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Chemiker und chemische Industrie im Ausland.

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Aufaatztail.
?8. Jahrgang 1816.1
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441
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Diehl: Chemiker und chemische Industrie im Ausland.
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Zeitschrift ftir angewandte Chemie
I. Band, Seite 441-448
I
A d satzt eil
1
9.November 1916
tische Leben gelernt habe, werde nicht verlangt, zumal
Oxford ja seit 40 ,Jahren ohne ein richtiges chemisches Institut sei. Der Oxford-Grad fur Chemie sei fiir praktische
Von Dr. TH. DIEHL.
Endzwecke ganz wertlos. Denn in Oxford konnten die
(Eingeg. 2 3 . p 1916.)
Studierenden hierfiir nicht die richtige Erziehung bekomDie Veroffentlichungen einer Anzahl von AuBerungen nien, dazu fehle Oxford die geeignete Atmosphare. Der game
englischer Fachmanner uber die Lage cler Chemiker und der Ton der Universitiit m k s e von Grund aus geiindert werden,
chemischen Industrie in England, die unsere Kollegen, Herr wenn man Erfalg haben wolle. Neue Laboratmien allein
Prof. Dr. H e s s e und Dr. G r o 13 m a n n , in der ,,Chemi- genugten hierzu aber nicht.
schen Industrie" vorgenommen haben, veranlaBten mich
C a. m b r i cl g e sei zwar besser daran. Man habe dort
vor einiger Zeit, den. Lesern unserer Vereinszeitschrift2) eine zuviel herumexperimentiert, iind das Itesultat sei bei weiterii
Auslese aus diesen AuBerungen mit einer Anzahl begleiten- auch noch nicht befriedigend. M e fur das Studinm verder Bemerkungen zu geben.
wenclete Zeit sei vie1 zu gering, um den Studenten einen
Seit Niederschrift nieines damaligen Artikels i d nun praktischen Uberblick zu geben.
noch eine Reihe weiterer Veroffentlichungen aus dem AusGerade Oxford und Cambridge miifiten aber mit dem
land bekannt geworden, von denen ich Ihnen heute im guten Beispiel vorangeheii ; wegen ihrer sozklen Vorteile
Auszug Kenntnis geben mochte. Es ist besonders bemerkens- uncl ihres Ansehens konnten beide Universitaten das beste
wert, daB diese Ausspriiche fast siinitlich vor einem groBeren Material des Landes an Rich ziehen, und deshalb mUBte vor
Kreis von Sachverstandigen
- aus Wissenschaft wid Industrie allem gerade dort das Studium in die richtigeii Bahnen geerfolgt sind.
leitet werden.
I. Was zuniichst die enclische Hochschulbildung betrifft,
An den von der Londoner Universitat beeinflu Bten
so ist d e n A u s f u h r u n 2 s n von Prof. P e r k i n in der Anstalten werde es den Studierenden ebensowenig moglich
Jahresversammlung der Chemical Society noch folgendes gemacht; etwas Praktisches zu lerfien; sie waren zum Biifnachzutragen :
feln gezwungen und zwar auf so lange Zeit, daB sie fiir die
Prof. P e r k i n beklagt auf das tiefste, daB nicht nur Praxis verloren seien und unter geistiger Strophie litteii.
in der Zeit der 70er ud 80er Jahre mahrend der bedeutsamen Man rniisse die Universitatslaufbahn und die Universitateii
Entwicklung der chemischen Industrie Deuhchlands d a s selbst reformieren, aber diese Reform miiiwe von iiinen herChemiestudiuin an den englischen Universitaten unbeachtet auskommen, wenn sie etwas nutzen solle.
geblieben sei, sondern daB es jetzt noch nicht in ahnlicher
Um den Ruin voll zii niachen, sei dann noch der bose
Weise zur Entwicklung gelangt ist wie fast auf jeder Univer- Feind der Exariien tlazii gekoinmen, zusammen . mit eineni
sitat und Hochschule Deutschlaiids. Viele der bestehenden System von Auszeichnungen und Graden, die ebenso unenglichen Bildungsstatten, wic z. B. Oxford und Cambridge, notig als unerwuiischt und aiiBer Verhaltnis seien. Exahatten praktisch zur Entwicklung der organischen Chemie men, wie z. B. die an der L o n c! o n e r UtiiverFitat, fordern
in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts nichts einen qanz falschen Typus von Menschen zutage, die ihre Inbeigetragen, und die Ausbeute a n wissenschaftlicher For- dividualitat unter dem erdriickenclen Einflu13 der Einpaukewhung, die Zahl der Originalarbeiten, die Anzahl tuchtiger reien verloren hatten.
Forscher, sei auch jetzt noch meit geringer, als sie sein sollte.
Und zu dern allen komnie noch der vorgeschriebene
Es sei unverstandlich, daB die englischen Universitaten sich obligatorische Studiengang ohne eine wirkliche geistige
so hartnackig dem Fortschritte verschlieaen konnten und Richtschnur, der nur die Abneigung gegen das Studium hekein Verstindnis fiir die Wichtigkeit neu eroffneter Gebiete fordert habe.
besaoen, von denen vielfach die Wohlfahrt des ganzen LanI n Deutschland dagegen hatten die Hochschulen ihren
des abhange.
Zweck in vollem Ma13 erfiillt, und zwar unter LebensbedinNur die Verbindung zwischen Universitat und Industrie, gungen, die eine grundliche Arbeit gewahrleisteten, namlich
wie sie in Deutschland schon langst besteht, konne wichtige der L e h r - und L e r n f r e i h e i t. Die deutschen Unipraktische Erfolge zeitigen. Eine solche Verbindung miisse versitaten bildeten daher auch geeignete. Chemiker f i i r die
stets fur beide Teile einen fordernden EinfluB haben. Sie spatere Fabriktatigkeit heran und hatten der Industrie
fiihre zur Erorterung von Problemen, die in rein akademischen die groBten Dienste geleistet, ohne die Einrichtungen der
Kreisen anderenfalls iiberhaupt nicht erortert worden waren : Ehrengrade, der Fellowship usw. Dabei genossen die deutsie verhindere, daB infolge der jetzt herrschenden Tendenz schen Akademiker die volle Anerkennung der Industrie,
des englischen Universitiititwystems, die Professoren unpro- weil sie eben ini Durchschnitt Wertvolles geleistet hatten.
duktiv und akaclemische Fossilien wurden.
Dazu komme, daB die chemische Wissenschaft in weitere
Ganz im gleichen Sinne und in ahnlich scharfer Weise Kreise eingedrungen sei, daB sie in der 6ffentlichkeit geachhat Rich Herr Prof. A r m s t r o n g neuerdings am 14.17. tet und als nationaler Wert betrachtet werde, weil sie de1n
in der Versammlung der S o c i e t y o f c h e m i c a l praktischen ..Leben zugute komme.
I ii d u s t r y in Manchester ausgesprochen. Den Grund
Mit den AuBerungen der beiden eben zitierten englischen
fur das Zuriickbleiben Englands sieht er in dem zu rein Professoren deckt sich auch die von Herrn Professor L o u i s ,
akademischen, niit den praktischen Bediirfnissen absolut der lebhaft beklagt, daB die englischen Hochschulen die Benicht in Beriihrunq stehenden Unterriohkqmtem. Seit deutung einer grundlichen Fachbildung der Chemiker iminer
H o f in a n n England verlassen hatte, sei in England an ubersehen hatten, und daB die chemische Technologie stets
den Universitaten nicht mehr richtig Chemie gelehrt uncl das Aschenbrodel der chemischen Hochschule gewesen sei.
gelernt worden. In den Universitaten und hoheren Schulen
Es hat sich schliefilich auch die Tagespresse in England
werde man mit Gelehrtenkram iiberfuttert. Die Oxforder der Erorterung der Hochschulausbildnng zugewandt. Die
Tradition hatte die Situation beherrscht, wonach es ge- ,,D a i 1 y N e w s" , bekanntlich eines der gro13ten Hetzniige, nur gut belesen zu sein und nachmittaga Sport zu blatter gegen Deutschland, haben vor kurzem in einem
treiben. DaB man aber auch etwas Tiichtiges fur das prak- Leitartikel darauf hingewiesen, wie auBerordentlich unklug
es gewesen sei, da13 sich die englische Industrie bis jetzt
1) Vortrag, gehalten in der Sitzung des Miirkischen Bezirksvereins
nahezu vollstandig und hartnackig der grundlegenden Wicham 21. 9. 1915.
tigkeit der Erziehnng und rler Wissenschaft verschlossell
2) dgl. Angem. Chem. 28, I, 309-313
[1915].
Chemiker und chemische Indtist'rieim Aiisland .)1
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Angew. Chem. 1916. Aafuatsteil (I. l h n d ) mi Nt. 90.
MI
442
Diehl: Chemiker und chemische Industrie im Ausland.
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Zemchrlft fur
angewandte Chemie.
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habe. Wenn der Krieg etwas bewiesen habe, so sei es gerade tung technischer Bkagen abhielten. Aridererseits sahcn die
dies. Es sei selbst fiir den einfachsten Laien vollstandig Fabriken auf diese rein wissenschaftliche Arbeit herab, und
klar, da13 die ungehcure Starke Deutschlands hauptsgchlich auch dies sei wieder ein Ungliick, denn rastlose wissenschaftvon seiner Wissenschaft und seiner wissenschaftlichen Or- liche Tatigkeit, die Erlernung von Genauigkeit in der Arganisation hcrstamme.
beit und von Verantwortungsgefiihl seien doch wieder die
11. Ich gche dann iiber Zuni zweitcn Punkt, namlich Vorbedingungen fur spatere industrielle Tiitigkeit.
In Deutschland sei dies anders. Es sei ganz tori&, und
der Kritik, welchc aus dem Verhalten der chemischen Induzwar unverantwortlich Mricht. zii behaupten, Deutschland
striellen Englands gcubt worden ist.
Prof. P e r k i n sprach dic Ansicht aus, daI3 die eng- habe seine chemische Industrie anderen Nationen entwenlische Nation und die englischen Fabriksntcn leider nicht det nnd nicht aus eigeiier Arbeit gescheffen. Toricht, wed es
verstanden hatten, wie anl3crordentlich konipliziert die nicht wahr sci, unit unverantwortlich: wed man hierdurch
wissenschaftliche Grundlage cier organischen chemischen nur der nationalen RiteIkeit uncl dem Mil3t.rauen gegcn das
Industrie sei. Sie hatten geglaubt, man lronne sic hetreiben Imnen Vorschub leiste, die wahre Ursache des Ubels aber
ctma wie cine Schwefelsgurefabrik. Die Fabrikanten hatteri unberiicksichtigt liefie. I n Wirklichkeit habe Deutschland
niemals eingcsehen, claD die Vcrnachliimigung dcr Wisscn- vie1 friiher als England erkannt, daI3 auch in der Wiasenschaft in ihren Unternehmen die wahre Ursache dafiir ge- schaft Sicherung der Fundamente der erste Schritt zur Erwescn ist, ds13 man nicht inistande war, in England einc richtung cines Iiauses ist, uiid dal3 man hierzu geeignete
Industrie wie die Farbstoffindustrie dauernd mit Erfolg Architekten rind Baumeistey haben miisse.
zu pflegen. Es sei zu furchten, daB Iange Zeit vergehen
Die chemische Industrie Englancls musse sieh irnmer
werde, ehe die englischen Fabrikanten ihrc veralteten, nur dariiber uiiterrichtet halten, was auf den einzelncn Univeranf Routine gegrmdeten Arbeitsmethoclen aufgeben und sitiiten besonders bearbeitet wird, tlaniit sic sich ihre Hilfsden Wcrt der wissenschaftlichcn Arbeit wirklich erfasseii. krafte danach aussuchen konne. Sie miisse ferner den auf
Die deiit,aclien Fabrikanten wiiDten dagegen sehr wohl, daB den Uriiversitaten Arbeitendcn durch Itohmaterial uiid
die hitring ihrer Werke in der Hand von Chcmikern liegen Stellung von Aufgabcn Unterstiitzung zu tcil werdcn lassen,
musse. Sie scien deshalb aiich darauf bedacht., ihre Chemiker dcnn damit niitze sie sich nicht nur selbst, sondern auch den
gut zu bczahlcn, ihiien Bnteil an cleni Gewinr! zu geben und UIiiversitat.slehrern, denen sie clainit eine Witterung fur
ihre Aufrnerksmnkeit auf rieue Gebiete ZLI lenken.
tcchnische Arbeiten @be. Durch ein solches Vcrfahren
Prof. I1 e n cl e r s o n , der Prasident der Society of murdc ehi Anreiz fur das Studinin der Technologie auf den
Chemical Industry, hat in seiner BegruRungsrede am 14./7. Universitaten gegeben, uncl es wiirdcn dadarch der Indu1915 die gleichen Gcdariken ziim Ausdruck gebracht. Eng- strie eine gro13e Anzahl von Cheinikern zugefiihrt, die ihr
land sei stehen geblieben ,und zuriicl<gegange!i, wahrcncl jetzt durch das Pehlen eincr nahcrcn Puhlung verloren
Ileutschland in den letztcn 40 Ja,hren in seiner chemischen gingen. Um ciieses Ziel zii erreichcn, empfehlcn H c n d e r Industrie stanciig Fortschrittc geniacht habe. Manche s o n , R a m s a y u. a. die Errichtung sog. industrieller
Zweige der organischen Industrie, speziell die Farbindustrie, Fellowships, wonach die Fabrikanten geeignete Personen
scien fast ganz in die Hiindc Deutschlands ubergega.ngen,und an den Hoclischulen auf g e n k e Zeit gcgcn Honorar und
auch die fruhere cnglischc Suprematie in tler Indnstric der Gewinubeteiligung niit dcr Ausfuhrung von Unt,ersuchunschwcrcn Cheniikalien sei ernstlich crschuttert. Schuld gen auf bestinimten Gebicten bctrauen sollen. Dcr Vordaran sei die Vernachlassigung der wisscnschaftlichen Arbcit schlag liiuft auf t l a ~hinaus, was in Deutschland schon seit
und der Mangcl an Biihlung zwischcn den Universitaten und Jahren bckannt ist, namlich daB chemische Fabriken an
cler Industrie. Anstatt Zusammcnarbeiten bestehe in Eng- Rochschulen sog. auswartige Mitarbeiter haben. Es ist
land eine Zuruckhaltung und ein absichtliches Fernhalten bczeichnend, da13 rnit dem Gedanken an diese Einrichtung,
voneinsnder. Deswegcn konne auch nur ein sehr kleiner die sich in Deutschland. vielfach bewahrt hat, England
Teil der in den chemischen Universitatsinstituten geleiste- auch wieder nachhinkt.
ten Arbcit der Industrie zugute kommen.
111. Besondere neachtung verdienen vom Gesichtspnnkt
Nicht minder zutreffend sirid auch in dieser Beziehung der Standc,siiiteressen au5 noch folgcnde AuJ3erungea.
So sagt Professor A r ni s t r o n g , es konne nicht oft
die Ausfiihrungen von Professor A r rn s t r o n g. Er erblickt den Grund fur die fllberlegenhcit Deutschlands clarin, genug betont werden, claD die Chemie schon seit Iangen
daB die Fabrikcn ron wirklich sachverstandigen Chennikern Jahren keiiie Nknner von weitem Hick, hervorragcnder
geleitet seien, da13 dort Ansta.lten getroffen sind; urn wissen- Piihigkeit und Repriiyentationsgabo anzuzichen vermocht
schaftliche Untersuchungen in voniiglich ausgestatteten habe. Es fehle eben dem Chemikerstand an dem richtigen
Fabriklaboratoricn zn iuachen.
Menschenmaterial. Wie gut koime ein groficr Teil derjeEngland musse hieraus die Lehrc ziehen, daB der Che- nigen gebraucht und zu Ifiistungen in der Industrie hcranmiker, cbenso wie andere Berufsklasscn, ein Reruf fiir das gezogen werden, die sich jetzt z. €3. als Anwalte ohne Praxis
praktischc Leben werclen miissc. Der akademische Chcmi- herumtrieben. Wahrend andere Berufsklassen organisiert
ker sollte von den Fabrilten unterstiitzt und angeregt wcr- seien, 'bildeten die Chemiker einen unorganisierten Haufen.
den, der reine Akadeniiker niiisse verschwincleii.
Sehr offen spricht sich auch Dr. F o r s t e r iiber diese
,
Ich mochte hier noch eine Aunerung It a m s a y s an- Fragc aus. Er glaubt, daB a n den iuigiinstigen Verhiiltnissen
fiihren, die zeigt, da13 dieser Gelehrte auch cinxnal ein vorur- in England die englischen Chemiker selbst mit Sehuld
teilsfreies Urteil abgeben kann. Hr macht es den englischen seien. Sic hatten nicht mitcinander harmoniert, so wie ea
Fabrikanten zuin Vorwurf, dsl3 sie so sehr geneigt seien, hiitte scin sollefi. Schon F a r a d a y habe diese Entden Chemiker l~lseinen Teil ihrer groDen Maschinerie zu tauschung erfahren. Man sci gewiI3 in England nicht weniger
betrachteii? ohne ihm uberhaupt Einblick zu geben, was in ehrlich und wohlwollend gegeneinander , oder eitler und
der Pabrik eigentlich vor sich gehe. Dieses System habe der miflgiinstiger, nls es die Menschen im grol3en und ganzen
cnglischen htlustrie mehr geschadct als igerid etwas andercs. seicri, aber man habe sich in England nie auf eiilen hoheren
Sehr Iehrreich ist auch das Urteil, das Ilr. F o r s t e r in St.andpunlit stellen komien, und bei dem jetzigen Zusamseinem Vortrag iiber ,,Wissenschaft und chemische Indu- meiischlufi aller nationalen Kraftc miisse auch der Chemiker
strie" in cler bereits erwahntcn Versammlung abgegeben lernen, da13 Organisation, Zusammenarbeit, vor allem aber
hat. P o r s t e r ist der Ansicht, da13 die Kluft zwischen Hingabe an die wissenschaftliche Forschmng die Losung
Industrie und Universitat mchr als alles andere Schuld an werden miisse. Wenn man jetzt nicht die eigenen Schwacheri
der schlimmcn Lage sei, in der sich die englische Industrie erkenne nnd sic abschiittlc wie alte Lumpen, konne ma.n
befindet, wahrcnd in Deutschland und in Amerika diese nicht im schininlernden Gewand vor den Itichterstuhl cler
Kluft iiberbruckt sei. Die Entfremdung in England bewege Nachwelt treten.
sich in eiuern unheilvollen Zirkel. Die Fabriken kiinimerten
- S o d a m , miisse die offentliche Mcinung niehr fur die
sich nicht um dio Universitaten, und die Professoren ver- Chemie interessiert werden. Die Bcgierung iniisse den Analteten infolgedessen in ihren Anschauungen, da sie sich nur teil dcr Cheinie an nationalem Fortschritt mehr zur allgemit theoretischen Problemen beschaftigten, technische Pro- meinen Kenntnis bringen, uin dadurch junge h u t e Quni
b l e m scheuten und so die Studenten von der Ekarbei- Studium der Chemie anzuloeken..
Aufsstzteil.
28. Jahrgang 1816.1
443
Diehl: Chemiker und chemische Industrie im Ausland.
Ich mochte diesen Ausspriichen F o r s t e r s noch einige
Worte aus einer Zuschrift anfugen, die ein Chemiker, der
selbst Angestellter einer Fabrik ist, an den Herausgeber dea
C h e m i c a 1 T r a d e J o u r n a 1 s gerichtet hat (Nurnmer
voin 5./7. 1915). Es hei13t dort:
Der deutsche Chemiker hat allgemein eine gute soziale
Stellung und ist von seinem Berufe begeistert. Daher die
gut,en Ergebnisse der Arbeit, die von den Unternehmern
denn auch in angemessener Weise beza.hlt werden. Das ganze
Verhalten der Majoritat der englischen Fabrikanten steht
aber im Gegensatz zu demjenigen der deut,schen Unternehniungen. Die deutschen Fabriken besitzen wissenschaftliche Laboratorien, geeignete Apparate und Fabrikbibliotheken so gut wie eine Universitat. Dagegen gibt es weiiige
englische Firmen, welche die Notwendigkeit solcher Einrichtungen begreifen. Englische Cheniiker, die in Deutschland stud.iert haben uud spater in englische Fabrikeri eingetreten sind, niiiBten nur zu haufig erkennen, da13 sie dort
die von ihnen erworbenen Erfahrungen nicht geniigend
ausuben konnen. Sie erhalten auch keinen Gewinnanteil,
sondern nur ein festes Gehalt, welches zugleich da.s Ent.gelt
fur alle von ihnen gemachten Erfindungen sei.
IV. Aus den mitgeteilten Stimmen englischer Sachverstiindiger geht hervor, da.13man die Wurzeln des Cbels erkannt hat und dariiber klar ist, da13 Wantlel geschaffen
werden muB. Die Frage, welche die Gemiiter Englands bewegt, ist aber die: wo und wie anfangen.
Wenn inan die englischen Chemiker hort, 'dis bisher zu
Wort gekommen sind, kann m a n sich des Eindrucks nicht
erwehren, als ob hierbei das Herd beim Schw-anz aufgezaumt wird. Wie A r m s t r o 11 g , R a in s a y und aiiclere
beklagen, lassen sich die grol3en ~~~isuenscliaftlicheri
Vereinigungen entweder auc.h jetzt noch nicht a.us ihrein akadeniischen Schlummer aufrutteln, oder aber jerler dieser Vereine handelt fiir sich, anstatt init anderen zusanimenzupehen.
Das Resultat sei, wie A r m s t r o n g sagt, eiiifach ein
Chaos. Das Eingreifen des Boa,rd of Trade zur Griinclung
einer englischen Farbenfabrik wird in . d e n Stadien fiir
einen vollkomnienen Fehlscldag gehalten. Als Hanptfehler
cler seitherigen Bestrebungen wird seitens hervorragender
Chemiker bezeichnet, dalj man an die leitenden Stellen
nicht Fachmanner berufen habe, sondern Juristen. So geschickt und bedeutend hervorragende Juristen, wie z. B.
hf o u 1 t o n ,sein mochten, so hatten sie doch fur technische
Fragen nicht da.s richtige Gefuhl.
Wie man im Leben bei vielen Anlassen falschlicherweise
geneigt ist, gleich nach der Polizei zu schreien, so ruft man
in England nun von allen Seiten nach der Hilfe der Regierung. Sie SOU die Lehrplane der Universitat umgestalten,
die finanziellen Unterstutzungen hierfur geben. Sie sol1 mit
ITilfe eines dem Board of Trade beizugebenden Industrierats
die Kluft zwischen Wissenschaft und Industrie uberbriicken
und die Vermittlung der gesamnielten Erfahrungen in den
einzelnen Industriezweigen iibernehnien. Eine Deputation
cler Royal Socity und der Chemical Society habe dem Handelsmiilister und dem Unterrichtsminister bereits eine Denkschrift in diesem Sinlie uberreicht.
Als ob eine Regierung, selbst wenn sie den besten Willen
hatte, dies nun alles zustande bringen oder gar aus dem
Arniel schutteln konnte ! 1st etwa unsere bliihende chemische
Indiistrie ein AusfluB der Tatigkeit oder der Anregung der
Regierung oder eines Industrierats 1 Bei weitem nicht !
Sie ist durch eigene Kraft und aus sich selbst heraus gro13
geworden, und zwar trotz mancher Schwierigkeiten, die sie
gegeniiber den Regierungen und Behorden ZLI iibermiiiden
hatte. GewiS mu13 anerkannt werden, da,B die Schaffung
unserer mustergultigen Universitaten und technischen
Hochschulen den R.egierungen zu verdanken ist. Wir diirfen
aber nicht vergessen, d213 auch hier die Industrie haufig als
treibende Kraf t hat dahinterstehen mussen. Unser Verein
hat sich bekaiintlich gleichfalls schon seit vielen Jahren
rnit der Frage des Chemiestudiums an den Hochschulen
befa,Bt und ist wiederholt fur Verbesserung des Unterrichts
cler Universitaten, insbesondere dea Unterrichts in cheniischer
Technologie,"eingetreten. Und zulet,zt diirfen wir nicht
iintersch3tzen , da13 .der Sinn fur wissenschaftliche Forschung
unserem Volke ganz besondess eigen ist,.und daIS ,alles, was
fur die Hochschulbildung in Naturwissenschaf t geschieht,
zugleich eiiiem Drange entspricht, der ails dem Volke herauskam .
Professor A r rn s t r o n g hat daher wohl nicht Unrecht,,
wenii er sagt, da13 das schlechteste Zeichen fur den Tiefstand
der chemischen Industrie Englands gerade das standige
Rufen nach deni Eingreifen der Regierung sei, der doch
der wissenschaftliche Stab in den meisten Fallen fehle. Das
Wichtigste sei die Mitwirkung der Industrie selbst.
Erwahnt sei iioch, da13 gegen den vorgeschlagenen Industriebeirat geltend gemacht wird, es werde wohl kein
Fabrikant seine Geschaftserfahrungen ohne weiteres anderen
preisgeben oder sie etwa der Kritik eines akademischen
Ausschusses aussetzen, von wem dieser auch immer ernannt
sei.
V. Ich lnochte im ArischluB an vorstehendes nicht unterlassen, noch einige interessante englische Urteile ails neuerer
Zeit iiber unseren Handel mitzuteilen.
Wir sind ja leider liingst gewohnt, da13 es ein beliebtes
Mittel unserer englischen Gegner ist, u119 in Wort und Schrift
Geschaftsunehrlichkeit vorzuwerfen und uns zu beschuldigen, wir verdankten unseren geschaftlichen Erfolg lediglich
der Anwendung aller moglichen uiilauteren Mittel. Es liegt
in solchen Vorwurfen natiirlich nur die ohnmachtige Wut
iiber den technischen Niedergang Englands, iiber den Mangel
an technischern Unternehmungsgeist und die eigene technische U~izulanglichkeit~).
I n erfreulicheni Gegensatz zu derartigen Kriegshetzereien steht ein Urteil von H i 1 t o n im Dezeinberheft der
Zeitschrift ,,W a r a n d p e a c e". Es hei13t dort:
,,Der deutsche Handel hat seine Stellung nicht durch
Riinke und Gaunerei erworben, sondern dadurch, daB
Deutschland es verstanden hat, in wirkungsvoller Weise
die Wissenschaft zur Dienerin der Industrie zu inachen.
Eine leideiischaftslose Beurteilung der allgeineinen Sachlage
zeigt, da13 kein Versuch Englands, den deutschen Handel
dauernd an sich zu reioen, Ergebnisse zeitigen kann, cler
nicht gleichzeitig auch dazu fuhrt, die englischen Produktions-, Konsumtions- und Verkaufsmethoden zu verbessern, so da13 England nach dem Kriege Waren anbieten
kann, die ebenso vorzuglich~und~ebenso
billig sind wie die
deutschen."
Auch die Zeitschrift ,,E n g i n e e r i n g" ,die sich friiher
nicht genug tun k0nnt.e in Hetzereien gegen Deutschland,
zieht in einem am 5./2. 1915 veroffentlichten Artikel:
,,Deutsche Systeme und deutsche Methode," andere Seiten
auf. Sie schreibi : ,,Die industrielle Expansion Deutschlands ist in weit systematischerer Weise erfolgt, obwohl
sie spater eingesetzt hat, als in England. Sie hat dadurch
das Land unabhangiger gegeniiber fremder Hilfe gemacht.
Unter den schwierigsten Bedingungen des Krieges hat sich
der Wert des deutschen Systems und der deutschen Methode
voll erwiesen, und es hat sich herausgestellt, welche Vorteile
cliese Arbeitsweise einer Nation bringt, sofern sie von den
Gebieten abgeschnit,ten ist, aus clenen sie gewohnlich ihr
Rohmaterial bezog."
VI. Den englischen Stimmen hat sich vor kurzesn auch
ein Urteil aus F r a 11k r e i c h angereiht.
E r n e s t F o u r II e a u hat a m 17./4. 1915 in der Gesellschaft zur Forderung cler nationalen Industrie einen Vortrag gehalten iiber die ,,Tndustrie der pharmazeutischen
Produkte und die Mittel, ihre Entwicklimg in Frankreich
sicherzustellen" 4).
F o u r n e a u , der auch Mitglied unseres Vereins ist,
galt bisher als eine ernst zu nehmende Personlichkeit und
als ein Mann, der im besonderen uber die Industrie der
3) Einen Beweis hierfiir gibt u. a. auch die Statistik der Patentanmeldungen. Von der Gesamtzahl der in den Jahren 1912 und 1913
in England jiihrlich eingereichten ca. 30 OOO Patenten kommen jemeils ca. 18000 auf Englinder und iiber 3000 auf Deutsche. Die
Znhl der englischen Anmeldungen in Deutschland ist gegen friiher
gesunken; 1912 und 1913 kamen auf ca. 25000 deutsche Anmeldungen pro J a h r nur ca. 1300 englische.
4) D a der Vortrag F o u r n e a u s inzivischen in der Vereins[1915]) im Wortlaut abgedrockt
zeitschrift (28, I, 389--396,401-404
ist, seien an dieser Stelle nur kritiwhe Remerkungen zu demselhen
wiedergegeben.
601
45.1
Diehl: Chemiker und chemische Industrie im Ausland.
pharmazeutischen Produkte wissenschaftlich wie technisch
vollkommen unterrichtet ist. Es ist daher um so mehr beachtenswept, daB F o u r n e a u uber die franzosische Universitatsbildung der Chemiker, iiber die Lage der fraiizosischen
chemischen Industrie und im besonderen die der pharmazeutisch-chemischen Produkte ganz offen die gleichen lebhaften Klagen fiihrt, wie man sie von den Englandern uber
die Lage in ihreni Land gehort hat. Mange1 in der Organisation des Unterrichtswesens, Verstanindnislosigkeit fiir die
Bedeutung chemischer Forschung uncl die Leistungen der
Chemiker sowie ungenugende finanzielle Unterstiitzung
seitens des Staats, Sparsamkeit am falschen Platz - auch
in cler Industrie selbst - hatten auch in Frankreich dazu
gefiihrt, wichtige Gebiete der chemischen Industrie in Abhangigkeit von Deutschland zu bringen.
Ob der Ruf nach Abhilfe, den F o u r 11 e a u an die Regierung richtet, Erfolg haben wird, scheint angesichts des
uriglaublich verstandnislosen Verhaltens des franzosischen
Kriegsministeriums gegen namhafte, weltbekannte franzosische Chemiker recht zweifelhaft.
Was den von F o u r 11e a u angeregten wirtschaftlichen
ZusammenschluB aller Gegner Deutschlands betrifft, so
ist dieser Gedanke ja schon seit geraumer Zeit eine beliebte Drohung gegen Deutschland, und vor kurzem hat
in Cernobbio am Comersee eine Zusammenkunft von Vertretern Frankreichs und Italiens stattgefunden , als erster
Schritt unserer Gegner zur Anbahnung einer wirtschaftlichen Verbriiderung gegen Deutschland. Ob den tonenden
Phrasen, die dort geredet wurden, entsprechende Taten
spater folgen werden, konnen wir wohl mit Ruhe abwarten.
Tinmerhin ist es bemerkenswert, da13 unter den Wiinschen,
die dort laut geworden sind, sich auch wieder derjenige der
Errichtung chemischer Lehrstatten nnd einer besonderen
Pflege der wissenschaftlichen Beziehungen zwischen beiden
Landern befand.
Ein trauriger Beweis dafiir, wie auch bei sonst einsichtigen Mannern durch Verhetzung cler Sinn fur Recht und
Anstand leiden kann, ist der Rat, den F o u r n e a u seinen
Landsleuten gibt, sich iiber die Patentrechte s, der Deutwhen in Frankreich hinwegzusetzen, und durch eingehende
Resichtigung der zurzeit in franzosischer Macht befindlichen Filialen deutscher Fabriken sich moglichst vie1 Information zu verschaffen.
Dem gleichen blinden Ha13 entspringen F o u r n e a u s
Urteile uber die deutschen Handelsgebrauche, die sich den
gehlssigen Stimmen aus England ebenbiirtig anreihen.
Wenn F o u r n e a u schon ails der Nibelungensage den
Sinn fiir Lug und Trug als einen Grundzug der Deutschen
ableiten will, so fallen solche AuBerungen der Lacherlichkeit
anheim, und es wirkt doppelt komisch, daB F o u r n e a u
selbst seinen Landsleuten als Vorbild des kiinftigen Mi&
trauens gegen Deutschland den altdentschen Gott Loge
hinstellt .
VII. Auf I t a l i e n war vorhiii gelegentlich der Erwahnung der Zusammenkunft in Cernobbio bereits kurz
hingewiesen. Es liegt nun auch aus diesem Land eine eingehende und ungeschminkte AuBerung vor und zwar in
einem Vortrag, den Dr. G. M o r s e 11 i an1 27./3. d. J. vor
cler Societh Chimica Italiana di Milano gehalten hat6).
Da13 Italien infolge des Fehlens von Steinkohle und
anderer naturlicher Rohstoffe in seiner chemischen Industrie,
insbesondere in der Industrie organischer Produkte wie Farbstoffe, pharmazeutische Produkte entweder vom Ausland
abhangig oder aber riickstandig und erst im Anfangsstadium ist, wird von M o r s e l l i ohne weiteres zugegeben.
Die Bilanz der chemischen Industrie Italiens ist daher auch
in hohem MaBe eine passive.
5 ) Es mag bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen werden, daB
von den ca. 16 000 Patenten, die im Zeitraum von 1911-1913 jiihrIich in Frankreich erteilt worden sind, nur jeweilig ca. 7500 auf Frankreich und seine Kolonien fallen, dagegen im J ah r ca. 3000 auf Deutschland. Der letztgenannten Ziffer standen in Deutschland in dem
gleichen Zeitraum jahrlich aber nur etwa 1900 Anrneldungen von
Franzosen gegenuber.
8) Vgl. H e s s e u. G r o B m a n n. Englands Handelshieg und
die Cheinische Industrie. S. 294 ff. Verlag von Ferdinand Enke,
Stuttgart.
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Als schwache Seite Italiens, die auch die Ausbreitung
der Industrie erschwert, wird aber von M o r s e l 1 i die
Ruckstandigkeit und Veniachlassigung des chemisch-technischen Unterrichts bezeichnet. Ebenso wird der geringe
Zusammenhang zwischen der Industrie und den Forschungsinstituten und das geringe Verstandnis der Behorden fiir
die Bedeutung der chemischen Industrie beklagt. E r befurwortet die groaten Anstrengungen zu machen, uin fur
die wirtschaftlichen Verhaltnisse nach dem Krieg moglichst
groBe Vorteile zu erlangen.
Wenn ich die Reihe unserer Gegner weiter durchgehe,
so hatte ich noch B e 1 g i e n zu erwahnen. Zurzeit ist der
groBte Teil dieses Landes in deutschem Besitz, und deutsche
Manner sind bemiht, die industriellen Krafte des Landes
wieder nutzbar zu machen. Wir wollen hoffen, daB dieses
mit deutschem Blut getrLnkte Land nach deni Kriege in
irgendeiner Form Deutschland angegliedert wird, und daB
deutscher Geist dann die Bildungs- uncl Industriestatten
dieses Landes durchdringt ').
Was R u B l a n d betrifft und die Lage der clortigen
chemischen Forschung und Industrie, so liegt seit Beginn
des Krieges nur eine AuBerung vor, und zwar in einein Vortrag, den W. P o c h n i t o \v am 24.19. auf der Versammlung der Russischen Chemischen Gesellschaft gehalten hat.
P o c h n i t o w beklagt die ungeheuer groBe Abhangigkeit
vom Ausland, insbesondere von Deutschland namentlich in
den Produkten fiir Textilindustrie und fur pharmazeutische
Zwecke.
Was den Stand der chemischen Forschung in Rufiland
betrifft, so wissen wir ja aus den alljahrlichen Berichten
in unseren Hauptversammlungen iiber das Auslanderstudium, daB unter der Zahl der Auslander, die an deutschen
Hochschnlen studieren, die Russen mit einer sehr erheblichen Zahl in erster Linie stehen. Der RiickschluB hieraus
auf die Bildungsmoglichkeiten a n russischen Hochschulen
liegt auf der Hand. Es ist ja selbstverstandlich, daB bei den
in RuBland herrschenden politischen Verhaltnissen Lehrund Lernfreiheit nicht vorankommen konnen, und daB auch
die chemische Industrie RuBlands sich nicht frei entwickeln
und aus eigener &aft nicht in erfolgreichen Wettbewerb mit
urn treten kann.
Die vorstehenden Au Berungen aus dem Ausland bestatigen nach allen Richtungen hin in vollem Umfange die
SchluDfolgerungen, welche in ineinem friiheren Artikel gezogen worden waren. Sie beweisen erneut den groBen Vorsprung Deutschlands gegenuber England und Frankreich,
Italien usw., was die Ausbildung der Chemiker, die wissenschaftliche Arbeit, das Zusammenwirken von Hochschulen
und Industrie betrifft ; sie zeigen ferner, daB der Chemikerstand bei uns eine ganz andere Rolle spielt, und daB seine
Bedeutung fur die nationale Krafteentfaltung vollauf anerkannt wird.
Derartige Anerkennung seitens unserer Gegner, so ehrenvoll sie f i i r uns ist, darf uns sber nicht dazu fiihren, im Gef iihl unserer Uberlegenheit in der Anspannung unserer
IGafte nachzulassen. Wir sehen, da13 von uilseren Gegnern
alle Hebel angesetzt werden, um das Verlorene einzholen.
Das Dichterwort lehrt uns zwar: ,,Was man der Minute ausgeschlagen, bringt keine Ewigkeit zuruck", uiid wir diirfen
in der Tat beruhigt sein, daB der Vorsprung, den wir auf deni
Gebiet der chemischen Wissenschaft und Industrie besitzen,
iiicht so leicht einziiholen ist. Unser Streben mu8 aber dahin gehen, ihn anfrecht zu erhalten und dafiir nicht nur jetzt,
sondern auch iiach dem Kriege alle Krafte einzusetzen. Fur
unseren Verein erwachst besonders auf dem sozialen Gebiet
ein Feld fruchtbarer Arbeit, denn auf diesem wird eiii wichtiger Teil des friedlichen Wettbewerbs der Nationen ausgefochten werden, wenii der Kampf mit kriegerischen Waffen
erst aufgehort haben wird.
[A. 108.1 -j
7) Was wir iibrigens von Belgien bei einem Sieg unserer Gegner
zu erwarten gehabt hatten, zeigen die unglaublich msDlosen Forderungen, die Rob. B i l l a r d In seinem Buch ,,La Belgique industrielle e t commerciale de demain" (Verlag von Berger-Nivrault
Paris-Nancy, 1915) erhebt, urn auf Kosten Deutschlende belgischea
Gebiet, sowie Handel und Industrie zu vergro8ern.
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