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Beobachtungen ber die Dmmerung.

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240
Arbeit, die nothig ist, um die Inductionsbahn dem indue&
renden Hauptstrom au nahern, oder sie oon demselben su
entfernen. Wenn J, i, i,, M und m die friihere Bedeutung
haben, A die genannte mechanische Arbeit beseichnet und
C eine Constante ist, so erhalt man fiir diesen Fall:
m f i ' d t t M [f ( J - i , ) ' d t
f J zdt] =CA;
wo die Gransen des Integrals dieselben sind als vorher.
Weran in dieser Gleichung A gleich gemacht wird. mit Null,
so erhalt man dieselbe Gleiehung wie in No. 3. Diese letate
Gleichung driickt demnach die allgemeine Bedingung aus,
der bei der Induction Geniige geleistet werden murs, moge
die Induction durch eine Intensitatsveranderung des inducirenden Hauptstromes, oder durch Annaherung oder Entfernung der Inductionsbahn geschehen.
Stockholm, im Februar 1864.
-
11.
Brohochtungrn iiber die Damrnerurrg :
von W i l h r l m von B e z o l d .
B e r e i t s seit einer Reihe von Jahren hatte bei einem regeimaifsig im Herbste wiederkehrendeii Aufeuthalte in den
Alpen die Erscheinung des sogeuanuten Nacbgliihens I )
ineine Aufinerksarnkeit erregt. Im lelztverflossencn August
und September bot sich mir die schiiiiste Gelegeiiheit dieselbe an verschiedeaen Punkten der Alpen zu beobachten.
Hierbei fie1 rnir auf, d a b das ebengenaonte Nachgliihen an
Gebirgen, welche , 6stlich vom Beobachter gelegen, helle
I ) S. D e l a
R i v e , Hepori of the seventh iweeting of the B r i t . Ass.
Ad. uf Sc. Truns. uf Sect. p 10. Pogg. Anu. Sd. 46, S . 511.
N e c k e r ( d e S a u s s u r e ) , A n n . de. chim et de phys. t o m e 70,
p . 113 jf et p. 225 JJ
W o l f , Mitthei!ung der naturf. Gesellsch. in Bern v. J. 1852 S. 49.
A. und H. S c h l a g i n t w e i t , Neue Untcrs iibcr d. phys. Geog. der
Alpen 1854 Cap. XIV, S. 472 ff,
J
241
Felswiinde oder Schneeflachen gegeu Westeu kehren, des
Abends stets gleichzeitig iuit einem eigeuthiimlichen purpurfarbeaea Lichte am Weslhimmel eintrat, wabrend das
analoge Phiinomen sich des Morgens zeigte.
Diese Erscheinung, von welcher icb trotz ibres Glanzes nirgends gelesen batte, uud die aucb mir friiher stets
eutgangen war, weil die beleucbteten Gebirge meinen Blick
gefesselt bielten, veranlafste inich, nacb meiner Riickkebr
nach Miinchen, sowohl der Literatur ) iiber diesen Gegenstand nacbzugehen, als auch die in der I)~mmerungauftretendeu Phiiooinene in unserer Ebene, die einen fast vollkominen freien Morizout gewtihrt, anbaltend und aufmerkSam, Zuni Theile messend zu verfolgen.
Dabei gelangte ich zu detn Resultate, dafs trotz der
ausgedehnten Literatur, welche besonders aus iilterer Zeit
iiber die Dammeruiig existirt, nicht eioual eiue richtige uiid
vollstaudige Beschreihung, geschweige eiue einigermafsen
geuiigeiide Tbeorie des Dammerungsvorganges vorhanden
ist, sondein, dals hier sowohl fur die Beobachtuug, als fur
theoretische Uritersuchuugeu nocb ein reiches Feld unerscblosseu vor uns liegt.
W en n ich es wage, die Resultate meiner Beobachtpngen scboo jctzt, uoch ehe ein weitergebeader Abschlufs,
als eiue erfahrungsmafsige Feststellung der Tbatsacheu im
Grofsen und Ganzeu erzielt worden ist, der Oeffentlichkeit
zu ubergebeu, so gescbiebt diefs aus doppeltem Grunde: Erstem befiude ich mich wegen Mange1 eines geeigneteu Locales nicht in der Lage, fortgesetzte, wit genauen Messungen verbuudene Beobachtuugsreihen anzustellen, anderseits
aber erscheint es mir sebr wuuschenswerth, noch ehe mau
an eine mathematiscbe Untersuchung des Gegenstandes herantritt, Beobachtungsreihen von mbglichst verschiedenen
Punkten zu besitzen, um das rein Locale vom Wesentlichen trenuen zu klinnen.
Mithiu ist es ein Hauptzweck dieser Zeileu andere Beob1 ) Man findet dieselbe fast vollstaodig in: KBmtz Meteoiologie Rd. 111,
S. 50 ff uod F o r b e s , Po g g . Ann. Erginzungsbd. 1. S . 49 ff.
PoggendorPs Ann. Bd. CXXIlI.
16
242
acbter , vor Allein Astronomen , wissenschaftliche Reisende
usw. auf diefien Gegenstand aufincrksam ZU machcn, und
ihnen eiiie Vorarbeit fiir weitere Untersuchungen zu liefern.
Es sol1 deinriach zuerst eine licschreibiiug der Abenddsmiiierung gegeben werdeo, wie sic sich, abgescheii von
den individrielleii Eige~~thiimlichkeiteneinzeltier 'rage, a n
jedem wolkenfreicn I ) Abend hier i u Miiiichco beobacbten
lzfst, unter Zugrundelcgung voii '14 Bcnbaclituiigsreihe~i,
welche iu der Zeit voin 20. Oct. 1865 bis zuiii 15. April 1864
t h ei Iw uise nur u II t er A II w c' ti d u n g v o II Z eit b est i in in ungeu,
tbeilweise aiich init M'itiheliiiesstitigen verhurideu, aogestellt wurden, ungerechiiet die auch tioch aufserhalb dieses,
Zeitraunis gelegeiitlich geiiiachten Reohachtiiiigeii. Eine kurze
Bescbreibung dcr eiitsprcclietideii Erscheinutigen in den Alpen wird geeiguet seyu, deti Zrisaitiiiieiiliang zwischeu dein
Nachgluheu, nnd dein L)lininc~ruiigsvorgallgre, cvie innn ihti
in der Ebeiie beobachtet, vor Auger1 zu stellen. W c u i g e
W o r t e werdeii hitireiclien iiin zii zeigeii, welclie rind iu
wieferti sich die E~rscheinungeii inessend verfolgeo lasseo.
Im zweiten Theile solleti alsdann die Ergebnisse einzclner Messungsreiheii angefiihrt werden, 11111 sowobl das
im crsteii entmorfeiie Bild zu vervollstzndigen uud zii przcisiren, als aucli, urn cine Gruiidlage zu gcwinoeu fur eine
Discussion, dereu Zweck es ist, das Ungeniigende und Falsche der bishcrigea Ariscliauiingen zu beleuchten.
Wenn ich den kritisclieu Theil ganz gegen den soustigen Gebraucb erst ain Schlusse bringc, so gescbiebt diefs,
um im Gcgetisatze zu den bislierigen Beschreibuogen
den11
n u r die voii N e c k e r , obwohl unrollsta~idig, ist von diesem Vorwurf auszunehuieu, sie scheiut jedocb splteren
Schriftstelleru iiber dieseri Gegenstand entgangen zu seyn dem Leser das Bild der Erscbeiuungen ebenso reiti und
-
1 ) Unter
-
nwolLenfrci(( v.ers11.1~cic.11
Wolkennmssen,
insbesiindvi e
1iiw
n o r die hbwerenllrit griifserrr
und Osilrimmel.
Einzelne
a m \Test-
Wiilkchen, bcsondcrs im Norden nnd Siitleo, kiinncn selbstverstaodlich
a n f den Gang der Krscheinririgen irn
seyn.
hllgenleineri oicht von Eintlufs
243
frei 0011 hineingetragenen falschen theoretischen Anschauungen zii entwerfen, wie ich es selbst aus den Beobachtiingen gewonnen habe, noch ehe ich inich irgend mit der
Literatur bekannt gemacht hatte.
I.
§. 1. Sobald an einem wolkenfreien Abend die Sonne
sich dem Horizonte iiabert, nimmt der unterste Theil des
Himinels ringsherum eine Farbe an, welche sich sttirker von
der der daruber befiiidlichen Partieen unterscheidet, als diefs
bei hiiherein Stande der Sonne der Fall ist.
I m Westen, worunter hier ein- fur allemal der Theil
des Himmels verstanden werden soll, welcher im Vertical
der S o m e auf Seite der letzteren liegt, wahrend das Entgegeugesetzte vom Osthinimel gelteu sol1 , ist diese Farbe
Anfangs eine aufserst trarisparente weifse mit der Zeit ins
Gelbe ubergehende, wahrend sie im Norden und Siiden
einen triiberen , zuerst scbwach dann etwas starker, ockergelben Ton aniiimmt, iin Osteu aber ails eineni schniutzig
ockergelben init J e r Zeit in einen triib purpurnen ubergeht. Dicht am Horizonte ist die Farbong ringsberuui eine
trubere, wahrend sich in etwas griilberer Hiihe ineist eine
klarere Schicht bemerkbar macht. Die purpurnen Tone
ini Osten nahern sich a m Horizonte dem Grauen, Aschfarbenen und verlaufen gegen oben allmahlich ins Blau des
Himmels, so dafs sie bei Sonnenuntergnng in einer Hiihe,
welche nach der Beschaffenheit der Atmosphare zwischen
6 und 12 Grad schwaukt, nicht mehr erkennbar sind. Manchesmal zeigt sich zwischen dem klaren, durchsichtigen Blau
des Himmels und dem trfiben Purpur in der Umgebung
des Horizontes eine weifsliche auch ins Gelbliche spielende
hellere Schicht.
Sobald die Sonne unter den Horizont herabgesunken
ist, erhebt sich am Osthimmel der aschfarbene (so glaube
ich die Farbe.'richtiger hezeichnen zu kiinnen als mit dem
Wortc ublau", wie sonst ublich ist) Erdschatten in der
16
*
244
Gestalt des von L e M a i r a n zuerst beschriebenen * ) dunklen Segmentes.
Dieses dunkle Segment scheint sich n u n formlich iiber
den purpurneu Theil des Hiniinels heraafzuschieben, 60 dafs
dieser einen zusehends schmaler werdendeo Gurtel , den
ersten ostlichen Dammerungsbogen oder die erste Gegendammerung bildet. Da der obere Theil dieser hellen Zone
keine oder nur eine sehr geringe Bewegung nach ohen
easfuhrt, so wird sie friihcr oder spater vollstandig von
dem dunklen Segment verdrsngt, gleichsam iiberdeckt , j e
nachdem sie sich bis zu einer geringeren oder grafseren
Hiihe erstreckt hatte. Sobald das dunkle Segment nicht
mehr durch diesen helleren Gurtel \on dem daruber ausgebreiteten bereits ziemlirh dunklen Himmel getrennt ist,
kann seine Granze nicht mehr wahrgenommcn werden,
hbchstens unterscheidet sich der dew Segment entsprechende
bogenformige Raum durch seinen aschfarbenen Ton von
den hiiheren Theilen des Himmels. Diefs widerspricht d e n
bisher geltenden theoretischen Anschauungen nnd den darauf gegriindeten Beschreihungen. N u r bei R e r g m a t~11 * )
finde ich diese Thatsacbe entsrhieden ausgesprochen, aus
der Bescbeibung von M o r s e ) kann man sie herauslesen.
Mir ist es nie gelungen das dunkle Segment weiter als bis
zu einer Hohe von 12" zu verfolgen, meistens entschwand
es sogar schon in der halben Hohe meinen Rlickeu.
W a s die Gestalt des dunhlen Segmentes betrifft, so
glanbe ich, dafs sie schon diirch dime Bezeichniiiig sehr
g u t charakterisirt ist. Seine Regranzung ist ein Rogen,
der einem grokten Kreise wohl ziemlich nahe kommen mag.
Die beiden Theile jedoch, an welchen dieser Bogen den
Horizont heriihren sollte, sind meist so aufserordentlich
1 ) Trait; dr I'ntrrore lordale cd. 2 p . 79 (nach K ii m t a ) .
2 ) B e r g m a n n Beschrribong der Erdkugel. Greifskald 1791 R d 11, S . 61 ff.
Doch giebt er an, dafs drr Rogen z u r v e i f m norh am Scheitelpunkt sichtbar sey.
3) M o r s e , Siilimunns . l o u r n . o f Sc Vof X X X V IIJ, p . 389 Pogg.
Ann. Erganrongsbd. 1. S. 524.
245
verwaschen, dafs ich mir hieriiber keiu Urtheil zutraue, o b
sie um 180° von einander abstehen, oder, was ich eher
fiir richtig halten mochte, um weniger.
Die Grauze des dunklen Segmentes lafst sich am besten
in der Nahe seines hdchsteu Punktes bestimmen, und auch
da nur scharf, nachdem es sich bereits urn eiuen bis zwei
Grade iiber den Horizont erhobeu hat, bis einige Zeit bevor es vollstandig verschwindet. Dicht am Horizont beobaclitet man namlich meistens eine graue Schicht, die Nebel,
Rauch usw. ihren Ursprung verdanken mag, uud sehr leicht
zu Tiiuschungen Anlafs giebt, so d a b man oft schon ziemlich lange vor Sonnenuntergang das dunkle Segment zu erblicken glaubt, was doch ganz unmiiglich ist. Unter den
gunstigsten Umstanden diirfte sich die Granze des Segments
wohl bis auf 10 oder 6 Bogenminuten ja vielleicht noch
genauer bestitnmen lassen. Ueber das Gesetz seines Fortschreitens sol1 im §. 9 gesprochen werden.
5. 2. Wahrend mau diese Beobachtungea am Osthimme1 inachen kann, zeigt der westliche die folgeuden Erscheinungen :
Der helle weifsliche Schein, von welchem schon oben
die Rede war, erstreckt sich vor Sonnenuntergang in der
Nachbarschaft des Verticals der Sonne hoch hinauf. Diese
Ausdehnung uach der Hbhe ist mir einige Male besonders
aufgefallen, wahrend die Sonne etwa noch 4' iiber dew
Horizonte war, auch schien es mir als habe der Schein um
diese Zeit einen leichten Stich ins Purpurne. Bei Beobachtungen, welche man hieriiber anstellen will, mufs man
selbstverstandlich das Auge durch einen Schirm vor dem
directen Sonnenlichte schiitzen.
W e n n nun die Sonne sich dem Horizonte nlhert, so
nimmt der ganze westliche Himmel vom Horizonte bis
zu einer Hdhe, welche je nach der Reschaffenheit der Atmosphare zwischeu 8" bis 1 2 O schwankt, eine immer entschiedenere gelbe Farbung an, welche dicbt am Horizonte
oft ins Rothe, ja sogar' ins Braunrothe iibergeht. Dabei
bleibt iiber der S o m e eine helle, aufserordentlich transpa-
246
reute Stelle von verticalrr aher ver1~lltnifsm;ifsig grofser
horizontaler Ausdehnung ubrig, wclclic dic Grliize zwisclien
den1 gelbeii Theile i i n d dctii freiltcli rioch immcr zieiiilicli
hoch hinnuf Icuchtendeii blaueii Hiiiimel bildet. W e n u die
Sonne wirklich untergegaiigen ist , wird das Gelbe iinmer
inteusiver, gelit oft ins Orange tiber, wdirend die bcsagte
transparente Stellc iiii liorizontaleii Siiitie wachst, uiid allmlhlich iu eiiie lielle Zoiie ubergelit, welche B r a u d e s dcii
Dunanerungsschein ) naiinle. D e r dariiber befiudliche 'I'hcil
des Hitnmels wird rascli duiiklet. Ua die gclhe \Valid des
Abeudhiiniuels spiiter nuch d i e Gcstalt eiiies Segiueiites anniroint, und die Function, welchc das Siiilicn dieses See;rneutes dnrstcllt, einfach die Fortsetzuiig jeiier fur den ])ammerungsschein geltenden ist, so will i c h diesen gelbeii Tlieil
das erste helle Segment iieti~ien,uiid seiiic Granze dcii ersten westlichen Damnaerungsbogen.
0. 3. W d i r e n d die ebcu beschriebeneii Erschciuuugen
am uiiteren Tlieile des ~ e s t h i i n m e l s vor sich gelieri, iliachen sich i n eiiier grofseren Hiihe ctrvn 25" uber deiii tlorizonte purpurne Tihie gelteiid. Auf deiri bereits erlieblich
duiikler gewordenen Hiuimel tritt zuerst eiii heller Fleck
iu der angegebenen H d i e auf, der rascli eirie eutscliiedene
purpurne Farbung aniiitiiint. Diesc F a r h e kotnirit jener am
nlcbsteu, welche inan durch Ucbetciiianderlngerung der
Enden zweier Spectreii erhaltcn kanii, uian kontrte sie aucli
roseufai b iieniicn, manchmal hat sic ciiien Sticli ius Rotlic.
Oicse hellc Stclle crweitert sich aufscrordcutlich rascb, und
hat rnaiichesnial die Gestalt eiiies Kreiseg, dcr utitcr bestandigem Waclisen seines Radius fihnlich hinter das gelbc
Segment hinabzurutschen scheiiil. Wenu die lelzteii purpurnen T 8 n e a m Osthimtnel verschwindeu, kann tnau dicse
Erscheinung, wclche ich das erste Purpurliclrt IICIIIICII will,
. . I ) G e h l e r s phys. Wiirterb.
n e w Ausgabe Bd. I1 S. 271. Die Bescllreibung des , , D ~ i i l m e ~ u n g s s r l l e i r r is1
e s ~j ~a l o c l i a. a . 0. so u n t l s l , (lafa ebenso
gut das Purpurlicht daruntcr vctstanderl s e j n kiinnte; hicr sol1 dcrn Worte
die eben entwickclte Redeutung beigelegt werden, da es daliir passend
schcint.
241
jedenfalls deutlich wahrnehmen. Bei weiterem Sinken der
Sonne nimmt sie sehr an Intensitat zu, und erreicht ein
Maxiinum, bei einer Tiefe der Sonne, welche ich nach meinen Beobachtungen je nach der Beschaffenheit der Atmosphare zwischen 3",40 und 4",50 schwankend fand ). Um
diese Zeit erscheinen Gebaude, welche eine Mauer gegen
Westen kehren , und welche dicht nach Sonnenuntergang
sich bereits ganz fahl gezeigt haben, ohne irgend eine Abwecliselung zwischen Schatten und Licht , wieder ziemlicb
lebhaft mit eiiiem rosenfarbenen oder hellfleischrothen Tone
ubergossen. Das Analogon des Nachgliihens der Gebirge.
(S. tj. 6). Ziemlich scharfe Schatten machen sich wieder
bemerkbar, und man ist im Stande, Details an den Gebauden zu erkennen , welche sich gleich nach Sonnenuntergang dem Blicke vollkomrnen entzogen batten. Diese Beleuchtung reicht bin, uin selbst mitten in der Stadt in engen Gassen, wo man nichts vom Westhimmel erblicken
kann, das Auftreten des Purpurlichtes auf das Entschiedenste zu constatiren. Das Purpurlicht ist der einzige Grund
dieser zweiten Beleuchtungen und nicht etwa Contraste,
wie N e c k e r zur ErkLrung des Nachgliihens anninimt;
denn es geniigt, um sie wahrzunehmen, wenn z. B. eine
giinstig gelegene W a n d dew Blicke zuganglich ist, ohne
dafs gleichzeitig auch nur ein Stiickchen Himmel sichtbar
seyn mufs. Alle Personen, welche ich darauf aufmerksauo
machte , waren im hochsten Grade erstaunt, diese Erscheinung nicht schon friiher beachtet zu haben.
Wahrend das Zustandekommen des Purpurlichtes s e i r
schwer mit Genauigkeit beobachtet werden kann, und iiherdie€s an verschiedenen Tagen in sehr verschiedener Weise
vor sicb geht, so wird der Verlauf desselben von dem Zeitpunkte an, wo es sich seinem Intensitatsmaximum nahert,
ein ziemlich regelmahiger. Es hat alsdann bei reinem Himme1 nahezu die Gestalt eines Kreises, dessen Centrum eih
I ) Der Kiirze halber werde ich mich in der Folge baufig des Ausdruckes
aTiefe der Sonnet< bedienen
hohe((.
, anstatt
des strengereo ~inegativeSonnen-
248
wenig iiber dem gelben Segmente liegt, wahrend der untere Tbeil desselben v o n letzterein verdeckt scheint, etwa
wie Fig. 12 Taf. I es darstellt, in welcher h den Horizont
s die Grtinze des hellen Segments und p die in der Natur
freilich aufserordentlich verwaschent des Piirpurlicbtes bedeutet. Zu beiden Seiten des Purpcirlichtes sieht man iiber
den1 hellen Segniente zwpi lichtblangriine Stellen bei a I ) .
Dieser regelmafsig vorbandene Stich ins Griine hat seinen
Grrind nicht i n Contrastwirkungcn, wovon man sich durch
Abhlenden iiberzeiigcn kann, noch mehr ab6r durch eioe
spater zu beschreihcnde Eigenthtiinlichkeit derselbeo. Das
Centrum des Porpurlichtes tritt nnn rnsch nach abwiirts,
wahrend sein Radius fortwtihrend wiichst, so d a b es bald
die Gestalt eines Halbkrcises anniinmt, dessen Centrum auf
der Gr#nze des h r l l r n Segmentes liegt, rind endlich in eiue
echmale ond triibt Zone v a n srhr geringer HOhe aber hedentender liiiearer Ausdehnung ijbergeht. Durch diese Zone
wird alsdann das helle Segment scharf begraiizt, so daFs von
jetzt an cigentlich es erst seinen Kameii rnit Recht fuhrt.
Uicse GrBnze ist der erste westliche Damnierungsbogen.
Urn die Zeit, w o dns erste Porpirrlicht sicb zu jener
schmslen Zone zusainmenzirht, u m bald darauf ganz zu verachwindeii, erfolgt jeue auffallrnd rasche Ahnahinc! der allgeineinen Tageshelle, mi! deren Eintritt nian die Wrgerliche Dumnaerung beendigt ansieht. Die Sonnentiefe ist alsdann nnhezu 6".
Untersuchungen iibet die Polarisation des Purpurlichts
ergaben, dars es auffallend schwacb polarisirt ist , wahrend
sich ringsherum die Polarisation des Hiinmelslichtes auf's
1)eotlichste knnd gab. T)er von I j a b i n e t ? ) entdeckte
iientrale Piinkt liegt Anfarigs innerhalb desselben, wtilirend
es sich sptiter durch sein rasches Sinlten von demselhrn
zuriickzieht.
Manchesmal zeigeii sich lange nacli der Sonue zusam1 ) Vergl. dic Stelle, wclclie P o r b r s a ,
v n n Thorn. M r l v i l l e niitttirifi.
2 ) Compt. rend T . XI,p. 618. P o g g .
a.
0 S. 56
Ano
aus eioer
Lid. 51, S . 562.
Schrift
249
menlaufende dunkelblaue, aiich griinliche Streifen i n demselben. D a h diese Streifen, deren schon H o w a r d erwahnt
wirklicb, wie er vermuthet, Schattenstreifen von Wolken
sind, welche sich unter oder iiahe am Horizonte befinden,
erhellet am Besten daraus, dafs man after Gelegenheit hat,
die Wolken, denen sie ibr Eutstelien verdanken, nebst den
VOD ibnen herriihrenderi Scbatten zu sehen. An ganz wolkeolosen Tagen, wo sie ubrigens irnmer erst sehr spat auftreten, m6gen sie ihren Grund wobl in terrestrischeii Gegenstloden haben. Diese Streifen sind deswegen interessant, weil man, sobald sie vorbanden siud, durch Contrast
bemerkt, dafs die piirpurnen T h e sich weiter hinauf ersfreckeii, als sie sonst erscbeinen wurden. W e n n diese
Streifen, wie diefs meistens der Fall ist, erst auftreten nachdem das Purpurlicht weit nach abwarts getreten ist, so siebt
man es plbtzlich wieder an Theileu des Himinels, von welchen man es IBngst zuruckgewichen waliote. Ebenso zeigt
sich in solcheii Fallen, dafs das Purpurlicht wirklich hiuter dem gelben hellen Segmente noch vorbanden ist, mit
anderen Worten, dafs es hbheren Theilen der Atinosphare
sein Zustandekomuien verdankt als dae belle Segment. Die
Granze des letzteren ist unter dieseu Bedingungeu knum
erkennbar. W e n n das Purpurlicht scbon vollstandig verschwuuden ist, so bleiben doch die beiden hellblaugrunen
keilformigen Stellen. von denen oben die Rede war, noch
lange sichtbar, wobl der sprechendste Beweis, dafs man es
bier nicht rnit einer subjectiven Tauschung zu thun hat.
Diese Streifen bilden den Hauptgegenstand der schon ofter
citirten Abhandlung von N e c k e r .
Diescr Gelehrte ist aucb, meines Wissens der Einzige,
der das Purpurlicht unter dem Namen der a m p e w s rouges((
als eine regelmlfsig in der Dammeruug auftretende Erscheinung erkannt bat. Seine Beschreibuug weicht jedoch
mehrfach von der meinigen ab, was wahrscheinlich in dem
Umstande seinen Grund hat, d a t er bei seinen Beobachtungen keinen so freieri Horizorit hatte, wie er mjr hier
zu Gebote stand, wodurch ihm der zuesentliche Unterschied
250
zwischeti dem hellen Segmcnte and dem Purpurlichte entgiug. D e r Dammerungsschein bildet die uiiverkenubarste
G r l n z e zwischen dcr total anderen Fsrbuug des hellen
Segmentes und dcin zarten T o n e des Purpurlichtes. Aufser
tier genannteii Abliandliing findet man zwar auch sonst
iioch haufig nebenher beirierkt, dafs purpurne T b n e am
Abendliiinmel zu schcii seyeii, so z. R. bei W o l f a. a. 0.
oder sogar eiiie Boschrcihuiig der Erschciiiung bei G. Fors t c r ' ), aber ohnc tlafs ciii gesetzin%fsigesVorkoiiiinen dersclben aucli nur angedrutet ware. Viellciclit brziehen sich
aucli die Worte K e p I e r's ): aurora cimrlari f o m ~
elailit ur auf das in orgc r i d li c he Purpur licli t
Sobald d;is Purpurliclit verschwundcn ist , lafst Rich,
weiin keinc Schatteiistreifen vorbandcii sind, die Hbhe des
lielleii Segineiites uiit ziemlicher Scharfe vielleicht auf 10
bis 15 Bogenmiuuteri geiiau beslinimeii. Nach meiuen Messungeu hiilt das Sinken des Segtnentcs init dem der S o m e
zieiiilich gleiclieu Scbritt, so dafs, weun
o die Hbhe der
Soniie, m i t h i n w ilire Ticfe unter dein Horizonte ist, 151. bingegen die Hiihe des Scheitels des hellen Seginentes uber
dem Horizont
'J
14
.
-
w+79.=y
ist, w o y eine Constante, welche aii verschiedenen Tagen
Wertlie hat, die nach meiiien Iieobachtungen zwischen 8"
uud 12" schwanken. Dime einpirische Formel lafst sich
auch auf den ersten Theil der L)himerung aiisdehnen, wo
nur der I)ammerungsschein eine, freilich schwer beatimmbare, Graiize defi hellen Segmentes bildet.
9. 4. Blickt rnau nun wieder arif den Osthiinlnel ZUruck, so wird man ihn im illlgemeiuen wieder ein klein
wenig gefarbt, odcr w e n i p t e n s beleuchtet findeli, und auch
I ) Reseurchps nhout Afniosphcric Phumornena 2n ed. Lo~irl. 1815
p. 89. Die Stelle laulet: There is sonictimes ,frequently n deep g o b
d m orunge close to the horiron, u crimson blush ubovt: it f u d i n g
into purple and the durk biuc, nbout i t on eucfr side whitish trunsparent uppeurunce, or u 1ic.i.fygreenish b l u r , o r perhaps the true
prisrnotic hlrre.
2 ) K e p l e r .&it. A s t r o n . I*'rnrik/Lurt 1635 p. 55.
25 1
wohl Spuren cines zweiten dimklert Segmentes entdeckeo,
welches sirh uugefahr uni die Zeit ~ 0 1 1 1Horizoiite erhebt,
w o das Purpurlicht vol1st;indig verschwindet , oder w o es
sich zu der beschriehenen truben Schicht zusamnrengezogen hat. Iliese zweite Fiirbung ist oft kaum hioreicheud
uin ihr Vorhandeasepn init Siclietheit coristatireu 211 konneii , r~ienialsaber war sie bei ineitieii Beobachtuiigeri irrtensiv geiiug, uni eine Mcssriiig uber die Hohe des zweiten dunklen Sepiteiites init einiger Geuauigkeit ausfuhttw
zu kiiniien. W o l k e n , welchc ich io dieser zweilen Beleuchtung des Ostliirnrnels beohaclrtete , scbienen inir irielrr
aliinalilich abzuklingen, als eigentlich voii einer Scbattengranze ereilt zu werdeo. I n ciner etwas bedeuteuderen
Hiilre iiher dern Horizoiite \ erschwiridet das zweite dunkle
Seguient wieder, ebeuso wie fruher das erste.
A m Westhiminel a b e r bereitet sich n u n eine Wiederholung d e r schon eininal beohachteten Erscheinuugeu vor.
Walircnd uamlich der erste D8urnieruagsboge11 nach dew
augefuhrteii Gesetze abwarts steigt, entwichelt sich in eiiier
Hohe, welche iiur u m Weniges geriirger ist, als die, in
welcher der erste Dammerungsschein sichtbar war, allmahlich ein zweites Phiinomen derselben Art, nur weniger
glanzeud. Uer erste Daniinerungsbogen verliert allgemach
seine trubpurpurne Begranzung, ohne jedoch deshalb a n
Scharfe abzuuehmen, nud uber ihm zeigt sich eine etwas
trub-griinlirhgelbe Schicht, aus welcher sich gegen oben
eine hellere Zone, der zweite Dummerungsschein, oder der
sweite westliche Dammerungsltogen, die Granae des sweiten
hellen Segments abhebt. Ich habe mehre Male aufs Deqtlichste beide Bogen uber eiiiander geseheti.
Ueber diesem entwickelt sich unter gunstigen Umstauden eiii aweites Purpurlicht, vielleicht in etwas geriugerer
Hohe als das erste, aber mit ganz ahnlichem Verlaufe, nur
init einer etwas mehr ins Gelbrothe. fallenden Farbe. Dieses zweite Purpurlicht habe ich einige Male sebr inteiisiv
gesehen, so z. B. aui 18. November starker, als hlufig das
2 52
erste, mehre Male ziemlich entschieden, an den meisten Tagen aber gar nicht.
Die Zeit des lntensitatsmaximums kann wegen der vie1
geringeren Pracision , mit welcher diese Erscheinung auftritt, nur sehr mangelhaft bestimmt werden, doch ergab sich
in den vier Fallen, wo eine solche Bestimmung gemacht
wurde, eiii sehr merkwiirdiges Resultat. Es fand sich namlich die Tiefe der Sonue zur Zeit des Maximums des zweiten Purpurlichtes jedesmal nahezu 2,2 ma1 so grofs als jene
welche dem Maximum des ersteu entsprach, obwohl die
letztere an den vier Tagen sehr verschiedene Werthe hatte.
(Vergl. 8. 11).
Endlich verschwindet auch das zweite Purpurlicht, indem es analog dem ersten- hinter dss zweite belle Segment
hinabtritt, welches nunmehr der einzige noch beleuchtete
Theil des Himmels ist, uud dessen Verschwiiiden das Eude
der astroiiomischen Dammerung bezeichnet. Die Habe dieses zweiten westlichen Dammerungsbogeus ist es, welche
L a m b e r t in seiner Messungsreihe vom 19. November 1759
bestimmt hat ‘). Diese Thataache ist durch meine Beobachtungen aufser allem Zweifel gesetzt, obwohl es mir selbst
wegen Mange1 eines passeliden Locales nicht m6glich war,
eigeiitliche Messungsreihen tiber die spateren Theile der
Dammerung auszufuhren.
Erst bei meinen spateren Beobachtungsreiben, (bei welcheu ich kein zweites Purpurlicht sah) wurde ich darauf
anfmerksam, dafs von dem Zeitpunkte a n , wo die Sonne
etwa 7” unter dem Horizonte steht, der Theil des Himmels,
welcher iiberhaupt noch Licht von der Sonne erhtilt, von
dem astlichen bereits vollkonimen nlchtlichen ziemlich gut
geschieden ist. Dieser letztere ist wahrscheinlich die Fortsetzung desselben ersten dunklen Segmentes, welches sich
friiher unseren Blicken entzogen hatte, und nun nacbdem
es das Zenith bereits um etwa 30” iiberschritten hat, wieder zum Vorschein kommt. Es umspannt schon um diese
Zeit mehr als die Halfte des Horizontes, und senkt sich
I ) J. H. L a m b e r t , Photometria Aug r i n d . 1760 p . 448.
253
rasch wie ein scbwnrzer Schleier herab, bis es sich niit deni
zweiten westlicheri Dammerungshogen vermiscbt, der jedoch
hiel um unbekijmmert seinen W e g nach abwarts verfolgt.
W e n n man die Entstehuug des ersten und zweilen hellen
Segmeiits beobachtrt, PO sieht man, wie grundfalsch es ist,
irgend eiiies derselben, wit? m a n bisher that, durch das
dunkle Segment begranzt anzunehmen. Diefs wird spater
norh klarer vor Augen treten, wenn wir die Eintheilung
in erste und zweite DPmmerilng und das Ineinandergreifeu
beider untersuchen werden. (Vergl. 3. 11). Ich glanbrh,
dafs es dieses rasch um sicb greifende erste dunkle Segment ist, rFelches den diinklen Grund bildet, auf dem sir11
das zweite Purpiirlicht so eigenthhmlich abheht. Spatere
Beobachtungen miissen diefs entscheiden.
3. 5 Das hier entworfene Bild vorn Dammerungsvorgange ist als das Resultat eines Geqamrnteindruches ZII betrachten, wie e r sich niir aus vielen Beobachtungen eingepr;igt hat, deiin nur selten zeigen sich sammtliche Erscheinungen an einem und demselben Tage so vollstandig ausgebildet, wie hier beschrieben.
Insbesondere ist die Intensitst, init welcher die Phanomene auftreten, eine aufswordentlich verscbiedene; denn
wahrend ail einein Tage das erste Purpurlicht nnr als ein
iiufserst zarter Ton bemerkhar ist, wobei auch seine F a r b e
manchmal sehr unentschieden ist, und nur durch einen Stich
ins Carmoisinrothe oder Purpurne von der des bellen Segmentes verschieden, zeigt sich an einem a n d e r ~ nTage sogar das zweite nocb mit grofsem Feuer. Das eine jedoch
steht fest, so bald die Purprirfarbe a m astlichen Himmel,
also die Gegendamrnerung intensiv ist, uiid sich hoch binauf erstreckt, so wird auch das erste Purpurlicht sehr lebhaft s e y n , und aus der Intensitiit des Letzteren kaou man
wiederum nrit ziemlicher Sicherheit die des zweiten vorhersagen.
Am Schtinsten habe ich slmmtliche Erscbeinungen wahrend der Monate October und November beobachtet, und
es diirfte jedem, d e r sich in unseren Gegenden niit diesen
254
Untersuchungen beschaftigen will, zii rathen seyn in den
genannten Monaten z u beginnen, weil un: diese Jahreszeit
die Phanomene in ihrer grafsten Reinheit und mit der grbfsten Pracision auftreten. Auch die beideo Monate, welche
den besagten voraugingen, ebenso wie die beiden iiachfolgeiiden boten mir schone Abenddammernngen. SO war
z. B. a n einigen sehr kalten Tagen im J a n u a r trotz einer
ziemlich nebligen Atmosphare das Purpurlicht mit ganz ungewohnlicher Aasdehiiung, jedoch mit etwas rothlicherer
Farbung, als sonst, zu sehen. Seit Febrirar aber, und besonders seit April habe ich keine einigermafsen glanzende
Abenddiimmerung gesehen. So konote z. B. seit dem 31. J a nuar nicht ein einziges Ma1 ein zweites Purpurlicht beobachtet werden. W e l c h e meteorologischen Elemente es siod,
von denen diese Dinge abhangen, dariiber wage ich nichts
auszusagen, da die Zahl meirier Beobachtungeu doch nicht
hinreicht um derartige Schliisse darauf zu bauen, n u r auf
das Eine erlaube ich mir hiozudeuten, dafs die Periode der
relativen Fenchtigkeit hinsichtlich ihres Maximums und Minimums ungefahr mit jener zusaminenzufallen scheint, welche
sich in der Intensitiit der Farbenerscheinungen am Abendhimme1 wshrend der Zeit meiner Beobachtungen merkbar
machte. In dem Umstande, dafs es niir nicht gelang einen
solchen Zusamrnenhang zwischen deln Stande der Sooue
im Augenblicke des l n t e ~ ~ s i t a t s ~ n a x i ~ ndes
u ~ nersten
s
Purporlichtes, und den meteorologischen Dater] zu entdecken, liegt
auch der Gruud, weshalb ich es uuterlasse, eine Zusammenstellung der vielen auf dieses Maximum beziiglichen Bestimmungen zu geben.
Aufserordentlich grofse Unterschiede kann man an verschiedenen Tagen hinsichtlich der Art und W e i s e beobachten, wie sich das Purpurlicht gestaltet, mithin ist auch
jener Theil der Beschreibung, welcher sich auf die Erscheinungen am Westhiminel vor dem Intensitatsniaximum des
Purpurlichtes bezieht, der unsicherste.
Hier mogen auch noch ein paar Beobachtungen Platz
finden, welche an nicht ganz reinen Tagen angestellt wur-
255
den, und einen interessanten Aufschluh iiber die Hohe jener Tlieile der Atmospbare geben, an welchen dieser Schein
entstebt. Eininal namlich (am 23. October) beobachtete
ich sowohl die Gestalt als den gaiizen Verlauf des Yurpurlichtes aufs Deutlichste durch Schafchenwolken hindurch,
mit denen der ganze Himmel mit Aosnahme des untersten
Theiles im Westen bedeckt war. Ein andermal (am 15. SOvember) bemerkte ich, als ich inich an dem sehr triiben
und nebligeti Tage, es war namlich der ganze Hiininel von
einer sehr tiefen und wenig durchsichtigen Wolkenschicht
uinzopen, gegen Abend im Freieu befand, auf einmal wieder eine auffalleiide Zunahme der Helligkeit, und eine eigenthumliche Beleuchtung der Gegenstande durch sehr diffuses Licht; ein Nick auf meine Uhr iiberzeugte micb, dafs
diese Erscheinuug urn jene Zeit eintrat, urn welche inan
an eineni heilen Tage das erste Purpurlicht zu erwarten
gehabt hatte. Diese beideii Thatsacheti lehren unzweifelhaft, dafs das Purpurlicht seineu Sitz wenigstens theilweise
in sehr hohen Regionen habeu mufs.
5. 6. Zum Schlusse unseres beschreibenden Theiles,
miissen wir noch in Kiirze der Erscheinungen gedenken,
von denen die D~mmerungin den Alpen begleitet ist.
Die Erscheinungen des Alpetigluhens, welches man besoiiders gut an weifsen Kalkfelseii oder an schneebedeckten Bergen studiren kann, findet man recht gut in den bfter
citirten Abhandlungen von N e c k e r nnd von W o I f beschriebeu. Sie besteheii ungefshr i n Folgendem: bei einer
Hohe der Sonne von etwa 2" fangen die Berge an lebhaft roth zu werden, was sich gegen Sonnenuntergang in
einer Weise steigert, die inan nicht besser als eben durch
das W o r t GliihenB bezeichnen kann. Sowie nun die Sonne
mehr und mehr hiuabsinkt, steigt der Schatten von unten
an den Bergen empor, uud entzjeht bald auch den hochsten Gipfelu das Licht, so dafs sie nun alle fast farblos grau
und kalt dastehen. Doch schon nach wenigen Minuten
fangen sie wieder an etwas heller zu werden, und zwar
zuerst schwach gelblich we&, bis sie allmahlich in einen
236
oft ziemlich lebhaften fleischrothen Ton iibergeh'eu. Dieses Pli~noinen,das sogenannte Nachgliihen, tritt iiomer gleichzeitig init dem ersteii Purpurlicht iluf, und ht nur durch
dasselbe heruorgebracht. Obwohl wieder Schatten und
Licht aiifr; Entschicdenstc an den Bergen aufireten, so sind
doch alle Schatten schlecht begranzt, wie sich bei der grofsen Flache, welche jetzt als Lichtquelle dient, erwarten
lafst, diese grofsc Menge diffuscii Lichtes giebt der Releuchtuiig etwas Unpwilhnliches, Miigisclies, wodurch sie die
Phaiitasie des Rescliauers so eigeri~liiiinlichanregt. Das Verschwiiiden dieser Belerrchtung geschieht nicht sowohl durcb
d i i s Emporsteigen von Schatten, wie das erste Mal, soridern
vielinehr durch ein allinaliliches Abklingen der Farben. Uas
Fleischrolh geht zuerst i n ciiieii heller dann iminer dunkler
aschfarbeneii Ton fiber, bis eiidlicli die Nacht hereinbricht,
und allcin Farbenspic.le eiri Ende macht. Ich erinnere mich
jedoch, manchesmnl aucli noch ein zwt!ites freilich sehr
scIiwaches, docti immerhin uuverkcrii~baresXachgluhen beobachtet 211 haben , welches dein zweiteri Purpurlichte entspricht ,
Im Charnounithale sind besondere aufserordentlich bezeichneride Naineu fur dime Ersrtieiiiungen liblich, wie inan
aus dein W e r k o der Gebruder S c h l a g i n t w e i t ersieht ').
Man iinterscheidet n~inliclidaselbst a m Montblanc die coloration brillante c,, welclie iioch voii den letzten direrten
Soiinenstral~len Iierruhrt , darauf die feinte cadavbreuseu
danii la resurrection du Montblanc,,, ritimlich das Nacbgliihea, iind endlich l'eztinctioncr.
Die Angabe der gcnaniiteri Forscher, dafs r;ie niemals
des Morgens eio Analogon dcs Nacligluhens beobachtet
htitten, ist mir geradezu unverstandlich, do ich ' ), obwohl
ich mich nicht gerade ZII htiufig vor Soonenaufgaog im
Freien befunden habe, doch an jcdein hellen Morgen, wo
diefs der Fall w a r , zu der entsprechendeii Zeit die Berge
niit rosenfarbenem, aufserordcntlich diffusem Lichte tiberJJ
2)
1)
1,
1) A. a. 0.S. 475.
2 ) Auch N e c k e r a a. 0.S. 135.
257
gosseo fand I ) . Die rosa und purpurnen T6ue sind des
Morgens vorherrscbend, wahiend die feurigeren Tinteo,
das Orange und das Rothe, wie man es des Abends beobacbtet, weit sparsamer vertreten sind, uiid gewifs mit v01lem Rechte als Vorboten echlechten Wetters betrachtet
werden.
9. 7. Schon bei der Beschreibung wurde erwtihnt, dafs
einige der Erscheinungen sich messend verfolgen lassen;
dieser Paragraph hat deli Zweck die Wege zu besprecheo,
welche mail zu dem Ende einzuschlagen bat.
Obwohl man bei Messungen auf diesem Gebiete keineu
hohen Grad von Genauigkeit zu erwarten hat,- so musscn
die Ergebnisse derselben doch imrner als ein sehr schatzbares Material fur theoretische Untersuchungen betrachtet
werden. Die Hauptschwierigkeit , mit welcher man zu
kampfen hat, liegt in den Tauschuegen, welcben man diirch
Errnudung des Auges, durch Cootrastwirkungen und Nachbilder ausgesetzt ist. Zur Vermeidung dieser schSdlicben
Einflusse babe ich vor jeder Messung ioeine Augen etwas
ausruhen lassen, und dann mein Instrument so rasch als
mfiglich auf jcue Granzc eiogestellt, welche ich auf den
ersten Blick als die richtige erkannt batte. Vor Allem vermied ich es, den Blick Iaoger als durchaus nbthig war auf
den blendeliden Westhimmel zu richteu.
W a s das Iustrument betrifft, welches zu solchen Messungeii dienen soll, so ist es sehr wichtig, d a b der Beobachter in der Lage sey, wahrend er auf den hocbsten Punkt
des zu beobachtenden Bogens einstellt, einen grofsen Theil
des iibrigen Hilninels zu Uberblickeo, wodurch man allein
sichere Anhaltspunkte erhalt, da man an den Punkten, wo
die dunkleu Theile des Instruments mit dem helleo Himmel
so stark contrastiren, den gr8fsten Ttiuschuugen unterworfen ist. Fernr6bre sind deshalb gaiiz unanwendbar, auch
1 ) In Partrntirchen irn baierischen Hochlande kann man diese Erscbeinung at,, Zugspitzgebirge aufs Praehtoollste beobachten, wBhrend die
grofse W a n d des Wetterstein far das Nacbgliihen am Abend auberordentlich giinstig h g t .
PoggcndorfPs Annal. Bd. CXXIII.
17
258
Dioptervorrichtungen init Ringen oder Rahmeo, w e l c h Fadenkreuze tragen iiicht zu empfehlen. Am Besten fand icb
es mich eines Kornes und eines Abeehens zu bedienen, wie
man es auf den Flinten hat. Auf eiiier Holzleiste voo etwr
1 Fufs Ltinge wurde a n dem einen Enrle eine Stecknadel
befestigt, a n dem audern ein Stuck Blech mit einer kleinen Kerbe,'iiber diese wurde nuu binweg visirt, ond fiir
jenen Punkt eingestellt, an welchem der Stecknadelkoopf
gerade zu verschwinden begann. Ich glaube, dafs diese
Vorrichtung den hi)cbsten Grad der Geoauigkeit gewiibrt,
den die Natur der Snche nur irgend zukfst. Es ist klar,
d a b man mit Hulfe zweier Hinge, welche Korn und Abseben trageii, und sich auf das Ferorobr eines Theodolithen stecken lassen, einen solchen sofort fur die Messongen berrichten kaon.
Am allerbesten lassen sich die D3mmerungsbeobacbtangen gewili auf der See anstellen, ein Sextant, dessen Fernrohr herausgenomnien und dorch eine passelide Visirvorrichtung, seg es vor oder hinter dew halb belegten Spiegel, ersetzt worden ist, kUnnte d a m zur H6henbestimmuog
dienen; inan hlitte nur den im Spiegel gesehenen Meeresborizont aeben den direct beobachteteu P u n k t zu brioglen.
Da icb fiir eineu Theodolitben keinen hinreichend festen Standpunkt hatte, so befestigte ich die besagte Leiste
nor an einen in halbe Grade geiheilten Kreis (Unterabtheilungen wurden geschmt), den ich gerade in der hiesigen Sammlung vorfand, und bestimmte die verticale Richtung durch ein angeblngtes Senkel. Wegen der Mangel,
mit welchen die letztere Restimmung behaftet iet, haben
meine Zahlen als relative Messungen mebr Wcrtb, wie als
absolute, die Differenzen sind geoauer als die absohten
Werthe. Die ersten Messungsreiheo, welcbe nur zur Orientirung dienen sollteu, wurden mit einem nocb einfacberen
Instrumente gemacbt, welches in der Hand gebalten werden konnte, und eigentlich nur aus einem Transporteur
init Absehen und Senkel bcstand. Die Genauigkeit ging
dabei freilich iiicht weiter als bis auf einen h a l b o Grad.
'
259
Do jedoch gerade einige dieaer hfessuugareihen durch die
Witterung d ~ e r o r d e n t l i c bbegiinstigt waren, 80 werdrn
trotzdem in der Fol5e eioige der gewonnenen Zablen angefiibrt werden.
Die Messuagen worden auf einer Plattform dee hiesigea Uaiversitiitsgebtludes auagefllbrt.
11.
9. 8. Nschdem wir UDB DUD rait dem Gang der Erscheinungen im Allgemeinen bekaont gemacht haben, wollen wir untersucben o b und in wiefern die Theorieen,
welcbe bisber iiber dieseu Gegenstand aufgestellt worden
&d, mit den Tbatarchen in Einklaog ateben. Die Messuagadatr, auf wekhe wir uns bei dieser Gelegenheit berufep miissen, werden zugleich d a m dieneo, des &en yur
in afigemeintwi Zrjgeu entworfene Bild w veroollstbdigcn
uad zu pracisiren.
Pie bkber iiblicben tbeoretischen Aaschauungen iiber
den D~mmerungsrorgsngsind dem Weeen nach ecbon oon
dem arabischen Astronomen A l h a z e n ') ,entwickelt norden, spBter wurden sie 00x1 L a m b e r t * ) und in neiiester
Zeit von G r u n e r t 3, weiter aasgebildet. Sie beeteben
k u n gefafst in Folgendem:
Sey A N B in Fig. 13 T a t i ein Stti& eines grafsten
Kreises auf der Erdoberaiiche, welcher ia einer durch die
Mittelpunkte der Erde und Sonne und durch den Ort den
Beobachtera N gehenden Ebene liegt. E DD sey die Grlinze
der Atmosphlre. Die Strablen der Sonne denkea wir uns
in der Richtung SE ankammend, wobei wir der EinfacbBeit wegen annebmen rmlleq, drfe die Rnbo eines Lichtlttrabie in der Atmospbiire geaau cine gerade sey, also die
Erde bei A tangirend. Donn wird ein Ort, welcber sicb auf
der Erdoberfliche zwiscben A und B Letjndet, nur Licht erW t e n htbnnen, welches wnenigstens einmalige Reflexion in
I ) A l l 8 c c n de rrepuskuliJ,
a . 0.S.446 bis 4S7.
%) A
a ) Bcitrae
SIY
m.nerw&
Bosil. 167a.
wit,
1848 I . The2
9,
194 bir 266.
17.
260
der AtmosphBre erlitten hat, und man sagt von ibm, sowie
von jedem Punkte, welcher innerhalb des schwticher schattirten Raomes liegt, er habe die erste Dlmmerung. Alle
Punkte hingegen, welche sich iiinerhalb des stiirker schattirten Raurnes befinden, k6nnen nur Licht erhalten, welcbes
wenigstens zweimal reflectirt wurde, und habeu demgeinlfs
die zweite Wimmerung. Vorausgesetzt, die durch D gehende Grlnze zwischeii dem Theile der Atmosphlre, welcher noch directes Licht erhalt, und demjenigeu, dem nur
reflectirtes zukommf , sey echarf erkennbar, so wurde sie
die Form eines Bogens haben miissen, des erstan Dammerungsbogens, rind man konnte aus der HBhe seines Scbeitels tiber dem Horizonte auf die HBhe der der letzten
Licht reflectirenden bei D liegenden Theilcben tiber der
Erdoberflache scbliefsen. Diese Betrachtung, welcbe einen
W e g zu zeigen schien, nm die H6he der Atmosphtire zn
bestimmen, veranlafste die alteren Astronomen diesem Gegenstande viele -4ufinerksamkeit zu schenken. Dafs diese
Versuche zu keiuem Resultatc geflihrt babeu, ist bekannt.
Bei D’ mlifste in analoger Weise der Scheitel eiiies zweiten Dgmuierangsbogen liegen.
Aufserdem unterscheidet man zwiscben der bthgerlichea
Darnmerung und der astrouomischen, deren Ende man beziehungsweise auf eine Tiefe der Sonue unter dem Horizonte von 6 bis 6: und 18 Grade verlegt. Das Genauere
findit man iu K B m t z sebr gut zusammengestellt.
5. 9. Man bemerkt auf den ersten Blick, dab die eben
skizzirte Theorie nicht genligt , um die Erscbeinuagen zu
erklsren. Denn fur’s Erste ware ibr zufolge zu erwarten,
dale man den Verlauf des dunhlen Segmenfes iiber den
ganzen Hirnutel solite verfolgen konnen, und zwar nach eioem Gesette, welcbes mit den Resultaten der Messungen
im scbrelendsten Widerspruche stebt. Es ist ntimlich vorausgesetzt, dals die letzten Licht reflectirenden Tbeilchen
stets iu der gleicheu H6he tiber der ErdoberflBche liegeo
solleu, aus dieser Voraussetzung hat aucb L a m b e r t , lreilich
unter der Zugrundelegung noch einer weiteren Annbhme,
26 I
liber die Hbbe dieser Tbeilcben eiae Tabelle tiber das
Fortschreiten des Segmenten berecboet. Meines Wissens
sind tiber den Gaug des dunklen Segmeutes, 80 lmge es
sich noch auf der der S o m e 6egenUhediegenden Seite des
Himmels befindet , niemalo Messungen angeetellt worden,
und was L a m b e r t am Westhimloel als GrHnze desselben
betrachtet, hatte, wie wir saheu, eine ganz andere Bedeutung. Die Messungen, welche ich dariiber gemacbt habe,
stimmen mit der von Lam b e r t berechneteu Tabelle )
durchaus nicht, und ergebeD ein ganz anderes Gesetz, als
man nach der alten Anschauung zu erwarten bat.
Um diels zu beweisen, lasee ich hier drei Messungsreihen folgen. Dabei ist fur jede Beobacbtung berecboet, in
welcber HObe E (Fig. 14 Taf. I) Uber der Erdoberflache sich
der Punkt h, uzmlich der. Durchechnittspaokt der die Erde
tangirenden Strablen, wit der nach dem Scheitel des dunklen
Segmentes gezogeneu Geraden, befindet. Diese Hbhe ist die
grafde Erhebuog jener Theilchen, welche uns nocb Licht von
jeneu Strahlen durcb einmaligc Reflexion zusenden kbnnen,
sie mufste uach der alteren Anscbauung eine Constante
seyn. Den Wertb von E erhlrlt man, mit einer vollkommen hinreicbenden Genaaigkeit aus der Formel
in welcber R den Radius der Erde, also in runder Zahl
860 Meilen, 11 die H6be des dunklen Segments tiber dem
Horizont bezeichnet und w’ = w 33’ist, wenn man unter
w die Tiefe der S o m e unter dem Horizont verstebt.
Auf die astronomiscbe Refraction ist in dieser Formel
nur tbeilweise Rticksicht genommen, es wurde nffmlich nur
jene Ablenkung in Rechnang gebracht; welcbe die Sonnenstrahlen auf ihrem Wege von der Sonne bis zu dem Prlnkte A,
HO sie die Erde tangiren, erfabren, was einfach dadurch
gescbeben konnte, dafs w‘ aortatt w eingeffihrt wurde, wffhrend der Ubrige Verlauf der Strablen, bei welchem die Be-
-
1) A. a. 0. S. 464.
262
r8oksichtiguq der Refraction g o f s e Weitkufigkeit der
Recbnnng verutsacht hatte, geradlinig angenomlnen ist. Uie
Hahe dee Punktes A wird hierdurcb &was gr6ber 80fallen, als die des Punktes ho, far welcben mae eigentlich
recboea sollte, wie man aua e b e r ZCL dem Zwecke entworhnea F@r sofort sieht. Der Fehler wird mit nachsemdew q immer uobekutender.
A u l abgeseben bierrori iet die Formel ( a )imlneraoch
our eiue ]N1Beruugeformel, wekhe sicb aus dem Ausdruake
Chz =R'I 4 A h Z ,
in welcbem C den in Fig. 14 Taf. I nicht mehr angegebenen Erdmittelpunkt bezeicbnet, ergieht, indem mau beachtet,
d e b far bleine Werfhe von A h
C h s R + E = R [ l + A&
ha ~ ]
von der
Formel w macben babeo, nirklich der Fall. A & eadlich
fitidet man mit H U e der allereiufacbfteo Betracbtuogen
uad somit die Formel (a).
Geuauere Rechnungemethoden aozuuenden ware fiir
jetzt, wo es sich ooch uicht um die M f u u g einer eioigermafsen genUgenden Theorie haridell, eiue rein verloreoe
Mtihe, tibrigens ist die in der Natur der Sache begruudete
Unsicherheit der Msssuugen 80 grofs, dafs scbon durch sie
Clir die Genauigkeit der Rechnuug eine rasfh zo erreicbende
GrPoze vorgescbrieben ist.
Die Ergebuisse der MessuPgen sind:
ist, diele ist aber bei der Aaweudutq, welcbe wir
W=
Zeit
Tiefe der
I
Sosac
8. Dee.
1853
65'
4' 8"1
4 r1
4 19
4 16
426
1 50
220
424
4 27
3 16
l o 15
la0
a
60
lag
Zeit
14. April
1864
@ 51=
6 54
6 58
7 om
I 2
I 4
15. April
I864
664
6 67
6 69 *30
7 I 30
1 3 3 0
E in Meilen
ID
5'
1 35
2 15
2 40
2 50
3 10
1'
1 50'
4
4 40
5 40
1 25
1 50
2 10
230
2 so
2 20
3 40
4 20
5 10
3
1 30
Die erste dieser Reihen, nlimlich die v o m 8. December
wurde noch wit dem obeu erwtihnten ganz rohen Iustrumentcben gefunden, sie hat also geringereu Werth als die
beiden folgenden. Ueberdiefs war der westliche Horizout
an diesem Tage bis zu einer H6be von 1" mit dicbtem
Nebel umzogeu, im Osten waren leichte Schichtwolken
( cirrico -8frotua). I)ie beideu letzten Messungsreihen wurden an vollkommen reineu, sehr trocknen Tagen angestcllt.
Am 16. April glaubte ich um 7h 35" die Granze des dunklen Segmentee am westlicben Himniel iu eioer Hbbe voo
etwa 50° wieder zu erblicken (Vergl. 5. 4) woraus E = 8
Meilen folgen wiirde.
Obgleich diese Angaben nicht gentigend sind, M auf
eie eio Gesetz fUr die Beweguog des dunkleo Segmentes
zu basiren, so geht am ihnen doch uozweifelbaft hervor,
dars jede Messung fur E einen grdraeren Werth giebt, als
die vorangehenden, eine Thatsache, welcbe ich durch alle
tiber diesen Punkt aogeetellte~~
Meseuneen bestlitigt fand.
Eine gar so einfache Vorstellung, wie man eie bisher zur
Begrtinduog einer Theorie benutzen wolltc erweist sich
mithin schon bier als gtioalich unzureichend, und doch ist
das dunkle Segment der eiozige Punkt, von welchem sie
wenigstens qualitativ Rechenschaft zu geben vermag.
Es scbeint mir jedoch nicht sehr schwer anzugebeo,
worin dieser Widerspruch seinem Grnnd bat: man liefs
264
nlmlich bei dieser Theorie die photometrischen Verhiiltiiisse ganz uuberlicksichtigt. Man nahm einfach an, dafs
die Grsnze zwischen deni hellen und duiiklen Theile des
Hiinrnels durch die Lage der hochsten Tbeilchen bedingt
sey, welche iiberhaupt noch Licht zu reflectiren vermbgen,
ohne sich darum zu kiimmern, ob nicht etwa die Strecke,
welche das Licht durch die absorbirende Atmosphlre VOII
ihnen aus zu durchlaufen hatte, zu grofs sey, oder ob die
Anzahl derselben, welche uns in ein und derselben Richtung Licht zuseudeii, tiicht vielleicht zu klein sey, als dafs
wir sie erblicken k6nnten; noch ganz abgesehen davon,
dafs man doch keinenfalls annehmen kann, dafs die Licht
reflectirenden Partikelcheo dasselbe uach allen Seiten bin
gleich stark zerstreuen ). Eine kurze Betracblung wird
geniigen, um ZII zeigen , dafs eiue solche photornetrische
Behandlung des Problems, selbst wenu man vor der Hand,
wo es sich noch nicht um quantitative Bestimmungeu handelt,
den letzten Puukt noch ganz bei Seite lafst, eine weit gr6fsere Uebereinstimmung init deo Thatsachen verspricbt.
Zieht man namlich von N aus (Fig. 1 4 Taf. 1) verscbiedene Geraden Na, Nb, Nc nach der dem D beuachbarten
Gegend, so sieht mau, dafs die Stiicke derselben, welche
innerhalb des beleuchteten Theiles der Atmosphke zu liegen kommen, zuerst mit zunehmendetn 77 (d. i. der Winkel,
den die Linien Na usw. mit dem Horizonte des Beobachters bilden), aufserordentlich rasch wachsen, ein Maximum
errcichen (iu unserer Figur auf Nb) und dann wieder allmlihlich abnebnien. Wenn man nun bedeokt, dafs die dem
D zunlchst liegenden Theilchen nur Licht erhalten kbnnen,
welches eiuen sehr langen W e g durch die Atmoephiire, uod
zwar durch diepichlesten Partieen derselben zurtickgelegt hat,
und dafs, noch abgesehen von der aufserordentlich geringen
Dichtigkeit, welche die Luft in jenen h6chsten Regionen haben muh, das Licht, urn von ihnen aus zu uns zu kommen,
1 ) S. die Arbeiten von C l a u s i u s in C r e l l e ’ s Journal Bd. 34 S. 122
nnd Bd. 36 S . 185; ferner in PogR. Ann. Bd. 76 S. 161 und Bd. 88
S. 643.
265
ebenfalls einen sehr langen W e g zuruckzulegen hat, so ist
zu erwarten, dafs die Granze des Schattenraurues, d. i. des
dunklen Segments, sehr nahe an das Helligkeitsmaximum der
Gegeudiimmerung fallen wird, iind d a b sie von da an aufwarte, wegen der bestandig abnehmenden Aozahl der Theilchen, welche uns in ein land derselben Richtuug Licht zusenden, allmahlich abnehiaen, und schon i n geriogea H b
hen unmerkbar werden wird.
Um nun zu untersuchen, welchen Verlauf der Erscheinungeu man nach dieser Betrachtungsweise zu erwarten bat,
haben wir nur nathig, von einem anderen Punkte N,,aus,
far den die S o m e zunlchst untergegangen ist, iihnlich wie
oben Gerade N,a , , N,b ,,N ,c, nach der Umgebung VOD
D zu ziehen. Es ergiebt sich aledanii, dafs die Stiicken
dieser Linien , welche aufserhalb des Schattenraumes zu
liegen kommen, im Allgemeineii kleiner seyn werden ale
vorher, ferner, dafs das Ansteigen zum Maximum etwar
lengsamer erfolgt, wid endlich, dafs die Gerade N ,b,, welcher diefsmal das Maximum angehbrt, die Gerade A D in
eiiiem Punkte h , schneiden wird, welcber haher liegt, als
der entsprecliende Puukt h des vorigen Falles.
Man hat deingemafs zu erwarlen, dafs erstens die Intensitat der Gegend%mmerung bei fortgesetztem Sinken der
Sonne immer mehr abnehmen wird, zweitens, dafs die Begrgnziang des dunklen Segments immer mangelhafter werden
wird, und drittens, dafs der Durchschnittspunkt der. nach
dew Scheitel dieser Begrlnzung gezogenen Geraden mit
den die Erde tangirenden Strahlen immer haher und haher zu liegen kommen mufs.
Alle diese Satze werderr durch die Erfahrung bestatigt,
und deshalb scheint diese Betrachtung, weno sie auch nur
als roher Ueberschlag gelten darf, doch. den W e g zu bezeichnen, auf welchem man eine Lbsung des Problems zu
erwarten hat. So weit ich' es iibcrsehen kann wird die
Berucksichtigung der feble6den Punbte also der mehrfa&en Reflexionen, der Eigent hiimlichkeiten der Dunstbllischen usw. das Resultat qnalitativ nicht tlodern, sondern
266
mur noch priignanter machen. Fiir einen gewandten Matbcmatiker diirfte eich hier eio interessautee Feld der Thiitigkeit erbffneo.
5. 10. Die Erscheinungen am Weethimmel, also der
Diimneruugsschein oder das erste helle Segment, blieben in
der bisherigen Theorie gaoz unberiicksichtigt, mit Ausnahme
des zneiten hellen Segments, welchee L a m b e r t von dem
Punkte an beobachtete, wo das erste dunkle (S. 5. 4) daseelbe ereilt hrtte. Es wurde schon oben erwahnt, welche
Relation rich zwischen der Hbhe des ersten hellen Segments ond der Tiefe der Sonue unter dem Horizout ergab.
Die folgendeu Meesungereihen mbgen ale Belege dieuen.
Die mit d iiberechriebene Colnlune euthglt die hbweicbungen der einzeloen Beobachtungen von dem Mittelwertbe y, mit welchem sie ja uach dem angegebeueii Geeetzc weammenfallen sollen. Die Bedeutuug der iu der
Colnmnt E eteheuden Zahlen, roll epiiter erbrtert werdeo.
-Zcit
18. Nor.
1863
29. NO?.
4b
5
6
5
59m
2
5
7
/o+a
0
0)
6 O 53'
722
7 50
8 9
So 0'
4 30
3 50
3 10
I863
4 44
4 50
4 55
538
6 12
6 48
5 0
4 .30
3 30
14. April
1864
7
I I1
3 42
*5 10
*4 45
4 10
7
7 I7
7 19
7 22
7 2 6
730
732
'5ikf'
7
7
7
7
16
21
28
28
7 31
4 I8
6 14
5 33
6 2
6 32
7 16
733
4
6
6
6
7
1
I
11°53'
II 62
11 40
I I 19
10 38
10 42
10 111
I)
52
3
24
58
17
A
-
+
12
+
11
- 1
-- 22
+ 5
+ 9
- 15
- 17
- 6
15
I1
3 15
250
9
9
8
9
9
2 0
1 25
8 58
+ a
+ 13
+ 5
- 11
8 19
8 40
9 12
8 42
8 43
-22
- 1
31
+ 1
+ 2
3 25
49
330
46
2' 66
12
40
8
3
0
1
2-
135
22
9 16
+
+
2 67
Diese Messungsreihen, vod denen die beiden erstea
noch mit dem ganz rohen Iusfrumentcben augesteUt wurdon, zeigeu, dds daa genaiiute Gesetz weuigstesle ale eine
ziemlicb gute Niiberungsformel w betrachten iet. Die Abweicbuugen halteu sich meist innerbalb der G r h t e u , welcbe
wir schon oben (5. 3) fiir die Beobacbtuogefehler habea
keonen leruen. Vielleicht lesgen die beideu btzteo Reihen, die genaueren, ein kleines Wachaen der Summe 8 +a,
mit der Zeit durchblichen. L e m b e r t ’ e Beobacblungm des
cweiten bellen Segments zeigeo ein sblches jedoch weit
sttirkeres Wacbsen in uncweifelbafter Weiee. Die * vor
einigeu Zahlen bedeuten, dafs man es noah mit dem Dhmmerungsscbein zu thun bat, d a b sicb also no& hein eigeutlicber Bogen cooetitairt bat.
Es mag auffallen, dafs die. mittlere Difkrent der besbd t e t e n uud der berechneten Wertbe ftir die beiden ersteu Reiben, wdcbe nocb mit T i e l schlecbteren Hiilfamitmeln gewonneo nurden, kaum graber ist, als fur die beiden letzten Reiben. Der Grund ist tinfach der, dafa die
Hauptschwierigkeit in dem Erkeonen scharfer GrBnzen zu
sucbeo ist, und dafs diese an den verscbiedenen Tagen
ganz verschiedeue Grade der Prticision benafsea. Die beiden Tage im November wnMen in dicaer Hioeicht aufserordentlich gtinstig, wahrcml am 15. April alle Etscheioungen our sebr scbwacb easgepriigt waren.
Die geoannte Formel gestattet eine eigentblimlicbe geometrische Deutung. Zieht man nadich von dem Ore d a
Beobacbters N (Fig. 15 Taf. I) eine Gerade nach dem h b b sten Puokte dea hellen Segments, 80 achueidet diese die
6chattenganze ID A. Am dieser Stetle befiodet sich also
dar tiefste Lufttbeilcben, welcbee durcb Reflexion von directem Sonnenlichte zur Bildudg dee Scheitdr den 6 e g m a t s
beitragen kano. Man s i e b PUP eofort, dafa
L N h D = f . € l N S + L K N b = s (9 + w.= y
iot. I)o nun hieaer Wiokel an jedem Tage mbezu ein
conrrtanter ist, so fiodet ma& die Richtungen N ,h , , N9h*
UBW., ip nelchao Beobachtet in ,den Puntte N,,N,N., uew.
268
den Scheitel des Bogens erblicken, indem man zu Nh parallele Grade durch diese Puukte zieht. Die Hbhe E, in
welcher sich die Theilcheii h, h , , h, usw. befindeu, ist demgemtifa fiir jede folgende Beobachtung
denn ein Beobachter befindet sich ja der Reihe iiach an den Punkten
NN, usw.
eine bedeutendere, als fiir die vorhergehenden. Da man friiher das Analogon des ersten Segmentes,
niimlich das zweite, durch eine Schattengrluze umschrieben
annahm, welche dann ebeii durch die dem h, h ,
entsprechenden Puukte gehen mufste, und da man gerade deshalb
auf die Erhebung dieser Punbte tiber der Erdoberflkhe
bedeutendes Genicht legte, so babe ich diese Werthe fur
die Beobachtungen oom 14. April berechnet, und sie in
der Columne E beigefiigt. Als Einheit ist, wie oben, die
geographiscbe Meilu zu Grunde gelegt.
Uehrigeos darf man dae erste belle Segment, und demgemtit wegen der vollkomlneuen Analogie auch das zweite,
durchaus nicht durch den Erdschatteu begrlnzt denkeo, da
der DBmmerungsschein bereits vor und wlhrend des Sonnenunterganges sich zu constituiren beginnt. Wollte man
aucb erst spgter d i e t tbun, also nach dem Verschwiiiden
dea Purpurlichtes, wo erst ein eigentliches Segment auftritt,
d. h. ein auf dem Horizonte stehender Bogen n i t allmtihlicb abnehmender Sehne, 80 n l r e man, wie die Columne E
und die Ubrigen Erscheinungen lehren, doch jedeofalls genbthigt, in der Atmosphlre eine zweite von geringerer Hsbe
aber von andereln W assergehalte oder anderer Dampfform
anzunehmen. Aber abgeaehen davon , dafs das eiuheitliche
Gesetz, nelches, wenn es auch nur a h ein empirisches, ale
eiu gentihertes zu betracbten ist, die Bewegnng des hellen
Segmenlee von der Rildung des ersten DBmmerungsscheines bis zum Verachwinden ausdriickt, eine Aeuderung der erzeugenden Ursacbe aufserordentlicb unnahrscheinlicb macht,
so bliebe vor Allem das successive Steigen, welches man
fur die HOhe jener bypothetischen Dampfatmosphlre ahmhmen mflbte, ganz uuerkllrlich.
Ee rcbeiat mir vielmehr, dafs cine photometrimhe Be-
-
-
. ..
269
handlung des ganzen Problems rucb von dieser Erscbeinung wird Recbenscbaft geben ktinnen.
Ein einfacber
IJeberschlag mag diefs darthuo.
Betracbtet man nlmlicb wieder, wie im vorigen Paragraph, die Meoge der leucbtenden Partikelcheo, welche wir
in einer bestimrnten Ricbtung erblicken, so' ist klar, dab
ein 'Auge, welches von den hbberen Tbeilen des Himmels
ausgebend, die westlicbe Hiilfte des Sonoenverticals durchltiuft, zuerst auf immer hellgre und bellere Stellen stofsen
mufs. Dieses Wachsthum wird jedocb bei einer bestimmten HBhe iiber dem Horizoote eine Granze erreichen, und
in eine Abnabme Ubergehen mlissen, da bekanntermahen
die Absorption des Licbtes in der Atmospbiire bei der Anoiiberung an den Horizont aufserordentlich rascb wtichst,
wozu nocb der Umstand kommt, dafs aucb die Eotfertiung
der nlchsten leucbtenden Theilcben fiir diese Richtuogen
zunimmt. Hierdurcb wtirde sich also nicbt nur das Auftreten eines Helligkeitsmarimums des Dlmmerungsscheines erklgren lrssen, sondern durch das Ueberwiegen der Absorptionswirkungen in den anteren Tbeilen aucb die verscbiedene Farbe der durch den Dhmerungsschein getrennten
Yartieen.
Auch das successive Steigen von E wtirde mit dieser
Aoscbauungsweise tibereinstimmen. Ziebt man nllmlicb von
den Punkten N und N , aus (Fig. 16 T a t I) Gerade in verscbiedenen den respective0 Horizonten benacbbarten Richtungen, so sieht man, dafs, wenn N das Helligkeitemaximum
in der Richtung N h erblickt, es ganz unwahrscheiolich ist,
dafs f h N , dieses Maximum in die Richtung N, h falle,
da die letztere dem Horizonte des Punktes N , $chon so
nabe liegt, dafs die Absorptionswirkuogeo das Uebe'rgewicht
baben werden, und mithin wird es in eine Richtong fallen,
welche die Gerade AD in einem hdber gelegenen Punkte
schueidet, ganz im Einklange mit den Reobachlungen. Ob
diese Anschauungsweise mit dem aufgestellten Gesetze vereinbar seg, diese Frage mub einer genaueren Analyse,
welche alle Urnstnode berUck~icbtigt, zur UIsung vorbebalten bleibeu.
tj. 11. W i r haben schliefslich no& von jener Erscbeinung zu sprechen, welche fIlr mich den Ausgangspunkt der
ganzen Uatersuchung bildete, vom Purpurlichtn. Bisher
wnarde in kciiier tbeoretiscben Behandlung der Dllmmerung
dieses Pbtrnomens gedacbt. Das Nachgliiben der Alpen
versachten N e c b e r und d e la R i v e (a. a. 0.)zu erkliiren,
und zwar der erstere A r c h Cpntrastnirkungen, WRS nach
den oben mitgetbeilten Thatsachen ganz uohaltbar ist, der
letztere hiogegen durch eine totde Reflexiou. Aber a b j p
behen davon, dafs echon K e p l e r ) beinerkte, dais regelmafsige Reflexionen ganz andere Erscheinungen bervorrufen marsten, als die in der Dammerung beobachteten, bat
aucb L u b b o c k * ) gleich gegeo die von d e l a R i v e vorgetragene Ansicht den ricbtigen Einwand gemacht, dais
man dach dieser Voraussetzung an dem beleuchteten Punkte
ein Bild der Sonne erblicken mtisee, und zwar lnufste das
letztere, wie iuan a m einer einfacheo Construction sofort
ereieht, dicht am Horizonte erscbeinen. Dieh ist aicbt der
Fall, saodenr cs geht vielmehr aus allen meinen Beobachtungeri unzweifelhaft bervor, dafs das Purpurlicht der einzige G r u d des Nacbgliihens ist. W e n n man will, liann
man das Purpurlicht immerbin els ein optiscbes Bild der
Sonne, im weitesteu Sinue des Wortes betracbten. Aber
jedeufalle entstebt es nicht durch regelm&EsigeReflexionen.
Es ist mir bisjetzt noch nicht gelungen eine einigermalsao
gcbiigcnde Erkliirung fiir dieses rtithelbafte Phiinomen zu
fiaden.
Fur jetzt hat das Purpurlicht fIir ein richtiges Vert~tiindnits dw D~mmerungsvorgange8 besonders desbalb Werth,
weil burdurch eine erfalungsm%fsigc Gmndbge fiir dia
EinWilmg in eine erste und rweite barnmerung gewooneo
1)
a. 0. S. 75; man vergleiche eioe Resclircibuog sulcher rcgelmPrsiges
Rcflcxionserscbeioungeo orch Soooenuotergeog von C h r i r t i e in Se1sect. p. 16.
v e n t h Rep. of t h e Brit. A / . Truns. 0
2 ) fb. Trans. of sect. p. 31.
1 ) A.
27 1
ist, die iibrigens gaaz andere Resultate liefert, als die bisherige der Theorie entnommeoe. Nach der tllteren Anschauung mnfste ntimlich das Ende der ersten Dtimmerung
mit dem Momente des Untergangr des ersten Wmmerungsbogens zusammenfallen. Dieseii Augenblick verkgt Lamb e r t auf eine Tiefe der Soone von 12”,13. Dime Zahl
erbielt er unter Zugrundelegung emer H&be der Atmospbsre, welche er aus einer seiuer Beobacbtnngen berechnet hatte. Bekanntlicb liefert iiacb B r a n d e s und Gron e r t jede der Lambert’scben Beobacbtungen einen anderen Wertb fur diese H(lhe, uod man kthnte mithin mit
demselben Recbte den Schlnb der Dhmmerung auf sebr
verschiedene andere Zeitpunkte verlegen. Uebrigens ergiebt sicb durch Interpolation aus deo Larnbert’scben
Beobachtungen fiir den Untugang jenes Bogens, den er
bei jener Beobachtuog, welche er seiner Rechnuog zu Grunde
legt, ale den ersten Dammetungsbogen betrachtet, eine Tiefe
der Soniie POD etwa 19”,20, ein scbwer zu verstbhueodcr
Zwiespalt in dell Resultatem! Seine Speculatiom aber ’
tiber das Elide der zweiten Dammerung griindet er auf die
allgemein tiblicbe Annakme, dals der lettte helle Scbein
den Horizorit erreicbe, wenti die Sonue sich 1 8 O , 3 0 uoter
deinselben befinde. Er rxblofs daraus, dafs dieser Schein
nicht durcb den zweiten Dammerungsbogen begrlnzt seyn
kl)nne, da das Ende der zweiten Dammerung, wenn es
durcb den Uutergang des zweiten Dhmerungsbogeos bediugt wsre, einer Tiefe der Soone entsprechen miifste,
welche gleich ware der doppelten am Ende der ersten,
also gleich 24O,26. Diefs n6tbigte ihn zu dem Schlusse,
dafs der zweite Dammerungsbogen wegen Lichtlnangel nicht
mebr erkennbar sey.
Eh liegt clurchaus nicht in meiner Absicht ein eintelnes
Capitel eines so verdienstvollco Werkeg wie L a m b e r t ’ s
Photometria, einer scharfen Kritik zo unterwerfen, aber icb
glaubte diese kleinc Digression bier nicbt unterlaseen zu
dUrleu, da die L a m b e c t’sche Untersucbung Uber die Damm m n g i n e ao uegewtbbnlicb hliu6ge Reproduction era-
272
ren bat, dafs es ernstlich Wuiider nehmen mufs, wie ihre
mannigfachen Widerspriiche fast unbeacbtet bleiben konnten.
W i r haben scbon in dein beschreibenden Theile geseben, dafs man den Beginn der zweiten Dammerung auf
jenen Moment zu verlegen babe , in welcbeiu das zweite
dunkle Segment sich vom Horizonte erbebt, ohne dafs jedoch damit gesagt seyn soll, dafs dicser Zeitpuiikt zugleicb
das Ende der ersten bezeichnc. Dieeer Moment Iafst sicb
aber nur sehr scbwer mit Schlrfe beobachten, und mitbin
scheint dimes allein naturgemgfse Mittel der Eintbeilung
doch practisch unanwendbar. Gllicklicherweise bieten uns
das erste und zweite Purpurlicht wenigstens theilweise einen Ersatz dafur. Obwohl ich n8mlich den Zeitpunkt des
Intensit8tsmaxiinums nur viermal, uud auch da nur mit mlfsiger Genauigkeit beobachten konrite, so ergab sich doch
aus diesen Beobachtringen rnit einer verhdtnifsmafsig grofsen Uebereinstimmung ein merkwiirdiges Resultat. E s
zeigte sicb nhnlich, wie schon oben erwahnt, (3. 4), cine
ganz bestimmte Relation zwiscben den beiden Stellungen
der Sonne, nelche dem ersten (I) und zweiten (11) Maximum entsprechen. Icb lasse die Beobachtungen folgen:
Tag
I
Zeit des Maximums
/'ride d
Sonnel
18. Nor.
1863
III
4s 46m
5 20
40 52'
10 44
29. N o r .
1863
I
I1
438
5 15
4 47
10 a5
8. Dee.
1863
I1
I
4 32
6 4
9 10
5 18
6 60
3 59
8 46
31. Jan.
1864
I
11
VerhHltnifs
3 58
Die Colulnne " VerbliltnifsU cnthdt den Quotienten aus
der Tiefe der Sonne, welche dem Maximum des zweiten
Porpurlicbtes entspricht, und der deln ersten zugehhigen.
Fufsend auf die bier gefundene Relation versucbte ich
uuu, den Beginn der zweiten Dammerung durch folgende
Betracbtung aus dem Zeitpunkte des Maximums des zwei-
273
ten Purpurlichts abzuleiten. Oer Verlauf der zweiten Dammeruug ist dem der ersien, weun auch nicht gauz gleich,
doch weiiigstens sehr ahulich, man wird sich demnach nicht
sehr weit voii der Wahrheit entferneii, wenn man annimnit,
dafs das Stiick, um welches die Sourie siiikeii mufs, vow
Beginn der zweiteu L)ainmerung bis zum Helligkeitsmaximuin des zweiten Purpurlichtes, jenem gleich sey, um welches sie seit Soonenuutergang, d. h. seit dem Verschwiriden
des obereu Sonnenrandes bis Zuni Eintritt des ersten Maximums gesunkeii ist. Die auf Grund dieser Voraussetzung
ausgefuhrten Kechnungen erqaben das Resultat, dafs der
Beginn der aweiten Dammerung mit dern vollstiindigen Verschwinden des Purpurlichtes azlsarnmenfallt. Diek tritt aber,
so weit man es beobachten kann, gleichzeitig ein mit
dem ersten Erscheinen des zweiten duukleii Segments. Und
zwar eatspricht diefs, wie schon erwahnt, im Durchschnitt
einer Tiefe der Soiiue von etwa 6", mithin dem Ende der
burgerlichen Dammerung.
W a r e unsere Aiinahine genaii richtig, d. h. w l r e der
Verlauf der zweiteu Dammerung dem der ersten vollkommeii gleich, so ware uiau im Stande das Verschwiilden des
zweiteu Dammerungsbogens aus den] des ersten, mithin,
weiiii y wirklich eine Constaiite ist (9. 3), aus einer einzigen Beobachtung des ersten zu berechnen. W e n n auch
diese Aoiiahme iiicht genau richtig ist, soiidern die zweite
Dgmmerung, wie schon L a m b e r t's Heobachtungen zeigeu,
etwas langsamer verliiuft , so fallt doch das unter dieser
Voraussetzung berechnete Ende der zweiten Dammerung
so uahe init dem fur die astrouo~nische.D~mmerung
durchschuittlich aogeuommeaen zusammen, dafs es dadurch im
hiichsten Grade wahrscheiiilicb wird , dafs letzteres eben
durch den IJutergang des zweiteu westlichen Diimmerungsbogens bestimmt wird. Die Tiefe der S o m e fur diesen
Moment fallt jedoch iiach dieser Voraussetzung iinmer etwas zu gering aus, ganz im Einklauge mit der L a m b e r t ' schen Beobachtung, welche fur das zweite helle Segment
eiii eatschiedenes Wacbsen der W e r t h e von y mit drr Zeil
Poggendorffs Annal. Bd. CXXIII.
18
274
erkennen lassen. Da alle Erscheinungeii in der Dammerung der Grbl'se nach bedeutenden Schwankungen unterworfen sind, so zeigen sich selbstverstandlich auch solche
in den berechneten Werthen fur den Untergang des zweiten westlichen Dammerungsbogens. Webrigens hat auch
R i c c i o l i ' ) bewiesen, d a b das Ende der astronomischeu
Ihmmerung auch an ein und demselben Orte wirklich verschiedenein Stande der Sonne entspricht.
Zur Illustration ties cben Gesagten mag hier der Verlauf einer L)ammerung ihren Hauptzugen nach folgen, wie
er sich theils aus der Beobachtung, theils tinter Zugrundelegsng der genannten Annahmen ergiebt. Die Werthe,
bei welchen nicht ausdrucklich das Gegeiitheil bemerkt ist,
sind der directen Beobachtung entuommen.
Den 18. Nov. 1863.
Tiefe der S o m e
Beginn der ersten Dammerung . . . .
49' (ber )
Maximum des ersten Purpurlichtes . . . -1" 52'
Begiiin der zweiten Diimmerung . . . . 6" 41' (ber.)
Das Purpurlicht ist vollstenctig verschwunden
6" 43'
Maximum des zweiten Purpurlichtes. . . 10'' 44'
Untergang des ersten westl. Dammerungsbogens . . . . . . . . . . . . 11* 40' (ber.,
Untergang des zweiten westl. Ihmmerungsbogens . . . . . . . . . . . . 17" 34' (ber.).
In ahnlicher Weise ergab sich fur den Beginn der zweiten 1)8mmerung, am
29. Nov. eine Tiefe der Sonne von 6" 18'
8. Dec.
>,
6" 0'
31. Jan. >;
>>
5" 36'
$1
J
J,
1)
JJ
I
11
Dafs der Grad der Zuverlassigkeit dieser Zahlen kein
sehr grofser seyn kana, so lange man nicht im Stande ist,
durch photoinetrische Hiilfsmittel den Augenblick genauer
zu bcstimmen, in welchein das Purpurlicht sein Helligkeitsmaximum err eicht, ist selbstverstandlich.
Es mag vielleicht nicht uniuteressant s e y b darauf hiazuI)
Almagesfum novurn.
B o n o n . 1651,
T. I, p. 39.
denten, dafs sich Ihnlicbe Beziehungen, wie die bier entwickelten, zwischen dein Verlaufe der beiden Diimmerungen, aus der Annahme ergeben wiirden, das erate Pnrpnrlicht ubornehme fur das Zustandekommen der zweiten T)Bmmerung dieselbe Rolle, welche die Sonne bei dea Erscheinungeh der etsten gespielt hat. W a h r e n d jedocb die mehr
rdthliche Farbe des zweittin Purpurlichtes fur die Richtigkeit dieser Hgpothese zu sprecheri scheint, stt?ht die aufserordentlicli blabgelbe des zweiten hellen Segments lnit ihr
im M'iderspruch.
Kiinftige Beobachtungen miissen lehren, ob der in diesein Paragraphen entwickelte Zusammenhang zwischeb erster und und zweiter Dammerung richtig ist, ich begniige
mich damit die Existenz eiuer ersten und zweiteii Danmerung erfahrungsmafsig nachgewiesen zu haben.
Fassen wir zum Schlusse die gewonnenen Resultate
noch einmal kurz zusammen.
Schon vor Sonoenuntergang constituirt sich am 6stlicben Himmel die Gegendammerung.
Im Monrente des Sonnennr~terganges beginnt die erste
Dammerung, das dunkle Segment erhebt sich vom Horizont,
beschrankt die Gegendanmerung mehr und mehr, und entzieht sich den Blicken des Beobachters in einer Hahe,
welche je nach dem Tage zwischen 6" und 12" scbwankt.
Am westlicben Himrnel hingegen erscbeiot in einer Hohe,
welche zwischen So und 12'' schwankend gefunden wurde,
der Dammerungsschein, der das unter ihm liegende gelbe
helle Segment von den hoheren blaulicheu Theilen des
Himmels trennt.
Wahrend das helle Segment in ganz bestimmter Weise
sinkt, entwickelt sich iiber demselben das erste Purpurlicht;
bei einer Tiefe der Sonne von etwa 5" 20' im Mittel erreicht dasselbe sein Helligkeitsmaximum, wobei nacb Westen gekehrte Gegenstiinde kbhaft beleuchtet werden.
DRSPurpurlirbt sinkt rasch, und srhwindet endlich zu
eiuer schmalen Zone zusammen, welche das helle Segment
18
*
276
zienrlich scharf begianzt. W enii die Sonne sich uiigefahr
6 O uuter den1 Horizonte bcfindet, entzieht es sich dem
Blicke vollkointnen, die Tageshelligkeit niuiint auffalleiid ab.
Dielb bezeichnet das Eode der burgerlichen Diinirncrung
uiid zngleich deu Aiifang drr zweiten; deiiii ungefahr um
diese Zeit erhebt sich ein zweites dunkles Segtneut vom
iistlichen Horizont, iiber dew eisteii helleu Segrnente bildet
sich ein zweiter L)au~ineruu#sscli~iii,
uiid wahrend ersteres
seineni Uutergaiige zueilt, eIscheint iibei Clem zweiten helleu Segmente ein zweites Purpurlicht , so dafs eiiie fiirmliche Wiederholung der zrierst beobachteten Erscheinungen
eintiitt, jedoch wahischeinlrch init eiriem etwas langsamcren
Verlaufe.
Sowie dei Uiiteigang des ersteii hellen Segrneiites den
Schlufs der ersten I)ariiinerung bezeicbnet, so bildet der
des zweiten den der zweiten L)aininerung, verinuthlirh zugleich das Eiide der astronoinischen.
D e r ganze Verlauf der Ersrheinungeu steht mit der bisher iiblichen Tbeorie nicht iui Einklang. Doch scheint es,
dafs die EigCiithiiirilichkeit des dunklen und hellen Seginentes durch eine mehr photometrische Behandlung des
Problems ihre Erklariing findcn werden. Eines Unistandes miige hier zum Schlusse noch gedacht werden, weleher
jedenfalls eriirtert werden inufs, ehe man a n eiiie strenge
tbeoretische Unteisuchung der Dammerung gelien kann. Es
ware namlich deiikbat, dafs die theilweise Condensation
des Wasserdainpfes, welche in den vou der Sonne iiicht
inehr direct beschienenen Theileii der htinosphare in Folge
der hbklihlung eintreten niufs, einen Einflufs auf das optische Verhalten ausubte.
Diefs ist eine voii den vieleii Fragen auf diesem Gebiete, deren Lbsnng kiinftiger Forschuiig iiberlasscu bleibt.
Miipcben den 25. J u n i 1864.
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