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Das St. Elmsfeuer

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XIII. Dm St. Eimsfeuer;
Dr. F e r d i n a n d P i p e r .
oon
U i i t e r dcii Nalurerscheinungen , welche cine merkwiirdige
Geschichte habeu in der Auffassuiig der Naturkuodigen, wie
in dem Glaubeii der Valker, iiiinmt das St. Elmsfeuer eine
bedeutende Stellc ein: wodurch es, auch abgesehii von dem
Gegeustaud , eiii eigeuthIiinliches Interesse darbietet. Denn
uberhaupt ja ist es eine dcr auziehciidsten Seitcu der Naturforschiiug zu sehen, wie die Natur im Geist des Menscheii sich spiegelt und wic er auf verschiedcueu Stufen
der Nalurbetrachtung Verschiedenes von dem Seinigen hinzuthut, uin ihre Krzfte mid Wirkuiigen sich fafslich zu
machen.
Wahrend aber an Reobachlungen dieses Phiinomens aus
uenerer Zeit es nicht fehlt, seine Merkmale sorgftiltig gesaminelt siiid, auch die Erklsrung seit der Mittc dcs vorigcn Jahrhuudcrts feststeht; ist seine Geschiclite zum grofseu Thcil sehr verssumt. Zwar sind die Wahrnehmungen
uiid Ansichten des klarsischeta Alterthians bekauut, da man
auch neuerdings mehrfach sich damit beschiftigt hat: namentlich sind voii U k e r t I ) und F o r b i g e r z ) bei der
physiscbeo Geograpbie der Alten, so wie insbesondere bei
ihrer Meteorologic von I d e l e r 3 ) die Stelleu fiber das St.
Elmsfeuer gesammelt; und mit eiuer gewissen Vorliebc, im
Iutercssc scinor physischeli My thenerkllrung, ist S c h w e i g g c r ) den Spureu desselbeii oachgegangeu. Hiugcgcri ist
die Geschichtc des St. Elrusfcuers in dem gauzen christli1 ) U k e r t Geogr. der Gricchen und Rtimcr Th. 11. hb111.1. S. 141 t'.
2 ) F o r b i g e r Handb. der slten Geogr. Th. I. S. 6L6.
3 ) l d e l e r Dr meteor. vet. Grarc. et Romun. p. 164 54. und LU
Aristutel. Mttcurol. (obwohl bci Arbtotelcs selbst das St. Elmsfeuer
nicht vorkommt) Y u l . If. p. 244 sq.
4 ) S c h w e i g g e r Einleitung in die Mytlrologia suf dem Standpunkte der
Nsturwissenscha~t. Halle, 1836. S. 286 ff. und Art. Dioskoren in d.
Allgem. Encyclop. Ton E r s c h und G r u b e r Sect. 1. Th. 25. S. 409 tT.
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chen Zeitulter bis aii die Griiiize dcr lieuern Zeit im Dunkel gebliebeu. Da dicse aber das doppelte lutcresse hat,
eiuestheils nus dein christliclicu Alterthom eiu Bildzuerk clarzubieten, welches in aiitikein Sinu das St. Elinsfeuer vorstellt, das einzige Mnl in altercr Zeit, dak es iiberliaupt
abgebildet worden ist; - auderutheils fiber den Namen des
St. Elinsfeners Aufkliirung zu geben, iiber den gerade in
der ueuern Physik irrthiilnliche Ansichteu fast zur Herrschaft gelaiigt siud; so liifst sicli hoffeu, dafs an dieser
Stelle der Versuch willkoinineu seyu werde, die bisherige
Kuude des St. Ellnsfcuers durch die Geschichte der Vorstellungeu vou demselbeii in dem gedachten Zeitraiim zii
ergiinzen ‘ ).
1. Bekaniitlich wiirde bei deii Alteii das St. Elmsfeuer
iiach den Dioskuren, C a s t o r uud Po 1 I ux bcnaunt, welche
als Retter in Seegcfahr verehrt und von dcu gefiahrdetcu
Scbiffern als liulfrcich niihe erkanut wurdeu , wenn jeues
Feuer auf den Masten oder Segelu sicb zeigtc. Docli
kiiiipft sich diese giiustigc Deutiiug nur an die doppclte
Lichterschciuuug: erschieii das St. Elinsfeuer als eiufacbes
Licht, so ward cs fur Verdcrben bringend angesebn und
salt fur die Erscheinuug der H e l e n a , der Schwester der
I)ioskureo, die den Trojanern so verderblicb geworden.
Hiernach habcu ueuere Physiker den Aiisdruck St. Elmsfcrier aus dew Naioeii Helena abgeleiret, als ob es so vie1
als Helenenfeuer (aber docli nicht Sunct Heleneufeuer?)
ware, wie G e h l e r erklart 2 ) , wobei auch M i i n c k e 3)
stehen geblieben ist. Audere, wie S c h w c i g g e r Q),intiem sic aus Elmo Herino inachen, deulien au deii Kabireu
Hermes uud gebeii die Aiirufiing des hcil. Elmus bei deli
Scliifferii unter christlicheu Vblkern fiir Kabiren - Anbetuog
I ) Tch knmme euf cliesen Gegenstand in einem griifseren Zusamrnenhang
zuriick, in dem nklist erscheineuden zweiten Tlieil meiner Mythologic
und Synibolik der cliristliclien Kunst 0. 53.
2) Geli l e r Pliys. W’iirterbucli a. A. TIi. IV. S. 742.
3 ) M u n c L e in der ncuen Bcaarbeit. des PIiysiL. Wcirterb. Bd.-X. hbtli. 2.
s. 1625.
4 ) S c l i w e i g g e r Jalirb. Bd. X. S. 1011 Dtl. XVI. S.259.
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a m : auf Grund dieser Mypothcsc hat der Urheber derselbeu sofort auch (leu Ausdruck Hernaesfeuer statt Elmsfeuer iu die neuere Physik einzufiiliren u~itcr~~ominen,
worin
ihiu K a m t z ’) gcfolgt ist. Beides ist irrthiimlich. Es liegt
viellnehr ein christlicher Heiligenname ziim Gronde , der
soglcicb nachgewiesen werden soll: zuvor nber wolleu wir
das Vorkommen dcs St. Elmsfeuers im christlicheu Alterthorn, uiid zmar i u der Kunst desselbcii iii Betraclit zieheu.
2. Zoerst ist hier das Pauier der Zwillinge (Dioskureu) zu erwahiicn au dem Schiff aus Alexandrien, auf welchcin dcr Apostel I’auliis voii Malta nnch Puteoli fubr
( Apostelgesch. 28,ll): wic ubcrlianpt die nioskureu als
Schiffszeichen angewandt wurden,
das, weuu es auch
nicht onmittelbar auf das St. Elinsfeuer sich bezieht, doch
der Erscheiuuog dcsselben verwaudt ist.
Das St. Elmsfeuer selbst abcr ist auf einem altcbristlicheu Sarkophag von Marmor vorgestellt , der bei Ausgrabung der Fundainente der Peterskirche gefunden wordeu
und dessen vordere Plattc gegenw2rtig iin christlicheu Museum des Vatican acifbewahrt wird *), voii welcher B o s i o s),
A r i u g h i ’), B o t t a r i 5 , und d ’ A g i i i c o u r t 6 , Abbildungen geben. Und zwar erscheint es in eincr Sceue aus der
Gescbichte des Propheten Jonas. Als Jonas n:imlich, nach
deni alttestamentlichen Bericht, dem W o r t e Jehova’s ungehorsam zn Schiffe gegangen war und dieses nun vou eineln heftigen Sturm dem Untergang uahe gebracht wurde,
uahinen die Schiffsleute, nachdem sie durch das Loos ermittelt, dafs um des Jouas willen das Ungliick sie lreffe,
deuselhen wid warfeu ihu in’s Meer: da wurdc cr von ciiieiii Wallfiscli verscliluugeii, uacli drci Tageu aber wieder
an’s Laud gcspieeu. Diese Geschichte war im christlrchen
-
I ) K S r u l z Lclirb. der Meteorol. Bd. 11. S. 485.
2 ) P l a t A e r Reschreib. R o d s 11, 2. S . 36G.
3 ) B o s i o Rorna softerran. p . 103.
4 ) A r i o g h i H o m n subtrrmn. Torn. I . p.335.
5 ) R o t t a r i Sctrlt. e piif. sngre T.I. Tuv. XLII.
6 ) d ’ A g i n c o u r t Scult. T w . Y.Fig. 6 .
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Alterthum besonders beliebt als Siunbild wie der Aulerstehuug Christi (uach Matth. 12,40) so auch der allgemeilien Auferstehuug, indem mau darin angedeutet fand , dafs
wenn auch der Todesracheu den Menscheu verschlungen,
doch das Grab seine Todteii herausgeben werde, wenii die
Stunde der Auferstehung gekommeii (Offenb. 20,13). Dernriach fipdeu sich diese beiden Scenen, wie Jonas von dern
Wallfisch verschluogeu uud wieder ausgespieen wird, haufig iu Relief auf den Sargen der alteu Christen: uud SO
auch auf dem uusrigcu. Die erstere Scene aber ist es,
der dns St. Elmsfeuer angehbrt, wie auf Taf. I. Fig. 9 zu
erseheu ist I ) . Mail sieht auf dem sturmbewegten Meerc
das Schiff init drei Schiffsleuten, von denen der mittlcrc
den Jonas uber Bord wirft dem Meeruiigeheuer in den
offeneo Racheu hineiu. Oben zur Rechteii hinter dem
Felsen ragt eiue uacktc geflugelte Figur halb hervor, das
ist der penonificirte S t u m , der ebenso mehrmals in derselbeu Scene auf altchristlicbeu Sarkophageu vorgestellt
ist. Mitten fiber dem Segel des Schiffs aber zeigt sich einc
weibliche Figur als Brustbild , wit einer Kroiie auf deui
Ilaupt, von eiuem Lichtschein umgeben: das ist das persoiiificirte St. Elmsfeuer, welches hier einfach (uicht doppelt)
erscheinend den Schiffern Verderben droht. Zwar hat
inan diese Figur fruher theils fur den Sol, - und auf die
Eiuwcudung, d a b sie nach Gesicht uud Brust weiblich sey,
fiir die Luua erklart ), der aber jedes Keniizeichen fehlt,
und die bei diesem Ereignifs auch gar nichts zu schaffen
hat.
I ) Aiif dicscrn Tlreil d u Reliefs erblickt
man noch zwei andwc Scencn:
njnilicli oben zur Reclrten Moses, der mit dam Stab Wasser aus dent
Felsen sclrl5,ot, welrltes die lsraeliten begierig auffangen (nach 2 Mos. 17,6.
1 Car. 10.4); tiud auf der anderen Seite drci Figurcn, welche zu einem
Rilde der Aiiferweckong d a Lazarus geliiiren, die Martha, dessen Sclrwestcr, und z w e i Apustel.
2 ) So noch M i i n t c r , Sinnbilder u. Kunstvorst. dar alten Christen Ileft 11.
S. 130.. der aucli von dicscr und der fulgenden Scene ( w i e Jonas voni
Wallfisch wiedcr ausgcspicen wird) eine Abbildung giabt Tat IX.
Fig. 45.
32 1
lint. Das Richtige hat sclion B o t t n r i geseheu, indciii er
in ihr deli Unglflcksstern Helena erkaunte I ), woinit auch
B o r g ia ') und PI a t n e r ) eiuverstandeu siud. - D a t
das St. Elnisfeuer iiberlianpt hier angebracht ist, (obwolil
die alttestainentliche Erzahlung direct keine Veranlassung
d a m giebt ), dient zur detaillirten Schilderuug des Ereignisses und ist ein beinerkeuswerther Zug aufmerksamer Naturbetrachtung. Dafs es aber persdnlich, in weiblicher Gestalt gebildet worden, erkllrt sich, eben so wie der Windgott daneben, durcli Heriibernahme der antiken Vorstellung, von der die altchristliche Kunst nocli viele andere
Beispiele darbietet. Vermuthlich ist dicse Personification
eben nur ein kiiustlerisclies Motiv. Doch ist es nicht unmdglich, dafs dabei an eiiie dainouische Gewalt gedaclit
ist, da auf das christliche Alterlhum die Meinung iibergegangen war, dafs die Luft init bdsen Geistern erfiillt scy,
wie diefs zwei Kirchenlehrer aus dem Anfang des dritten uud dem Anfang des vierten Jahrbunderts, T e r t u l l i a n und A r n o b i u s aussprechen 4 ) .
3. HiernBchst aber hat das St. Elmsfeuer in der mittelalterliclien Ndurhnde weiiiger Beachtung gefunden, wie
aus den Werken hervorgeht, welche die Summe naturwissenschaftlicher Kenntnisse in ihrem Zcitalter reprasentiren
und auf die Folgezeit tibertragen. So ist von I s i d o r u s ,
Bischof von Sevilla (t 635), in seinem grofsen encyclopldischen W e r k , wie in seiiiem B u d von der Natur das
St. Elmsfeuer mit Stillschweigen iibergangen, obwohl er
nach Tranqaillus von dem (elektrischen) Leuchten des Wassers redet 5 ) . Ebenso von B e d a ( t 7 3 5 ) und H o n o r i u s
von Autun (urn 1120). Hingegen giebt V i n c e n t i u s von
Beauvais urn die Mitte des dreizehuten Jahrhunderts in sei-
-
1) B a t t a r i a. a. 0. p.187.
2 ) B o r g i a De cruce Yelit. p . C X L V I .
3 ) P l a t n e r an dem vorhin angef. 0.
4 ) T e r t u l l i a n . Apolug. c. 22. Arnob. Adu. gent. Lib. I. c . 2 3 .
6 ) Isidon De natura rcrurn c. 38 : mulatio tempestatis expecturid~i
ert in asprrius, guurn in nocturna nauigatione scintiIIat a d rrnws
et gubernacula aqua.
Poggendortl's Annal. Bd. LXXXII.
21
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imn Spicgel dcr Natur voii dcin St. Elinsfcuer a m Seueca
(Nut. Quaest. Lib. I. c. I . ) , doch ohnc sonderlichc Beachtuug, die Sotiz: in magna tenapestate solent apparere quasi
stellae velo Csidentes ' ).
4. Bcdcutsaincr tritt in der Leyende, nachweislich seit
dcm zwalftcu Jahrhundert, das St. Elinsfeiier hcrvor. Wahrend inan namlicli fortwiihrend die Luft als Wohnsitz bib
ser Gcister ausah, stelltc uiau der bliuden Naturgewalt uud
den iu ihr waltcndeii D~moiieiiSchutzheilige entgegea, die
W i u d uiid Wettcr zu stillen im Stande wlren. Vor allein war es M a r i a , die Mutter Jesu, deren Schutz man
iusbcsondcre auch auf dew Meere sich vertraute uud R I ~
dciu St. Elmsfcuer wallrzunehmen glaubtc. Es kniipft diefs
sclbst aii den Namcn der Maria 011, da man namlich schon
seit dem christlicheu Altcrthum dmch Ableituiig atis dcui
Hcbrlisclicn ihu durch ))Stern des Mceres. erklarte ).
Uuler dieser Beucuiiung ist sic splter allgemeiu gefeiert,
\vie sclioii in dcm bcruhinteu Hyinniis etwa aus dcrn iieuuten Jahrhundert, welcher beginut: Ane m a r i s s t e l l a ,
M a t e r d e i a h a , so inehrfach iu deutscheu Predigtcn
und Liederu a m deln zwillfteu und dreizehuten Jahrhuu.
dert. Neben der lierrscheudcu allegorischen Deiituug dieses Priidikats, (iudem uuter dcm Meer das wildc Lebensinccc der grundloscu W e l t u verstauden wurde, iiber wclchem ihr Stern leuchtet uud leitet), ergab sich nun auch
eiue natiirliche Geltuug desselben durch Beziehuug auf
das S t . Elmsfeuer,
wovon ebeu die Legcude zeugt.
Im zw8lften Jahrhundert u h l i c h schrieb der Priester
P o t h 0 , Mauch des Klosters Priflingeu bei Regensburg,
seiu Buch De nairaculis s. M a r i a e , woriu folgeude Geschichte vorkomint
von eiuem Abt, von dem sic der Verfasser selbst erkuudet habeu will. Dieser Abt befand sich
mit vielen auderu zu Schiffe iiiitteu auf dem britauaischen
))
-
1) Vincent. B c l l o v . Spec. not. Lib. IY.c. 73. p. 278.0.
2 ) IIiernnym. De noniin.Hebraeor. interpret. Opp. ed. YuUarsi T.Z I I .
p. 92.
3) PI)I h o Lib. tie mirnc. Mnriue c. 28. cd. nernhnrd Pez.
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Meere, als ein solchcs Unwetter einbrach, dafs a11e am
Leben venegten. Man rief die Heiligen an, ein jeder den,
init dem er vertraut war, Niemand aber die Maria. Wie
das der Abt sah, ermahnte er sic, vielmebr zur Mutter dcr
Barmhenigkeit, die machtiger als alle sic, zu flchen. Als
das geschehen, erschien sofort auf der Spitze des Mastes
cin grofses Licht gleicli einer Wachskene, welches die
nlchtliche Finsternifs verscheucbte und alle im ScLiff rnit
Glanz iibergofs. Das Unwetter legte sich, es trat Meeresstille ein. Bald brach ein heiterer Tag an und das Schiff
laodete gllicklich.
Stern des Meeres, beller als aIIe,
macbtiger als alle zu lielfen~~,
ruft der Verfasser aus. Dcr
Zweck dieser Erzahlung, die Marienverehriing zu empfehleu, liegt vor Augen. Es scbeiut aber, dafs jene Lichterscheinung dalnals ziemlich unbekannt gewesen und die neiie
Kuude davon iu dieser Legende ausgeprtigt ist.
Ganz
dieselbe Enahlung, nur &was weiter ausgefiihrt, bringt in
deutscher Bearbeitung das alte Passional, welches in der
zweiten Halfte des dreizebnteu Jabrhunderts wahrscbeinlich
in der Nahe von Mainz verfafst ist und im ersten seiner
drei Biicher anfser dem Leben Jesu und der Maria, die
Wuuder der letzteren entbalt I ) . Da wird das St. Elmslicbt, welches auf Anrufeu der Maria erscheint, so beschrieben ( v . 96 ff. ):
3 8 0
-
tlf dem marte dar enboben
ein vac&elnlicht rd rchdne quam,
dan die trube gar benam,
dia rich d oh dem rchiffe truc.
ail witen rich a1 umme rluc
dax lkht von dem marte.
h i rinem rchdnen glarte
g e r d h n sie nu alle w o l ’ ) .
1 ) Unlhgst zum ersten Ma1 herausgegeben (von P f e i f f e r ) : Marienlegenden, Sietig. 1846. S. 87. Daselbst im Anlrange S. 273. wird auch dcr
Ialciliisclre Text des Pottio mitgellcilt.
2 ) Das heirst: Auf dem Mnste gnua obcn erschien ein Faekellicht so schdn,
das die rinsteruifs gana benalim, die auvor auf dem Schiffe lag. W e i t
iiiulicr vcrbrcitrte sicli das LicLt yon dem Mate. Bei seinem schdnen
Glanae sahen sie uun alle deutlidi.
21
*
324
.Da ward, lieifst es weitcr, ihr Heiz freudcavoll: die grofseii Sturinwiude, die zuvor init voller Geschwindigkeit auf
dein Schiffe lageii, uiid der Welleii Toben begauu sicli
da zii iieigen, uiid die Furclilsaineu, Feigen wiirdeu erinuthigt uud froh.
5. Demniiclist sind es besonders vier Hcilige, die auf
d e n Meere liulfreich seyii sollen und mit denen das St.
Elinsfeuer in Verbindiiiig gcbracht wird: N i c o l a u s , aiigeblicli Bischof voii Myra (+343), G e r i n a n u s , Biscliof
voii Auxerre ( + U S ) , E r a s m u s uud P e t r u s G o n z a l e z ,
- von denen icli liier 11111’ auf die beiden letzterii eingehe,
da der jetzige Name des St. Elinsfeuers auf sie zuruckzufuhren ist.
E r a s m u s , eiii Bischof, sol1 aus Autiochien iracli Foriniae, jetzt Mola ain Golf von &eta gekomineii seyu uiid
uiitcr Diocletian uiid Maximian (zu Aiifang des viertcii
Jntirhund.) den Martprertod gelitteii haben. l)ie 3lteste
Nacbricht voii ihin aber ist Jalirhuuderte splter, bei Papst
Gregor d. Gr., der in eiiiem Briefe vom J. 596 ‘ ) cr.
wlhnt, dafs zu Foriniae desseii Gebeiue ruheii. Uiid Zuverlassiges ist aus seiiieni Lebeii nicht bekanut. Seiri Nnine
findet sich am 2. Juoi in den lateiaischeu Martyrologien
seit dem ueuiiteii Jahrhundert. Derselbe lautet zusainmeiigezogen E r m u s , italienisch E r m o aucli E l m o : iiud so ist
nach ilim, das heifst nach einer alteu Kirche St. Eriliiio,
das Kastel zu Ncapel St. Elmo genaiint, welches K h i g
Carl 11. uin 1300 erbaut und Kaiser Carl V. iin J. 1538
erneiiert hat,
und ebeii so eiii Fort bei Valette auf
der Insel Malta. Er ist es auch, uacb dein das Wettcrlicht benannt worden. Denii uiiter ebeii dieeem Nameii
St. Elmo ist der h. Erasmus seit Jahrhunderleii von Schiffern
auf dem mittellendischen Meer, zumal Italieiierii, uin n e t tung angerufen: ,,seine lliilfe glaubte mail zu erfahren, iiidein iiber dein Schiff das Licht erschieu, welcbes die Alten Helena naiinten ’).
I(
-
((
1) Gregor. M. Registr. Lib. I. ep. 8.
2) Papcbroclr. in Act.
Siinct. Antu. Jun.
T.I. p. 218. /.
323
Bei deli Spaniern utid Porlugiescu aber wird iu gleicher W e i s e , selbst untcr demselbeu Nanien, der Doininikauer P e t r u s G o iiza I e z verelirt, tler zu Tuy in Gallicien iin J. 1240 gestorbeii iiud 1234 selig gesprocheu ist,
uud der i n Hciligeuverzeich~iisseii am 15. April aufgcfuhrt
wird. Man iiauiite ihii patronus naaris Hispaniue, woran
sein Geschichtsclirciber, der L)o~niiiikaiicr S t e p h a n o s d c
S a m p a y o ( t 1600) die Beinerkung kiiiipft I ) : ),darnus
crhellc, d a k er schoti seit undenkliclier Zeit den auf deiii
Meere Gefahr Leidenden zu Hulfe gekotnin~ti,uutf tlafs es
nicht fabelhaft uud abgeschiiiackt s e g , weiin hin uiid wicder die deli Oceaii Befahreodeii riihiiien rind preiseii, es
sey dcr heil. Petrus Gonzalez ijfters von iliiicii bci drohendein Uiiwetter gesehn nuf der Spitze des Mastes odcr
der Hbhe der Segel, mit riiicr breiineudeu blaulicheii
lierze in d r r Hand, und sofort uach dcr Erscbeinullg lege
sich tlcr Sturin und sey das Meer beruhigtn,
eioe dcutliche Bezeichnung des S t . Elinsfeaers. W o n a c h cr auch,
iii Dominikanertracht, in der Kecliten eine brennende blauliche Wachskerze haltend, abgebildet zii werdeii pflegt '' ).
- Doch ist iliin urspriiiiglich kcinesnegs dcr- Name Elmus
cigen, soiidcrn dcrselbc ist voii eiiiheiiiiischen Schifferii aiif
i l i u iibertrageii, (la sie tienselbeti Schutz utid dicselbe Erscliciuung iliin beiinafseo, welclie die Italiener ilirrin Heiligeu, dcm Erasintis oder Elinus verdaukteu ". Wenu r r
aber statt Elinus haufig Telmus genannt wird, auch in
wissenschaftlichem Spracbgebrauch , wie e r unter dicsein
Naineu mit Beziehung auf das St. Elmsfeuer naineiitlich in
der Hydrogruphie von F o u r n i e r ') vorkommt; so erkliirt
sich d i e b daraus, dafs das Schlufs-t von Sanct als Anfangsbuchstnbe hertibergenommen ist, gerade wie aos Sanct
JucoOzcs im Portugiesischen Sun Tiago gewordeu ist.
-
S t e p 11. d e Sam p a y o Yi/u & / r i C o n s a h i C. 3. I. 26.
Apr. T . I I . p. 39'5.
2) P ; ~ p e b r o c l r ,an dcm in d. vor. Anm. ang..f. 0. 1). 390. c .
I
,)
iri
Act.
Snrirt. d n t u .
3 ) Ibid. p . 390. /. sq.
4 ) 1 : o i i r n i c r fIydrtyrmphie Lib. XV.eh. 20. c d 2.
Pur.
1 N i . 11. 540.
326
SchlieCslicb mbge bier uoch der beideu grobeu Dicliter
des sechzehnlen Jahrhuuderts aus ebeu dieseu Nalioueu
gedacht werdeii , welche des St. Elmsfeuers Erwabnung
thun. Der eiue ist A r i o s t , der die Scene auf deln Schiffe
lebendig schildert im Raseudeu Rolaud (zuerst 1515) I ) :
Und vfllig siegten heut die gimmen Wogen,
EIielt oicht geschwind die Wuth des Ytnrmes ein.
Doch bald erheitre sicb des Eimmels Bogeo,
Verheifst Sanct Ermo's 1' lirngst ersehnter Schein,
Der auP dem Bugspriet leuchtend atifgegangen,
Weil man gekappt so Matql? als Segelstaogen.
u. 9. w.
Der andere, C a m o C n s bezeichnet es uur, ohue cs zti
neuneu, in der Lusiade (zuerst 1572)
Daa Licht, das lebende, gewalirty ich kliirlich,
Daa immerdar dem Seevolk heilig grlt,
Wenn Ungewitter dunkelt, und geflhrlich
Der Sturm sich aufmacht, und Gehetil erschallt.
SO hat sich bei diesem Naturphanoinen eiue inglhiscbc
Vorstellung, getragen von der Legcnde wie von der romantischen Poesie, mit dem Heiligennalnen bis auf die Gegenwart fortgepflanzt.
1) Ariosto Orlundo firioso C. XIX. St. 50.
2. Aosg. S. 302.
iibers. von S t r e c k f u f s
2) So steht im Italienischen. Ungenau schreibt dcr Ucbersetzcr Sunct
Hermus, worauf aber S c h w e i g g e r f i r seine Deutung auf-den Hermes wieduholt (in den oben nachgewiesenen St.) sicb bcrufen hat.
3) Camozns Lusiad. C. Y. St. 18. iibers. von D o n n c r S. 166. Vergl.
A. V. H u m b o l d t Kosrnos Th. 11. S. 59. 122.
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