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Chemische Untersuchung der bei der Behandlung des Harzes fr Gasbeleuchtung sich bildenden Producte.

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fereuz zwischen A und B, in Uebereinstimmung mit dem
Geselz der galvanischen Spannungsrcihe.
YI. C f i e m i s c h C'ntersuchung dt.r bei tIer Behandlung des Harzcs f u r Gusbeleuchlung sich biidenden Productt.; con J. P e l l e t i e r tmd
Philipp W a l t e r .
(Gelwen in der Pariser Academic den
I?. Juni 1837) ').
E r s t e h b h a n d l ung.
9.
1.
D i e chemischen Operalioi;en, die nach einem grofsen
Maafsslab betriebeu werden und eine ausgedehnle Anwendiiog besitzen, haben den Vortheil, dafs sie gewisse
Pbliiomene zu beobachten, gewisse Gesetze zu ermitleln,
Producte zu erhalten gestalten, die soost den Uotersuchuogen iin Laboratorium enlgangeu waren. Auf diesc
Weise zalilt oft die iodustrielle Chemie, nachdcm sie
in ihrem Gange durch die pliilosoptrische Chemie erklzrt
worden ist, ihre Schuld den Chemikern, die ihr zu Hitlfe
kameu, iridcm sie ihren Unlersuchungen neue Kihper
dnrbietct, deren KenntoiCs ilnrncr zum Vortheil der Wissenschaft ausfdlt und deren SpliYre ausdehut.
Schon die Gasbclcpchtung vermittelst des Kohlenwasserstoffgascs, das bei der L)estillalion der Steinkohle
sich bildet, hat die org'inische Chemie init mchreren neocn
Subsranzen, deren KcnntniCs ein grolses Iuteresse darbot,
bereichert. Oline diese Gasbeleucbtung wsreu vielleicht
bis hcule noch (lie fliiclitigcii I(oh~eowasserstoffe von
F a r a d a 9 , das Saphtalin Y O U K i d d , das Paranaphtalin Y O U D u m a s uud L a u r e r i t zu enldeckeo.
1 ) Eingoandt
von
den Yerfaucrn lirr P o g g e n d o r f f s h n a l e r i .
PIlggcndorIT', h n r l .
Bd. XXXXIV.
6
92
Diese Ucispielc fiihren uiis iiaturlicherweise zur Be.
schrcibung dcr ~ n t c r s u c h u u g e ndie iu dieser Abhandlung
cuthniicn sind.
Oiiiie die I3enutzung der Stciiikolile zur (>asbeleuchtwig zu v e r w r f e n , scichtc Inan, ob die I h t i l l a t i o n ciniger andercr K;iirpcr organiscben Ursprungs und reiclr
a n Wssserstoff Gase licfert, welchc lnit Vorthcil statt
des Gases dcr Steinkohle aogewcndet werden !ii)niitcit,
uud diese Vcrsuche wurdeu mit eiitcw glucklichen ErlolS
gc!,rilnt. - Die feuerbesliindigen O e l e , die schon in
illrein natiirlicheil Zustande in drii verscliicdciien Sgstclmen tler Lainpen angewandt wurdcn, gaben ein Kohleuwasserstoff niit eiuern glaiizendcn Licht ; jcdocli nnch
einiger Zeit war rnnn gezwuiigen dicse Qoclle des Gaslichtcs nufzugcben, weil der liohe Preis der Oelc drojznigen, die es zur CJasbeleiichIuiig nnwaudteu, nicbt erlaubte lnit denen, die Steinkohl? eebrauchteii und die
Coaks verkaulten, zu coucurriren. Ein anderes war es,
als man versuchte sich des gemeinen Hanes zur Bereitung des Kohienirasscrstoffgases zu bedieoen, des Harzes, das uosere Fichten- und Tannenwalder in Uebernurs liefern, cind das dcr Seehandel aus dem nbrdlichen
Europa und hinerika zii niederem Preis zuruhrt,
daruln
schon war, wenn auch iiicht iu Inuern von Paris ( d a
andcren Gcsellschaft en friiher ertheilte Bewilliguogen sich
diescin widersetzcn), wenigstcns in m e h e r e n aodern
Stidten Fr3nhreicl!s diese Gasbeleuchtung lnit grofsetn
Vortiicil angewaudt. A n den TLorcu der Hauptstadt selbst
besitzcn wir zwei Harz- Gasbeleuchtungsanstalten, eine
i n 13eIleville, au dercn Spitze Herr D a n r 6 , die andere
Chauss;e du Maiiie, dcren Direction Herrn P h i I i p p
M a t h i e u anvcrtraut ist. V V i r bcrricrkeri zugfzich, rnebr
iii wisseuschaftliclicr als historiscbcr Hinsicht , daCs die
RIetlioden, welche in dicscu beiden Austalten angewandt
werdcn, gaoz von eiiiander verschicden sind. Der Hauptp m k t zur Erhaltuag des Gaslichtes ist der niimliche, aber
-
83
die aogewandten Mittel zu dessen Produciruog siud verschieden : daraus folgt, dafs die Substanzen, welche sich
iin Laufe der Operation crzeugeo, und welche die Bildung des Koblenwasserstoffs begleikn, nicht die namlichen sind.
E h c mir zur Uotersuchuog dieser Producte schreiten, scheint cs uns niithig wit wenigen W o r t e n den Unterscbied dieser beiden Methoden aozugeben. Hr. D a n r d
destillirt in seiner Anstalt zu Bcllcville das Harz zuerst
in eincr grofsen Destillirblase, und verwandelt es vermittelst diescr ersten O p a t i o n in brenzliche, fast Tanz
illartige Producte. n i e s e Oele werden zum zwciten Ma1
der Wirliung der Hilze ausgesetzt, aber einer weit heftigcren als die erstere w a r , indem man sie in gufsciscrnc Cylinder, welclie rnit Coalis angefulll und bis zur
Rothgliihhilze erbitzt sind, fliefsen I a h : sie veraodrrn
sich dadurcli in Kohlenwasserstoffgas und eiiiige aodzre
Producte, mit deren Deschreibung wir U D S spzter beschaftigen werden. Hr. M a t h i e u verfshrt in seiner Anstalt d c la barriere d o Maine auf eine andere Weise.
Das durcli Schmelzung fliissig erhalteoe Harz fallt geradezu
in eincn gufseisernen Cylinder, welcher mit Coaks angefiillt und bis zur Kirschrothhitze erwarmt ist, erleidet
da eine rollkommene Zersetzung, verwandelt sich in Kohlenwasserstoffgas, in alartige Dzmpfe uod in Kohlc, welchc im Cylinder zuruckbleibt. b a s Gas geht in's Gasometer, indem es zuvdrderst in eitieio Behalter gewaschen,
in welcbem es eine dlartige Materie, welche eine sebr
verwickclte Zusammensetzung besitzt, zurucklifst. Dime
Materie ist fur den Fabrikaoten von groker Wicbtigkeit: e r unterwirft sie der Destillatioo, untl erhalt verschiedcne Producte; die, obscbon sic in der Industrie
eine Anwendung gefuridcn, in ihrer N a ~ u riiud Ziisainmeusetzung doch noch gauz unbeliannt sind.
Diesc erste Abhandliirrg hat vorzuglich die chemische
Untcrsucbuns und Aualyse dieser Producte zum 2-eck,
6'
81
i n eiucr zweilen Abhandlung werden mir die Productti,
welche sich bei d c r Vcrfahrungsart des Hro. D a n r 6
bi I d v i i , b es ch:re i b e n.
Ilas rohe O c l , welclies, nach dcm V c r t h r e n dcs
I-lrn. 31 n t 11 i c 11 dcn Kohlenwasserstoff begltitt.-t, betrligt
tIl1pl;illr 30 TL. fur I00 Th. angewaudten Harzos. Uas
H a w . wclches rortugsweisc von ihin angewandt wird,
ist untcr dmn E m e n trockner Schiff~hrter(brui sec) bek n i l i i t , und ist d c r , den die Seetichte (Pitius rnarilimn)
liefert ). Dieses Ocl besitzt eine dunkelbraune F a r b c
wit cincin b l ~ u l i c h t wWiederscbcin. Hr. R.1 a t ti i c u untcrwirft cs dcr I)cstill;lion iu eincr groken Deslillirblase,
iind fsogt dic Productc thcilweise auf. - I;er Gnug der
Operntiou rind die theilwcise Erlialtung der Producte
riclitcu sich nach dcr l'cmperatur, welche i i i i Inuern dcr
1)rstillirblase bcobacbtet n-ird. Das erstu Product, von
tleiu Fabrikaiiteu Uiiclitige Essenz (uiue essence) geoannt,
fingt uiigcfilir bci 130" an uberzugehen , und destillirt
uiiunterbrocbcn, bis die im hpparate enthaltene FlUs!igkcit l G O 0 erreicbt h a t ; - in diesem Augenblicke trill ein
Stillstand in clcr Destillation ein, die Temperatur d e r in
cter Tllasc c u h l t e u e n Fliiseigkcit steigt scbncll, und u e n n
sic 250" errcicht hat, so clcstillirt sic witdcr rasch fort.
Diis Product, das inau nun erhiilt, ist wieder eiii Oel,
welclirs der Fabrikniit, wegen seiner, in Vergleicli niit
der tluchtigcn Esscnz, gcringeren Fliichtigkeit, fixes O e l
(huile fin)
nennt. In der Zmischenzeit der Erzeugiing
c!er bciden O c l e subliiiiirt cine gcn-isse Menge Xaplitahi's; die letzteii l'hcile d e r fliichtigcn Essenz und die
crstcn dcs lixen Ocls selzen, weiiii sic eiucr uicdcrcil
1 cinpwntur ausgcsclzt wertlcii, ciue gewisse Rlengc die-
r ,
scr Sribstnnz ab.
Wiihrcnd tlcr I>cstillation des fixen
85
Oels h h r t die Tenipcratiir fort bis 350° C. zu steigen.
1st dieser Punkt einmal crreicht, so fan$ ein neuer, mit
einer braunlichschwanen oder blauen F a r b e versehener,
vom Fabrikaritcn fcltc Substanz (matiere grusse) bcnannter Kilrper an iiberzugehen. Nnchdem dicscr ubergegangen, bleibt nur noch eine glauzende KoLle in der
Rc!orte zuruck.
Nur eins dieser Producte, das S'nphtalin, ist vollstiindig bescliriebeu und bekannt, und wir habeu wenig
Eeucs dariiber zu berichten. Andcrs verlAt cs sich hinsichtlich der drei librigen Producte, der fiiichligen Essenz,
des firen Oels uud der fetten Substanz. Die Untersuchung dieser Substaurcn, die uns niclit obne liitercsse
zu seyn schien, und mit der wir u u s fast eiu J a b r beocheftigt haben, war fur UIIS der Gcgenstand einer laugeu und oft selir lnulseligeu Arbeit, so dafs man u n s
wenigstens das Verdienst der Bcharrlichheit nicht wird
absprechen kiinnen.
9.
2.
D i c fltichtige E s s e n z .
Das robe Product, so wie es uiis v o n d e r Fabrik
gelizfert wiirde, besak ciue rotlie, hernsteinsbniiche Farbc,
einen starkcn Geruch uud rblliete Lacbmuspapiei..
Uebcr freicin Feuer, abcr niit einiger Vorsicbt, destillirt,
gab es eio Oiichtiges, berusteiniilnliclr gefiirbtes 0 2 1 , urid
liinterliek als Hiickstaiid in der fietorte eine Art kohligcn 'I'hcers. - D;is tliichtige Oel wurde uiit eiiier
ziciiil ich con cen 1rirt en A u II ijsii ng knus liscbcn Kalis gcschutklt. Diesc Behandlung hatte zum Zwcck, oiclit
nur das tliichtige Oel von der sie bcslcitenden brenzlichcn S u r e zu belreien. sondern arich sich zu versichero,
ob es ein zur Verseilung taugliches Ocl enthiilt. D i e
alkalisclic Fliissigkcit wurtlc dalier, nachdem sie lnogc rnit
dcr flucli1igen Esstfiiz in Berubrung gcwesen, uotersucht.
Mit einer Srurc gesztiigt, lieis sic einige weiEse Flok-
-
66
ken zu Boden fallen. Die ~liichtigcEssenz enthzlt daher nicht merkliche Mengcn cines zu verseifendcn Oels.
- Uann scbritteo wir zu eiocr neuen Destillation d e r
fluchtigen Essenz; da uos aber vorlaufige Vcrsuche gezeigt, dafs sie gaoz fluchtige, von einander durch eioen
verschiedeiien Flilclitigkeitspunkt sich' unterscheideode,
Oele e n t h d t , so fiihrtcn wir diese Operation in cineln
Oelbade aus, was uns gestattele die Temperatur zu steigern und zu luafsigen.
Eei 130' C. fiiig dic fluchtigc
Essenz a n zu koclirtn, inau untcrhielt einige Zeit dicsc
l'empcratur, dann steigcrte man sie bis 160" C.,olinc
clieseii Punkt zii iibersclirciten (vorlaufige Versuchc lehrtcn uns diesel1 W c g einzuschlagen); nach einiger Zeit ging
die Destillation schwach und das Kochen bihtc auf. iVachdem ivir das erlialteue Destillat bei Seite gethan, sleigerten wir die Teinperatur des Oelbades his zu ITSo. L)ic
Destillatioa fing wieder bei diesem Punkt a n , uod wir
setzten sic, indem wir langsam die Temperatur des Oclbades bis zu 220° C. brachten, fort. Nun fing das Naphtalin an ilbcrzugehen, r ~ o dsablimirte sich in dem Halse
der Retorte und der Oeffiiniig des Recipienten.
NacL
I3eendigung der Operatiou Llieb in der Retorte ein weiiig k oh1ig er 'I'11 e er.
Die Menge dcs bei dieser Opcration erhaltcnen Su'aphtalins ist ziemlicli g d s . Es ist vorziiglich leicht zu rcinigen; es geniist dassclbc tin odcr zwei Ma1 zu sublimiren oder iu Alkoliol aufzuliisen, die A u f l i h i i g iiber
auimalischer Kohle zu liltriren u t d sic zum Krystallisiren hiuzustellcn. Es ist sclir n ahrscheiolicb, dafs man,
uin cliese Substanz zu erlialtca, dieses Verfahrcu ferner
cinscblagen, und iiiau nicht iiiebr seine Zufluclit ziiin Stciukohlenthecr nchtncii w i d , welclier ein schr x h w e r zu
reinigendes Kapbtalin giebt.
\\'as die Iliichtige Essenz
b e t d f t , so sicht iiinn aus dcm Vorhergchendeu, d a b sie
aiis wenigstcns vier Substanzen bestcht , zwei fliichtigca
OeIcii, dem NaptLalin und eincr kleinen RIenge einer
-
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firbenden Substanz, wclclie Verzndert am Boden der Retorte als theerartige Materie zurlickbleibt. W a s die zwci
ercvYhoteo O e l e bctriftt, so ist d a s cine tluchtigcr und
destillirt fast g h z l i c h zwischen 130” his 160” C. dcs
Oclbades, das andere erfordert cine zum Kochcn hilhert?
Teinperatur. Wir bezeicbuen einstweileu das erste Oel
mit A, das zweite init B.
W i r wolien uns niin gleicli mit tlcin Ocl 24 beschnftigen, welches noch laiige niclrt als rein bctrnclitet
werden kaiin, weil es einc gewissc Meage des Oels B,
d s Nnphtalins und einer sclir zersctzbarcu Substanz, welche die Eigenschaft besitzt, sicli rnit der Zeit zu h r b c n ,
enthtilt.
W i r werden Lier nicht alle Versuche anfiiliren, die
wir anstellten, iiiii sie vollkoinmen rein zii erhalten, und
wir gehen gcradczu ziir Beschreibung des sehr laiigen
Vcrfahreus uber, welcbes jedocli nur alleiu uos pliicktc.
W i r haben das O e l A mit dem vierten ‘l’hcil seines Volums von SchwefelsYure geiuischt. Die Rliscbung
durch starke Schuttcluirg bewirkt, fand obne eiiie sehr
fublbare Erbilliung dcr Temperatur statt, und die tliissige
Masse fvrbte sich dnnkclrotli. n a c h einiger Zeit i u l i e
theilte sie sich in zwei Scliichten; die untere, durch rerdickte Schwefelsaure wit einer schr tiefbrauueii Siibstaiiz
verbunden, die stark m c h schweflichtcr S;iure roch; die
obere aus eioeln fllicli~igen O e l e , welrhes aiicli rolh
gefarht uod cinen zieinlich angenehmcu Geruclr besilzt,
bestehend.
Dieses Ocl mit Vorsicht nbsegosseii und
destillirt, verlor durch die E i n w i r k q rler Hilze seine
rotlie F a r b e und fiirbte sich blau, es entrrickclte sicli d;lbei etwas schweflichte SYure und das Oel destillirte vollkommcn, iudein es our einc kleioe Meuge eiucr bitiiiiiinilsen Materid als Riickstnud zuruckliefs. Das destillirlc
Oel war klar uud fast furblos, aber roil Srueiri init
Schwefe1s;iure hehandelt, fiirbte es sich stark ; uncli eincr dritten Behandluug firbte cs sicL pomernnzengclb.
-
88
Die Behandlungen mit Schwefelssure wurden, iudem man
nacb jeder dersclben das iiberschwimmeode Oel destillirtc, 15 bis 20 Ma1 fortgesetzt, darauf wusch man von
Zeit zu Zcit das destillirte Oel, ehc nian es eincr neuen
Wirkung d c r Schwefelsaure aussetzte, rnit eiucr conceutrirten hufldsung kaustischcri Kalis aus, urn es von dcr
ihin anbangenden lileincn JIenge schweflichten Szure zu
befreicn. Uurch diese Rcilie von Behandlungen gellnng
cs uns einc selir leiclite Flussigkeit 211 crhalteo, die,
init SchwefclsSure geschuttclt , niclit uur nicht mehr siclr
h r b t e , soiideru auch dcr Sch\rcftls:iure keine Fiirbung
mchr mitthcilte.
Uiese Flussigkeit wurdu noch drci
Ma1 iiber I<aliiim deslillirt; dicscs sonrlerte zuerst cinige
Flockcn eincr weifsen Substonz a b , aber nach der diitten 1)cstillatioo blieb es uuaogcgriffuu und behielt in
der Flussigkcit seiucn me[allischc.n Giant. I)a das Oel
L4 durch diese Reilre von Operalionen, nach dem bestiindigen specifischeu Gewicht und einein unveriinderteo Kochpuiikt zu rirtbeilen, zii eiucln vollkoinmenen Grad von
Heinheit gclangt, so giii;en n i r ziim Studium seiner Eigenjchalt~11uud Besliiiiiiiung sciiicr Zusamuieusetzuug
iiber. Der Aasdruck Ocl, aucli selbst von einein Ileinameo begleitct, urn die Subslanz, welcbe wir jetzt, uud
selbst die zmei anderen, welche wir weiter unten bescbreiben wcrdeu, zu bcnennrn, ha1111 nicllt heibehaiteu
wcrden, wcil cr zu unbesliinint ist und cine falsche Idec
giebt. W i r haben uns entschlosscn ueiie Nainen airzunehmen ; die Mntiuigfnlligkeit der Somen ist eine L\;olhwcndigkeit wcgen der Rlaunigfaltigkeit der Kiirpcr. IYir
merden die Substnirz. mit der wir uns jetzt beschiiftigeu,
mit dciii Saincn Re/impilfn bezeiclmen, eio Same, wclcher zuglcich an die Hcrkrinft und die physikalischeil Ei.
genschaftcn erionert.
89
Die Retin;lphra.
Die Relinapbln, nach d e r oben erwiihnten TVeise
crhalfeti , ist einc Flussigkeit von ejncr rollkoinineilco
KIarIicit, ihr Geruch ist anqcncti~ii,n c n i g bestiiiiiot, crinnert aber a n den Gcrucb einigei Lnbiatcn, ihr Gcsclilnack ist leiclit stcchcnd, sic brichl stark (!as Licht,
o h n c jedoch eiiie V e r h d c r u n g davon zii erleidcu, der.
Luft aiisgeselzt, vcrfluclitigt sic sicti g:iiizlicl~, ilir spec.
Gcwicht ist 0,86, sie liocht und bluibt im K o c h e ~ ibei
108" C. uud eincin atn;ospll:risclicn Uriick vou 0.76 Meter.
Bei -%?
C. blcibt sie nocli flussig orid gcfriert
nicht. - Knliiirii ubt wedcr iu der \\-iirrne noch in clcr
Kdfe cine 'CYirkung auf die Retirinplitil aus, so auclr knualischcs Kali. S c l i w e f e k i u r e halt is[ d i n e Wirliung; Locheod und concenfrirt greift sic es haurn au.
Wir
uoterbrechen fur den Augenblick die Brschrciburig ihr e r aadcren Eigcnscbalten uud geheu gleicb zur hiigabe
ibrcr Zusammensefzurig iiber.
J5itchdem wir uns uberzeugt, dafs unsere Substaoz
keioen Stickstoff eothalle, so unterwarlen wir sic d c r
Analpse, die wir inelirere Male \\ iederliolteo ; n i r liabeu
uiis vorziiglich beinulit, nllen Irthum in dcr Besliiiimung
d c r diirch die Verbreiinuug erlinlteiieo Kohleusiiure zu
vermeidcn.
W i r g e b r n hier die Resultate eiuipcr Aoalvsen :
I. 0,339 angewandte Maleric 1,12 Kohlens. 0,276 W a s s .
11. 0,x
- 1,?27 - O,PS6 111. O , - l j i
1,518
- 0,372 o d e r in hundzrt Theilen :
-
1.
C
H
91,62
0,03
100,67
111.
11.
C
I1
91,69
837
100,21i
C
H
91,SG
9,02
100.9s.
Die einfachsfc atomishclic Formel unlcr dlcu dcocn,
die man aus diesen Rcsultaten folgern kiinurc, ist:
-
YO
5 htouie Kohlenstoff
8
Wasserstoff
-91,
I6
= 5,53
99,!?3.
Man k i h n t e gleicbfalls folgende Formel annehlneu:
I 4 C 1ti 14.
W i r haben bis jcttt keinen Grund zwischen d i ~ s e i ibeiden Fornieln 211 cnlsclieidcn, H ir kiinneu {ins jzdocli
nicht enthalten zu bemerkeo, tlal's die letzte die eiiics KohJenwasscrstoffs ist, welches das Radical der Beuzoeverbindungen vorstellt.
D e n n wenn man C 1 * H l 6vcrinittelst eines d e n Sauerstoff Ieicht abgebenden Kiirpers
1 Atonie Wasserstoff entzicht, so werden sich nach d e r
Theorie dcr Substitutionen voo D 11 n i a s 2 Atome Sauerstoff damit rerbinden, und mau wird C * +H 1 7 0 2erhalten, was die Forinel dcs Bittcrinnodeliils is:. \Venn inan
ihm 6 Atome Wasserstoff entzieht, die yon 3 Atomen
Sauerstoff ersetzt werden, SO w i r d - C L ' H I o O J erbalteu,
was die Forinel d e r Benzoes3nrc ist.
Dem scp wie ibm wolle, nacbdem wir die Zusan:.
mensetzung der Ketinaphta bestimint, so suchten wir
das specifisclie Gemicht seines Dainpfes zu nebmtn. W i r
fiihren die Angnben des Versucbes a n :
Atmosphariscber Druck 0,735
'I'crnperatnr d e r Luft 5 O , 5 C.
Temperatur des Oelbades 190" C.
Gewiclit des Dainpfes 0.324 Grui.
Voluin des Kolbens 310 C.C.
Volum der Obriggcbliebenen Luft 20 CC. bei 4" C.
3 a c h diesen Angaben die Diclitigkeit dcs Dampfes
berrcbuend, so findet man sie =3,23. Uiescs specitisclle Gewicht des Damples eotspricht dem spec. Ge\\iclit
dcs Danipfes, bcrechnct nacli der Formel C' H d =3,226.
Von den eirifacbeu K i h p e m wird dcr Scbwefel, von
der W s r m e unterstutzt, leicht in d e r Retinaphta aufgeldst; die hullilsung, wenn auch scbr geszltigt, ist wcnig
+
-
I
gcrirbt, bcim Erkalleii krystallisirt dcr Schmefel iu Gestalt von Farrenkrautblittcro. Die Krystalle siod von einer blcichgelben Fnrbe. J o d liist sich selbst in der Kdtc
in nciinaphta auf, iudem es dasselbe s c h h karmoisinroth far-bt. Chlor liist sich darin in- der Kslte auf und
fiirbt es gclb, wenn man es jcdoch crliitzt, so enlwikkelt sich Chlor und die Wetinnphta bleibt unvcrsodert.
h b e r ein anderes ist, wcnn man eirien S:rom von trocknet11 oder fcuclitem Chlor in die Rctinaplita leitct, die inan
zugleich bis zuul Kochputikt erhitzt, und die dalier in
einer vollkouilncncn 1)cstillarion bcgriffen is[; die Rerinaphta zudcrt sicli dadurcli iu ciiic blige, selir scliwere,
dichtc Fliissigheit UID, welche in W a s s e r uotcrsinkt. I)a
jedoch ciii Theil der Retinaphta der Wirkuug des Chlors
entgebt, so nlul's man den destillirten land unveranderten
TIieil inchre Male in die Retorte zuriickgiefsen und
ihn der IVirkUDg des Chlors Y O O Neuem aussetzen. Das
erhaltene Product wird mit destillirtem kalteri Wasser
ausgewaschen, UUI es wenigsteos zum grl)fsten Theil von
Chlorwasserstoffstiure und Chlor, dic ihm anhiingen, zu
befreicn; man kann hierauf das crhalteae Product im
luflfrcien Raum trocknen. So dargestcllt, ist es von
gelbbrauner F a r b e , d e r Gcschniack ist sehr stechend,
der Geruch ist aufserordentlich s t a r k , vorzilglich wenn
cr verinittelst dcr W a r m e entwickelt wird, c r erionert
sehr a11 den Geruch dcs Mecrrettigs; der Dampf reizt
stark die hugen zum Thrznen. Dicser Kdrper eutziindet sich schr schwcr, indesseu wenn e r erhitzt wird oder
wetin man cinen Docht damit trsnkt und ihn cioer angeziindeten Kerze nahert, so breont cr mit eirier rothen,
an den Riiiidern grunlich geflirbteo Flamoie, indein er
vie1 Rauclr verbreitet. Dieser Knrich ist rnit Chlorwasserstoffssure gesiittigt, d a aber c h l'hcil tles Ki)rpers
d e r Verbreonring entgeht uod sich in Dampf vcrmandelt,
so reizt auch dieser Rnitch stark die Augen. Ebe wir
weiter fortfhhren, so mbge c3 uns erlaubt sezn zu be-
92
merken, dafs eine grofse Aeholichkcit z n isclien dicsrin
6 6 r p e r und dcrn Clilor-Benzojl besteht. So hnbcn diest?
beideri Verbindungen das n3mliche A 4 n s ~ h c ndns
. niiinlichc
epcc. Gewicht ( aiiiillicrungswcise gcnoinmen den n h lichen Geruch nacli Meerrettig. Aber das Clilor-lfenzo!l
init kochendein Wasser beliaiidclt, zersetzt sich in BenzoesYure und Chlorwasserstoffsiiure, da bingcgen unscre
Chlorverbindung keiue V e r h d e r u o g d a ~ o uerleidet, ferner mit kaustischein Kali beliaodclt. tindert sie sich iii
Cblorkaliuin und ein brnuues Oel uin, srelches eincn roil
der Retinaphta verschicdenen rind ganz eigenthuinlichen
Gcriich besilzt. Das Chlor-l3e1izo~l dalnit beliandrit,
zerfiillt in benzoesaures Knli. Ucbrigens Lonntc marl
diese Verschiedenheit vorliersehen. Die Retiiiaphla entk i l t keinen Sauerstoff, init trocknein CLlor dnlier behandelt, liouote sich auf kcine W e i s e Bciizoi;siiure bildcu,
was uns aucb die Foruiel geougsaui zeigt. W i r bnbcn
rersucht diese Chlorverbindung zn analgsircn , wir siod
aber auf Scbwierigkciten gestoken; denn sclbst cin
Ianse fortgesetztes huswascben ist niclrt hinreicbend, uui
das anliiingende freie Chlor und selbst die Chlorwasserstoffssure zu catfernen. Vcrsriclit inan bingcgen diesen
Kiirper uLer kaustischeni Kalk oder filopesia zii destilliren, SO erleidct cr cine g:iuzlichc Zerselzung.
Es
schein: uns jcdocli ~vnhrsclicinlicl~,
dars tlic Rctiiiaphta
durch die Wirkriog des Clilors 4 Atonit? Wasscrstolf
verliert und 4 Atorne Chior ge\vinnt, svir glauben daher die Zusirmmeosetzung diescr Vcrbiudirng durch folgcnde Foriiiel ausdriicken zu kironen: C ' H" Cl'.
W e n i i inan die K e h n p l i t a init Brom z u m m e n destillirt, so erlidt rnau ein Product, wc!ches die griil'ste
riehnlichkeit mit dem vorhrrgebcndcu zeigt, mau kann
es iiur diirch die Aunlyse oder die Renctioneo, init welclien das Brom sich ZLI crkcnncn giebt, davou unterscheidcn. - Die Salpetcrslure *\irkt iu der Hitze auf
die Retiiiaphta auf eiiic ganz besoodere und charakteri-
>.
-
93
stische W e i s e , kalt ist sie fast ohne Wirkung. Destillirt man die Retinaphta mit Salpetersaure, SO geht die
Wirkung sehn langsam von statten, man ist selbst gezwungen von Zeit zu Zeit die Relinaphta von der Vorlage
in die Retorte zuruckzugiefsen und mit einer neuen Meiige
Salpeterstiure zu behapdeln. Bei dicser Einwirhung tindet eine Entsicklung von salpetrirhtcr S i u r e , die von
der Zersctzung der Salpeterszure herkoinmt, und Bildung
von vie1 Cyanwasserstoffszurc s t a t t ; am Bodeo der Retortc sammelt sich eine wcikc Substanz, die in einem
Ueberschufs von Safpelecs:iurc in Gestalt von kijrnigen
Warzchen krystallisirt. W i r leileten, urn die Bildung
d e r ~ y a u w o s s e r s t o l f s ~ u rzu
e beweisen, die L);impfe, die
sich bei dicser Reaction erzeugten, in eine Auflasung
von salpetrrsaurcm Silberoxpd. W i r crliielten einen weifsen Niederschlag, welchen mir feriier verlniltelst eines
Diese ThatsaEiSensalzes in Berlioerblau umhderten.
che schien uns von Interessc; denn sie liefert ein neues
Beispiel einer Substitution des Stickstoffs an die Slelle
des Wasserstoffs in einem Kobleuwasserstoff I ). W a s
die wcifse, in V\irirzchen krystallisirte und durcb die Einwirkung der Salpetersaure auf die Helinapbta erbaltcne
Materic betrifft, so hat sie einigc Aehnlichkeit im Gerucb mit deln der l’onkabohnen, welches ein vermisrhter Geruch von Cyanwasserstoffs6ure uud von Benzoeblulncn ist. Iiidcin wir voraussetzten, dafs dieses Product zusaininengesclzt sey, so bchaodcften \sir es meltre
Male mit starkem Alkohol, verdninpftcn alsdann die AufIilsung, om dadiirch die Salpeters:iure zu zersliiren uud
die Cg a u m s s ers t o f fsY ti re zu ve r fl u c 11 t i gen, es b li eb eu dlich ein wveifses ki)rniges Pulvcr zuriicli, welches keiuen
1 ) Eioer
YOU uns, indcrn cr vor cinigen
Cholcsicrios.iurc und hmbrainsiurt
welcher a d diricn Ucbergmg dcs
Mxerie, urn einc Siure t i i bilden,
kcr gcluilc Imt.
Jnl~rcndie Zusarnruensctzung Jer
bekannt mnclbir, war Jet- ersie,
Sticksioffs in einc siicksrnflTrcie
die A u f m u t r m t c i i der Chcmi-
94
merklichen sluerlichen Geschmack mehr besafs, welchea
ober noch Lackmuspnpier ri)thetc, sicli in den hlkalien
aufli)ste, irnd aus dieser Aufliisung als weifse Masse vermittelst Miiieralsliureo pracipitirt wurde.
Rlit Ralkwasscr belandelt, lliste es sich zum grdfsten l h e i l dariu
auf , die hellgelb gefdrbte Fiussigkeit entfhrbte sicli zuin
'I'heil vermiltelst animalischer Kohle, concentrirt uod
mit C.hlor~asscrstoffs;iurebehandelt, brachte sic die weifse
Sllbstnnz wicder h e r r o r , dic gelrocknet in ein Glasrohr
gebracht, vcrmiltclst eincr Wringcistlampe erhilzt, zum
Theil am oberen E u d e des Kolirs sich in Krystallcn
sublimirt. Am Ilodeu dcs Rohrs bleibt jedoch eine kohlige Masse zuruck.
Diese Eigenschaften bieten einiae
Aehnlicbkeit init deucn dur BenzoCsaure dar, jedocli hatten wir eitie zu kleine Mrnge K r y s ~ a l l e erhalten, U N
sie zu aualysircn oder urn cine Reihe Verbindungeu daraus darstellen zu k i h n e n I ) .
Xach d e r Brschreibung der Retinaphta liehren wir
zu der fluchtigen Essenz des Hrn. M a t h i e u zuriick, uud
erinncrn, dafs sie eine zmeite illartige Substanz enthalt,
dcren Fliichtigkeitsgrad vie1 niedrigcr ist als der der Retiiiaphta, uiid die wir mit B hezeichnet haben. Kach
den1 Verfzhreu, welchcs wir gleich angeben werden, gereinigt , bildet sic eincn eigenthlirnlichen Kohlenwasserstolf, deu wir mit dein Namen Retiny1 bezeicbnen,
-
Das Rctinyl.
Urn dns Retiny1 rein d a r z o s t c l l e ~mufs
,
mall cs mehrc
flIale der Ueslillation unterwerfen, indem man jedesrnal
die erstcii und flucliligsten 'Theile, welche Retinnphta
cntlialteu kilniicn und wclche zuerst libergeheo, enlfcrnt.
Das so crhaltcne Product w i d iifters rind liinler einander mit conccntrirter Schwefc!sriurc und einer concen1) Wir haben von Ycuem du Stud&
uud . i d Willcnr c 1 fortzusetzco.
diescs k h p e r r vorgenommcn,
95
trirten Auflbsuog von kaustischem Kali behandelt, und
nacli jeder Behandlung mit Schwefelssure destillirt. Z U
bemerken ist jedoch, dafs die Behandlungen mit Schwefelsiiure, welche zum Zweck habeu das Piaphtalin zu entfernen, uicht zu weit getrieben werden miisseu; denn
das Retinyl selbst wird von der Schwefelsaure augegriffen und man wiirde am E n d e es genzlich zerstbren. Im
hugenblick d c r Mischung fiirbt sich die Schwefelssure
prachtvoll roth, aher bald wird die Farbe braun, spater
schwarz, und es eiitwickclt sich ein Geruch nach schweflichter Saure. Das Retinyl, welches oben auf der Schwefelsiiure schwimmt, farbt sich auch, vorziiglich bei den ersten Bebandlungen, und selbst wenn es sich nicht mehr
k b t und die Schwefelsaure noch sehr gef3rbt wird, mufs
man mit der Behandlung mit SchwefelsHure aulhiiren.
Auch hier weodeten wir das Kalium als letztes Reioigungsmittel a n , aber wir haben die Behandlungen dainit
auf zwei oder drei beschrsnkt; deun das Retioyl wird
vom Kalium angegriffen, in Fofge einer Iangsamen W i r kung, die aber von dejenigen, welche oiydirte KGrper,
oder d e j e n i g e n , welche W a s s e r cnthaltcn, auf das Kalirim ausuben, verschiedcn ist. Das Kaliuin iiberzieht sich
nicht mit einer weil'sen Haut, und entwickelt keine Gashlascn, sondern es brennt und schmarzt sich a u l der Obertlfiche, und nach einiger Zeit macht sich eine schwarze
Haut Ios, welche uns eine Verbindong von Kohlenstoll
und Kalium zu seyn schien; wir batten aber eine zu
kleioe Menge, urn sic einer Untersuchung unterwerfen
zu kihncn. Die g r o t e Menge von Retinyl, die man
gezwungen ist nufzuopfern, um es rein darzustellen, ist
Ursache, dafs wir nur wenig von dieser Substanz zu unserer Verfiigung hatteu. W i r konateii dcssen Eigenschaften, Zusammcnsetzung, specifisclies Gewicht dcs Dampfes bestimmcn, so wie dessen Aufl6sungskraft gegen einigc KiSrper, und die Reactionen, welche eiuige starke
96
Agentien ausiiben : a b e r eine giindfichc Untcrsuchuag
der Aualyse der secuodireu Producto konnte unrniiglicli
ao;estcllt werdeo.
Dns Retiuyl ist vollkominen klar und durchsicbtig:
dem Lichte ousgesetzt veraodert cs sich uiclit; in dcr
Luft rerlliichtigt cs sich, cs ist weiiiger bcweplich als
die Rctinaphta, das specitkche (>ewiclit ist jcdoch wenig davon vt-rschicden, bei 13" C. iitid einem atmospltiirischen Uruck von 0,76 Meter betrijgt es 0,5i, cs geht
erst bci 150" C. in's Kochen iiber uull dcstillirt obiie
eincn Rucksloud zu hinterlassen. Seiu Gcrucb ist verschicden von dam der Rotioaphtn UOJ schwer zu beschreiben: sein Geschlnnck ist vie1 stecheoder, l u i t etwas
Eitterkeit verbunden. Die grblstc Verschicdcnheit aber
zwischcn Retirinphta untl Hetinyl findet in ihrcr Zusammcnsctzung uiitl der verschicdenen Wirkung des Clilors
und d e r SalpetersAurc auf diese bcideo K6rper statt.
Die hnalpsc des Retioyls wurdk aiif die gewilholiche
W e i s e aosgefdlirt und mehrmals wiederholt.
W i r fiihreo bier die Resultale mehrcrer Aoalpsen an:
I. 0.3?5 Grm. m g e w .
I!. 0,439
Ill. 0;283
I\-. 0.4s -
-
3Iatei ic
-
gab. 1,062 Grru. Kolileo~0,295 Grm. \VJ,.I.
-
I,$%?
-
0,937
-
-
-
1,s;
0.:398
0;26
0,437
-
Dids eutspriclit iu 100 Tlicileo :
1.
c
fI
c
1O,t)6
H
-
100,11
I v.
111.
11.
90.33
9n,25
c
m,:.j
C: 90,13
11).0.5
H
--
10,l 1
11
~-
1~10,3IJ
100,GG
10.119
1OO,X!
D i c x Ziis;imiiieiisctzunS entqiriclit fol6cndcr Foriuel
9 C + 12 H. Dic hcreclinctc ZusainincusctzuuS kt :
KO111 cn st o If
\l-\'asscrstoff
:
90, I 7
9*!3
1U0,OO.
Das
97
Das specifische Gewicht des Dampfes beststi$ diese
Formel.
Wir geben hier das Nabere dcs Versuches:
Atmosphzrischer Druck 0,766
Temperatur der Luft 9 O C.
Temperator des Oelbades 244O C.
Ueherscbuls des Genichts des Kolbens 0,552
Volum des Kolbens 340 C.C.
Nach dicsen Angaben das specihche Gewicht des
Dampfcs des Retinyls bcrechnef. SO findet man dasselbe
=4,211. Llas spec, Gewicht nncb der Formel der Analyse bcrechnet, ist =4,247.
lndem wir die nauilichen BeweggrOnde, was die Forme1 des Retioyls betrifft, gelten lassen, die uos bewog e n , die Formel der Retinapha zu verdoppeln, so andern wir sie in folgende urn: C i 8 H 2 ' .
Unter allen bekannten Subataazen finden wir keine,
die diesen Kohlennasserstoff als Radical besalse. Das
Retioyl lost den Schwefel mit Hiilfe von W m e auc
der Schwefel krystallisirt nach dem Erkalten: J o d nird:
selbst in der K d t e ,aufgelOst. W e n n man das Retinyl
rnit Chlor befiandelt, indem man einen Strom des letzteren in kocheodes Retioyl leitet, auf eine BhnIiche Wcise,
wie wir ee mit der Retinaphta angestellt baben, so erhalt man eine Chlorverbindung, die sich d o n durch
ihren Geruch von der Cblorvcrbindung der Retinaphki
unterscheidet. Der Geruch der letzteren ist, wie wir
schon bemerkt , stark durcbdringend, belebend und mit
dem des Meerrettigdh zu vergleicben. Der Geruch der
ersteren bingegen ist weit scbwacher, eigentbiimlicher
Art, uod am besten mit dem Geruch, den man empfindet, wenn man am frilhen Morgen einen Wald bcsucht, zu vergleichen. Sie brennt mit Schwierigkeit, die
Flamme ist roth, vie1 Rauch verbreitend, an den Seiten
g u n gefarbt. Der Dampf, der sich eotwickelt, greilt
nicht, wie der Dampf der Chlorrerbindung der Retinapha,
Poggendodh h a l . Bd. XXXXIV.
7
-
98
-
die Augen an.
Dieae Verbindung verdient umtreitig
pine nahere Untcrsuebung.
Das Retinpl, init Salpeters&~rcbebandelt, wird selbst
in der Kalte aogegriffeo und farbt sich augenblicklich
w l b . W e n n man es init dieser S l u r e kocht, so verD’
schwindet es und 18sk Bich in dieser Siure auf; wahrentl
dieser Einwirkung entwickelt sich cine grolse Menge
salpetricbter Saurc und ein wenig C y a n ~ a s s e r s t o f f s ~ u r c .
W e n n man eine tiinreichende Menge Saure anwendet,
SO ist, nachdem alles Retinyl aufgclost ist, die Aufldsung
fast farblos, und nach dem Erkalten acheidet sich eioc
wrifse Substant in Gestalt von Flocken, die entweder
in der FlUsaigktit schwiinmen oder auf d e r Oberfliiciie
sich ansainmeln, ab. Diese Substanz, gewaschen, ist weirs,
hat das Ansehen eioes Fettes, ist nenig in Wasser auflosrich, I&t sich abcr augenblicklicb in den kaustisclien
alkrliscben huflbsungen auf, indem sie diese stark roth
fkrbt. Sattigt m u diese akalische Ehsigkeit mit einer
S:lure, ~1 fsbh die rothe Sabstaoa in FLoeken. zu Badrlv.
Die Salpetershre andert daher dos R d b $ in eine fettarwe Sobstanz urn, d i s sicb verseifen blst, dae heiht, skh
mit den Alkalien in Folge einer neuen Wirkung verbindet,.
die sie von Seite der Ietztercn erh%lt. Wir haben diese
interessaote Thatsache erst in den letzten Tagen bemerkt,
hatten aber m wcnig Hctinyl, urn neue Quantitaten dieser fetlen Substaaz zu bereiten, welcbe nilLbig gewesen
waren, urn fernere UNersuchungen fortzusetzen. Das
Refinyl verbindet skh eben so wie die Retinaphta mit
den Oelen, und 1i)st d i e fetteo Kbrper und den grafsten
Theil der Harze auf.
tj.
3.
D a s f i x e Oel.
Man wird sich erinnero, dafs Hr. M a t b i e n mit dem
Barnen fires oder opaliiiisches O e l dasjenige seiner brenzlichen Oele bereichnet, wclches in der Rectification un-
99
c.
gefGhr bei ?SOo
destillirt. Dieses. Od, ebe ea.,(gcreinigt ist , besitzt eine br&mIicbgrunlicbe Forbe, erschciut
all den Randern blau, ist opalisirend und oft sebr trilbe.
Hr. C I) e r e a u, industrieller Director der Beleuclrtungsaust;llt dc la Chaiissie du Mainc (eiucr Anstalt, dic roo
der societi Europeeooe pour I’eclairage, W O V O D Hr. Mat h i e ti Dirccteur geraot ist, a b b o g i g ist), hat einiec Versiichc mit Erfolg angestellt, urn es klar und w e n s geh r b t zu erhalten. Sein Verfahren besleht darin, es fiber
Gyps zu filtriren uod dem Souneulichte auswsetzen. Hr.
d ’ A r c e t , von der Coinpagnic zu linthe gezogeo, bat
vorgeschlagen , es uiit eiuer kaustisclien alkalischen .\ufIbsuog von 4 1 ” I). zu beliandeln. Dieses Verfabreu ist
vollkommen geeluckt, uud das so geklarte Ocl wird schoe
in d r r Gebtiudeiniderei gebraucht; - aber J a s fixe O e l
der HH. M a t b i e u iind C h e r e a u , selbst durch diesc
beiden Verfnhruugsmittel gckltirt, ist nocb weit entferut,
urn von den Cbernikern als eine reine Substanz betrachr
tet werdeo 211 k6noeo;
es ist ooch ein sehr z u ~ a m mengesetztes Product. Man Gndet dario Essigshre, eioc
bituminase Substanz ( diese biturnin6se Substanz eothalt
etwas Creosot), die man vcrmittelst eiilor AitfIBsuog von
kaustischem Kali entferncn konn , Retinapbta, Retiuyl,
eine besoodere krTstallinische Substanz, dic wir iu dem
Producte vom Hrn. M a t b i e u, fctte Substauz, benannt,
wieder fiuden werden. Uas fire O e l , von dieseu Substanten, welchc ibr anhRngeo, befreit, bildet cinen eigent b urn lich en Kob1en wasserst o ff, welch en n i r seines 01igen
Ansehens w g c n mit deui Kameu Rctinol bezeicbnen.
-
D o 3 RetiooL
Urn es rein zu crhalten, destillirt man das abgeklarte
Gxe O e l des Hrn. M a t h i c u , indem man die ersteu ekbaltencn Porliooen des Destillats, die Retinapbta, Retinyl und Saphthaliue und dic Ictzten der fetten Substnnzen eotlialtco , beseitigt. Aber cine eiozige Dcstillatioo
7*
100
ist lange nicht hinreichend, nicht n u r urn cs rein, aber
selbst um es nur weifs und ingefsrbt zu erhalten. W i r
sind bfters genbthigt gewesen, diese Rcctiiication zwiilf
Ma1 zu wiederholen, dennoch war das Product nicbt
cliemiscli rein, und enthielt h'aphtaline. Man mufs es
daber Ufter und zu wictlcrliolten Malen mit conccotrirter Schwefekaure und concentrirten alkalischen Aufliisungen behandeln, und nacb jeder Bebandlung mit a l k i i liscber Lauge das Product einer neuen Destillation 1111terwerfen; man fzbrt mit diesen Bebandlungen fort, bis
mau ein blartiges , scbiln durchsichtiges Product, welches
bei 239' C. kocht, erhslt. W i r kbnnen hier nicht urngeben zu bemerken, dafs die Behandluugcn mit Scbwefelsaure, welche zum Zweck haben, das Napbtaliu uiid
vielleicbt eine auderc Substanz, welche dem fixen Oel die
Eigenschaft gicbt, sich an der Luft zu farben und t u zerst6ren, wegzuschaffen, nicht zu weil getrieben werden miissen;
man wUrde am E n d e alles Retinolzersetzen, denn bei jeder
Bebandlung lbst sich auch ein Theil Retinol in der Scliwefelsaure a u f , und dieser aufgelfiste Tbeil ist in kurzer
Zeit verkohlt. Im hugenblick der Miscbung nimmt die
Masse, wenn Retinyl vorhanden ist, cine rothe Farbe
a n , eine grIiue Farbe hingegen, wenn our Retinol zugegen ist. Wir haben beobachtet, dafs die Scbwefelsgure nur diejenigen Tbeile des Retinyls und Retinols
angreift, die es aufgelbst hat. Uebrigens ist diese Art
oon Wirkung ziemlich allgemein in der organischeii Cheinie, und erklsrt uns, warum man bfters eine SO grofsc
M a s ~ e eines l\eagenz, um eine vollstYndige Zersetzung
cines Kifrpcrs zu bewerkstelligen , nfithig habe.
Wir haben dcn Koctpunkt des reinen Retinols bri
238' C. f e s t p e t z t ; jedocli in tler Praxis ist man gezmunKen, diejenige Fliissigkeit als Rctinol zu betrachteu, dt:i'eu Kocbpunkt zwischen 236' bis 241" liegt; deun es
i s t Bchwer, es nnders d s iiber freiem Feuer zu destilliren, UIIJ diefs ist Ursachc, dafs bei jeder Destillarion
101
eih kleincr Theil in Producte, wovon der einc fluchtiger, der andere feuerbestlndiger als das Retinol selbst
ist, sich zersetzt. - Das Retinol in dcrn Zustande, den
wir als rein betracbten, erhalten, ist cine klare, iilartige
Flussigkeit, sanft aozufilhlen, ohnc cinen merklichen Gcschlnack und Geruch ; dem Lichtc ausgesefzt farbt sic
sich nicht; ihr spccifisclies Gewicbt ist 0,9, und daher
kaum etwas leichter als Wasser.
Die Analyse, mit Kupfcroxyd aogestellt, gab uns
folgcndcs Resultat :
I. 0,3085 Grm. ongewandte Materie gab. 1,W2 K o h l e n d m 0,216 W11. 0,362
1;21
0,266
-
-
-
-
oder in 100 Theiten:
I.
C 92,49
H 7,76
100,25
11.
c
H
Y2,la
8,11
100,53.
Diefs ist also ein Doppel- Koblenwaeserstoff, welchcn wir durch folgendc Formel ausdriicken kiianep:
8C+8H.
Die berechnete Zusammensetzung ist :
Kohlenstoff
Wasscrstoff
92,35
7,65
100,oo.
In dcr That haben wir gefunden, dals das specifischc Gewicht des Dainpfcs gleich ist 7,11, nach folgen-
den hngabcn berechnet :
Atioosphtirischer Uruck 0,757
Tcinperatur der Luft 14O C.
'l'emperatur des Oelbades 278O C.
Ucberschuls des Gewichts des Kolbens 0,652 Grm.
Volum des Kolbens 290 C.C.
Dieses gefundeoc specifisclie Gewicht dcs Dampfes
ulihert sicli sehr dcm, den u n e d i e Formel, die wir an-
genommelr, eiebt, und das glrich 7 3 ist. I d e m wir
die Formel C" Ha init 4 multipliciren, so erhalten w i r
c3 2 € 1 3 2.
W e n n man den fliissigea Doppel- Kohlcnwasserstoff
betrachtet, der von F a r a d a y entdeckt wurde, indem
er das Gas der Oele comprimirte, ein Doppel-Koblennasserstoff, welcher durcb folgende Formeln C3 H3 oder
C ' ? H L ' ausgedriickt wird, welcher aber in Procenteu
die nYrnliclie Zusammensetzung, wic die unseres Products,
darbietet, so wird man von der Wicbtigkeit, melcbe die
Ttatsachen und Gesetze des Isomerismus alle Tage gewinnen, erstaunt seyn. Unser Doppel- Kohlenwasserstoff
ist eins der schlagendsten Beispiele der Verschiedenheit
der Eigeuscbaften, welche Substanzen darbicten kiinnen,
die die nbmliche Zusammensetzung haben, in deoen jedocb die htome gewik auf eine verscbiedene Weise gruppirt sind.
Es schien uns von Interesse, aufzufinden, welchen
PPatc dasWRetino1 in. der Liste der scboo bekannten KohIenwaseerstdfe einnehme. Diese AnMberuug kann zur
~\uffiodiingeiner neuen Reihe von Kohlenwasaerstoffen,
welchc Se\yil$ existiren, und wovon wir scbou zwei Glieder besilzen, fuhren. Es ist binlliiiglicb, urn sich zu iibcrzeugcn, dic folgende Tafcl zu bctracbten :
E r i r c Reihe.
C
H * Metylen
C 4 Hs ulbildcndes Gas
C;' H I <,
C L 9tI' uubcliannt
C:'? t16+ Cvten
Z w z i t c Reibe.
C 2 Hz unbekannt
C* H* unbekannt
C" Ha unbekannt
C ' * H " Renzin
C I 6 H I 6 uubekaont
C 3 ?H 3 ?Ketinol.
Uic zweite Reihe wird die Koblenmasserstoffe enthalten. in dencn dcr RohIcnstoFf in der niimlichen Quant i t i t n i e iu der ersten Reibe, der Wasserstoff aber urn
(lie Htjlfte weniger sich befinden wird. Man siebt, dals
103
das Hetiuuk iu dieaer zweitcn Heihcj dem Cetcn in dei
ersten Reilie cntspricht.
Uas Retinol, dem Licbte ausgesetzt, vertlifchtigt sick
jetloch eehr l o a g m , es fleckt dae Papier aiif die Weise
dcr fettellriKbrper und luacbt cs darchsichtig, a b e r uach
eioiger Zeit verschwiudet der neck bud das Papier wird
wieder undudrsicbtig; Dae Retiool, Ton aller Feuchtipkeit befreit, greift das Keliuiu uicbt au, entb6lt es e t
w a s Hetioyl, so sebw$rzr sicli das K i l i u m ; erhitzt, I ~ S I
cs noch r i e l i e i c h e r els die Hetiuapbla uud das netinpl
deu SchwefeI u ~ t ldas J o d auf. walrscheinlich weil man
die Temperatur vicl inelir erhdhtw kann. NacL dem E r kalten krystallisirt da-r Sc1awele.l i n durchsichtigen K r I stallcli b e r i m . Es absorbirt iuclirere Gasarteu, uud vorzdgli& schweflichtsaurcs Gas, vm dein es eiu mehrfaches
Voluui aufnimmt. Es verbiodet sich aicbt mit den Alkalieo.,, Leitet man einen Strom von Cblor in fast kocbendes Hetinol,.so 6ndet eine Einwirkung und Bildung
POD Chlqryaeserstoffsaure statt.
Uas Retinol farbt siclr
gelblichbraun, uiid nacb dem Erkaltcn erhalt man eioe
durchsichtige, a b e r so dicke Masse, dals man oboe Erw5rinunF sie nicbt mehr zum Fliclsen briugen kann. hi's
Wasser gegosscn siokt s i e zu Boden. ibre friihere Uiclitigkcit aonehineud. D i e w Product besitzt einen schwachcn Hoseogeruch, es brennt uocb vie1 schwieriger sls
die Verbindungen, die durcb die WirLuug des CLlois
a u f die. Hetinapbta uncl das Retinyl eotstcheo.
Die
Flamme ist dunlielroth gefarbt , verbreitet vie1 Rauclr,
aber die Dampfc, die sich dabei cotwickelten, ricchen
rvenig nach C h l o r w s ~ s c r s t o f f ~ ~ i ~urid
r e , besitzcn riicLt das
StecMnde, brelches auf eine su Iebhnfte Weise die Augcn reizl, "eun man die.Chlorverbindung, die sich durcli
die Eiowirkuiig des Chlnrs auf c'ie Keliuaphta bildet.
verbrcuut.
Die Sa1prtcis.m.e w i r k t halt ~ n i JgI I I Lids Kctiunl,
warm greilt es dassclbe stark a n , aber cs tiudet wcdcr
104
eine Bildung von Cyanwnsserstoffsaure noch einer krystallinischen Substanz statt, man erhalt nur eine dlige,
stark gefarbte Fliissigkeit, die uns bis jetzt keine der
hufmerksamkeit werthe Eigenschaft dargeboten hat.
Das Retinol verbindet sich mit den fetten Kbrpcrn,
den Oelen, lbst mehrere Harze auf. Das Kautschuck liist
sich darin selbst in der Kalte sehr gut auf. Da aber
das Retinol damit eine Verbindung eiogeht, so verliert
das Kautschuck dadurch seine Elasticitat. Der Copal
schwillt darin auf, wird vollkommen durchsichtig, abcr
es liisen sich darin nur kleine Mengen auf.
9.
D i e fette
4.
Substanz.
Eins der Ietzten Producte der DestiIIation des rohen Oels von der Beleuchtungsanstalt des Hm. M a t h i e u
ist dasjenige, welches wir in unserem lsten 3. mit dem
Namen fette Substanz bezeichnet haben. I m roben Zustande besitzt sie eine Butterconsistenz oder ist halbtlussig, ihre Farbe ist bIaugriin; man bemerkt, dafs sie BUS
einer krystallinischen Substanz besteht, welche zum Theil
von einer illisen Fliissigkeit, die vorziiglich Rctinol ist,
in Suspension erhalten wird.
Um die krystallinischc
Subsrani zu gewinnen, brachtca wir dic fctte Substanz in eine glaserne Retorte, und erhitzten sie dergestalt, dafs sic nur schmach kochte. Die fliichtigeu Kohlenwasserstoffe verfliichtigten sich ziiin grbfsten 'Theil mit
dem Naphtalin, und wenn sie aufgehilrt hatten iiberzugehen, so verstgrkte inan das Feuer, so dafs die in der
Retorte zurllckgebliebene Substanz zuin starken Kochen
gebracht w i d . Sic destillirt alsdann in Gestalt weifser
D h p f c , welcbe sich in dem Hake der Retorte verdichten und in den Recipienteu thefsen, das Ansehen cines
wachsahnlichen Kilrpers annebmcnd. Zuletzt hi)ren die
weifsen Dknpfe auf, und es bilden sich gelber- in diescm Augenblick muL man die Operation untcrbrechen,
-
105
-
denn das Glas fang schon an zu enveichen.
Briogt
mail aber den Ruckstand in eioe Retorte vou Steingut
uod fihrt mit dem Heitzen fort, so gehen noch weifse
Dsmpfe in Begleitung wit gelbeo fiber, die verdichtet
eioe polueranzengelb gefarbte Materie, die eich leicht pulvern Iafst, bilden; in der Retorte bleibt eine koblenShnlicbe Substaoz zuriick. - Dcr wachs~htilicheKbrper besitzt eine gelbe Farbe, die ersten Theile jedoch, die
iibergehen, sind grfinlich, die letzten pomeranzengelb gef2rbt; diese letzte Farbe kommt von etwas beigemischter pomeranzepgelber Substanz her. Indem m u die
wachalholiche Substanz einer mehrmals wiederholten Destillation unterwirft, so erhalt man sie immer weniger
gefarbt, aber es ist unmfiglich, sie durch dieses Verfahren allein rein zu erhalten; wan m u h , urn sie vollstandig zu reinigen, sie mehrere Male und sehr stark zwischen Lbschpapier vermittelst einer Presse ausdriicken,
dann in absoluten oder wenigstens iiber 10° B. starkeu
Alkohol auflosen und die Auflbsung mit etwas aiiinialischer Kohle behandeln. Nach dem Filtriren uud Erkalten des Alkohols krystallisirt die wachslhnliche Substaoz,
die, nocli zwei oder drei Kryatallisationeo unlerworfen,
vollkommen weirs, und in Lamellen von eineui perlnhnlicben Glanz ist. Aber in diesem Zustande ist sic
noch nicht vollkommen rein, sie hlilt Spuren von Retinol
zurIIck, die nur durch eine Behandlung und Zusammenreiben mit kalter concentrirter Schwefelsaure entfernt wcrden kdnnen. Man treont die Saure davon, indem man
sie im Wasserbade schmilzt und die Saure &Ton nach
dem Erkalten abgielst; man wiederholt diese Behandlung
ein oder zwei Mal.
Man wascht sie alsdann sehr sorgfrilrig aus, und endlich last man sie in Alkohol auf, aus
deln sie beim Erkalten herauskrystallisirt. Man crkennt,
d a b sie rein ist, wenn die Schwefelsiiure, wenigstens kalt
angewandt, keine Wirkung lnchr ausilbt; so laogc die
ScLwefelsZure einc grunlichc oder riithliche Farbc an-
I fIG
so ist diefs ein Reweis, dafs sie uoch eioige Spureii der sie begleitenden fliissigen Kohlenwasserstoffe zuriickhdt. I)a wir gcfunden, &afs diese Substanz dic Zusaininensetzuog des Naphtalins hat, mit dcr sie daher isomer ist, so nanntcn wir sic Mefonuphtofin.
iiiinrnt,
Dad Mttaoaphtalin.
L)as Mctanapbtalin, in seiuem reinen Zoslande, ist
weirs, krystallinisch, felt aozufilhlen, ohne Geschmack,
d e r Geruch ist schwach und bdt einige Aehnlichkeit mit
dem des Waclises. Es erleidet keiiie Vcraoderung, weder dcni Licbte noch der Luft ausgeserzt. Sein Schmelzpunkt findet bei 6 7 O C. untl seio Kocbpiinkt bei 325O C.
stalt ; ciomal im Kochen begriffen, destillirt es i n Gestalt
cines Ocls, das nach dem Erlialten zu ciner krystallinischen Masse eistarrt. Es ist gaozlich in W a s s e r unlbslich, wenig lirslich in haltein Alkohol, lost sich aber in grofser Menge in absolutem und kochendcm Alkohol euf, und
krystallisirt daraus nach dein Eikalten in Lamellen : d e r
Aetber lost es noch mit grdl'serer Leichtigkeit auf, a b e r
die Naphta, das Terpenlhindl uud vorziiglich unsere Lliissigen Kohlenwasserstoffe siod seiue besten Aufldsuogsmittel.
Die Charaktere, bestebeud in dem Scbmrtlz- und
Iioclipunkte, der AufldslicliCeit im Alkohol, d e u Acther
uiid den O r l c n , sind schon. hinreichcnd, um das Melanaphtalin von einigen aodcren brenzlichen Substanzeo,
init deiicn L'S viclleicht verwechsclt werden kdnotc, zu
untersclieidco, nniueotlich mit dcin Naphtalio, dem Paranaplitaliii und dcm Paraftin. W a s den Schmelzpunkt
belrifft, SO echiriilzt das Paraftin bei 43' C., das IYaphtaliir bci 79" und das Paraoaphtalin bei 180" C., das
hIetnnapbtalin bei 67" C. Uer Unterschied zwischen Jein
Schinelzpiiiikt iinserer Substanz und deui des Paraffins
bestelit i u +24 C., dew des Naphtalins in - 1 2 O
C.,
uud dcrn des Paranaphtalius in - 113" C. W a s den
Fltichtigkeitsponkt aobetriflt, 60 unterscbeidet es sich nictit
weni;er von dern Naphtalin und dern Paranaphtalin, welcbe sich vor ibrem Schmelzpunkt schon vertlilcbtigeo. Der
Aethcr lbst das Metanapbtalin mit Leicbtigteit auf. das Paraoaphtalin hingegen ist darin unldslich. W c i t e r uuten
werden wir noch scharfere chcmiscbe Eigenschaften anfOhren. Nachdem wir erkannt, d a b wir eioe neue Substanz
eutdeckt, so schien es uus interessaot, deren hnalyse aozustellen, und UL unserer grorsen Verwunderuog faoden
wir, dale unsere Substaoz, welcbe wir ooch niclrt bew o n t batten, die elcmeotare Zusammenselzung des Naphtalioc. besals, uod in Proceoten zusarnmengesetzt ist a m
93,9 K o h h s t o f f , 6,1 Wasserstoff.
W i r gcben bier die Resultate eiuiger Analysen:
0,215 Grm. mgcw. Ma1uie0.73 Gtm. Kuhlcnr 0,131 Grm. W a u e r
0.26
- 0,88
0.164
038 0,939 0,163 -
-
-
C 93.58
C 93,71
H 6,45
-
11.
C 93,88
H 6,75
10~63
H
6,99
10037
In.
100,16.'
Es wzre van Wichtigkeit gearesen, das specitiscbc
(;ewicht des Dampfes zu bestimmen, urn auf eioe ratioueltc W e i s e die,Formel, welcbe das Metanaphtalin besitzt , auszudruclen. W i r baben den Versuch angestellt ;
cr bictet jedoch so vie1 Scbwierigkeit in seiner h i i s f u h rung, wcgen der hohen Temperatur, bei welcher man
operircn m r s , dar, dals wir unseres Resultats nicht ganz
sicher siud.
W r 6ind iiberzeugt, dais man das Rletanaphtnlin iu
den brenzlichen Producten vieler orgaoischer Substanzeu,
welche dcr Wirkuog d e r Hitze ausgesctzt werdeo, aoftinden wird, u ~ d
dais es spater entweder eine n[iizliche
howenduog finden oder neueu Uotersuchuogen uoterwor-
1118
fcn werdeo wird, welche wohl uicht ohne lnteresse scyn
wcrden.
Das Metanaphtalin, kalt angewandt, ist ohne W i r kung gegen Schnefel, warm liist cs ilin auf, es ist ohne
Wirkung auf das Kalium und die anderen Metalle, es
verbindet sich nicht mit dcn Alkalien; conceutrirte Schwefelsaure, kalt oder nur wenig e r w h n t , wirkt nicht auf
das Metanapi talio , aber in grofser Menge und kocheud
angewandt , verkohlt sie dasselbe. Jedoch werden wir
noch sptiter auf die W i r k u n g der Schwefels2ure zurfickkommeo. Cblqrwasser- wirkt oicht auf das Mefanaphtalin, wenn mau jedoch in gut geschmolzenes Metanaphtaliu einen Strom von Chlorgas leitet, so bemerkt man
cine Bildung nod Entmicklung von Chlorwasserstoffshredampf, uod das Metauaphlalin Yndert sich in eine Substanz um, melche, dem H x z e Sbnlich, grunlich gefarbt,
vie1 weniger auflfislich als das Metanaphtalin in absolutem Alkobol ist. Dieses Product, welclies eine naherc
Die
Untersuchung fordert, ist nicht krystallisirbar.
Salpetersaure, kalt angewandt, tibt niir eine schwache
Wirkung aus, warm greift sie es stark au, und andert
sie in eine harzYhnlicbe Substanz urn, die ockergelb gefirbt, und, der Hitze in einem Destillationsgefiik ausgesetzt, sic11 zersetzt, ohne sich zu vertliichtigen. - Man
wird sich erionern, dafs das Paranaphtalio, mit Salpetersaure behandelt, eio Product Iiefert, welchcs, ohne sich
zu zersetzen, sublimirt.
-
S
c
h I u f
a.
Aus dem Vorhergeheiidcn geht hcrvor :
1) Dafs in dem Augenblick, in nclchcrn das Ham
iu einen Cylinder, welcher bis zur starken Rothgliihhitze
crwznnt, Cillt, wie diefs in einer der Methoden fur
dic Fabrikaliou des Gases zur Beleuchtung stattfindet,
sicti ucbcn dem Beleuchtungsgas, der Kohlens;.iure und
Essisssure , einc grofse rhzahl sehr wasserstoffreichcr
1fN
Productc bildet, wclclie wir, durch Anmendung der Mittel, dic uiis dic analytische Chemie dnrbietet, isolirt
hnbco.
2 ) Dafs man unter diesen Substnozen drei n e w
fliissige Kohlenwasserstoffe, welche wir unter den Kamen Retinaphta, Relinpl uud Retino1 beschriebeo, zu benierken habe, und zwei feste Kohlenwasserstolfe, von
dcnen das Snphtalin schdu bekannt, das RIetanapbtalirl
hingegcii eine iieuc Substanz ist.
3) Oafs die Rctinaphta cinc Flussigkeit darstcllt, die
sehr leicht, schr tliichtig ist, und deren Zusammcosetzung,
durch die Aunlysc ermittelt, durch die Formel C i 4 H i 6
ausgrtlruckt werden kaun, dals sic dadurch wenigsteos
isomer lnit Jem uoch hypothetischen Kohlenwasserstoff
ist, welclier eine merkwurdigc Rolle in den BenzoGverbindungeu zu spielen scbeint, wenn sie nicht selbst vielleicht dieser Kohlenwasserstoff ist, und dafs sie eiuc
Reihe von neuen Verbindungen bildet, von denen mehrere
in dieaer Abhandlung beschrieben sind.
4 ) Dafs dns Retinyl eiu neuer Sesqui-Kohlenwasserstoff ist, welchen man durch folgende Formcln C9 € I 1 *
oder C' a H a ' ausdrlicken kann, und der durch die W'irkung des Chlors, des Broms, der Salpeterssure 11. s. w.
sich in Producte umiindert, die wieder eine Reihe neuer
Verbiridrrngen darbieteo.
5 ) Dafs das Retinol ein neuer Doppel-Kohlenwasserstoff ist, dessen Formel C8 €I* oder C 3 *€I3? ist, und
d e r von dem Doppel-Kohlcnwasserstoff C3H3 des Hrn.
F a r a d ay durch seine Beschaffenheit, so wie durch seine
chemischen Eigcnschaftcn verschieden ist.
6)Dafs das Metannphtalin eine neue, von dem Sapti.
taliri durch seine Eigeoschaften verschiedene, jedoch,
was die Zusalninensetzting belrifft, isomere Substanz ist.
Diese Substain ist merkwurdig, wegen ilires Glantcs, ilircr
Schirnheit, ihrcr chemisclien Indifferenz; Eigenschaften, welche sie dem P a r a f h nabert, von d e r ~sie jedoch gliuz-
110
Iich durch ihre physikalischen Eigenschaften und ihre Zusalnmensetzung vcrschieden ist.
I n dicser Abbaiidluiig haben wir die Natur, die Eigenschaften und die Zusamrnensetzung der Producte bekaunt gemacbt, die sich beim Aussetzen des Harzes in
einer schnellen und so zu sagen augenblicklichen Rothglilbhitze bilden.
In einer ziveiteo hbliandlung nehmen wir uns vor, die Producte zu untersuchen, die das
Harz, einer niedrigen Hitze ausgeselzt, bildet. W i r werden ferncr die W i r k u n g einer mehr oder weniger starken H i h e nuf unsere Producte versuchen, um zu seheu.
o b die einen in die andern ubcrgehen. W i r werden dadurch in den Stand grsetzt werden, lhatsachcn zu beobachten, welche spiiter zur Aufstelliing der Theorie der
brcnzlivhen Producte beitragen kbnnen ; einer Theorie,
welche in den letzten Zeiteu so grofse Fortschritte durch
die Untersrichungen zweier unserer gescbicktesten Cbemiker geuiacht hat, die man, wie wir jedoch glauben, etwas zu voreilig als gsozlich beendigt angekundigt hat.
-
VII.
Bemerkungen zu oorstehendcm AirJsatec.
. D i e Herren T l i e n a r d , R o b i q u e t und D u m a s , von
der Acodemie der Wissenschaften zu Paris zur Beurtheilung der vorhergehendeo Abliandluog ernaunt, baben dariiber eineii schr giinstigen Bericht erstattet ; der Berichterstatter w3r Hr. D u m a s .
Die HH. P e l l e t i e r und W a l t e r , sagt D u m a s
in dieseln Berichte, haben mit eiucm lbblichen Eifer und
Scbarfsinnc die brenzlichen Producte des Harzes uiitersucht, die in dcm Ayparate erhalteu werdeu, welchen
Hr. M a t h i e u fiir die Fabrication des Gases aus Harzcn erfunden hat. Uas Hnrz wird in deruselben geschmolZen, und dann in eine gliihende Rbhre geleitet, wo es
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