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Bemerkungen ber einige meteorologische Gegenstnde.

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503
Stein stimmt ganz uberein mit dem des Utrechter Steins;
das Verhaltnifs zwischen dem Nickel und dem Eisen ist
ungefahr wie 1 : 6. Iler Grund, weshalb R a m n i e l s b e r g und Atidere diefs Verhiiltnifs wie 1 : 9 fanden, ist
dem Umstande zuzuschreiben , dafs sie das Eisenoxydul,
welches zu den beigemcngten Silicaten gehbrte, nicht abgezogen kaben.
Deinerken wir noch zuletzt, dafs in beiden durcb
uiis untersuchten Steinen das Verhliltnifs des Sauerstoffs
drr Basen zu dein der Kieselsaure gerade wie 3: 4 ist.
11. Benicrkungrn kber einige metcorologische Gegenstanrte; von F.
C. N e n r i c i .
1 ) Liiftstrfirnungen.
Bei
weitciii die wenigsten der atmosphischen Erscbeinongen sind nach sfaizkhen Principien zu erkliiren ; die
iiberwiegende Mehrzahl derselben wird nur verstandlich,
wenn wir uns vergegenwartigen, dafs die Luftmassen, deren Verhalten wir untersuchen , in einer fortstriimenden
Bewegung begriffen sind. Um sogleich ein sprechendes
Beispiel fIjr diese Behauptung anzufiihren, will ich nur
an die auffallende, bcsonders im Winter nicht ganz selten vorkommende Erscheinung erinnern , dafs kaltere
schwerere Luftmassen sich in der Hahe iiber leichteren
warmeren befinden. Wahrend mehrer Tage in der Mitte
des Februars 1636 z. 13. berrschte bei einem dauerndeo
Barometerstande von nalie Qm,76und einem sehr gleichfiirmig bewiilkten Himmel , durch welche Umstande das
Daseyn eines nilrdlichen Luftstromes in der Hshe unzweideutig. ausgesprochen war, an der Erdoberflache ein
siidlicher W i n d und vollstandiges Tbauwetter; und Aehnliches ist fast in jedem Winter zu beobachten. Es ist
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aber offenbar, dafs ein solches Verhalten nur bei in Bewegung befindlichen, nicmals bei ruhenden Luftmassen
stattfinden kann.
So kann denn auch nur die Bewegung die Ursache
seyn, welche eine aIIgemeine Ausgleichung des Druckes
unter den beiden grofsen LuftslrBmungen, welche das
Fundamentalph3nomen der atmospharischen Luftbewegung
darstellen, dem Polar- und Aequatorialstrome ), vethindert, da die Zeit, welche bei deur ungeheuren Utnfange derselben zur Ausgleichung der Verschiedenheit
des Druckes unter ihnen erforderlich seyn wiirde, so betr:iclitlich ist, dafs sie wahrend derselben mit der ihnen
eigenthumlichen Geschwindigkeit die griifsten Strecken zu
durclifliefsen vennilgen. W e n n die von den gluheiiden
Saiidtkichen Afrika's aufgcstiegenen Luftmassen in den gemll'sigten Erdstrichen wieder zur Erdoberfliiche niedersinken, so zeigen sie in ihrer Hauptmasse zum grofsen
Tlieil noch die ihncn dort eingeprsgten Eigenschaften,
nlmlich die hiihere WSrme und die betrachtliche Ausdehnung, welche letztere gain allein die Ursache der
ihnen eigenthumlichen niederen Barometerstlnde seyn
kann. Das entgegengesetzte Verbalten zeigcn aus gleichem Grunde die vom Pole abfliefsenden Luftmassen;
auch sie werden mit den ihnen eingeprzgten Eigenschaften fortbewegt, und erst im Laufe einer langen Reise,
in h6heren Breiten allmalig, in den Aequatorialgegenden
aber rascher, in andere Zustande ubergefiihrt.
Hieraus erklart sicb nun aucli sehr einfach die allgemein bestatigte Erfahrung, dafs auf der ganzen ndrdlichen Erdhalfte die sudwestliche Windesrichtung mehr
und weniger vorherrschend jst. Findet namlich, wie es
nicht anders seyn kann, zwischen dem Pole und dem
Aequator ein vollstandiger Austausch der Luftmassen statt,
so miissen die vom Aequator abtliefsenden warmeren Bus1 ) Eigentlich sollte icb Polar- und Aequatoria1sfro"mrn sagen; denn
ohne Zweifel siod ilirer auf jeder Evdbiilfte mehrs vorlianden.
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gedehnteren Luftmassen nothwendig einen griifseten Raum
ciuiiehmen , und , wenn ihneu dieser nicht hiureichend
dargeboten wird, zugleich mit griiterer Geschwiridigkeit
sich fortbewegen , als die vom Pole abfliekenden kalteren dichteren Lufiinassen I ) . Nun mussen, in Folge der
ungleichen G r b k e der Parallelkreise , die letzteren bei
ihrer Fortbewegurig zum Aequafor allinllig in grbkere
R;iume sich ausbrciten, also an Druck abnchmen, die
Aequatorialstrarne dagegen bei ilirem Fortrucken zum
Pole allmalig in engere RIume sich zusaminenziehen, also
a n Druck zunelimen. Daraus folgt, dais von zwei, in
der Richtung dieser Strbme liegenden Orten der niirdlichere sowohl im Polarstrome, als im Aequatorialstrome
einen hillieren Luftdruck als der sudlichere zeigen mufs,
wenn keiiie starenden Ursacheii abandernd einwirken.
Vergleicht mail in diescr Beziehung z. B. W i e n und St.
Petersburg, Carlsruhe uiid Stockholm '), SO findei sich
das Gesagte vollkommen bestgtigt.
W e n n gleich nun, bei der ungeheueren Ausdehnung
der in deli beiden groken Strbmungen fortbewegten Luftmassell eine allgemeine A4usgleichung des Drucks ( uud
mehr noch der W a r m e und Feuchtigkeit) wahrend ihrer
Fortbewegung unter ihnen nicht erfolgen kann, so mufs
doch eine theilweise Ausgleichung ihrer Zustlnde , namlicli an ihrer gegenseitigen Begranzung, in grofser Ausdehnung statttinden; und eben daraus entspringt, wie wir wissen, die grofse Mannigfaltigkeit der Ucbergaiigszustande in
Druck, Bewegung, W a r m e und Feuchtigkeit, welche die
meteorologischen Beobachtungsjournale uiis vor Augen
legen. In gleicher Weise, wie die groken Luftstrbme
gegenseitig auf einander wirken, wirkt auch die Erdoberflache auf beide bei ihrem Fortrucken allmalig abandernd
ein; der Polarstrom uimmt dadurch an . W a r m e allmaIig
1 ) Vergl. KHmtz, Vorlesungea uber Meteorologic, S. 3.48.
2 ) S. ebbcndrselbst die Tafel, S. 329.
606
zu, der Aequatorialstrom ab, der erstere (allgemein gesprochen) a n Trockenheit zu, der letztere ab.
W e n n die allgemeiiie Ausgleichung des Drucks unter deli beiden Hauptluftstromen nur durch deren ungeheuern Umfang verhindert wird, so ist klar, dafs Luftmassen von beschriinkterem Umfange, welche sich unter dem
EinfluCs der grofsen Strbmungen befinden, den Druck
der letzteren mehr und weniger aniielimen miissen, ohnc
dafs iibrigens cine grofse Aenderung ihrer Warme und
Feuchtigkeit , deren Fortpflanzung ohne Vergleich langsamer erfolgt, dainit verbunden zu seyn braucht. So
kann es deno, wie die zu Anfang angeliihrte Beobaclltung zeigt, geschelien, dals bei einem feuchten, wannen,
siidlichen W i n d e vorubergehend ein Barometerstand, wic
er eigentlich nilrdliclien Winden zukomint, stattfindet.
Zieht man zwei weit von einander abstehende senkrechte Durchschnitte eines und dcssclben Luftstromes in
Betrachtung, so ergiebt sich ails dem Vorigen sogleich,
1 ) dafs die Luftmassen an den verscliiedeiien Stellen eilies und desselben Durchschnittes sehr verschiedene Zustande baben miissen, indem die mittleren Stellen am
meisten ibren urspriinglichen (den am Pole oder Aequator zu einem Maximum gewordcnen) Zustand bewahrt
haben miissen, wiihreiid die der Begranzung naher liegenden durch den Einflurs der angrznzenden Luftstrbme
und der Erdoberfkiche mehr und weniger vertindert sein
wtrden; 2 ) dafs aber auch die correspondirenden Stellen in beiden Durchschuitten nicht mehr in ibren Zustanden viJllig iibereinstimmen kennen, und zwar a m wenigsten in der Gegend der Begrlnzung wegen der daselbst
iiberwiegend zunehmenden Einwirkung der Umgebung.
Es folgt hieraus, was auch die Vergleichung gleichzeitiger Barometerbeobachtungen an entfernten Orten gelehrt
hat, dafs nur mafsig von einander entfernte Orte zu correspondireudeu Barometerbeobachtungeii zuin Zweclie von
Hiihenbestimmuugen tauglich sind, und dafs sie dieses in
50i
jedem einzelnen Falle um so mehr siiid, je mehr die sie
veIbinrlende Liiiie mit der herrschenden MTindesrichtu~ig
iibereinstimmt.
Zu den auffallendsten Erscheinungen geben zuweiIcn , besonders im hohen Soinmer, partielle Luftmassen
von beschrankterem Umfange Veranlassung, welche, wie
Verirrte voii einer grdkeren Gemeiiischaft, mit abweicheiider Bewegungsrichtung in den herrschenden Luftstroin eindringen und darin fortziehen. Vorzugsweise
siiid es in siidwestlicher Richtnng ziehende lJuft~nassen,
welche so init iliren charakteristischen tief schwebenden
drinklen Haufenwolken in einer sonst mehr und weniger’
stillen Luft eine eigene abweichende Bahn vcrfolgen. Ich
habe an einein Nachmittage im Julius 1631 eine sehr anffallelide Erscheinung zu beobachten Gelegenlieit gehabt,
welche mir nur nach dieser Ansicht erklart werden zu
kiiiinen scheint. Ein lange anhaltender Zug solcher tie€
hsngender dunkler Haufenwolken kam von Stidwesten
iiber der benachbarten Hbhegegend gegen das eine halbe
Wegstunde von hier entfernte Dorf Lenglern herangezo.
geii, erreichte dasselbe aber nicht; denn iiber der, demselben zuoiichst liegenden (keineswegs bedeutenden) Habe,
welche eine westliche Abdachung zum Leinethal bildet,
hatte sich eine machtige gleichfiirmig graue und ausnehmend dichte Wolkenmasse gebildet, in welcher die ankoinmeuden Haufenwolken vdllig verschwanden, und aus
welcher eine ganz ungew6hnliciie Regenmasse herabtjel,
wkihrend sie an ihrer Ostseite gegen das Leinethal das
Anselien einer senkrechteu, zieinlich scharf abgeschnitteneii W a n d hatte. Die allgemeiiie Windesrichtung bei
iihrigens stiller Luft war westlich, und am folgenden
Tage war das Wetter ganz heiter. Als ich Nachmiltags
durch die Flur von Lenglern fuhr, fand ich die am Abhange der bezeichneteii Hdlie belegenen Felder durch den
vortagigen Regen sehr verwlistet.
2) R e l n t i v o F e u c h t i g k e i t d e r O s t w i n d e .
In den vortreffliclien Vorlesuiigen uber Meteorologie von K a m t z belinden sicli auf S. 124 etc. einige Angaben fiber die relative Luftfeuchligkeit bei verschiedelien Windeii, welclie eiiie vorwaltende relative Feuchtigkeit der n6rdlichen und ostlicheii Wiride im Winter
darzuthun scheinen, womit meine, seit einer llngeren
Reihe von Jaliren hier gemachten Erfahrungeo nicht ubereinstiinmen wollen. W a s ich in dieser Beziehuiig hier
beobachtet habe, ist Folgendes : In den meisten Fiilleii
treten die ilstlichen Winde, p a d c im Winter, mil grofser Kalte und villlig heiterem Hiininel plotzlich ein, und
man kann, je mehr dieses der Fall ist, desto mebr auf
eine liingere Dauer derselben schliefsen. Der meislens
vorher durchnlfste Boden erstarrt daiin sogleich bis in
melir und weniger bedeutende Tiefe, und bildet dadurcli
eine (fur die Landwege sehr nachtheilige) aufserst rauhe
Oberflache. Aber im Verlauf einiger Tage f h g t diese
starre Oberflkiche an auszutrocknen, und an Stellen, welclie von dem Winde gehorig bestrichen werden, fangen
sogar kleine Eisdecken an zu verschwinden. Liegt etwa
Schnee, so erfGhrt auch dieser eine mit jedem Tage sichtbar fortschreitende Verdunstung. Ich habe nicht selten
beobachtet, dafs bei Wochen lang anhaltend wehenden
astlichen Winden wahrend strenger Kalte eine mehniillige Schueedecke viillig verschwand, und der Boden bis
auf mehr als Zolles Tiefe zu Staub wurde. Allerdings
wird diesc auffallende Austrocknung dadurch bedeutend
unterstutzt, dafs die ausgetrocknete Oberflache aus der
erstarrten Tiefe kein Wasser, zum Ersatz des verdunsteten, anziehen kann, aber dessen ungeachtet erscheint
sie, bei Berucksichtigung der zur Zeit stattfindenden niedrigen Temperatur, sehr bedeutend, und setzt dalier unfehlbar eine betrachtliche relative Trockenheit der astlichen W i n + auch bei der strengsten Winterkalte voraus.
509
Gegen den plillzliclien Eintritt der ilstlichen W i d e
(des Polarstroms) coutrastirt in auffallender W e i s e d e r
sehr al1in;ilige Uebergaiig der Windesrichtung auf die
Weslseite, besonders menn jene anhaltend geweht haben ; niclit selten vergehen inchre Tage, bis derselbe vollendet ist. Aber angekiindigt wird dieser Uebergang regelmzfsig, auch bei anfangs noch vorhandenem heiteren
Hiininel, durch eine zunehrnende Feuchligkeit der Luft,
welche sich unzweideutig drirch eiiie vorher nicht beinerklich gewesene reichliche niichtliclic nildung von Reif,
d e r dann nicht selten den nodcn und die Dacher der
Gebaudc ganz iiberdeckt, zu erkennen giebt. Wfihrt bei
Iierrschend gewordenem westlichen W-indc die Frostkllte
fort, so setzt sich wohl nach und nach an geeigneten
(besonclers schattigeii) Stellen eine solche Mznge von
Heif a b , dafs sie das Atisellen beschneiter Gegenstiinde
bekoinmen, voti welchem Allen bei herrschenden ijstlichen W i n d e n nichfs wahrzurichmen ist.
I n der That, wenn wir die beiden Hauptluftstriimungen in Bezieliung auf iliren Ursprung betrachten, so
scheint den ilsllichen W i n d e n ( dein Polnrstrome) eine
grilfsere relative Trockenheit auch im W i n t e r nolhwendig eigen sepn zu inussen. D e r Aequatorialstrom, welcher sich auf seinem W e g e ZII uris bereits merklich abgekuhlt hat, kommt, zumal im Winter, fast mit W a s s e r
geslttigt und sogar oft iiberslttigt in unseren Breiten a n ;
und so sind denn auch, hier wenigstens, Wintertage mit
siidwestlichen W i n d e n ohne Regen oder nebliclite Feuchtigkeit sehr selten. Der Polarstrom dagegen ist in der
Polargegcnd des grijfsten Theils seiocs Wassergehalts beraribt worden, und niufs daher, indem er sich auf seinem W e g e zu uiis allmiilig erwarmt, nothwendig an Trokkeuheit zunehmen.
Allerdings kannen die er6rterten Verhaltnisse durch
mancberlei Umstlride modificirt und sogar verdunkelt wcrden. W e n n z. B. die iistlichen W i d e nur voriiberge-
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hend , wahrend ciner regelmihfsigeren Aufeinanderfolge
der W i n d e im Siniie des Z)reliungsgesetzes N.0. S. eintreten, so kiSnneii ihre charakteristischen Eigenschaften
orfenbar nicht vollsllndig zur Erscheinui~gkommen. Auch
wirken auf den hygrometrischen Zustand der L u f t (vie1
mebr als auf die iibrigen ineleorologischen Elemente) 6rtliche Verhjlltnisse wesentlich abandernd ein. So knnn
ohne Zweifel schon die Nahe gr8fserer Wasserfl:ichcn
durch die hiiiifige Nebelbildung, wozu sie gernrle im W i n ter die Veranlassung geben, einen betrlclrlliclien Eiutluls
auf die Beobaclitungen des Hygrometers ausiiben. Sclbst
die Nahe grfifserer O r t e kann merklich darauf eiiirvirken,
und es diirften daher fiir €Iygrometerbeobacl~tungcnisolirte und in mlfsiger Hijlie fiber dem Boden befintlliche
Standpunkte am besten geeignet seyn.
Endlich scheint
mir, dafs man, urn den charakteristischcn Unterschied der
verschiedenen W i n d e in Beziehung aiif ibreii relativeii
Feuchtigkeitszustand vor hugen z u legen, solche Beobachtungen zur Vergleichung auswiiblen musse, welclie zu
den Tageszeiten der griSfsten Trockenheit gemacht Ypordeli sind ; man erlangt dadurcli, geoinetrisch gesprochcn,
einen unmittclbaren Uebcrblick der Scheitelpuuktc dcrjenigen Curven, welclie den Gang der relativen Feuchtigkeit d e r verschiedenen Wiiide fur beliebig zu wiihlende
Zeitrlume (Jahreszeiten, Monate oder T a g e ) darstelleu.
Auch die Menge dcs iilchtlichen Thaunicderschlags wiirde
ein brauchbares Maafs fur die relative Feuchtigkei t der
W i n d e gewahreii konnen, wenn sie nicht so abhzngig
von zufalligen Urnstkinden ( der Himmelsansiclit und der
St8rke der Luftbewegung) ware.
W e n n ich vorbin gesagt linbe, dafs bei ilstlichen W i n den keine bemerkliche Bildung von Reif slattfiiide, so
habe ich damit jedoch nicht sagen wollen, d a k die iiachtliche Tbaiibildung bci diesen W i u d e n iui W i n t e r ganz
fehle; sic komrnt in der That iu geriugerein Grade auch
bei der strengsten KZlte noch vor. Jedem, der reine
511
Schneefliichen a n geeigneten Plltzen (2. B. in G l r f e n )
z u beobachten veranlafst gewesen ist, mufs die hiiutige
Bildung von Reif auf deren Oberflaclie in Zeiten strenger Iieiterer Kslte aufgcfallen seyn. Urn diesen Vorgang
besser vor Augen zu bekoinmen, legte ich in den durch
Iiefrige Ostwindskiilte ausgezeichneten Weihnachtslagen
des Jahres 18-10 eiries Abends eiuige Siiicke gespaltenen
Buchenholzes an eine geschiilzle Stelle iin Freien. Als
ich dieselben an einem dcr folgendcii Tage untersuchte,
fand ich sie mit reilienweise iiacli dcr Lage der Holzfasern geordneten, aiifgericlitefen, seiir diinuen Eisbliittcheu,
von etwa cinem lialben Quadrntzoll OberHiiche die griifsten, in mafsiger Zahl besetzt. Also. aucli bci solcher Kiilte
erfolgt noch Thaubildung, nur freilicli mit uninittelbareiii
Uebergang des atuiosphiirischen Wassers ails dem gasfiirmigeii in den starren Zustand.
Eine auffallende Erscheinung ist inir von jelier die
sonderbarc Verwandlung gewesen , welche der Schnee
bei anhaltender KYlle io seinern Aggregatzristande erhhrt,
indein e r , ohne irgend eine voriibergehende Einwirkung
einer hiiheren Temperatur, zunehmeiid grobkbrniger wird,
D e r Eiiiwirkung der Sonnenstrahlen kann diese Verwandlung .nicht zugeschriebei: werdeii, da sie auch an schattigen Orten erfolgt.
3) A b e n d r o t h u n d M o r g e n r o t h .
V o r einiger Zeit hat F o r b e s die Beobachtung gemacht, d a b der aus einein Dainpfkessel ausfahrende Dampfstrahl in einer gewissen Hiihe einem Beobachter, bei hinreichender Beleuchtung von der Riickseite, in der Farbe
des Abendroths erscheirit , uiid hieraus die Erscheinung
des Abeudroths selbst, unter Zugrundlegung der Ansichten d e M a i s t r e ’ s , hergeleitet I ) . Zu diesem Zwecke
nimmt F o r b e s fiir das atmospbarische W a s s e r , aufser
d e r Gasform und der Blaschenform, noch einen dritten
1) Diese Annrlen, Ergzbd., S. 49.
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intermediiiren Zustand a n , ohne sich jedoch dariiber z o
erklaren, wie derselhe beschaffen sey. Es hat mir geschienen , dafs die hiinabinc cines neuen hypothetischen
Zustandes des Wassers zur Erklaruiig der Farbung des
Abendhiinmels nicht erforderlich sey, da ahnliche Farbenerscheinungen auch durcli Substanzen, welche der Atmospbire an sich viillig fremd sind, veranlafst werden,
und hieraus nuf den Vertheilungszustand des Wassers in
der Luft zur Zcit der Abendrbthe geschlosseu werilen
kann. Eine solche Substanz ist der Rauch von verbrennenden Vegetabilien.
Leider sind die Soininertage im
nbrdlichen Deutschland nur zu oft durch eine Aiifullung
der Luft mit jenen weitziehenden Rauchinassen bezcichnet, welche BUS dem Abbrennen grofser M o o r - und I-laidcfl:ichen in den norddeutschen Haidgegenden entspririgen.
Diese Rauclimassen veranlassen aber ganz ahnliche Fnrbenerscheinungen, wie der reinere Abendhimmel fur sic11* ).
Alle durchgehendeu Lichter erscheinen dabei in inelir oder
weniger rbthlicher Fiirbnng, und an Orten, welche dern
Moorbrennen nahe sind, erscheint die Abeiidsonne zuweilen fast blutroth. Das von diesen Rauchmasscn reflectirte Licht ist dagegen ein blaulichgraucs, was ma11
am besten beobachteu kann, wenn nian die Rauchinassen bei heiterem Himmel von Ferne herankomneii sieht,
wie man z. B. in Westphalen nicht selten solche Rauchwolken iiber nahe Anhbhen sich herabwalzen und in kurzer Zeit sich selbst von denselben eingehiillt sieht. So
wie nun das durcbgelassene Licht des Abendhimmels mit
dem dieser Rauchmassen, so stimmt aucb &IS reflectirte
Licht beider iiberein. An Abenden, welche das Abendroth zeigen, findet sich nsinlich der iistliche Himmel stets
in derselben charakteristisch bliiulichgrauen Farbung, wclche
1) Im Kleinen zeigen
schon die an kalten Wiatermorgen zur Zeit des
Sonnenaurgangs bei sliller Lufc aus Scliornsteinen ssnkrecbt aufsteisenden Raucldiulen dieselbe Erscbcinudg.
513
che der Rauch bei auffallendem Lichte annimmt, und diese
FIrbung ist an manchen Sommerabenden so intensiv, dafs
man sie bei einer fliichtigen Beobachtuug von Wolken
henuleiteu versucht seyn kbnnte. Die specifische Wirkung des Rarichs auf das Licht berriht aber, so vie1 wir
wissen, nur auf der aufserst feinen, dem blofseu Auge
nicht erkennbaren Vertheilung, worin die Kohle sich im
Rauche befindet. Eine solche hbchst feine Vertheilung
in durchsichtigen Mitteln ertheilt den verschiedensten Kbrpern die Eigenschaft, in iihnlicher Weise wie der Rauch
auf das Licht zu wirken, so z. B. der Knochenasche im
Milchglase. Das Abendroth ist demnach, wie mir scheint,
auf die ungezwiingenste Weise ails einer entsprechenden
bbchst feinen Vertheilung des Wassers in der htmosphare
zii erkliiren.
Ueber die Entstehung dieses Vertheilungszustandes
diirfte Folgendes zu sagen seyn. Es ist bekannt, dafs
an ruhigeii hbenden die Wolken sicb allmalig verkleineru und zuletzt oft ganz verschwinden. Dieses setzt
eine Verdunstung der Dampfbltischen ) voraus. Beim
1) Die DampfblBschen
(man s o h rie cipentlicti W~sscrblBscliennennen) nehme ich lrier als wirklicti existirend an. Man hat bekanntlich an ihrer Eristenz vielfach getwcifclt, weil man ihre Entstehung
fiir unwalrrscheinlich hielt. Abcr es sclieint die Scbalenbildung niit
liohlcn RBumen ein sehr allgemeiner Vorgang in der Natur zu seyn.
W i r finden sic unter andern Bufserst hiillfig bci der Ausscheidiing
fester KBrper PUY ilrren Liisungen, z. B. bei der Ausscheidung des
kohlensaurcn Kalks BUS kotilensauren Wasserii. Die Beobachtungen
von L i n k (dielre Ann., Bil. 46, S. 256) sind hier als selir beseichnend anzuliiliren. Die sclialcnf6rtuigcn Concentrationen fester Korper
sind oft von sehr unregelmZsiger zusarnrnengehiufier Bildung; be;
fliissigen Concentrationen ist natiirlicherweisc nor die Kugelbrm m8gDie Elauptschwierigkeit fiir die Bildung so zarter Wasrerhiillicli.
len, wie die BIBschen sie besitzeu miissen, scheint mir in der geringen Z6higkeit (Coliision) des Wassers zu liegen, und ich halte ans
diesem Grunde Zweifel a n der Erisienz der Bllschen allerdiogs f i r
zulissig. Diese Frage beriihrt ibrigens rneine Ansichten i n der Hauptsache nicht. - ReilSnGg rrlaube ich mir noch LU bemerken, dals ich
Poggendorff's Annal. Bd. LXVI.
33
514
Forlsclireiten derselbeii wird also eiii Zeitpuiikt eiutreten, w o sie plafzen, und dadurch in lufserst feine unsichtbare Trirpfclicn verwandelt werden ; und dieses scheint
mir dcr fragliche Zustaiid dcs atinospharischcn Wassers
zu scyn. Solchc Trilpfcheo werden also auch in den
heiteren Thcilen des Abcndbimmels vorhanden scyn und
dessen Durchsichtigkeit oermindern, wie dieses it1 der
That untcr den fraglichen Umstiinden iinincr xu beobachleii ist, am nugenf~lligsten am iisllichcn Abendliimmel,
w o z. S. das Licht des aufgelicndcn Moodes durch dic
vorhandcne ‘I‘ruhung inerklicli geschwiicht und aucli gerilthet rrscheint. F u r die Entstchung der Flitbung am
wolkcnlosen Abendhimmel lafst sich wohl init ( h i n d annchinen, dafs aucli dic wolkeiifreicll Thcile der Atmosphiire L)ninpfbl%chcn in lnelir odcr inindcr grofser Meiige,
wenn auch niclit in der zur Wolkcnbildung erfordcrlichen Concentration, cnthalten. D e r wolkenlosc AbcndIiiminel zeigt denn arich, dainit iibcrcinstimmend, nie dic
intensive Farbung wie die zartcil iin Vergelien begriffelien Wolkenstrcifcn.
Aukxrdenn kanu cs wohl nicht zweifelhaft scyii, dnls
das atmosplibrisclic Wassergns bei seiner Condensatiori
in den verschictlcnstcn Formcn Iropfbar wetde. Es ist gar
keiii plausibler Gruud vorhantlcn aiizunehmen , dafs bei
der Coiidensatioil iiur die Bkischenlorm entstehe ; vielmehr mufs man glaiibeu, dal’s dabei nicht nur Blaschen
von sehr verschiedencr Grdfse, sondern auch Tr6pfchen
von hirchst verschiedener Grilfse und darunter also auch
die in der angcfZhrten Abl~anrllung enthalmwn lrypothetischen Ansichten nicht clicile, m c h die Meinung nicht, dars die darin beschriebenen Erscheinungen aut eine kugelfijrmige Gestalt der Kijrpcratome
schliefsen lassen, vielmehr glaube, d.& man allgemein fiir die einfaclien KBrpcr eine -ellipsoidisclie Atoruenform annclimen rniisse, da sich
nur aus einer solchen die verschiedenrn ellotropisrhen Zustinde derselben herleiten lassen werdon. Diese gehen, soviel wir wissen, nicht
“bcr dns Dreibche liinaus, welchem Sursersten Falls Ellipsoide ruir
drei ungleichen Axen cntsprechen wiirden.
515
Trapfchen voii solcher Kleiiilieit entsteheii, wie sie zu
der in Rede stehcnden Einwirkniig auf das Licht geeignet sind. So tinden sich auch iu den Niederschlagen
kalkhaltigcr Wasser nicht blofs schalenfikmige Coacentrationen, sonderii auch ausgebildete kleine Krystalle.
Ohne Zweifel ist eiue selir allinkilige Abkiihluug der Luft
bei grofser Ruhe der Entstehung von zarteu Trapfchen
besonders giinstig, wogegen bei rascherer Coildensation
(z. B. bei der Vermischung heterogener Luftmassen) mehr
die Blrscherifonn erscheinen w i d , aiialog deli Vorglngen bei der Ausscheidung slarrer Ki)rper aus ihren Lasangen.
Auch die WoIkeu, welche uns iiur durch die Dampfblaschen sichtbar werden , miisseii hicrnach condensirtes
Wasser in Tropfenform enthalten, und aufserdetn werdeli die Wi)lkcheo des Abendhiinmels von einer mehr
oder weniger dichten Hiille von IUS der Verdunstung
der Blasclien entstandciien Triipfchen umgebeu seyn.
W a s das Morgenroth betrifft, so ist zu bemerken,
dafs dasselbe niemals die intensive Fjirbung des Abendroths erlangt. Es ist aber, wie mir scheint, nicht zweifelbaft, dafs derjenige Zustand der Atmosphare, welcher
die Entstehuiig .des Abendroths bedingt, nicht blofs zur
Zeit des Sounenuntergangs,' soodern haufig auch nachher
und wahrend der Nacht sich bilde, also nicht .erst gegen den Sonnenaufgang sich zu bilden braucht, sondern
alsdaiin bereits gebildet vorhanden seyn wird. Uebrigens kann in der Tbat die Atmosyhare zu den verschiedensten Tageszeiten i n eioem Zustande scyii, welcher
die Entstehung der feinsten zartesten Triipfchen im Processe der Condensation zulal'st, und dieser Zustand wird
eben der segu, wo eine Ausscheidung von Wasser ohne
Wolkenbildung bei ruhiger Luft , iii Folge einer langsamen geringeii allgemeiuen hbkiihlung derselben, statttindet. In diesem Falle, welcher namentlich im Winter
nicht selten und aucli gewifs zriweilen in der Morgen33 *
516
zeit vorhandeii ist , niinmt die Luft cine allgcnieiiie Triibung a n , ohnc dars Wolkeii oder Ncbel ') entstehen;
dafs aber dieser Zustaiid der Luft der Ersclieinung clcs
Abendrotlis guiistig s e y , habc ich noch vor Kurzein bci
ziemlich lioclistehender Sonnc wahrgcnornmen, indem iilimlich das voil ain Horizontc stclienden Wolkeii reflectirte
Sonncnlicht in tief gelber Flrbniig, das unmittelbar durchgelasseiie dagegcn weiklich erschicn.
I)ic iiii Vorigcn vcrsucl~teErkliirung stelit im Einklangc dnmit, t l a k iiiir die in dcr N d l e dcr Erdoberfliiclie
vorbeigelieiidcn Soiincnstrableii die Firbung dcs Aberitlroths erlangen; deiin i n der That kiiiinen dic von inir
in Anspruch gcnommencn Yroccssc in dcr Ahosphrire
ziiridchst nur in eiiiigcr Niilic der Erdoberfljirhc stnl~liiiden. So kanii z. I3. das Vcrscliwindeii dcr W o l k e n aiii
- A b e d crst daiiii eiiitreten, w c n n bci sitikcndcr Sonnc
die Erwlrmung uncl Verduiistung clcr Erdc, wclclie 11111gekelirt ziir Bildung von W o l k e n Vcranlassnng gebeo,
aufhiiren. J c liiiigcr d a m der Weg der SonriciistraliIen
in deu wirksameii Schichteii der AtinosphPre ist, je 11%her sie aIso an cler Erdoberfliiclie vorbeigehen, dcsto intensiver miik die W i r k u n g ausfallcn.
Mit den1 Abendroth und Morgcnroth, als priinlircu
Erscheiniingen direct durchgclassenen Lichtes, hiingt sichtlich als durcli sie bedingt die schijnc, uichr und weniger intensive, voiii Rosenrotheii his i d s Tiefpurpurrotlic
gehende Farbung zusainmen, welche man so oft Abends
und Morgens an zcrtheiltein Gewiilk wahrnimmt. Sic
zeigt sich vorzugsweisc an den lockeren Abrnderuiigen
der Schichtwolke, am herrlichsten an dcin sogenanutcn
1 ) Kann eigentliclrer Ncbel,
wic der T h a u , durclr b l o k Abkiilllung
eiaer ruhigen Luft entstehrn? ich glatile es niclrt, bin vielmeltr der
Meinung, daL derselbe sicti nur d a m bilile, wcnu in gersttigte Loftschiehten Wasserdirnpre aus Warsern oder eincrn durchntifstrti Boden aufsteigen, was immer eine die dcr Lufischiehicn iibersccigende
Temperatur dar letztercn v ~ r m ~ s c t z t .
517
L$niinergcwblk (cirro-sfralus), geht oft bis zuin ilstliclieii (und resp. westlichen) Hiininel hinab, und erscbeint,
was entscbeidend fur ihre Entstehung ist, stets a n der
deiu hbendrotli (oder Morgenroth) zut;ekehrten Seite des
Gewiilks.
Auch gelit ihr ain Abeurlliimtnel imlner eine
gewiihnlicke weifslichc Beleuchtung voraus, welche erst
nach dent Sonnenuntergange die bezeichiiete Farbung ahiiiinint; Morgens ist der Verlaiif ein uingekehrter. Es
k a n n iiiclit zweifelliaft seyn, dafs diese Erscheinung aus
der Kellc\ion des Abend- uiid Morgcnrotlis voii den bezeichnetcn Wolken iiiid tlein Hinzutrcten clirecten Himiiiclslichts zii dcin reflectirten, woraus die Eiiiiiiischung
blauer Stralileri entspringt, Iiervorgeltt. Diese seciindire
Erscli ei ii ung iibcr t rilft a n w undcrvol Icr Scliiin lici t zuweilen die prilniire, erlangt aiich, wie die Ictztcre, ain Abend
dic iiilensivstc Entwicklung. Erst gaiiz kiirzlicli hnbe
icli sic in besoiitlercr Scliiiiilicit zu beobacliten Gelegcnlicit gchnht. CJcgen den Untergnng dcr Soniie befanden
sich zwei Wolkcnschicittcit :tin Hitninel. Die ohcre bestand aus sehr gclocli~rtciiiGcrviill, , weichcs deli Himlncl zicinlicli iibcrzogcn Iialte. Untcr diescin schwcbten
nni westlichcn Hiriiinel Iiin untl wicdcr sehr SCIIUI~IC,
abcr
dichtcrc Wolkenstreifen. Sobald die Soiiiie sicb tiefcr
senkte, nabmen dime lctztkreii einc tiefgelbe Farbung
a n , wAircnd das obere Gewolk noch meifslich bcleuchtet war. Jcncs Gelb ging dann alllnalig in rothe F a r ben und zulctzt in das schonste Purpur uber; in diesem
Augenblick- ergliinzte das oberc G e w d k in rosigein Licht.
Wlihrcnd dieses nun scinerseits in eine znrte Piirpurfarbe
iiberging, welcbe jcdoch wegen der griifscren Lockerheit
des Gewiilks wenigcr iuteiisiv als bei den dichteren Wolkeostreifea w a r , traten diese letzteren in den Erdscbatt a t , inid hatten iii dem Augenblicke der stiirkstcn Rothe
des oberen Gewiilks alle Bcleuchtuug verloren.
Icli glaube noch bemerken zu miissen, dafs die Vermehrung d e r rothcn Strahlen in dem reflectirten Abend-
53 s
uud Morgenrotli uur eine Folge des bedeuteiid verl#ngerten Weges dcr Lichtstrnhlen in der Atmosphare sepn
kann, wodiirch nothwendig die rotlicn Strahleii ein vergr8fsertes Uebergewicht erlangen miissen.
D a die Erscheinung des hbendroths durch das atmospharische W a s s e r bedingt wird, so folgt, dafs sie bei
grofser relativer Trockeiiheit cler Luft nicht bedeutcnd
seyn kiinnc. Domit stiminen Reohnchtungen, die icli im
August 1837 iii Mailand 211 inaclien Gclegenheit hatte,
iibereiii. Ich linbe n h l i c l i daselbst deli Abendliimmel
zwar uichrmals in ausgczcichncter Iteleuchtuiig geschen,
aber dime war nicht eincr Rotliglulit, soriderii vielmehr
einer lielleri WtGlsgluht 20 vcrgleiclicii , uiid icli bin geiieigt, sift im Wcsentlichcn von einer uiiendlicheo Mcnge
in der Luft scliwebeiitler Shubtheilchcii ( die W i r i n e uiid
Trockeiilieit war zu der Zcit aiilserordentlicli g r o k ) herzuleiteii, was dndurcli bestlitigt zu werden schcint, dal's
spiiter iiach Sonnenuntergang die iiitensivstc Bleue und
Durchsichtigkeit dcr Luft bis zum Horizont Iiinabrcichte,
ohnc eiuc S p u r von jencr Triibung, welche in uiiserem
Vaterlande fast iiie fehlt.
[Jeber diesc Triibung erlaubc icli inir noch eiiie Beurerkung. Ich habe oben gesagt, dnfs der Ostliche Abendhimmel zur Zeit des Aberidroths blaulicligraues Liclit reflectire: Diese Reflexion erfolgt bekaniitlicli nur von deui
bereits iin Erdscbattcn befindlichen Tbeile des iistlichen
Himniels , wiibreiid a n dessen Gr3nze der Dammerungsschein sich zeigt, tler nichts anderes als reflectirtes Abendroth ist. Jenes blhliclie Grau karin daher nur aus der
Reflexion des schwachen blaulichweifsen Himmelslichts
entspringen, rind die fragliclie Trubung Inuk daher, weiiigstens von intensiverem Lichte. auch andere als die
blsulichgrauen Strahlen reflectiren kihinen, was darauf
hindeutet, dafs in derselben das atmospharische W a s s e r
nicht blofs in der die Erscheinuiig des Abendroths hedingenden Vertheilung vorharidcn ist. Der Dammernngs-
scheiii nimiiit bekaiiutlicli init der Hiilie au IntensitLt rasch
ab, uiid erstreckt sicli uberhaupt nicht iiber eine gewisse
Hiihe; dieses ist iu Uebereinslimmui~g clamit, dafs vorzugsweise nur in den der Erdoberflache nlliercii Luftschichten das atmospliarische Wasscr den in Kede stehendea Vertheilungszustand annimmt.
Es ist inir oft aufgefallen, dafs uur iin Sommer, nicht
iui W i n t e r , aiif die Morgenriithe Wasseriiiederschlage zu
folgen pflegen. Diescs Verbalten wird sich daraus erklsren lassen, d a k im W i n t e r die Morgenriithe nur bei
eiueiii gewissen Grade voii Mcitcrkeit rind Kiiite, wo die
Verdunstung schwach ist , zu erscheiuen pflegt , wogegen
maii sie iiii Soiniiier nur bei selir feuclitein Luftzustande
wahrniniint. Meiueii Ansicliten zufolge kann nbcr der
fur die Entstehung cler Hinimelsrbthe erforderliche Zustand der Lull so\v-olil bei abiiehinciidcr als bei zunehineiitlrr Fcucliligkeit eiiilrclcii.
4)
Gcwitter.
Dic meisten Gcwitter crscheineii i n unseren Gegenden als Folgc dcr Vcrmischung verschiedeiier Luftstriiine;
die durcli tlcii aufsteigciideii Luftstrom verursachten siiid
bei rins verhlilliiirsinfiCsi% selteii, untl scheinen vorzugsweise und im grofsartigsteii Maafsstabe nur i n Hocligebirgeii vorzukominen. Doch komrnen aucll bei uns zuweilen Gewittcr zur Entwicklung, deren Entstehung nur
BUS aufsteigenden Liiftstriiiiien Iiergeleitet wcrden kann.
Fiir solche Gewitter ist es charakteristiscli, dafs sie nicht
merklich auf das Barometer wirken, in der Kichtung des
herrscliendcn Wiiidcs fortzielicn und ilnmer von beschrhkterein Uinfauge sind; eben deshalb haben sic auch
keinen crheblichen Einflufs auf die herrschende Witteiwiig.
Dessen ungeachtet kiiuneii sie bedeutende Regengusse veranlassen; auch erscheinen sie zuweilcn wsbrend
ciner herrscheuden (istlichen Windesrichtung und mit derselben fortziehend , welche Anomalie ihren Urspriing zu
520
erkenueii giebt. Bei roanchen Gewittern dieser letzteren Art niilgcn freilich auch von fern andringende westliche W i n d e wirksam seyn, was, wenn der Bstliche W i n d
herrschend bleibt , sich zuweilen der Erkennung entziehen mag.
In grofser Kuinheit habe ich die durch den aufsteigenden Luftstrom verursachte Gewitterbildung i u dem
schilnen April dcs Jalires 1932 beobachtet. Die dauernd
lierrschende Windesrichtung war westlicb, etwa WSW.,
die Luft sehr inild und der Himmel Morgens immer heiter. Einige Stunden vor Mittag aber kamen einzclne
kleinc Hsufenwolken, das sicherc Kennzeichen des Vorhandenseyns aufsteigeiider I,uftstrbme, zuin Vorschein;
sie iiahmen allmalig a n Urnfang und Hiiufigkeit zu, und
erreichten urn die Mitk des Nachinittags ihre grilrste Entwicklung. In dieseni Stadium waren immer einige derselben, von hesoiiders vergiifserter , docli iintner noch
leicht iiberselrbarer Ausdcbnuiig, 211 walircti Gewittcrwolken mit Blitz und I)onncr, abcr uubedeutendetn Rcgenfall geworden. Dieser Zustand war iiidessen sehr vorijbergehcnd, die Wolkcn verloreii nsch iind nach an Uinfang, und Abcnds war der Mimuiel wicder huiter. Das
Barometer wurde durch dicse Vorgiinge nicht merklich
afficirt, uiid dcrselbc Vcrlauf stellte sich in ciner Keilie
vou Tagen tiiglich ein.
War mir so die Wirkung aufsteigender Luftstriiine
im heiinischeii Augellandc i u ifwen Anffingeii vor Arigen
getreten, so wurde inir bald nachher, irn September 1833,
die erwiinsclite Gelegenheit, dieselbe i n den Seealpen in
ilirer grokartigsten Entwicklung zu beobachten. Ich reiste
von Genua nach Nizza, anfangs bei regnichtem Wetter,
spater aber, voii S. Remd an, im scliiinsten Sonnenschein.
Mit dem Eintritt dcs bestandigen Welters traten die ineteorologischen Verhaltiiissc des Kfistcolandes in vollstandiger Entwicklung auf; Naclits wehte Laudwind, am Tage
lebhafter Seewind. Am Morgeii war die Durchsichtigkeit
52 1
der Luft so g r o t , dars man von Nizza aus die Berge
Corsica’s in deritlichen Urnrissen selien konnte ; wiihrend
des Tages verschwanden sie. Sobald der Seewirid, an
der Abdachung der Alpen aufsteigend, ihre Hiihen erreichte,
erfolgte daselbst eine ausgedehnte Wolkenbildung, und
in den Nachmittagsstuiiden war die Ausbildung ausgebreiteter Gewitter auf den Alpeii vollendet. Dieser Vorgang
erneuerte sicli tiiglich, und icli konnte deuselben bis auf
die H6he dcs Tenda, bei meinem Uebergange iiber denselben, verfolgen. Dieser und seine Nachbaren scheinen
fur die Wirkung des aufsteigendcn Seewindes laiideinwsrts die Graoze zu bilden; wenigstens gelangte icli voii
dein friih Morgeris griikteiitheils noch im soiineiischein
erstiegenen Gipfcl des Passes beiin Kiedcrsteigen in’s
Thal von Limonn aus diclitein Gewiilk alliliiilis wieder
in‘s heiterste W e t t e r , wlihrend die Hiilien dcs Teiida uiid
seiner Nnchbnren voii Wolkcii bedeckt bliebcii. So war
ich aucli von Mentone aus, beiin Uebergnuge uber die
geologisch uiid botariiscli liiichst aiizieliendc Hiihe, iiber
welche die scliiiiie grofsnrtige Strafse nacli Nizza fiihrt,
aiis dein Sonnenschein in dichtc Wolkeii, iind BUS diesen wietler in deli Sonnenschein getreten.
Die Gewiltcr zcigen bekauntlich cine ungeniein groCse
Verschiedeiiheit hiiisichtlich ihrer Gefillrlichkeit. Aui meisten sclieint dieselbe durch die Eutfernung der Gewilter
von der Erdoberfliiche bedingt zu werdeu. Dalier riilirt
die Gcfiihrlichkeit der W-intergewitter und der durch
yliitzlich einbrechenden eisigen Nordostwind verursactiten. Die Letzteren sind verhi1tnifsin:ifsig selten ,. aber
fast immer von aulerordeiitliclier Starke, besonders wenn
vor dem Eintritt des eisigen Polarstrouis ein feuchtwarmer Sudwestwind wehte. Bei solchen Gewitterri hiirt
man in dcr hiesigen Gegend, in welcher die Gewitter im
Allgemeinen nicht bedeuterid sind und bald voriiberzuziehen pflegen, fast ilnmer von Einschlagen des Blitzes;
nicht selten trifft dieser sogar niedrige Korohaufen, wo-
durcli wiederholt !Meiischeii, welche unter deiiselbeu Scliutz
suchten, erschlagen worden sind (so iialnentIich bei eineni furclitbareii Nordostwindsgewitter ain 21. Mai 1826
Nachmittags, zu derselbeii Zeit, als ein grofser Tlieil
der Stadt Eiiibeck durch eine Feuersbrunst eiirgeiischert
murdc).
Es gescliieht iiiclit selteii, dafs getrcniite Gewitter
von bcscliraiilitereiii Uiiifaiige ziemlich iiahe neben einnndcr fortzieheii. Unkundige, wclche diese Erscheinuiig
von fern auf sich zukommcnd beobaclileteii, yflegen daiin
zu erzlhlcii, ciii in der Ferne aufgcstiegencs scliweres
Gewilter ((lessen Gewiilk iliiieii durch dcii Elick gegeii
dcsseii Querscbnitt von vernielirter Duiikelheit crscliciiien iiiufste) liabe sicli gliicklichcrweisc an ciiier gewisseii Stclle gctlieilt, uiid jedcr Theil sey clarauf in ahweicheiider Riclituiig fortgezogen. TJcbcrhaupt siiicl 15rz~hluiigeiiUnknndiger ubcr waliri;ciioi~iiiieiicNaturersclieinungen wolil in kciiiein Thcile der Naturkunde so unzaverliissig, als iu dcr Meteorologic. J e n e Aussagc iiber
eiue Tlrcilriiig tler Gcwittcr beruht offcnbnr arif dersclben optisclieii T~iuschuiig, welchc die scheiiibare Coirvergenz der ~itiiiospli~irischc~i
Licli~siiulcn, die linter tlciii
Pc'amen des Wnsserzichens der Soiine bekaiiiit siiid, so
wie die sclieinbnre Convergeiiz lnnger hlleen, laiiger gen d e r Strafsen etc., vcrursncht. W a s jene Liclilsiiulen
betrifft . so ist ersichdich, dais ihre griji'ste gcgenscitige
Entfernung scheiiibar im Zenith des Beobachters, und
dafs daruber hinaus wiedcr eiiie scheinbare Convcrgeiiz
derselhen stattfiuden mufs. Ich habe dieses i n auffallender W e i s e an eiiicm Ahend wahrend meines Aufenthalts
in Kissirigeri im Soinmer 1841 zii beobacliten Gelegenbeit gehabt; die Lichts:iuIen hatten eine solclie Ausdehnung, d a k sie beilialie cincn zweitcii Coiivergeiizpuiikt
am ijstlichen Himmel erreichteu.
Die grofse Mehrzahl der Gewitter in der hiesigeu
Gegend sind Siidwestwindsgewitter. Sehr hiiufig sind sic
die Folge von nur gcringen Schwankungeii der W i n d e s richtung. So z. B. schwankt dieselbe hier im Soinlner
haufig nur zmischen SW. uiid BW.; fur iiasse Sominer,
wie wir deren seit 1637 leider nur zu viele, mit einziger Ausnahme des ganz auoinaleii Sommers von 1542,
gehabt haben, ist diese Schwankung sogar recht eigentlich cbarakteristisch, und andere tVindesrichtungen siiid
i n solchen Solurnern nur vorubergehend. Es reguet danii
bei jeder Windiinderung, sowolil beiin Eintritt des feuchtwarrnen SW., als bei dessen Verdr:agung durch deli
rauhen N W . Mit diesen Windverh;ilt~iissen hiingt es
uiifehlbar zusamineii, dafs die Regeii iii aassen Sornmerii
in der Richtung von Holland nach dein iistlichen UeutschIaiid abzunehmeii pffegeii ; wenigstens linbe icii uiiter solclieu Urnstlinden vvicderholt aus briefliclwii Mittlieilungeii
crfahren, d a k das W e t t e r schon in Westplialcu iioch
ungiinstiger mar als hier.
Bei dcn so eben bezeichiieten VVitteruugsverliiiltaissen giebt zuweilen der Moorraucli zu ciner eigentliiimliclien Erscheinuiig Veranlassung. Wenn niimlicli bei einetn hcrrsclicnderi rauhcn und mil Rnuch beladenen BW.
pliitzlicli ein feucbtwarmer SW. mit hiiireicliendcr Macht
in der Hiihc eintriffl, so pflegt daseibst cine oiiselinliche
W o l k e n - und Gewitterbildung vor sich zu gehcn , wiilirend a n der Erdoberflliche nocli dcr NW-.mit fcinern
Hauche vorhanden ist; ich habe erlebt, dafs es heftig
und anhaltend doniierlc und regnete, oline dafs von dem
GewittergewiiIk, weiiii dcr Raiicli sehr dicht war, elwas
zn sehen war.
Die Blitze sind unter solchen Umstlinden matt und bleicb. Die nachfolgeade Witterung liiingt
nlsdann davoii a b , welclie W-indrichtiing das Uebcrgewicllt erlangt uiid herrschend wird. Zuweileo, wenil niiinlich bei herrschendein S W . der rauclibringende IYW.
platzlich init grofser Energie eintritt und den SW. rascli
verdraugt, entsteht niir eine voriihergehende BewoIkuug,
oline dafs eiii Gewitter zur Ausbildung kommt. Aus
524
diesem Vorgangc ist ohne Zweifcl dic friilicr sehr bcliebte Meinung entsprungcn, dafs der atinosphiirische Raucli
(H6henrauch) 311s dcr Zertheilung von in der Entwicklung bcgriffencii Gewittcrn catstehe ).
5 ) F e u c l i t i g k e i t s a u s t a n d i n der Hillie.
Die g r o k Mehrznhl der atinosphiirischen Proccsse
crstreckt sicli ohne Zweifel nur bis zu eiiier gewissen,
relativ sehr inlikigen € k h e in der Ahnosplikc; uber diescr Granzc befindet sicli dic htmosphk-c i n Rulie. Dicser obcrc Thcil dersclben u d s dalier in seiner Zusamiiiensctzuni; sehr constant scyii. Fragt inan iiun iiacli
dem Feucli~igkcits~ustaridci i i der Hiihc, so inufs anati
offenbar zwischcn dicscin obcrcn uiitl dcai tlaruutcr befindlichen Theilc dcr hlinosp1i:irc rrIitcrsclicidcn. Jencr
mli notliwcndig bci hohcr Durclisiclrtigkeit iiiit gasfiirmigein VT7asscr gcsiittigt scyii, oliiic ciuc Spur v011 ljliisclieu ciitlinlten 211 kiiuncn, d;i sclbst cin Wcchscl zwiscliett Somiucr- I i n d Wiiitertcinperntul. doit ausgcsehlos1)
I ~ e n b d h ~liniit>
v
isu %weifel
~:rliillcndcrl Rniiditnaswii irn
n d l i c h c n 1)ctrisrlilard in der llrgel PUS dcrn i n tlcn norddencsclicn
Ilaidgugcndcn ilcn ganxen Sntnrner Itiridurcli in grolser ,\usdclrnung
Kciti : i u ~ t ~ ~ e v l ~ s a i \ovurllie;lJveier
~ier
clavtilier scyn
,
11.11;
die
ilic 1.111't
10
oI"
belriebrnen H a i d - irtid Moorbrenrtcti eulspririgcn, w~lclresso ungelrcurc
Masrcn voti Raiiclr liefert, i l a L tlicsclbcn niclrt seltcn, bci liinger weltendcn niirdlichcn \~"'('indcti,bis an <lie Alpen Ibrlgcli'il~rt werden.
Es
hommen jeilocli auclr V:iile vnv, wo der almospli2rische Rsuclr (Jaraus niclrt Itergeleitct werden kann.
D e r Moorrauch wird uns niirulich !bier olrne Ausnnhme nur durcli niitdliche, am eiitscl~iedenstctr
diirch nordwestlicltc W i n d e gebraclit.
Aber in dern u n \ ~ g l c i c l i l i chen Sommer ron 1831 war dic Luft cinc Zcic lang bei eumtsntcr
ijstliclier Wiodesviclitung (lurch rnclrr itnd rniutler dicliten Rsuclr geIriibt, welcher sicli iiberdiefs r& dem NIoorrauclr dsdurclr untcrscl~i~d,
dafs ihni der fiir Jicsco so cltarakterishche widcrliclre brcnzlicltc Geruch frhltc.
n i e ungewifslicir iibcr die E i ~ l s t c ~ i u n dies%
g
Rnucl,r
wurdu indeL bald gelloban, tla die Zcitungen wiederholl Kaclrriclr~cn
iiber ausgrdeltnte W a l d b r i n d e im 6stliclien Preufseu, in Polcn und
Rufsland brscli~en.
525
sen ist. In dem unteren Theile der AtmosphSre dagegen ist die relative Feuchtigkeit ein Resultat der verschiedenartigsten Umstande, uud knun daher keiii allgeineines Cresetz befolgen. Steigt man z. B. bei herrschendein Ostwindc in die Hilhe, S O wird in griifseren Hiihen
die Feuchtigkeit imnier inehr abnehmen, da die Trockenlieit des Polarstroins durch allmalige Erwarmung bei seinem Fortziehen noch ztinehmen mufs, besonders in solchen Hbhen, wohin die tngliche Z u - und Abaahme der
terrestrischen Verdunstung nicht reiclit.
Bei herrschendem westlichen W i n d e scheint es sich umgekehrt verhalten zu mussen, wie es ja aiicli schon durch die W o l kenbildung angezeigt wird. W e b e i i aber verschiedene
W i n d e iibcr cinander, so werdeti im Feuchtigkeitszustaiidc der Luft in verschiedenen Holieii die griiLten
Wechsel stattfinden kbnnen. Auch iibt offenbar die Tageszeit einen bedeutenden Einfluh darauf aus.
6) ZufZl l i ge Far be ne r ac lie innnge o a n f dem S c h n e e etc.
W e n n die Felder mit einer reinen Schneedecke iiberzogen sind, so beobachtet man bei heiterem Himmel oft
eine anziehende Farbeuerscheinnng. Die Schatten namlich, welche kleine Erhiihungen, z. B. Maulwurfshaufen,
hinter sicli werfen , erscheinen dann, im Contrast gcgen
die iibrige von dem gelbeu Licbt der Wintersonne beleuchtete Schneeflsclie, blafs purpurroth; ohne Zweifel
eine Folge der Beleuchtung dieser scbattigen Stelleu durch
das bliiulichweifse Himmelslicht, welches nach seiner Reflexion von denselbeii seiner gclbeii Strahlen beraubt erscbeint. Sehr intensiv habe ich nahe dicselbe Fzrbung
einmal im Sommer auf einem mit Graspflanzen besetzten
trocknen Fufspfade beobachtet. Die Grasblattcben liek e n von der mir gegeriiibcr schon tief stelienden Sonne
ein lebhaftes gelbgrunes Licht durch, gegen welches die
von den Pflanzen beschatteten nnd von dein blaulichweifsen Lichte des Himmels beleuchteten Stelleu des a n sich
5’26
hellfarbigen Pfades rneinem Auge tief purpurroth ersch i en e n.
Auf einen ganz eigenthumlichen Zustand der Atmosphere deutend war eiire Farbenerscheinung, welche ich
an einem Nachmittage im Julius 1813 an der blafsgelben
Aufsenwaiid meines Wohuhaiises beobachtete. Es erschienen nkiinlich mir und einigen anwesenden Frcundeu
die auf die Hauswand fallenden Schattcii der Sprosseii
mehrer gerade offen stehender Fenster intensiv blau, die
beleuchteten Stellen der W a n d dagegen weifslichgelb gefsrbt; die rothen Strahlen waren also fast ausgelihcht.
Der Himmel war schwach verschleiert. Ich habe diese
Erscheinung nie fruher und aucli nachher iiicht wieder
wahrgenominen.
7 ) S c b n e e f a l l im April 1837.
Es sey mir schliefslicli erlnubt, die Arifinerksamkeit
der Meteorologen auf deli hiichst nnoinalen Schueefall
im April 1937 hinzuleiikeii, vicllciclit die griihte meteorologische Aiiomalie , welche jeinals a n mir vorubergegangen ist. Derselbe dauerte vom 5. Abends 5 Uhr bis
zu ungefiihr derselben Stunde des 9. ohne die geriugste
Unterbrechung fort; die Luft war dabei fortwehrend von
Schneeflocken dicht erfiillt, und es herrschte eine iiicht
unbedeutende Frostkiilte. Die Folge davon war eine
in der That beispiellose Anhzufung von Scbnee. So
laiige ich auf Naturbegebenheiten geachtet habe, habe
icti, selbst in den strengsten Wiuterii, keine Schneeanhaufung wahrgenommen , weIche dieser uur entfernt zu
vergleichen wlre. Ueberall war die Coinmunication unterbrochen, und konnte ,erst durch die angestrengte Arbeit der zahlreichen, aus allen Orten aufgebotenen Mannschaften nothdiirftig wieder hergestellt werden. Bei dem
Flecken Nbrten mufsten eines Abends auf der offenen
Stralse die Pferde vom Eilwagen abgespannt werdeu, weil
kein Fortkommen mbglich war; die Reiseudeu baben zum
527
Theil die Nacht im eingeschneiten Wagen zugebracht.
liinerhalb der Orte, z. B. in Gottingen, konnte iiur niit
grober Muhe in der Mitte der Strafsen eine Bahii hergestellt werden, welche d a m von hohen Schneewiinden
begranzt war. Eben PO ist, wie ich von Augenzeugen
weirs, die ganze Strafse nach Hamburg beschaffen gewesen. Cassel war mehre Tage laiig von fast allen benachbarten Braunkohlenwerken abgeschnittcn. Man war
gezwungeu den Schnee roil den Hafen und engercn Theilen der Orte auf Schlitteii hiaauszuschaffen , uin Raum
zu bekoinmen und spatere Belastignng durch Wasser zu
verhuten. Im freien Felde war die Schneedecke 2; bis
3 Fufs hocli. Glucklicherweise trat ein nllm~iliges Aufthanen dcrsclben ein, wodurch Ueberschweminiingeii, welche aufserst verderblich kitten werden ki)niien, verhiitet
wurdcn. Docli war die Nachwirkung des ungeheuren
Schneefnlls, da derselbe zu eiiier Zeit eintrat, wo die
Vegetation bereits begonnen liattc, in landwirthschaftlicher Reziehung aufserst nachtheilig; der Boden wurde
init Wasser uberszttigt.
huch sind die Verheerungen
in den HarzwAdern von der grofsten Ausdehnung wid
Redeutung gewesen.
Den damaligen Zcitungsnachrichten zufolge scheint
das merkwurdige Ereignifs im nordwestlichen Deutschlalid seine grbfste Entwicklung erlangt zu haben, doch
lnufs auch im sudwestliche~~
Deutschland der SchneefalI
iioch sehr aufserordentlich gewesen seyn. Nach Osten
hat, allen Nachrichten zufolge, einc allmalige Abnahme
dcsselben stattgefunden, und er scheint z. B. in Berlin
riicht inehr so ungewdhnlich gewesell zu seyn.
Was nun dieses Ereignifs noch besonders interessant macht, sind die meteorologischen Umstande, welche
wahreiid desselben stattfanden. Zuerst war es hGchst
auffallend, dafs wahrend der ganzen Dauer des Schneefalls eiii fast constanter lebhafter Nordostwind herrschte;
Niederschlage hei Gstlichen Winden pflegen sonst be-
528
karintlich sehr voriibergehend zu seyn. Noch erhsht
wurde das Auffallende dadurch, dafs bei diesem Nordostwinde der Barometerstand sich fortwahrend auf kaum
mittlerer Hiihe hielt. Hieriii aber liegt, wie mir scheint,
der Schlussel zur Erklzrung der seltsainen Erscheinung.
Es geht n~ilnlicli daraus unwidersprechlich hervor, dafs
der Nordostwind nur an der Erdoberflzche geherrscht
liaben kann, d a k dagegen in der Hahe ein miichtiger
Sudwestwind geweht haben mufs. Die ganze Erscheinung war demnach die Folge eines uiigewiihnlich ausgebreiteten gewaltigen Kampfes zwischen dern eisigen Polarstrome und dein feuchtwarinen Aequatorialstromc. Ich
zweifle nicht, dafs eiue ausfuhrliche monograpliisclie Bearbeitung dieses Gcgenstandes (wozu lnir das Material fchlt)
zu interessanten Ergebnissen fuhren wurde.
p
-
N a c h Hrn. V i r I e t d ' A o u s t soll.dcr Sec oder Sunipf
Melghigh, der durcli den Djeddi die Wnsser V O U Sidi
Okbah aufnimmt, bedeuteud unter dein Mecresspiegel liegen. E r schliefst diek aus der Hiibe von Sidi Okbah,
die 61,3 Meter gefundeii morden, und der LKnge des
Djeddi, die etwa. 23 Myriameter betrsgt. Indem er fur
diescn so nahe am Atlas liegenden FluCs nur ein Gefiille
von 0,0005 annimint (ein Gefslle, welches deiii der Rhone
zwischen Lyon und A r k s gleichkommt, da dieses nach
E. d e B e a u m o n t 0,000553 betriigt) tindet er fur die
negative Hshe des Melghigh 53,7 Meter. (Compt. rend.,
T. X X I , p . 51.)
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