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Beobachtungen ber die Zerreissungsfestigkeit von Steinsalz.

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V. Ben&ach$trngen iiber dde ~ ~ r r e i s s ? ~ ~ n ! / e f ' e s t i g k e i t
von S t d n s a b ; vow A . S e l l a vrnd W. V o i g t .
(Mitgetheilt von W. Voigt. .4us den Gott. Nschr. 1892, Nr. 14, p. 494.)
__ - .
Ueber das ill der Ueberschrift genannte Problem liegt eine
iiberaus muhsame Untersuchung von Hrn. L. S o h 11c k e I) vor,
die schon deshalb ein besonderes Interesse verdient, weil sie
eine der ersten gewesen ist, welche uberhaupt die Einwirkung
mechanischer Krafte auf krystallinische Korper studirt Iiaben.
Eine vollstindige Aufklarung der dabei vorliegcriden Verhaltnisse erbracht zu haben , beansprucht der Verfasser selbst
nicht, und so diirfte schon um der auch ihm noch zweifelhaft
gebliebenen Fragen willen eine Wiederaufnahme seiner Experimente wiinschenswerth erscheinen. Was micli aber besonders
zu dieser Untersucliung antrieb, war meine, auch durch die
im hiesigen Institut ausgefuhrten Beobachtungen des Hrn.
Kow a l s ki2) genahrte , Ueberzeugung, dass die eigentlichen
Bedingungen fiir die gewaltsame Trennung des Zusammenhanges
uns nicht einmal bei isotropen Korpern bekannt sind. Ich
liegte die leise Hoffnung, dass , wie bezuglich der Elasticitkt
erst das Studium der Krystalle uns die Mittel zum vollen Verstandniss der Erscheinungeri geliefert hat, welche die isotropen
Korper zeigen, auch betreffs der Festigkeit ahnliches statttinden mochte. Wenn nicht alles triigt, haben die im Folgenden mitgetheilten Beobachtungen am Steinsalz bereits in dieser
Hinsicht eiiien Beitrag geliefert.
Hr. So h n c k e hat rechteckige Prismen von Steinsalz,
welche mit ihren Enden in geeignete Fassungen eingekittet
waren, durch Zugkrafte zerrissen, die parallel der Prismenaxe
ausgeubt wurden. Damit die Trennung nicht innerhalb der
Fassungen eintrat , wareii die Stabchen in ihrem mittlereii
Theile diiuner gefeilt. Die Zerreissung fand hierbei so gut
wie imlner nnch Wiirfelflacheii statt; nur wenn die verdunnte
11 L. fiohncke, Pogg. Ann. 137. 1). 177. 1869.
2) K o w a l s k i , Wied. Ann. 36. p. 307. 1889.
637
~erreissiingYfes~9Reit
von Steinsalz.
Stelle die Form einer kurzen uiid dunnen Platte zwischeii
zwei dicken Klotzen hatte, wurden einige Male andere Rissflachen bemerkt; wir wollen diese Falle aber zuniichst ausser
Betracht lassen.
Die numerischeii Resultate, welche Hr. S o h n c k e erhielt,
sind die folgenden:
1)
12)
3)
4)
Stabaxe
Wiirfelnormale
Pyramidenwurfeliiol.malc
Granatoedernortnalc
Octaedcrnorniale
Tragfihigkeit p
pro 1 qmm
7,6 < q < 14,6 qmin
35,O Loth
3,2 < q < 6,46
,,
86,6 ,, I
Querschiiitt
5,2
292
<y<
<P <
10,4
5,15
Q
,,
,,
69,7
754
,,
7,
Dabei ist zu bemerken, dass die zweite Reihe iiicht bei Staben
von quadratischern Querschnitt erhalten ist, sondern bei solchen,
wo der dunnere Theil die Form einer kurzen Platte von 4-6 mm
Breite und 0,75-1,70 mm Dicke besass. Die Beobachtungen,
w s welchen die vorstehenden Zahlen die Mittel sind, weichen
bedeutend, bei den letzten drei Reihen bis nahe um 50 Proc.,
von einander ab.
Hr. S o h n c k e vermuthet, dass nur die Grosse der Componente der Zugkraft normal zur Spaltungsflache fur die
Trennung des Zusammenhanges massgebend ist, und schliesst
daraus , dass dann die Tragfihigkeit p in beliebiger Richtung
durch die Tragfahigkeit p , parallel der Wurfelnormale gegeben
sein miisste nach der Formal
worin (a, w) den Winkel zwischen der Stabaxe und der Wurfeliiormalen senkrechl zur Bruchflache bezeichnet.
Berechnet man nach dieser Formel aus der ersten Beobachtung, welche fur p,, den Werth 35,O Loth ergibt, die drei
letzten Beobachtungen, so erhalt man resp. 43,8, 70,O und
105 Loth - Zahlen, welche den Autor gegen die gemachte
Vormssetznng misstrauisch machen, und welche deutlich hervortreten lassen, dass die vorliegenden Verhaltnisse noch weitaus
nicht aufgeklart sind.
F u r die Wiederaufnahme der Beobachtungen war zu uberlegen, ob und wie von den bei den fruheren Beobachtungen
wirkenden Fehlercluellen die wichtigsten sich vermeiden liessen.
A. Sella u. W. Yoigt.
638
Von ihnen halte ich fur die bedenklichste die von Hrn.
S o h n c k e selbst hervorgehobene Gefahr, dass bei dem Zerreissen durch die ausgeiibte Zugkraft nicht nur eine gleicliformige Langsdehnung, sondern darieben noch eine Biegung
des untersuchten Stabes bewirkt wird. Der Einfluss, welcheii
eine nicht ganz centrisch wirkende Kraft besitzt, lasst sich
leicht theoretisch auswerthen.
Es liege die %Axe in der Stabaxe, z = c1 und z = c2 entspreche zwei Querschriitten diesseits und jenseits der Risstiache. Dann kann man jederzeit fiir die in den1 Prisnia
c1 < z < c2 wirkenden Moleculardrucke den Ansatz machen
z,=
Yy=0,
xz=
-(fi.+fay+f3),
K=Zz=;Py=0,
welcher zugleich den Hauptgleichungen und den Grenzbedingungen der Elasticitat geniigt,. Wegen der allgeineinen
Gleichungen
-
.2Z
= '11
AyZ
f $12
J?'
+
'13
' 2
f
'14
+
'15
zZ
+
'10
in derieii die sklrdie Elasticitatsmoduln cter Substanz in Bezug
auf das im Prisma feste System X, Y, 2 bezeichnen, gibt dies:
.2Z
= '13
yY = '23
' 2
= '33
(f1
+ f, y ffi),
+ f i y + fi),
= '43
(f;
(fi + f 2 Y fti),
Y Z
(f1
xY = '03 (f1
= '53 ( f 1
f f,y f
f2Y f
f
+
f3>,
+ ti?/ ti)'
Der hieraus folgende Werth der linearen Dilatation A, in der
durch die Cosinus a, /I,y gegebenen Richtung lautet:
'=(ti
5ff2Yff3)
("2S1~f~aS~3f~2S33+~~S43f~US53fU~S03)'
Die Grosse der gesa.mmteri auf einen Querschnitt q ausgeubten
Zugkraft Z ist gegeben durch
Z = -J'Z,dq,
die Coordinaten
t , 71 ihres
Angriffpunktes durch
-J-Z*xdq, qZ=
- .r z , d~q .
1st der Querschnitt p ein Rechteck von den Seiten 2a und 26
parallel X und Y, so wird q = 4 a b und
z=f3q,
.Zerreissungsfestigkeit von Steinsalz.
oder
f, = 3 y , f, = 3 7b' f s
639
.
Betrachtet iriaii nun die Grosse der inneren Spaiiiiung
Zz oder eine ihrer Componenten 'als maassgebend fur das Zerreissen, so gibt die Formel
den Einfluss der excentrischen Lage des Angriffsspunktes an.
Bei centrischer Lage ist
und 7 gleich 0, also die Spannuiig
auf dem Querschnitt constant = Z l q , bei excentrischer ist sie
in den Ecken z = a,y = b urn den Bruchtheil
grosser. Um den gleichen Rruchtheil ist also die Tragfahigkeit verringert.
Man erkennt ohne weiteres, dass hier eine Quelle enormer
Fehler vorliegt; sind die Seitenlangen 2 a und 26 j e gleich
2 mm, so gibt eine Excentricitat lj = 7 = 0,l mm einen Fehler
von 3/5 des Qesammtbetrages. Ein solcher Fehler war aber
bei Hrn. S o h n c k e ' s Einrichtung gar nicht zu vermeiden.
Die Rechnung fuhrt auf das analoge Resultat, wenn man
statt der Spannung die lineare Dilatation in irgend einer Richtung als maassgebend fur das Zerreissen betrachtet.
Hiernach musste es meine erste Sorge sein, eine Einrichtung zu treffen die eine centrische Belastung einigermaassen sicherte. Dies suchte ich auf folgende Weise zu erreichen (vgl. d. Fig.).
)
In der Dicke der zu untersuchenden Prismen wurde eiii
stahlerner Dorn hergestellt und mit diesem in zwei vierkantige
Messingklotze k, k je ein nahezu quadratisches Loch eingeschlagen. Hierauf wurden an die Klotze kraftige Messingbagel I, 1 gelothet und die so hergerichteten Klotze auf den
640
A. Selln
11.
W. Yotqt.
auf der Drelibaiik genau lnufend eingespaiintcn Dorn nufgesetzt. Jetzt liess sich durch den Biigel bei a ein Loch
bohren, dessen Axe genau iii die Axe des Dornes fiel, und
eine gehartete Schraube einfiigen, deren stunipfwinkelige Spitze
nun auch in die Axe der vierkmtigen Oeffnung der Fnssung
lag. Die Stiibchen wurden in xwei gleiche genau anschliessende
Fassungen mit Wachs-Kolophonium-Kitt befestigt uiid dann
mit der Schraube der oberen Fassuiig auf einen horizontal
zwischen zwei Stelltischeii liegenden Stahlstab aufgehangt ; auf
die Spitze der unteren Schraube wurde ein geeignet gestalteter
Biigel gelegt, welcher die Wagschale trug, die zum Aufnehmen
des belastendeli Gewichtes hestimmt war. Auf diesa Weise
war wuhl so vollkommen, als uberhaupt techniscli miiglicli. die
centrische Belastung und damit die gleichformige Spannung
des Stabchens uber den Querschnitt erreicht. Wie gross die
iibrigbleibenden Feliler noch waren, liess sich nicht bestimmen ;
jedenfalls erschienen die stark gespannten Stibe bei der Betrachtung im polarisirteii Lichte vor einem Glimmerhliittchen
vollstindig homogeii gefiirbt.
Die Genauigkeit hHtte sicli iiach der obigeri Forniel durch
eine Vergrosserung des Querschnittes steigerri lassen. liiclesseii
war hier eine ziemlich tief liegende Grenze (lurch den Umstand
gegeben, dass mit den1 Querschiiitt die Grenzbelastung wachst
und der Kitt auch bei Zusatz von vie1 Kolophonium uicht
mehr hielt, wenii ein Gewicht von ca. 20 kg am Stabchen
wirkte. Harter Kitt verlangte uberdies grossere Hitze bei der
Verwendung und steigerte so die Gefahr des Zerspringens der
Krystallpraparate. Wir haben uns demgemass meist auf Querschnitte zwischen 4 und 9 clrn und Belastungen unterhalb
12 kg beschrankt. Eine weitere Fehleryuelle sclieint mir bei deli S o h n c k e’sclien Beobachtungen die Form der Stabchen zu bieten.
Dieselbe zeigte, wie obeii gesagt, ein dunnes mittleres
Prisma zwischen xwei dickeren Endprismen, welche in die
Fassungen gekittet wurden. Aber es ist bei dieser Gestalt,
und zwar um so mehr, je kiirzer das mittlere Stuck gegen
seine Dicke ist, durchaus unwahrscheinlich, dass an der Bruchstelle die Spannung sich gleichmassig iiber den Querschnitt
vertheilt, wie dies doch die Voraussetzung der ganzeii Be-
%ert.eissiin.ysfestiykeit von Steinsalr.
641
rechiiung ist. Fenier waim die Stabchen iiur mit der Feile
bearbeitet, also hiichst wahrscheinlich an der Oberflache, iind
zwar je nach der Orientirung in verschiedener Weise, mit
feinen Sprungen uiid Rissen bedeckt, und diese konnen 'sehr
leicht ein vorzeitiges Brechen veranlassen, selhst wenn sie iiur
wenig tief gehen.
Beide Uehelstaiide suchte ich auf folgende Weise zu
umgehen.
Nachdem die Stabe in regelmassiger prismatischer Form
mattgeschlifl'en hergestellt waren, wurden auf ihren vier
deitenfliicheii mittels eines Cylinders voii ca. 20 cm Durchmesser flache Hohlungen eingeschliffen, sodass jeder Stab nach
cler Mitte hin sich sehr allmahlich verjiingte (vgl. d. Fig.). Dass
die Hiihlungen auf allen vier Seiten gleich tief waren und
gleichmlssig lagen, war dann gewahrleistet, wenn ihre obereii
und unteren Begrenzungen sich rings um das Stabchen her
genau an einander anschlosssen. Diese Hohlungen wurden
fein polirt, um alle oberflachlichen Sttirungen zu vermeiden.
Bei den zuerst angefertigten Stibchen (I Nr. 1-6, IV, V,
VI, VII, VIII, LX) waren die Hohlungen etwa 20 mm lang
und 0,5 mm tief; da bei ihnen aber das Zerreissen meist nahe
bei der dunnsten Stelle eintrat, so wurden der leichteren Herstellung wegen bei deu spateren (I Nr. 7-12, 11, 111, X, XI.
XII, XIII) die Hohlungen nur etwa 12 mm lang und 0,15 mm
tief eingeschliffen. Diese geringe Verdiinnung der StAbchen
nach der Mitte zu hat sich aber in einigen Fallen als uicht
ganz ausreichend erwiesen ; wenigstens geschah hier das Zerreisseii haufig gerade an einer Grenze der Hohlung.
Die Firma Dr. W. S t e e g und R e u t e r hat nach der
gegebenen Anweisung die Praparate in ausgezeichiieter Weise
hergestellt , uiid ich glaube, dass hierdurch auch in Hinsicht
auf das Beobachtungsmaterial das iiberhaupt Mijgliche erreicht ist.
Die Belastuug geschnh durch langsam zufliessendes Quecksilber, das aus einem am Ende horizontul umgebogenen engen
Rohr in das anf der Wagschale stehende Gefass floss, ohne
so durch seiiie Geschwindigkeit eineii verticalen Stow auszuuben. Im Moment des Zerreissens wurde der Zufiuss durcli
Drelieii eines Halines unterhrochen. Um einen etwaigeii Kin-
642
A. Sellu u. W . Vot4t.
liuss Ianger andauernder Belastung zu vermeiclen , wurde von
Anfang an ein solches Gewicht auf die Wagschale gelegt, dass
cler ganze Versuch in einigen Minuten zu Ende ging; ein
Einiuss der innerhalb dieser Grenzen noch variirenden Dauer
konnte nicht bemerkt werden.
Durch alle diese Vol.sichtsmaassregeln ist xwar die Uebereinstimmung unserer Reobachtungen unter sicli erheblich besser
geworden , sie erreiclit aber doch noch langst nicht das sonst
hei physikalischen Messungen, z. B. ElasticitBtsuntersuchungen,
erreichbare Maass. Der Grund ist leicht einzusehen. Bei den
~lasticitiitsbeobachtungenist die gemessene Grosse (z. B. der
Pfeil der Biegung eines Stabes) das Product des gesetzmassigen
Zusammenwirkens aller Theile des deformirten Korpers ; infolge dessen kommen locale Stiirungen , Inhomogenitaten,
Spriinge u. dgl. in kaum merklicher Weise zur Wirkung.
Bei den Festigkeitsbestimmungen sind dagegen eben jene loaaleii
Storungen das eigentlich Ausschlaggebende; an einer fehlerliaften und geschwachten Stelle heginnt der Sprung, der sich
unaufhaltsam ausbreitet, wie das schon daraus hervorgeht,
dass in den meisten Fallen cler Riss nicht genau durch die
am meisten gespannte dunnste Stelle des Praparates hindurchgeht, sondern mitunter erheblich seitwarts verlauft. Ob solche
fehlerhafte Stelleri im Material selbst liegen oder durch die
Bearbeitung entstandeii sind, ist selten zu entscheiilen ; bemerkenswerth ist, dass die am schlechtesten iibereinstimmenden
Reihen an Stabchen erhalten sind, die keine vollstandig ebenen
Spaltungsflachen zeigten, und dass mehrfach Stabchen, welche
schon vor der Beobachtung wegen kleiner Vertiefungen in
der polirten Oberflache. die wohl von Hohlraumen im Steinsalz herruhrten, als verdachtig notirt waren, schliesslich in der
That eine besonclers geringe Tragfihigkeit erwiesen.
Von den Beobnchtuiigen ist der grossere Theil von Hrn.
S e l l a ausgefiihrt, der kleinere von mir.
Die Untersuchnng complicirte sich ausserordentlich durch
einen Umstand, (lessen Entdeckung wir als das wichtigste Resultat unserer Arbeit betrachten.
Bie Beobachtungen ha6en namlich mit voller Sicherheit erwiesen , dass die Tragfahigkeit eines rechtecktqen Prismas von
kr.ystallinischer Substanz nic-lit allein von der Orientirung der
Xerreissunpfestiqkeit von 8teinsaZz.
643
Prismenaxe, parallel welcher der Zug wirkt, abhangt, sondern in
sehr starkem Maasse auch von der Orientiruny der das Prisma
begrenzenden SeitenFachen.
Diese ganz uberraschende Thatsache widerlegt mit einem
Schlage die oben citirte Vermuthung Hrn. S o h n c k e's , dass
der Werth der Componente des auf das Prisma ausgeubten
Zuges senkrecht zur SpaltungsflBchc, langs deren der Bruch
geschieht, fur die Trennung des Zusammenhanges maassgebend
sei, - denn offenbar ist diese Componente von der Orientirung der Seitenflachen ganz unabhAngig, - sie gibt auch
dem gestellten Problem eine vie1 grossere principielle Bedeutung.
Die durch sie bedingte Complication der Verhaltnisse
verlangte , urn nur einigermaassen die stattfindenden Gesetzmassigkeiten hervortreten zu lassen , eine sehr grosse Anzahl
verschiedener Messungen , aber selbst die benutzten 13 verschiedenen Orientirungen geben noch keinen vollstandigen
Ueberblick. Wahrscheinlich ist ein solcher nur durch die
Verbindung theoretischer Betrachtungen mit den Beobachtungen
zu gewinnen, und als Material zur Prufung einer zu erwartenden Theorie sind die im Folgenden mitgetheilten Zahlen in
erster Linie zu betrachten.
Die folgenden Tafeln enthalten zunachst eine kurze Charakteristik der einzelnen Gattungen von Stabchen und eine
geometrische Darstellung ihrer Orientirung. F u r letztere sind
nuf Kugelflachen, welche in bekannter Weise durch die Hauptaxenebenen (Wurfelebenen) der Krystallform getheilt sind, die
Richtungen der Langsaxen der untersuchten Stabe , parallel
welchen der Zug ausgeubt wurde , durch von kleinen Kreisen
umschlossene Punkte, die Richtungen ihrer Querdimensionen,
durch Kreuze bezeichnet. So gibt ein Blick auf die Figur
das vollstandige Bild der Orieutirung der betreffenden Praparate.
Ferner sind die Stabchen jeder Gattung in der Reihenfolge ihrer Beobachtung aufgefuhrt , fiir jedes einzelne die
Querdimensionen der dunnsten Stelle und der drtraus berechnete Querschnitt q, das Gewicht P, bei welchem das Zerreissen
eintrat , und die hieraus folgende Grenzspannung oder Tragfahigkeit pro Fllcheneinheitp = y / p mitgetheilt. Als Langen-
A. 8ella u. R; 17~<9t.
644
einheit ist das Millimeter, als Gewichtseinheit das Gramm
gewahlt.
Dass zur Berecliiiung voii p iiic,ht der Querschnitt an
der Bruchstelle, sonderii der kleinste Querschnitt des Stabchens
benutzt ist, rechtfertigt sich dadurcli, dass das Zerreissen an
einer andern, als der schwachsten Stelle nur durch einen
Pehler des Materiales bewirkt werden kann , urid dass jedenfalls an der diinnsten Stelle eiiie Spannung p = P i p gewirkt
hat, ohne das Zerreissen dort zii bewirken.
Da die Uebereinstirnniung der erhaltenen Werthe -i im
sllgemeinen nicht bedeutend ist , so sintl slle mitgetheilten
Zahleii auf drei Decimnlstelleri abgekiirzt.
L4u.qrichtung parallel einer Hniiptnze, Querdimensionen parallel den. anderen, Orientirung gut. Brucli nacli einer abenen, 91iinzenden Spalt~i~i.qsfliiche.
NV.
1)
2)
3)
4)
6)
7)
9)
10)
11)
2,25
2,2i
2,24
2,21
2,25
2,93
2,94
2,95
2,93
Q
-6
y
x 2,40 = 5,39 328n 608
x 2,39 = 5,43 3050 56%
x 2,40 = 5,36 3070 572
X 2,38 = 5,27
x 2,39 = 5,38
x 3,06 = 8,95
X 3,06 = 9,08
X 3,06 = 9,03
x 3,06 = 8,Y8
3080
3060
51.20
5301)
584
568
566
588
4840 537
49% 556
Bruchstel IP
von tier Mitte
cs. 0,5 mm
1
9,
075 11
096 91
077 9 ,
275
71
,,
99
,,
9,
fast ccntrisch
77
1 inin yon der Mitte
Mittelwerth p = 571.
..
Ausgeschlossen ist Nr. 5 , welches bei Q = 5,39, p = 529 ergab, da es in zu weiten Fsssuiigen eingekittet urid demgemiiss
schlecht centrirt war, Nr. 8 mit y = 9,05, p = 423 wegen
einer ziemlich grossen -~
Grube auf der Mitte der einen Flache,
Nr. 12 mit q = 8.98, p = 500 wegen unregelmiissiger Bruchflache, die auf Storung der Krystallsubstanz an der Bruchstelle deutete. Ueberhaupt zeigten die dickeren Stibchen.
welche aus einem anderen Stuck gefertigt waren, als die diinneren, meist kleine Schaden, einzelne feine Poren auf den
Fliichen untl kleiiie Scharten in den Kanteli.
Zerreissunysfistiykeit von Steinsalz.
z,s*
64.5
Zuyrichtuny parallel einer Hauptaxe, Querdimensionen urn 22lI2 yeyen die anderen
yeneiyt; Orientiruny gut. Bruch nach ein.er
ebenen, y lanzenden Spaltunysfiache.
._
Nr.
1)
2)
3)
4)
5)
6)
2,16
2,17
2,16
2,16
2,16
2,15
7) 2,17
9
x 2,19 = 4,73
X 2,18 = 4,73
X
X
X
x
X
2,17
2,17
2,18
2,16
2,18
= 4,68
4,68
= 4,71
= 4,64
= 4,73
=
P
P
3120
3360
3170
3400
3550
3350
3540
660
710
678
726
753
721
748
e4
Mittelwerth p= 714.
Bruchstelle
ca. 0,5 mm von der Mitte
,,
,,
,,
,,
,,
,,
,,
,,
,,
,,
,,
1,4
0,2
1,4
1,2
0,8
19
17
in der’Mitte
von der Mitte
1,
fipichtuny parallel einer Hauptaxe, Querdimensionen urn 4 9 yeyen die anderen yeneigt; Orientiruny gut. Bruch nach einer
ebenen. ylanzenden Spaltun,qsfiache.
Nr.
1)
2)
3)
4)
5)
6)
2,19
2,18
2,19
2,22
2,19
2,20
7) 2,19
x
X
X
X
X
X
x
9
2,21
2,18
2,19
2,22
2,20
2,21
2,21
4,84
4,76
4,80
4,92
= 4,82
= 4,86
= 4,84
=
=
=
=
-
P
P
4570
4340
4330
4220
4540
4330
4680
945
913
903
858
941
890
967
Bruchstelle
ca. 1,6 mm von der Mitte
0,2 ,,
7,
,, 0,8 ,,
I1
0,6 ,,
7
,,
,,
,,
,,
0,8
1,8
MittelwerthI. = 917.
T
(J
Nr.
1)
2)
3)
4)
2,34
2,35
2,36
2,35
5) 2,34
,,
,,
,,
in det Mitte
von der Mitte
Zuyrichtuny in einer Wurfelebene urn 15” yeyen eine Hauptaxe yeneiyt, eine Querdimension in derselben Wu$elebene; Orientiruny
gut. Bruch nach einer ebenen , ylantenden
Spaltungsfiache.
-
4
x 2,37 = 5,54
X 2,39
X 2.40
x 2,41
X 2,41
=
=
=
=
5,62
5,64
5,66
5,63
Mittelwerth
--
P
P
3070
3050
2820
3290
3310
554
543
500
582
588
>-= 663.
Ann. d. P h p n. Chem. N. F. XLVIII.
Bruchstelle
ca. 0,6 mm von der Mitte
,,
,,
.,
0,4
0,3
0,4
,,
,,
,,
in de;’Mitte
von der Mitte
9,
42
A. h'ella u. h?
646
roigt.
Zugrichtung in einer 7;Yiirfelebene um 18" yeyen eine Axe geneigt, eine Querdimension im
Winkel 19" yeyen dieselbe Wurfelebene; Orien-
re*
119O
tiruny befriedigend. Bruch nach einer glanzenden, ebenen Spaltunysflache.
'.
Nr.
P
4
2,71 x 2,83 = 7,67
2,65 X 2,74 = 7,26
2,66 X 2,78 = 7,40
2,67 X 2,77 = 7,39
2,69 X 2,72 = 7,31
6 ) 2,68 X 2,75 = 7,37
1)
2)
3)
4)
5)
3450
3570
3150
3650
3540
3460
p
Bruchrrtelle
450
492
425
494
489
469
ca. 1 mm von der Mitte
0,5 ,,
9,
0,5 ,,
77
,, 2 ,,
1,
,,
,,
,,
,,
0,7
0,5
,,
,,
7,
91
Mittelwerth p= 470.
Zugrichtuny in einer Wurfelebene im Winkel
30' yeyen eine Hauptaxe, eine Querdimension
in derselben W-urjklebene; Orientirung gut.
Bruch nach einer meist ebenen Spdtungsflache.
Nr.
1) 2,40
2) 2,40
3) 2,41
5) 2,41
6) 2,39
_
9
x 2,40
x 2,45
x 2,45
x 2,45
x 2,43
=
=
=
=
=
5,75
5,SY
5,90
5,90
5,81
Mittelwerth
-
P
P
4250
4190
4410
4580
4140
739
712
747
=
773
713
Bruchstelle
ca. 2 mm von der Mitte
,, 0,s
0,2 ,,
,, 0,4
19
,, 1,2
17
,,
,,
,,
,,
,*
,*
737.
Ausgeschlossen ist Nr. 4 mit q = 5,86 und
stark nnebener Bruchflache.
p= 678
wegen
hyrichtuny in einer Turfelebene snter 45O
geyen eine Hauptaxe, eine Querdimension in
derselben Turfelebene; Orientiruny gut. Bruch
nach ein, zwei oder vier meist ebenen und
qlanzenden Spaltunysflachen, die haufis das
Stabchen durchsetzen, sodass es in mehr als
zwei Stiicke zerfkl.
64 'I
Zerreissungsfestiqkeit von Steinsalz.
Nr.
-
P
Q
1)
2)
3)
4)
2,OO X 2,05 = 4,lO
2,01 X 2,04 = 4,11
2.00 X 2,oO = 3,99
2,OO X 2,02 = 4,04
5) 1,96 x 2,04 = 4,OO
8 ) 1,99 X 2,Ol = 4,Ol
7) 2,04 X 2,04 = 4,16
4280
4790
4830
4330
4710
4210
5520
Mittelwerth
T
(J
P
1040
1170
1210
1070
1180
1050
1320
Bruchstelle
ca. 0,5 m m von der Mitte
,,
p= 1160.
,,
,,
,,
,,
2
3,5
2
1,5
0,5
,,
,,
,,
,,
BNchfll[che
,l
nahe 'her Mitte
von der Mitte
,,
1
1
1
1
2
'7
1
9,
4
Zugrichtung in einer Wurfelebene, urn 45a
ge-qen eine Hauptaxe, eine Querdimension urn
19O gegen dieselbe Turfelebene yeneigt; Orientirun,q gut. Bruch meist nach zwei verzerrten Spaltunysflachen. l)
Nr.
9
1 ) 2,75 x 2,77 = 7,62
2) 2,69 X 2,77 = 7,47
4) 2,67 x 2,72 = 7,28
5 ) 2,67 X 2,72 = 7,27
Mittelwerth
-
-
11930
12030
11250
12690
1570
1610
1550
P
P
1750
y=1620.
Bruchstelle
ca. 2 mm von der hfitte
nahe der Mitte
,, 1 ,, von der Mitte
,,
2
,,
91
-
Ausgeschlossen ist Nr. 3 mit q = 7,63, p = 1180 wegen der
auffalligen Kleinheit des letzteren Werthes ; ein Schaden war
im Voraus am Stabchen nicht wahrzunelimen.
J7
-(
Zuyrichtuny in einer Wurfelebene, urn d5O
qegen eine H a u p t a e , eine Querdimension
urn 38O geyen dieselbe Turfelebene geneigt;
Orientiruny befriedigend. Bruch gewohnlich
nach zwei unebenen Spalhngsflachen.
\
'\
P
Nr.
9
1) 2,51 X 2,65
2) 2,51 X 2,62
3) 2,53 X 2'66
4) 2,55 X 2,63
5) 2,54 X 2,65
-
-
P
Bruchstelle
11510 1730
nahe der Mitte
ca. 3 mm davon
10770 1640
11210 1670
nahe der Mitte
I l l 5 0 1670
1,
= 6,74 13200 1960
ca. 2 mm davon.
1730.
Mittelwerth
~-__
_
1) Bei den Stiibchen der Oattungen VIII, IX und X durchsetzten
=
=
=
=
6,66
6,57
6,72
6,69
p=
die beiden Spaltungsfilichen hliufig das Staibchen nicht grrnz, sondern
trafen sich in der Mitte. Die hier entstehende Kante erschien afier durch
eine schmale Flfche von unregelrnatssiger Form - ungeffhr einer Granatoederflfche parallel verlaufend - abgestumpft.
42 *
A . Sella u. Wt.;Yoiyt.
648
Zlcgrichtung in einer Wiirfelebene unter 45'
qegen eine Hauptaxe, die Querdimensionen
um 45O gegen dieselbe Wurfelebene geneiyt;
Orientirung befriedigend. Bruch meist nach
zwei unebenen Spalhngsflachen, die sich hitunter kreuzen.
-
1) 2,18
2) 2,18
3) 2,18
4) 2,19
5) 2,20
6) 2,18
7) 2,20
P
Q
Nr.
x 2,25 = 4,90
x 2,21 = 4,81
x 2,22 = 4.85
8740
1780
8960
1860
8810 I?)
1820
8620
1790
9200
1900
8890
1830
9070
1860
X 2,21 = 4,83
X 2.21 = 4,85
x 2,23 = 4,86
X
-
P
2,22 = 4,88
Mittelwerth
Bruchstelle
ca. 4 mm von der Mitte
,,
,,
,,
,,
,,
4
4
4
5
3
,,
,,
nahe
,, von
,,
9,
.,
1,
d& Mitte
der Mitte
71
= 1840.
St'ibchen Nr. 1 und 4 sind als etwas schadhaft nur mit halbem
Gewicht bei der Bestimmung dus Mittelwerthes berucksichtigt.
Nr. 3 zerbrach infolge eines Stosses wohl etwas vorzeitig.
Zugrichhng in einer GranatoederfEiiche, urn
ca. 32,5O gegen eine Hauptaxe geneigt, eine
Querdimension in derselben Granatoederflache ;
Orientirung sehr abweichend. Bruch nuch
einer massig glatten Spaltzingsfliiche.
Sr.
1) 2,22
2 ) 2,22
3) 2,18
4 ) 2,21
(it 2,19
7 ) 2,21
4
x 2,23 = 4,97
X 2,23
X
X
= 4,94
2,20
= 4,78
2,21 = 4,88
x 2,19 = 4,RO
X 2,23 = 4,92
1'
p
Orientirung
11140
9340
8270
802u
8200
9910
2240
1890
1730
1640
1710
2010
35O
Mittelwerth
21 = 1810,
32'
31'
29'
31'
34'
Bruchstelle
ca. 3 mm v. d. Mitte
7)
3
97
,,
11
,,
2
0,5
3
9,
,9
J7
77
,,
,,
I,
,,
,,
11
32,4O.
Die hier besonders grosse Verschiedenheit der einzelnen
erklart sich zum Theil aus der verschiedenen Orientirung.
Ausgeschlossen ist Nr. 5 mit q = 4,90 wegen des sehr kleinen
Wert.hes p= 1400.
649
Xerreissungsfestigkeit von Steinsalz.
xz
@
Nr.
1) 2,15 X
3) 2,16 x
4) 2,13 x
5) 2,16 X
6) 2,17 x
7) 2,15 x
hgrichtuny in einer Granatoedereache unter
54lI3O geyen eine Hauptaxe yeneigt, eine
Querdimension in derselben Granatoederflache;
Orientirung ziemlich gut. Bruch nach ein
oder zwei meist unebenen Spaltungsflachen.
Q
2,20 = 4,74
2,19 = 4,74
2,18 = 4,63
2,20 = 4,74
2,19 = 4,75
2,18 = 4,H8
-
-
P
P
FltichenBruchstelle
zahl
nahe d. Mitte 1
2130
2220
1,
2520
,.
7,
2250
1910 ca. 3 m m v. d. Mitte
9080
8860 1890 ,, 3 ),
),
Mittelwerth = 2150.
10080
10520
11680
10660
1
2
2
1
1
6
Ausgeschlossen ist Nr. 2 mit q = 4,78 und
dilchtig.
@
,
Nr.
720
p= 1850 als
ver-
Zugrichtung in eirber Granutoederflache unter
72O gegen eine Hauptaxe geneigt, eine &tierdimension in derrelben Granatoederflliche;
Orientirung gut. Bruch nach zwei unebenen
Spaltunysflachen.
Q
1) 2,12 x 2,18 = 4,64
2) 2,15 X 2,19 = 4,70
3) 2,12 X 2,18 = 4,62
4) 2,13 X 2,19 = 4,67
5) 2,14 X 2,20 = 4,71
6) 2,14 x 2,21 = 4,72
P
10570
9590
10800
11030
10590
10230
-
P
Bruchstelle
2280 ca. 3 m m von der Mitte
2040 ,, 3 ,,
11
2340 ,) 3
,I
2360 ,, 2 ,,
19
2250 ,, 3 ,,
11
2170 ,, 1 ,,
,,
,3
Mittelwerth 6= 2240.
5
Dass der Werth
fur die Qattung XI11 grosser, als der
Air XI1 ausgefallen ist, liegt offenbar nur daran, dass bei XI1
einige Sachen besonders abweichend kleine Werthe ergeben
haben; nach Symmetrie muss offenbar XI1 den grassten Werth
liefern.
Von den vorstehend aufgefuhrten 13 Gattungen von Stibchen hat Hr. Sohncke I, VII und XI1 benutzt; reducirt
man die von ihm mitgetheilten Zahlen auf Gramme, indem
A . Sella u. W. Poigt.
660
man benutzt, dass ein preussisches Loth = 15,59 g ist, so
erhillt man
I
545
VII
XI1
1085
1170;
571
1150
2150.
wir fanden resp.
Namentlich die letzte Zahl Iasst die Wirkung der verbesserten
Beobachtungsmethode hervortreten.
Was nun das vollstandige System der von uns erhaltenen
Werthe angeht, so iiberrascht zuniichst ihre grosse Verschiedenheit; die Gattung V liefert fur
die untere Grenze mit
470 g, die Gattung XI11 die obere mit 2240 g, melche nahezu
das funffache von jener ist.
Zur bequemeren Uebersicht wollen wir die Resultnte in
einige Reihen gruppiren.
1) Stabe mit der Langs- und einer Querrichtung in einer
H'GrfeZebene.
Bezeichnet y den Winkel der Langsaxe mit einer Hauptaxe, so entspricht sich:
- = 00
cp
15'
553')
p = 571
SO0
45O
737
1150.
2) Stabe mit der Zangs- und einer Querrichtung in einer
G'ranatoederfliiche.
Bezeichnet y den Winkel der L b g s a x e gegen eine Hauptaxe, so entspricht sich:
t , ~=
=
;
0'
$!lo 54'1,O
917
1870
2150
72O
90°
2240
1840.
3) Stabe mit der Langsrichbng in einer Hauptaxe.
Bezeichnet x den Winkel der Querdimensionen gegen die
beiden anderen Axen, so entspricht sich:
X'-
0O
p = 571
22y20
714
450
91 7.
1) Stabe mit der Jangsrichtung in der Halbirungslinie des
W-inkels ziceier Ilauptnxen.
1) Dieser Werth diirfie wohl nur durch einen Zufall etwae kieiner
win, ale der vorhergehende.
Zerreismngsfesligkeit von Steinsalz.
651
Bezeiehnet GI den Winkel der einen Querdimension gegen
die Ebene derselben zwei Axen, so entspricht sich:
u
- = 00
p = 1150
190
1620
380
1730
450
1840.
Von diesen Reihen erwecken die letzten beiden das grosste
Interesse, denn sie sprechen die bereits oben angekiindigte
merkwiirdige Thatsache aus, dass die Tradahigkeit eines rechteckigen Prismas sehr bedeutend von der Orientirung seiner
Seitenflachen abhangt. Ftir beide Axenrichtungen ist
am
kleinsten, wenn eine der Seitenflachen in eine Wiirfelflache
fallt, am grossten, wenn sie um 45O dagegen geneigt ist; das
Verhaltniss des Maximal- und Minimalwerthes ist beide Male
fast genau gleich, namlich = 1,6, was gewiss nicht zufallig ist.
Um die sonderbare Erscheinung weiter zu verfolgen,
haben wir einige Sorten Stabchen in rein prismatischer Form
herstellen lassen und ihre Tragfahigkeit bestimmt, wiihrend
sie an ihren Enden auf festen Lagern ruhten und in der E t t e
belastet wurden.
Man betrachtet in der Regel die mittleren Querschnitte
eines so gebogenen Stabes als unter der Wirkung longitudinaler Zugkrafte stehend, welche, wenn man die %Axe in die
CIera.de durch die Schwerpunkte der Querschnitte, die X-Axe
in die Biegungsrichtung des Stabes legt, die Form haben:
=
-flZ.
Das Moment M dieser Krafte iiber den ganzen Querschnitt
summirt, muss dem yon aussen wirkenden gleich sein, namlich,
wenn P die Belastung, I/ die Lange des Stabes, xy der Tragheitsradius seines Querschnittes urn die Y-Axe ist,
M = ' - /-~ Z ~ d d g = f , q x , ~ = + P L .
1st der Querschnitt rechteckig von der Breite B und der Dicke
B, so ist xy = Bz / 12, also
V
.
3PL
und
-jj-jjF
PLx.
2, = - 3__
B Ds
Die grosste Spannung ist an der Oberflache vorhanden, wo
x = B 1 2 ist; es folgt sonach deren Maximalwerth p durch die
Maximalbelastung p ausgedriickt :
f 1 =
-
3PL
p =2 B7
D '
A. Sella u. W: Poigt.
652
Nach dieser Formel sind die folgenden Beobachtungen berechnet.
Sie betreffen zunachst zwei Gattungen W I und WII voii
Prismen, deren Liingsaxen in einer Hauptaxe liegen, und deren
Seitenflachen resp. entweder mit Wtirfelflachen oder Granatoederflachen zusammenfallen , also der Orientirung nach mit
I und 111 in der obigen Tafel iibereinstimmen. Die Lange
war bei allen gleich 20mm.
W I (Seitenflachen parallel Wiirfelflachen).
Nr.
D
P
B
p
1,97 1,95 309 1220
1,965 1,99 270 1060
1,96 1,945 314 1260
1,963 1,93 290 1160
1,98 1,96 307 1200
7) 1797 1,94 310 1230
Mittelwerth p = 1190.
1)
2)
4)
5)
6)
Bruchstelle
0,5 m m von der Mitte
0,5 ),
71
0,3 ,,
77
0,3 ),
11
0,5 ,,
JI
0,3
71
Ausgeschlossen ist Nr. 3 init p = 968 als verdachtig.
U7 TI (Seitenflachen parallel Granatoederfliichon).
Nr.
1)
2)
3)
4j
5)
6)
B
D
p
P
1,98 1,965 468 1820
1,96 1,97 504 1990
1,96 1,985 484 1910
i,98 i,96 485 1900
1,98 1,96 487 1900
1,97 1,96 472 1860
Mittelwerth = 1900.
p
Bruchstelle
0,5 m m vou der Mitte
0,5 ,,
77
central
0,3
0,5
!,
,,
,I
71
77
Das Verhaltniss dieser beiden Werthe ist wiederum genau
gleich 1,6, wie oben; die grosse Uebereinstimmung hsst
schliessen, dass die Erscheinung keine secundare, durch Storungen verursachte ist.
Ferner murde eine Anzahl Stabchen, deren Langsaxe die
Winkel zweier Hauptaxen halbirte, und deren eine Flache in
eine Wurfelebene, deren andere in eine Granatoederebene fie1
(Gattung VII der obigen Zusammenstellung), durch Biegen zerbrochen, und zwar so, dass die Biegung einmal nach der
Richtung senkrecht zur Wiirfeflache, das andere Ma1 senkrecht zur Granatoederflache stattfand ; das Brechen geschah
nahe central.
Zerreissunysfestigkeit von jSteinsalz.
653
G I (Biegung normal zur Wtirfelflache).
Nr. L
B
D
P
p
1)
2)
3)
4)
5)
6)
26,O
26,O
15,5
26,O
26,O
26,O
Mittelwerth
1,946
1,94
1,97
1,95
1,93
1,94
= 3160.
1,946 511
1,95
528
1,96 1119
1,97
600
652
1,95
1,95
671
2710
2790
3430
3200
3480
3540
G I1 (Biegung normal zur Granatoederflache).
Nr.L
B
D
P
p
1,97
1,96
1,96
26,O
1,97
26,O l,96
26,O 1,94
Mittelwerth = 3070.
1)
2)
3)
4)
5)
6)
19,6
26,O
17,O
1,946
1,94
1,95
1,95
1,94
1,92
827
612
930
633
486
533
3276
3240
3160
3300
2580
2890
Diese Werthe stimmen tiberein, es jindet sich also heine
Perschiedenheit der fiagfiihiykeit, wenn man dasselbe Stiibchen
nach seinen zwei verschie&nwerth[qen Querdimensionen bieyt.
Vergleicht man die absoluten Werthe der Grenzspannungen
p , welche die Biegungsbeobachtungen ergeben haben, mit den
beim Zerreissen erhaltenen, so finden sich die ersteren vie1
grosser als die letzteren. Dies Resultat ist gleichfalls vollstilndig unerwartet und im Widerspruch mit dem von Hrn.
K o w a1s k i am Glase gefundenen. Die Untersnchung dieser
Frage verschiebe ich indessen und kehre zu der eigentlichen
Veranlassung der Biegungsbeobachtungen zuriick.
Wenn durch Vorstehendes als unzweifelhaft festgestellt
betrachtet werden darf, dass bei Dehnung und Biegung die
Grenzspannung eines rechteckigen Prismas aus krystallinischer
Substanz bei gleicher Richtung seiner Axe von der Orientirung
seiner Seitenflachen abhangt, so bietet sich nun die Aufgabe,
diese sonderbare Thatsache zu erklaren. Die Heranziehung
von Sprtingen, die in den verschieden orientirten Oberflachenschichten durch die .Bearbeitung verschieden tiefgehend entstehen konnten, wird durch die beobachteten Thatsachen meines
Erachtens vollkommen unmaglich gemacht. Es spricht dagegen
die enorme Grosse der erhaltenen Unterschiede, die tadellose
Politur der Oberflachen und das durchaus regelmassige optische
A. Sella u. W. Voigt.
654
Verhalten der gespannten Prismen im belasteten Zustande bei
Betrachtung mit polarisirtem Lichte. Es spricht dagegen die
Gleichheit des bei Biegung und Dehnung erhaltenen Verhaltnisses
Max :Min= 1,6, denn die Biegungsbeobachtungen waren mit eben
geschliffenen Sttben eingestellt, die Dehnungsbeobachtungen mit
hohl geschliffenen, die eine wesentlich verschiedene Bearbeitung
erfahren hatten. Es spricht dagegen die vollkommene Uebereinstimmung des elastischen Verhaltens der Gattungen W I und
WII, welche durch besondere Messungen constatirt ist. Und
entscheidend widerlegt sie, wie mir scheint, die Thatsache,
dass bei derselben Orientirung die Grenzspannung = p q von
der Grosse des Querschnittes unnbhangig ist; denn wenn die
Querschnitte der Stabe durch oberflachliche Sprunge geschwacht wurden, miisste dies offenbar bei grosseren Querschnitten in verhaltnissmassig gexingerem Maasse stattfinden,
als bei kleineren. Die mit der Gattung I angestellten Beobachtungen beweisen aber, dass, wenn tiberhaupt eine Verschiedenheit von
fur dickere oder diinnere Stilbe vorhanden
ist, diese gerade im entgegengesetzten Sinne stattfindet.
Nach mancherlei Uebsrlegungen scheint uns gegenwilrtig
folgende Erklarung die einzig haltbare zu sein.
Dass die Oberflachenschicht eines festen Korpers infolge
der Molecularkrafte eine andere Constitution besitzt, als die
inneren Theile, ist nicht zu bezweifeln, und man muss, nachdem die Elasticitatsbeobachtungen eine Abhangigkeit der inneren
Drucke von der Richtung ergeben haben, annehmen, dass auch
diese Oberfllichenschicht mit der Orientirung der Grenzflachen
wechselt. Ihre Dicke mum gegen die Dimensionen der gewohnlich benutzten Beobachtungsobjecte unmerklich sein, denn
sonst konnten die Elasticititsmessungen einerseits nicht den
theoretisch geforderten Zusammenhang zwischen Deformation
und Dimension ergeben, andererseits musste die Biegung eines
Stabes von der Orientirung seiner Seitenflachen abhangen,
was, wie oben erwahnt, nach mit den Gattungen WI und W-I1
angestellten Messungen in Wirklichkeit picht stattfindet.
Aber diese unmerklich dtinne, in ihrem Verhalten nach
Innen zu stetig in den normalen Zustand der Materie iibergehende Schicht kann trotadem die Tragfiahigkeit stark beeinflussen, wenn sie die Eigenschaft hat, bei einer geringeren
7
Zerreissungsfestigheit uon Steinsalz.
655
Behniiny zu zerreissen, a h ein Faden im Inneren. Denn ein
bei einer gewissen Dehnung entstehender Riss in der Oberflachenschicht bedeutet eine Schwiichung des beziiglichen Querschnittes und breitet sich nothwendig, da die inneren Spannungen mit abnehmendem Querschnitt wachsen, uber den ganzen
Querschnitt aus.
Die Eigenschaft, welche die Bagphigkeit bestimmt, wiirdu
hiernach, beim SteinsaZz weniystens , nicht eine Volumen-, sondern
eine Flliihentestigkeit sein, und da eine solche sowohl von der
Orientirung der beziiglichen Flache, als auch von der Lage
der Zugrichtung in derselben abhangen muss, so ist begreiflich , dass die experimentelle Untersuchung der Zugfestigkeit
sehr mannigfaltige und schwer zu ubersehende Resultate liefern
wird. Die Verhaltnisse compliciren sich noch dadurch, dass
man bei Prismen, die von krystallographisch verschiedenwerthigen Flachen begrenzt sind, von vorn herein nicht wissen
kann, welches der beiden Flachenpaare dasjenige geringerer
Oberflachenfestigkeit ist, auf welchem also das Brechen eigentlich begonnen hat. Von den von uns benutzten Staben haben
nur diejenigen der Gattungen I, 11, 111 und X gleichwerthige
Flachenpaare, geben also nur diese eindeutige Werthe.
Die Annahme dieser Oberflachenfestigkeit erklart unseres
Erachtens auch besonders ungezwungen die trotz des besten
Materiales und trotz der grossten aufgewandten Vorsicht noch
immer nur massige Uebereinstimmung der erhaltenen Resultate,
denn sie lasst die Einwirkung der mechanischen Behandlung,
eventuell Beschfidigung der Oberflache auf die Tragfahigkeit
als nahezu selbstverstandlich erscheinen.
Gegen die vorgeschlagene Erklarung wiirde geltend gemacht werden konnen, dass die Kanten der Prismen in Wahrheit scharf gekriimmte Cylinderflfichen sind, dass also z. B.
unsere Praparate I, I1 und I11 dieselben Flachen nur in verschiedener Grosse besitzen, und dass sie hiernach gleiche
Werthe
ergeben miissten. Indessen konnta man dagegen
wohl mit Recht bemerken, dass einerseits bei so starker
Kriimmung die Oberflachenschicht geandert sein diirfte, andererseits ein Sprung in einer Kante eine Schwlchung des
Querschnittes bewirkt, die nur unendlich klein ist gegen die
durch einen Sprung in einer Flache erzielte, und deshalb viel-
656 A. sells u.
v.poigt.
Zerreissungsfestigkeit yon Steinsalz.
leicht keine Wirkung aussert. Ueberdies sind bei der von
uns benutzten Gestalt der Praparate diejenigen Elementarfaden, welche in den Kanten liegen, offenbar etwas weniger
gespannt, als die iibrigen. Eben diese Ueberlegungen veranlassen uns iiberhaupt, den Beginn des Zerreissens in eine
Flache zu legen und nicht. in eine Kante, wozu man sonst wohl
neigen konnte; auch wiirde die letztere Annahme bei Cylindern
von stetig gekriimmtem Querschnitt Schwierigkeit,en bereiten.
Noch scheint gegen unsere Erklarung die oben mitgetheilte
Beobachtung zu sprechen, dass ein von zwei verschiedenwerthigen Flhchenpaaren begrenztes rechteckiges Prisma nach
der einen oder anderen Querdimension gebogen, merklich dieselbe Grenzspannung ? aushalt. Aber es ist wohl zu bedenken, dass, wenn die Biegung normal zu den Flachen grosserer Festigkeit geschieht, die ihr benachbarten Theile der
Flachen geringerer Festigkeit nahe dieselbe Spannung erfahren,
wie die eine der ersteren, und demgemass sehr wohl ihre
Grenzspannung eher erreichen konnen, als die absolut am
starksten gespannte Flache gr6sserer Festigkeit.
Selbstverstandlich halten wir aber die als Hypothese eingefiihrte Oberfiachenfestigkeit noch fernerer Untersuchung bediirftig; darauf zielende Beobachtungsreihen sind bereits im
Gange.
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