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Compensation der Orgelpfeifen ein Vortrag des Prof. Wilhelm Weber zu Halle bei der Versammlung der deutschen Naturforscher zu Berlin den 19. Sept

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ANNALEN
DER PHYSIK UND CIiEMIE.
J A H R G A N G 1828, E I L F T E S STUCK.
I. Compensation der OrgeZpfegen, ein Vortrag
des Pro$ W i l h e l m W e b e r z u Halle, be;
der VersammZung der deutschen Naturforscher zu Berlin, den 19. Sept. 1828,
w e n , es miiglich ware, mit dem GehBre eben so genaue Bestimniungen der T h e zu inachen, als die Messungen des Raumes durch den Gesichtssinn sind, so wiirde
man einige Eigenschaften und Krafte der Kiirper, mie
die Cohasion, die Compressibilitst, die Dilatabilitat, die
Ausdehnung durch die Warme, zu deren Untersuchung
raumliche Messungen des Gesichtssinns weniger geeignet
sind, genauer als hisher kennen lernen. mTie klein ist
z. B. die Verlzngerung einer Metallstange, menn sie sich
durch die Warme ausdehnt, und wie schwierig, diese
kleine Verkingerung genau zu messen! W i e grofs ist
dagegen die Aenderung der Tonhiihe einer transversalschwingendeu Metallsaite, weiin sie, mit ihren Enden
zmischen zwei unveranderlichen Punkten bcfestigt und
aufgespannt, nur die geringste Verlaugerung erleidet, weil
durch diese Verliingerung die Kraft, durch welche die
Saite in der Richtuug ihrer LYnge gespannt wird, sehr
schnell abnirnmt.
x e i meinen Versuchen mog z. B. eine 48 Par. Lin.
Iangc Eisensaite O,g’O2473, W i d diese Eiseosaite mil
An n d . d. Physik. B. 90.St.3. J. 1825. St. 11.
cc
398
14&*.,63 gespannt, so macht sie 864 Schwingungen in
einer Secunde (giebt den Ton 5, wie gewolinlich die
Stimmgabeln der Pianoforte's).
W i r d diese Eisensaite
bei der Spannung von 1441'.,63 festgeklemmt, und so ermiimt, dafs sie um den 1OOOsten 'l'heil einer Par. Link
sich ausdehnt, so giebt sic iiach meinen Versuchen eineri
Ton, der rnehr als eine Vierte1tons:ufe tiefer als 3 ist.
Ein geubtes Ohr kann aber, wie wir gleich nachlier schen
werden, selbst die Wirkung einer Schwingung zu 1000
Schwingungen noch unterscheiden, und folglich noch drn
40. Theil von jenem Tonunterschiede wahrnehmen. Uin
wie vie1 vortheilhafter ist in diesem Falle der Gebrauch
des Ohres als der des ,4uges; denn die Messung inittelst
des Ohrs ist in diesein Falle etva 40 Ma1 feiner als die
inittelst des Auges, das selbst durch das stiirhste Mikroskop unterstutzt hochstens bis auf den lOOOsten 'I'heil einer Linie sicher ist.
Die Fortschritte der Mechanik von physihalischer Seite
scLeinen hauptsachlich auf genauer Ausinittelung einiger
Rewegungen zu beruhen. Welchen Gewinn hat man in
der Mechanik aus einer einzigen Thatsache, aus der Messung des Raumes, welchen ein Korper im Ieeren Raurne
in einer Secunde von der Ruhe a b durchfrillt, zu ziehen
gewufst! Aehnliche Vortheile bei Untersuchung einiger
Naturkrzfte kann es gewihren, wenn die Zahl der Schmingungen, die ein Korper unter bestimmten Verhaltnissen
macht, gleich genau, wie der Fallraum, gemessen wird.
Aber wie kolnlnt es, dafs die eigenthiimlichen Vortheile,
die das O h vor dem Auge voraus hat, zu genauen Messungen der Naturkrafte noch wenig benutzt sind? In der
zu geringen Feinheit des Gehiirs Iiegt der Griind nicht,
d a b dasselbe so wenig zu solchen Zwecken angewendet
vrorden ist; denn ich kann aus Erfahrung beweisen, dafs
es fein genug empfindet, uin unter gunstigen Urnstanden
die Tone unmitteibx so gennu zu bestirnmen, daCs der
Fehler auf 200 Schningungen nie inel~rals e i n c Schmin-
399
gung beWj;gt. Und so wie, wenn man das Auge durch einen
Nonius oder Vernier, durch den Keil, durch den Fiihlhebe], und durch die Mikrome:erschraube unterstiitzt, noch
weit genauere Messungen mit ihin machen kann; als ohne
diese Hulfsmittei, so stehen uns bei Bestimmung der H6he
der TSue Methoden zu Gebote, welche auf eine ahnliche Weise die Zzhlung der Schwingungen durch die Hohe
der Tone so vervollkommnen, dafs man unter gunstigen
Urnstanden auf 1000 Schwingungen nie mehr als eine irrt.
Ich will hier nur zweier von diesen Methoden gedenken, deren ich niich bei ineinen Untersuchungen mit
vorzuglichem Vorthcile bedient habe. Die Beobachtung
der sogenannten Scbwebungen ist die erste dieser Methoden. Wenn die nicht ganz iibereinstimlnenden Pen.
del zweier Uhren neben einander schwingen, so beobachtet man bald Zeitraume, wo die Pendelschllge beider Uhren zmischen einander fallen, bald Zeitrlume, wo
die Pendelschlage beider Tlhren zusainmenfallen, und deswegen einen stsrkeren Eindruck aufs Ohr machen. Eben
so machen von Zeit zu Zeit die Schwingungen zweier
iieben einander tonender Kiirper, bei denen nur ein geringer Unterschied ihrer Tonhiilie stattfindet, auf das Ohr
einen starkeren Eindruck, so oft die Maxima ihrer Schwingungen zusammenfallen, und diese starkeren Eindriicke
auf unser Ohr nennen wir Schwebungen.
Diese sogeiiannten Schwebungen leisten nun fur das Ohr dasselbe, was der Vernier bei Langenmessungen und Winlielmessungen leistet. Durch den Vernier wird eine
und dieselbe Linie zweimal in gleiche Theile getheilt, so
dafs sie bei der zweiten Theilung eine Unterabtheilung
mehr als bei der ersten Theilung erhalt. Durch die
Schwingungen zweier KSrper, welche Schwebungen hervorbringen, wird ein und derselbe Zeifraum zvreifach in
gleiche Theile getheilt, so dafs die eine Theilung eine
Unterabtheilung mehr als die andere erhalt. W i e man
null beim Vernier das Zusammenfallen zweier Striche
cc2
400
beobachtet, so beobachtet man die Schwebungen a t das
Zusammcnfallen zweier Schwingungen.
Die zweite von mir iminer angewendete Methode
zur Unterstutzung des Ohres bei der Vergleichung zweier
Tijne griindet sich darauf, dafs ich den zu bestimmenden Ton auf doppelte Weise mit einem andern Tone in
Einklang zu bringen suche, erst durch Erhohung , dann
durch Vertiefung des zweiten Tones, und auf beiden
Seiten die Grenzen bestimme, wo das Ohr den Unterschied beider Tone wahrzimehmen aufgngt.
Aber die g r o h , noch vorhandene Schwierigkeit bei
Bestimmung der Tiine durch das Ohr, liegt darin, dafs
es uns noch jetzt an einem zuverlZssigen unveranderlichen
Maai'sstabe fur die Hiihe der Tiine fehlt, an einem Korper, den man sich mit Sicherheit immer von neuem zuricliten kann, und welcher iinmer genau denselben Ton
hervorbringt, an einein Tone, der ein Maafs fur alle
iibrigen Tijne ist, der ein NormaIton ist, urn alle anderen Tijne mit ihm vergleichen und auf ihn reduciren
zu kiinnen. Welchen Arbeiten haben sich die Physiker
Jcr neuern Zeit unterzogen, um ein solclies Maafs fur
die r&umlichen Messungen zu gewinnen; welche Entdekkungen waren nothwendig, urn durch die gehijrigen Correctionen, wegen Einflusses der Warme und der umgebenden Luft , alle Langenmessungen, Barometermessungen und Vendelinessungen unter einander vergleichbar zu
inachen I
Durch Vorarbeiten, welche ich zu dem Zwecke, fur die
Tiine genaue Messungsmethoden zu begriinden, und durch
clieselben einige Eigenschaften der Korper genauer kenlien zu lernen, gemacht habe, bin ich auf die Entdekkung coinpensirter Orgelpfeifen gefiihrt worden, die aufser
den Vortheilen, welche sic mir bei manchen akustischen
Untersuchungen durch ihre Tone von unveriinderlicher
Hohe verschaffen, auch fur die Ausubung der Musik
Eutzen zu versprechen scheinen. Bekanntlich leidet das
401
griifste und vollkommenste aller musikalischen Instrumente,
die Orgel, an dem'Fehler, dafs die Tone derselben nicht
allrnahlig anwachsen und abnehmen lionnen. Aber auf
diesem allrnahligen Anwachsen und Abnehrncn beruht
hauptszchlich der husdruck der Musik. Die vielfachen
Anstrengungen, welche daher die Kunstler gerriacht haben, urn der Orgel auch diesen Vorzug zu vcrschaffen,
konnten bisher keinen vollliominen gluchlichen Erfolg
haben; denn es liegt in dem MTesen einer longitudinalschwingenden LuftsSule, dafs ihr Ton bei jeder Vcrstzrkung hiiher, bei jeder Schwschung tiefer wcrde, und folglich ein betrachtliches Anwachsen odcr Abnehmen dcs
Tones eine dem Gehiir unangenehinc Aenderung der Tonliohe zur Folge haben nurdc.
Auch die verbesserten Zungenpfeifen, niit frcischwingenden, durchschlagenden Zungen, n elclie K r a t ze n s t e i n von dem chinesischen Instrumcnte Tschcng auf
seine Sprachmaschine ubertrug, und welche daun spster
Andere, v i e der Abt V o g l e r in sein Orchestrion, und wie
K a u f m a n n und G r e n i C , in ilire Instruinente aufnalimcn,
leiden einigermarsen an dicsem FehIer, uiid die Uemiihongen Gr enid's haben ihn niclit beseitigen kiinnen.
Erst iiachdein ich, durch cine lange Reilie von pliysikalischen Versuchen , die Gesetze gefuiiden hatle , nach
welchen die Zungenpfeifen mit freischwingeiiden Zungcfi
tiinen, bin ich im Stande gewesen, Orgelpfcifcn sufzustellen, nelche, wie stark oder wie schnach a i d der
Luftstroni, der den Ton in ihricn erregt, ist, dennoch
iinmer genau dieselbc 'I'onhMie behallcn. Es sey mir
gestattet, dals ich Ihnen zuerst das Mittel beschrcibe,
welches ich entdecht habe, um diese Compensation der
Tonhiihe in Orgelpfeifcn bci beliebiger VerstBrkimg und
Scliwrichung des Tones siclicr zu bcn crhstclligen, und
alsdann dic Arbeiten anzugcben, welche ich gemaclit habe,
um dieses Mittel der Compensation dcrn Calcril zu ulltern erfen, u d sicher annenden zu bunnen.
402
Die Einrichtung der Compensationspfeife griindet sich
auf folgende Betrachtnng.
Es ist bekannt, dais der Ton einer angeschlagenen
Stimmgabel im ersten Augenblickc etwas tiefer ist , als
gegen das En&, wo die Schwingungsbahnen ihrer Theilchen sehr klein geworden sind. ')Der Ton der verhallenden Stimmgabel ,(t sagt man, zieht sich etwas in die
Hiihe.<r Eben so zieht sich der Ton jeder verhallenden Saite etwas in die Hiihe. Ueberhaupt ist es eine
Eigenthiimlichkeit aller transversalschwingenden Korper,
d a k ihr Ton etwas tiefer bei stzrkerer Schwingung,
etwas hiiher bei schwlcherer Schwingung ist. Die unigekehrte Eigenthumlichkeit haben aber alle Iongilutlinalschwingeuden Kijrper, und im hiichsten Grade findet sie sich bei longitudinalschwingenden Luftsklen;
denn statt , wie die transversal (durch Eeugung) schwingenden Kijrper bei Verstsrkung der Schwingungen tiefer zu tiinen, tiinen longitudinal (durch Verdichtung
und Verdiinnung) schwingende Korper dabei hiiher. Der
T o n eines Blascinstrumentes, a sagt man, wird durch
stlirkeres Blasen in die Hiihe getrieben.~ In beiden Fiillen , bei Longitudinalschwingungen und bei Transversalschwingungen, wird also der Ton in seiner Hshe gczndert, aber auf eine entgegengesetzte Weise.
W a r e es nun also miiglich, eine tiinende Metallplatte,
welche transversal schwingt, und eine tijnende Luftszule,
welche longitudinal schwingt, in eine solche Verbindung
und Wechselwirkung mit einander zu bringen, dafs sie
nur beide gleich schnelle und gleichzeitige Schwingungen
machen kiinnten, so ware es auch miiglich, aus ihnen ein
musikalisches Instrument zusammenzusetzen, welches seinen
Ton gar nicht Bndert, wahrend man ihn schwlcher oder
starker erregt. In der That ist dieses bei dem von mir
aufgestellten Instrulnente der Fall.
Schon bei der gewiihnlichen Zungenpfeife mit freischwingender, durchschlagender Zunge, ist eine transver'J
))
1)
403
salschwingende Metallplatte mit einer in e h e r Riihre
eingeschlossenen longitudinalschmingenden Luftsaule aiif
diese Weise verbunden. Denn wenn auch jeder von
diesen heidcn Kiirpern, nus welchen dic ses Instrument zusammengesetzt ist, die transversalschwingende Metallplatte,
und die longitudinalschwingende LuftsZuIe, so beschaffen
ist, dafs jeder von ihnen, einzeln und a k i n schwi,ngend, eine andere -Zahl von Schwingungen, und. also
eiiien andern Ton hervorbringt, so sind sie doch in diesein Instrumente so niit einander verbunden, dais sie dennoch nur geineinschaftlich irgend einen dritten *Ton, und
also nur eiae dritte Zahl von Schwingungen hervorbringen kiinncn.
Ich habe in lneiner Schrift *), die ich hier vonulegen wage, gczeigt , dafs unter bestimmten Verhsltnissen
die in der Kiihre dieses Instruinentes eingeschlossene Lu$sdule geniithigt wird , ihre Schwingungen bedeutend zu
zndern, unll fast ganz der transcersalsch.vvingeiidenMetallplatte nachzugeben. In diesem Falle wird der T o n der
Zungenpfeife durch Verstarkung tiger; dafs aber unter
bestirnmtcn andern Verhaltiiissen die Metallplatte gentjthigt
werde , ihre Schwingungen betrschtlich zu sndern , und
den Longitudinalsch~~iingungen
der Luftsaule nachzugeben.
In diesein' Falle wird der Ton der Zungenpfeife durch
Vtrstiirkung erhohet. Es giebt aber auch endlich einen
dritten zwischtp beiden in dec Mitte liegenden Fall, in
welcheur die transversalschwingende Metallplatte den TOU
der Zungenpfeife urn eben so vie1 vertieft, als die longitudinalschw ingende Luftsaule ihn erhiihet, und dieses
ist der Fall der Compensation, welchen aufzufinden der
Zmcck rneiner Bemiihungen war.
Nachdem ich al'so ein sicheres Mittel, die Compen*) Der Titel derselhen heifst: Leges oscillrrtionis oriundue si duo
corporu dicersn ceferitute oscillurrtiu itu corigiinjuntur ut oscillure
nor& possint nisi simul et synclrronice esernplo illustrrrtue
l o r u m linguutorum.
ffuluc lb2i. 4.
111-
404
sntioii d e r Orgclpfeifen bei beliebiger Verstsrkung und
Scliwscliung des T o n s zu hewerkstclligen, aufgcfunden
liatte, linm es mir darauf a n , dieses Mittel auf cine sic h e w Weisc dem Calcul zu unterivcrfen, damit es init
Leiclitigkeit zur practischen Ausfuhrung koinmen kiinnlc.
D c n n es ist zwar leicht, die Riihre eiuer Zungenpfeife so
lange zii vcrkurzen, bis der Ton, den die in der Jiijhrc
eingcsclilossene Luftssule genieinschaftlich mit dcr schrvingendeii Mctallplattc hervorbringt, compensirt ist, uiid also
durch eincn verstiirktcri I d t s t r o i u weder hijbcr nocli tiefcr wirtl. Abcr eiiie solchc coiiipcnsirte Orgelpfeifc giibc
nlstlanii cincn T o n , wclchcr sicli nach unserii bisherigen
Keniitnisscn nicht voraus bestinimen lieisc. Umgeliehrt kaiiii
man lciclit durch .Vcrlziigcrung der liijhre beir irlicii, dal's
einc Ziingenpfeifc irgcntl cine bcstimiiite Aiizalil Sclirviiigiingen in eirier Seciinde und also einen bestimmten Toil
hervorbringt , aber alsdaiiii \\ iirde die Zungenpfeife uiclit
compensirt scjii.
Die Aufgabe einer vollkommenen Orgcl wurde von
cincin Kiinstler nur dann geliist s c j n , n e n n er, cine
Reihe Orgelpieifen aufstellte, von denen jetle eiiicn Ton
unscrer Scale, also eiiien vorausbestiininlen T o n Irervorbriichtc, und zugleich aucli coinpensirt wke. Uazu iuusstcn aber die Gesctze, von deiicn die Zahl dcr Scliwingungen ciner Zungenpfeife, und die Bedingungen bekaiiiit
s c j n , von welchen illre Compensation a b h h g t . Diese Gesetze zu finden, ist mir durch meine Bcobachtungcn uud
Reclinungcn gelungcn.
Denen, welchc sicli fur diese Gesctze interessiren,
wcrdc ich sic, saiiimt den \'crsi:chen, worauf sic sich griiiiden, mit Vergiiugen vorzcigeii, uiid der Locligcelirtcii Gcsellschaft Icge icli dnlier nur das Elidresultat ineiner Untcrsuchung niiinlich cine l a b c l l e , in der icli nach den gttfiindeneu Gesctzeu die I)imensiotien der transverjalsch\.in~cndcn Mctallplnttc und der longitiidinnlsch\Fingcndcu I d t s ~ u l cfur 5 Tiiric unsercr Scala 60 berecliiiet Labe, d a b
405
die darnach construirlen Orgelpfeifen zugleich genau compensirt seyn wiirden, vor. Ferner iibergebe ich der hocligeelirten Gesellschaft das Instrument sclbst, mit wclchcm
ich meine Versuclie gemacht habe.
Sie sehcn liier eine Reihe r o n Metallplatten aus Eisen,
Kupfer, Silber, Messing, .4rgcntan, alle 3 Paris. Linien
breit, und 26,6 Lin. lang, und zwar aiis jedcin Metalle
mehrere von verschicdener Uicke, z w i s c l ~ c einem
~i
Sechstcl
und eincm Drittcl Par. Liiiie. Alle diese Metallplattcn sind
durcli eiii Walzwerk gegangen, dessen stzhlerne Walzen
init dcru Support iind init der Dcinantspitze sorgfdtig abgedrehct warcn, so dais die Oberflacheii der Mctallplatten ~ollkomlnen ebeii uiid parallel siiitl. Diese Metallplatten bilden den transvcrsalsclirviiigciiden liiirpcr in
iinscrem Instrumente. J e griifsere Iialincn eine solche
schm ingende 1,amelle durchlsuft , desto mchr vertieft sic11
ihr l‘ou. D e r zweite , lonRitudiualscIiur-ingeiidc, Kiirpcr
iuiseres Instruments, desscn Ton bei VcrgriiCscrung d e r
Schwingungsbahnen hiiher wird , ist die in der Messingrtbhre A B (Fig. 1. ‘I’af. VI.) eingcschlossene LriftsBule,
die durch Ansetzuiig voii hiilzeriien Riihreu, wie 3 c,
bcliebig verllingert wertlen knnn. Die Mcssingriihre ist
am E n d e A vcrschlosscn. I h s ganze Instrument ist in
Fig. 1. iin I)urcliscliiiittc, in Fig. 2. pcrspectivisch gezeiclinet.
Ecide fiir sicli tonfiiliige Kbrper, die longitudinalscliwingendc Liiftssiile A iind die transversalsch\~iiigcride
Metallplatte a b , sind in unserein Instrumente so verlunclen,
d a L letztei.e, die I’lnttc, an einer Stcllc a b der illessinsriihre A B eincn Tlicil der die I,iifts~iiile begreiizendcn
W a n d erselzt. h i d e Iiiirper, die Metallplatte und die Luftszule , wcrdcn in geincinscliaftliclie Schwingiing gesctzt,
v e n n ciii Luftstrom zur Spaltc a, welche die etwns schicf
stehende hlctallplnttc zwisclien sicli iirid dcin sie uiiifassendeli Hahiiien 1&1, ciiidringt, i i n t l bei :
1 oder aus dcr
l\iiBre Iierausgeht. Ohue die Plattc a b zu bcrulireu, hielt
c
c
406
ich das Ende A der Pfeife in den Mund, und es entstand dcr
Ton, sobald ich blies. Es fangt nsmlich die Metallplatte
an zu schwingen, und verschliefst und iiffnet dabei abwechselnd das lhglich viereckige Loch des Rahmens, an
dessen einem Ende 6 sie festgeklemlnt ist. Die Hukere
Luft kann daher nur periodisch und stofsweise in den
iuneren Raum der Rohre eindringen, und von der Geschwindigkeit der hufeinanderfolge dieser StiiEse der eindringenden Luft hangt die Iliihz des hervorgebrachten l'ones ab. (Wie die schwingeude Metallplatte dem eindringenden Luftstrome den Weg periodisch iiffnet und verschliefst, sieht man, wenn inan das Ende B oder
iii
den Mund niaimt, und die Luft nicht aus der Luuge heraiisbl&st, sondern sie schnell einzieht.)
Gebe ich der Luftsaulc eine solche Lange, d a t der
T o n iles ganzeii Instruments mehr von der transvcrsalschwingenden Metallylatte als von der longitlidiiialschwiiigenden Luftslule abhangt , urid blase ich eininal schwach
uud einlnal stark, so ist der letztere Ton etwas tiefer
nls der erstere. Wenn ich z. B. die Riihrc dicscr messingeuen, 38 Pariser Linien langen Zungenpfeife nicht
verlsngere, so ist deutlich wahmehmbar, dafs der Ton
beim schwachen Blasen etwas hiiher als bcim starl.cn
Blasen ist.
Gebe ich dagegen der Luftsaule eine solche LYnge,
d a b der Ton des gauzen Instruments mehr von der Iongitudinalschwingenden Luftsaule abhangt, uud blase ich
eimnal schwach und eininal stark, so ist der letztere Ton
etwas hiiher als der erstere. Gebe ich Z. lu. durch Ansetzen von Riihren an die vorliegende Zungenpfeife der
Luftsaule eine Lange von 150 Par. Linien, so ist Jeutlich wahrnehmbar, dafs dcr T o u beim schwachen Blase11
etmas tiefer als beim starlien Blasen ist.
Es giebt aber eine bestimnite inittlere LSnge der Luftssule, bei der die Longitudina1sckwin;ungen derselbcn den
Ton dcs ganzen h t r u e n t s bei bclicbiger Vershrliung
c
407
des Luftstroms um eben so vie1 erhbhen, als die Transversalschwingungen der Metallplatte ihn vertiefen. Mache
ich z. B. die Luftshle des vorliegenden Instruinentes
durch Ansetzen einer Holzriihre 102 Pariser Linien king,
so kann ich den Ton beliebig anwachsen oder anschwellen, und auch beliebig abnchlnen lassen, je nachdem ich
heftiger oder sanfter blase, ohne dafs Sie die geringste
Aenderung der Tonhiihe wahrzunehmen im Stande sind.
Dieses vorliegende Instrument war es, mit welchem
ich alle meine Rersuche zur Begriindung einer Compensation der Orge!pfeifen gemacht habe. Ich bin durch
diese Versuche zu dem vorgesetzten Ziele wirklich gelangt, fur jeden gegebenen Ton im Voraus die Dicke und
Lange der Metallplatte, bei einem bestimrnten Metalle,
z. B. bei Messing, und die Lange dcr Rohre, wie auch die
ubrigen Dimensionen der beiden gemeinschaftlich schwingenden Kiirper, anzugeben, so dafs, wenn ein Instrument
nach diesen Vorschriften von einem geschickten Mechanikus genau gefertigt wird , das Instrument nicht a k i n
einen bestimmten Ton unserer Scale geben, sondern zu
gleicher Zeit compensirt seyn wird. Zurn Beweisc lege
ich in der folgenden Tabelle einige Beispiele solcher
cornpensirten Orgelpfeifen vor.
408
F iin f 13 e i s p i e l e coin p e n s i r t e r 0rge 1p f e i fen.
Die Metallplatten sind s%mmtlichvon gewalztem Mcssingblech, 14 Par. Lin. lang- und 3 Par. Lin. breit, die
Riihren sind slmlntlich 34 Par. Lin. weit.
456.15
483,27
51?,00
I
0,2059
0,2192
0,2333
Werden die in diescr Tabelle sich cntspreclienden
Messin$atten
und Lufisarilen mit einandcr zu Zuiigciipfeifcn verbunden, so erhzlt man compensirte Orgelpfcifen, welche geuau folgende l'iine geben:
as, a, b, h, C,
Die Versuche und Gesetzc, aus wclchen die in dicser Tabelle zusammciigcstelltcn Resultate berecliuct siiid,
linbe ich in der pliysilialisclien Section dcr in Berlin zu
Michaelis 1828 versnrnmcltcn deutschen Katurforscher, am
21. September, arisfuhrlich vorgctragen , und ich werdc
diese Versuche uiid ('Jesetze in cinein folgenden Heftc
dicser Aunaleii glciclifalls mittheilen. Einigen dieser Versuche hoffc icli in liurzer Zcit einen ctwas hiihcren Grad
der Vollkommenheit zu geben , iiidcin die Frcigebigkeit
des Kiinigl. Rliiiisteriuins, dem die Sorge fiir das W-0111
der wissenschaftlichen histalten aiivertrarit ist, die hnschaffling .derjenigen Instriunentc bewilligt hat, durch die nieinc
Vcrsuche die Gciiariigkcit crlialtcii kiinncn, wclchc man
bei deui jctzigcn Zustaudc dcr WissenscliafI zu verlarigeii
bcrcchtigt ist.
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