close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Betrachtungen ber die Zusammensetzung der organischen Atome.

код для вставкиСкачать
617
IX. Betrachtungnn uber die ZrLssarnmensetzung
der organischen Atorne;
von J. J. B e r z e l i u s .
( Aus dessen Jahresbericbt, No. 13, S . 189
des Originals.)
D i e Arbciten, melche seit meinem letzten Jahresberichte
beliannt 'geworden sind, baben unsere Kenntnisse in der
organischen Chemie bedeutend erweitert , haben namentlich unsere Ansichten von der Zusaniinenselzung organischer Kiirper einen Schritt naher zuin Ziele gefuhrt. Ein
schwieriger Punkt zu entscheiden indessen bleibt noch,
welche Verbindungen in der organischen Natur als ZUsammengesetzte Atoine erster Ordnung angesehen werden
miissen. Die Meiniingen dariiber sind getheilt gewesen.
In der organischen Natur ist der Saucrstoff so gewiihnlich ein Bestandtheil von dem was wir als zusammengesetzte Atoine erster Ordnung anselien, dafs die Ealle, wo
wir diefs niclrt so autreffen, als Ausnahnien betraclrtet
wcrden kiinnen. Da wir zur Richtschnur unseres Urtheils in diesem hiihercn Theil der Wissenschaft nichts
anderes haben als die Verlraltungsweisen und die Naturgesetze, welche uns die Erfahrung an die h a n d giebt, so
sind auch die Verglcichungen auf verschiedene Weise angcstellt. Die beiden entgegengesetzten Krafte, wclche die
cheniischen Verbinduiigen zu bestimmeiischeinen, haben bei
den Ansichten iiber die organische Zusainmensetzung veranlafst, die binaren Vertheilungen aufzustellen, demgeinafs inan
die zusainmengesetzteren, ternaren oder quaternaren Atomc
als gebildet aus binaren oder einem binarcn und einem
einfacheh ansieht. Der Vorstellungen in dieser Beziehung giebt es fast eben so viele als Personen, welche
lrieriiber eine Meinung geaufsert haben. Diefs ist ganz
uatiirlich.
618
Um mich hier mit g i j t e r e r Leichtigkeit ausdriicken
zu kdnnen, werde ich in dem Folgenden zwei Arten von
Formeln fur die Zusaininensetzung . organischer Kiirper
gebrauchen. Die einen werde ich ernpirische nmnen ;
sic folgen uninittelbar aus einer richtigen hnalyse, und
siud unverlnderlich. Die anderen abcr wiI1 ich ruthneffe iienncn, weil sie bezwecken, einen Begriff zu geben von den beiden elektrocheinisch entgegengesetzten
Kiirpcrn, aus denen man das Atom fur gebildet ansieht,
d. h. bczwecken, dessen elektrocheiiiischc Theilung zu
zeigcn.
Die empirische Formel fur den hlkohol ist
C 2 H 6 0 . Die rationelle variirt nach der Ansicht, ist z. 33.
C' H4 +€€
oder C1E3+O. Zu bestimincn abcr, welche
von diescn die wahrc rationelle sey, ist ein schwieriges
Problem. Nur soviel l r k t sich sagcn, d a k die rationclle
Formel niclit melir als zwei Glieder liaben kiinne. Aber
diese kiiiinen ganz verschieden angenommen werden.
Wghlen wir zuin Beispiel einefi unorganischen Korper, das selensaure Zhmoxydul. Die elnpirisclie Forme1 fur dassclbe wurde seyn SnSeQ4. Nach rationeller
Forinel sehcn wir es an als zusammengesetzt aus: Sii-kSe.
Der Griind liievon ist, d a h es sich aus diescn beiden
Verbindungen zusammensetzen Iiifst , ond dafs, wenn ein
Alkali hinzugesetzt wird, sich Zinnoxydul abschcidet und
selensaures Alkali entsteht. Prufen wir aber diesen Grund
ngher, so fiiiden wir bald, daCs es 3linliche und eben so
gtiltige Griillde giebt fur andere Ansichten, die nicht minder wahrscheinlich sind. W e n n wasserhaltige Selensiiure
mit Zinnspiinen digerirt w i d , so entwickelt sich Wasserstoffgas und inan erhslt selensaures Zinnoxydul. Hier
hat sich also metallisches Zinn mit einein Kiirper verbunden, welcher nicht inehr Selensanre, sondern S e t 4 0
ist, und aus dessen Verbindung lnit Wasserstoff wird dieser
vom Zinn ausgetrieben, so wie seinerseits das Zinn ails
derselben Verbindung durch Zink gefillt. W i r kiinnen
also cben so gut die rationelle Formel S n t S e aufstcl-
619
len. Dagegen llifst sich nicht einwenden, dafs'Se nicht
gefunden werde, denn S e findet sich eben so wenig, und
doch wird es in der ersten Formel angenommen. Setzen
wir ferner das selensaure Zinnoxydul, bei einer zur Zersetzung hinreichenden Temperatur, der Einwirlrung des
TVasserstoffs oder der Kohle aus, so erhalten wir Selenzinn und der Sauerstoff gelit fort, gleichsam als wenn
diefs Selenzinn ,mit Sauerstoff zu selensaurem Zinn verbunden gewesen ware. Man kann also noch eine dritte
rationelle Formel aufstellen, die: S n S e t 4 0 , nach welcher das Salz ein Oxyd eines zusammengesetzten Radicals seyn wurde. Diescr kann noch eine vierte Ansicht
hinzugefugt werden, daraus entnonnnen , dafs Schw-efel
das Sclen abscheidet und das SaIz in ein schwefeelsaures
verwandelt; endlich noch eine fiinfte, welcher die rationelle Formel Sn+Se, d. h. die fur basisch seienigsaures Zinnoxyd entspricht. Welche dieser Ansichten ist
nun die richtigerc? Oder sind sic alle gleich ricbtig?
Die Antwort auf dicsc Fragen schliefst eine grofse Schwierigkeit ein. Geht man von atomishschen Vorstellungen
aus, und sucht sich eincn Begriff von der mechanischen
Construction zusammengesetzter Atome zu machen, so
findet man leicht, dafs wenn die relative Lage der drei
Elementar- Atome in allen FYllen in dem zusammengesetzten Atome unverandcrlich bliebe, alle diese Ansichten
gleicli riclitig wlren. Sedocli kann diefs nicht so sryn.
Uenn wenn es miiglich ware zu erfahren, wie die Atolne
unter cinander zusainmengclegt sind , und diefs hernach
durch eine artificiek Construction von griifseren Atomrepriisentanten anschaulich gernacht werden kbnnte, so
wurde es wahrscheinlich fiir Jeden auf den ersten Anblick klar werden, dafs die beidcn ersten Ansichten gleich
richtig sind, dals es ganz gleichgiiltig ist, welche von ibnen
man vorzugsweise zur Versinnlichung der Zusammensetzungsverhlltnisse wahlt, wenn nian iiur immer dieselbe
wahlt. Seitdem aber durch die Erfahrung bekannt ist,
620
dafs dieselbe Anzahl einfacher Atome auf verschiedene
Weise zusamniengelegt werden kann, und daraus Kiirper von verschicdeneii Eigenschaften entspriagen , dafs
derselbe Verein von Elementar-Atonien oft tinter dein
Einflufs gegebener UmstSnde seine einfachen htome, unter W~rineentwickelun~;
und Entstehung eines gnnz neuen
Kiirpers, auf andere Weise anordnet, so sieht man deutlich ein, dafs wenn auch gervisse Vorstellungen von dcr
Zusainmensetzung sich a b gleich richtig betrachten lassen, sie doch iiiclit a h richtig seyn kiinnen, wie denn
iu Bezug auf die zulctzt angefiihrtcn Forineln Keiner erwarten wird , durch Anwendung vm Alkali selensaures
Kali und Zinnoryduf zu erhalten, sondern selenigsaures
Kali untl Zinnoxyd, wie es auch wirklich der .Fall ist.
Die Ursaclie liievoil inrifs natiirlicherweise in der unglciclien relativen Lnge liegen , w e l c h die Eleinentar-Atorne
iin letzten Falle in dem zusamruengesetzten Atoirie einnehmen, und welclie durch die rationelle Formel SnSe
ausgedriickt wird.
Da diese Schwierigkeiten sicli schon bei lletrachtung
unorgnnisclier ZusaminenscLzungcn zcigcn , so darf inan
sich nicht wundern dieselbcn Schwierigkeiteu in noch
griifserem Maafsc bciin Studialn der organischen Verbindungsweisen anzutreffen.
Einc von sehr Vielen versuchte Vorstellung von dcr
Zusaminensetzung terngrer Oxyde ist die, sich dieselben,
gleich der gewiilinlichen Ansicht von den unorgnnisclien
Salzen, als bestehend aus zwei Oxyden zu denken, einem von Kohle und einem von Wasserstoff, nelche noch
iiicht fur sich dargestellt wcrden konnten. Bei dieser
Vorstellungsweise ist man durch nichts gcbunden; man
vertheilt den Saiierstoff nach Belieben. Allein dicse Ansicht hat nichts Lockendes, nichts ErklSreades; sic wird
von verschiedenen Individuen verschieden aufgestellt, ist
so zu sagen eine reine Fictiou, fur weIcbe sich kein anderer Grund finden lafst, als dafs die zusammengesetzten
621
Kiirper nach der elektro- chemisclien Theorie aIs binar
theilbnr angcschen werden mussen.
Aiiderc lassen dagegen die Kohle vcreinigt seyn mit
Wasser, wie z. B. P r o u t gesucht b a t die Zusanimensctzung der als NaliriingSmittel dienenden Pflanzenstoffe
so darzristellen *). Noch andere lnssen Kohlenwasscrstoff oder Kohlen-Oxyde verbunden seyn mit Wasser
oder eiiiein Wasserstoffoxyd, z. E. H e r r r n a n n **) und
D u m a s *a*).
Endlich wilt ich der Ansicht gedenken, welche ich
in meinem Lehrbuche der Chemie geltend zu rnachen gesucht habe, die nrnilich: dafs die ziisainmengesefzten Afotnc
erstcr Ordnung in der organischen Natiir betrachtet werden iniissen als Oxyde zusarnmengesetzter Radicale, ivelche in ihrer Ortlnung zusainmeiigesetzt sind aus Kohle
und Wasserstoff in verscliiedenen Verhiiftnissen oder aus
Kohle, Slickstoff und Wasserstoff. In diesem Fall niufs
ein aus drei odcr vier Elementen zusnmmengesetztcr Karper angesehen werden als elektro - chemisch theilbar in
eiiieii elektro -positiven und einen eielitro - negativen Beslandtheil, und m a r , wenn Sauerstoff eins der Elelnente
’) Annalen, Bd. XI1 S. 263.
**) Ii e r z e I i u s , Jnhrcsbericht, No. 11, S.210 (Annal. Bd. XVIlI
S. 368). H e r r n i s n n ’ s Ansictiten Slincln diejrnigcn, welche
G u s s e r o w in eiatlr besonderen Sclrrift: *Die Chemie des Orgunismus, Berlin l8321<aufgestcllt hat, nur mit dem Unterscliiedc,
daf8, wenn I I e r r m a n n ’ s arg:inische Aturne, nach eiaer besser
aufgefafsten elektro - chemischen Ansicht, BUS blofs zwei binsren
Verbindungen zusarnmengesetzt sind, sie bei G u s s e r o w aus drci
bis \vier biniren Verhindungen bestehen. So Z. B. besteht die
EtsigsBure, nach G u s s e r o w , aus k + 2 H + C 3 B 4 ;
die Schleim-
s h r e aus 4k+2H+2Cg+21/,
SCB+4I=k
das Stirkrnelrl aus
$-GC+H.
Sicher aber kann man sich mit solchen Ansichten die
Bescliaffenheit d e r organischen Zusamniensetzuog nicht versinnliclien.
**’) B e r z e l i u s , Jahresbericht, R’o. 12, S. 69 d. 0.
622
ist, am wahrscheinliclisten in Saiierstoff und in einen oxydablen zusammeiigesetzten Karper, welcher in der Verbindiing dicseIbe RoIIe spieIt wie die einfachen Radicale
in den unorganischen Oxyden.
Auch die unorganische Natur liefert Beispiele dieser
Art, hinsichtlich deren die Meiniingen niemals gethcilt
waren, aus dein Gi-unde, weil man es fur natiirlich bielt,
auf unorganisclie Kiirper Ansicliten, aus der unorganischen Natur geschbpft, anziiwenden. Ich meine hier die
CyansYure uiid CyanwasserstoffsYure, welche wir niemals
anstanden die eine als CR+O oder ky, die andere als
CN+H oder CylI zu betr'achten, analog den Wasscrstoffsiiuren der Salzbildncr.
Diesern gcniYfs wird es ganz natiirlich schcinen, dafs
wenn Kohle mit Sauerstoff odcr init cinein anderen Kiirper als Sticlrstoff zu einem Oxyd oder einer Siiurc vercinigt gefunden wird, man nicht zu ver3nderten Ansichten iiber die innere Beschaffcnheit der Zusaminensetzung
iibergehe, und dafs man fur Verbindungen von Kohle
und Wasserstoff init Sauerstoff dicselbe Vorstellungsweisc
behalten miissc wie fur Verbindungen von Kolile und Stickstoff init Sauerstoff. Selzen wir die Forschung nocli weiter fort, so wird dns zusaininengesctzte l\adical ebenfalls
der Gegenstand einer elektro- clicmisclicn Theilung; cs
erliiilt sein positives und seiri neptivcs EIcnient, und
wenn das Kadical aus drei Eleweriten bestelit: uiufs es
darin auf gleiche Weise ein + und einen
negativen
Bestandtheil geben. Es wiirde indeCs fur jetzt ganz zweck10s seyn, die Beschaffenheft dieser Theilung zu eriirtcrn,
da unsere KenntniCs und Erfahrung dazu noch nicht reif
genug sind.
Es ist in diesem Fall eben so schwer, eine Ansicht
zu beweisen, als eine andere zu widerlegen, da hier alles
auf ein, voii der lndividualitat abhzngigcs, griifseres oder
geringeres Veriniigen , durch Verinutliong sich der Walirheit zu iizhern, anlrommt, und man miiglicherweise wohl auf
-
623
diesem W e g e die Wahrheit erreichen kann, oline aber
werler selbst von der Erreichung iiberzeugt zu seyn, noch
andere davon uberzeugen zu kiinnen.
IndeEs, da ich hier einer Ansicht den Vorzug eingeriiumt habe, welche mir die wahrscheinlichere zu seyn
scheint, so halte ich es fiir meine Schuldigkeit den von
D u m a s in seiner Abhandlung iiber die Aetherarten angeregten Ideen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Diesen gemafs wfirdc das Weiniil oder die Verbindung
C4t44, fur welche ich im letzen Jnhresberichte, S, 311
(d. Orig.), den Nainen hetherin- vorschfug, eine mit Wasser oder mit Sauren vereinbarliche Salzbasis seyn, der
Aether w5re ihr erstes, der Alkohol ihr zweites Hydrat,
und die Aetherarten, w e l c h Sluren enthnlten, wiiren
Salze derselben. Diese Weise, die Verbindungen zu betrachtcn, giebt so einfache Ansichten tiher eine Menge
Erscheinungen, und scheint der gewiihnlichen Verbindungsweise der Basen in so vielen Fallen zu folpn, dafs
sie gcwifs alle die Aofmerksamkeit verdient, welche sie
gefundcn hat. Nimmt man z. B. den Buchstab E als Bezrichnung fiir das Aetherin =C4H4, so erhslt man foIgeiide hiichst cinfache Formeln *):
E€€ =Aether
Ei &=Salpeterzther
Elkz =Alkohol
E c + &Oxalzther
ES2+2~=Weinschwefels3ure
EHCI=Salzsliure-Aether
u. s. w.
+
') I n einem Briefe an die €111. L i e b i g und W i i h l e r , welcliem
der Erstere die E h r e erzeigtc i n die von ihm, gemeinschaftiich
mit den HII. G e i g e r und B r a n d e s redigirten Annalen der
Pharmacie, Bd. 111 S. 282 einzuriicken, habe ich einen anf dieses Princip gegriindeten Vorschlag zu rationellen Formeln f i r
mehre Verbindungen aufgestellt (vergl. diese Annalen, Bd. XXVI
S. 484). Ich mufs liier aber wiederholen, was ich schon dort
erwshnte, dafs jene FOrmeln nicht elier f i r riclitige Ausdriicke
gehalten werden kiinnen, als bis d i e h strenge bewiesen ist. Sic
sind nicht bestimmt zu zeigen, ich Ir3tte die Ueberzeugung, dafs
624
IndeL ist die Einfachlieit dieser Relationen kein Beweis ihrer Richtigkeit, da es andere eben so einfaclic
geben kBnnte. Bereits im Jahresbericht fur 1828 (No. 8,
S. 292 der IJcberselz.) fiihrte ich die Griinde an, welche
inich veranlafsten D u m as's Xnsicht in diesem Felde nicht
211 theil en, obgleich mich diefs nicht ahhielt, mehrmals zu
versuchen, sie als eine bcqueme Vorstellungsweise anzuwenden. Ich werde nun die spIter hinzugekommeneii
Grunde anfuhren, welchc mich bestimmten, diese Ansicht
nicht fur die riclitige anzusehen.
Im letzten Jahresberichte, S. 293 (des Origin.), crw ~ h n t e ich eincr Analyse der Weinschvr~felsaurc von
Li e b i g und W ii h I e r *), durch melclie dicse ausgezeichneten Chemiker bewiesen, dafs die Z~isammensetzungder
Weioscliwefels~itire sich als eine Verbindung von glcich
vie1 Atomen SchwefelsYure und Alliohol ansehen Iassc,
dafs das Atom dieser SBure verinutlilicb ails 2 At. Alko1101 und 2 At. Schwefelsiiure bestehe iind mit einem Atome
einer Salzbase , die 1 At. Sauerstoff enthzlt, ein neutrales SaIz liefcre, wiewohl die Schwcfe1s:iure in ihrem gewiiIinlichcn Zustande ein doppelt schwcfclsaures Salz damit geben wurdc.
Neuerlich hat P c l o u z e **) auf gleiche Weise gezeigt,
\
sie dns richtigc Schema der Zusammensetzung cnthielten,
die waliren rationellen Formeln waren.
d. 11.
') Vergl. Annal. Bd. XXII S. 486.
'*) Annal. Bd. XXVII S . 575. [Neueren Untersucliungen von L i c b i g gcrnsfs (Annal. cfer Ylrarm. VI S. 149) bestelit indcl's die
Weinpllospltorsiiure niclit aus P l i o s p l i o r s ~ u r eund Alkohol, sondern aus Phosphurssure und Aether, analog der von M a g n u s
entdeckten AetlrionsBure (Ann. Bd. XXVII S. 358). P e l o u z e ' s
Irrthnm ist nncli L i e b i g darlurch veranlafst wordcn, cfars drrselbe den weinphospliorsaureu Baryt i m m e r getrocknet zur Analyse anwandte, und d i e t , da das Salz in diesem Zustande selir
hygroskopisch ist, keine scharfe Gewichtsbestimrnung zu1;irs.t. L i e -
625
d a t die lange bekannte Weinphosphorslare aus
cinem Atom Phosyhorsaure und zwei Atomen Alkohol
besteht, und, dafs hier die gauze Quantitat der S;inrc
sic11 mit einer anderen Basis vereinigt, ohne dafs Alko1101 entweicht, den sie also bei einer Temperntur zuruckhalt, bei welcher sie ihr Krystallwasser vollkommen fahren Iafst. Dieser Umstand erlaubt hier cine sichere Analyse des mit dem (phospborsauren) Salze verbundenen
brennbaren Kiirpers, so dafs dessen Zusammeusetzung mit
zeigt,
b i g hat daher
das erwllinte Salz in den sehr sehiinen und re;n e n Krystallcn, welche er vou P e l o u z e erhalten hatte, der Verbrennung unterworfen :
l,i31 Grm. lieferteu 0,410 Kohlcnslure und 0,658 Wasser
1,6505
0,816
-
-
-
-
also :
100 Th.
0,396
0,189
23,51
-
L
-
-
-
0,681
0,323
39,91
-
Ferner verloren 1,606 Grm. Salz, be: 200' C. getroeknet, 0,468
Grm. oder ?9,15 Pror. W a s s e r ; und beim Clillien c i n c r acideren
Portion im Tiegel, w o b e i der Riickstand, niit einigeri Tropfcn &Ipctcrslure benetzt, abernials erliitzt wurde, urn ihn, von Kolile frei,
blendend weirs t u erlialten, wurden einrnal 61,03 Pror. und ein
ander Ma1 GO,i2 Procent a n pliospliorsaurem Baryt crlialten.
Diese Resultate fiihren fur den krystallisirten weinphosplrorsauren Baryt zu der Zusammensctzung:
1 At. phosphorsauren Baryt
1 At. Aetlier
4 At. Kohlenstoff
10
Wasserstoff
1
Sauerstoff
{
1 2 At. Wasser
-
2806,050
305,550
62,398
100,000
1349,800
60,685
6,612
1,340
2,162
29,191
4624,018 100,000,
WBre Alkohol statt Aether im Salze, so miifsten beim Gliihen 59,24 statt 60,82 Procent phospliorsauren Baryts, uncl bei
der Verbrennirng (die entwiehenen 29,15 Proc. Krystallwasser
mitgerechnet) 42,74 statt 40 Proc. W a s s e r erhalten wordcn seyn;
a u h wiirde das Salz nach P e l o u z e ' s Formel:
P'OsfBaa+ C4HH'aOa+12h q
nicht 30,575 Procent Krystallwasser, w i a derselbe i n twei Versuelien fand, sondern nur 28,5 Procent verlieren diirfen.
40
Aunal. d.Physik. Bd. 104.St. 4. J. 1833. St.8.
626
griifserer Zuverlsssigkeit als bei der Weinschwefclskiure
bestimmt werdcn kann.
Aus diesen Resultaten entspringt nun die Frage:
Sind diese Verbindungen zusammengesetzt aus Saure, Aetherin uod Wasser, und ist letzteres als IZrystallwasser darin
vorhanden, nlmlich zu 2 Atomen gegen 1At. Aetherin, so
dafs erst durch Addition der Bestandtheile die Zusammensetzung des Alkohols erhalten wird?
Diese Frage scheint mit Neh beantwortet werden
zu miissen, weil das Wasser weder zu bciden Atomen
noch zu 1 Atom aus der Saure oder deren Salzen abgeschieden werden kann, und es folglich der Verbindung
eben so wesentlich angehiirt, wie z. 13. den Aminoniaksalaen mit SauerstoffsSuren das eine Atom Wasser.
Die bestimmteste Antwort darauf giebt aber eine andere, von M a g n u s *) angestellte Untersucliung, welclier
fand, dafs, wenn wasserfreie Schwefelsiiure mit wasserfreiem Alkohol vereinigt wird, eine andere Weinschwefelskiure von ganz verscliiedenen Eigenschaften, aus 1 At.
Aether und 2 At. Schwefelsture zusatninengesetzt, entsteht, welche , wie die gewiihnliche Weinschwcfelsaurc,
wit einem Atom Basis, das 1 At. Sanerstoff enthzlt, tin
neutrales, aber von dem entsprecheuden weinschwefelsaureii sehr verschiedenes Salz liefert.
Der Uuterschied in der Zusaminensetzung beider SHuren liegt darin, dafs die eine ein Atom Wasser melir entbdlt aIs die andere; ubrigens aber ist das VerhZItnifs der
Schwefelskiure zuin Aetherin in beiden SSuren gleich. Es
ist also klar, d a t dieses Atom Wasser, das sich in dem
einen Salze mehr snit dein schwefelsauren Aetherin verbunden findet, darin nicht als Krystallwasser, sondern
unter einer ganz anderen Form enthalten ist, und diese
andere Fonn kann dann nichts anderes seyn als eine Form
von Aether. Daraus folgt ,aber ungezwuiigen, dafs Alkohol
und Aether nicht Hydrate einer und derselben Basis sind,
*) Annal. Bd. XXVII S.367.
627
obgleich ihre Zusammensetzung so vorgestellt werden kann.
W e n n dem aber nicht so ist, so kiinnen auch die rationellen Formeln E+Xk und E+2k nicht richtig seyn,
und Alkohol und Aether fallen, nach den zuvor erwahnten Ansichten, in die Natur der Oxyde von zusammengesetztem Radical, und miissen reprzsentirt werden, der
Alkohol durch C S 3+0 und der Aether durch 422 gS+O.
I m ersten Fall ist das Alkohol-Atom halb SO leicht a h
wir es vorhin als EH2 annahmen. Das Radical des Alkohols ware also CH3 und das des Aethers C2HS.
W i r haben L i e b i g zmei Uptersuchungen zu Janken, welche beitragen, die eben angefuhrten Ansichten
von der Zusammensetzung des Aethers vollstindiger zu
entwickeln. L i e b i g hat nemlich den Holzgeist analysirt *) und fur ihn die Zusammensetzung: ein Atom Aether
und zwei Atome Sauerstoff gefunden, welche sich auf die
rationelle Formel C2HS+ O reduciren I&t. Diefs will
sagen: Wenn der Aether eine Verbindung von einem
Atom Sauerstoff mit einein Doppelatoinc Radical ist, so
cnthslt der Holzgeist ein Atom Sauerstoff niit einem einfachen Atome desselben Radicals, demgeinafs die beiden
Korper sich zu einander verhalten wie das Oxydul dcs
Quecksilbers oder Kupfers zu dem Oxyde dieser Metalle.
L i e b i g hat ferner die ttherische Flijssigkeit zerlegt **), welche D 6 b e r ein e r entdeckte, und fur identisch
mit dem SauerstoffSther ansali, obgleicli sie auf anderem
W c g c gebildet wird, namlich durch gemeinschaftliche Einwirkung von schwarzem Platinpulver und atmosphsrischer
Luft auf Alkoholdainpfe. L i e b i g hat diese Flussigkeit
Acetal genannt, und gefunden, dafs sie ein Afom Essigsaure verbunden mit drei Atomen Aethcr cnthalt. Vergleichen wir nun die bisher bekanntcn Verbindungcn des
Aether - Radicals mit cinem einfachen unarganischen Ra') A n d . Bd. XXVII 'S.613.
**) Anad. BJ. XXVlI S. 605,
40
*
628
dical, und bezeicbnen, urn den Vergleich iibersichtlicher
zu machen, das zusamrnengesetzte Radical C' El5 mit Ae,
so erhalten wir folgende Zusammenstellung:
Oxydul
Oxyd
Chloriir
t6e
=Aether
At? =Holzgeist
Be C1 =Leichter Salzslure- Aether
Broiniir Ae Br = BroinwasserstoIl~ther
Nitrit
Ae iS
- =Salpeter- Aetiier
t6e A =Essigiither
Acetat
Subacetat i e 3 li = ~ c c t a ~ .
Hier fehlen das Sulluret und SeIeniet; allein ich prophezeihe deren Entdeckuiig *). Es fehlen aufserdeul die
') Viellcicht diirfen wir i n dieser Besielrung von den neueren interesaanten Eritdeckungen dcs Prof. Z c i s c cinigen Aul;clrlufs
erwarten. Porliinfigen Naclirirlitcn zufolge ( i n S c h w e i g g e r's
J o u r n . Bd. .LXVII S. 73 und Bd. LXVlll S. 146 mitgetheilt ) lint
derselbe gefunden., d a l i , w e n n m a n eine w X s r i g e o d e r weingcistige Liisung von gusB~tigtemSchwefclkaliuin i t i i t scliwerern Wciiriil
schiiitclt, o h n c alle Eritwickelizng von Scilwrrelwasserstoff', aber
unter Abscheiclung POII Sclrwefel, srliwel;.lweinsairrcs Kali uiid
cine fliissige, stark nach Knoblnuch ~ i c r l i c n c l eScliwefdverbind u n g entstalit. Diese Fliissigkcit, welclic Z. Sclrrvr$lweiniil oenot,
bleibt, w r n n W e i n g e i s t xur Lasung des ScLwelclkalirrms angew a n d t w u r d c , nebeu etwas schw.felwrinsaurrmveinsaure~i L l i , in demsclben grliirt, f i l l t i b c r l e i Anwenclung v o n W n s s e r zii Boden.
D u r c b Destillatiun dieser FliissigZruiten karin es, wenigjtens zum
l'heil, daraus abgcscliicden werden. RccliFicirt Besiczt das Schwef'elweiniil dnnn folgende Eigenseliaften. Es ist farblos, s c h w e r e r
als W a s s e r u n d uiiliislicli darin, liislieli in W e i n g e i s t von '0,803
uod in Aether, von Kaliurn erst bei Erliitzung z c r s c d n r , Jann
Seliwefdkaliuni bildend ;w i r d von wSfsriger Kaliliisung nur.sclrwierig zersetzt, aireli von weiogeistiger n u r Iangsnm, w c n n sie ziemlich wasserfrei ist, l e i griirserrm V\rasscrgelinlt jedock innerlralb
18 bis 24 Stunden, untcr Bildung ron untersclirvrfligsanrem Kali ;
fillt und vcriindert, i n W e i n g e i s t gclost, eine geistige L8sung
voo Blaizucker niclit.
Spiiterhin hat Ilr. Z. gefunden, dafs sieh derselbe Kijrper,
und z w a r ohne Sclrwefelabschcidung, aueh bildet, w e n n man
629
dem Oxyde entsprecbenden Verbindungen, doch IiiTst sich
voraussagen, daCs solche nicht aufgefunden werden.
Uebrigcns m u b ich hinzusetzen, d a b diese Ansichten, mie schr sic auch fur sich zu sprechcii scheincn, doch
iiur als WaIrrscheinlichkeiten , die zu ilirer Beslatigiiag
auf eine erweiterte Erfahrung warten, betrachtet werden
diirfeo.
schwcfelweinsa~rcSalze mit dem dritten Sclrwefelkalium (KS') in
Lasungen zusanrmenhringt, dafs dagcgen ein nnderer, SchcvcfefwcinZthcr von 2. gennnnt, entsteht, w e n n statt 'Jes Scbwel:fIkalirirnr
Schwefelharium ( B a s ) genomrnen wird. Dieser Aethcr ist diinnfliissig, wasserhell, leiclrter a l i W'asscr rind wenig darin liislich,
IBsLar, vaber i n allen Verlilltnissen i n Weingeist, von eigentlrirmlichcrn durcliJringenden Geruclr, stark siifssem, Stlrerischenr, niclrt
unangenchmen Gesclimaclc, s e h r ' leiclrt entziindlich, rind dann mit
blauer, etwas in's Riitliliche fallender Flamme und starkem Geruch
nach sclrwefligcr Slure vcrbrenneod.
W e n d e t man schwefelweinsaurcn Baryt und Sclrwefelbarium
an, so bckommt man, a u k r Spuren von untcrscliwefligsaurem
n
und
Raryt und Srlrwel'elwnsserstoff, n u r s c l ~ w e ~ e l s n n r eBaryt
diesen itherischcn Kiirper.
Dcrselbe ist indcfs. durch Destillation imrner wenigstens noch i n zwci ThciIe zu zerlegen, &en
fliichtigcren, den, in W'cingcist gelost, die geistige Liisung dcs
Bleizuckers schiin gelb und krystallinisch niedcrschllgt, u n d ein c n anderen, der did; nicbt thut. Der erstere, d e r auch dicect
niit Bleioxyd cine lhnliclie Verbindung wie die gcnannta gicbr,
lost Quecksilbernryd unter lebhaftcr ~ l r m e e n t w i c k e l u n gauf.
, und
crstwrt d a n k x u eincr d i 6 n krp.illisirten farblesen Masse.
Diefs giebt ein Mittel, den, w i e Z. siclr ausdriickt, mctallbindendem l'lreil des ncuen Korpers von dcm indifferenten abzuscheiden, da man den KGrper, nach dcr Behandlung mit Quecksilberoxyd , niir zu destillircn brauclrt.
W i d statt dcs Setiwcfelbariums Schwefelwasssntoff-Schwefelbarium gcnommen , so entstellt, untcr r.eichliclier Sch<vefclwasserstoffgas-Entwicklung, ein Kbrper, del: sclir reich an dem
*rnctallbindcnden 9 'I'lreile ist, nnd von 2.rorlhiifig Schwve/*fwurJerstojJ- W e i n a i h e r genannt wird. Dieser l&t Quecksilteroryd
mit solcher Heftigkcit, dafs die Fliissigkeit stiienrisclr aufwvallt.
Hievnacb erstarrt Alles zu d e r bezeichoeten krystdlisisclr-en. RIasse,
deren merkwiirdigste E i g e n s c h f t die ist, dal's sie in einer starken Auflosuog von kaustischem oder kolilansaurern Kali geschmol-
630
Das Aetherin oder Wein61 ist, dem Vorhergehenden
gemlfs, kein Bestandtheil des Alkohols oder Aethers, wiewohl es aus ihnen dargestellt werden kann, und sein
Atomgewicht kann nicht aus den Atomgewichten dieser
bestimmt werden. Jedoch ist es ein Kiirper, welcher
Verbindungen eingeht, movon Z e i s e’s Aethersalze, nunmehr richtiger Aetherinsalze genannt, einen Beweis abgeben, weil diese Salze alles Krystallwasser , welches
sie, gleich anderen Salzen, enthalten, bei ZOOo C. Ifabren
lassen, und dann die unorganischen Salze verbundeu n i t
Aetherin zuruckbleiben *).
X. PhysikaZische Notizen.
1. B o d e nfemperntur des niirdlichen Sibirien. Zu
verschiedenen Malen (Bd. XVII S. 340 und Bd. XXIII
S. 105 uiid 106) und noch S. 584 dieses Hefts ist in den
Annalen von der merkwiirdigen Erscbeinung die Rede
gewesen, dafs sich im ganzen niirdlichen Sibiricn der Boden, selbst in der heifsesten Jahreszeit, von einer gewissen, nach Oertlicbkeit und gcographischer Breite verschicdenen Tiefe ab, gefroren erweist, und dafs die Dicke dieser eisigeii Schicht an den ostvvsrts gelegenen Orten, wic
een und fortgesetzt digerirt wecden kann, oline die geringstc Vcrjnderung zu erleiden. Durcli Scliwefelwasserstoff wird diese
Quecksilbervcrbindung vollstiiodig sersetzt, und wenn diefs unter Wcingeist geschielit, brkomrnt man eine Jas Lacknrus r6thende Fliissigkeit, wcIcha zu der geisrigcn L6SUng von BleizukLer odcr QuecksiIberclilorid das r o r h i n aqegebene Yerhalteu
zeigt.
Ueber dic Zusammensetzung allcr dicscr KBrpcr wit1 Prof.
Z e i s a vor Beendigung der hereits aogekngeuen Analysen keioc
P.
Vermuthung hfsern.
* ) Annal. Bd. XXI S. 497.
P.
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
0
Размер файла
593 Кб
Теги
ber, die, der, atom, organischen, betrachtungen, zusammensetzung
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа