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Bemerkungen ber die Versuche des Hrn. Lenz in Betreff der Drehungen des Coulombschen Wagebalkens und Nachricht von den akustischen Versuchen des Hrn

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-
II. Bemerkungen iiber die FZrsuche des Hrn.
L e n z in EetrPff dcr Drehungen des CouZornbschen TThgebalkens, und Nachricht von
den ctkustischen ?'hrsurhen des Hrn. ScheibZer. Schreiben des E h . Eiofrath Muncke
an den I3&aifigeber.
-E
s sey
mir erlaabt, Ihnen fur Ihre AnnaIen eine
zwar nur kurze, aber nach meincr Ansicht hiichst interessante Notiz aus dem Gebiete der Akustik mitzutheilen;
zuvor aber halte ich es fur eine Verpflichtung gegen das
Publicum, einige Bemerkungen iiber die Versuche des
Hrn. Academiker L e n z zu Petersburg (im XXV. Bd. der
Annaien, S. 241) vorauszuschicken, woran ich bisher durch
die wahrend ineiner Krankheit so ausnehrnend aufgehauften Arbeiten gehindert wurde. Aus jenen Versuchen wird
n:imlich gefolgert, dafs die mehrfach und namentlich auch
von mir beobachtcttn Drehungen eines Coulombschen W a gebalkens durch Luftstramungen hervorgcbracht werdcn.
Im Allgemeiiien kann man die Miiglichkeit einer solchen
ZTrsache und der atis ihr abgeIeiteten Wirktingen nicht
wohl in Abrede stellen; denn sobald die Luft durch bedeutcnde Temperaturunterschiede ungleich erwiirint wird,
gerath sie, nach den aGrostatischen Gesetzen, in Bewegong, und mufs diese dann denjenigen Kiirpern mittheilen,
gegen die sie sliilst, wie schon an sich aus allpneinen
mcchanischen Principien folgt. Dafs aber dieser Satz und
die von Hrn. L e n z beobachteten Erscheinungen gegen
meine Versuche und die aus ihnen abgeleiteten Resultate
gar nichts beweisen, dieses scheint mir vie1 ZLI augenfsllig, als d a b ich die von mir aufgestellten Thatsarhen und
Folgeruncen nochmals ausfiihrlich zu erorlern fur nothig
26.
Anna]. d.PhysilirBd.105.St.3. J.1833.St. 11.
382
crachten kbnnte, weswegen ich mich blofs auf einige allgeineiiie Benierkungen beschriinke.
Zuviirderst war der voii Hrn. L e n z gebrauchte Apparat gar nicht geeignet nieine Versiiche zu controliren.
Derselbe bestand naiiilich aus einer Bodenplatte voii
Pappe, einem hohlen Cylinder von Holz und einer diesen bedeckenden Glasscheibe. Die erstere kanii fiiglich
vernachlassigt werden , desto wichtiger ist aber die Betrachtung der beiden ubrigen Theile. Es unterliegt nainlich keinem Zweifel, dafs das Holz, und zwar verinuthlich in einem nicht unbedentenden, docli geringcrem Grade
als dns Glas, thermo-elektrisch werde; bei weitem mclir
ist dieses aber bei letzterem der Fall, wenn aucli die
verschiedei~en Arten desselben diese Eigenschaft in ungleichem Maalsc besitzen.
Auf den vcrh~i1tnifsin;ifsig
schwercn, aus einein Kupferdrahte verfertigten, und an
drei vereinten Coconfiiden aufgehangcnen Wagebalken
wirktcn also gleiclizeitig zwei Krsfie, cine verticale des
Glases uiid cine horizontale des Holzes, wrnn wir vorIiiufig die nach den iieuestcn Beobachtringen so leicht
cntstehendc thcrmo - elektrische Erregung in diescn Korpern annehmen. Vorzuglich ist abcr hierbei zu beriicksichtigen, dafs der liiilzerne Cylinder nur 413 Milliincter, oder nicht einrnal 20 Linirn, HBhe hatte, mithin
mufste die verticale Wirliung der GlaspIatte hei weitein
iiberwiegend seyn. Indeni clieser aber allezeit das Gcwicht des Wagebalkens entgegenwirkte, so mufsten -hieraus nothn endig unordentlirhe , das Auffinden der cigrntlichen Ursache erschwerendc Oscillationen entsteheii. Aufscrdem aber war diese Wirkung gegen cine vergoldete
Zlollunderinarkkugel und den kupfernen Wagebalken gerichtet, iibcr welche sic6 die erregte Elektricitat nacli dein
Einflusse des Wirkungskreises iiberall verbreitete. W'enn
man daher zugleich beriicksichtigt, dafs die drei Cocoofaden, obgleich gemeinschaftlich umgeschlungen, doch irnmer eine fur so hleine Grofsen mefsbare Fkche bedeck-
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ten, und es sonach schwer fallen mufste, den metallenen,
mit Hollundermarkkugel und Glaskugel voll Quecksilber
beschwerten , mithin entweder veIhYItnifsm2fsig schweren
oder sich kruminenden Wagebalken zu heben oder herabzudriicken, so sollte man vermuthen, Hr. L e n z habe
die eigentlich zu suchenden horizontalen Schwingungen
absiclitlich zu vermeiden gestrebt. Hiernach ist es also
in der That zu verwundern, dais die ersten, mit diesem
verhaltniismlfsig gegen die nachherige Vorrichtung feineren Apparate, angestellten Versuche genau mit den meinigen iibereinstimmten. Solche Hindernisse voraussehmd,
wahlte ich eine glaserne Halbhugel (deren Hirhe jcdoch
2 Zoll griliser als ihr Halbmesser ist) mit einer aufgesteckten gllsernen Rillire , eine nackte , sehr kleine Hol.
lundermarkkugel , eincn sehr feinen glasernen, an einem
einzigen Coconfaden balancirten Wagebalken (eine metallene und vergoldete Kugel wiirde ich bei so feineu
elektrischen Versuchen fiberall vcrwerfen ) , unds suchte
bei genaherten warmen Kilrpern einen elwa vorhandenen
Einflufs der halzernen Bodenplatte miriglichst zu beseitigen. Die nachher gebrauchten hohlen Cylinder von Eis,
Thon and Pappe liatten aber bis 18 und inehr Par. Zoll
Hiihe, und der Wagebalken schmebte etwas unter der
Mitte , um jeden Eintlufs der verlicaI wirkenden Krafte
zu verineiden. Hr. L e n z versuchte vergebcns bei seinem
Apparate Elelitricitit inittelst eines v. B o h n e n b e r g e r ’
scheii Elektroineters zu entdeclren ; allein dieses ist iin
Allgrmeinen nicht zu verwwndern, insbesondeFe aber wenn
man beriicksichtigt, anf welche Weise von ihm mit diesem Instruincnte untersucht wnrde. Dafs ubrigens das
Glas im Allgemeinen, und vermnthlich selbst ohne AUSnahme der mindcr hierzu tauglichen Sorten, in einem solchen Gradr thermo- elektrisch werde, uri jedes empfindliche Elcktromcter zii afficiren, ist, so vie1 ich von Andern und aui eigener Erfahrung weirs, iiberali nicht zmeifelhaft, und lafst sich aukerdem selbst durch rohe Ver26 *
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suche lciclit crweisen, wcnn man eine t r o c h e Glasschcibe
iiber einrui Kohlenfeuer oder noch besser an einem heik e n Ofcn erwzrmt und sogleich auf den Deckel des Elektrorneters legt oder einer freiscZlwebende~~
Flaumfeder nahert.
Es ist rriir daher auch nicht in den Sinn gekommen, dieses als etwas neu Entdecktes durch ineine in
Rede stehenden Versurbe danuhuii, wohl aber suchte
ich zu beweisen, dafs selir geringe, niir wenige Grade
betragende, ja selbst therrnoskopiscli nicht unmittelbar
mefsbare Wamestriimungen diese rerschwindend feine
Thermo -Elektricitat vermuthlich bei allen Kihpern , obgleich in einern allerdings sehr ungleiclren Grade, hervorrufcn. Aus diesem Grunde steigerte ich die kleinsteii
W%rinestriimu-ngen von Stufe zu Stufe allniiilig so wcit,
bis das HollunJeruia~kkugelclien an die Wantlung anschlug, urn gewifs zu seyn, d& die ssmmtlirhen roil
rnir und Andern beohachteten, allcrdings rzthsclhaften nnd
daher so oft unrecht erkkirten, Erscheiuungcn von nicli~s
anderem als van vorhandener Elektricitzt bcrriihrten. So
braclite namentlich cine auf 2 Par. Ftifs grniilierte einzige Kertcnflainme kcine init gewiibnlichen Tlierinometern mefsbare Wirmedifferenz bervor, folglich sicher auch
keiae Striimungen in einer ringsum eingeschlossenen LuftU I ~ S S C , selzte aber deniioch den v o ~ imir gebraucbten
Wagebdlren in Bewegung mit einer Kraft, die schwerlicli
iiberall bererbnct werden kana, wenn man beriicksichtigt, dafs blofs die Tragheit desselben in der so bedeutend langen Zeit, die zu seiiier Drehung erfordert wurde,
uberwunden werden mufste, in sofern als ausgemacht anzunchmcn ist, dafs ein eiiifacher Coconfaden der Drehung
keinen mefsbaren Widerstand entgcgcusetzt. Eine Vergleichutlg dieser Versuche, mit dencn des Herrn L e n z,
wird hoffetitlich den Unterschied beider nicht lange zweifelhaft lassca.
SpYter hiog Hr. L e n z semen Wagebalken an einen
Silberfaden (wie fein ist nicht angegeben) auf; allein es
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unterliegt keinem Zweifel, d a t die von mir bemerkten
thenno- elektrischen Krrifte einen solchen Faden iiberall
niclit zu drehen vermiigen, und da sie demnach gegen
die durch die Luftstriiinungen bewirkten verschwinden
mdsten, so gehiiren die mit diesem Apparate angestellten Versuche gar nicht zur Untersuchung des fraglichen
Gegenstandes, sondern beweisen blofs, dafs die Bewegungen der ungleichrnafsig erwsrmten Luft auf Ieicht bewegliche Korper wirken, was schon an sich keinem Zweifel unterliegt, in sofern aber gerade jetzt nutzlich seyn
kann, als dadurch zur Vermeidung miiglicher Irrthiimer
Vorsicht bei therino - elektrischen Untersuchungen dieser
Art rliihlich wird.
Die von mir gebrauchten Apparate und die damit erhaltencn Resultate sind so deutlich beschrieben, dafs ich
iin Wescntlichen niclits weiter hinzusetzen kann. Jeder
Physiker , welcher die Versuche und die angegebene
Weisc wiederholt, wird das Namliche finden, was F r esn c 1, P o ui 11e t und Andere aufser mir bereits gefunden
habcn. Wenn Jemand aber vorzieht anzunchmen, die
ausnclimend langsame Drebung des Wagebalkens durch
einen Bogen von 90 Graden gegeu eine zwei Par. Furs
entferute Kcrzenflamme (die ein gcwiihnlich feines Quecksilberlhermoineter in gleicher Entfernung gar nicht wahrnehmbar afficirt) und das nachherige Feststeheu in dieser Kiclitung werde durch Luftstromungen im versclilossenen Raume der glasernen Halbkugel bewirkt, so scheint
es mir am besten, hieriiber gar nicht zu streiten. Die
Lgngen der Rebelarme des von Hrn. L e n z gebrauchten
Wagebalkens verbielten sich wie 6,7 zu I, und er glaubt
sonach nicht mit Unrecht, dafs die letztere GrbCse gegen
die 'erstere in Beziehung auf die den Hebel bewegende
Ursache als verschwindend vernachlassigt werden kiinne.
Indem aber durch die iibereinstiinmenden Versuche von
F r e s n e l , P o u i l l e t und meine eigenen erwiesen isl,
dafs die Drehungen bei ciner 400 fachen Verdiinnung eben
*
3%
so als in der atmospharischen Luft erfolgen, so versteht
sich wohl von selbst, dafs das Verhdtnifs von 400 zu
1 mit weit griifscrem Rechte zu vernachlsssigen sey, mithin von wirksamen Striimungen einer so stark verdunnten Luft iiberalI die Rede nicht s q n kiinne, und daher
eine andere Ursache gesuch t werden musse, die F r e s
II e l in einer absolutcn Kepulsivkraft der Warme zu findcn glaubte. Man hat m a r gesagt, dafs mit der Luftverdunnung zugleich der Widerstand abnehrne, welchen
dieses Fluidum dem bewegten Wagcbalkcn entge~cnsetze,
und daher die Bewegungen im luftverdiinnten Rauine leichter erfolgen kiinnten; allciii nicht zu gedcnkcn, dafs doch
auf allen Fall eine bewegende 'C'rsachc vorhanden seyn
muL, sobald eine ihr proportionalc Bewegung durch sic
erzeugt werden soll, darf nicht ubersehen werden, d n f s
bei einer durch dic bewegtc Luft selbst veranlafssten Eewegung von einctn Widerstande dcrselben so lanee dic
Hede e;ar niclit scyn kann, als die Bewcgung des Kiirpers langsamer geschielit als die der Luft selbst.
Zwei von mir gebrauchtc Apparatc von Glas, der
erste urspriinglich beobachtetc und ein spztcr fur die Luftverdunnug eingerichteter, desglcichcn der aus Tiipferthon
verfertigte, sind noch vorhanden, nnd verschiedcne Physiker haben seitdem die Erscheinung bci mir gesehcn, abcr
alle haben sie fur entschieden elektrisch crklgrt. Am
Vollstandigsten sind sie durch Capitain K a t e r beobaclitet, welcher ibncn bci seinem langeren Aufenthalte mehr
Zeit widmete, aIs durchreisende Freinde auf eine einzelne
Thatsacbe meistens verwenden k6nnen. Es wurde nie
eine hahere 'l'emperatur angewandt, als die durch den
genYherten menschlichen Kiirper oder insbesondere durch
die an den Apparat gelegte, zuweilen ihu kaum beriihrende Hand mitgetheilte. Capitain K a t e r fand noch ein'
sehr entscheidcndes Argument fur die Richtigkeit der von
mir gegebenen Erklgrung auf, namlich dafs stets nur die
Hollundermarkkugel, selbst aus eineln Ahstande yon 180
-
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Graden, von der erwgrmten Stelle des Glases angezogen
wird, und niemals das andere Ende des Wagebalkens,
welches zwar zufallig bei diesem Apparate etwas kiirzer
ist, bei allen anderen aber gleich Iang war, und in jedem Falle der strilmenden Luft durch das damn klebende
BJattgold mehr Flache darbietet als das kleine Kiigelchen.
Allerdings fiihren die Resultate dieser Beobachtung zu s&r
wichtigen Folgerungen, die man zwar aus anderen Griinden bereits abgeleitet hat, die aber friiher noch nicht
durch directe Versuche factisch dargethan waren. Es ist
daher sehr wiinschenswerth, daEs die Physiker sie wiederholen, wenn sie nicht ohnehin den Angaben der zahlreihen Beobachter Glauben beimessen, oder die von mir
gegebene ErkLrung in Zweifel ziehen; aber dann miissen
die Apparate nothwendig zweckmahig eingerichtet seyn,
urn falsche oder zweideutige Resultate zu vermeiden.,
Zur Vervollstendignng des Ganzen glaube ich iibrigens n m noch Folgendes hinzusetzen t u miissen: 1) Es
hat sicb allerdings bestatigt, dafs die von mir zu den
Versuchen gew8tiIten Kgrper, selbst auch das Glas, im
Zusfande mafsiger Feuchtigkeit leichter thermo - dektrisch
erregt werden als bei vollkommener 'l'rockenkeit.
Seitdem nlmlich die hiilzerne Bodenplatte des zuerst beobachteten Apparates aiisgctrocknet ist, zeigt sich die gl5serne Halbkugel desselben weniger empfindlich als vorher, selbst wenn damals ein feiner Dunst -Niederschlag
auf den inneren Wandungen derselben sichtbar war. Die
bereits fruher bemerkte Abnahme der Empfindlichkeit,
namentlich des glasernen Apparates, kann nach den bis
jetzt fortgesetzten Beobachtungen nicbt wohl einer anderen Ursache beigelegt werden. 2) Die Empfindlichkeit
eben dieses Apparates ist, abgesehen von dem ebep Erwahnten , zu, verschiedenen Zeiten bedeutend ungleich,
und insbesondere scheint er nach anhaltendem heiteren
Wetter unempfindlicher zu werden, was so weit geht,
dafs der Wagebalken durch. eine .seIbst einige Zeit un-
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unterbrochen fortgesetzte Beriihrung mit der jedoch nur
mafsig warmen und trocknen Hand kaum einige Grade
von der Richtung abweicht, in welcher man ihn trifft,
und meistens bald wieder zu derselben zuriickkehrt. Dicses war narnentlich der Fall, als der Hr. Staatsrath P f a f f
aus Kiel micli im October vorigen Jahres durch seinen
Besuch erfreute, so dafs ich diesem bei der Kiirze seines Aufenthaltes die Erscheinungen gar nicht vollstgndig
zeigen konute. Einige Monate fruher sah dagegen unter
Andern namentlich Hr. Dr. B u n s e n aus Giittingen, dafs
das Holiunderkugelchen der warmen Hand sehr bald nach
allen Seiten hin folgte, wenn man dieselbe aucli nur sehr
lrurze Zeit an die g1;iserne HaIbkugel Iegte. Uebrigens
mui's ich bemerkcn, dafs ich die Dauer solcher Beriihrungen nie bis zu einer einzigen Minute ausdehne, da ich
ohuehin gen ohnt bin, die Drehuog des Wagebalkens soglcich nach wenigen Secunden Leginnen zu sehcn. Wolltc
man das gniize PhYnomcn aus Luftstrihungen erklsren,
so wsre diese Ungleichlieit unbegreiflich, betraclitet man
dasselbe abcr als cin thermo-elelitrisrdes, so ist sie sehr
natiirlich , denn das EIollundcriiiarkkijgelclieii kann nicht
wohl durch die allezcit nur schwache elcktrische Erregung, welchc die warme Hand verursacht, insbesondere
wenn sie in eiuem griifseren Abstaude von demselbeii
das Glas beriihrt, abgelenkt werden, sobald sie durch
eine bereits thermo-elektrisch erregte Stelle auch nur
unmerklich angezogen wird, zu welcher sie daher nach
einigen Schwankungen wieder zuruckkehrt. Dieses stimmt
mit Folgendem genau iiberein. 3) Will man den W a gebalken nach entgegengesetzten Seiten. abwechselnd nach
der einen nnd dann nach der andern ablenken, so mufs
die Beriihrung mit dei Hand nur wenige Secunden dauern,
weil sonst die beriihrte Stelle zu sehr thermo- elektrisch
erregt wird, von welcher man nachher das Kugelchen
nicht wieder abzulenken vermag. Diese Regel verdient
vorziiglich beachtet zu werden, wenn man in kurzen Zeit-
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intervallen die wcchselnden Schwankungen des Wagebalkens zeigen will, aber auch diese Erscheinung beweiset
augenfdlig fur die Erregung der Eleklricitat und gegen
das Vorhandenseyn von 1,uftstrdmiingen.
Den Vorschlag, zu diesen Drehungsversuchen einen
hohlen metallenen Cylinder zu wiihlen, kbnnte ich ohne
bedeutende Schwierigkeit qusfiihren , und werde dieses
auch zur Vervollstiindigung des Ganzen gelegentlich thun,
bin aber im Voraus iiberzeugt, dafs auch die Metalle in
einem gewissen, und selbst vielleicht nicht ganz geringem
Grade thermo- elektrisch erregt werden, so dafs also die
aufgeworfenen Zweifel hierdurch nicl~t beseitigt werden
kdnnten. Die thermo- elektrische Erregung der Metalle
ist ohnehin bereits genugsam erwiesen, und dafs schwaclie Spuren der Elektricitat sich nicht sofort durch die
ganze Masse der Metalle verbreiten, geht sowohl aus diesen Versuchen im Allgemeinen, als insbesondere auch aus
den bekannten Beobachtungen von d e l a R i v e , E e r z e l i u s , P f a f f , W e t z l a r und Anderer hervor. W e n n
inan ubrigens alle die ingegebenen Griindc gehirrig wiirdigt , insbcsondere die von drei glaubhaften Beobachtern
eiustimmig bezeugte Thatsache, dals die Drehungen in einein bedeuteud luftvcrdunnten Raume sich gleichfalls unveriindert zeigen , wenn man die eigenthumliche Beschaffeubeit der Oscillationen, die man freilich gesehen haben
mufs, um sie unbedingt fur elektrisch zu erklaren, das
von mir beobachtete Anschlagen des €Iollundermarkkiigelchcns an die Wandung des Glases, endlich aber noch
den Utnstand berucksichtigt, dafs durcb Luftstrtjmungen
eneugte Schwankungen bei alleu Substanzen an Starke
einander gleich seyn miifsten, statt daCs die in Rede stehenden nach der Beschaffenheit der Kbrper so auffallcnd
verschieden sind, k u n wenn man die Summe aller iibereinstimmenden Beweise zusammennimrnt, so begreife ich
in der That nicht, wie noch irgend ein Zweifel iiber die
Richtigkeit der gegebenen Erklmmg obwalten kann.
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Die Reihe von Untersuchungen , woruber icli lhncn
die oben erwabnte kurze Nachricht mitzutheilen mir erlaubcn wollte, hat bei inir ein lebhafles Interesse erregt,
und ich mofs yoraussetzen, dafs dieses auch bei andcren
Physikcrn der Fall seyn wird. Das Ganze ist von etwas
griifscrern Umfange, und ich lnuk dalier eine erschiipfende
Barstellung bis auf eine gclegenere Zeit versparen, obgleich ich bereits im Besitze aller dazu gchiirigen Materialien bin.
Im verflossenen October besuchte mich Hr. S c h e i bl e r , Kaufinann aus Crefeld, uud erzlhlte, dafs er ein
Mittel aufgefunden habe, die zur Erzeiigung irgend eines
Tones erforderliche Anzahl von Schmingungen bis auf
0,l einer eiiizigen VibFation mit vollkointnener Genauigkeit aiifzufinden. Da ich bald gewahr wurde, dals er wit
den Schwingungen der Stiibe nach C l i l a d n i und dein
Gebrauche der Sirene von C a g n i a r d d e L a T o u r , die
man zu diesem liehuf anwendet, gcnau bekannt war, dicse
aber aus triftigen Griinden als unzulessig verwarf, so wurde
ich auf seine Beobachtungen aufmerksamer, und er hattc
die Gefiilligkeit, rnir sogleich eine zur Uebcrsicht des GanZen geniigende Reihe von Versuchen zu zeigen. Hiellei
war es mir hiichsl interessant, den W e g kcnnen zu lernen, auf welchem dieser sinnreiche und beharrliche Forscher d u d funfzehnjahrige Untersuchungen zu dem verlangten Resultate gekommen war. Bei demjenigen Versuche iibrigens, welchen wir gemeinschaftlich anstellten,
iind wobei das voii ihln etwas abgeanderte Malzel’sche
Metronom nach den Peiidelschwingungen ineiner astronomischen Uhr genau abgerichtet wurde, betrug der Beobachtungsfehler,. im Maximum genommen, nicht mehr als
0,13 Schwingungen. Durch folgende k u n e Andeutungen
hoffe ich das Wesentliche seiner Entdeckung und Verfahningsart , die ich in dieser Bestimmtheit und Ausdehnung fur neu hake, klar zu machen.
W e n u grolse Glockeu tiinen, so nimmt man neben
391
dem eigentlichen Tone eine wellenartige Fortscbreitung
des Schallcs wahr, deren Hebungen und Senkungen, oder,
wenn man lieber will, deren Wachsen bis zu einem Maxiinum und Abnehmen bis zum Minimum in gleichen Zeitintervallen auf einander folgen. Man nimmt diese Erscheinung beim Lauten jeder grofsen Thurmglocke wahr,
kann sie jedoch auch mit etwas grofsen, etwa 12 Zoll
im Durchmesser haltenden, diinnen Glasglocken nach Willkiihr hervorrufen, wenn man diese durch Anschlagen mit
dem Kniichel zum Tiinen bringt. Der um die Akustik
so hocliverdiente C h l a d n i scbeint inir dieses eigenthtimlicbe Phinomen, wovon er in seineni klassischen Werke,
9. 158, redet, nicht bestimmt und umfassend genug aufgefafst zu haben, \veil er dasselbe blocs im Allgemeinen
auf das Mikklingen cines tiefcrcn Tones zuruckfuhrt; ungleich bcstimmter ist dieses dagegen durcli den Kapellmeister S a r t i in Potersburg geschehen, welcher jedoch
die Sache nicht erschiipfend behnndelt bat. Hr. S c h e i b
1e r lernte die Angaben dieses seines Vorgangers erst sp%tcr kennen, naclidem er durch das Bestreben, eine ab-,
solute Reinheit der Stimmung eines Instrumentes zu erhalten, auf die Benutzung dieser wellenartigen Fortschreitungen, die S a r t i Stiifse (batternenis) genannt hat, gefiihrt war, und diese demnachst zur Bestilnmung der absoluten Menge von Schwingungen eines gegebenen Tones benutzte, die durch S a r t i nur im Allgeueinen angedeutet war, von den spateren Akustikern aber nicht
wciter zu diescm Zweclre gebraucht wurde *). Eben
-
*) Der gechrte Hr. Verfasser entschuldige die Bemerkung, d d s diese
Aeufserung Joch wohl xu allgemein sey. Prof. W e b e r bat in
seinem Aufsatm iiher die Compensation der Orgelpfeifen (Annals
Bd. XIV S.'399) sehr bestimmt a d den Nutzen der Scir&bunKen fiir die Zihlung der Schwingungen tringewicsen, und spHterhin (Annal. Bd. XX S. 177) dieselben auf eine sehr scharfsinnige W e i s e zur Bestimmung dar speciGschen W i r m e dcr Metalle angewandt. - D i e Art, wie Hr. S e h e i b I e r die Schwebungen oder Stiibe erklirt und i n seiner lithographirten Ankiin-
392
diese StilLe bemerkt man, wenn gleichzeitig zwei Tl)ne,
z. B. der Stimmgabelii, eisige Zeit anhaltend gchiirt werden, und ihre Zahl ist in gleichen ZeitrSumen um so grdfser, je verschiedener beide Tone sind. Hr. S c h e i b 1e r
erklsrt diese Stafse sehr einfach und natiirlich pus dem
Zusammentreffen der Schwingungen, die sich wie die Coincidenzen zweier Pendel allmiilig weitrr von einander entfernen und nach dem Maximum ihrer Eiitfernung einer
abermaligen Coincidenz wieder n9hern miissen, bis diese
dann wirklich erfolgt, und die Empfindung des wellenartigen Stokes giebt. Zu besserer Versinnlichung siiid
auf einem mir initgetheilten litliographirten Blatte die wellenartig fortschreiteuden Vibrationcn, und die hieraus nothwendig folgenden Coincidenzen, desgleichen die vom Mi.
nimum bis zum Maximum wachsenden Anschwellungcn als
Ursaclien der empfundcnen Stiifse graphisch dargrstellt,
und daneben ist folgcndes Beispiel als Erl:iuterung bei
gefiigt. Man nehine an, dafs zwci Tiine g:leichzritig gebiirt werden, dcren einer 120, der anderc 128 Schningungen in einer Seingesiinalsecande hat, so ist die Zahl
8 der gemcinschaftliche Theiler beider Z i ~ b l c ~wclcher,
~,
init 15 inultiplicirt, 120, und init iG inultiplicirt, 12s
giebt. W e n n also illre Vibrationen gleichzcitig beginncn,
so werdeu die des ersteren Tones zunebinend hinter denen des ersteren zuriickblciben, his die 15te des ersten
iind die 16te des letzteren sich im weitesten Abstaude
von einander befinden, nnd der wellrnartige Schall sein
Minimum, man darf sagen den tiefsten Punkt erreicht hat.
a
digung (die aueh mir vor langerer Zeit zugekommen ist) durch eine
Zeichnung versinnlicht, weicht, so weit ich sehen kann, von
der herkiimmlichen Theorie nicht ab, und ist folglich all den
Einwarfcn ausgesetzt, welehe H a l l s t r B m in seinem Aufsatz iiber
die Tartinischen Tiine (Annal. Bd. XXIV S. 438) so griindlich
entwickelt h a t , ohne indefs die Schwierigkeit zu heben, die dadurch in die Theorie der eben genannten Tiine eingefiihrt wird,
wie noeh neuerlieh Prof. W a b e r gezeigt Imt (Ann. Bd. XXVlII
s. 10).
P.
393
Von hier an werden sie sich einander wieder n%hern,bis
die 30ste des ersten und die 32ste des letzteren zusammenfalIcn, also die Welle den hachsten Punkt erreicht
hat, und das Ohr den Stofs wahrnimmt. Diese beiden
Tiine geben demnach acht Ueberglngc vom Maximum
zum Minimum und ungekehrt, folglich vier W’echsel des
Maximums, oder vier vollstandige Coincidenzen oder vier
Stiifse.
Bei gutcn Stimmgabeln, deren Stiel man zu grdfserer Bequemlichkeit und zur Erhaltung eines dauernd gleidmsfsigm Tones am vortheilhaftesten in ein festgeschrobelies Brett stecken mufs, kann das Ohr leicht die wechselnden Stiifse verfolgen, und nach einem gleichzeitig beobachteten Metronom zlhlen, dessen Schwingungen mit denen eines richtigen SecundenpendeIs verglichen, genau die
Zahl der Stirbe zweier TBne in einer Secunde angeben.
W c r nnr einige Uebung im Experiinentiren hat., wird
durch die Leichtigkeit dieser Versuche, und insbesondere
durch Sicherheit und Scb3rfe in der Bestiminung der Zeitintervalley worin die Stiifse auf einander folgen, wahrhaft
iiberrascht werden. Man iibersieht aber augenblicklich,
d a k aus der Zahl ‘dcr Stiifse, welclie verschiedene zu
je zwei niit einander verglichene T h e (deren Intervalle
durch das Gehiir bestiinmt werden, so dafs man unter
Voraussetzung vollkommencr Reinlieit has VerhSliniEs ilircr
Schwingungsmengen genau kcnnt) in. gleichen Zeitriiiimen
geben, die absolute Menge der Vibrationen, die zur Erzeugung eines jeden dieser Tone erforderlich sind, mit
einer Genauigkeit gefunden werde, die der Zeitbestimmung fur die Intervalle der Stafse proportional ist. Zur
Einheit der Zeit wahlt man a m besten die Minute, richtet das Metronoin so ein, dafs in mehreren Folgen eine
gewisse Menge von Stofsen zu einer Schwingung desselben gehijren, und vergleicht demnachst die Zahl seiner
Schwingungen mit denen eines richtigen Secundenpendels.
Schon aus diesen ailgemeinen Andeutungen gebt hervor,
394
dafs diese Methode zur Auffindung der Vibrationsmmgen .der untersuchten Tirne eine ausnehmeiide Genauigkeit gewahren musse. Uebrigens zeigt sich bald, dafs
auch ein geiibtes Ohr nicht im Stande sey iiber absoIute
Reinheit der Tirne. zu entscheiden, denn wenn man durcli
die Methode der Sttifse zwei anscheinend unison klingende Stimmgabeln yriift, so gewahrt men dennoch niclit
selten oder allezeit eine Verschiedenheit derselben, wie
namentlich aus einer spkiter mitzritheilenden Bestimmung
evident hervorgeht.
Dieser geometrische Theii der Aufgabc, zu desseii
L6sung Hr. S c h e i b l e r einc Art regula falsi angewmdt
bat, lafst sich in grirbter Einfachheit und zur bequeineii
Uebersicht des dabei so leicht erreichbaren hohen Grades von Genauigkeit vorstellbar machen, wenn man nur
beriicksiclitigt, dafs die im Bcispiele angenommene Zabl
von 128 Vibrationen, welcbe mit der eines anderen Tones von 120 Vibrationen 4 Stirfse in einer Secunde giebt,
mit 118 deren 5, mit 116 aber 6, mit 11$ schon 7 und
mit 112 sogar 8 Slofse in einer Secunde erzeugt. Hr.
S c h e i b l e r hat das Problem indcfs in seincm ganzen
Umfange erschirpfcnd untersucht, zu diesem Elide die
Schwingungen des Secundenpendels einer genauen, irn
ganzen Jahre weniger als drei Minutcn abweichenden
Uhr benutzt, und fur die Intervalle zwischen a und 5
nicht weniger als 52 vorziiglich rein und anhaltend tirnende Stiinmgabeln hergerichtet, die ihin die Versuche
nicht blofs oft zu wiedcrholen gestatten, sondern in deren Behandlung er auch eine unglaubliche Fertigkeit besitzt, so dafs er einem jeden Phjsiker oder Dilettanten
sofort die zur Begriindung des aufgefondenen Gesetzes
erforderlichen Erscheinungen mit Leichtigkeit zeigen kann.
Auf diese Weise hat er dann auch folgende Bestimmungen aufgefunden, deren vorlaufige Mittlieiliing nicht ohne
Interesse seyn diirfte. Um die Bestimmung der absoluten Zahl von Schwingungen, die zur Erzeugung der T6ne
395
erfordert werden, auf bestehende Stiminungen zuriickzufiihren, wobei man gegenwartig in der Regel die des Conservatoriums in Paris zu wahlen pflegt, verschaffte sich Hr.
S c h e i b 1 e r auf meinen Rath von dorther vier genau
gepriifte Stiiningabcln, so weit das Ohr piibter Kiinstler hieriiber zu bestimmen vermag, s5mmtlich fur das hierzu
einmal angcnommene Ider Orchester, und diese gaben
folgende Schwingungszablen:
80.1. Des Orchesters der Opera
85347
- 2. Desgleichen
867,47
- 3. Des Conservatoire, Concert
869,85
4. Oper. Ital.
SSl,iiO
Eine friiher ails Paris erhaltene
878,67
Die zur Reihe der Stimmgabeln gehifrige 578,67
Die vier Pariser Siimingabeln zeigen also einen Unterscbied von 28 Vibrationen in einer Secunde. TY’immt man
das arithmetische Mittel aus der hijchsten rintl tiersten die47 -881,4,
- so gel,iirt fiir
ser Stimmgabeln, nrmlich 833
A
2
H in mittlerer Stimniung die ZahI von Vibrationen =867,43,
so dafs die Gabel No. 2 des Orchesters der Opera geradc
diese mitilere Stimmung zwischen bciden hat. Es vei haIten sich aber die Sclirvingungsme~igeiides 5 zu deneri des
folgenden Tones
wie 4 : 7 ,wonach letzterer Ton
975,83 Schwingungen haben miifste. Der Unterschied beider, namlich 97533 -867,13 betragt aber 108,4Schwin-
-
-
+
108’* beinahe 4 geben, so betrlgt der
gungen, und da -28
Unterschied beider Stirnmungen nalie genau O,25 Ton,
welcher allerdings durch das blofse Gchirr wahrnehmbar
ist, und empfunden werden mu6.
Ganz anders verhllt
es sich aber rnit beiden zur Opma gchiirigqn Gabeln.
Diese haben namlich uur einen Unterschied von 14 Vibrationen; die mittlere ZahI der Schw iiigungen dieses Tones
ist ’860,47 und hiernach die des foigenden Tones 968,03,
so d a t der Unterschied beider fast 108 Vibrationen be-
*W6
trBgt, welche, durch 14 getheilt, nahe genan 8 giebt, und
also nur
des Ganzen betrsgt.
Bei sechs anderen Stimmgabeln aus Wien, worunter No. 5 vom Professor B l a h e t k a erhalten war, sind
die Vibrationen:
No. 1.
867,33
2.
872,67
878,30
3.
880,20
4.
Sf30,67
5.
9.
S89,7'4.
Die grofste Differenz bei diesen sechs Stiinmgabeln betrsgt also nur 22,4 Schwingungen, im Ganzen ist also
die Wiener Orchester-Stiwmung etwas hiilier und glcichfarmiger als die Pariser. Uebrigens geben auch Stimnigabeln des namlichen Tones zuwcilen das Phanomen der
Stake, wenn sie nicht binlSnglich unison gestimmt sind.
Nimmt man z. B. die beiden des Conservatoire von 869,h5
und SSl,40 Schwingungen , so ist der gemeinschaftliche
Thciler dieser beiden Zahlen =15, und sie warden also
7,5 Stiifse in eincr Scciinde oder 15 Stiifse in zwei Secunden geben.
Die oft wiedcrhohen Versuche mit verschicdcnen
Stimmgabeln haben beilSufig zu einer Beobacbtung gefuhrt, welche inir dcr Beachtung sehr wertli scheint, unter der mir nicht zwcifelhaften Voraussetzung, dafs die
Thatsache keinen gegrundeten Zweifeln unterliege. Sollen zwei Stimingabeln zur Ausmittlung der Zahl ilirer
Vibrationen rnit einander verglichen werden, so ist es
nothwendig , dafs ihre Temperaturen gleich seyen; denn
es versteht sich von selbst, dafs die VerZnderiingen der
Warme fur so feine Bestimmungen merkliche Unterschiede
der Scbwingungszahlen herbeifuhren. Herr S c h ei bl e r
wendet dalicr die grofste Vorsicht an, um seine Stimmgabeln bei gleicher Temperatur zu erhalten, sobald es
auf Versuche zur 'Ausmittlung der absoluten Mengen von
Schwin-
+
-
397
Schwingungen ankommt. W e n n man aber von zwei genau gepriifteil Stimmgabeln die eine durch Iangere Beriihrung mit der warmen Hand, durch das Einstecken in den
Aermel des Kockes oder auf sonstige Weise nur um wenige Grade erwarmt, so verandert sich die Zahl der Stofse,
zum Beweise, dafs die Mengen der Tibrationen nicht mehr
dieselben sind. Legt man beide zum Versuche benutzte
uud mit einander verglichene Stimmgabeln dann neben
einander, etwa auf einen Tisch, so verschwindet zwar
nach weniger als etwa 30 Minuten bis einer Stunde der
Unterschied ihrer Temperaturen fur gewiihnliche thermoskopische Messungen, der Unterschied ihrer Vibrationsmengen bleibt aber im verminderten Grade bis zum folgenden, ja mitunter selbst bis zum zweitfolgenden Tage
wahrnehmbar. Dieses Phiinomen lafst sich auf zweierlei
Art erklsren und mit anderweitig bekannten Gesetzen in
Uebereinstimlnung bringen. Zuerst darf angenommen werden, dafs die durch Warme verlnderte Lage der Elemente des Stahls erst nach Iangerer Zeit und allrnBlig zur
urspriinglichen zuruckkehrt, wonach diese Erscheiuung derjenigen ahnlich wlre, die man beim Glase der Thermometerkugeln wahrgenominen und zur Erklarung der Erhohung des Gefrierpunktes benutzt hat. Zweitens aber
folgt schon aus dein Newton'schen Cesetze, dafs die
Entweichung der letzten Antheile von Wsrme eiue bedeutend lange Zeit erfordert , die sich leicbt- bis auf mehr
als einen Tag erstrecken konnte, wenn die Menge der
noch vorhandenen Warme geringer ist, als daCs sie auf
gewahnliche Weise thermoskopisch wahrnehmbar seyn
sollte. Beide Principien fallen mit einander dem Wesen
nach zusammen, jedoch miifste wohl der zuerst genannte
Grund zur Erklarung des vorliegenden Ph;inomens ZUnachst in Ansprurh genommen werden.
H e i d e l b e r g , den 18. Man 1833.
G. W. Muncke.
Anna!. d.Physik. Bd. 1 0 5 . S ~
3.J. 1833. St.11.
27
N a c h s c h r i f t.
Die vorstebenden Beinerkungen batte ich niedergeschrieben , wurde aber an ihrer Absendung gehindert, 01s
ich schnell den Entschhfs fafste, einige Wochen der Osterferien in Paris zuzubringen, um die daselbst vorhandenen
reichen Schztze von alten und ncucn, in der Gescbichte
der Wissenschaft zu klassischein Ansehen gelangten, physikalischen Apparaten kennen ZLI lernen , und iuit dem
neuesten Zustande der Physik wo miiglicli noch genauer
bekaunt zu werden, als durch das Lesen der Zeitschriften geschehen kann. Dart hatte ich Gelegenheit einigen
Versuchen von B e c q u e r e l beizuwohnen , in denen er
kleine Staugen yon hartem, wenig Kali haltehein (;lase,
durch Erliitzung der in eiiier Campane eingesclilossenen
Luit bis nahe an den Siedepunkt, iiicht bloL elelitrisch,
sondern selbst polarisch maclite. Aus diesen hiichst interessanten Erscheinungen folgt also gleiclifdls die von
mir behauptete, und hier auE einem ganz andereii Wege
gefundene thermo-elektrische Eigenscliaft dcs Glases ganz
unwidersprechlich , und icli inufs dalicr n iederholen, dafs
Hr. L e n z , indem er dieses nicht findeli konnte, entweder lnit ungentigenden Iiistrumenten oder init nicht hinlangliclier Genauigkcit un tersuchte. Die in B e c q u e r e 1's
Versiichcn wohl ohne Ausnahme stattfiiidenden Drehongen der kleinen, an CoconFAden aufgehangenen, glasernen Wagebalken, die offenbar durch die Striiinungen der
erhitzten Luft erzeugt werden, unterscheiden sich iibrigens so sehr von der durcli inich beobachteten, daCs beide
gar nicht verweehselt werden kilnnen. Uei jenen Versuchen geschieiit die Umdrehung mehrmals und ungleich,
oft. bedeutend lange Zeit anhaltend, bald nach der einen,
bald nach der entgegeogesetzten Seite, bei den meinigen
wendet sich das Hollunderlnarkkiigelchen aus jeder seiner Lage auf dem kiirzesten Wege nach der erwarmten
Stelle hin, und steht daselbst sogleich unbeweglich still,
399
lafst sich auch eine geraume Zeit Iang durch Erwlrmung
einer andern Stelle von der ersteren nicht entfernen; blofs
bei starker Erwarmung und unter sonst giiustigen V m standen wendet es sich schnell nacli der erhitzten Stelle,
oscillirt mehrmals um dieselbc abwrchselnd und regellos
umkehrend, bald in verticaler, bald in horizontaler Richtung, und schlagt nicht selten gcgen die Wandung des
Glases, woran es dann meistens hlingen blcibt. W i e es
also nur miiglich seyn kiinnte solche Xewegungen von
Luftstriimungen abzuleiten, dieses wird inir, je iifter ich
dieselben beobachtc und je ISnger ich dariiber nachdcnkc,
stets unbegreiflicher.
Ueber das erwahnte aliustische Problem hstle icli
gern mit S a v a r t geredet, wdcher der Akustik mit so
glsnzendem Erfolge viele Zeit und Muhe gewidmet hat,
ailein es war mir nicht miiglich dieseii Gelchrten zu eiiier ihin gelegenen Zeit zu treffen. Dagegen habe ich
mich mit Hm. D u l o n g ausfiihrlich daruber unterhnltcn,
und verdanke seiner grundlichrn Gelelirsamkcit und zuvorkornmenden Frcundlichkeit nicht blofs in Beziehung
auf diesen Gegenstand, sondcrn zugleich auch in manchen andern Stucken vielfache Belehrung. Nainentlicli
zeigte er mir unter andern, wie man vrrmittelst einer
Meinen OrgeI und der Sirene die Zahl der Vibrationen
eines Tones allerdings mit grober Genauigkeit bestiinmen kbnne; allein wenn ich die durch Hrn. D u l o n g
und die durch Hrn. S c h e i b l e r , von beiden meisterhaft,
angestellten Versuche mit einander vergleiche, so kanii
ich doch nicht umhin, den Stimmgabeln einen bei weitem
iiberwiegenden Vorzug beizumessen, welcher vornehmlich
darauf beruht, d a t die durch die letzteren erzeugten Tiine
ungleich schzrfer sind, und bei weitem genaucr durch das
Gehiir- unterschieden werden kiinnen, als die der Orgelpfeifen. Wicbtiger aber war die Behauptung, dic der
gelehrte D u l o n g mit ‘viilliger Gewifsheit aussprach, dafs
S a u v e ur bereits die Stiifse nicht blofs gekannt, sondern
27
*
400
auch zur Bestimmung der Zahl von Vibrationen, die eirien gewissen Ton bilden, benutzt habe; bei dieser Behauptung blieb D u l o n g auch dann noch, als ich entgegncte, dafs C h l a d n i bei seiner sonstigen so g r o t e n
Vollstsndigkeit allerdings S a r t i, aber niclit S a u v e u r an
der Stelle nenne, wo er von den Stofsen handelt *).
Gleich nach meiner Riickkehr habe ich die Sache
genauer untersucht, und gefunden, dafs C h l a d n i allerdings in der franzosischen Ausgabe seiner Akustik, p. 253,
folgendes sagt : S a u v e u r a propose' de se seroir de ces
batternens pour trouaer Zes nombres absolus des oibralions, en comparant linteroalle des sons de deux iuyuuz
dorgue, avec Ziniervalle du iems, pi s'ecoule entre
deux badternens. S a r t i a fait des experiences sernbZabZes en preience de [AcademZe ImperiaZe de Petersbourg 1796.11 C h l a d n i hat also diese, in der deutschen Ausgabe fehlende Notiz vermuhlich erst in Paris
aufgefunden; es ist aber merkwiirdig, dafs cr ganz gegen
seine sonstige Gewohnhcit die Quclle, woraus er schiipfte,
nicht angiebt, auch zeigt sich deutlich aus der ganzen
Darstellung, dafs e r das eigentliche Phanornen , warum
es sich handelt, nicht genau kanntc, und mit der Erzeuguag eines tieferen Tones durch das Zusammenfallen der
Vibrationen zweier Iiohen Tone verwechselte. Hr. D ul o n g hatte uferner die Gute, mir die W k e zweier wenig verscliiedenen Orge€pfeifen zu zeigen, und diese hat
vermuthlich auch C h I a d n i gekannt ; allein sie gcben hlofs
ein widerliches Gerausch, ein Brummen, und stehen den
wellenartig wiederkehrenden, durch zwei Stimmgabela erzeugten, an Reinheit und Bestimmlhcit weit nach, sclbst
)J
*) Es ist in dtr That merhwiirdig, wie wenig diese Arbeit von
S a u v e u r gemu bekannt gewordsn ist. L . . E u l e r , welcher davon redet, giebt den Inhalt nicht genru an, und selbst 3er mnst
so fleirsige G e h l e r im Th. IV S. 377 seines Wcirterbuclies
seigt, dafs er die Abhandlung nicht selbst gclesen oder gerade
drs Wesentlichste derstlben iibersehen hat.
401
auch denen, die man beim Tonen einer diinnen und gro€sen Glasglocke wahrnimmt. Die Hauptsache blieb also
immer, dasjenige aufzusuchen, was S a u v e u r dariiber beigebracht hat, und die Griinde zu erforschen, warum diescs wahrend eines ganzen Jahrhunderts niclg geniigend
beachtet wurde.
Die Abhandlung voc S a u v e u r befindet sich in der
Hisfoire de Z'Acad. de Paris von 1700, p. 134 ff., in
der Form eines Berichtes, welcher der Academie abgcsfattet ist. Hieraus ergiebt sicb, dafs S a u v e u r das Phanomen bei einigen tieferen Tonen zweier, nur uin etwa
eincn halben Ton verschiedener Orgelpfeifen wahrgenommcn hat, vermuthlich gerade so wie Hr. D u l e n g mir
dasselbe zeigte, dafs t r die Ursache desselben erkannte,
und ricbtig daraus folgerte, man konne die Reinheit aweier
gleichen, aber nicht vbllig unisonen Tbne durch dicses
Mittel prufen. Nicht minder will er die StbCse (baftemens, wie er sie, obne Zweifel zuerst, nennt) dazu anweuden, um einen fixen Grundton von 100 Vibrationen
zu erhalten; auch giebt er an, dafs man vermitteIst der
Zahl der StiiGe und dem gegenseitigen Verhaltnifs dcr
Vibrafionsmcngen vcrschiedener Tiine die absolute Zwbl
ihrer Vibrationen bestimmen kiinne, geht aber dariu zu
weit, wenn e r annimmt, dafs die Consonanz iiberbaupt
auf der Vermeidung der Stbfse beruhe, dcren oftere Wiedcrkehr die IYrsachc der Dissonanz sey. Bei einer zugleich mitgetbeilten kurzen Bercchnung hat er cinen Fehler beganpen, welchen Hr. S c b e i b 1 e r durcb Cenutzuug
dcr jetzt bekannten besscren Hulfsmittel gliicklich zu vermeiden wufste, namlich die Annahme, dafs jedes Zusammentreffen zweier Vibrationen einen Slofs gebe, da dieser erst bei jedem zweiten Zusammentreffen erfolgt. Hiernach sol1 cine Orgelpfeife von ungefihr 5 FuL Ldnge in
einer Secuiide 100 Schwingungen haben, eine andere vou
40 Fufs aber achtmal weniger, aIso ltur 12,5, welches
dew tiefsten horharen Tone wgehore, und da die kur-
402
zeste Pfeife nur $
: 2011 Iang seyn dijrfe, so gebe diese
den hachsten wahrnehinbaren Ton init GI00 Vibrationen.
Eine nur ungefzhre Berechnung zeigt bald den hegangenen Fehler. 1st nYmlich die Geschnindigkeit des Scballes in einer Secuiide etwa 1025 Par. Fufs, so bat der
Ton einer fiinffiifsigen Orgelpfcife
ro25
=2O3
5-
Vibratio-
nen, statt deren S a u v e u r iiur die Hdfte fand.
Auf die der Academie gewordenen Mitlhcilungrn eriiannte dieselbe einigc Mitgliedcr, uin die Saclie zu prufen; allein S a u v e u r berichtete nacliher selbst, dafs es ihm
nicht gelungen sey, dic StoEse wiedcr zu erzeugen, weil
er die narnlichen Apparate nicht mehr gehabt habe, solche Experitnente nicht allezeit gelsngrn, und viele andere,
auch akustische, TJntersuchungen ihn gerade besch:iftigten.
Die Academie brpiigte sich daher, die weitere Vntersuchung zu vcrscliirben, und insbesonderc die Musiker dazu
aufzufordern ; aber vcrmutlilicli wurdc die Snche wegen
dieses Mifslingcns vergcssen und nacliher blofs beilsufig
crwii hn t.
Die Richtigkeit diesrr T’errnulliung geht dcutlich aus
der Art hervor, wie S a r t i im Jahr 1796 die Versuche
im Beiseyn der Acadernie zu Petersburg wiederholtc, und
aus seiner Angabe, dafs S a u v e u r im Anfange des Jahrhunderts die nsinlichen Erscheinungen der Pariser Academie zu zeigen vergebens versuclit habe *). S a r t i
kannte offenbar die Bemiihungen seines VorgSngers, denn
er gebrauchte zwei Orgelpfeifen von 5 Furs Liinge, ein
Monochord und ein Secundenpendel, und brachte heraus, dafs die tiefste jener Orgelpfeifen 100 Schwingungen in einer Secunde mache, welclies genau die durch
S a u v e u r gegebene Bestimhung ist. Iin h n f a n p e dieses
Jahrhunderts kam der Gegenstand aberrnals zur IJntersuchung, indem T h o m. Y o u n g ein Werlr des Dr. Sin i t 11
uber die Musik weitlaufig, dunkel und die Wissenschaft
*) Voigt’s Magazin, No. 1 S. 102.
403
11icht fiirdernd genannt hatte. Gegen dieses Urtheil erhob sich R o b i s o n , und Bemerkte, d a b namentlich die
Auffindung der Stiifse unvollkommener Consonanzen, welche S a [I v e u r gleichfalls beriicksichtigt habe, die glanzendste Entdeckung seit den Zeiten des G a l i l a e i sey.
T h o in. Y o 11 n g vertheidigte sich nachher Liergegen, und
zeigte, dafs er dem andermeitig SO hoch gepriesenen
W e r k e keineswegs allen W e r t h abgesproclien, sondern
blofs behauptet habe, es enthalte nichts Neues, was denn
eben daraus deutlich hervorgehe , dafs die vermeintlich
so grofse Entdeckung der S t i i t e scllon durch S a u v e u r
gemacht scy. IJebrigens zeigt er, dafs die durch Dr.
S in i t h vorgescblagene viillig rcine Stimmung cines FortePiano mit Benutzung der Stbfsc gar nicht durch alle Touarten durctizufiihrcn sey *).
Hr. S c h c i b 1 e r hat fiber diesen Gegenstand nichts
weiter gekannt, als was in der deutschen Akustik von
C h l a d n i steht, denn ich weirs, d a t er erst in Frankfurt dnsjenige kennen lernte, was S a r t i dariiber sagf,
nachdeiii er seine Untersuchungeii bcreits vollsriindig beendigt hntte, und es gebiilirt ihin daher das Verdienst,
durcli bcharrliche Forschuiig diescs ‘ Problem mit Benutzung der geringfiigigen, ihm dariiber bekannt gewordenen Xndcutun~enim p n z e n T’mfange erschiipft zu haben. 3 e u ist hierbei der Satz, dafs von den gleichzeiti$ zusaminentreffenden Schwingungen blofs die zweiten
Coincidenzen einen Stofs geben, was mit den Erscheinrinpen der positiven und negativen Lichtwellcn auf eine
merkwiirdige Wcise zusammentrifft; tloch wurde es zu
weit fuhren auf eine ausfiihrliche Erilrterung dieses Gcgenstaiides hier einzugehen.
H e i d e l b . , d. 7. Juni 1533.
G. W. M u n c k e .
*) T \I o m . Y o un g, Lectures on not. plrifos. Lond. 1807, T.If
p. 607. Phil. Trons. 1802,- p. 12. D i e in’s Einrelne gehenden
Pu’achweisungen iiber das Stimmen dar Instrumente naeh dieser
Melliode muL ieli lrier iibergehen; aueh kenne ieh das akuctisclie W e r k YOU Smith selbst niclrt.
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