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Bemerkungen ber die in Gilbert's Ann. d. Phys. 1816 St. 2. S. 156. ff

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ANNALEN DER PHYSIK.
J A H R G A M G 1816, SECHSTES S T t h K ,
I.
B e m e r hung en
iiber d i e
in Gilbert's Aiia. d. Pbyf. 1816 St.
1.
S,156. ff. mitgetheilten
Ideen eines E d i n b u r g e r G e l e h r t e n , und det
Herren P i c t e t und D e Lric des Jiingern, iiher
die Art, wie die Tliiiler gebildet worclenjnd,
von
H. C. E s c H s n in Z'iirich.
Die ldeen des Ediiiburger Gelehrten iiber die Bildung der Tliiiler beliehen im Werentlichen, diefer
Mittheiluog zu Folge, darin: das ganze GeriiIt dcr
Berge Tey als das Werk der GetviilTer zu betrachten,
welche in ihren crfteii Operationen durch die anfinglichen Ungleicliheiten dcr Oberflsche beffirnint
wurdea, und dereri fernere Wirkuag, alsdann wiihI
Airrial. d. Ptrglik. B. 55. St. 3. J. IUIG. St, 6.
I:
'192
I
rend der ganzen llauer derfelben, durch die Lagc
wid Struclur der Gebirgsarten, durch welche diere
G e w X e r ibren 'C'C'eg fich zu graben hatten, modificirt worden Sey.
H e r r P i c t e t ltellt dagegen €olgendc Uehanptungen a u f : die Striime ltrebcn vie1 mehr itir
Bett auszufullen, als es zu graben, befonders i t 1 beweglichem und aufgelchwemmtem Uoden; alle
Haliptbetten oon StrGmen niit ihren AeRen uiid deren allmdilige Abhlinge lind liehltate Yon Naturwirkungen enLgegengektzter A r t , nirnlich der
PLutonqhlien Kraft, wclche von utileu 1 1 ~ ~ 1obon
1
anhob, in gemiII'en Haupt-1Iertlen ihren Sitz haLte
und niit grdscrern oder geringerem Vortheil, nach
V errchiedenheit der Oertlichkeit gegen die Kraft
der Schwere utid die 'I'enocitit der angehohenen
Materien kiiiiipfte. Uud znr Uriterfiiitzung dief'er
Meinung des H e w n Pictet's Lgt H e r r i)e L u c der
Jungere : tlas grofse W'erk des IIerrn %-onSauKur e ifi voll Bemeife, dafs nLle U G Z e r , bis auf ilwe
JZeinJZe 7er@eIung, durch UmKurzen der Schichten, welchc die Oberfliche d e r Ercie bedeckten, gebildet morden fiud, und dnrs diere Urnfiiirzurigen
unter den1 GewXer des hleeres vor fich gegangen find."
Bei diefen beiden eiiiander enlgegengeletzten
Behauytungen dnd dereri gaiftreichen Entwickelunc
Sen, melclie in dem angefuhrten Auffatz enthalten
find, iii oflPnbsr die fo wichtige HoupLnbtheilung
der ' ~ h d e irn LSngenthEler und in QucrthEler ganz
,
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,,
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123
3
iiberfehen worden. \Venn man fich nach H e r r n
Ue Luc's Einladung auf einen Gipfel der Schweikeril'chen Gebirge Rellt und dis grorse Gebirgs Anficht mit gehoriger uiuficht beuriheilt; noch mehr
aber, wenn mau ein gutes Relief der Alpen, oder
TeIbR nur Meyer's General-Karte der Schweitz betrachtet Ib fieht man einen auffallenden Parallem
lismus in den Haupt Gebirgsketteii, welche durch
awvifchen ihiien befindliche, und dlb mit ihnen pnrallel laufende Th&r von einander getrennt fiud.
Diel'e'l'haler werden a m fuglichfien Lcingen: Thaler
genannt. Es zeigt fich hier indell, eben To auffallend,
do& die parallel neben einander durch das .ganze
Alpengcbirge fortlaufenden G'eliirgsketten auch
quer durchfchnitteti find, und dafs 'lhiiler melche
quer durcb fie hindurch gehen, fie in kleinere Ge..
birge und einzelne GebirgsRocke abtheilen. DieIe
'l'hiiler welche mit den Liingen -'l'hiilern fall rechte Winkel machen, und die all0 die Gebirgsketten
quer durchrchneiden diirften wohl ganz fchicklich
Quer- Tliiiler genannt werden.
Uuterrucht man Liingen- Thaler und die fie
einfchlieGenden beiden Gebirgsketten mit Sorgfalt,
lo zeigt fich, dall, fie irn Ganzen genommen mit der
L i n g e n - Richtung (der Streichungs- Linie) der Gebirgs -Schichten p o d l e l fortlaufen und da in dem
Hochgebirge der Alpen die horizontale Schichtung
ziemlich lelten jfi, To treten dabei dreierlei Pdle
ein : entweder fenken die beiden Gebirgsketten,
wel&e das L&,gen-Thal bilden ihre Schichtcn-
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I 2
[
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]
ilichen beide dcm Thale zu, (wie es auf 'I'd.11. in
Fig. 1. dargeltellt in); oder fie kebreii t e i d e die
Schicbtenkiipfe gegen das 'Yhol, ( w i e i n Pig. 2. );
oder aher die eine Gebirgskette kelirt die Schichtenflachc die andere hingegcn die SchichtenhGpl;.
dem Lingen - T h a l e zu, ( wie i n Fig. 3.). I n allen
dielen Fiillen ift es -ziemIich auffalleiid daG clas
LGngen-'l'hal rnit d e r Struclnr der beideii Gebirgsketten in gcnauer Verbindiuig fieht und yon diel'er
&hiingig iR; unJ,dds es alro a u c h , nach der Meinung d e r H e r r e n Pictet uiid De L u c , von gleichzoiliger Entliehuug mit den Gehirgsketten li:lbfi zu
feyn [ctieint. Eiuzig und allein in den] letzten Palle (Fig. 3.) liijnnte mati allunf'i\lls hehaupLeo, die
SchichteiikGpfe der einen Gebirgskette hhtten fich
einR iiber die Scliichtenflliclie d e r andern Kette
Jiinuber erfirecbt, und w S r c n lpllter durcli die Gewait; des WafIers weggerillbn worden. Es wurde
aber wohl Iklbft jener Edinburger hiineralog bei
Anficht rolcber Thilcr, z. B. des L3JeZar- T/lnls,
kaum eine lolche Bchauptung wogen, uud Jars lie
durch Auswafchen eritl'tonden, r e p , geivifs nicht
wahrlcheinlich finden.
Da noch kein Geolog die Entltehungs-Geliliichte dieler Gebirgsketten und d e r zmifchen ihnen liegenden Liingen- Thiiler zu erklEreu vermocht hot,
To ware es rehr EU wiinfbheu, dals H e r r Pictet uns
reine urnfaKenden Ideen hieriiber nahar eutwickelte u n d beronders nachwiere, wie es moglich ley,
dab durch die loni't To ifolirt oder aukheinend lo
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unregelmakig wirkenden Plutouifchen G i f t e , Gebirgsketten, die 60 und mehr Stuiiden lang find,
mit einer folchen MegeImiifsiSkeit gelioben werden
konnteii, dak z. B. bei der Nageltluh- Kelte der RiRiberg, der durcli die Verfchuttung Goldau's bekannt gewordene Ry'iJiberg, der nordafilich darauf
folgende Morgarten, und die weiter nordiifilichen
Einfiedeler Berge Ibp iiiiktlich in ihrer Lageru ng u rid
iu dein Grad ihrer Schichten- Senkuug iibereinltimmen d&, wenn men lie irn Profile uberficht, man
ungeachtet der grofscn Quer -Th;iler, die diefe Ge1)irgsltocke von einander trennen lie doch als eine
rind dief'elbe Gebirgskelte, anzufehen gezwurlgen
wird.
Betrachtet ma11 die Quer- I h Z e r und die Iiings
ihren Seitenliegcndrn Gebirgemit Aufinerkl'amkeit.,
TO fitidet man i m Allgemeinen folgendes: lie durclifchneiden die LEtigen Gebirgsketten unrl die L b
gen-Tlider i n mehr und minder liumpfenWinkeln,
oft Celhfi unter rechten W'inkeln, und zwar fo, dafi
die an heiden Seiten derrelben befindlichen Gebirgsfiiicke i n ihrer Scliicliten Kichtung und Seukung
germ ti iibere inJiimn~en. Ili ere 'I'11iiI e r crSche i n en
daher nls Liicken, die lich i n den urlprunglich zufamrnen hingenden Schichten der grol'sen Gebirgsketten durch irgend einc Lpstere Urf'ache gebildet
haben. Und es fiillt hei ihiien alfo der Grund dcs
Dafeyns der Thiiler viillig weg, melchen die Herren Pictet und De Lilt d s Urfache aller Th"l
n e r ongeben, nsmlich die Schichten Senkuogen indein
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fie im Ganzen betrochtet, ( kleine befchriinkte Lokalverhiltnilre abgerechnet ), an beiden Seiten der
Quer-Thaler gar keiiie Verjinderung in der Schichten Richtung zeigen welche dab Dafeyn diefer
Thiiler im Ganzeu und bis in ihre Tiefe herah beItimmten. Die TIziiler des Rheinv und des Xhodcznu
kijnnen hieriiber aictit als, beweifende BeifpieIe aufgeRellt werderi, \veil der griifsere Tlieil derfelben
i n die KlalI't! der Ltlngen- T h d e r gehort. Oagegen
gehoreri i n die KlaITe der Quer-'rkPler dos Thnl
der JZeufu von der Gotltard Sc7~eideckean bis aaf
Luzern hinaus; ein grorser Theil des This der
A r e , von der GrirnJd bis auf lhun herab; die
griifsern Abtheilnngen der Thiiler des T$Jm, der
Linth u, f. w.; und eine nZhere,Unterfochung diefer T h i l e r wird beweiren, dab fie die Gebirgs.
f'chichten durchfchailten haben, nicht aber durch
nntiirliohe Senkiingen der Gebirgfchichten bis in
ihre Tiefe herab, gebildet worden find.
Schon mancher gerchickte iMiiieralog, der in
der Beobachtuug griiGerer Gchirgs- Reviere aoch
ungeiibt war, ifi durch den iiuruern Schein irre gel
fiihrt worden, lolcbe Quer-'l'hller als durch niltiirliche Schichten-Senkungen hervorgebracht anzu.
rehen. Sehr hbufig zeigt fich dieQeEnung der @erg
Thiiler von der Seite, gegen die lich die SchichtenKopfe der Gebirge erheben, To d a b die beiden Gebirgefich mitdenschichten-Kapfen nach ihrer Streichungs-Linie, gegen den Thal-Auslauf, herabzufenken (Pig.4 und alfo cine durch die Streichung d e r
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Gel,irpskette, folglirh urfprunglichc Thai-Oeffn u n g zu beweifeti fcheinen. Bcfonders deutlich
ifi diefes zu bemerken am Schiin(yser- und XiederUrner- Bers im 'l'hal der L i n t h , bci B a d e n , bei
maLLenbiirg u. w. i m Jr~m,h i t'd-Uagne im
&pnllis, uncl man fielit es an hundert andern Orten.
Aher man betrochte n u r die Sache geiiauer, und man wird bald fiuden, wolier diefe mrcheinende Schichten-Senkiing ruhrt. Sie ift nirnlich
durcli die Lucke (Fig.5. n b c d ) bcwirkt, welche i n
der ui-fpi.iiiiglich zuIjinrnen hiiugendeti Gebirgskette
( A n ) licli durch irgerid eine fpstcre CJrCach bildet e , die vori der Schichten-Senkung ganz unabhingig
ifi. Die[& Lucken find in der Hiihe des Geliirges
an den Scliich~en-Kiipfen( a d )bedeutend meiter als
da, wo die Schichteti fich nach dem hinter ihneri
Iiegendcn L h g e n -'l'hal ( r b ) herabneigen. Man
lieht nllo a n den beiderfeitigen GebirgsRiicken des
'I'hal-Auslaufs fchiefw-inkiige Profile (ab und c d), in
welcheri keineswegs die fortgel'etzten Strcichungs
J,inien der Schichten fich zeigen, fondern die zwiIchen der Streichungs-Linie (ad) und den FallungsLioieii ( ae unti df) durchlanfenden Diagonalen
( a 6 und c d ) gefehen werden. Eolglich riilirt i n
ailen ahnlichen Fillen die Thal- Oeffuung keinesmegs von einer fie bildenden Schichten Senkung
h e r , fondern von einem gewaltlamen Durclirils
der url'priinglich zufammen hsngenden Gcbirgskette bei welchem die Zwifchen Mafl'e ( n 0 c 'I) we]che aofangs vorhanden war, zerfiart und wegge-
r.
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Ictiaft wurde.
Man unterfuohe uherall, wo die
Q u e r - Th il e r durch Schichten-Senkungen gebildet
zu feyn rclieinen die UmllCode diefes Anfcheins
genau, und man wird Gch bald iiberzeugen, dofs
man fich durch eineu trugerifctien Schein i rre fuhren lie&.
Auch zwifchen Gebirgs Stromsn, welche die
LIngen Thiiier durchflielben, und dcnen, die durch
Quer Thiilcr herabfiurzen, zeigt Gch detn aufmerkramen und Grgfdtigen Naturforfcher bold eine
wefentliche Verlchicdenheit. Uie Strome der Lhugeu-Thaler haheii allgemein eincn ziemlich ratlften
gleichformigen Louf iind Abhang, indem fie lelten
aufFelfen-Schichtcn fliersen, fondern Iich durch den
v011 Gerchieben aufgdclzwemmten T h d g r u n d hindurch fchlingeln. Die Strzmc der Quer -ThZler
hingegen hoben meillens einen ungleichfdrmigen
Abhltng, init bald flarkern bald rchrvachem Fall;
und bei genauerer Betracktung findet fich fa12 immer, dafs do, wo fie durch die Gebirgsketten durchfliefsen, fie einen Eirkern Fall hnben, oft relbfi mehr
und minder hohe WolTerfdle bilJen ; da hingegee,
w o fie die Lsngen- Thiiler quer durchfclineiden, i n
dem flach rnit Gefchieben aufgerchutteten T l d grunde h f t hinfliefsen. W c r auch nur einmai
von der Gothard -ScheidecEs nach A b r f beobochtend herabltieg, wird fich erinnern, wie abrvechf e h d die Re@ in fchiiumenden E'fllen uber Felf'en
herabfiurzt, und am Fdse diefer Wan'erfille in
grorsen flachcn Thalgriinden hinfliebt und wenn
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man in diereti dem Ufer des fanftaiekenden Stiw
mes folgt, bis Gch das T h a l aufs neue verengt, die
Reufs lich wieder einige hundert P Utief
~ iiber PelI'in herabfiurzl, und darauf abermals ein tieferes
flaches Thiilchen L n f t durclil'chliingelt.
111 den
'I'balverengungen wo die R e u k in WalI'erfiIlen
iiber Felfen herabliurzt? durcliTcbneidet fie die Fe1lenl'chichten der Gebirgsketten ; i n den flschea
Thalgriinden dagegen, durch die fie fich L n f t hin~ c h l ~ n g e ldurckhneidet
t,
fie die m e h r und minder
ausgedehnteri Lingen -'I'hiiler, welche die parrrllelen Gebirgsketten von einandcr obfondern. - 'CT'er
yon der Grimfeel n ~ c hdexn Hnslilnnd hcrabgelliegen ilk, wird fich der nlmlicheii abwecbrelnden ErI'cheinung, der priichtigen Aarfalle in d e r yon Ge.
lcliieben aufgefchiitteten Ebene des Riiterichsboden, der WnnclecEnlp U. W. e r i m e r o . Uud w;r
hiernuf aufmerkl'am ilt, wird diere Erfcheinungea,
die in den meillen Q u e r - T h i l e r o Ctatt liaben zup.
Unterfcheidung diefer Klalk von T h d e r u von den
Liingen- Thlkcern, die alle niclit lolche Umftinde
Jarbieten, zu wiirdigen wiccn.
His uns IIerr Pictet oder ein anderer Geologe
die Entilehung dcr Gcbirgsketlen uod i h r e r jet&
gcn Lagerung init gehiirisp Uirafioht e r k l i r t haben
mird, rniifren wir n l l t dao Uckenntnils aldeget;,
d a b wir, \vie die L i n g e n - 'l'hiiler entltanderi. k y n
miigen, nicht winen, da diere, mie wir g d e h e u
haben? felblt von d s r Structur d e r Gebirgsketten
abhiingig lind. Selblt die Quer ThMer bictea man-
,
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cherlei Verhiiltnine dar, welche ihre EntRehungsGerchichte noch im Uunkeln laKen; doch zeigen
-die angefiihrten Erfcheintingcn welche ihnen eigeri fitid, dafs die Durchrill'e der Gebirgskeiien,
die lie quer durchrchneiden, uicht mit der Structur
der Gcbirgsketten felbfi i n Verbindung lind, Tooder 11 wei t Ipiite re ge tva l tf. 1'11 c I)u r ch hr u c 11 o fey 11
miifTen, die rrli llatt liotten, a h die Gebirge in ihTer jetzigen Logerung I'chon erhirtet maren. llenn
'die Profile d e r zu beidco Seiten derfclben noch anfiehetiden Gebirgsfchichten eeiyen keine Biegungen, die auf eineu nor11 weichen Zulltlnd Z L I Zeit
~
d e r Uurchbriiche Schlicrscn lalren. Dayatis iljefst
aber keineswcgs die k'olgerung d& die Quer-'l'h&
ler durch uofere jetzigen Striime allmiihlig eingeI'chnitten worden Cud ,von ihrer erlten Vertiefuiig
an, bis zu ihrer jelzigen 'J'iefe herab. Nein! Tondern es hnhen zuverlill'ig auch liier griirsere Urlachen eingewirkt; denri die Quer-'I'htiler find a m
Auslauf atis den Alpcn vie1 iiefer in die Gebirgsketten ein~cl'chnitten 01s fie lich jetet zeigcti, wie
das beronders die jetzt noch uorhandenen Seen beweifen, Iv'elche fich am Auslauf vicler Q u e r - T i i L
Ier befiriden. Vielmehr l'cheinen die Durchbruche,
die unl'c'cre jetzigeu Qucr- 'l'hdler bildeteri, vou dem
gcwaltfamen Abflulre der Gewilrer herzurii liren, die
url'priinglicli iinfere hiichlten LPngen-'I'hder ausfiillten, uiid darch diefen Aldlufs felhfi a u f einmal
gleichzeitig entltanden zu l'eyn. lch hdtc diel'es
Naturerciguil's f'iir das oiimliohe, weiches Sal;Riire
,
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131
3
legrand Jdbncle nqnnt, ( Annal. 1816 St. P. S. 167.)
u n d das jene ungcheuren Telrenltiicke i n unzlhliger
&Ienge mit licli aus den Alpen herausrih, und tnit
ihnen die tiefern T h l l e r fo wie die den Alpen entgegenRehenden Jura Abhinge uberfchuttete (daL
S. 156 Diefe UurchrilI'e der urfpriinglich zuLmmenhiingenden Gebirgsketlen, m r e u ober in den
liohern fefiern Gebirgen weder fo weit, noch fo
tie€, als w.ir 'lie gegenwirtig fehen. Denn unverkennbar End lie dureh die jelzigenStrome nach uad
nach tiefer eirigel'cl~nitten und durch die Verwitterung der abgerillenen ScIiichten- Profile allmiblig immer mehr erweilert worden. In den weiclrern
Gebirgsketten, wie z. B. am Hinter-Hhein i n dcr
pTia alala, am SeLbJanft im Linth- Thnl bei d e r
PantenbrGcke, i m Thnl der Lienn im ?gtitllis a n
der Siidreite des Rnwillpqfles u. f. w., iR dieres fpStere EinTchneiden und Vertiefen der Strombetten
durch die jetzigen StrGme felhf't, ganz auIfalleiid und
iiuverkenubar. I n fellern Gebirgsnrteii hat es cbenfalls rtatt, wirkt aber hiichli l a ~ ~ g Lund
m niclit Cehr
bedeutend.
Diel'er AmIiclit uber dieEnt.lLehungs- Gerchichte
der Tider zu Folgc, wure all'o befonders nachzuSpuren, wo die Pelfen -Mallha hiugekornmen h i d ,
welche die jelzigen Liicken in den Gcbirgskettell
uurerer Q u e r - 'I'iiiiler ehenials ousfullten, und Jie
gewdtfarn miilren weggeri1Ii.n worden reyn. IIierbei zeigt Iich nun zuerfi dcr fclion nngefuhrte merkwiirdige L'mltand, d a k dic Quer-Thiiler meia da,
).
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wo fie die Gebirgsketten durchbtineiden leoger
lind, 01s m o fie die Ldngen-ThGler quer durchlaufen. Schon liierdurch findet fich d e r Urnfang d e r
weggerirenen FelfeninalTe I'etir befchriiakt itidem
er weit kleitier ill, a h m a n ihn nach dem zu fc11;it.Zen pflegt , was man von den LSngen -'rhiilern aus
fieht, To dafs m a n , weun m a n die Lwgeheuren Ab-
,
,
lagerungeo von Gerchieben uberblickt welche in
allen Liingen -Thiilern und Iiings rlem gumen Furs
d e r Alpeu liesen, eher gcrieigt feyn m%chte zu
fi-agen: wo die grofseti Lucken in (!en Gebirgen
find 9 . \t-elche diel'e uiierlneCsIichen Gefchieb-AM'fen geliefert haben mGgen. FaIt alle Quer- Thaler
erweitern uud vertiefeii fich da betriichllich, mo fie
i n die neuern weichern Gebirgsarten hernustreten.
U n d citi Tlxil diefer weiten' und tiefen Thiiler findet. fich durch CeTcliieb- Ablagerungen wictder ausgefulit, welche die Striime ununterbrochen ails den
A l p e n herausrollen. Die ganze weite 1She3e des
RheintlinL von RheinecL bis zum 8chollberg Lei
Snqycns hinauf, in cine 16 Stunden lange und
u b e r i Stunde hreite Zlichc \-on nichts als Gefchieben, deren Tiefe unbekannt ilt, urid die der Bhez'ta
und d e r 131 aufgefchcvemmt haben. Aber nich t
blos liier hat d e r Khein Gekhiebe abgefelzt, fchor;
i n alien LSngen-'I'h&rn Graubiindens zeigen Geh
lhitie Gekhiebe- Ablagerungen, und d e r aufmerkfame GeognoR wird die hiihern LSngeti-'l'hIiler imnier n u r von l'olchcn Ccfchielien angefullt finden,
welclre den Gebicgsarlen der noch biiheru Gebirgs-
t
133 3
ketten entCprechen. Ebeu lo zeigte fich bei Grabung der LintA-Xnniile, daL das ganze LinthThd, von Glnrus a n , his z u m Ziiricher See herirb,
in einer Liinge von 7 Stunden urid f bis I Stuude
Breite, bis in eine uribekannte Tiefe herab, ntir
eine Auffchullung von Gefchieben enthiilt, bei denen es uriverkennbar iR, d a h lie deu lehr cliarakterirtiCcli ausgezeichiieten Gebirgsarten der Glnrner
Gebiige aiiSeh6ren. Die nSmliche Erl'cheiuung
wird man in nllen iihrigen ThGlern wiader finden.
Am Grinfel i n fchon das LKrngeii-Thnl dcs Lauternar Gleffcchw-8 von deli Gelcliieben der h&
hern Gcbirgbkelten horizotital ausgefiillt. Oie kleiziern LSIigcii -'l'liiiler, die das Qcrer-'l'haI der Aare
im Raierichsboden, a n d e r Handed u. L w. d u m b
rchneidet, Grid von G r i d e l - Gerchieben horizont a l sufge;elcliiittet. Das IieblicheThriIchen irn Grund,
am FuGe der Grinfeel, ifi eine horizoutnl auf'gefchwemmte Gerchieb- Ebene, ?'on Jleyringen his
an den Brienzer See ill wieder eine unermuf'diche
Ahlageruog voti &hhieben, welche die A w e L I U S
den G rinrjelgeltirgeiz feit Ja 11 ria u renden herabrollte. l m /;trdiis uitd i m Thai der Arve in Snvoyen,
beronders VOII St. Ztloriz bis zum Genfer See, bei
SuLanche und in der gnuzen Ebene voii C e n f , lind
Gefcbieh Ablagerungeu, deren MaKe der unhekanaten 'L'iet'e megeii nicht zu herechnen iR, Pugt
man diefen Gel'chieb Mall'en , welche zuniichfi i n
den LGngcn-'I'hiilern der Alpen l'elhfi und a m Furs
dcrl'elhen abgelagert h i d , noch diejenigen bei, wel-
-
-
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I 134 3
che alle Tiefen des grofsen Thals- zwil'chen den AG
pen und dem Jura ausfillen, und diejenigen welche der Rlwdan uncl der Rhein in die enlferntern
Ebenen von Europe, bis in die Meere, vorn nor&
lichen Abhang der Alpen herausflutheten und immer noch herousfluthen; To wird man niclit mehr
i n Ve~-legeiiheitreyn, anzugeben, wo lich die
SLeinmall'en befindeii, die einlt die Lucken Busfiillten welche bei dem DurchreiQen der Gebirgsketten, aIs unrere jetzigen Quer- Thiiler ent.
fionden. l m Gegentheil wird man der weggefchwemmten Manen fo vie1 erblicken, dafs lie nicht
durch jene nicht fehr betriichtlichen Liicken alleia,
fondern n u r zugleich durcli die allgemeiiie immerfort wirkende V erwitterung aIler Gebirgs- Abhange uberhaupt geliefert werden kounten.
I n dem Apengehirge finden wir indefs noch
andere riicht minder grofse Beweil'e yon Zerfiorurigen, die es erlitten hat, nachdem die jetzige Struct u r deflelben fchon entliauden war. Es ill der MUhe werth, dafs wir auch a u l fie noch eirien Blick
werfen. Mehrere ausgedehnte Gebirgs Formationen i n den Alpen enthalten nichts anders alsJ3ruchRiicke friiher zerfiorter Gebirge, aus denen fie gnnz
befiehen j To die A'ageZJluA- und &nclJZein Formationen, welche das grofse Liingen- Tho1 zwirclien
der Alpenkalk-Formation der Alpen und dem
Jura ausfullen. Sie deuten a u f eine noch weit friihere und ausgedehntere ZerBSrungs- Epoche hia,
als diejenige iR, i n der licli unfere jetzigen Quer-
,
,
,
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r
'f&ler
135 I
eingefcliuitten und gebiidet hobcn mogenr
I m Genfer See und im Bodenfee find jetzt noch'l'ie-
fen in diden1 grofsen Langen -'I'hal vorhanden,
welclie nalie a n dio Meeresflache herabreichen, und
k;aum rrliigen MI& fie die urfpriingliche aligemeine
Tiefe cliefes 'I'hals uns onzeigen. I n diefern (urn
irniner nur yon den Schweitzerifcheri Alpen zu
Ipreclien) 70 Stunden langen und bis 18 Sturiden
breiten T h d e , ili eine Saadltein- Forina tion groteruttieils horizontal abgelogert, voti deren U e
birgsriicken viele his iiber 3000 Furs Hiihe uber
die Meeresfliiche anlleigen; und i n der NEhe drr
nordwefiliclr Lien Alpeu KalkReiokette lteht die
miichtige Nrrgclfluh- Formation m i t dlgemeiu [Lidlicb geknkten Schicfiten a n , welche einzelue Kuppen zu einer Iliihe iiber die Meeresflache von rnehr
als 6000 Fidr erhebt. Diel'e uugeheure Ablagerung
YOU Gefchieben und Saud, alfo von Triimmern fruhercr Gebirge, bewcifen ganz unverhonnbar, dtlfs
einfi irgctidiw fehr ausgedehnte Gehirge vorhanden
waren, die in einer weit friiheren Epoclie zerftort
wwrden als die gewaltfarnen Durchrifle angeben,
welche die Quer-'l'hiiler i n dem jetzigen Alpengabirpr hervorbrachten. Die Lochfi regelmEl'Jige fudliche Schichlen-Senkung der Nagelfluh Formation,
welche genm die gleiche Liiugenrichtung wie die
Alpen KalkRein -Formation hat, fcheint anzudeutcii dafs diefe Nagelfluh- Kctte k h a n orh hand en
war, ehe lich die Lingen-ThEler in der AlpenKalkTtein-Formation gebildet haben, u4d d a b die
-
,
-
-
[ 136 ]
-
Srhichten -Senkung der Nageltluh Kette mit den
Schichteii Senkungen der Alpeti- KalkRein Ketten
gIeiclizeitig waren und von derfelben LJrCache herriihrtetl. Oiel'e Nagelfluh Kette uud die zunEcIifi
a n fie anltorsenden Sandlteiu Gebirgs Kctten find
auch durch die nimlichen (lucr-ThCler und mit
ganz gleichen Umfi'tauden durchrilI'en wclche vou
den oberfien Lingen T h i l e r n a n bis in die tiefllcn
Sandfiein- Gebirge herab, alle Gebirgsketten durchrchneiden. W o miigeri nun aber jenecebirgs - M a E
[en gefianden habeo, die unch ihrer Zerliorung niit
ihren Triimmern rolche ungeheure Ablngerungen
zu bewirken i m Stande wareii, wie diejenigeo der
eben angedeuteten Sandfiein und Nagelfluh-Formationen find? Uillig hat uns derjenige Geolog,
dei- uns die Bi1duiig.S Gcl'chichte des Alpengebirges
gebeii und erkliiren will, es I'ey nuu, d d s e r fie
aus Plutonifchen oder aus Neptunil'chen Url'aclien
herleite, auch diere ziemlich wichtige Prsge zu
beantworten.
Uoch wie IbUten wir Cclion an die EntffehungsGefchichte unferer Gebirge denken kijnneo, da wir
ilire Strllctur noch To wenig kennen, d a b unfere
Geognofien noch nicht einmal iiber eiue To leiclit
zu beobachtende cinfache T h a t k c h e einig Iind, mie
diejenige ifi, von welcher die Beantwortung der
Frage abhingt, ob alle Thiiler durch die Lngerung
und Hiegung der Pelfen-Sehichten cntnanden feyetl,
wie die heiden oben genannten Genfer Naturf'orrcher beboupteo, oder ob, wie in diel'en Gegen Be-
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merkungen behauptet wird, die eine KlaITe von
'I'hilern durcli Schichten- Senkungen, die andere
aber durch rpiitere gewaltfame UurchriITe der noch
regelrniifsig beidreitig anfiehenden Schichten gcbildet worden reyen ? W e n n es uns a l h im Ernfi darurn zu thun ili, die hohere Naturkentitnirs der Alpen grundlich zu befdrdern, ru muKen wir noch
nicht an Speculationen iiber die weuigen rein clusgemittelten Thatrachen der Structur der Alpen denken, fonderii crfi in der Natur felbfi die allgemeinen Structur-VerhiiltninTe moglicI1 umltiindlich und
umfafrcnd unterruchen urn uns ein volll'tiiudiges
GemSlde des Alpengebildes zu verrchafE'en ; denn
erli dieres konn uns i n den Stand fetzen, die Kriifte, welche bei dieIer Bilduag gewirkt haben, griindlich zu erforfchen. Aber rioch kennen wir auch
nicht einen einzigen volUtindigen Profil- Durchrchnitt der Alpen, wiITcn aber wohl, dars die Verhdtnill'e der Alpen in Bundten voii denen in der
iibrigen Schmei Cz werentlich verrchieden End. Dah e r bedurfen mir noch vieljiihriger angeltrengter
UntcrJuchungen, ehe wir. das Rlpengebilde nur To
weit kennen werden, urn die erRen wichtigrteu VerhaltniKe deEelben als befiimmt und unbertreitbar
angaben zu konnen.
Zurich irn Juni 1816.
,
.EX C. Efcher.
Annal. d. PhyGk. R.53. St. 2. J. 1816. St.6.
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