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Bericht ber die 73. Versammlung deutscher Naturforscher und rzte in Hamburg I

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S c h i i n b ein-Nonographie herausgrgixhen hat.
Ich glsube, dieser Verein vwfolgt h:iuptsachlich den Zv eck. historische Ptudicn auf deui
Grbiet der Chemic: anzustrelren tind solcbc
Arb eiten neu her auszuieb en.
Professor Dr. D e l b r i i c k : Ich lniwhte
carwzhnen , dabs dab Institut f i r (;Shrungsgewerbe auch die Absicht h a t , Neiidrucke
von wichtigen Bltcren Arbeiten zu veranlassen.
Hofr:tth Dr. C a r o : Irh mijchte niich fur
meinen Thcil anheischig machen, :iltr. Arlieiten
run R II n g e heraurzugabcn insbeooiidera tiller
winv Entdeckung des Anilins, der Cartiolsiirire nnd d r s Chinolins i r r i Steinkohlentheer.
Sie siad heute nusoervrde~itlicb interrssant.
wenn man sic: richtig licst und deutet.
V o r s i t z c n d e r : Ich kann nur nochluals
wruprwhen, dass dcr Vorstand dic: Sache im
Auge bchalten wird und auch \-on Ihrer
Seite geeignete Vorschlage erwnrtet.
Dn Niemaud weiter das Wort ergreift, so
schliesse ich die Verhandlungen und danke
Ihnen fur die grossc: Iiingalie. mit der Sie an
tier Sitzung des Gesammtvorstandes theil
ci1nunimeii haben.
Sericht uber die 73. Versammlung dentsclier
Naturforscher und Arzte in Hamburg.
Hoinologe, das Propionylchlorid, liefert einrn
:tnder.j gr:arteten Kiirpcr. rlciin clcrselLe be-itzt die tlreifache J1ulecul;Lrgrossc des denkb:ireu primgren Prodiictes ; ebenstr verlialten
siCh ilic: Chloride drr Phenylessigsiiure unri
l'heny lpropionsaurc ( I lydrozimmtsiiire). Unter
iler naheliegenden Annahme. dass der fiir die
; l i : ~ l z s ~ r ~ r e a ~ ~ ~ perfcrrderliche
altung
Wasserstoff
Clem Mcthylen der Gruppe - C132. CO entnommen ist, findet z. B. der R.cac,tionsverIsuf beim Phenylac.~.t,ylchloridf o l p i d e n Ausihck:
3 C,H, . CHZ . CO C1 - :1LlCI [CGH, . CH . CO],.
1.
Abtheilung: Chemie, einschliesslich
Elektrochemie.
K r s t e S i t z u n g v o m 23. S e i J t e m b e r ,
N:ac hm itt,ags 3 Uh r. Prasidium : T"Jf. D e n n s t e (1 t (Hamburg). - E. Wedekind (Tiibingen)
h5lt eincn T-ortrag
Uber die Producte der Halogenwasserstoff.
ent zie hu n g au s Sau r e h al o'id e n.
Wie Redner sclion friiher') festgestellt
hat, fiihrt die Einwirkung von 1I:l.loi'den dar
ihlrnuischen SAiircsn nnf starke tcrtiiirr S m i n e ,
wiu Py'idin, TriLtliylamin u. s. w., n i c h t zu
q n : t t e r n a r e n S d z m der allgemaineu Formel
sondern im S i m e folgender Gleichung
den hnlogcnwasserstoffs:ti~renSalzen dt:r
betreffenden Basen ; zugleirh entstrhen stickstoff- nnd Iialogenfreie Korper. welche :ils
i'ol~ruerisationsproducte der an rich nir-ht
cxistenzfahigen Atomgruppirung
(I?, RJ . c . GO
nuftreten.
In Gemeinwhaft mit J . Ira e n s 9 e r m a 1111
:tusgefiihrtc Versuche haben uun grll:hrt, d:isb
die Natur diescr K'Brper ahhimgig ist w n
tler Constitution cler a i i g c a~ d t t u IIuucicnrIionsauren. Acetylchlorid liefert njiinlich, wie
srhon friiher erinittclt ist, diirch Einwirkiuig
Y O ~ I Pyridin') otlvr Triathylarnin ein Pyrcln o n derivat, div D e h y d r a c e t s i i i r e C8€Ia0,T
welche clas Ti crfache clrr h!]~oth?tisi'Iicn
Atomgruppirung C,H,O (aus c i i i e r blolekpl
Chloracetyl) darstellt. Schou Iias niichste
ZII
-
') Verhandlungcii deiitschor Nalii~fiir~~hrr
iind
8 1 x t u 1899, 11, 109, und Annal. d. G l u m . 818,90 11.
- *
Die neiigewonnenen Producte besitzi:n nun
sowohl Kctcin- als Phenolcharakter: oHcnbar
1 r : i n t l e l t cs sic11 nnvli i \ ~ n l u g i e der Siesitylensynthese ;tiis Aceton 11111 die n i l d u n g eines
Benzolkeriies und zwar cines Phlorogl11 c i n derivates , ein Polpmerisationsvorgang den
folgendes Schema*) erliiitert:
CC,
C:. OH
HI:.CH.CO+ H . C H / \ H C . R +
n.c,"),c.i<
l
i
I
CO\/CO
OH.C\. j C - 0 1 1
CH
C.R
R
nit: Annahme, class die Endproducte als
T r i a1 p h y 1p h 1 o r o g l u c i n e zu betracht'en
sind, stiitzt sich hauptsiichlich niif clas T'erhnlten beim Erhitzvn mit verdiknter Kalilauge unter Druck; gleich \vie ~ : L SgewBhnliche l'tiloroglucin hydrolytisch i n . Aceton,
Essigsiiiire und Kohlenslure zerfzllt, so liefert
die als T r i p h e n y 1p 11 1or o g 111 c i n aiigesprrrchene Subst~anz als Spaltungsproiluote Diphenylacetnn, Phenylcssigsaure und Kohlen%,,
-
fzttz190,]-
1005
Versarnmlung deutschar Naturforscher und Arzte in Hamburg.
~
In Bhnlicher Weise - nur noch leichter gieht das Condensationsproduct aus Phenylpropionsiiurechlorid - T r i b en z y 1p h l o r o gl u c i n - als Spaltungsstiiclr das Dibenzylaceton C6H5.CH,. CH,. CO . CH:, . CH,. C6H5.
Den beschriebenen Verlauf nimmt die Reaction jedoch nur bei Anwendung von t e r t i a r e n B a s e n ; verwendet man namlich zur
Entziehung des Halogenwasserstoffes ein
wasserfreies Xetallchlorid, wic Ferrichlorid,
s u wird unter Umstinden der erforderliche
Wasserstoff dem Benzolkern entnommen; so
erhalt man aus Phenylpropionylchlorid das
schon Iron R i p p i n g ') auf ahnlichem Wege
gewonnene Hydrindon :
CH
CHI"),C - ,CH,
Auch das P r o p i o n y 1c h l o r i d Iisst sich
durch Chlorwasserstoffabspaltung in eine Substanz uberfuhren, welche als symmetrisches
T r i m c t h y 1p h 1 o r o g 1 u c i n angesprochen
warde; jedoch ist das Hauptproduct der
Reaction cin 6 1 von noch unermittelter Consti tution.
Das Triphenylphloroglucin liefert ein hlonoxini, ein Monoacetylderivat und ein schBn
krystallisirtes Mononatriumsalz.
Versuche uber clas Verhalten von Chlorideii der zweibasischen Sauren sind im
Gange.
wird, um sich in der Kalte wieder mit dem
betreffenden tertiiren Amin zu vereinigen ;
z. B.:
c, 13, CH,c, €I5 -
C, H5- CH,
-
N- N
.J-
c, Hj CH, C3 11, -
+ C6 H j .CH, .J.
Die entsprechenden Chloride - iii geringerem Maasse auch die Bromide - erleiden
hingegen bei Anwesenheit von Wasser cine
eigenthumliche Hydrolyse, indem das Halogen
als Salzsaure bez. als Bromwasserstoffsiure
herausgenommen wird:
Ansserdem bildet sicli, wir vorsteliendes
Schema zeigt, der dem griissten Radical antsprechende Alkohol; dieser Process wllzieht
sich beim Erwarmen der kalten wasserigen
1,iisung.
Ein noch eigenartigeres Verhalten zeigcn
nun solche quaternare Sake3), welche dns
Radical des Essigesters - CH, - COO R
enthalten; dieselben erstarren z. Th. natcli
erfolgter Schmelzung, um bei hiiherer Teniperatur abermals vollstandig zu schmelzen ;
da die hierbei entstehenden Kiirper qnaternare Salze sind, welche n i c h t mehr das
Essigesterradical enthalten, so handelt es
sich n i c h t um einen Umlageriingsprocess,
sondern um einen Fall von D o p p e l d i s s o c i a t i o n , die z. H. beim M e t h y l t e t r a h y d r o c h i n o 1i n i u m j o d i d e s s i gs i u r e a t h y 1 e s t e r
folgenden Verlauf nimmt :
*
+ J .CH, .GO,.
,
CH,
C , H,
- CO, C, €15
Uber eigenthumliche Dissociationserscheinungen
bei quaternaren Ammoniumsalzen.
Von diesen vier Spaltungsstiicken liaben
Jotlmethyl und Methyltetrahydrochinolin die
griisste Tendenz, sich mit einander z i l verbinden - was in dem Schema dnrch den
Asymmetrische Ammoniumverbindungen
erleiden, wie Vortragender schon fruher ') gefunden hat, durch Erhitzen fur sich in dem
Sinne Dissociation, dass der k o h l e n s t o f f r e i c h s t e Alkylrest als Haloi'd abgespalten
l) Journ. of the Chem. S O ~65,
. 485.
? Verel. Berichto d. deutsch. chem. Gcs. 89,
511, 518, $561 ff.
3, Vergl. E. W e d e k i n d , Annalen der Cheinie
318, 109.
E. Wedekind (Tiibingen)
noch
spricht soclann
1006
Vereammlung deutscher Naturforacher und Arzto in Hamburg.
Doppelpfeil angedeutet ist - , wghrend
Tetrahydrochinolinoessigester und .lodessigester indifferent gegen einander sind : es tautsteht also als festes Umwancllungsproduct
das beka,nnte Dimethy1tetrahydrochiai)liniumjodid, das sicli in einer ohiger Aiinaliine entsprecliendcn Ausbeute bildet.
Ahnliche Beobachtungen wurden an antleren Ammoniuniessigesterii gemacht.
W. Marckwald (Berlin) spricht
Uber die Trennung der Amylalkohole des
Fuseloles.
Der Verfasser TTerweist aiif seine friihw2ii
l’ublicationen. Vermittelst dcr Uui\\.rindlimg
k l u Rich en A my I a1koh 01s in dic Ni tro1)litalcstcrsaure lasst sich leicht der (inactive)
Tsi~amyl:tllrohol in Form der kryst,:illisirten
EstersSure rein nbscheiden.
Die P a s t e u r ’ s c h e hlethode, die auf tlcr
Trennung der Baryuinsalze der Aniylsulfxte
berulit, ist gleichfalls zur Gcwiiinimg tles
reinen Tsoamylalkohols wohl geeignct, wenn
inan beriicksichtigt, dass die 1)eitleii Ainylsulfate isomorph 1rryst.allisiren. Deiiigeiiijiss
inuss die Trennung durch ein systc:matischcs,
fractionirtes Iirystallisationsverfalir~,iierfol gen.
Einige Fusel6le wrschieclener t Ierkunft
(Getreide-, Kartoffel-, hIelassefusel61) murden
untersncht. Es scheint, als ob tLas Me1:tssefuse161 erheblich rejclier an activem Amylalkohol ist, als die heiden anderen Fuseliile.
Hans M e y e r (Prng) spricht
Uber die Darstellung von Saurechloriden.
Nach Versuchen des Vortragenden ist Thinony1i:hlorid ein geradezu ideal(ts Reagens
zur Reindarstcllung von Saurechloriden und
zwar nach der Gleichuhg:
C1 + R . COOH = SO, t HC.14- 1: . CO Cl .
Als Nebenproducte treten nur gasfiirmigc
Kiirper anf. Das Verfalircn gestaltct sich
hiichst einfach; die betreffende Saure wird
mit iiberschiissigen SOC1, in offenem Gefasse auf hiiclistens 75 erwarint und nach
Beendigung der Reaotionen das iilvsschiissige
Thionylchlorid ini Vacuum a1Jges:tugt. Auch
Estersfkmechloride der aromatisc7hen Reihe
und der Pyridinreihe koniiten nacli dicscni
Verfahren erhalten werden, da dirs Thionylchlorid nicht verseifend wirlrt. %urn Schluss
wurdeii einige Ausnahrnen son.ii: Gesetzmassigkeiten besprochen.
Richard Lowenherz (Berlin) triigt vor
Uber die Zersetzung der organischen Halogenverbindungen in alkoholischer Losung durch Auflosen von Natrium.
Es wurden bereits zwei Theile clieser
Untersuchung veriifkntlicht in tler Zeitsclir.
__
...
_ _ _ _ _ _ _ ~
[p;n,~g$~fg&
f. physilr. Chemie 3 8 , 4 7 7 nnd 36, 464.
Es wurde die Einwirkung von Watrimn nnd
N;~triuinarnalgam auf IJi,iisungen von organischen Halogenverbindungen in Athyl- und
Ainylalkohol voiii pliysicocheinischen Standpiuikt untersucht. Hier liegt ein heterogenes
System vor, wovon bis jetzt weiiige Beispiele
untersucht sind. Es wurde gezeigt, dass eint:
systeinatische physicochemische Untersuchiing
nuch fiir die praparative Cheinie voii Interesse
ist, dn iiiitn so die gihstigsten Arbeitsbedingiingen feststellen liann. Alle bisher nntcrs 11ch tcn Verb in dung en, sowoh 1 rl er hI etli a 11reihe als :mch der Benznlreilie, 77erhalten sirh
l)ei dcr Zersetzung durch nietallisches Ntttriuin
gleich.
Gegen h’atriumainalgam verlialten
sich die Verbindungen verschieden, j e nach
deni vorliandencn Halogen. Das Natrium
kann in inanchen Filleii durcti andere Met:Lllc ersetzt werden.
Wilhelm Traube (Berlin) halt sodann eineii
Vurtrag
Ueber das Verhalten des Dicyans zu Methylenverbindungen.
Die Einwirkung dus Dicyans auf Mcthylen~erbindungen fiihrt j e nach clrn Reactionsbedingungen z u zwei versc,liiedeiien hdditionsproducten, Ton denen die einen auf eiii
hloleciil Dicyan c i n , die anderen z w e i
Moleciile der ~letliylenverbiiicl~ii~g
enthalten.
Dicyan iind Acetessigester liefern z. R. Jlicyauacet.essigester
CO . CH,
/
6 H . COOC, kI,
I
C = XI1
\
CN
und Dicyan-di-acetessigester
acrty 1-aclipiiisaureester)
GO . Cll,
(Diimido-di-
/
CI1. COCK, €1,
I
C = NI-I
I
C
I
=
NH
CH . COOC, 11,
\
CO . CH,.
DtJr Dicyanncetessi#estrr wurde in j e 3 ier
scharf yon einander verschiedeneii isoiner(Ln
Porinen erhalteii; der Dicynn-di-acetessigestcr
kildet zwei isonierc Formcn.
Die erwahnten Diimidoverbinduiigrn besitzen zum grassten Theil die Eigenschaft,
diirch Alkalien in ringfijrmige Verbindungen
uhergefuhrt zu werden und zwar entweder
unter Abspaltung von Alkoliol oder unter
Wasseraustritt.
Versammlung deutscher Naturforscher und Xrzte in Hamburg.
,Iefl XTV.
40. 1.
Jahrgang. ,901]
_
_
_
_
~
~
_
_
Bei der Einwirkung von Dicyan auf
Natriummalvnester entstrlit (.in PoppelLactam, welches sich i d s rotligefiirbtes
Natriumsalz ausscheidet und nncli folgrnder
Forinel aufgebaut ist:
COOC, H5
/
CH - CO
I
/
C=N,/
I
X
C=N\
I
‘\
CH - CO
_
_
1007
.
Aiich durch Reduction der Nitroaldehydrazone mit Schwefelammon erhilt man Arylazoaldoxime, ebenso durch Einwirkung von
Nitritestern und Natriumitthylat auf Aldehy drazone.
Phenylazoacetaldoxim wird durch SalzsLure in p - Chlorphenylhydrazoacet,zldoxim
ubergefuhrt, das zu p - Chlorphenylazoacetddosim oxydabel ist.
CH, .C
KOH
’’.
\N
=
\
coot, I&.
N.C,H,
NO11
Die Diimidoverbindungen werden in alka1 ischer Liisung zu Diaminokiirpern reducirt.
Der Dicyanacetessigester erleiclet bei der
Kcduction gleichzeitig Ketonspaltiing des einen
Acetessigesterrestes und es entsteht Diaminodi-keto-carbonsaureester von der folgendcn
Constitution:
CH, . CO . CH,
Aus letzterem Korper lassen sich nut’
malogem Wege die folgenden erhaltcw :
I
CH . NH,
I
CI-I . NH,
I
c11. co . Ck13
I
bOOC, H,.
B. Tollens (G6ttingen)
berichtet sodann
fiber eine in Gemeinschaft mit P. Yoder ausgrfiihrte Untcrsuchung
,NOH
Ueber die Dehydroschleimsaure, ihre Salze
und Ester.
Diese Srbeit wird demnachst in den Berichtcn der Deutscheu chemischen Gesellsclmft
ver6ffentlicht wcrden, es sei daher nur erwLhnt, class man die DehyJroschleimsaure
(Fur fur andicarbonsaur e) zw eckmassig durch
Erhitzen von Schleimsaure mit concentrirter
Schwefelsiiure darstellt. Es murde eine Reihe
von neiten Salzen und Estern hergestellt.
31 elche letztere interessante Siedepunktsregeliniissigkeiteii aufweisen.
DieBrenzsehleimsaure analog der Dehydroschleimsaure zu hydrogenisiren gelang nicht
E. Bamberger (Zurich) macht zum Schlusr
hlittheilungen
Ueber gemischte Azokorper.
Diazomethan verwandelt das Nitroacct,
a1dehydrnzon in Phenylazoathylidennitrosiiure
clster
N O 0 CH,
CH, - C ,’’
\N = NC,H; ’
Letzterer spaltet sich leicht in Formaldehyt
u n d Phen?.lazuacetaldoxim
NOH
CH,]- C ’
\N = N . C,Bj
Der letztgenannte Kiirper dieses Schemas
(Trichlorphenylazoacetaldoxim)
wird von
Salzsaure in anderer Weise nngegriffen a18
die nieder chlorirten K8rper: es bilden sic11
Trich1ory)henylhydrazoacetaldoxirrl , Acethydroxamsaure, Stickstoff und Trichlorbmzol.
E. Bamberger macht d a m noch eine kurzr
Mittheilung
Ueber die Beziehungen zwischen Diazoimiden
(Azidoarylen) und Arylhydroxylaminen.
Die erstgenannten Korper lassen sich
iiicht in letztere umwandeln; da man nun
thntsachlich aus beiden Kiirpcrn identische
Prodncte erhalt, so ist die Tbklitrung hierfiir darin zu suchen, dass aus Azidoarylen
(durch Verlust von N,) und aus ArylhydroxyIaminen (durch Verlust von HzO) derselbe
Molecularrest Ar - N < entsteht, welcher
1008
Versammlung deutscher Naturforscher und h t e in Hamburg.
[an~~~~iftc~mie,
;rin anzugreifen, yon L i n d n e r 31s in niice
rwrlianden nachgewiesen wurdc.
Das Yalz wurde fur die Brennerei zum
yrossen Theil entbehrlich und ein Sterilisiren der Maischen wtirde ermiiglicht werden,
/\
/\
wenn man Hefen mit ausgesprochener Verzuckerungskraft hiittc. Dies ist annahernd
erreicht durch T a k a m i n e , der Schimmelpilze
:ruf feuchter Kleie als verzuckerndes Agens
das Hylochinol u n d seiur.n Athyliither,
einzufuhren suchte; jedoch erst C a l m e t t e
CU
0 kl
kani zu einem technisch brauchbaren Resultat
dadurch, dass er Reinculturen der Arnyloniyces Rouxii in Mxischen unter Luftzutritt
zii sclinellem Wachsen und grosser verzuckernder &aft brachte. Guten Erfolg hat
inan jetzt im Grossbetrieb bei der Verar1)eitung von Maismaischen unter Hinzufiigen
yon Hefe, wahrend man mit ciem Verfahren
bei der Hartoffelbreunerei nichts erreicht hat,
trotzdem von H e n n e b e r g im Institut fiir
Gahrungsgewerbc Versuche gemacht wurden,
durch die der Weg zur Anwendung dieses
Rohstoffes zur Erniihrung der Aniylomyces
hervorgehen.
TF'kd.
angegeben ist.
Die Verwendung v o r ~ reingeziichteten
Abtheilung fiir angewandte Chemie,
Hefen greift immer mehr um sich, und imnier
Agricultur-Chemie, Nahrungsmitteluntermehr gelingt es, die eine odcr die andere
Rasse durch nxtiirliche Reinzucht aus Gesuchung.
iriischeu ganz nadi Relieben xum Uberwiegeu
E r s t e S i t z u n g voin 23. S e p t e m b e r
zu bringrn. Man hat auch begonnen, die
N a c h i n i t t ags. Vorsitzender : I1 err ljr. TI a n gl'rincipien der natiirlichen Reinzucht auf die
f u r t l i (Altona). Vortrsg von licrrn Prof.
Agricultnrbakteriologie anzuwenden. Die neue
1)r. M. Delbriick uiber:
erdbakteriologische .Versuchsa,nstalt der LandD i e Entwickelung der Gahrungstechnik in den
wirth sch af tsk amm er Brand enburg unt er cl (r r
letzten Jahren unter dem Einfluss wissenschaftLeitung yon R e m y arbeitet nach dirsem Prolicher Forschung.
gramm.
Zu Beginn bemerkte Vortragcntler, dass
Sehr wichtig war clie Frage, ob es miigcr seine Vorlesung auf die Giihrungstechnik
lich seiii werde, die Buchner'sc,he Zyniase
der Hefe beschranken miisse, da cs : t n Zcit dcr Giihrungstechnik dienstbar zu machen
mangele; er fuhrte d a m nngefiihr Fulgeii- ( L a n g e und H a y m a n n ) . Der Presssaft ist
des am: Dic vielen Heferasseu stammen oliiie Bedeutung. In der fertig ausgebildeten
nac,h den bis jetzt gemachtcn Unt~ersuchuiigeii Iiefe muss der Gehalt an Zymase gesteigert,
von einzelnen Zellen ab, die unter bestimmter oder vermehrt werden.
1Sinwirkung gebildet werden. 1)ie Einhei tEs liat sich gezeigt, dass Hefe sowohl
lichkeit einer Rasse bleibt hei der Naclizucht ini abgepressten Zustand als auch unter
dann erhxlten, wenn zur Bildung von Spiel- Wasscr (wahrscheinlich auch in Bier oder
arten keine Gelegenheit vorhandcri ist. Einct Maische) in der KaIte sich an Zymase beandere Aufgabe ist es , kunstlichc Varitttion reichert, in der Warme die Zymase verliert.
herbeizufuhren, urn ncue, praktisch werth- Wenn die Hefe umgelagert, also in ka,ltere
vollere Rassen zu 'erhalten.
Temperaturen gebracht wird , erscheint clie
Den physiologischen Zustancl der Hefe in der Warme verschwundene Zyniase wieder.
zu iindern, bietet keine Schwieriglceiten. Irn Bei den Priifungen, ob diese Veriinderungen
Brennerei- und Brauereigewerbe spricht man mit Trypsinwirkungen zusaminenhangen, wird
von eineni ,,geilen" und einem ?,triigen'&Za- in der That die IIefe durch Selbst\yerdauung
stand der IIefe, die beide begleilet sind von bei abnehmendem Zymasegehalt und steigrntechnisch
wichtigen
FPsctions~inderungen. dem Trypsingehalt weich. Die Hefe kann
E f f r o n t -will durch besondere Rehaiidhmg die Zymase ganz Yerlieren, ohne dass die
der Hefe ihre Kraft, -Dcxtrin z u vergahrcn, Zellen absterben. Die Invertase scheint sich
starken ; dies versprii @+nsoferii Ihfolg, als bei tiitxem Kampfe der beiden anderen Endie bisher vermisste Kraft vieler Hefen, Dex- zyme vijllig unbetheiligt in gleicher Kraft
sich durch additionelle Aufnahme gewisser
Atotne oder Atomgruppen wejter verandert.
Man erhalt z. B. aus
CH3
c11,
,
:,'trf:;$,,,,.]
A e n ~ ~ ~ '
Versammluug deutscber Naturforscher uad k z t e in Hamburg.
zu erhnlten. Der hiichste Grad des Zymasegelialtes mrarcle z u r Zeit der kriiftigsten Sprossung am Begiiin einer Giihrung in einer
Wiirzc beobachtet, die durch einen Luftstrom
in st:trker Bewegung gehalten wird. Bei
unter reichlicher Nahrungszufuhr wachsender
IJefe, d. h. bei IIefe, die, abgesehen von der
alkoholischen Spaltarbeit, synthetisch thatig
ist, finclen wir also das Vorwiegen der Zymase. Das Trypsin konimt im Hungerzustaiide der Hefe zum Obergewicht, ihre Arbeit zerstijrt die Zymase und fiihrt zuletzt
zuin Tode der Hefe. T i 1 der Biickerhefe
tritt das T r y p i n schadigend auf, indem es
ihre Haltbarlieit vermindert; dieses wird ausgenutzt bei cler Herstellung des aus Abfallhefe gewonnenen Pflanzeneiweissextractes, der
in verscliiedenen hlarken auf den Markt
konimt.
Dass dieser cleni Fleischextract
ernstliche Concurrenz bereiten knnn, beweisen
die T\'riitsehei' schen Anal)-sen der EIefeselbstverclauungsstoffe.
Das Geloiet der chemischen Ausnntzung
der Pilzenzyme weitert sicli zusehends und
wird noch griissere lireise ziehen.
Den
zweiten Vortrag hielt Herr Prof.
Dr. B. Tollens (Ggttingen).
Ueber die Bestandtheile einiger Pflanzenstoffe.
Die Untersuchungen, uber melche der
Vortragende referirt, sind seine Arbeiten im
a.gricultur-chemischen Laboratorium der Universitat Giittingen in Gerneinschaft mit den
Herren B r o w n e , I I a u e r s und S a c k und
die Fortsetzung der Versuche iiber Pentosane
und Pentosen. Es sind z u den Untersuchungen deutsche und nuch aiisllndische Producte
und Vegehbilien herangezogen worden.
Zunichst wurde das Mark von Maisstengeln urtd das IIollundermark auf darin vorhandene Kohlehydrate untersncht. Das nus
Ainerika importirte Maismark ist augenblicklich riadurch interessant, dass es zur Ausfullung der Doppel wandungen der Kriegsschiffe empfohlen ist und durch sein Auf'
schwellen in Beruhrung mit Wasser etwaige
kleinere Liicher und Jlecke selbstthltig schliessen soll.
Bei der Hydrolyse liefern beide Markarten Jirect krystallisirte Sylose, und aus
deren Nutterlaugen 1asst sich durch Fiillung
mit Benzylphenylhydrazin und Zerlegung des
Hydrazoiis init Form- oder Benzaldehyd
Arabinose isoliren. Es sind hier also Arabinose und Xylose gleichzeitig vorhanden,
wie auch in anderen Stoffen, z. B. den Biertrebern , und wahrscheinlich ist dies immer
der Fall, wenn die Furfuroldestillation die
Gegenwart yon Pentosen anzeigt. Auch bei
der Hydrolyse von I-Iolzgunimi aus Buchen-
1009
holz ist neben der Sylose etwas Arabinose
entdeckt worden.
Verschiedene Gummisorten von Ostafrilra
und La Plata haben ahnliche Resultate ergeben.
Die Aufschliessung der Gumniiarteii mit
Calciumbisulfit im Autoclaven scheint schneller
als die gewiihnliche Hydrolyse die Zuclterarten rein zu liefern.
Neben den Pentosanen, aus welchen die
Pentosen hervorgehen, sind haufig auch Methylpentosane vorhanden, aus welchen Methylpentosen entstehen. Das hlethylfurfurol, welches aus den Methylpentosauen beini Destilh e n mit Salzsaure entstelit. ist durch die
Spectralprobe nach Zusatz Tron Phloroglnciu
( T o l l e n s und O s h i m e Rer. 1901, 1422)
leicht aufzufinden; es ist auch in geringer
Menge aus Xori von Japan gewonnen worden,
welches hauptsachlich Riannose und Galaktose liefert. Ebeiiso entsteht aus deni Traganth durch Spaltung des Fucosans neben
Furfurol auch Methylfurfurol.
Scliliesslich wurden zwei andere auslindische Producte somie der Saft der Fliederbe eren a n tersucli t .
Eine in Ostinclien bei der Bereitling von
Pfeilgift benutzte Rinde von Roucherin Griffithiana ergab bei der Extraction mit Alkohol
einen cholesterinartigen Kiirper, der sicli als
identisch niit demvon S c h u l z e und L i k i e r n i k
aus Lupinenschalen gewonnenen Lupeol voni
Fp. 310' erwies. Es wurde von ihm ein
Benzoat, nicht aber ein Acetat gewonnen.
Das in Borneo aus Pflanzensaft gewonnene
,,Bresk", melches in England zur Vermiscliung
mit Rautschuk verwandt wird, enthalt ausser
etwas Kautschulr cholesterinartige Korper, aus
welchen durch sorgfaltige Iirystallisatioii
drei verschieclene Substanzen erhalten xverden
konnten.
Am Ende seines Vortrages schildert Prof.
Dr. T o l l e n s die Abscheidung Ton Tyrosin
in guten Krystallen aus den1 Saft der Reeren
des F l i d e r s .
Ein weiterer Vortrag war der des Htwn
Dr. Dieterich (Helfenberg)
Ueber das fette Oel der Aprikosenkerne.
Im Anschluss an seine Vcrgffentlichung
iiber Pfirsichkerniile (Pharmac. Centrallialle
1896, No. 46) hat der Vortragende auch das
Aprikosenkerniil, welches neben erstercni 0 1
als Verfalschungsmittel des Mandeliiles gilt,
naher untersucht. Die dabei erhaltenen Resultatc diirften Iiitercsse beanspruchm, da
die diesbezuglichen Litteraturangaben bisher
nur spiirlich sind and iiur Lestes, selbsthergestelltes, kalt gepresstes 01 aus den Aprikosenlternen vxwnndt wurde.
1010
[angewlllldte
ZeitschriftChemi~.
Nr
VersammIung deutscher Naturforscher und Arzte in Hamburg.
__
_-.___
, --
I
Das in den Kernen zii e t n x 40--11 Proc. h i m Vorkommen in gr6sserer.Jlenge nachgefundene fettc 61 war ausser in Methyl- weisen kann, zeigen cinige yoalitati\-e Priiund A t h ~ l ~ l l i o h oi nl den meisten indiffcrenten 1 fungen. Hierzu empfiehlt der Vortrxgcncle
I (lie Farbenreaction mit einer Misclinng von
Losungsmitteln liislich.
Bei der chemischen .lJntersuchung stelltt 1 Salpeter- und Schwefelsiiure und n-eiterhin
sich heraus, dass das Aprikosenkernijl, el)enso 1 die Reaction von N i c k l h s und clas B i e b e r wie das Pfirsichkerniil, dein Mandeliil nicht s d i e Reagens.
nur bot:~niscIi, sondern auch cheriiiscli verMit Beriicksiclitigung der in der Litteratnr
wandt ist, und Mischungen der drei i:)le sind 1 angegebenen Zahlen h a t der Tortragende
BUS diesem Grunde an der Hand der i'iblichen
seine eigenen Beobachtungen in folgender
Bestimmungen, wie J. Z., S. Z., V. Z. 11. s. IT.: I Tzbelle znsammengestellt.
'
I
1
-
~
Pfirsichkernol (fr-iseh)
-
01
3
sp. (;cw. 150 C. 0?918-0,9-?3
- 90°C.
Trstarrungs1)nnk unter - 20°
Sclrnielzpnnlrt
-
4
wructometer-
1.
3
-I
II 350
500
400
liritische
Teinperatnr
6.
Siiiir~zslil
7 Verheiliingszahl
Jodzahl nach
8
Hii7~1
0.
Jotlzalil nach
H ubl-WTaller
m e Ten
10. Verlialten
P k
Sa lpetersnure
Salp et er11, 3cliwefels.
gl. Th.
12.
Schwafelsinre
15.
A10lyl)d:inSchwefelsinre
Nicklts'
Reaction
P, i e b e r ' s
16.
E1a:dinprohe
13.
14.
0,915--0,921
-
lieaction
1
~
_____
-
-
--loo-2OoC.!5-14O C
1
-
I
67,2
58,5
52,2
C;4,OI64,8
41° C.
:2,2-33,5oc:.,
5,46-6,63
163,0--192,5
-
i
14OC.
-
01
Fettsauren
1,915-0,921
3,901-0,9015
--14O -2OOC.
0,9095
0,8875
0,oo c.
-
i,50
X,>5-56,30
56,OO
41,30
-
46-47O (2.
19,50 C.
-
3,53443,604
193,l--3 I5J3
-
92,5-109,7
100-108,67
07,87-108,93
-
39,06-99,85
07,80- 108,9: 36,61-97,90
rothc
FiirCung
gelbes
Liniment
rothe
schwach
gelhliuh
ruth, d a m
rcliurarz
Firbung
rotli, dnnn
schwarz
-
scliiin roth
roth, dann
.-
~
sc h~ arz
schwrtrz
i n t h bis
rothhraaii
-
wenig sclisrf
Eiiiulsion
-
pfirsioliroth
-.
gclbliche
pfirsicliroth
gelh gefirbte
Masso
G ~ X ~ I I I ~ C ~ Scliarali17. )robe n. Hieber
teristisuh
M a b e n 's
p nrp ni+hnun
18.
Reaction
als solche schmer zu wkennen. Nach der
Ansicht vieler Autoren sind fast alle hlauclelijle mit, Pfirsich- oder Aprikosenlrerniil xerfalscht.
Der Vortragende ist jcdorh der
I\leinung, dass derartige Verfiilsch'imgen oder,
richtiger gesngt, Verwechselungcn Lei Rerucksichtigung der chemischen Zusaminensetmng
der drei 61, iiiclit zu strengc \ erurtheilt
werden diirfen.
1% man Apriliosenkerniil voni Mandeliil
unterscheidm kann u n d wie m:tn ersteres
c.
66,6-67,O
58,OO
52,25
.-
I
187,9-192,O
~~
Aprikosenkernol (frisch)
Fettsauren
der Fettsinren
zxhl
9.
Mandelbl
li:mulsion
weisse feste
,Masse
gelb gefiirbte
fast
c11arakt.eristiscli
schm LI tzigbraun
gc~~liniacltlos
1
1
1
'
1
1
Masse
-
.-
Es folgte als vierter Vortrag clerjenige
Dr. Zzi9mondy(Jena)
Ueber colloidales Gold als Reagens.
D e r Vortrag behandelt einen Tlieil einer
vain Vortragenden in der ,,Zeitschrift fur
analytische Chemie" ZLI veriiffentlichenclen S b handlung, ausserdein h a t der Tortragende
bereits i m J a h r e 1898 eine Arbrit Bber
colloidales Golcl sowie C a s s ius'schen Golclpurp'pur i n L i e b i g ' s Annalen veriifftntlicht.
XIV.
40. 1.
Jahrgsng.
October 1901]
Vorsammlung deutscher Naturforscher und Arzte in Hamburg.
Die Goldliisung wircl erhalten, indem
man schwach alkalische, stark verdiinnte Liisungen ~ o i iGoldchlorid bei Siedehitze reducirt. Die Liisung enthalt dann 0,005 bis
0,006 Proc. Gold im Wertlie von 15-18 Pf.
pro Liter, ist rein roth gefarbt und halt sich
bei Abwesenhcit von Verunreinigungen lange
unveriindert. Die Goldliisung sol1 das Kochen
mshaltcn, ohne ihren Goldgehalt fallen z u
lassen. Bei besonderer Vorsicht der Recluction des Goldchlorids gelangt man zu Lijsungen metallischen Goldes , welche ebenso
lilar sind wie Fuchsin- und Carlninlijsung
und wclche den Lichtkegel im durchfallenden
Licht nicht mehr in intensiv gruner, sondern
in kaum bemerlrbarer weisslicher Farbe sichtbar machen. Versetzt man die Goldliisung
mit Salzen, Sauren oder Basen, so geht ihre
rothe Farbe fast monientan in eine blauoder schwarzviolette iiber und das Gold
scheiclet sich nach mehrstiindigem Stehen
viillig ab. Setzt man aber vor der Ausfiihrung dieser Reaction eine geringe Menge
Gelatine
des Goldgehaltes) zu der Goldlijsung, so wird das Gold nicht gefallt und
es tritt kein Yarbenunischlag ein.
\Vie die Gelatine wirken viele andere
Colluide , wenn auch in sehr verschiedener
Weise. Der Vortragende ist bei quantitativer Verfolgung dieser Verhaltnisse zu einer
Eintheilung der Colloide in Klassen verschieclener Wirksamkeit gekomrnen, ferner konnte
er fur jedes untersuchte Colloid ein charakteristisches Zahlenintervall finden, welches
er die Goldzahl des Colloids nannte. Die
Untersuchung geschieht folgendermaassen:
Man giebt in mehrere kleine Becherglaschen
mechselnde Mengen der verdiinnten Colloidliisung und fiigt je 10 ccm Goldliisung hinzu.
Man ISisst drei Minuten lang stehen und
fugt alsdann je 1 ccm 10-proc. Bochsalzliisung
hinzu. Dcr Vortragende nennt alsdann die
Goldzahl diejenige Anzahl yon mg Colloid,
welche eben nicht mehr ausreicht, urn den
Farbenumschlag yon 10 ccm Goldlasung zu
verhindern. Die Liisungen der Colloide werden niit der Zeit weniger wirksarn gegen
Goldliisung.
Der Vortragende gab dann eine Reihe
von Goldzalilen nnd eine Eintheilung der
Colloide in Klassen von verschiedener Wirksamkeit :
Eintheilnng der Colloicle.
I. Iilasse. Die wirksamsten Colloide.
Goldzalilen 0,005-0,01.
Gelatine
Russ. Knochenleim I 0,005-0,Ol.
Hausenblase 0,01-0,02.
Casein
Heterofihrinose IJ 0,01.
Glyltoproteirl 0,05-0,l.
1011
\T'r.niger viirksaiiie Colloide.
Golclzaiilen 0,l---1.
Gumnii arahiuurn 0,l--0,4.
Albuniin 0,1-0,35.
Carrogllen 0,5-1.
Olcinsaures Nntrinni 0,4-1
111. Tilnsse. U-enig xirltsame Colloicle.
Golclzalilen 1-500.
Dcxtrin 5-40.
M'eizenstirku cit. 3,s.
KartoEelstiirke c:t. 2,5.
Trag:tnllk ca. 2.
1V. I<1a s s e. Cnwirksanie Colloidc.
Coll. Kie~elsgurc,altes coll. Zinnoxytl.
Sclileiin cler Quittenkerne.
11. K l a s s o .
Stearinsaures Natrium je nach der Temperatur I.-IV. Iilasse.
Diese Eintheiluiig gilt nnr fiir die angegebenen Verhiltnisse mit Kochsalz als P&llungsmittel; vermendet man Salzsaure als
Fallungsmittel, so wird z. B. die alte Zinn0x4dlijsung ZLX einem wirksamen Colloid.
Alsdann sprach der Vortrageude nocli
uber die Natur dieser Colloidreactionen in
Bezug auf raumliche Yerhiiltnisse.
Der Vortragende glaubt, dass die Goldliisung bald eine allgemeine Anwendung
als Reagens haben wird, da sie leicht und
billig herzustellen ist.
An der sich aiischliessendeu Discussiuu
betheiligten sich die Herren Prof. D e l b r i i c k ,
lk.
W a g n e r und L o h r y d e B r u y n .
In der Sitzung der
Abtheilung fur Pharmacie und
Pharmakognosie
Tom 23. S e p t e m b e r , Nachmittags, wies
Hermann Schelenz a m Cassel darauf hin, dass
in der Versammlung von 1830 am 30. September, also vor gerade i l Jahren, die Section
Pharmacie auf Grund der Remuhungen von
T r o m m s d o r f aus Erfurt und G e i g e r aus
Heidelberg von der his damals bestehenden
Physikalisch-chemischen Abtheilung als selbstandige Section sich abgezweigt hat, und
schildert an der Hand des damaligen Berichts den Verlauf der Sitzungen, die Theilnehmer, die verhandelten Themata, und
kniipft an letztere knrze historische Retrachtungen.
Prof. Schaer (Strasshurg) spricht
Ueber activirende Wirkungen
von reducirenden Substanzen und- colloYdalen
Edelmetallen, sowie von AlkaloCden auf diverse
Oxydationsmittel.
Die Versuche, uber welche berichtet wird,
schliessen sich insbesondere an fruhere Beobaclitungen des Baseler Chemikers C. F.
S c h i j n b e i n an, welcher gezeigt hatte, dass
1012
Versammlung deutscher Naturforbcher und h z t e in Hamburg.
in
verschiedenen oxpdirenden Substan7en
durch d m Contact mit dritten Stoffen gemisse %urtandsverLnderungen bewirkt werden,
die sicli in riner erheblichen Beschleunignng ~ i n d Yerstiirkung von Oxydationserschrinungen iusscrn. hnffallende activirende
Virkungen d r r erwahnten Art i i h n 11. A.
tlir schmeflige SBare iind das Wasserstoffsuperoqrl aub, sowie aach geliistes, d. h. in
colloidalem Zustande befindliches Platin und
Gold. Eine nahere Darlegung der Verhaltnisse wird in einer Faclischrift fur pharmaceutische Clieniie erfolgen.
Herr Corpsstabsapotheker
(Hannover) sprach iiber
L. Bernegau
seine Reise nach Westafrika
n n d seine Studien uber Cola acuniivata uud
Cola Vera tinter Vorfiihrung der :ius den
frischen Kussen dargc.stellten Prip:rrate.
In tier Sitzung vom 24. S e l ) t e n i b c r ,
Yorniittags, berichtet Dr. Dieterich (Helfenberg) iiher seine
Untersuchungen der grunen sowie der braunen
chinesischen Canthariden
im Anschluss an Priifungen des D. A.13. IV. Er
konimt zu clein Schluss, dass clie Forclrrung des
Arzneibnchs, dass die Canthariden 0,s Proc.
Cantharidin enthalten sollen, zu hoch und
auf 0,6 Proc. lierabzusrtzen sei. D w Aschengehalt sei yon 8 Proc. auf 6 Proc. z u normiren.
Ei- empfiehlt die Zulassiing der
briiunen chinesischen Cantharidrn, d:i dieselben bedeutend mehr Cantharidin entlialten
als dir griinen.
Herr Dr. G. Frerichs (Braunscliweig) halt
einen Vortrag uber
D i e neuen Prufungsvorschriften des Arzneibuchs.
Von den Priifnngsvorschriften, welclie vom
I V neu aufgenommen siorl, unterzieht cler Vortragencle die Vorschriften zur
Bestimmung der Allraloi'de in Drogen und
galenischen Praparaten, zur Bestitiiinung der
Verseifangs- rcsp. Same- und Estermhlen,
der Jodzahlen sowie der Senfiile einer Kritik,
in \\-elcher er zunachst betont, dass der Werth
der PriifL~ngsvorschriften an sich uber jeden
Zweifel erhaben ist, dass densellsen aber,
weil sie allzuselir auf \\.issenschaftlic.lier Grundlage :iufgebant und nicht in geniigendem
Xaasse den pralitischen Verhliltnissen angepasst sincl, noch einige Mangel anhaften,
ciercn Beseitignng dringend en\ iinscbt ist.
Bei den A l k a l o ' i d b e s t i m n i u n g e n i n
D r o g e n ist vor Allem clie Forclerung beclenklich, dass die Drogen vorhcr bei 100'
getrocknet werden sollen. Abgesehen davon,
class die Prufuug hierdurch miniithig erI). A. B.
[an,~~~~&~f~~mie.
________
scliwert wircl , ist diese Forderung geradezu
eine Aufmuntrrung fiir die Lieferanten, die
Drogeii miiglichst fcaclit zu liefem, w i t s bei
w\.erthvolleu Drogen, wie Rad. Ipecac., immerliin schon recht lucrativ ist. Ferner bemangelt Vortr. die unniithige Xatcrialverschwendung; so erfordert eine Priifung der Ipecacttitnlia eiiien Kostenaufwand von etma 75 Pf.
fkr Droge, d t h e r und Chloroform, wahrend
clieselbe mit der HBlfte an Material genau
so gut ausgefuhrt wrrdcn kann, da das
Arzneibuch schliesslich ja nur die HSilfte der
d1i:tloi'dhaltigen Fliissiglicit titriren Iasst.
Eine wcitere Unbequemlichkcit ist nach Ansicht des Vortr. die Verwendung des h h e r Clilorofor~~~gemisches
in 3 verschiedenen Verhaltnissen (3 $- 1, 7
2 und 2
1). Die
Aufnahme einer Mischung in1 Verhaltniss
3 i1 sls Reagens, welchc in allen Fallen
imwendbar ist, wlre aus verschiedenen Griinden zwrckmiissiger gewesen. Bei der Beitimmung der Alkaloi'de in Rad. Ipecacuanhae
hltte die Menge des Wassers, melche Zuni
Zusammenballen des Pulvers niithig ist, praciser angegeben werden sollen, da mail anstatt der vorgeschriebenen 10 ccm mindestens
2:) ccm gebraucht. Der Farbenumschlag beini
Titriren ist in Folge dei gelben Fxrbe der
Alkaloidl6sung in diesem Falle schwer zu
erkennen. Vortr. empfiehlt, uber das Arznei$as nach jedem Zusatz \on Lsuge eine Papphulle zu stulpen und nur den unteren Theil
d r s Glases im durchfallenden Lichte ZLI betrachten. Dem Vorschlage Ton C a e s a r h
L o r e t z , statt des Athcr-Chloroforms reinen
Ather zu verwenden, wodurcli eine weniger
gefarbte Alkaloidldsung erzielt wird, kann
der Vortr. nicht beistimmen, da die Ipecacu:tnha aiisser dem Einetin und CephaGlin
noch ein drittes Alkaloi'd enthalt, welches
in reinem Bther unl6slich ist. Die Resultate
fallen in Folge dessen bei reinem Ather immer
um etwa 'Il,, Proc. niedriger aus. Uber die
Natur des dritten AlkaloYcls, welches zuerst
von P a u l und C o w n l e y beobachtet wurde,
ist noch wenig bekannt.
Die Titration der Alkaloi'dc in Cort.
Grandti nnd Semen Stry chni macht meiter
keine Schwierigkeit. Vortr. empfiehlt anch
liier das Uberstulpen einer Papphiille. Anch
die Titration der Chinaalkaloide ist leicht
ausfuhrbar, wenn man etwas mehr als ein
,,Kiirnchen '' Hamatoxylin anwendet und in
einem Kiilbchen titrirt. Die Titration des
Chinins hatte consequenterweise anch bei der
Bestimmung desselben in Chinin. tannicuin
und Chinin. ferro-citric. vorgcschrieben werden mussen. Das Arzneibuch verlangt hier
dagegen die gewichtsanalytische Bestimmung.
Bei der Bestimmung drs Hi drastins im l k t r .
+
+
XIV.
40. Jabrgang.
,,,,]
Versammlung deutscher Naturforschar und k t e in Hamburg.
-
-
Hydrastis fluid. empfiehlt Vortr., das Eindampfen in eioer mit einem Stuck Pergamentpapier ausgekleideten Schale vorzunehmen
und das Papier sammt dem eingedickten Extract in das Arzneiglas zu bringen. Man
vermcidet hierbei das listige Uberspiilen des
eingedickten Extracts in das Glas. Anstatt
10 c a n der hIischung von 1 Theil Salzsaure
und 4 Thcilen Wasser sind einfacher j e 5 ccm
verdiinnte Salzsiure und Wasser z u vwweiiden.
Die Menge des ziini Ubersattigen
ndthigen Ammoniaks bei der zweiten Aussc,hiittelung des Hydrastins hatte genau vorgeschrieben werden miissen.
Es geniigen
stets 5 ccm dazu. Die zweite Ausschiittelung mit Ather nimmt man zweckmissig in
einem Scheidetrichter vor, weil man dann
nach dem Ablassen der wasserigen Schicht
leichter 40 g des Athers abwagen kann als
:tus dem Arzneiglase. Bei Tinctura Strj-chni
ist ebenfalls das Eindampfen anf Pergamentpapier zu empfehlen.
Bei den Chinaestracten und Extracten
Strychni liegen Schwierigkeiten nicht vor,
nur liitte die Menge des anzuwendenden Extracts griisser sein kiinnen. Letzteres ist
unbedingt erforderlich bei Extractum Belladonnae und Extract. Hyoscyami. Vortr. stellt
die Menge der
N.-Siure, welche jeweilig
zur Bindung des Alkaloi'ds erforderlich ist,
in einer Tabelle einmal nach Anzahl der
ccm und einmal nach dein Gewiclite als
Chlorwasserstoff zusamnien. Es werden danach gebrztlicht fiir :
'Iloo
P
cem
Siure
g HC1
5,000 Cort. Chinae 8,2 ccm
=82 = 0,02990
5,000 Itad. Ipecac.
=40
= 0,01458
0,666 Extr. Chin. spir.2,7 ccm l/,,, = 27 == 0,09814
36,700 Tinct. Strychni
-23
= 0,08386
5,000 Cort. Granati
=14 = 0,00510
13 = 0,00474
0,666 Extr.Chin.ayuos.l,3~crn~/~,,=
1,333 Extr. Bellad.
= 7 = 0,00355
5,000 Tub. Aconiti
= 4 = 0,00146
1,333 Extr. Hyoscyami
= 3,5= 0,0012s
Vortr. h l l t es zwar fiir recht gut miiglich, im wissenschaftlichen Laboratorium rnit
solch ldeinen Mengen wie 3,5 und 4 ccm
SLure genaue Untersuchungen auszufiihren,
nicht aber in einer kleinen Apotheke, wo
vielleicht alle Monate einmal eine AlkaloTdbestimmung ausgefiihrt wird. Es hatte bei
allen Alkaloidbestimmungen des Arzneibuchs
ein griisserer Werth darauf gelegt werden
miissen, dass die zur Bestimmung gelangende
Mcnge des Alkaloi'ds in allen Flllen ungefahr dieselbe gewesen ware und zwar am
besten so gross, dass init Zehntelnormalliisungen hatte titrirt werden kdnnen, was
bei Rad. Ipecacuanhae schon sehr gut ausfiihrbar ist und bei den ChinaallialoXen ja
auch durchgefuhrt ist. Die Aufnahme einer
1013
Vorschrift zur Bestimmung cles Hydrastins
in Rhizoina IIydrastis halt der Vartr. fiir
durchaus nothwendig.
Die Bestimmung der Verseifungszahlen, resp. Saure- u n d E s t e r z n h l e n
geh6rt nach Ansicht des Vortragenden zu
den einfachsten und genauesten der neuen
Vorschriften. Beim Wachs erhBlt man mit
5 g nnsichere Resultate. Man darf, woraiif
schon D i e t e r i c h hinwies, nicht mehr als
3 g anmenden. Die anderen Zahlen des
Arzneibuchs sind dann abzuknderii in 3 bis
2,6 ccm
iS.-Lauge fur die Saurezahl und
11,9 -12,3 ccm N. -Saur e zum Zuriicktitriren.
Die Fliissigkeit muss so heiss wie mijglich
titrirt werden. Der Kolben darf nicht auf
dem Wnsserbad erhitzt werden, sondern muss
direct i m siedenden Wasser steheu. Bei
Balsam. perin'. hat das Arzneibuch den Zusatz
von Phenolphtalein vergesaen; derselbe ist
nicht zu gering zu bemessen, statt 10 Tropfen
nehme man 30-30.
Die Bestimmung des
Cinnamei'ngehalts kanii vereinfacht werden,
indem man 3 g des Balsams in einem Arzneiglase mit je 5 ccm Natronlauge und Wasser
mischt, dann mit 60 g Ather schiittelt und
yon dem Ather 51,5 g verdunstet. Die Verseifungszahl des Cinnamei:ns muss auf 1,4
umgerechnet werden. Betragt das Gewicht
des Riickstandes weniger als 1,4 g , so ist
die Bestimmung der Verseifungszahl naturlich iiberfliiasig. Bei Balsamum Tolutanuni
sind vor den1 Zuriicktitriren mit Saure ebenso
wie beim Balsam. periiv. 300 ccm Wasser
zuzusetzen und ebenfalls anstatt 10 Tropfen
Phenolphtalei'nliisung 20-30
Tropfen auzuwenden. Die Bestimmung der iibrigen Verseifungszahlen macht keine Schwierigkeiten.
Die Verwendung eines RiickAassbiihlers ,
welche bei ( )lenm jecoris extra vorgeschricben
ist, ist natiirlich aoch in den andrrrn FLllen
angezeigt.
Die Vorschrift zur B e s t i m i n u n g cler
J o c l z a h l e n brrulirt nngenehm durch ihre
von den anderen Priif~ingsvorscliriftenginzlicli
abweichende F;tssung. Hier verlangt das
Arzneibuch Tom Apotheker wirkliche Kenntnisse der Chemie, welche bri fast allen
anderen Vorschriften nicht niithig sinci, weil
uns das Arzneibuch nieist im Unklaren l k s t ,
was und wie vie1 bestimmt werden soll, SO z. B.
bei den Verseifungszahlrn und den Alkaloi'dbestimmungen. obgleich das Arzneibuch sagt :
,,zur Bestimmuug des Alkaloidgehalts iiberTiesst man" etc. Die Vorschrift zur Jodzahlbestimmung ist aber nicht ansfiihrlich genug,
weil nicht gesagt wird, mie die Jodliisung
2inzustellen ist uncl wie man schliesslich
cum Endresultat kommt. Vortragender ist
3er Ansicht, dass es besser wBre, wenn in
1014
Versammlung deutscher Naturforscher und k t e in Hamburg.
.___
der Einleitung des Arzneibuchas ausfiihrliche
Vorschriften zur Bestimmung der Jodzahlen,
Verseifungszahlen etc. gegeben wiirctcu, wie
es jetzt schon fur die Bestimmnng des
Schmelzpnnkts der Fall ist.
Das Arzneibuch wiirde dadurch cin mehr
wissenschaftliclies Aussehen erhalteri ond bei
den einzelnen Artikeln wurden die Wiederholungen cler Prhfungsvorschriften wagfallen.
Zur Ausfuhrung der Jodzahlbestimmungen bemerkt Vortragender, dass die Mengc des Jodkalinms init 1,5 g z u gering benicssen ist,
da zur 'Wiederauflijsnng des Quecksilberjodi.ds etwn 3,5 g erforderlich sind. Vor
tleni Titriren empfiehlt Vortragendcr auszurechnen, wie vie1 der Thiosiilfatliisnng etwa
verbraucht wird, wodurcli man' bedeutend an
Zeit spart. Das xIlJ\Y%gm der o l e geschieht
am eiiifnchsteii aiif kleinen, c.ntspr(ic:hcnd gefalzten Pergamcntpapii?rstiickclien, welche rnit
dem 6 1 in das Glas gebracht wertlen. Das
Abwagen hat natiirlich mit griisster Genauigkeit auf der analptischeii Waage zii geschehen.
Die B e s t i m m u n g cler S c n f i i l e macht
keine Schwieriglieiten. Da das Svhwefelsilber nacli dem Unisehuttelii als Schaum
auf der Fliissigkeit schwimnit, enlpfielilt es
sich, vor dem Auffiillen mit Wasser rtwas
A1kobo1 aufzugiess en, woclurcli dt ar Sehauni
b eseitigt wird.
J. Gadamer (Marburg) spricht
Uber die Alkalo'ide von Corydalis cava.
ALISden Wurzelknollen ~ w Corj-tldis
n
cava
sind hisher folgende Alkaloi'de isolirt worden:
Corydalin C,,€I,,N04, Schmp. 134,5O,
Corybulbin C,, H,, NO,, Sc,hmp. 0 3 8-2 3 9 ",
Corycavin C2sH2SNOs,Schmp. 21G-317°,
Bulbocapnin C,,FI,,NO,, Schmp. 199 O,
Corytuberin C,, €I,, NO, nnch D o b b i e und
L a u d e r , Schmp. uber 200°,
Corydin, amorphes, physiologisnh stark
mirkendes, von E. M e r c k beschriebenes Alkaloid von unbekannter Znsamnieiisetzung,
Schmp. 65-75".
Diese 6 Alkaloi'de sind nicht immer yon
allen Bearbeitern der Corydalisbasen gefunden worden, SO dass es gewisjermaassen
zweifelhnft war, ob sie wirklich stets alle
zusammen in den Knollen von Corydalis cava
vorkommen. Zum Theil sogar erscliien ihre
Existenz uberhaupt fraglich, weniptens nach
den sich miclersprechenden Litterat,wangaben.
Vortrngender ist jetzt in der Lage, das
Vorkommen der fiinf ersten Alkaloiide best%tigcn zu kiinnen. Hingegen ist das amorphe
Corydin ein Gemenge aus den verschiedensten
krystallisirbaren, z. Th. wohl auch nmorphen
R",,,
-
[
Zeitschrift fir
llngewnndte Chemie.
Bezhglich der Uarstellungsweise mijge die
Andeutung geniigen, dass durch Ausschiitteln
cler ammoniakalischen verdiinnten Estractliisungen mit Ather erhalten wurden:
1. In den Ather gingrn hinein:
A. Direct auskrystallisirencleBasen: 1.Corydalin, 3. Corybulbin, 3. Corycavin, 4. Bulhocapnin.
B. Amorphes Basengemisch (Corydin
fil e r c k ?) :
a) Krystallisirte Basen : 5. Isocorybulbin
C3,H25N04,Schmp. 179-180°, 6. Corj-cawinin CzlHzlN05, Schmp. 149O, 7. Corydin
vom Schmp. 135'; noch nicht untersucht. niit
Corydalin aber nicht idcntisch; sehr menig.
b) Amorphe Basen: 9. cine Base, dercn
Chlorhydrat prachtvoll krystallisirt, 10. Basengemische a m schwachcren nnd starkeren
Basen; als Bascn und Salzc. nmorph: noch
nicht untersucht.
11. Von Ather nicht aufgenommen, also
in dem ausgeschiittelten Extract verbleibend :
11. Corytuberin.
1hrer chemischcn Natur nach lassen sich
die krystallisirtcn Basen in drei Gruppen eintheilen.
I. Gruppe des Corydalins; hydroberberinartige, schwache Basen, welche bei der Ox>dntion mit alkoholischer Jodlijsung gelbgefiirbte bcrberinahnliche Basen bilden.
Corydalin
C42HB'iN04
4 C'22€123K04DehytlroGoryd alin
Corybulbin
CzlHZ5NO,3 C,, H,, KO, DehytlroCurydsliii
Isocorybulbin C, Hg5NO, 3 Dehydroverbindung
noch niclit dargestellt.
11. Gruppe des Corycavins, mittelstarke
Bascn, die vielleicht zum Protopin und Narliotin in Beziehung stehen und durch nlkoliolische Jodlijsung kaum veriindert werden.
Corycavin
C231T?3
NO,
Corycavainin C,, II,, NO,
111. Gruppe des Bulbocapnins, stiirkste
Basen, clurcli Jodliisung zwar veriindert, jed0t.h gut charakterisirte Verbindungen dabei
bisher nicht gehend.
Bulbocapnin C,,HI9NO,
Corydin
C,, Ha3N0,(Cz1H,,NO, 3
Corytuberin C,,H,, NO, (C19H25N0,; D o IJb i e
und L a u d e r ) .
I. G r n p p e d e s C o r y d a l i n s .
Die durch Einwirkung yon alkoholischer
Jodliisung entstandenen berberinahnlichen
Basen, welche quaterniir sein diirften, gehen
durch Reduction mit Zink und Schwefelsiiure unter Wiederaufnahme von 4 H in
Basen uber, die mit dem Ausgangsmaterial
die gleiche Zusamuiensetzung haben, aber
ina.rt.iv Rind.
XIV. 1.
Jahrgmg.
EIeff
,,,,.]
Veraammlung deutscher Naturforacher und h z t e in Hamburg.
i- Corj-dalin, Schmp. 135". Zusammen
mit H. W a g n e r hat G. versucht, i-Corydalin
in d- und I-Corydalin zu spalten, jedoch
ohne Erfolg. Unter besonderen Bedingungen
wird jedoch ausser dem obigen i-Corydalin
noch eine bei 1 5 8 - 159" schmelzende, isomere, inactive Base erhalten, welche sich mit
Hiilfe >-on Bromkamphersulfosaure in eine
rechts- und linksdrehende Componente zerlegen 1Hsst. Leider war das zur Verfugung
stehende Naterial zu gering, um entscheiden
zii kiinnen, ob die d-Componente mit dem
nature11cn Corydalin identisch sei. Die Spaltung tritt n5mlich nur in geringem TTmfang
ein. Wahrscheinlich diirfte aber in dieser
Base das racemische Corydalin zu erblicken
sein.
Voranssetzung fur diese Annahme ist,
dass Corydalin zwei asymnietrische Systeme
enthilt, mas rnit Riicksicht auf die Ahnlichkeit desselben mit dem Hydroberberin
wnhrscheinlich ist. Letzteres enthilt nur
ein asymmetrisches Kohlenstoffatom und ist
von G. jetzt in d- und I-Canadin gespalten
worden. Die Formel desHydroberberins lautet
Bri der grossen Ahnlichkeit der beiden
Basen kann man daher annehmen, dass im
Cory d alin ein mcthylirt er Hydrob erb erinkern
enthalten ist. Dadurch wird das zweite asymmetrische Kohlenstoffatom im Corydalin sehr
wahrscheinlich, mie aus der P e r k i n 'schen
Hydroberberinformel leicht ersichtlich ist.
CH-0
1c:
X
H ydroberberin.
Und zmar kiinnte die Methylgruppe nur
an einem der beiden mit X versehenen Kohlenstoffatome stehen; dieses wurde dann ehenfalls asymmetrisch sein. Anderenfallu wHre
die Inactivirung des Corydalins bei der Oxydation nicht erklarlich. Danach erscheint
das i-Corydalin vom Schmp. 135', da i n
keinem Fnlle die beiden asymmetrischen
Systeme gleichwerthig sein kiinnen, durch
das Schema
1015
_____
ausdruckbar, wahrend dem
If-schmelzenden
das Schema
bei 158-159'
zuklme.
Corybulbin ist von D o b b i e und L a u d e r
durch Methylirung seiner Hydroxylgruppe in
Corydalin iibergefiilirt worden. Die nahen
Beziehungen des Corybulbin zu Corydalin
hat G. zusammen mit D. B r u n s durch das
Verhalten gegen Jodliisung und darauf folgende Reduction nachgewiesen. Das r e d u
cirte Dehydrocorybulbin ist ebenfalls inactiv.
Das Isocorybulbin C,, HS5NO4 wurde
in den schwachst basischen Antheilen der
amorphen Alkaloi'de gefunden.
I n seiner
Elementarzusammensetzung ist es rnit dem
Corybulbin identisch; wie letzteres enthHlt
es 3 Methoxylgruppen und fHrbt sich am
Licht gelk, (Dehydroverbindung). Es unterscheidet sich wesentlich von dem Corybulbin
durch die vie1 leichtere Liislichkeit in Alkohol,
Wahrscheinlich besteht die Isomerie in einer
anderen Anordnung der Hydroxylgruppe zu
den drei Methoxylgruppen. Dass andere
Unterschiede nicht bestehen, dafur spricht
das optische Verhalten. [a]':: betragt fur Iso299,8', wahrend G. mit R r u n s
corybulbin
303,3" fand.
fur Corybulbin
+
+
11. G r u p p e d c s C o r y c a v i n .
I n den mittelstark basischen Antheilen
des amorphen Rasengemisches wurde das
Corycavamin vom Schmp. 1.29' gefunden. Die
Isolirung gelang durch iihcrfiihrung der betreffendcn Basenantheile in Rhoda,nide. Beim
Ubergiessen mit Alkohol blieb das Corycavaminrhodanid ungelijst zuruck. Das Corycavamin ist nach C,, H2,NO, zusammengesetzt. Es enthilt keine Methoxylgruppe und
anscheinend ebensowenig Hydroxylgruppen.
Durch Erhitzen mit Essigsaureanhydrid geht
es in eine isomere Base vom Schmp. 216
bis 2 1 7 iiber, welche in Ather Hnsserst schwer
liislich ist. Die Isomeric scheint eine physikalische zu sein. Die naturclle Rase ist rechtsdrehend, und zwar betragt [ f t . ] ? d ) = +
166,4',
wahrend die isomere inactiv ist. Es erinnert
diese Umwandlung an das Verhalten des
Narkotins, welches beim Erhit,zen mit Essigsiure in das isomere inactive Gnoskopin
iibergeht. Noch glatter wird das Corycammin
clurch Schmelzen inactivirt.
Corycavamin
schmilzt bei 149', bei etwa 115' wird es
allmLhlich wieder fest, urn gegen 213-214'
+on Ncuem zu schmelzen.
Die Schwerliislichkeit des i-Corycmamin
in Ather, die optische InactivitLt und der
Schmelzpunkt liess an eine Identitat mit
Cryptopin denken, da die Formel des letzteren
nach H e s s e nur zwei Wasserstoffatome mehr
enthllt, als G. u n d B r u n s fiir das Corycavamin
ermittelten. i-Corycavamin ist jedoch verschieden von Cryptopin.
111. G r u p p e d e s B u l b o c a p n i n s .
Die zur Bulbocapningruppe gehdrenden
Basen zeichnen sich durch ihre leichte Oxydirbarkeit durch den Luftsauerstoff nament-
1016
Versammlung deutscher Naturforscher und h z t e in Hamburg.
~-
lich in alkalischer Losung aus; es entstchen
dabei schwarze oder doch dnnkel gefiirbte
Snbstanzen.
C'orydin wurde aus den am stilrksten
basischen Antheilen der amorphen Basen mit
Riilfe des salzsaureii Salzes isolirt. Salze
\vie aucli Base sind in vollstandig reinem
Zustande von grosser IIrystallisationsfBhigkeit.
Die freie Base verbleibt, wenn noch etwas
nnrein, beim Verdunsten der Btheri srhen Losung als ein amorpher Lack, der bei etwa
64-" schmilzt. Ihr wurde daher der Name
Corydin beigelegt, welches nach E. M e r c k
zwischen 65-75" schnielzen soll. Jin reinen,
krystallisirten Zustande schmilzt jecloch das
Corvdin bei 139'' C.
Die Elementarzusammensetzung ist nocli
nicht ganz sicher ermittelt. Nach den Analysen der freien Base ist die Pormel C,,11,,NC)4
anznnebinen, wahrend das besonders gut krystallisirende Nitrat zu C2,F12, NO, fiihrt. 6.
zieht die letztrre Formel vor, welchc einem
Dimethylbulbocnpnin entsprechen wiircle. Das
Corydin enthzlt namlich drei Methoxg lgruppen,
wahrencl im Rulbocapnin nnr eine nachgewiesen
ist. Die iibrigen Sauerstoffatome sind in
beiden Rasen als I'iydroxyl gebunden. Danach~~~~reBulboeapnin=C,,I1,~P\T
(01I),OCR,,
Corydin = C,, HI, NOH (OCHS)J.
Diese nnhe Beziehung ist um so walirscheinlicher, als das specifische Drehiingsverniiigen des Corydins: [a]: =t 304,35", deni
des Bulbocapnins: [ a ] D = 3- '337,1°, nahe
kommt. Noch deutlichcr wird die Ubereinstimmung imoptiscIienVerhalten, w e m man dns
inolecidare Drehungsvermijgen zuin Verglcich
heranzieht: [ X I I D fiir Coryclin =
731,4",
[MIDfiir Bulbocapnin = 770,(ic'.
Corvtuberin durfte ebenfalls clcsm Bulbocapnin sehr nahe stehen, obwohl es c k
schwichere Base zu sein scheint. Es wird
erhalteu, wenn man die mit Ather ausgeschiittelten, Zuni Syrup eingedickten, ammonialralischen Extracte mit etwas Chloroform einige Cubikcentimeter auf mehrcrc Kilo Extract -- durchschuttclt. Es ballt sich dabei
liarzig zusnnimen und wird allmiihlich krystallinisch. Durch rmkrystallisirm aus lieissem Wasser oder heissem, verrlunntein Alkohol
wird es gereinigt.
Das in voluminosen, seideglHnzeiideiiB1Bttchen krystallisirende, am Licht lcicht grau
Tvercleiide A1lialoi:d schmilzt w:isserfrei Lei
240"C, und ist nach Analyscii iron 11. W a g n e r
nach der Formel C,, ET,, NO4
.*I t150 ziisammmgesetzt, \ & t r e n d D o b b i e uud L a u d e r
+
+
+-
_._____
[ a n g ~ ~ ~ ~ ~ ~ f ~ ~ m
C,,
NO, aufgestellt haben. E s brsitzt im
Ubrigen die vou D o b b i e und L a u d c r angegebenen Eigeiischaften.
Die Annahnte, Corytuberin sei ein tetrahydrirtes BulbG)capnin, hat sich nicht bestatigt, da das Corytuberin 2 Methoxyl- und
2 I1ydroxlylgruppen enthllt. Die offenbar
bestehrnden Bezirhungen werden durch nachstehende Forni eln erlautert : Bnlbocapnin
= C,, 13,3N(OIL), OCH, + mehr: GH2, Corytuber in =C,, HI,,N (OH), (OCH& -+nichr : 4 H.
Das specifjsche Drehungsvermdgen kann
nicht zuuiVerglc.ich herangezogen werden, la es
in alkoholischer LBsung ermittelt werdenmusste,
wiilirend es bei allen anderen in Cliloroformlasang bestinimt vurde. [a]: =
283,65".
+
A. Z e i t t e r (Strassburg i. R.) spricht iiber
N e u e r e Erfahruiigen uber Coffe'inbestimmungen.
Der Vortraqende theilt nach einiqen Remerkungen iibersichtlicher Art die vielen zur
Zeit bestehendrn Coffei'nbestimmunasLucthoden
in 2 p o s s e Klassen ein, und zwar in Bezng
auf die darin zur Vermenclung kommrnden
Extractioi2smittel (Wasser und organische
Losungsniittel), sowie auf die darin angem n d t e n Reinigungsmittel (Methoden mit
und ohne Reinigimgsmittel). Nach kritischer
Retrachtung tiieser verschiedenen Gruppen
konimt er zu dem Schluss, class den Methoden, welclie mijglichst ohne Eeniitzung
fester Reinigungsmittel das Coffejiu dnrch
1i:xtraction niit Chloroform gewinnen, bei
IVeitem der Vorzug zu geben sei, dn sie die
besten und sidiersten Resultate lieferten: er
giebt vor allen derartigen Methoden tler
Keller'schen den Vorzng. Da jedocli niit
dicser Ifethotde ein ganz weisses. reines
C'offei'n nicht cider nur selten erzielt werden
kann, so schlkgt er eine Von ilim erprobte
Reinigungsmethode cles uac4 der Ice11 er'schen
Vorschrift erhaltenen Chloroform-Extractionsriickstandes linter Beniitzung eines Chloroformperforators vor, nach welcher auf beclueme
Weise sehr gute Resultnte gewonnen werden
kiinnen, welch e besonders fur Pasta Guarana
vie1 h6her siitd, als die seither fiir dicselbe
angegebenen C'offeinwerthe. Reclner komlnt ZLI
deui Schlnss . dass eine gleichmkssige Behandlan:, der coffe'inhaltigen Drogen hei der
Bestirniiiung ilires Coffei'ngehnltes megen der
jetzt nocli htmwhenden Verschiedenheit der
Methoden und der cladiirch bedingten nnsiclieren Litttmturannahen
der \Viasensehaft
"
wie der Praxis von grossem Nutzen sein
wiirde.
.r.
Verlag von J u l i u s S p r i n g e r in Berlin N. - Verantwortlicher Ri!dakteur Dr. L . W e n g h 6 f f e r .
Druek von Oustav Schade (Otto Francke) in B,erliq N.
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