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Brennende Wirtschaftsfragen.

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Zeitschrifbfitr angewandte Chemie
Auf'satzteil
Band I, S. 9-16
Brennende Wirtschaftsfragen.
Von Direktor CARL HARTUNC..
Vortrag, gehalten in der Sitzung des Markischen Bezirks-Vereins
vom 16. Derember 1919.
81s ich es auf Wunsch Ihres Vorstandes bereits vor einigen
Monaten ubernahm, vor Ihnen einen Vortrag uber wirtschaftliche
Fragen zu halten, war ich mir des Wagnisses, das gerade heute in
diesem Thema liegt, wohl bewuBt. Nichts ist jetzt so sehr im FluR,
wie unser wirtschaftliches Leben, und wenn es auch schlieBlich
iiberall, wo man es anpackt, interessant ist, so kann ich mich in
Ihrem sachkundigen Kreise doch nur mit Fragen beschkftigen, die
wirklich b r e n n e n d sind. Das hinter uns Liegende und ebenso
Wiederholungen schmecken hier abgestanden. Nach Ben Akiba ist
zwar alles schon dagewesen, aber ich will versuchen, doch mindestens
von eigenartigen Gesichtspunkten auszugehen. Zeitige und sorgfaltige Vorbereitung ist bei einem solchen aktuellen Thema daher
unmoglich, selbst wenn man die MuBe dazu hat. Ich mu6 Sie deshalb
bitten, mit meinen heutigen Ausfuhrungen Nachsicht zu haben
und an dieselben nicht die hohen Anforderungen zu stellen, wie solche
bei Ihren rein wissenschaftlichen Vortriigen berechtigt und gerechtfcrtigt sein mogen.
Die Wirtschaftssorgen brennen.
Wie Ironie und Galgenhumor mutet uns dieses Wortspiel an in
einer Zeit, in der wir doch alle unter dem groBten Brennstoffmangel
leiden, von dem die meisten glauben, daB er so recht die eigentliche
Ursache alles obels sei. DaB der letzte Grund unserer Not noch
tiefer liegt, als die~tiefin der Erde vergrabeneri Kohlenschatze, hoffc
ich Ihnen jedoch zeigen zu konnen.
Trotzdem will ich mich zunachst schon deswegen dieser grol3en
und im Augenblick wohl druckendsten Wirtschaftssorge znwenden,
weil ich hier als Feuerungstechniker glaube, auch vor Ihren fachwissenschaftlichen Kenntnissen am besten bestehen zu konnen.
Mit Statistik und t,rockenen Zahlen will ich Sie nicht langweilen.
- DaB uns nur ein Bruchteil von den benotigten Brennstoffen zur
Verfiigung steht, und daD sich hierin auch sobald nichts Wesentliches
zu unseren Gunsten iindern wird, steht fest. Ein Teil unserer bisherigen Produktionsgebiete ist uns verloren gegangen. Der Friedensvertrag zwingt uns zur Abgabe an unsere Feinde. Die Forderung ist
schon in den letzten Kriegsjahren - katastrophal aber nach Ausbruch der Revolution zuruckgegangen, und eine Besserleistung
macht sich hier nur mit sehr schwachen Ansatzen bemerkbar.
Unsere B e h o r d e n tun, was sie konnen. Sie bemiihen sich um
Verbrauchsregefungen, d. h. sie erlassen Verbote und e i n s c h r a 11 k e n d e Verfugungen, daruber hinaus geben sie gntgemeinte Ratschllge,,die aber leider meist praktisch undurchfuhrbar sind.
Zu cliesem Programm padt trefflich die von Staats wegen allerdings unter dem Druck der seit langem irregeleiteten Massen verfugte A b s c h a f f u n g d e s A k k o r d e s o d e r G e d i n g e s,
wie es bergmannisch heiBt und die Einschraiikung der Arbeitszeit,
in welcher Bewegung unsere Bergleute bekanntlicb an der Spitze
stehen. - Die Folge dieser revolutionaren Errungenschaften und der
von Monat zu Monat steigenden Lohne ist n a t ~ l i c hder imnier weiter
in die Hohe schnellende Preis dieses wichtigen Grundfitoffesfur unsere
gesamte Industrie.
Etwas Gutes hat aber auch diese verhiingnisvolle Entwicklung. -Soweit es der Warenhunger nach den 5 Kriegsjahren zulaBt, wird
diese Rohstoffverteuerung zweifallos am besten fiir sparsamste Verwendung und Ausnutzung und fur starkste Bedarfseinschrankung
sorgen. Die Not wird uns in die Schule nehmen. Wir werden bis jetzt
gering Geachtetes schatzeri lernen und den Weg zur sorgfiiltigsten
Bewirtschaftung zuriickfinden, den manche in der guten alten Zeit
verloren hatten. Diese industrielle Abhartung wird unsere Wirtschaft, wenn auch manches schwache Glied dabei abstirbt, am
letzten Ende widerstandsfahiger machen. Spateren St,iirmenauf dem
Weltmarkt werden wir um so eher gewachsen sein.
Augew. Cham. 1m. Aufeatzteil (Band I) zu Nr. 4.
13. Januar 1920
Was kann nun zur Linderung der Kohlennot
g e s c h e h e n und w e l c h e A u s s i c h t e n h a b e n s o l c h c
Best rebungen?
Erfreulicherweise haben lebhafte Bemuhungen sowohl seitens
groaer industrieller und fachwissenschaftlicher Verbiinde als auch
zahlloser interessierter Einzelfirmen und auch der eigens hierzu
gegriindeten behordlichen Amter und gemeinnutzigen Vereine zur
sparsanien Bewirtschaftung unserer Brennstoffe eingesetzt. Alte,
oft wiederholte Forderungeri erfahrener Feuerungstechniker kommen
jetzt zu Ehren und werden haufig in neuem Gewande der staunenden
Mitwelt vorgefuhrt und angepriesen. Dabei dad man allerdings nicht
ubersehen, daB friiher manche Anschaffung und gar manche einschneidende h d e r u n g unrentabel erschien und unterbleiben muBte,
die heute bei den giinzlich veriinderten Geld- und Wirtschaftsverhaltnissen eine Selbstverstiindlichkeit ist. Es ist daher auch nicht
zulassig, au2 manchen Unterlassungen Schliisse auf grobe Verfehlungen in der Ausnutzung unserer Brennstoffe zu ziehen und damit
ein Eingreifen der Obrigkeit zu begriinden. Mir erscheint es ganz
unzweckmalig, durch behordlichen Zwang eine sparsamere Bewirtschaftung herbeifuhren zu wollen. Was beim Wettkampf in der
freien Wirtschaft nicht .erzielt wird, schafft schon lange keine Vorschrift, deren Befolgung zu erewingen meist auBer jedem Bereich
einer Moglichkeit liegt. Weder in einem gut noch in einem schlecht
geleiteten Betrieb niitzt sie etwas, in beiden aber wirkt sie veriirgernd und meist nur hemmend.
Da es heute darauf ankommt, mit einem Minimum an Kohlen
den Betrieb aufrecht zu erhalten, SO fallen Rucksichten als nicht beachtenswert weg, die fruher vielleicht von unuberwindlicherBedeutung
gewesen waren. Aber letzten Endes ist immer noch die Rentabilitiit
des Gesamtbetriebes ausschlaggebend, und wer sich einer einschneidenden Unistellung zuwenden mu& der sollte stets nur unter Heranziehung eines alle warmetechnischen Fragen uberblickenden Fachmannes seine Entscheidung treffen. Gar vielerlei Gesichtspunkte
sind hier zu beachten und nur einige von allgemeiner Bedeutung
lassen sich in einem kurzen Vortrag andeuten.
Es ist Ihnen ja bekannt, daB bei der Umsetzung der in unseren
Brennstoffen enthaltenen Energie in lebendige &aft zumeist groBe
Warmeniengen ungeiiiitet verloren gehen, und gerade in der chemischen Industrie ist vor dem Kriege vieles unterblieben, was a m auch
die Allgemeinheit angehenden volkswirtschaftlichen Griinden heute
unbedingt nachgeholt werden muB. Die chemische Industrie hat
nitmlich neben einem erheblichen Brennstoffbedarf zur Erzeugung
von Kraft zumeist eiiien noch vie1 grooeren W&rmeverbrauch zu
Heizzweclren. Uberall, wo die Verhaltnisse so liegen, und iiberall,
wo der Kochdnmpfverbrauch starke Bruchteile vom Dampfverbrauch
fiir Kraftzwecke bildet,, ist eine auUerordentlich wirtschaftliche
Krafterzeugung mijglich. Das f i i die Krafterzeugung notwendige
Wiirme- oder Druckgefalle wird in solchen Fallen der Ausnutzung
fiir Heizzwecke vorangeschaltet. Die Brennstoffkosten fiir die Krafterzeugung konnen hier bis auf ein Fiinftel gegenuber der Kraftcrzeugung in Dampfmaschinen mit Kondensation sinken.
Neuanlagen sollte man daher grundsiitzlich von vornherein so
einrichten oder einzelne Betriebe so miteinander kombinieren und
ortlich disponieren, daR diese wirtschaftlichste Form der %aft,erzeugung erreicht wird. Bei vorhandenen Anlagen spielen die Umbaukosten und Betriebsaiiderungen oft eine sehr erschwerende Rolle.
Betriebsleiter von Kochanlagen halten oft an hoheren, ungunstig
wirkenden Dampfspannangen fiir ihre Apparate fest und wollen sich
durch nichts von ihrer vorgefaBten Meinung abbringen lassen. Ein
uber Nacht gegen ein falsch zeigendes ausgewechseltes Manometer
hat da oft wunderbare Dienste get.an.
In der Bierbrauerei spielte die Feuerkochung lange eine die wiirmetechnische Entwicklung hemmende Rolle. Daa Bier sollte buchstablich
durch sie feuriger im Geschmack werden. Beim Pilsener Urquell hiilt
man noch an diesem Aberglauben fest. Aber auch hier .werden die
heutigen Verhaltnisse Fortschrit,te .emwingen, die man fruher fur
pndenkbar hielt.
2
In anderen Industrien ist der Heizdampfbedarf ebenfalls hiiufig
vie1 groOer, als man fur gewohnlich annimmt, und durch sachgemiibe Anwendung von Dampfmaschinen und Turbinen mit Einrichtungen zur Entnahme von Ab- oder Zwischendampf in Verbindung mit Fernheizanlagen lassen sich sicherlich sehr erhebliche
Kohlenersparnisse erzielen.
Sehr aussichtsreich fiir unsere Wirtschaft diirfte auch die,immer
mehr zunehmende Vergasung, d. h. die Abkehr von der unmittelbaren Verfeuerung unserer Brennstoffe werden. Die Gaserzeugung
rnit oder ohne Urteergewinnung nimmt von Tag zu Tag an Bedeutung
zu, und auf dem ganzen Gebiet herrscht schon jetzt eine fieberha,fte
Tatigkeit, die verstindlich erscheint, wenn man bedenkt, daB eine
Ersparnis von 12 Mill. t Steinkohle jahrlich errechnet worden ist
fiir den Fall, dab die gesamten heute unmittelbar verfeuerten Kohlenmengen vergast wiirden. Es sei hier erwiihnt, daD man auch durch
den Ausbau unserer Wasserkrifte. jahrlich 10 Mill. t Steinkohle
glaubt freimachen zu konnen. Ich kann mich fiir die hier genannten
Zitfern personlich nicht einsetzen. Jedenfalls ist aber zu beachten,
daB solche einschneidenden Umstellungen und solche groBen Ausbauten ganz gewaltige Mittel beanspruchen und erst im Laufe vieler
Jahre nach und nach durchgefiihrt werden konnen. Wer aber wie man das vielfach auch von leitenden Politikern hort - glaubt,
daB groDe Erfindungen uns von heute auf morgen aus aller Not befreien konnten, gleichf,' dem Spieler, der sein Heil in der Lotterie
i
sucht.
Fur den Augenblick kommt es danach in erster Linie darauf an,
alle diejenigen MaBnahmen zu treffen, die einer Vergeudung von
Wlirme bei mangelhaft eingerichteten oder schlecht gewart,eten
Feuerungen vorbeugen. Keine groOere Anlage sollte ohne die heute
in zuverlassig arbeitenden Konstmktionen erhaltlichen Kontrollund MeBinstrumente bleiben. Es liegt in der menschlichen Natur,
daB ein unbeaufsichtigter Betrieb stets mit Verlusten arbeitet, die
vermeidbar sind. In sehr vielen Betrieben sind die Feuerungs- und
warmetechnischen Anlagen bis heute noch ein Stiefkind geblieben.
Die Ursache ist, da8 inan sie d s Nebenbetriebe behandelt hat, und,
trotzdem man selbst nicht geniigend fachkundig war, Sachverstandigc
fiir sie - aus falsch angewandter Sparsambeit!-nicht herangezogen
hat. Deshalb ist es auch kein Wunder, daB gerade auf dem Gebiet
der Feuerungstechnik bis in die letzten Jahre sehr nierkwiirdige
Verhiiltnisse vorlagen. Es gab da Fabrikanten, die mit groOer Reklame ihre Spezialfeuerung anpriesen und meist, ohne die Snlage,
die sie verbessern wollten, iiberhaupt gesehen zu haben, eine Ersparnis an Brennstoffen von l0-20% garantierten. Tatsiichlich
wiesen sie auch haufig durch vergleichende Verdampfungsversuche
nach, daB es ihnen gelungen war, ihr Versprechen zu erfiilleri.
Oft genug wiederholte sich nach wenigen Jahren in derselben Anlage
ein solcher Fall init dem gleichen Erfolg, d. h. die Anlage war inzwischen wieder im Nutzeffekt durch Verwendung ungeeigneter
Brennstoffe oder fehlerhafter Bedienung so heruntergekommen, daD
dieses Spiel von neuem moglich war.
Ein bekannter Fabrikant hat mir einmal in der Bierlaune erziihlt,
ditB er eines Tages bei solcher Reorganisation einer Dampfkesselfeuerung auf eine Rauchverbrennung seines eigenen Systems stieB,
die etwa 6 Jahre friiher ein Wiederverkaufer unter anderer Bezeichnung eingebaut hatte. Natiirlich wurden trotzdem die garantierten
Ersparnisse erzielt, und der Besteller stellte ein gliinzendes Zeugnis aus.
Eine sorgf&ltige Betriebskontrolle durch Dampf- und Wassermesser, Kohlenwagen nnd selbsttiitige Rauchgasuntersucher, welche
die Aufmachung einer Warmebilanz und die fortlaufende Feststeltung
des Nutzeffektes, mit dem die Anlage arbeitet, ermoglichen, fehlen
natiirlich in solchen Betrieben.
Andererseits ist es verstiindlich, dafl sich nur diejenigen Fabriken
diese vollkommene Kontrolle leisten konnen, deren Wiirmeumsatz
eine gewisse GroBe erreicht. Kleinere Verbraucher schlieBen sich
daher zweckmiiBig so zusammen, daB sich ihre Betriebe wirtschaftlich
im Sinne meiner friiheren Ausfiibrungen ergiinzen, und daB die erforderliche Warme und Kraft in einer gemeinschaftlichen groBeren
Zentrale erzeugt wird, oder, wo das nicht angiingig ist, beziehen sie
ihren Energiebedarf von einem Fernkraftwerk. GroDere Verbraucher
aber miissen ihre Betriebe entsprechend ausgestalten, wenn sie heute
mit den erreichbaren Brennstoffmengen auskornmen und wenn sie
morgen konkurrenzflihig bleiben wollen.
Der Hansbrand kann bei unseren Betrachtungen unberiicksichtigt bleiben. So wichtig fur den Einzelnen hier ebenfalls Ersparnisse sein konsen, fiir das groBe Ganze fallen sie weniger ins Gewicht,
da der Anteil am Gesamtverbrauch zu geringfiigig ist.
,
Alle diese Mittel aber zur Behebung unserer Kohlennot verblassen
gegeniiber der einzig moglichen schnellen Abhilfe :
der Steigerung unserer Forderung durch Heraufsetzung der Arbeitszeit unserer Bergleute
u n d W ie d e r e i n f ii h r u n g d e s G e d i n g e s.
Die VergroBerung von Belegschaften, die man so weit wie moglicll
versucht hat, kann eine baldige Besserung nicht bringen, da den1
technische Schwierigkeiten entgegenstehen. Hier liegt aber auch,
wie schon eingangs erwiihnt, die e i g e n t 1i c h e U r s a c h e unserer
Brennstoffnot und die Ursache unseres wirtschaftlichen Stillstandes
und Verfalles uberhaupt,. Denn wie auf dem Gebiet der Kohlenforderung, so ist es anch bei demjenigen unserer Erze, unserer Salze, untl
dasselbe.Bild zeigt sich in unseren Werkstatten und Pabriken. aberall hat man die Arbeitszeit ohne Riicksicht auf die Bediirfnissr
der Wirtschaft herabgesetzt und drlingt nach weiterer Verkiirzung,
wobei man noch iiberdies durch Verlassen des Akkordsystems nicht
nur die Arbeitszeit, sondern auch die Arbeitsleistungen ganz erheblich
verringerte. Nicht die Theorien eines &I a r x , sondern die praktischr
Ausmiinzung im volkstiinilichen Sinne durch seine Nachfolger
tragen hier ihre Friichte und fiihren unsere industrielle Entwicklung
an den Rand des Verderbens.
B e b e 1 in seinem Buch ,,Die Frau" hat a h Kernstuck seiner
VerheiDungen den Arbeitern in Aussicht gestellt, daB jeder in
2-3 Stunden am Tage so Vie1 schaffen konne, um herrlich und
in heuden zu leben, und es sind derartige Versprechnngen, die
immer wieder die groljen Massen unserer Arbeiterschaft blenden,
irrefuhren und fanatisieren. Nur diese Ideen, die ja heute von
den Mehrheitssozialisten zu den Unabhiingigen hiniibergewandert,
sind, und von denen ubermorgen nur noch die Kommunisteu
leben werden, halten Zahllose bei der Fahne der Sozialisierung,
deren Widersinnigkeit sie in anderen Punkten sehr wohl erkennen.
Haben doch bei den kiirzlichen Verhandlungen, die zur Regelung
der Schichtdauer stattfanden, die Bergarbeiter wiederum trotz aller
Mahnungen - auch aus sozialistischem Lager - erklart, an der
sechsstiinhgen Arbeitszeit festhalten zu miissen nnd darauf hingewiesen, dafl ihres Erachtens unsere wirtschaftliche Lage keineswegx
einer weiteren Verkiirzung entgegenstande. Solange diese .verh&ngnisvolle Verblendung andauert, ist nicht nur kein Wiederaufbau unserer
Volkswirtschaft und damit eine Verbesserung unserer Lebenshaltunp
moglich, sondern wir miissen uns im Gegenteil auf ihre weitere Verschlechterung, ja schlieBlich auf den Zusammenbruch unserer Industrie gefaBt machen. Diese Entwicklung erhiilt ihren scharfsten
Ausdruck in
der f o r t sc h r e i t e n d e n E n t we r t u n g u n s e r er Zahl u n g s m i t t e l , d e r von T a g zu Tag s i n k e n d e n
d e u t s c h e n V a l u t a , d e r b r e n n e n d s t e n S o r g e uns e r e s W i r t s c h a f t s 1e b ens.
Soviel auch iiber Wahrung und Valut,a in den letzten Wochen
und Monaten geschrieben und'gesproohen worden ist, so diirfte es
doch notwendig sein, um die Znsammenhange klar zu erkennen,
in knappem UmriB auf diese Begriffe und die sich dabei ergebenden
Fragen einzugehen.
Gemeinhin versteht man unter ,,Valuta" das Verhiiltnis unserer
Wahrung zu irgendeiner anderen auslandischen oder den Preis,
den wir fiir eine fremde Geldeinheit in Mark anlegen miissen. Solange wir die Golddeckung, d. h. die Verpflichtung unserer ReichEbank, die vorgelegten Reichsbanknoten jederzeit gegen Goldmiinzen
einzuwechseln, aufrecht erhielten, ergaben sich gegeniiber Landern,
die ebenfalls an der Goldwahrung festhielten, nur geringfiigigc
Kursschwankungen.
Nach Storung dieser stabilen Verhiiltnisse durch den Kriegsausbruch aber ist der Stand unserer Mark wie der F'reis jeder anderen
Ware unerbittlich abhilngig geworden voa Angebot und Nachfrage.
Diese werden hauptslichlich bedingt von der Warenein- und -&usfuhr. oberwiegt erstere erheblich, so mu0 das Angebot in unseren
Zahlungsmitteln ein immer groaeres werden und die Valuta sich
immer mehr verschlechtern.
Angebot m d Nachfrage in unseren Zahlungsmitteln werden aber
nicht ausschlieBlich von der Ein- und Ausfuhr bestimmt, sondern
daneben konnen auch andere Faktoren einen sehr wesentlichen EinfluB gewinnen, und gerade in der heutigen Zeit ist dies zweifellos
der Fall.
Zmtichst liegt auf der Hand, daB Ausliinder, die sich im Wande
aufhalten und ,dort mehr oder weniger groBe Aufwendungen und
Ankaufe machen, nur giinstig auf den Stand unserer Wiihrung einwirken konnen, da sie ja zur Befriedigung ihrer Bediirfnisse Mark-
noten gegen Zahlungsmittel ihrer WSihrung eintauschen miissen.
Das Umgekehrte ist der Fall bei Deutschen, die ins Ausland reisen.
Ferner wirken Unternehmungen giinstig, die im Ausland Geld verdienen und es nach Deutschland hereinbringen, wie Schiffahrtsgesellschaften, koloniale Unternehmungen und ahnliche. Auch vom
Ausland zuriickwandernde vermiigende Deutsche, welche das erworbene Gut mitbringen, stiitzen unsere Zahlungsmittel.
Aber alles dieses tritt zweifellos heute an Bedeutung weit zuriick
geghiiber der 'Kapitalflucht, die durch die meines Erachtens hier
vollig verfehlte Steuerplitik unserer Regierung immer mehr gesteigert wird. Die Menschen und' die wirtschaftlichen Verhaltnisse
i n d nun einnial nicht so und werden niemals so werden, wie sie sich
sozidistische Schwiirmer denken, und daher nimmt, das Streben,
sich Auslandguthaben zu verschaffen, immer mehr zu. Gegen
diesen Druck, der von vielen als Selbsterhaltungst.rieb angesprochen
und verteidigt wird, ist es geradezu kindlich, mit Gesetzen und Strafbestimmungen ankiimpfen zu wollen. Man erreicht da genau soviel
wie mit all den torichten Forderungen und Bestimmungen unserer
Zwangswirtschaft in der Kriegszeit. - Wem haben Hochstpreise
etwas geiiut*t#,wenn nicht dem Schleichhiindler, und wen hat man
mit all den Pa& und Grenzschwierigkeiten gequiilt und teilweise
ganz unnotig schikaniert : doch nur den anstandigen Reisenden und
niemals den Spion, der allen grenzpolizeilichen MaBnahmen stets mit
neuen Tricks um einige Meilen voraus wari So auch hier wieder.
Man konnte wohl Gesetze erlassen, die das anstandige Geschilftsleben noch niehr erschweren und einengen, als das heute schon durch
t.ausenderlei Vorschriften, Betriebs- und Wirtschaftsrilte, Rohstoffmangel, Verkehrsnot und dergleichen mehr geschieht. Und man
wiirde doch nur erreichen, da,B die GeschLfte der Schieber um so
inehr einporbliihen und die gesunde Wirtschaft vollig iiberwuchern.
Kann man es schlieBlich einem Kaufmann verdenken, wenn er bei
dem Verkauf seiner Ware ins Ausland von dem Erlos soviel, wie er
entbehren kaiin, bei dortigen Banken stehen laDt ? Ganz abgesehen
voq Wirt#schafts-und Steuerexperimenten, gegen die er sich dadurch
bis zu einem gewissen Grade glaubt sohiitzen zu konnen, erhalt er
sich doch wenigstens sein Gnthaben in der ausliindischen Wahrung,
wghrend es ihni bei der Ubwfiihrung in Mark zerschmilzt wie But8ter
an der Sonne.
Wer eine Vorstellung davon hat, wie unendlich vielgestaltig
die Formen unseres wirtschaftlichen Lebens sind, dem braucht man
iiioht niiher darzulegen, auf wie vielen Kanalen und Wegen uncl dabei
auf welch absonderlichen, oft grotesken h e u t ~unserer Wirtschaft
das notwendige Blut entstromt, die Kapitalien, die ulisere Betriebe
befruchten sollen, ins Ausland abwandern. Schon die Ankiindigung
der sozialistischen Experimente, schon das scheinbare Festhalten
unserer Regierung an diesen und iihnlichen wirtschaftspolit,ischen
Bestrebungen im Zusammenhang mit den gleich gerichteten, steuerpolitischen Pliinen unseres Reichsfinanzministers haben geniigt,
uin dieser Bewegung eine Beschleunigung zu geben, die Sie 'an dem
Sinken und Stiirqen unserer Valuta am besten erkennen konnen. Denn auch dariiber besteht wohl kein Zweifel, daB unsere wirtschaftlichen Verhiiltnisse und unser Kredit im Ausland den bereits
erreichten Tiefstand unserer Markwiihrung in keiner Weise auch nur
entfernt! rechtfertigen. Ein noch so groBer Fehlbetrag unserer
Zahlungsbilanz wiirde allein dieses katastrophale Absinken niemals
herbeigefiihrt haben konnen. Denn das Ausland weiB so gut wie wir,
daD wir fiir unser Geld hauptsachiich Rohstoffe einhandeh, also
um den Fehlbetrag zweifellos an Wert und Sicherheit fur unsere
Glaubiger gewinnen, wobei allerdings eine Voraussetzung gemacht
werden muB, niimlich, daB wir im Innern unserer Wirtschaft mehr
oder zum mindesten ebensoviel erarbeiten d s wir aufzehren.
Und damit komme ich zuriick zu dem anderen bosesten wunden
Punkte unseres wirtschaftlichen Verfalles und am letzten Ende zu
dem Kernpunkt ,der ganzen Valutafrage:
Wenn wir die Arbeitszeit verringern, - ob einzelne Menschen
aus den verschiedensten Griinden wenig oder gar nicht arbeiten,
spielt fiir die Gesamtheit keine Rolle, - so stellen wir zweifellos
weniger Giiter (Nahrungsmittel, Gebrauchsgegenstiinde aller Art
usw.) her, wenn nicht gleichzeitig mit der Arbeibverkiirzung eine
gleichwertige Verbesserung der Arbeitsleistung einhergeht. DaB
dies aber nur beim Betrieb mit geeigneten Spezialmaschinen und nur
unter sehr langsamer Anpassung, dabei lediglich bis zu einem gewissen Grade erreicht werden kann, brauche ich Ihnen nicht klarzulegen. Die Herabsetzung der Arbeitszeit ohne vollstandigen Ausgleich durch Mehrleistung bedeutet also nicht nur eine geringere
Erzeugung, sondern auch eine Verteuerung der Erzeugung, sdbst
wenn dieselben L o b e wie friiher bezahlt wiirden, Nun kornmt a,ber
hinzu, daB unsere Arbeiterschaft bei dcr kiirxeren Arbeitszeit auch
noch wesentlich hohere Entlohnung gegeniiber friiher verlangt.,
was wiederum zu einer weiteren Preissteigerung der erzeugten
Waren fiihren muB. Diese Fabrikate aber sind, soweit sie nicht
fur den Verbrauch im Inland bestimmt sind und schon dadurch
die Lebenshaltung in gleichem MaBe verteuern, erforderlich, um
durch ihren Absatz im Ausland die notwendigen Gegenwerte fiir die
erforderliche Einfuhr zu bescliaffen. Ihr Verkauf zu den gestiegenen
Preisen gegeniiber der Preisgestaltung auf dem Weltmarkt ist aber
nur moglkh, wenn das Herabsinken unserer Valuta fur einen Ausgleich sorgt. E s e r g i b t s i c h a l s o d e r z w i n g e n d e
S c h l u B , d a B d e r S t a n d u n s e r e r W i i h r u n g -solange wir nicht zur Goldwahrung zuriickkehren konnen und letzten Endes auch dann - e i n e F u n k t i o n u n s e r e r E r z e u g u n g s k o s t e n sein muB, s e l b s t w e n n m a n a l l e
a n d e r e n u n g i i n s t i g e n E i n f l i i s s e a u s s c h a l t e t . Das
Wort ,,Funktion" ist hier im mathematischen Sinne gebraucht,
und man kann den vorstehenden Satz mit anderen Worten auch
folgendermaaen ausdrucken :
Das P r o d u k t a u s E r z e u g u n g s k o s t e n u n d d e m
Stand dcr Valuta ergibt eine GroBe, die sich
g l e i c h b l e i b e n muD, u n d a u f d i e a n d e r e E i n f l i i s s e
n u r wie e i n weitterer F a k t o r e i n w i r k e n konnen.
D i e s e r f u n d a n i e n t , a l ew i r t s c h a f t l i c h e S a t z g i l t
auch ganz allgemein fur d a s Verhaltnis aIler
Z a h l u n g s m i t t e l - a u c h d c r Goldm-iinzen - zu
d e r Menge und Qualitiit von W a r e n , die m a n d a f ii r e r h ii 1 t.. Das heillt aber nichts anderes, als: s t e i g e n d e
L o h n e u n d v e r k i i r z t e A r b e i t s z e i t , s o w e i t s i e in]
gleichen Sinne wirkt, verursachen ganz zwanglilufig e i n S i n k e n d e r Kaufkra.ft j e d e r A r t von
Geld. U n d a1s w e i t e r e e i n w a n d f r e i e F o l g e r u n g
e r g i b t sich, daB d i e A r b e i t e r s c h a f t a l s G e s a m t h e i t , wie sie h e u t e i n uiiseren O r g a n i s a t i o n e n
zusammengefaBtist,undwie sie nach demsoziaI i s t i s c h e n P r i n z i p , eiiter f u r alle, v e r s u c h t , ihre
L a g e zu v e r b e s s e r n , d u r c h L o h n e r h o h u n g e n dies
Prinzip niemals erreichen kann, und daB Verk ii r z u n g d e r A r b e i t s z e i t - s o w e i t s i e n i c h t d u r c h
V e r b e s s e r u n g d e r A r b e i t s ni e t h o d e w e t t g e m a c h t
werden konnen - iinmer zu Biner V e r s c h l e c h t e r u n g d e r g e s a m t e n L e b e n s h a l t u n g f i i h r e n miissen.
Unsere Wirtschaft im ganzen genonimen liiBt sich am letzten
Ende in ihren Urgriinden mit dem Leben eines Robinson auf einer
einsamen Iiisel vergleichen. Jede Stunde unterlassener Arbeit mu13
einen Ausfall, sei es an Lebensnotwendigkeiten, wie Nahrung, Kleidung, Erwiirniuig usw. oder an Lebensannehmlichkeiten und Geniissen -reichlicherer Erniihrung, Kunst - zur Folge haben. Selbstverstindlich darf inan nicht iibersehen, daB hier immer Arbeitszeit
gleich gesamte Arbeit,sleistung gesetzt ist, und daB der EinfluD detc
groBen Organisators, des geiiialen Geschiiftsfiihrers ebensoviel bedentcn knmi wie derjenige dea Erfinders, der Neues schafft. Beiden
verdankt die Nenschheit AuBerordentliches, und ihre schopferischen
Leistungen werden trotz vereinzclter grol3er Gewinne zumeist nicht
entfernt ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entsprechend entlohnt. Aber so groB dieser EinfluB auch yein mag, und so hoch ich ihn selbst
einschatze, so kann doch gar keine Rede davon sein, daB wir selbst
durch die einschneidendsten Organisationsiiiiderungen oder groaten
Erfindungen an unsereni Wirtschaftsbetrieb von heute auf niorgen
Ersparnisse erzielen konnen, - von denen heute leider nicht nur
Utopisten trlumen, - die auch-nur einer halbstiindigen Arbeitszeitverkiirzung bei der Gesamtheit unserer Arbeiterschaft gleichkommen.
Ganz abgesehen davon, daB uns ja eigentlich Erfindungen und weitschauende kaufmannische Dispositionen in unserer Lebenshaltung
verbessern und nicht lediglich und zunachst dazu dienen sollen,
die miiBigen Stunden am Tage zu vermehren.
Heute aber, wo wir uns in einer wirt.schaftlichenNotlage sondergleichen befinden, miiBte es fiir jeden eine Selbstversttindlichkeit sein,
jede Stunde bis an die Grenze seiner Leistungsfiihigkeit dem Wiederaufbau unseres Wirtschaftslebens zu widmen. Nur dann la5t sich
ein Stillstand in der Verschlechterung unserer Valuta und eine langsame Besserung unserer Lebenshaltung herbeifiihren.
Sdbstverstindlich aber kann dieser GesundungsprozeD infolge
der iibergroBen Schuldenlast, die wir zu tragen, und der unglaublicheri
Verbmdlichkeiten, die wir zu erfiillen haben, nur sehr langsam vor
sich gehen. Der Herr Unterst)aatsPRkret&r
im Reichsfinanzministerium
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Hartung: Brennende Wirtschaftsfragen
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Zeitschrift fur
angewandte Chemie
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troffen. Das ist unverkennbar. Andererseite aber miissen sie sich
doch eingest.ehen, daS heute ihr Besitz tatslchlich nur mehr ein
eingebildeter ist und daB, wenn die Herabsetzung der Wahrungen
nur teilweise der Verschlechterung unserer Valuta entspricht, sie
an und fiir sich einen Gewinn gegeniiber dem augenblicklichen Stand
ibrer Werte erzielen. In Wirklichkeit verlieren sie also nur die Hoffnung auf eine vollstiindige Erholung, mit der sie ernstlich gar nicht
mehr rechnen konnen.
Aber selbst dieser Verlust ist durchaus nicht endgiiltig, denn wie
bei einer zusammengelegten Aktie durch Ansteigen des Kurses iiber
pari die erlittene Entwertung wieder gutgemacht werden kann,
so wird zweifellos die Gesundung umerer Finanzen auf den Weltmarkt zuriickwirken und dort zu einer allgemeinen Steigerung der
Kaufkraft des Geldes fiihren, die dem Inhaber fester Renten zugute
kommen muB.
Andererseits aber wiirden zweifellos augenblicklich alle diejenigen
durch eine Wahrungsherabsetzung nicht getroffen und deshalb aulerordentlich begiinstigt, die iiber Besitztitel verfiigen, deren Wert in
sich selbst liegt oder die von der sinkenden Kaufkraft unseres Geldes
nicht benachteiligt werden, wie Ware, Grundstiicke, Fabriken,
Dividendenpapiere, ausllindische Guthaben usw. Hier ware es Auf gabe des Staates, durch eine ausgleichende Besteuerung Harten zu
rnildern.
Eine solche Sanierung unserer Finanzen wiirde zwar nominell
unsere Schuldenlast nicht verringern, aber sie wiirde den inneren
Wert im gleichen Verhaltnis rnit unserer Wahrung herabsetzen und
sie wiirde unsere Steuerertragnisse um dasselbe Vielfache steigern,
so daB wir in die Lage kamen, mit den gleichen Steuern ein Mehrfaches des bisherigen Zinsendienstes zu bewaltigen, unbeschadet der
uin denselben Prozentsatz gestiegenen staatlichen Ausgaben fur
Verwaltung usw.
Der Eingriff der Wahrungsherabsetzung ist zweifellos ein schwerer.
Uniiberwindliche Hindernisse in technischer Beziehung - im
Gegensat.2 zur Abstempelung unseres Papiergeldes - stehen ihm
jedoch nicht ini Wege. Auch beschriinkt er sich in Wirklichkeit ja
darauf, bereits eingetretene Verhaltnisse teilweise gesetzlich festzulegen. Die Aufstellung eines Staatshaushaltplanes mit gedeckten
Ausgaben ohne unertriigliche Steuerbelastung wiirde er ermoglichen.
Stabile Marktverhaltnisse wiirden wieder eintreten, und die Neuordnung wiirde der geistigen Mittelschicht unseres Volkes die Moglichkeit ihres Weiterbestehens lassen. Auch die Arbeiterschaft wird
aufatmen, wenn diese standige Unrast aufhort, denn sie weiB ja
W i e I a B t s i c h d i e s e s f o r t s c h r e i t e n d e v e r d e r b e n schon Ilngst, daB mehr Geld verdienen nicht gleichbedeutend ist mit
a u f h a 1t e n ?
reichlicherer und besseikr Ernahrung.
Allerdings rniiBten ihre Fuhrer den Mut haben, offen zu bekennen,
Ohne bose Krisen wird das natiirlich nicht moglich sein. Aher wie
der Arzt dem Schwerkranken oft nur durch einen gefiihrlichenEingriff daB ein verlorener Krieg nur rnit einer Verkiimmerung der Lebenshelfen kann, so diirfen auch wir vor einschneidenden Schritten nicht haltung enden, und da13 auch die beste Revolution hieran nichts
zuriickschrecken, ehe es vielleicht zu jeder Hilfe zu spat ist. Und andern kann.
wenn wir in unsereni Wirtschaftsleben Umschau haken, finden wir
Fur inisere Industrie uncl fur unsere gesamte Volkswirtschaft
meines Erachtens auch fur die hier zu ergreifende MaBiiahnie den wird der Ubergang zu stabilen Verhaltnissen nicht ohne schwere
Erschutterungen moglich sein. Auch sie wird harte Zeiten durchWeg klar vorgezeichnet.
Vergleichen wir nur einmal unsert: gesamte Volkswirt.schaft mit machen miissen, und besonders werden heide Kimpfe mit der Arbeieinem groBen, vielgestaltigen Aktienunternehmen, das aus irgend- tersehaft zu hestehen sein, bis fur beide die moglichen Existenzwelchen Griinden in schwere Verschuldungen geraten ist. Es bleibt minima aufgefunden und anerkannt sind.
Trotzdem besteht fiir iiiich kein Zweifel, daB eine solche Sanieauch hier der Weg des langsamen, miihseligen Wiederherauswirtschaftens, wenn &her FleiB aller Beteiligten sich mit genialer Fiih- rung unserer Finanzen versucht werden mul, und zwar je eher, urn
rung paart. Voraussetz-ungist allerdings, daB die Schuldenlast nicht so besser. Dein weiteren Verfall mehr oder weniger planlos zuzusehen und bald hier, bald da durch Flicken und Kleistern dem
zu groB ist.
I m letzteren Falle, und das scheint mir auf unsere Lage zuzu- drohenden Zusammenbruch vorbeugen zu wollen, hake ich fur ein
treffen, bleibt nur die Sanierung durch Zusammenlegung der Aktien nicht wieder gutzumachendes Verbrechen an unserem Volke.
Die einzige wirkliche Schwierigkeit bei der Durchfiihrung der
und Obligationen und die Auffiillung der Betriebsmittel durch ZuWahrungsherabsetzung bildet nur die Erlangung einer geniigend
fiihrung neuer Werte mit Hilfe der Glaubiger oder Dritter.
Auf unsere Finanzwirtschaft angewendet, wiirde das eine Herab- groBen Auslandsanleihe oder eines entsprechenden Warenkredites,
setzung unserer Wahrung bedeuten bei gleichzeitiger Aufnahme einer um unsere Devisenkurse f q eine gewisse Zeit auf einem bestimmten
Auslandsanleihe oder eines entsprechenden Kredites, der so gro8 Punkt featzuhalten. Da aber das Ausland und auch unsere Gegner
sein miiRte, daB er es uns gestattet, die Devisenkurse trotz unserer zum mindesten teilweise an der Gesundung unserer Wirtschaft ein
iiberwiegenden Einfuhr ,fur einige Jahre im Beharrungszustand - auBerordentliches Interesse haben, da ihr Gedeihen bis zu einem
unserer neuen Wahrung entsprechend - zu erbalten. NaturgemaB gewissen’ Grade von unserer Wiederaufrichtung abhlngt, so erwiirde die Herabsetzung unserer Wilhrung zur Folge haben miissen, scheint mir diese Aufgabe nicht unlosbar. Amerikanische FinanzdaB nicht nur die Lohne unserer Arbeiterschaft, sondern auch die leute haben weitgehende Hilfe in dieseni Sinne in Aussicht gestellt,
Gehdter unserer Beamten und Angestellten, d. h. die Einkunfte sobald zu erkennen sei, daB unsere Regierung sich von klarer kaufdes gesamten Mittelstandes, im gleichen MaBe gegeniiber dem miinnischer Einsicht und nicht von sozialistischen Utopien leiten
Friedensstand abziiglich einer Quote, um die sich unsere Lebens- lasse. Das Vertrauen des Auslandes zu unserem industriellen Konnen
haltung durch den verlorenen Krieg naturgemal3 ganz allgemein und Schaffen ist durchaus nicht erschiittert, und eine Aktiengesellschaft, die das gleiche Vertrauen genieBen wiirde, fiinde zweifellos in
verschlechtern muB, erhoht wiirden.
Die Besitzer von barem Geld, fest VerzinslichegPapiereund-aller ahnlicher Lage den zur Sanierung erforderlichen Kredit, wenn ihre
Geldforderungen in Mark wurdcn durch diese Malnahme schwer be- Fiihrung zielsicher und vernunftig handelt.
M o e s 1 e hat mir kkzlich gesagt, daB wir mindestens 15 Jahre
gebrauchen wiirden, uin unsere Valuta wieder auf den friiheren
Friedensstand zu bringen. Und diese Annalime erscheint durchaus
gerechtfertigt, wenn man sich erinnert, daB. Frankreich nach 1871
fiinf Jahre benotigte, um zu dem gleichen Ergebnis zu kommen.
Halt man sich nun dies vor Augen und beriicksichtigt man
aulerdem, daB unsere immer mehr fortschreitende Geldentwertung
schon heute die kulturell fur die Weiterentwicklung unseres Volkes
wohl wichtigste geistige Schicht, unsere nach festen Slitzen entlohnten Beamten und Angestellten, die Inhaber der gelbstandigen
Berufe, die mittleren und kleinen Gewerbetreibenden wirtschaftlich
vollig entwurzelt, so kann man nur zu der zwingenden SchluBfolgerung kommen, daB wir absichtlich, oder, wie ich das von einem
Ted unserer Regierungsparteien annehme, ohne klare Erkenntnis
der Sachlage der Vernichtung unseres Mittelstandes und der Sozialisierung unserer Wirtschaft in verschleierter Form zusteuern. (Ob
aber offene oder heimliche Sozialisierung, beide werden den unaufhaltsamen Niedergang unserer gesamten Volkswirtschaft besiegeln.)
Kommunist,ische Fuhrer haben dies zweifellos langst erkannt.
Beiepielsweise hat der durch seine Sozialisierungsexperimentein der
Raterepublik Bayern beruchtigt gewordene Dr. N e u r a t h bereits
auf der Eisenacher Tagung des Reichsbundes deutscher Techuik im
Februar d. J. ausgesprochen,
daB ein Abbau der Preise und Lohne nicht im Interesse einer
sozialist,ischen Entwicklung gelegen sei.
Er hatte verstanden, daB die fallende Valuta zur Verelendung
aller fiihrt. Und ohne Verelendung kann sein Weizen nicht bliihen,
denn sie ist - darin hat M a r x recht - die Vornussehzuiig jedes
Sozialismus, sie ist sein Nahrboden.
Bis heute nun t,at unsere Regierung nichts Wesentliches, uin den1
Niedergang unserer Wirtschaft Einhalt zu gebieten. I m Gegenteil,
ihre Steuerprojekte, die eine nie geahnte Kapitalflucht zur Folge
haben, entziehen dem Wirtschaftskorper noch mehr und mehr das
schon durch den Tiefstand unserer Valuta verdiinnte Blut.
Dabei rnacht sich infolge der Geldentwertung ein Kapitalbedarf in
unserer Industrie geltend, der mit dem weiteren Fallen unserer Valuta
ganz ungeheuerliche Ausmessungen annehmen wid. Man sieht auch
hier wieder, daB ein Ubel sich immer zum anderen gesellt, um die
bosen Wirkungen zu verdoppeln.
Die groBe und schwere Frage ist nun:
13
Henrich: Untersuchung der Wasser und Gesteine Bayerns usw.
Aufsatzteil
33. Jahreang 1 9 d
~
Waa ich lhnen heute ausgefuhrt habe, bewegt mich seit langem.
Innere Not zwingt mich, es auszusprechen. lihnliches habe ich bereita im Friihjahr d. J. im engeren Freundeskreis und auch spiiterhin
vor berufenen Politikern vertrcten, obwohl ich damals eine so
katastrophale Entwicklung, wie sie inzwischen eingetreten ist, nicht
fiir moglich hielt. Heute habe ich mehr denn je die qualvolle Uberzeugung, daB, wenn uns nicht bald die Fuhrer erstehen, die unser
Volk zur Selbsterkenntnis und Einigkeit durch furchtloses Handeln
zuriickbringen, daB d a m ein Zerfall nicht mehr abwendbar ist, der
rund ein Drittel unserer Bevolkerung zur Auswanderungnach anderen
Liindern zwingen wird. Was das heiBt, und welche Gefahr darin
liegt, lehrt uns die Geschichte eines Volkes, das sich seinerzeit als
das auserwiihlte des Herrn betrachtete. Sollen auch wir Deutsche
heimatlos und der Diinger anderer Volker werden ?
Bei einsamen Giingen in unserer melancholischen miirkischen
Landschaft hat sich mir - erfullt von solchen traurigen Gedanken immer wieder ein Gedicht von N i e t z s c h e aufgedrangt. Es ist
iiberschrieben ,,Vereinsamt" und lautet :
1. Die Kriihen schrein
Und ziehen schweren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat.
2. Nun stehst du starr,
Schaust riickwiirts, - ach, wie lange schon,
Was bist du, Narr,
Vor Winters in die Welt entflohn?
3. Die Welt - ein Tor
Zu tausend Wusten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlomt, macht nirgends halt.
4. Nun stehst du bleich,
Zur Winterwandenchaft verflucht,
Dem Rauche g€eich,
Der stets nach kaltenn Himmel sucht.
5. Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wiistenvogelton Venteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn.
-
6. Die =then schrein,
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein,
Weh dem, der keine Heimat hat.
Noch haben wir eine Heimat. Noch wollen wir unser Herz nicht
init Eis und Hohn panzern, sondern versuchen, uns zu verstehen und
uns zum fleiDigen Arbeiten, zum einigen Handeln wieder zusammenzuf inden.
E E Die Krihen schreien. - Sie fliegen in Deutschland wieder um den
Berg, in dem der alte Kaiser Rotbart schliift. Wann kommt der
Kanzler noch einmal, der sie verscheucht und uns lehrt, den Blick
zu erheben von selbstsiichtigen Wirtschaftssorgen zu den Idealen
einer besseren deutschen Zukunft ?
[A. 208.1
Ober den Stand der Untersuchung der Wiisser
und Gesteine Bayerns auf Radiosktivitiit und
iiber den FluBspat vom Wolsenberg.
Von Prof. Dr. F. HENRICE.
(Vortrag gehalten auf der Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker
zu Wurzburg.)
(Fortsetzung von S. 8.)
Im folgenden gebe ich nun die Werte fur die Aktivitiit der bisher
untersuchten Wasser des Fichtelgebirges in der Reihenfolge, wie sie
im Herbste des Jahres 1917 und 1918 gemessen wurden.
A 1e x a n d e r b a d (das Wasser war schwer zu entnehmen):
L u i s e n q u e l l e , T . = l o " . . . . . . . . . . . . 21,5 ME.
L u d w i g s q u e l l e , T. = l o " . . . . . . . . . . 21 ME.
W u n s i e d el:
Brunnen auf dem Marktplatz, T. = 11,3O . . . . . . . 49,4 ME.
Brunnen unterhalb vom weiDen Lamm, T. = 12" . . . . 15 ME.
Brunnen mit Neptun (unterhalb des vorigen), T. = 11" . 21 ME.
__
~~
-
__
--
._
~ _-_
Brunnen riahe dein Hotel Kronprine (I~iiit~pold~t,raRe),
T. = 12,5O . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Brunnen nahe dem Bahnhof, T. = 11,5' . . . . . . . 12
Brunnen nahe der Hospitalgasse, T. = 13,2" . . . . . . 13
Starke Quelle unten in Wunsiedel mit einer Holepyramide
uberdacht (im Kalkgebiete) . . . . . . . . . . . 0,l
ME.
ME.
ME.
ME.
Quellen und Brunnenreservoire i n der NLhr
von Wunsiedel.
Quelle in der Wiese von Johann Nurnberger 0-NO. von
Wunsiedel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,2 ME.
Quelle aus dem sog. Moorteich nahe dem obigen . . . . 3,9 ME.
Quelle an der sog. Viechtrank (am Weg in der Waldabteilung Kapelle; hochgelegen, nahe einem Gneissteinbruch, (1917 T. = 13". . . . . . . . . . . . . . 102 MIL
1918 an einem Regentag hatte das Wasser dieser schwachen
Quelle nur . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
72 ME.
Quelle im Weiher gegenuber der Badeanstalt . . . . . 0,s ME.
Wasserreservoir beim alten SchieBhaus . . . . . . . 12 ME.
Hochdruckwasserleitung auf der Luisenburg oberer Sam9 ME.
nielbrunnen (K mit L) im Schacht, T. = 7" . . . .
6,4 ME.
Unterer Sammelbrunnen (A mit J) im Schacht, T. = 8'
Quelle im westlichen Waldbezirk Luisenburg oben am
Wendener Wee, T. = 7,5O . . . . . . . . . . . . 21 ME.
Hochgelegene Quelle oberhalb Wendern (in1 Gebiet der
Luisenburg in abgeholzter Lichtung). . . . . . . . 33 ME.
Quelle im Staatswald des Bezirks Luisenburg, hart rechts
am Weg mit dem Wegweiser Kosseine-Alexandersbad,
T . = 7 , 5 " . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16ME.
Rehberg- Quelle mit kleinem Weiher davor (Besitzer
Feigt), wenig unterhalb des Hohenwegs, T. = 13" ,
33 ME.
Quelle auf der Honicka-Wiese an der NeuenstraDe nahe
der Allee, kurz vor Wunsiedel . . . . . . . . . . . 44 ME.
.
Q u e l l e n i n u n d u m L e u p o l d s d o r f (bei Wunsiedel).
Brunnen des Steinhauereibesitzers Kuhn in Leupoldsdorf 0,4 ME.
Sog. Binge-Quelle in einer Wiese der Forstabteilung Zufurt (setzt Oker ab), T. = 12' . . . . . . . . . . 10,l ME.
Quelle vor dem ersten Steinbruch des groBen Steinbruchkomplexes, sog. Bingel-Wiesenquelleder Forstabteilung
Brand. Kommt aus Gneis. Schones klares Wasser.
Starke Quelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . Y2,3 ME.
Stehendes Wasser im untersten Steinbruch (Ecke links),
T.=lO " . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
9,4 ME.
Stehendes Wasser im Steinbruch 3 . . . . . . . . . . 11,7 ME.
Stehendes Wasser im sehr wasserreichen Steinbruch,
T . = 1 5 , 5 " . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10,l ME.
Wasser im groBen Steinbruch (der Aktiengesellschaft gehorend), der sich nach links hin gabelt:
1. Wasser im kleinen Naturbassin (geradeaus nach der
Granitwand), T. = 11,8" 1917: 230 ME., 1918: 307 ME.
an einem Regentag hatte das Wasser 1917 nur 204 ME.
2. Kleines Wasserchen im linken Teil des Steinbruchs,
T.=11,5' . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 ME.
41 ME.
an eineni Regentag hatte das Wasserchen nur
Kleine Quelle links unterhalb des letzten Steinbruchs (am
24 ME.
Holzhauschen), T. = 8,4' . . . . . . . . . . . .
Q u e 11e am Rande der sog. G 1a s w i e s e in der Forstabteilung Betzelschacht A. Sie ergieDt sich in einen kleinen Weiher und steigt aus Kies und Felsboden auf.
Von Zeit zu Zeit entweichen aus ihr von selbst Gasblasen, die aus dem Kiesboden der Quelle anfsteigen
(siehe oben). Die Temperatur war 1917 und 1918 8"
27 ME.
1917: 29 ME., 1918: . . . . . . . . . . . . . . .
Gas aus einer Stelle allein (42,2 ME. 0,183 x
Curie),
Gas durch Aufwiihlen des Bodens aufgesammelt
(55,2 ME. 0,24 x l o w 6Curie).
S u t t e n - W i e s e n - Q u e l l e am Sudabhange des
Silberangers der Forstabteilung Betzelschacht B.
Kurz vor dem Waldesrand gelegen, stark vermoort,
lange nicht gereidgt, T. = 9,5" . . . . . . . . . .
13 ME.
9og. ,,B u r u c k e n b r u n n e n " oben am Platten65 ME.
kopf, kommt aus Granit, T. = 7,5" . . . . . . . .
Sog. Hii t t e 1- W i e s e n q u e I l e der Forstabteilung
Gesteig am NO.-Abhang der Platte, wenig unterhalb der
StraBe, flieBt gleich in einen Wasserarm. Entwickelt
beim Einstechin i n den Kiesboden Gasblasen, T. = 7" 28,7 ME.
~
_
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