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Beitrge zur Mikromineralogie.

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i 42
VII 1. Beilrage zur flikrotnineralogie;
won Dr. A. v. L a s a u l x .
z u r Kenntnifs der petrographiscllen Constitution der Gesteine hat sich die Untersuchung von L)iinnscliliffen immer
mehr als ein niitzliches und notliwendiges Hulfsmittel herausgestellt. Bei dcr Untersuchung der vulkanischen Gesteine von Centralfranheich die ich seit meinem Aufenthaltc daselbst im Jahre lS67 unternommen habe (s. L e o n h a r d. Jahrb. 1669, 7 0 , 7 i ) , war daher die Darslellung
von Dunnschliffen aller untersricbten Gesteine eiue wesentliche Arbeit. So bin ich denii in den Besitz einer griifsereii Zahl von Praparaten von Laven Basalten, Trachyteir,
Phonoliten u. a. Gesteincn jenes Gebieles gekommen. Wenii
im Allgeneinen dieselben bis jefzt nur in der Weise Verwendung grfunden babeii, d a t sie im Verein mit chemischer
Analyse die gr6Cstentheils nur ungenau bc!\annten und bestimmten reichen Varielaten dieser Gesteinslilasseii der Auvergne prscisireu solhen, so wrrrden dabei doch selbstversthdlich eine Reihe voii Reobachtungen verschiedener Art
gemacht, die wenn sie auch nicht alle den Anspruch der
Neuheit machen kiinnen, doch der Mittheilung defshalb werth
erscheinen, als gerade auf dem Gebiete der Mikromineralogie die Detailbeobachtungen k a u m reichlich genug werden
kannen. Mtige daher im Nachstehenden eine auf diese
Beobachtungen gegrundete Betrachtung Stelle finden.
b u r & die Arbeiten V o g e l s a n g ’ s z, wurde neuerdings
das Interesse auf eine Seile der mikroskopischen Beobach1 ) In dar letzten Zeit liabe ich GesteinsIwPparate durch V o i g t unrl H o c h g e s a n g in Gijttingen anfertigen lassen und harm die sorgfjltige und
gesctiickte Ausfirhriing nur sehr empfehlen.
2 ) V o g e l ~ a n g :Sicr lcr cristallitrs; Archive nhrrlandaire T.V, 1870.
Der zweite Thcil dieser Arbeit ist mir noch nicht bekannt geworden.
Vgl. V o g e l s a n g iiber die mikroskop. Structur der Schlacken.
Ann. Bd. CXXI, S. 101.
Pogg.
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tirng gelenkt, die, wenn aiich nicht zuerst von ihm angewendet, so doch in seinen neuesten Studien uber Krystalliten neiie und wesent lichere Resultate verspricht, als fruhere
Arbeiten ahnlicher Art. Schon seit langem hatten verschiedene Forscher es versiicht, die Krystallbildung in ihren erslen Anfsngen durch mikroshopische Hiilfe ZU belausclieir
iiiid dabei verschiedene Wege eingeschlagen. Schon E h r e n b e r g 1) hatte am Kochsalz den Begiiin der Krystallisation,
die dort mit sechsseitigeii Tafeln, dcr Form des Kochsalzes
-mit Krystallwasser, aufsngt und d a m in Wiirfelform iibcrgeht beobachtet.
Bald nachher hat F r a n li e n h e i m ") seine lange fortgesetzten Studien iiber Krystallogenesis begonnen, wobei er
zuerst die Krystallisation im Weideu an einem Tropfeii
cincr SalzlGsung, die er auf den Objectlrager des Mikroskopes brachte, zu erkennen suchte. In einer spateren Arbeil
suchte er noch nachzuweisen, dafs wo iiberhaupt eine Forui
zu erkennen sey, sich auch schon lirystalline Sfructur zeige.
Kirgel-Cylinder- und Blasenform finde sich an den kleinsteii Theilchen arnorpher Karper niemals. Jedocli bieteu
seine Untersuchringen iiber Amorphismus und Kryslallisation uns fur die eigene Retrachtung nichfs wesentliches.
Hieran schlosseu sicli die Versuche L i n k ' s '), die zunlchst
auf der auch schon von E h r e n b e r g gemachten Erfahrung
basirten, der das Aussehen mehrerer Niederschlage pnter
dew Mikroskope beschrieben und gezeigt hatte, dafs sie in
einem ZuStande unbestimrnter Gestalt sich abscheiden, als
in Kugeln, Ringen, Staben usw. L i n k dehnte nun seine
Untersuchungen weiter aus und beobachtete an Niederschlagen von kohlensaurem Kalk, kohlensaurem Bleioxyd, Chlorblei usw. die aus einem solchen kein Zeichen krystalliner
Textur zeigenden, formlosen Niederschlag nachher sich entwickelnden, iminer vollkommener werdender krystalliner
Bildungen. Die Schliisse, die L i n k aus seincn Versuchen
1 ) Pngg. Ann. BII. XXXVI, S . 240.
2 ) P o g g . Ann. Ed. XXXVII, S. 516.
3 ) Pogg. r111n. Sd. XLVJ, S. 258.
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gezogeu hat, sollten im Wesentlichen H aiiy 's Ansicht, dafs
die Krystalle Gebilde aus ursprunglich gebildeten kleinen
Krystallen seyen, widerlegen, was jedoch iiicbt ganz zutreffeud erscheint, da H a u y Zustande, die der Annahme von
Krjsfallform vorangehen kilnnen, nicht im Auge hatte.
L i n k ' s Ansicht, dafs die Festigkeit der Materie erst mit
der Krystallisation entstehe, ist durchaus falscb. Mit der
Frage uber den Zusland, in dem unkrystalline Niederschlage
sich bilden, hat M i l s c h e r l i c l i ') sich befabt. H a r t i n g * )
hat eine ausgedehnte mikroskopische Untersuchung tiber die
verschiedene Form der Niederschlage angestellt und dabei
unter anderen die folgeiiden Satze aufgestellt: mDie Krystallisation eiues Niederschlages ist immer ein primitiver Act.
Aus eiiicm langsam ents~ehendenNiederschlag bilden sich
grijfsere Krystalle, aber diese bildeu sich niir dann, weiin
der auf diese Weise entstehende Niederschlag primitiv krystallin ist-. Gegen dicse S a k e wandten sich vorzugsweise
die Unlersuchuiigen von M a r c h a n d
Er machte darauf
arifmerksam , dab sich die kleinen Kugeln solcher Nieder1 schlgige oft perlschnurarlig aneinanderreihen und fand, dafs
' das chlorisatinsaure Bleioxyd in Gestalt von gelben Kugeln
ftillt, die sich in kurzer Zeit in hochrothe mikroskopische
Krystalle verwandeln. WIhrend der Bildiing derselben sieht
man keine Art von Bewegung an den Kugeln, aber zwischen
jeder angefangenen Gruppe von feiiien Krystallen iind dem
noch unkrystallisirten Thcil einen kleinen Abstand, in welcheiii die Fiijssigkeit frei ron Kiigeln oder Krystallen ist.
M a r c h a n d hat aufserdem, iind diefs sei hier beilaufig bemerkt, die Bildung dcr Kryslalle von saurem chromsaurem
Kali und schwefelsaurem Kupferoxyd unler dem Mikroskope beobacbtet und gefunden, dafs sich bei einem hinzugekommenen , schon vollkommenen , kleinen Kryslall keine
Abstnmpfungsflkben allmahlig bilden , soudern .dafs umgekehrt viele und im Verhaltnifs zum Volum des Krystalls
").
I ) P o g g . Ann. Bd. XXXXIX, S 405.
2) Bullet. de Sc. phys. en Neerlande 1840, p . 287.
3) Jouril. f. prak. Chrmie, Bd. XXIII, S. 460.
145
grofse Abstumpfungsflachen an denjenigen Kryslallembryonen
gelroffen werden, von dcnen er es fur wahrscheinlich h d t ,
dafs sie v011 der Zusammenlepung mchrerer Einbryonen von
ungleicher Aiisbildung herriihren. Wahrcnd der Krystail
d a m auswlcbst, verkleiuern sich die Abstumpfurigsfliichen
und verschwinden zuletzt ganzlich.
K u 11 1ui a n 11 I ) , der ebenfalls verschiedene Uii tersuchungen uber Krystallogenesis aiistcllle, leitet die Verwandlung
kleinerer oder mikroskopischer Krystalle in grbkere von
tler Anziehrrng glcichartiger Molecule ab, welche besonders
dann wirksam wird, wenn die bleinsten Theilchen der krpstallisirten Substanz durch Schmelzung oder Befeuchtung
einen gewissen Grad von Beweglichkeit erhallen. Dieses
Krystallisatiunsbestreben ist fur ihii die fume cryshtlogdnique.
Bei spateren Versuchen gelaog es ihm, aus wohlkrysiallisirbaren Substanzen z. B. schwefelsaurem Zinhoxyd: Magnesia,
wenn die verdiinnten Liisungen durch Stoffe, welche die Krystallisation mechanisch hemmen: Melalloxytlhydrale, Gummi,
Gelaline verdickt und auf polirte Flachen aufgelragen wurdeli, strahlige, dendritiscbe Krystallisalionen zu erhalten.
W e n n die Krystallbildung schnell erfolgt, was vou der Natur des Salzes, der Concentration der Ldsung und der Natur und Meoge der beigemenglen hemmenden Substanz abbangt, so bilden sich sogleich einzeloe Krystallgruppen.
Hier finden wir den ersten Versiich, die Uebergangsstadien
im Krystallisationsprocefs dadurch sichtbar zu machen, dafs
die Schnelligheit, mit der sonst die Krystallisalion erfolgt, die
alle Wahrnehmungen ausschliefst , kunstlich grhemmt wird.
Fernere Miltheilungen iiber angtslellte mikroskopische Beobachtuogen iiber Krystallbildung haben wir noch von T e l l k a m p f *). Auch er wendet Tropfen gestiltigter Ldsungen
an, die er auf einer Glasplatte 'unter dem Mikroskope beobachret. Aus den allgemeinen Erfahrungen, die er gewann,
mag hier nur hervorgehoben werden, dafs er ee echwierig
1) h n p t rend. LVl1, 1036.
2 ) A. Telltarnpf', physic. Stndien, Hann. Rurnpeler 1854.
PoggeoddFs hooal.
Bd. CXLLV.
10
146
fand , den eigentlichen Anfang, einer Entstehung wahrzunehmen, da man lneist die Krystalle ersl bemerkt, wenu
sie scllon bestimmt ausgepragte Formen zeigen. Betrachtet
man aber vsllig durchsichtige Stellen der Fliissigkeit bei
scharfer Vergrbkerung sehr aufmerhsam, so nirnlnt inan
zuerst kleine, gestaltlose, graue Punkte wahr, die sich erweitern, durchsichtig werden uud nun bald zu der scharf
begranzten Figur des Krystalles srch umwandeln (die inneren Bewegungeii in der Fliissigkeit scheinen ihm vorherrschend mechanischer Eatur zii seyn und seyen wohl der
Adhlsion zuzuschreiben ). Bei den verschiedenen Stoffen,
die er beobaclitete, siud naturlich die Erscheiuungen verschieden. Die Wahruehinung eiues directen Ueberganges
aus formlosen, aber scbon lnit hellem Kern und deutlicher
Umrandung versehenen Gestalten zu vollendeten Krystallen
zeigte sich am besten bei eiuer gesattigten AlaunlOsung. Bei
salpetersaurem Silberoxyd erscheinen eiiizelne sich bildende
Blatter gezackter Krystallisationen aus kleinen gerundeteu
Korperchen zusammeugesetzt. Diese in gerader Linie gelagert, liefsen es fast so erscheiuen, als ob die Kry>tallisalion eine Folge der Anordnung kugelfiirmiger Partikelchen
5ey. Gerade diese Punkte der T e l l k a m pf'scheo Beobachtuugen babe ich hervorgehoben, weil sie mit den spater
anzufuhrendeu eigenen Beobachtungen zusammenbangen.
T e l l L a m p f wiirde gewits eiue Reihe vie1 ausgesprochenrr
Erscheinungen erhalten habeii, wenn er, wie es K u h l m a n n
und V o g e l s a n g gethan, ebeufalls seinen LBsungen die zu
schnelle Krystallisation bernmende Sloffe zugesetzt hatte.
H. R e i n s c h hat mikroskopische Reobachtungen uber Krystallbildung verilffentlicht (N.Jahrb. f. Pharm. XXIII), die
nichts wesentliches fur uns enthahen.
An die Untersuchungen von L i n k knupfen direct die
neueren Arbeiten Y o g e l s a n g ' s liber die interessante Frage
der Krystallogenesis an. .
*
Er verbindet mit dem Experiment die Untersuchuugen
klinstlicher und natiirlicher aus dew Schmelzflufs erstarrter
Glasmasseu. Ohne eiiies ullleren a d seine Vcrsuche ein-
t 47
zugehen, m6ge nur das als wesentliches Resultat mifgetheilt
werden, dafs er einen antekrystallinen Zustand beobachlet
hat, aus dem der directe Uebergang in deutlicfi individualisirte Krystalle statthdet ; wenngleich ihm der Uebergaug
selbst nur als ein einziger, plotzlicher und nicht naher Z I I
definirender Moment erschien. Die verschiedenen Formen
antebrystalliner Bildungen , wie er sie in den Versuchen
mit in Schwefelkohlensloff gelihteni Schwefel , dem er im
Canadabalsam eiiieu die Krystallisation hemmenden und erslarreuden S~offbeigab, gefunden hat, beIegt er mit dem
Namen Globulitcn, Longulilen, Margariten ’) und wendet
sich nachlier d a m , in. kiinstlichcn Glasern, Schlacken und
mineralischen Bildungen, in denen wesenllich gleiche Entstehungsbedingungen vorhanden gedacht werden konnten,
nach den Analogien dieser Formen zu forschen, wie sie
dort in gleicher W @ s e wie bei seinen Experimenten erstarrt
sich finden mafsttn.
In Uebereinstimmung mit einigen der vorher angeftihrten Beobachtungen, hesonders mit denen von M a r c h a n d ,
1) Dr. Weirs hat itu rwciten Hefte dierer Anoalen 1871 eigene Beobachtungcn iiber die Vogelrang’scheo Krystallitcn mitgetheilt. Die interessaotcn Erscheinungen in den Versuchen mit Srhwefel bestitigt e r
simmtlich, nur glaubt er, dars die Globuliten, Margariten wirkliche FIGSsigkeitrtropkn seyen, wihrend er die Longuliten als erstc Krystalliteo erkennt. Da sich seine Einwiirfe im wesentlichen auf die Deutung der
Formen in den Schwefelversuchen beschrinken und ar selbst sagt, daL
die Kame0 Globulite UJW. fiir wirkliche Erstarrungsproducte , wie in
Schlacken, mit Recht Anwendung linden kBnnen, so scheinen mir fur
die hier von mir mitgetheiltan Beobachtungen, die our wirklich feste
K6rper rum Gegenstand haben, keine Folgerungcn aus den Reobachtungen von W e i r s gezogeo werden zu k6nnen. Um so mehr aber
scheioen mir die Uebergangsformen, f i r die auch ich den Namen ”Krystallitenr beibehahe, dennoch die Annahma cines wirklichen vermitteloden Zustandes zwischen amorphen und krystallinen KBrpern zu rcchtfertigcn. Darin stimme ich gerne mit W e i r s iiberein, d d s in der That
, die Versuche mit Schwefellasung allein nicht gccignet sind, diese k’rage
ZU entscheideo.
W a r die von V o g e l r a n g beobachteten H6fe urn die
Kugeln angeht, die auch W e i r s beschreibt, so finden rich dieae rchon
in der angefiihrten Arb& Ton M a r c h a n d ernihot.
10’
148
T e l l k a n i p f nird V o g e l s a n g erscheiirt es jedenfalls wahrscheinlich , dafs solche aiitekrgst allincn IJebergangsformen,
die einerseits ilire Graiize in den iibersattigten Tropfeii, andererseits in fertigcu Krystallen finden, mehrfach in Gesteilien gefunden werden kiiunen, die feurigflussiger Enlsteliiriig
sind. Die Griiuze solcher Formen, die wir uiiter dem gemeiiisamen, beibehallenen Nameii Kryslallit cn a bezeichueu
wolleii, ist nach beiden Sciteii Iiin schwer zu bestimmen.
Zunachst ist scliou der Nachweis niclit leicht, dak z. B.
die Lougriliten V o g e l s a n g ' s eine ubereinstimmende cheinische Couslitution besiheu, wie die voii ihm erl\annten
deut lichen Krystallisationen. Nach den fertjgen Krystallen
hin ist gleiclifdls die Gt~irzt:schwcr zu zielien, rind SO bedarf es deiiii imrner nocli ganz besoiiderer Verkiltnisse und
charakteristischer Anzeichen, die es hlar machen, clafs wir
in dem cineii Falle einen Krystallitcn d. 11. also eirie IJebergangsform zrnn Krystall, gewissermaken einen Embryoualkrystall, aber i u etwas andercm Siiiiic als diesen Ausdrriclc
M a r c h a n d gebraucht, vor uns liabeu, im andereu Falle einen bercits vollkommen besoiiders aricli cfurcli die p l y edrische Gestalt individunlisirteu Krystall. Die Beobaclitungen, die ich zu 'niachcn Gelegcnheit hatte, und die hier eiuschlagen, miigrii also nur dazu dienen , den Formenreichthum solcher Falle zu verinehren, in deneu wir es ganz
gewifs noch nicht mit ausgebildeten Kryshllen, sondern mit
den ersten hufangen der Krystallisation zu thun haben.
Denn wenn es auch nicht miiglich erscheint, direcle Schliisse
iiber deli eigentlichen crsten Bildungsact tles Krystalls uberhaupt daraus zu gewinncn, so 1 3 3 sich doch immer uiehr
ein Zusanimeuhang zwischen Krystall rind solchen antekrystallinen Formen uiid eine forlschrcitende Entwickluiig der
letzlereii zum ersteren erkennen und feststellen.
Zuerst sollen hier einige eigenthiiinliche Bilduiigen in
kiinstlichen Glaseru besprochen werden. In einem brauneo,
durchsichtigen, trefflich musclilig brechenden Glase, welches
in den Schlacken des Neusser Hochofeiis vorkoymt, finden
sich zunlchst wohl aiispbildete , weifsgriine Krystalle voii
>h
Humboldtilith, init der Flgchencombination UD Pcr, und O P
uder aiicli die pyramidale Endigung P mit diesen Fllchen.
In DiinnschliffPn zeigen diese Kryslalle eine eigeut hiimliche
Textur. I m Inliein des Krystalls beliiidet sich nllemal ein
ohtnedrisch geforinler Kern und nitn besteht der game Krystall aus feinen, parallel geordneten Fascrn. Nun scheinen
aber Durchwacbsungen melirerer Individuen vorzukommen,
dcnn in einigen solcher Krystnlle zeigte diese Fasertcxtur
eine deirtlicbe, radiale Aiiordnuiig tiud es kamen sogar in
einer solchcn zwei aitf Zwillingsvcrwachsung hindcutende
miteinaoder verbnndene oktacdriscbe Kerme vor. Siehe
Fig. 13 Taf. 111. Diese Krystalle von Humboltltilith sind bis
zu 1 Link grofs. Aaker ihncn erscheiucn aber noch zahlreiche mikroskopisch kleine Bilduugen von driiikler Farbe
rind verschiedcner Form. Die eiitfachsten sind runde, tropfenahnlirbe Gestalten, von Poren dadurch trefflich zu unterscheiden. d d s sie keine so starken, wenn auch scharfen
Rander haben (Fig. 14). Diese rrtndcn Formen combinircn sich ziinachst untereinander zu zweien, dreien, vieren,
sechsen untl mehreren 211 anscheinentl unregelmafsigen aber
auch zii rcgelmafsigen Grrrppen, so d d s dadurch Formen
entstehen, wie sie in Fig. 14 dargcsrellt sind. Zahlreiche
runde odcr hrirz stabfiirmige, ohne Zwcifcl aus der Vereinisung mchrerer riinder Gestalten gebildete Krystalliten gruppiren sivb zu sternfilrmit;en Figurcn, wobei hlutig der Stern
noch an drm eincn Ende eines Sllbchens erscbeint. Oft
wird das Centrum eines solchen Sternes durch eine im Verhallnifs zii den radial stehendcn Krystalliten grofse, runde
Form gebildet. Dtirch die Aneinanderlagening zahIreicher
solcher Kiigelchen uiid Stabchen entstehen endlich vollkommen dendritische, farrcnkrautalinliche Figuren, wobei die
Winkel in denen die Verzweigungen aneinanderstoLen meist
als Rechte erscheinen (Fig. 15). Jedoch ist es bemerhenswerth,
dals die Art der Gruppirung dieser Krystalliten auch auf das
hexagonale System in einigen Formen hinzrideuten scheint.
An der Spitze ciner seitlichcn Fieder einer solchen farrenkrautartigen Verwachsring otler ain Scheitel findet sich oft
I50
noch ein selbststandiger Stern angesetzt. Uebrigens lalst
keines der kleinen Theilchen, die diese Aggregate bilden,
eine polyedrische Form erkenncn, es sind alle nur runde
oder etwas in die Lange gezogene ovale oder cylinderfb
mige Gestalten. Es bedarf bei der Kleinheit derselben schon
einer starken Vergr6fserung (8 - 900) um die Zusammensetzung solcber, bei schwacher Vergr6lserung nur als schBne
Sterne erscheincnden Aggregate zerlegen zu k6nnen. W e n n
sich in der Anordnung unter ganz bestimmten Wiiikelverhtiltnissen schon deutlich die krystallogenetische Kraft in
diesen Gebilden ktfsert , scheint sie doch nicht im Stande
gewesen zu seyn, einem einzigen der klcinen Theile eine
wirkliche polyedrische Krystallgestalt zu geben, wahrend in
demselben Glase in den wohlausFebilrleten Krystallen des
Humboldtilith dieses vollkommen der Fall war. Die kleinen
Uebergangsformen, die auch gewifs iiichts mit dern Humboldtilith gemein haben, konntrn sich ohne Zweifel erst spater ausscheiden, als die Ersfarrung des Magmas bereits soweit fortgeschritten war, dafs die Krystallisation nicht mehr
uber die alleraufanglichsten Formen hinauskam. Darin liegt
also der gliickliche Umstand, der es uns m6glich macht,
hier die Uebergange aus der nirht krystallinen Form zum
Krystall fast stufenweise angedeutet zu finden.
In einern diinket violetten, vollkommen durchsichtigen
Glase von sehr basischer Zusammensetz~~ng( S O , = 3830
M, 0,= 13,90 Ca 0 = 46,75), welches bei den Versuchen
auf trocknem Wege im Laboratoriom des Etablissement
Cockerill zu Seraing in Belgien erhalten worde, finden sich
ebenfalls weifse Krystalle von Humholdfilith von derselbeu
Flachencornbination wie in der vorhergehenden Schlacke
und von gleicher fasriger Textur. Aufscr diesen erscheinen
in einzelnen Theilen des Glases angehauft, in anderrii
.nur sparlich, seltsame Gebilde , dadurch charllkterisirt , dafs
von einem runden schwarzen Tropfen baarahnliche Fadcn
radial nach allen Seiten hin ausgewachsen sind. Es zeigen
sich solche Tropfen mit einem Haar, diese nehmen zu und
endlich i61 dann der Tropfen rondum dicht von solchen
Haareri umgeben. Fig. 16 Taf. 111. Manche dieser Formdn
bieten Aehnlichkeit mit den in der Grundmasse einiger Rasalte von Z i r k e 1 beschriebenen Trichiten, wieder manche
erscheinen durcbaus ahnlich den Schwarmsporen der Pflanzeu und mtllgen, wo sie etwa in natiirlichen Gebiltlen erscheinen, leicht Veranlassiing geben, fur Organismen gehal!en zu wcrdrn, eine Verwechslung , die gllicklicherweise
hier vollkommeu unmoglich ist. Nur an wenigen dieser
Formen wareu zwischen den feineii Haaren, die sich aiich
bei starker Vergriifserong niir als einfache Striche zeigten,
rblirenfiir mige Glieder eingeschoben. Diese Bildungen sind
jedenfalls kleine Spharulithe ganz 8hnlicli den in Schlacken
auch vorkommcnden grbfserpn krrgelfilrmigen, rathalfasrigen
Ausscheidungeu.
In einem dunkel grunbraunen Glase, welches mit den
Schlacken des Hocbofeus zu Sclessin fillt, erscheinen wieder andere Formen. Hier sind es einfache, Hufserst kleine
S!ibchen, die zahlreicb diirch das Glas zerstreut liegen.
Fig. 17. Daneben erscheinen scbwarze undurcbsicblige Kugeln, wahrscheinlich metallisches Eisen, an denen aber ebenfalls Ansatze zur Krystallbildung wabrzunehmen sind.
Zum Vergleicbe mit den i a dem Neusser Glase vorkommenden Verwachsungen wurden ausgezeichnete, feingegliederte , farrenahnliche Bildungen eines Zinkrauches, wie
er sich in den Vorlagen der Muffeltlfen auf Birkengang bei
Stolberg verdicbtet, unter drm Mikroskope betrachtet. Dieselben zeigten eine wirklich auffallende Combination wohlgebildeter hexagonaler tind unbestimmfer riinder und ovaler
Formen, wie dieses in Fig. IS, wo der Arm eiues solclien
Zinkwedels , die iibrigrns reich gefiedert rind vielfach verwacbsen sind , dargeslellt ist. Die hexagonalen Tlfelchen
erscheinen meist an den Endigungen der Seitennerven oder
des Hauptnervs der einzelnen Fieder, wghrend an den Seiten der Nei-ven die rundlichen Formen sich anlagern. TJiese
sind aber nicht zur Annahme einer polyedrischen Gestalt
gekommen, wozu es ihnen nicht etwa an Raum fehlte. So
kann man dieselben nicht als Deformitlten anseben, nein
es sind wieder antekrystalline Formen, aus deuen, wenn
die Umstande gunstig siiid, rollltommene Krystallformen sich
heraosbilden hdnnen, die aber in so fern schon im Bereiche
krystallographischer Geselze sich betinden, als sie gesetzmafsige Gnippirungsverhaltnisse zeigen.
Als ein vollkommner Uebergaug zu den Gesteinen kann
eine Schlacke angesehen werden, die ebenfalls auf dem
Hochofen zu Sclessiu fallt uud die bei gelbgrauer Farbe
schon im Aeufsern eine vollkommen steinige, kryptolrystalline Striictur zeigt. Im Duiinschlifle zeigt sich das noch
deutlicher, sie erscheint irn wesentlichen ails einein weifsen,
prismahlien und eiuem dunkelgriingelben Bestandtheile
zusammengcsetzt, die so diclit in einander gewachsen erscheinea, dafs kaum hier uud da Spuren einer Grundmasse
zii erkeuiien sind.
Die weilseu Krystalle erscheinen in
ziemlich gut ausgebildeteii Prisiiieii oder vierseitigen Qiierschnitten. Eine Endigring ist an den prismatischen Formen
nicht, wohl aber eine deufliche Spallbarkeit, senkrecht auf
der Langsrichtuug des Prismas, also etwa basisch, zu erkennen. Die Krystalle wirken recht deutlicli auf dae polarisirte Licht, indem sie in einfachen Farben wandeln, dndurch
sind sie deutlieh von den Parthien glasiper Grundmasse zu
trennen. Hautig erscheinen 3 oder 6 solcher Krystalle unter hexagonalen Winkeln an eiiiander gelagert, so dafs
man daraus auf den hexagonalen Charakter der Prismen
selbst schliefsen kdnote. Zwischen den weifsen Krystallen
erscheint der griingelbe Bestandlheil meist in dichten Aggregaten, die den freien Raum zwischen den weifsen Krystallen erfullen, hin und wieder eine Annaherung an prismatische aber auch ganz unregelmltige Gestalten zeigeud.
Dort, wo es nillglich wird, diese Aggregate zu entwirren,
zeigen sich krystalline, nadelfilrmige oder vorherrschcnd
deudritiscbe Verwachsungen, die in ihren Details alle Formen wiederfinden lassen, wie wir sie in Fig. 14 Taf. 111 dargestellt sehen. Der Bau der Dendriten ist ein vie1 complicirterer und liegen sie so dicht in einander geschoben,
dafs sie wie ein vollstiindiges Netzwerk gestrickt erscheinen
153
(die Verwachsungswinkel erscheinen anch hier iiberall Rcchte
zu seyn). In den weifsen Prisiiien ersclieineu zahlrcicbe
solclie Parthieii eingewachsen und gerade dort ist i1ii.e Beob.
achtiiug a m vortheilhaftesteii. Allenlhalben abcr is; recht
deiitlich walirzrinehme~i, wie sie iiiir atis riinden und ovnlen oder 18iiglichen winzigen Kbrncheu ziisammengeselzt
sind.
Bei schwacher Vergrbfserung, w o die Dendritenform
zuriicktritt und nur melir eiii krystallines Gewirre wahrzunehmen iet, erscheiut die Struvtur dieser Schlacke im
Diinnschliffe gar nicht so unahnlich der Striictur einiger
Basalte. In dern grtitigelbeti Bestandtheile erscheiiit es fast
u~imittelhnr, dafs eine Uinbildriiig im krystallographischer1
Sinue formloser Theilc iu gesetzmafsig gefornile stat tfiiidet,
so dafs der eigenlliche Anfaiig eiiier Krystnllisation nicht
lnit schon krystallographisch geformteii Thcilchcii beginnt,
sonderu einfach darin besteh t, dafs gleichgeartete Tlicilcheu
der Masse, die in nachster Nahe aofcinander wirheii, sich
vereinigen, zuerst zu einem grbfseren Tropfeti in der Fliissigkeit, indem die Surnme der wir!\samcu Eigensclinften nun
schon kraftig genug ist arich andere griifsere Theile anznziehen, lagera sie sich nach dein Gesetze ihrer cheinischen
Natiir an einaiider und nehineii daher nacli verscliiedenen
Richtuiigen und bestimmten Wiiikelverli;?ltnissen zti, ertcflich
vollkommen polyedrische Gestalten bildend. Gelien wir
nun dazu iiber einige Forinen in den Kreis unserer Betrachtuug zti ziehen, die wir in natiirlichen Glasern und in
vulkanischen Gesleinen gefiinden haben.
Vollkommen frei von Einschlussen, die clen Beginn einer
Krystaflisnlion erkenneu Iassen, erscheiilt tiuter vieleu natiirlichen Gllsern, die ich iin I)iinnschliffe bcreits untersucht habe, nur der bbhlnisclie Boiiteilleuslcin, in dcm.
aufser zalilreichen Dainpfporen soiist keine Spur einer Atisscheidmg vorhauden ist. Reicli an Krystalliten sind hingegen die Obsidiane und Perlite. In einem Perlit au8 eineln
Perlitporphyr der Auvergne erscheinen zahlreiche, kleine
Strbchcn gau7. ahnlich deiien in dein Glase von Sclessin,
154
Es kommen dabei auch rrindliche Formen vor, Verwachsungen mehrerer Stabchen, Durchkreuziingen, u. a. wir: in
Fig. 19 Taf. 111 dargestellt sind.
In der Glasmasse, die die Grundmasse der vulkanischen
Gesteiiic bildet und die als solche, wenn auch nicht in
allen Fallen, so doch in den meisten, unter dem Mikroskope
dentlich erltannt werden kann und die ohne Zweifel als
der iibrig gebliebene nicht zur Krystallisation gelangte Theil
des vrilkanischeu Magma’s anzrisehen ist, kinden sich ebenfalls mannichfache Formen der Krystalliten. W e n n sie tins
dort aber weniger deulliche Bilder erkennen lasscn, so
liegt das ebeu nur dnran, d a b wir die Grundmasse der
Gesteine in Diinnschliffci! selten so bell und deutlich erhalt en, wie beispielsweise einm Feldspaf hkrystall. Der
geeigiiete Ort, wo wir analoge Erscheinungen am besten
tinden werden, ist in den hellen Krystallcn der Diinnschliffe vor allem den Feldspathcn, die sicb in der That in
einigen FMen ariffallend reich an solcben Krystalliten zeigen. Hier kann es uns einstweilen iibrigens nicht interessiren, zu wissen, in welchen Krystallen sie am hautigsten
sind und mi)chte sich daruber schwer bestimmtes sagen ]as.sen; ersclwinen sie doch in den Feltispathen eines und desselbeu Gesteins einmal recht reichlirh, das anderemal nar
selten. Das k6nnen wir bier also unberiicksichtigt Iassen,
nur der Formenwechscl fiir die Krystalliten, gleicbgiiltig
wo dieselhcn vorkommen, ist von Inferesse.
In einern schwanen Porphyr, Melaphyr B r o n g n i a r t ’ s ,
- der auf dem Plateau des Croix Morand ansteht, iiber
welches die alte Strafse von Norden her in den Mont Dore
fuhrt
liegen zahlreiche, weifse Krystalle eines triklinen
Feldspathes, die eine so ariffallende parallele Lagerung zeigen, dafs in ihnen eine treffliche Fluidalstructur schon mit
blotem Auge erkaont werden kann. Die Grundmasse des
Porpbyrs ist nicht recht deritlich , wenngleich sie an den
durchsichtigen Stellen des Scbliffes unverkennbar ist. In
den Feldapathkrystallen tinden sich mannicbfache Einschliisae,
darunter vor allem zahlreiche, hellgelbe Krystalliten, die
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sich sehr scbarf von der Masse des Krystalls abhebea, und
deutlich aof das polarisirte Licht einwirkrn, was sicb sdbst
dann noch erkennen Iafst, wenn sie sehr klein werden;
im yolarisirten Licht treten sie hell iind unabliangig aus der
farbenreichen Streifung der lamellar verwachsenen Feldspathe
herx or. Bemerkenswerth ist vor allein die tropfcnalinliche
Gestalt vieler; meist einfache aber auch doppelt und dreifach vernachsene Tropfen. Endlich kominen Combinationen
mehrerer Tropfen vor; es erscheinen Artn stabfdrmige Gestalten, die sich iintereiuander wiedcr zu zwei oder drei
Glieder zahleiiden Gruppen vereinigen, iudein sie entweder
ihre L%ngsseiren nebeneinander learn oder sicli perlschmrartig hiiitereinander rcihen. Uebergange ciniger solcher
riindlichen Formen in polvedrisch be@nzte lasscii sich erkennen und Gruppen solcher ecliigeu Krpstallitcu. Die
verschiedenen Verhaltnisse siud in Fig. 20 Taf. 111 dargestellt.
Auch bier schutzte vor Verweclislmg dieser Krystalliten,
mit Poren ilire stets scharfe aber nicht starkc Uinrandiing
ihre bestimmten Formcn , ihre Lichtwirhungen rtntl endlich
ihre gelbe Fzrbiing.
In den bellen Felcfspafhen eines violetten Phonolites
(Leucostine oiolatre) , der einen wohl charakterisirlen Gang
in den trachytischen Tuffeii iin Thale der Uoredogne unterlialb Rigolet bas bildet , crscheinen eheufalls zahlreiche
Krystalliten, aber von ganz anderer Form. Hier sind es
nur lange oft fein nadelfbrmige Gestalten, bei denen wir
in einzelnen Fallen die Aneinanderreihring mehrerer kleinerer Kryslalliten zti einem grbfseren erkenuen. Selbst in
den Iangeren Nadeln, in denen die einzelnen , urspriinglich
aneinatider gefugfen, k leiiieren Formen zu so inniger Verwachsung gekommen, dafs sie selbslstandig nicht mehr zu
erkennen siud, zeigen Diirchg%nge die altcn Begrhzuugeu
an. Nicht sclten erschcinen aiich hier zwei solcher kleiner
Stabcheu niit ihreii Langsscifen an einander gelegt und
mbgen kurze , breite Gestalten aiif diese Weise entsfebeu.
Durchkreuzungen sind selteu, kommen jed0c.h vor. Nicht
80 selten ist es, dafs in einem grtifsereu Krystallifen dieser
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Art einer oder mehrere klcincre einpeschlossen crscheinen.
Fiir alle diese F d l e gieht Fig. 21 Taf. 111 Abbildungen. Charakteristische scliiin braun gefarbte in der Form niclit von
den vorliergehencleu abweiclieiide Krystalliten mbgen als
Horubleutle erkaunt werden. Grofsere Forinen dieser Art
erscheirien mit einem den Umrisscn parallelen helleren Rand
imgeben, wie in Fig. 21 Taf. I11 obcn rechts. 1)afs die in
nocli beweglicher Masse schwebenden , selbst aber schon
geformten Kryslalliteii antereinander eiiie gewisse Aiiziehung besitzen, ware es arich nur Adhasion, zeigen Vorkonimnisse, wie iu der Mitte der Abbildring, wo an dem
Ende einer selir langrii Nadcl I\ leinere runde und Iangliche
Krysralliten anliaften.
L)ic srltsnmslen Fcttmen, sowohl in Bezug auf ihren
Bau, als auf ihre L;inge, fiir die keiiie Annlogie in deli zahlreichen voii inir bercits bcobnchteten Scliliffeii geftinden
wrirde, konirnen in den Sanidinen eiiies von mir als Sanidinit beschriebenen Gestcines (R'eries .Jalirb. 1871 Heft 7 )
vor, welches sich als huswiirfliiige voii mehr oder weiiiger
bederltcndcr Griifsse in den Umgebiingen des Bades Mont
Dore uiid im oberen Tlieile des VallCe de I'Enfer h d e t .
Die Saiiidine siiid untcreinander rind mit Hornblende iiinig
verwaclisen, sie sind vollkoininen wasscrliell und durchsichtig. In ihuen erscheinrn nun (einzelne schon mit der Lupe
sichtbnr) aiiffallend lange, oft drlrcli mchrere Krystallindividuen hindurchsetzende, ebeiifalls weifse Krystalliten von
verschiedener Form. Die meisten zeigen geradlinige Regranznngen und weiiige auf der L%ngsrichtung senkrechte
Durchgiinge; oft gaiiz ohne diese , eiiifache , eingliedrige,
lange Rahrchen vorstellend. Meist aber bestehen dieselben,
sowie die& auch uoch die seIbst bei starker Vergr6fserung
nur haarfiirmigen Fadeu zeigen , atis mehreren Gliedern
gleicher Art. In den meisten Fallen lafst sich die Form
der einzelnen Theile recht gut erkenuen. Es sind aneinandergereihte rrinde, ovale oder langliche Gestalten. Dieselben erscheinen zunachst nach einer Richtung aber unregelmlifsig aneiuander geschoben , oft krtimrne und gebo'
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gene Formen bildend. Solche Verhaltnisse sind in Fig. 23
Taf. Ill rechts dargeslellt. D a m erscheinen sie fester rind
bestiinrnler an einander gewachsen, gewissermafsen in einander gedriiclt, so dafs sie geradliiiige, oft sogar eingebogene Begranzungen zwischen sich erhalteu. Endlich nehmen
dieselben deutlicli polyedrische Formen an und so erscheineu niin solclie unregelm~fsige vielseitige , aber auch regelmafsig hexagonale Formen mit ruudlichen, formloseii Theilchen zusamrnen. Die oft gnnz rrgclinafsigcn oder etwas in
die Lange gezogenen Scchsecle erscheiuen in Coinbination
mit noch nicht geforinten Krystalliten. So ist in Fig. 22
unten einc solche Ziisammensctzung abgebildet. Oft sind
die Sechsecke vertlrucht und vcrscholen, so dafs sie heiiie
geradlinigen Nadeln bilden. Meist aber reihen sicli viele
aneinander zu sehr langeu, geraden Nadeln. Dabei ersclieineii sie in zweifacher Weise verwachsen. Iu einzelnen Flillen zeigen sich die Ecken aneinander Legend, jedocli ist
diefs das seltnere. Gewoilhnlich erscheiiieii die Sechsecke
mit einer der etwas in die Lange gezogeneu Seiten verwachsen. So erscheincn such ruudliclie Stabchen mit den
Laugsseileii schief nebcneinauder geschobtn, wie in Fig. 22
in der Mitte. In den Sechsecken pflegt eiiie rriude Pore,
selten melirere, vorhanden 211 seyn iind bemerhenswerth
ist in einein Fallc eine gewisse symrnetrische Anorduring
deiselben, so da b sie immer in den nach einer Richtung
hin lirgenden Echen der Hexagone crscheinen. Aucli Anfange dendritischer Verwachsungen, die sonst in keineln
Beispiele bei naturlichen Krystalliten gefiinden wurden, kommen vor; rundliche, slabfbrmige oder auch polyedrische Gestalten, aber uiiter bestirnrntcn Winkeln aneinauder gewachsen (Fig. 24). In den Sanidinen, die diese Krystalliren einschlicfseu, ersclieiiieii auch ahnlich geforinte braun gefarbte,
die wohl wieder als flornblende angesehen werden kiinnen.
I m Vergleich zu dem vollkommen dichreii Gewirre der
weifsen Krystalliten sind sie recht selten. An einiyen Stellen in den Sanidinen erscheint es so dicht, dafs diese wie
mil Fadeu dtirchwebt sind. Eine Vorstellung davon mag
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die in Fig. 25 gezeichnete Abbildung geben, die einen solchen Saiiidintheil bei etwa I50facher Vergrdfseriing darstellt.
Wolleu wir nun versuclien, uns im Ganzen aus den
aiigefiihrten verschiedenen Formen der Krystallilen einige
allgemeine Ansichten iiber dieselben rind ihren Zusammenhang init Krysiallen zu en[wickeln, wobei die uns bereits
zu Grbote stelienden alteren Ansichten iiber ahnliche Fragen als Grundlage dieiien k h n e n , so ergiebt sich uns zunachst wuhl mit ziemlicher Bestimmtheit , dafs ein directer
Uebergang von kiystallograpbisch gestaltlosen Zustanden
der K6rper zu Krystallgestalten in der That besteht. Der
Anfang einer jeden K vstalliption beginnt mit eiuer einfaG
chen Aneinanderlagcruug nach formloser, aber gleichgearteter Tlieilvhen der Liisang, des flussigen Magma’s oder
der Dampfe, ails dcnen eine Krystallisation erfolgen kann.
Darin stimmen wolil die meisten der angrfiihrteti Uutersuchungeu friiherer Forscher iiberein. Deu einfachsten Grund
fiir die Aneinanderlageruog tinden wir in gewissen, den
Theilciien der Kbrper innehaftenden und nach Art ihrer
molecularen Constilution verschieden modificirten Anziehungen. W e n n nach den Ansichten der inodernen Chemie
aucb die chemische Constitution der Kbrper wesentlicb
durch die Annahme einer wechselseitigen Anziehung , einer
Cohasion oder Molecularat traction zwischen gleichgearteten
Massentheilchen erklart werden m u h , so kdunen wir also
auch hier solche Krafie, welche die zu Moleciilen vereinigten Atome noch iiber die Granzen der Molecule auszutiben vermGgen, einem krystallographisch kleinsteu Theile,
den wir uns endlich vorstellen, zuschreiben, wahrend uns
dabei die Zusammenfiigung des Kdrpers aus chemischen
Atomeu nur in sofern von Bedeutung ist, als die Verschiedenartigkeit m o l e d a r e r Verkettung unzweifelhaft in engem
Zusammenhang steht mit der krystallographischen Anordnung dieser kleinsten Theile, der Embryonen der Krystalle.
W e n n wir daher mit F u c h s ’ ) den Uebergang eines KUrpers aus dem Zustande der Gestaltlosigkeit in den der Gel ) Pogg. Ann. XXXIV, 577.
staltung oder das Erwachen der Krystallisationskraft mit
deln Namen: Transformation- bezeichneu, so wurden wir
sagen kilnnen: die Transformation ist das Resultat der Anziehung der endlichen, kleiusteu Theile eines Karpers. Nur
die Bediugungen, unter deuen eine Anziehung wirksam werden kanu, mussen vorhanden seyn, d. ti. die Lleiusten Theile
Sind alle Moleciile eiues
mussen Beweglichkeit besitzen.
K6rpers in einer bestilnmten , regelmalsigen Weise gegeneinauder gestellt und gerichtet, so wird sich auch au endlichen Massen des Kbrpers eine Verschiedeiiheit der verscbiedenen Richtungeu zeigen, mit anderu Worten, der
Kbrper erhalt die Eigenschaften eines krystallinischen Mediums '). Fur die verschiedenen Formen der Aneinauderlageruug noch formloser Kihpertheilchen nach gesetzmafsigen Richtungen und Wiukelverhaltnisseu habeii wir in d e a
Glase der neusser Schlacke, dem kunstlichen Gesteine von
Sclessin, in den Feldspathen aus dem schwarzen Porphyr
treffliche Beispiele gefunden. Uer Aneinanderlageruug folgt
eiue Vereiuigung der eiuzelneu Tlieilcheu uud daluit geschieht der erste Scbritt zur Gestaltung. Zwei runde Theilchen vereinigeu sich zii einein ovalen, mebrere zu einem
stabfbrmigen usw. in verschiedeuster Weise. SO nird durch
Aneinanderlagerung und Vereinigung, durch Ineinauderfup u g , mit eiuem Worte, auch polyedrische Form herbeigefulirt. Drei wie in Fig. 20 Taf. 111 obeu gruppirte Kiigclchen vereiuigen sich, wenn die Hander bei der Aneinanderfugung sich abplatteu, zu einem Hexagon. Nicht nur
durch die innere Gestaltiingskraft, sontlern in der That
durch die Aneiiianderlagerriug bilden sicb bestimmte Formen aus, wie dieses sich z. B. bei den Krystallilen in Fig. 22
und 23 zeigt. Die verschiedenen Arten der Aneinanderfugung sind dort gleichfalls zu erkennen, der vollkommenste
Grad derselbeu besteht bei den uns vorliegenden Formen
in den dendritischen Gestal[en. W i e aber nun durch die
Comhiuation einer in den verschiedensten Raumrichtungen
erfolgenden Aneinanderlagerung und innigen Vereiniguug,
80 dah die urspriiugliche Bcgranzuug verschwindet, jede
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((
1) L o t h a r M e y e r , moderne Theorie der Chemie S. 118.
160
tlenkbare Krystallgestalt entsteheii kann, scheint nicht schwer
einznsehen. Die Aneinanderlagerung in drei aufeinander
senkrechten Richtungen bei gleicher Amiehung in den drei
Richtuiigen ergiebt die Wiitfelform, ist die Anziehung starker i n der einen Richtiing, so resultirt eine quadratische
Saule.
Die Schnelligkeit der Gruppirung ist, wie dieses sich
sowobl in den Vogelsang'schen Versuchen, als auch bei
T c l l k a m p f , M a r c h a n d u. A. zeigte, abhangig von dem
Medium, in deiii die Krystallisation erfolgt, sie wird in der
Regel aber so schnell crfolgen, dafs tins die Uebergange
nicht sichtbar werden kiinnen. Aber wenn auch eine pl6tzliche, glciclizeitige Krystallisation einer ganzen Masse erfolgt (wie dafur ja Beispi>le bekannt sind), so sind doch
den Lleinsten Massentheilchen cntsprcchend auch kleinste.
Zeittinterschiede in der Bildungsfolge vorhanden, wenn sie
auch unserer Wahruehmurig enlgehen. Nur unter besonclers gunsrigcn Verhaltnissen, wenn die Erstarrnng des Magmas, in dein die Krystalle sich ausscheiden, so scbnell geschieht, dafs nur die Anfangsformen der Transformation zur
Erstarroug kommen oder wo die Krystallisation irgendwie
verzfigcrt und gehemlnt wird, wie es in kiinstlichen Gbsern
und Schlacken und in natiirlichen vulkanischen Glasern
und Gesteineo der Fall ist, kiinnen daher fiiglich solche
Formen erwartet und gefunden werden.
Dem Umsland, dafs sie sich mir bei meinen mikroskopischen Studien in solchen Gesteinen boten, ist auch
diese Betrachtung zuzuschreiben, der ich keinen wciteren
W e r h beilege, als den, einige neue Formen der Krystalliten
kennen gelebrt und dadurch die Reihe der Uebergange zu
vollkominener Krystallform vervollstandigt zu haben.
Bei den mikroskopischen Gesteinsstudien aber sind noch
andere Verhaltnisse der Beachtung werth erschieneo. So
bietet sicb manches Interessante, wenn man die Verwitterungaerscheinungen verfolgt und auch daruber werde ich in
der Folge eine Mittheilung machen.
A. w. B c h a d e ? Buchdruokerel (L.S c h r d * ) In Berlln, &ul)rehreibentr,4'&
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