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Das Emil Fischer-Denkmal auf dem Luisenplatz zu Berlin.

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653
Zeitschrift fur angewandte Chemx
I
34. Jahrgang S. 653-656
~~~
Aufsatzteil und Vereinsnachrichten
I
30. Dezember Y 921, Nr. 1 6
Das Emil Fischer-Denkmal auf dem Luisenplatz zu Berlin.
Am 25. November 1921 versammelte sich am Chemisehen
UnivereitHtslaboratorium in der Hessischen S t r d e eine grofh
Schar von Chemikern, Vertretern von Behorden und von
Freunden Emil Fischers, um an der Einweihung des von Prof.
K l i m s c h geechaffenen Denkmals und seiner flbergabe an
die Stadt Berlin teilzunehmen.
Die d e u t s c h e T e e r f a r b e n i n d u s t r i e hat dieses Denkmal geatiftet : .
Ein Wahrzeichen der Verehrung, die die Manner der
Praxis far den groBen Forscher hegen, der durch eein vor
filnfundvierzig Jahren zusammen mit 0t t o F i s c h e r geschaffenes
MeisterstUck die vielumworbene Frage der .Konstitution der
,Anilinfarben" geltist und damit dem ganzen Gebiet der Triphenylmethanfarbstoffe seine gegenwartige Gestalt gegeben hat.
Ein Wtihrzeichen zugleich filr die innige Gemeinschaft, die
die deutsche Industrie mit der deutschen Wiasenschaft verbindet. Denn, abgesehen von der eben erwahnten Jugendarbeit
iind einigen Frschtcn, die Emil F i s c h e r bei seinen Arbeiten
uber die Harnsauregruppe nebenher erntete, ist seine Lebensarbeit
der reinen wissenschaftlichen Forschung und Lehre gewidmet
gewesen. Aber gerade aus diesem Grunde ist E m i l F i s c h e r s
Wirken von den E'uhrern unserer Technik immer besonders
hoch eingeschatzt worden ; sind sie doch davon durchdrungen,
daD nur auf den1 Boden der Wissenschaft die Krafte zur Entwicklung kommen , die die deutsche Teerfarbenindustrie zur
Rltite gebracht haben.
Diesem Idealismus in Technik und Wissenschaft entsprachen die kurzen Ansprachen, die die Vertreter der Chemie
und der ihr befreundeten Kreise bei der
Feier am Denkmal
hielten. Dabei legten folgende Korporationen, Vereine und
Personen Kranze auf den Sockel des Denkmals:
Die lnteressengemeinschaft der Teerfarbenfabriken , vertreten
durch Hetrn Geh. Regierungsrat Justizrat Dr. H a e u s e r ;
der Arbeitgeberverband der chemischen Industrie Deutschlands,
vertreten durch Herrn Kommerxienrat Dr. F r a n k ;
der Yerein ziir Wahrung der lnteressen der chemischen Industrie
Deutschlands, vertreten durch Herrn Kommerzienrat Dr.
F r 3 ri I: k ;
der Verein deulscher Chemiker, vertrclen durch Herrn Dr.
F. Qui n c k e : ,Dem Gedlchtnis E in i 1 Fi s c h e r s , des genialen
Meisters in Erkenntnis und A u f h a u von Anilinfarben, Zucker
und EiweiDstoffen gewidmet vum Verein deutscher Chemiker';
die Deutsche Chernische Gesellschatt, vertreten durch Herrn Geh.
Reg..Rat Prof. Dr. R. P s c h o r r ;
die Bunsen-Gesellschaft, vertreten d!irvh Herrn Prof. Dr. H. G o ld Schmidt;
die Universitlt Berlin, vertreten durch den Rektor, Herrn Geheimrat Professor Dr. N e r n s t ;
das Deutsche Museum, vertreten durch Se. Exzellenz, Herrn
. Staatsrat Oskar v o n Miller;
die Kaiser Wilhelm. Gesellschaft zii Fiirderung der Wissenschaften, vertreten durch Se. Exzellenz v o n M o e l l e r ;
das Kaiser Wilhelrn-Institut ftir Chemie, vertreten durch
Herrn Professor Dr. S t o c k ;
die E m i l E'ischer-Gesellschaft zur Fiirderung der chemischen
Forschung, vertreten durch Herrn Geheimrat Dr. 0 p p e n heim;
die Adolf R a e y e r Gesellschaft Lur Forderung der chemischen
Literatur ;
Aogew. Chemie 1921.
Nr.
104.
der Verband der Laboratoriums-Vorstinde an deutschen Hochschulen, vertreten durch Herrn Qeheimrat Professor Dr. Willstatter;
die Akademie der Wissenschaften, vertreten durch Herrn Geheimrat Profeseor Dr. P la n c k ;
die Lehrer und Studenten des Chemischen Instituts der Universitat Berlin, vertreten durch Herrn Geheimrat Professor
Dr. G a b r i e l ;
die Beamten und Angeetellten des Chemischen Instituts der
Univereitat Berlin, vertreten durch Herrn haparator We t z el;
der Akademische Chemiker-Verein zu Berlin:
die Kriegs-Chemikalien-Qesellschaft i. L., vertreten durch Herrn
Geheimrat A u f s c h l a g e r ;
Professor Dr. N e r n s t und Frau;
Dr. Hermann F i s c h e r ;
Geheimrat ProfessorDr. C. D u i s b e r g : ,,Seinemliebenund teueren
Freunde Emil F i s c h e r zum treuen Angedenken."
Das Denkmal stellt Emil F i s c h e r dar im schlichten Kleid
des Forschers, sitzend, aber in lebhaftester Bewegung, ale nehme
er an einer wissenschaftlichen Diskussion lebendigsten Anteil und sei soeben im Begriff, in die Erorterupg einer schwierigen
Frage ei n zugrei f en.
Die Teilnehmer begaben sich sodann in das Chemische
Universitatslaboratorium zur
Feier im HZirsaal.
Auf dem Experimentiertisch stand, von Blattpflanzen eingerahmt,
die gleichfalls von Prof. Klimsch geschaffene Ruste Emil Fischers.
Zuerst nahm das Wort Prof. Dr. W. SchIenk, der Nachfolger Emil Fischers ale Professor der Chemie an der Universitat Berlin und Direktor des Laboratoriums zu folgender
Qedachtnisrede:
,,Unaete deutsche Nation hat durch lange Zeiten als die
Nation der Denker und Dichter, die Nation der Idealisten gegolten. Wenn die Charakterisierung eines Volkes durch ein
einziges Schlagwort naturlich irnmer ihre Schwachen hat, so
trifft aie in der Regel doch das Wesentliche, und so war es
fur uns ein Ruhmestitel, die Nation der Idealisten zu heil3en.
Blicken wir in der Gegenwart urn uns, so kann niemand an
der ehrlichen Erkenntnis vorubergehen, dal3 manches, vieles
anders geworden ist als ea war, und da6 die grol3e Gefahr
besteht, es k6nnte krasser Materialismue unseren guten deutschen
Idealismus allmahlich vollig tiberwuchern.
,,Um so freudiger werden wir es begruBen, dal3 wir heute
durch einen Festakt ein Unlernehmen ziim Abschlub bringen
durfen, welches atis reineni Idealismus geborcn ist: Die Denkmalssetzung fur E m i l F i s c h e r , den vor zwei Jahren von tins
gegangenen groI3en Meister der Chemie.
,,Ah eim groBer Mann hat Emil F i s c h e r in seinen Werken
schon bei Lebzeiten sich ein Denkmal gesetzt. Wenn es sich
vollends urn einen Mann handelt, der mehr als ein Lebensalter
hindurch in gro5em Wirkungskreis eine ausgedehnte Lehrtatigkeit ausgeubt hat. so wird auch ohne ein Denkmal in Stein sein
Gedlchtnis den nachfolgenden Generationen bewahrt bleiben.
,,Wenn wir die Denkmalssetzung gleichwohl mit holier
Freude begriiSen, wir und mit uns alle deutschen Fachgenossen, so hat das seinen Grund darin, da6 ein solches
Bildwerk denen, die Emil F i s c h e r personlich kannten oder
ihrn gar nahestanden, die frische Etinnerung an scine Erscheinung und seine geistvollen Zuge immer wachhalten wird;
und da6 auch jenen, die nur F i s c h e r s Werke kennen lernten
oder in komrnenden Zeiten bewundernd werden kennen Icrnen,
die Personlichkeit des groi3en Meisters nahergeruckt werden kann.
105
,,Noch einen anderen Grund haben wir, den heutiger
Tag mit erhobenen Gefuhleri und lioher Befriedigung zu b e
gehen. Die hallx V'elt will heute die Kuhrnestaten deritscher
Geistes, die deutscheii Verdienste urn alle Kulturgiiter vergesser
machen. Um so mehr niiissen wir selbst darauf, bedacht sein
daij das deutsche Volk seine groijen Manner und seine groijer!
Zeiten nicht vergif3t. Die Denlimalserrichtung ist ein solchei
Akt der Pietiit und erfullt uns also gerade in der Gegenwarl
mit doppelten Dankesgefuhlen fur die hochherzigen Stifter.
,,I)ieser unser Dank gilt aber nicht nur den Stiftern,
sondern auch dem Schopfer des Bildwerkes , dem Kiinstler
K l i m s c h , dessen bewahrte Meisterhaiid ein Monument hat erstehen lassen, welches in seiner Lebmswahrheit und Durchgeistigung, in seinen der schlichten Art F i s c h e r s entsprechenden einfachen Fornim unsere Bewuntlerung erregt.
,,Als deni Nachfolger Ernil F i s c h e r s in seinem Lehramt
an der Universitht Berlin ist mir die ehrenvolle Aufgabe zuteil
geworden, beiin heutigen Festakt die Personlichkeit und das
Werk des im Monurnent Dargestellteri in kurzen Worten zu
wurdigen. Dalurch, daf3 bei einigen Feiern E m i l F i s c h e r s
Werdeii ~ i n dWirken bereits von berufener Seite dargelegt
worden ist, und daD sein Lebensbild von Mannern, die dem
Meister personlich nahestantien, gezrichnet worder, ist, erschwert' sich diese A'ifgabe. Andererseik kommt mir der Umstand zugute, daB der Rti~irii, in welcliem wir versaminelt sind,
ein Gefiihl besonderer Pieliit auslosen kann. Befinden wir
uns doch in deiri H3wia1, den F i s c l i e r vor nunrnehr rund
25 Jahren selbst geschaff'en hat, und stehe ich doch hier an
der Stelle, von welcher aus der Meister in seiner beredten,
klaren, mitreiijeiiden Sprache durch \-iele Jahre seine Wissenschaft verkiindet hat
,,Die Beziehung iinseres Verstimml~:iie;~.raumes
soll iibrigens,
wie icli mit bevonderer Frende erwiihnen kann, noch ein
eigenes Kennzeichen Finden. Die treffliche Bronzebuste, welche
hier aufgestellt u n d die wie das Denkrnal am Luisenplatz eine
hervorragende Schopfung von Prof. K l i m s c h ist, soll namlich
nach einer Verfugnng; des Herrn Dr. H e r m a n n F i s c h e r von
nun an den Rauni dauernd zieren a h ein Wahrzeichen von
Pietat und ein Anspcirn fur alle, welche hier zu lehren und
zu lernen haben.
,,Karin ich in diesem Raume, in welchem so oft das Wort
E m i l F i s c h e r s erklungen ist, ein fui uns weihevolleres Bild
vom Werdegang u n d voni stolzen Schaffen des grooen Mannes
geben, als wenn ich ihn durch micli sozusagen selbst reden
lasse'? I n einer u n \ ~ e r ~ f f e n t l ~ c h tSslbstt)iograpliie,
en
welche
dein A r c h i v d e r W i e n e r A l i n d e m i e d e r W i s s e n s c h a f t e n ,
deren Ehrenmitglied Fi s c l i e r war, entstarnmt, erzahlt der
Meister folgendes:
HermAnn Emil Fisc her
wurde geboren dm 9. Olrfober l&i? zu Er,skirclien im Regieiwngsbezirk Koln als Sohn dces Kaitftnciniis L o r e n z F i s c h e r . Nach
Absolvicrung des Gytnnasiiims Z I I Dotin im August I869 trat er
in ein kduftn3nnischcs Ciesc1i;ift cirt, wdnrlte sich aber im Friihjahr
1871 dcm Studiuin der Chetiiii. 211. Dil. ersfen chemischen Vorlesungen und pr~~lrtis~Vteti
Libiingcn lxiuclite er in Bonn bei
Kekult;, E n g e l b a c h und Z i i i c k e . /in Hprbst 1873 siedelte er
nach der. ellen bcyriinncteti Lliiiver..iit2t S.'rafiSurg iiber. Hier trat
er in n2lieta Brzic:huti,yen ;<it Prof A d o I f v o n b'ileyer, dern er
seine spezielle wi.,sctiachdftlichc Schulun 7 vrrdanlrt.
Von anderen Lelrr~~rn
a fatitleti ihtn tier Physiker K u n d t und
der Mincraloge G r o t h am n2ciistcri.
Naclidetn er Iit7tQt' Lcilun:: von Bac.yer eine Llnfersuchung
iibcr cia.? Fluorescein litid c1a.s k c i w Pltriwlein ausgefuhrt und im
juli 1671 von drr SfrzfjbiirqcrFdt~itlth'fi uin Dr. phil. protnoviert
wnrden war, rrwrde CI irn Okfober dcss -.lbcn jahres zum Unferriclitsassistenteti am Sf-al2iirrgcr L ~ i b o r ~Irium
tt
ernannt. In dieser
Sfellung entdcckfe er b~ilclmclrher das .Llienylhydrazin, die erste
arornaiische Hj~dr~:zinbasc.
Der erate f u n i f ist auf vide spiterc At*beiteren F i s c h e r s von
Einf7uA gewesen , ;i!sb(..so?iderehdi ihiri das Plienylhydrazin den
synthetischcn Aiislwu cicr Zucki:rgruppc ,:rrii6glicht.
Im Herbsf 1875 folgte F i s c h e r seinem Lehrer B a e y e r , der an
Stelle von L i e b i g nach Munchen berufen war, und beschaftigte
sich hier djahre lang, ohne eine amtliche Stellung z u haben, rnif
der Fortsefzung seiner wissenschafflichen Arbeiten.
Hier entdeckte er die Nydrazin verbindungen der Fettreihe
und untersuchte sehr eingehend die Metamorphosen der ganzen
Klasse.
Gleichzeitig begann er, in Gemeinschaft rnit seinem Vetter
O t t o F i s c h e r , eine Untersuchung iiber die Konsfitution des Rosanilins, die 1878 durch den Nachweis, dafi der Farbsfoff ein
Derivaf des Triphenylcarbinols ist, zum AbschluB gebracht wurde
und die der Industrie der Anilinfarben manche neue Anregung gab.
Im selben Jahre habilitierte er sich an der Universitat zu
Miinchen als Privatdozent. Osfern 1879 wurde er zum auAerordentlichen Professor ernannt und rnit der Leitung der analytischen Abteilung des Baeyerschen Laboratoriums beauftragt. In
diese Zeit fallen die Arbeiten iiber das Furoin, iiber die Bestimmung
des Arsens und die ersten Untersuchungen iiber die Konsfifufion
des Caffeins und Theobromins, sowie ihre Beziehungen zum
Xanthin und Guanin.
Ostern 1882 folgfe F i s c h e r einem R u f als Ordinarius nach
Erlangen und i m Herbsf 1885 nach Wiirzburg. In die Erlanger
Perioae fallen die ersfen Arbeiten iiber die lndole und lndazole,
iiber die Harnsaure, iiber die Acetonaminbasen, iiber die Empfindlichkeit des Geruchsinnes und iiber die Zucker.
Die gleichzeitige Entdeckung der Hydrazone gab seinem
Assistenten K n o r r die Anregdng zur Auffindung der Pyrazole und
des Antipyrins. In Wiirzburg wurden diese Arbeiten fortgesetzt,
mid es gelang F i s c h e r nach vielen miihsamen Versuchen, die
wiclitigsfcn Zucker synthetisch darzusfellen, viele neue kiinstlich
zu bereifen und an diesem reichen tatsachlichen Material die
Theorie des asymmefrischen Kohlenstoffs eingehend z u priifen.
Die Arbeit iiber Zucker hat /anger a h 5 jahre in Anspruch
qenommen und aullerdem ihrem Autor eine chronische Vergiftung
durch das Phenylhydrazin, welches dabei unentbehrlich war, eingetragen.
lm Herbste 1892 kam F i s c h e r als Nachfolger A. W. v o n H o f m a n n s nach Berlin, wobei ihm der Bau eines neuen lnstifuts in
Aussicht ges tellt wurde. Die Aus fiihrung verzogerte sich aber
wegen der ungiinsfigen Finanzlage um etwa 4 Jahre.
I n Berlin wurden die Arbeiten iiber Zucker forfgesetzt.
Daran schlofi sich eine Untersuchung iiber Garung und Fermente,
fur deren Wirkung neue Gesichfspunkie gewonnen wurden.
Im Winter 1893 nahm F i s c h e r die friiheren Arbeiten iiber die
Harnsaure und das Coffein wieder a u f ; es gelang ihm nach dreiiahriger Bemiihung alle Glieder der Gruppe synthetisch darzustellen und schlielllich auch auf dieselbe Grundsubstanz, das
Purin C, H , N,. zuruckzufiihren.
M i t Beginn des 20. jahrhunderfs ividmefe F i s c h e r sich vorzugsweise dem Studium der Profeine. Fur die Trennung vcn
4minosauren, die aus den Eiweifikorpern durch Hydrolyse cntstehen, scliuf er ein neues Verfahren,die sogendnnte Estermethotfe,
nit deren Hilfe der Nachweis erbracht werden konnte, dafi die
Zusanimensefzung der natiirlichen Profeine in b c z q auf die ,,Balljteine" q 11 a l i t a ti v fast die gleiche ist, wahrend das q u a n t i t n t i :/c
Verh2iltni.s sehr stark wechselt. Ferner zeigte er, dafi ciic
4minosauren nach verschiedenen Verfahren wieder aneinandcr
Tekuppelt werden konnen, und dall dadurch Kb'rper entstehen,
fie er ,,Polypeptide" nannte. Die einfachen Formen gleichen den
%ptonen, die hiiheren nahern sich in ihren Eigenscha ften immer
nehr den natiirlichen Proteinen. Die Zahl der synthetisch mogichen Formcn scheint unbegrenzt z u sein und rnif dieser Methode
st zweifellos die Grundlage fur die kiinstliche Herstellung der
iaMrli cli en E i weifikorper gegeben.
Fiir diese synthetischcn Arbeiten war ein genaueres Studium
fer optisch-aktiven Aininosauren notig und die hierfiir dienenden
gethoden haben umfangreiche Versuche iiber die sogenannte
Waldensche Llmkehrung" veranlallt. Daraus hat sich dann
veiter eine neue Auffdssung der chemischen Substitution ergeben.
Xe gleichen Beobachtungen fiihrten zu einer Priifung der Grundagen der Stereochemie, wobei speziell auch die Frage nach der
%g%B.lj
34.J
Dltil
656
Emil Fischer-Denkina
Oleichheit der vier Verbtndungseinheiten d a - Kohlenstoff8 nach
neueb O&iichtspunkten behandelt wurde.
An die Synthese der Polypeptide schlofi sich im jahpe 1908
eine Untersuehung iiber die Anhydride den Phenolcarbonsiiuren,
wobei dwen Carbomethoxyiferivate a h Zwischenprodukte zur Verwendung kumen. Die hier gewonnenen Erfahrungen wurden
benutzt einerseits N r die Synfhese von Flechtenstoffen. z. B. der
Lecangs8ure. und andererseits zum Studium von Gerbstoffen,
speziell.der Tannine. Der Erkenntnis, dafi das gek6hnliche Tanni'n
eine Verbindung von Gallussa'ure rnit Traubenzucker ist, folgte
sehr bald die Synthese von tanniniihnlichen Stoffen aus diesen
Kornponenten. Die Resultate der mehrja'hrigen Arbeit sind zusammengefafit in dem Vortrag .,Synthese von Depsiden. Flechtenstoffen und Gerbstoffen". in dem speziell auch die Synthese hochmolekularer Verbindungen und ihre Bedeutung fiir die Molekularphysik behandelt wird.
Irn Anschlufi an die Zuckersynthesen hat F i s c h e r schon im
Jahre 1894 ein neues Verfahren zur Bereitung yon Glucosiden
gefunden, durch das es' rnoglich wurde, die einfachsten Glieder
dieser Klasse, z. B. das Methylglucosid. in drei isomeren Formen
darzus fellen. Dime Studien hat er nach Iahgerer Unterbrechung
vom jahre 1904 ab wieder aufgenornmen und tuna'chst eine grb'fiere
Anzahl von Glucosiden der arornatischen Phenole, der hydroarornafischen Alkohole und der komplizierten aliphatischen Alkohole
dargestellt, zu denen im jahre 1917 auch die cyanhaltigen Glucoside vorn Typus des Amygdalins traten. Die beste Frucht dieser
Studien ist die Synthese der biologisch besonders wichtigen
Puringlucoside, die auch noch weifer rnit Phosphorsaure gekuppelt
werden konnten. Diese Puringlucosid-Phosphorsauren sind als
die ersten synthefischen Vertreter der Nukleinsa'uren anzusehen.
Kleinere Arbeiten Fis c h e r s betreffen die Entdeckung des
Benzoylacetons und des Arnidoacetaldehyds, ferner die Darstellung
der Ester und Acetale rnit sehr verdlinnter alkoholischer Salzsaure.:endlich die Synthese von Uracil, Thymin und Phloretin.
Die Versuche Uber Zucker wurden vervollstandigt durch die
Auffindung der Anhydroglucose und des Crlucals.
Von seinen therrno-chemischen Studien ist hervorzuheben die
genaue Bestimrnung der Verbrennungswartne von Rohrzucker und
Benzoesaure rnit dem Platinwiderstandsthermometer in einem
elektrisch geeichfen Kalorimeter.
Zeifweise beschaftigte er sich auch mif der Synthese von
Heilntitteln, von denen Verona], Sajodin und Elarson Eingang in
die medizinische Praxis ge funden hahen. Das gleiche gilt fur
Caffein und Theobromin, deren kunstliche Fabrikation aus seinen
Synthesen hervorgegangen ist.
Als Lehrer ist F i s c h e r seit dern Jahre 1878 Wlig gewesen.
Aus seiner Schule sind eine Reihe nanhafter Porscher hervorcegdngen, von denen L. K n o r r , W . W i s l i c e n u s , 1. T a f e l .
0. P i l o t y , A. S t o c k , E. ilbtierha,d:ir, 0. D i e l s , 0.R u f f ,
R. P s c h o r r . A. W i n d a u s , Hans F i s c h e r , H. L e u c h s ,
.(I F r e u d e n b e r g . K. H e n genannt werdcn rnoyen.
hdch seinen A n p b e n sind die neuen cheniischen Institute deer
ifnivprsititen Z I I Wiirzburg und Berlitt erbaut worden.
Als Mitglieif und Vizeprasident t l w Kaiser Wilhclm-Gesellx h a f r zur Forderung der ~'issenschdfien
hat er Anteil pxominen
an der Grundunsi der zahlreichen nafurrvisscnschdftliclieir Anstatten
dieser Gesellschafr, ganz besonders air den Instituten fur Chemit?
und Kohlenforschunz.
E r crhielt 1902 den Nobelpreis fur Chetnie und besitzt
folgende, fur nYssenschaftliche Leistlingen verliehene Meddillen :
Helmholrz-, Cothenius-, Tiedemann-, Nobel-, Brrzelius-, La voisier-.
Da vy-. Fdraday-. Baly- und E l l i o t - Cresson-Medaillz.
,,Dies der Wortlaut von Fische1.s Bericht iiher sich selbst,
packt:nd in seiner Bescheideriheit und Schlichtheit, wo doch
jeder Fachqcnosse weil3, von wie vic:len chemischen Groataten
hier berichtel wird.
,,Ein Hick in die Geschichte der Chernie kann uns
Deutsche mit ehrlichctri Sloli! el fullen. Gedenken wir nur
der Namen unserer groaten Toten: Liebig, Bofinann, Kekule,
Bunsen, van't Hofl', Haeyer -- "amen, denen sich nuti mit
demselben Glatize der Einil Fischers beigeselltl
,,Durch sein Wirken>hat Emil F i s c h e r neue Seiten der
Oeschichte der Chemie zu Ruhmesbllttern deutscher Wissenschaft gemaebt, und deshalb ist der heutige Tag ein Ehrentag
der deutschen Chemie. Je mehr man in der Welt trachtet,
deutscbes Verdienst miS@netig, zu schmlilern, desto mehr
stolz wollen wir auf unsere @&en Toten sein. Wir haben
allen Grund zu solchem SLolz; denn noch wievor 100 Jahren
gilt heute Schillere Wort:
RUhrnend darf'e der Deutsche sagen,
Hbher drvf das Hen ihm schlagen,
Selbst erschuf er sich den Wert.''
Sodann Ubergab Gieheimrat Prof. Dr. C. Duisberg namens'
der 'Interessengemeinschaft der deutschen Teerfarbenindustrie
der Stadt Berlin das Denkmal mit folgenden Worten:
,,Emil F i s c h e r , der grofie Forscher, der bedeutende Lehrer,
der prachtige Mensch, ist zwar dahingegangen, aber sein Geist
lebt in uns und mit uns fort. Nicht mehr trauern diirfen wir
daher urn den Verlust dieses CirSBten unter den Grofjen
unserer chemischen Wissenschaft. In dieser festlichen Feierstunde wollen wir vielmehr in Dankbarkeit und Freude dessen
gedenken, was uns ein gtitiges Oeschick in diesem herrlicben.
Manne geschenkt hat. Wie gut hltten wir diesen, Oedanken
spriihenden , rastlosen und lebhaften Geist gerade in dieser
tieflraurigen Zeit gebrauchen kgnnen, wo wir so arm an
grofien Mannern sind, wo es gilt, aus der Tiefe und den
Niederungen, in die uns der verlorene Krieg gebracht hat,
wieder herauszukommen auf die lichten Hohen, auf denen wir
frUher gestanden haben.
,,Dem toten Stein, aus dem die KUnstler Denkmiiler der
Erinnerung schafFen, lafit sich zwar kein lebendiger Odem
einverleiben, aber taglich und stiindlich sollen uns solche
Bildwerke daran erinnern, dafj es unsere heilige Pflicht ist,
im Geiste solcher Manner weiterzuarbeiten, nie zu ermiiden
und zu erlahmen, bis wir das, was sie gewollt und erstrebt,
auch erreicht haben. Deshalb haben die Firmen der Interessengemeinschaft der deutschen Teerfarbenindustrie den Professor
der Bildhauerkunst Fritz Klimsch zu Charlottenburg gebeten,
die lebensvollen Ziige Emil F i s c h e r s in einem Standbild zu
verewigen, das seine Aufstellung auf dem Luisenplatz gefunden
hat und heute der Allgemeinheit iibergeben werden 8011. Die
deutscbe Farbenindustrie will damit dern grol3en Meister und
Lehrer ihre Dankbarkeit bezeugen fur alles, was er ihr gewesen
ist, nicht nur auf dem Gebiete der Farben- und pharmazeutischen
Industrie, sondern insbesondere der Chernie im allgemeinen.
Sie strht dabei auf dern Standpunkt, daB wichtiger als alles
das technisch Verwertbare, was moglicher- oder wahrscheinlicherweise f 1 uher oder spater auch andere hatten frnden konnen,
die grofien, rein wissenschaftlichen Untersuchuageii sind, die
Ertiil F i s c h e r auf den verschiedeneq Gebieten der organischen
Chrmie durcshgeflihrt hat. Mehr als jedes direkte praktische Ergebnis schatzt die Industlie bei der Wiisenschaft die rein theoreLischen Fortschritte, die der Technik neue Bahnen eroffnen.
,,Professor Frilz Klimsch hat nun unseren lieben teuren
Meister, Lehrer und Freund so lebenswahr dargestellt, wie
wir ihn in bekannter Lebhaftirkeit und Lebendigkeit zu sehen
gewohnt waren. In akadernischer Tracht, auf einem a.if
tiiedrigen Sockel gestellten Scheme1 sitLend, sehen wir ihn,
tnit dit,rchgeistigtern Gesichtsausdruck ternperamentvoll wie
irniner bereit, i n eine Debatle einzugreifen, urn eine wissenwhafllichc Errungenschaft zu verteidigen, oder, wie er es sehr
;erne tat, durch Aufvtellen paradoxer Behauptungen Wtder:pruch z u weclten und so die Diskussion anzuregen oder
Iebhafter zu gestalten. Das herrliche Werk wird seinen
Meister loben, drs sind wir gewiB. Dankbaren Herzens be;lucltwunschen wir daher den Kunsller zu dern schonen Denknal, das er Emil F i s c h e r zu Ehren, uns zum Andenken und
jich zurn Lob und Preis geschaffen hat. Es wild der Stadt
3erlin in ahnlicher Weise zur Zierde gereichen, wie viele andere
iunstwerke aus Meister K l i m s c h s Hand, die wir inder Hauptitad t des Deutschen Reiches zu bewundern Gelegenheit haben.
105.
656
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Rundschau - Bucherbesprechungen - Verein deutscher Chemiker
I______
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__
,,Mir ist es eine groi3e Ehre und Freude, im Namen u n d
Auftrage der Interessengemeinschaft der deutschen Teerfarbenindustrie das Emil Fischer-Denkmal hiermit dem Vertreter der
Stadt Berlin mit der Bitte zu ubereignen, es i n treue Obhut
und Gewahrsam zu nehmen, damit e8 geschutzt und geschirmt
den Jahfhunderten Trotz bietet, dem Verstorbenen zum Andsnken, den Lebenden zur Erinnerung, den Zukunftigen zur
Nachahmung."
Schlieijlich ubernahm Oberburgermeis ter BoeB das Denkma1 und fuhrte dabei folgendes aus:
,,Namens der Stadt Berlin habe ich die Ehre, das Denkma1 Emil Fischers zu iibernehmen u n d den aufrichtigen Dank
der Stadt auszusprechen an alle diejenigen, die a n der hochherzigen Stiftung beteiligt s i n d , u n d an den Kiinstler Herrn
Prof. Klirnsch.
,,Hochverehrte Versammlung! In einer Zeit, in der die
deutsche Wirischaft schwer um ihr Leben kampft, ist es ein
bedeutungsvolles Moment, daf3 auf der Grundlage der Wissen;
schaft, die der heute hier Geehrte mit geschaffen hat, sich ihr
Aussichten eriiffnen, auf denen sie aufbauen k a n n fur die Zukunft. Die ungeheuren Lasten, die dem deutschen Volke auferlegt worden sind, kiinnen n u r getragen und bestritten werden, wenn es gelingt, durch Neues die Menschheit u n d das
deuische Volk vorwartszubringen. Es ist stets ein Verdienst
der deutschen Wissenschaft gewesen, der Menschheit vorwarts
gehollfen u n d neue Wege u n d Grundlagen gefunden zu haben,
auf denen gebaut u n d auf denen Neues geleistet werden kann.
,,Emil Fischer war einer der GroBen, die dem deutschen
Volke helfen w e r d e n , iiber die Folgen des Krieges hinwegzukommen u n d die dazu an erster Stelle beitragen werden,
neue Quellen der Wirtschaftskraft zu finden. Es ist der Stadt
Berlin stets eine besondere Ehre gewesen, auf diesen hervorragendsten ihrer Burger blicken zu diirfen. Und wenn wir
den wundervollen Platz ,Am Luisenplatz' zur Verfiigung stellten, so waren wir uns bewuijt, daD wir den Platz gegenuber
unserem groi3en Ehrenbfirger Robert Koch keinem wiirdigeren
Manne geben konnten, als gerade Emil Fischer.
,,Moge dieses Denkmal bis in ferne Zeiten hinein Zeugnis
abgeben von der Kraft der deutschen Wissenschaft, von der
Kraft der Universitat Berlin und von der Kraft eines der ersten
Burger, die Berlin je gehabt hat.
,,Moge der Geist Emil Fischers walten bis in ferne Zeiten
uber der chemischen Wissenschaft, iiber der Uoiversitat Berlin,
iiber unserer Stadt u n d uber unserem deutschen Vaterlande."
Damit schloi3 die erhebende Feier. Allen Teilnehmern wird
sie unausloschlich i n der Erinnerung bleiben als eine Oase
des Idealismus in Zeiten schwerer Not, ein unvergangliches
R. [A. 272.1
Dokument deutscher Kultur.
Rundschau.
Hamburg. Ober das E x p l o s i o n s u n g l u c k auf d e r D y n a m i t f a b r i k S a a r w e l l i n g e n erhalten wir folgende genaue Nachrichten:
Am 6. d. M , I0 Uhr 55 Minuten vormittags, wurde bei den in Gang
befindlichen drei Schmelzapparaten fur Trinitrotoluol, doppelwandigen
GefaQen, die durch gedrosselten Dampf auf 1000 erhitzt werden, eine
kleine Flamme bemerkt, die sich schnell vergrljaerte. Der Vorarbeiter
eilte zum Alarmsignal, auf dessen Ertonen eine groBe Anzahl von
Arbeitern sich entgegen den Vorschriften leider nicht in Deckung
begab, sondern, wohl zum Teil aus Neugierde, zum Teil aus dem Wunsche
zu helfen, zur Brandstelle liefen. Der Betriebsdirektor Dr. Kiessling
und sein Assistent Dr. Bamberger eilten so schnell wie mijglich hin
und suchten die Leute wegzuscheuchen, als in demselben Augenblick
eine schwere Explosion erfolgte, die leider von den Umstehenden
13 Leute totete und eine Anzahl verwundete, darunter drei schwer.
Der in der Fabrik angerichtete Materialschaden ist ebenfalls recht
bedeutend. AuBerhalb derselben ist bis auf einige zerbrochene Fenster.scheiben dank der isolierten Lage der Fabrik kein Unheil angerichtet
word,en.
Uber die Ursache lassen sich nur VeFmutungen anstellen, aber da
wir nach dem Kriege wiederholt derartige BrXnde von Trinitrotoluol
gehabt haben, die teils harmlos verlaufen sind, teils aber von Explosionen begleitet waren, so gewinnt es doch den Anschein, als ob
Trinitrotoluol einen etwas heimtuckischen Charakter hat, besondere
wenn es langere Zeit bei hoheren Temperaturen mit Metallen in
Verlag Chemie G . m. b. H.,
Leipzig. -
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[
Zeitschrift far
angewandte
Chemie
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3eruhrung gewesen ist. Versuche sind angeordnet worden, um das
rrinitrotoluol kalt, in nicht geschmolzener Form, den Sprengstoffen
luzufiigen.
Entgegen den Zeitungsnachrichten wird natiirlich die Fabrik wieder
rufgebaut. Die Nitroglycerin- und Chloratsprengstoffabrik hat wenig
;elitten, so daB sie in einigen Tagen wieder arbeitsfahig sein wird,
wahrend der Wiederaufbau der Sicherheitssprengstoffabrik, in der die
3xplosion stattfand, einige Monate in Anspruch nehmen wird.
Allgemeiner Fonds zur Fiirderung chemiseher Forschung (Leo
Zans-Stiftung). Der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft zur Fljrderung der
Uissenschaften ist ein Fonds zur Verfugutng gestellt, der zur Fljrderung
:hemischer Forschung in der Weise verwendet werden soll, d& einbelnen Forschern zeitlich beschrankte Subventionen zur Durchfiihrung
iestimmtet. Untersuchungen bewilligt werden. Der Senat der Kaiser
Wilhelm-Gesellschaft hat fur das Geschiiftsjahr 1921122 die Summe
ton M 3500 zur Verteilung in Aussicht genommen. Der wissenschaftiche Beirat der Kaiser Wilhelm-Institute fur Chemie hat sich bereit
:&art, Bewerbungen entgegenzunehmen. Diese sind in drei ExemAaren mittels eingeschriebenen Briefes bis 10. 2. 1922 an Herrn Geh.
Reg.-Rat Prof. 0. Walla c h , Gottingen, Herzberger Landstr. 28, eincusenden. In den Bewerbungen ist anzugeben: 1. Der Zweck der zu
unterstutzenden Untersuchung. 2. Die beanspruchte Summe.
Bucherbesprechungen.
Vorschriftenbuch fiir Apotheker, Drogisten, chemische Fabriken und
verwandte Gewerbebetriebe. Von K a r 1 Fr. To 1In er, 2. Auflage.
Leipzig, Dr. Max Janecke, Verlagsbuchhandlung. 1921.
Vorliegendes Vorschriftenbuch erscheint in der 2. Auflage, zeigt
also schon dadurch, daB es in den Kreisen, fur die es geschrieben
wurde, gebraucht und begehrt wird. Fur die Gute der empfohlenen
Rezepte biirgt die Erfahrung und Praxis des Herausgebers. Fur einen
noch vielseitigeren Gebrauch durfte eine noch eingehendere Bearbeitung
des Buches dahin zu empfehlen sein, dai3 sowohl bei einer Anzahl
der Vorschriften deren Zweck und Anwenduog naher erlautert, ebenso z. B. bei der Auffiihrung der Kaltemischung die durch sie erreichbare Temperaturerniedrigung angegeben wurde, wie auch das Inhaltsverzeichnis noch besser in bezug auf die verschiedenen Stichworte,
unter denen ein Rezept gesucht wird, zu bearbeiten ware. Schlieijlich
durfte es sich auch empfehlen, ein besser geleimtes Papier zum Druck
zu verwenden, das dem Leser es ermoglichte, Notizen mit Tinte einzuzeichnen, ohne daij diese das Papier durchdringen.
v. Heygendorff [BB. 231.1
Verein deutscher Chemiker.
Untenstehend bringen wir einen Aufruf des Verbandes der Chemikerschaften an den deutschen Hochschulen, den wir unseren Mitgliedern
und Lesern zur wohlwollenden Beriicksichtigung dringend empfehlen.
So manclies Buch, dns kaum benutzt in eiiier Bucherei steht, kann,
wenn es einem strebsamen Studierenden in die Hiinde kommt, groBen
Nutzen stiften; und es ist das eigenste Interesse aller Chemiker, mogen
sie nun in der Praxis oder im Lehramt tatig sein, daI3 der Nachwuchs
an akadernisch gebildeten Fachgenossen so gut ausgebildet wird, wie
nur irgend moglich.
Wir hoffen daher, daB die Bitte der Chemikerschaften einen vollen
Erfolg haben wird.
Geschiiftsstelle des Vereins deutscher Chemiker,
gez. B. Rassow.
Aufruf zur Lehrbuchersammlung fur die Chemiestudierenden.
Die in dem ,,Verbande der Chemikerschaften an den deutschen
Hochschulen" zusamiiiengeschlossenen Chemikerschaften planen die
Einrichtung von sogeiiannten Semesterbuchereien, welche in der Weise
ausgenutzt werden sollen, daij aus ihnen mittellose Kommilitonen,
die nicht in der Lage sind, infolge der sehr starken Steigerung der
Preise aller Biicher sich alle Lehrbucher grljfieren Stils selbst zu
beschaffen, die zu ihrem Studium unbedingt notwendigen Lehrbucher
fur die Dauer eines oder mehrerer Semester entleihen k6nnen. - Aus
eigenen Mitteln derartige Semesterbuchereien zusammenzustellen, zu
denen die Not der Gegenwart und insbesondere der Zukunft uns
zwingt, ist uns - selbst in mittlerem Umfange - versagt.
An alle Altakademiker richten wir uns deshalb mit der dringenden
und herzlichen Bitte, uns bei diesem Hilfswerk zur Seite zu stehen,
die bedurftigen Kommilitonen zu unterstutzen und der immer wachsenden Gefahr zu begegnen, daB gerade das Studium der Chemie mehr
und inehr Privileg nur der Begiiterten zu werden droht.
Manches Buch, das so unendlich vie1 Segen fur viele zu stiften vermochte, mag unbenutzt bei Ihnen herumliegen. Einer Augenblicksmiihe
bedurfte es nur, um es nutzbringend an die richtige Stelle zu fuhren.
Samtliche fur Chemiker der Universitiit und Technischen Hochschule in Frage kommenden Lehrbucher, auch physikalische usw.,
nehmen wir stets rnit groatem Dank entgegen. Entsprechende Bucherspenden bitten wir zu richten an den ,,Verband der Chemikerschaften
an den deutschen Hochschulen".
Jena. Chemisches Universitatslaboratorium. Schillerstr. 1. Me h n ert.
Verantwortlicher Schriftleiter Prof. Dr. B. R a s s o w , Leipzig.
- Druck
von J. B. Hir~chfeld (A. Pries) in Leipzig.
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