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Das Ozon verglichen mit dem Chlor.

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173
zu wlinschen, daCs dieselbe je Ianger je mehr Gegenstand
der vielseitigsten und umsichtigsten Forschung werde, und
dafs die Chemiker insbesondere ihre Blicke auf die Erscheinungen richten, welche in der Atmosphare stattfinden und durch diese bedingt werden. Trotz der groken
Verdienstc , welche die neuere Wissexischaft auf diesem
Forschungsgebiete sich schon erworben hat, unterliegt
es doch keinem Zweifel, dafs noch unendlich vie1 auf
demselben zu entdecken ist, darauf noch die grijfsten Geheimnisse zu enthlillen sind. Indem ich der Meinung bin,
es sey uns in dem Verbalten des Phosphors zur atmospharischen Luft ein Fundamentalphanomen bekannt geworden, so glaube ich auch; dafs dassclbc, wenn einmal
v6llig verstanden, uns die schihsten und uberraschendsten Aiifschliisse iiber die Ursache einer Reihe von Naturerscheinungen gewahren werde. Um zur Verfolgung
eines solches Zieles anzuregen, um die Chemiker auf gewisse, ihrem Gebiete angehbrige Erscheinungen aufmcrksam zu machen und zu deren weiterer Erforschung zu
veranlassen , sind vorstehende Bemerkungen geschrieben
worden.
B a s e l , den 5. April 1815.
11. Das Ozon cerglichen mit dem Chlor;
con- C. F. S c h o e n b e i n .
V i d e wesentlichen Eigenschaften des OZOIAS
sind mit
dencn des Chlors so Ubereinstimmend, dafs ich beide
Materien zusammenstellte und die erstere fur einen einfachen und salzbildnerischeii KBrper zu halten geneigt war.
Da die Ergebnisse sowohl meiner eigenen neueren Untersuchungen als dejenigen von M a r i g n a c es im hohen Grade wahrscheinlich machen, daL das Ozoa eine
174
hilhere Oxydationsstufe des Wasserstoffs oder, wenn mau
lieber will, einc eigenthIimliche Verbindung des Wassers
mit dem Sauerstoff ist, so miissen wir freilich dieses Ozon,
seiner Zusammengesetztheit halber, vom Chlor wieder entfernen, falls wir namlich letzteres, der heutigen Theorie
gemrfs, als einen einfachen rind somit sauerstofflosen Kbrper betrachten. Insofern aber die Einfachheit oder Sauerstofflosigkeit des Chlors nocb keineswegs eine erwiesene
Sache ist, und bekanntlich alle die durch diesen Kbrper
veranlafsten chemischen Wirkungeii nach der Ylteren, von
B e r z e l i u s so lange vertheidigten Theorie eben so gut
ala nach der D avy’schen Ansicht erkliirt werden kilnnen, so scheint lnir gerade die Existenz des Ozons dazu
aufzufordern, die beideii Theorien aufs Neue zum Gegenstand der Untersuchung und Vergleichung zu machen.
Grtinde der Analogie und der theoretischen Bequemlichkeit waren es allein, welche die Chemiker bestimmten, die Yltere Ausicht aufzugeben und der neueren zu
huldigen. Weil das Cyan mit dem Qiiecksilher eiue Verbindung bildet, ehnlich dem Chlorquecksilber ; weil dasselbe Cyan mit dem Sauerstoff und mit dem Wasserstoff SIureu erzeugt, die einige Analogien zeigen mit
der Chlorsaure und der Chlorwasserstoffsaure; weil selbst
bei den hlichsten Temperaturen das Chlor den so leicht
oxydirbaren Kohlenstoff nicht angreift ; weil die trockene
hypothetische Salzsarire der Blteren Chemiker nicht darstellbar, und weil endlich als Erliliirungsmittel die neiie
Ansicht bequemer als die Bltere ist : deshalb gab man die
sonst so genugeiide Theorie von B e r t h o 1 I e t auf und
setzte an ihre Stelle die Davy’sche. Hiedurch sah man
sich gezwungen , eine Summe von cbemischen Analogien
der neuen Erklarungsweise zu opfern, welche Summe,
bei rechtem Lichte betrachtet, grbfser crscheint als diejenige, welcher zu lieb die jetzt herrschende Ansicht angenommen wurde. Die zahlreiche Klasse der salzsaiiren
Salze. welche eine so groke Aehulichkeit mit den Sauer-
175
stoffsalzeti haben , mufsten, der neuen Theorie gemiifs,
von einem ganz veranderteii Gesichtspunkte aus betrachtet werden; ja , weil zwischen beiden Reihen saliuischer
Kiirper die Aoalogien zu schlageud waren, sah man sich
gezwungen, die fruher bestandetie Ausicht uber die Sauerstoffsalze wie uber dic Sauerstoffsh-en zu veraodern, und
eine grofse Atizahl hypothetischer, dem Chlor ahnlicher
oder dem Cyan analog zusammengesetzter Salzbildner zu
ersinnen, von dcnen aber ebeii so wenig, als die trockcne
Salzsaure der alteren Chemie, auch nur eiii einziger bis
jetzt dargestellt worden ware. Des Willkiihrlichen und
Hypothetischen hat daher die neuere Ansicht allermenigstens eben so viel, wo nicht mehr, als die altere Theorie, und in dieser Beziehung scheint jene vor dieser keine
besonderen Vorzuge zu besitzen.
Ehe icli weiter in die Wurdiguiig beider Chlortheorien eiutrete, sey es mir gestattet, die Aehnlichkeiten hervonuheben, welche zwichen dem Ozou und dem Chlor
bestehen.
1) W e n n wir das Ozon auch noch nicht im vSllig
isolirten Zustand kennen, so wisseo wir von ihm
doch, dafs es bei gewtihulicher Temperatur dampfoder gasfiirmig existirt. Das Chlor besitzt uuter
den gleichen Umstanden ebenfalls die Gasform.
2 ) Im mbglichst concentrirten Zustande, in welchem
das Ozou bis jetzt hat dargestellt werden kiinnen,
besitzt es einen Geruch, der an deujenigen des
Chlors, Broms und Jods gleichzeitg erinnert, uod
mit dem Geruch keines anderen KBrpers zu vergleichen ist.
3) Das Ozou polarisirt gerade wie das Chlor, Brom
und J o d das Gold und Platin aufserst kraftig und
im negativen Sinne.
4 ) Das Ozoti wird schon bei gewtihnlicher Temperatur von den mcisten Metallen verschluckt, und
bekaniit ist, dafs sich das Chlor auf eine lhnliche
176
Weise yerhzlt. Kennen wir ersteres einmal im
isolirten Zustand, so zweifle ich kaum, dais in
dem Gase desselben viele Metalle mit Licht- und
Wsrmeentwicklung, gerade so wie im Chlorgase,
verbrennen.
Das Ozon wird, wie das Chlor, schon bei gewdhnlicher Temperatur vom Phosphor unter mafsiger
Warme - und Lichtentwicklung aufgenommen.
Das Ozon wird, mie das Chlor, ebenfalls bei gewdhnlicher Temperatur vom J o d verschluckt.
Das Ozon zersetzt pldtzlich und bei gewdhnlicber
Temperatur deu Schwefelwasserstoff nebst einigeu
anderen analog zusaminengesetzten Wasserstoffverbindungen, und verbalt sich somit auch in dieser
Hinsicht auf eine dem Chlor ahnliche Weise.
Schweflige Siiure wird durch das Ozon in Schwefelsaure ilbergefiihrt, wie diefs bei Gegenwart von
Wasser auch das Chlor zu thun im Stande ist.
Das Ozon zersetzt das Bromkalium, das Jodkalimn, das Kaliumeisencyaniir, und auch das Chlor
bewerkstelligt diese Zersetzungen.
Das Ozou bleicht, wie das Chlor, Schwefelblei und
andere Schwefelmetalle.
Das Ozon zerstdrt, wie das Chlor, alle Pflanzenfarben vollstandig und mit grofser Energie.
Das Ozon endlich, wenn in gehllriger Menge eiugeathmet, veranlafst catarrhalische Affectionen, ganz
3hnlich denen, welche das Chlor hervorbriagt.
W e n n es nun kaum einem Zweifcl unterliegen kann,
dafs die angefiihrten Wirkungen des Ozons von einem
Theil des in ihm gebundenen Sauerstoffs herrfihren, wenn
die B e r t h o 11e t 'sche Theorie mit keiner einzigen bis
jetzt bekannt gewordenen Thatsachen im V'iderspruche
steht, und nach ihr alle Wirkungen des Chlors erb;l;irt
werden kdnnen, so m u t man es wenigstens fiir mdglich
halten, dab lehterer Kllrper ebenfalls Sauerstoff gebunden
175
den enthalt, iind von diesem die Reactionen des Chlors
gerade so abhlngen, wie die Wirkungen des Ozons von
dem in ihm enthaltenen Sauerstoff bedingt werden.
Es ist eine in theoretischer Hinsicht aufserst bedeutungsvolle, und ich fiige bei, eine bis jetzt vie1 zu wenig
gewiirdigte Thatsache, dal's freier Sauerstoff weniger leicht
mit den oxydirbaren Kbrpern sich vereioigt, als diefs derjenige Sauerstoff thut, welcher sich in gewissen Verbinbindungszustiinden befindet. Man braucht nur an gewisse
Sauren und Byperoxyde za denken, um sich von der Richtigkeit dieser Behauptung zu iiberzeugen.
Die Hslfte des Sauerstoffs, enthalten in der Chromsaure, befindet sich in einem solchen Zustand chernischer
Erregtheit, dafs er nicht nur Aether oder VVeingeist, sondern sogar Papier bei gewbhnlicher Temperatur entzundet ; wahrend freier Sauerstoff unter diesen Urnsttinden
wenig oder gar nicht auf die erwahnten Substanzen einwirkt. W i e ich dies schon froher in den Annalen beioerkt babe, zerstbren sogar in der Kalte schon die Superoxyde des Mangans und des Bleis die Indigolhmg,
und scheideu die gleichen Oxyde, wenn mit Jodkaliumh u n g zusaminengebracht, aus diesem Jod ab unter gleichzeitiger Eneugung von Jodsiure. Der in dem chlorsauren Kali gebundene Sauerstoff wird bei der geriogsten
Veranlassung, z. B. in Folge eines Stofses auf osydirbare Stoffe, z. 13. auf Schwefel, Phosphor u. s. w., iibertragen, und jeder Chemiker kennt die Leichtigkeit, mit
der cin Theil des Sauerstoffs der Salpetersaure mit Metallen u. s. w, sich verbindet. Das schlagendste hieher
geliarige Beispiel liefert das Ozon selbst, welches, wie
meine und Ma r i i;n a c's Versuche zeigen , selbst J o d
und Silber bei gewblinlicher Temperatur zu orydiren
vermag, wahrend freier Sauerstoff unter solchen Umstlnden nicht im Geringsten auf diese Kbrper einwirkt. Die
Affioitaten des ungebundenen Sauerstoffs werden in der
Regel erst bei hiiheren Temperaturen erregt, so dafs nach
Poggrndntffs hnnal.
RJ. LXV.
12
178
deu Angabeii ineiicher Chemiker selbst die alleroxydirbarsten Metalle in trockenem uiid kaltem Sauerstoff unverh d e r t bleiben. Gehen wir uun von der B e r t h o I 1 e t’ scheii hnsicht aus, geinafs welcher das Chlor acis wasserfreier Salzsaure und Sauerstoff besteht, so wird durch
diese Hypothese das VermOgen des Chlors schon bei gewbhnlicher Temperatur mit einer grofseii .\nzahl VOJI Karpern sich zu verbinden, vollkoinineu begreiflich. Der im
Chlor gebundeiie Sauerstoff befindet sich in einem Zustande cheinischer Erregtlieit, Ihulich dem, in welchem
das gleiche Element im Ozon, in der Chromslure, in den
Superoxyden u. s. w. existirt, uod in welchem es (der
Sauerstoff) befahigt ist , schon bei gewbhnlicher Temperatur mit vielen Stoffeii eioe chemische Verbiuduug einzugehen. Sind nun letztere von einer solchen Art, dafs
sie iin oxydirlen Zustande innige Verbindungen bilden
mit der wasserfreieu Salzsgure, in welchem Falle der
Wasserstoff, Phosphor, Schwefel uud die meisten, wo
aicht alle Metalle sich befinden, so mufs diefs ein weiterer Grund seyn, weshalb die oxydirte Salzsaure schon
ohne MithUlfe der Warme anf die besagten Kbrper einwirkt. Zwei Thatsachen sind es, welche vonugsweise
dazu beigetragen habeu , die B e r t h 01 I e t’sche Ansicht
zu verdrsngen uiid der osygtlirteii Salzsaure den Ruf der
Einfachheit zu erwerbeii: riiimlicli die Wirkungslosigkeit
dieser Slure auf den so leicht oxydirbaren Kohlenstoff
und die Entdeckuiig des Cyans.
W a s die Schwierigkeit betrifft, melche die erstere
Thatsache der fraglichen Hypothese entgegenstellt, so Iafst
sich dieselbe leicht durch die Aiiiiahme beseitigen, dafs
die wasserfreie Salzssure dcr altcren Chemiker iiur in
einem einzigen Verhliltnisse uiit der Kohlensaure sich vereinige ( i n demjeoigen nhnlicli, in welcheni beide Siiuren im Phosgengas sich vorfiiiden), und auch keine Verbindudg zwischen der wasserfreien Salzsaure uiid dem
Kohleiioxyd bestehen kann. Diese Voraussetzuug, zu-
179
sammengenommen mit der alteren Theorie, gemlfs welcher die Salzslure eben so wenig fur sich existiren kann,
als z. B. die Salpetersiiure, erklart die Wirkungslosigkeit
der oxydirten Salzsaure vollkommen. Bezeichnet man die
hypothetische Salzsaure der Blteren Chemiker mit M, so
ist die oxydirte Salzsaure g+O. Nun kihnte %+O
mit C mbglicher Weise eine Verbindung bilden, aus
%+ C O bestehend, d. h. salzsaures Kohlenoxyd; unserer Voraussetzung gemafs existirt aber eine solche Verbindung nicht. 2
0)kbiiuten mit C KohlensPure,
d. h. CO,, eneugen, wobei dann 2M frei werden miifsten; vermiigen aber 2k nicht mit CO, sich zu verbinden, und kann-nur
mit CO, sich vereinigen, so
miifste das eine M frei existiren, was aber nach der
B e r t h o 11 e t’schen Ansicht nicht milglich ist. Von
der Unmsglichkeit des Bestehens einer Verbindung von
M + C 0 und einer Verbindung von 2 + C 0,,
und der Unmsglichkeit der Existenz freier wasserloser
Salzsaure, wurde somit die fragliche Wirkungslosigkeit
der oxydirten Salzshre eine nothwendige Folge seyn.
Auf die Frage, warnm denn solche Verbindungen nicht
bestehen kdnnen, weifs ich eben so wenig zu antworten,
als mir irgend ein Chemiker sagen kann, weshalb die
Kohlenslure keine Verbindung mit dem Aluminiumoxyd
eingeht, weshalb es iiberhaupt nicht viele scheinbar an
und fiir sich leicht mbgliche Verbindungen in der Wirklichkeit giebt.
in Betreff des Cyans iafst sich in der That nicht
laugneu, dafs es mit dern Chlor in lnancher Beziehung
eine grofse Analogie habe, obgleich andererseits auch
iiicht in Abrede gestellt werdeii kann, dafs eine solche
Analogie inehr in eiuigen Verbindungen hesteht, welche
diese Kbrper init gewissen Materiel] eingehen, als in der
Aehnlichkeit der Eigenschaften , welche sie im isohten
(Gt
12 *
180
Zustande besitzen. W i e dem aber auch seyn mag, so
begreift sich leicht, wie man veranlafst werden konnte,
das Chlor mit dem Cyan in einc Klasse Ton Kbrpern
zu stellen. Aber indem diefs geschah, mufste man auch
die aufserordentliche Behauptung aussprechen : es k8nne
ein zusalnmengesetzter Ki)rper die Rolle eiues Elementes
spielen. Von einer solchen Anuahrne hat man, wic zur
Genlige bekauiit ist, in der neueren Zeit einen ausgedebnteu Gebrauch gemacht zum Behufe der Erklsrung
einer groken Anzalil von Thatsachen der organischen
Chemie, des Urnstandes nngeachtet, dafs no& nicbt ein
einziges orgariisches Element, z. B. weder ein Aethyl,
Acetyl, Formyl, noch irgend cin anderes XI, sich hat
darstellen lassen.
Um eine Analogie zwischen dem Cyan und dem
Chlor , der alteren Chemie gemsfs, henustellen, miihte
inan annehmen, dafs jenes, wie das Chlor, eine sauerstofflialtige Materie sey. W e a n aber das Cyan bei seiner Zersetzung nichts Anderes Iiefert, a h Stickstoff und
Kohlenstoff, woher denn den Sauerstoff fiir das Cyan
nehmen? Gingen wir von der Hypothese aus, die B e r z e l i u s iiber die Natur des Stickstoffs aufgestellt hat,
und welcher gemafs dieser Kbrper aus Nitricum und
Sauerstoff zusammengesetzt wlre , so liefse sic11 begreifen, wie das Cyan ein der oxydirten SalzsHure ahnlicher
Kbrper seyn und Sauerstoff enthalten kbnnte. C, N
(unter N das Nitricum verstanden) miifste dann als eine
Materie angesehen werden, ghnlich dem
-
M,
und \vie
M+O=Cl, so wsre C, N+O=Cy.
Bei der Vereiuigung des C , N + O mit Kalium z. B. wiirde C , N + K O
entstehen, wie sich bei der Verbindung des $ + O
mit
dem gleichen Metall G + K O bildet. Die trockene
Cyaiirvasserstoffsaure hatte man bei einer solchen Betrachtungsweise natiirlich auch ala C, N + H O anzuse-
IS1
hen, wie uach der alten Theorie die wasserfreie Chlorwasserstoffsaure =%+H 0 ist. Einen eigenthiimlichen
theoretischen Vortheil wurde aber die fragliche Ansicht
noch dadurch gewahren dafs sie zweien Kbrpern, welche hinsichtlich ihres cheinischen Charakters so viele Aehnlichkeit mit einander haben, auch eine ahnliche Zusammensetzung @be, wahrend die heutige Theorie trotz dieser Aehnlichkeit our den eineu der erwahnten Kbrper fiir
eine zusammengesetzte Mnterie ansehen darf, den andern
aber fur ein Element auszugeberi sich gezwungen sieht. In
der That, wenn bei deiii heutigen Stande der Chelnie
sich eine Sache schwer begreifen lafst, so ist es die Annahme, dafs ein zusammengesetzter Karper in chemischer
Hiusicht wie ein einfacher sich SOU verhalten kihnen, \vie
also namentlich der elementare Kohlenstoff mit dem ebenfalls fur einfach geltenden Stickstoff eine Verbindung bilden kann, ehnlich einem Urstoffe (dem Chlor), der sich
von jenen beiden Elementeu unterscheidetl wie der Tag
von der Nacht.
Vergleicht mau die Verbindungen, welche der Sauerstoff mit den elementaren Kbrpern eingeht mit deneq,
die das Cblor mit den gleichen Materien bildet, so mufs
die Analogie auffallen, welche zwischen den beiden Verbiiidungsreihen hinsichtlich ihrer stiichiometrischen Zusammensetzung besteht. Das J o d und das Brom abgerechnet, giebt es keinen andereri Kiirper, dessen Verbindungen in der emahliten Hinsicbt eine so grofse Uebereinstimmuiig zeigten, als diejenige ist, welche zwischen den
Chloriden und Oxyden besteht. Es verliert aber diese
Uebereinstimmung ihr Auffallendes sofort, wenn man der
alten Chemie huldigt uiid das Chlor aIs eine Verbindung
voli eiiiem Mischungsgewicht trocliener Salzsaure und eiilem Mischungsgewicht Sauersloff ausieht.
Bach dieser
hnsicht begreift sich von selbst, warum das Chlor in ebeu
deuselben Verhaltnissen, z. 3. init dem Phosphor, sich
182
vereinigt, nach welchen mit diesem Kihper der Sauerstoff
zusammentritt; denn PhosphorchlorUr ist = P O , +3M
und Phosphorchlorid
=P 0,+5 %,
wtihrend Chlor a h
M+ 0 angesehen werden mufs.
Als merkwtirdige Ausnahme von der Regel, gemsfs
welcher elementare Kbrper keine eigentlichen chemischen
Verbindungen mit dem Wasser eingehen, wird voii den
Chemikern die Thatsache hervorgehoben, dafs das Chlor,
wie das mit diesem so verwandte Brom, eine solche Verbindung bildet; denn es giebt bekanntlich C l t l O A q
und B r t l O A q . Betrachtet man aber das Chtor, der
alteren Ansicht zufolge , als eine zusammengesetzte Materie, so hat die Verbindungsftihigkeit derselben mit W a s
ser durchaus nichts Auffalleudes und Regelwidriges, und
da bei Beurtheilung des wissenschaftlichen Werthes der
beiden iiber das Chlor aufgestellten Theorien bis jetzt
nur Analogien in Betracht gezogen werden konnten, so
verdient die Flhigkeit des Cblors, ein Hydrat zu bildeo,
die allergrtilste Beachtung.
Gehen wir mit B e r t h o 11e t von der AMahme aus :
das beutige Cblor sey % + O , und betrachten wir das
Ozon als eine Materie, hinsichtlich ihres chemischen Charakters ubereinstimmend mit der oxydirten Salwaure, so
miissen wir auch das Wasser als eine Substanz anseben,
welche in Bezug auf den Sauerstoff eine Rolle spielt,
ahnlich dejenigen, welche der wasserfreien Salzsaure der
alteren Cbemiker, dem $ zukommt.
Da das Wasser mit den kraftigsten Salzbasen: dem
Kali und den Natron, so innig sich verbindet, dafs selbst
die stlrkste Hitze dasselbe nicht auszutreiben vermag; da
das Wasser iiberhaupt so gern Verbindungen mit den basischen Oxyden eingeht, so sagen desbalb auch die Chemiker, dafs es gegeniiber den Basen sich ats Siure verhalte, von welcher freilich angenommen werden mufs, dafs
I83
sie eine aufserst schwache s e y , uud i i i dieser Hiiisicht
selbst der Kohlensaure nachstehe, indein das Wasser die
basischen Eigenschaften der Alkalien kauln modificirt.
HO diirften wir demnach init
zusammenstellen, und
beide fur SPurcn halten, die sich nur durch ihre StVrke
v o ~ ieinander unterscheiden.
Wollten wir nun gemtifs dieser Ansichten die chemischen Heactionen des Ozons init denen des Chlors parallelisiren, so wurden wir Folgendes zu sageii haben. Tritt
Ozoii z. B. mit Kalium in Beriihrung, so vereinigt sich
ein Theil des Sauerstoffs dcr ersteren Materie mit dem
Metalle zu Oxyd, und das Wasser des Ozons mit dein Kali
zu einer Salz ahtilicheii Verbindung, in welcher aber wegen der Schwsche der Saure (des Wassers) die basischen
Eigenschaften des Oxyds nicht aufgehoben sind. Vereinigt sich Chlor mit dein glcichen Metall, so findet ein
Vorgang statt, gleich dein eben' beschriebenen: der Sauerstoff der oxydirten Salzsaure wandelt das Kalium in basisches Oxyd um, und die ibres Sauerstoffs beraubte Salzsliure vereinigt sich mit dem Kali, das abet in diesem
Falle, der grafsereo StVrke der Saure halber, vollkommen
neutralisirt wird. In abnlicher W e i s e liefsen sich auch
die iibrigen Reactioneii des Ozons mit denen des Chlors
i;leichsteileii, und konnte mail eioe vollkommene Aualogie zwischen dern chemischen Verhalten beider Kbrper
durchfiibren.
Die griifsere Eiiergie, welche das Chlor in seiner
chemischen Wirkuugsweise im Vergleich zum Ozon zeigt,
begreift sich nach der alteren Ansicht sehr leicht. Die
wasserfreie Salzsaure kann fur sich allein nicht bestehen,
ist zu gleicher Zeit einc aiifsert kraftige S u r e iind besilzt eiiie sehr grofse Affinitat, namentlich z m Wasser
und den basischeu Metalloxytleo. Trifft n[in das Chlor
z. B. init gewisseu Wasserstoffverbindungen zusainmen,
SO vereiiiigt es sich init dem Wasserstoff derselben, wie
184
acbou oben angedeutet wurde, aus zwei Gduden sehr
leicht: einmal weil der Sauerstoff der oxydirten Salzsaure
in einem Zustand starker chemischer Erregtheit sich befindet, und zweitens, weil die trockene Salzslure so begierig ist mit Wasser sich zu verbinden. Aus den gleichen G r h d e n wirht das Chlor auch so energisch auf
die Metalle ein.
Die Analogie, welche zwischen dem chemischen Charakter des Wassers und der Salzsaiure besteht, l a t t sich
bis auf die Eneugungsweise der Oxydationsstufen beider
Materien ausdehnen, wie aus folgeuder Darstellung erhellen wird. Lafst man durch eiu Gemeng von Sauerstoff- und Wassergas elektrische Funken schlagen, so
entstebt nach meinen Versuchen eine h6here Oxydationsatufe des Wasserstoffs oder des Wassers, namlich das
Ozon. Unterwirft man ein Gemeng von Sauerstoff- und
Chlorwasserstoffgas der gleicben elektrischen Behandlung,
so tritt Chlor auf. Nach der alteren Theorie bewerkstelligt die Elektricitlt eine Verbindung des Sanentoffs
mit der trochnen Salzsaure unter Abscheidung des mit
dieser verbunden gewesenen Wassen, und findet diese
Oxydation der Salzsiiure statt in Folge der gr0)teren
Verwandtschaft, welche dieselbe zum Sanerstoff hat. In
dem einen dieser Falle wird also H O in Ozon, in dem
andern das % in M i - 0 durch Aufnabme von Sauerstoff
verwandelt.
Geht ein V o l ta'scher Strom durch (kaltes) reines
Wasser, so vereinigt sich ein Theil des unter diesen Umstanden am positiven Pole ausgeschiedenen Sauerstoffs
mit Wasser zu Ozon; und unterwirft man die gew6hnliche Salzsaure der gleichen o 1t a 'schen Enwirkung,
so wird das Wasser derselben zerlegt, und vereinigt sich
v
der hiebei entbundene Sauerstoff mit zu Chlor, gleicbzeitig das mit dieser Salzsaure verbnndene Wasser ausscheidend.
185
Da man aus mehreren Griinden aiinchmen muis, dafs
die Affinitat des
zum Sauerstoff grafser als diejenige
des HO zum gleichen Elemente sey, so begreift sich
auch, weshalb das Ozon nicht unter allen UmstBnderi
sich hildet, unter welchen das Chlor znm Porscheiu
kommt. Bringt man z. B. Braunstein und Salwaure zusammen, so erzeugt sich, eben in Folge der griifseren
Affinitat der letzteren zum Sauerstoff und der starken
Verwandtschaft der gleichen S u r e ziim Manganoxydul,
schon bei gewiihnlicher Temperatur Chlor, wahrend Wasser und Braunstein unter den gleichen Umstanden wirkungslos auf einander bleiben, da weder das Wasser gegen besagtes Oxydul, noch gegen den Sauerstoff eine Affinitatsstarke Zufsert , gleich dejenigen, welche dem
eigen ist. Selbst in dem Falle, wo deln Wasser noch
Schwefelsaure beigemengt wird, bildet es mit dem Sauerstoff des Braunsteins kein Ozon. Bei erhdhter Temperatur vermag, nach meinen Beobachtungen, der V o 1t a’sche Strom aus dem Wasser kein Ozon zu entbinden,
und in diesem Umstande liegt vielleicht die Ursache,
warum selbst scbwefekiurehaltiges Wasser, wenn mit
Braunstein erhitzt, keine merkliche Menge von Ozon
liefert.
Es fragt sich, ob auch der Phosphor im Stande sey,
durch katalytischen Eiuflufs den Sauerstoff zur chemischen Vereinigung mit dem % der gewirhnlicheu Salzsaure zu bestimmen, o b also aus einem Gemenge von
Sauerstoff und Chlorwasserstoff dcr Phosphar Chlor zu
entbinden veriniige. Einige Chemiker geben an, dais Phosphor in einem solchen Gemeng leuchte, und sollte hiemit eiu wasserfreies verstanden seyn, so dfirfte eine derartige Thatsache zu Gunsten der Ansicht sprechen, dais
das fragliche Leuchten von der Hiickwirkung des unter
dern Einflufs des Phosphors gebildeten Chlors herriihre.
Der Gegenstand verdient jedenfalls genau untersucht zu
186
werdeu, und ich stehe eben im Begriff, diefs selbst zu
thun. Trlte nun wirklich unter den erwiihnten Umslanden Chlor auf, so kdnnte freilich diese Tbatsache auch
mit der jetzt herrscbenden Theorie in Uebereinstimmuug
gebracht werden, indem man anniihme: die katalytische
Tbatigkeit des Phosphors bestilnme den Sauerstoff, mit
dem Wosserstoff des Chlorwasserstoffgases sich zu vereioigen rind aus dem letzteren das Chlor abzuscheiden.
Indesseu wiirde, wie mir scheint, diese weitere Analogie,
welche das Verhalteu des Wassers zum Sailerstoff mit
demjenigen der Salzslure zum gleichen Elemente zeigt,
doch vie1 mehr zu Gunsten der alteren Theorie als fur
die jetzt herrschende Ansicht sprechen.
Das elektro - chemische System stellt den Sauerstoff
an die Spitze der elektro-negativen Elemenle, und lafst
das Chlor positiv gegen denselben sich verhalten. Nun
giebt es aber eine Anzahl von F:illen, in welchen das
Chlor hinsichtlich seiner sogenannten elektro -negativen
Wirksamkeit den Sauerstoff entschieden tibertrifft. SO
vermag das Chlor bei hdherer Temperatur aus vielen
Oxyden den Sauerstoff auszutreiben uud sich an die
Stelle des letztereii zu setzen; eben so scheidet das Chlor
aus dem Bromkalium das Brom, am dem Jodkalium das
Jod u. s. w. ab, wlhrend der Sauerstoff auf diese Verbindungen wirkungslos bleibt. Trotz dieser grllfseren
Elektro-Negativitst des Chlors kann sich aber mit ibm
der Sauerstoff zu kraftigen Sauren vereinigeo, in welchen Verbindungen die Elektrochemie dem Chlor die
elektro-positive, dern Sauentoff die elektro-negative Rolle
anweisen mufs. Es ist aber schwer einzuseheo, wie derselhe einfache Kbrper das eine Ma1 mehr elektro-negativ,
cin ander Ma1 lnehr elektro-positiv sich sol1 verhalten
kdnneu, als eine andere, und zwar als ein und eben dieselbe Substanz, wie also Chlor in dern einen Falle elektro-negativer wirkt als der Sauerstoff, und wie dasselbe
Chlor in einem anderen Falle wieder in einem positiven
187
Verbsltnifs zum Sauerstoff zu stehen vemag. Die bezeichneten Thatsachen enthalten daher nach meiner Ansicht einen Widerspruch, den die Elektrochemie, indem
sie von der heutigen Chlortheorie ausgeht, nicht aufzulbsen im Stande ist. W i r d aber das Chlor, der alten
Ansicht gemah, als aus Salzsaure und Sauerstoff zusammengesetzt betrachlet , so verschwinden alie diese Anomalien und Widerspruche, und erklaren sich die erwahnten Thatsachen auf eine eiufache uiid geniigeude Weise.
Der bei der Einwirkung des Chlors auf ein basisches
Metalloxyd auftreteude Sauerstoff riihrt von der oxydirten Salzsaure her, deren
%
sich mit der Salzbasis
zu einem Salze vereinigt, weil dieses % zu derselben
eine grlifsere Verwandtschaft hat, als zu dem mit ihm
verbundenen Sauerstofl. Es wird durch das Chlor aus
dem Jodkalium Jod abgeschieden, weil
gegen das
Kali eine Anziehungskraft aufsert , grufser als diejenige,
welche das gleiche
%
gegen seioen Sauerstoff, und das
3 ( wasserfreie , der trocknen Salzsaure entsprechende,
Jodwasserstoffsaure) gegen das Kali aufsert ; es vereinigt
sich deshalb
%
mit dem Kali des sogenannten Jodka-
iiums, und j mit dem Sauerstoff des Chlors zu demjenigen, was wir heute J o d nennen. Durch diese Betracbtungsweise scheinen mir die Widerspruche, in welche die
Elektrochemie mit ihren eigenen Grundsatzen geratb, allein auflbsbar zu seyn, und es ist daher jene Ansicht fiir
diejenigen, welche an die Richtigkeit der Principien der
elektro - chemisclien Theorie glaubeii , aller Behenigung
werth. Aber auch fur solche, welche die chemischen Erscheinungen iu keine nahere Beziehung zu elektrischen
Thatigkeiten sezten, uud jene allein aus der Wirksamkeit einer eigeuthiimlichen Kraft, der sogeuannteu Affinilat, ableiten, tnufs der Umstand von Bedeutung erscheilien, d a k das Chlor in dem einen Fall eine grulere, in
188
einem andern Fall eiue kleincre Affinitat zeigen SON, als
sie der Sauerstoff aufsert. Die altere Chlortheorie beseitigt diese Schwierigkeit , wahrend die heutige Hypothese diefs kaum zu thun vern16chte.
In neuerer Zeit ist geltend gemacht worden, dafs
aus manchen Verbindungen Wasserstoff weggenommen,
und au dessen Stelle eben so vide bequivalente Chlor
gesetzt werden konnen, ohne dafs durch diese Stoffsverwechslung in den fraglichen Verbindungen eine sonderliche VerYnderung ihrer chemischen Eigenschaft verursacht wiirde. Auf diese Ansicht hin hat man die sogenannte Substitutionstheorie gegriindet, und mit derselben
den Grundsatzen der Elektrochemie den Todesstofs zu
geben geglaubt. Abgeseben von allen Ansichten, die man
iiber deu Einflufs elektrischer V e r h h i s s e auf chemische
Erscheinungen haben mag, so geh6rt ein starker Glaube
dazu, um anzunehmen, dafs zwei in chemischer Hinsicht
so diametral einander entgegengesetzte elementare Karper, wie diefs offenbar daa Chlor und der Wasserstoff
sind, fur einander sollen vicariiren k6nnen. Worauf auch
imrner der chemische Antagonismus der Materien beruhen
mag, keinenfalls kbnnen wir annehmen, dafs znei Stoffe,
die sich in chemischer Hinsicht wie zwei entgegengesetzte
Grafsen verbalten, einander in einer Verbindung solleo
ersetzen kannen, ohne dafs in letzterer eine wesentliche
Veranderung stattfinde. Da, wo das Chlor den Wasserstoff zu vertreten scheint, kann jenes nicht als Chlor,
d. h. als ein Element vorhanden seyn. W i r begreifen
sehr wohl, wie iu einer Verbindung Chlor an die Stelle
von Jod, Selen an die des Schwefels treten kann, ohne
dafs die neue durch einen solchen Stofftausch entstandene
Verbindung in ihren Eigenschaften wesentlich von der
ursprunglichen abweicht; denn Chlor uud Jod, Selen und
Schwefel sind sich ahnliche Kbrper. W e aber der eleinentare Wasserstoff durch das ebenfalls fur einfach geltende Chlor reprasentirt werdeu kann, das zu begreifen,
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war der modern - franzbsichen Wissenschaft vorbehalteu.
Es ist hier der Ort uicht, in den unerquicklichen Subslitutiunsstreit einzutreten, meioe Absicht ist blofs, den
Gedanken hinzuwerfen, ob vielleicht nicht die sogenannten Substitutionserscheinrrngen besser durch die alte Theorie sich deuten liefsen, als diefs mit der iieuen mbglich
ist; wenn nian iiamentlich hiebei iioch in Betracht zbge,
d a k @ in mancheii Beziehuogen dem HO ahnlich sich
verhdt.
Ehc ich dieseii bufsatz schlickc, will ich mir erlauhen, iiber den in ihm behandelten Gegenstand noch einige allgemeiiie Bemerkungen zu machen. Durch die Anuahme: es seyen das Chlor, Brom und J o d einfache KLirper, wurde in der chemischen Theorie eiue der durchgreifendsten Veranderungen herbeigefiihrt, weIche in der
lieuern Zeit Platz gegriffen; es wurde in der That durch
jene Voraussetzung eine wahre Epoche in der Geschichte
der Chemie begriindet. Durch diese Annahme verlor,
wenn ich mich des bildlichen Ausdrucks bedienen darf,
der Sauerstoff sein friiher genossenes kbnigliches Ansehn,
unter den Elementen erhielt er in den genannten Stoffen aufserst gefahrliche Nebenbuhler. Man liefs ihn nun
nicht mehr die Hauptrolle bei der Verbrcnnung der Kbrper, bei der Saureerzeugung u. s. w. spielen ; er mufste
dieses so aussezeichnete und frfiher von ihm ausschliefslich besessene Vorrecbt mit den neuen Emporkhmlingen theilen. Sollten wir aber Grund haben, zu den
Grundsatzen der alteu chemischen Lehre in Betreff des
Chlors zurtickzukebren, so waren wir auch gehalten, den
Sauerstoff wieder i n seine friiheren Wiirden und Bechte
einzusetzen, inijfsten wir ilin wieder als eine Macht betrachten, die ihres Gleichen a u f dem ganzen Gebiet der
Chcmie nicht kennt. Der Sauerstoff wurde, um ohne
kletapher zu reden, wieder ciu Mittelpunkt der chemischen Erscheinungen werden, wie er cs friiber war, und
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wie andererseits der Wasserstoff ein solcher seyn durfte.
Es ist in der That diesen beiden Karpern der Charakter der Einfachheit so stark aufgedriickt, es bilden dieselben zu einander einen so scharf ausgesprochenen Gegensatz, es spielen sie und ihr merkwiirdiges Erzeugnifs,
das Wasser, auf dem Gebiete der Chemie eine so durchgreifende und allgemeine Rolle, dafs man fast vermuthen
mkhte, sie wlren, wo nicht bei allen, doch bei den ineisten chemischen Erscheinungen thiitig, und bildeten die
Angel, urn welche sich die game Chemie dreht.
Es bedarf wohl von meiuer Seite nicht der ausdrucklichen Versicherung, dafs ich die in voranstehendem Aufsatz gemachten Bemerkuugen fur nichts weiteres, als far
Ansichten angesehen wissen will, in der hbsicht geaufsert: die Aufiuerksamkeit der Chemiker wieder auf einen Gegenstand hinzulenken, der flir die theoretische
Chemie eine so grofse Wichtigkeit hat. Wird die Gesammtsumme der vorliegenden, auf das Chlor uud das
Ozon sich beziehenden Thatsachen vorurtheilsfrei in Betracht gezogen, so zweifle ich kaum daran, dafs man sich
aufgefordert fiihlen wird , die heutige Chlortheorie einer
neuen Priifung zu untenverfen. Fiihrt diese Arbeit zu
einem solchen Ergebnifs, so ist die Absicht des Verfassers erreicht.
B a s e l , den 2. April 1813.
111. Belerrchturtg cler Meiriung des Urn. Fis c h e rr
hetreffend tlns Ozon; con C. F.S c h o e n h e i n .
D i e aufserst unvollkommene Weise, in der Hr. F i s c h e r
aus Breslau meine das Ozon betreffende Untersiichiingen
einer experimentellen Priifiing unterworfen, macht es beinahe tiberfliissig, die Schlufssatze, welche dieser Chemiker
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