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Bemerkungen zu den Gttinger gelehrten Anzeigen 1842 St.

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475
XIII. Bemerkungen zu dim Gijttinger gefchrten
Anzelgen 1842, St. 74 biv 77; (:on K. K r e i I .
Cottingen hat sich in lieuester Zeit irn Fache des Magnetismus zu so verdientein Ansehen emporgeschwuugen,
d a k alles, was von dort komint, berucksichtigt zu werden verdient. Diefs veranlaCst mich, der in oben erwiihnten Blattern erschienenen Recensiou meiner magnetischen Beobachtungen einige Bemerkungen beizufugen,
obschon ich von wissenschaftlichen Streitigkeiten eben
kein Freund bin, uud in diesem Falle insbesondere noch
gerne ein Paar Jahre gewartet hatte, bis die von andcrn Beobachtern gewonuenen Resultate den Werth oder
Unwerth der meinigen gezeigt hatten; denn fiber Thatsachen, die aus Wahrnehmungen geschopft wurden, k6nnen nur wieder genauere Wahrnchmungen, nicht aber
Speculation oder Rechnung entscheiden. Diese fuhren,
wenn sie sich solches anmafsen, oft zum Irrthume, wie
die Geschichte der Wissenschaften zur Genuge dargethan hat. Da aber der Handschuh geworfen ist, und
von so ehrenwerther Hand geworfen wurde, so mag er
aufgehoben werden; moglicli ist es doch, dak die Wissenscbaft auch von solchen Erijrterungen etwas gewinnt.
Dr. G o I d s c h u1 i d t bedauert zu wiederholten MaIen ( S . 742 und 7511, dafs meinem Eifer nicht bessere
Mittel zu Gebote stehen. In dieses Redauern und in
die daraus folgenden frommen Wiinschc kann wohl Kiemand inaigcr einstimmen, als ich. W a r e ich mit einem
magnetiscben Observatorium und mit genanen hpparaten
versehen, so kannte auch ich meinen hrbeiteii jenen
Glanz der Vollendung und iiufseren Uebereinstimmung
verleihen, der an denen anderer Beobachter bewundcrt
wird, und befande mich jetzt nicht in der unangeneh31
*
476
men Lage, ineiiie Beobachtungen gegea scheinbar gegrundete Angriffe erst vertheidigen zu mussen. Aber
eben in dieser Ueberzeugung der geringeren Sicherlieit
ineiner Reobachtungen liegt die Antwort auf deli ersten
Vorwiirf, den mir der Recensent (S.799) macht, d a b
ich iisinlich durcti cine scharfe Betechnung eine UUI zehn
Secundeii genauere Declination h l t k erhalten kiinneii.
Scharfc Berechnungen sind gaiiz an ihrcm Platze, wo
iiian es init scharfen Beobaclitungeii zu tliun hat; diese
nach ungenauer Methode zu behandeln ist Ieiclitsinnig,
aber es ist auch zwecklos, ganz genaue Kechnungsmetlioden anwenden nnd einzelne Secundcn gewinncn zu wollen , wo eine Webereinsfiminung auf Minuten kauin zu
erwartcn ist. Die hiezu erforderliche Zeit glanbtc ich
bei der grofsen blenge des Materials, das zu verarbeitcn
war, anderswo niitzlicher anweuden zu kanncn.
Kine zweite Folge des geringeu Grades der Sicherlieit ineiner Beobachtungen ist die, dafs icli dein ganzen
Bcobachtungsplanc einc angeinessene Einrichtung gcbcn
mufste. Es mufste durch die Merige der Aufzeichnungen und durch ihr ZusammendrYngen in mdglichst cnge
Zeitintervalle das einigerrnafsen gewonnen wcrden, was
durch die ungiinstigen Uinstande verloren ging. Ich hoffe,
d a t diefs auch erreicht wurde. Denn wenn mir der Recensent beweist (S. 7-42), dafs hundert von mir angesiellte Beobachtungen kaum eine so grofse Sicherheit gcwzhren, als einc cinzige in Gdttingen gemachte, so kann
icli diefs nur bedauern, und mich hiichstens init dein Gedanken trosten, dafs auch hundertjahrige Beobachtungen
in Gottingen zwei Ma1 des Tages, uin 8" und lb,ange.
stellt, den tsglichen Gang der Declination nicht wurden
kennen gelelirt haben, welclien doch die einjahrigcn in
Prag sehr deutlich berausstellten, und dafs diefs nur eines der vieleu Resultate ist, die wir aus unseren Beobachtungen gezogen baben.
Ein Dampfer ist bei meinen Beobachtungen nicht
angcwendet worden, obgleich ich nicht Isugiie, dafs er
in manchen Fallen vortheilhaft angewendet wcrden kann,
Die Ursache, ivaruin icli ihn nicht gebrauchtc, ist in den
Resultaten aus den Beobachtungen des magnetkchen
Vereins im Jahre 1838, S. S O , , , ersichtlich, m o von einem kupfernen Kasten gesprochen wird, der die Declination uin 5 Minuten fehlerhaft gemacht habeu soll. Ich
daehte n;imlich, wenn ein kupferner Kasten, der die Nadel doch in einer gewissen Entfernung umgiebt, sic schon
urn 5 Minuten abzuleukeu im Stande ist, so kann es
ein kupferner Dampfer , der vie1 enger anschliefst, um
noch mehr thun, und so 211 einer neucn Fehlerqiielle
werden.
Obgleich ich die Maglichkeit uicht llugnea will, clafs
eine solche Vorrichtung Ursaclie cines Fehlers seyn kaun,
so kann man in dem oben beruhrten Falle doch den
Grund der Ilifferenz zwischen den Declinations Bestimmungen mit den] transportablen Magnetometer und dem
Apparate des magnetischen Observatoriums eben SO gut
in der Beschaffenheit der Nadel suchen. Denn dafs er
im Kasten liege, ist doch auch nur eine Annahme, we1
che, wenigstens so wie das Factum dort gegeben ist,
alles Beweiscs entbehrt.
Die Annahme, dafs fur verschiedene Nadeln die
Declination verschieden seyn klinne, scheint dcm Kccensenten zwar '1 durchaus unvereinbar rnit der Theorie
(S. 741); diefs thut aber nichts zur Sache. Die Theorie hat iiber wohlbegriinde(c Thatsachen nie eine entschcidende, stets nur cine erkllrende Stiminc gehabt,
und dafs es Magnetnadeln gegeben hat, welche die Dcclination nicht uin Minuten, sondern uin Grade fehlerhaft
angegeben, diek ist eine von namhaften Autoritaten verburgte Thatsache. Unler den hieher gehiirigen Wahrnehmungen darf wohl auch jene angefuhrt merden, welche ich bei der genaiieren Untersuchung meines Variations -1nclinatoriiims in Mailand an zwci d a m gehiirigen
'1
(1
478
Magnetstaben maclite, woraus hervorgelit , daCs die magnetische Axe init der Axe der Figur einen verschiedenen
W i n k e l machte, je nachdem der Mordpol sic11 ail dem
einen oder dem andern E n d e des Stabes befindet (S.
Prirno supplemen f o alle Effemeridi astronomiche di Hlano, p. 183). Ueberhaupt ist die innere Beschaffenheit
der magnetischen Kijrper noch in solches Dunkel gehullt, dafs die Behauptung, inan sey iiber irgend einen
Punkt im Reinen, unter die sehr kulinen gezahlt werden inufs.
I11 der Beurtlieilung der zu den Variations - Beobachtungen bcstirnmten Apparatc und ibrer Aufstellung wird
(S. 7 4 4 ) der Spiegelmirc jene Aiisstellung gemacht, welche schon a n einem andern Orte (Resultate fur 1839,
s. 100) angegeben ist. Eiue solche Spiegelinire erfullt
n ~ m l i c l iden vorgescliriebenen Zweck iiur in dem Falle,
wo sie selbst unveriinderlicli ist..
N u n diefs ist eben
keine grofse Neuigkeit, .sondern eiue Bedingung, welche
von jeder Mire erfullt wcrden muL. Ails diesem Grunde
ist also die Spiegelmire einer andern nicht nachzusetzen.
Im Verfolge sagt der l\ecensent: j i K r e i l giebt zu, dafs
Aenderuugen der Spiegelmire durch die unverineidlicheii
Verziehungcn uiid Vcrdrchungen seines Gestelles in Folgc
der geanderten Lrifttemperatur und der Feiichtigkeit eintreleii kiiniien, glaubt indessen, dafs diese iiur wenige Skalentheile betragen kijuueu. W i r llaben G r u n d , diesc
Drehungen fur vie1 bedeuteuder Z I I halten. I(
Diese Bemerkung lal'st eine uuangenehme Auslegung
zu; dcnn entweder bin ich iiber die Bewegungen der
Mire selbst im Irrthuinc, und hnlte sie fur kleincr als
sie wirklicli sind. Diefs kanu iiur s e y n , wcnn sic fortwlhreud durch eiue eritgegengeseizte Drehung des Fernrohrs aufgehoben werden. Da aber beide Apparate, Mire
und Fernrohr , von einander viillig uiiabhangig sind, so
ist diefs iin hohen Grade unwahrscheinlich. W e n i i aber
ein Irrthuiri voii m i n e r Seite in dicser Bezieliurig iiicht
1)
4?9
leicht denkbar ist, SO hatte ich, da ich doch die Mire
stets Tor Augen babe, ibre Verriickungen verschwiegen,
was eiuer Verfalscliung der Beobachtungen gleicli zu
setzen ware.
Ich bin weit entfernt, Hrn. G o 1d s chin id t zuziimuthen, dais ibm, als er jene W o r t e niedersclirieb, diese
Auslegung gegenwartig war; doch mufs er zagestehen,
dafs sie sehr nahe liegt, und dak man zum inindesten
einen strengen Beweis seiner Behauptung verlangen kann.
Diesen Beweis glaubt der Recensent wahrscheinlich S . 750
geliefert zu haben, wo er von der Vergleichung der monatlichen Mittel der in Gottingen und in Prag beobachteten Declination spricht. .Er findet unter den, den
einzelnen Monaten entspreclienden Differenzen der Declination Vormitfags (urn 9") und R'achmil~ags( u m Ih) an
beiden Orten eipe sehr gute Uebereiustimmung. 1111 Mittel findot sich diese Differenz in Gottingen urn 39",7 griiLer als in Prag, und dieser Unterschied, so wie die Abweichungen von demselben, die, niit Ausnahme des Junius, imrner unter einer balben Minute sind, lassen sich
leicbt aus der relativen Lage beider Beobachtungsarter
erklareu. Anders ist es jedoch, wenn inan die correspondirendeu Beobachtungen selbst rnit einander vergleicht ; hier zeigeii sich fur verschiedene Monale selir
verscbiedenc Differenzen , dercu Untcrschiede bis auf 8
Minuten steigen, und die ohne Zweifcl ihreu Gruud in
den Veriinderungen der in Prag angewrandteu Spiegelinire habeu, da die Giittinger Beobachtungen, auf mehrfache Art controlirt, als zuverlassig zu betrnchten sind.
Der Recensent glaubt also, dafs es fur die gefundenen Unterschiede keiuen Erklartingsgrrd als die Vcranderlichkeit der Mire geben kiinne. Ich bin der Meinnng, dafs die im Gebaude befindlicheo, wenu auch ihrer
Lage uach unverhderlichen Eiseninasscn cine eben SO
aunehinbarc Erklgrung dieser Differenzen liefern, als die
von ihin angefubrte, denn der Einflufs einer Eisenmasse
(1
480
ist gewih bei verschiedenen Tempcraluren nicbt derselbe,
daher aucb die diesem Einflusse ausgesetzte Magnetoadel
ihm gemals ihre Stellung andern muls. Uiid hat denn
nicht in neuester Zeit, wie dem Recensenten wobl bekaont seyn mulstc, Dr. L a m o u t in MZinchen in deu
Luffstrdinungen eiue neue Fehleryuelle cntdeckt, welche
seine Nadeln andauernd urn mehrere Minuteu voii ihrer
wabren Lage ablenkten? Aber gesetzt aucb, alles diels
geniige nicht, jcue Diffcrenzcn wenigstens ZULU Theil 20
crklsrco, was berechtigt dcuo deu Rccensenteu anzunebmen, dals in cuflegeticn Beobachtungsorten die Declioatioo von einctn Monatc zum anderen urn diesclbc G d s e
zu- oder abneliinen iniisse? Die game Variation is&vielleicht nur Folge des Tempcraturwccbsels, der in der untoreu Luffscbicht und in der obereu Schicht der Erdrinde
vor sich gelit, und sol1 dieser Temperaturwachscl nicht
0011der Beschalfeuheit dcr Erdrindc, also von localen
Ursachcii abhdiigig seyn? Erfahrung mag bier entscheiden. Ich liobe die Petersburger Beobachtungen vor mir.
Dort ist ein ausgezeichnct scliarfer Beobachter, eiu magnetisches Observatoriuln und keiue Spiegelmire. Wir
wollco nun die dortigen Beobachtungen mit deneu von
GUtingcn vergleicben , und scBcn , welche Differeiizen
lierauskoiumeu. Uas Resultat ist in dcr folgcnden Tafel
euthalteu, welche die Abnahme der Declination vom Januar 1837 bis Uccember 1838 enthiilt, zu dcren Berechnung die in Petersburg um SbMorgeos und uin 2bNachmittags augestellten Bcobachtuogen beouizt worden sind.
Monat.
Januar
Febr.
MaI-2
April
Mai
Juiii
1837 Al
GijlliII~Ell.
-
-
38",8
4' W , d
16 ,6
3 52,5
6 18,O
6 5.8
1 53,O
1 23 ,G
1 41,5
2 5,2
3' 10",0
3 54 ,2
I 32,7
5 379
5 25,7
6 17,3
2' 34",0
6 27 ,I
6 42,7
11 16.6
12 13,2
12 19,d
Rilonat.
Juli
August
Sept.
Octob.
Nov.
Dec.
I
1837 h
Gotlingen.
I 3’ 26”,4
1 33,7
1 29,9
1 15,G
3 10,G
4 7,8
5’ 57”,7
5 33,O
5 283
5 58,O
7 29,2
5 40,7
6’ 22”,8
5 49,l
6 53,4
7 173
7 30,2
8 44,l
10’ 15”,5
10 16,6
9 30,7
9 22,6
9 31,3
9 48,9
Die hier erscheinenden Differenzcn sind wahrhaftig
nicht kleiner als die zwischen Prag und Gijttingen gefundenen. Vom Januar bis Mai 1838 nimmt die Declination in Giittingen urn 2, in Petersburg urn 10 Minuten ab, gleichfalls eiue Differenz von 6 Minuten, iiber
welchc der fiecensent bei den Prager Beobachtungen
sich so sehr ereifert, dnfs er alle daraus gesch6pfteii Resultnte geradezu verwirft. Ich glaube daher schliefsen
zu diirfen, dafs er voreilig urtheilt, dafs er fur die grofse
Veranderlichkeit der Spiegelmire keinen stichhaItigen Beweis geliefert hat, und dafs die Verschiedenheit der Aenderungen der Declination au verschiedenen Beobachtungsorteii in der Natur der Sache begriindet ist. Die in Brussel h neuesfer Zeit ( IS40) augestellten Beobachtungen
rechtfertigen gleichfalls mcine Behauptung, wie Jederiiiniin sich aus der Ansicht derselben uberzeugen kann.
S. 749 und 749 tadelt der Recensent die Erganzung
der ausgefallenen Beobachtungen durch Interpolation, und
meint, dafs sie zu einer neuen Fehlerquelle werde. Sein
Grund ist die Verschiedenheit des wirklich beobachteten, durch Anomalien hiiufig gestorten Ganges der Declination, Intensitat etc. von dem durch Interpolation erhaltenen, welche auf diese Anomalien keine Rucksicht
nehinen kann. - W e n n es sich darum handelt, den Verlauf der Erscheinung so danustellen, wie er an einem
einzelnen Tage wirklich stattgefunden hat, so theile ich
vollstsndig die Ansicht des Recensenten, und habe deswegen aach jcde ausgefaliene und durch Interpolation
482
erganzte Beobachtuug in meinen Registern bernerkt. Die
Sache gewinnt jedoch ein verschiedenes Ansehen , wenn
der mittlere Gang der Declination gesucht werden SOU,
zu dessen Bestimmung man eine griikere Anzahl von Beobachtuagen, z. B. die wahrend eines Monats angestellten,
zu einem Monatmittel vereiiiigt. Der Zweck dieser Operation ist, wie der Recensent gestehen wird, keiii anderer als diese Anornalietz auszuscheiden und den Gang
frei von ihrein Einflusse zu erhnlten. W e n n also bei
irgeud einer Untersuchung die Anoinalien ohneliin ausgeschieden werden miissen, so ist nicht einleuchtend,
waruin ein Interpolations-Verfahren, das nuf sie keine
Kiicksicht nilnint, deswegen verwerflich seyn soil. Diels
ist aber nicht der einzige Grund, weswegen ich ein solches anwendete.
Bei inancheii Elementen, bcsonders
bei der horizontalen Intensitat, ist die Aeuderung von einein Monate zum andern oft so grols, dafs sie bei Aufsucliung des Monatmittels, wenn mchrere Beobachtuiigeii
ausgeblieben sind, beriicksichtigt werden i d s ; so z. 12.
nahm sie wlhreud des Aprils 1840 ungehlir uin SO Skalentlieile ab. W e n n nun in irgend einer Bcobachtungsstunde in den ersten Tagen des Monats mehrere Beobachtungen ausblieben, so erhalt man ohne Ergiinzung
derselben offenbar ein zu kleines Mittel ; blieben in einer andern Beobachtungsstunde in den letzteu Tagen des
Monats Beobaehtungen aus, so wird das Mittel zu grofs,
und der tegliche Gaug ist entstellt. Diesem Uebelstande
glaubte ich durch Interpolation begegnen zu kiinnen, uud
halte mich trotz der enlgegengesetzten Meinung des Recensenten noch iiberzeugt, dafs icli mich durch sie der
Wahrheit iiiehr genahert habe, als ohne dieselbe, daher ich dasselbe Verfahren aach noch fernerhin in Anwendung bringen werde. Doch kann jetzt der aus den
vorhergehenden Jahren hinllnglich genau erkanute tlgliche Gang hiezu benutzt werden.
Der Recensent bespricht nuu S. 752 das Verfahren,
483
welches ich befolgt habe, urn die Monatmittel von den
im Verlaufe des Jahrrs erfolgten henderungen m6glichst
zu befreien, und bekrittelt die Benennung mittlere Declination, rc welche ich den Durchschnittzahlen aller in
einem Monole angestellten Aufzeichnungen beigelegt habe,
weii diese Aufzeichnungen sich nicht gleichmrifsig iiber
alle Tagesstunden erstrecken. Hatte der Recensent den
der Tafel XIV meines Werkes vorgesetzten Text naher
angesehen, so wiirde er sich leicbt iiberzeugt habcn, dafs
ich nur der Kiirze halber diesen Ausdruck wahlte, uud
deutlich genug zu verstehen gab, dafs diese Zahlen nicht
die eigentliche inittlere Declination bedeutet. Doch da
diese Beinerkung hi)chstens zu einern Wortstreite fuhren
kann, so gehen wir auf eineii wichtigeren Einwurf iiber,
uiimlich suf die Behauptung, dafs, 8~weildie Prager Beobachtungen von verscliiedenen Monaten nicht mit einander vergleichbar sind, die Schliisse, welche K r e i l aus
welche von der siicubren
den Declinationen zieht,
Aeuderiing befreit sind, rc (r und welche auf Vergleichung
dieser Declination fur verschiedene Monate beruben, eine
anderwcitige Bestatigung erfordern.
Icli glaube schon fruher gezeigt zu haben, dafs die
Behauptung , die Prager Beobachtungen von uerscbiedenen Monaten seytn uiclit mit einander vergleichbar, erst
noch cines Beweises bediirfe. Aber abgesehen hievon,
wollai wir nur die Schliisse betrachten, die ich aus den
Monatmitteln der Declination sowohl als aller iibrigen
Elemente gezogen babe. Diese Schliisse sind ersicbtlich
aus der Ueberschrift der einzelnen Unterabtheilungeu, in
w e l d e jeder Abschnitt zerfiillt, und die z. B. bei der
L)eclination folgendermafsen lauten:
1) Tiiglicher Gang der Declination. 2) Abhaugigkeit der Wendungen von den Jahreszeiten. 3) Tiiglicher Gang ~u verschiedenen Jahreszeiten. 4 ) Tiigliche
Epocbe der miltleren Declination. 5 ) Epoche des mittlcren iiiglichen Ganges der Declination. Eben so fur
JJ
((
'J
'J
((
-
481
alle ubrigen magnetischen und meteorologischen Eleinente.
Gegenstand der Uiitersuchung ist also durchaus niir die
genauere Erforschung des tiiglichen Ganges. S. 750, wo
der Recenseiit die Ergebnisse der Vergleichung zwischen
den Giittiiiger und Prager Beobachtungen inittheilt, sagt
er, daCs er JJunter den deli einzelnen Monatcn cntsprechenden Differenzen der Declination Vorinittags (uin 9’)
und Nachmittags (uin l b ) a n beidcn Orten eine selir gute
Uebereinstiinmung gefunden habe. (c Dime Diffcrenzeu
bilden aber, wie ich glaube, nichts aiideres 31s den tuglichai Gang von Minimum des Morgcns bis zuin Maxiinum Nachinittags.
Der Recensent giebt also zu, d n k
die Beobachtungen den tsglichen Gang in verschiedeneii
Jalireszeiten richtig darstellen , Iaugnet aber die Richtigkeit der Schliisse, welche aus eben diesen Reobnchtungen uber eben diesen taglichen Gang abgelcitet wurden.
Ueber eine solche Consequenz glaube ich kein W o r t weiter verlieren zu durfen.
Der Hecensent koinmt nun in S. 753 auf den Einflufs des Mondes auf die inagnetische Declination zu sprechen, uud geht auf diesel1 Gegenstand iiaher ein, BJweil
ich inich mit besonderrr Vorliebe damit beschaftigt, und
in maucherlei Aufsatzen die Resultate dieser Untersuchuiigen einem grofseren Publicurn bekannt geniacht habe.
Nun wenn Dr. G o l d s c h m i d t einmal eiiie Entdeckung
machen wird, so wird er auch mit Vorliebe daran kingen, und die ganze W e l t wird es ihin zu Gute halten.
- Er-gesteht wohl ein, dafs es nicht undenkbar sey,
daL der Mond ein eben so grobes oder noch grofseres
magnetisches Moment besitze, als die Erde, aber es koinmt
ihin doch, er sagt nicht aus welchein Grunde, sehr unwahrscheinlich vor. Die Meinung, dafs von allen Himinclskiirpern die Erde in dieser Hinsicht der bevorzugte
seyn musse, erinnert an die Bemuhungen des Mittelalters, sie zum Mittelpunkt des Universums zu machen,
welche Bemiihungen doch noch den Augenschein fur sich
hatten.
(I
485
Der Reccnsent glaiibt , dafs die von den Anomalien
herruhrendc Ungewifslicit bedeutend griifser ist, als der
grofste Unterschied zweier Gruppen, auf welche ich meine
Rehauplung eincs Mondeinflusses stutze.
Allein der Unterschied jencr Gruppen ist es nicht
allein, worauf sich ineine Meinung griindet, mehr noch
ist es die in den Gruppen selbst herrschende Gesetzmafsigkeit der Zahlen, ihr fast regelmSsigcs Zu- und Abnehmen, und diefs sclieint mein Gegner ganz ubersehen
zu haben. Bei der Declination z. B. nehmen diese Zahlen vor der unteren Kulmination bis zum Aufgange des
Mondes ab, wachsen von da an bis zur oberen Kulmination, nehmen bis zum Untergange wieder ab, um gegen die uutere Kulmination wieder zu einem Maximum
hinaufzusteigen. Noch auffallender ist der Gang bei der
horizontalen Intensitat, wo die Zahlen von der unteren
bis zur oberen Kulmination zu-, von dieser bis zur unteren abnehmen. Ich mufs gestehen, dafs ich mir nicht
vorstellen kann, wie Beobachtungsfebler oder die ganz andern Gesetzen folgenden Anomalien beschaffen seyn miifsten, UIU bei den nach den Mondstanden geordneten Zahlcn eine solche Regelmafsigkeit hervorzubringen.
Der Hauptgrnnd fur die Behauptung des Recensenten, dafs der EinjZufs des Mondes durchaus unerwiesen
sey, ist aus der geringen Uebereinstimmung hergenommen, welche die einzelnen Monatmittel in dieser Hinsicht
gewahren, indem manche von ihnen ein Resultat geben,
das dem aus der Gesammtzahl der Beobachtungen gefundenen entgegengesetzt ist.
W e n n gleich nicht geIzugnet werden kann, dafs die Uebereinstimmung der
einzelnen Monate einen starken Beleg fur das Bestehen
des Mondeinflusses gebcn wurde, so ist diefs doch eine
zu grofse Forderung fur eine so schwache Ursache, die
init so inachtigen stiirenden Einflussen zu kampfen hat.
Auch ist der Satz, dafs eine Erscheinung, die sich aus
den Monatmitteln nicht erweisen larst, auch aus den Jahresmitteln nicht erkannt werden konne, durchaus nicbt
-
4S6
zu vertheidigen. Doch um auch hieruber die Erfahrung
zu Rathe zu ziehen, habe ich, statt die langwierigen Kechnungen aufzufiihren, zur Bestimmung der mittleien Unsicherheif, die mir der Recensent S. 756 anrsth (und
welche, nach den Erfahrungen L a p 1 a c e’s und Anderer,
auch keine unfehlbare Entscheidung gewahren ), das ahnliche, aus den Beobachtungen der Baroineterhijhen abgeleitete Resultat untersucht , auf welches zwar eben so
grofse und vielleicht noch grijl‘sere Anomalien, abcr kaum
eben so viele Beobachtungsfehler, keinenfalls aber eine
Spiegelmire nachtheilig eingewirkt haben. Diese Barometerbeobachtungen habeu, wie man aus S. 113 meines
Werkes ersehen kann, einen Einflut des Mondes auf
den Luftdruck angezeigt , welcher im Soinmer 0”’,08,im
Winter O”’,lO, im Mittel des ganzen Jahres 0”’,04 betragt. Es zeigt sich, wie bei der S o m e , ein Minimum
uin 3b Nacbmittags, ein Maximum urn 10’’ Abends Mondenzeit. W e n n wir nun die einzelnen Monate nach TafeI LXII betrachten, so geben die, diesen beiden Stunden entsprechenden Zahlen folgende Unterschiede, denen
das Zeichen + vorgeselzt wurde, wenn die Barometerhiihe urn lob groker ist, als jene um 3h:
+5”’,60 18-10 Januar -+13”‘,47
1839 Juli
-0 ,16
Februar
0 ,49
August
Seplemb. -2 $33
MPrz
-+ 1 ,00
April
0 ,16
October + 2 ,00
Mai
3- 7 ,41
Novemb. t O ,07
Juni
O $9
Decemb. -1 ,58
Juli
3- O ,27
Auch hier zeigen fast gleicli viele Monate ein entgegengesetztes Resultat, und der Recensent wird nicht
zaudern die Behauptung auszusprechen, dals der Einflufs
dcs Mondes auf den Luftdruck, wenigstens in sofern er
aus diesen Beobachtungen hervorgehen ~011,durchaus un erwiesen sey. Allein er sehe gefiilligst nach im Athenaeum vom 6. August 1842, S . 714, welches die Ver-
-
487
handlungen der Royal Society in der Sitzung vom 16.
Juni enthalt, und er wird finden, dafs Lieutenant L e f r o y)
Director des magnetischen und ineteorologischen Observatoriums zu St. Helena die zweistiindigen Barometerbeobachtungen, welche er vom September 1840 bis December
184 1 angestellt batte, gleichfalls nach den Stundenwinkeln
des Mondes geordnet, und daraus ein dem meinigen analoges Resultat abgeleitet hat.
Da also die Nichtiibereinstimmung der einzelnen Monatmittel mit dem Endresultate bei den Barometerbeobachtungcn keinen giiltigen Grund der Unzulassigkeit dieses Resultats abgeben kann, so glaube ich, dafs diefs
auch bei den magnetischen der Fall sey, urn so mehr,
da, wie der Recensent wohl wissen mufste, diese nur
eine Bcstatigung der aus den dreijahrigen Mail%nderBeobachtungen abgeleiteten Ergebnisse sind.
Endlich bespricht der Recensent, S. 760, die mit
dem Variations-Inclinatorinm erlangten Resultate, welche den taglichen Gang der mit diesem Apparate beobachteten Inclinationen und Schwingungsdauern begreifen.
Da er einen innern Widerspruch zwischen diesen Angaben und den mit dem Biflar-Magnetometer beobachteten Variationen der horizontalen Intensitat zu finden
glaubt, so hglt er sich nicht lange dabei auf findet es
jedoch auffallend, dafs ich den einfachen Zusammenhang,
den er durch eine bekannte (iibrigens durch einen Druckfehler entstellte) Formel darstellt , nicht zur Controle
dieser Angabe benutzt habe. Die Ursache ist, weil ich
auch obne Forinel einsah, dafs der Apparat die Aenderungen der Gesammtkraft, wenigstens so lange man die
Warme- Correction nicht angebracht hat, nicht anzugeben im Stande seg, da der Warme-Einflufs, wie ich
auch S. 93 meiiies Werkes sage, hachst wabrscheiulich
die angezeigten Aendefungen in der Schwingungsdauer
grofstentheils hervorbringt. Da der Recensent bei seiner BeurtheiIung diesen Einflufs gar keiner Beriicksich-
488
tigung gewurdigt hat, so kann ich auch uber diesen Punkt
sein Urtheil nicht als competent anerkennen, sondern beharre bei rneiner friiher gehegten Meinung, dafs dieser
Apparat uns den taglichen Gang der Incliuation im Allgemeinen ricbtig angezeigt habe, und schon, wenn er
auch weiter nichts geleistet hatte, fur dieses, von so vielen Physikern vergebens gesuchte Resultat unsern Dank
vcrdiene. Dafs er aber seine Leistungen nicht darauf
beschrankte, wird inan hoffentlich aus deiii zweiten Randc
der Prager Beobachtungen, wo die Stiirungen behandelt
wurden , zur Genuge crsehen habeu.
Und so schliefse ich diese Bemerkungen init der Erklarung, dafs icli weder Theorie noch Wahrscheinlichkeitsrechnung, sondern nur die Erfahrzmg als competente Ricbterin iiber rneine Arbeiten anerkenuen kann,
und dnfs, wie ich schon anderwarts sagte (Prag. Beob.
I. S. 151), ich meinen Zweck fur vollkoinmen erreicht
ansehe, wenn auch andere Beobacl~tersich veranlafst finden werden, die Kichtigkeit oder Unrichtigkeit dieser Ergebnisse nnch iliren eigeneii Walirnelrmungen einer genaueren Untersuchung zu unterwerfen.
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