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Das Verhalten des Boracites gegen Magnetismus.

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507
11. Dns Yohalten ties Bornciles gegen Mngntdsmus;
uon G. N. O t t o V o I g e r .
_--
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1 1 1 eiucm fruheren Aufsatze ') besprach ich die Vcrhaltnisse , wclclie in den Boracitlrrystallen die Erscfieiuungen
der Aggregatpolarisation (polurisqtion lamelhire, B i o t )
hervorrufeu mlissen. Prisinatisch ausgebildetc Krystalle eiIICS wasserhalligen saurearmeren Magnesiaborates , welcbes
ich init dem Natnen Parasit belegt habc, siedelii sich iu eiiicr regelmihigen Weise i n den Boracitkrystallen an, welche
i n dem gr6fstentheiIs bereits io Gyps umgewaudelteu Anhydritgesteine der Eiowirkung der eindringenden atmospkirilischen Agentien aosgesetzt siod '). Ich zeigte, dak dic
Parasitbilduag selbst iii atischeinend nocb frischen und fast
klaren Boracitkrystallen bereits vorhaudeu ist und sich
durch die Beschaffeuheit des Bruches beiln Zerschlagen
erkeiiueu Mst, dafs dasselbe aber in ibren allerersten Stadien ztiverlassig durch kein anderes Mittel so sicher nachgewiesen werden k h n e , als durch die optische Analyse.
Deu Boracit, als solchen, geht die AggregatpOlariSatiO~~
uicht an. Welches optische Verhalteu aber koumt diesem
zu?
ist er eiiifach brcchend, \vie man es der Theorie
nach von einem polgaxen Krystalle emarten mufs? 1 ) P o g g c n d o r f f ' s Ano. d. Phys. u. Chem. BJ. 9% S.77.
2) W e o o T h . S c l i e e r e r (Dcr Paramorphirmns etc. 1654, S. 61. 62)
-
die Parasitbildung im Boracit als eine Paramorpirose fiir seine plutonistircheo HJipothescn auseubeoten sucht, i a soweit geht, LU behaupten,
die chemirche Zusammeosckung der parisirischen Krystalle scy dieselbe,
wie die der oormalen durchaicbiigen Borrci~krystalle. so kann diefs our
ein neuer Beweis Ton dem Wesen des polymeren Isomorphirmus uod
Paramorphismus seyn, denen jede Bebauptung leicht m werdcn schciot,
wenn sie m r Stltze dieaer unhalibrren Hypothereo dienen soll. Es
.&llt ?icL dicsc gelbuGgc Behauptuog air cine chcmirclre Lireoz an Jic
Scite seiner Behauptungen von Scrpcnrinkrgstalleo unJ voo Ampliibol'falkeo, wclche ich als mioeralngische Lizcnzeo in meiocr Entwickelungsgeschichte der Nineralirn der Talkglimmer - Familic ere. S. 282
bis 305 unJ 558 bis 572 nrcligcwiescn h a l e .
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oder ist er doppcltbrecbend und besitzt er, wie B r e w s t e r es angegeben hat, eiue attractive optische Axe? B i o t glaubte B r e w s t e r s Angabe, mclchc zu bestatigcii
CF nicbt iin Falle war, durch die Erscbeiuungen der Aggregatpolarisation erklaren zu miissen. Da B r e w s t e r
seine Angabe iiber das optische Verhalteu des Boracites
ohne nahere Erlauterung gegeben, da derselbe ferner
B i o t’s Ansicht iiber diesen Gegenstand niemals zuriickgeiviesen bat, so blieb nichts ubrig, als jene Angabe bei
Seite zu setzen. Icb sprach den Wunscb aus, dafs ueue
optiscbe Untersuchniigen neue Aufkliirungen herbeifiihren
ich mufs diesen Wunscb driugend wiederbomtjchten
len, urn so mehr, als der Gegenstand fur die Krystallogie
eiue nicbt geringe Wichtigkeit besitzt und aufserdem zu
den elektrischeu, magnetischen und tbermischen Erscheinungen vermutblich in einigen Beziebungen steht.
H a ii p, durch die halbzlhlige Ausbildung der OctaGderfl6cbcn zur Untersuchung aufgefordert, wies nacb, dafs
der Boracit
zunachst die varield directhe voiu Kalkberge
zu Liineburg - vier elektriscbe Axen besitze, welche init
den Wiirfelaxen zusammenfalleu. Alle spzteren Untersuchuugcu baben dieses Gesetz bestatigt. Aber I3 a 11k e 1
fiigte noch ein neues Gesetz hiuzu, indem er beobacbtete,
dafs je zwei parallele Wiirfelflacben gleicbfalls polarische
Elektricitatsgegensiitze zeigen wid dafs somit auch die drei
Octaederaxen Elektricitiitsaxen sind. Auch H a n k e 1 experimeutirte mit Krystalleu vou vorherrschend wiirfliger odcr
rbombendodecaCdrischer Form. Ueber seine Beobacbtungen entspann sicb eine, in diesen Aunalen geftibrte, Discussion, deren Resultat die Anerkennung des H a n k el’scben Gesetzes gewesen zu seyn scheint. Die bis dahiu
noch nie einer Untersuchung uuterworfen gemesenen, vorherrschend tetraedriscb ausgebildetea, Boracitkrystalle vom
Scbildsteine bei Liineburg gaben mir wieder andere, eigeotbumliche Resultate, indem die FIZchen des Rhombe~~dodecaeders an diesen deutlicl~ an dein Verhalten der analogen Tetraederflachen, die Fliicben des Wiirfels ebell so
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deutlich an dem Verhalteii der antilogen Tctraederflacheli
theilnehmen , so dafs hier also wirklich das Rhombeadodecaeder als eine pofentia arialoge Hemiedrie, der Wurfel
aIs eine ebenso antiloge Hemifdrie erscheint. Das H a n kel'sche Gesetz an Krystallen vom Kalkberge zu Lijiieburg zii bestatigen, gelang mir besonders bei Krystallcii
von der oarie'te' de'fective, mit sehr vorherrschenden Wurfelfltichen mit grofser Bestimmtheit, trotzdem, dafs mir kciii
anderes Instrument, als das auf einer Siegellackstaiige hefestigte Katzenhaar zu Gebote stand. Mit diesem Instrumente gelang mir eine sichere Xacbweisutig, ja Iiberhaupt
iiur die Gewiiitiuiig irgend deotlicher Resultate nicht mehr,
wenn ich Krystalle uutersuchte, an welclieii mehrere Fliichengruppen sich mehr oder weniger das Gleichgemicht
hielten, wie z. B. an deli grOfsteii Krystallen dcs genanuteu Hauptfuidortes die Flachen des Wlirfels, Rhornbcndodecaijders und des ailtilogen Tetrazders. Ich mufs nber
nach mancheii meiner Beobachtuugen vermuthen, dafs auch
das feinste Instrument durcbaus nicht die Garantie der Erlaiigung ganz gleichmafsiger und zuverlassiger Resultate
gewahren wiirde. J e nacb der Beschaffenheit der Combination scheiuen die Elektricit~tsverhaltiiissewesentliche Modificatioiieii zu erleideii, welche wohl theilweise als Auhaufungen der Elektricitatswirkungen an Kanten uiid Ecken
erklrrt werden miigen; die Unrollkotnmenlleiten in der
Symmctrie der Massenvertheilung um den Krystallmittelpunkt, trotz dem auf den ersten Blick sich darbieteuden
Scheiue einer sclilinen Rcge1m;ifssigkeit der Boracitkrystalle
doch iii der That ziemlich bedeutend, iiben einen unverkennbaren Einflufs, indem sie die Pole verriicken; endlich
scheinen selbst in ganz iintergeordneten Axen ebenfalls
noch Polaritaten vorhanden zu seyn, welclie sicb sogar
in regelmlfsigen und sehr eigenthiimlichen Defecten der
Flachenzahl zu erkennen geben '). Dafs diese unterge1 ) Ziemlich hiuGg siud bei eioer gewissen und an einer ganz bertimmtcn
Sielle dcs Berges euftreteoden Varietzt von den 24 Flkhen des Hemiher;ikisoetai!ders die &en 12 (linken) st5rLer ausgebildet, a h die an-
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ordiicteren Verhaltnisse bislang noch gar uicht nachgewicsen werdeii konuten , dafs selbst die Hauptgesetze noch
uicht als vollkolnmen sicher gestellt, wenigsteiis nicht als
fur alle Falle ahgewogen aiigcsehen werden diirfen, kaun
niclit iiberraschen , wcnn man bcdenkt , dars es sich iiin
Krystalle VOII wenigeii Millimetern G r a t e handelt, an welchen meistens ( wenn auch theilweise niir mikroskopiscli
klein) 62 FISchen ausgebildet sind. Dazu komlnen niin
aber die bislier ganz unheachtet gebliebcneu urid docli
sehr bctrachtlichen StSruugcn , welche von der Parasitbilduug verursacht werden !
Uer Gegensatz zwisclien deli parallelen Wiirfelflichcii,
welcheu H a n k e 1 durcli die Beobacbtuiig entgegengesctzter Elektricitatswirkuugcn iiachwies, spricht sicli in eiiicr
aufserlichen Erscheinung aus, welche bisher unbeachtct
geblieben war und welche allerdiiigs schr leihit ubersehen
wird, niimlich in einer eigcnthiiuilichen Reifuiig der Wiirfclfl8cheu. Die Reifung lauft diagonal und zwar stets iinr
der einen Diagonnlc parallel , alleinal nher dcrjenigeii,
welche den Combiiiationskantcii zivischeii deli Wiirfelf1;ichen und den (meistens sehr uotergeordnet auftreteiideii,
bisweileii vielleicht wirklich fehlendeu) Flachen des aualogen Tetraeders oder , was auf eins herausliommt, den
Flachen des diesen Coiiihinationskanten i n ihrer Lnge cntsprechenden Pyramidentetraeders, parallel ist. Diese Rcifung zeigt sicli rnitnnter dein blofsen Auge durch einigc
grabere Furchen; allgelneiucr aber tritt sie in aufserstcr
Feinheit, iiur mikroskopisch wahrnehmbar auf. Icli hahc
sic bei den vorherrschend antilog- tetragdrischen Krystalleii
des Schildsteins nicht minder deutlich (selbst rnit blofsen
Augen) beobachtet, als bei vorherrscbend wiirfligeii oder
rhomheiidodecaEdrischen voin Kalkberge. Zwei Verhaltnisse verhindern in hzufigen FAleii ihr Hervortretea. Die
Wiirfelfllchen siiid bci vielei1 , gerade vorherrschend wiirfligen Krystsllcn eiiie wahre Mosaik voii selir kleitien Wurcleren 12 (rediten); bci einer aodrrcn VarieGt sind von diesen 24 Flichrn nur 2 ( u n d diese polariscti enlgegcngesetzt) vorhandin 11. s. w.
felflfchen, welche nicht genaii in der n9mlichen Ebene lie-
gen, und in solchen Fallen rnijchte man cher cine sich
kreuzende doppeltc Reifung uach deu Seiten der Wiirfelfliichen zu seheii glauben; oft aber ist die Vollkoinnien
hcit der Fllichen vollends gestiirt diircli zahlreiche klcirie
G r u b e n , welche von Steinsalz herruhreii I ) . Wo dicse
beiden stilrendeu Verhaltnisse nicht sttirend einwirken, da
wird inan die Reifung der Wurfelflachen stcts ~vahrneliiiicii
ki)nnen. Vergleicht inan iiuii, nncli obigcr Angabc, die
Reifurig eines Paares paralleler Wurfclfliichen, so wird
man beachten, dafs die Reifungsrichtuiig dcr einen dieser
Fliiclieii diejenige der anderen rechtwinklig kreuzt, - n u f
d e r vorderen von oben rechts gegen uiiten links vcrlaufend hat sic auf der hiuteren Fliiche ihre Lage von obcn
liiiks gegen uiiten rechts. Man kann, diese Keifung nls
cin oscillatorisches Auftreten der analogen TetraCderHachen auffassend , dieses VerhKltriifs auch so ausdriicken,
d a k man sagt, die Octatderaxe, wclche das Paar der W i i r felflachen verbindet, trage an ilirem eiiien Pole gegen obcii
links, a n ihrem anderen Pole gegen unten rechts eiiic
O c t a f d e r - ( T e t r a e d e r - ) Flache.
Rezeichnet man ai; einem Wiirfelmodelle iiach d e n
H a n k e l ’ s c h e n Gesetze drei Wiirfelflachen mit
oiid d r e i
mit -, SO kanii man sich der Wahriichmuog nicht entzieheu, dals dadurch zwei einniider axial entgegengesetztc
Wiirfelecken v o n d e sechs
~
a t ~ d c r e nauegezeichnet werdeii.
In der einen dieser Eckeii trcffeii die drei analogen, in der
anderen die drei antilogen Wiirfelflachen zusamincn. Die
cine dieser Ecken ist eine solche, welche nacli dern H a i i g ’ schen Gesetze analog erscheiut ; die andere ciue antilogc.
+
I ) Der Boracit ist wedcr im Gypse (der nur ein Umwandlungsproduct
voo Antiydrit ist), noch im hnliydrit gebildet, sondern in Steinsalz,
welches erst secundjr beseitigt und durcb Anhydrit ersrtzt wurde, weleher Irtztere wieder zuerst in dichten , spCter in krystallinisch hiiroigcn,
z. Th. grobrpStIrigcn Gyps. urngewandelt wurde. Man vcrglcic.hc liier“ber nieine Monographie drs noracitcs, welclie in Kurzem crschrioen
wird (Mittheilungeo des naturwirs. Vereins cu Liineburg. Haonover.
K. R i i m p l e r . 1854).
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Die Iintersuchuag der Elektricitdt an Boracitkrystalleii ous
dem Kalkberge zu Luueburg und von der varietb difecliae
ergab, dafs die drei aualogen Wiirfelfliicheu eine analoge
Tetraederflsche (oder Wiirfelecke) umgebeu, die drei antilogeti Wurfelflachen aber eine antiloge Tetraederflache.
Aus diesen Verhaltnisseu resultirt nun mit Evidenz,
dafs der Boracitwiirfel eine rhonaboedrische Hauptaxe besitzt
zwar uicht quoad phaenomenon, soudern quoad
Stellen wir deli
nournenon, nicht actu, sondern potenfia!
Boracitwurfel demgelnafs rhombocdrisch, so wird die antiloge Tetraederflache, welche zur Hauptaxe normal ist, eine
basische Flache; drei obere Rhomboederflachen, welche
diese basische Flache umgehen, sind antilog; ihre Reifungen
siud norinal zu den Colnbinatioiiskanten init der basiscben
Flaclie; im uiitereti Pole, wo die parallele basische Fllclie
als analoge Tetraederflache auftritt, treffen drei analoge
Rhomboeder- ( Wiirfel-) Flachen zusalnrnen, dercn Reifungen den Co~nbinationskauten niit der basischeti Flaclie
parallel sind. Die obereu Zickzackecken des Rhoiuboeders
siiid aualog, die unteren antilog. Die analogeii drci obercii
uiid die antilogen drei untereu Tetraederflacbeii, welche
dic Zickzackeckcn abstumpfen, sind die Flacben des erstcn
spitzcren Rhomboeders (das Wlirfel-Rhomboeder als Grundform genommen). Von den Flacheu des RhombendodekaCders sind dann drei obere und drei untere Flachen, welche
die Scheitelkauten des Wiirfel- Rhomboeders absturnpfen,
als erstes stiiinpferes Hhomboeder zu deuten, ivahrend die
sechs iibrigen, welche die Zickzackkaiiten abstumpfeii, als
hexagonales P r i s m erscheiiien. Analog siud daun aucli
die Fllchen der untergeordneteren Formen aufzufaseen.
Die Krystallographie widerspricht dieser Auffassuug, so
lange die Winkelmessung volle Isometrie ergiebt. Aber
die Mathematik ist noch nicht im Staude, das letzte W o r t
in der Formenlehre der Naturkthper zu reden. Die Elektricitltsaufseriingeu widersprecheii dem Scheine der Isometrie.
Unter diesen Urnstanden scbien es mir immer
wieder bedenklich, mit B i o t , ganz von B r e w s t e r ’ s Angabe
-
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gabe iiber das optische Verhalteu des merkwiirdigeu Boracites abzusehen und mit der Vermuthung, dafs B r e w a t e r
durch die Erscheinungeu der Aggregatpolarisation geraoscht
worden sey, den Gegenstand fur erledigt zu halten, trotzdem dafs ich die L‘rsache dieser Aggregatpolarisation iu
der Parasitbilduug nachweisen konute. Ein Krystall, welcher nach den Elektricitatsverhaltnissen so eiitschieden einc
Hauptaxc besitzt - sollte eiu solcher sich nicht auch optisch
als einaxig erweisen?
lminerhin ist die Anuiiherung an wahre Isometrie beim
Boracit in jeder Beziehung gewifs eine sehr nahe, die Abweichung von derselben fast verschwiudend. Hat auch die
elektiische Hauptaxe eiu Uebergewicht iiber die drei andereu Wiirfelaxen, so sind doch auch letztere wirkliche Elektricitltsaxeii und nur mittelbar durch das H ankel’schc
Gesetz gelang iiiir dic Bestimuiung der Hauptaxe. Vielleicht ist dns optisclie Verhalteu in ahnlicher Weise dein
wie ein - und zweiaxige
isometrischer Krystalle geuiihert
Krystalle kaum darch eine strenge G r k z e geschiedeu werdeli zu kiiniien scheineu, so kiinute auch der Boracit der
Unterscheidung von einern isometrischeu Krystalle Schwierigkeiteu entgegeusetzeu,’ welche iiur durch Beobachtung
unter deu giinstigsteu Verhlltuisseu zu iiberwiuden wlren.
Eine schr diinne Platte, der basischen Flache parallel Beschliffen, wiirde vielleicht alleiu zu eiuer sicheren Beobachtung tauglich seyn
und welch ein besouderer Gliicksfall war es bislang, wenn der Optiker bei dcr Schleifung
gerade eine solche Flache getroffeu hatte. Jetzt wiirde
man sicherer 211 W e r k e gehen ktinnen, weun mail nach
dem H a n k e l’scben Gesetze, wie obeii beschriebeu , die
Hauptaxe bestimmen wiirde.
Man wird diese Betrachtuogeu nicht abweisen kbnnen ;
man wird, denke ich, auch froden, dafs Ursache vorhanden
ist, auf dieselben Gemicht zu legen, da es sich urn eine
Beobachtung B r e w s t er’a handelt. B i o t scheiut vermuthet
zu haben, daEs B r e w s t e r seine Angabe iiber das optische
Verhalten des Boracites auf die bloke Beobachtung von
Poggendorfi’s Anoal. BJ. XCIII.
33
-
-
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Farbenerscheioungen im polarisirteii Lichtc gestiitzt habe.
Aber B r e w s t e r sagte nicht blofs allgeinein, dcr Boracit
sey eiii doppeltbrechender, das Licht polarisirender Krystnll,
sondern e r sprach es mit Bestimmtheit aus, der Boracit
besitze eine optische A x e , diese Axe sey eiiie uttractive
und falle mit einer Wiirfeluxe rusammen.
Zu eigencr optischcr Untersachung des Boracites habe
ich noch lieine Gelegenheit gefuuden und sehe auch fiir
jetzt noch keinc solche vor mir. Aber es schien niir uoch
eiii anderer Weg uiilglich, Belelirung uber das merkwiirdige
Mineral zu erlangea, zwar nicht direct zur Aufkllrung seines optischeu Verhalteiis fiihrciid, aber doch geeignet die
Wahrscheinlichkeit fiir die Einaxigkeit desselbcn , welche
Bus den Elektricitatsverhiltnissen hervorgegangeu war, zu
erhiihen oder aufzuwiegeii
die Untersuchung seines Verhaltens gegen Magnetismus niimlich, und zu einer solchen
Uutersuchung gewahrte inir aiif incine Bitten mein geehrter
College Hr. Professor 31o uss o n hieselbst die Beuutziing
eiiies sehr kraftigcn Elektroinagneteri und seiue pcrsiiuliche
Leituog der Experimente. Ich benutze diese Gelegenheit,
uin Deinselben fur diese Bcrcitwilligkeit hier meineii besten
Dank zu wiederholcn.
Der Boracit enthilt stcts eiue geringe Menge von Eisenoxydul; er ist desbalb ohne Zweifel in gcriugem Grade
magnetisch. In die N#he eines Poles des Elektromagneten
gebracht, ward derselbe init grofser Heftigkeit von demselben angezogen. Unserc Untersuchungen sollten jedoch
naturlich auf win Verbaltea zwischen beiden Polen gerichtet
seyn. Der Elektromagnet war mit konischen Polen versehen. Seine Tragkrnft belief sich auf 15 Centner; eiu
vie1 schwkheres Instrument hattc vielleicht genijgt ; die
Zeit gcstattete uicht, die Versuche zu vervielfjlltigen; auch
erschien diefs fiir den ngclisten Zweck als unodthig.
Es standen mir zwei aehr klare uiid selbgt unter der
besten Lupe uoch keine erkennbare Spur der Parasitbildung
darbietende Krystalle vom Kalkberge zu Liiuebarg zu Gebote. Der eine, welchen ich mit A bezeichnen will, war
-
515
fast ein reiner Wiirfel; es zeigten sich an ihm tibrigens
deutlich die Flacheu des antilogen Tetraeders, sehr schmal
die Fllchen. des Rhombendodecaeders und kaum dem Auge
wahrnehoibar die Fltichen des analogen Tetraeders und
Pyramidentetraeders. Der Krystall mafs in den Wiirfelkantcn 3: Millimeter; e r war sehr klar, wenngleich durch
organische Substaiiz durch und durch etwas graulich gefarbt.
Seine Wiirfelflachen lieisen die mosaikartige Zusammensetzuug aus kleinen Wiirfeln und keiiie deutliche Spur der
diagonalen Reifungen erkennen. Er war als Krystall von
holier Regelmahigkeit, gteichwohl kein mathematiscber WiirDer andere Krystall, B, hatte vorherrschende Rhomfel.
bendodecaederflachen; die Wiirfelfllchen waren betriichtlich
kleiner, die Flachen des antilogen Tetraeders grofser als
die Wiirfelflachen und fast den Rhombendodecaederfliiclien
gleich ; dagegen waren die Flachen des analogen Tetraeders
und des Pyramidentetraeders kaum wahrnehmbar. E r mais
in den Wiirfelaxen 8; Millimeter, war vollkommen klar
und ganz licht griioblaulich, einer der schhsten Boracitkystalle, welche vorkommen. Die Wiirfe1fl;ichen Iieisen
theilweise die diagonale Reifung unter der Lupe wahrnehmen. Die Ausbildung der Masse um den Mittelpunkt
war ziemlich bedeuteiid ungleichmaisig ; d a m kam, dais
dieser Krystall nicht ganz vollstlndig war, sondern einige
seiner Flachen grafserentheils mangelten, indem ein anderer
Krystall, mit welchem er in unregeImafsiger Weise zusammengewachseii war, einen betrachtlichen Eindruck in
ihm zurfickgelassen hatte.
Beide Krystalle wurden von mir am Tage bevor Hr.
Professor M o us s o n den grofsen Elektromagneten im phgsikalischen Cabinete auf hiesiger Kantonsschule zum Experimeute in Bereitschaft hielt, frisch aus dem salzhaltigen
Gypsgesteine entnommen und auf ihre elektrischen Axen
untersucht. Die drei antilogen Wiirfelfllchen wurden uniaittelhar bei dieser Untersuchung, welche nur bei schwachen Temperaturveranderungen vorgenommmen ward, mit
einer Spur von Kermessaft roth bezeicbnet. Die elektrischo
33 *
-
516
IIauptaxe war arif diese Weise bestimmt; bei dein Krystalk A litt diese Bestimmung, nach meiiier Ansicht, keinen
Zweifel; bei dein Krystalle B fiihlte ich iiicht die gleichc
Sicherheit ( gleichwohl zeigte sich hiernach, dafs ich in
der Bestiminung aucli Iiier wahrscheinlich glucklicli gewesen
war).
So vorbereitet brachte ich meiiie Krystalle zuin magnetischeii Experimente ; ineine rothen Punkte dienten, uin uns
leiclit iiber die VOII mir vorher bestimlnte Hauptaxe zii
verstandigen, indein sic deiitlich die cine Flache des antilogeii Tetra6dcrs umgaben.
Erster Versuch. Z)er Krystall A wiirde a n eincm einfacheii Coconfaden mit Hiilfe cines Minimuin voii farblosein
Wachs so aufgehsiigt, dafs cine der Wiirfelaxeii vertical
Iiing; das Wachs wurde a n einer aiialogen Wiirfelecke
befestigt; die verticale Axe war nicht die elektrische Haiiptaxe. Bei dieser Suspension wareii also drei Wiirfelaxeii,
uiiter welchen die elektrische Hauptaxe, transversal, uiiter
Wiiikeln von 1 9 O 28' 16" gegen den Horizont geiieigt.
Sobald der Krystsll so frei schwingend zwisclien den beiden ( iiiiwirksainen ) Magnetpolen zur l\uhe gelangt war,
wobci die elektrische Hauptaxe eine iiahczu aequatoriale
L a p sngenoiniiien hatte, ward der i\.Iagiiet iu Wirksainkeit
gesetzt : mit grofser Entschiedeuheit stellte sich der Krystall sogleich init der elektrischen Huuptme usid. Eine
gnuz geringe Abweichung der Verbiodungslinie der beideii
entsprechenden Wiirfeleckeu ron der Axialrichtuug, welcbe
sich bei diesem und bei allen spateren Versuchen wahrnehmeu liefs, machte uus erst aufinerksain auf die schwache
Verzerrung des Wiirfels, welche zuvor unseren Augen entgangen war uud in FoIge deren die betreffende Hauptaxe
nicht mit jener Verbindungsliuie zusarnmenfiel. Durch Urnstellung des Stativs suchteii wir, bei zahlreicben Wiederholiingen diesee Versuchs unter kleineren Modificationen,
die verschiedensten Ruhelagen vor der Wirksamkeit des
Elektromagneten zu erzieleii ; gleichwohl war der Erfolg
iinmer der namliche, iiidein allemd, sowie der Magnet wirk-
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wurdc, die Hauptaxe iti die axialc Stelluiig eititrnt.
D e r autilogc Pol war anfiinglicli stets eiuem und deruselben
Magnetpole zugekehrt; alleiii sobald w i r mit d e r Veraiider u n g der Ruhelagen' d e r Hauptaxe eiueii gewisseii G r a d
iiberschritteu hatten, erfolgte cine vollstlndige Umwechselung und wir iiberzeugten uns durch Fortsetzung der Umstellungen und durch eine spiitere noclrmalip Vcrsuchsrcilrc, dafs jeder Pol d c r clektrischeu Hauptaxe allemal siclr
deinjciiigen Magnetpole zukehrte, i n desseii Hemisphiire
derselbe bei der Ruhelage gerathen war. D e r Aequator
des Krystalls fiel, entsprechcnd der geriiigeii Abweicbung
der betreffenden formelleu Wurfelaxe voii der krystallographischen und elektrischeii Hauptaxe, nicht vollkornmen
mit deln Aequator des Magueteii zusammen; sobald aber
die Hullelage d e r Hauptaxe denselben libcrschritt, so erfolgte mit der Wirksamkcit des Magneteu die Umkehrung
Dafs die elcktrische Hauptaxe des Krystalls
d e r Pole.
auch durch das diamagiietische Verlialten sich aIs eiue Hauptaxe charakterisire, war schon uach diesem Versuche vollkommen deutlich.
Zzoeiter Versuch. Derselbe Krystall A wurde nuiimehr
S O aufgehangt, dafs die Huuptuze vertical hing. Bei dieser
Suspension befauden sich also die drei aiideren Wurfelaxen
iu der gleichen transversalen Lage. D e r Krystall zeigte,
z u r Ruhe gelangt, wenii d e r Magnet in Wirksamkeit trat,
eine gewisse Tragheit; lag eine der Wiirfelaxen axial, so
blieb er v811ig iu R u h e ; wichen alle drei Axen Ton dieser
Lage ab; so erfolgtc, laugsarn und einigermafsen matt, aber
doch sicher, eine Drehung, bis eine Axe axial stand; dann
trat R u h e ein. So vie1 wir auch durch Urnstellung des
Stativs deli Versuch abzu%tidern 1111s bemlihten, es zeigte
sich als ganz gleichgultig, welche von diesen drei Nebenaxen der axialen Stellung zunachst w a r ; jedesmal ward
dicse ii#chste volleuds axial eingestellt.
Dritfer Versuch. D e r namliche Krgstall A wurde, durch
I3efestigung des Fadens im Mittelpunktc eincr Wurfelfllche,
so aofgcIi%ngt, dafs zwei Wiirfelflachen horizontal, vier
sani
-
518
also vertical hingen. Bei dieser Suspension lagen alle vier
Wtirfelaxen transversal, unter Winkelu von 44O 44' 28"
gegen den Horizont geneigt, und alle vier in Bezug auf
die Magnetwirkuug gleich begtinstigt. Sobald der Maguet
in Wirkaarnkeit trat, eilte die elektrische Hauptaxe sich
(mbglichst) axial zii stelleu, und, wie wir auch durch Umatellung des Stativs die Ruhelage verauderten, stets war
der Erfolg derselbe. Es war auch nicht die geringste
BeeintrBchtigung des Vorraiiges der Hauptaxe durch die
drei anderen concurrirendeti Wurfelaxeu zu spuren.
Dieser Versuch bestltigte mit der grblsten Entschiedenheit
das Vorhandensegn einer Hauptaxc im Boracit.
Vierfer Versuch. Der Krystall B wurde so aufgehlogt,
wie der Krystall A im ersten Versuche. Die Hauptaxe
stellte sich axial; nur war die Abweichung der formellen
betreffenden Wiirfelaxe vou der Kraftaxe bedeuteud stlrker, als bei dem ersten Krystalle; doch liefs dieser Versuch keinen Zweifel.
Fiinfter Versuch. Der Krystall B wurde so aufgeblngt,
wie der Krystall A im zweiten Versuche. Das Hesultat
war uiideutlich; die Stelluugen, welche der Krysta1,l einnabm , wichen betrlchtlich von deli Nebenaxen ab, welchc
durch die Lage der Tetraederfllchen formell aiigedeutet
warcn. W i r waren der Ansicht, dafs diese Abweichungen
iu der weit geringereu Symmetrie und in der partiellen
Uuvollstandigkeit dieses Krystalls begriindet seyen, uud
dals weitere Versuche mit demselben keiiie zuverlassigere
Resultatc hoffen lieken. W i r kehrteu daher zu deln Krystalle A zuriick und wiederbolten die Versuche mit demselben. Urn selbst die Miiglichkeit zu beriicksichtigen, dafs
die zur Bezcicbnuug der aiitilogeii Wiirfelflachen beuutzte
Farbe (welche ubrigens keiuen Magnetismus erwarteu liels)
auf die Resultate Einflufs getibt habeu kbnne, wurdeu die
Spureu derselben fast vollkominen vertilgt. Gleichwohl
trateu geuau dieselbeu Erscbeiuuugen ein, wie bei der
ersteu Versuchsreihe, und wir waren der hnsicht, indeln
wir die Versuche schlossen, dafs uber dae Verhalten des
-
519
Krystalls A uicht der geriiigste Zweifel bleibeii kiiane.
Alle Umstellungen dcs Krystalls wareu stcts mit einer solchen Bcstimmtheit uud Prkisioii erfolgt, dafs nicht eiuuial
eiii Scliwaukeu beim Webergange aus dcr Ruhelage in die
iuaguetische Stelluug beinerkbar war.
Sowit hat der Boracit elektrisch uiid dianragnetisch eine
Huuptaxe uiid zwar fallt die elektrische Hauptaxc wit der
dinmagiietischeu Hauptaxe zusammen. Die elektrischen Nebenaxen des Wtirfcls siud ebenso zugleicb diamagnetische
Nebenaxen.
Das P l u c k e r ’ s c h c Gesetz, dafs die optisch negativeinaxigeii Krystalle zwischeu deli Maguetpolcii eine aequatoriale, die optisch positiv- einaxigen eine axiale Stellung
eiiiuehmeii, ist zwar vou T y n d a l l und K i i o b l a u c h angefocliteii, aIleiii von P I u c k e r durch neue Beobachtungeii
uud AuCklYrungcu uuterstiitzt wordcii. Es steht mir nicht
zu, eiiic Entscheidung eines so scbwierigen Differenzpuuktes
zu anticipiren; allein ich glaube gleichwobl nicht unterlassen zu sollen, daran zu eriiineru, d a k der Boracit uacb
dem P l u c k e r’scheu Gesetze sich zwischen den Magnetpoleii wie ein optisch positiv- einaxiger Krystall verhalt
uild dafs B r e \v s t e r’s Aiigabe ihm eiiie affractioe optische
Axe zuschricb, welcbe, wie die elektrisch- diamagnetischc
Hauptaxe, init cincr der Wiirfelaxen zusammeufalle.
111. Urber cias Aeihal; von W . H e i n t z .
D c r im dicsjlibrigen Juli- und Augustheft dieser Annalen
( S . 429 uiid S. 588) abgedruckte Aufsatz uher den Wallrath enthalt den Beweis, daCs aus dieser Substanz bei ihrer Verseifung neben dein Aethal ein Gemisch von vier
fetteu Ssuren entsteht , nYmlich von Steariuszure , Palmitiuslure, Myristinsaure und Laurostearinsaure, welcbe alle
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