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Beitrge zum Studium der Salpeterbildungen.

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vorlzufig zur offentliclien Kenutnifs zu bringen. Eiue ausfiihrlichcre Arbeit iiber die Scliwinguiigscrirven, in Vcrbindung init einer Reihe von Curventafeln , wird dcuinaclist
der Oeffentlichkeit von mir iibergeben werden. Wh e a t s t o n e gab seinein Apparate den Kamen I<aleidophou; die
Achnlichkeit , welche der von inir construirte Apparat init
jcnein geniein hat, bewog mich init Rucksiclit auf die bci
weitem griifsere Maiiiiicbfiiltiglieit der Erscheiriungen , die
sich i i i i t nieinein Apparate darstellen lassen, sowie mit Rucksicht auf die Leichtigkeit, mit der man willkiilirlich gewiinsclite
Ersclieinungen herbeifuhren bann, dein Instrumente den Namen ~~~iniaersalkaleiclo~hon
c( beizulegen. Noch will ich bemerken, dafs inan diesen, wie den bereits frulier in diesen
Annaleu bescliriebcnen Apparat, zur L)arstellung der stehen (1 en S a it enschw i 11 gun gen , vo n d em hi esi gen Mech an i k u s
Sch 11 b c r t ausgefiihrt, erhalteu kann, dessen praciscs Arbeiteri ja wold rnanchem Pbysilrer bekannt ist.
Marburg deli 2. December 1861.
))
VII. EeiIrCi’gP zum Studiurn der Salpeterhildungen;
oon nr. F. G o p p e l s r i i d e r ,
l’rivntdocent a.
d. Univ.
z i i Basel u.
icffentl. Chemiker dnselbst.
I.
In
iinseren geinlfsigten Zone11 sind zwnr keine so mzrlitigen Lager von salpetersauren Salzeii wie in den lieifsen
Climaten vorhanden, aber dennocli findet unter unseren
Augen fortw:ihrend eiiie Salpeterbildung statt, uiid wir kiinlien beobachteii wie sticlistoffhaltige R’Iaterien, thierische
Abfdle und Fliissigkeiten, Excremente, Urin, H u t , Pflaiizentlieile etc. etc., in Beriihrung mit starken Basen wie Kali,
Kalk etc. vermoge der Gegenwart und Thztiglieit des atmosplrischen Sauerstoffes w ~ l i r e n dihres Zerfallens durch den
126
F a ~ l t ~ t f ~ p - jcne
~ ~ e fBaseu
s
in salpetersaure Salze umwandeln. Neben den Salpeterplantagen, jenen eigentlicheu Salpcterfabrrken, liefert die Erde unter dem Bodeii der Stiille,
um Mistst~tten herum, und w o inimer Ueberreste organischer Materien d e r F ~ u l n i f spreiegegebeii seyn mogen , ein
brauclibares Material z u r Salpetergewinnung.
Am besten bekaiint und von Jedem beobachtet sind aber
diejenigen Nitratbildungen, welche jene Erscheinung verursachen, welche man init dem Naineii Rlauerfrafs bezeichnet
hat und welche sich durch schneeartige weifse krystallinische Ausbliihungen an den Mauern der W o h n h a u s e r , vor
Allein aber a n deu Mauern der Stalle kundgiebt.
So klein auch diese Mengeu salpetersaurer Salze im Vergleich zu jeiien machtigen Lagern in den heifsen Zonen
sind, so interessant ist doch das Stiidinm dieser Produete
und der verschiedenen Verhfltnisse ihres Vorkomuiens.
Erkennen wir in d e r Bildung d e r Nitrate a n den Mauern
i m e r e r Hauser und Viehstalle auch nur ein Schattenbild
jenes grofsartigen Prozesses, welcher die Chilisalpeterlager zu
erzeugen vermochte, und in den Salpeterplantageu stattfindet,
so durfcn wir doch die Bildung der Nitrate hier wie dort
derselben TSrsache zuschreiben und diirfte ein Weiterdringen
in das Studiiim des so verwickelten Prozesses d e r Nitratbildungen hier wie dort zu besserem Verstandnisse der Gesammterscheinuag fiihren.
Es wurde inir in den verflossenen Monaten Gelegenheit
geboten den Salpeterfrafs a n Stallrnauern zu beobachten und
ich ergriff cleshalb diese Gelegenheit eine Reihe von Versuchen mit, dem Mauerfrafs anheimgefallenen, Mauerkalkeii
vorzuuehmen. Auf einen Punkt iiamentlich richtete ich vorIliufig mein Augenmerk. W i e bekannt hat S c h o n b e i n
die hochst interessante Beobachtung gemacht, dafs das metallische Kupfer, das Kupferoxydul und das Kupferoxyd,
ferner das kohlensanre Kupferoxyd das Vermogen besitzcn,
den neutralen Sauerstoff sclion bei gewohnlicher Temperatur zur Oxydation der Elemente des Ammoniakes zu bestimmen und dadurch die Bildung voii salpetriger Saure,
127
das heifst eines Nitritkiipfcrdoppelsalzes zu veraiilasseu. Es
zeigte sich hier die hiichst auffallende Erscbei~iung, dafs der
Stickstoff des Aininoniaks iinr his zu salpetriper Satire und
nicht bis zu Salpetersaure oxydirt wird. In anderen Fallen
geht die Bildung eines Nitrites der eiues Nitrates voraus.
wie S c h ii11 b e i n auch deutlich diirch einige Versuche
bewiesen hat. Weiin zum Eeispiel i n Luft, deren Sauerstoff durch erhitztes Ylatiu oder aaf aiidere Weise ozonisirt worden ist, Aminoiiiak verdunstet, so verwandelt sich
dieses zundchst in salpetrigsaures und nicht sogleich in salpetersaures Ammoniak.
S c h o n b ei n hat in Folge seiner Beobachtungen bereits darauf aufinerksam gemacht, dafs unter gegebenen Umstanden der Bildung eines Nitrates diejeuige cines Nitrites
vorausgehe und dafs sicherlich auch die naheren Vorgange
des Nitrificationsprozesses iioch nicht genau erforscbt sryen.
Ilurch S c h o u b e i n ’ s Versuche aufinerksani geinacht
schiipfte ich die MuthmaCsung, dafs bei dem Prozesse der
Nitrification salpetrige Saure gebildet werde, und icb hoffe
in diesem Prozesse eine weitere Stiitze fur die von S c h o e n b e i n ausgesprochene hnsicht: es gehe die Nitratbilduiig
durch die Nitritbildung hindurch zu findeu.
Ich uutersuchte bis dahin 24 verschiedene Rlauerkalke,
sowohl vou der inneren als von der aufseren Seite der Mauer
verschiedener Kuh - und Pferdestalle, und priifte dieselben
alle auf Nitrite und Nitrate. Die Methode, welche ich zur
Prufuiig auf Nitrite anwandte, ist die voii S c h o i i b e i n
bekannt gemachte, welche darauf beruht, dafs die Losungen
der Nitrite init Iodkaliuiiihleister und Schwefe1s;iure versetzt
die Entstehuag der Iodstarke veIursachcn. Zur Priifiiag auf
Nitrate benutzte ich die ebenfalls bekannte Methode S ch iinbein’s, welche darauf beruht, dafs Zink und namentlich amalgamirtes Zink (das auf 100 Gewichtstheile Zink 50 Gewichtstheile Qiiecksilber eiithalt) die Nitrate zu Nitriten redricirt
und somit die Gegenwart dcr Nitrate in einer Substanz durcli
die bekannte Reaction auf die Sitritr, deren Dcrivatc, uachgerviesen werden kann.
))
(1
128
Die verschicdenen Mauerkalke wurden init Wasser ausgekocht und das wabrigere Decoct in zwei gleiche Theile
getkeilt. Den einen Theil stellte ich bei Seite, den anderen
Theil aber behandcl[e ich init Zink. Um die in Losung
sich befindenden Nitrate in Nitrite umzuwaiideln, kann man
ciitweder die Losung wshrend langerer Zeit init amalgainirtem Zink zusainmenstehen lassen, wobei jedoch, wenn
eiiie genaue quantitative Reduction der Nitrate zu Nitriten
bewerkstelliget werden soll, inindestens eine Zeit von 8
Stundeu von Niithen ist, wahrend die Reduction in Zeit
voii 5 Minuten oder noch weniger voii Statten geht, wenn
inan die Nitratlosungen init Zink bei Kochhitze behandelt.
Beide Tlieile, sowohl der mit Ziiik reducirte als auch der
nicIit reducirte, wurdeii dann mit eiiier gleich grofsen genau abgeinessencn Menge Iodkaliumkleisterlosung und verdiinnter Schwefelsaure versetzt, uiid zwar wrrrde so vie1
von beiden Reagentien zugesetzt, dafs von beiden ein Ueberscbufs vorhanden war. Entstaiid d a m in beiden Halften eine
gleich schwache oder starlie Farbung, so durfte angenominen werden, dars nur Nitrite in der urspriinglichen Losung
und folglich in dein Mauerkallre vorhanden gewesen seyen.
W a r die blaue Farbung in den beiden Flussigkeiten so
stark, dars den] Auge eine relative Beurtlieilung der Starke
beider Farbennuancen uninoglich war, so wurde die iiicht
rnit Zink behandelte Losung arif das Doppelte oder noch
mehr verdunnt.
Vor Beginn der Versuche wurdcn alle Reagentien, das
Wasser sowohl als auch der Iodkaliumkleister rind die
Schwefelsaure , sorgfaltig auf ilire Reiiiheit gepruft. Das
Ziiik wurde vor jedein Reductionsprozesse sorgfaltig gereiniget. Iu Betreff der Schwefelsaure bemerke ich, dafs niclit
jede Scliwefelsaure zu den vorliegendeii Versuchen geeignet
ist; so liabe icli aus einer hiesigen Materialhandlung eiiie
durch ozonische Substanzen ganz scliwach gelblich gefarbte
Schwefelsaure bezogeii , welche fur sich allein sclion nach
einigen Minuten eine schwache Blauung init Iodkaliumkleister erkennen lafst. Steht einem keine chemisch reine ge-
129
w.iihnliche Schwefelssure zu Gebote, so thut man am bestcn
die sogenaunte rauchende Schwefelsiiarc, natiirlich anch ntir
xnit viclcm Wasser rerdiinnt, anzuwriideii. &lit vrrdiinnter
rauchender Schwcfclskire konnte ich bis dahin noch iiiel i d s init Iodlialiuinkleiater eine Blauung erlialten.
Der erste Rlnuerkal6, welcher mir unter die Hrinde knm,
zeichnete sich durcli die merkwurdige Eigenschaft aus, dafs
derselbe eine grofse Menge von Nitriteii und lieine, oder,
da die aiigewandte Prufungsmethode u u r annahcrnd genau ist,
nur Spureii von Nitraten enthielt. Da ich etwas mifstrauisch
in mein crhaltenes Kesultat mar, iiainentlich weil sich der
Mauerkalk a n eincr sehr luftigen Stelle der iiufseren Seite
clcr Kuhstallmauer befalid, so wiederholte icli meineii Versuch
drei Mal. Ich machte mir jedesmal eiii wlfsriges Decoct des
MauerkalLes, theilte dasselbe in zwei gleiche Halften, kochte
die eine Halfte mit Zink, setzte d a m zu beiden Halften
cine gleiche IC3enge Iodkaliuinltleister und Scliwefelsaure,
wornach ich mit der durch Zink reducirten Halfte keine
starkere Reaction auf Nitrite als init der andereti I-lalfte
erhielt , eiii deutlicher Eeweis, dafs keiiie oder wenigstens
nur selir geriuge Spuren von salpetersauren Salzen in dein
Mauerkalk vorhanden waren.
Das zwcite Exemplar Mauerkalk, welches ich untersuchte, fand sich ersl seit einem Jahre an der hufsenseite
derselben Mauer und eiithielt bereits neben einer grofsen
Menge voii Xitriten ebenfalls Nitrate. Urn die rclativen
Meiigcii der Nitrate und Bitrite zu bestimmen, wurdeii nnch
HersteIlnng der Blauung in den beiden Losungen dieselberi
in solchem Maafse verdiinnt, dafs das Auge die Farbenniiance
der nicht reducirten Losung scharf beurtheilen konnte; dauu
aber verdunntc ich die reducirte Losung, welche dunkler
aussah, so weit mit einer genau abgernessenen Menge Wassers, dafs nun beide Losuiigeii gleich stark gefgrbt erschienen. Das M a d s der Verdiinnuug der reducirten LBsuiig,
worin sich also nicht niir die Nitrite, soiidern auch die zu
Nitrit reducirten Nitrate befanden, mufste nothwe~idigerPoggendorfl’s Anna1 Bd. CXV.
9
130
weise eiii Mittel abgebea, uin ungefihr die relative Menge
der Nitrate zu den Nitriten zu berechneii.
Das Nzhere iiber die beschriebeiie Methode der Restimmung, sowie iiber die Berechnung der relativen Mengen
der Nitrite und Nitrate in ihrein geineinsanien Gemische,
werde ich in einer Fortsetzung dieser Arbeit mittheilen.
Ich deute hier blofs darauf hin, dafs sich inir bei Anwendung
hie und da iioch hleiiie, inir bis jetzt noch uiierklarliche
Schwierigkeiten darbieten, welche aber durch ein fortgesetztes Studiiim hoffentlich zu uberwindeii seyn werden. .4uch
lafst sic11 hoffen, dafs in nicht ferner Zeit auf obiges Verhalten der Nitrite eiiie Titrirmethode sowohl fur Nitrite
als auch fur Nitrate werde gegruiidet werdeu kiiniieo.
Auf einen Punkt liabe ich noch aufmerksam zu machen,
welcher in naheren Betracht gezogen zu werden verdient.
Die Mairerkalke enthalteri namlich alle etwas Aininoniak
oder an~moniakalische Salze , welche durcli Kocheii init
Ziiik aucli iii Nitrite ubergefuhrt werden und also die
Bliiuu~ig in derjenigen Liisuiig verinehren sollteii , welche
mit Zink gekocht wurde. Ich iiberzeugte micli jedoch,
d a b die Menge ainmoniakalischer Salze im Vergleiche zii
der Menge von Nitriten uiid Nitraten so gering ist, dafs
ihre Aiiweseiiheit and Wirkuiigsweise bei Anwendung vorliegender provisorischer Bestimmiiiigsinetliode durchaus keilien Fehlcr in der Berechnung verursacht. Nach der Reduction der Liisungen in der Kalte, wo das Zinkamalgain
auf das Arnrnoniak nicht in obiger Weise zu ~virkenverinag, erhielt ich nach Zusatz von Iodkaliuinkleister uiid
SchwefelsBure durchaus dieselbe Sterke der Blliuuiig wie
nach 5 Minuten laiigem Kochen.
Gleich wie mit dein zweiten Mauerkalk verhielt es sich
init eiiiein dritten von eiiier anderen Stelle der Aufseiiseite
eiiier zweiten Mauer desselben Kuhstalles. Hier fand ich
sowohl Nitrite als auch Nitrate vor; doch tiberwog liier
die Mciige der Nitrate bedeuteiid diejenige der Nitrite.
Uainpfte i n n n die eine Hiilfte des w a h i g e n Auszuges ab,
gliihte inan den Riickstand, uiid liiste ilin wieder zu der-
13f
selbeii Mengc Fliissigkeit auf, so erhielt man mit dieser Halfte
eine weit duuklere blaue Reaction auf Nitrite als init der
anderen; ein Beweis, dafs in den] fraglichen Mauerkalke
neben den Nitritcn noch Nitrate enthalten sind. In siebeii
anderen Mauerkalken fand ich eine sehr grofse Men,ue ron
Nitriten und eine nur sehr geringc Menge von Nitraten
vor. Wieder in fiinf anderen Mustern fand ich das umgekehrte Verhaltnik, indein sie eine grofsere Menge Nitrate
als Nitrite enthielten. Bei vier Mauerkalken hielten sich
die Mengen der Nitrite und Nitrate so zienilich das Gleichgewicht. Endlich fand ich unter den vierundzwanzig Mauerkalken nur fiinf vor, welche blofs Nitrate und keine Nitrite enthielten.
Nachdein ich so verschiedenartige Zusa~nmensetzungin
Bezug auf Nitrat- und Nitritgehalt bei den Mauerkalkeii
selbst einer und derselben Lokalitat, ja sogar einer und
derselben Mauer, gefnnden hatte, suchte ich vergebens nach
einer bestiininten Erklarung der Urnstande, in welchen die
Nitrification bei der Bildung von Nitriten stehen bleibt
oder bis zu derjenigen von Nitraten fortschreitet. Dort
fand ich an den verschiedenartigsten Stellen der Aukenseite
der Mauer eine grofse Meilge Nitrite und nur wenige Nitrate, hier wieder a n der Innenseite der Mauer, wo der
Luftweclisel lange nicht so regelniafsig stattfindet , nur Nitrate und keine Nitrite, oder weniptens nur wenige Nitrite.
Es iniissen nothwendigerweise aufser dein Sauerstoff
noch andere Moinente das Maafs der Oxydation des freien
oder gebundeiien Stickstoffes beherrschen. Am allernlchsteii liegt die Idee, dafs das verschiedene Verhalten der
Mauerkalke nicht allein i n der Zufseren Umgebong derselhen, sondern in ihrer eigenen clieinischeil Zusamrnensetzung
zu suchell sey. Dartiber konneu uns allerdings iiur die genauesten quantitative11 Analysen der Mauerkalke der verschiedenartigsten Lokalitaten Aufschlufs ertheilen und nanlentlich miicbte es von besonderein Interesse seyn den
cjuantitativen Grhalt der Mauerliallie an organischcn Sub9%
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stanzeii , Eisenoxydul- iind oxydsaizen, ainmoniakalische~~
Salzen uiid Feuchtigkeit zu priifen, an welcher Arbeit ich
bereits begonnen habe, und woriiber ich spater Mittheilungen uiachcn werde. Die vielen blofs qualitativen Versuche,
welche ich init Mauerkalken aiigestellt habe, leiteten iiiich
zri keineni sicberen Schlusse uber deii Einflufs der verschiedenartigen Bestaiidtheile der Mauerkalke auf die Nitrit- uud Nitratbildung. Ich begnuge inich daher cinstweilei1 dainit, aufnierksani geinaclit zu haben, wie unvollkoinmen bis dahis der Mauerfrafs uiid die Nitrification uberhaupt studirt war. Man hatte sich damit begnugt das Endresultat, nlinlich die salpetersauren SaIze, nachgewiesen zu
haben ; der Gegenwart der salpetrigsauren Salze hat inan
aber iiicht nachgeforscht. Und doch ist es vom grofsten
Znteresse alle die verschiedeneii Mittelstadien zu erforschen,
als deren Endresultat erst wir den Salpetcr oder die salpetersaurcn Salzc iiberhaupt zu betrachten haben.
Ueberraschend ist es, in welch kurzer Zeit in der blofseu
Atrnosphare dcr Kuhstelle dic Nitrite und Nitrate gebildct
w erden.
Am 29. Ju!i 1561 stellte ich in einein Krihstalle aril
einen erhohteii Schaft cinen Teller, auf welchem sich getviihnlicher Rlarierkalk bcfaud, dcr durch wiederholtes Auskoclien niit destillirtein Wasser von jegliclier Spur von Nitrite11 und Nitraten befreit worden war. Der Mauerkalk
war vor Staub usw. rollstandig geschutzt. Am 1I . August
faiid ich iioch keine Spur r o i l Nitriten und von Nitraten
in dem Mauerlialke; aber am 19. August, also kauin nacli
Verflufs eiiies Monates, konnte ich bereits in dem, beilaufig
bemerkt trockenen, Mauerkalhe reichliche Rlengen von Nitriten uiid iioch weit mehr von Nitraten nachweiseu. Dieser
Versuch beweist auf das deutlichste, dafs die in deii Kuhstlllen, sey es nun durch alleinige Ausdunstung der Excrernente der Thiere, sey es durch die naturliche Ausdunstung
der Kiihe selbst, entstandene und au Ammoniak so reiche
Atmosphare die’ Fahigkeit besitzt i n Beriihrung mit den
Mauerkalken in diesen Nitrite und Nitrate zu erzeugen.
133
11.
Dafs bei der Rildung des Mauerfrafscs der Procefs der
Nitratbilduag durch den der Nitritbildung hindurchgeht,
kann ich iioch iiicht init matheinatischer Sicherheit beweisen. Ich habe jedoch eine Reihe voii Versuchen anderer
Richtung angestellt, welchc so wie Sch 6 ii b e i 11’s Versuche
auch auf das deutlichste darthun, dafs der Bildung der Nitrate diejenige der Nitrite vorangehe.
Frischer norinaler Menschenharn giebt durchaus keine
Reaction, weder aiif Nitrite noch auf Nitrate, wahrend er
schwach alkalisch reagirt und eine schwache Reaction auf
Ainmoniak giebt. Nach Verflufs von etwa 6 Strindeii bemerkt man noch keine Spur eiiier Reaction auf Nilrite.
Am 26. Juli gelassener Harn gab am 27. Morgens 8 Ulir
noch keine Reaction auf Nitrite; uin 12 Uhr Mittags fand
ich jedoch bereits eiiie ziemliche Menge Nitrite dariii vor.
Ldst inan d a m solchen Harn iioch Iaiiger der Einwirkuiig
des atmospharischen Sauerstoffes ausgesetzt, so beobachtet
inaii nach Iangerer Zeit einen Punkt, wo dersclbe keine
Spur mehr voii Nitriteii, aber eine reichliche Menge von
Nitraten enthalt. Die Nitratbildung geht bier sichtbar durch
die Nitritbildung hindurch.
Schliefst inan aber denselben Harn in ganz frischein Zustande in ein wohl verschlickbares GeBL ein, wo e r vor
Luftzutritt viillig geschutzt ist, so reagirt er selbst nach
vielen Monaten nicht auf Nitrite rind Nitrate, wohl aber
stark auf Ammoniak. Bringt man ihn alsdaiin an die Luft,
so braucht er vie1 kingere Zeit zur Bildung von Nitriten
als der im frischen Zustande sogleich a n dic Luft hingestellte.
Wie der Urin, so verhalteii sich die festeii Excremente:
frische Excreinente reagiren weder auf Nitrite noch auf
Nitrate; wahrend ihres Verwesungsprocesses geht aber nacli
und nach eine reichliche Bildung von Nitriten and hernach
diejenige voii Nitraten vor sich. Wahreud verwesetc Excreineiite aus eineni Stalle, wo Jahre lang Kaninchen sich
befiinden hatten, eine starke Reaction auf Nitrite und eiiw
134
schwache Reaction auf Nitrate gaben, reagirten andere niehr
der Verwesung anheim gefallene Excreinente nur sehr weuig auf Nitrite und sehr stark auf Nitrate.
Eiii inerkwiirdiges Verhallen zeigte niir eine Sorte gewohnlichen kguflichen Gaaiios; bei einem Reichthum an
Arninoiiiak von etwa 67 Yroc. und einein groben Gehalte ail
organischen Subatanzeii enthielt derselbe auch nicht die
leiseste Spur von Nitriten und Nitraten. Sobald ich ihii
aber rnit Wasser befeuchtet der Luft aussetzte, bemerkte
ich schon nach kurzer Zeit (einigen Stunden) in dem filtrirten
Wasser eine reichliche Menge von Nitriten, wahrend noch
keine Nitrate nachzuweisen wareii. Am Elide von drei
Wochen aber waren lauter Nitrate in dem wabrigen Auszuge enthalten: wiederum ein Beispiel dafur, dafs die Nitratbildung durch die Nitritbilduug hindurchgeht und dafs
sicherlich das Wasser eine wichtige Rolle bei der Nitritund Nitratbildung spielt.
111.
In den obigen Mittheilungen habe ich gezeigt, wie beiin
Mauerfrafse neben den salpetersauren Salzen eine reichliche
Menge salpetrigsaurer Salze nachzuweisen ist, wie ferner
die Bildung der Nitrate durch diejenige der Nitrite hindurchgeht. Durch nachfolgende vorlsufige Notizeii mochte
ich schliefslich noch darauf binweisen, von welcher Bedeutung die genaue Erforschung des Nitrificationsprocesses,
vor Allcm aber derjenigen Producte , deren Bildung der
der Nitrate vorangeht, auch fur die Agricultur- und Pflanzenchemie , sowie fiir die Physiologie uberhaupt werden
durfte.
Mehrere Ackererdeii wurden auf eineii Gehalt an Nitriteii und Nitraten gepruft; in einigen konnte ich weder
Nitrite noch Nitrate nachweisen; fur andere aber stellte
sich eiii kleiner Gehalt ail Nitraten heraus.
Sehr interessaiit scheint niir der Uinstand zu seyn, dafs
viele Ackererden tilid iiainentlich solche , welche reich an
Humussubstanzen sind, in emiiientein Grade die Eigenschaft
135
besitzen, salpetersaure Salze in salpetrigsaure nn~zuwaiideln.
Ich befeuchtete eine huniusreiche Ackererde wit Salpeterliisung und koiiute schon nacli 28 Stuiiden eine sehr grofse
Menge von Nitrite11 in dein wiifsrigen Auszuge erkenucn,
wiilirend cine andere Ackererde in \riel laiigerer Zeit init
h e r gleich grofsen Menge Salpeterliisung rinter deiisclben
Uinst~nden bei gewiilinlicher Teinperatur keine Spur des
Kalisalpeters zu reduciren verinoclite.
Die Ackererde eiues kleineren Runkelrubenfeldes hiesiger Gegend zeigte auch i u eininentcin Rlaafsstabe diese redacirende Eigenschaft ; stand dieselbe auch iiur einen Tag
lang iriit einer Salpeterlosung zusaininen, so war der griil'ste
Theil des Salpeters in Nitrit umgewandelt. Sie selhst aber
enthielt in ihrem unveraoderten Zustaude, wie sie dcni Felde
eiitiiotnoien wordeii war, nicht die leiseste Spur von Nitriten, aber eine grofse Menge von Nitraten.
W i e reiint sicli iiun aber die Abwesenheit von Nitriten
und Abwesenheit von Nitraten in der Ackererde iiiit deren
reducirendem Verniogeii ? Ich habe noch keine Erkllirung
fur dieses sonderbare Verlialteii finden kijnnen.
W a s die Ruiikclriibe anbetrifft, so lafst sich cine grofse
Menge salpetersaurer Salze, aber keiue Spur von salpetrigsaureii Salzen in ihr iiachweiseii, und zwar sowohl in den
Wurzeln als auch in der eigeiitlictien Kube und in den
Bla t t erii.
Die Runkelriibe besitzt in eininentein Grade die Eigenschaft die Nitrite in Nitrate unizuwandeln. Zieht inan eine
junge Runkelriibe in einer Ackererde auf, welche vorher
ganz von Nitraten durch Auskochen mit Wasser befreit
worden war, welcher inan aber alle diejenigen Salze wieder
zugesetzt hatte, die durchs Wasser daraus erferiit wordeu
wareii, und begiefst inaii mahrend des Wachsthums der
Kube die Erde von Zeit zu Zeit init einer schwachen Losung von salpetrigsaurem Kali, so kaiin inan iiacli gehiiriger
Entwicklung dcr Pflairze auch nicht in eineni eiiizigeii ihrer
Organe salpetrigsaure Salze Ili~ChWeiSCil,wahrcud eine reichliche Menge von Nitraten dariii rorlianden ist. In dcm
136
w%fsrigen Decoct der Erde IaTst sich eine starke Keactioii
auf Nitrite erhalten.
Deli Wiirzelchen, welche weit ausgebreitet in der Erde
sich verzweigen, verdankt sicherlich die Runkelriibe ihre
Kraft der Ueberfiilirung dcr Nitrite der Erde in Nitrate
und die Gegeiiwart dieser in ihren verschiedenen Organen.
Bei obigein Versuche mufs man wohl Sorgc tragen, dafs
der Ackererde iiicht eine zu groke Menge Nitrite zugegeben
werde, weil sonst die Pflanze darin vollkommen abstirbt,
ohne dafs aber in ihren Organen auch iiur die leisesten
Spuren von Nitriten vorgefunden werden konnten. Hat
iiun die Runkelriibe wahrend ihrer Lebzeit das Vermiigen,
die Nitrite in Nitrate uinzuwandeln und die Eigenthiimlichlieit iiur diese in sich aufnehmen zu kiinnen, so schwindet
iiach ihrem Tode mit ihren Lebensfunctionen auch jene
iiberfiilirende Eigenschaft uiid wirken iiuninehr die eiiizelnen
Theile, wie gewohnliche organische Substanzen. Zerschneidet
man die Kunkelriibe in eiuzelne kleiiie Sclieibeii uiid Iafst
inan diese a n der Luft austrockneii bis sic schwarzlich aussehen, so bemerkt inan wie nach und nach dcr Nitratgehalt
verschwindct und allm%hlicIi die Nitrite auftreteu, bis endlich iiur solche in ilinen zu finden sind.
Was das Vermiigen inanclier Ackererden aribetrifft die
Nitrate in Nitrite un~z~iwaiideln,so mufs es in einern gewissen Verhaltuisse zu dereii Fehalt an Humussubstanzen
stehen. Befreit inan die Ackcrerde von ihrem Gehalt a n
Nitriten und Nitraten durch kochendes Wasser, giekt man
nach und nach unter tiichtigein Umschiittelu so vie1 iibermangansaure Kalilosung hinzu bis die tiberstehende Fliissigkeit schwach rothlich gefarbt ist, wascht inan alsdann die
Ackererde init reinem und dann iriit schwach angesauertein
Wasser aus, um alles Mangaiioxyd aus der Erde zu entfernen, entfernt inan volleiids jede Spur von Schwefelsiiure,
so sind die Huinussubstanzeii so weit oxydirt, dafs das salpetersaure Kali, welches ja nicht so leicht wie das uberinangansaure Kali scineii Sauersloff abgiebt, keine Wirhung
mehr darauf ausuben kanu. Lefst nian so behaiidelte Acker-
137
erde niit Salpeterlosuug stehen , so kaiin man selbst iiacli
langer Zeit auch nicht die leiseste Spur von Nihiteii darin
erkennen.
Sind auch die organisclien Substanzeii (Humus-) iiiclit
die einzigen Bestandtheile der Ackererde, welche die salpetersaureri Salze urid iiberhaupt diejeitigeii Korper zu desoxydireii vermogen, ~relcheihren Sauerstoff leicht abgeben,
das heifst in ozoiiisirteiii Zustande enttialteii, so verdienen
doch gewifs sic vor alleii andereii uiisere erste Aufinerksamkeit.
Meioen heutigeii Mittheilungen wird bald eiiie Fortsetzuiig
folgen.
Base1 den 14. September 1861.
VIII.
Ueber die Farbe des FVussers;
von W . B e e t z .
'1IJeber die Farbe des Wassers im Meere, in Seen und
in Flusseii sirid erst seit kurzer Zeit Aufklarungen gegebeii
worden, welche auf wirklichen Untersuchungeii beruhen,
wlhrend mail sich fruher dainit begnugte, die vollstsiidige
Unkenntnifs der Ursachen einer tlglich beobachteten Erscheiiiung durch Hypothesen zu verdecken. Erst Buiiseii I )
hat den einfacheu Satz ausgesprocheii und experimentell
bewiesen: "das chemisch reiiie Wasser ist nicht, wie inan
gewohiilich anzunehmeii pflegt, farblos, sonderii besitzt voii
Natur eine rein blaue F2rbung.e Er beirierkte diese Farbung, wenn er durch eine zwei Meter lange Wassersaule
weifse Porzellaiistucke betrachtete. E r erkllrte die ahweicheude braune bis schwarze Farbung iiiaiicher Wasser,
iiamentlich der norddeutschen Landseen, aus eiugemischteii
1 ) L i e b i g und W i i l i l e r , Annalen der Cheruie und Pliarni&,
s. 44*.
Bd.LXI1,
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