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Chemie und Hygiene.

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m.
hbrgang.
1. September l911.1
,-
.
1618
pnd Hy@ene.
B6hdg: Ch-6
-
-
Sondergebiete der Chemie verteilen aoll, trifft der Voretandsrat rnit Unhrstiitcnng der Ehrenmitglieder unseres Vereins. Die definitive Entacheidung uber die Enteendung, soweit die verfiigbaren Mittel reichen, erfolgt durch das L o s. -Die Namen der Auagelosten werden in d e r Fatsitzung der Jubilaumshauptversammlung bekannt gegaben. Die Abgeaandten konnen, soweit
es rnit ihren Reiseplanen vereinbar iat, uber die Vortrage a d dem Kongrel3, die R u n d f a h n
und Reisen in den Vereinigten Staaten in unserer Zeitachrift berichten.
Um diese Einrichtung dauernd zu gestalten, soll spater die Halfte des aus dem Zeitschriftenunternehmen flieI3enden Oberschusses zu einem Jubilaumsfonds angesammelt werden, dessen
Zinsen hierfiir Verwendung finden. J e mehr Mittel eingehen, u m so mehr jiingere angestellte
Cherniker konnen sowohl im nachsten J a h r e wie auch spater entsandt werden. Darum bitten
wir Jeden, nach seineni Konnen, reichlich zu geben, d a m i t schon im nachs e n J a h r e der zur Verf i g u n g stehende Retrag recht hoch ist, und die uberschiisse aus der Z e i t x h r i f t auch die Ansammlung eines grol3en Jubilaumsfonds ermoglichen; alles zum Segen unseres Standes, unserer
Wissenschaft und unserer Industrie.
Das J a h r 1912 muB und soll ein Markstein in der Geschichte der Entwicklung unseres Vereins
und seiner Mitglieder sein und bleiben.
Dor Vorstand und Vorstandsrat des Vereins deutscher Chemiker.
Vorstand :
C. D u i s b e r g , M. D e l b r i i c k , F. L i i t y , W. H e m p e l , P. F l e m m i n g , W. S c h e i t h a u e r .
Vorstandsr:it:
A. F i s c h e r , L. L a n d s b e r g , A. Z a n n e r , S. B e i n , C. G r a e b e , C. G o p n e r , 0. J o r d a n ,
Th. D i e h l , R. W o y , C h r . H e B , F. R a s c h i g , W. W a s s e r m a n n , J. C r e u t z , 0. D r e s s e l ,
E. W i r t h . R. H a r t l e b , P. P r i i s s i n g , 0. B r u n c k , 0. S c h m i d t , W. F r e s e n i u s ,
F. Q u i n c k e , E. v o n M e y e r , Ed. K l o e p p e l , H. P r e c h t , A. E i c h e n g r i i n , M. F r e u n d ,
K. S c h a u m , H. W i c h e l h a u s , A. L e h n e .
G. L u n g e , J. S c h e n k e l , 11. K r e y , R i c h . C u r t i u s ; E. A. M e r c k .
Chernie und Hygiene.
Voii A.
Rijtiiirc,
Leipzig.
(Eiugey. 5.7. 1911.)
In der Haupt- und Residenzstadt Dresden hat
unter den gunstigsten Auspizien die Internationale
Hygieneausstellung ihre Tore geoffnet und mit magischer %aft einen ungeheuren Fremdenstrom an sich
gezogen. Was lockt die Zalil der WiObegierigen nach
der Stiitte der Wissenschaft ? 1st es Neugierde, folgt
man dem Drange der alles belierrschenden Mode,
oder ist ea daa in jeder Mensclienbrust schlummernde
Verlangen nach Aufkliiriing und Bildunp? Es ist
das Zauberwort ,,Hygiene", das auch im Munde des
h i e n einen guten Klang Lesitzt und nocli rinma1 die gefurchtete Ausstpllungsmiidigkcit sieghaft
iiberwunden hat. Gar mnnclier Besucher, der in
seinem Berufsleben mit dcr 6ffent.lichen und praktischen Kommunalliygiene i n Bcruhrung kommt,
wird meinen, iiber dau Wescn der modernsten aller
Wissenschaften, der ,,Hygiene", einigermaaen orientiert zu sein. Erst beim nurchwandern der vielen
und ausgedehnten .-ibteilunpen, die fur sich und
untereinander eine t ief durrhdachte und planmaOige
Anordnung auch schon fur den oberflichlichen
Beobachter erkennen Issen. und die die kundige und
straffe Hand des leitenden Kaufmanns verraten,
wird man an all dem Gesehenen mit Erstaunen ge-
wahr, daB die Bedeutung undder Inhalt des W O W
,,Hygiene" doch noch hiiufig allzuselir unterschiitzt
wird. Man wird iiber sich selbst nicht allzu sehr
iiberrascht sein, wenn man hort, daO allen Ernstea
behauptet wird, was auch wiederum dem Hygieniker
vom Facbe bekannt ist, dal3 noch die iiberwiegende Mehrzahl aller Menschen und merkwurdigerweise auch ein groOer Teil der Gebildeten noch die
allerverworrensten Begriffe von der Hygiene haben.
Hierfiir spricht auch in recht bezeichnender Weise
daa Vorwort des groOen Ausstellungskataloge, daa
rnit der Definition: ,.Die Hygiene ist die Lehre von
der Erhaltung und Pflege der menscblichen Gesundheit, die Lehre von der Erhaltung des menschlichen
Wohlbefindens," beginnt, unddaran die nicht minder
auffdlige Tatsache ankniipft, daO auf den 530
auf dns Preisausschreiben eingegangenen Plakaten
fur die Ausstellung nicht weniger als 800 Schlangen
angebracht waren, die, wic es ini Katalog heiBt.
,,aufgespieOt., erwurgt, zertreten oder niit allen unmoglichsten Instrumenten niedergest,reckt oder getotet wirden." Wenn die Heilkunde ein W h e n von
dem ist. was der Gesundheit frommt. so geht die
niodernr Hygiene doch noch einen Schritt weiter,
sie will nicht n u r die Lehre von der Gesundheit
der Menschen sein, sondern auch durch die Pflege
des Korpers das Wohlbefinden des einzelnen und
damit auch dar des ganzen Volkes fordern; sie leitet
die Scliulniedizin in neue Bahnen. und durch den
209.
1620
a6ari.: C h o d o llnd Hygiene.
n e w t der offentlichen und der personlichen'Gesundheitepflege propagiert sie in weiteatem MaUe eine
*hame
Prophylaxe gegen den .Allgemeinbegriff
Krankheit. DieHygiene ist vor allem eine experinienbile Wienschaft, die sicli auf die Erfahrungen dea
tiiglichen Lebens stiitzt: Wer sich iiber dasgewaltige
Gebiet der zum Schutm von Leben und Gesundheit
tatigen Hygiene einen merblick verschaffen will,
durchbliittcrc den Index dcs Kataloges und ubermhaue den Plan der Ausutellung. Dort findet man
neben einem Saale fiir Infektionskrankheiten, Tierseuchen, Tropenkrankheiten, Tropenhpgiene. Stat.istik. Zali~crkrankungen.Ceschlechtskrankheiten,
Arbeiterversicherunp. Biiderwesen, Jugendfiirsorge,
Schulhygiene , Siiuglingsfiirsorge Krrrftmaschinen,
Benif undIArbeit,. Arbeiterschutz, Ansiedelung und
Wohnung. Belcuchtung, Sliidtebau. Waaservrrsorgung, Kleidung und Korperwewn, Alkoholisnius.
Rasellhygiene. Sportabteilung. Nalirungs- und GeniiBrnittel, Krankenfiirsorge lind Rettungswcsen,
-mer-, Marinr- und Kolonialhygicne. neben der 1'0I I .?re0 Abteilung der Mensch und den Einzrlpavil10 is der frcmden betdigten Staaten aricli einr Abterlriiig mit dcm Titcl: ,,Chcmie, Wissenschaftliclie
lnstriimente, Kosmetik." Schon-diwe Zusaninienstelliing in ilirer banalen Xackthrit licB vcmuten,
welclim Anteil die Cliernie schleclithin als Glied
der Iiitcrn. Hygieneau&ellung seitcns dcr Ausstnllirngsleitung offiziell ziigewieven war. Eine
grolle Anzahl namhafter Firrnen der chemischen Industrie hat in:lohens- und anerkcnnewmerter Weise
Produkte ausgcstellt, in der Erwartung, die hohen
Spesen durch reichliche Auftrago wieder wett zu
mwhm. Auffiillig, abrr vcrstiindlich, war die offensicht lichc Bevomugung von. fur die Rehebun$;und
Vorbcugung von Krankheiten bestirnmten, pharmazeiitisch - chemisclicn Praparatcn , deren einziger
Wert viclfach nur in tier Einbildung des Fabrikant.cn
und in der fur die R.eklauie gcbrachten Opfer liegt..
Wer aber nirinen wollte. dall bich die Anteilnahme
der clicniischcn Wissenschaft an der Ilygieneausstellung und somit. an der Wisscnschnft, die wir Hygiene ncnnen, rnit, den hier vorgefiihrtcn Priiparaten
der Ko3metik. der Miihrmittclindustrie und den gc\viU Iirrvorragentlcn Erzeugnisven der wissenschaftlichen Instrumcntentechnik erschizipft, hat daa
Wescn und die Tbdeutrmp der Chemie und iliren
EinfliiU auf die offentliche'.,Wolilfahrt nicht erfa0t.
Wir wollen zugehen. daB sich die chemische Wissenschaft in ijffentlichcn A4rlsstellungendiirch Vorfiihrung von Modellen,Taliellen rind anderen Hilfsmit.teln
nicht entfernt so anscliaulich damtellen 1!l3t. wie
andere wiasennchnft.lich-praktiacheBeriife; es mag
deahalb der h i e Rich iiber di<Chcmie und ilire lkziehungen zur Hygiene lieinen anderen als den oberflachlichen, katrtlogmaDigen Begriff machen. Der
wirklicli Gcbildete und der Bcrufschemiker sieht
melr. Erst cine weitcre Wandening')mch der populiiren Aliteilung, die iibenchrieben ist: ,,Der
Menmh", lieD in iiberwaltigender Weise den edlon
Wettstreit erkcnnen, in'dern die von uns vertretene
Wissenschaft ruit anderen gelehrten Berufen'um die
Palnir des Sirges, urn das Gelingen divser Anwtellung stritt. Es is1 cin hervorragendca Verdienat des
dureh seine vielen sozialen Eimichtungen beknnntcn
Dresdener Crollindristriellen, Herrn Geh. Koninierzirnrntes 1, i n g n e r ,das Gebiet der-Hygiene tl~lrch
'
--
eine groBziigige Belehrung iiber das g r o h Kunstwerk der Schopfung, den Korper dea nlenschen, den
weitesten Kreisen zrigiinglich zu maehen und eie.
wie der Katalog sagt, vor allen Dingen iiber ihr
eigenes kompliziertcs und kiirperliches Ich und die
einzelnen Organe, iiber dieUrYachcn, die der menschlichen Gesundheit schaden oder daa Leben:verkiirgen
konntcn, aufzuklaren. Mit Interesse lioren wir, da0
das angeliliiifte Material in jahrclanger Arbeit zusamnicngebracht worden ist, daU ein ganzer Stab von
Mitarbeitern, &ten, Chmikcrn, Katrirwisaenschaftlern, ein kleines Heer bestgwchiilter technischer und
kiinstlrrischrr Krifte mit cigenen Ateliem und u n i fangrriclien Werkstiitten diew plastische Kirsenlehrbucli populiirer Hygiene schafftcn. Konnte
schon bvi der Einrichtung dieser Abteilung iiicht
der 1Iithilfe erfahrcner Qieniiker ent t)elirt werden,
SO zeiprn nicht ctwa an vewteckter Strlle die Blatter
dirses Jrlirbuclirs die unvrrkennbaren deiitliehen
Schrift.zrirhen clcr werktiit.igen Hilfe, die chtmische Wixsenschaft:vom tlieorctischen wiclvoni praktisclien Stnndpunkte der Hygiene geleistet hat. A h
verfrhlt wiirde ich ezl erachten, wollte inan voni
griinen TiscIiv iiber dic. T3ezichungen dcr Ulriiiie
zur Hygiene nachdcnltm, uni wieviel anregender ist
eti doch. sic11 an dcr Hand des Erlebtcn und Erscliautcn an plastisclim hlodellcn, T a h l l e n ~ u n dunziihlipcn andrren Hilfsniit teln daran erinncrn Tu
lassen, was die Chrmie fiir die 6ffent.liclie untl private Wohlfahrtspflege geleistet hat. Von drr interassanten populiiren Abteilung 8chw.eifen die Blickr
auchlhiniikrIzu den iibrigen, einschlicl3lich such der
auslandischen :ihteilungen. in denen fiir dir Behaupt.ung, daU die Chemie cine mRchtipe und, unentbchrliche Fiirderin a1ler;hygieniwhm Bestrebungen ist. knierkenswcrte Bcispiele annitreffen Hind.
Diesc Betrachtungen sollen uns aber nicht von dcm
offenen Bekenntnis abhalten, daD die Hygiene auch
in anderen Gebieten wivsenschaftlicher Betlitipng
tiefe Wurzeln fafit. 1st nian doch imnier gcmrigt,
gewwen, die Hygiene als ein Rrservat der praktischcn Nrdizin nnzusehen; erst die neuere Zeit hat
gelehrt., daU auf ihro Entwicklung. ihren Ausbau,
aucli dt.r C,eschichtaforscher und vor allcni der Sozialpolitikcr ein hcstiinmtes Anrecht geltend nincht.
\Ver wiibtc niclit, \relchc Bedeutrrng Kouiniune und
Sta.at,:allen auf dic: ;\rl,eiterwohlfalirt. Huf die Hygiene in Schulc, Ifnus wid Faniilic, nuf hypienische
Einricht.unyen i n Fabriken. nuf Krankenfiirsorge
usw. gerichtetrn Bestrrbunpn heirnillt, wrlche
ungrheuren Opfcr fur die Volksn.ohlfalirt in a l l p
mrinen iiffcntliclien Einrichtungen, \vie in \\'asserleitungen, B,2deeinrichtungcn, Kanalisation und
vielen anderrn neuzeitlic-hen JtaBnahrnen investiert
wcrden. ZGewaltig sind die Leistungcn unswcr medizinisclien,\Yissen~chaft auf dern J ~ e l ~ der
l r flygiene. hlan vrrgrgenwirtige sicli clas ungeherierc
Gebiet dcr Infektions-, Bcrufs- und Volkslrrankheiten, der Tropenhygiene und drr Anatomic d w
hIcnschen. Erst an den reichen Schstzen der Intern.
Hygicncausvtellung kann auch der Sichtmediziner
begrcifen, daB das hypienische Sybtcw, auf dein dw
Heil unscrer hfitnienschen iind die Sicherung d r s
Bestandcs dcr Volker lieruht, seine srgensrciche
Entwicklung haiipts~hliclr medizinischcr Grund.ichkeit vcrdankt. Es ist vijllig unmoplich, bei dcr
Fiille dw Anscliciriun~sniaterials auf Einzelheitcn
hinzuweisen, und doch darf bei keiner Besprechung
der Leistungen dieaer Ausstcllung, die das hijchste
Interesae aller Wissenschaftler erregenden, durchsichtigen Xaturpraparate des Leipziger Profeesors
Dr.S p a 1 t e h o I z zu erwahnen vergessen werden.
Einzigartig und bewundernswert ist auch die
von einem anderen Leipziger Professor selbstandig
geechaffene historische Abteilung, in welcher wir in
Bild, Plastik und Modell die hygienischen und unhygicnisclien Momente in der Kulturentwicklung
des Menschen erkennen sollen. In eindringlicher
Spraclie, an der herrlichen Figur der knidischen
Venus des Praxiteles, an dem Speertrager des Polyklet als laut rcdendcn Zcugen llngst verganpener
Kulturepochen nerden wir daran crinnert,, daB auch
vor uns der Staat, sclion in der Erziehung eines gesundcn, leistungsfahigen und nohlgeubten Volkes
eine der wichtigsten Aufgaben sah. An so manchen
Einrichtungen fruliercr, vergangcner Zeiten kann der
aufmerksame Beobacliter crkennen, daB, wenn
auch dem Altertum die cheniische Wissenschaft im
heutigen Sinne noch nicht bekannt war, in der
Sorge fur die Beschaffung von Nahrung, Kleidung
und iyolinung allein durch scliarfe Beobachtung
von Saturvorpangen so mnnche chemische Probleme gclijst wurden. Die Technik der Bninnenanlagen, der Kanalisation, des -4bfuhrwesens, dea
Badewesenn, des Bcstattungswesens, die Bearbeit.ung des Tones, der Hnut zu Leder und die Zubereitring der ?;alirungsmittel und nicht zulctzt auch
deren Verfilschung bietcn manche intercssante chemisch-hygienische Momente.
Wendcn wir uns nun zu den Gebieten der modernen Hygiene, in denen in hervorragender Weise
und aucli dauernd chemischc Arbeit geleistet wird.
Im Wohlbefinden dea 3Ienschen spricht auch die
Hygiene der Luft und des Lichtes eine gewichtige
Rolle, der allgemeine Ruf geht nach vie1 Licht und
nach reiner Luft. Wie ist es damit nun bestellt?
Wir wissen alle, daD die Vermehrung industrieller
Anlagen rnit einer hier geringeren, dort starkeren Verpestung der Luft verhunden ist; das Beispiel der
bekannten Freiberger Esse, die dyrch ihre imponierende Hijhe dem von ihr verbreiteten cbel Abhilfe schaffen soll, ist ein belehrendes Beispiel.
Da ist es Sache des Cheniikers, Rauch, RUB und
gesundheitsschadliche Gase in der Luft und deren
ort liche wie zeit.liche Schadigungen festzustellen,
es gilt, Ursachen, Symptomat.ik und technische
MaDnahmen zur Verhiitung von Rauchschaden nachzuneisen und auszusinnen. Wie befruchtend der
Gedan ke einer internationalen Hygieneausstellung
auch auf die Erforschung der Luftverhiiltnisse in
ihrcr Bezieliung zur Wolilfahrt der Menschen gewirkt
hat, beneist die vom Leiter der Abteilung Licht und
Luft iiber ganz Deutschland nach einheitlichem
Plane veranstalteten Untersuchungen der Luft
groI3er Stadte. Eine groUe Anzahl offentlicher chemischer Laboratorien hat sich in den Dienst der
Allgemeinheit gestellt, und die Zukunft wird leliren,
welche JIaDnahmen fur die Reinhaltung der Luft
getroffen werden konnen. Im Zeitalter der Aviatik
reichen sich Wissenschaft und Technik bei der Erforschung der Luft bruderlich die Hand. Die Technik des Lichtes ist nicht ausschlieI3lich Sache dea
Chemikers; ihm fallt hier.die Rolle des treuen aber
unentbehrlichen Mitarbeiters zu. Rechnen wir doch
mit Stolz den erfolgreichsten Lichttechniker A'u e-r
v. W e l s b a c h unter unaere Pschgenossen; nur
die Kenntnis der Chemie der seltenen Erden nnd
die Entdeckung der Verwendbarkeit der Carbide
fiir Leuchtzwecke, die gewaltigen Fortachritte der
Neuzeit auf dem Gebiete der Leuchtgeschemie
haben es vermocht, noch einmal den Siegeszug der
Elektrizitat aufzuhalten. Auch die Balneologie, die
Lehre von der Heilwirkung der Mineralquellen, der
Moor-, Schlamm- und Seebader, stellt die Cliemie
in nicht geringem MaDe in ihre Diemte. Begnugte
man sich fruher, die Wirksamkeit einer Quelle an
der Hand einer chemischen Analyee ihrer Bestandteile zu beweisen, so ist die Technik des Biidcrwesens nicht'an den Ermngenschaften der modernen
Chemie achtlos voriibergegangen. Der modcrne
Kurdirektor weiB oft besser als ein junger Cheniiker
iiber die Leitfahigkeit von Salzltisungen Bescheid
zu geben undversteht in glaubwurdiger Weise die besonderen Heilwirkungen seiner Heilquelle von dem
Ionenzustand gewisser Bestandteile abzuleiten.
Seit der Ruhmestat des Eliepaares C u r i e hat
man versuclit, auch die Emanation des Radiunis
als Heilfaktor so mancher Quelle verantwortlich
zu machen Zahllos sind bcreits die auf chemisclicm
Wege gewonnenen Radiumpriiparate, und die Ausstellung besitzt fur sie eine besondere Koje, in der
auf die Verwendungsart im Bilde d e r durch Vorfuhrung der Apparate hingewiesen wird. Fiir Sicliteingeweihte mochte ich verraten, daB das Wunder
der Natur, das Radium, noch in koniglicher Einsamkeit, in stiller Zuruckgezogenheit verhar'rt. Kur
dem fachkundigen Chemiker ist. es gelungen, aus der
Verarbeitung von lo00 kg Uranpecherz 220 mg Radium in G e s t a l t d e s C h l o r i d s zu extrahieren. Aber aucb auf 'anderen Gebieten praktischer
Hygiene erweist sich die Chemie a1s nut.zlicher Berater und Helfer.y,Benlf und Arbeit bringen oft fiir
Leib und Leben Gefahren, denen mit geeigneten
Mitteln entgegengetreten werden muU. Hier gilt
ea, die Zahl der Bleierkrankungen durch Nacliweis
dea Bleistaubes in der Luft, an den Kleidungen,
ja selbst im Speichel der Arbeitenden nachzuweisen,
dort muI3 der Chemiker nachsinnen. an die Stelle
des giftigen Phosphors der Zundwaren neue praktisch verwertbare Verbindungen zu stellen, und
zahllos sind die Mogliclikeiten der Berufsschiidigungen in chemischen Fabriken. Die schweren gesundheitlichen Schadigungen, die gewisse Haarfarbemittel und der Arsengehalt der Schwefelsaure und
Salzsaure des Handels, z. B. im Klempnerberuf, verursachten, lint die Reichsregierung durch ErlaB besondercr gesetzlicher Bestimmungen zu beheben versucht. Jetzt gilt es, die Beachtung solcheriWohlfahrtsbestimmungen zum Sutzen der Betroffenen
zur Geltung zu hrinpen.
Als besonders interessant verweise ich auf eine
Gruppe der popularen Ansstellung, uberschrieben
,,Kleidung". An der Hand von Praparaten und Bildern wird gezeigt, wie der Mensch nach Verlust
seines Haarkleides, es verstanden hat, sclbst in den
kiiltesten Klimaten sich niederzulassen, und zwar
durch Erfindung der Kleidung. Wir horen, daB nicht
der Kalteschutz der AnstoB zur Kleidung allein gewesen ist und ebensowenig die Schamhaftigkeit.
ein Begriff, der den unkultivierten Volkern auch
heute noch vollig abgeht, sondern die Beliietigung
durch Insektien, wegen-Some und Rsgen, zur Hervorhebung der Wiirde und Stellnng usw. 'Auf die
Marterwerkzeuge, wie Stehkragen, Giirtel. Strumpfbander, Hosentriiger und auf dae vielgeachmiihte.
unhygienische Korsett, auf Mode und Torheit in
IUeidung, wird gebiihrend hingewiesen, anderereeita die gefurchtete Angstrohre, der Zylinder, gegeniiber der Miitze d w Kaiserlichen Yachtkluh als hygienisch vorteilhafter hervorgehoben. Uns C%emiker
intereasicrt nur die moderne Kleidung und ihre Herstellung. Da kann man sehen, wie die Rohstoffe,
Wolle, Baumwolk?, gewonnen und vorbereitet wcrden. Vor u n tun sich die irn h b e n des Nenschcn
so bedeutungsvollen, gewerblichen Bctriebe der
Wekrei. der Fiirhrei, der Inipriignierungskunt,
der Pelzbearbeitung, dcr Pclzfiirberei, der Gcrberei
suf, und nicht. zuletzt sei dcr Hcrstollung der
Kunstseide und der vielleicht nocli einer Zukunft
entgegensehentien Genrbe aus GI&? und Holzstoff
Erwahnung getan. Denken wir niir a k i n an dns
Gebiet dcr Farbrnchc~iiie,so wcrden wir den wichtigen Anteil der Cheniie ain Kulturlebcn dcr
Mcnsclicn begreifrn kiinnen.
An die C:riippr der ,,Klcidunp" sclilieDt'sich uninittelbar r i n c andere nicht mindcr wichtige und
intercusante, dic der ..Sicdeliing und M'ohnung" an.
Keben der grscliichtlichen Entnirklung des Wohnwwens nirtl aiif die Schiiden falsclier Hau- und
N'olinweisrn hingewiesrn, der Iksuchrr empfiingt
Aufkliiriing iilier die \\'ah1 der IVolingegend, iiber
Heizung rind 1,iiftiinp. iiber Reinhaltnng und Reinigung. iiber natiirliclie und kiinstliclie Relruchtuny.
uber niotiernt~n Iiygienischen iVoliniinpskoiufort.
Auf einern Geniiilde \vird die .-Inlapcincr hlnsterstadt nacli heutigen. Iiygienisclien Gesiclitspiinkten
geprben, auf t l e i i i in beruerkens\vertrr \\'eisc der
E'riedhof sicli iinuiittelbnr an das Krankenliuus nnschloU. Das Xusaiitmenlebcn der niodrrneii Menwhen stellt an Srnat und Kon~~iiiinr
liohe hnfordrriingen fur dic Srtiaffiing gviieinniitzigcr Kinrichtungen. R~:hlactitliiliirer. Heinie dcr rerschieclcnstcn
Art. C~artcnanlagcn \vrrdrn pfordert. ~ i i n l)cclciitungsvollstcn gilt nher in e n t e r linic? einc einwmdfrt:ie \\irr~ser\.c.~orgiiIi~.
\\elchcr .4ntcil der ('lirrnie
an (1c.r Unter~ucliiingund an tier stiindigen, not wendigcn Kontrolle drs 'I'rinkntrssers zukoinnit. \veiU
am bentrn der zu niirdigen, der scltist dilinit zii tun
hat. Es irrt noch nicht langc her, t1;rW der Chciiiiker
81s zustandiper L1tygitachter dcs Trinkuwsrrs ernsthaft zuriickpvicsm w i r ( k . (;ah rs doch einc grol3e
Anzalil ron Alcrlizinern. die ziir Brgutacht iiiig des
Wassers sic11 all(-in befiliigt Iiit~lfrni l n d die Betleutiing der Bakteriologie auf tlcin (ktiietc tlrr 'Trinkw a ~ ~ e r u n t e ~ t ~ cuneetjiilirlicli
hu~i~
iil)rrsclilitztc~~r.
Saeh ~l)rrwindiingtler Raktrrienfurcht k m i nbcr
aucli dcr Clicniikcr wiedcr ziir (kltung, uin SO rnrlir,
ale cr allein befaliigt ist, die stiindige Kontrolle r o i l
Wiwsrrn, vor allcin solcher, die wegcn ihrrr bivilnsc.nden Eigenschaft einer brsonderen cliemischcn
&handlung zii unterziehen sind, in zufriedenstellcnder \Veise durclizufiihren.
Our manche Genieinde, gar Iiiaiiche Fabrik
seufzt linter der Rchwercn S o g e der Besejtigung
ihrer Abniisser. Sicht jedes Gemeinnesen kann
sicli einea griil3eren Flusses als natirliclien Ableitungskanals fiir die verbrauchten IViiyser crfreucn.
Die schweren Schdigungen der FYuUllufe durch
iibermiiBie Aufnahme von Abfallstoffen chemisoher
Fabriken sind a n vielen Beispielen b e k a ~ gewort
den. Oft werden sie von der Allgemeinheit 80 scliwer
empfunden, d e D aelbet die Reichsregierung durch
daa Reichsgesundheiteamt daa Studium der Abwaaserfrage in wiederholten Fallen aufgenonimen
hat. Die Ekobachtung des Zulaufea in die Kaniilc,
die Reinigung und Klamg der Abwiiaser verschiedenster A r t stellt an den Cliemiker oft grol3ere Anfnrdcriingen a h an den Techniker die Beeseitipng
der Warner. Auch die physikalische Cheniie kommt
bei dcr Reobachtung dca Grades dcr Verunreinigungen, insbesondere bei Verunreinigungen durch Salzlosungen, z. B. von Kaliwerken, wie beobachtct
werden konnte, zur Geltung. Auf dem System dcr
Leitfiilii~kcitsbestinimung f u k n d , gibt. e8 einen
njcht wenig komplizierten Apparat, dcr aatomatisch
den Grad der Verunreinigung registricrt. und die
Ruhe munches Fabrikhcrrn sol1 dureh Vorlegung
der auf diesem Wege gewonnenen Autogramme ganz
empfindlich gestort wordrn sein. Auch im Haiiwrsen
hat die C'lieniic werktiitige ;\lithilfe'geleistet. Srhon
auf tlcn Schulbinken wird uns gclchrt. \velclie rliemischen Vorgiinpc sich beiiii .kmncn und Ti5sc:hen
des Kalkes abspielen, wclche \\'irkung deiii hliirtel
in sriner \'ert,indung mit Sand und \Vasser zukoinnit, wnzii Luft- lint1 IVasrierniortel tlienen. liast 10s nrbeitrt der Clieini ker a n nwen t'roblemcri.
und \\elin wir die IICIIC Industric des Kiinststeiiii,n
iibrr1,lickm i i n d verneli~rirn.daU die fast nc~tlost~ii
Ablaugrn tler Kaliwcrkc, das ~ ' 1 i I i ) r i i i : ~ ~ n e s i i i i i i .
diircli Mischiing niit gebramnter hpnr:ia. die
Gruntll,age fur den Buustein nioderner Hiiuscr I d den. die, nie truf der Ausstellung vorgefiilirt. fiir
eine Vaniilie pussend. fix und fcrtig niit Gardinrn
iind Tapetc, in zwei I'agrn Iwvohnl)ar 1iingczn1il)ert
\rurdrn, dann diirfte arich der Lair nridlos tlir I+folgc dcr praktisclicii (:lirniie auf drni (khictr. t l w
Uauwesens und damit irn Dicnvte der Hygicnr
stehend, ancrkennen. Aucli in der Teclinik des
3Iijrt~ls lint, die Chemie nnerkennenswertc Fortschritte aufzuweisen. l':~sei iiur an die Erfindiinp
der auUerordcntlicli bewiihrten tlurcli V c r w c d i i n g
einrr Srifenkoinpojition a-assrrdiclit gcinuclitrn
Wiirtclri rrinncrt, diirch de~sc.ii Vcrwndung die
\\'arisrrfeuelitigkeit in 'Yiefbautcri rind 1)ewnders in
nrrnsclilichcm \\'oliniingen hrscitiyt w i d . wodiirdi
oft srh\wr t~in~)fiindene
hliUqtiinde Iiygienischer Sat ur belriimpft w r d e n konnt rn.
Fur (1iLq riclit ige Ytwtiindnis des gaiizen \Vc?;ci~s
dev Hygienr untl ilirrs Kinflussen aiif dcii Eiiizvlnienschen ist die Ktmntnis der Orgune dcx llmsclirii
untl d r r m 1xl)cnsfiiiiktioiicti not wendig. 1)iewiii
Zwecke ditmt die Gruppc: ..Z)er llennch als Knn-t wcrk" in der ~ioiiiiliirriiAbteiluny. In allpemeinvcrrtiindlinher Darstclliing wird iiiicli dcr niclit niedizinisch Grbildetc iilier drn Aufb;iii untl die koniplieicrtc Masohineriv den rncnschlichcn Organi.qnlrr:, : i l i f grkllrt. 1)ir Teclinik drs Srlirns, Hiirenri, Sprec1it.n.;.
die Arbeit der Scrven, drr :\rtericn iinti \7cric.n. die
Arbeit des Hermiis, d w Imige, des 31aptm. dt.r
Xiercn gcnund und krank, wird in plnstisclien 110dellen und auch ecli ten Priiparattn vorgefiilirt.
Staiinend niussen n i r huren, d a b die Oberfliiclie
i e r 25 Billionen Blut.korperchen eines Xensclien
>twa den Marktplntz einer klcinen Stadt bedeckrn
wiirde, daD ein Nerv selbst eine Belastung von
XXIV.
Jahrgang. 1911.3
Heft PS.
1. September
Rohrig: Chemie und Hygiene.
75 kg ertragt, daB das kleine, 75 ccm fassende Herz,
eine Blutmenge von 365 1 in einer Stunde passiert,
daB der Mensch, wenn er nwh harter Arbeit alle
seine Knochen verspiirt, dies eine Summe von 212
Einzelwirkungen bedeutet, daB 80% aller Menschen
tuberkulose Affektionen zeigen, daB genau wie bei
einer gewohnlichen Dampfmaschine von der dem
Korper zugefiigten Gesamtenergie nur etwa ein
Fiinftel zur Arbeit verwandt wird, und vieles Interessante mehr.
Was die Leistungsfiihigkeit unserer Sinne anbelrihgt, so interessieren uns Chemiker folgende angefiihrte Tatsachen. Das Gefiihl SUB wird erst hervorgerufen, wenn 12 g Zucker im Liter gelost sind,
salzig bei 4 g Kochsalz, sauer bei 0,Ol g H,S04 und
bitter bei 0,OOOl g Chinin in gleicher Wassermenge.
Durch den Geruchssinn konnen withrgenommen
werden der 50 millionste Teil von 1 g Has, der
200 millionste Teil von 1g Pfefferminzol und der 500
millionste Teil von 1 g Moschus. Solche fliichtig aufgegriffene Einzelheiten sollen uns Zeugnis ablegen
von der Vielseitigkeit dieses Teiles der Auxstellung;
daB die Beteiligung der Chemie auf diesem Gebiete
etwas zuriicktritt, mag zugegeben werden, wenn
wir auch nicht leugnen konnen, daB der physiologischen Chemie als bewiihrter Mithelferin der praktischen Medizin sowohl mittelbar wie unmittelbar
auf die Hygiene ein nicht zu unterschiitzender Einflu13 zuzusprechen i t . Ihre Verdienste liegen hauptsachlich auf dem Gebiete der Erniihrung und der
Verdauung. Die unsterblichen Verdienste eines
F e t t e n k o f e r und eines V o i t , die die Grundlagen der Erniihrungslehre in gleich genialer Weise
schafften, wie einstmals L i e b i g, das Verstiindnis
fiir die fundamentalen Grundsiitze der Landwirtschaft, sind nur denkbar auf weitester Grundlage der Kenntnis der Zusammensetzung, der Gewinnung und Bearbeitung der Nahrungsmittel.
Den bekannten Ausspruch H e r a k 1 i t s, daB alles
flielt, hat uns zum ersten Male ein L i e b i g , den
wir mit Stolz zu den Unseren zahlen, vor Augen gefiihrt; er zeigte, wie die Pflanze unter dem EinfluB
des Sonnenlichtes %us den Bestandteilen der Luft,
des Wassers und der Erde die Nahrungsstoffe fiir
Mensch und Tier erzeugt; der Mensch lebt seinerseits entweder von den Stoffen, die ihm die Pflanze
unmittelbar liefert, oder er nimmt die Nahrungsmittel vom Tiere. Mensch und Tier zersetzen die
aufgenommenen Nahrungsprodukte mittels des eingeatmeten Sauerstoffs, um die Bestandteile des
eigenen Korpers zu erneuern, wie auch um Kraft zu
erzeugen. Die Abfallstoffe von Mensch und Tier
dienen wieder den Pflanzen zur Nahrung. Somit
ist der ewige Kreislauf der in der Natur befindlichen
Stoffe geschlossen. Sorgfaltige Untemuchungen
stellen den Nahrungsbedarf an den einzelnen Niihrstoffen, wie EiweiB, Fett und Kohlehydrat fest und
berechnen die Kost unter Verwendung der Nahrstoffmengen der verschiedensten Nahrungsmittel
unter Beriicksichtigung von Sitte und Gewohnheit
und des Verlangens nach Befriedigung des Hungerund Durstgefiihls. DaB der tagliche Bedarf an
Nahrungsmitteln ein verschiedener ist, je nach dem
MaBe und der Art der geleisteten Arbeit, ist jedermann verstiindlich, und doch mu13 es aiiffallen,
wenn man hart, daB ein E’jscher auf der Wolga tag.
lich 319 g EiweiD, 57 g Fett, 486 g Kohlehydrate
1623
und somit einen Calorienwert von 3830 Cal. zu sich
nimmt, wiihrend ein japanischer Lasttriiger rnit
nicht geringerer Arbeitsleistung rnit 55 g EiweiB,
6 g Fett und 324 g Kohlehydrate in Summa 1610
Calorien auskommt. Liegt in dieser zifternmiidig
erwiesenen Bediirfnislosigkeit der gelben Rasse
nicht ein wesentlicher Vorsprung gegen die Leistungsfiihigkeit der EuropGr ? Unentbehrlich ist
die Hilfe des Chemikers, wenn es gilt, aus den Rohstoffen die eigentlicheh Nahrungsmittel zuzubereiten.
Es sei z. B. nur erinnert an die Produktion des Mehles, an die Herstellung des Bieres, der Milch und der
Molkereierzeugnisse und des Weines, von dem man
zwar behauptet, daB er am besten gedeiht, wenn
der Chemiker nicht an seiner Wiege stand, an das
Fiirben, Bleichen und Konservieren der Nahrungsmittel; selbst der coffeinfreie und hygienisch gepriesene Hagkaffee, wie auch die Bremer nicotinfreien Zigamen sind Kinder der chemischen Kunst.
Ww niitzen aber alle theoretischen Betrachtungen iiber die Beziehungen der Lebensfunktionen
zur Nahrung; alle wissenschaftlichen GrundIagen
fiir die Erniihrungslehre werden erschiittert, wenn
die Nahrungsmittel dem MeDschen nicht rein ge.
boten werden, wenn die Art ihrer Zubereitung eine
Gesundheitaachiidigung beim Genusse zur Folge
hat. Die richtige Erkenntnis, daB eine gesunde,
reine und auskommliche Nahrung allein zur Erhaltung eines Menschengeschlechtes beitragen kann,
daB gesunde Nahrung auch in Zeiten von Epidemien
besonders wichtig ist, hat schon friihzeitig dazu beigetragen, gegen Fiilscher auf der Hut zu sein und
ihnen ihr unsauberes Handwerk zu legen. Welche
Bedeutung der Nahrungsmittelkontrolle als dem
jiingsten Gliede in der Kette der auf die offentliche
Gesundheitspflege abzielenden Einrichtungen zukommt, mag ein eindges Beispiel, auf das in der popularen Abteilung in einer TabelIe hingewiesen wird,
beleuchten. Zu den allerwichtigsten Nahrungsmitteln gehort bekanntlich dieMilch. Durch fortgesetzte
Beobachtungen ist es moglich, den Durchschnittswert fiir deren einzelne Bestandteilc fiir jedes Jaht
festzustellen. So betrug im Jahre 1910 der mittlere
Fettgehalt, um n u diesen allein herauszugreifen,
aller in Leipzig untersuchten Milchproben, einschl.
aller gefalschten noch 3,17%. .In unserer Schwesterstadt Dresden, die von gleichen landwirtschaftlichen
Verhaltnissen abhiingt wie Leipzig, iat ein Regulativ
mit mildeen Bestimmungen giiltig, und als nnmittelbare Folge resultiert ein‘ Jahresdurchachnittawert
des Fettgehaltes, der in Dresden im gleichen Jahre
nur 2,98% betrug. Nach einer auch jetzt in Eeipzig
durchgefiihrten sorgfiiltigen Milchstatistik darf ein
tiiglicher Verbrauch von etwa 200 OOO 1 in Dresden,
somit ein Jahresbedarf von 57 Millionen h i e r n rnit
einem Jahreswert von 10 Mill. Mark angenommen
werden. Nach Berechnungen des Dresdener stadtischen Untersuchungsamtes entapricht die erwahnte
Differenz des tatskchlichen Milchfettertrages gegen
den normalen Stand im Jabre einer Buttermenge von
171 OOO kg, einem Quantum, das ausreichte, 800 bk
1OOO Familien den Jahresbedarf zu decken. Auf
das Jahr berechnet, entspricht dieses als Folge unlauteren Gebahrens den Dresdenern Bkgern widerrechtlich entzogene Milchfett einem Werte von
450 000 M. Der durch die Fiilscher der Milch am
Leben und der Gesundheit der Kinder nebenbei
veriibte Sohaden diirfte noch weit Bchwerer ale der
erwiihnta pekuniiire Verlust einzuschatzen sein. Ein
einzigea solohes Beiepiel, das aber durch viele andere
Auf des Verhalten der Katelaea in der Milch stiitzen
sich auch aUe in chemischen L a b o r a t h e n hiiufig
angewendeten Verfabren des Nachweiaes des Erergiinzt werden kann, beweiet, daO die Fiilscherhitzungspadea der Miloh, eine Reaktion, die in
jiingster Zeit in zahllosen Fiillen auszufuhren war
praxis eine lohnende ist, da6 sie in gewissenlosester
Weise mit dem Lcben und der Gesundheit der Mit- und noch ausgefiihrt wird, um dic aus mit Maulbiirger spielt. Den Gefehren, denen das Individuum und Klauemuche befallenen Stallen stammende
dumb verfiilschte und gesundheitsschiidliche NahMilch, die nach behordlicher Anweisung nur abrungs- und GenuDmittel urid gewisser Gebrauchs- gekocht in den Verkehr komrnen darf. zu erkennrn.
gegenstande ausgesetzt ist., steht der Einzelne ohn- Der GenuU einwandfreier. roher Milch ist nun keme9wegs ein Vorrecht des der Mutterbrust entwijhnten
miicht.ig gegenuber. Deshalb ist, wie die Bekampfung ansteckender Krankheiten, die Beseitigung der
Sauglings. Auch der Erwachsene trinkt Jlilch nicht
Abfalletoffc. die Beschaffung gesunden Trinknur uls GenuBniittel, sondern vor allem als Kahrungnmit,tel. Jrt fur viele ist die Milch, dir man pern
wmsem auch. die Uherwaehung des Vcrkchm rnit
Nahrungsrnitteln Aiifgabe des Staates oder der Ge- als dns fliksige Fleisch hezcirlinct, cine unentbehrmeindc. Erst die jungste Zcit hat auf dicsem Gcbicte liche Sahrung. Zu den modernen hygienischrn l30der Gcsundheitqflege Wandcl zum Guten ge- strebungen pehiirt nun auch dir Fiirderung dru
Milcligcnusses in Schulen, Fabriken und in neucrer
schaffen, und wir diirfen getrost hoffen. dal) in der
Nahrungsmittelabteilung der niichsten 1nternat.io- Zeit auch auf der StraUc. Jede Stadt wcttcifrrt
nalen Hygieneausitellung jenes Schild verachwunden
rnit der anderen u m dir hiictiste Zahl des Milchkonist, das in F o h n Lettern die warnondc Aufschrift sums pro Kopf der Bcvolkerung. h i d e r steht dic
triigt: ,,Wurst ist Vertrauenssachc." Nicht unbeStat.btik des Blilchkonsunis noch auf sehr ychwnkannt diirfte e z sein,
~
daB, nachdem dcr Staat in aus- chen FiiDen. Die in der Literatur hieriiber anzutrcfgiebigcr Weise diirch Einfiihntng amtlicher Fabrik- fendcn Zahlen sind sehr akeptiscli aufzunehmen, ziima1 bekannt ist, daB einige Angaben lediglicli auf
kontrollc, durcli husbau der Berufsgenossenschaften, der Ortskrankcnkassen. der Invalidenversiclie- Schatzung beruhen. In riclitiger Hrkenntnis drr
Wiclitigkeit einer exukten Milchst.atistik. dio fiir die
rungen unti aiidtwr caritiitischer Einrichtungen die
Wohlfahrt dcr arbcitendcn Khsue pefijrdert hat, cr Mgemeinheit wie fiir Betiijrdep zur bwseren U k r nunmelir auch drm Siiupling scinc Fursorgc zii- wachung d w Milchliandels g r d e Vorteilc bietct,
wendet, in dcr riclitigcn Grkmntnis. duD jcdes er- hat die Hygieneausstellung Anregring zur Vornalime
halkne Individriuni dem Staate, sei e~ a h Steuer- einheitlicher Erhebungen iibrr den Milchumsntz in
zahler, sci ex als Soldat, eininal niitzlich sein kann.
goBen Stiidten nach Zufulir und Vcrbraurh ge.
d a b in ihni mogliclierwcise auch einmal ein B i s geben, der viele Stiidte Folge pcleistet haben. Aiich
m!a r c k oder ein S c 11 i I 1 e r oder cin G o e t h e auf dem Gebiete der Milchhygiene und Milclistatistik
erstchen kann. Als jungstes (:lied der Hygiene ist sonacli dic Tiitigkeit dea Chemikers kcine untergeordne te.
richtet. d k Siiuqlingsfiirsorge ihr erstes Augenmerk
auf Sclionung der jungen Mutter, auf Verbreitung
Wcr niit Aufrncrksamkeit die letzten Vcrliandund Untcrstutzung drs St.illgesehiiftes, ja otfent- lungen des Reiclintrrgrs verfolpt hat., deni diirfte
liehe Mittel werden bereitgestellt, um jungen Mut- nicht. entgangen sein, daB die Regierungen ernst lich
tern durch Kindcrpflcgc ent.gehendcn Verdienst zu gewillt sind, das an dem gcsunden Kijrprr des
ersetzen uud I'riimicm den Hvbamtnen auszusctzen,
Vol kes nagende Geschniir des Kurpfusclierwcwns
die die mciste Zulil stillender Mutter aufweisen und des Geheim- und Heiliiiittelschwindels ZLI bekiinnen. Sicht niindcr wirlitig ist die kiinstliche Xaliseitigcn, ist doc11erfahrungflgemiiB gcraclr auf dicscm
rung, die dem Kindt gcboten wird. Ua9 Haupt- Felde dem schamlonesten Tk.truge Tiir und Tor
interesse wendet sic-h nat iirperriiiU der Milch zu. geoffnet. Wenn die Verhandlungen, die auf die ErGalt ea chcdeni, rlurch die Kontrolleder Milch hsuptweiterung der bereits bestehendcn ge~ot.zliclienhlaUsiichlich L3et.rug und Verfiilschuug entpegenzutrcten,
nahmen gerichtct sind, niclit in deni von den Geso wird in neucrer Zcit weit mehr als fruher der sa- sundheitsbehorden gewiinschten Tempo gefordrrt
werden, so liegt daq vor allem dtrran, daU es scliwienitiiren Beschaffcnheit der Milch weitestgehende
Autmerksamkrit zugewendct. Mit dem Fortachritt rig ist, da9 Gebiet dcr Kurpfuscherei schad 1.11 u r n in der Erlienritnis iinserer Wisseuschaft iindcrii sicli grenzcn. daU es vur allcm l e i der Ehirteiluiig dcr
modernen Heilniittcl dcr rliemischcn und pliiirmaauch die Anschauungcn iibcr die Bckommlichkeit
der Milch. Calt rs friilier nahezu als Verhrechen, zeutisclien GroUindustrie fast unmoglich w i d , die
wollte eine Jliitter ihrern h d e die Milch nicht im
Grenae festzustellen, wann der koufmannische YorSoxhletapparrtt sterilisirrt dartviehen, so w k e n
teil Zuni Uetrug ausartrt. Erfahrene Kenner tlrs
wir jetzt, daU rs ein Verbrochen am Wohlbefinden Heilniittc~l\rwensgehtx wohl MiUstiindo auf diesem
dea Kind- ist, wenn eine Mutter sterilisierte Milch
Cebiete geschilftlicher Bet.atigung ZII , rneinen
darbietet. Erst durcli cheniische Forschung ist uns
aber, daU liier mit einem notwendigen Ubel zu rcchuber die Fermenta-irkungen der rohen, nat.iven
ncn sei. Und in der Tat findcn sicli zahllose Opfer.
Milch AufscbluU gebracht worden. Die Katalwe
die williq die Taschcn dcr Betriiger fiillen, fiir die
die Milch, dir Oxydmcn und l'eroxydasen spielen
keine Reklnme plump geniig ist., urn nicht auf sie
in der Forschung der Milchhygiene zurzeit eine
bereinzufallen. Man spricht vie1 vom Zeitalter dcr
grab Rolle. Wir wissen, daO schon ein einfaches
Aufkliirung. wer aber sielit., daB dcr eine mit ErbsenErhitzen a d 80' die Wasserstoffsuperoxyd abspalmehl, fiir daa er pro Pfund 10 M gibt, seine Magertende Wirkung der rohen Milch zunichte macht;
keit behehrn oder rnit Glaubemalz das Pfund
die E l e h wird tot. Dalier das h t r e b e n , dem Kinde
Eiir 6 M seine Fiillc opfera will, daU schiichterne
nur rohe, aber einwandfreie Milch danureichcn.
Jungfrauen ungeziililte Gelder opfern, uni sich
d m h Einreiben mit Voseline ,,unter Garentie"
des Veireina deutaaher Nalmmgamittalchemiker be-
eine iippige Biista zu verachaffen, wer hort, daB
ein anderer fiir 20 M ein "runksuchtamittel ersteht, daa er fiir 5 Pf als doppeltkoblemaures
Natron in jeder Drogenhandlung erhalten kann,
der wird von der Wehrheit dea bekannten AUSspruohea ,,Mundue vult decipi" voll iiberzeugt
win. Aber ein gebildetes Volk muB sich-wehren
gegen schamlose Auebeuterei der Unwissenden, deshelb miissen schiitzende Gesetze geachaffen werden,
miissen vor allem zur Begriindung einer offentlichen
Anklege und ZUT Sicherung der Beweismittel Untersuchungen ausgcfiihrt werden, die den offentlichen
chemiechen Laboratonen zufallen. ein neuea Feld
fiir den Chemiker. sein Wissen und Konnen in den
Dienst der offentlichen Gesundheitepflege zu stellen.
Diese Betrachtungen konnen ihren AbschluB nicht
finden, ohne einea Gebietes zu gedenken. das von
echten Hggienikern und viemehr noch solchen, die
sich einbilden, solche zu sein, gepflegt und gefordert
wird; es betrifft den Kampf gegen den Alkohol, den
in sciner Bedeutung auf daa Volkswohlbefinden
darznstellen wohl keine Hygieneausstellung unterlassen dad. Auch der Cheniiker widmet diesem an
sich breeht.igten Kampfe seine helfenden Dienste,
indeni er die Priifung der zahlreichen alkoholischen
und die noch zahlreicheren alkoholfreien Getranke
auf ihre Beschaffenheit, ihren Xahrwert und ibre
lkzieliungen zu anderen Xahrungs- und GenuDmitteln priift. AUEden Zabler? fiir die Sahrwerteinheiten und dem calorimetrischen Effekt werden
nun jene Tabellen zusanimengestellt. die im Vercin
mit den Tafeln und blodellen iiber die durch MiDbrauch des Alkohols entstelienden Millbildungen
der menschlichen Organe auch dem urteilslosen
Laien die Gefahrcn des Alkoholismus anschaulich
und eindringlich vor Aileen fiihren, und der Beweb
fur die Behauptung wird erbracht, daU Alkohol in
jeder Form und in jeder Menge Gift ist. Vom Biere,
das der Brauer so gem als fliissiges Brot bezeichnct, horen wir, daO es nur wenig positive Niihrstoffe
in sich vereinigt. ZahlenmaOig wird einem vorgefiihrt, was fur ein Verscliwender nian ist, wenn man
ein Glas Bier fur 10 Pf genie&. Es wird einem da
recht lecker im Bilde vorgehalten nnd portionsweise vorgerechnet, wieviel Kartoffeln, was fur ein
groDea Stuck Rrot, welchen Happen Fleisch, wie
vie1 Milch usw. man fiir den vertrunkenen Nickel
bekommen haben wiirde, und welc1ien:Kahreffekt
diese Kahrungsmittel auf unsere Emahrung erfiillt
hallen mochtcn. Hier bereclinet cin anderer Kollcge, wieviel eigene Hauser sich das Volk bauen
konnte, wenn die Ausgaben fiir den Alkohol wegfielen, dort wird graphiscli dargestellt, wieviel angebaute Ackerflaclie auf solche Erzeugnisse fallt,
woraus Alkohol erzeugt wird, und daran reiht sich
eine Anzahl anderer Beispiele zur Belrhrung iibtr
die wirtschaftliche Bedeutung des Alkoholisnius.
DaD die Vorteile n irtschaftlirher und qozialer Katur
aus dem Kampf gegen den .4lkoholisn.i:~als Volkskrankheit nicht gering tinzuschatzen sind, wissen
wir. Aber auf keintni Gebiete der offentlichen Gesundheitsbestrebungen hat die Ubertreibung in so
hoher Bliite gestanden, als auf dem der Abstinenzbewegung. Der Cheiniker ist objektiv und lafit,
wie die in den Raumen der Hygieneausstellung stattgefundenen Verhandlungen der Jahresversammlung
weiaen, auch dem Alkohol & GenuBmittel volle
Gerechtigkeit widerfahren; findet er sich hierin doch
auch in guter Geaellschaft mit der Ausstellnngsleitung, die sich bei der Komzeasionierung von Bierund Weinstuben nicht dlein von der in den Hallen
so eindringlich gepredigten T o t d a b t i n e m hat beeinflussen laasen. Emsige Arbeit und opferfreudigea
Streben heben der Internationalen Hygieneeusetellung den Stempel einer Weltauesteilung fiir Geaundheitapflege aufgedriickt. Jeder Beaucher, wea Bildungsgradea er auch sei, kommt auf seine Rechnung.
In der Brust des Chemikers abm wird bei der Durchwandehng dieser Busstellung dea freudige BewuBteein aufleuchten, dem Stande anzugehoren, der fiir
den Kulturfortachritt der Menschheit so Vielea und
GroBea geleistet hat. und ohm deaaen stilie Arbeit
diese Awtellung undenkbar geweaen wiire. Mit
Stolz diirfen wir auf den Anteil hinweisen, den die
chemiache Wissenschaft auf dem Gebiete der Hygiene beansprucht als ein machtvoller Faktor im
Kultur- und Erwerbsleben der Volker. Wer wollte
sich bei dieser Erkenntnis nicht der stolzen, aber berechtigten Worte eines unserer groBten Fachgenossen, B e r t h e 1 o t , erinnern?
,,Es gibt nichta auf dieser Welt, das nicht von
der Sonne der Chemie beschienen ist!" [A. 124.1
Ch. 1911.
Uber eine neue Modifikation des
Forensisch-Chemischen Blutnachweises.
Von Dr. OTTOYON FURTH,
a. 0. Professor fllr angewandte medizinisehe Chernie an
der Wiener UniversitBt.
(Eingeg. 7.1'7. 1911.)
Der sichere Nachweis von Blut ist in forensischer
Tlinsicht von so grol3er Wichtigkeit, da5 seit langer
Zeit vie1 Miihe darauf verwandt worden ist, Methoden ausfindig zu machen, welche die zweifellose
Identifizierung selbst minimaler Blutspuren ermoglichen. Ncben solchen Methoden, welche, wie der
e p e k t r o s k o p i s c h e N a c h w e i s oder die
Darstellung der T c i c h m a n n s c h e n K r y s t a I 1 e auf durchaus spezifischen Eigentiimlichkeiten des Blutfarbstoffes basieren, hat man sich
auch stets solcher Reaktionen bedient, welche man,
der heute iibllehen Terminologie gemaI3, als p e r o x y d a s e a r t i g e R e a k t i o n e n d e s I3lutf a r b s t o f f e s bezeichnen kann. Seitdem der
hollandische Arzt v a n D e e n im Jahre 1861 die
bekannte Blutprobe mit Guajactinktur und altem
Terpentinol Zuni Zwecke des Blutnachweises angegeben hat, und diese Reaktion von S c h o n b c i n
auf daa warmste enipfohlcn worden ist, sind zahlreiche Probcn ahnlicher Art fur forensische und klinische Zwecke angewandt worden. Hicrher gehoren z. B. die Farbungen, welche Ldsungen von
Aloin, Phenolphthalein,Leukomalac h i t g r u n , B e n z i d i n und G u a j a c o n s ii u r e bei Gegenwart von Wasserstoffsuperoxyd
und von Blut (oder einem anderen Sauerstoffiibertriiger) annehmenl).
1) L i t c r a t u r z u s a ni m e n s t e 1 I u n g :
F. S a m u e 1 y , Handb. d. Riochem. 1, 571 (1909)
204
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