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Chemische Industrie und Krieg.

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Grossmanil: Chemische Industrie und Krieg.
Aufsatzteil
25. Jahrgang i915.1
- ..
Zeitschrift ftir angewandte Cheniie
I. Band, Seite 11-24
I
Aufsatzteil
Chemische Industrie und Kriegl).
VOll Prof. Dr. H. GROSSMAr;N-Rerlill.
fE1ngt-g. 18.112. 1Ul4.j
Das deutsche Wirtschaftsleben und mit ihm die deutsche
chemische Industrie ist mit dem Ausbruch des europaischen
Krieges, der sich allmahlich zu einem Weltkrieg ausgewachsen hat, der schwersten Belastungsprobe ausgesetzt worden,
die man sich nur denken kann. Durch die glanzenden Waffentaten des deutschen Heeres und die bewahrte Hilfe unserer Verbundeten ist aber allen Feinden zum Trotz in geradezu uberraschender Weise die Moglichkeit gegeben worden,
die notwendige Umgestaltung und Anpassung der deutschen
Volkswirtschaft an die neuen, vollig veranderten Verheltnisse durchzufiihren, und heute kann man wohl behaupten,
daB dank der vorzuglichen militarischen, technischen, wirtschaftlichen und finanziellen Organisation die Gesamtmobilmachung des deutschen Volkes unzahlige Beweise dafiir gegeben hat, daB unsere Gegner sich in einer argen Selbsttiuschung befunden haben, als sie glaubten, Deutschland
ohne grol3e Muhe aus den Annalen der Weltgeschichte
atreichen zu konnen.
A n diesem so hoch erfreulichen Ergebnis konnen auch
vereinzelte Ruclachlage uncl Schwierigkeiten, die uns hoffentlich im weiteren Verlaufe des Krieges nur in moglichst
geringer Zahl treffen werden, n i c h t s andern. DaO die
chemische Industrie Deutschland 5 sich an diesen Ergebnissen
ein nicht unbetrachtliches Verdienst zuschreiben darf, erfiillt uns als Chemiker alle mit besonderem Stolz, ja man
kann sagen, daO die Bedeutung chemischer Arbeit bei den
Regierungen und in den weitesten Kreisen des deutschen
Volkes kaum jemals vorher so anerkannt worden ist wie
in der Zeit dieses Krieges, der auch den La en davon iiberzeugen muB, wie die Technik und die Arbeit des Chemikers
nicht nur dazu dienen, den Reichtum des Volkes zu erhohen
und die Wehrfahigkeit des Landes zu sichern, sondern auch
den zahlreichen, man kann fast sagen, a 1 1 z u z a h 1 r e i c h e n Problemen des veriinderten Wirtschaftslebens
erfolgreich zu begegnen.
I n der letzten Zeit ist ja eine Reihe von Veroffentlichungen 2, uber die deutsche chemische Industrie und der
Krieg erschienen, die der Mehrzahl von Ihnen wohl bekannt geworden sind. Ich erwahne vor allem die hochinteressanten Ausfiihrungen von Geheimrat W i t t , die
auch fur den dereinstigen FriedensschluB stets im Auge
zu behaltenden Bemerkungen von Prof. M a t t h e s i u s
iiber die Eisenindustrie, die allen englischen Anfei idungen
zum Trotz darauf hoffen darf, gerade clurch diesen Krieg
eine wesentliche VergroBerung der heimischen Erzbasis und
damit eine Verstarkung ihrer Weltmachtstellung zu erhalten; ich erinnere ferner an den Aufsatz von K i 1 b y iiber
die Brennerei und Starkeindustrie, die durch den Krieg auch
gesetzgeberisch besonders in Mitleidenschaft gezogen worden ist, die auBerordentlich beherzigenswerten Ausfuhrungen des Begriinders der deutschen Kaliindustrie, Geh. Rat
A. F r a, n k s , uber Landwirtschaft und Volkuernahrung im
Kriege, und ich darf vielleicht auch auf meine eigenen Ausfiihrungen uber den Krieg und den Handelsverkehr mit Chemikalien hinweisen, in denen die Handebbeziehungen Deutschlands zu den wichtigsten Staaten an der Hand der Statistik
einer eingehenden Beurteilung unterzogen worden sind.
Das Problem, welches uns heute beschaftigen soil, hangt
1) Vortrag, gehalten i
n der Hauptversarnmlung des Miirkkchen
Bezirkrvereins zu Berlin am 15.,/12. 1914.
2) Angew. Chem. 2T, 111,693, 694 [1914]; 28, I, 1; 111, 1 [1915];
(%ern.-Ztg. 38, 1117, 1130, 1153, 1164, 1169, 1193, 1201, 1225,
1241, 1261 (1914).
Angew. Chem. 1915.
Aufsatzteil (I. Band) zu Nr. 6.
I
22. Januar 1915
naturlich aufs engste mit den in den genannten Aufsatzen
behandelten Fragen zusammen ; es betrifft in erster Linie
die Untersuchung, wie der Krieg auf die chemische Industrie
anderer Lander bisher eingewirkt hat, und wie sich, so weit
man jetzt schon davon sprechen darf, die Aussichten fiir
die deutsche chernische Industrie stellen werden, wenn einma1 Frieden geschlossen werden wird.
Die Kenntnis der Verhaltnisse in anderen Landern zu
erlangen, ist gegenwartig ja durch die Unterbrechung des
friedlichen Handelsverkehrs, unter der a 11 e S t a a t e n
- ohne Aiisnahine - zu leiden haben, sehr erschwert worden; die Bemuhungen aber, diese Informationen trotz aller
Schwierigkeiten zu erhalten, erscheinen als eine sehr dringende unabweisbare Forderung, und daher muBten alle
technischen und wirtschaftlich interessiertcn Zeitschriften
sich besonders bemuhen, auch die auslandischen Journale
auf dem ja nicht verschlief3baren Umwege uber die neutralen Lander zu beziehen. Denn man kann gerade aus den
wirtschaftlichen Angaben in den fuhrenden technischen
Zeitschriften unserer Gegner unter Umstanden sehr interessante Schlusse auf die groBere oder geringere Leistungsfahigkeit unserer Konkurrenten im feindlichen und neutralen Auslande ziehen. Es sei hier nur an die wichtige
K o h 1e n f r a g e erinnert, die ja einen ganzen Komplex
von chemischen Fragen erster Ordnung in sich schlieBt, und
die fur unsere Gegner, mit Ausnahme E n g 1 a n d s, eine
stete Qnelle grol3er Besorgnis bilden muB. Ich brauche
hier nicht ausdriicklich daran zu erinnern, daB rnit der Beschaffring von Steinkohlen die Versorgung mit Koks, Teer,
Benzol, Ammoniak usw. zusammenhangt, und daB demnach die Beschaffung von motorischer und von Warmeenergie, der Bezug eines der wichtigsten stickstoffhaltigen landwirtschaftlichen Dungemittel und zahlreicher Ausgangsmaterialien fur die Produkte der pharmazeutischen und der
Parbeilindustrie an die Kohle gebunden ist, daB aber trotz
englischer Zufuhr F r a n k r e i c h und besonders das vom
europaischen Weltverkehr so gut wie abgeschnittene R u B 1 a n d allein infolge ihrer unzureichenden Versorgung mit
Kohle sich auch kriegstechnisch in einer keineswegs gunstigen
Lage befindet.
Das Salpeterproblem, die Kautschuk-, Baumwoll- und
Petroleumfrage, die Beschaffung von tierischen und pflanzlichen &en und olsaaten, von Metallen und zahlreichen
Erzen gehoren zu jenen wichtigen Fragen, an deren Losung
jetzt in Deutschland eifrig gearbeitet wird, und sie zeigen
auch den weitesten Volkskreisen, wie weit Deutschland
schon jetzt und noch mehr in der Zukunft in den Weltverkelir hineinverflochten ist. Man hat gerade in dieser Zeit
die Becleutung der sog. Autarkie, d. h. der Versorgung des
Landes aus eigenen Produktionsmitteln, deutlich erkannt
und hat auch in wissenschaftlichen Kreisen eine Abkehr
roil der bisherigen Weltwirtschaftspolitik empfohlen. Andererseits zeigt die Gegenwart aber erst recht, mie Deutschland unabwendbar m das Getriebe der Weltwirtschaft
hineingezogen wird, und die Erkenntnis dieser Tatsache
wird auch wiederum wachsen, sobald einmal der Friede
wieder ins Land gezogen sein wird. Dann aber heif3t es im
Gegenteil s i c h n i c h t a b s c h l i e B e n g e g e n u b e r
d e m A u s 1 a n d , sondern vielmehr neue Absatzgebiete
in Europa und Ubersee zu erwerben. Dann wird ohne Zweifel auch eine Steigerung des Einfuhrhandels einsetzen, wie
man sie in ahnlichem Umfange bisher kaum je erlebt hat,
und man wird auch dann daran denken miissen, eigene
Vorrate nicht verderblicher Waren, deren Beschaffung im
Kri ge groBeren Schwierigkeiten unterworfen ist, ohne Riicksicht auf den dadurch hervorgerufenen Zinsverlust, aufzustapeln und den Juliusturm nicht nur mit G o l d anzufullen. Noch eine weitere Aufgabe erweist die Gegenwart
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Grossmann: Chemische Industrie und Krieg.
als besonders notwendig. Es bedarf einer groaen und umfangreicheren P r o d u k t i o n s s t a t i s t i k , urn schnell
und zuverlassig iiber das deutsche Wirtschaftsleben informiert zu sein. Dagegen hat man sich namentlich lange Zeit
und vielfach auch aus berechtigten Griinden in der chemischen Industrie gestraubt, wahrend man jetzt durch die
Zeitereignisse dazu gezwungen wird, so schnell als moglich
weit schwierigere statistische Vorratsaufnahmen durchzufiihren. Denn auf ihrer Gruncllage sind ja vor allem auch
die zum allgemeinen Nutzen der Industrie erlassenen
H o c h s t p r e i s e bestimmt worden. Dafi die Furcht
vor einer ausgebildeten Produktionsstatistik iibertrieben
erscheint, erweist das Beispiel der V e r e i n i g t e n S t a a t e n , wo alle fiinf Jahre derartige Aufnahmen durch das
Censusamt erfolgen, die zwar statistisch nicht einwandfrei
sind, aber doch deutlich erkennen lassen, in welcher Weise
die wirtschaftliche Entwicklung des Landes sich vollzieht.
Als der Krieg begann, da erhoffte man in E n g 1 a n d ,
daB der deutsche AuBenhandel schnell der Vernichtung geweiht sei, und daB England an seine Stelle treten wiirde.
I n dieser Hoffnung hat man sich nun, wie immer deutlicher
hervorgeht, ganz griindlich getauscht, denn, wenn auch der
englische AuBenhandel in den letzten vier Monaten immer
noch sehr bedeutsam genannt werden mufi, so weist er doch
seit dem 1. August derartige Riickgange auf, daB vorsichtige
Beurteiler der Lage zu einem wesentlich ungiinstigeren Ergebnis auch in England kommen mussen. - In der Zeit
vom August bis zum November betrug der Riickgang der
Einfuhr nicht weniger als 62,5 Mill. Pfd. Sterl., d. h. rund
1,25 Milliarde Mark, wahrend die Ausfuhr um 74 Mill. Pfd.
Sterl., d. h. fast 1,5 Milliarden Mark gegeniiber den entsprechenden Monaten des Vorjahres zuriickgegangen ist. Es
will dagegen wenig bedeuten, wenn in der amerikanischen
Zeitschrift Oil, Paint and Drug Reporter vom 23. November
darauf aufmerksam gemacht wird, daB zwar die Ein- und Ausfuhrzahlen des Oktobers im Jahre 1914 weit geringer seien,
als im Jahre 1913, dagegen den entsprechenden Ausweisen von
vor zehn Jahren noch weitaus iiberlegen waren. Wenn d a m
darauf aufmerksam gemacht wird, daB der englische Handel
in dem Kriegsjahre doch bessere Ergebnisse liefere als in
Friedenszeiten vor zehn Jahren, so kann eine derartige
Feststellung doch nur als ein Jonglieren mit statistischen
Ergebnissen bezeichnet werden und an das bekannte Wort
von den drei Lugen auf der Welt erinnern, welches auBer
Lugen (lies) noch damned lies (verruchte Liigen) and statistics kennt. Denn die Tatsache, daB die Ein- und Ausfuhr
von Chemikalien im Oktober dieses Jahres groBer war als
im August und September, kann nicht wunder nehmen,
wenn man beriicksichtigt, daD August und September ganz
besonders starke A u s f a e gebracht haben. Schon friihzeitig
hat man iibrigens auch in englischen Kreisen erkannt,
daB d e r z e i t w e i s e V e r l u s t d e s d e u t s c h e n
AuBenhandels keineswegs gleichbedeut e n d s e i rnit e i n e r V e r g r o B e r u n g d e s e n g l i s c h e n E x p o r t s . So heil3t es im Economist vom
29. Augwt : ,,Die Kaufe und Verkaufe der Welt vollziehen
sich nicht i*ifest bestimmten Mengen : D e u t s c h 1 a n d s
Verlust ist nicht unser Gewinn, sondern
u n s e r V e r 1 u s t. Der Krieg und die mit ihm verbundene
Zerstorung von Kredit, Wohlstand und Leben vermindert
den ganzen Umfang des Handels, da sie die Kaufkraft nicht
allein Englands, sondern auch Deutschlands und der ganzen
Welt vermindern. Die Solidaritat des internationalen Handels und der internationalen Finanzen bringt es mit sich,
daB ein heftiger Schlag gegen einen Teil des Systems im
ganzen System empfunden wird. Die Bemiihungcn des Board
of Trade, der Industrie beizustehen, sind sehr lobenswert.
Aber bevor wir eine Nachfrage oder Lieferungen veranlassen konnen zum Ersatz eines Teiles der Waren, die wir im
Wert von 88 Mill. Pfd. Sterling aus Deutschland und aster.
reich jahrlich einfiihren, und bevor wir fremde und kolonialc
Miirkte in Angriff nehmen konnen, wo deutsche und oster
reichische Waren das Feld behaupten, mu13 unser Volk fafig
und gewillt sein, zu k a u f e n."
Wenn man in England aber trotz dieser Ruckgange mil
den absolut hohen Zahlen seines Handelsverkehrs prunkl
und darauf hinweist, daB Deutschland durch seine Ab,
[
Zeltsrhrlft IUr
anpewandte Cheiriir.
chneidung vom Welthandel notwendigerweise seine Absatznarkte verlieren miisse, so braucht man demgegeniiber n u r
Luf die intensive und erfolgreiche Tatigkeit unserer Reichs,ehorden hinzuweisen, die alles getan haben und noch stanLig tun, um den durchaus nicht erledigten deutschen AuBeniandel zu heben. Es sei hier nur auf die beziiglichen Ausiihrungen in der dem Reichstag vorgelegten Denkschrift
iber wirtschaftliche Mafinahmen hingewiesen 3), deren nahere
3esprechung in der Zeitschrift fur angewandte Chemie (28,
11, 1 [1915~)veroffentlicht worden ist. Gegenuber der anerrennenswerten Objektivitit, welche Finanzzeitschriften, wie
ier Londoner Economist und einige Fachblatter in Engand bisher bewiesen haben, mu13 man es lebhaft bedauern,
iaB andererseits Wissenschaftler von Rang und fiihrende
,echnische Zeitschriften, wie ,,E n g i n e e r'' und ,,E n g i 1 e e r i n g ," es nicht verschmaht haben, im Gegensatz zu
h e r friiheren Anerkennung der deutschen Wissenschaft
md der deutschen Technik einen allerdings nur sie selbst
mtwiirdigenden Ton anzuschlagen. Dem Umschwung in
ler englischen Volksstimmung, die anfangs nicht allgemein
'iir den Krieg rnit Deutschland begeistert war, hat leider
tuch eine grol3e Zahl von hervorragenden Gelehrten keinen
Widerstand entgegengesetzt. Deutlich geht dieser Um3chwung besonders aus der Tatsache hervor, daB hervorSagende Gelehrte wie Sir W i 11i a m R a m s a y , J. J.
r h o m s o n , W i l l i a m C r o o k e s , die in den ersten
4ugusttagen sogar einen Teil deutschlandfreundliche Kundgebungen unterzeichnet haben, inzwischen ihre Ansichten
vollig geandert haben, so daB sie sich der bekannten Kundgebung der englischen Hochschullehrer an die deutschen
Universititsprofessoren, die sich inhaltlich n u wenig iiber
las Niveau der deutschlandfeindlichen Tagespresse erhebt,
tngeschlossen haben
Allerdings findet sich in dieser
Kundgebung auch, wie nicht verschwiegen sei, der Satz:
,,We ourselves have a real and deep admiration for German
wholarship and science. We have many ties with Germany,
ties of comradeship, of respect and of afkction." Trotzdem
:rklaren uns die gelehrten Herren a1s den gemeinsamen
Feind Europas und aller Volker, welche das V o l k e r r e c h t (!) achten.
Wie aber haben sich in Deutschland die f u h r 0 n d e n
K r e i s e der Wissenschaftler verhalten? Wenn man auch
in Deutschland in erklarlichem und berechtigtem Zorn in
den letzten Wochen manches gesagt und gedruckt hat, d a s
besser ungesagt geblieben ware, so ist doch in wissenschaftlichen und technischen Zeitschriften niemals ein ahnlicher
Ton eingerissen, wie teilweise in England. Die Zeitschrift
,,Stahl und Eisen" hat sich das groae Verdienst erworben 9,
zuerst die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese hochst betrubenden Vorgange zu lenken. So bemerkt in der Zeitschift ,,The Engineer" ein ungenannter Vf. wortlich ;
I
,,Es ist jetzt an der Zeit, daB der deutsche Aberglaube
an die Uberlegenheit in wissenschaftlicher und technischer
Hinsicht ebenso zerstijrt werden sollte, wie er sich auf andepen groBeren Gebieten im Zusammenbruch befindet. Wiihrend einer langen Reihe von Jahren, seit einem Vierteljahrhundert, pflegte der Schreiber dieser Zeilen Deutschland zu besuchen. E r hat mit Deutschen von Rang und
Geist verkehrt und war bestrebt, einen vorurteilslosen Einblick in ihren Gesichtskreis und Verstandnis fur ihre Arbeitsweise zu gewinnen. I n den 25&Jahren hat sich eine
Anderung vollzogen. Die Zeiten eines H e 1m h o 1 t z ,
B u n s e n , K i r c h h o f f und L i e b i g ,,und dieser
anderen Gelehrten" - wenn man ein oder zwei deutsche
Worte schreiben darf, ohne sofort einer Majestitsbeleidigung
schuldig gesprochen zu werden - scheinen aufgehort zu
haben. Die Dankbarkeit, die wir f i i r jene grofien Manner
empfinden, stimmt uns traurig wegen des tatsikhlichen
Verfalls, denn der Verfall schreitet fort nach dem Urteil derjenigen, welche vorurteilsloser sind als irgendein Gelehrter,
indem sie sich nicht nur mit der einfachen Leistung befassen,
sondern auch rnit den Ideen, welche diese Leistungen erklaren, und auf denen sie beruhen."
8 ) Denkschrift iiber nirtsthaftliche Maonahmen aus AnlaD des
Krieges vom 23./11. 1914, 48ff.
p, Abgedruckt irn Daily Telegraph vom 21./10. 1914.
6, Stahl u. Eisen, 29./10. 1914, 1676.
28. Aufsatzteil.
Jahrgang 1916.1
Grossmann: Chemische Industrie und Krieg.
Mit den weiteren geistvollen Ausfuhrungen des ungenannten Vf. mochte ich Sie verschonen und nur darauf hinweisen,
daB in der Zeitschrift ,,Engineering" vom 16. Oktober wortlich bemerkt wird : daB die Leistungen der deutschen Wissenschaft zwar quantitativ die jeden anderen Landes uberwogen, wahrend ihre durchschnittliche Qualitat keinesweas besonders hoch sei. m e r h a u n t seien die deutschen
wisgenschaftlichen Leistungen in dei Hauptsache die eines
Schmarotzertums an der Gedankenarbeit anderer Lhder." -(!)
Demgegeniiber mochte ich nur auf die trefflichen Bemerkungen eines der ersten Phpiker Englands hinweisen,
welche S i r 0 1 i v e r L o d g e , der Herausgeber des ,,Philosophical Magazine," allerdings auf der deutsch-englischen
Verstkndigungskonferenz im Jahre 1912 geauBert hats), und
die tatsiichlich -wie ja selbstverstiindlich ist -ganz anders
lauten. Der Vf. jenes Aufsatzes im ,,Engineering" laBt
selbst auf chemischem Gebiete an den Deutschen kein gutes
Haar, wahrend sogar der Sekretar der englischen IndustrieLiga die Bedeutung der deutschen Wissenschaft ausdriicklich anerkennt, wenn er auch - abgesehen von der Chemie
und ihrer Anwendung - die Deutschen als eine Nation von
,,Nachahmern" bezeichnet. Wir brauchen uns uber die
Frage auch mit diesem Herrn nicht zu streiten, da die Geschichte der Naturwissenschaften derartige Anschauungen
zu allen Zeiten widerlegt hat, und konnen gegeniiber den
schlecht informierten fanatischen Gegnern Deutschlands
auBerdem auch auf die objektiveren Fachleute hinweisen,
die in einer denkwiirdigen Versammlung der Society of Chemical Industry am 2.111. zu ganz anderen Ergebnissen geLangt sind. I n dieser Sitzung wurde das Thema: ,,Die Gegenwart und die Zukunft der englischen chemischen Industrie," und die Einwirkung des Krieges auf dieselbe eingehend
erortert, und es ist hochst charakteristisch, daB der gegenwartige Vorsitzende der beriihmten Geselbchaft, Prof. G.
G. H e n d e r s o n , die Diskussion mit folgenden Worten7)
eroffnete: ,,Bk jetzt hat Deutschland behauptet, dalj es unseren HandePin feineren Chemikalien erobert habe, und daB es
auch bald den Handel in Produkten der chemischen GroBindustrie an sich reifien wurde." -Wie aber ware ein solcher
Vorgang uberhaupt moglich gewesen '1 Einmal hatten die
Deutschen eine besonders bemerkenswerte Unternehmungslust und Geschaftstuchtigkeit bewiesen ; sie hatten Agenten
i n der ganzen Welt, und ihre Konsulate hiitten ihnen grofien
Nutzen gebracht, weil praktisch jeder Konsul die Tatigkeit
eines Handelsagenten ausiibe. Aber sie hatten auch als
Manner der Wissenschaft sich stets besonders titig erwiesen,
und alle wissenschaftlichen Entdeckungen sich weit schneller
als die anderen Volker zunutze gemacht. Sie hatten wohlausgebildete, auch in der Forschung erfahrene Chemiker
und geschickte Arbeiter und wendeten groBe Summen Geldes auf wisaenschaftliche Untersuchungen en. ,,To put i t in
a word, they deserved their success."
Ich verzichte darauf, demgegeniiber die von allen einsichtigen Chemikern Englands schon seit Jahrzehnten vie1
beklagte Ruckstandigkeit nicht der englischen Wissenscheftler, sondern der englischen Industriellen naher zu kennzeichnen, die hisher, in ihrer groBen Mehrzahl wenigstens, weit
weniger Interesse an wissenschaftlichen Arbeiten genommen
haben. Ahnlich, wie Prof. H e n d e r s o XI, auBerte sich auch
Prof. P e r c y F r a n k l a n d aus Birmingham, der betonte, daB er jahrelang den Industriellen gepredigt habe,
wissenschaftlich nach Art der Deutschen zu verfahren, aber
seine Worte waren tauben Ohren begegnet. Und als letzter
Zeuge sei endlich noch Herr Dr. M e s s e 1 angefiihrt, der
betonte, daB es hochst fraglich sei, ob man jetzt gegen die
eingewurzelten MiBstande etwas Durchgeifendes tun konne.
They have been talking on this subject for forty years
a n d nothing had been done. I n Germany the talking time
was over, and for ourselves ought to be over by now*).
19
M e s s e 1 warnte auch vor der Neuerrichtung von Fabriken,
deren Rentabilitat nur wahrend des Krieges moglich ware;
denn wenn man neue lndustrien schaffe, so miisse man darnuf gefaBt sein, daB dieselben die gewohnlichen Kinderkrankheiten durchmachen mussen und aufierdem nicht imstande waren, dem folgenden Wettbewerb in Friedenszeiten
standzuhalten.
Die Redaktion der Zeitschrift ,,The Chemical Trade Journal" hat diese freimutigen und verstandigen AuBerungen
mit einigen recht absprechenden Bemerkungen am 2. NOve mber zum Abdruck gebracht und muBte sich dafiir in der
folgenden Nummer vom 14. November von einem englischen
Chemiker sagen lassen, dafi die Diskussion uber historisch
bedeutsame Fragen unter keinen Umstanden auf eine h y s t e r i s c h e A r t gefiihrt werden diirfe.
DaB in der Tat trotz aller patriotischen Ermahnungen
die chemische Industrie Englands praktisch nicht imstande
ist, den vielseitigen Bediirfnissen der zwn Teil anscheinend
gut beschaftigten Industrie zu entsprechen, zeigen vor allem
die Ankiindignngen iiber zum Kauf bereit st>ehende,vielfach
aber nicht sehr betrachtliche Mengen englischer Chemikalien und die lange, immer langer werdende Liste derjenigen
Produkte, die man in England zu k a u f e n wiinscht. DaD
man selbstverstandlich mit verschiedenen, zum Teil neugebildeten Organisationen in England und seinen Kolonien
und mit Hilfe der zahlreichen im Auslande befindlichen gemischten Handelskammern in neutralen Landern den englischen Fabrikaten neue Markte zu erschliefien bemiiht ist,
versteht sich von selbst. Wir werden aber ruhig abwarten
konnen, was dabei schlieBlich herauskommt. Trotzdem
England in bezug auf die Beschaffung von chemischen Rohmaterialien sich in einer unbestreitbar giinstigeren Lage befindet als Deutschland, fragt man sich doch sehr, ob das
Endresultat den hochgespannten Hoffnungen einzelner chemischer Industrieller entsprechen wird. DaB es rnit dem
Kapitalreichtum, besonders in der organisch-chemischen
Industrie Englands nicht allzu gliinzend stehen kann, zeigt
der Wuf nach Staatshilfe, der ubrigens von vielen CXemikern
mid auch von der Redaktion des Chemical Trade Journal als
hochst bedenklich abgelehnt wird. Man ist sich doch allzu
klar dariiber, daB der AbschluR des Krieges die neuinvestierten Kapitalien allzusehr geflhrde, und selbst die Zwangslizenzen deutscher Patente, die mit dem FriedensschluB
oder wenige Monate nachher aufhoren mussen, scheinen
nicht auf allzuviele Induatrielle einen geniigend starken
Anreiz zu einer kostspieligen und riskanten Ausdehnung
ihrer Werke auszuiiben.
Dalj man in Deutschland, besonders in der Tagespresse,
die Frage der Behandlung deutscher Patente in England
z u e r s t allzusehr ab irato betrachtet hat, zeigt deutlich die
erwahnte Denkschrift des Reichsamtes des Innern, die v o r e r s t zu dem Ergebnis gekommen ist, keine gesetzgeberischen neuen MaBnahmen zur Vergeltung in Anwendung zu
bringen.
Nachst England sind die V e r e i n i g t e n S t a a t e n
v o n N o r d a m e r i k a ein besonders wichtiger Abnehmer
fiir deutsche Chemikalien, und es ist bekannt, daB sich die
Union immer mehr auch zu einem hochst beachtenswerten
Konkurrenten auf dem Gebiete der chemischen GroBindustrie auswachst. Trotz der aufierordentlichen Hilfskrafte
des Landes hat man sich aber im wesentlichen auch jetzt
noch mehr mit der Fabrikation von chemischen Stapelartikeln befaBt, deren Menge und Were jedoch sehr hohe
Betrage erreicht haben. Aber trotz aller Fortschritte vor allem in maschineller Hinsicht - hat sich doch gezeigt,
daB die amerikanische Industrie vorlaufig noch auf die Zufuhr zahlreicher chemischer Produkte aus Deutschland angewiesen ist, und dafi bei einer Unterbrechung der Zufuhr
eine gesunde Entwicklung ganzer Industriezweige gefahrdet
erscheint. Zahlreiche chemische Produkte, die der Laie
selbst dem Namen nach oft kaum kennt, sind, wie die einzelnen Rader in einem Uhrwerk, notwendig, wenn nicht die
0 ) Deutschland und England in ihren wirtschaftlichen, politischen
ganze
Industrie ins Stocken geraten soll. Am cleutlichsten
und kulturellen Beziehungen. Verhandlungen der deutsoh - englischen Verstandigiingskonferenz 1913. Miinchen-Berlin, R. Olden- ist die Unentbehrlichkeit chemischer Produkte indessen
besonders in der Textilindustrie hervorgetreten, wo jener
bmrg, siehe besonders 157-159.
plotzliche Mange1 an organischen Farbstoffen, der auch in
7 Chemical Trade Journal vorn 14./11. 1914, 413.
Wortlich zitiert nach Trade Journal vom 7./11. 1914, 390.
England zu den schwersten MiBstanden gefiihrt hat, die
20
Mahr: Kontinuierliche und diskontinuierliche Raffination in der Erdolindustrie.
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Wirkung gehabt hat, daB m i t E r 1 a u b n i s d e r c n g l i s c h e n R e g i e r i i n g die Amcrikancr im Heginn des
Oktobcm einen Dampfcr nach Rotterdam senden konntcn,
der cine erhebliche Mcngc Raumwolle, die fur Deutschland
bestimmt war, von Amerika als Ballast mitnahm und in
Rotterdam rnit Farbstoffcn aus Deutschland beladen wurde.
Wcnn man bedenkt, in welcher Wcise England sonst den
deutschcn Handel zu schadigen bestrebt ist, so crxhcint
dicscs Verhalten in der Farbstofffragc, unter dcr England
ja sclbst so arg zu leiden hat, sehr bedeutsam. Abcr wir
fmden h e r wiederum ein treffendes Beispiel fur die besonders von K j e 1 1 6 n in seinern Buche ,,Die GroBmachte
der Gegenwart," vertretene Anschauung, ,,daB England
durch seine ganzcn Handelsbeziehungcn g e z m g e n ist,
Rucksichtcn zu uben, die andere Machtc nicht in gleichem
Grade belasten. So ist z. B. seine Geduld gcgenuber der
manchmal recht herausfordernden Politik der Vcreiriigten
Staaten rccht erklarlich : cs kann gttnz cinfach keincn Krieg
mit seincm Hauptlicfcrantcii fuhren, dcr ihm vor allem die
Sicherheit seiner Kahrungsmittclvcrsorgung garanticrt."
Man hat in den Vereinigten Staatcn von Amerika anfiinglich sehr groBe Hoffnung auf die durch den Krieg crmoglichtc Erobcrung des sudamerikanischen Marktes gcsetzt,
aber dicse Hoffnungcn scheincn sich - bisher wenigstens kaum erfiillt zu habcn. Von EinfluB durfte der Kricg aber
doch insofern auf die chemische Industrie in der Union
sein, als cr vor allem bei einer liingeren Daucr zu cincr VergroBcrung der auf amerikanischcn itohstoffen beruhenden
chemischen Industriezwcige fiihren diirfte.
Was die S c h w e i z anbetrifft, so lcidet hier nicht nur
das ganze Wirtschaftdeben, sondern auch die chcmische
Industrie. Schon h a t die ,,Gescllschaft f i i r chemischc Industrie" in Basel nach wcnigen Kriegsmonatcn ihre Dividendc von 10 auf 6% reduziercn musscn, und auch fiir die
Zukunft mird die Bcschaffung von organischen Rohstoffen
und Halbfabrikaten der Baseler Industrie vielc Schwierigkciten machen. Unter dicscn Umstanden schcint auch dcr
Erfolg dcr neu gegrihideten A-G. zu Olten, die cine groBe
Sodafabrik errichten will, vorerst auch aus finanziellcn
Griinden noch recht zweifelhaft.
Dic bedenklichsten Zustande scheinen aber in it u 13 1 a n d zu herrschen, wo die chemische Industrie auf die
dcutsche Zufuhr nicht nur in den wcstlichen Bczirken des
industriellen Polens angewiesen ist. Durch die im Winter
vollstandig gewordene Unterbindung des Ausfuhrhandels
aieht sich die teclinisch vielfach uncntwickeltc chemische
Industric RuBlands vor einer schwierigen Lagc. Vor allem
fehlt es a n vielen Chernikalien und pharmazcutischen Bedarfsartikcln. Allein dic Tatsache, daB der russische Chemiker T s c h i t s c h i b a b i n in Moskau das von cincr
russischcn Fabrik gelicferte unreinc C, h 1 o r o f o r m in
dem Hoc)ischullaboratorium selbst reinigeii lassen iuuB,
spricht deutlich fur die mangchide Leistungsfiihigkeit der
russischcn Industrie. J h b e i soll nicht unerwiihnt gclassen
werdcn, daB BuBland cine ganze Reihc von tuchtigcn Chemikcrn auf seinen Universitaten besitzt, die meist in Dcutschland ihre Ausbildung erhalten haben und fast alle die
deukchc Sprachc vollstandig bchcrrschcn. Allerdings verliert RuBland standig einc nicht rinerhcbliche Anzahl von
Chcmikern, die infolge seiner rcaktionaren Politik daran gehindert wcrden. ihre Flihigkeiten der Entwicklung der I n dustrie ihrcs eigenen Vaterlandcs zu widmen. Dan trotz
dieser Schaierigkcitcn die chemische Industric in dcn letzten Jahren unter dcm EinfluB d e u k h c n Kapitals und
dentscher Intelligenz vielfach Fortschritte geniacht hat, sei
nicht uiierwiihnt gelassen. 111 Russisch-Polen arbeitctcn im
Jahre 1902 erst 63 chemische Fabrikcn mit 4000 Arbeitcrn,
hcutc aber zahlt man 364 Fabrilxn rnit 9200 Arbeitern und
einer Jahrcsproduktion im Wertc von 30 MI. Rubel. Dicse
Industrie bcschlftigte sich vor dern f i i e g e rnit der Herstellung von Seifen, Kerzen, kosmetischeri Artikcln und Parfums, wobei allerdings ineist aus Deutschland bezogene Halbfabrikatc zur Verarbcitung gelarigtcn. Auch die landwirtschaftlich-chemischcn Industriezwcige, die Zuckcrintlustrie,
die Spiritusindustrie und die holzverarbeitendcn Ccwerbe
weisen noch ganz hcrvorragende Entwicklungsmoglichkciten
auf, von dcnen bisher erst cin klciner Tcil verwirklicht wor-
[
Zeitschrllt fbr
angewnndtc Chemm.
-
den ist. Jctzt wird gemcldet, daB RuBland sogar in Japan
Ankaufc pharmazeutischer Artikcl vorgenommcn h a t und
von dort Jodverbindungen, Essigsliure, Alkohol usw. beziehen will. - Angesichts des traurigen Zustandos d e r
pharmazeutischen Industrie RuUlands unterliegt cs wohl
kcmem Zweifcl, daU die Erfolge der arztlichen Behandlung
russischer Verwundcter vielfach in Frage gestellt sein
wcrden.
Nach der Statistik des russischen Handclsministeriums
vom Reginn des Krieges bis 1. September hatten voii 257
chemischen Fabrilten mit 60721 Arbeitern 58 mit 42741 Arbcitcrn ihre Produktion stark eingeschrankt, wahrcnd vier
Unternehmungen ihre Arbeiterzahl von 763 auf 900 erhoht
habcn. Die Ursache des Kuckgangs ist vor allem der Mangel an
Kohmatcrialien. Perncr ist nach der EnquCtc der russischen
Fabrikanten nach der Zeitschrift ,,Rjctsch" zu cntnehmen,
daB im Moskauer Revicr 80% allcr Betriebe ihre Fabrikation
vermindert, 4% die Fabriken ganz geschlossen haben und
16% normal weiter arbeiten.
Uber dic chcmische Iiidustrie F r a n k r e i c h s ist bisher wcnig bekannt geworden. Sicherlich h a t die tcilweise
Besctzung der industriellen Bezirke im N o r d c n und
K o r d o s t e n durch die deutschen Truppen die Vcrsorgung dcs h i i d e s sehr erschwert, und angesichts der Chcmikalienknappheit in England durfte auch die Vcrsorgung
des franzosischcn Marktes vielfachen Schwicrigkeiten unterlicgen. Das gleiche gilt auch von dcm uber ihrc Lebensfahigkcit entschcidendcn €3 x p o r t der elcktrochemischen
Industric Frankreichs in den Alpcngcbieten, dcr gcgenwartig mehr oder wenigcr lahmgclcgt sein diirfte.
0 s t e r r e i c h - U n g a r n bcklagt vor allem dic Storung sciner Pctroleumindustrie, seincs uberscchandels und
seincs ubrigcns schon vor dem ICriego crheblich gcminderten
Absatzes nach den UalkanlLndern. Dagcgen diirftc der Verkehr mit Deutschland in den letzteti Monaten einen gcwissen Ausglcich bieten, und es ist wohl als sichcr anzunehmen, daf3 der Krieg eineri engercn wirtschaf:lichcn AnschluB der Donartrnonarchie a n das Dcutsche Rcich herbeifihren wird.
Doch das sind Sorgcn der Zukunft, deren Uurchfuhrung
in erstcr Reihe von dcii Ereignissen im Osten und Westen
abhangen wird. Das eine aber kann man wohl schon heute
als sicher feststellen, daB namlich die deutsche chcrnischc
Industrie auch nach dem Kriege imstande sein wird, d e r
Konkurrenz feindlicher und neutralcr Lander die Spitze zu
bicten, denn wcnn auch die dcutschc chemische Industrie
nicht von schmcrzlichcn Verlustcn verschont gcblicbcn kt,
wozu an erster Stellc die bcdcutendcn Verluste a n chemiI
sind, so habcn doch auch
schen Intelligcnzen ~ I rcchncn
ihrc Konkurrenten diirch den Weltkricg manchcrlci matcriellc Schadigungen crfahren. D a abcr trotz diescr Verluste
in kcincm Landc eine gronere St:har wisscnschaftlicher und
techiiischer Chcmiker von Bedcutung vorhandcn sein durfte
als iii Deutschland und demnach unser Vatcrland auch hier
auf cine betriichtlichc chemischc 1L c s e r v e a r m e o zahlen darf, so kcnnen wir toffcn, daB jener Ausspruch des
franzosisehen Chcmikers H a 1 1 c' I' uber die dcutschc chcmische Industric : ,,la prCpondcrance de I'industric chimiquc allemande cst un fait reconnu e t indiscutabl ," trotzalledem auch in eincr spatercn Zukunft im Fricden wieder
[A. 202.1
vollc Gcltung habcii wird.
Kontinuierliche und diskontinuierliche
Raffination in der Erdolindustrie.
VOn I<.
n!AHll.
(Eiupeg. S./lO. 1914.)
l m allgcmcincn bevorzugt man i n der Erdoliudustrie
die diskontinuierlichc chemisehe Raffination ; inan misclit
also in cinem zylindrischcn, mit konisch gcstaltctcm Roden
versehciien, verbleiten Behalt-r das Eraijldestillat rnit
Schwefelsiiure - diesc bildct nahezu das ausschlieBlicho
Raffinationsreagcnv -, trennt nach eiiier bcstimmtcn Mischungsdaucr die sich schnell absetzende Siirire vom 01 und
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