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Das Sprengstoffgesetz und der Beruf des Chemikers.

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1089
t rrnd
. do? B o d d r OhomiLur.
Zeitschrift fur angewandte Chemie
und
Zentralblatt fur technische Chemie.
XXV. Jahrgang.
Heft 22.
Das Sprengstoffgesetz und der Beru,
des Chemikers.
Von Assessor Dr. WEBER,Elberfeld.
(Eingeg. d. 20.13. 1912)
In Nr. 49 des 24. Jshrgangen dicwr 2. S. 2 3 6
ist ein Strafrechtsfall bcaprorhen wordcn, dcr 8 U C t
duwh andcre, die chrminciirn Kreisc betreffender
Zeitachriften (z. R. Clirni.-Ztg. 35, 1415) geganger
ist, iind desscn T a t b s t n n d iiii folpendcn noch ein
mal kurz angegeben werden ~ o l l :
Der Technikunisscliulrr A. in Rrenicn brschiif
tigtc sich mit Experinicmten, die rr huf Grund cine!
chc*niiechen Ltbhrbuchm vornahni. Er vcmnengtc
Kaliuniclilorat iiiit rotcw I'hosphor und brachtc
diexr Mischunp, nachdcni t'r n i t in I'apier gcwickeh
hattc., durch einen Schlng mit einem Hamnier zui
Explosion. Sodnnn untcrnnlim er wcikrr Versuchf
durch l'tn-rgirUen rnit Scliwcfelnnure. Reini Urn.
gic-hn der Fliissigkeit crfolgtc einc Explosion,
durch die A. erheblich verletzt. und seinr linke
Hand verstiininielt wurdc. Durcli dicsen Vorfall
kariirn die Experiniente A.R zur Kenntnis der Behiirdcn, und die StxcrtwtinwnltRcliaft rrliob Anklage
gcgrn ihn beini Land~cricht Dreriien wcgcn Vcrgehen gegen daa Sprenyntoffpsetz. .A. wurde mit
der gesetzlichen &hdestntrafe von 3 ?tlonatcn Gefiingnis bestraft. (kgcn dicxc Entecheidung legte
A. Revision ein. Dsa Rciclingericht hob dns Crteil
auf und sprach zupleich den h g e k l a g t c n frei niit
der Hegrundung, d a b c r nicht dtre RewuOtaein der
Sprengmitteleigenschaft drr Mschunp gehabt habe
untl Iediglich nich habv iiusbildcn wollcn.
Wenn ttucli dcbr liiicliatr Gcrichtahof daa Ur~ ~
Hrrmcn aufgchoben und den
tcil t l Landgerichta
Angeklagtcn zugleicli frc*igrnprochen hat, so hat
die8r.r Vorfall doc11 in den Kreisen der chemischen
Industrie iind Wissensrlinft gro0cs Aufeehen crregt. und es ist von maUpebendcr Seite die nicht
ganz unbereclitigtc Frage aufgeworfen wordcn, o b
niclit trotz der giinstigen Entscheidung des Reichsgericlits sich fur vide ('hcmiker (z. B. die Professoren und Assistenten bci Anstellung von Vorlesungsversuchcm, Inliaber von Laboratorien, wenn sie
z. 1%.l'ikrinniiure in ihreni k s i t z haben) die Gefahr
ergebe, daO ihr Brtricb resp. die Betiitiyng ihres
Ekrufeo sie in dvn Vcrdticht den Vcrstofks gegen dna
Sprenptoffgesetz bringr, und d a bei ihnen daa BewuUtsein der Sprengniittrlei~enschaftnicht fchle,
sie der bei VcrstijOen grgen dicHes Geeetz imnier
mindestcns auszusprcchenden Gefiingnisstrafe verficlen. Es diirfte infolgedemrn ganz zweckdienlich
und nicht ganz uninteresennt sein, von die*m'Gesichtspunkt BUR einnial die einschlagige. Geeetzgebung einer I'rufung zu unterziehen.
I. Daa ,,Gesetz gegen den verbrecherischen und
Ch. 1912.
.
31. Mai 1912.
gemeingefiihrliclieii Gebrauch von Sprenptoffcn"
voni 9./7. 1884 (im folgenden k u n ,,Sprengstoffgmetz" genannt) bestimmt in eeinem 8 1 Abs. 1.
d a 8 die Herstellung. der Vertrieb und der Beeitz
von Sprengntoffen, sonie die Einfuhrung derselben
&us dem Auslande unbeschadet der bestehenden
sonstipen Ikwhriinkungcn nur rnit polizeilicher
Gcnehniiguny zuliiasig iet. und in seinem Aba. 2,
daO derjcnigc. t l w nich niit der Herstellung oder
dem Vertricbc von Sprcngstoffen befalt, rin Register zu fiihren hat, aus welchcm die Mengen der
hergestelltcn, nus dem Auslandc cingefuhrten oder
sonst Zuni Zwrck dea Vertriebes angesch8fftt.n
Sprengstoffe, tiowir die Hezugsquellen oder der
Vcrblrib dwwlben crsichtlirh scin miissen. Von
diewn Bestiinniungen bleiben befreit die SchieOmittel, die in den ikkanntmachungcn voni 29./4.
1903 (Reichegrnctzblatt S. 211) und 20./6. 1907
(a. a. 0. S. 375) aufgefuhrt sind, und zwar auch
dann, wenn sic in concreto nicht ale SchieUniittel
gebraucht wcrden solltcn (vgl. Entecheidung des
Reichagericlita in Strafsachcn ZY, 119).
Daa Sprengqstoffgesctz verfolgt, wie es sich RUB
seiner eigenen Rezeichnung und BUS der Hepiindung des deni Reichstape vorgelegten Entwurfes
zu den1 Gcsctzc (vgl. Druckschriftcn dee Reichstnges 1884, S r . 84) ergibt, die Tendenz, den nus
der verbrechcrieclicn Anwendung von Sprengstoffen
crwachsenen Gefahren und Mibtiinden durch Vorschriften tcils priivcntiven teils rcstriktiven ('harakters entgegenzutreten. Seine Vorschriften beruhen
ntwh den Worten der Begriindung auf d e m Gedanken, ,,daB es wegen der Gefilirlichkeit der unter
Anwendung von Sprengstoffen veriibten Verbrechen
nicht ratanni ist, die Strafbarkcit von der Vollsndung dcr benbeichtigten Tat tder dem nach allpmeinen Kormen strafbaren Versuchc einer solchen
sbhiinpig zu machen, sondern d a 8 ea gebotcn erIcheint, a u k r dem Komplott noch sonstige Vorbereitunpliandhngen mit ernster Strafe zu beirohen." (VgI. Entecheidungcn des Reichsperichta
n Strafs. I I , 263.) Wie das Reichsgericht in eincr
Entcheidung voni 2;?./1. 1886 (vgl. Kntscheidungen
les Reichsgerichtcr in Strafs. 13, 305) ausfiihrlich
largelegt hat. will dns Greetz dns Eigentum, d . h.
eine korprlichen Objekte, bei dencn allein von
h e r Gefahr der Beschiidigung oder Zerstorung die
iedc sein kann, gegen die Heschiidipng oder Veriichtung durch Dynamit und iihnliche Sprengstoffc,
iamentlich, wie die Motive hervorheben, in den
Iiinden dcr Anhiinger der Umeturzpartei, in ertohtem MaBe durch harte Strafen und Vomchriften
chiitzen, weil die Natur jener Stoffe und ihre un.bsehbare Wirkung, ihre Anwendung zur Heschii'igung oder Vernichtung vbn Eigentum zu einer
e m e i n g e f ii h r 1 i c h e n Tat machen, auch
renn sie Rich nur gegen einm einzelnen richtet. Aue
167
1090
und der B o d d u Ohomiklsr.
Webrr: Du E p - f f m
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dieaer Gemeingefiihrlichkeit allein folgt, daB nach
5 6 des Qeaetzee schon die b l o b Verabredung zu
dem in f 5 vorgesehenen Verbrechen der vorsiitz.
lichen Herbeifuhrung einer Gefahr fur daa Eigen.
turn. die Geeundheit oder daa Leben einea anderen
durch Anwendung von Sprengstoffen und die blok
Verbindung niehrrrer zur Begehung solcher Ver.
brechen mit Zuchtliaus nicht unter funf Jahren bestraft wird, daU fvrnrr der § 10 dea Geeetzes die
-1ufforderung zu den Verbrechen gegen die $5 5, 6
des Gesetzea und tlas Anpreiscn dieser Verbrechen
niit Zuchthaus und tlrr f 13 des Gesetzes die Nichtanzeipe ron dem Vorliaben d i r e r Verbrechen durch
den davon l'ntrrricliteten niit der gleichen Strafe
bedroht, wic tlcr $ 139 des Strafgcsetzbuchcs die
Sichtnnzeigc von tleiii Vorhaben eines gemeingefiihrlichen Verbreclicns, wie z. B. d r s Mordes, Raubes, Hochverrats. E k n s o betreffen die beidcn
aichtipen 8 i untl X d e s Gesetzes die Vorbereitungshandlungcn zu dciii iiii 3 5 vorpeschenen Verbrechen.
Wahrcnd a k r die. Anwendung dee f 7 des Gesetzes
den S a c h w c i s t l c r r e r b r e c h e r i s c h c n
A b s i c h t zur Voraussetzung hat, schafft der f 8
niit Riicksiclit nuf die Schwierigkeit diems Sachwcisrs cinr Vcrniutung fur daa Vorhandensein der
vcrbrecherischrn Absivht, indem er schon die Bestrafung dann eintreten liiBt, wenn die Herstellung,
.4nschaffung, Hestcllung. Innehabung oder t'berlnssung von Sprenprctoffcm u n t e r U m s t ii n d e n
r r f o l g t , w c l c l i r n i c h t e r w e i s e n , daB
dies zu cinrni erlnubtcn Zwccke peschieht. Allerdings ist unter einrin ,.crlnubten Zwecke" in1 Sinne
clcs f 8 jtde Verncndung von Sprengstoffen zu verstrhen. bei wclrlier dic in deni Gesetze vom 9./6.
188.4 I~~zriclinctr
rerlirccherische Absicht erweislich niclit vorhnnden, h i welcher also d e r
i 1 1e
ties T a t c r s e r w c ' i s l i c h n i c h t a u f d i e
H e r b c i f i i h r u n g (biner Gefalir f u r d a s
Eigcntum, die (iesundheit oder das
Lebcn eines antleren gcrichtet ist
(vgl. lCntschc.itlrinpm des Reichsgerichts in Strafs.
44, 331). Dadurcli biirdet daa Gesetz, wie cs in dem
I;rtcil des Heiclispc~iclitsvom 22./11. 1887 ausgefiihrt ist (vgl. Reclit.cprechung des Reichsgerichts
in Strafs. 9, 632) nicht dem Angeklagten den Bewcis dcs erlnubtcn Xu-cckea auf, vielmehr bedeuten
die Gesetzeswortc, dnU ein erlaubtm Zweck durch
die Untcrsuchung niclit dargrtnn nerden konnte;
iind die Uniutiindr rrgeben dann keinen erlau bten
Zwcck, wenn iiher dic Venvendung des Stoffes oder
iiber den Zwcck d r r t'berlassung an einen anderen
niclitu zu rntnc.hinen und deshalb ein crlaubter
Z w c k nicht zu erweiscn war. D i e m 5 8 kann also
ebrnso nie die anderen erwahnten Paragraphen
fiir die vorliegendr Untersuchung auescheiden, d a
hirr niir allcin dir Tabache der Herstellung oder
dcs Besitzes von Sprengstoffen o h n e j e d e v c r
b r e c h e r i s c h r o d e r g e m e i n g e f ii h r
I i c h e A b s i c h t in Beziehung auf daa Sprengstoffgesetz untersurlit werden SOU. Von den 14 Paribgraphen des Ocsetzcs kommt demnach fur uns
a u b r f 1 nur noch f 9 in Betracht, der mit f 1
in eincm klar crsichtlichen Zusammenhange steht.
Sach f 9 wird namlich derjenige, der dem 1. Absatz
des 8 1 zuwider es unternimrnt, ohne polizeiliche
Ermiichtipng Sprrngstoffe henustellen, voni Aush h d e einzufuhren, feilzuhalten, zu verkaufen oder
w
-
a
eonst an andere zu iiberlseeen, oder wer im Beaitz
derartiger Stoffe betroffen wird, ohne polimiliche
Erlaubnis hienu nachweieen zu konnen. mit Gefiingnis von 3 Monaten bis zu 2 Jahren beatraft.
Gleicher Strafe verfiillt, wer die Vorschriften iiber
die Registerfuhrung, die von den Zentralbehorden
getroffenen Anordnungen oder die bereits beatehenden oder noch zu erlaseenden sonstigen polizeilichen
Bestimmungen iiber den Vcrkehr mit Sprengstoffen.
auf welche f 1 A h . 1 Anwendung findet, iibertritt.
Der $ 1 stellt sich sonach als eine Erganzung tles
f 1 dar, indeiii er, wie aucli in der Begrundung des
dem Reichstage vorgelegten Gesetzentwurfes (vgl.
Druckmchen des Rcichstages 1884, Nr. 84. S. 8)
ausdriicklich hervorgehoben ist, die Strafandrohiingen fur die Zuwiderhandlungen gegen die in f 1
9b.1 und 2 gegebenen polizeilichen Vorschriften
enthalt. Dic Vorschrift dcs f 9 trifft deshnlb jedes
Unternelimrn der Herstellung. Einfuhrung i i w .
ebenso wit. jedcn Besitz ron Sprengstoffen, Rof(.rn
eine polizeiliclic Erlaubnis tlnzu nicht nachgt.wiesen
werdcn kann (vgl. Urtc-il~ voin 30./10. 1885 und
16.111. 1885 in den Entsch. des Reichsgerichts in
Straf~aclien13, 35 und 47). Es ist dabei Volhg belanglos, wieviel Sprengstoff hergestrllt usw. otler
besesscn wird, cs geniigt vielmehr die kleinste
Quantitiit, damit ein VerstoB gegen das Sprengstoffgesetz vorliegt. So hat dna Reichsgericht durch
Urteil vom 10./4. 1888 (Entsch. des Reichsgericlite
in Strafsaclien 17, 278) die &vision gegen ein Strafkammcrurtcil zuriickgcwiesrn, durch daa der .Ingcklagtc, dcr drei Ziindliutchen zu Dynaniitpotronen bean& wegcn Vergehen gegcn f #! dcs Slire-ngstoffgesetzes verurtcilt worden war, indeni en ausfiihrte, dnB diese Ziindhiitchen allerdings nur zur
Entziindung cines Sprengstoffes, nicht aber ziiiii
Sprcngcn srlbst geeignet seien, sie enthirltcn a t m
einen sehr starken Sprcngstoff, namlicli Knallqurrksilber, wclches ausgcliist und alsdann zum Sprenpeii
vcrwendet aerden konne; der Angcklagte hnlw
daher in und mit den Ziindhiitchcn cinen Sprcngstoff bcsessen. D e r Unistand, daB mit dcr gerinpen
Menge des in den drei Zundhiitchen cnthaltencm
Knallquecksilbers cin einigermakn crlieblichcr
Sprengerfolg nicht zu crreichen gewceen ware, sei
bedeutungslos; da die Bestimmung de8 f 9 eine lediglich praventive sei und durchaus nicht erfordere,
daB ein verbrecherischer und gemcingefahrlicher
Gebrauch der besessenen Sprenptoffe beabsiclitigt
sei, so konne es auch nicht darauf ankommrn, ob
die Sprengstoffe in einer solchen Menge vorgcfunden seien, daB ein derartiger Gebrauch davon pemacht werdcn kiinnte, oder ob dam noch weitrre
Vorbereitungen erforderlich waren.
..
11.
I b i naheier Betrachtung des 8 9 driinpt
sich zunachst die Frage auf: Waa versteht das Geeetz unter dem Begriff ,,Sprengstoff"? Daa Gesetz
gibt hierauf keine Antwort, ea schwcigt, auf dime
Weiw ea der Praxis u b e r l m n d , eine Definition
diescs Begriffes zu pragen. h n n auch andere Gewtze, in denen der Ausdruck ,,Sprengstoff" vorkommt, wie z. B. daa Reichsetrafgemtzbuch im
5 367. Nr. 5, und die Gewerbeordnung in den f f 35
und 56, Nr. 6, geben keine Definition dieses Hegriffes; ebenso geben die eingangs erwiihnten He-
-
i%ibIz]
1091
Web& Du Bpnngetoffgr8rta und drr Beruf der Ohemikers.
irpendcine Subntanz als Explosivetoff zu kennzpirhnen." Anderrrseitw gibt z. B. B e r t I1 r 1 o t in
seinein grundlrgenden H'erk ,,Sur la Force des >hitiere8 explosived' (Tonie I1 Livre 3. f 1) zwar folprndr nbstraktr Definition: ..,.Tout fiyet&mc t l r
corps cnpablr tlc- t l i . v t ~ l o p ~ ndcs
~ r paz prinanc'rits,
011 des niatiGres qui prrnnrnt I'etnt g1tzvux dans 1c.a
conditions de In reaction, tc~llesqur I'eiiii IIU drssun
tit. 1OUo Ic nirreure nu drwRun clr 360'. chic. I N t i t
conwtitiic.r un q c n t c-xplowif. I r s corps gazciix
wt.x-tti&iit*s rrffcctent Ic. iiri.rttc. cctractiw, s*ihrrmt
w~nipritni.~B I'avnnc~~;o i l birn si Irur vol~ttiic*
augmi"ntr. par mitt* t l r yuclqut. transformation, I1
n'rst pns intlia~w~naable
pour rcla, que In teiri~+rnttirc* de systPme H'kllTc; 1iic.n que cette condition
soit rriiiplie cn pbnimrl ct qti't4Ir roncourv h. ~riigrticntc-r lea rffetn," er ncliriinkt dicwlbe a1~t.r in
rinc.111 S w h s a t z folp~~ntlc~riiittkn
cin: ,,Ccyentlrint
evttr tlcfinition d r s nyentn rxplosifn, cxncte au point
tlca vur ntntrnit, rst trop btrncluc ~ m i In
r pratiqw.
('c4lr-ci utilinc. seuleiiirnt
~ystBnicvnuwrptiI)l~*s
tl'iine t rnnsforniaticin rapidt. c*t aceotiipa~ni-c~
~ ~
un grand di.yagenient dc clialrur." 1)a a160 ~o~iticli
nclion dir Definition dee Hcpriffa .,Expl~~xirntoff"
nch\rIerig ist. so ist ('8 uni so echuieriprr, eint. erscliopfcndc~Ikfinition fur d r n Hcpriff ,,Sprc.ngntoff"
trufzustcllc.n.
Ihs Reielispericl~t hat nun in1 ;\nschluU i t i t
(lit, tlic~str~ziiplit~licn
.luafiihrunpen in den Jlotivrn
ziini Sprcnpatoffgcnctz in cinrr Entacheidung votri
1) I)ie (lurch die Ikkanntmnchung votii 20./6.
%./3. 1898 (abgedruckt in C? o I d t a rii in v r s
1'307 irbgeiinderte bzw. ergiinzte maUgekndc BeArchiv fur Strafreclrt 46, W3) den k g r i f f Sprviigknnntrnachung lautet n i e folgt:
Die nachstehcnd aufpcfiihrten S~~rc.npstoffe stoff tlahin tlrfiniert, c l n U dnrunter jedrr Stoff zii
verstelirn ist, dcr bei t l c ~Entziindunp cine gc~\r.nIt\vcrtlcn nla solche bezeiclinet, welche v o r m + p & e
nls ScliieUrnittel gebrariclit wrrdcn:
w i i i r Atisdchnung von chxtiachen Fliifisipkc.itrn
A . 1. Alle zuni Scliiellrn uua Hnndfcuerwnffcn itntl
idrr ( h i m Iirrvorruft tint1 sic11 iiiit Riicksicht auf
Bdlern, sowie zur 1:ewrwerkerei untl ziiin
:lirsr Eipc.nsclicift zur Vc*rwrndunpRIR Spri.ngniittt-I
Sprengen dient.ndtm, nus Salpeter, Scliwcfrl
Aipnrt; uric1 t l i r w . Ikfinition ist aueh iri tlent tinuncl Kolilc lierpratellteii I'ulver.
znngs In~irlitrtenRechtsfttll dvr Ihtsclieitlnnp tlrs
2. tfic zutn SchieUen a m Jsgd- und Seliribiigewrhren dirnendcn rauchscliwachen l'ulvc~r, KciclisprrichtH voni 23.;1 I . 1!#1 1 zugruntlt. peltsgt.
Sttch dicwr 1)c-finitiori r i i u U cilwo cin Stoff. uiii tils
dic uiis ge1ntinirrtc.r Schic~Ubauma.ollc~oder
$rcmgijtoff i t i t Sinnr den C:cwtr.s zu gel1c.n. z w i
sonntigrr nitrierter Pflanwnfmer o l i n ~Zuantz
nnderer explosiver Stoffe hergestellt sind und
iktlinpunpen erfiillrn: c'inerarita nruB er h i tier
pvkurnt (in KLrnern von niclit iiiwr 5 inni
htziindiiny rinc- pcwnltaflinc. Aundchnunp von v h Diekc) odcr in l'liittclien von niclit i i k r
itiwc-hrn Fliissipkritm odrr Chwn hrrvorrufm. wo1,ti mini Inhult in den Hnndcl gclrricht w r wi es i i i i iibrigcm vijllig ~lcirhpiiltigiat, w i die
den,
Mhtziintliinp
tlrs Sprcmgntoffw herkipcfiilirt win1
, 3. tlna Sprcnppulver ,,f'~*truklastit''
otlcr , , H a I ~ ~ vgl. G (I 1 d t u nr I I ~ Cr s Archir a. a. 0.); rind
kluatit" bcatchmd nus 74"b S n l p t w , IO),
Sch\vrfel. 15", Steinkohlenpech iind loo KR- indrrc.rsc4tR i n u U rr sirh tl r R h a I b z u r V r r vrndiinp nls Spr(.ngniittrl cipnvn.
liuinbichro~ntrt,
4. dt-r Sprcnpstoff ,,C'nhiicit". ein zu fibaten i'u)ic* 'l'nt~ncl~r,tlnB eiti Stoff eine stnrke Explosionstronen gepreUtes Gernenge von Kaliaalpeter
aliigkcit lint, rrscliiipft niithin den h g r i f f ..Sprmp(.'&7W',,),
RuU (niindestens Sq,), Schwcfel.
toff" noch niclit. Erfiillen also nuch selir vielr ctieCellulose und Eisenaulfat;
nisc1ic.n Stoffis dic rrstr nrdingunp - man denkc.
1%.
die zur Entzundung von Gewr*hrladungcn
iur z. 1%. tin die znlilrei1.1ien Diazoverbindunpvn,
dienenden Sprengstoffe, soweit aie in Ziindlir in isoliertriii trorkrnrrii Zastandr grwiihnlicli
hiitchen fiir Gewehrc! oder Ziindspiegeln fur
xplci~ih~l
xind -, s o ist tlaniit doch noch niclit gedcrgleichen vernrbeitct wind;
C.
die Vereinigung d r r unter A I und H ge- srigt, c l a l l aich diese Verbindungen auch zuglrirlr
nnnnten Stoffe in fertigc Gewehr-, i'istoleninit Riicksicht aiif diesr Kipmarhaft zur Verwenoder Revolverpatronen, einschlieU~iclt der dung 111s Sprt.npmittr1 eipneh. Man uiirdr ja aurh
unter Verwcndung von Knallqueckailber
sonst ins Uferlose geraten, d a man dann die groute
d i n e I'ulver hergestcllten Patronen fur Te- %ah1 allrr chcrnischen Stoffc ale Sprengstoffe beachinggewehre, Pistolen oder Revolver;
zeichnen miilltr. Wenn d m Reichsgericlit dime
L).
fertige Gewehr-, Pistolen- oder Revolverzweite Bedingung in seine Begriffsbestimmung nufpatronen. welche rauehschwaelws, aus nitrierter I'flanzenfaeer ohne Zusatz andercr ex- gcnornnicn hat, so \volltc rs damit doch offenbnr
plosiver Stoffe hcrgestclltra I'ulvrr cnt- aagen, dnB der betrcffrnde Stoff nuch t e c h n i R c h
halten.
ala Sprcnpinittel \'emendung finden konntr. Von
l t h ~
t b
137.
i r
diesem b i c h t a p u n k t e aus diirfen d a n n aber z. B.
die oben rrwahnten Diazoverbindungen nicht unter
den Hegriff ,,Spn?ngstoff" fallen, d a sie in der
Sprengstofftechnik ihrcr gcringen Stabilitat wegen
kcine Vrnvrndung findcn. Iiii ubrigen wird ja auch
in dcr Azofnrbcnchrniic gewiihnlich - von rinigen
Ausnahiiicn (z. 13. I). R. 1'. 181 326 und 109 083)
nl)gc~selirn-- die Iliazovcrbindung n u r in f (? u c 11 t c. i n %uxtiuicle vc~r\w*iitlc~t,
in welclic!~rinit' nicht n i c h
cxplonilcl ist. 1)azri koiiinit ncwh, dnU nach dcnr
uiiiiiittc~ll>urc~n
\Vortsiiin (IVY f 9 rin Stoff, wc!lclicr
abrr niiclifriihw zwnr die Slircnpfiihigkrit In~sc~ancn,
triiglicli wicdcr vrrlorcm lint, k r i n Sltrcmgstoff irii
Siniics clca (;(-nctz(*nist (vpl. (; o I d t a i n ni c r s Archiv 58. 141). \ \ ' i d also z. 1%. cipo I)inzovc-rbindung,
die nncli obigcn Ausfiiliriiri~ynjn gcwiilinlicli in iso1ic.rtc.m t rtwkenrn Zustnntle cxplosibcl i n t - selbst
anptnoniiiicn, sic. wiirc. nun dicwiii (;riindc nls
,,Sprvnyntoff" nufzrifitsnrii - niit cincsr Azokornptnc-ntc-, z. 13. Hcw.orcin, prkuppclt, so dnU sic die
k~x~tlonit~ilitiit
dadurc~lic~nclpiiltigverlic~t,n o wiirclc.
nic nttcli tlw o h m iinpc.pc-benrn KricliwKc.riolitNrnt xc~lic+lunpkcin Sprcnpatoff niehr sein. pnnz n 1 ) p
a v h w dnvon, dtr5 dtrdurcii jit juristiflcii rin pnnz
nridvrcr Stc)ff cmtrttrndcm ist. Allrrdingn i i i i r U drr
Sprmpntoff sc.inr Sj)rrngfiihigkcit e n d p ii I t i g
vi.rlorcvi I i n l ) ~ ~%.
. 1%. wiirde I)ynnmit, dan fcuclit
p w i r d v n int, ol)glric.li vs in clicwcrn Zuxtundc dtwh
offcnbtrr srincl Slm~npfiihigkeitvrrllircn lint, trotzt l c i i i HIN SprcmpHtoff i~npc~sclirn
wcrdcn riiiinsim, d n
es jii ntrcli dcni 'L'roc-kmu.crdcn wine Sprcngfiiliigkvit - wenn nu(-11 riiclit in d ~ i nnltcn ! h U r wic~di~.~rlimgt.
.Aiidrrc.rscitu wird mnn niclit urnhin
Knnllkiinncbn, z. 13, I'ikrinniitrrt*. Knnllquc~c:kwilIn~,
silbcr und Sit.roplycrrin itln S~ir~~iipntoffr
rtufftrwnrn
zir rniinwcn, dti tlir Stoffc in der Sprcnpstofftcclinik
nlrl Sl)rc-nprnittrl Vc.r\vrntlung findcn und siinitlich
niich c l i r t m t e Hcdinpiinp der l!epriffnlr~stiiiiiiiung
,,Slwcnfistoff" c~fiillcn(vpl. z, 13. 3, S r . 1 und 2
der ob:m ungcfulirtcn I'iilizeivc~rordnrinp, woniich
Sitroplycc.rin RIB nolclic*s iintl in Liinunpcn Knnllqirrckxilb!-r und Kntillnilln~dirrkt nln S p r i q p t o f f
I~~zi~icliiict
wcrdm). I h i n wrnn nu(-tiz. 13. I3 r u n w i g in s1.iiic.m
liitclic , , I k 1S.u~~lonivstoffc''
( h i p z i p , (;. *J. ( ~ ~ s c l i v n n c l i iVcrlapsburlihirndlunp
*
1!)07) S. I 0 mpt: ,,;\ii(.11 hcwte noch brgc*gnrt riiiin
tlcni Zwrifd. o t t 1)ikrinsiiiirr. Knliunichlorut, Aniiiioniaksnll~tcr fiir X i C h nllein Sprrnpntoffc nind
odvr niclit." no stcht tlocli ftwt, duU trotz dcr I'nc~rii~ifindliclikcitt1t.r I'ikrinaiiorc. grgchn StoU Hie
dtwh durcli vine prniigcntl kriiftipc Ziindmcluae zur
l.:xplosion pc!brncht w f d r n knnn und btwits in der
.\lilitUrs~)rrngtcclinik nunpcdrhnte Vrrwendung gcfiindrn hat. I)n 1 % n~ l w , wic obcn dnrgclcgt, nuf
dic. .\rt tler Entziindiing niclit Rnkoinriit, so rnuU
niun Hie ehcn a18 Sprcngntoff irn Sinnc von f 1 diw
Yj,rcn~etrtff~eect.zcn
irnnahcn. Aus allrdt:rn diirfte
somit hervorgchcn, diiB OR im grolkn und ganzen
dcr Heiirteilunp iiii 1Sinxclfitllc i i h r l a s ~ c n blribt,
o b CH eich urn cincn Sprc-npstoff iiii Sinne des S p c n g .
stoffgcwtzw handelt o d r r nicht.
Zurn objektiven Tatbestand d e r Straftat nus
9 9 gchiirt einnial d w Unternchmcn. Sprenptoffe
Iierzuabllen, zu vcrkaufen, a n andcre zu iibcrlassen
UIW., oder der Brsitz von Sprcogstoffcn in irgendwelcher Quantitilt und ferncr. daB dice ohne p l i reilicho Gcnehmigunp gcschieht. Es diirfte zweck-
maBig sein, hier kurz zum mindeaten die fur die
Beantwortung d e r vorliegenden Frage sehr wichtigen Hegriffe des ,,Unternehmens", . , h i t z e e "
und ,,Uberlaasens" zu erortern. Was zuniichst den
Begriff des Unternehrnens anlangt, so umfeBt derselbc in d e r strafrechtlichen Praxis nocli niehr wie
dcr kegriff d m Versuclien. Zuni h g r i f f dce Unternchnicnn iiii Sinnc de8 9 I) gchiirt, wie es das Hcichsgcriclit n ~ i e hrrrscliiedentlich nusgefiihrt hnt (vgI.
z. H. 1Snt..tcli. tlex Raichngerichta in Strafn. If, 257).
daU die A1)aiclit d1.r Heratellunp, dcs Verkaufn usw.
sicli durcli cine- in die iiukre Erschcinung trctcnde
Hnntllung objrktiviert, und daU der Untrrnc4ini( r
also irgendwclcht* -4nstnltrn getroffen hahen muB,
weIcIii~dnzu b s t i i i i m t sind, ihn scincrn Zit+ iiiiiidcntuia zu riiilic~rnoder die Vcrwirklicliunp d r r Abniclit 1irrln:izufiiliren. Warc demnucli in dein o k n
wieddrrpcgob(~nrnk~clitnfalldic Absicht dcn Technikuninrliiil~~rndarauf grrichtet gvwencn, cincn
H I ) hatte schon i t l l ~ * i i idir
S p r ~ ~ p s t o Iicmtistrllcn.
ff
Ik.rc~it?rtc~llunp
voii Kaliumclilornt irnd rottni I'hoa.
] ~ h o rponiipt, uiii dcn T a t b e s t m d des 3 9 zu erfiillcn.
Andrrcwcitn pclit aber dau Gcsetz niclit so weit,
schon nllc tirich n c d i so c n t f e r n k n und von derii Anfnng drr Vc-rwirklichung d c r Tnt ncxh RO wcit cantIc.gcnc?n bloUcm Bcurkundunpcm riner auf \'c.rktruf
unw. tin nndcrc gcricliteten Abaiclit i l l s Hc-pinn iiiirs
ntrafbnren S~)r~~ngstoffunternelinirnn
zii
nlinden
(vpi. khtacli. c l ~ nHeiclisgericlib in Strafs. i i . 11. o.),
n o dnU tlrr Ikhpriff dew Untcrnelimenn niclit RO writ
xu faawn int, wic. iin Strafgrsrtzbucli. z. 13. h i i i i
L:nternchhiiic~ndw Hochverrata.
L)cr ,,Ikwitz" bedcutet iiii Sinnc von 9 !) nirlits
irndiwn nla (.in bewu5tcs tatsachlichen Innclislwn,
tl. 11. dic. AiisiiOung riner tataaclilichcn (kwnltlierrsclinft iii ( I c i i i Sinne, (la5 d e r I n l i a h r , wcmii iiucli
nicht don W i I 1 c II 8 , so doc11 p 11 y H i x c h in der
Lapr int. (lit. Herrschaft ubrr den in s1.inc-n Hiinden
I)c~findlirlic~iiSjirengntoff fur sic11 srlbst wit .\us~clilicUunpniidrrcr auszuuben. FA genugt nlso selion
jrde IMWIIUW tat&ichlictic Jnnehnbunp glt~ichvicl
~vrlchvrArt die et.waipen recht.liclrcn fi~zicliungerr
dcs lnlinl~c~rw
zu dern Sprrnptoffe sind (vpl. Entscli.
drs Rrictinpcklita in Strafs. 41, 1Si; 13, 13). I h r nus gc4it I i c ~ v i ~dnU
r , n r b r n d e r tntaiirhliclic!n Hrrrsclinft ii1w.r dicb Snelir nicht niehr nucli ncwli d e r
Ik.sitzn.iIlc~, d. 11. d e r Willc, die Snclic fiir nicli zu
hnben, crfordcrlicli ist, ,,dcr Htlgriff dvckt sich dnher
iiii wesc~ntliclicmniit dim dcs Besitzcs iiii Sinnc. des
13iirgrrliclien (kset.zbuchcs. und zwnr i n dvr ihrii
durch c l i v 3s 854 und 855 dns. gcgebencn Einscliriinkung" (Entscli. tles kichsgerichta in Stritfn. 43. 13).
Im ubrigrn koriinit en auf die Ilaucr d e r Innchatiung
niclit an, vic4riic~liriiiuU itucli dcrjenigc, d r r nur voriilx*rgolic*nd Sprenpntoffe in winen (:cwalirrwni
niiiiiiit, poli~,cilicheErlaubnis bcsitzcn. Zur Erfiillung drs Tatbrstandrs dcs k s i t z c s ist also 7xitnbauf nicht not wendig, vielniehr peniigt die vollm d r t e Ikviitzorgrcifung ohne ~~)Iizeiliche
Gonchnigiing. urn p r p m 5 0 des Sprenpatoffgesrtzi~szu
tcrstoBen (vgl. S t 1: II g 1 c i n , Kominentnr zu
l r n rciclisrcvhtlichen Ncbengrsetzen I, 3'20 [ 191I]).
Nrnn dnbri f 9 den hhstraft, dcr iin Iksitz ,,be.roffcn wirtl". n o licgt d c r objcktive TatlweRtand
iclion d a n n vor, wenn festgcstellt wird, deB jciiiand
iicli unter dcr Herrachaft des Sprenptoffgcnctzm
m Resitz von Sprimptoffcn befunden hat und nicht
nachzuweiwn vermag, d n l cr die pnlimiliche ErInubnis dazu hatte; ea ist also nsch d r m Inhaka
von fi 9 ausgeschlossen, d n l die Strafborkeit des
dcm Gesetzc Zuwiderhnndrlnden ron drr Art und
dcni fiitpunktc der Entdrckung d r s \'rqrhcns abhiingig genincht wcrtl~m nolltc (vgl. xntsch. d e ~
bichsgerichta in Strnfn. 13, 47). 15s knnn dcmnnch
nucli kstrafiing erfolgm, nnchdrm der Sprcwpstoff
liingst verhrnuclit odcr in nndere Handr iilwrgrgnngen int. und die Tnt.wrhc clrs friiherrn I h i t a - s zufiillig hcrnungekornnic~nint (vgl. Entnch. den Rcichsgericlita in Strafa. 13, 35). E s diirfte rinfolgedcssen
olrne allen Zweifel sein. dnO cin Uieniikcr, der in
seinein Lnboratorium z. 13. I'ikrinRiiiire stehrn hnt,
ohnc polizeiliche Gcnchnii~wng dazu zu hnben.
gegen 5 9 des Sprengntoffyrwtzes vcrstiillt. Auch
ein Arhiter, der nur mit dcr Anfertigung von
Sprrnptoffen bcschiift ipt wird tdcr b i n 1 Anfertigen Hilfrdienste leintct, ist tntsaclilich Inhaber
von Sprrngstoffrn, sei CR nuch nur voriibcrgehend,
und rr m u l daher mindestens gencrell in die polizeiliche Gcnehniipng, welchc erteilt ist, eingeschlonsen win.
])as . , t ' l ~ r l w e n " hat endlich, wie CR in zahlreichrn Entschcidungcn drs Reichsgerichts (vgl.
Entsch. des Reichegcrichts in Strafs. 43, 13) BUSgesprochen ist. zur Vorsusnetzung, dnO dcr Sprengstoff in den - oben drfinierten - Bcsitz eincs nndcren iibcrgrht. Daa lkerlaasen bcdrutet also jede,
auch nur einmnlige, unrntgeltliclie Einriiumung der
tntaiichlichen Gcwnlt. Wird ein fksitzverhdtnis
hei der tatsachlichrn Ausdcrhandgahe dcs Sprenpstoffs nuf drr Scitc dew Sprengstoff Enipfnngcnden
nicht begriindet, Ro hnt R U C ~rin t'brrlnsscn ini
S h e des Geaet7~snicht stnttgefundrn.
Ncben dcm objcktiren Tatbcstnnd i n u l nbcr
noch der subjcktive Tntbestand erfiillt win, dnmit
cine Verlctzung dcs 4 9 rorliegcn ROIL Hirrzu ist
jeclnrh nicht niehr erforderlirh, nIs dnO der Hetmffende dna RcwuOtRcin dcrjenigrn Tntumstandc
Relinl>t hnt, wrlrhc zuni Kesctzlichen Tat brstande
gehorcn. d. h. des pisitiven und negntivcn Tatbestandmomenta (vgl. Entsch. des Reichsgerichts in
Straf$. 13. 37). Dnnnch bdarf es nlno cinerscib
tlrr \Vissentlirhkeit dcr Herstellung URW. oder des
Rcsitzes von Sprenptoffrn, anderersrite der Kenntniw von den1 Mangel der polizeilichrn Erlnuhnis
(vgl. Entacheid. des Kcichsgerichts in Strafe. 36,
158). Dna positive Tnthcstsndsmomrnt - die Wissentlichkrit dcr Herntc.llung unw. odrr drn 13esitms
von Sprrngstoffrn - setzt, wic ohan dnrgrlrpt ist,
die Kenntnin voraus, d n l der Stoff einerncits cxpl~isionsfahigist und sich nndcrerseitw wegen dieser
Eigenschaft zur Venvrndung als Sprengmittel eignet. 1)n anderersrits das Reichsgericht einen Irrtum iiber dic Notwcndigkeit der p~~lizcilichen
Erlaiibnis in der Konsequrnz seiner Irrtumslehre nls
vollig unbenchtlich betrachtet (vgl. Entsch. des
Reichsgerichts in Strafs. 18, 398; 13, 36; IS. 158),
SO geht mnn wohl niclit fehl. wenn das Rewult.win dcs n 1' g a t i v c n Tntbcstandmonientes bei
den nieisten Chcniikern nls vorhanden angcsehen
werdcn muO, dcnn mit Alisnahnie von Chcmikcrn,
die Rich gewrrbsmaOig mit der Herstellung usw.
von Sprengstoffrn bcfnsscn, wird wohl knum
ein trnderer eine aolchc. Erlaubnia nnchgesucht
habcii ndcr besitzen. D n l aber die Herstellung
pewerbsmiiBig geschieht, ist zum Tatbestand dee
Vorgehens gegen 5 9 nicht notwendig, wenn es
auch wohl dcr Regelfall sein wird. Fiir den subjcktiven T n t k s t a n d wird es also in vorliegendem
Fnlle vor allcn Dingen Rich um dns BewuOteein des
p o R i t i v (! n Tntbcstxndsmomentcs handeh. I n
deni rinpnngs rrwahnten Rcchtefall hat.te daa Reichsgrricht der Revision stattgegeben und den Technikunisschiilrr frcigesproclicn. weil ihm eben dieses
RrwultRrin d r s positivrn l'atbestandsnionientes
grfrhlt hnttr. Wrnn das Reichsgericht als weitwen
Grund nngegekm haben sollte, d a l sich der Angeklngtc lcdiglich habe ausbilden wollen, no diirfte
dieser Umstnnd als cntacheidend nicht ins Gewicht
gefnllen, viclmrhr nur zur Ikgriindunp fur die Annahme des Krirhsgerichts gegcben sein. wnrum drm
Angeklagtcn dns HewuBtsein dcr Sprengmittelcihenschaften der hlischiing gefehlt hatte, da jemand,
der sich in den Anfangsstadien des chemischcn
Studiunis befindet, unmoglich mit den Eigenschaften der verachicdenen chcmischen Korper und Verbindungcn btwnndert sein kann. D i e m BcwuOtsein dea positiven Tatkstandsmomentes wird trbrr
dcm ausgrbildrten Chemiker nur sehr seltcn felilen,
und nur um solche Chemikcr handelt es sich dorh
hnuptsaclilicli hi dcr vorliegenden Unkrsuchiinp.
Wic o h m dnrgelegt, verfiillt der gleiclien Strnfe
derjenige, dcr gewissc Anordnungcn und l'olizrivorschriften iitwrtritt, und wer die ini Abs. 2 den fi 1
vorgescliricbcne Registerfiihrung unterlalt. Was
die lctztrrc lkstininiung anlangt, so hat nur dcrjenigc cin Register zu fiihren, ,,der sich mit der Herstrllung und dcm Vcrtrieb von Sprengstoffen bcfnOt," also nicht nucli dcr, dcr Sprengstoffe nur
brsitzt. Die Worte .,Herstellung und Vertrirb"
sind nnturgernii0 in der Redeutung des Abs. 1 1
gebraucht, so dnB die l'flicht, zur Registerfuhrung
d m trifft. wclcher Sprrngstoffe nicht nur Zuni Vcrtrieb, sondcrn auch Zuni rigencn Cebrauche oder nur
zii winscnsehnft~ichcn Vwsuchcn herstrllt (vpl.
S t c n g I e i n n. a. 0. S. 328). Im ubrigrn n r t x t
dcr Begriff ,,Vertrieb" ein gewerblichen Handcln
nicht voraus, viclmehr knnn darunter auch ein rinmaliges und unrntgrltlichea uberlaasen cerstandrn
werdcn. Wsn dnnn endlich nocli die in dernwlben
Abs. 2 rrwiihnten Anordnungen und Bestiminungrn
anlangt, dercn Ubertretung ebenfalls init einer Grfiingnisstrafe von 3 Monaten bis zu 2 Jahren geRhndet wird, so muU gemiiB einer Entscheidung
des Reichsgerichts vom 23.lP. 1899 (Entach. dcs
Rrichsperichts in Strafs. 31, 39), sol1 eine Verfugung
ciner Zrntralbrliiirde nls cine Anordnung ini Sinnc
dicser Vorschriften gclten, dieselbe erkennbar besbsichtigcn, ,,nur mit Riicksicht auf die besondere
nntiirliche Heschaffenhrit des Sprengstoffs im Sinne
~ P R
9 1 Ah. 1 und 2 des',Cesetzes und dewen Eigenwhnften und die hierdurch - im GegensAtz zu nnleren Stoffen von entfernt iihnelnden Eigenscliaftcn
- begriindete aul3erordentliche Gefehr, die fur den
Vrrkelir niit solchen' Sprengstoffen an sich vcrbrinien ist, spzielle Afa~nahmenvorzuschreiben, die
iazu dienen sollen, jene dem Verkehr mit den gefachten Sprengstoffen fur sich a k i n eigentiimliche
lohere GefBhr tunlichst abzuwenden oder wenigitens abzuschwiichen." Die weiter genannten polipilichen Vorschriften niiiseen sich auf den V e r c c h r beziehcn, d . h. dn 0 9 Aba. 3 in diesrr Re-
ziehung den 5 367 Nr. 6 dea Strafgeeetzbuchea ereetzt. auf die dort genannten einzalnen Handlungen
mit Sprengstoffen, niimlich die Aufbewahrung, Beforderung, Verausgabung und Venvendung (vgl.
Entach. dea Reichsgerichts in Strafe. 41, 383). Bei
diesen polizeilichen Vo'orschriften kommen hauptBiichlich berg- und bahnpolimiliche Vorscbriften
in Betracht neben der wichtigen bereite oben erwahnten Polimiverordnung vom 19./10. 1893 ,,betreffend den Verkehr niit Sprcnptoffen." Wie bereite dargelegt, beziehen sich diese Bestimrnungen
des f 9 A h . P'naturlich ebenfalls nicht auf die
Sprengstoffe, die vonugsweise als SchieSrnittel gebraucht scrden.
111.
Sachdem so die einsclilagigcn Geaetzesbestimniungen nach ihrer juristischen Seik hin beleuchtet
sind, wobei allerding auch schon verschiedentlich
Strciflichter auf den Reruf des Chernikers zur
niiheren Erlautcrung dcr cinzelnen Bestirnmungen
gcworfen sind, heiUt es jetzt noch, die Nutzanwendung hieraus fur die uns hier vorliegende Frage zu
ziehcm. Und d a mu8 man zu folgendrn Schlussen
kommen: Vorausgwtzt, da8 eine polizailiche Erlaubnis zur Herstellung usw. oder zurn Besitz von
Sprenptoffen n i c h t vorhandcn ist, macht sich
z. B. ein Professor der Chemie, der an der Univernitat nder Technischen Hochschule Vorlesungen
iibrr Sprengstoffe mit Vernuchen halt oder auch
iiur Kcleqentlich eines and(-renKollegs einen Sprengstoff hemtellt; ein Cherniker. der in cinern offentlichen Vortrage iiber Sprengstoffe solche herstellt
oder Versuche rnit Sprenystoffen ausfuhrt; ein Laboratoriuinscherniker. der Nitroglycerin auf ncineni
.4rbeiteplatze stehcn hat, der fur mine I'rivatzweeke Sprengstoffe licmtellt oder sicli iiiit Versrichen zur Herstellung neiier Sprengstoffe nbgibt.
sei cs auch nur fur Reclinung eines nndrren (vgl.
S t e n g l e i n , a. a. O., S. 325). dcs Vrrgchens
gegen f 9 des Sprengstoffgesetzee schuldig, natiirIichimmer nur unter den zwei weiteren Bedingunp n . da8 der fragliche Stoff ein Sprengstoff irn Sinne
des Sprenptoffpsetzcs ist. und daO der Betreffende das RewuDhin der Sprengrnitteleipcnschaft
d i m Stoffes gehabt hat. Wie aber oben dargelegt,
wird bei ausgebildetcn Cheniikern das Fehlen des
BewuUtaeins dieses subjektiven positiven Tatbestandsmomentee nur sehr selten angenomnien werden konnen, und zwar wohl nur dann, wenn der
liergeetellte Stoff tateiichlich sich als ein ganz neuer
Sprengstoff herauegestelk hat. Dabei ist aber ferner
noch in Betracht zu ziehen, da8 nicht allein daa
B e w u h e i n , daU der betreffende Stoff als Sprengstoff wirken konne, zur Erfullung des subjektiven
positiven Tatbestandsmoinentes notwendig ist, son.
dern dieeer Tatbestandsmoment schon dann als erfiillt nngemhen werdrn rnul3, wenn dcr Wille des
Betreffendenauch n u r e v . d a r a u f g e r i c h t e t war, d a 8 der betreffende Stoff
a l s S b r e n g s t o f f w i r k e n k o > n e . Wenn
also auch in deni eingangs aufgefiihrten Rechtafalle
das freisprechende Urteil des Rcichsgerichta gerade
auf daa Fehlen diesen BewuBtaeins g g r u n d e t worden ist, so muO man dcwh ssgen. daO daa Gericlit
aus dieseni Unistand lieraus wohl nur in den seltensten Fallen ausgebildeten Cheniikern gegeniiber zu
einer Freisprechung a-ird gelangen konnen. Wenn
wir weiter gesehen haben, den en mehr oder minder
Tatfrage im einzehen Faue iet, ob der betreffende
Stoff ale Sprengstoff a n w h e n ist oder nicht, und
zwar haupteiichlich wegen der zweiten Bedingung,
die ein solcher Stoff erfiillen muD: sich mgen aeiner
Explosivitiit zur Verwendung als Sprengmittel zu
eignen. so ist damit auch nicht allzuviel gewonnen
fur den Fall einer Anklage wegen Verpliens gegen
8 9 den Sprcngstoffgcsetzee. Denn wenn auch auf
Grund dirsrr zweiten Bedingung vielleicht dit.
Yclirlieit allrr Korper. die an sich explosibel Rind.
nicht unter den Begriff ,,Sprengstoff" fallen werden,
so iet doch nndererwits nicht zii leugnen. daO einr
.4nzalil Stoffe. init denen der Clieniiker zu arbeiten
gewolint irt, urizweifelhaft diener Kakgorie zuzuziililen sind, dn sie wcgen ilirer Explosibilitat als
Sprengiiiittel Venvendung finden. Es durfte dann
aber so girt wie ausgeschlossen sein, d r n Hrlveis
dnfur zu erlringen, daO der betreffende Stoff kein
Sprengstoff iiii Sinne des GesetzeR int. gsnz abgvselien d a w n . dtiB die Staatmnwdtacliaft wolil nur
dann cine Klagc auR f 9 e r h c k n wird, nachdem sic
sich ganz grnnu vergewissert hat, daU ebrn ein
Sprenpstoff ini Sinne deb Sprcngstoffgesetzrn
vorliept .
Will sonacli ein C'hciniker Rich vor einer KolliRion init 9 9 des Sprcnpetoffgesetzes schutzcn. so
iiiuB er die polizeilichr Erlaubnis ziir Herstellung
USW. oder zuni h i t z von Sprenptoffeii einliolcn.
Es mu8 zugegeben werdcn. daO diesr Konncquenzen Iiartc. und dal3 sie unter Cmstanden greignet
sind. drr freien wissensclinftliclien Forschung Febseln anzulepen. ,%Iclie Erwagungen konnen aher
gegeniibrr den in zalilreichen Reiclisgerirlitsentsclieidungen niedergelegten Griinden fur die Strenye
des Sprengstoffgesetzes in keinw Weise stirndlinlten:
,,Das Sprengatoffgesetz wollte der bei deni Ge1)raucli
ron Sprengstoffen gegebenen Gefalir nicht nur regrewiv. sondrrn auch praventiv entgegentretcn.
I n 8 9 ging der Geaetzgeber nach der Begrundung
des Gesetzeritwurfes von der Auffaasunp aus, daD
bei den groIkn Gefahrrn, welche der Offentlichen
Sicherlieit auf deni in M e stelienden Gebiete
drolien, aiirli hier das zulksige Strefma8 nicht
niedrig bitlessen werden diirfe, und daU der gleiche
Gesichtapunkt bei dcr Bestinirnung des Abs. 2 inaOgebcnd sei. - - - FA war nlso die wohlerwogene
Absicht de8 Gesetzgebers, nucli diese bi*licr milde
beliandelten und nirist nicth aus verbrecherischer
anarchistiRcher Gesinnung des Taters begangenen
Verfehlungen gegen Polizeigesetze eben wegen der
im Verkehr iiiit Sprenptoffen liegenden besonderen
Gefahr niit einer zur Aufmerksamkeit und Vorsiclit
erziehendrn. hohen, iiber daa bisherige MnB weit hinausgelienden Strafe zu bedrohen." (C'rteil voni
30./(i. 1008; vgl. Entach. des Reichsperichte in
Strafs. 41, 381.) Der Cksetzgeber wollte durch Androliung dirser hohen Strafen der I'olizeibehorde
die Jloglichkeit rerschaffen, eine genaue Kontrolle
iiber die Personen zu erlangen und zu fuhren, die
sich riiit Sprcngstoffen nbgeben, und zwar nicht
nur uiii peineingefihrliche Verbrcclien zu vcrhindern,
sondern iim auch jeder anderen Cjefahr, die aus
siner unrorsichtigen Handhabung von Sprengstoffen erwnchsen kiinntc, miiglichRt zu Rtruern.
Aus dieser ratio legis gcht also ohnr weitcren Iiervor,
daD in den h i e r in Retrarht kornmendcn Fallen
die Erteilung der polizeilichen Erlaubnis ale nichta
anderee ale ein reiner Formalakt anzueehen ist.
Demn wrnn die Polizeibehorde durch dieae Vorschriften in den Stand gesetzt werden 6011, durch
eorgfaltige Handhabung ihrer Befugnis mit Erfolg
darauf hinzuwirken. dnO nur zuverliisaige und ordcntliche Personen Sprengstoffe herstellen usw.
oder besitzen, so mu5 ein nusgebildcter Cheniiker
doch sichrr ala dcsr bcrufcnnte Vertreter solcher
I'errronen nngeschcn wrrdrn. so daO also eine solche
Erlnubnis d m Cheniikcrn, die nuf Grund ihres Bcrufw selir lcicht dnzii koniiiien konnen, Sprengatoffis licrzuskllen nder zu Ixsitzen, olinc jedc
Schwierigkeit rrteilt werdm niuO. jn iibrrhaupt
niclit vt-rweigrrt wvrdvn dnrf, rn svi drnn virlleicht
RUS rein rechtvpolitiaclirn Criindcn. Es knnn frriivr dic Polizeibehorde niclit nur fiir einc c-inzdne
I'wson die Erlaubnis pclnm, sondrrn z. n. dirsc-lh
eint*iii Gewerhctreibendrn fiir sich und srin Hilfnpersonal ini nllprmcinrn wtrilrn, ohnc nuf die Personeiifragt in d r r Gcnehinigung niiher cinzugrlirn.
Wit. 1.8 in dcr Entscliriduiig voiii 21.,111. IS85 (vgl.
Eiitsc*h. dee I3eichnp;criclits i i i Strtifs. 11, !lo) tius.
gmlmxlien 1st. stcht nirlits cntpc*yi*ii. ,,tin0 dir
ziistandig~,Polizei~hiirtl~~
tlic Erlnubnis zirm h s i t z
von Sprengstoffcn tleiii t l i c Gtmrliiriigung nticlisuciiendcn nicht nrir fiir wincx Prrson. sondrrn nurli
fiir winr Vrrtrrtcrtxlw (:c*liilfcvr - .4rlxsitrr. Dirnstlmtiw. Fuhrleiitr, Trnnnportc.i~rr-iiunntrllt. 0 1 ) uncl
in ~vrlclieni MnUr dies iiiit tlrr Riicksirlit ~ i i fdie
U'nlirung d r r offtmtlichrn Interrssrn vrreinbar,
mu0 deni pflichtniiiOigm, die konkrcten Vrrhalt.
nisw des vorlirgrndcn Pnllrs in Iktrnclit zivliendrn
Eriiii.,<st-n dcr I'olizribliiirdc. iibrlnssvn blrilwn.
Dnprqeii rvird rs Aufgabe des Init der tntsiiclilirlirn
Hc-urtriluny dcr zu entscliridcmdcn cinzclncn Strnf8 w h v befnUkri Gcrichtcs win, zu eriiiitteln und
frstzustdcn, in welchenr Sinnt. der Erfaubniu~chein
erteilt wordcn, und nuf w l c h e I'crsonen sich die
ertcilte Erlaubnis nncli d r r ausdriicklichen oder
au*: den konkrrten Z'iiiatinden zu entnchnienden
\Villrnameinung d r r Polizt~il~eliijrde
crstrrckt." Es
diirftr danach also o l i i i r nllen Zweifel scin, daU
z. 13. fiir den Hoclincliiil1elirc.r dir polizeilichr ErIaubnin nuch auf d i r iin Lnboratoririni nrbeitenden
Stutlierendrn und Ansistrntrii wird nuegcdchnt werden konncn, oline dnD fur jtadcn neu Eintrctendcn
jrdesiirril eine neuc Erlaubnis eingeholt zu wrrden
brt~ucht. Dcnn d a man zur .innnhmr twrrchtiyt
ist, daU die cv. Herstellung von Sprcnpstoffen unter
dcr vcrantwortIichen I A t u n g de.s brtrrffenden
HtJchschullehrera unniittc.lbar w r sic11 Relit, so ist
auf dieae Wcise aucli dvr Erlaiiterung geniaD verfalirim, die dna I'rt-uUisclir Ministcrinlreskript voni
%?.;3. 1885 (.Ministerinlbl~tt fiir die Innrrr Verw a l t u n ~S. 104) fiir dcii Aiisdruck ,,Hrratellung"
prgrbeii hat.
\Vie ist die Erteilung n l w z. €4. twi einer clieniinrhen Pnbrik auf .ikticn zu Iiandliaben, deren
zohlrcic~heCliriiiiker doch niirli cinninl in dir LRge
koninien konnen, cinrn Sprcngstoff iiii Sinnc d r s
Sprrng.~toffgcsrtzrshrrzustrllen oder zii Iwsitzrn ?
Nacli deiii o h zitierten ~linisteriiilrrskri~~t
ist die
A.-(;., trotzdeni sic Eigrntiinierin d r r Fnbrik ist,
niclit der Hrrstrllrr, d t i nicht tinter ilirer vrrantwortlichen L-itunp tlic. Hrrstrllung iinniittrlbnr
Httittfiiidet. \Inn knnn i n rinw solrlicn Fabrik.
deren Aufgabe ja in der Regel nicht die HereteUung
von Sprengetoffen iet. nicht von verentwort~ichen
Fabrikationsleitern beziiglich dann und wann hergestellter minimaler Quantitiitcn von Sprenptoffen
eprechen. Es niuU hier also von Fall zu Fall auf
Grund der tatsiichlichen Verhaltnisee gepriift werden, wer der Genehniigung zur Herstellung oder
zum h s i t z von Sprengstoffcn Iwdarf; man prht
aber wohl niclit felil, wenn nian anninimt, d a b
z. 8. eine generelle Erlaubnis fur den betreffmdrn
Ahtcilungsvorntnnd auch d i r unter neiner Ixituny
nrheitcnden Cheniiker mitirnifmsen diirftc.
Das Erfordrrnis dcr pnlizeilichen ~enehiiiiguny
k g i n n t natiirlicli erst dann, wcmn die H e r s t e I
I u n p den Sprrirgntoffcs 1wpinnt. sei cs auch nur
drircli \'rriireiiguny odrr sonntipr Verbindung. Da
nlsir drr Vrrkelir init Stoffrn, aus welchcn die
Spri~ngstoffrcrnt lirrgrstcllt werdrn - sic arien
drnn srlhst ails Sprcngstoffr iiii Sinne des Grsetzes
zu hctrticlitrn - niclit drr polizeiliclirn Geneliniipung unterliryt, SO ist. die Herstellunp iisw. odcr
d r r I h i t z nllrr zur Hrrntrllunp oinrs Sprcngntoffes
dicnlichen Elciiirntc folglich iiuch nebeneinandcr
o h c polizrilichc b;rlaubnis zukqrrig und straflos.
So wiirde z. 1s. derjrnige straflos win, drr nebcneinitnder Kaliurnchlorat niit rinrni geringen Zusntz
voii ~f~tngansujwroxyd
untl rin C:rnic.ngr von SitroIx.nzol. Terprntiniil und Saphtlia im nrsitz hat,
vorclusywetzt nllwdinga, daU nicht srinc Absicht
auf die Herstellung eines SprcngstoffeR guichtet
ist. \Viirdr er nber diesc beiden Produkte zuRnInnitmsetzen, so wiirde cr gcgen 9 9 dcs Sprcngstoffpraetzes vcrstolkn, d a rr dann d r n Sprrngstoff
I'rometli& d r r franzosischen stantlichcn l'ulverregie liergestrllt hnbcn wiirde.
\Vas srhlirOlich noch die Rrgisterfiihrung anlangt, so diirftc dicsc Vorachrift fur dir Clienrikw
niclit acliwer zu befolgen sein, dn sie ja in der Regrl
i i h r die von ilinrn vorgenonimcncn Versuche und
Arlwiten Journale fiihrcn; rs wurdr ihnen infolgedrssrn gegebenenfalle auch nicht schwer fallen, aus
dieac.iii Journal jtderzeit d m Sncliweis zu fiihrrn,
airviel Sprc.iigstoff sie licrgrstrllt hnben, und wir
drrsrlbe verwendet wordcn ist. Durch die Fiihrung
dex .Journal& wrrden die Cheniiker ini iibrigrn auch
der Frage enthoben, ob der betreffende Stoff auch
wirklicli ein Sprengstoff ini Sinne d r s Gesetzea und
M i c r zu registricrcn ist.
F m e n wir unsere Betrachtungcn zusamnien,
jo konimen wir zu folgendeni Ergebnis: Allerdinga
rnthalt der $ 0 de8 Sprengstoffgesetzes - und uni
jiesrn Paragraphen hat sich j a rigentlicli diese
qunze Ablinndlung nur gedmht - aulkrst rigorose
Bc~stiinmungen,so daU a n und fur sich die Befiirchiungen niancher Chemiker. sie konntcn lricht in
Konflikt n i t den Hestimmungrn dieaes Parayraphrn
toninien, nicht ganz von der Hand zu weisen sind.
\Inn riiuf.3 nun aber einerseite bedenken, d a n einc
itrrnge Regelung d e s h b e i t e m init Sprengstoffen BUS
illgenieinen Gesichtapunkten lieraus durchaus notwendig ist. und infolgdrsarn die Gmnzrn fur eine
wiventivc Rcprlung, wit. aic $ 9 enthalt, niijplichat
aeit gcsteckt wcrden mussrn, sollen sie i i h ~ h a u p t
,.on irgendwrlcheni Sutztsn fur die Allgenieinlirit
,rin. ..\ndcrersrits wrrdrn 8 twr dic vorhnndi-nen
farten des Geaetzes dadurrh gcniildrrt, dnU rs den1
3rrirhtshofr in jcdciii i~inzrlntmFnllr oblirpt. frst~
zustellen, o b tataiichlich ein Sprengstoff im Sinne
dea Gesetzes vorgelegen, und der Angeklagte daa
BewuDteein der Sprengmitteleigenschaft diesee
Stoffes gehabt hat. Nimmt man endlich noch hinzu,
dal) wiihrend dcs fnst dreiBigjiihrigen h s t e h e n s des
Sprenpptoffpesetzrs tlir Fiille, in denen Chemiker
wcgen Verg~licnsgcpt’n f 9 des Gesrtzes angeklagt
wurden, glcicli Sull Rind, so kann man wohl sagrn,
dnl) irgendrine Andcru1ip dieses (kwtzrn niit Rucksic4it t i u f d r n Ikrrif dcs (’heniikers nicht notwendig
[-A. 56.1
crscheint .
Ebenso wie bei dem Darstellungsverfahrrn
kann nlso auch h i m Farbeverfahren die Patentfahigkeit in dem Verfahren selbet, wir in drni niit
dem Verfahren erreichten, indirckten FAolp liepcn.
I’atentrcchtlich sind nun fiir drrs Verhiiltnis
von D s r ~ t e l l u n p - und Farbrverfahren folgende
Fa110 zii untersclieidrn:
A.
1) i c I’n tc. n t f i i l i i g kib i t d v r F Hr b s t o f f d t i r s t t ~ I 1 ~ nwyi r c l n u r I n i t d v r u
t. r c h n i s r 11 c n 15 f f I’ k t d c s 1’ r o tl II k t c s
b c p r ii n d c . t.
I)R
dtln I’nttnt nuf rin Fiirhverfalircn untrr
Farbstoffdarstellung und FiirbeIJmstiindcm rincn vie1 wcitcr Kchenden Scliutz pibt
verfahren in der Praxis des Deutschen als dnq I)nrHtcllrlngwl)att.nt, RO ist ex haufip I k nt.rehn d r r Erfindrr. n e b r n d r ni S r Ii II t. 7. f ii r
Patentamtes.
d i r D n r s t r l l u n p d r ~P n r b s t o f f r s
Von Dr. jur. Dr. rer. nnt. WEIDLICH n o c l i d c n S c l i i i t , z f u r d a F~i i r b e n ~ I I
1Ioclist a. M.
e r 11 ti I t r n. Die fiir dic l’trtentierung dc-r Piirbstoffdnrntrllung
nnpc-wandto Arpunientation int div,
(Eingeg. 7.18. 1912)
daB durcli die 1)nrstcllung drs Fnrbstoffre in1 Hinntut l’ntt~ntnmt c-rtcbilt in stctcr Praxis 1’n - blick nuf die Eiprnnclinftt-n d w I’rnduktm, wc~lclic
t c n t c n u f d i r 1 ) i i r s t c l l r i n g v o n F n r b - r s Inhiin Fiirbrn zcigc., cin r r n r r w n r t ~ k rtecliniwr1ic.r
s t o f f c n aucli dnnn, w n n in driii 1)aratcllunp- Effrkt Iicmwrgcwifrn wrrtlc,. I)ic l’titcntfihipkcit
vrrfahrcn selbst niclitx E:rfinderiwchcw lie& falls dew n e h n d c w I)tirHtrlliinpsvctrfalirr.l1 nnp(wieldcdie Fnrbstoffv lwim .\usfiirbcn iibcrraschcndc: Rigen- tcn Pilrlnw~fnlircmswirtl dnnn dnrnit bt~priindrt.
schnft.cn - sci cs tlrr z u rrziclcndrn Fnrbe wlbst
nian linbr nirlit vortiunsh~nkiinnrn, wir dtis neiic.
tdcr dcr EchtIic~itscc~i~~~rinrhnftc~n
d r r Firbunprn - seitlicr unlwknnntt. I’rcdukt fiirlnm wiirtlc. untl
aufweisen, wmii nlso t l m 1~’cirbstoffc.n. wit, die iib- wt-lclic~ ].:clitlic~itsi~ipcnwcli~rftcn dcn tlriinit Iirrge, ,,u n r w a r t r t c r
liclir Ikcgriintlunp I t i u t ~ ~ trin
stclltcn Fiirbunpcm ziikoniincm wiirdrii.
t o c 11 n i H c 11 r IS f f o k t “ zukoinmt. Hierauf
1st cinv drr Iwid(m An1nc4dungc~1vorpii 1)Iixiibrt.
brrulit z. 13. dic ungrlitwc-r p r o k Znhl clcr Patcnto
so entfiillt ntrtiirlirli fur dir zweitc olinc \vc.itrrcti
nncli f 2 I’trt.-(hx. dic I’ritcntfiihigkeit. Sintl c l n auf 1)nrwtcllung voii .Azofrrrl)stoffrn. d i r stets nnch
t l ~ ~ r s r l h i.\lctliotle
i
vrfolpt, tlcwn 1’~tcntfiiliilz.keit pcgen Inid(. Annic4dungr1i eingrrriclit, die cinc
abcr in jrdcin c-irizihw Fnlle mit Hccht Snplrnorn- 1’11bliktiticrn vorlrig. so koninit fiir die pnttmtrc.rlitincn wird, wcnn dic. I’rotluktc uneranrtrtr technischc
liclic! Ikwrtc.ilunp nur 5 3 I’trt.-Gc-n., nlRo dvr (:rnic!litwEigrnschuften tiufwcism. Da das dcwtsclic I’ntentpunkt d r r ltlrntitiit clrr Annirldunpcn in lk-trnrht.
g e w t a fiir dic nuf clivniisclicm Wcgr dnrgcstelltcn
1k.r l‘iiixtiind, dun d r r K i i r l n ~in d r r niclit vorpubliI’roduktib eincn Stoffschutz niclit zuliillt, bictet
zic-rten 1’ntAmt lnwh’eibunp d r s I)trrntc.llilnenvc.rftrlidiwc wit der bcktrnnton rc~ichsprriclitliclicn Ent- rrns nls Fnrlmtoff clinrnktcrisirrt ist, und dnO dtrrin
scheidung in dcrn KonporotprozrU (I’atcntblatt, nrrch dnw Fiirlx?vc~fulirrn
rind d i r danach hrrzustcl1889, 209) allgcnirin nncrktmnte I’raxiw dic tatsachIrndm Fiirbringrn lwschriclwn sind. prniipt nirht.
licli d i m kdurfnix cmt.y)rcchrndc Jliiglichkeit, tech- uin d i n e wc.iterrs c l i r ~’titc~iitfiilligkcitdrs Fiirtwnischc Fnrtsclirit tc. nuf dcm Fnrbstoffgebicte,
vrrf~ilirc~nxncben dcni I)nrstrllun~!svc.rfnIir(‘ni i m wclchc niclit rinfilcli nus IinndwrrksniiiOigem ArzuscIilir&m, d e n n f ii r d i A A n n n 11 111 r d (. r
briten, s o n d i ~ nnus orfinderischer Titigkcit Iiervor- p LL t r n t r r c h t 1 i c 11 r n I d e n t i t ii t zwtbi c r
grgnngen sind, in1 Hiiliincn d w Vrrfnlirenpntente
A n i n 1. I d I I n p r n k o in 111 t r H n i c 11 t cl n r zu scliiitmn.
n u f n n , w a s i n d c r H ~ ~ c l i r c i b u gn op Auch ein Fii r I) v v e r f a 11 r (! n knnn von zwei
offrnbtrrt ist, sondt-rn darnuf, was
Gcsichtspunkttn nus pitcntfalrig wein: cinmnl, wenn
s i c h n u s d c n i A n s p r u c l i n l e zii s c l i i i t es sich um rinr n c w Art der Fixierung cines FnrbSicht nllcs,
z e n d o E r f i n d u n p (’ r p i b t.
stoffes hnndclt, z. H. urn ein ncurs Aliznrinrotfarbcwns brsclirieben ist, sondc>rn dns, wn8 brnnsprncht
vrrfaliren; dann n l w nucli, wrnn sich fiir einen
w i d , ist ,,Ucpenstnnd des l’titmtes“ bzw. der .inbekanntcn Kiirlwr, an t1cssc.n Eipnung zu Fiiriirbcrci- nieldung1). Jlnn darf
he i d r r Pr n p e
zweckcn seitlicr nivnitind grdncht lint, winc Vor- n n c l i d r r I d c n t i t i i t z w e i r r n n y e n ~ ( . l wcndbnrkcit fur solchr Zwrckc hersusstcllt und dies d r t c r E r f i n d n n g e n n i c l i t n u r d c n
nach nllem, was drni Pnchninnn brknnnt war, u h r - W o r t . l n u t d e ~A n R p r u c h s b c r i i c k raschend ist. Kin Vc~rfirhrcnZuni Fiirben von Wolle,
s i c 11 t i p A n , sondrrn inon niuU nus dicscni M’ortBtruiiiwollc tdc-r tlpl. rnit eincni liierzu norh nicht
laut licraus die Erfindunp, die tntsachlich geniaclit,
benotzten Kiirprr ntc4lt unter diesen l’nistiindcn
und deren Schutz im Anspruch verltinpt. wurdc,
einc Erfindung dnr, ohnv dnO in d i m Fiirbeverfahren
festetollrn.
mlbst ctww Seuw und Eigclwrtigen zu liege”
R
Von diesrm ~esiclitclliunktc‘nuahnt ~ R Pnttntbraucht. Auch 1iic.r int r x nicht d m Verfahrrn
anit (Hcwhwc~drnbteilung11) in seincw Entschris e l h t , dtin d i r t’titcmtfiihipkeit tragt. sondern drr
niclit rorlierzusc.lic,ntl(. Krfolp. d r r in den E i y t*n -1) Vgl. Blatt fur l’atent-, Muster- und Zeicliens c 11 t i f t 1. n d w Ihic4ten lirgt.
wesen XIII, 176.
(a
irides!
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