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Beschreibung eines in der Nacht vom 8. zum 9. Januar 1850 in der Rheinprovinz gesehenen Feuermeteors

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bewies ), eiue Doppelverbindung von ziunsaurein Ziunoxydul iiud ziniisaurem Goltlorydul seg.
Aus dem Gesagten ergiebt sich, dafs die Oxyde, welche
aus zwei Atoinen Metall und eineui Atom Sauerstoff besteheu, zu den starksten Basen gehiiren, dafs aber ihr
stark basischer Charakter, wegen ihrer leichten Zersetzbarkeit, selten richtig erkaunt worden ist. Man wird aber
hiervon noch melir uberzeugt werdeu, wemi es sich bestatigen sollte, dafs anch Silbcroxyd oder selbst die Alkalien
dem Quecksilberoiydul und dem Kupferoxydul analog zusammengesetzt sind.
AIs
um die Mitte des Januars die Zeitungen Nacbrichten BUS verscliiedenen Orten der Rheinproviuz fiber die
g r o k e Lichterscheinung in der Nacht des 8. Jnnuar mittheilten, scbien es bald walirscheinlich, dafs es sich nicht um
cin gewiihnlicbes Gewitter, sondern urn ein Feuermeteor
handle, In der Absicht, aus eiuer gralseren Anzahl von
Beobachtungen irgend ein wissenschaftlicbes Resultat uber
ein ebenso seltenes als wicbtiges Phanomen zu erzielen, forderte Hr. Geb. Bergrath und Prof. N a g g e r a t h nicht niir
in der KBlnischen Zeitung dazu auf, ihm nshere Nachrichten mitzutheilen, sondern ersuchte auch die Kdnigl. Regierungen, besondere Nacliforscbungen uber jene Erscheinung,
in den verschiedeuen Landkreisen, Biirgermeistereien und
Aemtern, zu veranlassen. Durch die sehr dankenswertheu
Bemiihungen der Regierung, uud insbesondere des Hrn. Regierungs-Prasidenten v o n M ii I I e r zii Cdln, so wie durcli
1 ) Jahresbericht No. 25, S. 192.
(lie Privatmitlheilungen Einzelner, vou denen besondcrs die
des Hni. Oberlchrers E. H e i s in Aachen Iicrvorzdicbei1 sind,
ist danu ein rcclit ansehnlicbes Material von uuclir f i l s 7 0
s ch ri ft I i chen B er ich t en ein g es a u d t word en. Dies e I’ a 11i er e
liatte Hr. Geh. Rath N ii g g e r a t h die Gute mir zuzusenden,
uiit dcni Wuiische, eine ubcrsichtliche Zusainmenstellung aller
Aussagen ubcr gednchte Erscheinuiig zu versuchcn, damit
man entschciden kihinc, o b sicli wirlrlich ein besonderes
Eiidresultat ermitteln Iasse. Indem ich init Vergnugen diesc
Arbeit uberuahm, faiid ich b a l d , dars diese hussicht sicli
sehr verriugerte, uud dafs ich inich iiur auf eiiie hiichst getreue 1)arstcllung des i n jeiier Nacht Gesehenen und Gchiirten eiiilassen kiinne, so weit diefs iioch aus deli staIlr
voii einaiidcr abwcichenden Aussagen zullssig erschieii. In
der Nacht VOID 8 - 9. J a n u a r wareii alle Nebeiiuinstandc
fiir eiiie wissenschaftliche Beobachtung nibgliclist ungunstig.
Man kaiin niclit wohl vornussetzen, d a k in einer so splteii
Nachtstunde in1 W i n t e r , zwischcii 3 und 4 Uhr Morgens,
bei fast uberall g:inzlich hcdeckteui tlimmel, die Aufmerksainkeit auf solche ungewiihnliche Erscheinung gcriclitet
seyn solltc. Es liatte sich dann aus dem Bericlite der Landriithe iind Rurgermeister crgebeo, dafs n u r Nachtwacliter,
Soldateii und Grubenarbeiter, Uberhaupt Leute, die ihres
Behnfes wegen in verschiedencn Stuuden beschiiftigt sind,
iiber die Lichterscheiiiuiig einige abcr sehr fragmentarisclie
Auskiinft geben konnten. Man wird cs sonnch naturiich
tindeli, dafs untcr solchen Uiiisliindeu alle Hoffiioiig aufgcgebcn werdeii mussc, irgend wahrhaft Brauchbares ubcr
die Positionen des Aiifangs- uud Endpunktes der Feuerliugel, uber ihre wechselnde Gestalt und Schwcifbildung
zu erfabren, oder, gar deli ungefabren Ort zu ermitteln, an
Clem vielleicht lierabgestiirtzte Mcteormasscn anfzufindcn
seyn rnbchtco. Nor die Grofsartigkeit dieses Meteors, so
wie die Ansicht, dafs man von so seltenen Phanomeneii
weuigstens Etwas, fur spiitere Vergleichungen der vblligen
Vergesseuheit entreissen solle, konnte mich veranlassen, im
Folgeiiden einen kurzen Auszug aus allcn Beriebten mitzri.-
I60
len. Verbiudet iiiilii auf dcr Landliartc die aufscrsteu Orte,
i
von dcr Erscheiuung noch Etwas geseheii
ill d e ~ i c ~inan
oder gelibrt hattc, SO zeigt sich, ihfs die ungefiihrc Begrlnzuiig dieser Punkte cineii fast krcisfiirinigen Fllchenrauin eiiiechliefst, desseo Durchinesser etwa 20 Mcilen bctriigt. Man hat also das Plitiiiomcii uber ciiier Fliiche von
inelir als 300 Quadratmcilcu beobaclitct.
Hiitte man a11 zwci odcr drei von eiiiander zieinlicli
weit eiitlcgeneu Orteii niir recht geiiau die Zeit zwisclicn
dein sclicinbarcn Zerplatzcn uiid der spater veriioinuieiie~i
Detonation beobachtet , uud wart uur an eiiicin solclieii
O r t e das bzimut oder die schciubare Hiihe des Meteors
bemerkt wordeu, so wurde mau iin Staude seyn, auualiernd
die Entfernung, so \vie dic seiikreclite (walwe) Hiilic desselben uber tlcr Erdoberf1:iche zu bcrechueu. Ila abcr
iiberall der Himuiel init dicliteu Wolkeii bcdeckt war, uud
alle Beobacliter wcdcr auf die Erscheiuuiig rorbcreitet,
iioch genugend fiihig warcu, sic riclitig aiifi,iifasscn uiitl
demgemafs zu beobacliten, so inufs mnii sicli fur dicsen
Fall mit einer allgelneincii Scliildcrung dcs Vcrlaufs der
Erscheiiiuug begnugeo. Es ist bekanut, \vie schwicrig cs
sey, ohuc Beuutzong einer U h r , nur auf dein W c g e dcr
Schltzung, ein Zeitintcrvall iiacli Miiiuteu oder Sekundcii
gehbrig anzugcbeu, uiid wie ungcmein abweicheiid dic Angaben lauten, wenn sic voii Persoueii herruhrcu, die mit
derartigen ISeobachtungen iiiclit vertraut waren, uiid dazu
noch durch das Ucbcrrascliendc einer so unerwarteteii
glanzvollen Nachterscheinung sich iu Schrecken setzeii liefseu. Aehnliches fand auch i n diesem Falle statt; wiihreud
a n einem uiid demsclben O r t Jemand die Dauer des Lichts
oder des Intcrvalls z.cvischen diesem uiid der I)etonation
so kurz augab, dafs man nur bis 20 liltte zdilen kbnnen,
liatte ein Aoderer die Zeit zu 5-10 Miuuten gescliiitzt.
Icli selbst eriunere mich, dafs die Dauer der Sichtbarkeit
einer sebr grofsen Sternschnuppe (21. J a n . 1848), die ich
n i t Sicherbeit zwischen 3 uiid 4 Sekunden bestimmte, von
Anderen zu ebenso vie1 Mimteu angegeben wurde.
I11
161
10 iihulicher Weise uiibestimmt uocl differelit sind die
Augabeu iiber die Griifsc des Meteors. Der Unterschied
zwisclieli der scheiubaren und waliren GriiCse ist weniger
bekaulit , als man glaubeii sollte; unter zwanzig Schltznngeu nach Fufsen uud Klaftern findet inan schwerlich eine,
welche das Meteor oder dessen Elevation iiber dem Horizoute rnit dein scheiubaren Durchmesser dcs Moudes,
oder init der scheinbaren Distanz bekannter Sterne in
Vergleichuug briiigt. Die Zeit, als die Nacht pliitzlicli
in so ungewiihiilicher Weise erhellt wurde, wird ziemlicli
ubereinstimmend zwischen 3; und 4 Uhr Morgens am 9. Januar augegeben , d. h. nach astronomischer Zlhhogsweiee
den 8. zwisclien 15; uud 16 Ulir. Die Angabe Jan. 8 15"43'
wird die sicherste seyu. Es zeigen sich indessen verschiedene sehr bedeutende Abweichungeii in der Zeitbestimmung,
auf die icli spaterhin noch ziiriickkommen werde.
Was nun zuerst die Lichterscheinung selbst anlangt, so
sind liieruber die Aussagen am vollstandigsten und zugieich
am widcrsprechendsten. Dals die Himmelsgegenden nicht
iibereinstiinnien kiinnen , nach welclieii inau von verschiedenen Orten aus das Licht erblickte, lint in der Parallaxe
des Meteors seinen Grund. Allein bei sicheren Aagaben
der Kichtungen wiirdc es leicht geuug seyn, durcli eiiie
Construction die Oerter zu findeu, durch deren Zenith das
Meteor gezogen war. In diesem Falle aber hat der wolkenbedeckte Hiinmel jede zuverlhsige Ortsbestimmuug uiiinbgliclr gemacht. F a b t man Alles zusainmeu, was die Berichte iiber die pliitzlich auftreteiidc langdauernde Erhell u n g der Sacht enthaltea, so stellt sich lieraus, d d s au
eine gewuhuliche elektrische Entladuug nicht zu denken
seg, souderu dafs man deu Glaiiz cines der Erdobertlache
sehr nahen Meteors voo ungewiihnlicher Griifse und Iutensitat gesehen habe. Die Erleuchtuug der Nacht wird, wenn
auch iibertrieben, mit der Helligkeit des Tages verglichen,
selbst da, wo man direct vou der Feuerkugcl iiiclits gcwahrtc, iudem diese hoch tiber dichten Schueewdkeumassen voruberzog. Es wird ziemlich ubereinstimlneud angePoggendorfrs Annal. Bd LXXXIII.
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gebeii, dafs die Erleucbtung gauz plbtzlich eingetreleii, und
nacli 2 bis 3 maligein Aufloderu, uach laugerem eigeuthiimlichen Flackerii uiid Zittern ebenso plbtzlich wieder verschwundeu sey. Da die Nacht sehr firister war, so niufstc
das plbtzliclie Aufleuchteu des Hilnincls cirieu sehr grofsea.
Coutrast hervorrufen. Fast iiberall war der Bodeii zicuilich stark init Sclinee bedeckt, uud der Keflex mag init
dazu beigetragen liaben , dafs inan inituuter stundenweit
eutferiite Stadte, Dbrfer und Ijerge mit grofser Schlirfe
aus der Nacht liervortreteu sali. Es scheint soiiach, daCs
trotz Jer dichteii Wolketidecke, welche vielleicht. nur stellenweis voti leuchtendeu Fragineuteu des Meteors durchbrochen wurde, die Erhellung vie1 grbfser war, als bei st:irkstem Vollinondschein in eiuer heitern Wiiiternacht.
Urn die Gr6fse oder Intensitst des Meteors noch melir hervorzuhebeii, fiige ich hier ziir Vcrgleichung noch ciu Paar
eigeiie Beobnchtungen bei, die ich friilier an iitigew6hnlich
grofsen Sterusclinuppeu angcstellt babe. Am 29.Juli 1848
Abd. 11" sah ich am siidwestlichen Hiininel bei vbllig klarer Luft eiue grune schweiflose Sternscliuuppe, welche kurz
vor ibreni ErlOschen die grbfstmbglichste Helligkeit der
Venus bei Weitem ubertraf, aber nur einen scbeinbnren
Durclimesser von hikhsteiis fun€ Bogenmiuuten hatte. Sic
erliellte theilweis den Hiininel wie ein Blitzstrahl, abcr sclir
vie1 schwlicher. Eiii Theil der vor mir liegendcu Ebeiie
vou Bonn, so wie der Abbang der siidwestlich sich hiuziehenden Berge, trat wegeu des inatteii griinen Glanzes deutlich aus der Nacht hervor; jedeufalls war das Liclit stark
genug, dafs inau wdieriid seiiier grbfsten hitelisitst mafsigc
Druckscbrift hltte leseii kbnneu. Am 19. November 1849
betracbtete ich wieder ein uoch hellercs griines uud gcschweiftes Meteor von bbchstens funf Bogenminuten Durchmesser. Es durchlief eiiieii anselinlichen Theil des uihdliclien Himmels bei gaiiz heiterer und sternbeller Luft. Die
Licbtentwicklung war so bedeutend, dafs die ganze Umgegend, so weit ich sie gerade iiberblickeu konnte, im grtinScbimmer aufzudiimmeru beganu ; doch waren nur an nahen
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(;egeusttiuden die Einzelheiten zu uiiterscheiden. Mittlere
Druckschrift hatte man bei diesem Liclite ohue Zweifel leSell kouneo.
Bei einer andereii bedeutenden derartigeu Erscheinuug vom 23. Februar 1890 Abends, war ich gcradc
iiiit aiideren Beobachtuugen auf d e n Westthurine der Sternwarte beschaftigt. Das Meteor erliellte mit fcuerfarbigeiii
lebhaft flackernden Lichte das Iiiuere des Thurins so stark,
dafs icli die tief schwarzen Schatteii d e r Feiistersprossen
in groker Scharfe an der iniieren W a u d u n g sich scbnell
fortbervegeii sah, so d a L ich daraus die ungehhre Richtuiig der Erscheinung, die ich selbst erst im Moment des
Erloschens gewahrte, crinitteln konute. Im W e s t e n verschwaiideii i n diesem Gluthscheiue fast alle Gestirne, und
dcr Horizout leuchtete roth, wie bei einer starken und nahen Feoersbninst. Alle drei Phauolneue sah ich bei vfillig
heiterem Hilumel; alleiu ich glaube, dafs bei gauz wolkenbedeckter Luft kein Einziges sich durch eine merkliche Erhelluiig der Piacht verrathen habeii wlirde. Dazu wareii
sie jedenfalls zu schwacli und zu unbedeutend.
Die an vcrschiedenen Orten ungleich dichte W o l k e n bedeckuug mufste natiirlich iliren Einflufs auf die Intensitiit
und Ausdehnuog des Meteorlichtcs ain Himmel ausuben.
Das zeigcn die Berichte deutlich genug. W a h r e n d Einige
sagen, dafs der ganze Himmel im Feuer zu stehen schien,
oder dafs das Licht zuerst am Horizoiit beginnend, sich in
2 bis 3 Absatzen rasch bis zum Zenith verbreitet habe, reden Aridere iiur von einer inomentanen Aufhellung der
Nacht. N u r sehr wenige Nachricbteii scheinen auzudeuten,
dafs man das Meteor selbst, o d e r , wahrscbeiulicher wohl,
Theile desselbcn, iiach dem Zerplatzen gesehen habe. Bald
wird es eine Feuermasse oder glubende Kugel von bedeutender Grofse genauut, bald ein leuchtender, niclit blitzahulicher Streifeu , oder eine wellenftirmig scbnell fortschreiteude Lichtmasse, die mit dem Blitz gar keine Aehulichkeit hatte. E s kommen zablreiche Aussagen v o r , dafs
das Licht mebrfacb erloschen und wieder erschieuen seg,
w a s S C ~ O U bei gewbhnlichen Sternschnuypen vorkommt,
11 *
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wid auch bei grofsen Feuermeteoren nicht selteu ist. Es
ist wllglich, dafs nach dem Zerplatzeu des Meteors einzelne Fragmcute zur Erdc sich senkeud, die Wolkendecke
durchbrachen, und daon schnell erloscheu, ehe noch die
Scliallwelle anlaugen konute, welche die Detonation verursacht hattc. Mali darf viclleicht auch annchincn, dafs an
einigen Orten die Wolkendecke mehr oder weniger zerrissen war, durch welclie Aufheiterungeii hiiidurch inan dns
Meteor erblickeii koiiute. Indcsseu wird das Vorhandeuseyn steriilieller Regiooen ain Himuel dort nirgends erwahut, wo man mclir als die allgeineiue Erhelluog der Nacht
geseheii haben wollte. Nur an einigen Ortcn ist die Licbterscheinang init dem Blitzc verghhen worden. Die mcisten Beobachter glaubteii dcu Schein in einer grofsen
Feuersbruost zu schen; audere verglichen ihii mit dew Gaslichtc. Es kommeii allc Farbcu vor, ain hiiufigsten weifs
und feuerroth, init dein wicderliohcu Bciiicrkeii, dafs dns
Licht zitternd und flackcrnd gewesen sey.
Ein Paar Aussagen lauten dahin, dafs nach der Haupterscheiuung der Hiinmel noch kingere Zcit eine schwache
rsthliche Helligkei t gezeigt habe. Diefs Iafst sich erkliircn,
wenn man aniiimmt, dafs ein uugemihlich stark leiichtendes Schweiffragment noch lange stehen blicb, und die Atmosphare dort schwacli erhellte, wo sie weniger voii Vl-olken und Diinsteu getriibt war. Beispiele vou sebr laager
Dauer dcr Siclitbarkeit bei Meteorschweifcii lasseii sich anfilhren. Ich eriniiere hier nur an die Beobachtung des Admirals v. K r us e n s t e r n , der, auf seiner Reise um die Erde,
deli Schrveif eines Meteors erst nach einer Stuiide verschwiiisah. (8. October 11103.)
W i e schon crwahnt, lafst sich iiber die Dauer der Lichterscheinung iiichts ermittcln; nur so vie1 scheint sicher, dak,
sie ganz uogewbholich lauge wzbrtc. Unter zahlrcichen Angaben, dic zwischen 5 Sekundeti bis 10 Minuten schwankco,
lauten dieselbcn auf mehrerc Minuten. Schoo die Dauer
von eioer Minute ist uwgelnciii selten, und es lassen sich
iiur sehr wenige sichere Beispiele der Art nachweisen. Man
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darf wolil aunehmen, dafs das Meteor eiue Zeitlang die
Erde init nahe derselben Gescbwindigkeit uud fast in gleicher Richtung im Raum begleitet habe.
Ueber die Detonation liegeu ebeufalls ziemlich vollstlndige Berichte vor; sie sind sehr vou einander abweichend
sowohl in Riicksicht auf die Dauer, als auch auf die Natur
derselbeu. DieEs ist an sich natilrlich, weil der Schall
VVege vou sehr ungleicher Lauge zu durchlaufen batte, und
aus manchen Ursacben erheblicbe Modificationen erleiden
mufste. Iin Allgemeiueu wird er iiiit den] stofsweise rollenden Getbse des Donuers verglichen. Die einzelnen Bezeichnungen fiihre ich hier uicht a n , uiid erwahne iiur,
dafs der Schall im Maxiino mit dem der machtigsten Pulverexplosionen bei Geschiitzen von schwerem Caliber, im
Rlinimo mit dem Brauscn des vom Slurme bewegten W a s scrs, so wie init dem Raiischen eines. voriibertliegenden
Vogelschwarmes, verglicheu wird. Zwiscbeu dicsen Extremen komuien zalilreiche andere Bezeichnungen vor. In der
Gegend um Bonn herum mufs die Detonatiou sehr gr0f.s
gewesen seyu. Mehrfach geben die Berichte a u , dafs vou
den stokweis fortrollenden sehr tiefeu Doiiuersclillgeu nicht
uur die Gebaude erbebteo, sondern selbst der Erdboden
zitternde Beweguugen gemncht habe. Es scheint sicher, d a h
die Detonation sicli wenigsteus zweimal, vielleicht dreimal
schnell uach einander wiederholt habe, riud dafs deli Hauptschkigen ein langes dumpfes, nacli Einigeo, rasseludes Get6sc uachgefolgt sey. A n mancheu Orteu ist die Detonatiou weiiig oder gar iiicht gehart wordeu, obgleich die Erhelliing der Nacht durch das Meteorliclit selir grofs war.
Ich habe micb vergebeus bemiiht, nus der Zusammenslelluug aller Angaben irgend etwas Zuverlassiges iiber den
Lauf des Meteors zu ermitteln. Z u dein Zweck verzeichncte ich die Lage einiger vierzig O r t e der Rbeinprovioz
iu eiuer Karte, uud beinerkte bei jedein die Richtuiig nach
welcher mau das Licbt geseheu, rind deu Schall gehart
habell wollte. Die Abweicliungen stellten sicli, wie zii erwarten w a r , ungemeiti g o f s dar. Nur ganz iiii Allgeinei-
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nen scheint cine vou N W nacli SO gerichtetc Bewegung
des Meteors augedcutct zu seyn. Etmas sicherer lafst sich
die Gegend bezeiclinen, welche das Meteor ganz oder iiahe
im Zenith hatte, wenti man die Orte bctrachtet, in deneu
das Licht und der Scliall die grafste Intensitst entwickelte.
Ich glaube dicsen Punkt mehrere Meilen sudlich von Bonn
ausetzen zu diirfen, ohue indessen aiif die Anuahme irgend
besonderen Wertli legeii zu wollen. Nur die einzige Beobacbtung des Flarscliiitzen und Nachtwachters R 6 t t g e n zu
Badorf bci Briihl (zwisclicii Bonn und K6ln) scheint einc
ungefahre Scbatzung der Distauz des Meteors wiihrend dcr
Explosion zuzulassen, die ich in folgender Weise versucht
habe. Die im Allgemeinen ziemlicli bestiintnten Aussagcn
diescs Malines vcrnnlafsten micli, am 5. Mni nach Briihl
zu faliren, rind von dort aus niich nacli den bcnachbarten
am Vorgebirgc liegenden Diirfern Badorf und Pingsdorf zu
bcgeben, wo dic Erschcinuug init vcrlialtnil'smiifsig griifserer V~llstandigkeit bcobachtct worden war. RiJ t t g e II
wicderholt mir allc Aussagen, dic ich im Dericlitc dcs Biirgermeisters schon gelescn hntte, uiicl bcstiitigt a d s Sene,
dafs dic Dauer der Erhcllung ganz ungewiilinlich gewcscii
ware. Indesscn bin icli durchaus nicht geiieigt, die Schltzung
von 10 Minuten fur walirschciulicli zu halten. Nachdeln cr
mich auf eiucn nahe gclegencn Hiigel gefiilirt hnltc, crsuclitc
icli ihn, mir genau dic Stellcn zii bezcichnen, wo er stand,
wahrend die Lichterscheinung aufhiirte, und das Get6sc i n
der Luft begann. Er crinnertc sich diescr Orte selir gem u , woraiif icli ihii bat, iiiit seinein gewbhnlicbeii Scliritt,
den er in der Nacht innezulialten pflcgte, jciicu W e g ziiriickzulegen. E r that diefs zweinial, untl beidemal fand icli
die Zeit, wahrend welcher cr gins, iibcrciustim~nendgleich
1 Minute 40 Sekunden. Diese Beobaclitung wiirdc das
lntervall zwisclien Liclit und Schall den UInstlnden nacli
sicher gcuau angcbcn; allciu R 6 t t g c n bciiierktc ausdriicklich, dafs er nach dein Aufhbren des Lichtes vor Erstauiieu
und Schreckeii nocli cine kleine Weile stehcn geblichen
sey, rind sic11 nach seincn Huiidcii iimgcsehen Iiabc, die
167
US
Furclit eii~flohen ~ a r e n . Nacli Alleiii, was ich uber
diese Zeit des Verweilens herausbriugen kouute, darf icli
sie hochstens zu 20 Sekunden auschlagen. Fiigt inaii diese
Zeit der oben erlniltelten vou 1 Min. 40Sek. bei, SO folgt
aonaherd fur das Interval1 120 Sekunden oder 2 Miuuten.
Es mufste demnach, weun ich in rurider Zahl die Geschwindigkeit des Schalles in 1 Sek. = 1000 par. Furs setze, der
O r t der Zertrummerung des Meteors 5,3 geogr. Meilen V O Q
Badorf eutferiit gewesen seyn. Diese ungefahrc Schatzung
ist insofern interessaot, weil sie die Gewalt der Detouation audeutet, die bei einer so grofseu Eiitfcriiuug noch
iin Stande war, deli Erdbodeu iu schwiiigeode Beweguug
zu verselzeu. Allc Bcmiihuugeii, uber die Hbhe und das
Azimut des Meteors irgend etwas zu erfahreo, blieben
villlig fruchtlos. Nur der O r t , w o der Schall zu eudigen
scliien, wurde von jeuem Huge1 bei Badorf ans genau am
Horizont angegebeu. Da die Souue zu der Zeit, als ich
in Badorf war, init jeneni Puukte ain Horizoute dasselbe
Azimut hatte, so war letzteres lcicht zu linden. Es ergab sich, dafs die Detonatiou 55" westlich vom Meridian
aufzuliiiren schieu. D e r erste und starkste Schlag ertiinte
inchr sudliclr heriiber, etwa 20 - 30u W e s t von Siiden gerecliuet. Ueber die senkrechle Hdhe des Meteors lafst sich
gar Sichts ermitteln.
Nebeu den Aussageu iiber das grofsc Meteor selbst
U I I I 3;b Morgens h d e icli aber iiocli 5 bis 6 Berichte, welche
es wahrscheinlicli macheu, dafs im Laufe dieser Nacht noch
EIscheinungen eiugetreten sind, welche schwerlich von eiueui Gewitter herruhrteu, soiideru eiu mehrfach wiederholtes Voriiberzieheu von griilberen Meteorinassell anzudeuteu
scheinen. Diefs mag s e h auffalleud kliugeu. Indern ich
uiich aber a n dein Iuhalt der Berichte halte, unter denen
der eine so glaubwiirdig oder so zweifelhaft als der aiidere
seyu kann, finde ich es interessant genug, gaaz im KurZ ~ Udie audereu beinerktcu Erscheinungen zu berubreti,
lvelche vielleicht in Zukurift auf besserem W e g e sich bestltigcii werden.
I68
111 Gladbach, nardwestlich von Kbln , haben mehrere
Personen ain 8. Januar Nacbuiittags :
4 Iihr, als die Damuierung schon angebrochen war, bei vbllig bedecktern
Himuiel eiu grofses Meteor geseheu. Die Aussageu eiuer
Frau, welchc voin Biirgerineister zu Gladbach dariiber befragt wurde, lauteii sehr bestimmt. Sie wurde diirch ihre
Kinder erst darauf aufmerksain gemacht , dafs eine grofse
am siidlicheu Himinel hiurolleiide Kugel sichtbar seg. Es
scheint, dafs die Kugel, welclie voii der scheinbaren Grbfse
des Mondes, uud roth gehrbt geweseu seyn 6011, aufangs
nur eiue geringe sudliche Zeiiithdistanz hatte, und sich dann
stark, vielleicht mit rotirender Bewegung, gegen Siidwesteu
niederaenkte. Auch liier ist die Dauer der Sichtbarkeit sehr
grok geweseii, wie die uiiheren Uinstande der Erzahluug
es wahrscheinlich machen. Eiiie Detonatiou wurde iiicht
geh6rt. In Gladbach wurde ubrigens die Nachterscheinung
Jauuar 8. 1 5 i U h r geseheii.
In der Nshe voii Wartli, nordiistlich inchrere Meilen
vou Bonn, sah eiii Waldaufsclicr 10 Minuten nach der Detonation des grofseii Meteors, iu der Friihe des 9. Jauuar,
eiue zweite Aufhelluug des Hiiiiiiiels im Nordeii, welchcr
splter ein dumpfer Uoiiner folgte. Obglcich er die erste
Erscbeinung geselieii, iiiid iiach deren Verscliwinden sich
auf einen nahen Berg begcben hatte, wo er sich frei uinsehen konnte, nanute er das zweite Auflcuchteii docli uur
einen gew6hnlichen Gewitterschlag. hlleiii da auch mituuter au anderen Orten iiur voii einem Gewittcr die Rede
ist, wo man den Glaiiz des Meteors geselien uud seine
Detonation gehbrt hatte, und aufserdeni in jeiier Nacht ciu
gewbhnliches Gewitter deu Umstsiiden nach gnnz unwahrscheiulich ist, so ist auf die Meinung des Beobachters zu
Warth kein besouderes Gewicht zu legeu. In der Umgegend von Aacheu, so wie im Kreisc Bergheim, hat mail
uiehrfach uor der Haupterscheinuug urn 3:" Morgeus wiederholt eiii Aufglaiizen des Himmels, wie Wetterleuchteu,
wahrgeuommcn. Dafs mail sich in der Nacht wohl uin eiue
Stuudc oder mehr irreu kdnuc, ist leicbt erkllrlicli; allciu
169
man .miifste bier denselbeu, nahe gleichzeitigen Irrthum fiir
personen in verscbiedenen Orten annehmen. Immer bleibt
freilich die Mtlglicbkeit dahin gestellt, daCs dennoch iu jener Nacht elektrische Entladungen vorkamen, die sich mituuter wie entferntes Wetterleuchten darstellten. Allein die
~nerkwiirdigeBeobachtung in Gladbach bezieht sich unzweifelhaft nicbt auf ein Gewitter; uud nur, um daraiif aufmerksain zii machen, d a b m8glicher Weise im Verlaufe
des 8. Januar 1850 die Erde in eine Region gekommeu
sey, in der mehrere Meteorwassell an ihr voriiberzogeu,
und dort ihr nahe, die Bediiigungeu zum Ergliihen (Verbreiinen ) vorfandeu, habe ich diem Nebenbeobachtungen
noch beizufiigen gewagt.
Sternwarte zu Bonn, den 7. Mai 1850.
M I . Ueber die Ursachen rles G h n z e s und cler Irrutlirrtion, ubgeleitet aus chromadschen F5rsuchetr
rnit clcm Sdereoskop; votz H. W D o v e .
D i e Beschreibung dessen, was man sieht, wenn man den1
rechten Auge eine anderc Farbe darbietet als dem liuken,
fallt bci verschiedenen Reobachtern sehr verschieden aus.
Eiiiige sehen abwecbselud eine Farbe nach der auderii,
einige farbige Flecke der einen neben farbigen Fleckeu der
andern, etidlich einige die aus beiden Farben entstehende
Mischuugsfarbe. Streug genommen liegt in dieser Beschreibuug das Gemeinsame, das alle zugeben, dals unter gewisseu Bedingungeu eiue Combination beider Farben mdglich sey, deuu das Nacheiuauder mufs einen Durchgangspunkt habeu, wo die abklingende Farbe eben so stark
wird als die in das Bewuttseyu tretende, das Nebeneiuaudcr mufs Stellen des Uebergangs haben, da die Flecke
iiebcii eiuander sich uicht scharf gegeu eiuaudcr abgrliuzcn.
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