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Bericht ber die 72. Versammlung deutscher Naturforscher und rzte in Aachen

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984
Quincke: Elektrochemie.
~ _ _
die Abbildungen der Solvay’schen elektrolytischen Anlage zu J e m e p p e ,
die galvanoplastische Ausstellung von
Christoffle,
die Grauer’sche Vernickelung kleiner
Stiicke in einem r o t i r e n d e n K o r b e ,
durch dessen Achse diesen der kathodische Strom zugefiihrt w i d ,
die Aluminiumausstellung der Soc. dlectromdtallurgique (Froges, la Praz, Gardanne) und der SOC.d’Alais et de la
Camargue (St. Michel),
die Carbidiifen von R u l l i e r und G i n L e l e u x , ersterer i m Betrieb,
die Apparate zur F l u o r d a r s t e l l u n g und
der Moissan’sche elektrische Ofen aus
Porzellanmasse,
die A c e t y l e n b e l e u c h t u n g des Seineufers und die A c e t y l e n a p p a r a t e .
Uberblickt man die vorstehend ihrem
Inhalte nach geordneten Verhandlungen,
deren einzelne Vortrage aber i n b u n t e s t e m
D u r c h e i n a n d e r wahrend voller 6 Tage
gehalten wurden, so w i d man erkennen,
dass in der That eine Reihe allgemein interessanter Fragen vorlag, dass aber haufig
zu vie1 in Einzelheiten gegangen und oft
auch Dinge speciellsten Fachinteresses oder
sogar specieller Apparaturschwierigkeiten eriirtert wurden, die einen Congress unniithig
belasten miissen. Vor Allem aber sieht man,
wie die endlose Reihe der Vortrage sich
leicht nach einem genauen Programm eintheilen liess und wie auf diese Weise den
Theilnehmern das Fernbleiben an den Tagen,
wo Dioge ihres besonderen Interesses nicht
vorlagen, und dafur zugleich der Besuch
anderer Abtheilungen, die fiir den Einzelnen oft ebenso Bedeutsames brachten, zu
ermiiglichen war. Ebenso lassen sich aus
dem Gesammtbild der Verhandlnngen die
Schwierigkeiten entnehmen, einen solchen
Congress i n t e r n a t i o n a l zu halten und aus
ihm i n t e r n a ti onal verwerthbare Anregungen
oder gar Beschliisse zu ziehen.
Indem ich des hervorragend liebenswiirdigen Entgegenkommens der franziisischen,
namentlich der jiingeren, Collegen noch gedenke, miichte ich betonen, dass ein H a u p t z w e c k b e i d e r A b f a s s u n g d i e s e s Ber i c h t e s die Riicksicht auf den (leider schon
in 2 Jahren) in B e r l i n t a g e n d e n n a c h s t e n C o n g r e s s war, bei dem man suchen
kiinnte, den i n t e r n a t i o n a l e n Werth besser
zu wahren:
1. Durch genau disponirte Sectionsprogramme,
2. durch Beschriinkung der Vortragszahl,
[
_
Zeitachrift filr
angewandte Chemie.
3. durch Festlegung des Wesentlichen der
Vortrage mittels vorgezeigter Tabellen
oder i n der Sitzung zu vertheilender
gedruckter Uberblicke.
Leverkusen, August 1900.
Bericht uber die 72. Versammlung deutscher
Naturforscher und Arate in Aachen.
1.
Die 72. V e r s a m m l u n g d e u t s c h e r
N a t u r f o r s c h e r u n d A r z t e in Aachen wurde
zm Morgen des 17. September durch eine
allgemeine Sitzung im grossen Curhaussaale
erijffnet. Nach den iiblichen Begriissungsansprachen, welche Geheimrath W i i l l n e r
namens des Ortsausschusses, Oberregierungsrath B 6 h m namens der Staatsregierung,
Oberbiirgermeister V e l t m a n n fiir die Stadt
und Rector v o n M a n g o l d t fiir die Techoische Hochschule hielten, sprach Geheimrath
v o n L e u b e aus Wiirzburg iiber die E n t wick lu n g u n d d en Aufschwung d e r
Naturwissenschaften i n den letzten
3 J a h r h u n d e r t e n , worauf Vortrlige iiber
die Entwicklung der vier Hauptdisciplinen
von v a n t ’ H o f f und H e r t w i g aus Berlin
folgten. Nachmittags erfolgte die Bildung
der Abtheilungen.
Die Abtheilung
Pharmacie und Pharmakognosie
trat in der Stiirke von 42 Theilnehmern zusammen. Der Einfiihrende, Herr Apotheker
T h e 1en, begriisste diegrschienenen, darunter
die Herren Professoren P a r t h e i l , P a u l ,
S ch e e r und verschiedene ausliindische Jiinger
der Pharmacie. NachErledigung der Geschaftsordnung referirte zuniichst Herr A r e n d s
(Berlin) iiber den Vortrag des an persiinlichem
Erscheinen verhinderten Herrn Dr. D i e t e r i c h
(Helfenberg): Z u r Wer t h b e s t i m m u n g d e s
S e n f s a m e n s . Da.rauf Schluss der 1. Sitziing.
Am Dienstag den 18. Morgens 9 Uhr
eriiffnete Herr Prof. P a r t h e i l (Bonn) den
Reigen der Vortriige, indem er iiber d i e
E i n w i r k u n g d e r n a c h d e m T y p u s NH,
gebildeten Wasserstoffverbindungen
d e r S t i c k s t o f f r e i h e auf Q u e c k s i l b e r chlorid und das Verhalten d e r erhalten en P r o d u c t e auf J o d a l k y l e berichtete.
Wir kommen auf den interessanten Vortrag
noch zuriick.
Sodann hielt Herr Prof. Paul (Tiibingen)
einen fesselnden Vortrag iiber: P h y s i kalisch-chemische Untersuchungen
iiber d a s V e r h a l t e n d e r H a r n s i i u r e u n d
Heft s
~
~
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g,900]
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Versammlung
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~ deutachsr
~
;
, Naturforacher uad h z t s in Aachen.
i h r e r S a l z e i n Liisungen. An der daraui
folgenden Debatte betheiligten sich die Herrer
Professor S c h a e r (Basel) und Dr. E r d m a n l ;
(Halle).
Es folgte dervortrag des Herrn Dr. Fuchr
(Biebrich) iiber
Dormiol,
den wir im Wortlaute folgen lassen.
Vor 2 Jahren habe ich in Gemeinschaft
rnit Dr. E. K o c h (Munch. med. Wochenschr.
1898, No. 37) vergleichende Versuche mit
Chloralhydrat und Dimethyl-aethyl-carbinolchloral (Dormiol) an Thieren veriiffentlicht,
deren Resultat kurz dahin zusammengefasst
werden kann, dass Thiere von gleicber
Kiirperbeschaffenheit ca. 24 Proc. Chloral
mehr vertragen, wenn es in der Form des
Dimethyl aethpl carbinol chloral gereicht
wird. Das Resultat unserer damaligen Versuche ist nun im Laufe der letzten 11/4Jahre
d u d die Yeriiffentlichung zahlreicher klinischer Versuche, sowohl was prompte hypnotische Wirkung, als auch die Unschiidlichkeit des Dormiols anbelangt, bestitigt worden.
Das Dormiol stellt, wie ich bereits in der
,,Zeitschr. f. angew. Chemie 1899, Heft 49"
beschrieben habe, eine farblose, Wge, scbarf
mentholcampherartig riechende Fliissigkeit,
von kiihlend brennendem Geachmacke und
dem spec. Gew. 1,24 bei 15OC. dar. Der
Erstarrungspunkt desselben ist bei 4,6' C.
gelegen. Beziiglich seines eigenartigen Verhaltens gegen Wasser verweise ich auf
meinen oben angeftihrten Vortrag, und erwiihne nur, dass das Dormiol unzersetzt in
LBsung geht, indem die Dormiollijsung
zum Unterschiede von Chloralhydrat- und
Amylenhydratliisung genau ebenso , wie
reines Dormiol, Kaliumpermanganatl8sung
reducirt. Die 50-procent. Dormiolliisung,
wie dieselbe aus praktischen Griioden
(vergl. Pharm. Ztg. 1900, No. 36) in den
Handel gebracht wird, ist unbegrenzte Zeit
haltbar, und auch schwacbprocentige Lijsungen kiinnen, ohne Zersetzung zu erleiden,
monatelang im Kiihlen aufbewabrt werden.
Dagegen ist es unstattbaft, die Dormiolliisung zu kochen, was um so selbstverstiindlicher ist, als das Dorrniol bei
93' C. unter Zersetzung siedet.
Die hypnotische Wirkung des Dormiols
ist in Bezug auf das Hrankenmaterial verschieden, j e nachdem es sich urn die Behandlung von Geisteskranken oder Geistesgesunden handelt. Uber die Verwendung
des Dormiols bei Geisteskranken haben ihre
Erfahrungen und Beobachtungen E. M e l t z e r ,
Colditz (Deutsche med. Wochenschr. 1899,
No. IS), F. S c h u l t z e , Andernacb (Neurol.
Centralbl. 1900, No. 6) und P. P o l l i t z
-
-
-
985
(Allgem. Zeitschr. f. Psycbiatrie u. psychisch.gerichtl. Medicin 1900, Heft 5) niedergelegt.
Alle drei stimmen in ihrem Urtheil darin
iiberein, dass das Dormiol bei Geisteskranken
aller Formen, mit Ausnahme yon flotter
Manie und den starkeren Erregungszustanden
der Paralpse, ein prompt wirkendes Hypnoticum ist.
M e l t z e r und S c h u l t z e geben als normale schlaferzeugende Dosis fur Geisteskranke 1,5 g Dormiol an. In einzelnen
Fillen starker Erregung konnte indessen
nur rnit 2,O und sogar mit 3,O g erst binreichender Erfolg erzielt werden, wiihrend
andererseits bei alten und siechen Personen
schon 0,5, 0,75 und 1,0 g Dormiol ausreichten.
Die hypnotische Wirkung des Dormiols
bei Geistesgesunden ist von P e t e r s , LuisenHospital Aachen (Miinch. med. Wochenschr.,
1900, No. 14), Prieser-Wien (Arztliche
Centralztg., 1900, No. 23), Moir-London
(Medical Press, 6. Juni 1900) beschrieben
worden. Diese Autoren haben das Dormiol
bei Schlaflosigkeit in Folge der verschiedensten Krankheiten zur Verwendung gebracht und sind im Allgemeinen rnit 0,5 bis
1,0 g ausgekommen. Dabei hat P e t e r s
bei 84 Proc. Erfolg, und die anderen einen
noch hijheren Procentsatz zu verzeichnen
gehabt. Ausserdem ist das Dormiol von
K 6 n i g s h o f e r , Stuttgart (die ophthalmol.
Klinik, 1900, No. 9) in gleichen Gaben bei
psychischer Erregung vor und nach Operationen mit gutem Erfolge angewandt worden.
Die narcotische Wirkung versagt, wo es
sich urn Schmerzen auf organisch bedingter
Basis handelt.
Alle Beobachter haben Nebenwirkungen
des Dormiols niemals beobachten kiinnen.
Von Allen wird berichtet, dass der DormiolBchlaf, was Puls, Athmung und Temperatur
anbelangt, von dem normalen Schlaf nicht
verschieden ist. Selbst bei Herzkranken
und Nephritis ist eine schadliche Wirkung
[ P e t e r s 1. c.) nicht zu constatiren gewesen,
ia es sind sogar Falle bekannt geworden,
bei denen Chloralhydrat Collaps hervorrief,
wiihrend Dormiol ohne Stiirung vertragen
wurde. Der Verdauungsapparat wird von
Dormiol nicht alterirt, sondern im Gegeniheil sclieint dasselbe nach S c b u l t z e 1. c.
leu Appetit anzuregen. Die Patienten erwachen nach 5- 7-8 stiindigem, traumosem, erquickendem Schlaf mit dem GefiihI
les ,,Gutgeschlafenhabens' ohne Benommenieit, friscb in Kopf und Gliedern, ohne geichwiichte Arbeitskraft. Es folgten die interessanten Mittheilungen
les Herrn Prof. S c h a e r (Strassburg): U b e r
81*
-
986
ZeitschriR lUr
Verclammlung deutscher Naturforscher und b z t e in Aachen.
A l o i n r o t h u n d G u a j a c b l a u , woriiber
spater berichtet wird.
Sodann hielt Herr Dr. Jolles (Wien) folgenden Vortrag:
Eine neue volumetrirche Methode zur quantitativen
Bestimmung der Purinbasen im Harne.
Wie Vortragender nachgewiesen hat,
liefert von den in Betracht kommenden
Purinbasen Xanthin den gesammten Stickstoff, wiihrend Adenin und Guanin 'h und
Hypoxanthin 3/4 des Stickstoffs nach der
Oxpdation im Azotometer entwickeln. Von
den methylirten Xanthinen ergiebt bei diesem
Verfahren Heteroxanthin
des Stickstoffs,
des Stickstoffs. Das
die Methylxanthine
Coffei'n kommt hier nicht in Betracht, nachdem es beim Durchgang durch den Organismus in Dimethyl- resp. in Monomethylxanthine umgewandelt wird. Demzufolge ist
von den Purinbasen der bei weitem grijsste
Theil des Stickstoffs volumetrisch bestimmbar und fur physiologische und pathologische
Zwecke ist es hinreichend genau, wenn man
die Menge der in verschiedenen Harnen auftretenden Purinbasen proportional zur volumetrisch gefundenen N-Menge annimmt.
Falls man auf absolute numerische Genauigkeit der Bestimmung des Stickstoffs
der Purinbasen reflectirt, so findet man den
Bruchtheil, welcher der volumetrischen Bestimmung entgangen ist, derart, dass man
nach der Behandlung mit Bromlauge den
Riickstand mit Salzsiiure ansauert, die L6sung bis zum Verschwinden des Broms
kocht, abkiihlen liisst und hierauf salzsaurehaltige Phosphorwolframsaure hinzufiigt.
Nach mehrstiindigem Kochen wird filtrirt.
Die Kjeldahl-Bestimmung des Niederschlages
ergiebt den Rest des Stickstoffs. Fiir Harnuntersuchungen, bei denen in der Regel nur
100 g Harn i n Verwendung kommen, ist der
Stickstoff im Phosphorwolframsiiure-Niederschlage iiusserst minimal, so daes sich seine
Bestimmung - soweit die Cntersuchungen
des Vortragenden ergeben haben - als vollkommen iiberfliissig erwiesen hat. Hieran schloss sich ein Vortrag des Herrn
Dr. Jolles:
Uber ein neues Nahrpraparat: Fersan.
Das nach dem Verfahren des Vortragenden
hergestellte Priiparat - ,,Fersan" genannt
- stellt in chemischem Sinne eine eisenhaltige Paranuclei'nverbindung dar, welche
folgende Eigenschaften zeigt. Sie ist lijslich
in Wasser, coagulirt nicht beim Kochen,
geht durch den Magen unverandert durch,
wird im Darme vollstandig resorbirt und
enthiilt Eisen und Phosphor in organischer,
hochmolecularer Form. Nach der in der
'Is
-
neivaudto Chemte.
I
k. k. allgemeinen Untersuchungsanstalt fur
Lebensmittel in Wien durchgefiihrten Analyse enthalt das Fersan 88,8 Proc. wasserliisliches Eiweiss (Acidalbumin). Die in der
k. k. chem. landw. Versuchsstation durchgefiihrten Niihrversuche mit Fersan ergaben,
dass das Praparat absolut keine stijrende
Nebenwirkungen, wie Appetitlosigkeit, Verstopfung, Diarrhijen etc. nach sich gezogen
hat. Es ist als ein aufgeschlossenes EisenAcidalbuminat aufzufassen , welches keine
Anspriiche an die Verdauungsthiitigkeit des
Magens stellt und vom Darme selbst in
grijsseren Quantitiiten vollstiindig resorbirt
und assimilirt wird. Das Fersan enthiilt
relativ bedeutende Mengen Eisen und Phosphor organisch gebunden und eignet sich
daher namentlich fur solche Individuen, die
neben Eiweiss auch Eisen und Phosphor
aufnehmen sollen, insbesondere jenen NBhrmitteln gegeniiber, die diese Stoffe iiberhaupt
nicht oder in geringem Grade enthalten.
Die bisher durchgefiihrten klinischen Versuche (v. K r a f f t - E b i n g , Hofrath N e u m a n n , Heilanstalt Alland etc.) haben bei
Anaemie, Chlorose, in der Reconvalescenz
etc. sehr giinstige Resultate ergeben. Am Nacbmittage folgte der Vortrag des
Herrn Dr. Schaerges (Basel):
Uber neuere Arzneirnittel.
S c h a e r g e s sprach zuerst iiber die verhaltnissmiissig grosse Zahl neuer Arzneimittel, namentlich der synthetischen, welche
man in den letzten drei Jahrzehnten in den
Arzneischatz theils eingefiihrt, theils auch
nur einzufiihren versucht hat und beriihrte
kurz die Richtung , welche bei Darstellung
derselben Seitens der chemischen Grossindustrie eingeschlagen wird oder wenigstens
eingeschlagen werden sollte.
Klinischen
Versuchen sollte vorerst stets eine pharmakologische, medicinisch-chemische, bacteriologische und physiologische Priifung vorausgehen. - Er wendet sich dann zur Einfihrung bestimmter Atomgruppen in bereits
bekannte und erprobte Kiirper und greift
die Sulfogruppe und deren Einfiihrung in
Phenole heraus, hierbei zwei neue Arzneimittel, das A s t e r o l und das T h i o c o l
einer eingehenden Besprechung unterwerfend.
An Hand verschiedener Publicationen glaubt
Vortragender beiden Praparaten eine Berechtigung zusprechen zu miissen und empfiehlt
dieselben fiir klinische Versuche. - Der
vom Referenten angefiihrte Satz B e h r i n g ' s ,
dass es beziiglich der Quecksilbersalze nur
auf die Menge des geliisten Quecksilbers,
nicht auf die Art der Verbindung ankomme,
giebt zu einer liingeren Discussion, von
deutscher Naturforrcher und h t e in Aachen.
Aeff 3 ~ $ ~ . g 1900.]
~ ~ ~ ~Versammlung
~ \ ~ r
Herrn Prof. P a u l , Tiibingen, ercffnet, Anlass, an welcher sich die Herren Dr. K a t z
und Dr. B o n g a r t z betheiligen. - Herr
Prof. P a u l fasst das Asterol nicht als
eigentliches Quecksilbersalz auf, sondern
glaubt vielmehr, dass das H g eingetreten
sei in den Kern, was aber die Tiefenwirkung
und eine gewisse bactericide Wirkung nicht
ausschliessen diirfte, doch wire dieselbe
nicht oder nicht allein auf den Quecksilbergehalt zuriickzufiihren. Sodann sprach Herr Dr. Ernst Erdmann
(Halle):
Uber den therapeutirch wirksamen Bestandtheil
des Perubalrams und seine synthetische
Herstellung.
Der Perubalsam ist schon hiiufig Gegenstand chemischer Untersuchung gewesen.
Bereits in der ersten Hiilfte des 19. Jahrhunderts hat dieser Balsam, ein pathologisches Secret der verletzten Rinde von
Myroxylon Pereirae Klotzsch (Toluifera Pereirae L.), das Interesse mehrerer Chemiker
wie S t o l t z e ' ) , Richter'), F r e m y 3 ) , P l a n t a m o u r 4 ) , S c h a r l i n g 5 ) erweckt; spiiter
haben sich D e 1af on t a i n e6), K a c h ler'),
K r a u t 8 ) , E. S c h m i d t g ) damit beschiiftigt.
Und doch war man bis in die neueste
Zeit iiber den Hauptbestandtheil des Perubalsams nicht im Klaren. Der von Harz
und freien Siiuren befreite Balsam stellt bekanntlich ein 6 1 dar, von S t o l t z e als
,Perubalsam61", von F r e m y als ,,Cinnamei'n"
bezeichnet, welches H a g e r in seinem Commentar zur Pharmacopoea German. fiir identisch mit Zimmtsiiurebenzylester hiilt. Auch
S c h m i d t ' s Handbuch der Pharmaceutischen
Chemie giebt an, dass Perubalsam etwa
6 0 Proc. Zimmtsiiurebenzyliither (Cinnamei'n)
enthalte, obwohl bereits K r a u t als wesentlichen Bestandtheil des Perubalsam6ls Benzoesaurebenzylester gefunden hatte.
Durch eine Arbeit von T s c h i r c h und
T r o g und in neuester Zeit durch H.
T h o m s ist nun wieder darauf hingewiesen
worden, dass das sogen. Cinnamei'n mehr
Benzoesiiurebenzylester als Zimmtsiiurebenzylester enthalte, ohne dass indessen diese
beiden Bestandtheile in reinem Zustande
isolirt worden wken. Jener Schluss wurde
I)
2, 24.
2)
33
4,
4
1)
8)
'Berlinisches Jahrbuch der Pharmacie 25,
Journ. f. prakt. Chem. 13 (1838), 167.
Ann. 30, 326.
Ann. 27, 329; 30, 341.
Ann. 74, 230; 97, 169.
Zeitschr. f. Chem. 1869, 156.
Ber. 2, 512.
Ann. 107, 208; 162, 129; Ber. 2, 180.
9) Naturforschervers. Strassburg 1885, 377;
Jahresb. f. Chem. 1885, 324.
987
yon den beiden genannten Forschern indirect aus dem Umstande gezogen, weil Perubalsam61 bei der Verseifung neben Benzylalkohol ein Gemisch von Siiuren liefere, in
welchem die Benzoesiiure die Zimmtsiiure
iiberwiegt. Dass bei der VerseifuDg des
Perubalsams rnit alkoholischem Kali neben
ZimmtsPure auch Bezoesiiure entsteht, war
iibrigens schon K a c h 1 e r bekannt; er
glaubte aber, dass die BenzoCsiiure durch
Oxydation des Benzylalkohols bei der Verseifung entstanden sei.
Als ich mir vor zwei Jahren die Aufgabe stellte, den therapeutisch wirksamen
Bestandtheil des Perubalsams ausfindig zu
machen, lag mir zuniichst daran, iiber die
Zusammensetzung dieses Balsams volle Klarheit zu haben. Ich untersuchte verschiedene
Handelsproducte und gebe hier die Analyse
eines von G e h e & C o . bezogenen San-Salvador-Balsams wieder.
Derselbe enthielt
60,9 Proc. Perubalsamal (Cinnamei'n), 15,3
Proc. Harz, aus iitzalkalischer Lijsung durch
Kohlenslure fiillbar und 23,l Proc. freie
Siiuren.
Die Verseifungszahl des Perubalsamiils
wurde bestimmt und zu 236,7 gefunden.
Diese Verseifungszahl stimmt fast genau
iiberein mit dei fur Zimmtsiiurebenzylester
Es wiire aber sehr
berechneten (235,8).
irrig, hieraus den Schluss zu ziehen, dass
in dem Perubalsamijl reiner Zimmtsiiurebenzylester vorliege. 10 Proc. indifferenter
Verunreinigungen wiirden z. B. bereits geniigen, um den gefundenen Werth der Perseifungszahl auf
236,7 = 263 zu erh6hen, was ungefiihr mit der fur reinen
BenzoBsaurebenzylester sich berechnenden
Verseifungszahl (264,l) zusammenfiele.
Den directen Beweis, dass das Perubalsam61 als Hauptbestandtheil Benzozsiiurebenzylester enthiilt und in etwas geringerer
Menge Zimmtsaurebenzylester, habe ich durch
fractionirte Destillation unter stark vermindertem Druck gefiihrt.
Der Siedepunkt des BenzoEsiiureesters
ist bei 9 mm Druck 173", derjenige des
Zimmtsiiureesters 40' h6her; es hat also
keine Schwierigkeit, beide durch Destillation
zu trennen.
Der Versuch ergab, dass das von mir
dargestellte Perubalsamijl , abgesehen von
einigen Tropfen Vorlauf, zwischen 1 7 0 bis
220' bei 9 mm Druck siedete; 6 5 Proc.
gingen bei der ersten Destillation unterhalb
200° uber, 35 Proc. iiber 200'. Nach viermal
durchgefiihrter Fractionirung schwanden die
Zwischenfractionen fast vollstiindig, und es
wurde ausser etwas Vorlauf, in welchem sich
die Riechstoffe des Perubalsams anreichern,
988
Versammlung deutscher Naturforncher und A n t e in Aachen.
als H a u p t a n t h e i l BenzoBsGurebenzylester
vom Siedepunkt 1 7 3 O und andererseits
Zimmtsiiurebenzylester vom Siedepunkt 2 1 3
bis 2 1 5
erhalten. Der letztere erstarrt
sehr bald zu einer festen Krystallmasse,
welche zerrieben und mit wenig kaltem
Alkohol gewaschen viillig reinen Zimmtsiiurebenzylester darstellt. Durch Verseifung rnit
alkoholischem Kali erhielt ich aus den SO
isolirten Estern neben Benzylalkohol (dem
,,Peruvin" F r e m y ' s) reine BenzoBsiiure
(Schmelzp. gefunden 121-122 ') bez. reine
Zimmmtsiiure (Schmelzp. gefunden 134'). Das
Mengenverhiiltniss der durch Fractionirung
aus dem Perubalsamiil gewonnenen Ester
betrug 6 0 Benzozsaureester auf 38 ..Zimmtsiiureester. Dies steht in genauer Ubereinstimmung mit dem von H. Thorns") indirect
gefundenen Resultat, welches mir zur Zeit
meiner Untersuchung noch unbekannt war.
Ich habe die beiden Ester in griisserem
Maassstabe synthetisch dargestellt, mit den
Priiparaten aus Perubalsam verglichen und
viillige Ubereinstimmung festgestellt.
Der BenzoBsiiurebenzylester ist sowohl
aus Benzylchlorid und benzogsaurem Natron,
wie aus Benzylalkohol und Benzoylchlorid
zu erhalten. Er stellt in reinem Zustande
ein neutrales, farbloses , etwas dickfliissige?,
nicht trocknendes und fast geruchloses 0 1
dar. Sein Siedepunkt ist:
bei 744 mm Druck 323-324'")
12,5mm
- 183-184'
9 mm
- 173-174'.
Specifisches Gewicht bei 19' 1,1214.
Bei Winterkiilte erstarrt der BenzoBsBurebenzylester zu einer Krystallmasse, welche
bei 20' wieder schmilzt.
Die LBslichkeit von BenzoEsiiure in dem
Ester betragt bei 17' 5 Proc., die Liislichkeit reiner Zimmtsiiure ist noch geringer.
Hingegen lijst sich eine Mischung von BenzoEsiiure und Zimmtsiiure viel leichter. Die
Lijslichkeit einer aus gleichen Theilen der
genannten SBuren bestehenden Mischung betragt bei gewijhnlicher Temperatur fast
15 Proc. Es erkliirt sich hieraus, dass so
erhebliche Quantitiiten der freien Siiuren im
Perubalsam geliist sind.
Der Zimmtsiiurebenzylester ist bei gewijhnlicher Temperatur fest. Sein Schmelzpunkt liegt bei 87 ',la) sein Siedepunkt ist
bei 1 2 m m Druck 223-224'
- 9mm
213-214'.
-
-
Arch. d. Pharm. 233, .271.
In vollstgndiger Ubereinstimmung mit
C l a i s e n , Ber. 1887, 647; irrthiimlich ist eine
altere Angabe von C a n n i x z a r o , die durch
Fr. W a l d e r , Ber. 19, 1628, 1630 scheinbar bestatigt worden ist.
I%) Nicht 30°, wie B e i l s t e i n angiebt.
lo)
I')
[angewandte
Zeitschr'ftChemie.
Nachdem jeder Zweifel beseitigt war,
dass BenzoEsaurebenzylester tbatsiichlich der
Hauptbestandtheil des Perubalsams ist, interessirte mich vornehmlich die Frage, ob
dieser Bestandtheil auch der Trager derjenigen Eigenschaften des Perubalsams sei,
welche seine Verwendung in der Medicin, vornehmlich in der Therapie der Scabies, bedingen.
Eine eingehende Priifung des von mir
synthetisch hergestellten BenzoBsiiurebenzylesters hat diese Vermuthung vollauf bestiitigt. Fiir die klinischen Versuche, weIche
an einem umfangreichen Krankenmaterial
Jahren ausgefiihrt worden
im Laufe von 11/%
sind, bin ich namentlich den Herren Geheim.
Medicinalrath Prof. N e i s s e r in Breslau und
Prof. von M e h r i n g , Director der Medicin.
Klinik in Halle a. S., zu Dank verpflichtet.
Es wird hieriiber Seitens der genannten
Kliniken Naheres berichtet werden ; hier nur
so viel, dass der synthetische BenzoEsiiurebenzylester, welcher am besten in Verdiinnung mit einem indifferenten Ole,
Ricinusiil oder Oliveniil, angewandt wird,
ein prompt wirkendes Mittel gegen Scabiea
ist und ein vollwerthiger Ersatz des Perubalsams fiir medicinische Zwecke.
Zimmtsaurebenzylester wirkt ebenfallm;
er besitzt vor dem Benzylester der BenzoBsiiure keinen Vortheil, wohl aber den Naohtheil eines viel hiiheren Herstellungspreises, Die freien aromatischen Siiuren, hauptsilchlich ZimmtsHure und BenzoEsGure, welche
in betrachtlicher Menge im Perubalsam geliist sind, wirken n i c h t als Heilmittel
gegen die Kratzmilben, wie durch beaondere
Versuche mit einer 10-proc. Liisung von
BenzoBsiiure und Zimmtsiiure i n Ricinusiil
ermittelt wurde. Wohl aber scheinen diese
Sauren reizend auf die H a u t zu wirken und
leicht eine Dermatitis zu erzeugen. Wahrscheinlich sind die freien, im Perubalsam
enthaltenen Sauren der Grund fiir die bei
Anwendung dieses Balsams nicht selten auftretenden Hautreizungen oder Ekzeme.
Die A c t i e n g e s e l l s c h a f t fiir A n i l i n f a b r i k a t i o n in Berlin hat dieHerxtellungdes
BenzoBsgurebenzylesters iibernommen.
Sie
bringt die arztlicherseits besonders empfohlene
25-proc. Liisung in Ricinusiil unter der Bezeichnung ,,Peruol" in den Handel, ausserdem auch reinen Ester unter der Bezeichnung ,,Peruscabin".
Die Vorziige, welche das Peruol vor
dem Perubalsam hat, sehe ich darin, dass
das synthetische Praparat farblos ist und
die Wiische der Patienten nicht bescbmutzt,
ferner, dass es geruchlos ist, von stets constanter Zusammensetzung und frei von
jeder reizenden Wirkung. Der Preis ist ein
s9.
Jahrgang
25. September
lb00.
,,,,J
Versammlung deubcher Naturforscher und h z t e in Aachen.
massiger. Es steht daher zu hoffen, dass durch
die chemische Erforschung des Perubalsams
und die Synthese seines wirksamen Bestandtheils der arztlichen Praxis ein Dienst geleistet und der Arzneischatz um ein brauchs.
bares Mittel bereichert ist.
Abtheilung: Agriculturchemie, landwirthschaftliches Versuchswesen
und landwirthschaftliche Gewerbe.
1. S i t z u n g D i e n s t a g , d e n 18. S e p t e m b e r Vormittags. Vorsitzender: Landrath
P a s t o r , Aachen (Land). - Dr. Albert Berlin
sprach iiber:
Neue Versuche mit zellfreier Gahrung.
Seit B u c h n e r ' s erster Mittheilung iiber
,,alkoholische Giihrung ohne Zellen" sind
iiber dieses neu erschlossene Gebiet eine
grosse Anzahl weiterer Arbeiten erschienen.
Die Versuche B u c h n e r ' s sind vielfach nachgepriift und stets bestiitigt worden. Die
Qiihrung erregende Substanz, die Zymase,
ist nach Ansicht des Entdeckers ein Enzym,
was aber vielfach bestritten wird. Die zweifelnden Botaniker konnte er auf der Naturforscherversammlung in Miinchen nach Vorfiihrung seiner Versuche zu seiner Anschauung
bekehren. Die Gegner der Enzymtheorie
behaupten, im Presssafte befiinde sich lebendes
Plasma, bez. Plasmasplitter, die rnit Resten
von vitalen Kriiften ausgestattet, obwohl
iirtlich und zeitlich von der Zelle getrennt,
die Functionen der letzteren ausiiben. Diese
Plasmatheorie, in letzter Zeit vornehmlich
von C. W e h m e r vertreten, bringt uns aber
nicht nur nicht weiter, sondern setzt an
Stelle dee durch miihevolle exacte Versuche
Erreichten unklare und haltlose Begriffe, die
auch nicht durch e i n e n Versuch gestiitzt
werden. B e h r e n s glaubt einstweilen noch
der Zymase die Enzymnatur absprechen zu
miissen, weil sie ganz anders wirke als die
iibrigen hydrolisirenden Enzyme. E s besitzt
jedoch die Zymase alle Eigenschaften der
iibrigen Enzyme, wie Invertase, Diastase,
Peptase etc., wenn auch die specifische
Wirkung eine ganz andere ist.
Die Zymase steht in ihrer Wirkung den
Oxydasen sehr nahe. Vielleicht handelt es
sich bei der Alkoholgiihrung um eine intramoleculare Oxydation, bei welcher ein Theil
des Zuckerkohlenstoffes auf Kosten des anderen oxydirt und dadurch ein Zerfall des
Moleciils bewirkt wird, so zwx, dass sich
zunlichst ein Additionsproduct von Zucker
und Enzym bildet, wodurch der Gleichgewichtszustand im Moleciil veriindert und ein
Zusammenbruch desselben herbeigefiihrt wird,
unter Regeneration des Enzyms.
989
Schon W i l l stellte vor 8-9
Jahren
die Alkoholgiihrung als Enzymwirkung hin
auf Grund der Thatsache, dass dieselbe auch
rnit Trockenhefe, also mit abgestorbener
Hefe, die nur wenige lebende abgeschwiichte
Zellen mehr enthiilt, sehr schnell auszuliisen sei.
Auch rnit der Auffassung, dass Enzymwirkungen lediglich exothermischer Natur
sein kiinnten, steht die Alkoholgiihrung nicht
irn Widerspruch. Vielleicht gelingt es, auch
Essig- und Milchsiiureglihrung auf Enzymwirkung zuriickzufiihren. Die physiologische
Bedeutung der Zymase ist noch nicht aufgekliirt. Miiglich ist, dass die Spaltung des
Zuckers der Hefe als Energiequelle dient,
oder die Hefe hat sich die Erzeugung von
Zymase im Kampfe gegen die Fiiulnissbakterien angeeignet, welchen Kohlensaure und
Alkohol in der Entwicklung entgegenstehen.
Redner ging dann zur Darstellung der
Zymase iiber und zeigte ein geruchloses,
weisses, lockeres Pulver vor, welches in
Wasser suspendirt die ungeschwzchte Giihrkraft des frischen Saftes zeigt. E s haftet
ihm aber noch der ifbelstand an, dass es sich in
Wasser nicht viillig klar liist, sondern etwas
opalescirt. In verdiinntem Glycerin last es
sich wie alle Enzyme vijllig klar. E s wird
dargestellt durch Einfliessenlassen von 50 ccm
frischen Presssaft in ein Gemenge von 400 ccm
Alkohol und 200 ccm Ather. Der Niederschlag wird mit Alkohol-Ather gewaschen
und iiber SchwefelsHure getrocknet. Die
Fiillung kann auch mit Benzol, Toluol,
Xylol, Chloroform oder Amylalkohol vorgenommen werden. In jiingster Zeit ist es
Redner nun gelungen, ein Product zu erhalten, d7.s sich in Wasser vollstiindig klar
liist und keine Opalescenzerscheinungen mehr
zeigt. Es gelang ihm dieses dadurch, dass
er 100 ccm frischen Presssaft in 60-70 ccm
Alkohol fliessen liess, vom entstandenen
Niederschlag abfiltrirte, und das Filtrat in
Alkohol-Ather eintropfen liess. Ein Beweis,
dass das Enzym sich im Presssaft geliist
befindet und nicht im colloidalen Zustande
vorliegt der gar suspendirt ist. Wahrscheinlich ist die Zymase nur ein ganz geringer
Theil der Alkohol-Atherfiillung.
In der sich anschliessenden Discussion
wird die Frage gestellt, ob die Zymase
schon praktischverwerthetwiirde, was A l b e r t
verneint, weil sie noch zu theuer ist und
nach einiger Zeit die Giihrung aufhiirt, in
Folge Anreicherung an Alkohol. Wenn es
gelingen wiirde, den Alkohol zu entfernen
oder unschiidlich zu machen, wlire fiir die
praktische Verwerthung vie1 gewonnen. Prof.
Krutwig-Liittich hiilt es fiir miiglich, dass
990
[angewlrndte
Zeitschrift fflr
Chemie.
Patentbericht.
die GHhrung auf katalytische Wirkung zuriickzufiihren ist, und fragt an, ob die Zymase
nach der Giihrung sich quantitativ wieder
findet. Letzteres erkliirt A l b e r t fiir ausgeschlossen, d a die Zymase nur einen
geringen Theil des Productes ausmache.
Dr. Bredig-Leipzig fragt an, ob die k l a r e
Zymaseliisung auch mit dem Lichtkegel auf
polarisirte Fluorescenz untersucht sei, was
A l b e r t bejaht.
Den zweiten Vortrag hielt Professor
Krutwig Liittich :
-
,,uber den Einfluss der Zusammensetzung
Wassers beim Einweichen der Gerste".
des
Redner tritt der allgemein verbreiteten
Ansicht entgegen, dass durch Einweichen der
Gerste mit weichem Wasser dieser zuviel
Phosphorsiiure entzogen wiirde, was bei der
spiiteren Giihrung der Entwickelung der Hefe
schadlich sei. Die Menge Phosphorsiiure,
welche der Hefe durch sechstagiges Behandeln
mit destillirtem, kohlensaurem und schwefelsaurem Wasser entzogen wurde, war dieselbe
und sehr gering, etwa 4 bis 5 Proc. der
Gesammt-Phosphorsaure. Diese geringe Auslaugung der Phosphorsiiure kann physikalisch
oder auch biologisch erklart werden. Die
so bekandelte Hefe (das Wasser wurde alle
24 Stunden abgelassen) hatte die Keimfahigkeit verloren. Letzteres trat aber nicht ein,
wenn 2- bis 3-proc. Chlornatriumliisuog verwendet wurde.
Dr. S c h m ii g e r bemerkt, dass eine
wesentliche Menge Phosphor garnicht als
Phosphorsiiure in der Pflanze vorhanden sei.
Man extrahire aus der Pflanzenasche rnit
Salzsiiure bedeutend mehr Phosphorsaure,
als aus der todten, aber sonst unversehrten
Pflanzensubstanz. Prof. D e n n s t e d t glaubt
das Zuriickbleiben der Phosphorsiiure beim
Ausziehen mit Wasser durch den Fettgehalt
des Samens erklilren zu ktinnen, der die
w. N.
Beriihrung mit Wasser verhindert.
Die
Benutzung von Schwimmern bei Biiretten.
(Erklarung.)
Von Dr. Kreitling.
Um allen auch personlich an mich gerichteten
Anfragen zu geniigen, theile ich mit, dam bei den
in No. 34, S. 829 der ,,Zeitschrift fur angewandte
Chemie" aufgefiihrten Versuchen nur E r d m a n n sche S c h w i m m e r benutzt worden sind, doch sind
die Versuche auch fur andere Schwimmer vorgesehen und bereits in Angriff genommen. Die
Resultate diirften in absehbarer Zeit zur Veroffentlichung gelangen, urn so mehr, als ich gesehen
habe, dass diesem Thema ein ganz wesentliches
Interesse entgegengebracht wird.
Patentbericht.
Klasse 6: Bier, Branntwein, Wein,
Essig, Hefe.
versehen ist, die Innengewinde tragen. I ist das
in den Raum unter den falschen Boden mtindende
Ablaufrohr. m sind aus heliebigem Material
Filter rnit in den Filterraum eingesetzten
Siebrohren, welche durch Anschwemmen rnit einer Filterschicht iiberzogen
werden. (No. 112 395. Vom 14. Mai 1899
ab. K a r l G u s t a v H a n s p a c h in Neustadt
a. d. Haardt.)
Gegenstand vorliegender Erfindung ist ein Filter,
bei welchem durch die eigenthiimliche Leitung
der in den Filter eintretenden Flussigkeit in abwechselnd weitere und engere Raume die Gewalt
der StrBmung gebrochen wird, ehe diese an die
eigentlichen Filtrirelemente gelangt und die Fliissigkeit durch schmale Ringspalten gezwungen wird,
sich durchaus gleichmassig auf sammtliche Piltrirelemente zu vertheilen. Auf ein zweckmassig aus
Kupfer oder einem anderen passenden Metalle
hergestelltes cylindrisches Gefass a (Fig. 1) kann
ein Deckel 6, welcher ein Zuleitungsrohr d, einen
Luftablassstutzen e und event. ein Manometer f
trggt, mit Hiilfe von Schrauben c luftdicht aufgeschraubt werden. Das Zuleitungsrohr d gabelt
sich; der Ast g dient zur Zuleitung der zu
filtrirenden Fliissigkeit, wahrend durch h Filtermasse (Asbest) nachgefiillt werden kann. i ist
ein falscher Boden, der rnit Durchbohrungen k
Fig. 1.
(2. B. Flacheisen) hergestellte cylindrische Gerippe,
welche mit feinmaschigem Drahtgewebe
iiberzogen werden und mittels eines am Boden angebrachten Rohrstutzens in die Gewinde von k ein-
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