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Beobachtungen ber ein am 13. Dec. 1863 in Hermannstadt stattgefundenes Gewitter ungewhnlicher Art

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165
In der Polarisationsbatterie sind dagegen alle Theile der
Batterie unbeweglich und mit einander fest verbunden.
Jede Platiiiplatte entspricht ferner zweieu Platinplatten in
dem auderu Apparate. Der eiozige beweglicbe Theil ist
die Axe, welche die beiden Pale des polarisirendep galvaiiischen Ayparates trigt.
Dieses sind die nesentlichsten Unterscbiede zwisclien
cier secundaren $ a d e des Hrn. Prof. P o g g e p d o r f f und
der Polarisationsbatterie. Das Princip , welches beideii zii
Grunde liegt, nlmlich die Polarisation der Platinplatten z u
benutzen, urn eineu quantitativ starken gaJvanischom Strom
in einen Stroin von hoher Spannung umzu2nderi1, ist dasselbe; aber die Polarisationsb~tterie dst der einPige bis
j e t z f cwstrvirte Apparat, in qelchem ein c o n t i n q i r l i c h e r eleRIrischer Strom ogn holier Spqnwung rnd c o n s t Q n t e r StromstGrke mittekt eines einqelnen golvanischen Elements srlangt wird.
XIX. Beabachtungeu iiber ein am 13. Dec. 1863
in Hermawstadt stattgejunderces Ce.wittt?r unge-
wiihnlicher a r t ; van
( A i l s d. Verhaodll.
U.
&.
6.A, Nayser.
Miithaill. d. aiebenbiirg. Vereins fur Nalurwiss
vom u r n . Verf. kberrandt.)
1864. No. 2 ) ,
D e r durch seine trockene, verbaltnifsplfsig milde, s c b e e rind regenlose Witterung ohnehin abnorme Spatherbst be-
schenkte uns noeh am 13. D e c e d e F Nachmittags mit der,
in unserer Gegend seltenen Erscheinung eines December(;ewitters, welches noch dadurch ausgezeichnet war, dals
die elektrische Entladwg i u einer Fowl stattfand, wie sie
1 on den Meteorologen
nur aufserst selten beobachtet
wurdc.
Nach vorausgegangener mehrwachentlicher Trockeoheit
166
der Atmosphare wit fast Windstille und sehr geringem
Luftzuge von SO trat am 10. December Nebel und darauf
ein ziemlich heftiger W N W - W i n d anf, welcher bis am
12. Abends dauerte, die Nacht iiber nachliefs, Sonntag den
13. Fruh 8 Uhr als Sturm auftrat und bis Nachmittag forttobte. Die Temperatur erschien verbaltnifsmafsig tnilde, das
Thermometer zeigte am 13. 6 Uhr friih +4,85.
Die Oscillation des Luftdruckes jedoch war von ungewdhnlicher
Grofse, denn nach Hrn. Prof. R e i f s e n b e r g e r ' s Beobacbtung sank das Baroriieter in der Zeit von 10 Uhr Abends
des 12. bis 6 Uhr Morgem des 13. uin 3 , 7 8 und bis 2' Uhr
Nachinittags uiii 4"',07 seines am 12. innegehabten Standes
herab, zu welchetn es sich bis 10 Uhr des 13. fast vollkommen wieder erhobeii hatte. Nach 3 Uhr liefs der Sturm
nach; es erfolgte ein feiner Sprtihregen, dann urn 4 Uhr
plstzlich die Drehuiig der Windfahne nach N W . und es
trat in den untern Schicliten der Atmosphiire ein ziemlich
starker Sturm mit trocknem Schnee und Graupel- Gest6ber auf.
Der Berichterstatter sah von seiner am kleinen Platze
gelegenen Wohnung, von wo die Uebersicht des Himmels
von S. bis N W . gestattet war, diesem merkwiirdigen Getriebe der durch einander wirbelnden, in nicht sehr grofser
iVIeiige gebildeten Schneeflocken einige Zeit zu und richtete hierauf seinen Blick nach den h6hern rollkommen
schneefreien Schichten der Atmosphare. Diese erscbienen
als ein gew6hnlicher grauer gleichfiirmig bedeckter Himmel,
ohne dafs man daran irgend einen dunkleren, auf das Vorhandenseyn einer Gewitterwolke hindeutenden Theil hatte
unterscheiden kdnnen.
In. demselben Augenblicke, als sein Blick gerade dahin
gerichtet war, trat an einem Punkte in der grauen W o l kenschichte i m Zenithe des davon in 12 Klafter scheinbarer Entfernung befindlichen metallenen Thurmknopfes der
evangelischen Hauptkirche eine momentane kleinbegrsnzte
Lichtaufwallung ein und daraus fuhr ein bachtiger Blitzstrahl raketenartig vollkommen vertical auf den Thurmknopf
167
10s. M;ie lnit einer feurigen Fliissigkeit denselben ubergiefsend und sich unterlialb wieder in einen Feiterstrom
samtnelnd, glitt er an der iisilichen Seite der Thitrmdiichpyramide in gerader Richtung etwa 10 KI. bis an das L)achfenster der Thurmerwohnung herab, w o er die iintere
scbnee1,eladene Luftschicht traf und uiiter Detoiiation unti
einer schi5uen Lichterscheinung mit iiach allen Seiteii aufflalnmeiidein, rdthlich - weibgelbem Liclitc, dereti Basis nhrr
schon durch vorbeistrbmende Schnecgestijbertnassea ~ e r deckt wurde, dem 13licke des Beobachters ctntscliruniid,
I)em Letztern, der sich etwa 130 Schritte weit entfernt
und gerade gegeniiber von dem O r t e der Ersclieinung I)(:fand, kaiii die Detonation als ein tlumpfer ver1idtniI'sni:iEsig nicht sehr bedeutender Schlag vor; eiii Bericlitvrstatter
d e r hier erxheinenden Zeitung vergleicht sic in seineiii
Berichte mit eiiiem Pistolenschusse, aber entferntere Reohacbter haben eitien heftigen Donnerschlag und dwnpfes
Rollen gehart.
Dieser machtige Blitzstrahl erschien dem Augc als ern
etwa 3 Zoll breites, geradliniges genau hegranztes Feuerhand von beller Chamoisfarbe ; sein Glniiz w a r bedcutelid
schwaclier, als der der gewdhnlichen zickzackfijrniigcii
Blitze. Die Bewegiing desselben war eine fiir Blitzstralrleri
verhaltnifsmzfsig sehr langsame, da dns Augc, sowohl in
der Luft als am Thurmdache, sririetn Laufe becluein folgeri und sowohl oberhalh, n l s uiiterhalb des Thurmknopfes,
die von dernselben noch nicht berubrle Hrlftc seines \Ireges genau wahrnebmen konnte. Die Zeitdauer der Erscheinimg w a r also jedenfalls die von mehr als einer Secritide und durfte J bis 5 Secundcn betrageti hnben.
-4 r a g o in seiner Monographie des Blitzes unterscheidet
vier Klassen deeselben: den zikzakfdrniigen, den oberflachlichen, den kugelfiirmigen und den raketenfiirmigen. Bei
Ihsprechung der letzterri Klasse, zu welcher der beobachtete Blitzstrahl gehiirte, erwalmt er einer Beobachtung vou
s e h u h I e r uber einen Blitz dicser Form, wo der beruhmte
Meteorologe sagt: 2JI)ieser Feuerstrom war so dick wie
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ein Arm und endigte sich in eine griilsere und glanzendere
K u g e l ~ ;auch Ka em t z habe diese Erscheinung mehrmals
beobachtet; M u u c k e hingegeu berichtet, dafs ein niederfah'render Blitz, der ungefahr 60 Meter lang zu seyn schien,
vor seinen Augen sich in viele kleine Kngeln theilte. Weder eine derartige Theilung, noch eine kugelfiirmige Endigung war an dem beobachteten Blitzstrahl zu hemerken.
Der voin Blitze getroffenc Thnrm hat eine achtseitige
Uachpyramide und an jcder Ecke ein ebenso bedachtes
Thiirmchen. Aus dem auf der siidlichen Seite gelegenen
Fenster des sudiistlichen Thiirmchens laufeii die Drahte der
Telegraphen - Leituug von der Thiirmerwohnung zur Feuerwache im Rathhause, wo der negative Draht an einer freien
W a n d des Hofes in eine brunnenartige Vertiefung gefiibrt
ist. An diesem an der W a n d betindlicheii Stiicke des
Drahtes sah nun, nach der Mittheilung des Hrn. Professor
R e i l s e n b e r g e r , ein Rathhausdiener zur Zeit des Blitzschlages einen Feuerstrom hinabfahren. Die vom Hrn. Professor untersuchte Dtahtleitung zeigte richtig den negativen
Draht am oberen Ende abgeschmolzen, und z n a r an der
Stelle, wo derselbe in einer scharfen Biegnng an der W a n d
cles Tliiirmchens zum Fenster desselben hinausfiihrt. In
der Umgebung dieses Punktes und oberbalb des Fensterrahmens waren versengte Stellen zu bemerken. Aufscrdem
war sowohl am Thurine, als im Rathhause, der die beiden
Spulen des Zeichengebers am S m ee'schen Apparate verbindende Kirpferdraht abgeschmolzen. Diese Umstlnde deuten darauf bin, dafs der Blitzstrahl sicli eatweder ganz, oder,
wie Hr. Professor R e i f s e n b e r g e r meint, theilweise durch
die Telegraphenleitung in die Erde entlud. Das erstere
ware durch die Nahe des Telegraphendrahtes und die Verbindubg des feuchten Thurmdaches mit dem dea Thurmchens erklarlich ; die zweite Ansicht h a t ihre Berechtigung
darin, dafs man bei dem scheinbar rganzlicben Mange1 an
eigentlichen Gewitterwolken in den obern Schichten der
AtmosphPre, das Bedingende der Erscheinung in der untern
Schneesturmwolke suchen mufs, welche gerade uur bis an
I69
den O r t des Thumdaches, wo die Lichterscheinung auftrat,
etwa 140’ hoch reichte, und solnit eine Entladung in die
jedenfalls entgegengesetzt elektrisch polarisirte W o k e maglicb und wahrscheinlich war. Die Licbterscheiuung b n d e
ihre ErkIAratig in dem Leitungswiderstaode, welchen der
Blitzstrahl an den durch den unterti tnftstroia ihrer Feuchtigkeit beraubten glasirten Dachziegelo, oder an den trockljern Luftscbichten desselben erfuhr.
Dern Umstande, dafs durch den friiher stattgefundenen
Spruhregen die Pyramide des mit keiiiem Blitzableiter vetsehenen Thurindaches, volhoinmen feucht war, ist dieLn1nl
die Rettuiig desseiben von der Zerstihung zu danken uiid
so, init Rucksicht auf den Stunn, ein miiglicherueise schauderhaftcs Braridungluck verhiitet wordcn.
J3er Sturin liefs bald nach der elektrischen Entladniig
iiach, es erfolgte fast Wiridstille obne Schneefall bis 7 Uhr,
wo denelbe wieder tnit Schneegestober eiotrat, jedoch bald
etwas uiid nach II Uhr Nache hedeutend schwacher wurde,
hierauf so die ganze Nacht fortdauerte bia cr den 14. urn
I I Uhr Friib mit Schneegtstfiber ganzlich aufhiirte.
Man kdnnte leicht den WNW. Sturm, welcher am 13.
Mrttags am starksten w e h e , der j a auch in Hamburg, Wien,
Pest, Szegedin und zwar i n grokerer Stiirke n i e hier aufgetreten, (lurch die so abnorme Grofse der Oscillation des
Luftdruckes verfilhrt , fiir einen jener gcfaiulichen Wirbelstiirme halten, welche aus dem Zusaminentreffen der Nordund Siidpessatstrbmung entstehen, wenn die Verbaltnisse
der Wiodesrichtungen niclit dagegeu sprachen. Diese deuten vielmehr a i d eio gewdhnliches Verdrarigen des Siidstroi n e s durch den Nordstrom hin. Der Letztera erreichte am
13. um 4 Uhr Nachmittags die Stadt uud gab durch seine
Trockenheit urid niedrige Temperatur Veranlassung zuw
Entstebeii der Schneesturmnolke in der durch den fruber
erfolgten Spriihregen noch ziemlich feuchten Atmosphare
und sotnit auch zu der des Gewitters.
W a s deli oben beschriebenen Blitzstrahl merkwiirdig
und interessant erscheineu Iafst, ist die Iangsame Bewegung
I70
desselben. Die Bedingungen dieser langsamen Bewegung
des elektrischen Stromes in der Atmosphare mussen eben
sehr selten gegeben segn, weil unter den vielen Beobachtern, die tausende der gewfihnlichen Blitze gesehen, es wenige giebt, die einen von dieser Form beobachtet habeu.
In den meteorologischen Schriften, die dem Berichterstattcr freilich iiur in sehr sparlicher Anzahl zu Gebote
standen, sind zwer Uiitersuchungen uber die Bedingungen
inancher Formeu des Blitzstrahls enthalten, aber iiber die
des so langsam sich bewegenden , kugel- und raketenformigen findet sich nichts aufgezeichnet. Ka m tz (Lehrbuch
der Meteorologie S. 427) sagt nur: nDafs dieselhe scheinbare Regellosigkeit und Mannigfaltigkeit , welche uns dic
Funkeu der Elektrisir-Maschine zeigen, auch an den Blitzeu,
wo der W e g des Funkens vie1 grofser ist, zu sehen seyw.
Das mag nun freilich wahr seyn, dennoch aber ware
es nicht uninteressant , die Verhaltnisse der Bedingungen
des atmospbarischen Zustandes fur die Eneugung solcher
Art Blitze nzher zu untersuchen.
W i r wollen bei unserem Falle es wageu, auf die Gefahr zu irren, diefs zu thun.
Es ist natiirlich, dafs wir uns zuerst urn die Bedingungen der Verlangsamung eines elektrischen Funkens, wie
sie durch die Beobachtungeu an den Funken der Leydener
Flasche oder dem Conductor der Elektrisirmaschine gemacht worden, umsehen mussen und da fiuden wir, dafs
die Vergrgrblserung der Schlagweite und Oberflache der
Batterie, so wie der Leitungswiderstand, so weit bis jetzt
bekannt, den wesentlichsteu Einflufs auf die Verlangsamung
der Dauer eines elektrischen Funkens uben.
Ohue nun naher einzugehen in die hierauf bezuglichen
bekannten Versuche von W. W e b e r , R i e f s , M a s s o n
und F e d d e r s e n , dessen Beobachtungen init denen der
Anderen nicht vollkommen ubereinzustimrnen scheinen, sollen uns in unserem Fane die daraus gefolgerten bekanuten
Gesetze als Anhaltspunkte d i e n e ~ , die B u f f im Artikel
n Elek trisches Licht tt (Handwurterbuch der Chemie von
171
L i e b i g und P o g g e n d o r f f S. 931) in folgenden W o r t e n
wiedergiebt :
1. W e n t i der elektrische Strom vor der Entladuiig
unvollkominene Leiter durchdringen mufs, so wird die Duuer
der Lichterscheinung , wenn auch immer noch so aufserordentlich kurz, doch benaerkbar cerlungert.
2. Gleichbleibende Bewegungshindernisse vorausgesetzt,
vermindert sich die Zeit der Entladung rind wahrscheinlirh
auch die Dauer des Funkens bei zunehinender Dichtigkeit
dcr angehauften Elektricitit. wogegen der Glanz wachst.
W i r haben gesehen, dafs beiin Beginoe dieses Blitzstrahles der Himmel mit eiiier grauen nicht dichten, continuirlichen Wolkenmasse hetleckt war. W i r m u s ~ e n also
vornussetzen, dars hier die Bedingungen einer eigentlichen
Gewitterwolke, d. h. grofse Dirhte der Nebelmasseii, somit
starker Wasserniederschlag und erhbhte elektrische Leituogsfahigkeit, nicht gegeben, sondern wahrscheinlicli wenig dichte
und minder gut leitende Nebelmassen vorhanden waren.
Man kbnnte daher vielleicht annehinen, d a b die Elektricitit durch die plbtzlich auftretende vertheilende Kraft
der unterii Schneesturmwolke gezwiingen war, ails dem Innern der ausgedehnten Wolkenmasse, durch nicht dichte,
daher nicht sehr feuchte uiid so einen verhaltnifsmefsigen
Leitungswiderstand bietende Schichten an die Oberflache
bis ziim Punkte, w o der Blitz entstand, zu gelangen, durch
die Ueberwindung dieses 18ngeren Leitungswiderstandes
eine geringere Bewegungsenergie mitbrachte iind dadurch
eine im Verhaltnisse zu gewbhnlichm Blitzen so auffallende
Verlangsamung der Bewegung dieses Blitzstrahles bedingte.
Auch durfte die langsaine Bewegung und der scbwache
Glanz des beobachteten Blitzes vielleicht darauf hindeuten,
dafs trotz der so prachtvoll erscheiiienden , bedeuteiiden
Breite des Feuerstrahles die Dichte des elektrischen Stromes hier eine verhaltnikmafsig geringere, als bei zikzakfbrmigen Blitzen gewesen.
Demgeinafs kbnnte daher ein solcher Blitzstrahl aus gem.iihnlicheii, eigentlichen Gemitterwolkeo , wenn der elek-
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trische Ausgleich unmittelbar von ihrer Oberflache aus gescbieht, niemals hervortreten, weil bei diesen durch den starkern Wasserniederschlag eiue erh6bte Leitungsfahigkeit und
daher eiue raschere Bewegung der Elektricitat zur Oberflache bedingt ist, solnit dieselba eine griifsere Beweguugsenergie und Dichte vor dem Ausgleich besitzt und dieser
daher in der gewijhnlichen so aufserst kurzen Zeit von weniger als ein Tausendstel -Sekunde stattfiodet.
In wie weit nuii diese Arisicht irgend welcbe Bereclitigrmg hat oder niclit, kann der Berichterstatter an deu bis
jetzt erschienenen Mittheilungen iiber langsam sich bewegende
Blitzstrahlen leider uicht priifen, da ihm die Literatur dariiber nicht zu Gebote steht.
Man kbnnte etwa einwendeo, dafs die beobachtete,
obere gleichfiirmige Wolkenschicht nur der aulserste lockere
Rand einer Gewittemolke gewesen, deren dicliterer Kern
sich weit. oben befand, oder, dafs hoch in den obern Schichten der Atmosphkire eine Gewitterwolke war, die auf eine
unter ihr beiindliche , durch isolirende Luftschichten, getrennte, lockere, ausgedehnte Nebellnasse vertheilend gewirkt und so eine EntIadung aus der letzteren in den Thurmknopf veranlafst habe.
Die Falle fanden bei dem beschriebenen Blitzstrahl
wahrscheiolich nicht statt, was daraus ersichtlich, dafs ein
einer eigentlichen Gewitterwolke entsprechender dichter
Kern, wenn er auch weit ober dem Ausgangspunkte des
Blitzes sich hefand, doch iu der g1eichfi)rmig grauen, durchaus nicht dunklen Wolkenschicht durch eine dunklere Schattiruog sich kenntlich macheu mufste, was jedoch nicht der
Fall war.
Auch wiirde aus einer eigentlicheo Gewitterwolke nach
der elektriscben Eotladung wie es gew6hnlich geschiebt,
wahrscheiulich Regeu erfolgt seyn, was jedocb nicht stattfand,
sondern an der grauen Wolkenniasse war nach der elektrischen Entladung keine auffalleude Veranderung bemerkbar,
wogegen die Uildiing der unteren Schneesturmwolke noch
einige Zeit fortdauerte,
i 73
Die Annahme, dafs die elektrische Vertheilung, welche
dns Gewitter hervorrief, voii der uiitern Schiieesturmwolke
ausging, fiudet ihre Berechtigung in folgenden Umstanden.
Wahrscheinlich waren die untern Schichten der Atmosphzre, nach deln , bei niederin Barometerstande kurz vorher erfolgtem Regen iiegativ elektrisch, wie diefs in sol
chell Fallen nach Q u e t e l e t ' s Institut 1 S 5 1 , S. 245 i n
Brussel fast sters stattfhnd.
D a nun die Schnee- rind Graupelmassen nach Scliiib1 e r ' s , G r o f s e ' s urid D e 1 I m a n n ' s Beobachtungen gew6hnlich arich negativ elektrisch sind, so durfteu iu unserin
Fiille die gebildeten GraupelinasFen durch die von cinem
Sturinwiiide von der Stiirkenriinmer 7 veranlnfste Reibung
clcrselhen an den Gegenstanden der Erdoberllache, die negative Spannung nocli bcdeutend vermehrt haben, welclie
danii beim Durchpnssiren der Schneesturmwolke durch dic
Hausermasse der Statlt ihre hiichste Intensitat erreicht haben
durfte, und soinit i n den untern Luftschichten eine bedeutend elektrisch vertheilende Kraft entwickelt wurde. Die
wahrscheinlich negative Elektricitat des Raudes der obern
Wolkeiischicht mufste weit zuriickgcdr~ugtund der g o f s e n
Influenz entsprechend aus der ausgedehnten, lockern Wolkenschicht von grofser Entfernung her die positive Elektricitat dem Punkte zustriimen , welcher dem Thunnknopfe
als dem Sainmelpunkte dieser Influenzwirkung, am nachsten *ar.
Bei gehdriger Spniinung waren somit die Bedingungen
zu elektrischer Entladnng gegeben, deren ungewdbnliche
Form eben die geringe Dichtigkeit der Nebelmassen in der
obern ausgedehnten Wolkenschicht bedingte.
Man k a n n mit grorser Wabrscheinlichkeit behaupten,
dais nach den gegebenen Verhaltnissen ,iu der Atrnosphare,
ohne das huftreten der Schneesturrnwolke , gewifs keine
elektriscbe Entladuug erfolgt seyn wiirde.
.Zur Beurtbeilung der meteorologischen Verh2ltnisse 4der
A h m p h l i r e 'in den Zeiteh vor und nach d e m Gewitter miigeo bier 'noch die mir von meinem Freunde Hrn. Prof.
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R e i f s b e r g e r giitigst mitgetheilten Seobachtungen einen
Platz finden. Es war nlmlich:
1. Der Luftdnrck auf 0’ reducirt in Par. Linien:
December
6h
12
319,lS”’
13
315,43
Monatsmittel 322,27
2. Die Luftwarme in
December
fib
2b
10h
2b
Ioh
2,400
3,60”
0,80°
d,83
4,lO
-0,SO
Monatsmittel -433
-0,dl
-349
3. Die relafine Feuchtigkeit in Procenten.
12
13
December
6b
Mittel
318,55”’ 319,17”’ 318,97”‘
315,80
318,87
316,37
322,lO
322,29
322,22
Graden R i a u m u r :
2h
lob
Mitlel
2,27O
2,52
-2,74
Mittel
11
037
0,85
0,77
0,SS
0,75
0,6Y
0,88
12
O,G7
0,73
0,63
0,89
13
0,68
0,93
0,94
0,89
11
0,79
Monatsinittel
0,91
0,80
0,90
0,87
Die langsam sich bewegenden Blitzstrahlen haben aucli
in so fern eiii theoretisches Interesse, a1s man sich hier den
Forrgang des elektrischen Strolnes iiur in einer nach Far a d a y sogenannten fortfuhrenden Entladung denken, oder
durch die mecbaiiische Theorie, wie sie Dr. S u b i c in seinen Grundziigen der mechanischen Elektricitat entwickelt
hat, erklaren kiiiiiite, da hier von einem Entgegenkommen
cines Funkens von dem entgegengesetzt elektrisirten Ausgaogspunkte keine Rede seyn kann.
Die Erscbeiaung der so manches Ungewohnliche bietenden, langsam sich bewegenden Blitzstrahlen, besonders die
der kugelfi)rmigeu, durfte wohl mit Recht den Meteorologen zur eingehenden Priifung der Bedingnisse unter welchen sie stattfanden, empfohlen werden, wenn diese Prufung nicht eben schon langst vielleicht in geniigender Weise
durch D u M o n c e l (Compt. rend. XXVIII, 408 u. XXXVII,
995) und P o e y (Compt. rend. X L I I , 83) oder in anderen
uns unzugiinglich gewesenen Schriften erurtert worden ist.
175
Leider sind tins fiber jene Abhandlungeri, die kugelfi5rmigen Blitze, nur die Literaturquellen atis dem Jahresbericht
uber Physik und Cheinie von J. L i e b i g und H. K o p p
bekannt geworden.
X X . l k b e r die 6rscheinung der negativen Lecf t Elektricitat bei heitsrern Himmel;
con F. D e l l m a n n .
I m Interesse der Lijsung cines wissenschaftlichen Problems
wende ich mich durch folgende Mittheilung init angeschlossener Bitte an die Hrn. Physiker und Meteorologen.
Hr. Prof. M e i f s n e r in Gattingen hat bekanntlich in
seincm vortrefflichen W e r k e : Untersuchungen uber den
Sauerstoff cine neue Theorie der Luft- Elektricitat gegeben. Er ist, um cs Iiier kurz zu sagen, der Aosicht, d d s
die + E. der Atrnosphlre bei heiterein Himinel durch W o l ken- oder Gewitter - Elektricitat entstehc. W i e i n seinen sehr sorgfiltig ausgefiilirten experimentellen Untersuchungen durch den Inductionsstroin der neutrale Sauerstoff
in Ozon und Antozon polarisirt werde, so geschehe es in
der Atmospbare durch die Wolken-Elektricitst. Das Ozon
werde wegen seiner grorsen Verwaiidtschaft zu vielen oxydirbareii K6rpern dcr Luft bald entzogen uud es bleibe
das Antozon rnit + E . zuruck, tretc dicse
E. aber an
die Wassermolekule der A tmosphsre ab. Dabei aufsert er
die Vermuthung, daCs es wohl schwer haltcu werde, die
- E. des Ozons durch SpannungserscheinuDgen nachzuweisen.
Ferner hat Hr. Prof. P a l r n i e r i in Neapel seit Jahren
auf dern Vesuv-Observatorirlm in eiuer Hahe von 6.J7"
fiber dem Meere und auf dem der Universitat der Stadt
meteorologische Beobacbtungen, uud auch solche iiber atJJ
11,
+
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