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Blutspuren in der kriminalistischen Praxis.

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Zlschr. angew. Chem.
44. Jahrg. 1931. Nr. 311
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Hesselink: Blutspuren iri der krirnirialistischen Praxis
Blutspuren in der kriminalistischen Praxis.
Von Dr.
w. F. HI:SSELINK,
Arnhem (Holland).
(Einyrg. 6 . Juli 1831.)
In der Praxis des Strafrechts haben die Blutspuren
von jeher zu den allerwichtligsten Indizien gehort. Es
wird nur olt lkngst nicht so viel Nutzen daraus gezogen,
wie moglich wlre. Vielfach wird von Polizei older
Untersuchungsrichter nur die Frage gestellt, ob Menschenblut an dem zu priifencden Objekt anwesend ist, und
wenn d a m der Sachverstlndige selbst nicht geniigend erlahrerl auf diesem Gebiete ist, konnen leicht viel wichtigere Unistiinde unbeachtet blsiben. Es ist geraide der aft
eminente Wert von solchen Nebenerscheinungen, nicht
bloB bei Blutspuren, sondern auch sonst, welohen ich
daiiials, vor beinahe einem Vierteljahrhundert, wahrend
iiieiner Arbeitszeit bei Prof. P o p p besonders zu wiirdigen gelernt babe. Ich will dies in diesem Artikel an
verschiedenen Beispielen bestltigen, dabei aber auch
verschiedene andere Seiten lder Rlutuntersuchung streifen.
Beirn Nachweis des Blutes ist theoretisch der groBe
Wert der mikrospektroskopiwhen Methode sChGn liingal
beknnnt, aber nach nieinen Erfahrungen plagt nian sich
in der Praxis trotzdeni nieistens noch mit den zeitraubenden und nicht imnier geliiigenden Kristallisa t ions'
niethoden. Bei den Blutspurenuntersuchuiigen ist ein binokuliiresMikroskop unbedingt notig,uni auch die winzigsten
Blutspuren auffinden und deren Art wahrnehnien zu konnen; zur ldentifikation geniigt es, mit einer Prapariermdel ein allerwinzigstes Pnrtikelchen loszulosen und auf
P inem Oh jek tt rlger m i t einem Deckgl as d e rar t zuzudecken, dnD d a s Pnrtikelchen geklcnimt liegt und nicht
i~eggespiilt werden kann. Dann bringe ich es in dic
Spalte eines auf ein grofies Mikroskop gestellten Mikrospektroskopes und bringe ein Tropfchen einer Losung
voii Hydrazinsultat in 20%iger Kalilauge unter das Deckglaschen. Sobald die Fliissigkeit das Partikelchen erI eicht, sieht man vortrefflicli den Farbumschlag der
TIiinioclir~niogeiibildung, und wenn man d m n den Spalt
verengt und d e n Prisniensatz des Apparates vordreht,
sieht nian, besonders auch bei stiirkster Vergrofierung,
Pelir schon im Spektrum die Absorptioiisstreifen des
Hamochromogens. Von d e r richtigen 1,age des Streifens
kann man sich am besten iiberzeugen, wenn das Spektroskop fur !diegleichzeitige Wahrnehniung eiries Vergleich+
spektruins eingerichtet ist.
In
gleich
einfaoher
Weise und mit gleich winzigeni
Materialverbrauch
kann mati tiuch mit einem
Tropychen Ironz. Miwefelsliure das Spektrum des
Hamatoporphyrins in saurer
Losung darstellen. Mittels
dieser fiir Rlut charakteristischenSpelit ren kannunan
also Blut in wenigen Minuten
durchaus identifizieren.
Zur Verwentdung bei
der Prazipitinreaktion h l l t
P o p p sich doppelseitig auigezogene Rijhrchen vorrlitig
(bbb. l), welche direkt vor
dem Gebrauch bei a und b
abgeeclinitten weraden; in
diese Capillarrohrclien werd e n d a n n n a c h H a u s e r Blatlosung und Antiserum nachAhb. 1.
einanlder aufgesogen. Ich iiiiichte jedoch enipfehlen, diese
Rohrchen so zu verwendeii, daB inan sie nur bei a abschneidet; man kann dann alle bei einer Untersucliung
benotigten Rohrchen erst mit etwas Antiserum beschicken, d a s mittels Zentrifuge hinuntergesclileude1.t
wird. Bei der ganzen weiteren Untersuchung hrauclit
man sich dann iiur noch uiii die Blutlosungen nnd Vergleichsfliissigkeiten zu kiininiern, welche in i 1 eineiii
Hnarrohrchen eingefiillt werden. Die Grenzschicht ist
nieistens sehr scharf, uiid nian spart so sowohl Zeit wie
Antiserum. Lla das ausgezogene Glas alkalisch ist, ellipfiehlt es sich, die abgeschnittenen Rohrchen zuerst n i i t
Wasser gefiillt in kochendes Wasser zii stellen und dnnarh trockeii zu schleudern.
Uiii Blutlosungen herzustellen, verwende ich riiit
Vorliebe kleine Rohrchen, welche unterhalb der Mitte
etwas verjiingt sind (Abb. 1 bei c ) ; das Stiiclrchen Stoff
mit der Rlutspur wird in den oberen Teil gebracht und
dort riiit ein paar Tropfchen des Losungsiriittels befeuchtet. Wenn die Auslaugung geniigend Iange gedauert
hat, wir8d die Losung durch Zentrifugieren in den u ~ i teren Teil des Rohrchens iibergefiihrt und dieser voii
dem oberen Teil abgesclinitten; in dieser Weise erhiilt
inan leicht eine recht konzentrierte Blutlosung, welchc
nach Bedarf verdiinnt wird.
An Blutuiitersucliungeii werden iminer hohere Anforderungen gestellt. Man wird jetzt oft feststellen
miissen, ob z. B. Blutspuren auf den1 Rack eines Verdachtigten von ihm selbst herriihren konnen oder v o ~ i
dem Getrdfenen. Wenn die zwei Personen zu verschiedenen Blutgruppen gehoren, wird 1)ei frischen Blutspur en d i e F r age n i e i st e n s entsch i etd en w er de n It o ri n ell.
Abh. 2.
Die Blutgruppeneinteiluiig beruht hekanntlich auf deni
cvtl. Agglutinieren der Elutkorperchen, wenn das Blut
einer Person niit dern Blutseruni (oder Blut) einer anderen Person geiiiischt wird (s. Abb. 2, rechts dieselberi
Rlutkorperchen wie links, jedoch agglutiniert). Die Ulutkorperchen koniieri zwei Eigenschaften besitzen, A und
B, welche jede fur sich eine Agglutination bedingen
konnen; sie konnen beide geineirisam vorkommen
(Qruppe AR), jede einzeln (Grupye A oder Cfruppe B),
oder aber beide fehlen (Gruppe 0). Bei eingetrockneteni
Blut legt man je ein Partikelchen in eine geeignete Suspension von Bliitltorperclien der Gruppen A und B; man
beobachtet, ob 'aus der Blutscholle flott Serum in Losung
geht, und ob dieses Serum dann Agglutination der Blut-
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korperohen hervorruft. Wird A wohl agglutiniert und B
nicht, so gehort 'die Blutspur zur Gruppe B; werden SOwohl A wie B agglutiniert, so gehort die Blutspur nur
Gmppe 0; bleibt bei bei,den Agglutination aus, dann zur
Gruppe AB. Ebenlso wie bei der Prazimpitinreaktion
konnen auch hier bei ungeniigender Erfahrung leicht
Abb. 3.
Fehlschlusse vorkomrnen. Zudem ist der Einflui3 des
Alters i o n eingetrockneteni Blut noch nicht genugend
bekanntl),
Neuerdings sind von L a n d s t e i n e r und L e v i n e
nooh zwei neue Bluteigenschaften nachgewiesen, M und
N, welche sich gleichzeitig gemeinsam, aber auch einzeln
vorfinden konnen, die jedoch nioht beide fehlen konnen.
Sie konnen aber nur mittels eines dazu hergestellten
Antiserums nachgewiesen werden unld kommen darium
nicht fur Untersuchungen van Blutspuren, sondern nur
fur solche zur evtl. Ausschliefiung der Vaterschaft in
Betracht, wozu auch die ersterwahnte Blutgruppeneinteilung immer mehr herangezogen wird.
Von Wichtigkeit ist oft das Alter einer Blutspur;
man kann versuchen, dmuber etwas zu schliei3en aus der
Farbe und der Lbslichkeit des Blutes, aber diubei ist
groi3te Vorsicht geboten. Denn sowohl Farbe wie Loslichkeit andern sich bei geschutzter Aufbewahrung nur
sehr langsam.
Wenn leicht eerbreohliche Blutkrustohen sich noch
durchaus intakt lauf einem Anzug befinden an einer
Stelle, welche bei normalem Gebrauch regelmaflig gedruckt und geknittert wird, dann geht m. E. daraus hervor, dai3 das Kleidungsstiick nachtriiglich nicht lange
mehr getragen worden sein kann, sonst mudten die Blutkrustchen sohon mehr verpulvert gewesen sein.
Wiederholt kann man auch ganz unten a n der
Vorderseite eines Hosenbeines Blutspuren antreffen,
welche leicht loslich sind unsd trotadem noch durohaus
keine Auslaugungserscheinungen zeigen. Man kann cdann
sagen, dai3, nachdem die Blutspuren entstanden sind, die
Hosen nicht wiederholt mehr bei Regenwetter getragen
worden sind.
Wie vorsiohlig man ubrigens sein mui3, geht aus
folgenmdem Beispiel hervor. In einer Mordsache hatte das
Opfer zuerst einige Schliige auf seinen Hut ibekammen,
ohne den Hut jedoch zu verlieren; das Blut nus den Kopfwunden blieb soinit zunachst in dem Hut stehen und fing
dort an zu gerinnen. Als dann d er Oberf(a1lene in einem
anderen Stockwerk wieder Schlage bekam, fie1 d e r Hut
I) Siehe ,,Die Technik der B~utgruFpenuntersuchung'' von
Dr. F. S c h i f f , Verlag Julius Springer.
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auf d e n M e n , und das bereits geronnene Blut floe an
dem Hut entlang. Erst viele Monate spater wurden auf
d e r bald nach d e r Tat beschlagnahmten Weste des Verdachtiglen winzige Blutspuren gefunden. Zur Bestimmung des Alters wurde nun die Lasliohkeit verglichen von diesen Blutspuren und von dem Blut auf dem
Hut, wobei man zum Sohlui3 kam, dai3 die auf der Weste
Qter seien. Abb. 3 zeigt jedoch, dai3 dieser Vergleich
nicht zulassig war. Die Blutpartikelchen a und b habe
ich moglichst aneinander gleich ausgesucht, namlich a
von dern blutigen Obernieher des Opfers und b von dessen
Hut, und sie waren demnaoh gleich alt. Ich habe sie dann
gleichzeitig in ein Tropfchen Wasser getan, wovon der
Vendunstungsrand auf dem Bilde zu sehen ist, und dabei
zeigte es sich nun, dai3 sie sich in dem Wasser ganz verschieden verhielten; a blieb eine harte Masse, die nur
langsam Blutfarbstoff abgab, wahrend b wie ein
S c h mmm auseinanderging (offenbar als Folge davon,
dai3 hier Idas Blut vor dem Eintrocknen erst geronnen
war) und den Blutfarbstoff leicht abgab! An den vergrBi3erten Partikelchen in Abb. 3 sieht man den Unterschied sehr deutlich. Trotz gleichen Alters also ein ganz
verschiedenes Verhalten!
Oft wird die Frage gestellt, ob bei einem blutigen Verbrechen der Tater mit Blut bespritzt sein muB. Die Beantwortung hangt besonders von zwei Umstanden ab, namlich
erstens, ob am Tatort viele Blutspritzer vorgefunden werden,
und zweitens von der Art des gebrauchten Instruments. Ich
habe hieruber verschiedene Versuche angestellt, indem ich mit
verschiedenen Gegenstanden auf ein Stuck Filz geschlagen habe,
das ieh auf ein gewolbtes Stuck Holz festgenagelt und mit einer
Abb. 4.
roten, sirupartigen Flussigkeit getrankt hatte. Schlagt man mit
einem Hammer (Abb. 4), so spritzt sie in die vier Richtungen
senkrecht auf den Kanten der Schlagflache, also namentlich
auch in der Richtung des TLiters. Beim Schlagen rnit einem
Abb. 5.
Stab (Abb. 5) fliegen die Spritzer bloB nach rechts und links,
und kann der Tater vollstandig frei bleiben. Schlagt man rnit
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iiber seine game Lange aufjerst winzige Blutspuren aufwies; offenbar war durch das Zuriickziehen a m der
Decke da5 warme, diinnfliissige Blut gleichzeitig griindlich abgewisoht worden. Ich konnte die mutmafiliche
Abb. 6.
einer vorne umgebogenen Feile (Abb. 6), so fliegt fast die
ganze Spritzersalve geradeaus nach vorne, und man findet auf
dem Vordergrund, nach dem Tater hin, nur vereinzelte, ganz
winzige Tropfchen, welche ich auf dem Bilde, iim sie iiberhaupt sichtbar zu machen, umkringelt habe.
Wahrend also bei einem blutigen Morde mit (Binem Holzhammer der Tater durchweg stark bespritzt sein wird,
braucht bei einem blutigen Morde mit der umgebogvnen Feile
der Abb. 6 der Tater kaum Blut auf seinen Kleidern zu haben,
und hier sind drei winzige unausgelaugte Bluttropfchen unten
vorne auf einer tagtaglich getragenen Hose bereits auDerst
verdachtig!
Abb. 7.
Auf einem Messer kann man das Blut oft durchaus
ohne Materialverbrauch nachweisen, einfach indem es
gelingt, mittels Vertihlillaminator Blutkorperchen zu
finden und nu photographieren (Abb. 7). AulBerdem fand
ich in diesem Falle im Blute f'estgeklebt viele Stofffaserchen, w'elche in der kurzen Zeitspanne, w a r e n d
der d'as Blut faucht war, darangekommen sein mufiten
und demmch offenbar von dam Anzug des Getroffenen
stamamten. Bei Bachpriifung fand ich tatsachlich vollstandige Identitat.
In e i n m Mondklle fand iah auf d e n M e n des
Wafzilmmers einen Blutflecken (Albb. 8), der anfanglich recht wenig versprach. Als ioh die Stelle jadioch
abends bei 5tark streifender Belwchtung priifte, fand ich
deutliche Eindriicke von etwa 14 Absatznagelohen, welche
genau stimmten mit den Nagelchen in dem ebenfalls in
Abb. 8 reprodwierten Absatz des Verdachtigten! Beim
diff usen Tageslicht waren diese Eindriicke durchaus unsichthr !
Zum Schlufj ein Fall, in dlem ein Backer neben
seiner Frau schlafend naohts erstoahen wurde, durch eine
rotweifje R7011ene Decke hindurch. In dem Koffer des
Gesellen wurde ein grofjes Brotm'esser gefimden, das
Abb. 8.
Tiefe der Wunde feststellen (etwa 15 cm),was sich bei
Nachrechnung als richtig herausstellte. Das Eigenartige
war nun hier nicht nur, daD ich rote und weii3e Paserchen auf dem Messer fand, sondern besonders, &if3 die
Blutspuren streifenartig waren, und dafj diese Streifen
parallel an dem Riicken des Messers verliefen, auch wo
sie sich neben der haarscharten Schneide befanden. k s
mufite einen bestimmten Grund haben, und zmar offenbar folgenden: Wenn man mit einem Messer sticht, halt
man den Riicken des Messers iiaturgeinafj von sioh abgewendet. Macht nun jemand 50 eine aufwartige, zuriickziehende Bewegung, dann bewegt sich, wie man bei
einem Versuch sofort sieht, die Klinge von der Person
weg. Diese sekundare Bewegung nun wird beim Zuriickziehen aus einer Decke unmoglich gemacht, weil der
Riicken zu stumpf ist, um in die Decke weiter eindringen
zu k8nnen; der Riicken streift also an der Decke enhlmg
und bestimmt so den Weg des Messers und demiiach
auoh die Richtung der Streifen. Das Parallelsein der
Streifen an dem Riicken konnte darum hier als eiii
schwerwiegendes Indizium gelten.
Einen auaerst wertvollen stummen Zeugen fand ich
ubrigens in diesem Falle noch auf dem Messer, dort,
wo das Eisen in den Holzgriff eingeklemmt war. DoFt
Abb. 9.
war der Spritzweg abgezeiohnet (Abb. 9) eines winzigen
Blvttropfchens von kaum 0,l mm, das aus der Wunde
durch das Loch in der Decke hindurch seinen Weg hierher gefunden hatte. Es ist merkwiirdig, wie sich a d dem
rauhen Eisen die Geschwindigkeit der Bewegung und
demnauh die Kraft des Spritzens abgezeichnet hat!
Bei Blutuntersuchungen ist also der eigentliche Blutnachweis oft (bei weitem nicht so wichtig wie die Aufklarung von Nebenumstand'en.
[A. 119.1
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