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Conrad Laar (1853Ч1929).

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1117
Zeitschrift fur angewandte Chernic
42. Jahrgang, 5.1111-1138
I
Inhaltsveraeichnis: Siehe Anaeigenteil S. 11
I
7. Dezember 1929, Nr. 49
Conrad Laar (1853-1929).
Von Prof. Dr.
PFEIFFER,
Bonn.
(Eingeg. 1. November 1929.)
Am 11. Februar d. J. starb nach langer Krankheit,
tiefbetrauert von seinen Kollegen, Dr. Conrad L a a r ,
Professor a n der Universitat Bonn.
Conrad L a a r wunde am 22. M a n 1853 in Hamburg
als Sohn eines Kaufmanw geboren. Nachdem er im
Jalhre 1872 idas Zeugnis der Reife am Gymnasium seiner
Vaterstaidt erhalten hiatte, studierte er am Polytechnikum
in Hannover Chemie. Er setzte 'dann sein Studium an
der Universitat Leipnig fort und promovierte dort 1879
mit einer Arbeit iiber ,,Sulfanilsaure".
Der groije Ruf, den damals August K e k u 1 6 in d e r
wissenschaftlichen Welt hatte, verianljafite den jungen
Chemiker, zur w d e r e n Ausbildung nach Bonn zu gehen.
Wahrend ider Jahre 1880 bis 1882 bekleidete er eine
Assistentenstelle bei K e k u 1 6 , im nachsten Jahre eine
solohe bei dem Physiologen P f 1ii g 0 r. Er kehrte dann
nach Hannover nuruck, habilitierte sich dort im Wintersemester 1883/84, gab aber aus Gesundheitsrucksichten
seine Dmentur bald wiedsr auf und kam von neuem nach
Bonn. Hlier entstanden dann seine grundlegenden
Arbeiten iiber Tautomerieerschleinungen.
In seine zweite hannowrische Zeit fallt seine Verheiratung mit Fraulein Huberta Gynz von Rokowska.
Von 1895-1699 war Conraid L a a r unter C. B i n z
chemiwher Assistent lam pharmakologischen Institut,
1902 habilitierte er sich in Bonn fur Idas Fach Chemie,
,,besondew in Anwenldung auf Photographie", 1910 erhielt er den Titel Professor, 1923 einen Lehrauftrag fur
P hot ocheim i 8.
Conrad L a a r war ein bemh&dener, sympathisoher
Mensch, dessen Lebensschifi sich seit seiner Bonner
Habilitation in ruhigen Bahnen bewegte, ein Gelehrter,
der seinerzeit maagebend in die theoretilsche Eutwicklung lder Chemie eingegriffen hat. Es handelt sich hier
um folgenldes:
I n de n Jahren 1857 und 1858 batte August
K 0 k u 115 seine beriihmte Valendehre aufgestellt, die
bis zum hmtigen Tage die unentbehrliohe theoretische
Grundlage der o r g a n i d e n Chemie ist. Mit ihrer Hilfe
liefien sioh nicht nur {die fast unzahligen organischen
Verbieduagen in ein groijes, wohlgeordnetas System
bringen, vor allem konnto man ounmohr fast siimtliohe
Isomerieerscheinungen auf die einfachste Weise erklaren.
Zwei Sohwierigkeiten stellten sich aber bald heraus.
Einerseits fand man boi einer Reihe von Verbindungen
mehr Ieomere, als die Theorie vorlaussehen lieD, andererseits lernte man Verbindungen kennen, denen man rnit
gleicher Ber eoht igung mehrer e Formeln zuert eilen
konnte. Im ersteron Falle hatte man zu wenige Valenzformeln zur V e r f w , im letzteren Fallo zu viele.
Die Behebung der orsteren Sahwiorigkeit verdanken
wir v a n ' t H o f f und 1e B e 1, den. Begrunidern der
Angew. Chemie 1829. Nr. 49.
S t 0 r e o c h 0 m i e (1874). Sie fiihrten raumchemische
Betraohtungen in die Chemie ein und srganzten so aufs
glucklichste die K e k u 1I5 sohe Valemlehre, die sich nur
mit Iden gegensaitigen Bindungen der Atome befafit, nicht
aber rnit ihren raumlichen Lagerungen. Die Stereochemie ist heute ein wichtiger Zweig tdor w~ssenschaftliohen Chemie.
Die LaSung des zweiten Problems angebahnt zu
haben, ist das grofie Veridienst von Conrad L a a r (1886
mid 1886). Sied fur eine Verbinfdung zwoi Strukturformeln gleiohberechbgt, so unterscheiden sioh diem
nach L a a r im allgemeinen nur ldurch (dlie Stollung eines
leicht beweglichen Wasserstoff atoms, wie etwa die
Formeln HCN und CNH fur Blausaurle zeigen. Diesein
Wasserstoffatom kommt m c h ihm keine bestimmte Lagc
im Molekul zu, es tritt vielmehr abwechselnd in die
Bin'dungsspharen zweier verschieldener Atome ein, indem es awisohen idiesen hin- und herpendolt. Wir haben
m hier also rnit einer i n t r a m o l e k u l a r e n B e w e g u n g zu tun, durch welohe die beider gleichbentxhtigten Formeln in engste gegenseitige Beziehung
kommen, die von L a a r als , , T a u t o m e r ie" bezeichnet wird.
Die Tautomerieerscheinmgen sintd seitdem nach
'den vlerschiedensten Riohtungen hin eingehend untersucht wonden. Wenn sich dabei auch herausgestellt hat,
daD die theoretischen Ldeen L a a r s i n manohen
Punkten moldifiziert werden mussen, so ist doch der Begriff ,,Tautomerie" grunidlegend fur die theoretische
organissche Chemie geblieben; er spielt auch heuts nooh
eine groije Rolle.
Wir Chemiker miissen L a a r dankbar sein, ,daB e r
durah seine theoretischen Betrachtungen und seine Begriffsbildung wcsentlioh zum Fortschritt der organisohen
C h m i e beigetragen hat.
L a a r wollte Maler werden, bevor er Chemiker
wurde. Seine kunstlerische Veranlagung kommt in einer
Arbeit (Ber. Dtsch. chem. Ges. 34, 3521 [1901]) Bum Ausdruck, in welcher er die Ersoheinung der Tautomerie
mit dem zweiteiligen Blatt Ides japanischen Baumes
Gingko bilaba vergleicht unid dabei die Goetheschen
Verse zitiert:
1st es e i n lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind 0s zwei, die sich erlesen,
Daij man sie .als eines kennt?
Mit einiger Phantasie findet man in diesen Versen
eine besonders anschauliche Darstellung des Tautomeriebegriff es.
Literatur:
Ber. Dtsch. chem. Ges. 18, 648 [1885].
2) Ebenda 19, 730 [1886].
*) Ebenda 34, 3516 [1901].
1)
[A. 178.1
49
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