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Das Bleisuperoxid mit dem Ozon verglichen.

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162
11, Das B leisuperoxid mit clrm Ozon wrglichcn ;
von C. F. S c h o e n l e i n .
1in iiachstehenden
Aufsntze siutl einige Ergcbnisse inilgetheilt, zu wclclieii inicli vcrgleiclieiide, wit Bleisuperoxytl
w i d Ozoii angestellte Versuclie gefiilirt haben. Schon friiher ist von mir gezcigt wordeu, dnfs beide Substanzeii deii
gleicheii rlektroiiiotorischeii Charakler haben , das Joclkaliuin uiiter Jodausscheiduug zerlcgeii, das gelbe Blutlaugeiisnlz i n das ruthe Cyniisnlz libcrfiihrcn, die Guajaktiiiktur
blauen uiid dafs das Ozou niit Untersalpetersaure uud schweflichter Saure in Salpeterslure iiiid Schwefelsaurchydrat sicli
iiinsetzt, wie das Bleisuyeroxyd iiiit den beideu erstgenaiinten Saiireii zu Blciiiitrnt uud Bleisulfnt zusaininciitritt. Vl’citere zwischen 02011 und Blcisuperoxyd sicli zeigeude Aelin1i chkei t en si ii d folgend e :
I, L)as Ozon zcrstilrt bekanntlicii die organischeii Farbstoffe init chloriilinlichcr Eiiergie. Das Bleisupcroryd entb l h t die 11idigoll)sung augenblicklich, bleicht aber auch die
iii Wasser oder Wcingcist gelilstcn PBanzeopigmeotc. So
z. 13. vcrliert eiii wzssriger frischer Auszog des Cainpcclicbolzes, weoii auch iiur kurze Zcit init besagtein Superoxyd
in der Ktilte gescliiiitelt , seine Farbe eben so voltstandig,
als durch Chlor oder Ozon. Merklich langsainer crfolgt
die Entfarbuiig der Lakmustiuktiir. Es ist mehrstiiiidiges
Schiitteln erfordcrlich, iiin Wasser, durch die erwiibiite Tiukttir nierklich stark blau gefiirbt, gaiiz filrblos zu erhaltca,
wshrend jedocli das gleicbe Wnsser bei der Siedhitze schoii
i n wenigeo Miuuten v6Ilig eiitbllut erscheint. Leiclit wird
auch durch Bleisiiperoxyd der durch Alkannawiirzel geriithete Weiiigeiat in der Kllte enthrbt.
Aus dein voii deii gehleichteii Fliissigkeitcn abfiltrirteii
und init Wasser wohl ausgewaschencn Riickstaiide niiniiit
verdiinnte, von aller Uiitersalpetcrslore ganzlich freie Satpctcrsliire nierklichc Mcrigc.11 Rlcioxpdcs nuf, welchc The!-
163
sache zeigt , d a t die erwlhuten Entbrbuugen durch eineu
Theil des im Bleisuperoxyd enlhaltenen Sauerstoffes bewerkstelligt werdeu.
2. Das Ozon, lhnlich dem gewfihnlichen Wasserstoffsuperoxyd oder dem Manganwasserstoffsuperoxyd (Uebermanganshre) wird durch. Kohle selbst in dcr Kiilte rasch
zerstart. Aus einem Gemeoge von vollkoinnieu reiiiem Bleib
superoxyd und feiu gepulverter Holzkohle oder Coaks
nimmt reiuc, sehr stark, z. B. zelinfach mit Wasser verdunnte, Salpetrrslure beim Schfittcln in d c r Kalte rasch
Bleioxyd auf, und bei Anwesenheit einer gehfirigen Meuge
von' Kohle iiud Srurc gelangt man durch liingeres Schuttcln dahin, alles vorhandene Supcroxyd in Bleinitrat zu
verwaudelu.
3. Das Ozon oxydirt schou in der Kaltc die meisten
Metalle, uiid iu iihnlicher Weise ivirkt aiich dns Bleisuperosyd auf diese K6rper ein. Wird letzteres mit verhgltuifsmakig viel Zinnfeile iind Wasser etwa 24 Stunden latlg
anhaltend geschlittelt, so verwaudelt sicli ein Theil des Metalles iu Zinnseure uiid alles Bleisiiperoxyd in Bleiosyd,
beide Substaiizcu zu dem sogenaunteu ziuusaureu Bleioxyd
sich vereinigend.
Fein zertheiltes, auf Volta'schcm Wege bereitetcs Blei,
in iiberwiegender Menge lnit Blcisiiperoxyd uud Wasser
laogere Zeit zusalaineugeschlittelt, fiibrt uiiter eigc~ierOxydatiou das Siiperoxyd aiif das Oxyd zuruck, indem das iu
gedoppelter Weise eiitstaudcne Bleioxyd init M'asser zu
eineui Hydrat sich vereiuigt, welches, in Wnsscr verbreitet,
Seideiiglaiiz zeigt, und soiiiit krystallinisch ist. Aucb das
fein zertlieilte iiietnllische Arsen eulzieht, bei Aiiwesenheit
von Wasser, deiu Hleisuperoxyd die Halfte seines Sauerstoffes, hierdurch in Arsensaure sich vertvandclud, trekhe
init den) gleichzeitig entstandenen Bleioxyd ein basisches
Arseniat bildet. Es fiiidet jedoch diese Reaction noch viel
lnngsamer aIs die vorhin bescliriebene statl; denn es ist tagelnnges ununterbrochenes Schiitteln erforderlich, um bei
11
*
I64
eiiiem solchcii Versuch allcs vorhandeue Bleisuperoxyd in
Oxyd zu verwandelo.
Gelegeiitlich will ich beinerkcu, dafs die frisch bereitete Guajaktiiiktrir das bequemste Mittel ist, sich vou der
gauzlicheu Zersetzring des bei den erwBhiiten Versuchen
angcwcndetcn Superoxydes zu iiberzcugen. Zu diesem Behufc libergicfst inan einen kleiueu Theil des zu uutersuchendeii Gemengcs mit besagter.Tinktur: nimmt diese einc
blaue Farbuug an,-so tiudet sich uoch Superoxyd vor, tvenn
niclbt, so ist letzteres giinzlich verschwunden.
Aufser deru Ziiiii, Blci und Arsen habe ich noch keiiie
auderen Metalle gepriift ; icli zweifle abcr nicht, dafs aucli
Ziuk, Kadlnium u. s. w. durch Bleisuperoxjd, bei gewdhnlicher Teiuperatur und Anrveseiilieit von W-asser, sich oxydiren lassen.
Fugt inan bei derartigeu Versuchcn dem Wasser eine
Substanz bei, welche cutwcder das Bleioxyd oder das Oxyd
des mit dein Superoxyd behandelten metallischen KOrpers,
oder bcide Oxyde zu 1l)seu vcrmag, SO wird hierdurch die
Oxydatiou des Metalls weseutlich beschleunigt. Ein Gelneug von Bleisuperoxyd uud fein zertheiltem Kupfer giebt
schon in ‘der Kalte Illeioxyd au Kalil6suug und Kupferoxyd
an wassrigcs Aminouiak ab, welche Reactionen durch die
Warme bedeutend gcfilrdert werden.
Zink, Kadinium, Eisen, Kupfer, Silber u. s. w. und Bleisuperoxyd mit noch so verdtiunter reiuer Salpeterslure geschlittelt, liefcrn schou in der Kalte rasch die Nitrate dieser Metalle uebst Bleisalpcter.
4. Das Ozon wird schuell durch die iu Wasser gelbste
arscnige Saurc zerstdrt, uuter Urnwandlung der letzterii
Verbinduug in Arsensiiure. Iu gleicher Weise verhtilt sich
auch das Bleisuperoxgd. I3eim Schtitteln einer wassrigen
Liisuiig der arsenigeu Slure mit dem Superoxyd entfarbt sich dieses schon in der K d t e zieinlich rasch, und
elitstelit ein graulich wcifses, ails iiiikroskopisch kleinen
Prisinen besteheudes, i n Wasser unldsliches, iu verdiiunter
Salzsiiure oder Salpeterstirirc sich liisendes Bleiarseniat, wcl-
165
ches wabrscheinlich halbarseiisaiires Rleioxyd ist , gebildet
gemefs der Gleichung 2 P b O '
AsO' =2 P b 0 + A s O 5 .
Das im Wasserbad getrocknete Salz oerliert bei starkerer
Erhitzung gegen 4 Proc. Wasser, wodurch es weifser wird,
ohnc seiue krystallinische Reschaffenheit einzubufsen.
5. Ozon erzeugt mit Mangansuperoxydhydrat und verdiinnter Salpztersiiure, Scliwefelsaurc u. s. w. die sogenannte
Uebermangansiiure. Ein Gemeng der Superoxyde des Bleies
und Mangans init verdiinnter Salpetersaure bis zum Sieden
erhitzt liefert eine prachtvoll roth geflrbte FIUssigkeit, welcbe aufser der Uebermanganslure uoch Bleinitrat enth81t.
Rei Anwendung verdhnter Schwefelslure wird Uebermangansliure und Bleisulfat erbalten.
FUr micb ist die wiissrige Uebermauganslure = 2 Mi1 O2
3 H O', das Salpetersiiurehydrat = N 0
'
H O', das
HO', das Bleinitrat = N
Scbwefelsiiurebydrat = SO'
0'
PbO1, das Bleisulfat = SOz P b 0 ' ; ich nebure
daher an, dafs bei den letzt erwlhnteii Reactionen 2 Mn
O ' t 3 P b O ' mit 3 (EO*+HO') oder 3 (SO'+HO*)
sich in 2 M i 1 0 + 3 H O ! nnd in 3 (N0
' P b O 2 ) odcr
3 (SOz+ P b O z ) umsetzen, und somit weder eine Desorydatiou des Bleisuperoxydes noch einc Oxydation des
Mangansuperoxydes statt fiude. Die herrschcnde Theorie
mufs naturlich das Mangausuperoxyd Sauerstoff aus dem
Bleisiiperoxyd aufnehmeu uiid das hierdurch entstaiidene
Bleioxyd init Salpeterslure sicb verbindeu lassen.
6. Eine schbne Analogie zwischen Ozon und Bleisuperoxyd zeigt sicb in der Wirkiing beider Snbstaiizeii auf
die Manganoxydulsalze. Bekanntlicli komint uach ineinen
Erfahrungen beim Zusammentreffen des Ozoiis sowobl wit
dem festen salzsauren , salpetersauren uud schwefelsauren
Manganoxydul als mit den wYsarigen Lbsungen dieser Salze
Mangansuperoxyd zum Vorschciu, indem die Slureu derselben frei werden.
Hat man Bleisuperoxyd init einer kalteii Ll)sung des
fi1aiip-muriate.s oder Nitrates auch nur wenige Augenblickc
zusn~iucugescbullell, so wird schou eiue Vcrdunkeluug der
+
+
+
+
+
+
+
166
Farbe des Superoxydes bemerklich seyu, uud iu der abfiltrirteu Fliissigkei t zicmlich viel salzsaures oder salpetersaures Bleioxgd augetroffeu werdeu. Weudet man hierbei das
Superoxyd im VerhBltnils zum Mangalisah iii Uberwiegender Meoge an, so fjudet sich nach kiineln SchUtteln vou
1,etzterern auch uicht die geriugste Spur mehr i n der Fliissigkeit vor, soiidern nur Chlorblci oder Bleinitrat. Versteht sicli, dals bei der Siedhitze diese Reacliou raschcr
als bei gew6linliclier Tcinperatur statt findct.
Versetzt inau Bleisupcroxyd init so viel Maugauitratodcr Maiignuchlor[irldsiin%, dals selbst uach mehrsttindigem
Kochen beider Siibstauzen initeinander in der Liisung ueben dein gebildeteu Bleiiiitrat oder Chlorblei immer noch
uuzersetztcs Manga~ioxydulsalzsich vorfiudet, SO wird eiii
schwarzbraunes Piilver erhalten, wclches nach sorgfiiltigem
Auswaschcu init kocheiideni Wasser in verdiiuuter uud erhitzter Salzsliire gelast uuter reicblicher Chloreutbiudiiug
Chlormangau und Chlorblei liefert. Dieser braauschwarzeu Materic konu durch wiederholtcs Erhilzeu init Maii~;auuitmt-oder R.laogancliloriirliisuug uoch weiteres Bleisuperoxyd enlzogcii werden ; bei dfterem Wiederholeu eiuer
solchen Behandluug gelangt . man jedoch dahio, dafs erwlhnte SalzlIlsuug, weun auch uoch so lauge in der Siedliitze wit bcsagtein Piilver digerirt, BUS letztercm keine Spur
von Blei inehr aufuimmt. Die so beschaffene Substanz ausgewaschen und getrocliuet . erscheiut vollkommen schwan,
l6st sich in verdiiunter uud erwiirlntcr Salzsiiure leicht aaf,
unter reichlicher Chloreutwickelung iiud Bilduug vou Chlormaugau und Chlorblei, uud verhalt sich soinit als eiue cheinische Verbiridring der Superoxyde dcs Maugaus uud des
Bleies. Nacli welchem Verhlltuifs die beiden Superonyde
in uuserin schwarzeii Pulver cheinisch verbuudeu sind, habe
ich uoch niclit ertnittelt ; vielleicht ist die Verbioduiig =
MnO'
P b O ' oder das, was die heutige Theorie als
mangausaures Bleioxyd anseheu und iuit der Formel Pb 0
+ M n 0 3 bczeicliueu wiirde. Mir scheinen einige GrUucJe
fur dic Veriiiritliuug vorhandm zu seyn, dafs es mehrere
+
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Verbiudungcli der gcnaunten Superoxyde gcbe, uatitcntliclt
aucb die vou 2 M o o ? +3 PbO', welche dem 2 M n O : +
3 MO? (Uebermaugans2urc) entsprechen wiirdc.
W i e dem aber auch seyn mag, sicher ist, dafs clas Hleisuperoxyd , wie das Ozon , init Mangnuoxydulsnlzl~suagen
zusammengebracbt , schou in der Kzlte Maugaiisupcroxyd
zwn Vorschein briiigt, uud somit in dieser Beziehung eine
vollkommene Apalogie zwischeu Ozoii und Rleisuperoxyd
besteht. Dars bei dem bcschriebcueii Vcrsuche nicht, wic
diefs beim Ozon der Fall ist , blokes Maugausuperoxyd,
sonderu eiue Verbindung desselbeu iiiit Bleisiiperoxyd erlialten wird, tbut der geltciid gcinacliteu Aualogie kcineii
Eiutrag. Diese Abweichung crkliirt sich einfach nus der
Verwaudtschaft beider Superoxyde zii cinauder, welche Substanzeu unter den obwaltclrdeii Umstiindcu ciiie gUnstige
Gclegenheit zur cheiniscben Vereinigung findeu, iu dem Augenblicke niimlich, wo das uascireudc Maugausuperoxyd wit
vorliaiideiiem freiein Bleisupcroxyd iii BerUhrung komuit.
1)as letzterc, ciumal init Maiignusiiperosyd clieinisch vergcscllschaftet, besitzt iiiclit inehr, wie das freie Bleisuperoxyd,
das Vermagen , auf Maiigaiioxydulsalzlisuugeu zcrsetzeud
eiuzuwirkcn , weslialb auch diesc das gebundeue Bleisuperoxyd nicbt mehr aus uuscretn Doppclsuperoxyd zu eutferueu vemagen.
Knum werde icli zu sagcn brauclieu, dafs Bleisuperoxyd,
tnit MangausnlfatlOsung bebandelt, Rleisulfat uud Maugaubleisuperoxyd Iiefert.
Mangannitrat fiir N 0 4 + M u O * , Maugaiisulfat fiir SOQ
+M n O ? lrnlteiid, itehine icb an, dafs in deli vorliin beschricbcuen Rcactioiieii P b O ? ganz eiuZach an die Stelle
Voii M o o ' tritt, und also aiich hierbci weder .eiue Desoxydntion des Bleisuperoxyds, noch ciiie Oxydatiou des
Mangauoxyduls zii Superoxyd, souderii cine Uuisclzung
der iiabcrn Rcrrtaodtlieile der init eiuandcr iu Heaction gesetztcii Verbiudungeu stattfindet. I h s Manganchlordr, welches icli gemefs der alterii Theorie als muriumsaurcs Mangaiioxpdul bctrachtc , lnssc icli nllcrdiugs durcli Bleisuper-
i 68
oxyd so zersetzt werden, dafs die Saure des Salzes mil
Bleioxyd und das zweite -Sauerstoff-Atom des Bleisuperoxydes mit Manganoxydul zusammeotritt.
7. Ozon mit den Lbsuogen der Eisen- oder Zinnoxydulsalze geschiittelt, wird augeiiblicklich zerstbrt unter Umwandluug der Oxydule iu Oxyde. Ebeuso das Bleisuyeroxyd. Lllsuugen des salzsauren, aalpetersauren und schwefelsaureu Eisciioxydules zerstbren schou in der Kalte das
Bleisuperoxyd sehr rasch uuter Bildung vou Blei- und basischen Eisenoxydsalzeo. Aehuliche Reactioueu bringeu die
gelbsteii Zinuoxydulsalze mit d e n besagteu Superoxyd
hervor.
8. Der weike, durch Verlnisclien luftfreier Liisuugeu
des Kaliumeise~icya~iiires
und schwefelsaureii Eisenoxyduls
erhaltene, Niederschlag zerstbrt das Ozou augenblicklich,
indem er sich blaut. Bleisuperoxyd wird durch deu gleichen Niederschlag sofort zu Oxyd reducirt, ebeiifalls uu:
ter Blauung besagter Cyanverbindung.
Aus voranstehendeu Aiigaben erhellt, dafs Ozon uud
Bleisuperoxyd in ihrer Volta’schen und chemischen Wirkuugsweise sich so ahulich sind, als diefs iiur itniner zwei
verschiedeue Substanzen seyn kthnen, und sicherlich wiirde
dieso Aehnliclikeit noch schlagender ausfalleu , wenn anstatt fest, das Blcisuperoxyd fliissig oder gasfbrinig wiire:
es wiirde dann ebeii so rasch wie das Ozon die Farbstoffe
zerstiiren, Metalle oxydireu u. s. w. In beiden Substanzeu ist es in der That auch die gleiche Ursache,. welche
die besagteu Volta’schen und chcmischeu Wirkuugen hervorbringt, nlinlich der iin Bleisuperoxyd uiid Ozon euthaltene oxylisirte oder chemisch erregte Sauerstoff.
Indem aber das Ozoo durclr Volta’sches iiiid chewisches
Verhalten so eug on das Chlor, Brom und Jod sich anschliefst, wird auch das Bleisuperoxyd diesen fiir einfach
und somit als sauerstofflos geltendeu Kbrpern nahe geriickt. Uud wirklich sind die Umstande, unter welchen
das Bleisuperoxyd Volta’sch und chemisch thgtig wird, sehr
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ahulich denen, unter welcheu das Cblor u. s. w. die gleichen Wirkuugen hervorbriugt.
W i e oben angegeben, ist die Anwesenheit von W a s ser erforderlicb , dainit daa Bleisuperoxyd bci gewbhnlicher
Temperatur die rnit ihm in Berlihrung gesctzten SubstanZen: Farbstoffe, Metalle u. s. w. bleiche oder oxydire.
Das anwescude Wasser begtinstiget diese Oxydationen oder
erhCht das owgdirende Vermbgen des Bleisuperoxyds offenbar durch sein Bestreben mit P b O zu einem Hydrate
sicb zu verbinden und das zweite Sauerstoffatom des Suyeroxydes abzutreiinen. Kommt diese Substanz 2. B. mit
Blei uod Wasser in Beriihrung, so tritt letzteres mit PbO
zu Bleioxydhydrat zusammen und vereiuigt sich das zweite
Sauerstoffatoin des Bleisuperoxydes mit einem Atoin metallischeii Bleies zu Bleioxpd, welches im Augenblick iieiuer Rilduug ebeufalls init Wasser zu Hpdrat sich verbiudet.
W i r d die wsfsrige Lbsung eiucs orgauischen Farbstoffes statt eines oxydirbareru Metalles mit Bleisuyeroxyd in
Berulrruiig gebracht, so eiitsteht ebenfalls Bleioxydhydrat,
wahrend die Hzlfte des im Superoxyd elithaltenen Sauerstolfes auf die oxydirbareii Restandtheile des Pigmeutes sich
mirft wid hiedurch dieses zerstbrt. W l r e das Bleisuperoryd bis jetzt noch nicht zerlegt und wie das Chlor fur
eineu einfacheri Ktrrper geballen wordeu, so wtirdc man
im Einklauge mit der lieutigen Chlorllieorie die unter dem
Einflusse des Wassers voii dein Superoxpd hervorgebrachtell Oxydatiouswirkungeii dexn Sauerstoff dieses Wassers
zusclweiben uud aunehmen , dafs desseii Wasserstoff rnit
dem vermeiutlicheii Eleineiit sich vereinige und diejcnigc
Verbindung bilde , von der wir init Bestiinintheit wissen,
d a t sie Bleioxydhydrat ist. Aber ebeii die geuaue Kenuti i i t , welchc wir voa der cheinischen Natur besagter Verbiudung uiis erworbeii habeu, macht es auch fur uiis gewifs, dars der Sauerslolf d c s Wassers uichts rnit der erw%hnten Oxydation zu lhan hat und dieselbe einzig und
alleiti durch deli Sauerstoff des Superoxydcs unter d e n
,
170
Eiiiflufs der prtidisponireudcu Vcrwaudtscbaft des Wassers
zum Rleioxyd bewerkstelligt wird.
Jeder Clieiniker weirs, dafs alle vorn Cblor hervorgcbrachten Oxydationswirkungeu ebcn so geutigend durch die
Bertliollet’scbe als die Davy’sche Hypothese erkl8rt werden k h n e n ; es ist Tbatsache, dafs Cblor, Ozon und Bleisuperoxyd Rcihen Volta’scher und cheniischer Wirkungcii
vernnlassen, die sich einander vollkomlneii gleiclicii ; aucb
ist wohl bekanut, dafs Wasser, Kali, Natron u. s. IV. dic
imigsten Sauerstoffvcrbinduugeii dcr ganzen Cheniie siud,
welclie aber die herrscliende Theorie jedeu Augenblick zersetzt wcrdcn lassen inufs, uiu die oxydircndcn Wirkungen
des Chlors, als auf einc sekundiire Weise hervorgebracht,
erklSren zii kbnnen; endlich kann es nichts Uuiihnlichercs
geben a16 die Reilien der Verbinduugen, rvelche das Clilor
iind der Saucrstoff wit den gleichen Metallen bildeu, d i rend dagegen eiiic schlagende Aehnlichkeit besteht zwischcn
deli sogenaiinten Chlormctallen und den iliuen eutsprccheaden SauerstoCfsalzea. M’ie vcrscliicdeii z. 13. das Eisenoxydul voni Eisenchloriir , wie iihnlich das letztere dem
scliwefelsauren Eisenoxydul! Man hat freilich versucht, die
durch die Chlortheorie gewaltsain auseiiiandcr gcrissenen
Haloid- und Saucrstoffsalzc dadurch wieder zu verkuiipfen, dafs mail ein Heer vou Vcrbindiingen ersann, welchc
Cblor, horn und Jod tihulicli, d. 11. Salzbildner seyn sollten, wie z. B. das Oxysulphion, Oxyuitrion u. s. w.; nocli
ist es aber bis jetzt Nicmaiidern gelungen, auch iiur eiuen
einzigen dicser ersouneiieii K6rpcr danustelleii, was sciiicti
Gruud wolil einfach darin liaben diirfte, dals dicsclbeo, a h licli den sogenaiiutrn organisclien Radicaleu: Actliyl, Acetyl u. s. w., iiur in den Kapfeii dcr Cheiuikcr nicht aber
i a der Wirklichkeit bestehen.
Da dic hcutigc Chlorthcoric, wie ihre unmittelbarc Vorgingerin, nur auf Aualogien sicb stlitzt, so fragt es sicli,
auf welclier Seite dic grdkerc Suiuine uiid das gri)fserc Gervicht derselbeii licgc. Ich trage kcineii Augenblick Bedenken, sie auf Seitc der altcrn Ilypotliesc zu stcllen und
171
&be diese desbalb aucli der Davy’schen vor. Nach meinem Daflirbalten bat luau vie1 zu frtih die Berthollet’sche
Theorie verlassen uud den Meinuiigen dcs englischeil Chemikers ausscbliefslich gehuldiget, welche Voreiligkeit scbon
aus dem einfacheu Grunde zu beklagen ist, weil das 1Pngere Nebeneinauderbestelieu von Rivaltheorien auf wissenschaftlicbe Forscbungen in der Regel eiiien sehr woblthiitigeii Einflut austibt. Splche Rivaltheorieu veranlasseii
die vielseitigsten Uotersuchungen cines uud eben desselbeii
Gegenstaudes und fiihren zu den verschiedeuartigstei Experiinentationsweisen, dadurcli aber nicbt selten zur Ermittelung neuer und wichtiger Thatsacbeu, wahrend bei der
ausscbliefslicbe~iHerrschaft Einer Theorie Gedabken und
Versucbe iminer in dem von ihr vorgcscbriebenen Zauberlircis sich bewegcn. Bei diesem Anlasse will, ich iiur an
die schbnen Ergebiiisse erinncro, welche wir dem so lange
gefiibrten und iinlner iioch nicbt ganzlich beendigten. Streite
iiber die Natur des Liclites und den Ursprung der Vo1ta’schen Elektricittit verdanken. Der Cbemie, ich bin dessen
tiberzeiigt, liatte es grofseii Nutzeu gebraclit, wtire B er t h o l l e t ’ s Theoric ltinger als gesclieheii gegen die D a v y ’ sche vertbeidigt worden; die Wisseiischaft wiirde hierdurcli
sicberlicb uin viele Thatsachen reicher geworden uiid wahrscheinlich auch UUI mauclie nutzlose Hypothese lrlner geblieben seyu.
Es lag nber etwas Verflihrerisches in eiuer Lehre, welcbe
nuf einmal alles ganz anders, als bis dabin gesclieheii, zu
crklaren vermochte und Thatsachen, welchc als die unmittclbarsten Beweise fur die Sauerstofflialtigkeit des Chlores
so lange Zeit gegolteu batten, geradc zu Gunsteu der Einfachheit dieses Kbrpers geltend zu macben; es mufste der
veranderuugsliebeudeu Eiubildungskraft eine Thcorie zusngen, welche die der Zersetzung am starksten widerstrebenden Verbinduugen, wie das Wasser, Kali uud dergleicheii
n u f das Gescliwindeste und init der grbl‘sten Leichtigkeit
zcrsetzt und dercn Sauerstoff eiitweder frei werdeii odur
172
auf Substanzen sich werfen liefs , vie1 weniger oxgdirbar
als Kaliutn, Wasserstoff u. s. w.
Zwar flihlte die chemische W e l t anfiuglich geringe Lust,
init den Ideen D a v y ’ s sich zu befreunden; aber der Reiz
der Neuheit und der grofse Ruf des britischen Naturforscbers tiberwandeii diesa Abneigung. Vorerst wollte man
gleichsam nur versuchsweise in den neuen Vorstelluugskreis
eintreten, freute sich dann aber bald, dafs alles so vortrefflich uod wider Erwarten nach der modernen Lchre erkliirt werden konnte; inan drUckte die Augen gegen die
Vorzlige der B e r t b 01 I e t ’schen Ansicbt zu, und liefs sich
iiber den starken Widerspruch, in welcben die inehr geistreiche als wahrscheiuliche Hypothese des Kaliumentdeckers
mit den augenfiilligsten Aualogien gerieth, durcb die willklihrlichsten Annahmen tiber die chemische Natur der Saurcn und Salzc oder durch dic Einflihrung iieuer W o r t c
fur alte Dinge (Salzbildner, Halogenia u. s. w. ) leicbt beschwichtigen.
Der grsfste Chemiker des Jahrhuuderts, das gaiize Gewicht der Aualogien fablend, welche durcb die D a v y ’ schen Lehren so stark verletzt wurdeii, widerstand diesen langere Zeit und verweiidete idle die reicheii Hiilfsmittel seines Genies, um die alte bedrohte Theoric aufrecht zu erhalteii; aber auch er wurde endlich des Kampfcs
iuiidc und gab merkwiirdiger Weise die von ibm so lang
uiid so bartiitickig verlbeidigte Behauptung der Zusammengesetztheit des Chlors auf, weil ein wirklich zusammeugesetzter Ktirper entdeck t wurde, der einige Aehnlicbkeit init
der oxydirten Salzsiiure bat. Und so ist es gekou~neo,
dafs heutigen Tages die Saucrstofflosigkeit des Chlors fur
eine so sicber ermittelte Wabrbeit gilt, d a t der Chemiker,
welcher noch ein W o r t zu Gunsten der alteren Ansicht iin
Ernst zu sagen wagte, sicherlich eben so rnitleidig beltichelt wlirde als derjcnige, dein cs eiutiele, noch eine Laiize
fur das Phlogiston ciiilegeii zu wolleii.
Dieses Mitleidslaclrela wird nuch mir zu Theil werdeii,
WRS iiiicli abcr wciiig kiimrucrt riud keiucu Falls davoil ab-
173
halten wird, auch fernerhin der B e r t lr o 11e t ’schen Theorie das W o r t zu reden uud uuter ihrer Auleitung erperimentelle Vergleicbungen anzustellen zwischen den Vo1ta’scben und chemiscben Verbalten der sogenanuten Superoxyde nod einfacheii Salzbildner; denn eine vieljahrige Erfabrung bat lnich iiberzeugt, dafs fur pbysikalische uad
chemiscbe Forschuugeu dieser Bodeu bbcbst fruchtbar, obwohl viel weniger bearbeitet ist, als er es zu seyn verdiente.
Base1 im Bracbmonat 1849.
111.
.
nus
Quecksifber- Voitagorneter ;
oon M. H. Jacob;.
( Yiinlie Reilic , zweile Abtlieil. der galvaniscti. iiod elektruniagnet. Versuclrr
iles t h . Verf. A i i r dcru Bullet. clr Iu clrrssc phys. nruth. dcr Petcrsb.
h a d . T. VllI.)
5. 1.
Seitdein die bekanute 0 hm’sche Formel voii den bedeuteudern Physikern iiberall augenommeu worden, gehbrt
das Messen der Leituogswiderst~iidezu einer der wichtigsteu Operationen in der Galvauometrie, eiue Operation die
vou nicht minderem Einflusse auf die Genauigkeit der zu
enielendetr Resultate ist, als die Scharfe uud Gesetziiilifsigkeit der zum Messen der Stromstarkeu angewaudten
Methoden. Man weih, dafs iu letzterer Beziehung das
wlinscheuswerthestc und viel inehr erreicbt ist, als der Standputikt unseres Wissens von deu galvauischea Erscbeiuuugen , oder ihre Fliicbtigkeit uud Uubestiinmtheit zu beanspruchen hltte. Thatsncbe Zt es, dafs die Uebereinstimmung zwiscbeu deu Beobaclituugen uud ibreii nacli dem
Grundgesetze angestellten Berechnungen, mit der vermebrten Genauigkeit der Beobachtung und der Verminderung
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