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Chemische Technologie als Examensfach.

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Jahren hat sich das Bild vtillig verandert: die sinnreichen kleinen
Apparate, z. €3. die Pumpen von V o l l m e r und F r i e d r i c h , die handlich und billig sind und selbst bei den heutigen Etatsverhaltnissen
ihre Anschaffung einem Durchschnittsinstitut gestatten, sind im allgemeinen Gebrauch, und ihre Verwendung ermbglicht die Reindarstellung
einer ganzen Reihe von Stoffen in schneller und einfacher Weise.
Viele der in letzter Zeit isolierten Verbindungen (z. 13. dns Phytol,
einer der Bestandteile des Chlorophylls, die htihermolekularen Rausteine
des EiweiBmolektils) waren ohne Anwendung stark erniedrigten Druckes
kaum zu fassen gewesen. Direkte c h e m i s c h e Umsetzungen hei vermindertem Druck sind noch sparlich, zeigen aber schon in einer
Ricbtung einen theoretisch wohl vorauszusehenden Erfolg: die Depolymerisation von gasfbrmigen Molekiilen, die durch kurze Beriihrung
mit einer Wlrmequelle (z.13. eineni gluhenden Metalldraht) erreicht
werden kann, wird durch Minderdruck befbrdert: das zeigen z. R . die
Versuchevon H a r r i e s und S t a u d i n g e r iiber diespaltungvon Terpenkohlenwasserstoffen C,, HIR in Molektile des Isoprens C, H,, das auch
aus Kautschuk durch thermischen Zerfall hervorgehen kann und
umgekehrt wieder zu Kautschuk sich polymerisieren 1aBt. Einfache
Gesetze fiir diesen und ahnliche Vorgange der technisch so wichtigen
und daher manniqfach studierten Polymerisation hdben sich bis jetzt
Ubrigens noch nicht herausschtilen lassen.
Wie in der anorganischen Chemie, so spielen auch in der
organischen Umsetzungen, die durch Gegenwart kleiner Mengen
von Fremdkbrpern weitgehend beschleunigt werden, seit jeher
eine besonders wichtige Rolle: beruht doch bekanntlich der stoffliche Umsatz im Tier- und Pflanzenreich zum weitaus grbaten
Teil auf der Mitwirlrung solcher Katalysatoren, die man hier als Fermente oder Enzyme bezeichnet, und man kennt auch schon langsl
kiinstliche stoffliche Umsetzungen, die - wie die bei Gegen.
wart von Aluminiumchlorid sich abspielende Friedel- Craftssche
Reaktion - einer katalytischen Ftirderung bediirfen. Die auf dieseni
Gebiete in neuester Zeit geleistete Arbeit ist von grbBter Wichtigkeit.
Teils hat sie bereits neue gut ganghare Wege des Arbeitens geschaffen,
teils solche in sichtbare Nshe gerlirkt. An die Spitze gestellt zu
werden rnit Riicksicht auf den Grad des schon Erreichten verdient
zweifelsohne die katalytische Hydrierung. Der erste Impuls d a m
stammt, wie wir neidlos anerkennen wollen, von dem franztisischen
Chemiker S a b a t i e r , welcher zeigen konnte, dai3 kleine Nengen fein
verteilten Nickels Wasserstoff, wenn er mit Diirnpfen organischer
fur Wasserstoff nufnahmefahiger Substanzen in Beriihrung kommt,
seine Anlagerung an die organische Substanz veranlassen. Die der
Sabatierschen Methode zugrunde liegende Idee ist d a m vielfach
variiert worden. Die deutschen Forscher P a a l , S k i t a , W i l l s t l t t e r
erkannten, daB das Nickel auch durch andere Metalle (Pt,Pd) ersetzt
werden kann, man fand - auch diese Erweiterung geschah bei uns -,
dai3 Fliissigkeiten ebensogut der Hydrierung zuglnglich sind, man stellte
fest, dai3 - wie vorauszusehen war - sehr erhtihter Wasserstoffdruck
die Reaktion bedeutend ftirdert (Ip a t i e w). Ungezlhlte Verbindungen
sind in den letzten Jahren nach dieqeni neuen Verfahren mit Wasserstoff beladen worden: Stoffe mit doppelter und dreifacher Kohlenstoffbindung C - C , C x C (die sogenannten ungeslttigten Verbindungen), mit
doppelter C=O-Bindung (Aldehyde und Ketone), mit CEN-Hindung
(Nitrile) und endlich auch aromat ische Verbindungen, bei denen ja
die Frage, ob sie wirklich drei Doppelbindungen im Kohlenstoffkern
enthalten, noch immer nicht einwandfrei beantwortet ist, haben sich
als geeignetes Versuchsmaterial erwiesen. In Einzelfiillen hat diese
Arbeitsmethode soqar schon eine weit Uber das wissensvhaftliche
Interesse herausgehende Bedeutung erlangt. Das .gilt insbesondere
fiir die Hydrierung der Fette und die Hydrierung des Naphthalins.
Ungesattigte fliissige Fette werden durch Wasserstoffaufladung in
wertvollere feste Fette verwandelt, umgekehrt geht fesfes Naphthalin
C,,H, durch Aufnahme von 4 Atomen Wasserstoff, in flussiges Tetrahydronaphthalin (Tetralin) C,,H,,, von 10 Atomen Wasserstoff i n gleichfalls flUssiges Dekahydronaphthalin (Dekalin) C,,H,, iiber ( S c h r o e t e r ) ;
beide haben gerade wegen ihrer fliissigen Beschaffenheit z. B. als Benzinersatz fiir Motoren, ferner als Terpentintilersatz in der Lackindustrie
und fur verwandte Zwecke schnell eine Hedentung erlangt (v. G w i n n e r , S c h r a u t h ) , bei beiden, insbesondere beim Tetralin gelingt es
durch chemische Umformungen ZLI groi3en Scharen von Abktimmlingen zu gelangen, die nach verschiedenen Richtungen, z. B. meinen
eigenen noch unvertiffentlichten Versuchen zufolge, insbesondere nach
pharmakologischer Richtung von Interesse sind. Wie das Nickel imstande ist, unter bestimmten im Einzelfall zu ermittelnden Bedingungen
den Wasserstoff zu fixieren, so kann es andererseits auch, und dnsselbe tun noch andere Metalle, wie Kupfer, unter etwas abgeanderten
Bedingungen, insbesondere bei etwas mehr erhtihter Temperatur eine
Wasserstoffabspaltung, also eine Dehydrierung bewirken. Im Endeffekt kommt eine Dehydrierung auf eine Oxydation hinaus, und unwillktirlich drlngt sich in diesem Zusammenhang die Fra.ee auf, ob
es wohl mtiglich sei, auch den molekularen Sauerstoff durch katalytische Beeinflussung zur Reaktion mit organischen Stoffen zu bringen.
Die Frage ist mehrfach in Angriff genommen worden: Phosphorverbindungen, Vanadinverbindungen, Osmiumverbindungen wurden au€
ihre Wirkung untersucht, einstweilen aber hat sich eine glatte Ltisung
noch nicht finden lassen. Sie erscheint auch, vom praktischen Gesichtspunkte aus vielleicht nicht ganz so wichtig wie die der katalytischen
Hydrierung, weil ja der Sauerstoff leicht in seine aktivere Modifikation,
das Ozon, verwandelt werden kann und in dieser Form nach den
bekannten zu Beginn dieses Jahrhunderts ausgefllhrten Untersuchungen
von H a q r i e s die Stoffe, die Uberhaupt der Oxydation anheimfallen
k h n e n , mit gr613ter Leichtigkeit angreift.
Etwas besser durchgearbeitet als die katalytische Oxydation sind
noch einige andere Umsetzungen, die aber nicht die Bedeutung besitzen wie nie Hydrierung: so die Abspaltung von Wasser, die aus
einem Gemisch von Alkohol und Ammoniak bei Gegenwart von Stoffen
wie Thordioxyd erfolgt und die Rildung von Aminen zur Folge hat,
oder die Zersetzung organischer Sluren, die teils in einem Austritt
von Kohlendioxyd und Bildung des Kohlenwasserstoffs oder einem
Austritt von Kohlendioxyd und Wasser und Bildung eines Ketons
besteht.
Von Interesse sind diese letztgenannten Umformungen deshalb,
weil sie mbglicherweise - neben vielen anderen Umformungen - auch
in der organisierten Welt unter dem spezifischen EinfluB von Beschleunigern sich abspielen und uns so zum Kapitel der Katalyse bei
biologischen Prozessen heruberleiten. Die Erscheinungen d i e s e r
Katalyse sind ungemein zahlreich und ihre Aufklarung besitzt daher
die allergrtiDte Bedeutung. Wenn der Pflanzen- und der Tierleib imstande ist, eine Unzahl von Verbindungen auf dem Wege des Aufund Abbaues darzustellen, ohne extreme Bedingungen, wie wir sie im
Reagensglas und Autoklaven realisieren, zu Hilfe zu nehmen, so g e
schieht das eben deshalb, weil ihnen zahllose Fermente zur Verfiigung
stehen; und es ist kein Zweifel, dai3 wir an dem Tage unsere komplizierten chemischen Arbeitsmethoden werden abhauen und durch
einfachere ersetzen konnen, wo es uns gelingen wird, hinter das Geheimnis der natiirlichen Fermente zu kommen, sie erstens rein zu
fassen, sie zweitens ihrer Natur nach zu diagnostizieren und sie drittens
in ihrer Wirkung genau zu erforschen. Was bisher nach dieser Richtung vorliegt, sind trotz massenhafter Arbeit die allerersten Anfiinge :
wohl war es mbglich, aus Organen aktive Stoffe zu isolieren, die, um
nur wenige Beispiele herauszugreifen, wie die Lipase Fette in Glycerin
und Siiuren spalten, wie die Zymase Zucker zur weingeistigen Garung
veranlassen, wie die neuerdings n l h e r untersuchteTannase, Gerbstoffe in
Gallussaure und Zucker trennen, und wie die auch neuerdings studierte
Carboxylase aus Sliuren Kohlendioxyd entwickeln, wohl sind wir in
vielen wichtigen Flllen, so bei der alkoholischen Gtirung (Ne u b erg)
imstande, uns ein zutreffendes Bild des chemischen Vorganges zu
machen, minimal sind aber erst die Fortschritte beztiglich der Reindarstellung der Fermente und gleich Null beziiglich ihrer chemischen
Charakterisierung. Die Bewlltigung d i e s e r Aufgabe bietet unendliche
Schwierigkeiten in Anbetracht der Leichtverlnderlichkeit der fraglichen
Stoffe, und sie mua unter subtilen Bedingungen und mit Vorsichtsmai3regeln in Angriff genommen werden, die iiber das bisher in der
organischen Chemie gewohnte Mai3 weit hinausgehen. Sorgfaltigste
Abstufung der sauren oder alkalischen Reaktion der Reagentien, Verwendung von spezifischen Adsorptions- und Dinlysiermitteln, in jeder
Hinsicht behutsamstes Arbeiten - urn nur auf einige experimentelle
Momente hinzuweisen - sind die Punkte, auf die man zu achten hat,
wie dies der Hauptftirderer dieser Arbeitsmethodik, R. W i l l s t l t t e r
in Miinchen, in allerletzten Jahren gezeigt hat. Unendlich grot3 sind
die Schwierigkeiten, die sich hier bieten, aber unendlich gro5 der
Preis, der die Muhe lohnen wird. Denn das Gelingen des Werkes
muB der organischen Chemie ganz neue Bahnen weisen. Die, die sie
bis .vor kurzem gegangen ist, sind reichlich ausgetreten. Die Ab- und
Aufbaureaktionen, die Erkennungsmethoden organiscber Stoffe, wie
sie die Meister der organischen Chemie - v. B a e y e r , W a l l a c h ,
F i s c h e r , W i l l s t l t t e r u. a. - in den heute als klassisch geltenden
Arbeiten iiber Zucker, EiweiB, Harnslure, Pflanzenfarbstoffe, Terpene,
Gerbstoffe benutzten, fiihren iiber eine gewisse Grenze nicht hinaus.
Und daher sehen wir, wie man bestrebt ist, das Handwerkzeug zu
vermehren nnd zu verfeinern und wie man bei diesen Bemuhungen
- das habe ich im vorhergehenden zu betonen versucht - Anlehnung
an verwandte naturwissenschaftliche Gebiete, das der Physik und
Kristallographie auf der einen und das der biologischen Wissen[A. 3.1
schaften auf der anderen Seite, sucht.
Chemische Technologie als Examensfach ?
Von A. BINZ.
(Eingeg. 3o.ill. 1921.)
Vor einiger Zeit wurde an maagebender Stelle eine Diskussion
der Frage angeregt, ob chemische Technologie als Examensfach ZUgelassen werden soll. Die Antwort lautete verneinend, da in den Vorlesungen iiber anorganische und organische Chemie hinreichend Gelegenheit sei, auch das wichtigste aus der Technologie zu bringen, und
ferner, weil die Studierenden Technologie doch nur wfihlen wiirden,
um der Priifung in einem anderen schwierigeren Fache zu entgehen.
Da mein jetziges Lehramt die reine Chemie betriftt, so gerate
ich wohl nicht in den Verdacht, pro domo zu reden, wenn ich mich
zu dem Gegenstand a d e r e , der mir andererseits aus frUherer. akademischer Tltigkeit vertraut ist.
Nimmt man das klassische zweibtindige Lehrbuch der chemischen
Technologie von F. K n a p p (1847) zur Hand, daf3 ilq ganzen 1550 Seiten
urnfaat, und i n dem man trotz dieser FUlle kein Wort missen mbchte,
so erkennt man, daB es ein Irrtum ist zu glauben, man kbnne chemische
Technologie nebenbei in der Vorlesung iiber reine Chemie behandeln.
Dafiir ist der Stoff auch bei Reschrankung auf das Wesentliche zii
umfangreich. Die technologkchen Lehrbucher unserer Zeit sind eitibandig, aber das ist ein Zugestindnis an den Verleger, der den
Studierenden keine zu teueren Biicher anbieten will, und auch in
dieser Konzentration ware es kaum mdglich, in den Vorlesungen tiber
reine Chemie mehr vorzutragen als zusamrnenhanglose technologische
Rruchstiicke. Abgesehen davon aber ist eine didaktische Vereinigung beider Lehrgebiete auch deshalb untunlich, weil sie verschiedene
gedankliche Einstellung erfordern. Es ist mir erzahlt worden,
A. v. B a e y e r habe einmal geaufiert: ,,Technologic hindert am Denken".
Man braucht hierin nicht ein abfalliges IJrteil zu erblicken. Wenn
man unter Denken die rein wissenschnf tliche Gehirnarbeit des Theoretikers meint, so hatte v. B a e y e r nicht unrecht. Selbst ein genialer
Forscher wie er hatte es als lastig empfunden, gleichzeitig fiber die
Konstitution des Indigos und etwa iiber die Apparatur nachzudenken,
mit der man kiinstlichen Indigo im groijen darstellt. Technologie
erfordert eben wie jedes selbstandige Fach eine besondere Denkart,
und um zu dieser Frage Stellung zu nehmen, mui3 man sich dariiber
klar werden, welches der gedankliche Inhalt der chemischen TechnoIogie ist und ob e r sich zur Priifung der Studierenden eignet. Hier
sind drei Moglichkeiten gegeben: '
1. Man versteht unter chemischer Technologie die Lehre von
der Anwendung der Chemie in Industrie und Gewerbe. Diese Auffassung ist die ubliche und fuhrt nur Schilderung von Fabrikationsverfahren in Wort und Bild. Selbstverstandlich ist ein derartiger
Unterricht fur die Sludierenden sehr wertvoll, aber da sie dabei im
Hanne der rein chernischen Vorstellungen bleiben, so wurdell sie es
in eineni entsprechenden technologkchen Examen leichter haben,
als wenn sie zum Beispiel Mineralogie oder Biologie gewahlt hatten.
2. Technologie kann entwicklungsgeschichtlich aufgefaijt werden.
Man geht aus von den cheniischen Gewerben des Altertums. E s
folgen die Kiinste der Araber. die Erfindung des Schiefipulvers, Alchemie, Jatrochemie und die Einfuhr neuer Rohstoffe durch die
Kreuzzuge,. und die Seefahrten des Mittelalters. Die Neuzeit beginnt
rnit denr Ubergang von Holzkohle zu Steinkohle, der Erfindung von
Soda und Chlorkalk und ihrer Massenanwendung unter dem Einfluij
des Importes amerikanischer Banmwolle. Die Kontinentalsperre beftirdert die Industrialisierung des Festlandes. Auf diesem Boden
wirken L i e b i g und seine Schule, und schlieijlich erwachst unter
dem Einflut3 des deutschen Patentgesetzes unsere moderne Industrie.
tiine derartige Vorlesung bietet alle Reize der historischen Betrachtung, denn die Entwicklung der Industrie erscheint als dramatisches
Geschehen, und der Studierende hdrt vieles, was weitab von der
theoretischen Chemie liegt. Dennoch sol1 dieser Lehrgegenstand hier
nicht als Examensfach empfohlen werden. Dafur ist er zu sehr
geistiger Leckerbissen und darum fur den Lernenden nicht hinreichend schwierig. Die Schwierigkeit empfindet nur der Vortrageude,
weil es kein irgendwie erschBpfendes Werk gibt, auf das er sich
stiitzen kdnnte'). Es ware eine Lebensaufgabe, ein solches zu schaffen,
indessen ist die heutige Zeit dieser riickschauenden Arbeit nicht glinstig.
Wir sind alle zu sehr mit der Forderung des Tages beschaftigt.
3. Chemische Technologie kann man zn dem ausweiten, was ich
W i r t s c h a f t s c h e m i e genannt habe ?, eine Bezeichnung, die spater
D y e s seinem Ruche zngrundelegte. Unter Wirtschaftschemie verstehe
ich das Grenzgebiet zwischen Cheinie und Volkswirtschaftslehre. Die
Darstellung kniipft an die Rohstoffe und ihr Vorkommen an, beginnt
also rnit wii tschaftsgeographischen Feststellungen. Die dann einsetzende, chemische Betrachtung gilt der Aufbereitung der Rohstoffe,
ihrer Veredlung und Verarbeitung und der Abhlngigkeit der verschiedenen LBnder voneinander in bezug auf Rohstoffe, Zwischenprodukte und fertige Fabrikate. Als Einteilung des Stoffes empfiehlt
sirh die folgende:
a) Die Rohstoffe des Bergbaus und ihre Veredelung;
h) die Rohstoffe der Land- und Forstwirlschaft und ihre Veredlung.
Kleinere aber wichtige Kapitel gelten den Rohstoffendes Meeresund
der Luft. Die chemische Einteilung in anorganische und organische
Stoffe tritt also zuriick, da Kohle nnd Erdol zum Bergbau gehtiren,
und man steht auf dem Boden der volkswirtschaftlichen Praxis. Die
Darstellung mufi sich ausgiebig auf die statistischen Werke insbesondere
Deutschlands, daneben aber aueh Englands, bsterreichs, Amerikas und
anderer Lander stiitzen. Der Studierende sieht dann die Chemie als
das, was sie eigentlich ist, als eine treibende Kraft in der Weltwirtschaft. Er wird gezwungen, sich in die sogenannten trockenen Zahlen
der Statistik einzuarbeiten, um zu entdecken, daR sie nicht trocken
sind, sondern das Leben widerspiegeln, sobald man versteht, Schliisse
aus ihnen zu ziehen. Diese didaktische Verwendung der Statistik kann
pldagogisch von Wert sein, weil sie fur die meisten Studierenden
') Kleinere Schriften, die als ;(ristallisationskeime fiir das noch zu
schaffende gr6Bere Werk angesehen werden ktinnen, sind: 0. N. W i t t , Die
ehelnische Industrie des Deutschen Reicbes im Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. 1902, Berlin bei Sittenfeld. - H . W i c h e l h a u s , ,,Historisrhe Ausstellung" (Weltauustellung zu Paris 1900). Berlin bei Schade. - A. B i n z ,
IJrsprung und Entwicklung der chemischen Industrie. 1910, Berlin bei
Heirner. - B. L e p s i u s , Deutschlands chemische Industrie. 1914, Berlin
bei Stilke. - R. L o r e n z . Entwicklung der dentschen chemischen Industrie.
1919, Leipzig bei Barth.
2, Vorlesungsverzeichnis der Handelshochschule Berlin W.-S. 191Sj17. -A. Hi n z , Das tecboologische Studium der Nationalokonomen in : J a s t r o w ,
Reform des Hlaat.sn.iHsenschaftlicben Unterrichtes. Berlin 1R20.
eine geistige Zucht ist, der sie sich anfanglich nur widerwillig fiigen.
Darum ist hier der Einwand hinfulig, ein so aufgefaijter Lehrstoff
eigne sich nicht zur Priifung, sondern erspare nur ein anderes
schwereres Fach. Allerdings mu8 man sich fragen, o b Wirtschaftschemie fiir den jungen Chemiker denselben Wert haben wiirde wie
etwa Mathematik oder Mineralogie oder ein anderes der bisher
ublichen Wahlficher. Man wird das in den heutzutage nicht seltenen
Fiillen bejahen konnen, wo der Kandidat einer organisatorischen und
verwaltenden Stellung zustrebt.
Kann man aber nun das, was hier fur Unterricht und Examen
zur Diskussion gestellt wird, noch chemische Technologie nennen?
Im tiblichen Sinne sicher nicht. Indessen ist unsere Zeit so reich a n
geistigen UmwIlzungen, da13 der Ausschlieijliclikeitswert vieler alter
Begriffe in Frage gestellt ist. Das gilt auch von dem der chemischen
Technologie. Dieses Lehrfach h a t heute mehr als friiher Beziehung
zu den Bedurfnissen und den wirtschaftlichen N6ten Dentschlands,
und darum ist es nicht unberechtigt, wenn man ihm, so wie es hier
unter 3 vorgeschlagen wird, einen neuen, mehr auf das Wirtschaftliche
gerichteten Iohalt gibt.
[A. 1.1
Aus Vereinen und Versammlungen.
.'
Die 1 Hauptversammlung der Justus Liebig-Gesellschaft zur Forderung des chemischen Unterrichts
fand am 13. Oktober 1921 im Hause der Berufsgenossenschaft der
chemischen Industrie, BerlinW 10, statt. Anwesend waren: k o m V o r s t a n d : C. D n i s b e r g (Vorsitzender), R. W i l l s t a t t e r (stellv. Vorsitzender), F. O p p e n h e i m (Schatzmeistei-). A l s V e r t r e t e r d e r
K u 1t u s m i n i s t er i e n: Ministerialdirektor Dr.K r i i R ,Berlin (fur PreuiSen),
Staatsrat H a u p t m a n n , Munchen (fiir Bayern und Raden), Ministerialdirektor Dr. B a l z , Stuttgart (fur Sachsen, Wurtteinberg, Hessen),
Regienlngsrat H. K r a u s e , Schwerin (fur Thiiringen, Mecklenburg,
Braunschweig, Hamburg). A l s V e r t r e t e r d e s V e r b a n d e s d e r L a b o r a t o r i u m s v o r s t a n d e: Th. C u r t i u s , Heidelberg, A. S t o c k , BerlinDahlem. A l s M i t g l i e d e r d e s St i p e n d i e n a u s s c h u s s e s : F.Fo er s t e r,
Dresden (Vertreter der Deutschen Runsengesellschaft), Wt. M a r c k w a l d , Berlin (Vertreter der Deutschen Chemischen Gesellschaft),
H. W i e l a n d , Freiburg i. Br. M i t g l i e d e r d e r G e s e l l s c h a f t : Aktiengesellschaft fur Anilinfabrikation, Berlin (F. O p p e n h e i m ) , Allgemeine
Gesellschaft fur chemische Industrie, BerIin (J. Ro s e n b e r g ) , Badische
Anilin- u. Sodafabrik, Ludwigshafen (C. B o s c h ) , C. H. Boehringer
Sohn, Chemische Fabrik, Niederingelheim (C. Du i s b erg), Chemische
Fabrik Griesheim-Elektron, Frankfurt a. M. (Dr. P l i e n i n g e r ) , Leopold
Casella & Co., Frankfurt a. M. (A. v. W e i n b e r g ) , Farbenfabriken
vorm. Friedr. Bayer&Co., Leverkusen (Dr. H e y m a n n , Prof.Kloeppel),
Goerz, Photochemische Werke, Berlin (Dr. T a p p en), Carl Jaeger,
G. m. b. H., Diisseldorf (Dr. H e y m a n n ) , Julius Pintsch, Aktien-Gesellschaft, Berlin (C. S c h a l l e r ) , Rutgerswerke, Aktiengesellschaft, Berlin
(L. K a hl), Siemens-Konzern, Berlin (C.Harri e s). A 1 s G a s t :R.Ps c h o r r
Berlin.
Der Vorsitzende begriifit die Versammluug und gibt der Freude
dariiber Ausdruck, daij die Herren trotz Kellnerstreik erschienen
seien. Er erwahnt das erschutternde Ungluck in Oppau und verweist
auf die durch den ausllndischen Wettbewerb erschwerte Lage der
chemischen Industrie, die nur ihre Stellung wahren kBnne, wenn neue,
wertvolle Erfindungen fiir die verlorenen Absat~gebieteErsatz bringen
wurden. Deshalb sei die Frage der Ansbildung unseres chemischen
Nachwuchses und der FBrderung wirklich tuchtiger Krafte dringender
als je und die Justus Liebig-Oesellschaft daher eine durchaus notwendige Einrichtung.
P u n k t 1 der T a g e s o r d n u n g : E r s t a t t u n g d e s J a h r e s b e r i c h t s .
Der Vorsitzende gedenkt des verstorbenen Mitgliedes, des Geheimen
Kommerzienrats F r i e d r . B a y e r , Elberfeld,und desHerrnDr.Th. D i e h l ,
Darmstadt , als Mitglied des Stipendienausschusses und Schatzmeister
des fruheren Liebig-Stipendien-Vereins.
Die Zahl der Mitglieder m i t e i n m a l l g e m B e i t r a g betrug Ende
des Jahres 1920 122 mit M 21725575, r n i t j i i h r l i c h e n B e i t r a g e n
23 mit M 40000, zusammen sind also 145 Mitglieder vorhauden,
auRerdem noch 5 Spender mit M 18000 an Sonderzuweisungen.
Durch die im vorigen Jahre erfolgte Verschmelzung der ,,Degun" ')
und des Liebig-Stipendien-Vereins ist die Mitgliederzahl der Justus
LiebigGesellschaft im Vergleich ?u der der ,,Degun" zwar nur wenig
erh6ht worden, doch war diese Anderung rnit einem betrachtlichen
Zuwachs der Mittel verbunden. 20 Mitglieder des Liebig-StipendienVereins haben, uni die Mitgliedschaft der Justus-Liebig-Gesellschaft
zu erwerben, ihre Beitdge urn M 5000 erhoht = M 1OOooO. Beitragserhshung friiherer Mitglieder der .Degun" = M 5347075, zusammen M 5447075.
Dieser betrgchtliche Vermbgenszuwachs wird es ermogliehen, die
Verteilung von Mitteln an die Institute in annahernd dein gleichen
Rahmen zu halten, wie bei der erstmaligen Verteilung f8r die Zeit
vom 1. Oktober 1920 bis 30. September 1921, bei der M 1107680
(allerdings damals unter Zuhilfenahme von M 400000 aus aufgelaufenen Zinsen der ,,Degun") aufgewandt werden konnten.
Vom Vorsitzenden zu einem kurzen Bericht iiber die Tatigkeit des
Stipendien-Vereins im Berichtsjahre 1920 aufgefordert , fiihrt Herr
.
I)
Deutscbe GeRellschaft
XUI
Rorderung deh chemwcheo Unterrichts
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