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Beobachtungen ber das elektromotorische Verhalten einiger Metallhyperoxyde des Platins und des passiven Eisens.

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1
ist scbon zieiiilich lang bekannt, dnL Maaganhyperosyd in elektrornotorischer Bezieliung zurn Platin sicb
ncgaliv verhalt; welcher Umstand auch die Vertheidiger
der Coiltacthypothese veranlafst hat, jenes Onyd an das
negative Ende ihrer sogenannten Spannungsreihe zu stellea. Hr. M u n c k a f H o s e n s c h b l d uiachte indessen vor
mehren Jahren einige Versuche bekannt , aus welchen
hervorgeht, dafs das braune Hyperoxpd des Bleies dasjenige des Mangans in dieser Hinsicht noch iibertrifft;
uud ich selbst habe vor einiger Zeit durcb die Annalen
(No. 5. 1837) Beobachtungcn verliffentlicht, welche darIhun, dafs jenes Myperoxyd mit Eisen ein hiichst wirksames voltaisches Pnar bildet, in welchem das Metall das
sogenannte positive Element ausmacht. Dafs das fragIiche Verhalten dieser Subsfanzen fur die Theorie cler
Siiule von sehr groker Wichtigkcit ist, leuchtet ron selbst
ein, geht aber namentlich auch daraus hervor, dafs dasselbe Gegenstand manclrer Erbrterungen und vielfachen
Streites bei den Verfechtmn entsegengesetzter Hypothesell iiber den Quell der Elsktricitat ( i u hydroelektrischen Ketten und Saulen) gcworden ist. Die Voltaisten
sehen in dem elektromoto'rischcn Verbalten der genannten Hyperoxyde einen der sprechendsten Beweise fur
die Richtigkeit der Contacthypotl~ese;wshrend die VcrIheidiger dcr cheniischcn 'I'heorie dasselbe nur als eiue
Bestetigung der von ilriien aufgcstellten Hauptrei;el bc&s,
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trachten. So namentlich d e l a R i v e , welclier das Positivwerden des Platins durch die Beriihrnng mit Manganhyperoxyd daraus zu erklaren sucht, dafs er annimmt,
Ietztere Substanz werde desoxydirt und in Protoxydbydrat verwandelt. Es ist nun keinesweges meine Absicht,
hier in die Streitfrage direct einzutreten und iiber die
dem wissenschaftlichen Publikum bereits vorliegenden und
auf den fraglichen Gegenstand sich beziehenden Thatsachen mich auszulassen. Ich glaube der Wissenschaft einer! bessern Dienst zu leisten, wenn ichc micb darauf beschrsn k e, diejenigen Result ate meiner eigenen Un t ersuchungen mitzutheilen , welche auf das voltaische Verhalten des Silberhyperoxydes, Bleibyperoxydes, des Platills
und .des passiven Eisens Bezug haben. Meines Dafiirhaltens sind dieselbeu von der Art, dafs sie einige Reachtung TUD Seite Derer verdienen, welche sich fur die
Theorie der Saule interessiren.
In meinem schon weiter oben angefiihrten Aufsatze
babe ich der Thatsache erwahnt, dafs das mit einem Eisendrahte verbundene Bleihyperoxyd nach. und nach verschwinde, wenn beide Substanzen gleichzeifig in Salpetersaiire eintauchen, und aus diesem Umstande die Folgerung gezogen, dafs das Verschwinden der geuannten
Substauz durch einen scbwachen Strom bewirkt werde,
insofern letzterer nfmlich Wasser zersetze, der rtnsgeschiedene Wasserstoff das negative Bleihgperoxyd zu
Protoxyd reducire, und dieses sich in SalpetersSnre aufb e . Da nun meinen Erfahrungen zufolge das Eisen tinter den angegebenen Urnstanden passiv ist, und somit der
fragliche Strorn in der Oxydation dieses Metalles seinen
Ursprung nicht nebinen kann; iiberdiefs auch nicht leicht
einzuseheu ist, welche-chemische Veranderuageii stattfinden machten, wenn Salpetersaure, Bleihyperoxpd und passives Eiscn init einander in Beriihruug stehen; so habe
ich bereits hi den Annaleu auf das Sonderbare der in
ltede steheudeu Stroiuwirkuug hingewiespu, uud die Wich-
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we]& diese Thatsache fiir die Theorie der S h l e
hat, dort angedeutet.
Ob es nun gleich als ein ausgetnachter Erfahrungssatz betrachtet merden darf, dafs pdssives Eisen auch
ujcht spurenweise von der Salpeterssure osydirt wird,
und in dieser Beziehung ganz wie Platin oder ein edles
BIetall sich verhalt; so wollte ich, um aufser allen Zweifcl zu stellen, dafs die Existenz des fraglichen Stroms
von jeder Oxydation vdlig unabhtingig sey, das passive
Eiscn ganzlich ails dem Spiele lassen und dcn Versuch
niit Platin anstellen, einem Metalle, dessen Oxydationsuufiihigkeit in Salpetersaiire von allen Chemikern anerhalint ist. Zu diesem Behufe iiberzog ich das eine Ende
cities Platindrahts mit einer Schicht Bleihyperorydes, indeiii ich jenes einige Zeit als positiven Pol einer Saule
i n Bleizuckerlissung eintauchen liefs. Nach Abtrennung
des Drahtes von der Saule wurde derselbe so laoge mit
Wasser bespult, bis ich uberzeugt seyn koante, dab ibm
auch keine Spur von freier Essigsaure oder Bleisalz mehr
anhsnge. Nun tauchte ich das mit Bleihyperoxyd uherzogene Ende des Platindrahtes in chemisch reine Salpetersaure von gewiihnlichem Concentrationsgrade , und
brachte dessen anderes freies Eode in Beriihrung mit
dem einen Ende des Galvanometerdrahts. Verband man
111111 die Saure, verniittelst eines zweiteu, von allen ihin
miiglicher Weise auhangenden fremdartigen Siibstanzeii
durch Behaudluug mit Sauren und G!iihen gcreinigteii,
Platindrahts, mit dein andern Ende des Galvanometerdrahts; so vvurde die Nadel hcftig bewegt, und zwar
w a r deren Ableukung von der Art, dafs sie eineu Strom
anzeigte, der von dem zweiten Platindrahte durch dic
Saure zu dem Bleibyperoxyde ging. Es verhielt sich
dcmnach jcner als positiv, dieses aIs negativ. Auch lnufs
aoch bemerkt werden, dai's der Strom nicht blos ein augenblicklicher war, sondern ein dauenider. Bildete das
Bleibyperoxycl eioc sehr d i i ~ nSchiclit,
~
so diim z O.,
@&t,
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dals sic init deu Nobili’scben Farben irisirtc, SO versetiwand dieselbc nach Schliefsung der Kette sehr schnell
in der Salpeterskiure.
Alle diese Erscheinungen fanden statt, moclite die
bei dem Versuche gebrauchte Saure sehr concentrirt oder
stark mit Wasser verdunnt sepu. Gebraucbte inan austatt der Salpelerszure eine wiifsrigc Auflosong sclimefelsauren Kupferoxydes, so erhielt ich Rcsultate, vollkommen gleich denen, von welchen so eben die Rcde
gewesen ist; nainentlich verscliwand auch das Bleihypero i y d V O dcrn
~
Platindrahtc, wobei i c l aber doch beiuerken m u k , dafs auf deoiselben eiu weilser U e b e n u g ZUriickblieb, dcr walirscheinlich nichts anderes als schn efelsa!ircs Bleiprotoryd ist.
W u r d e ein zusammengebacknes Stuck braunen Bleibpperoxpdes, das auf dem gewahnlichen clmnischen Wege
(durch Behaudluug dcs rothen Bleiorydes init Salpetersaure) bereitet worden war, in cheinisch reine Salpetcrsaure oder in eine Kupfervitriollasung gebracht, und wurden zwei Platindrabte, welcbe mit den Enden dcs Galvanoineterdrahtes in Verbindung standen, in eine der
erwiilinten Flussigkeiten SO eingefulirt, dafs n u t der cine
Platindraht das Bleibgperoxyd bcriihrte, so trat irniner
ein conlinuirlicher Strom auf, dessen Richtuug Jiejeuige
war, welche die vorbin besprochenen Stroiue hattcu.
Versuche, ganz gleich den bereits envshnteii, wurden angestellf mit einem Plalindrahte, von v elclieiti cins
seiner Endcn mit Silberhyperoxyd iiburzogeli war. Die
Verbindung beider Substanzen bewerkstelligtc icli ebenfalls dadurch, dafs ich Platin als yositivcn Pol einer
schwachcn Saule in eine verdiinnte wafsrige Aufldsung
von snlpetersaurein Silberoxyd einige Minuteu Ian6 eiutauclien liefs. Die aus diesen Versuchen erhalteneri Resultate standen wieder im vollkomlnensten Einklairs mit
den weitcr obeu angefuhrtcn, d. h. es rerhielt sich das
Silberliyperosyd zuw Platiu, wie negativ ZLI positiv ; nur
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schien lnir der unter den zuletzt erwahnten Umstsnden
auftretende Strom stgrker zu seyn, als dies die Strtime
der vorigen Fiille waren.
Werldete ich einen Eisendraht an, von dem eines
seiller Enden entweder init Elei- oder mit Silberhyperoxyd b&ckt war, so erhielt ich ein Resultat ganz gleich
del11, welches ein rnit diesen Substanzen Uberzogener Platilldraht lieferte, inochte das Metall, welches die Kette
scblofs, passives Eisen oder Platin seyn. Hieraus ergiebt
sich. dal’s auch das passive Eisen zu den genannten Hyperoxyden positiv sich verhalt.
Uiii das elektromotorische Verhalten des Silberhyperoxydes zu deln braunen Rleioxyde auszurnitteln, brachte
jch die zwei Enden zweier Platindrahte, welche erstere,
das eine mit Bleihyperoxyd, das andere mit Silberbyperoxyd bedeckt wareti, in Salpeterslure oder in Kupfervitriollosung, und verband die beiden freien Enden der
besagten Platindrahte rnit den Extremitaten des Galvaaometerdrahtes. Es trat unter diesen Urnstanden eine
starke Abweichung der Nadel ein, die von der Art war,
dafs sie die Negativiist des Silberbyperoxydes, oder das
Positivseyn dcs Bleihyperosydes anzeigte.
Lafst man das mit Blei- oder Silberhyperoxyd bedeckte Ende eines Eisendrahtes in Salpetersiiure oder in
Kupferritriollijsung eintauchen, ebenso das mit der gleichen Substanz iiberzogene Ende eines Platindrahtes, und
verbindet man die freien Enden dieser Drahte mit dem
Galvanometer, so ergiebt sich aus der Richtung, nach
welcher die Nadel unter den angegebenen Urnstanden
abweicht , dafs das Eisendrahthyperoxydende zu dem
gleich beschaffenen Platindrahtende sich positiv verhalt.
Diese ganz sonderbare Thatsache bangt unstreitig
mit der folgenden zusammen. Gemsfs den Beobachtungen F a r a d a y ’ s und meinen eigenen wird die Nadel des
Galvanometers nicht afficirt, wenn dessen Drahtenden
verbunden merden, einerseits mit Platin, andrerseits mit
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passivein Eisen, und beide Ietzteren MetaIle eintauchen
entweder in Snlpeterslure oder in einer Auflgsung von
schviefelsaurem Kupferoxyd. Ein solches Resultat erhalt
man mit Galvanometern, die schon zieinlich schwache
Str6me anzeigen. Bedient man sich aber bei d e n fraglichen Versuche .eines mtiglichst empfindlichen Multiplicators, so zeigt derselbe einen Strom an, der vom passiven Eiscn durch die Fliissigkeit zum Platin geht; mit
andern Worten, dafs jenes'Metal1 zu diesem sich positiv
verhalt.
Ich habe mir vor Kurzem vom Herrn Mechaniker
B o p p , aus Etlingen im Wiirternbergischen, ein Galvanometer verfertigen lassen, das zwei Tausend Drahtwindungen hat und mit einer astatischen an eineln einfachen
Seidenfaden aufgehangenen Nadel versehen ist. Dieses Instrument, welches, wie man sich leicht denken kann, eine
ganz aufserordenflich grofse Empfindlichkeit'ftir strgmende
Elektricitst besitzt, diente mir bei allen Versuchen, von
denen in diesem Aufsatze die Rede ist, und mit ihm habc
jch auch die eben erwahnte und in theoretischer Hinsicht
so interessante Beobachtung gemacht, dafs passives Eisen,
das mit Platin voltaisch combioirt ist und in Salpetersaure eingetaucht, einen continuirlichen Strom eneugt,
zu welchem ersteres Metall als Anode sich verhalt. Noch
mufs ich die Bemerkung beifugen, dafs die bei den letzten Versuchen angewendete S h r e sehr verschiedene Coucentrationsgrade hatte, von 1,3 bis 1,5, und nichtsdestoweniger in allen Fsllen die glcichen Resultate erhaIten
wurden. Bei Anwendung einer SBure von l , d murde die
Nadel um etwa 90° abgeleokt. Ob nun gIeich bei der
fiberaus grofsen Empfindlichkeit meines Galvanometers
diese bedeutende Abweichwg doc6 nur einen aufserst
schwachen Strom andeutet, so hat defs ungeacbtet die
Thatsache fur die Theorie des Galvanismus seine sehr
grofsc: Wichtigkeit, ond indem ich hier das fragliche
Facturn bekannt mache, will ich d m j t die iu meinem
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Werkchen: ,,Ueber das Verhalten des Eisens zum Sauerstoff,” und andermarta iiber diesen Gegenstand gemachten
Angaben, wie auch die hierher gehiirigen von F a r a d a y
berichtiget wissen.
~ ~ s s cwir
u nun die bis jetzt besprochenen Thatsachen zusammen, so ergiebt sich aus denselben als aI1gernejnes Resultat, dafs Silberhyperoxyd, Bleibjperoxyd,
I’latin und passives Eisen in elektromotorischer Hinsicht
zu einander sich verhalten, daL immer die voranstehende der genannten Substanzen in Beziehung auf die
fblgende negativ ist, und zwar unter Urnstanden, wo
keine wahrnehmbaren chemischen Reactionen stattfinden.
Gehen wir nun zur theoretischen Erbrterung dieser
Ergebnisse iiber. Es ist eine YOU alleu Chemikern anerkannte. Thatsache, da€s chemisch reine Salpetersaure weder auf das Platin, noch auf das Bleihyperoxyd irgend
eine Art von chemischer Wirkuns ausiibt. Werden nun
diese drei Kbrper mit einander zu einer geschIossenen
Saule verbunden, so sollte man, gemafs der chemischen
Theorie iiber den Ursprung der voltaischen Elektricitat
(in hydroelektrischen Ketten), so wie jene, namentlich
von F a r a d a y und d e l a R i v e , in neuester Zeit aufgestellt worden ist, erwarten, d a b unter den eben in
Rede stehenden Umstanden durchaus kein Strom entstehe. Da aber, wie wir gesehen baben, nichtsdestoweniger ein solcher auftritt, so scheint diese Thatsache zu
beweisen, als ob in dem angegebenen Falle das elektrische Gleichge&cht gestlirt werde, ganzlich unabhangig von jeder chemischen Wechselwirkung der die Kette
constituirenden Materien; mit andern Worten: dafs der
Contact heterogener Substanzen die Quelle des fraglichen Stromes sey.
Ganz die gleichen Folgerungen scheinen auch alle
die iibrigen weiter oben angefiihrten Thatsachen zuzulassen; denn so vie1 mir bekannt ist, hat bis jetzt noch
kein Chemiker irgend eine chemiche Wechsehirkuog
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zwischen Platin, Kupfervitrioll8snngI Bleihgperosyd und
Silberhyperoxyd nachgewiesen. In Bezug auf letztere
Substanz und Salpetersaore weirs man allerdings, dals
diese jene auflost, welches Verhalten ich arich bei meinem niichsten Versuche beobachtet babe. Dafs sich passives Eisen in Salpetersaure nicht oxydirt, ist ron mir
schon vor einiger Zeit dargehan worden.
Wollcn wir vorerst wieder zur Betrachtung unserer
aus Platin, Bleihgperoryd und Salpetersarire besrehenden
Kette zuruckkehren und untersuchen, ob der in ihr lireisende Strom wirklich zum Nachtlieil der cbemischen Theorie und 7.11 Gunsten der Contacthypothese spreche. W i e
auffallend diek auch erscheinen mag, so will icli doch
gleich mit der Bchauptung beginneu, d a k das in Rede
stehende Factum durchaus nicht im Widerspruche mit
derjenigen Ansicht steht, welche die strijmende Elektricitat in hydroelektrischen Ketten von einer chemischen
Ursache ableitet. Urn aber eine solcbe Bebauptung zu
rechtferiigen, l n u k ich zun%chst uber dasjenige mich erklaren, was ich uuter chemischer Thatigkeit verstehe. d e wilhnlich sagt man, Stoffe, welche in inniger Beriihrung
stehen , wirken nicht chemisch auf emander, entweder
tvenn sie nicht eine bestimmte unterscheidbare Verbiodung niit einander eingehen, oder wenn, falls mir es mit
zusammengesetzten Materien zu thun habeu, die eine nicht
unter dern Einflusse dcr andern zerlegt wird; iiberhaiipt,
weun die Beriihrung der Substanzeu keine qualitative
Veranderungen derselben nach sicli zieht. Mau behauptet also z. B., das Bleihyperoryd und die Salpetersaure
wirken nicht chemisch auf einander, weil ihre gegenseitige Beriihrung weder zur Dildung einer neuen Substanz,
noch zu irgend einer Zersetzung Veranlassubg gicbt.
Wiirden wir aber, indem wir ein solches Urtheil fallen,
sagen wollen, dais die zwei fraglichen Matericn durchaus gar keine cliemische Action bei ihrer Beriihruug aut-.
eioander nusiibten, d a t sie sich absolut unthatig gegcn
ein-
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ehander verhielten, SO wiirden wir etwas behaupten,
nicbt nur wozu wir durchaus kein Recht kitten, sondern
ctwas, was hachst unwahrscheinlich ware und mit aller
Analogje im Widerspruche st2nd.e. & 1Ufst sich wohl
als chemisches Axiom der Grundsatz aufstellen, dafs, so
oft verschiedenartige Materien in Contact gerathen, auch
zwischen denselben chemische, je nach der Beschaffenheit
der sich beruhrenden Kiirper, mehr oder weniger intensive AoziehungskrPfte ids Spiel kolnmen; mogen letztere
irgend cine chelnische Verbindung oder Trennung veranlassen oder nicht. J a wir mussen sogar in den Frllen,
TVO ein chemisches Resultat wirklich erzieIt wird, annehinen, dais, bevor dasselbe statt hat, das Spiel der
cheinischen Ziehkrlfte bereits begonnen babe; dafs dem
actuellen ein potentieller cheinischer Prozefs rorausgegangen sey, da ersterer nur eine Wirkung des letztern ist.
W i h l e n wir zur Priicisirung des ausgesprochenen Gedankens als Beispiel: Zink, Wasser und SchwefelsSure,
die in gegenseitiger Beruhrung stehen sollen. Ohne Zweifel ubt schon der Sauerstoff des Wassers eine anziehende Wirkung gegen das Zinli aus, ohne hienu die
Eeihiilfe der Schwefelsaure nijthig zu haben; auch mussen wir wohl annehmen, dafs diese SIure eine Anziehung
zuisere gegen Sauerstolf und Zink, ehe sich beide letztere in der Wirklichkeit zu Oxyd vereinigt haben.
Diese cheinischen Anziehungsthltigkeiten mussen nun als
die eigentlichen elektrolnotorischen Krafte betrachtet werden, und sie sind es, welche das elektrische Gleichgewicht storen, ehe die wirkliche Oxydation des Zinks
erfolgt. Versteht sich von selbst, dafs die Entbindung
der Elektricitat a i d wahrend des Acts der Verbindung
des Metalles mit dem Sauerstoff fortdauert.
Was nun die Wirkung der Salpetersaure and des
Bleihyperoxyds zruf einander betrifff, so nehmen wir wohl
nichts Ui~gewiihnlichesan, wenn wir z. B. sageti, erstere
suche sich mit dew Bleiprotoxyd zu verbinden und das
I’oggoeodorll’s Anna]. Bd. XXXXIIl.
7
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zweite Mischungsgewicht Sauerr,.off von dern Superoxyd
abzutrennen. W e n n nun in der Wirklicbkeit dieser Zersctziingstendenz auch keine E'olge geleistet wird, wenn
SalpctersSure Salpetersiiure, Bleiliyperoxyd Blcihpperoxyd
bIeibt, so ist besaete Tendenz defswegen nicht ein Nichts,
sondern eine wii klich ausgeubte chetnische Tkitigkeit, d i r
reelle heufserung einer Kraft. Wie ich bereits schon vorhin bemerkt habe, mufs man niin eben dieser Thatigkeit
das Veriniigen zuschreiben, Elektricitat in Form eiues
Stroins in Bewcgung zu setzen, welcher Ictztere, bekannten Gcsctzcn zufolge, eine solche Richtung haben mufs,
dafs zu deinselben das zur Desoxydation tendirende Bleihyperoxyd als Kathode sich verhalten mufs, falls man
namlich dein Strome Gelcgeaheit zum Krcisen giebt. In
Folge diescs Slromes, der aber wohl bemerkt an und
fiir sich ein schwacher ist, wird W a s s e r zersetzt und
d e r an dcm nt-gativen HTperoxyd auftretende Wasserstoff ziir wirklichen Desoxydation jener Substanz verwendet, welcher Uinstand nntiirlich die ursprlingliche Intensitat des Stroines noch steigert.
Das negative Vcrhaltcn des Silberhyperosydes zu
dem Rlrihyperoxyd crklart sich nach den oorausgegangrnen Benierkungen aus der ungleich starken zersetzenden Wirkung, welche die Salpeterssare auf die beiden
Superoxyde ausiibt; denn man darf wohl annehmen, dafs
das zweite Mischungsgewicht Sanerstoff an das Silber
weniger innig gebundeii ist, als das zweite Mischungsgewicltt des gteichen Elements an das Blei; oder, was das
Gleiche ist, dars die Tendcnz der Salpetersaure, den iiberschiissigcn S<werstof€aus dem Silberhyperoxyd abzuscheiden, griifser ist, als dirjenige, welche dns Bleihyperoxyd
zu zctlegen sucht. W i r d diese Voraussekung als richtig
zugestanden, so folgt aiich a m einer solciieti hnnahme,
dafs der aiif Seite des erstern HyperovyAes erreete Strom
grijfser ist, als dcr von dem bratinen Bleioxydc IicrvorSebrarltte, rind wir hahcn demnach in dcm obcn ange-
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fchrtcll Versuchc, in welchem beide Hyperoxyde mit dcr
Salpetersaure die Kette bilden, den erhaltenen Stroin
als die Differem der an beiden Hyperoxytlen erzcugtell 11nd in entgegengesetzten Richtungeu sich bewcgendcll Strfime zu betrachten.
Aufser den chemischen l'hatigkeiten, welcbe wir, als
zwischen der Salpetersaure und irgenil einein der Hyperoxyde stattfindend, angenommen haben, kiinnen wir noch
einc weitere anfiihren, diejenige n;imlich, welche zwischen
Jem Wasser und dem Hyperoxyde sich YaCsert. Und
Jiese Thatigkeit selbst kann von zweierlei Art seyn. Erstens tendirt das Wasser, mit dern Proloxyde des Bleies
odcr Silbers zu einem Hydrat sich zu verbinden, und
dadurch einen Theil des. Sauerstolfes von dem Hyperoxyd abzutrennen. Diese Zersetzungstendenz ist aber offenbar von der A r t , da€s sie die Elektricitat nach ebeii
der Richtung in Bewegune; setzt, nach melcher die chemische Wirkung der Salpetersaure auf das Hyperoxyd
den Strom lenkt. Zweitens hat das Wasser das Bestreben, noch mit einem zweiten Mischungsgemicht Sauerstoff
zu Wasserstoffsupero~yd sich zu verbinden , eiri Bestreben, das aus bekannten Griinden durch die Anwesenbeit
der Salpetersaure noch gcsteigert vvird. W i e man leicht
einsieht, mufs auch diese Art chemiscber Anziebung elektromotorisch wirken und zu einem Strorne Adafs gelen,
fur welchen die Hyperoxyde ebenfalls die Katliodc sind.
Dafs in der That Wasser allein einen Strom erreat,
wenn in dasselbe ein iiiit Blei- oder Silberhyperoxyd
voltaisch combinirter Plntindraht gebracht wird, lafst sicii
vermittelst eines sehr empfindlichen Galvanometers nachwcisen; welche Thatsache wohl als Beweis fur die Richtigkeit der Annahme betrachtet werden kann, dafs das
Wasser eine cheinische Wirkung auf die besagten Hyperoxyde ausiibt in dem vorhin bezeichneteu Sinne.
Aber wie erk1:ircn sich nun die Stromerschein~npp,
wclchc eintreten, wcnn man anstatt der Salpetersailre
'7"
eine Aufl6suug von schwefelsaurem Kupferoxyd anwendet? Ganz auf dieselbe Weise, wie diejenigen, von denen
eben die Rede gewesen. Die in dein Salze enthaltenc
SchwefelsYure ist dadurch, dafs sie dort an Kupferoxyd
gebunden , keinesweges als chemisch todt in Eeziehiing
auf die Hyperoxyde anzusehen, immer wird sic noch aus
den letzteren Sauerstoff abzutrennen und mit dem Protovyd sich zu verbinden sucheu. Auch das Wasser in
der Aufliisung wird seinerseits durch die vorhin angedeuteten ctiemischen Anziehungs - und ZersetzungstendenzerI
gcgen die Hyperorydc thatig seyn, und dadurch zu ciner
Elektricitatsbewegung in der angefuhrtcn Richtung mit
der Schwefelsaure concurriren. Der einzige Unterschied
zwischen beiden Fallen wird nur der seyn, d a k bei Anmendung von Salpetersaure die eintretenden Striime etwas intensiver sind, als diejenigen, welche man vermittelst der Kupfersalzliisung erhalt. Genauere Messungen
habe ich wit den fraglichen Str6inen noch nicht angestelIt; .es schien mir aber, dafs unter ubrigens gleichen
Umstliuden die Nadel immer am stsrksten abgelenkt
wurde, wenn man bei deem Versuche Salpetersiiure anw endet e.
Um nun auch noch ein Wort iiber das elektromotorische Verhalten des passiven Eisens zu sagen, so wird
sich dasselbe aus den voranstehenden Beinerkungen einfach
und ohne allen Zwang erklareii fassen. W e n n nYmIich
das passive Eisen, uingeben ron Salpetersaure, awl! nicbt
mehr im Stande ist, letzterer Sauerstoff zu entzichen und
sich wirklich zii oxydiren, so ist damit die chemisrhc ,4nziehongskraft dieses Metalles noch nicht absolut aufgehoben; das passive Eisen bestrebt sich fortwnhrend, obwohl vergebiich, mit dem Sauerstoff der SYure, wie aiich
init dem des Wassers in Verbindung zu treten ; und eben
in diesen chemischen Tendenzcn des RTetaUes liegt nun
auch, v i e in den friitieren FYllen, der Grnnd, wefshnll)
101
dassclbc in Beziehung auf das Platin positiv ist und cioen Stroll1 von der angegebenen Richtung erregt.
Ob ich uun gleich iiicht in Abrede slellen will, dais
Jic bisher besprochenen Thatsachen als Argument zu
Gunsten dcr gewohnlichen Contacthypothese gebraucbt
werdcll hiinnen, so hat nieines Bedunkeus die von mir
; l ~ f p s t e f l l cchemische Ansicht nicht nur den Vortheii, dafs
die fragliclie~~
Slroinerscheinringeii wenigstens eben so
gut erkllirt, als die Beriilirungstheorie, sondern jene hat
vor dieser namentlich auch das Verdieiist zum Voraus,
dafs sie zur Erkllrung der strfiincndcn Elektricitzt nictit
der Annahine einer neuen Iiraft, der elektroiuotorischen,
der voitaischen, niithig hat. Hierzu komint noch, dafs
die Geeammtsumme der bis jetzt beobachteten voltaischen
Eischeinungen durch die chemische Theorie vie1 einfacher und ungezwungener sicb erklzren l m , aIs diirch
die Contacthypothese, ja dafs gewisse Thatsachen n u r
durch jene begreiflich werden, wahrend dieselben geradezu im Widerspruchc mit dieser stehen.
W e n n man rnich nun aber fragte, auf welche Weise
denn durch eiue chemische Thatigkeit das elektrische
Glcichgewicht der Korper gestort werde, so weifs ich
hierauf eben so wenig zu antworten, als diefs deF Voltaist zu thun im Stande ist, wenn man von ihm ZLI wissen verlangt, wie deiin seine elektromotorische Krafi die
elchtt ischen Gegensatze bervorrufe. - Aucli in diesem
l'cmkte steht demiiach die cheniische Theorie iin Verpleich Init ihrer Nebenbulilerin in keinerlei Art r o n Nachtheil, und wie wenis wir auch noch von dein nissen,
was ein voltaischer Stroiii, was ElektricitBt uheihaiipt
ist, und auf welche W e i s e dieses gelieiinnifsolle Agens
m r Thitigkcit erregt n i r d ; jcdenfitlls lrann ich niir vicl
lcichter rorstellen, n i e elektrischc Erscheiniingen durch
cheinische ~~uleciilar-Tli8~igkeiten
hervorgerufeu werden,
als es iiiir mdglich ist zu denken, wie die eleLtroiaotorische Kraft der Voltaisten Korper elektrisch polarisirc.
.
102
Bei eincr naheren Vergleichung der in dem Vorhergehcndcn von inir aufgestellten chemischen Theorie fiber
den Quell der voltaischen Elektricitat mit den, von F a
r a d a y , d e l a R i v e und Andern, geltend gcmachten
hnsichten, wird man finden, dafs ich in Bezug aiif die
elektromotorischen Effecte der chemischcu Anziehungskrafte meiter gehe, als die erwahnten Naturforscher. Denn
diese, wenn icli anders ihre Bchauptungen richtig verstanden habe, betrachten nur die mit einem materiellen
Erfolg begleitete, zwischen verscliiedenartigen Dlaterien
stattfindende, ciieiniscbe Thatigkeit als fahig, Elektricitat
in Bewegung zu setzen; die Thatigkeit also, welche z. B.
die wirkliche Verbindung eines Metalles mit Saaerstoff
zum Resultate hat. Ich hingegcn behaupte, dafs schon
die blofsc Tendenz zweier Korper, sich zu verbinden,
deren elektrisches Gleichgewicht start, wenn aach keinc
wirkliche Vereinignng derselbeu erfolgt. Allerdings nehme
ich zu gleicher Zeit an, und die Erfahrung rechtfertigt
diese Annahme, daEs ein Stroin, der in Folge einer wirklichen Verbindung zweier Stoffe cntsteht, unendlich stYrker und grbCser ist, als derjenigc, der nur durch die
Tendcnz der gleichen Materitn nach Vereinigung hervorgerufen w i d .
Indein icL nun init F a r a d a y die Ansicht theilc,
dafs chemische Affiiiitiit und elektrischer Strom nur verschiedene Thatigk eitsformen einer und eben dcrselben
Kraft sind, oder wen11 inan lieber will, dafs dasjenige,
w a s die Physiker Strom nenneu, nur die Fernwidrun;;
ci 11er ch einisch eti Anzi e hu ngs that igk eit ist, w elche a n bestimmten Putlkten einer gesh:ossenen hydroeiektrischcn
Kette stattfindet; so sehe icti in dein Galvanoiuetcr ein
Wcrlizeug, dns bei gchoriger Empfindlichkeit uns in dcr
Ablenlrung der n i t ihm verbundenen Magnetnadel Kunde
giebt von dein leisesten Spiele chemischer Krafte, das uns
Affinitlitsanziehungen wahrnchmbar inacht, die aller siniilicher Anschaauog entgehen.
-
103
IU dieser Ueziehiins dtirften wir daher das genaun:e
[nstrument .vrohl mit dem Namen cines chemischen Mikroskops belegen. W i e nun in diesein Augenblick durch
die sinnrcichen Untersuchungen B i o t's eine Bahn gebrocllen wird , aus gewissen Polarisatioiiserscheinuogeii
des 1,ichtes die delikatesten chcinischeii Vorgiinge zii erkclinen, welclie uuter gegebenen Urnstanden in sicti beriillrenden flussigen und durchsichtiken Materien stattfiiidell; so diirften wir auch erwarten, dafs veriiiittelst eilies bis ziw moglictist grofsen Empfindlichkeit gebrachteii
Galvanometers cherniscbe Molekiilarthatigkeiten nachgewiesen werdcri Iiiinnen, welche bis jetzt, ibrer iiberaus
p o i s e n Feiuhcit wegen, aller Beobachtung entgaiigeo siud.
Bei geeigueteui Gebrauche dicses unschatzbareu wissenschaftlichen Iustrumeuts darf daher die Chernie , welche,
uu~;eachtetihrer lSglicheiJ thatsachlichen Fortschritte, jetzt
doch mehr als je, Behufs ibrer ~vissenschafllichen Fijrderung, d e r Beihiilfe der Yhysiker bedarf, ich sage, dafs
bei eiuem eiusichtsvollen Gebrauche des Galvanoinetcrs
die Chernie bedeuteoder Erweiterungen sich gewartigen
darf. Ln Iuteresse dieser Wissenschaf: ist niir zii wunscheo, dafs Forscbungeii der angedeuteten Art von recht
Vieleu angestellt werden niiictiten; auf eine reiche Ausbeute a n ueuen Thatsaclieu konneo wir, wie gesagt, siclrer rechneu.
Basel, deu 27sleii I l e c r u h e r 1837.
VILI. No6z iiber tiit: Pussioitiit des E ~ s ~ R s ;
vori C. F. SchL'nLein.
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passive, ber, eisens, elektromotorische, metallhyperoxyde, verhalten, platin, das, des, einigen, beobachtungen, und
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