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Der Aufstieg des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaus.

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~
Zeitschrift fur angewandte Chemie
I
38. Jahrgang S. 165-192
lnhaltsverzeichnis Anzeigenteil S. IX.
Der Aufsfieg des miffeldeufschen Braunkohlenbergbaus.
Von Dr. M A X HEINZ,Leipzig.
(Eingeg. 2 S . h . 1925.)
Vor dein Kriege war Deutschland ein ausgesprochenes Steinkohlenland, d. h. die Versorgung Deutschlands
mit Brennstoffen war in erster Linie dem Steinkohlenbergbau vorbehalten. Nur 87 Millionen Tonnen Braunkohle standen einer Steinkohlenforderung von 190 Millionen Tonnen im Jahre 1913 gegeniiber. Der Unterschied
wird noch augenscheinlicher, wenn man die Braunkohle
in Steinkohle umrechnet. Setzt man 1 Tonne Steinkohle
3 Tonnen Braunkohle gleich, so betrug vor dem Kriege
die Braunkohlenforderung noch nicht den sechsten Teil
der Forderung von Steinkohle. Dieses Verhaltnis hat sich
nach den1 Kriege sehr geandert. Die Braunkohlenforderung ist aderordentlich gestiegen, wahrend die Steinkohlenforderung in gleichem Mai3e zuriickgegangen ist,
wie folgende Obersicht zeigt:
Sleinkohle:
Braunkohle:
in l O O O t
"lo
OIO
100
87 116
46,8
190 109
116 681
100
93 862
80,4
130 867
100
111 634
86,3
136 962
100
122 942
90,4
100
137 207
106,6
\129966 ,
\62 200
100
118 200
190,o
lP8000
100
120 100
102,o
ab 1919 dhne Lothringen
1920
Saar und Pfalz
ab Juni 1921
Polnisch-Obrrscblesien
im Jahre 1923 Besetzuog des Ruhrgebietes durch die Franzosen.
1913
1919
1920
1921
1922
::::/
1
Wahrend' also vor dem Kriege die Braunkohlenforderung noch nicht die Halfte der Steinkohlenforderung
betrug, hat die Braunkohlenforderung in den letzten Jahren die Steinkohlenfarderung uberholt, trotzdem inzwischen die wirtschaftlichen Fesseln fur den Ruhrhergbau
gefailen sind.
Der Schwerpunkt . des deutschen Braunkohlenbergbaues liegt in Mitteldeutschland ostlich und westlich der
Elbe und umfaBt etwa die Gebiete von Halle, Merseburg,
Zeitz, Meuselwitz, Altenburg, Magdeburg, Braunschweig,
Kassel und die Lausitz bis in die Gegend von Frankfurt
a. d. Oder, Gorlitz, Forst und Guben. Ober die Entwicklung dieses weitausgedehnten Braunkohlengebietes gibt
folgende Tabelle Auskunft:
Mitteldeutschland ostlich und westlich der Elbe.
Jahr
1913
1914
1916
1916
1917
1918
1919
1920
1921
1922
1923
1924
Forderung
66 777 084
63 013 647
66 960 303
69 049 462
70 124 922
72'939 318
68 068 264
80 136 763
87 401 260
98 069 869
92 716 689
90 777 213
Un terschied
gegeniiber d
Vorjahr
Briketlherstellung
Unterschied
gegeniiber d.
Vorjahr
OIO
t
O10
- 42
4.7
-+
$ g;
- 6,7
+ 17,7
+
9,1
+
1292
-
6.6
2,l
gegeniiber
1913/1914
38 O L
+
16 673 348
16 662 700
17 100052
17 362 633
16 838 699
17 068 000
14 076 473
17 617 677
20 699 017
21 889 634
21 626 260
22 266 167
- 0,l
+
9,3
+
196
- 8,2
+- 17,6
73
$2:
- 1,2
+
-391
6,8
gegeniiber
191311914
-C 42 'in
I
26. Februar 1925,Nr. 9
Bei Betrachtung der beiden Tabellen fallt sofort die
starke Steigerung sowohl der Forderung als auch der Briketterzeugung in den Nachkriegsjahren auf. Abgesehen
von dem Jahre 1919, das in die Zeit der hochsten politischen Wirren fiel, und daher auch der Entwicklung des
mitteldeutschen Braunkohlenbergbaues sehr abtraglich
war, zeichnen sich die folgenden Jahre durch eine geradezu stiirmische Entwicklung aus. Im Durchschnitt
wurde jahrlich die Forderung und Brikettherstellung um
mehr als 10 % gesteigert. Den ungiinstigen wirtschaftlichen Verhaltnissen in Deutschland in den letzten beiden Jahren konnte sich, wie die Tabelle zeigt, auch der
mitteldeutsche Braunkohlenbergbau nicht entziehen.
Die Griinde dieses gewaltigen Aufstieges sind bekannt, und es eriibrigt sich, darauf naher einzugehen. Der
mitteldeutsche Braunkohlenbergbau mui3te fur die ausgefnllenen Steinkohlenmengen einspringen und konnte dies
um so eher, als der Tagebaubetrieb eine rasche Vermehrung der Forderung gestattet, wahrend umgekehrt der
Steinkohlenbergbau, abgesehen davon, daD uns durch den
Friedensschld a n und fur sich gewaltige Mengen verlorengingen, in dieser Hinsicht nicht so beweglich ist,
und daher nicht die Mengen zur Verfugung stellen konnte,
die zur Versorgung der Industrie und der Haushaltungen
benotigt wurden.
Ober die Absatzverhaltnisse gibt folgende Tabelle
Auskunft :
Gesamtabsatz des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaues
ostlich und westlich der Elbe in1 Geschaftsjahr 1923/1924
nach Verbrauchergruppen.
-
Rohkohle
Platzhandel, Kleingewerbe usw.
Marine- und Militarbedarf . . .
Staatsbahoen
Piivatbahnen
Schiffahrt
Wasserwerke
Gaswerke . . . . . . . . . . . .
ElektrizitatHwerke . . . . . . . .
Chemisrhe Industrie. . . . . . .
Zementinduslrie . . . . . . . . .
Glas- und Porzellanindus!rie . .
Stein-, Ton- nnd Ziegelindustrie
Lederindustrie . . . . . . . . . .
Texttlindustrie
Papierindustrie
Erz-,Eisen- und Metallgewinnung
Metallverarbeitung
und Maschinenindustrie
Getreidemiihlen
Zuckerfabriken
Biennereien und Brauereien . .
Sbnstige Nahrungsmittel . . . .
Kaliindpstrie
Sonstige lndustrie
Landwirtschaft , soweit nicht
durch Platzhandel bedient
lnsgeaamt
...........
...........
.............
...........
..........
..........
........
.........
..........
...........
........
..
OIO
-
~
Briketts
"0
-
1 676 643 5,2 861 0,Ol
98 734 0,31
3474 0,Ol
674 76829 0,24
68 767 0,22
6 386 239 20,26
8162 168 26.87
283 361 0.90
1078 770 3,42
897 681 2,86
361 066 1,14
1996 184 6,33
1628063 6,17
1798311 6,71
0673773
32 163
206249
18763
38 869
3n goo
73996
626 863
842 299
113916
826 266
636 136
128 601
707 186
603 787
444 928
64,64
0,187
1,06
3.69
0.38
4,93
1,70
1,39
7,61
2,47
1613231
66 609
106477
174 662
347194
288 746
902332
7,82
0,29
0,64
0,90
1,79
1,49
4,66
1163001
120 702
1 663336
634868
438069
2 366 608
779606
164 136
0,lO
0.20
0,16
0,38
2,72
4,35
0,69
4,28
3,28
0,66
3,66
3,12
2,30
164068
0.86
0.49
9366 682
I1 617906 00,-
00,-
VergIeicht man hiermi Len Gesamtabsatz von 1 13/14
in Hohe von ungefahr 16 Millionen Tonnen, so ergibt
sich die gewaltige Steigerung von nahezu 100 %, d. h.
der Absatz der mitteldeutschen Rohbraunkohle hat sich
in wenigen Jahren fast verdoppelt. Von dem Brikettabsatz in Hohe von 19,4 Millionen Tonnen im Geschaftsjahr
1923/24 wurden etwas mehr als die Halfte, namlich
10,6 Millionen Tonnen, in den Haushaltungen verbraucht,
ein Zeichen dafiir, welch aui3erordentlich starke Stellung
166
.-
__
Fiirth u. Jaenicke: Uber Entschwefeln und Hydrieren von BraunkohtenteerMen
~~~
__
sich das Braunkohlenbrikett auf Grund seiner vorzuglichen Eigenschaften irn Haushalt erworben hat. Der
andere Teil ging in die Industrie.
Die gewaltige Bedeutung, die sich der mitteldeutsche
Braunkohlenbergbau in dem deutschen Wirtschaftsleben
errungen hat, geht auch daraus hervor, dai3 sich heute
fast die gesamte Industrie Mitteldeutschlands auf mitteldeutsche Braunkohle und Braunkohlenbriketts aufbaut.
Es ist dies ein Gebiet, das sich mit den politischen Grenzen der Provinz Sachsen, der Lander Anhalt und Braunschweig, Thiiringen und des Freistaates Sachsen deckt.
Es urnfafit ferner einen betrachtlichen Teil der Provinz
Brandenburg, den westlichen Zipfel der Provinz Schlesien
und den nordlichen Teil des Landes Bayern. Dazu ware
noch zu rechnen der ostliche Teil der Provinzen Hannover und Hessen.
Selbstverstandlich hatte der Braunkohlenbergbau
einen solchen Aufschwung nicht nehmen konnen, wenn
er der deutschen Wirtschaft nicht einen Brennstoff zur
Verfugung gestellt hatte, der allen, auch den hoheren Anspriichen genugt. Es ist noch gar nicht so lange her, dai3
an einer a 11g e m e i n e n Verwendung der Braunkohle
in industriellen Betrieben starke Zweifel bestanden, und
es hat harter Kampfe bedurft, bis sie sich durchsetzen
.kodnte. Eigentlich erst, nachdem der mitteldeutsche
Braunkohlenbergbau das Brikett auf den Markt brachte,
das einen Siegeszug ohnegleichen antrat, und in hoherem
MaDe noch spater, als wir nach dem Kriege infolge der
Steinkohlenknappheit mehr und mehr auf die Braunkohle
zuriickgreifen mufiten, wurde der Verwendung der Rohbraunkohle auch in industriellen Betrieben, die rnit sehr
hohen Heizeff ekten rechneten, erhtihte Aufmerksamkeit
zugewendet. AuBerordentliche Fortschritte auf heiztechnischem Gebiete haben inzwischen erkennen lassen, dai3
der Verwendung der Rohbraunkohle kaum noch Grenzen
gezogen sind, und dai3 es keinen Zweig industrieller Verarbeitung mehr gibt, der nicht Braunkohle mit Erfolg verwenden kann.
Vie1 Interessantes uber die Braunkohle, insbesondere
uber deren Verwendung, wird der Besucher der 2. Braunkohlenfachmesse finden, die im Rahmen der Groi3en Leipziger Friih jahrsmesse vom Mitteldeutschen BraunkohlenSyndikat G. ni. b. H., Leipzig, und dem Ostelbischen
Braunkohlen-Syndikat G. m. b. H., Berlin, gemeinsani
vom 1.-11. Marz veranstaltet wird. Zweifellos wird sie,
wie im vorigen Jahre, einen Anziehungspunkt fur zahlreiche Besucher bilden.
[A. 19.1
Uber Entschwefeln und Hydrieren
von Braunkohlenteerolen.
Von A. FDRTHund M. JAENICBE').
Aus dem Versuchslaboratorium der Werschen-Weiaenfelser
Braunkohlen-Aktien-Gesellschaft.
(Eingeg. 15.112. 19!24.)
In neuerer Zeit werden bei der Herstellung und
Verarbeitung des Braunkohlenteers auch besonders
leichtsiedende Ole gewonnen. Ein Teil dieser Ole ist irn
Teer als leichtcste Fraktion enthalten und wird bei der
normalen Destillation des Teers erhalten. Ein anderer
Teil geht mit dem Schwelgas unverdichtet durch die Kondensationseinrichtungen und kann durch Auswaschen des
Gases mit Ol oder durch Absorption in festen Absorptionsmitteln, wie aktiver Kohle oder Kieselsauregel, ausdem
Gas herausgenommen werden. SchlieDlich werden leicht1 ) Vorgetragen im Eezirksverein Leipzig des Vereins deutscher Chemiker am 18. November 1924.
[
Zeitsehdit fur
a n g ~ Wna d k c h em$
siedende Benzine aus den hochsiedenden Fraktionen des
Braunkohlenteers mit Hilfe von Krackverfahren, also
durch pyrogene Zersetzung der hochmolekularen Kohlenwasserstoffe erzeugt. Diese auf solchen Wegen gewonnenen leichten Ole sind beziiglich der Siedegrenzen,
der spezifischen Gewichte und vor allem des Heizwerts
den aus Erdol gewonnenen Benzinen sehr ahnlich, in der
chemischen Zusammensetzung hingegen unterscheiden
sie sich von ihnen. Wahrend die Erdolbenzine zum
groaten Teil aus Paraffinkohlenwasserstoffen, zum geringen Teil aus hydrocyclischen Kohlenwasserstoffen
bestehen, enthalten die Braunkohlenbenzine im allgemeinen neben den Kohlenwasserstoffen der genannten
Art auch ungesattigte aliphatische Kohlenwasserstoffe,
Benzol und seine Homologe, ferner Sauerstoff-, Schwefelund Stickstoffverbindungen. Da die aus Braunkohlenteer
oder aus dem Schwelgas gewonnenen leichtsiedenden Ole
in erster und wohl hauptsachlichster Linie zur Verwendung als Motorbetriebsstoffe dienen sollen, so ist das Bestreben begreiflich, ihnen zur Erleichterung des Konkurrenzkampfes mit den Erdolprodukten eine den letzten
gleiche Beschaffenheit zu verleihen. Dies kann erreicht
werden vor allem durch die Umwandlung der ungesattigten Bestandteile in gesattigte und durch Beseitigung der
Schwefelverbindungen. Inwieweit die Schwefelverbindungen an sich schadlich sind, daruber ist man sich noch
nicht einig. Theoretisch schadet das bei der Verbrennung
entstehende Schwefeldioxyd den Metallteilen des Motors
nicht, da das bei der Verbrennung
mit entstehende Wasser bei der hohen
Temperatur der Auspuffgase dampfforniig bleibt und somit die zur Korrosion erforderliche Losung in Wasser ausgeschlossen erscheint. Wohl
aber ist es denkbar, dai3 die Schwefelverbindungen bei der hohen Temperatur im Zylinder zu Verharzungen
und zur Asphaltbildung Anlai3 geben.
Wir haben deshalb eine Reihe von
Versuchen angestellt, welche die Prufung der in der Patent- und wissenschaftlichen Literatur bisher vorgeschlagenen Entschwefelungsverfahren,
ferner die Hydrierung schwefelhaltiger Braunkohlenole zum Gegenstand
haben.
In der Literatur sind sehr viele
Entschwefelungsverfahren erwahnt.
Ein ganz geringer Bruchteil hat sich
in die Praxis Eingang verschafft.
Viele Verfahren eignen sich nur fur
ganz bestimmte 'Ole, und eine groBe
Anzahl erscheint sinnlos. Bei den vorgenommenen Versuchen wurde a priori nicht kritisch vorgegangep, sondern moglichst jedes Verfahren, das
mit unseren Mitteln durchfuhrbar
war, nachgepruft. Als Versuchsmaterial dienten Braunkohlenteerbenzin
Fig. 1.
(Schwefelgehalt 1,04 %, Jodzahl 76)
und Krackbenzine. Zur Schwefelbestirnmung wurde
die Methode van E n g 1 e r und H e u s 1e r in etwas modifizierter Form verwendet. Die Apparatur, die in ahnlicher Ausfuhrung bereits von R u p k e la) zur Bestimmung von Halogenen in Benzaldehyd benutzt worden ist,
ist in Fig. 1 dargestellt. Diese Methode mag bei gewissen
stark verharzenden Benzinen etwas zu niedrige Resultate
w
18)
Ber. von Schimmel & Co., April 1921, S. 53.
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