes:
I< Br +Pt Br'.
Die Verknisteruiig, welche beson'ders bei dem durch
Verdnnstung erhaltcnen Salze stattfindet , und die unbedeutciide Meuge Wasser, welcbe sicb h i der Analyse
abschied, scheinen anzudeuten, dafs das Salz kein cbemisch gebundenes V a s s e r enthllt, uod d i e t wird auch
durch das Resultar der Analyse bestiitigt, im Fall das
Verhsltnifs des Broms zum Platin in dieser Verbindung
richtig berechoet worden ist. L)iefs Salz zeigt demnach
sowohl in der Zmammensetzung als in den Eigenschaften
eine vollkoinmene Aehnlichkeit mit dein entsprechenden
Chlorsalz des Platins.
Bromo- Platinas Natricus schiefst, wie das entsprechende Chloro -Platinat, in rhombischen Prismen mit schief
angesctzten Endfliichen an. Das Salz zeichnet sich durch
eine schiin dunkel ponceaurothe Farbe aus, halt sich unverlndert an der Luft, ist leichtliislich im Wasser und
hlkobol, und enthllt einc becleutende Portion Krystallwasser.
Bromo- Platinas Baryticus ist ein rothes prismati6ches Salz, WelCheS, wenigstens in wanner Winlerluft,
unveriinderlich bleibt.
Bromo - Plalims Calcicus bildet prismatische Icy-
346
stalle von ziiinoberrother Farbe, die sicli in trockuer
Form halten, selbst iveiin die Luft ciii ivciiig feaclrt ist.
Bromo- Plalinns fifugizesz’czs krystnllisirt .leicht iu
Prismen yon eiuer etwas -dunklercn Farbe als das vorhergehende Salz. Es bleibt auch in gewiihulicher LuEt
ziemlich unveriindert.
Bromo - Plathas i?lnignnosus krysLallisirt in scclisseitigen Prismen, die eine etwas daukle rothe Farbe besilzen und isomorph mit dem entsprechendcn Chloro-Platinat zu seyn scheinen. Das Salz kilt sicli in einer wariiien Winterluft, zerfliett aber in einer feuclitcu Atuosplibre.
Bromo- Platinas Zincicus schieh theils in Stralilenbiischeln an, theils in regelmzfsigen seclisseiligcii Prismen mit rbomboiidriscben Endfliicben, die mit dern cntspreclienden Chlorsalz isomorph sind. Die Krystalle, welche sich durch eine schbne hochrothc Farhe aiiszeichnen,
lialten sicli unver:indert, sclbst in eincr weniger trockncu
Luft. Aller Vermiithuog iiach sind die drci letzteii Salze,
odcr wenigstens das Mangan- und Ziiiltsalz lnit ciuauder
und mit den cntsprechendcu CLloro-l’latinateu isomorph.
B r o rn o - A u r a t e .
Goldbromid wird auf eben die Weise, welclie beiw.
I’latinbromid angegeben ist, leicbt und sehr rein crlinltcu;
aiicli werden seine Verbindiiiigen init elektro -positivcu
Bromiden auf eine Hhnliche Weise ivie die des l’latiiibroinids dargestellt.
Die Verbinduug mit IGdhrilrornid schiekt in rlio~ubischen Prismen an, odcr in duunen Bliittern voii cirier
etwas zusammengesetztereu Forui uiit halb inetallischeiii
Glaiiz iind einer Farbe, die beiui ilindurcliseheii scliiju
purpurroth ist, beiiii L)araufscIien nbcr dcln uaturlich kry-stallisirtcn Eisenosyd gleicht. l)ic Brystalle verwiltcr:;
ill trockncr I d t i i i d erilelicll d i ~ ciii
l ~ bltitsteiiiartigw
,\nsehei~. Uas iYufriimisal;: gleiciit dein vorIierguhen(1cii
348
Nacbdem ich solcbergestalt mehr odcr weniger uinstaiidlich dnrgelegt habe, in welcher Ileziehuog drei der
elektro- negativsten Elemente, Chlor, Broin uud Jod, zu
einer Meoge anderer einfacher Karper stehen, yenn .sic
mit ihnen Verbindungen erster und zireiter Ordnung eingehen, scheint es ,mir auch zweckmafsig, lnit wenigeii
Worten der Analogie zn gedenken, melche init jenen Kcrpern der bypothetisch elektro-negative Bestandtlieil der
Flufssaure in seinen Verbinc' .sen zeigt. Cetrachtet man
namlich die genanntc S u r e als eine Wasserstoflstiure,
mozu man gegenwartig allen Gruiid hat, so ist es klar,
dafs man ails demselben theoretischen Gesiclitspunkte
die sogenannten Doppelsalze dieser Satire als Salze betracbten miisse , so dafs also die Flu0 - Silicate, FluoTitanare, Flu0 - Tantalate etc. Verbindungen sind von
den Fluorideu elektro - negativer Metalle, als Siiiiren
(Acidurn $uo siliciurn, $uo tiianicum und J%O - tantalicum) lnit den Fluoriden elektro -positiver Metalle, als
Basen. Hr. Prof. B e r z e l i u s hat in seiner '' Unlersuchiing iiber die Flufsspathsaure und deren merkrviirdksten Verbindungen. *) die Chemilier niit einer Menge
solcher Salze, besonders von der Fluo - Kieselszure, bekannt geuiacht, und aller Vermuthung m c h giebt es auch
cine grofse Anzahl analoger Snlze n i t den Fluoriden anderer elektro-negativen Metalle.
-
-
Endlich mag es mir erlaubt seyn, noch iu Betreff
der in theoretischer Hinsicht so wichtigcii FraSe, zu dcren Beantwortung i c l ~durch dicse hbhandlung ciuci~Ileitrag zu liefern gesucht habe, einige allgemeine Bemcrkiiugen aufzustellen.
*) Diese iinnalen, IN. 77. S. 1.
BJ. 80. S. 1. und 117.
und 169.,
Ed. 78. S. 113. und
347
in Farbe und Ausehen, scheint aber nicbt 211 vemittern.
sind tr:jgliislich iu Wasser, und fGrben, wie alle
Bromo-hurate, das Wasser stark rotblich gelbbraun, IVOg q e n die Bromo - Platinate sich niit heller , lnelir rotlier
als gelber Farbe a u f b e n . l)as h r i u r n s a k schiefst in
rothbrannen Prisuien an, die selbst in eiuer weniger trockDen Luft njcht feucht werden. Die 17fugnest'i~rn-und Mangan- Salze bilden dunkelbraune, wit einer riithlichen Faibc
etwas dnrchscheinende Iirystalle von einer rhoinbischprismatischen Form. Sie halten sich in trocliner oder
erwYrmter Winterluft, zerfliel'seii aber, besonders das letztere, in einer feuchteu Atinosphire. Das Ziiiksnlz bildet
dunkel braunrothe prisrnatisclie Krystalle , welche auch
in trockner Luft sehr schnell zerllielen.
B ro rn o -I' a 11a d i P t e.
Dag Palladiumbromid mird durch AMliisungdes Palladiulns in Bromwassers%ure, die mit etwas SalpetersSure
versetzt ist, leicht erhalten. Die Verbiuduns bildet einc
kastnuicnbrauue Masse, die in Wasser uuliislich ist, wesha16 sicli eine AuflBsung derselben nur diirch einen Ueberschu€s von Broinwasserstocfslure bewerlistelligen Mst.
Auch dieses Eromid sclieint Verbindungen rnit den Eromiden clektro-positiver Metalle einzugeheu, menn Inan
die erwiihnte saure Aufliisung des Palladium init der Liisung eiues basischen Bromides verinischt uud bei gelinder Whne zur Trockne verdunstet, wobei die Bromwasserstoffsaure fortgeht. Ich habe nur Gelegenhcit gehabt Verbindungen wit Kalium - , Barium -, Mangan - und
Zinkchlorid anzustelleo. Sie alle bilden leichtliislichc
Salze von einer mehr oder wcniger dunkelbrauneri Farbe;
ihrc Krystallisatiou habe ich aus Maiigel an hinreicheudein
Material iiicht beobachten kiinneu. Die drei crstgeilauntcn gebeu nadelfiiniiigc Krystalle, welche such i l l eiucr
fcuchtercn LuCt sicL haltcn.
849
Ich habe vorhin auf die lbxction anfinerksam gemacht, welche die Chloride und Broinide von Quecksilber and Platin gleicb den gewviihnlichen Ssuren n a f den
Farbestoff des Lackmus ausuben, und dabei gezeigt, dafs
diese Reaction von den Cbloriden iind Broniiden elektropositiver Metalle aufgehoben oder neutralisirt wird. W e i i u
uiin die Eigenschafteii dieser in elektro-chemischer Hinsicht
entgegengesetzten Chloride und Bromide in jeder Beziehung
aiialog lnit den sauerstofflialtigen Siiureii uiid Ihseii (hlkalien) seyn sollen, so mussen, scheiiit es, auch die Chloride
und Bromide der elektro- positiven Metalle eine iihnliche
Wirkung, wie die Alltalien, auf die Pflanzeufarben ausiiben, folglicli die blauen iu grune, und die rothe Farbe
des Fernambucks in eine bl3uliclie verwandelu. Hicbei
mufs man i n d e l nicht iinbeachtet lassen, ja sognr vielleiclit
mit bcsouderer hufmerksauikeit erwii;;eu, dal's im Allgenieinen die Reaction, welche Siiuren uiid Alkalien ausiiben,
keine unmittelbare Wirkung dieser Kiirper fur sic11 ist,
sondern iminer, wie inir scheint, eine WIirkung aiif deren Verbiudungen uiit Wasser, und d a b , wenn SIiuren
und Basen nicht reasiren, diek davon herriihrt, daCs sie
entmeder keine Verbindung mit TVasser eingelieu , oder
auch, wenn es der Fall ist, diese Verbiudiiiig unliislich
ist in eiiieln Ueberschufs voii Wasser, welches das nothwendige Vehikel aller solcher Ver%nderungeu der Pflanzenfarben abgiebt. Und obgleich das Verhalten des Wassers zu Cbloriden und Bromiden g e d s lnit deiu zu oxydirteo Kiirpern nicht als ganz vollkommen analog betrachtet werden kann, soferu nlimlich eins der Elemente
des Wassers, namlich der Sauerstoff, auch cin Bestandtheil der Oxyde ist; ferner es noch unentschieden ist, ob
ilu Allgemcinen elektro -negative zusamlnengesetzte Kdrper imluer Verwandtschaft habeu zu elektro - positiven zusalnmengeselzten Kiirperu; - so scheinen doch die Reaclioneu der Chloride und Bromide elektro-positiver Me-
350
talle unfer deiiselben UmstSnden wirklich stattzufinden,
und, wenn sie -auch sehr oft schwach und Iailgsam erscheinen, doch immer mit Leichtigkeit wahrnehrnbar zu
seyn.
Benetzt man ein Stuck Fernambuckpapier lnit der
wiifsrigen Lasung von dem Chloride eines elektro- positiven Metalles, wie Kalium , Natrium, Barium, Strontium,
Calcium, Magnesium, Mangan und Zinli , und l n t t sie
eine Zcit lang wirken, so findet man Folgendes.
Die Einrvirkurig der beideu ersten Cbloride verschwindet bald, und, nachdeln die mit der Liisung befeuchtete Stelle des Papiers getrocknet ist, zeigt sich die
Farbe des Fernambuckpapiers ganz uuvcrhdert.
l)ic
Wirkung des Barium und Strontiiimcblorids ist lufserst
schwach , und verschwindet nach eiuiger Zeit gznzlicb.
Endlich. verwandeln die Chloride von Calcium, Magnesium, Mangm und Zink die rothe Farbe in eine blhliche, yon sehr nahe derselben Nuance, wie sie durch Alkalien hervorgcbraclit wird, anch zeigt sich diese Reaction
nacli einem halben odcr ganzen Tag am stkksten und
deutlicbsten. Betrachten wir nun das Verhalten der genannten Chloride zum Wasser, so finden wir, dafs die
zuletzt genannten Chloride aus dem Grunde die merklichste Reaction zeigen, weil sie eine starke Verwandtschaft zum Wasser besitzen, und dasselbe aiich bei einer
trockneren Eeschaffenheit der Luft zuruckhalten, dafs die
Chloride von Barium und Strontium zwar das Wasser
zu einer festen Verbindung aufnehmen , in trockner Luft
aber bald durch Vemittcrung wieder verlieren , wesbalb
diese Chloride auch ganz zu reagiren aufhijren; endlich,
dafs Kalium- uud Natriuinclilorid sicli Linter den gewijhnlichen Verhaltnissen nicht mit Wasser verbinden, und
dalier aiich ohne alle Art von Wirkung auf die Pflanzenfarben bleiben '$).
-
')
Aiich nrif dieimigen b h e n Pflanrenfarben, w ~ l c l l ewie die AcLeleyliurncn, von den Alkalien griin gcfirbt Tyerdcn, ist die \17ir-
351
W a h r ist es, nlle diesc Rcactionen sind, vergli,
sie siud
chen init denen der Alkalieu, nur S C ~ W ~ C I Iabcr
doch merkbar, und iininer desto deutlicher, je heller
oder sch&icher das Papicr mit Fernambuck gefrirbt
wurde; auch scheiat mir, ubereinstiinineiid rnit meiiier
fruheren Bemerkung, als musse das wasser gcwisserma[sell fur die Chloride frclndartigcr *) nls fiir die alkalischcn
kung ungefihr dieselbe, und die FarbcnveriincleriinSen durclr die
wasseranziehenden Chloridc auf jede W e i s e merkbar.
*) Dieser Ansdruck und diese Ccmerkung rerdicnen mit einigen
v r o f i e n niihcr erkljrt zu werdcn. Alle Orytle, zvclchc sich mit
W a s s e r verbinden, Iialtcn es mit starlicr V e r ~ v a n d t ~ ~ l izuriick,
aft
u n d eine solclic Verbindung crtrjgt die liijchstc Tcnipcratur oline
Zersetzung. Cliloridu u n d nrornidc dagegen, wenn sie auch ansclleinend eine grohe Verwandtschaft xum W a s s e r besitl.cn , unterseheiden sich doch dadurch v o n jenen, dafs ihre Verbintlungcn
mit W a s s e r schon von ciner unbedcuteudcn M’irme zersetzt
werden, und sogar in bedeutcndem Grade auf dcm hygrometrischen Zustand der Luft beruhen.
So z. B. rerbindet sich das
Natriumclrlorid nur bei -10’
Nit Wasser,, und die Verbindung wird schon einige Grade iibcr dcm Frostpunkt wicder aufgehobea. Natriumhromid gcht zwar bei gewiil~nlichcrTemperatur eine Verbindung xnit W n s s e r ein, allein diese verwittert sehr
bald, und eine Aufliisung dieses Brornids in W a s s e r giebt, bei
+50 bis 60’ C. verdunstet, nicht die wasserl~altige Verbindung,
sondern wasserfreie Krystalle in Wiirfcln, U. s. w.
Man w i r d vermuthlich geaeigt seyn , dem Calciumchlorid
eine sehr rtarke Verwandtschaft zum W a s s e r zuzuschreiben, einc
stsrkarc z. B. als den meisten zerllief~lichenSauerstoffssnlzen ; allein
diefs ist doch gC\VifS nicht der Fall. ~rystallisirtcsCalciomchlorid, einer sehr trocknen Luft. a. B. derjenigcn uuter d e r
Evaporntionsglocke , ausgesetst, verwittert schr bald his in’s Innere seiner M a s ~ t :wihrcncl Z. I). das krystallisirte kohlensanre
c.
Kali ( K C + & ) in dcrselben trocknen A t m o s p l ~ r eseinen vollen
Wassergehalt behilt ; uncl dcnnoch ist, bei gewiilrnlicl~er Tcmperatur und Feuclitigkeit der Luft, dcr erste yon diescn Kiirpern
weit zerfliefslicl~cra l s dcr lctztere.
Alles dieses sclieiot mir llinreichend zu beweisen, dnfs das
W a s s e r rnit tlcn Cliloridcn und Brornidcn niclit so innig vcrbundcn seyn kann, w i c mit den Oryden, und dafs es folglich
352
Oxyde seyn, iind als kilrine deshalb die Reaction auf
die Pflanzenfarben nicht als wesentlich fur die basisclie
Natur der in Rede stehenden Verbindungen angesehen
werden.
Verschiedene Bromide elektro-positiver Metallc, die
ich zu priifen Gelegenheit fand, liaben mir auch die Richtigkeit meiner Ansicbt in Betreff des waliren Verhalteus
bei der Reaction, und der wichtigen Rolle, die das Wasser dabei spielt, bestatigt. Die Bromide von Calcium,
Magnesium, Mangan und Zink, welche alle im hiicbsten
Grade zerfliefslich sind, zeigen aucb deshalb eine analoge Wirkung wie die Chloride dcrselben Metalle, und ilire
alkalische Reaction scheint mir von groker Intensitat zu
sep.
Zur ferneren Stiitze dieser Beobacbtungen und der
sich darauf griindenden Bemerkungen, welche natiirlicberweise ein analoges Verhalten der Jodide nnd Fluoride
voraussetzen, mufs icb an die, zum Theil sehr starken
alkalischeu Reactionen erinnern , welche mehrere von
diesen ausuben, die sic11 init Wasscr vcrbinden oder zerfliefslich sind. Kaliulnjodid, Kaliiiinfluorid , Natriumflnorid, Manganfluorid z. B. zeigen starke alkalischc Reactionen, und nicht etwa, weil sie eine Portion Metalloxyd
enthielten, sondern blocs darum, weil sie, meiner Rleinung nach, vollkolnmen analoge Kiirper wie die Alkalien sind.
Die basischc Natur des Natriunichlorids scheint mir
auch auf eine ganz interessante Weise durch die Verbindung erwiesen, welcbe dasselbe , nach C a 11o u d’s
Beobachtung, mit dein Traubenzocker und diabetischen
Zucker eingeht *). Von den Zuckerarten war es schon
friianch bei den Reactionen dieser K6rper auf die Pflanzenfarben
versehieden einwirken rnufr.
*)
Journ.
de Phurrnacie, f. 1825, p . 562.
353
friiher bekannt , dafs sie gegen gewisse starkere Salzbasen (Oxyde), wie z. B. K a k und Baryt, die Rolle der
SHare spielen; und es scheint mir, dafs, gleich wie der
Kalk, &en so aucb das Natriumclilorid als elektro-positiver Bestandtheil sich mit deln Zucker (als elektro-negativ)
verbindet.
Gleich mie die niedore Oxydationsstufe eines Metalls
cine Salzbasis , die hiihere aber eine S;iure bildcn kann,
so scheint rnir aucli eiri niederes Chlorid elcktropositiv
seyn zii kbnneu, wiihrend das hiiliere Chlorid desselben Metalls elektro - negativ ist.
Quecksilberchlorur
(Calomel) wenigstens, hat mir h i einein Versuche ein
Beispiel von einein solchen Verhalten gezeigt. D i c k
Chlorur liist sich nsmlich inittelst ErtvBrmung leicht in
einer Lasung veil Platinchlorid auf, worauf die Auflosung krystallisirt. Olriic allen Zneifel wird dabci ein
Chloro-Pla[inas Hydrarpyrosus gebildet ; eine nzhere IJntersochuog dieser Verbindung habe ich jedoch nocb nicht
Gelegenheit gehabt anzustellen.
Gegen die .vou iiiir in dieser Abhandlung aufgestellte
Ansiclit , die Chloride, Eroinide, Fluoride und Jodide
elektro - positivcr llletalle als Salzbnsen oder den Alkalien analoge Ki5rper zu betrachten, konnte man vielleicht
eiuwenden, dafs die Alkalien durch einen eigeneu laugcnartig brennendeii Geschmack, den sogenannteu alkalischen Geschmack, ausgezeichuet sind, w2lirend z. B. Kochsalz, so mie andere Chloride, Bromide, Jodide und Fluoride elektro- positirer Metalle, besonders der Radicale
der Erden und hlkalieu, den sogenaiinten Sulzgeschmack
besitzeu. Dieser Einwand zerfallt a’ber von selbst, sobald
man erwsgt , dafs der Gescliinack dieser verschiedenen
Klassen von Kiirpern kein absoluter , sondern ein rclativer Charakter ist, abhaiisis von der Iiatur und der Zusammensetzring der Geschmacksorgane. Dafs das Kali
init einem breunenden Geschmack begabt ist, riihrt naturhnnPl.d.Physik.B.95.St.3.J. 1830.St.5.
z
354
lich davon her, dafs, wenn dasselbe in Beriihrang kolnlnt
rnit cineni tliicriscbcn Stoff, z. B. mit der Haut der Ziinge,
diese sogleich zersetzt zu werden anfsngt, mit dem Streben darcli eine hiebei entstehende Art von Siiure die
Wirkung des Alkali's zu neutralisiren *) , init andern
Worten: das Kali liist die Epideriiiis der Znnge auf, urid
daher in& auf derselben ein brennendcs Gefiihl entstehen, welches auch den Gcsclimack abandert. Das Kochsalz oder allgemein die Chloride, Bromide, Jodide und
Fluoride kbnncn dagcgen keinen solchen Geschinack erzeugen, weil sie durchaus keine chemische Veriinderung
auf der Zunge hemorbringen; und, wenn man nun nothwendig eine so aufserordentliclie Aclinlichlreit zwisclien dem
Geschmack der wirklichen Salze (d. h. der Verbindungen
der Siiuren mit den Alkalien) und dem der genaiinten Korper finden will, SO sche ich docli dariu keinen Grund,
diese Kbrper fur Salze zu erkliiren, da auch die Salze,
mit einander verglichen, SO auterordentlich verschiedene
pbysikalische Eigenschaften, uild einen so unendlicli verschiedenen Geschmack besitzen. Welche Gleichheit findet sich wohl riicksichtlich des Geschmackes zwischen
dem phosphorsauren Natron, salpetersauren Bleioxyd und
schwefelsauren Zinkoxyd, abgesehcn davon, daL den in
*) Ein solclies Verlialten scliien mir
so nntiirlich, oder wenigstens
hohern Grade wahrsclicinlich, dafs ich deshalb schon zu
Anfang dcs J a l i r r ~1627 zu unterruclicn anCng, o b sich nicht bei
dieser Wirkung des Kali's einige Shuren bildeten. Ich iibergofs
Fleisch mit kaustischern Kali, und tiers es unter fleifsigem Urnriihren mehrere "age stehen, wobei sich fortwhhrend Ammoniak entwickelte. Dm Gernenge wurdc filtrirt rind mit SaIzsIiure
bchandrlt, wobei sich ein Stoff niedcrschlug, der alr S h r e re=girte. Whlirend ich mich hiemit bescl~iftigte, erfuhr ich jedoch,
dafs die HH. G a y - L u s s a c und C h c v r e u l eine 5hnliclie A-:
beit unternommen hatten.
Ich gab dalier meine Versuche auf,
liolfend, dafs man bald das Resultat der Arheit dieser beiden
Mrines Wissens
beriihrnten CheniiLcr kennen lernen werde.
ist jedoch, aufser dieser kurzen Anrcige, noch nichts bckannt
gunacht (Annul.de d i m . rt de phys. XXXIIL 1826,Novcmb.).
in
so
-
355
Wasser unIiisIicIieo Salzen natiirlicherweise aller Geschmack fehlt.
Endlich kann man gegeli die von mir aufgestellten
Ansicliten nnfiihren, dafs die Verbindringen des Chlors
mit den stiirksten elektro- negaliven Rijrpern, besonders
Metalloiden, wie Z. B. der Chlorschwefel, soviel man
weifs, keine Salze mit den Chloriden elektro -positiver
Metalle bilden. Ich selbst hnbe einige Versuche angestellt, in der Absicht, den cben gemnilten Kiirper init
diesein oder jcnein Chloride eines efektro-positiven Metalles zu verbiiiden, tind wenigstens bisher kein beftiedigendes. Resultat erhalten; alleiii hiebei mufs inan bcmerken, dafs die V'erwand~schaft zwischen dcm Chlor und
Scbwefel, veriniigc ihrer elektro-clie~nischen Geschlechtsabuliclikeit, sehr sclitvach ist, dal's sie dalier leiclit i;etrenut werden, uud dafs ver~nuthIichdeshalb oliiie giinstige
UmstYnde keine Verbiudungeu des Chiorschwefels mit
elektro -positiven Chloriden zu Stande kommen. Uebrigens ist klar, d a k diesc binaren KGrper, gleich wic alle
iibrigeu vom Wasser zersetzt werdenden Chloride, Bro
mide u. s. w. der Metalloldc oder elelitro-negativen Me
talle, nicht auf dem gewiihnlichen Wege, d. h. durch
Mithiilfe von Wasser, zur Vereinigung mit Ciiloriden
elektro-positiver Metalle gebracht werden kiinnen, ungeachtet sic alle in Wasser liislich sind. Iu Bezug auE
dieses Verhalten habe ich mich bisher nur mit solchen
Verbindungen von Chlor, Brom und Jod beschaftigt, welche sich ohne Zersetzung in Wasser liisen, und, ,vie wir
sehen, ist hiebei die Thatsache erwiesen, dafs die Verbindungen eine gewisse Portion Krjstalivvasser aufnehmen, und sich folalicli aiich in dieser Hitisicht den Sauerstoffsalzen analog verhalten. Es mufs indefs kiinftigen
Versuchen Uberlassen bleibeu, o b nicht auch die Chloride der stsrkstcn elektro-negativeii K8rper entweder direct oder durch zweckmilsige Ltkemiltel, z. 13. init Hiilfe
YOU Chlonvasserstoffsaure, Verbindungen mit den Cblo22
396
rideu elek tro - positiver Meialle geben. Ftir den Angenblick kaun man das Gegentheil noch keheswegees fur erwiesen anseheu.
111. Noti.. iiber 7;Erilumpfungskiiftc!;
PO^ H. W . Do ce.
Dais iletherdsinpfe durch SchwefelsEure condensirt werden, davon kaiin man sich verniittelst des Thcrtiiomelcrs
leicht iiberzcugen , wenn ma11 in eiiietti ab~eschlossenen
Baume die Erliiiltung cines iiiit Aetlier bcfeuchteten 'l'liermoineters mit der vergleicht, welche statttindet, weou unter der befeucliteten Kugel eiue Schaale init Scliwelelslitire sicb bcfindet, in welchem Falle sie oft 10 und
mellr Grade g d s c r ist. Es schien niir deher das L e s 1ie'sche Verfahren, die durch die Verduniiuiig der Luftpumpe beschleunigte Verdanipfiing des Wassers durch
Coiidensation der sicli entwickelnden Wasserd:impfe noch
zu verstiirken, aiif Aetherdiiiupfe angewendct werden zu
kiiiinen. Eiii bis
40" gellieiltes Quecksilbcrthermoineter murde i n eine kleine Campane von beiliiufig -1 Zoll
nurchtnesser und 5 Zoll Hahe luftdicht befestigt, so dars
die Scale ganz aukerhalb der Campane belindlicli war,
die niit Werg umwickelte Kiigel innerhalb derselbeii ungefllir in der Mitte. Die Erkiltiing betrug, weim Schwefelsaure unter die Kugel gestellt wurde, mehr als 50° R.,
denn das Quecksilber gcfror in einem Zimmer, dessen
Teinperatur + 1 9 O (die niedrigste l.'emperatur, bei welcher ich den Versuch angestellt habe, war +13") war,
und blieb 5 Minuten fest iu der Kugel. Es versteht sich
von selbst, dais die Caitipane nicbt verinittelst eines feuchten Leders befestigt seyn darf. Voii dem Einflusse, welchen hiejbei die Schwefelszore lul'sert, kann man sich
am besten uberzeugen, w n n inan die Kugel des Thermometers mit SchwefeIsZure befeuchtet, und eine Schaale
mit hether daruiiter stelk Ebcn so wie wenii unter dem
Thermoincter eine Schaale init Wasser befindlich ist steigt
bei dein Verdunneii das Thermometer starker, als wenn
die Dichtigkeit der Loft unveraudert bleibt.
-
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