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Das Niedenfhrsche Intensivsystem.

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474
Rust: Formaldehydpestillen. - Neumann: Intensivsystem.
oxyd aus der Gewichtsdifferenz zu rechnen. I n
diesem Falle ist das beschriebene Verfahrcn noch
viel kurzer als das von A n g e n o t angegebene.
Zur Untersuchung
von Formaldehydpastillen.
Von Dr. ERXST
R ~ ~ s St.
T , Gallen, Schweiz.
(Eingeg. d. 1O.P. 1906.1
Das Trioxymethylen oder der ,,feste Formaldehyd" wird in der Desinfektionspraxis in immer
steigendem MaBe verwendet. Es empfiehlt sich
tlcswegen, die verschiedenen im Handel befindlichen Produkte auf ihre Eignung zu gcnanntcm
Zwecke naher zu untersuchen. Bei der Wertbestimmung von Formaldehydpastillen kommt nicht
allein der Gehalt an Formaldehyd in Betracht,
soudern namentlich auch die Kohleabscheidung,
die beim Verfluchtigen in der Warme stattfindet.
LManche Sorten Pastillen geben einen starken
kohligcn Riickstand, der am Boden des Verdampfungsgefll3es eine schlecht leitende Schicht bildet
und verhindert,, daB die Pastillen in der berechneten
Zeit und nit der berechneten Menge Brcnnmaterial
vollstandig verdampfen, abgesehen davon, daW
durch die zuriickgebliebenen Produkte der Apparat
stark verunreinigt wird. Fur die praktische Untersuchung der Pastillen empfiehlt es sich, nach den
bis jetzt gemachten Erfahrungen folgende Werte
zu bestimnien :
1. G e w i c h t d e r P a s t i l l e n . Eine
groBcrc Anzahl Pastillen wird gewogen und der
Mittelwert berechnet. Die' Pastillen sollen moglichst genau 1 g wiegen. Da sie beim praktischen
Gebrauche abgezahlt werden, so wird bei leichteren
Pastillen zu wcnig Formaldehyd entwickelt, wahrend bei schwereren Tabletten ein unniitzer Mehrvcrbrauch dcs nicht eben billigcn Materials stattfindet .
2. L i i s l i c h k e i t i n h e i W e m W a s s e r .
Zu einer fein gepulverten Pastille wird ca. 100 ccm
Wasser gegeben, dann wird die Losung zum Kochen
erhitzt und einige Zeit im Sieden erhalten. Gute
Pastillen hinterlassen keinen Ruckstand oder nur
wenige weiWe Flocken.
3. R e a k t i o n d e r w a s s e r i g e n L o s u n g . Die erhaltene Losung wird mit einem
Tropfen einer PhenolphtaleTnlosung versetzt; falls
sie sich dabei nicht rotet, gibt man einen Tropfen
l/lo-n. Alkali zu. Tritt jetzt Rotfarbung auf, so
sind die Pastillen neuhal. Technisch reines Trioxymethylen reagiert neutral. Bei Anwesenheit
von Alkali oder Saure miissen diese zur folgenden
Forrnaldehydbestimmung titrimetrisch bestimmt
uwden.
4. F o r IU a 1 d e h y d.
Diese Bestimmung
wild am besten na-h der von B 1 a n k und F i n k e n b e i n e r angegebenen und vom Verf. modifizierten Metode ausgefuhrtl). Ein gutes Produkt
zeigt 9 5 ~ ~ - 9 7 ~Formaldehyd;
0
es gibt ahcr im
Havdel so'che mit nur e5y0 Cthslt.
1)
Diese Z 19, 138 (1906)
1a
n e ~ $ ~ ~ ~ ~ l f ~ ~ ~
5. K o h l i g e r R i i c k s t a n d .
In einer
kleinen Platinschale werden 10 gewogene Pasttillon
mit dem Brenner so weit erhitzt, da13 sie zii brennen
anfangen. D a m laWt man sie ohne weitere Wlrmezufuhr ruhig von selbst abbrennen. Der Riickstand wird gewogen. Brauchbare Pastillen sollen
bei dieser Methode nicht viel uber O,l% Ruckstand
hinterlassen; solche mit 0,5% sind ganz unbrauchbar. Beim Verdampfen der Tabletten im Desinfektionsapparat fmdet allerdings keine Verbrennung statt; es hat sich aber gezeigt., daI3 mit dieser
Schnellmethode Werte erhalten werden, die mit
den in der Praxis auftretenden RiiclistAnden
parallel gehen.
6. A s c h e n g e h a 1 t. Die unter 5. crhaltene
Kohle wird verascht. Die Asche sol1 nicht mehr
Die Rcnktion sei
als 0,05-0,08~0 betragen.
neutral oder ganz schwach alkalisch.
Es ist auch empfchlcnswert, auf die bci der
Behandlung unter 5. auftretenden Verbrennungsgase zu achten. Bei der Vntersuchung einer Anzah1 Pastillensorten ist uns ein Produkt bepegnet,
das beim Verbrennen stark saure und nach Chlor
ricchende Gase, die Jodkaliumstarkepapier blauten,
entwickelte.
Bei der Formaldchydbestininiung
trat ein chloroformiihnlicher Gerucli auf.
C! h e m i s c h e s L a b o r a t o r i u m der
Kantons St. Gallen.
Das Niedenfiihrsche Intensivsystem.
rr.
Von Dr. M.
N E U J . \ I A N N - ( k o l l h e r ~i.
'r.
(Eingeg. d. 30.'1. 1WG.)
Ich habe Direktor F r i t z L ii t y s Artikrl
resp. Vortrag (diese Z. 18, 1253ff. [1905]) zuni
Gegenstand einer Kritik gemacht und hatte dernnach von ihm, dem angegriffenen Autor, eine Entgegnung erwarten durfen. Statt seiner antwortt t
H. H. N i e d e n f ii h r. Damit ist aber die Frase
gerechtfertigt, warum dieser sich von der fur alle
Wissenschaften iiblichen Gepflogenheit emanzipiert,
selber die publizistischen Besprechungen seiner
Entdeckungen und Erfindungen zu iibernehnien,
und aus welchen Griinden er sie jemand iibcrtragen hat, der scch in der Hauptsache auf die ihni
gemachten Mitteilnngen verlassen muRte. Inwirweit ein solches Verfahren geeignet ist, fur kommende Falle als unliebsanier Prazedenzfall zu clicnen,
iiberlasse ich der allgemeinen Beurteilung').
So notwendig es war, diesen Punkt zur Sprache
zu bringen, ich habe es ungern getan und wurde es
nicht getan haben, wenn H. H. N i e d e n f ii h r
in seiner Entgegnung (diese Z . 19, 61 ff. [lOOS])
mich nicht auf das allerschwerste provoziert, wenn
er mir nicht die Vorwurfe der Unsachlichkeit und
der personlichen Aniniositat gemacht und sich nicht
gescheut hlttc, sicli in eine psychologische Unter1) Wir mul3ten Herrn Dr. N e u m an11 d, M
Wort auch zu einigen personlirhen Eemerkungcn
geten, bitten jedoeh dic n e h t t e von niin an im
rein sachlichen Fahrwasser zu halten.
D i e Rcdaktion
suchung iiber die Motive einzulassen, die mich z u
meinen kritischen Bemerkungen veranlaBt haben.
Zur Steuer der Wahrheit mu13 ich ihm deshalb
die Versicherung geben, daB es zum mindesten vier
Beweggriinde genesen, die meine Bedenken uberwnnden, mich direkt oder indirekt mit ihm in
einen literarischen Streit einzulassen, von denen
der kleinste nicht der war. der im obigen des niheren
auseinandergesetzt wurde. Inwieweit sein Vorwurf
zutrifft, daB in einem Einspruche seinerseits - um
nicht den Eindruck zu erwecken, als ob dieser Einspruch Erfolg gehabt, ware in loyaler Weise besser
zu sagen gewesen, in der Einleitung des Beschwerdeverfahrensz),-gegeneine meinerPatentanmeldungen
die Veranlassung zu meiner Abhandlung zu suchen
sei, moge aus der Tatsache erhellen, d a B i c h
j e t z t e r s t vonH.H.Niedenfiihr h o r e ,
d a B e r a u c h i n diesein F a l l e fiir g u t
befunden, sich selbst als Interessenten zu decken und jemand and e r s als E i n s p r e c h e n d e n etc. f u r
s i c h v o r zu s c h i e b en.
Ich bedaure lebhaft,, da13 es N i e d e n f u h r
nicht miiglich gewesen, auf meine sheng sachlichen
Derartige
Angriffc: sachlich zu antworten.
Mittel, wie er sie gebraucht, dem Gegner
die bona
fides
abzusprechen,
sind
auf
wissenschaftlichem Gebiete ungewohnte Maanahmen; selbst im struggle for life diirfte nur in
Ausnahmefiillen von Liebhabern zu ihnen gegriffen
werden, und dann auch wohl nur, wenn in Ermangelung sachlicher Einwande weiter nichts zu sagen,
oder wenn die Position so gefahrdet erscheint, daO
ebeq nicht mehr vie1 zu verlieren ist. Und was tun
hier schlie13lich die Motive? Nicht sie sind maBgebend, sondern lediglich die Beweiskraft der gegen
sein System vorgebrachten Argumente.
Ich beklage diese Art der Polemik; die Anerkennung wird man mir indes nicht versagen konnen,
daO mein erster Artikel in keiner Weise Grund zu derartigen, personlichen AusfAllen gegeben, und daB ich
mich jetzt im Zustande derlegitimen Abwehr befinde.
Wie schon Lii t y s Ausfiihrungen Prof. Dr.
D u i s b e r g Veranlassung grtben zu konstatieren,
da13 die Einfuhrung des Ventilators nicht N i e d e n f iih r s Verdienst sei, so veranlaaten sie
mich, dicsen Faden weiter auszuspinnen, um der
Legendenbildung vorzubeugen, als ob das Prinzip
des Uberdrucks in den Kammern, als ob die Zweiteilung des Glovers usw. N i e d e n f i i h r zugeschrieben werden miisse.
L ii t y sagt wortlich (diese Z. IS, 1256 119051):
,,Das D. R. P. hat nun dieselben in einfachster und
erfolgreichster Weise beseitigt, indem H. H.
N i e d c n f u h r , der Erfinder desselben, d i e
Funktionen des Gloverapparates
a u f z w e i T i i r m e v e r t e i l t e nnd den Zugerreger zwischen beide plazierte". AuBerdem ist
EU lesen: ,,So stehen wir gegcnwirtig mit den
E r f o l g e n d e s V e r f a h r e n s d e s D. R. P.
140825 R e s u l t a t e n g e g e n i i b e r , die fur
die g e s a r n t e c h e m i s c h e I n d u s t r i e
v o n g r o 1 3 t e r R e d e u t u n g s i n d " . Ersagt
-
2 ) Durch inzwischen erfolgte Patenterteilung
ist au:h das B: schwerdcverfahren zu Ungunsten
Nicd. nfiihrs entschieden worden.
weiterhin S. 1261 : ,,e i n K m m e r s y s t e m ,
n a c h N i e d e n f ii h r s G r u n d s a t z e n ausgefiihrt", das im iibrigen ,,nicht nur erlauht, schon
existierende Systeme jeglicher Ausfiihrungsweise
mit minimalen Unkosten lukrativer zu niachen,
sondcrn auch die fehlerhaften wieder in Ordnung
zu bringen".
Ich denke, das ist deutlich genua. und wenn
N i e d e n f u h r in seiner BeschGdenudeit, der Ansicht ist, daB sie iibertrieben waren, so hatte
er rnit seinen Aukrungen, mir ,,beliebe es,
ihm madlose Selbstuberhebung anzudichten", und
ich ,,erlaube mir, ihm AnmaBung unterzulegen",
sich nicht an meine, sondern an L u t y s Adresse
wenden sollen. Da er das nicht tat, hatte ich das
Recht aneunehmen, er sei mit ihnen einverstanden.
H. H. N i e d e n f ii h r s Bescheidenheit ist
denn wirklich auch nur zu berechtigt, wenn er zugibt, seine Erfindung resp. sein System sei nichts
als eine ,,SchluBfolgerung aus Idcen und Erfahrungen, die der Praxis der Schwefelsaureindustrie
usw.", d. h. nichts als eine Kombination von an sich
bekannten, erprobten Einzelheiten, die zu benutzen
jedermann freisteht, um in der von mir angegebenen
Weise erforderlichenfalls auf dieselbe Art zu arbeiten
wie H. H. N i e d e n f ii h r. Um iiber diese Einzelheiten ein klares Bild zu bekommen und um keinen
Zweifel zu lassen, wem ihre Prioritat gebiihrt, sei
es gestattet sie aufzuzahlen :
1. Idee der Intensivproduktion : fianzosen, besonders B e n k e r.
2. Ventilator resp. Doppelventilator : M u 1 d e n h i i t t e und F a l d i n g .
3. Doppelglover : F a 1d i n g.
4. Obere Gaseinfiihrung : T h. M e y e r.
5. Uberdruck in den Kammern : v o n j e h e T.
ti. Hohe Kammern : B e n k e r.
7 . Plattenturm : L u n g e.
8. Wassereinspritzung : S p r e n g e 1.
9. Gasreinigung : R a t h , resp. Kontaktprozesse.
Es ist mir nicht beigefallen, das F a 1 d i n g s c h e D . R . P . 76691 und das Z a n n e r sche D. R. P. 134 661 mit dem D. R. P. 140 825
identifizieren zu wollen; ist doch in jenen
beiden Verfahren mit keinem Wort von Ventilatoren die Rede. Ich habe lediglich gezeigt,
daO i h r e K o m b i n a t i o n rnit V e n t i l a t o r e n i n d e n s t a n d s e t z e n wiirde,
u n t e r analogen Bedingungen zu arbeiten als nach dcm Verfahren des
D. R. P. 140 825, unter der Voraussetzung, daB der
zweite Glover resp. Z a n n e r s Glover eben voller
Glover und nicht lediglich Denitrifikator ist. In
F a 1 d i n g s Konzentrator - gleichgiiltig, ob
Saure von 65, 63 oder 61" BB. erzielt wird, je nach
der Menge der aufgegebenen Siure zur GriiBe des
Systems - werden ebenso die Verunreinigungen
zuriickgehalten, werden in ahnlicher Weise die Gase
gekiihlt wie in N i e d e n f ii h r s Konzentrationsglover.
Anstatt mit 70-80" wie bei N i e
denf uhr
wiirden
die Gase hier
mit
etwa 150-180" in don 2. Turm trcten konnen,
die nach B o d e ( L u n g e I., 588 [1903]) vollkommen geniigen, um volle Gloverwirkung zu er-
-
60'
476
Neumonn : Das Niedenfuhrsche Intensivsystem.
zielen. Der Vorteil drr Salpetersaureersparnis in
dem von N i e d e n f u h r und mir (Pat.-Anm.
Nr. 6190) vorgcschlagenen Sinne wiirde auch in
diesem Falle zutreffen miissen, da bei Temperaturen
von 150-180" ebenso wie bei jenen von 70-80"
jede Reduktion der Stickoxyde zu N2O und N
ausgeschlossen sind. W e i t e r h i n w i r d g c zeigt werden, daO schon vom t h e o retischen Standpunkt aus ein dera r t i g e s A r b e i t e n e r h e b l i c h empfehlenswerter und aussichtsreicher
sein muB, als d e r Niedenfuhrsche
V o r s c h 1 a g.
N i e d e n f ii h r will dem Leser zur Beurteilung uberlassen, in wieweit meine Behauptung berechtigt sei, daR der EinfluB der Verunreinigungen
der Rostgase fur den Salpetersaureverbrauch eines
Kammersystems als ,,nicht ins Gewicht fallend"
bezeichnet werden miisse. Ich bin ganz damit einverstanden, mochte aber nicht verfehlen darauf hinztiweisen, da13 ich deutIich gesagt : ,,Auch
trotz der Staubsammler, Staubkammern, Gasreinigung usw.". Die noch mit hiniibergerissenen geringen Mengen Flugstaub werden wie sonst in dem
oder den Glovern niedergeschlagen und kommen in
beiden mit nitrosen Gasen und Fliissigkeiten in Beruhrung -im erstenallerdings mit schwacherens) -,
und nach ihrer weiteren Elimination deren letzten
Reste im ziveiten mit stark nitrosen. Die Unvollstindigkeit der Fernhaltung des Flugstaubs von der
Nitrose auf Grund des Verfahrens des D. R. P.
140 825 gibt N i e d e n f ii h r iibrigens selber
zu, durch seine neueste Anmeldung Nr. 7013,
in der er die den 1. Glover bereits passierten
Flugstaubmengen, bevor sie in den Denitrierglover treten, durch aus den Kontaktprozessen
bekannte Gasfilter usw. zuriickhalten will. Wie
weiter unten erwiesen werden wird, bedingt aber
die Praxis des N i e d e n f ii h r schen Systems eine
wiederholte Anwendung der zwischen Glover und
Gay-Lussac zirkulierenden Berieselungssiiure, die
durch Konzentration eines nur sehr geringen Teils
Kammersaure eine nur recht begrenzte Verjiingung
erfahrt und die an Verunreinigungen aller Art sieh
iinmer mehr anreichern muB. N i c d e n f ii h r bringt
clemnarlr auch im zweiten Glover immer mehr
arsenige Saure in Beriihrung mit der Nitrose, so da5
in dieser Beziehung gegeniiber diesem offenbaren
Nachtcil der angegebene Vorteil der ,,vorgereinigten
Gasc" als nicht recht verstandlieh bezeichnet werden
muB. Schon tius diesem Grunde ist die dem ersten
Glover folgende Gasreinigung als verfehlt zu kennzeichnen.
Seine dicsbeziigliclien Angriffe gegen mich
stiitzt er offenbar auf die in jener Beschreibung (P. A. Nr. 7013) geauBerten Behauptungen,
,,daB
das Amen
aus
den
Schwefligsauregasen in einem Stadium des Verfahlens entfernt werde, in welchem die Einwirkung
vou Salpetersaure noch nicht stattfindet," und ,,da
bei den bisherigen Verfahren ZUT Darstellung von
Schwefelsaure das Arsen selbst durch die Einwir3) I n wieweit L u t y s reap. N i e d e nf u h r s
Behauptungen zutreffend sind, diese Saure enthalte
nnr ca. 0,2% 36"iger Salpetersaure, wird weiter
unten erortert werden.
[
Zeitschrift fur
angewandte Cbemie.
kung von Salpetersaure zu Arsensaure oxydiert
wurde, so wurde eine erheblicho Mcngc von Salpetersaure stets nutzlos verschwcndrt". I n dieser
Form ist nicht nur die erste Behauptung grundfalsch, wic crwiesen, sonderu auch die zweite.
Im Glovcr uud in den Kammern kann bekanntlich die Oxydetionswirkung der Salpetersaure
auf
arsenige Raure wegen
der entgegenstehenden Reduktionswirkung der schwefligen
Saure eine nur recht geringe sein. Di: hierbei in
derselben Weise wie bei der Oxydation cler schwefligen Saure zu Schwefelsaure gebildeten Stickoxyde
werden indeD irn Verlauf des Kammerprozesses und
im Gay-Lussac in gleicher Weise wieder nutzbar gemacht, bedeuten als solche also keine Verlnste. Die
fur die Oxydation der As,Oa notwendigerweise
ebenso einzusetzenden Salpetersaureverluste wie
fur die Oxydation der SO2, sind bei dem
kolossaleu UberschuB von SOy uber As20, aber so
iiberaus minimale, daO sie mit Recht zu vernitchIassigen sind, es sei denn, N i e d e n f ii h r Iege
auch in dieser Beziehung Wert auf homiiopathische
Dosen. -Eine weit erhebliehere Oxydationswirkung
auf arsenige Skure a19 Glover und Kammer auOert
der von schwefliger Saure nahezu freie Gay-Lumac.
1st die Annahme berechtigt, daB bei diesem Vorgang relativ vie1 nicht oxydier- und kondensierbares
Stickoxydul entsteht, so wurde sie einen weiteren
Grund zur Ablehnung des N i e d e n f ii h r schen
Systems bedeuten miissen, das wegen derfortlaufenden Wiederbenutzung der Beriesclungssaure im GayLussac immer groOere Mengen arseniger SBure zur
Oxydation bringt.
Hinsichtlich der Platzfrage des Ventilators
habe ich meine Ansicht, die der N i e d e n f ii h r schen im allgemeinen entspricht, bereits geauBert;
auch darin stimme ich ihm bei, daS ein gewisser
Uberdruck zur Uberwindung stagnierender Gasmassen, zur besseren Mischung der Gase usw. in
bezug auf die Produktion nicht ohne EinfluS sein
konne; nur glaube ich nicht, da5 einem Mehr von
3-4 mm jene Leistungen zuzuschreiben seien, wie
N i e d e n f ii h r behauptet, und die er lediglich fur
sich in Anspruch nimmt, und entschieden verwahren
muS ich mieh noehmals gegcn dic Zumutung, E'achleute glauben machen zu wollcn, die durch einen
Mehrdruck von 3-4 mm erzielte hohere Reaktionstatigkeit konne eine auch nur nachweisbare Wirkung
haben. Das in diesem Punkte jetzt schon crhcblich
weniger sichere Auftreten N i c d r n f ii h r R legt
iibrigens die Vermutung nahe, er halte wcnigstcns
in dieser Beziehung. den Ruckzug fur geboten.
DaO bei einer Hohe von 2300 m iiber dein Meeresspiegel, also bpi nnr577mm Normalquecksilberdruck,
d. h. bei 183 mm Quecksilbersaule oder bei ca.
2500 mni Wassersaule unter der Norm, die Hitumleistung der Kammern eine erheblich geringcrc
sein muB als auf Meereshohe, durfte nicht zu bestreiten sein. Gerade aber aus dem Umstande, daD
bei einer derartigen Hohe die Fabrikation immer
noch lohnend gewesen, daO die Produktion nicht
auf Bruchteile eines kg gesunken - uud das iniiBte
der Fall sein, waren L u t y s und N i e d e n f u h r s
Behauptungen richtig -, wird es ersichtlich, welchcr Wert ihnen eben beizumossen ist. Bei dem
N i e d e n f u h r schen Plus anuberdruclr von 4 mm
Wassersaule miil3te ein um etwa 3,4 m tieferes
XTK. Jahrgang.
IIeit 11. 16. MBrz 1906.1
Neumann: Das Niedenfiihrsche Intensivsystem.
Niveau geniigen, um ohne diesen kunstlichen Uberdruck in dieser Beziehung dieselben Resultate zu
crziclen. Sollte es wirklich notwendig sein, noch
ausfiihrlicher--hierauf einzugehen, uin N i e d e n f u h r zu iiberzeugen, daB er sich in diesem fur sein
patentiertes Verfahren wesentlichen Punkte einer
groBen Selbsttauschung hingegeben! Meinen..Einwand, jedes Arbeiten mit auBergewohnlicheniUberdruck habe nach einiger Zeit des Betriebes, sobald
die geringsten Risse und Spriinge sich in den
Kammern zeigen, von selbst aufzuhoren, hat er
vorgezogen mit Stillschweigen zu iibergehen. I n
der Annahme, er akzeptiert diesen meinen Einwurf
als unwiderlegbar, kann ich es mir nicht versagen,
in bezug auf letzte beiden Fakta ihn a.n H o r a z's
schonen Spruch zu erinnern : ,,Parturiunt montes,
nascetur ridiculus mus".
Wie fast alle Angriffe N i e d e n f ii h r s auf
fliichtiger, resp. unverstandener Lektiire meiner
Abhandlung beruhen, so auch der, ich hatti: behauptet, der aus dem ersten Turn frei werdende
Wasserdampf miisse im 2. Turm samtlich kondensiert werden. Ich habe vielniehr gesagt : ,,Es liegt
Gefahr vor, - unter der Voraussetzung, daB samtliche Kammersaure ziir Konzentration gelangt, was
nach I, ii t y s Ausfiihrungen klugerweise nicht beabsichtigt zu sein scheint -, daB die aus den1
Konzentrationsglover in den Denitrierglover iibertretenden Wasserdanipfe. . .mehr oder weniger
zum Niederschlag kommen und die unten abflieBende Saure mehr verdiinnen werden, als der
Konzentrationsglover nachher zii verdampfen vermag". L ii t y basierte seine Bereehnungen auf die
Fabrikation von 6O'iger Saure. Meine Forderung ist
demnach berechtigt, daB N i c d e n f ii h 1' nachweise. wie er imstande ist ohne besondere Kosten
dieser Behauptung zu entsprechen. Atis seinen gewundenen Erklarungen : ,,GrolJere Mengen Kammersaure im 1. Appnmt", ,,etwas Kammersaure
im 2 . Apparat", geht in keiner Weise hervor, er
gedenke dieser Anforderung ohne weiteres gerecht
zu werden. Schaltet er etwa Konzcntratioiispfannen
ein, so ware Lii t y der Vorwurf zu machen, daB
er diese besonderen Konzcntrationskosten vernachlassigt habe, was u m so weniger verzeihlich ware,
als er seine Berechnungen zu Vergleichen benutzt,e.
Schon aus dem Zngestandnis, praktischerweise
es aufgegeben zu haben, im 2. Glover eine vollkommene Denitrierung zu erzielen (nach L ii t y
zieht man die Saure mit 0,2o/,(?) 36"igcr HNO,
ab), geht hervor, daB man im anderen Falle, wenn
vollige Denitrierung erzmngen wird, derart dunne
Sauren erhalt; daR sie im 1. Glover iiicht mehr zu
konzentrieren sind. W o b l e i b t d a n n d i e
K o n ze n t r a t i o n d e r H a u p t m e n g e d e r
K a m in e r s a u r e ?
Meine damaln rein theoretischen Bedenkcn
fanden bereits eine Stiitzc durch Dr. S c h 1 i e b s'
Mitteilungen aus der Praxis, die zwei Fille betrafen, in denen der Konzentrator ungenugende
Verdampfungsleistung aufwies. Auf N i e d e n f ii h r s Widerlegungen zu antworten, mu13 ich naturlich Dr. S c h 1 i e b s iiberlasscn; ich bin jedoch
in der Lage, ewei analoge Falle hinzuzufiigen, die
weitere intcrcssante Illustrationen zu diesem Punkte
bieten.
Der erste betrifft die sowohl von L i i t y als
..
477
besonders jetzt wieder von N i e d e n f iih r angefiihrt,e Anlage in Rouhaix (Wettrelosj, in der es
nach ihnen gelungen ist, dic glinzendeii Resultate
zu erzielen, auf die N i e d e n f ii11 r sich in erster
Linie als Referenz beruft. Es wird mir als ein Faktum niitgeteilt, bis nicht allzulange vor der Zeit
des L ii t y schen Vortrages seien trotz. der hohen
Eintrittstemperatur von 400" und mehr der Gase
in den 1. Glover alle Bemiihungen vergeblich
gewesen,
durch
Konzentration
in
ihm
eine
geniigend
starke Gay-Lussacsaure zu
erzielen, so daB diese durch Zusatz starkerer Saure
am anderen Systemen gewonnen werden niuBte.
Erst durch Zwischenschaltung yon groBen Gasfiltern zwischen die Glover, die gleichzeitig als
Kondensatoren dienten, und aus denen dauernd
eine Saure von ca. 40" Bk. ablief, - ebenso wie
aus dem Ventilator, wie N i e d e n f ii h r angibt -,
war es moglich, im 1. Turm eine Saure von 60"
BB. zu erhalten. - N i e d e n f ii h r wird billigerweise wohl zugeben niussen, meinc damalige Behauptung, -- die unter der Voraussetzung abgegeben war, siimtliche Kammersanre gelange in
die Glover zur Konzentration, - daB ein
Teil des Wasserdampfes im 2. Glover sich kondensiercn miisse, bedarf nicht einnial jeiier vorsichtigen Einschrankune, um dennoch berechtigt
zu sein. - Hatte jene Saure von 40" BB. nicht in der
Dungerfabrikation Verwendung finden konnen, so
hatte man sie verloren geben miissen. An eine
vollige Konzentration der Kammersaure war unter
diesen Unistanden natiirlich nicht im entferntesten
zu denken, was dort, in einer Diingerfabrik, auch
nicht verlangt wurde. Ob und in wieweit es
spiiter gelungen, die Konzentratiou der GayLussacsaure auf eine rationellere Weise zu ermoglichen als durch das primitive Mittel von Kondensation zwischen den Glovern, wodurch die Gase
auf eine Temperatur von 30-40 O gebracht werden,
die neben nnderen Mangeln eine auch nur annihernd voliige Denitrierung der Nitrosc ini
2 . Glover ausschlieRen muB, entzieht sich meiner
Kenntnis.
Eine zweite Anlnge, auf die die in Rede stehenden Nachteile und Unzutraglichkeiten teilweise noch
heute zutreffen, ist im Marz vergangenen Jalires in
Betrieb gekommen. Ich vermute, daB es dieselbe
Anlage ist, von der L ii t y auf S. 1260-1261 seines
Vortrages sa.gt : ,,Von besonderem Interesse sind
die Resultate des neuesten, nach dem N i e d e n f ii h r sc,hen Verfahren in Betrieb genominenen
Schwefelsauresgstems, das in deniselben Gesamtarrangement und Dimensionen, wie das mit Fig. 3
illustrierte, ausgefiihrt wurde und sich von letzterem
nur dadurch unterscheidet, daB bei ihm die Gase
in die runde Kammer nicht tangential, sondern von
der Decke aus eingefiihrt wurden. B c i d e A n legen zeigen das vollig gleiche
Bild des Arbeitsverlaufes und dcr
P r o d u k t. i o n s 1 e i s t u n g en".
DaB diese Bchauptung nichts weniger nls den
realen Verhaltnissen entsprechen diirfte - es sei
denn, Anlagc nach Fig. 3 lasse gleichfalls crhcblich
zu wiinschen iibrig -, wird spater gezeigt werdcn.
Obwohl die Ofengase hicr mit 450" in den 1. Glover
treten und ihn mit ca. 80" verlassen, gelang es in
ihm, wie man niir mitteilt, nicht, die aus dein
478
Neumsnn : Das Niedenfuhrsche Intensivsyatem.
2. Glover ausflieWende denitrierte Saure von 54
his 55" BB. auf die Gay-Lussacstarke zu bringen,
so daB mch hier Saure aus anderen Systemen zu
Hilfe genonimcn werden inuRte unter Verwendung
eines groBcn Tcils der auf nur ca. 56" BB. konz.
alten Gay-Lussacslure zu anderen Zwecken. Ich
bin gcrn bereit, falls N i e d e n f ii h r im
Zweifcl sein sollte, um welche Anlage es Rich
handelt,
ihni diese namhaft zu machen,
zurnal jene Mitteilungen nicht allein zu L ii t y s
obigen Behauptungen im Gegensatz zii stehen
scheinen, sondern auch mit den jiingsten Versicherungen N i e d e n f iih r s : ,:HeUte kenne ich in
dieser Beziehung keine Schwierigkeiten, vielmehr
habe ich bei einem System in Osterrcich-Schlesicn
usw." ohne weiteres nicht, in Einlrlang zu bringen
sind.
Uber 5 5 1 / % O Bk. wird die aus dem 2. Glover
sbflieoende Saure sofort nitros, bei 57-58 ' Bk.
enthalt sie in 1 Liter his zu 12 g HNOn (im Durchschnitt 0,4--0,80/;, von 36", nicht etwa 0,274 wie
L u t y angab), so daD es nicht angangig ist, soll
vollige D e n i t r i e r u n g erzielt werden, sie durch Zusatz von weniger diinner Saure starker zu erhalten
als 55" BB. G r u n d i s t o f f e n b a r d i e f u r
S t l r k e n v o n i i b e r 55OR8. z u n i e d r i g e
Eintrittstemqeratur der Gase von
n u r 70-80".
In Ubereinstimmung hiermit, als
auch mit meiner friiheren Annahme, geben L ii t y
und N i e d e n f ii h r an (diese Z. 15, 251 [1902]),
die denitrierte Saure sei so zu halten, daR sie nur
54" BB. stark wurde. AuRerdem sagen sie auch,
daR von dieser denit,rierten Siiure nur ein Teil zur
Berieselung des 1. Glovers zu verwenden sei, wo sie
die Gase reinige und selber konzentriert werde.
Der Glover ist aber nicht nur
ein Apparat zur Denitrierung der
Nitrose, sondern e r soll auch ein
g a n z h e r v o r r a g e n d e r S c h w e f e 1s ii u r e bildner sein, und dieser Vorauss e t z u n g s c h e i n t m i r t r o t z d e r SO2reichen G a s e b e i e i n e r G a s e i n t r i t t s t e n i p e r a t u r v o n n u r 70-80"
nicht
e n t s p r o c h e n zu sein.
Auf diesen speziellen Punkt ausfiihrlicher einzugehen und ihn theoretisch zu begriinden, wiirde
fiir heute zu weit fiihren; ich muB mir dieses Thema
fur einen spatcren Artikel vorbehalten. Heute sei
nur damn erinnert, daB der um so vie1 fruchtbarere
SchwefelsaurebildungsprozeB im Glover in ganz
anderem Sinne und auf Grund anderer Vorausetzungcn hinsichtlich dcr Temperatur usw. verlauft als
der KammerprozeB. Wenn aber, wie durch obige
Fakta erwiesen, fiir gewisse uns hier interessierende
Saurestarken die unterste Denitrierungsgrenze bei
einer Temperatur von 70-80" der Eintrittsgase erreicht wird, muB eben das Denitrierungs- oder Reduktionsoptimum fur diese Saurestarken hoher liegen,
von dessen moglichst Erreichen resp. Ausnutzen in
Verbindung mit dem sich moglichst Nahern a n das
Nitrosylschwefelsaurebildungs- oder Oxydationsoptimum j a die Kapazitat des Glovers als Schwefelsaurebildners abhangt.
Wird die Wirkung des Glovers als Schwefelsiiurebildner herabgesetzt, - das event. Faktum,
daR die Gesamtproduktion des Systems gestiegen,
kann dieses Argument nicht beeinflussen -, so wird
(
Leftschdft fur
aneewandte Chemte.
3s vcrstindlich, da8 seine schein bare Konzentrationswirkung, die in erster Linie auf Aufnahme
von im Glover gebildeter Schwefelsaure4) beruht,
rntsprechend vermindert werden muW. N i e d e n E ii h r gibt ubrigens selber an, bei Mitverdampfung
groDerer Mengen Kammersaure (?!) im 1. Glover,
also bei Aufgabe dort etwa einer Saure von 56-58'
BB., wiirde im 2. Glover die Stlirkc der nllein
nufgegebenen Nitrose von 60-61'
BB. auf 58 bis
59" BB. sinken. Das heiRt nichh anderes, als daR
in Beriicksichtigung der bei einer Temperatur von
70-80'
warmen Oxydationszone in die Kainmer
fortgefiihrten betrachtlichen Wasserdampfniengen,
die Aufnahme durch gebildete SchwefelsSiure nur
eine ganz minimale ist im Gegcnsatz zu den groRen
Mengen Saure, die ein normaler Glover bildet. Da
Be. und jener nieaber andererscits bei 58-59'
drigen Reduktionstemperatur von 70-80
vijllige
Denitrierung nicht im entferntesten erzielt wird,
wird'im 2. Glover noch etwas (!?) Kummcrsiiure
zugegeben, so da8 unten eine Siure von 57" BB.
resultiert, dic, wic wir wissen, immer noch betrachtlichc Salpetersaurcmengen enthalt. Diese kommt,
nun im 1. Glover zur Konzentration, und zwar nach
N i e d e n f ii h r zusammen mit einer grijReren
Rlenge (?!) Kammersaure, so daR die Bcricsclungssaure hier etwa 56-56,5" BB. ( ? ) stark sein mag.
L u n g e hat bereits darauf hingewiesen, daR
die Konzentrationswirkung des Glovers durch
Wasserverdampfung uberschatzt worden ist. Die
Erfahrung in Roubaix und in der von niir zitierten
Anlage bestatigen seine Ansicht. Gelingt N i e d e n f u h r nun wirklich die Konzentration jener 56 bis
56,5 ( ? ) " B8.-Saure im 1. Glover, so ist es klar, daR
sie besonders der bekannten Schwefelsaurebildung
nach der Glovergleichung und dem Gloverprinzip
zu verdanken ist, die bei Gegenwart der im 2. Glover
nicht vollig denitrierten Nitrose, ihreni Gehalte von
0,4-0,8% HNO, und der Temperatur der heiBen
Eintrittsgase entsprechend, durch Anreicherung und
Wasserverdampfung in alter Weise wirksam ist.
Denn daB ein normaler Glover, der durch mehr
oder weniger energische Reaktionstatigkeit entsprechende Warmemengen produzicrt,, bci derselben
Gaseintrittstemperatur auch hinsichtlich der Wasserverdarnpfung crhcblich leistungsfahiger sein muU,
als ein lediglich im Sinne der Wasserverdampfung
tatiger T u r n , diirfte selbstverstandlich sein.-Abgesehen davon, daD ein gewisser Teil der Salpeter&we den Versicherungen entgegen somit nicht den
hohen Temperaturen nnd der Beriihrung mit Flugstaub entzogen wird, so arbeitet N i c d e n f ii h r
auch auBerhalb des Rahmens seines eigenen Verfahrens, das laut Patentanspruch sich auf einen
Konzentrator und einen Denitrifikator beschrankt.
Hier sind aber ein viilliger Glover und ein nechgestellter Vordenitrifikator vorhanden!
Der Nachteil der Unmoglichkeit der Konzentration der gesamten Kammersaure wird aber verbleiben, und
ich mochte behaupten, der EinfluR der unvorteil4) L u n g e s Ansicht (I., 592 [1903]), auch Anhydrid wiirde hier absorbiert, diirfte auf Grund
der mit der Absorption des Kontaktanhydrids gemachten Erfahrungen eine Berichtigung wohl
insofern angebracht erscheinen lassen, alu us sich
hier um nur Absorption des allergcringsten Teils
des Anhydrids handeln kann.
XIX. Jahrgang.
Heft 11. 16. M#rz 1906.1
Neumann: Das Niedenfiihrsche Intensivsystem.
liaften Arbeitsbedingungen wird trotzdem so groB
sein, daB die Menge der konz. Kammersaure nur
geringfiigig sein kann. Ein weiterer groDer Nachteil dieses Arbeitsganges ist dann aber dadurch
gegeben, daB der Gay-Lussacturm mit fast immer
derselben Saure gespeist wird, die sich im 1. Glover
an Eisensalzen, an Arsen usw. immer mehr anreichert, so daB nach einer gewissen Betriebszeit
ihr Ersatz durch Saure aus anderen Systemen oder
ihre urnstandliehe Reinigung erforderlich wird.
V o r t e i l h a f t e r wiirde s i c h m e i n e s
Erachtens der Gang offenbar ges t a l t e n , w e n n auf i r g e n d eine W e i s e
die Temperatur der Eintrittsgase
i n d e n 2. G l o v e r s o h o c h g e h a l t e n
m e r d e n k o n n t e , d a B s i e e t w a 130 b i s
150" o d e r m e h r b e t r i i g e ; b e i d i e s e n
T e m p e r a t u r e n wiirde d e r GloverschwefelsLurebildungsproze5
in
alter Weise einsetzen, und voraussichtlich wurde sich so eine
dnreicherung groRerer
Mengen
K a ni m e r s a u r e e r m 6 g 1 i c h e n 1 a s s e n .
Auf Grund dieser Ausfiihrungen glaube ich ein
Recht zu haben zu der Behauptung, N i e d e n f ii h r s Gloverteilung ist ein Unding, denn sein
Denitrifikator denitriert unvollkommen, und sein
Konzentrator leistet nicht im entferntesten das,
was von einem normalen Glover in dieser Beziehung erwartet werden muB.
N i e d e n f ii h r s Auseinandersetzungen uber
Bleiabnutzung beim Arbeiten rnit Intensivsystemen,
die er rnit apodiktischer Sicherheit ,,ah Widerbgungen" bezeichnet, kann ich als solche nichts
weniger als anerkennen. Abgesehen davon, daB
seine Ansichten auch zu denen L u n g e s , wie gez e i g t , im Gegensatz stehen, vermag ich nicht
einzusehen, warum der allgemein gultige Sate :
,,Jeder Gegenstand erflhrt durch gro5ere Inanspruchnahme auch schnellere Abniitzung", in
bezug auf die Abniitzung der Bleikammern nicht
zutreffen soll.
Die Erkenntnis unserer Zeit geht immer mehr
dahin, daB selbst ,,das Leben der Metalle" ein beschranktes sei, und daB ihr molekularer Zusammenhang desto schneller gelockert wird, je mehr sie
Erschiitterungen, StoSen usw. ausgesetzt sind, und
je s t k k e r und schneller diese erfolgen. Sprode Metalle unterliegen diesen Einflussen natiirlich erheblich schneller als nachgiebige und weiche. Es ist
aber nur folgerichtig anzunehmen, da5 auch das
Blei ein entsprechendes Verhalten zeigen wird, d. h.
daB es durch die bei stirkerem Drucke notwendigerweise auch starkeren Vibrationen schneller in
seinem molekularen Zusammenhang gelockert wird,
so daB, wenn es durch diese Einfliisse auch keine
direkte Tension zum Platzen oder ReiRen zeigen
mag, es doch den Bruch- und ReiBbestrebungen
und den chemischen Einflussen auf die Dauer geringeren Widerstand wird entgegensetzen konnen.
Ohne behaupten zu wollen, gerade dieser Umstand
sei fur jene Anlage in Roubais zutreffend, so wird
es mir doch als Faktum bezeichnet, daB schon nach
kurzer Betriebszeit die Kammern dort ungewohn.
lich stark mitgenommen waren, die umfassendc
Repareturen benotigten, wie das auch E. H a r t .
479
n n und F. B e n k e r in ihrem jiingsten AnfLtze bestatigen (diese Z. 19. 133 [1906].).
Abgesehen davon, da5 durch Ventilatorenbe:ieb der Kammergang zweifelsohne ein geregelterer
nd g1eichm;iBigerer wird, muB doch entschieden in
,brede gestellt werden, als ob N i e d e n f u h r s
lehauptungen
berechtigt seien,
daB ohne
'entilatorbetrieb
unaufmerksame
Bedienung,
3hroffe Varianten in der Salpetersaure- und Dampfufuhr usw. an der Tagesordnung und AnlaBe zu friiheitiger Bleiabnutzung gewesen. Was bedeuteu
iese in Beziehung auf Bleiabnutzung erzielten
leinen Vorteile gegen die oben und im folenden angefuhrten groBen Nachteile !
N i e d e n f ii h r s Behauptung, ,,bei trlger Rektion, kleiner Raumleistung" und ,,niedriger Gasemperatur" werde das Kammermaterial eher korro.iert, als beim Gegenteil, ist in dieser Form so haltlos,
la13 ich wirklich nicht verstehe, wie einFachmann sie
nfstellen kann. Was er uber die Moglichkeit der Salietersaurebildung bei niedrigen Temperaturen sagt,
raf wohl friiher fiir die letzte Kammer zu, hat aber
cit Einfiihrung des Gay-Lussacturmes, besonders
etzt im Zeitalter der Intensivproduktion, selbst fur
Liese keine Berechtigung mehr ( L u n g e I., 611
19031). An welcher Stelle gibt es denn in einem
lystem (wenn nicht uralter Konstruktion)
nit
normalem
Gange so niedrige Temjeraturen, -die niedriger sind, als die auch nach
einem Arbeitsgange sich ergebenden, oder die in
lieser Hinsicht besonders zu fiirchten waren? Ge,ade hohe Temperaturen, kraftige Reaktion, starke
Laumausnutzung bedingen den VerschleiB des Bleinaterials, wie aus dem Verhalten der 1. Kammer
iervorgeht. Um wieviel schneller mussen diese
Taktoren sich noch bei dem N i e d e n f u h r when
System geltend machen, bei dem ein wesentlicher
reil der im Glover nicht mehr in alter Weise statt'indenden Schwefelsiiurebildung in die Kammern
rerlegt wird und diese weit uber die bisher zullssige
frenze hinaus iiberlastet, bei dem nicht nur die
Vibrationen durch hoheren Druck die schutzenden
Bleisalzuberziige zu zerreiDen und neue Metallflachen
blo5zulegen vermogen, sondern deren Wirkung auch
:eeignet ist, die molekulare Konstitution des Bleies
zu lockern, so daB es chemischen Angriffen leichter
cuganglich wird.
Werden diese Deduktionen als berechtigt anerkannt, so eriibrigt sich die Frage der ,,ganz betrachtlich niedrigeren Reparaturkosten". Was t u b ,
wenn das Bleiquantum nur die HLlfte betrlgt, und
wenn die Notwendigkeit der Reparaturen so groB,
und diese so umfassend sind, wie angenommen werden muB, und wie der Fall in Roubaix zu bestiitigen
scheint! Volle Veranlassung diirfte somit gegeben
sein - ebenso wie man in L ii t y s Selbstkostenpreisaufstellung (diese Z. 18, 1262 [1905]) die Amortisationsquote fur 100 kg H2SOa nicht auf 0,2672,
sondern auf 0,4-0,5 M festzusetzen habe -, die
Reparaturkosten nicht rnit 0,0667, sondern mindestens mit 0,12 einzuschitzen.
Dabei darf nicht vergessen werden, daB auf
Grund jener Aufstellung einer Produktion von
8OOOO kg 50iger Siiure ein Vergleich iiberhaupt unzulissig ist, weil derartige Riesensysteme, wenn sie
gebaut sind oder wenn sie gebaut werden sollten,
nicht die Regel, sondern die allergrBBte Ausnahme
1a
480
Neumann : Das Niedenfuhrsche Intensivsystem.
waren. Hinsichtlich der Genauigkeit, mit der diese
Aufstellung gemacht, sei ubrigens noch darauf hingcwiesen, daW von laufcnden Lizenzgebuhren rcsp.
von drr Amortisation eines einmaligen Lizenzhonorars
mit keinein Worte oder Pfennig die Rede ist. Es
ist doch nicht gut anzunehmen, N i c d e n f u h r s
Anspruche fur Erbauung einer solchen Anlage seien
so klein, da6 sie mit Recht zu vernachlassigen sind.
Nachdem ich so keine einzige der gegen meine
Einwande gerichteten Ausfuhrungen N i e d e n f ii h r s unberiicksichtigt gelassen, glaube ich mit
Recht behaupten zu durfen, daW ich vollste Veranlassung habe, meine bisherigen Einwande in allen
Punkten durchaus aufrecht zu erhalten.
Ferner sei noch darauf hingewiesen, wie L u t y
in seinem bekannten Vortrag wortlich sagt : ,,Ein
weiterer Vorzug des Verfahrens ist, daR es die
Z u s a m m e n k o ni b i n i e r u n g v e r s c h i e d e n c r h e t e r o g e n e r O f e n s y s t e m e und
ehenso die gleichzcitige Verarbeitung v e r s c h i e d e n e r Sc h w e f e l r o h s t of f e a n s t a n d s 1 o s zulaWt. So hat N i e d e n f ii h r in Roubaix
(Wattrelos) 3 Ofensysteme. ,
ohne daW
sich
hieraus
Betriebsschwierigk e i t e n e r g a b e n. . . . . . !" Weiterhin wird bcliauptet : ,,Vorher moge noch auf die Wichtigkeit
des Vcrfahrens des D. R. P. 140 825 auch fur alle
bestehenden Anlagen verwiesen werden, daR nanilich dasselbe nicht nur erlaubt, schon existierende
Systeme jeglicher Ausfuhmgsweise mit minimalen
Unkosten lukrativer zu gestalten, sondern auch die
fehlerhaften Anlagen in Ordnung zu bringen".
Uber die Anlage in Roubaix habe ich bereits
berichtet, daR nach mir gewordenen Mitteilungen
his nicht unlange vor L ii t y s Vortrag die Schwierigkeiten bzgl. der Konzentration der Gay-Lussacsaure und erst recht der Kammersaure nicht gelost
waren. Ob das urspriinglich von B e n k e r errichtcte System wirlrlich eine so uberaus geringe Leistung aufgewiesen, wie N i e d e n f u h r behauptet,
so daW sein Eingreifen aus diesem Grunde erforderlich geworden, lasse ich, als nicht in der Lage, diese
Bchauptungen zu kontrollieren, dahingestellt. Ist,
wie anzunehmcn, das nicht der Fall, so diirfte die
Bcrichtigung von beteiligter Seite wohl nicht lange
auf sich warten lassen. Immerhin scheinen die in
dieser Anlage damals erzielten Resultate - es wird
mir auch berichtet, die Betriehsschwierigkeiten seien
auBerordentliche gewesen, und der Salpetersaureverbrauch habe 1,0-1,2% 36 "iger Salpetersiiure
betragen -, nicht derart gewesen zu sein, daB sie
L u t y zu jenen so empfehlenden Anpreisungen
berechtigten. Auch am Schlusse seines gegenstlndlichen Artikels gibt N i e d e n f u h r an, daW er in
nachster Zeit wieder Gelegenheit haben werde, uber
Betriebsresultate mit Anlagen fur verschiedene Rohstoffe, die unter teilweisen recht heterogenen allgemeinen Verhaltnissen arbeiten, zu berichten. Ich
wei13 dahingegen bestimmt, eine solche Anlage ist
bereits im Laufe des vergangenen Sommers in Bctrieb gekommen, und mochte demnach meiner Verwunderung Ausdruck geben, daR N i e d e n f u h r
mit der Publizierung der fur derartige Anlagen erzielten Resultate auf die Zukunft vertroutet, wahrend ihm doch Gelegenheit gegeben ist, den Reweis
seiner Behauptungen schon sofort anzutretcn.
.. . .
[
Zeitschrift fiir
anpewnndte Chemie.
Ebenso wie fur die Anlage in Roubaix
fordere ich N i e d e n f ii h r auf, auch iiber
die zweite von L u t y erwiilintc Anlage, die in
Petrowitz (Osterreich - Schlesien), niihcrc Xlitteilungen zu machen, und wenn angangig, durch zeitlich getrennte Monatsresultate. Die Produktion sol1
hier 11-12 kg betragen; interessant wiire es aber,
zu horen, mit welchen Mitteln sie erreicht wird,
ob Plattenturrne vorhanden, und welches das Verhaltnis ihres Kubikinhaltes zum Kamnierraum ist,
wie hoch die Kammern sind, wieviel Salpetersiure
bei jener Produktion im Umlauf und welches ihr
Verlust ist, wieviel Kammersaure zur Konzentrat,ion
gelangt,, und mit wieviel Gehalt an SalpetersBuro
vou 36" B8. die aus dem 2. Glover ablaufende
Saiure von x o Bb. in den 1. Glover gelangt. Durch
eine Reihe einfacher Versuche wird sich hier auch
mit Lcichtigkeit feststellen lassen, wclchen Einflull
der hohcre Uberdruck auf die Produktion ausiibt.
DaR derartig hohe Intensivproduktionen keineswegs lediglich Eigentiimlichkeit des N i e d e n f ii h r schen Systems sind, - ein Paktum, auf das
Dr. S c h 1i c b s bereits aufmerksanl gemacht, -~
geht aus F a 1 d i n g s 5 ) Mitteilllng (Min. Ind.,
602 [1901]) hervor, der berichtet, das Tangentialsystem in Baltimore habe ohne Ventilator, ohne
Wasserzerstaubung und ohne Reaktionsturme cino
Prod.uktion von 6,2 kg H,S04 gleich 10 kg 50°iger
Saure geleistet. Mit jenen Hilfsniitteln miil3te die
Produktion, falls das empfehlenswert erschienen
ware, zweifelsohne mit Leichtigkcit auf 12-13 kg
zu steigern gewesen sein.
Auch iiber die dritte von L ii t y besprochcnc
Tangentialanlagc (Fig. 3), mit der Dr. S c h 1 i e b H
zu arbeiten Gelegenheit hatte, waren detaillierte Angaben erwimscht. Aus der durch N i e d e n f ii h r
publizierten McinungsHuWerung des Nachfolgers von
Dr. S c h 1i e b s geht durchaus nic!lt hervor, daW
dieser jenem au13ergewohnlichem Ubcrdruclr von
3-4 mm Wassersaule einen ganz besonderen Einflu13 auf die Produktion zuspricht.
Was im ubrigen von N i e d e n f ii h r s Beliauptungen und Versicherungen zu lialten ist, moge
folgende Cegenuberstellung zweier seiner Alitteilungen erweisen. Wir erfahren von ihm, jetzt ini
Jahre 1906, anf Grund seines perstinlichen Eingreifens in die Leitung jenos letzten Systems, nach
Dr. S c h 1i e b s Fortgang, sei die Produktion sofort
eine vie1 bessere geworden, und 9,s kg 5O"iger SHure
pro cbm Kammern- und Plattenturmraum seien erreicht worden, Leistungen, die er als solche bezeich5)
Von Interesse wird es sein zu horen, was
F a 1 d i n g , dessen Sachkenntnis und Erfahrangen
N i e d e n f ii h r anerkennt, in einem Schreiben a n
mich uber Arbeiten mit Ventilatoren sagt : ,,I LI J e
the fans entirely and simply for
maintaining a uniform and comp l e t e c o n t r o l of t h e d r a f t o r s p e e d
of t h e
gas through
the whole
system.
It is my experience that
if t h e f a n s a r e u s e d t o m a t e r i a l l y
increase the prcssure in the chamb e r s , t h a t t h e resultti of s u c h a r e
d i s a s t r o u s.' Dieses Urteil, dcm alle mir bckannten maWgebenden PerGnlichkeitcn axis der
Schwefelsaureindustrie bedingungslos zustinimen,
bedcutet yon autoritativer Seite eine glatte Ablehnung des N i e d e n f u h I schcn Systems.
XIX. Jahrgang.
Heft 11. 16. Mgrz 1906.1
Neumann: Das Niedenfiihrsche Intensivsystem.
net, wie s i e k e i n e d e r b i s h e r e r b a u t e n
Tangentialkammern aufzuweisen
g e h a b t h a b e. I m krassen Gegensatz zu diesen
Behauptungen stehen indes seine eigenen Angaben
in Nr. 1 der von ihm herausgegebenen ,,Mitteilungen
aus der Praxis chemischer Industrien"vom Jahre
1903 : ,,Zur Charakterisierung der durch die Kombinierung von Bleikammern mit Plattentiirmen heute
erreichten Maximalleistungen fiihre ich an, d a 11
bei einer von mir erbauten Anlage
rnit M e y e r s c h e n T a n g e n t i a l k a m m e r n pro cbm R e a k t i o n s r a u m 9-10kg
50"iger S a u r e f a b r i z i e r t w u r d en". Das
ist nicht seine damaligehsicht, die, eventuell als
durch die Zeit iiberholt, heute zu widerrufen ware,
sondern das ist ein von ihm selbst konstatiertes
Faktum, auf Grund dessen er gerade fur jenes
System Freunde geworben!! Dabei waren damals
weder Ventilatoren im Betriebe, - natiirlich gab es
erst recht keinen auBergew6hnlichen tfberdruck -,
noch wurde Wasserzerstllubung verwandt, ein Hilfsmittel, iiber dessen Verwendung N i e d e n f ii h r
sich iibrigens in jeuen Mitteilungen recht
reserviert, ja sogar skeptisch auBert. Waren jene
Hilfsmittel in rationeller
Weise schon in
diesem System auch ohne den auBergewohnlichen
Uberdruck, ohne die Ventilatorstellung zwischen
zwei Glovern, in Anwendung gekommen, so wurde
wie im Baltimorer Falle die Produktion von 9
bis 10 kg leicht auf 12-13 kg zu steigern gewesen
sein, wie sie N i e d e n f u h r spater in seiner unter
Fig. 3 beschriebenen Anlage tatsachlich erreicht
haben will, die er aber nun als eine Folge der Einfiihrung seines Verfahrens in Anspruch nimmt. Alle
seine Deduktionen uber die Wertlosigkeit des Tangentialprinzips zerfallen auf Grund dieses von ihm
selbst mitgeteilten Faktums in ein Nichts.
Eine vierte Anlage, in der sein System zur Anwendung gekommen, ist die, von der Dr. S c h 1i e b s
gleichfalls nichts Riihmenswertes zu erzahlen wei11.
Auf N i e d e n f ii h r s Widerlegung, die allerdings
nur auf einen Punkt eingeht, zu antworten, ist
aber Dr. S c h 1 i e b s' Sache.
Eine weitere Anlage ist die von mir bereits
erwahnte, im Mlrz 1905 in Betrieb gekommene,
von der ich vermute, daD sie mit der vierten, von
L ii t y erwahnten, identisch sei. Man schreibt mir,
daB ihre Leistungen in keiner Weise befriedigen.
Nicht nur der Gloverbetrieb sei ein ungeniigender
(die aus dem 2. Glover abflieBende Saure h a t bei
ca. 57,5" BB. immer noch 0,4-0,8y0 36"iger Salpetersaure, und Konzentration der Kammersaure
ist fast ausgeschlossen), der Salpetersaureverbrauch
sei nicht der erhoffte (etwa 0,9-lyo H N 0 3 von
36" Be.), auch die Produktion bleibe weit
unter der in Aussicht gestellten, d. h. sie betrage
nur ca. 8 kg pro cbm Kammerraum ohne die
Rattentiirme, im Sommer noch weniger. - N i e d e n f ii h r hat iibrigens in diesem Falle die
tangentiale Gaseinfuhrung in die runden Kammern zu einer Deckeneinfiihrung gemacht, eine
Idee, die er, wenn auch nicht in dieser so
doch in variierter Form nach L i i t y (Vortrag
diese Z. 18, 1260 [1905]) zum Gegenstand einer
weiteren Patentanmeldung machen will, obwohl gerade die hier erzielten schlechteren Resultate (vgl.
Ch 1906.
481
die von ihm selbst mitgeteilten Resultate mit
M e y e r s Tangentialsystem vom Jahre 1903) ein
weiterer Beweis fur den Wert des Tangentialprinzips
sind.
Habe ioh in meiner Abhandlung Beweise fur die
von L ii t y mitgeteilten Resultate verlangt, so war
ich, - ich wiederhole es -, nachdem N i e d e n f i i h r
durch L ii t y s Publikationen in einer wissensohaftlichen Zeitschrift sein Verfahren zur
Diskussion gestellt, nachdem
er die Angelegenheit vor
das Forum
der Offenttichkeit gebracht, dazu durchaus berechtigt. Auf
N i e d e n f ii h r a jetzige Ausflucht, ,,ernstlichen
Interessenten" wolle er gern Beweise zuganglich
machen, bin ich genotigt zu antworten, er hatte
dann logischerweise auch seine Anpreisungen lediglich an jene ,,ernsten Interessenten" richten, seine
Publikationen auf den Inseratenteil chemischer Zeitschriften beschranken und die wissenschaftliche
Offentlichkeit rnit seinen Publikationen meiden
sollen. I n seinen Behauptungen aber wissenschaftlich sein zu wollen und in seinen Beweisen rein
geschLftsmaBig, ist eine Inkonsequenz.
DaB bei der Fiille der Widerspruche alle Veranlassung vorliegt, die Fakten ernstlich zu prufen,
geht aus Dr. S c h 1 i e b s und den mir gewordenen
und hier veroffentlichten Mitteilungen hervor.
Abgesehen davon, daB ich mehr wie je iiberzeugt bin, daB alle derartig ubermaBig hohen
Intensivproduktionen
in
bezug
auf
die
lange Haltbarkeit,
auf die Soliditit der
Kammern unrationell sind, abgesehen
davon, daD diese unrationelle Wirtschaft aus den
angegebenen Griinden (hoherer Druck und Verlegung eines groBen Teils der Produktion des Glovers in die Kammern) beim N i e d e n f ii h r schen
System sich zu einer Art Raubwirtschaft herausbilden wird, abgesehen ferner davon, daB jedes
Arbeiten mit aul3ergewohnlichem tfberdruck hach
wenigen Jahren Betriebszeit bei Entstehung der
ersten Risse usw. von selbst unterbleiben muB,
habe ich den Beweis erbracht, daB N i e d e n f ii h r
iiberhaupt nicht mehr unter den Bedingungen seines
patentierten Verfahrens fabriziert, da11 er sich vielmehr notgedrungen meinen in meiner vorigen Abhandlung gemachten Vorschlagen nahert, die jedermann instandsetzen, in gleicher Weise zu arbeiten
wie er. Dazu liegt aber nicht die mindeste Veranlassung vor! Im Gegenteil! Der einzige eventuelle
Vorteil, den N i e d e n f ii h r erzielt, die geringe
Ersparnis an Salpetersaure wird fur die meiAten
Interessenten mehr als aufgewogen durrh den erheblichen Nachteil, daB das System nur wenig 60'ige
Saure liefern kann, wozu noch die Beschwerlichkeit
der Reinigung der Gay-Lussacsaure von Eisensalzen
usw. kommt.
Um dieselbe Produktion zu erzwingen wie
N i e d e n f ii h r , bedarf es keineswegs der Gloverteilung, des Arbeitens mit audergewehnlichem Uberdruck, wie aus F a 1 d i n g s und seinen eigenen
Mitteilungen hervorgeht..
Auch ohne die kostspielige Gloverteilung konnen andere in rationeller
Anwendung all' der modernen Hilfsmittel und Erkenntnisse in bezug auf Kammer- und Turmdimensionierung und Gasfiihrung dieselben Resultate erzielen.
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