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Bemerkungen ber den Ursprung der Meteorsteine besonders in Beziehung auf den Aufsatz von Berzelius in diesen Annalen Bd. XXXIII S

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183.5.
ANNALEN
zo.
10.
DER PHYSIK UND CHEMIE.
I. Bemerkungen iiber den Ursprung der Meteorsteine, besonders in Beziehung auf rlen
Airfsutz von B e r z e l i u s in diesen Annalen,
Bd. XXXIII S. 1 und 113 ;
oon K. E A. v o n H O ~ J :
z u Erklsrung des Ursprungs der Meteorsteine sind verschiedene Hypothesen ersonnen worden, von denen drei
vor anderen Beachtung verdiencn.
Die eine: dafs sie kosmischen Urspnmgs seyen,
und zwar entweder Bruchstucke zertriimmerter Planeten,
oder selbst kleine planetarische Korper, die, im freien
Weltraume schmebend und umlaufend, wcnn sie in den
Anziehungsbereich der Erde kommen, auf dieselbe herabfallen, oder en'dlich Haufen von lockeren Stoffen (Urmaterie aus der die Planeten entstehen), hat zuerst C l i l a d n i
aufgestellt.
Die zwcite: dafs sie Auswiirflinge des Mondes seyen,
ist, nachdem L a p l a c e und O l b e r s die Mbglichkeit eines
solchen Ursprungs mathematiscb dargethan hatten, von
dem; Freiberrn v o n E n d e wissenschaftlich ausgefuhrt,
und ganz neuerlich von B e n z e n b e r g und von B e r z e 1i u s vertheidigt worden.
Die dritte: dais sie aimospharischen Ursprungs scycn,
d. i. in der Erdatmosphare aus derselben angehiircuden
gasformigen Stoffen gcbildet wiirden, ist von Mehreren,
und neuerlich von E g e n und B u t 1 e r angenommen
m o r d en.
Einige andere, mebr oder weniger paradoxe MeiDungen: dafs Meteorsteine durch Blitzschliige veranderte
Steine der Erdoberflsche, oder Auswurflinge der ErdPoggendorIl's Annal. Bd. X X X V I .
11
~
162
vulkane, oder gar der Erdpole seyen, habeii sich d l z u
wenig begrundet gezeigt, als- daTs inan ihiien ferner einige Aulmerksaiikeit zci widmen Ursache 1Wte.
B u t I e r's Aufsalz gab inir Vcranlassung einige Bemerkuugen iiber denselben, .und uber den Ursprung der
Meteorstcine ubcrhaupt in diesen Annalen ) zii liefern.
Dainals war ink die Arbeit von B e r z e l i u s uber cliesen
Gegedstand noch iiicht bekannt. Dieser groI'se Chciniker erklart sich nun fur den lurzarischert Ursprurzg dcr
Meteorstcine, atis Griinden, welche er in deli chcmischeu
Bestandtlieilen und den oryktogaostischen Kcnuzeiclicn
dieser Kijrper findet, uiid leiht so den Anliiingern dieser Hypothese, welcbe sie, wie E n d e uiid B e u z e n b e r g , auf inathematischcn Gruiidlagcn erbaut haben, cine
neiie Stiitze.
Die von B e r z c l i u s gegebetie Darstellung hat niicli
nun zwar aul'serordentlich angezogen , aber c4nigc Zweifel, die sich mir dabei aufdringeu, Iiabcn micli doch veranlafst, inir alle bci der merkwurdigen Erscheinung dcr
Meteorsteinfalle zu beachtenden Umstande, im Einzejnen
sowohl als in ihrer Vereinigung nochmals reclit klnr zu
machen, uin mir eine mijglicbst wohl begrundete hnsicht
davon zu bildco. Diese wage ich urn so mehr hier urnstandlich niederzulegen und der affentlichen Priifung zu
uuterwerfen, als aus dem, was ich in meinen Bernerkungen iiber die B u t l e r ' s c h e Hypothese davon auf eine mir
jetzt uuzureichend erscheinende W e i s e g e k f s e r t habe,
rielleicht - wiewohl mit Unrecht
gefolgert werden
kannte, ich selbst sey allein der Hypothese vom atinospbarischen Ursprunge der Meteorsteine zugethan.
-
Das Wesentliche der Griinde, welche B e r z e l i u s
fur den Ursprung der Meteorsteine aus dem Monde nls
1) Bd. XXXlV S. 351.
163
Ausmfirflinge desselben anfiihrt, hfst sich in folgeiide
Satze zusarnmenfassen.
1) Die Meteormassen sind mit melalh’schern Eisen
diirclisctzt, oder bestehen ganz aus solchem. Alles Eisen von IufthaItigeni Wasser durchsetzt rostet (oxydirt
sich), was a u f der Erdc iinmer geschieht. Das melallL
sche Eisen in den Meteorsteinen In& also irgend woher
korninen, IVO es kein Wasser giebt; auf dem Monde
giebt es, mie wir vermuthen mussen, keiii Wasser; dort
also iiur kann Eisen metallisch (nicht oxydirt) bleibcn;
also ktinneu die Meteorstcine nus deln Monde kommen.
2 ) Die nieistcn Meteorsteirie siiid einander iu der
Zusammensetzung ihrer Bestandtheile S O iibnlich, als wenn
sie von Einein Berge (Einer Felsinasse) hcrruhrten; nur
wenige werden von nbweicliender Beschaffenheit gefunden. Auf der Erde sind verschiedene Gemenge von Mineralien enthalten und a n verschiedcne O r t e verlheilt.
Eben so kann es auch arif anderen Weltkiirpern seyn,
also aucli auf dem Mondc; daher kiinneii verscliiedene
Genienge Tom Monde herabkommen, wenn sie aus verschietlenen Gegenden dieses Weltkiirpers herruhreii.
3) A m leichtesten kijnneii voni Monde ausgeworfene
Kijrper auf die Erde treffen, wcnn sie gerade vom Mittelpunktc (oder wenigstens voii demselben nahe gelegenen Stcllen) der uns fortw&rend zugewendeten Mondesscite ausgeschleudert werdeii. Die dort vorherrscheude
Felsart wird daher die mcistcn Meteorsteine liefern: daher werden die meisten sich ahnlich seyn. Auswurflinge
von anderen Gegendeii des Mondcs fliegen nicht in so
direct gegen die Erde gerichteten Linien; daher gelangen
sie seltener in den Anzichungsbereich derselben, und diese
sind vielleicht die; welchc aus anderen Felsarten bestehen als jene die Mehrzabl bildenden. Sollte vielleicht,
sagt B e r z e l i u s , gar die Menge des Nickel-Eisens in
dieser Seite des Mondes die Ursache seyn, dafs e r d e r
Erde iinmer dieselbe Seite zukehrt, indem die magneti-
11 *
164
sche Anziehungskraft der E r d e vorzugsweise auf diese
Seite wirkt, und weniger oder nicht auf die andere, die
vielleicht kein Nickeleisen enthalt?
4 ) W e n n man die Meteorsteine als Felsarfeii betrachtet, so sind sie von denen der Erde sehr verschieden. D e r Kcichthum an Talkerde, welclie uberall vorwaltender Bestandtheil ist, die Seltenheit der Kieselerde,
und der unbedeutende Gehalt an Silicaten voii 'l'honerde
und Alkali zeichnen die Meteorfelsarten BUS. Auf der
E r d e verhalt es sich umgekehrt; hier ist die Kieselerdc
iiberwiegend, und Silicate von Tlionerde und Alkali siud
iiberall die hauptsachlichsten Gemengtheile; die Talkerde
kommt sparsam vor.
5 ) Die Meteorsteine scheinen nicbt, wie unsere terrestrischen vulkanischen Producte, im geschmolzeiien Zustande ausgeworfen worden zu seyu, sondern ruhig und
langsam gebildet, indem sie gesprungen gewesen zu seyn
scheinen, und die Spriinge sind init einer andern, mehrentheils dunkeleren Steinart angefiillt.
6 ) Den Olivin will B e r z e l i u s nicht fur ein vulkanisches Gestein gelten lassen (wcil er schwerflussig ist),
sondern fur ein prBeristirendes, nur in die fliissige Lava
eingewickeltes Mineral. Anders ist er in den Meteorstcinen vorhanden, iiidcm er da gleichfiirmig mit den iibrigen Bestandtheilen gemengt ist.
7 ) Der Meteorstein von Ahis ist eine in ihrer (vormaligen) Heimath verwitterte und zersetzte Felsart.
S) Die Meteorsteine von Stunnern, Jonzac ulid Juvenus karnen aus einer andern Mondesgegend als die iibrigen, von denen sie sehr verschieden sind. Sie enthalten
kein gediegenes Eisen, und machen ein Aggregat aus von
deutlich unterscheidbaren Mineralien, und das Talkerdcsilicat ist nur zu einer ganz unbedeutenden Quantit;it darin
enthalten. Dagegen enthalten sie, aufser etmas Schwefeleisen, Silicate von Kalk, Thonerde und Eisenoxydul, auch
enthalten sie Chrorn u. s. w.
165
Die, chemischen Untersucbungen eines B e r z e l i u s
haben einen so entschiedellen Wertli, dafs selbst das
Preisen dcrselben, wenigstens durch mich, unverzeihliche
Anuiafsuug seyn miirde.
Aber die Frage darf aufgeworfen werden: O b die
'als Resultat der chemischen Untersucliung sich zeigende
Zusammensetzung und Beschaffenheit dcr Meteorsteine, ob
ferner ihr oryktognostischer Charaktcr und ihre physischeii Eigenschaften , uud endlich, ob die Erscheinungen,
die wir bei ihrem Herabfnllen wahrnehnien, einen Grund
abgeben, oder selbst niithigen, sie aus dem Moude henuleiten, und jede andere Ansicht vou ihrer Entstehung zu
verwerfen?
Die Restandtheile der Meteorsteine, sowohl nach
ihren empirischen und. physischen Kennzeichen als durch
die Zerlegung in einfache Stoffe dargestellt, sind ihnen
nicht aussclliefslich eigen, sondern finden sich samrntlich
in den Massen wieder, aus denen unsere Erdrinde zusammengesetzt ist.
Das mefdische Eisen allein macht hiervon cine AUSnahme, da dieses in dein von uns untersuchten Theile
der Erdrinde bis jetzt noch nicht gefunden worden ist.
Die Talkerde ist in mehreren Felsarten der Erde
in reichlicher Menge vorhanden, und die Kieselerde fehlt
dagegen in anderen ebeii sowohl als die Silicate von
Thonerde und Alkali.
Der oryktognostische Chnrakter des Gesammtgemenges der Meteorsteine , diesclben als Felsart betrachtet,
ist allerdings verschieden von allen bis jetzt auf der Erde
gefundenen Felsarten. Aber die Art der Mengung, wel;he die Meteorsteiue zeigen (die Gcdiegeu-Eisenmassen
atlsgenornlnen) ist doch dieselbe wie sic bei melireren
Felsnrten der Erdc erscheint, nzmlich die k h & - kryslollinische. Nur dasselbe Gemenge derselben mineralo-
166
gisch eirifachen Substauzen ist nu[ der E r d e uocli nicht
gefunden worden.
W i r finden also bei den Meteorsteinen Aehnlichkeiien mit und auch Yerschiederthileri von dcn anorgauisclicn Massen, aus denen die Erdriiitlc hestelit. Die
Aehnlichkeit bestelit darin, dafs alle eiufnc1it.n Sboffe, uud
einige Mischiingen dcrselben zu inineralogisclieli Artcn,
in den Meteorsteincn dieselben sind, die w i r in dcr Erdrinde finden. Die Yerschiedenheit besteht darin, dafs in
den ersteren die aus den chcmiscb einfachen Stoffeu gebildetcn mineralogisch einfaclien Substanzen zii einem Gemenge vcreinigt sind, dessen Gleiclies auf der E r d e niclit
gefuudcn wird; dafs in diesem Gcrnengc sicli das Eisen
iui lnetallischen Zustande bcfindet, und dafs nianche Metcorrnassen blofs ails Eisen in diesem Zustande bcstclicn,
in welchem es auf der E r d c nocli nicht gefundcii wordeu ist.
Diese Verschiedenheit dcr mcteorisclien Masscn von
allen jetzt bekannten terrestrisclien lcitet allcrdings zunachst auf die Vermuthuug, dak die ineteorischeu Massen vor ihrem Herabfailen nicht der Erde angehiiri haben.
I)a aber ihre iibrige Bescliaffenheit den Charakter
nicht nur eines Minerals, wie bei den Gediegen - Eiseniuasseti, sondern auch einer Felsart, wie bei den Meteorsteinen, trHgt: so ist auch dic weitcre Vermuthung '
zulassig, ja natiirlich, dafs sie vorher einem, im weseutlichen wie der feste Theil des Erdballs gebildetcn Kiirper angehbren konnten.
D e r Moud ist dcr der E r d e am nachsten stehende
Weltkiirper, welchem man eine ahuliche Bildung aus
iihnlicheu Stoffen wie diese ziischreiben darf.
UaCs eine gewisse gegebene Kraft, Korper aus dein
Moude so weit binwegzutreibeu vermng, dafs sie inehr
von der E r d e nls von dein Monde angezogen werdeu, ist
ilus pliysischen Gesetzen uathematisch erwiesen.
Dafs auf dem Monde vulkanischc ThZtigkeit vorhan-
167
den ist, der man eine solche Krnft zutrauen kanu, ist
wcnigstens nicht un\~ahrsclieiiilicli, sondern selbst durcb
einige Ersclieiuuiigeii aiigetleutet.
Sehr sinnreich ist jedcnfalls die vo11 B e r z e l i u s aufgefnfste Vorstellung, dars die ineisteu die E r d e errcichenden Meteormassen, - w e n n sie nainlicli aus dem Mondc
hoiniiieii
aus einer dein Mittelpunkte der uns zugeweiideten Mondseite nabe gelegcnen Gegend kommen
miissen, also aus einein beschrankten Bezirke, in welchein gar wolil eine einzige Felsart die vorherrschende
seyn kann, und d a k del'swegen die Mehrzahl der bis
jetzt bekannt gewordeiieti Meteorsteine atis einem sebr
iiliiiliclien niineralischcn Geinengc bestelit; d b b hingegen
die von eincr voin Mittelpuiikte der uns zugewendeten
Mondseite betrachtlich entfertiteii Gegend aus einer anders bescliaffeneii Gebirgsforiiiation stammenden, nicht in
gerader Richtung auf, die E r d e fliegen, daher seltener zu
tins gelangen, iind dafs daher iiur sparsain solche Mcteorsteiiie gefundcn werden, die nicht die Kennzeichen
der Melirzal\l haben.
IJnbemerkt darf indesscn Folgendes hier nicht bleiben. Die g d s t e Stiitze der Hypolhese vom lunariscliexi
Ursprunge der Meteorsteine ist iinstreitig die matliematiscli eriviesene Miiglichkcit, dafs Kiirper vom Monde
bis in den Anzieliungsbereich der E r d e getrieben werden
kiinoen. Aber die Kechnnng, iiiittelst welcher dieses dargelhan wird, ist auf die Voraussetznng gcstellt, d a k Mond
und Erde festslehcn. Dieses ist jetloch nicht der Fall,
uud die Bewegung des Mondes iiin die Erde und uni
die Sonoe bleibt auch den Auswurflingen des erstereu
mitgetbeilt. Diese iverden daher eine elliptische Baliu
um die E r d e beschreiben, in welchcr sie nur in dein
Fnlle auf die E r d e selbst gelangen kiinnen , weun ibr
I'erigeum in die Erde oder wenigstens in die Atmosphare
derselbeii fiillt. Da dieses aber nach Wnhrscheinlichkeit
nur bei eineln geriiigen Theile dersclben der Fall seyn
-
168
wird, so werden von allen vom Monde ausgeworfenen
Massen nur sehr wenige bis auf die E r d e gelangen. Da
nun aber die MeteorsteinRlle so haufig vorkouimen, so
miifste der Mond, wenn dieser sie lieferte, allmiilig schr
vie1 von seiner Masse verlieren I ) .
Es ist iiicht zu laugnen, dafs, ungeachtet dieser letzteren Bemerkung , alle im Vorhergehenden zusammeugestellteu Umstande die Vermuthung, dafs die Meteorsteine
und die aus der Luft herabfallenden Massen gediegenen
Eisens ails dem Monde kommen kiinnen, allerdings unterst ii tzen.
Uin aber zu beurtheilen, ob es sogar nothwendig
ist den Ursprung dieser Massen allein aus dcm Monde
herzuleiten und jede andere Ansicht von Entstehung derselben zu verwerfen, mufs man auch diejenigen Umstande
naher priifen, welche unter den zu Unterstutzung der
Hypothese benutzten selbst noch hypothetisch sind.
Dahin rechne ich folgende:
Das Eisen, sagt die Hypothese, kann gediegeen niir
aus dem Monde kominen, weil es dort nicht oxydirt
mird, da der Mond keine htmosphare und kein Wasser
hat, aus welchen das Eisen Sauerstoff absorbircn kann.
Nun wird wirklich dem Monde eine der terrestrischen
ahnliche Atmosphare abgesprochen; und, o b Wasser auf
dem Monde in solchen Verhaltnissen wie auf d r r Erde
besteht, ist wenigstcns nicht ausgemacht. Indessen wissen wir .nicht, ob der Mond nicht vielleicht uiiter festen
Bedeckangen oder auf der von uns ewig abgewendeten
Seite W a s s e r enthalt. Ferner finden wir, dafs in den
Bestandtheilen derjenigen Meteormassen, die nicht blofs
aus gediegenem Eisen bestehen , der Oxydationsprocefs
vor sich gegangen ist. Sind daher diese Kihper aus dem
Moudc gekommen, so mufs auch auf diesem der Oxydationsprocefs vor sich gehen, folglich dort eine Absorption
von Sauerstoff s t a t t h d e n , folglich der Sauerstoff dort
1) S. O l b e r s in
v. Z a c l i mon ad . Correspondenz,
Bd. 7 S. 159.
169
vorbanden seyn und wirken. ES bleibt hicrnach imincr
noch iu dem Vorkommen dcs gediegenen Eiscns auf dem
Moode Vicles unerklrrt; und W ~ J I Oman diescrn Punkte
d e r Hypothese dic Hypothese entgcgensctzen wolltc, dafs
vielleicbt arich im Erdballe, abcr in einer bis jetzt von
Mensclien 11och nicht aufgeschlosscnen Tiefe, gediegcncs
Eisen befindlich scyn liiinne, SO n u r d e m a n cine solchc
Verniuthung aucli nicht fur verwegcn ansehcn diirfen.
W e i t e r ist zwar die Miiglichkeit, dafs Kijrper aus
dem Moiide init der crforderliclien Kraft weggescIiIeiitlert
und in dcri Bcreich der Aoziehriiig dcr E r d e gctriebeii
werdeii kounen, nicht nur niclit zu lsugnen, sonderii
selbst matliernatisch dargethan. h b e r d a k eine solclie
Braft auf deni Monde in der That wirke, dars ist doch
noch liein Erfahrungssatz, sondern ebenfalls o u r Hypothese. Der Umsland, dafs auf dem Monde vulkanische
Bilduogen von betriichtlicherer Grirbe wahrgenominen
werden als sich auf der E r d e zeigen, unterstutzt tliesc
Vorstellung zwar, mbcbte sie aber docli noch uicht vollstundig und genugcnd erweisen.
Giebt man aber auch z u , d a k die chemische und
physische Beschaffenheit der Meteorsteine und dcr BUS
d e r Lrift gefallenen Gediegen -Eiscnmassen, und dafs allc
im Vorhergchcndcn angegebencn UinstYude die Vorstellung von dem lunarischen Ursprunge dieser Massen begiinstigen, betrachtet man auch die so eben gegen diese
Hypothese aufgestelltcn Zwcifcl als iinbedeutend, so bleibt
docb noch die Frage zu erijrtern, o b auch die mit dem
Fallen der Meteorstciue verbuudenen Erscheinungen dicse
Vorstellung auf gleiclie Weise untcrstiitzen.
Dieser Vorstellung zufolgc sind die Meteorstciiie
Felsarten der Mondgebirge, die als Bruchstiickc von
h e n natiirlichen Lagerstatten losgerissen und als fcste
Massen weggcschlcudert wcrdcu. Sie kilnncn dahrr cnt.
170
weder in ihrer urspriingliclien Bescliaffenheit auf die E r d e
fallen, wie eine abgeschossene Kanonenkugel in dcrselben Beschaffenheit, in welcher sie aus den1 Gcscliiitzc
flog, an ihr Ziel gelangt, odcr sic: erleideii wiilirend ihres
Fluges durch den zwischen dein Blonde und der Erde
befindlichen Rauin eine Veranderung.
Die .Beschaffenheit der Meteorsteiue, w u n man sic
als Bruchstucke vou Felsarten betrachtet, giebt keinen
Grund a b anzuuel&en, dafs sic wahrend ihrcs Flugs einc
andere Veranderung crlitten haben, als eine Art von
leichter Schuielzung auf ihrer O b e r k h e , die sich durcli
die dieselben ulngebende schwarze Kiiide zu erkenncii
giebt. . Diese Rinde ist aufserordentlich dunn, und dringt
in das Innere des Meteorsteins nur da einigerniafsen eio,
wo derselbe Risse hat.
Das Innere aber hat so gaiiz
das Ansehen einer kiirnig gemengteii Felsart, uiid das
der Eisenmassen ist so vollkoinmen diclites Eiscii, dnfs,
wenn man aonimmt, diesc Massen s e y t n so fertig, wic
man sie findet, von Gebirgen im Blonde abgerissen worden, man auch annebmen mufs, dnrs sie wAireiid tlcs
Fluges keine andere Um\vandelung erlittrn liabeii n l s die
schr geringe, die nur auf dic aiifserstc Oberflsche gerrirht hat, durch Ueberziehen derselben mit jener diinnen Rinde;
uhd zuweilen des Zerspringens in inchrcre Stiicke. So schcint auch B e r z e l i u s den Hergang
anzusehen.
Wenn man erwiigt, dafs eine abgeschossene Ranonenkugel bei ilirein Fluge durch den untersten dichtcsteri
Theil der Luft nicht einmal gliiliend wird, dafs eine aus
leichtfliissigem Blei besteliende Buchsenkugel in Holz von
mittlcrer H i r t e eindringt ohiic ilire Ruudung zu verlieren, also im Fluge nicht weicli geworden is[, so wird
man begreifen, daCs auch Auswiirflinge des Mondes , 1111geachtet der weit grijrsercn Geschwindigkeit ilirer Bewcgung als die der Geschiitzkugeln ist, doch nicht his tief
in ihr Inneres verrndert oder gar zum Sclinielzen gc-
-
17.1
bra&. werden kannen blok durch Reibung in d e r Atmosplizre, ill dcrcn dichtercn Theil sic erst ganz am Ende
ihrcs Laufes gelangen.
1st aber dieses niclit :der Fall, SO mird es schwer,
b e i Ausbviirflingen des . Mondes die Erscheiouogen zu c'rklsren, die mit dem Falle von Meteorinassen jederzeit
verbundeli siod, und die durch den, weiin auch noch S O
schllellen Lauf eines festeu, schwer schmclzharen Korpers
durch die atmosphlirische Luft allein schwerlich hervorgebracht werden kii1111en.
Die Erscheinungen dieser Art sind folgeijde:
Eioe Lichierscheinung. (die man gcwiihulich n u r bei
Nacht wahrnimint), welche cinc kurzc Zeit fortdariert,
und durch welclie man in den Stand- gesetzt wird, dcii
Lauf des. fallcndeu Korpcrs zu verfolgcn. Bci dieser
Erscheinung zeigt sicli dcr .leuchtende Kbrper gewohulich
als cin mehr oder weniger rundcr Feuerbn!l, der oft einen leuchtenden Schweif nach sich zieht, bisweilen nricli
Funlien spriiht. Diese durcli cinen gewissen Zcitrayn
foi'tdauernde feurige Erscheinnng miikte man, die Meteormasse als einen bereits fcrtig gebildeten, iu fester Form
vom Monde weggesclileuderten Korper angenommen, 'dadurch erklaren, tlalk derselhc eiitweder schon gliihetid
ausgeworfrn worclen sey, otter dafs ihn die Reibung in
dem Miltel, durch ,wclches e r sicli bewegte, bis zuin
Grade des Gliihens oder gar des Sclimelzeiis erhilzt hnbc.
Aus diebcm hohen Grade der Erhitznn;: wiirde niaii socli
das Abspringen einzeliier 'l'heile zu erklliren haben, die
sich als uinlicrgcspriiliete Funken zeigen, und den fcurigen Schweif, in sofern dieser nicht als cine optisclie
Tiiuschuug betrachtet werdcn kann.
Gegen diese Aiinahine aber spreclien lnelirere Uiiistsnde. Erstens wiirde eiii Auswiirfliog dcs Motides scinen .Lauf gegen die Erde, und zwar den uberwiegend
griifscren Tlieil desselbcn, durch cin Mittel neliinen, elches so aufserst diinn ist, d a b man eine Erhilzunp des
,
I72
sich darin bewegenden Kdrpcrs durch Reiben schwerlich
annehmen kann. Hiichstens wurde cin so stark v i r k e n des neiben oder eine Compression (welche C h I a d n i
spater statt des blofsen Reibens als Ursache der Erhitziing annahm) erst in dem untersten, dichtesten, aber
auch kleinsten Theil der Erdatmosphare erfolgen kiinnen.
DaCs es aber gerade in dieseni Theile nicbt erfolgt, beweist d e r Uinstand, dafs die feurige Erscheinung immer
schon vorubergegangcn ist, wenn die Meteormasse in den
unteren Gegenden der Atmospblre aiikdmmt, und dafs
man diese Erscheinung von Licht und F e u e r an dem fallenden Klirper in meilenhoher Entfernung von der Erdoberflsche wahrnimmt.
Zweiteos langt die fallende Meteormasse fest, nicht
geschmolzen , niclri erweichi nicht einmal, odm doch
nur iiufserst sellen, gliihend auf der E r d e an, denn ilire
Form erhalt bci dem Auffallen aiif den Boden keine solcbe Veranderung die inan als Folge eiiies gewaltsanien
Zusammenstofsens eines weichen Kbrpers niit einem harten ansehen kiintlte; und man hat fast kein Beispiel davon., dafs ein Meteorstein Gegcnstande, auf die e r gcfallen w a r , entzundet oder auch nur stark versengt hat.
C h l a d n i I ) fuhrt unter mehreren Fallen, in denen durch
Meteorsteine Schaden angerichtet worden ist , nur einige
wenige a n , bei. denen der Schaderi in Entzundung der
Tom Steine getroffenen Gegenstande hestanden haben soll;
und bei einigen dieser weoigen Fdle ist es iiberdiek
zweifelhaft , o b die nieteorische Erscheinung cin Aerolith,
und nicht ein gewbhnlicher Elitzscblag gewesen ist. Entstznde die Erhitzung der Meteormassen durch Reiben iu
der Luft oder durch Compresiion derselben, so miifste
also, wie sclion erwShut, der hiichste Grad der Erhitzung
im untersten Theile der Atmosphare stattfinden, und nach
dein hohen Grade yon Hitze, von welchem man annehmen kann, 'dak er in der grofsen H a h e , in welcher die
I ) E'cuermeteorc, S. 75 bir 80.
173
feurige Ersclieinung sich zeigt, detn fallenden Ksrper eigen scyn mnb, iniifste dieser Hitzgrad im Augenblick,
da d m Stein aid die Erde fallt, SO zugenommen haben,
dals dic Masse durchaus nicht mehr die feste Form behaltell kannte. Man will zwar bei cinigen herabgefallenen Meteormassen Spuren V O I ~wenigstens theilweise erfolgter Schmelzung oder Erweicliung gcfunden
haben, als
a
Eilidrucke von Steinen, anhangcnde, fast eingeknetete
Steine u. dergl. I ) ; aber diesc FYllc sclreinen Sufserst
seltcii Yorzukolnmen, und dic Spuren sdbst sehr weuig
deutlich zu seyn. Dagegen sind bei weitein die meisten
berabgefalleneo Massen, selbst die Eiseninassen, wie z. B.
die von Agronr und die unter dem Nanieii Yerwiinschfer Burggraf bekarinte von Ellbogen, als dicke iind derbe
Kluinpen aiif die Erde gekommen, oder in dicselbe gleich
festen Kugeln aus Geschutzen Sngedrungen * ). Sie miissen daher schon in betrtichtlicher Hohe iiber der E r d e
eioe feste Form erhalten haben und hart genorden seyn.
Im geschmolzenen Zustande auf die Erde fallend, wurden sie eine breite dunne Masse, wie Blech oder abgehlatschtes Blei, gebildet hnben.
Drittens: die fallenden Meteorkiirper (die GediegenEisenmassen aiisgenommen) haben die Bescliaffenheit krysiallinisch gebildeter U$lsarieri.
Niinint man sic daher fur Bruchstucke solcher im Moiidc heirnischer Felsarten, so nimmt man dadurch yon selbst a n , d a b sic
wiihrend ihres Laufes im Innern keine Versnderung erlitten haben, am nenigsten eine durch Schmelzung hervorgebrachte. Das Protluct cines solchen konnte nicht
ein korniges Geinenge melirerer inineralogisch eiofachen,
krystallinischen Substanzen seyn. Aber auch die selir
dunne schlackige Riode, welche die Meteorsteine gewohnlich umgiebt, zeigt, d a t mit der Masse wahrscheinlich
1 ) C h l a d n i , Feuernreteore, S. 41.
2) v. S c h r e i b e r ’ s Beitriige, S. 7 Anm.
174
zwcieriei Operationen vorgegangen sind, von denen die
eine niclit das Innere, sondern ntir die Oberfliiche betroffen hat. Die ‘Gediegen-Eisenmassen aber insbesoodere haben die merkwiirdig krystallinische innere Structur
( Wiitrnnnnsfulfische Figuren), die oicht durch Schnielzung zu entstelieo pflegt, sondern die auf Urbildiing dcr
Masse deutet.
Ails diesen Umstiinden scheint inir hervorzngehcn,
dafs die Einwirkung des Mittels, durch welclies die Meteormassen sich hindurch bcwegt haben, oder die Reibung derselben in der Erdalmosphzre, oder die Compression der letzteren durch den fallenden Kiirpcr, von
iiuherst geringer oder vielleicht von gar keiner Vl’irkung
Sewesen seyn kann auf die innere uiid wesentliche Beschaffcnheit der Meteorsteine, rind dafs es selbst noch
zwcifclliaft bleibt, o b die Lichterscheinung, die dcr fallcnde Meteorstein darbietet, auf Rechnung seincs Heibens in der Atmosphiire uod der Compression der Luft
geschriebcn werden darf?
Bei Meteorsteinfdlcn, die ‘sich am Tnge ercignet
haben, hat man die Lichtersclieinuug gewiibnlicli iiur
schwach oder auch gar nicht wahrgenominen, sondcrn
dagegen oft cine den fallenden KBrper begleitendr, oder
dem Falle vorausgehende kleine M’olke. Da diese wahrscheinlich aus Dampfen besteht, die mit der Lichterscheinung in dcr eogstcn Verbindung stehen, so gilt Alles,
was von dieser gesagt worden ist, auch von der Erscheinung dcr Wolke.
Aber, riertens, aiifser der den Meteorsteinfall begleiteudcn, niir eiue kurzc Zeit daucrndcn Erscheiuung
von Licht, Feuer und Dampf werdcn noch weit schnellcr voriibcrgehende, fast momentane Erscheinungen dabei
wahrgcnommen, die fiir die Erklzrung des Urkprungs des
l’liiinomens von der hijchsten Bedcutung sind.
Iki jedein Meteorsteinfall, und z n w in eineni Zeitpunkte, in welchem der fallende Korper sich uoch in
175
-
einer aufserordentlich grofsen
oft wahrscbeinlich v i d e
Meilen betragenden
H8he uber d e r Erdoberflache befindet, erfolgt, cine nicht blob als Licbt den1 Auge, sonden1 immer aucli dein Olire rernehmbare, iiberaus starke
momenfane Ezplosion, ein Knall, Donner oder Prasseln, welches weit und breit, oft in grofser S t k k e gehiirt wird.
Diese lnomentane Explosion llifst sich am wenigsten
durch die Vorstellong von dein lunariscben Ursprung der
Meteorsteine erklaren. Kame eine solchc Masse als ein
abgerissenes Stuck Felsart vom Monde zu uns herap:
was kilnnte dann die Veranlassung seyn zii einer momentanen gewaltsanien Einwirkung auf dasselbe in einer Region, in welcher die Erdatmosphare
wenn sie anders
bis dabin reicht - so diinn seyn mufs, dafs sie beinahe
dem leeren Raume gleich zu setzen ist? Warum erfolgt
die allem Anscbeine nach ungeheuere Explosion in diescr Region, und iiicht vielmehr in dem dichtesten Theile
d e r htmosphare, in welchem die Reaction derselben auf
den in sie eindriugenden festen K8rper am krzftigsten
s e j n mufs? DaL aber diese Explosion wirklich in einer
so betrachtlichen Hiihe iiber der Erdoberflache erfolgt,
das ist theils d u r d die iiber die Parallaxen solcher Meteore angcstellten Bcobaclitungen, theils durch die Zeitr l u m e dargethan, die bei Wahrnehmung von Stein fallen
zwischen der Licht- oder Wolken-Erscheinung und dem
Haren des Knalles verflossen waren.
Ein fiinfter Umstand verdient besondere Erwiigung.
Die Meteorstcine und Eisenmassen, die man nach W a h r nehmung des l’hanomens auC der Erde findet, sind auffnllend kleinc Massen in Vergleich mit der Grafse der
Feuerballe, welche sie herrorgebracht haben, und melche in grofser Hobe ubcr der E r d e aufserordentlich vie1
g r o f m ersclieinen , als sie erscheinen konnten, wenn die
herabgefallene Masse in jener Hilhe nur dieselbe GriiTsc
Sehabt hatte, in welcher sie auf der E r d e gefunden wor-
-
-
176
den ist, und wenn sie blofs drircli ihre Erhitzung, ilir
(;lulieii oder Brennen die Lichtcrscheinung hervorgebraclit hatte. D e r Unterschied zwisclien der Grofse der
Feuerkugelii und der aus denselbeti herabgefallenen festell Masseii betragt vielleicht das Hiitidcrttauscndfache.
Dcr Iiil(luiig cines Feuerbnlles voti rundliclier Forin
Scllt eiidlich sechsicns znrreilen eine forinlose, zwar matte,
nbcr eioeii wcit griilseren Rauiii als der Ball selbst einnchmendc Lichterscheinung voraiis, indem d a n i i rind wann
sic11 cine leuchtende Wolke, oder parallel laufcndc Lichtstreifen a m Hiinmel zeigen, die erst spztcr iii eine Feucrkugcl zusanimenflieCsen.
Alle dicse Theile dcs PhLnoinens, sowohl dns inoiiieiitatie Edolgen der Explosioii, als die rorubergehende
Lichtcrsclieinung, dann die ztiletzt e r w ~ h n t e ndiesen
,
vorausgehcnden und den Hauptact gleiclisam vorbereitcnden
l’li$noincne; ferncr, uiid vornebmlich der be(rzc1itliche
Uiitersdiicd der Griilsc der Fcuerkugel von der des darBUS niederfallcnden festeii Products lassen sich alleiii aus
dein Durchfliegen eines festen Karpers durch den Raum
uber u:id in der AtmosphSre iiiclit erklgren. Allen diesen Ersclieiiiungeu lnuk ein eigentliiiiiiliclitr, augenblicklich vollbrachter pliysisch - chemischer Procefs zuin Griilide
liegen, uber desseii eigentliches W e s e n alle bisher gemachten Wahrnehinungen uns freilich nocli iin Dunkel
lassen; dahcr cs audi noch z u fruh zu seyti scheint, denselben nus den uns bekannt gewordenen, oder von ims
erkariiit geglaubten Naturgesetzen nsher entwickeln zu
w o Ileii.
Abcr Eine Verinuthung scheiiit mir dadurch ganz
nntiirlicli, j a nothwendig hervorgerufen zu werden, die
n:iiiilich: dnfs in den Augenblicken, in welchen bei einem Jallenden illefeor die Explosion und Liihfentwik-
kelung ego&, eine machlige chemisch - physische Operation uorgeht , die nicht bfofs Begleileriri des Falles
eiiies fesiin Korpers , oder Wirkung dieses Falles isi,
son-
177
sondern d i e a u s Urstoffen e i n e n neuen Korper
b i l d e t , u n d dafs d i e s e r neue K o r p e r eben d e r
fa Zle n d e H e t e o r s t e i n i s t.
c h l a d n i nahm a n , dafs der Raum zwischen den
p f s e n Himmelskiirpern mit Massen von einem Urstoffe
in lockerer Form, aus welchem sich feste planefarische
Korper bilden kiinnten, erfiillt sey, und vielleicht auch
mit scllon geformten, aber sehr kleinen planetenahnlichen
KGrpern, welchen dieselbe Umlaufsbewegung wie den
grarseren eingedriickt sey. Er glaubte, dafs umlaufendc
Haufen von jenem lockeren Ursloffe, menn sie in den
Bereich der Anziehung der Erde ksrnen, auf dieselbe
herabfallen nnd die Erscheinung eines Meteorsteinfalles
liervorbringen kiinnten, oder dals dieses Phznomen durch
die Ankunft eines der von i h u angenommenen kleinen
Trabanten - von ihm schenweise Weltspane genaunt
- in den Anziehuugsbereicb der Erde entstehe. Indessen gab er der Vorstellung von Bildung der Meteormassen au's Iockerem Urstoffe den Vorzng, vielleicht in
Erwagung, daL der Ansicht vom Herabfallen der Weltspane eben die Schwierigkeiten entgegentreten, die oben
gegen die lunarische Hypothese aufgestellt worden sind.
Nun scheint mir aber, daL die Vorstellung von dem
Herabfallen einer Masse lockeren Urstoffs auf die Erde,
ibr Zusalnmentreffen nit der Atmosphare und ihr Durchgang durch dieselbe allein aucb nicht geniigt, die oben aufgezahlten, den Meteorsteinfa11 begleitenden Phliiomene 'zu
erkliiren. Den ersten Satz, der dieser Vorstellung zum
Grunde liegt: das Daseyn des Urstoffs im Weltrailme
(und vielleicht danehen auch in der Atmosphiire der
Erde) mocbte ich allerdings ebenfalls festhalten; aber es
schcint mir, dafs, urn jene Erscheinungen hervorzubringen, mit diesem Urstoffe noch etwas Anderes vorgehen
UUCS, als blofs eiu Eindringcn dessclben in die Erdatmosphsre.
Die Vorstellung, dafs die Stoffe am denen Planeten
Poggendorff's Annal. Bd. XXXYI.
12
178
gebildet werden, im grofsen Weltrailme verbreitet seyn
kijnnen, ist an sich durchaus nicht unnaturlich; eben so
wenig die, dal's die Bildung fester Kiirper aus diesen
Stoffen durch eioen uns freilicli noch unbekannten pliysisch - chemischen ProceCs imrner fortgebt, was auch der
hierin gewib competente H ' e r s c h e l ' ) annimmt. L)aher sclieint mir der Gedanke: dafs eben dieser bei Bildung solcher festen Kiirper aus jenen lockeren Stoffen
vorgehende ProCeis die Erscheiuung der Meteorsteinfiille
hervorbriogt, von alleu bei diesen vorkominenden UmstYnden sehr begiinstigt zii werden.
Halt man diesen Gedanken fest, so wird man finden, dais er weit leichter mehrere der bei Meteorsteinf5llen sich zeigenden Erscheinungen erkliirt , als dicses
die anderen Hypothcsen vermogen; dais die Schwierigkeiten, die sich der Annalinie dieser letzteren entgegensetzen, jener Ansicht nicht im W c g e steben, und d a k
bei derselben die Resultatc, welche die cheniische Untersiichung der Meteorsteinc gewahrt hat, unangefochten
bleiben.
Das Piotzliche der Erscheinung iiberhaupt, die momentum Explosion, das Licht, welches der fallentlc
Kijrper verbreitet , seine Abkiihlung bei der Ankunfi uuf
der Erde und seine Festigkeit in dicsem Auscnblicke,
seine innere krystallinischc Bildung, die ungeheuere Ausdehnung der feurigen Masse wzhrend sie sich in g r o k e r
Hahe befindet, verglichen mit dem gerinigen Volum des
aus derselben entstandenen festen Products, der Umstand, dafs der Anfang deb Phlinomens einige Ma1 sich
als ein kleines entziindetes W-olkchen, andere Male als
parallele leuchfende Stregen, die sich al1m:ilig zu einer
Feuerkugel zosamlnengezogen haben, gezeigt hat ); alle diese Erscheinungen lassen sich weit natiirlicher niit
1 ) S.
G i l b e r t ' s Annalcn,
D d . 75 S . 250,
2 ) C l r l r d n i , Fruermeteore, S. 20.
179
d e r Vorstellung vereinigen, dafs bei einem Meteorskinfalle ein neuer Kiitper eben gebildet rvorden ist, als mit
d e r , dafs ein vollig ausgebildeter fester Kiirper von einem andelen Planeten, oder irgcndwo her, nur der Schwerkraft folgend, auf die Erde herabgefallen ist. Dafs bei
grofseli rhe~nischen Compositionen uud Decornpositio~ien
heftige und pliitzliche, in Entwicklnng von Warme, Licht
s. Iv. besteliende Erscheinungcii vorkommeu, setze icli
als bckannt voraus.
Noch Etwas, dns ebenfalls mehr auf die neue nildung einer festen Masse aus Urstoffen, als auf das b l o k e
Auswerfen eines Bruchstuckes einer griifssrren Felsinasse
zii deuten scheint, ist die Spur einer regelrnivsl:,oen, also
wohl diirch Krystallisation hervorgebraclitcn Form dcr
ganzen Masse, die inan an inehreren Meteorsteinen wahr
genommen hat ). W e u n gleich die AnnBherung ihrer
F o r m 211 einer rege1iniifsigt.n i n den walirgcnomnienen
Fallen nur gering gewesen ist, so ist sie doch niclit ganz
abzulaugneu, und Beobachtungen dieser Art verdicncn
allerdings einige Rucksicht.
Eben so deutet dahin die Beschalfenheit der die Meteorsteine umgebendeu scfrlackigen R i d e , dic das Product eines momentnn crfolgtcn Processes zii sryn scheint *),
rielleicht des letzten Acts der groken Hauptoperation,
d e r auch vielleicht in niiherem Zusaminenhange mit dem
Zerspringen der Masse in inelirere Stucke steht, da alle
Bruchft:ichen mit dieser Rinde iiberzogen sind.
Selbst die planetarische Geschwindigkeit der Bewegung, die man in dem Laufe der Fcuerkugeln und Meteorstcine wahrgcnommen hat, stimmt mehr init dieser
Vorstellung uberein als mit der von einem blocsen Herabfallen eines festen Kilrpers, bei welchem eine so grofse
Geschwindigkeit nicht bewirkt werden konnte j.
.
1) C 11 1 3 d n i F c u e r m e t e o r e , S. 49.
2 ) E b e n d a s . S. 52.
3) Siehe & l a y e r in V o i g t ’ s Magarin, Bd. 5 S . 15, aucli B e s s e l ,
-
180
Findet man diese Hypothese vielleicht zu gewagt,
und zu wenig durch andere beknnntere Ph;inomenc odcr
durch bekannte physisch- cheinische Gesetze begriindet,
so lnufs ich freilich gestehen, dafs ich sie aus solchcu
naher zu erweisen nicht verrnag, un’d mich Forcrst nur
darauf berufe, dafs sie die meisten Miltel zu ErklSruug
fast aller bei deu Meteorsteinfdlen vorlioinniendcn Erscheinungeii bietet. Ferner miichte icli bitten, folgcnde Thatsachen nicht unbeachtet zu lassen. Planetcn von aufserordentlicher Vcrschiedenheit in Anschiing ihres Voluins
sind vorhanden. Sie miissen einmal entstnuden seyn durch
einen naturgern&.cn Procefs. W i r haben keinen G r i d
die Bildung planetarischer und iihnlicher Kiirper als gesclilossen zu betrachten. Bekannte Erscheiiiungen am
Fivsternhiinmcl erlauben und beguiistigen sogar die Vermuthung, dafs noch sehr grofse Weltkiirper fortdauernd
gebildet, vielleicht aucli aufgel6st werden. G r o j und
klein sind Ausdriicke, die man sich in der Naturkunde
gaF nicht erlauben sollte. Sonne, Jupiter, Uranus und
Vesta sind Weltkorper Ihnlicher Art. Der Durchlnesser
der Vesta ist mehr als dreitausend Ma1 lileiiicr als der cier
Sonne; ein Kiirper, dessen Durchlnesser sich zu dcni der
Vesta verhielte, wie der Durchmesser der Vesta ZLI dem
der Sonne, miirde nicht mehr als etwas iiber vierhundcit
F u f s Durchmesser haben. Ein Meteorstein daher, dessen Durchmesser zu dem dieses zuletzt angeuomnienen
Kiirpers im gleiclien Verhaltuisse s t h d e wie dieser zur
Vesta, wiirde schon zu den Meteormassen dcr kleiasten
Art gehoren. F u r die auf chemischem W e g e hervorgebrachteu anorganischen Erzeugnisse der Natcr hat diese
nur einen Maafsstab der Verligltnisse der Best;lndtheilc,
iiicht aber einen Maafsstab fur die Massen im Ganzen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dafs die Stoffe iiberhaupt,
a u s denen Weltkarper gebildet werden, unter sich Ybnliche oder gleiche eind, weil die Naturgcsetze, nach dcu r n die grofsten Erscheinungen , die am Sternenhimmel
181
rc$elm:&,ig erfolgen, so glcichfiirmig wirken. Es ist urn
defswillen cbellfalls wahrscheinlich, dafs die ails den Urstoffcii zusammcngesetzteu Substanzen , aus dencn die
K a y e r dcr Planeten bestehen, einander sehr ahnlich sind,
do&, wje sic11 von selbst versteht, unbeschadet d e r dabei hcrrschenden, und selbst, \vie es scheint, iiberall V O I ~
der Natur beobachteten Mannigfalligkeit und Abweichung
ill1 Einzelnen, wie wir sie auch in dem iihrigens sehr gleichffirmig nngeordneten fcsten Gebilde der E r d e wahrnehmen.
W i r sehen die untersten uns bekannt gewordeneii
Tlieile der Erdrinde aus krystallinischen karnig gemengten Mineralmassen bestehen.
Vl’enn auch der uns bekannte Tlieil dieser Rinde noch so klein ist, so ist diese
Wahriiehmung doch nicht unbedeutend fur die Ansichten
von der iiineren Beschaffenlieit des Erdballs. Da aucli
h l l e s , was von mineralischen Substanzen durch die Vulkane an die Oberflache der E r d e , und wahrscheinlicli
zum Thcil nus sehr grofsen Tiefen heranf gebracht wird,
solchen Felsarten augehiirt zu habeu scbeint, so darf man
wenigstens annehmen, dafs dieselben - ohne dafs man
geradc an ihre Erstreckung~biszum Mittclpunktc dcr E r d e
zu glauben braucht - doch einer der wesentlichen und
n ichtigsten Bestandthcile iinseres Planeten sind.
Sind sie dieses der Erde, so k i h n e n sic, oder wenigstens ahnliche Gebilde, auch wesentliche Bestaodtheile
anderer Planeten seyn; ja es ist, nacli dem von der Gleichfiirmigkeit der Gesetze und Wirkungen der Natur oben
Gesagten , sogar wahrscheinlich , dafs kiirnig krystalliuische Mineralgebilde verschiedener Art wesentliche Bestandtheile aller planetarischen Kiirper sind, dds also
bei Bildung dicser Kiirper aus Urstoffen solche Mineralgemenge entstanden sind, und dafs noch jetzt, wenn sich
Urstoff zu festen KiSrpern im Weltrauine vereinigt, dieses durch Bildung von kiirnig krystallinischen Mineralsubstanzcn geschieht.
Deiii Eisen schcint in der Natur
cine bcsondcrs wichtige Rollc iibertragen zu seyn; dafs
182
es einen grofsen und wesentlichen Bcstandtlicil unscrcr
E r d e ausmacht, ist Thatsache, und dafs bs vielleicht im
Innern derselben in sehr grofsen Massen vorhanden ist,
darauf mochten wohl die magnctisclien Ersclieinungen auf
deiu Erdballe hindeuten. Es n lire daher wohl iniiglich,
dal's, bei der i m Weltrauine bestelteiideil Vcrtheilung des
Urstoffs, d e r Stoff, aus wclchem Eisen geblldet wirtl I),
sich hie tind da in so voi.herrscliender Menge befiude,
dafs d e r gehcimniTsvolle, feste Kiirper bildcnde I'rocefs,
wcnn er gerade diese Abtlieilungen von Urstoff trill4 Gediegen-Eisenmassen statt gctnengter Metcorstcine bilclet.
Da die Vertheidiger der lunarischen Hypotlicse sclbst
diese init darauf stutzen, dafs die nicteorischen Massen
sicli als kiirnige Fclsarten darstellen, urtd da sie dadurch
d e r Mutlimafsung beistinmen, dals das Material zweier
verschicdcnen TVeltl\orpcr von glcichcr oder zicinlicli ahnlicher Beschalfculieit scyn kiinne, w a s denn auch bei
noch mehreren Weltkiirpern der Fall seyn kann, vielleicht, wenn auch mit bedcutenden Uiiterscliiedcn i n der
lnittleren Dichtigkeit der gemengten Hauptinassen, bei
allen zu Einem Sonnensystem gchorenden Kiirperri, so werdcn sie aucli nicht in Abrede s e j n kihiien, dafs
bci Bildung I Z ~ U C FWeltkijrpcr in demselben Systeme ein
d w Masse dcr anderen lilinlicltes Material Iicrvorgebrncht
werdcn kann, j a , der Gleichliirmigkeit der wirkeiiden
N a t u r !raft
i e z 11fo I g c; .h c rv o r g e b r a ch t w e r d e n iii u fs .
1st nun die schaffende Kntur in dein Maafsstabe ihrer
Herrorbringuiigcri niclit beschrlinkt, so wird sip: aus dcm
im Weltraume ohne Zweifel unerschiipflich vorhnndenen,
durch Zersetzungen slets erneucrten Urstoffc fortdauernd
Kiirper von allen Griifsen hervorbringcn. Vielleicht d a L
im Innern einzelner Sonnensysteiiie nur kleinere Kiirper,
Nebenplaneten, uuilaufende Stiickcheu , Sternschnuppen
und Meteorsteine gebildct werden. Vielleicht dafs n u r
1 ) Aber Eisen gchb;rt ia zu unsereo
n n corcn
einfuclren Storren.
- Ja
zu
183
in den gr6Tseren Raumen zwischen mehreren Sonnensystemell die Bildung griifserer und ganz grober IVeltkOrp e r vor sich geht, deren Ergebiiisse wir n i x in ungeheueren Fernen dann und wann in der Gestalt neuer
Sterne wabrnelimen.
1ch nannte die Sternschnuppen. Viele von den Erscheinunsen, die wir niit diesein allgemeinen Namen bezeichlien, und die wohl nicht s h m t l i c h Eiii und dasselbe
l’haljomen siud ), so wie die kleinen bewegliclien Lichtpunbte, die zuweilen nur durch Feroriilire geseheii worden sind, kijnnen theils solche neugebildete, theils aucli
\rohl Auswurflinge und iiberlinupt Bilduogen s e y n , die
nicht bis zur Erde gelangen.
Doch mit diesen MuthmaCsnngen wage ich mich vielleicht iiber eiti erlaubtes Ziel hinaus.
Nur dns Hatiptergebnifs der vorstelienden Betrachtungen, und die An~iclit, die ich mir aus denselben gcbildet habe, fasse ich noch einmal kurz zusammen.
Die Hypothese vom Ursprunge der Meteorsteine innerhalb und unter alleiniger Einmirkung der Erdatmosphiirc und der nur in dieser entlialtenen Stoffe scheint
mir nicht genugend. Aber: o b nicht die Erdahnosphsrc
doch einigen Antheil an der Bildung dicser Kiirper hat?
- Ob nicht das Auffinden fester Stoffe im Regen, also
in der Atmosphare , eine Verbiudung durch diese Stoffe
zwischen der Erde, dem Luftkreis uiid dein Weltraumc
bezeugt , die eine Wechselwirkuiig von Erscheinungen
bis in grofse Hiihen hinauf zulafst?
Diese Fragen moclite
ich doch nicht geradezu verneinen.
Die Hypothese voo dem Ursprunge der Meteormassen
aus dern Morzde kann ich zu Erklarung d e r sich bei
dem Herabfallen derselben ereignenden Erscheinungen
uicht fur ausreichend halten.
>
-
1)
S c h o n O l b e r s Bufsert die Meinur~g, dafs die Sternschnuppen
unter sicli wcsen~licli ve~~seliirden
seyn m6gen. S. v. Z a c h moIiatlichc Corresp. Bd. 7 S. 159.
184
Vielmehr halte icb, nach den bis jetzt vorliegendeii
Wahrnebmungen, nur die Hypothese fur einigermafsen geniigend die meisten dieser Erschcinungen gut oder ziemlich gut zu erklzren, nacli welcher die Metcormasscn nicht
urspriinglich feste und nur von ihrer Lagerststte losgerissciie und weggeschleuderte Bruchstucke sind, sondern
Korper, die in dem Augenblicke der mcteorischen Erscheinungen, dcs Lichtes tind der Explosion, d:i;ch einen grofsen physisch - chemischen Procefs aus lockeren,
vielleicht gasforrnigen Stoffcn neu gebildet wid fest werden, und, wenn dieser fur unsere Kenntnisse allerdings
noch rathselhafte Procefs in dem Bereiche dcr Anziehung
der E r d e erfolgt , auf diese herabfallen.
Zum Schlusse kann ich mir nicht versagen, nocli einigc Bemerkungen hinzuzufiigen uber die von I3 e r z e 1i u s seinein Aufsatze vorausgeschicktc kurze historisclrc
Notiz von den Ausichten, die zu verschiedenen Zeiten
uber das Phanomen der Meteorsteinfalle geherrscht haben.
B. sagt: Erst seit Anfang dieses Jahrhuuderts hat
man es. als wissenschaftlich bewiesen angesehen, dafs
' ~ v o nZeit zu Zeit grafsere unds kleinere Steinniassen auf
>>dieE r d e herabfallen 11. s. m.a Dieses ist vollkommen
gegriindet, abcr e r fahrt fort: >)Die sichcre Kenntnifs,
welche wir gegenwartig zii besitzen glauben, ward beIJgrundet durch einen am 13. December 1595 in England
"zu Woodcottage in Yorkshire sich ereigneten und ge>)Lorig beglaubigten Meteorsteinfall. H o w a r d , der einige J a h r e darauf eine Untersuchung dieser und mehrelpret anderer aogeblich vom Himinel gefallenen Steine vor~ ~ n a h mfand
,
sie im Ansehen uud in der Zusaminensetzung
iibereinstimend, dagegen bestiinmt verschieden von den
Mineralien irdischer Abkuuft. F e r n e r : H o FV a r d theil tc
))seine Untersuchung im J. 1802 .der Kiinigl. Gesellschaft
)J
1~
)J
)J
J)
JJ
185
.in London mit.
Sic brregte allgemeine Aufmerksamkeit
>)U. 8. IV*'U
Auch dieses jst wenigstens im Wesentlichen richtig.
Dagegeu. hat B. folgende, zur friiheren Geschichte der
Idcen uher fiIcteorsteinfdIe gehiirende Thatsachen mit
Stillsahrveigen ubergangen.
Im Jnhre 179.1, in der Leipziger Ostermesee, - also
in tiller Zeit, in welcher dieses g r o k e PhSnomen Niemandes Aufmerksamkeit erregte, Vielen wohl ganz unbeknnnt \far, und von denen, die Kenntnik von Nachrichten uber dasselbe hatten, als Fabel oder Ansgeburt des
Aberglaubens betrachtet wurde, - in diesem Zeitpunkte
also erschien von C h l a d n i die bekannte kleine Schrift:
Ueber den Ursprung d e r von P a l l a s gefundenen und
anderen ihr Yhnlichen Eisenmassen u. s. w.
I n dieser Schrift suchte C h l a d n i zu zeigen, dafs
steinige Massen aus der Luft fallen konnten, und dafs
die bekannte Erscheinung der Feuerkugeln einerlei mit
solchen Steinfzllen sey. Er fiihrte viele von den his daliin fiir fabelhaft gehaltenen Nachrichten von solchen
SteinRllen an, deren Producte noch in bekannten SalnmIungen aufbewahrt werdcn, und erklarte die Pallasische
Eisenmasse fur eiu solcbes' Product, zu velchem sic auch
die unter den Bewohnern des Ural herrschende Tradition schon gemacht hatte. Unter den von C h l a d n i
angefiihrten Beispielen, bei denen die Zeit des IIerabfallens der Masseo bekannt war und die Producte noch
vorbanden, waren die merkwurdigsten der Meteorsteinfall
irn Eichsiudiischen und der von Agram, die neuesten
ibcr der von Alboreto Tom Jahre 1766, und der von
LuZe' vom 13. September 1768.
Damals hatte noch kein anderer Phpsikcr dieser Erscheinung Aufinerksanikeit gewidmet, und kein neuerer
Fall konnte C h l a d n i dnrauf geleitet haben, da sich kei1)cr creignct lialte. Dieser ausgezeichnete, mit allen dazu
erforderlichen Kennlnissen ausgeriistete Kopf combinirte
186
zuerst die vorhaudeneu Wahrneliinungen zu ciner ganz
neuen , sich bald als wohlbegriiiidet darthuendeu Ansicht,
uud deutete schon in jener ersten Schrift die Gruudziige
der dariiber aufzustellenden Hypothese an, der er in der
Folgc treu gcblieben ist.
Erst etliche Monate nach dem iiffcntlichen Erscheinen dcr Schrift voii C h l a d n i , ain 16. Junius 179-1, ercignete sich dcr Steinfall bei Sierza, uiid erst i m folgeiiden J a h r e , 1793 am 13. December, der zii Woodcott a p in Yorkshire. Erst durch C 11 1 a d n i 's Schrift , iind
durcb diese beiden, lange Zeit nacli d e r Herausgabe dcrselbell erfolgten Erscheinungen wurden die Untersucl~ungen
der Englinder uber die Meteorsteinfalle angeregt. Nicht
aber H o w a r d , sondern K i n g war der erste, der sic11
dcn Untersochuogen dariiber widmete. Er gab cinen Auszug vou C h I a d n i's Schrilt , und vermchrte das von dicsen gegebenc Verzeichnifs der Nachricliten von S(eiiifi1len ). H o w a r d trat init seiiicn Untersucl~ungencrst
aof, nachdein der groke Steinfall zu Bcnares in VorderIndien sich am 8. Marz l i 9 8 ereignet hatte.
1) Ed. K i n g , Remurks concerning stones snid
t o hove f i i N e n f r o m
t h e clouds in thrse d u y s und in tlrr uncicnt tirnrs. L o n d o n
1596.
13 e r i c h t i g u n g e n
zum Aufsatz des Hrn. Verfassers irn Ild. XXXlV d. Annal.
S. 359 Z . 18 s t a t t Steinmassen lies: Eisenrnassen
S. 363 Z. 24 statt entschieden lies: entscheidend
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