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Der Congress fr gewerblichen Rechtsschutz zu Frankfurt a. M

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Zeitschrift fur angewandte Chernie.
1900. Heft 24.
Der Congress fur gewerblichen
Rechtsschutz zu Frankfurt a. M.
Von Dr. jur. e t phil. E. Kloppel.
E i n fiir die deutsche Industrie u n d insbesondere auch fiir die chemische Industrie
sehr wichtiger Congress h a t vom l 4 . b i s 16. Mai
dieses Jahres in Frankfurt a. M. getagt. Es
war dies der von dem D e u t s c h e n V e r e i n
fur den Schutz des gewerblichenEigent h u m s in Verbindung mit dem V e r e i n
d e u t s c h e r I n g e n i e u r e , dem V e r e i n z u r
Wahrun g der Interessen derchemischen
I n d u s t r i e u n d dem e l e k t r o t e c h n i s c h e n
V e r e i n und unter Mitwirkung einer ganzen
Reihe von localen Vereinen und Corporationen
(unter denen sich auch der F r a n k f u r t e r
R e z i r k s v e r e i n d e u t s c h e r C h e m i k e r befand) veranstaltete Congress fiir gewerblichen
Rechtsschutz'). Dieser Congress verdankte
seine Bedeutung einerseits der Wichtigkeit
der dort verhandelten Fragen , andererseits
dem Umstaude, dass auch die Reichsregierung eine Anzahl Vertreter entsandt hatte,
die sich mit lebhaftem Interesse an den Verhandlungen betheiligten und in sehr dankenswerther Weise iiber eine grosse Reihe von
fiir die Industrie sehr wichtigen Fragen Auskunft und eingehende Erlauterung gaben.
Als Vertreter der Reichsregierung waren erschienen der Geheime Ober-Regierungsrath
I € a u s s fiir das Reichsamt des Innern, der
Geheime Legationsrath Dr. L e h m a n n fir
das auswartige A m t u n d vom Kaiserlichen
Patentamt derprasident, Wirkl. Geheime OberRegierungsrath v o n H u b e r , der Director im
Patentamt, Geheime Regierungsrath Dr. Rhen i u s u n d der Regierungsrath Dr. R i j s i n g .
E i n e besondere Redeutung fur die chemische Industrie erlangte der Congress auch
noch dadurch, dass bei demselben sehr erfreulicher Weise in den wichtigsten principiellen Fragen eine vollstiindige Ubereinstimmung der Vertreter der chemischen I n dustrie zu Tage trat.
Auf dem Programm des Congresses standen
ausser den Reformvorschlagen fiir das Patentgesetz auch noch eine Reihe von Vorschlagen
1) Der Wortlaut der positiven Beschlusse des
Congresses ist bereits a u f S. 539 des diesjibrigen
Jabrgangs der ,.Zeitsclirift fur angewandte Chemie"
mitgetheilt .
Ch. 1900.
fiir die Reform des Waarenzeichenrechts und
des Geschmacksmusterschutzes. Fur die Leser
dieser Zeitschrift diirften hauptsiichlich wohl
die patentrechtlichen Fragen von Interesse
sein. Dieselben sollen daher i n diesem Bericht in erster Linie beriicksichtigt werden.
Es kann dabei nicht die Aufgabe dieses Berichtes sein, a l l die einzelnen Reformvorschliige, die i n den anderthalbtlgigen Verhandlungen erijrtert worden sind, zu erwahnen,
vielmehr sollen nur die Reformvorschlage
von principieller Natur besproch'en werden.
Ebensowenig kann es in dem engen Rahmen
dieses Referates miiglich sein, die meist sehr
sachgemassen u n d theilweise recht werthvollen Ausfiihrungen der einzelnen Redner
hier sammtlich anzufiihren und die Namen
aller Redner mitzutheilen.
Die Grundlage der Congressverhandlungen
bildete eine Denkschrift, die von einer engeren
Commission dcs D e u t s c h e n V e r e i n s f i i r d e n
Schutz des gewerblichen Eigenthums
(welcher Commission Director J u l i u s v o n
S c h i i t z , Rechtsanwalt P a u l S c h m i d und
Ingenieur M. M i n t z angehijrten) verfasst
worden war. I n dieser Denkschrift waren
eingehend die Griinde dargelegt, welche nach
Ansicht der Commission eine Abanderung
des deutschen Patentgesetzes nijthig machen
sollen und ferner eine ganze Reihe von
bestimmten Abanderungsvorschlagen formulirt.
Nachdem zuniichst zu Beginn der ersten
Congresssitzung die Theilnehmer des Congresses von demvorsitzenden d e s V e r e i n s f u r d e n
Schutz des gewerblichen Eigenthums,
Rechteanwalt Dr. E d w i n K a t z (Berlin) und
den Vertretern der verschiedenen Behiirden,
Vereine und Corporationen begrusst worden
waren, wurde in die eigentliche Tagesordnung eingetreten und zuerst von Director
v o n S c h i i t z als Berichterstatter i m Anschluss
an die erwahnte Denkschrift der Standpunkt
der Commission und deren Vorschlage dargelegt. Es wurden von dem Berichterstatter
zunachst die folgenden vier Leitsatze zur
Discussion gestellt.
,,I. D a s Patentgesetz vom 7 . April 1692
h a t Miingel gezeigt, welche eine Abiinderung
niithig erscheinen lassen."
,,IL D e r Satz von 30 Proc. jahrlicher
Patentertheilungen entspricht weder der Ent49
584
______
KlBppel: Congress far gewerblichen Rechtsschutz.
wicklung des erfinderischen Geistes, noch
den Wiinschen der deutschen Industrie."
,,III. Die Priifung auf litterarische Neuheit im Anmeldestadium i s t beizubehalten.
Die Priifung auf E r f i n d u n g s g e d a n k e n und
gewerbliche Verwerthbarkeit in das N i c h t i g k e i t s v e r f a h r e n zu verlegen."
,,IV. Die Einfiihrung eines facultativen
Anmeldesystems neben dem Priifungsverfahren
erscheint empfehlenswerth."
Als Hauptargument fiir die gemachten
Abiinderungsvorschlage wurde von dem Berichterstatter der Umstand angefiihrt, daes
der beim Vergleich der Zahl der in einem
Kalenderjahr eingereichten Patentanmeldungen mit der Anzahl der in demselben Jahre
ertheilten Patente sich ergebende Procentsatz in den letzten Jahren immer mehr abgenommen habe und sich zur Zeit auf einem
Stande von etwa 30 Proc. befinde, ein Satz
der besonders, wenn man die amerikanischen
Verhiiltnisse zum Vergleiche heranziehe, vie1
zu klein sei. Die Ursachen fiir diese geringe
Anzahl von Patentertheilungen erblickte der
Berichterstatter einerseits darin, dass den
Priifern im Patentamte Aufgaben gestellt
seien, die praktisch iiberhaupt unlijsbar erschienen ; denn es sei fast immer unmijglich,
bei Erfindungen bereits i m Stadium der Anmeldung die gewerbliche Verwerthbarkeit und
P a t e n t w u r d i g k e i t zu beurtheilen. Andererseits darin, dass die Mitglieder des Patentamts weit iiber ihre Kriifte belastet seien.
Als einziges Mittel, welches geeignet sein
wurde, eine griindliche Abhiilfe fiir diese
Ubelstiinde zu schaffen, erschiene eine Trennung der Priifungsarbeit in der Weise, dass
im Anmeldungsstadium, abgesehen von den
Formalien, im Wesentlichen nur die Frage
der litterarischen Neuheit des Anmeldungsgegenstandes gepriift werde, dass dagegen
die Priifung auf gewerbliche Anwendbarkeit
und auf Patentwiirdigkeit dem Nichtigkeitsverfahren vorbehalten wiirde. Das Priifungsverfahren sollte sich danach wie folgt gestalten :
Die beim Patentamt eingehenden Anmeldungen werden von einem technischen
Mitglied des Amtes, und zwar abgesehen
von den Formalien und der Frage, ob etwa
eine gemiiss 5 1 Absatz 2 des Patentgesetzes
von der Patentirung ausgeschlossene Erfindung
vorliegt, lediglich noch auf litterarische Neuheit und daraufhin gepriift, ob der Anmeldungsgegenstand etwa mit demjenigen einer
friiheren Anmeldung collidirt. Zu einer Priifung der (doch entschieden wesentlichsten)
Voraussetzung des Patentschutzes, niimlich
der Frage, ob der Anmeldungsgegenstand
iiberhaupt eine Erfindung darstellt, soll
[angewandte
Zeitaehrift fiir
Chemie.
ler priifende Beamte nicht mehr berechigt sein.
H a t sich bei dieser Priifung die Erfindung
tls neu erwiesen, so soll, ohne dass uberiaupt ein Abtheilungsbeschluss erforderlich
st, das Patent d i r e c t e r t h e i l t werden. Es
ileibt dann Denjenigen, die durch das Patent
iich beeintriichtigt fiihlen, als Hiilfsmittel
;egen diese Beeintriichtigung lediglich die
Nichtigkeitsklage. Das bisher iibliche AufZebotsverfahren (Einspruchsverfahren) kommt
rollstandig in Wegfall.
Xommt der Vorpriifer zu dem Ergebniss,
lass der Anmeldungsgegenstand nicht patentirbar ist, so hat er dies dem Anmelder mitzutheilen und stehen demselben gegen diesen
Bescheid dann noch eine Anzahl weiterer
Rechtsbehelfe zu. (Auf die diesbeziiglichen
Vorschlage, die erst am zweiten Tage des
Congresses erijrtert wurden, wird weiter unten
noch eingegangen werden.)
Nach dem Berichterstatter ergriff zuniichst
Dr. v o n H e f n e r - A l t e n e c k das Wort, urn
den oben schon angefiihrten Leitsatz IV niiher
zu begriinden. Von dem Gedanken ausgehend, dass einerseits das heute in Deutschland bestehende Priifungsverfahren noch sehr
viele Anhiinger besitze, andererseits sich aber
mit Riicksicht auf verschiedene nach Ansicht
des Redners bei diesem Verfahren zu Tage
getretene Unzutriiglichkeiten auch eine betriichtliche Strijmung zu Gunsten des Anmeldeverfahrens (wie es Frankreich und andere
romanische Staaten haben) geltend mache,
betrachtet er es als das Praktischste zu einem
gemischten System iiberzugehen, welches dem
Erfinder die Wahl zwischen Priifungs- und
Anmeldeverfahren nach seinem eigenen Urtheil
iiberlassen soll. Es soll nach diesem neuen
System der Patentsucher berechtigt sein, entweder ein sog. ,,Priifungspatent" zu verlangen, dessen Ertheilung nach dem bisher
iiblichen Verfahren stattfindet, oder ein ,,Anmeldepatent". Die Priifung dieses Anmeldepatentgesuches soll sich lediglich auf die
Formalien und auf die Frage erstrecken, ob
nicht ein gegen die guten Sitten verstossender
oder ein von der Patentirung allgemein ausgeschlossener Gegenstand (Nahrungs-, Arzneioder Genussmittel) vorliegt. Eine sachliche
Prufung der Anmeldung soll nicht eintreten,
vielmehr das Anmeldepatent sofort ertheilt
und veraffentlicht werden. Urn den Unterschied zwischen den beiden Klassen von Patenten auch iiusserlicb. zum Ausdruck zu
bringen, sollen fur dieselben verschiedene
Bezeichnungen benutzt werden. Das Priifungspatent soll die bisher iibliche abgekiirzte
Bezeichnung D.R.P. behalten, das Anmeldepatent dagegen abgekiirzt als D.R.A.P. be-
Jahrgsng 1900.
Heft 24. 12. Juni 1900]
KlBppel: Congress far gewerblichen Rechtsschutz.
zeichnet werden. Dem Inhaber eines Anmeldepatents soll diekfiiglichkeit offen stehen,
jederzeit noch die Umwandlung seines Anmeldepatents in ein Priifungspatent zu verlangen. Bei der in diesem Fall stattfindenden
sachlichen Priifung des Gegenstandes des
Anmeldepatents soll als Prioritatsdatum das
Datum der Einreichung des Anmeldepatents
gelten.
Als niichster Redner sprach dann der
Priisident des Patentamts v o n H u b e r,
welcher eingehend den Standpunkt des Patentamts zu den Commissionsvorschliigen darlegte’). Der Redner wies zunachst darauf
bin, dass die die Hauptgrundlage fiir den
Commissionsbericht bildende Statistik iiberdie
Abnahme der Patentertheilungen in Deutschland nicht einwandfrei sei. Der von der
Commission vorgenommene Vergleich der
Zahlen der in einem Jahre eingereichten
Anmeldungen und ertheilten Patente k6nne
kein zutreffendes Bild fiir die Praxis des
Patentamts geben, da, wie sich leicht nachweisen Iasse, die Zahl der i n einem Jahre
erfolgten Patentertheilungen und die Zahl
der in d e m s e l b e n Jahre erfolgten Anmeldungen fiir den vorliegenden Zweck absolut
incommensurable Griissen seien, d a j a bekanntlich nur ein relativ kleiner Theil der
in einem Jahr eingereichten Anmeldungen
noch in demselben J a h r zu definitiver Erledigung komme. Zu einer wirklich maassgebenden Entscheidung der Frage, ob das
Patentamt streng oder milde priift, kann man,
wie der Redner sehr zutreffend hervorhob,
nur dann gelangen, wenn man das Schicksal
der in einem Jahre wirklich zur Erledigung
gekommenen Anmeldungen verfolgt. Dabei
muss man aber zuniichst beriicksichtigen,
dass sich in der Statistik der Abweisungen
einige Kategorien befinden, die sich dem Einfluss des Patentamts vollstiindig entziehen.
Wenn beispielsweise der Anmelder es unterliisst, rechtzeitig die Gebiihren fiir eine Anmeldung zu bezahlen, so muss diese nach
dem Gesetz zuriickgewiesen werden, ohne
dass man das Patentamt dafiir verantwortlich machen kann. Ebensowenig i s t das
Patentamt dafiir verantwortlich, wenn der
Anmelder aus irgend einem Grunde seine Anmeldung Tor Ertheilung eines Patentes zuriickzieht. Werden nun diese beiden Positionen
beriicksichtigt, so gelangt man, wie Redner
anfiihrte, zu folgendem Ergebniss: I m Jahre
1899 wurden r u n d 18000 Anmeldungen erledigt. Darunter befanden sich ca. 300 Abweimngen wegen nicht bezahlter Gebiibren
1) Bin ausfiihrlichcs Referat iiber diese Rede
findet sich in der Nummer der ,,Frankfurter NachriclitenY vom 15. Msi 1900.
585
und 2800 zuriickgezogene Anmeldungen. Auf
die iibrig bleibenden rund 1 5 0 0 0 Anmeldungen seien nahezu 50 Proc. Ertheilungen erfolgt. Unter diesen Umstiinden kiinne man
doch nicht sagen, dass die Praxis des Patentamts eine zu strenge sei. Nach derselben
Statistik seien allerdings i. J. 1 8 9 8 nur auf
36 Proc., i. J. 1897 nur auf 38 Proc. der
Anmeldungen Ertheilungen gefallen.
Bei dieser Statistik figuriren unter den
versagten Anmeldungen auch noch diejenigen
Anmeldungen, auf welche deswegen keine
Patentertheilung erfolgt ist, weil der Anmelder es unterlassen hatte, sich rechtzeitig
auf einen ihm zugegangenen Vorbescheid zu
iiussern, i n welchem Palle bekaontlich nach
der gesetzlichen Bestimmung die Anmeldung
als zuriickgenommen gilt. Wie der Priisident
des Patentamts in seiner Rede schon hervorhob, hiitte sich die von ihm mitgetheilte
Statistik noch wesentlich giinstiger gestaltet,
wenn man auch die auf diese Weise stillschweigend zuriickgenommenen Anmeldungen ebenso
wie die ausdriicklich erfolgten Zuriicknahmen
mit in Beriicksichtigung gezogen hatte. Unserer Ansicht nach ist man nun sehr wohl
berechtigt, dies zu thun. I n sehr vielen
Fiillen handelt es sich niimlich bei derartigen
Vorbescheiden um die Anfiihrung von dem
Anmelder entgangenen Publicationen, die thatsiichlich die angemeldete Erfindung nicht
mehr als neu erscheinen lassen. Sehr hiiufig
liegt dabei die Sache so, dass der Anmelder
sein Patentgesuch in erster Linie deshalb
einreichte, um sich iiber die ihm nicht zugiingliche Fachlitteratur zu orientiren. Ersieht er dann aus dem Vorbescheid, dass
der Gegenstand seiner Anmeldung im Wesentlichen bereits publicirt ist, so liisst er seine
Anmeldung lieber fallen und kann dann
immer noch versuchen, den Gegenstand derselben miiglichst als Fabrikgeheimniss zu
bewahren. I n solchen Flillen kann man aber
doch unmiiglich unser Patentgesetz oder
die ertheilende Behiirde dafiir verantwortlich
machen, dass keine Patentirung erfolgt! Beriicksichtigt man nun die keineswegs kleine
Anzahl der auf diese Weise zur Erledigung
Kelangenden Anmeldungen, indem man dieselben ebenso wie die freiwillig zuruckgezogenen Anmeldungen vorweg abzieht, so gelangt man zu dem Ergebniss, dass in dem
Jahre 1897 fast 44, i. J. 1 8 9 8 uber 42, i. J.
1899 sogar iiber 55 Proc. aller zur Entscheilung des Patentamts gelangenden Anmeldun;en zur Patentirung gefiihrt haben!
Wie der Priisident des Patentamts in
ieiner Rede weiter darlegte, erschienen auch
hm die sich fiir die Jahre 1897 und 1898
:rgebenden Patentirungszahlen zu niedrig.
49 *
Kfappel: Congress fiir gewerblichen Rechtnschuts.
Er habe deshalb auch bereits zu Anfang
d. J. 1899 i m Patentamt eine eingehende
Priifung dieser Frage veranlasst, als deren
Ergebniss folgende neue Grundsatze fiir d a s
Patentertheilungsverfahren aufgestellt worden
seien :
1. Der Vorpriifer soll den Anmelder
miiglichst dabei unterstiitzen, den patentfabigen Kern seiner Erfindung herauszuschllen.
2, Sol1 die thunlichste Ausdehnung der
miindlichen Verhandlungen u n d der Besichtigungen an O r t und Stelle erstrebt werden.
3. Sei d a s Recherchenmaterial einer besseren Sichtung unterworfen worden, u m den
Blick fur die kleineren Unterschiede zu
scharfen.
4. I n den Fallen, wo eine Anmeldung
mehrere von einander unabhangige Erfindungen enthalt, soll die Zerstiickelung derselben
nicbt iiber d a s absolut nothwendige Maass
ausgedehnt werden.
5. Wenn ein Einspruch nicht erfolgt,
so erscheint es in der Regel nicht als nothwendig, dass der von dem Anmelder behauptete technische Effect b e w i e s e n wird,
vielmebr soll in diesen Fallen zur Patentirung
die Uberzeugung genugen, dass der technische
Effect n i c h t a u s g e s c h l 0 s s e n ist.
Trotzdem diese neuen Grundsitze noch
nicht einmal wiihrend des ganzen J a h r e s
1899 in Geltung gewesen seien, batten sie
doch schon den Erfolg gehabt, dass die Zahl
der Patentertheilungen i n diesem J a h r e gegeniiber dem Vorjahre um 2000 gestiegen sei.
Durch diese neuen Grundsatze diirften nach
Ansicht des Redners die wegen einer zu
scharfen Handhabung der Priifung des technischen Effectes l a u t gewordenen Klagen im
Wesentlichen erledigt sein’). W a s dann nocii
die gewerhliche Verwerthbarkeit anlange, so
sei der F a l l kaum jemals vorgekommen,
dass eine Anmeldung lediglich aus dem
Grunde der mangelndeu gewerblichen Verwerthbarkeit zuriickgewiesen worden sei.
Wenn man die wahre Sintflut von werthlosen Patenten in Betracht ziige, mit welcher
das Patentamt infolge der Thiltigkeit gewisser grnsser Patentfabriken iiberschiittet
werde, F O kiinne man einen Satz von 50 Proc.
Patentertheilungen nicht zu klein finden.
D e r Hauptgrund f i r den verhiiltnissmassigen
Ruckgang der Ertheilungen liege nicht in
einer griisseren Strenge des Patentamts, sondern in dem starken Anschwellen des Rechercbenmaterials. Als dem Pateotamt noch
kein so grosses Recherchenmaterial zur Ver_____
2, In der That haben durcli diese neiien Grundsatze eine Reihe von Wunschen der chemischm l n dustrie ihre volle Befriedigung gefunden.
[angewandte
Zeitschrift fllr
Chemie.
‘iigung gestanden h a b e , sei eben manches
patentirt worden, weil es fiir neu gehalten
wurde, ohne neu zu sein. Eine n o c h mildere
Praxis, als sie heute schon bei dem Patentpriifungsverfahren geiibt werde, wiirde den
Werth der Patente degradiren und eine ungeheure Unsicherheit i n die Industrie hineintragen.
Thatsachlich seien beute schon viele Gewerbetreibende der Ansicht, dass bereits zu
viele werthlose Patente ertheilt wiirden, cs
gehe dies a u s zahlreichen dem Patentamte
zugegangenen Berichten hervor.
D e r Redner barn dann noch auf die von
verschiedenen Seiten geiiusserte Klage iiber
eine zu lange Dauer des Patentertheilungsverfahrens zu sprechen. Er hob dem gegeniiber sehr zutreffend hervor, dass diese laoge
Dauer sehr haufig daher riihrt, dass die Anmelder absichtlich d a s Verfahren durch Fristgesuche hinausziigen.
Dies trifft zweifellos zu und es kann
nnserer Ansicht nach auch dariiber kein
Zweifel bestehen, dass der Anmelder, wenn
er die Verfugungen des Patentamts ungesaumt
beantwortet und von der ihm zustehenden
Befugniss, die Aussetzung derBekanntmachung
seiner Anmeldung auf 3 oder gar 6 Monate
zu beantragen, keinen Gebrauch macht, seine
Anmeldung sehr rasch zur Auslegung bringen
kann.
Es sei jedoch gestattet, an dieser Stelle
hervorzuheben, dass es nicht gerechtfertigt,
sondern vielmehr dem Interesse der Erfinder
s e h r s c h i i d l i c h sein wiirde, wenn das Kaiserliche Patentamt sich durch die Klagen iiber
zu lange Dauer des Ertheilungsverfahrens
veranlasst sehen wurde, in Bezug auf die Bewilligun g von Fristgesuchen im A11gem &en( abgesehen von Collisionsfallen) eine s t r e n g e r e
Praxis eintreten zu lassen. R e i dem Rechtszustande, wie wir ihn heute haben, wo nach
R e k a n n t w e r d e n des Hauptpatentes ein
Zusatzpatent n u r d a n n noch gewiihrt wird,
wenn dasselbe auch gegeniiber dem Hauptpatent noch einen n e u e n E r f i n d u n g s g e danken enthalt, kleinere Abanderungen u n d
Verbesserungen des Hauptpatents nach Bekanntwerden desselben aber n i c h t mehr in
Form von Zusatzpatenten patentirt werden
kiinnen, i s t es f i r den Anmelder u n b e d i n g t
e r f o r d e r l i c h , dass ihm zwischen Anmeldung
und Auslegung seines Patentes nach Miiglichkeit noch Zeit gelassen wird, d a s von
ihm erschlossene Gebiet genauer durchzuarbeiten und sich fiir Verbesserungen d e r
erwiihoten A r t wenigstens noch vor Bekanntwerden seines Hauptpatents durch Zusatzpatente einen Schutz zu sichern!
Zum Schluss seiner Rede wies der P r b
Jshrgang 1900..
Heft 24 1 2 . Juni T ~ N J . ]
Kloppel: Congress fur gewerbiichen Rechtsschuiz.
sident des Patentamts noch auf verschiedenr
weitere im Rahmen des bestehenden Patent.
gesetzes ausgefiihrte Reformen hin. WBhrend
z. B. friiher die Stellvertretung des Prasidenten, insbesondere in der Leitung der
Sitzungen der Beschwerdeabtheilungen, durch
4 Stellvertreter i m N e b e n a m t besorgt worden
ware, seien j e t z t 2 h a u p t a m t l i c h e Vertreterstellungen geschaffen worden (deren
Inhaber bekanntlich die Amtsbezeichnung
eines ,,Directors im Patentamt" fiihren).
Diese Umgestaltung werde aller Voraussicht
nach fur die Consequenz i n der Rechtssprechung des Amts u n d die logische Fortentwicklung des Patentrecbts die wichtigsten
Folgen haben. Ferner sei D a n k der Initiative
d e s Staatssecretlrs des Innern die Stellung
d e r hauptamtlich beschiiftigten Techniker gehoben worden und ihnen auch die hoheren
Stellen, insbesondere diejenigen der Vorsitzenden der Anmeldeabtheilungen, erschlossen worden. Diese u n d verschiedene andere
Reformen seien erst sehr kurze Zeit i n Kraft,
oder, wie diejenige der Vermebrung der Zahl
d e r Anmeldeabtheilungen auf 8, erst in Vorbereitung. Mit Riicksicht hierauf u n d ferner
deshalb, weil wegen der aiich im Commissionsbericht anerkannten Uberlastung der
Mitglieder des Patentamtes, und wegen des
Mangels an Technikern, die bereit seien, i m
P a t e n t a m t eine Stellung anzunehmen, die
normale Function des ganzen patentamtlichen
Organismus ausnehmend erschwert sei, hielt
es der Redner fur angezeigt, bevor man zu
einschneidenden Gesetzesanderungen iibergehe, die i m letzten J a h r e begonnene Portentwickiung zunachst abzuwarten.
Nachdem der Redner seine von lebhaftem
Beifall begleitete Rede geschlossen und der
Berichterstatter v o n S c h i i t z noch kurz gesprochen hatte, wurde die Verhandlung zuniichst unterbrochen.
I n der Pu'achmittagssitzung wurde darauf
in die eigentliche Discussion der Commissionsvorschliige eingetreten.
Die meisten
Redner beschrankten sich dabei nicht auf
die Erorterung der oben angefuhrten 4 Leitsiitze, sondern prscisirten gleichzeitig auch
ihre Stellung zu dem 2. Hauptvorschlage
der Commission : Abschaffung des Einspruchsverfahrens und Brsatz desselben durch die
Nichtig keitsklage.
F u r die Commissionsvorschliige traten
neben dem Berichterstatter v o n S c h u t z
besonders Ingenieur M i n t z (Berlin), Rechtsanwalt P a u l S c h m i d (Berlin) u o d Dr.
W i r t h (Frankfurt a. M.) ein; Letzterer vert r a t speciell die Ansicht, dass die Vorschlage der Commission gar keine so bedeutenden Abanderungen des heutigen Ver-
587
fahrens darstellten, sondern in der Hauptsache darauf ausgingen, aus dem bisherigen
Priifungsverfahren d a s Gefiihlsmoment auszuscheiden. Von den Rednern gegen die
Commissionsvorschliige seien genannt: D e r
Geheime Ober-Regierungsrath H a u s s , die
Vertreter des V e r e i n s z u r W a h r u n g d e r
Interessen der chemischen Industrie
D e u t s c h l a n d s , Director Dr. C. D u i s b e r g
(Elberfeld) und Professor Dr. A. B e r n t h s e n (Ludwigshafen a . Rh.), aus den Kreisen
der mechaniscben Technologie Commerzienr a t h K l e i n (Frankenthal), ferner der bekannte Commentator des Patentgesetzes,
Rechtsanwalt Dr. A. S e l i g s o h n (Berlin),
Ton Patentanwiilten H a s s 1a c h e r (Frankfurt) u n d Dr. E p h r a i m (Berlin)').
Von
den genannten Rednern sprachen der Patentanwalt H a s s l a c h e r (zuglejch i m Namen
der Frankfurter technischen Vereine) u n d
Commerzienrath K I e i n speciell gegen d i e
Abschaffung des Einspruchsverfahrens, die
iibrigen auch gegen den anderen Hauptpunkt
der Commissionsvorschlage, die Beschrankung
des Priifungsverfahrens auf die litterarische
Neuheit.
Der erste Redner d e r Nachmittagssitzung,
Rechtsanwalt S e l i g s o h n hob hervor, dass
die anscheinend einfache Priifung auf litterarische Neubeit in Wirklichkeit in den meisten
Fiillen recht grosse Schwierigkeiten bieten
und ausserdem zu schweren Schiidigungen
der Industrie fiihren wiirde. Er fiihrte speciell den folgendeo P a l l a n : I n einer chemischen Publication sei beschrieben, dass durch
Wechselwirkung bestimmter Korper ein bestimmtes Product erzielt werde. Es sei
allerdings keine Reactionstemperatur angegeben, dieselbe sei aber fur jeden mit dersrtigen Reactionen vertrauten Chemiker ganz
selbstverstiindlich, beispielsweise 20". Nun
kommt ein Anmelder, schreibt diese Litteraturstelle einfach a b , andert sie n u r in3ofern, als er die Temperatur von 20' cinsetzt und beantragt j e t z t fiir dieses VerFahren noch ein Patent. Nach dem Vorwhlage der Commission kann ihm dieses
Patent nicht verweigert werden, denn es i s t
oicht zu bestreiten, dass die Einfiigung der
remperaturangabe in das sonst publicirte
Verfahren l i t t e r a r i s c h n e u ist. Damit
iind die bisherigen gutglaubigen Benutzer
3es betreffenden Verfahrens aufs Empfindlichste geschldigt. D e r Anmelder des betr.
Patents kann sie in der unangenehmsten
Weise beliistigen, d a e r ein formelles VerI ) Der Ietztgenannte Redner vertrat seine den
ieserii der Zeitschrift fur angewanclte Cliemie be.eits aus seinem Aufsatz in der No. 19 des diesahrigen Jalirgnngs der Zeitschrift bekannte Ansicht.
588
Kloppel: Congress Nr gewerblichen Recbtrschutz.
bietungsrecht hat und in der Lage ist, die
Aufhebung dieses Verbietungsrechts im Wege
der Nichtigkeitsklage jahrelang hinauszuziehen. Dass solche Fiille, die aller Voraussicht nach keinesfalls selten sein wiirden,
der Industrie grossen Schaden bringen miissten, liege aiif der Hand. Weiterhin hob
dieser Redner noch hervor, dass das Ertheilungsverfahren, wie es die Commission
beabsichtigte, eigentlich nichts weiter sei,
wie ein v e r s c h l e i e r t e s A n m e l d e v e r fahren, denn wie das oben angefiihrte Beispiel zeige, kiinne nach dem vorgeschlagenen
Verfahren ebenso wie beim Anmeldeverfahren
eigentlich alles patentirt werden.
Aus der Rede Dr. D u i s b e r g ’ s sei XIS
besonders bemerkenswerth Folgendes hervorgehoben: Redner legte dar, dass die chemische Industrie nicht dafiir sei, rnit Anderungen bestehender Gesetze zu schnell vorzugehen, sie nehme hier genau wie bei den
Handelsvertriigen lieber einige Unannehmlichkeiten mit in den Kauf, wenn ihr dafiir
die Garantie fiir eine liingere ruhige Entwicklung geboten werde. Ber V e r e i n z u r
Wahrung der Interessen der chemis c h e n I n d u s t r i e D e u t s c h l a n d s habe
zwar auch eine Commission zur Berathung
von etwaigen Abiinderungen des Patentgesetzes gewiihlt, dies sei aber nicht deswegen geschehen, weil der Verein wesentliche Abiinderungen des Gesetzes fur erforderlich gehalten habe, vielmehr sei die Einsetzung dieser Commission lediglich deswegen
erfolgt, weil anzunehmen gewesen sei, dass
bei dem in Aussicht gestellten baldigen Beitritt Deutschlands zur Internationalen Union
zum Schutz des gewerblichen Eigenthums
sowieso eine Novelle zum Patentgesetz erforderlich werden wiirde. Bei dieser Gelegenheit wollte man dann gleich einige
kleinere Wiinsche der chemischen Industrie
zum Ausdruck bringen. Die deutsche chemische Industrie stehe auf dem Standpunkt,
dass unser Patentgesetz im Grossen und
Ganzen als sehr gut bezeichnet werden miisse
und dass die deutsche chemische Industrie
ihre beherrschende Stellung auf dem Weltmarkt wesentlich mit diesem Patentgesetze
verdanke. Diese Ansicht sei, wie der Redner
an Hand einer erst neuerdings ausgegebenen
Publication der Handelskammer zu ManChester nachwies, auch in England anerkannt;
darauf sei hauptsichlich die jetzt in England vorhandene starke Strijmung zu Gunsten der Einfiihrung des Vorpriifungssystems
zurtickzufiihren. E s sei in den bisherigen
Verhandlungen von den Vertretern der Commissionsbeschliisse das Bild von dem zarten
Pfliinzchen der Erfindung gebraucht worden,
[
Zeitsohrift fir
angewandte Cheniie.
das so hiiufig vorn Patentamt statt mit
Wasser, rnit Tinte begossen und dadurch
erstickt wiirde, ehe es sich zum fruchtbringenden Baum habc entwickeln kijnnen. Nach
den hier gemachten AusEhrungen habe er
indessen den Eindruck gewonnen, dass dabei
das Pfliinzchen mit dem S a m e n k o r n verwechselt worden sei. E s sei aber nicht
Zweck und Aufgabe des Patentgesetzes, bereits das Samenkorn, den blossen Erfindergedanken, zu schiitzen. E r s t der zu einer
wirklichen Erfindung entwickelte Erfindergedanke hahe Anspruch auf Patentscbutz.
Wolle man anders verfahren, so wiirde man
zu Gunsten des Erfinders die Industrie benachtheiligen. Was dann den vorgeschlagenen Ersatz des Einspruchsverfahrens durch
das Nichtigkeitsverfahren anlange, so sei die
chemische Industrie entschieden gegen diesen
Vorschlag. Sie habe rnit dem Einspruchsverfahren sehr gute Erfahrungen gemacht,
nicht dagegen rnit dem Nichtigkeitsverfahren,
das immer etwas Gehiissiges an sich habe.
Wiirde man den Vorschlagen der Commission
folgen und damit im Wesentlichen das Anmeldeverfahren einfiihren, so wiirde man damit eine sehr werthvolle Frucht unseres
bisherigen Verfahrens zerstijren, namlich das
erst nach langen Bemiihungen und allmahlich entwickelte Verstiindniss des Volkes
fiir die Bedeutung und die Berechtigung des
durch das Patent zum Schutz gelangenden
geistigen Eigenthums. Aus all diesen Griinden empfahl der Redner warm die Ablehnung
der Commissionsvorschliige. Beziiglich der
von der Commission vorgelegten Statistik
hatte er besonders darauf hingewiesen, dass
man auf diesem Gebiet doch unm6glich mit
Z a h l e n etwas beweisen kiinne. Man miisse
die Patente nicht ziihlen, sondern wiigen.
Zum Schluss f i h r t e der Redner noch einige
besondere Wiinsche der chemischen Industrie
an, unter denen neben dem Verlangen nach
einer milderen Behandlung der Zusatzpatente
und der Frage des technischen Effectes (sofern dieselbe nicht im Einspruchsverfahren
aufgeworfen wird) die Einfiihrung einer OberBeschwerde und eines Patent-Gerichtshofes
zu erwiihnen ist. Diesem Patentgerichtshof
wiirden insbesondere auch die definitiven
Entscheidungen iiber vom Patentamt ausgesprochene AbhPngigkeitserklarungen zu iiberweisen sein.
Der andere Vertreter der chemischen I n dustrie, Professor Dr. B e r n t h s e n fiihrte etwa
Folgendes aus: Zuniichst hob er hervor, dass
der von einem der Vorredner ausgesprochene
Satz, von chemischer Seite sei in der bisherigen Debatte nur der Standpunkt der
grossen Fabriken, nicht derjenige des Er-
Jahrgang 1300.
12. Juni 1900]
Heft 2 t .
Klappel: Congress fur gewerblichen Rechtsschutz.
finders zur Geltung gekommen, unzutreffend
sei. Redner diirfe sich erlauben, selbst als
Erfinder zu sprechen u n d zugleich zu constatiren, dass eine grosse Anzahl der anwesenden Chemiker, wenn nicht alle, auch
ihrerseits E r f i n d e r seien, ihre Stellungnahme also auch von diesem Gesichtspunkte
aus zu beurtheilen sei. Redner warnte aeiterhin davor, einen principiellen Unterschied
zmischen chemischer und mechanischer Industrie zu construiren und die beiderseitige
Zahl der Patente gegen einander abzuwiigen.
W a s die von einem der Vorredner gestellte
Frage anlange, welche Nachtheile denn die
Vorschlage der Commission f i r den Chemiker
hatten. E O sei darauf zu antworten, dass es
dem Bedurfnisse des Chemikers nicht i m
entferntesten entsprechen wiirde, wenn zur
Patentfahigkeit eines Verfahrens die blosse
N e u h e i t desselben als ausreichend erkliirt
aerden sollte. Denn bei der ausserordentlichen Durchbildung d e r chemischen Wissenschaft , der eingehenden Kenntniss des oft
h6chst Hhnlichen Verhaltens von homologen
Verbindungen etc. sei i n diesem F a l l e ein
wirksamer Patentschutz k a u m mehr denkbar.
Um Anspruch auf ein P a t e n t , also auf ein
Verbietungsrecht gegen Andere haben zu
kiinnen, miiese der Anmelder auch wirklich
eine Erfindung gemacht haben, welche etwas
Unerwartetes, Uberraschendes darbiete. D i e
chemische Industrie beklage sich nicht dariiber,
dass zu wenig Patente ertheilt wiirden, sie
miinsche vielmehr, dass eine laxere Praxis
des Patentamtes nicht eingefiihrt wiirde. Sie
wiinsche ferner, wie Dr. C. D u i s b e r g schon
gcsagt habe, die Beibehaltung des jetzigen
Einspruchsverfahrens. Allerdings miisse auch
ausdriicklich constatirt werden, dass auch
noch nach der Erkliirung des PrHsidenten
d e s Patentamts, welche von chemischer Seite
mit grossem Beifall begriisst wiirde, gewisse
Desiderata, wie insbesondere auf Einfiihrung
einer dritten Instanz i m Ertheilungsverfahren,
bestanden, welche der V e r e i n z u r W a h r u n g
der Interessen der chemischen Ind u s t r i e D e u t s c h 1 a n d s in Behandlung habe.
Redner sei der Ansicht, dass eine Versiihnung
dcr etwaigen widerstreitenden Interessen sehr
wohl in der Weise erreichbar sei, dass man
zwar d a s Einspruchsverfahren beibehalte,
aber durch die Einfiihrung der dritten Instanz
eine weitere Garantie gegen unrichtige Patentversagung gegeben werde. Er biite dringend darum, nicht die trennenden, sondern
die einigenden, gemeinsamen Gesichtspunkte
i n d e n Vordergrund zu stellen.
Endlich sei aus den sehr bemerkenswerthen Darlegungen des Geheimen OberRegierungsraths H a u s s Folgendes hervor-
589
gehoben : Redner betonte zuniichst, dass die
Regierung die verschiedenen in der Verhandlung ausgesprochenen Wiinsche auf dns Eingehendste priifen und soweit als irgend angangig s e i , diese Wiinsche beriicksichtigen
wiirde. Jedoch stiindeo, soweit e r die Sache
bis jetzt iibersehen kiinne, den Vorschliigen
der Commisgion doch sehr erhebliche Bedenken entgegen. D e r Zmeck des Priifungsverfahrens sei ein einheitlicher, nEmlich der,
in jedem F a l l festzustellen, o b die Voraussetzung fur die Ertheilung eines Patentes,
niimlich eine patentfahige Erfindung, vorliege.
Unter diesen Umstiinden erscheine
es doch sehr bedenklich, diese einheitliche
Aufgabe zu trennen u n d zwei verschiedenen,
von einander unabhangigen BehSrden zu iibertragen. E i n solches Vorgehen wiirdc sicher
die Einheitlichkeit der Priifung und Rechtsprechung stSren und so der Industrie selbst
ernstlichen Schaden bringen. Andererseits
sei der Rahmen unseres heutigen Patentgesetzes elastisch genug, um innerhalb desselben alle Maassnahmen treffen zu kSnnen,
urn dem Erfinder nach MSglichkeit seine
Rechte zu gewiihrleisten. Auch er sei d e r
Ansicht, daes die Vorschliige der Commission
irn Wesentlichen ein verschleiertes Anmeldeverfahren darstellten. Es mijsse aber sehr
bedenklich erscheinen, den Boden unseres
i m Grossen und Ganzen doch sicher bewiihrten Patentsystems zu verlassen, u m zum
Anmeldesystem iiberzugehen. Welchen grossen
Werth unser heutiges Priifungssystem habe,
gehe zweifellos daraus hervor, dass bei Ankiindigungen von Erfindungen in ausliindischen Zeitschriften die Thatsache, dass d a s
d e u t s c h e P a t e n t ertheilt worden ist, immer
als b e s o n d e r e r V o r z u g angefiihrt werde.
Dazu komme, dass m i t dem von d e r Commission vorgeschlagenen Verfahren nicht einma1 dem Erfinder gedient sei. Bei dem
reinen Anmeldeverfahren wisse der Erfinder
wenigstens ganz genau, dass e r rnit dem
P a t e n t noch keinerlei Garantie fur die Giite
seiner Erfindung habe. Bei dem hier vorgeschlagenen Verfahren finde dagegen eine
Art Prbfung statt, dadurch werde beim Erfinder leicht der Eindruck erweckt, dass e r
in seinem P a t e n t nun wirklich schon einen
festen Rechtsboden habe. Er wird dann
leicht die Tragweite seines Patentes iiberschiitzen u n d sich dadurch eine Menge von
Processen zuziehen, die bei einem Priifungsverfahren, wie wir es heute haben, vermieden
worden sein wiirden. Denn bei einem solchen
Verfahren werde der Erfinder rechtzeitig
durch dic Verhandlungen mit dem Patentamt
und m i t d e n etwaigen Einsprechenden iiber
die Tragweite seines Patentes unterricbtet.
590
Klappel: Congress fur gewerblicben Rechtsschutz.
-
I n Bezug auf die von demvorsitzenden des
Vereins angeregte Frage des Beitritts Deutschl a n d s zur Internationalen Union, konnte der
Redner die vor Kurzem im Reichstage von dem
Staatssecretar des Innern G r a f P o s a d o w s k y
abgegebene Erklarung wiederholen, dass
dieser Beitritt aller Voraussicht nach in nicht
sehr langer Zeit erfolgen wiirde. Soviel sei
jedenfalls sicher, dass dabei unser heute
geltendes Priifungsverfahren gewahrt bleiben
wiirde. D e r Redner hob dann noch hervor, dass zu den grossen Erfolgen, die die
deutsche Industrie in den letzten Jahrzehnten errungen h a b e , zu der so angesehenen Stellung, die dieselbe i m Ausland
einnehme, zweifellos der durch das deutsche
Patentgesetz der Industrie gewahrte Schutz
wesentlich rnit beigetragen habe.
Unter
diesen Umstanden miisse es bedenklich erscheinen, dem Vorschlage der Commission
zu folgen und damit einen Sprung ganz ins
Ungewisse zu thun, wodurch zweifellos die
ruhige Fortentwicklung der deutschen Industrie gestiirt werden wiirde. Wenn ja
auch unserempatentgesetze wie a l l e n menschlichen Einrichtungen gewisse Mange1 anhaften
(welchen man iibrigens, wie schon erwahnt,
innerhalb des Rahmens des Gesetzes abhelfen
kiinne), so musse andererseits doch hervorgehoben werden, dass sich das Gesetz im
Grossen u n d Ganzen gut b e n a h r t babe.
Schou aus der haufigen lebhaften Zustimmung, welche die Rede des Regierungsvertreters fand, konnte man entnehmen, dass
ein betrachtlicher Theil der Versammlung
g e g e n die grundlegenden, von der Commission
vorgeschlagenen Anderungen war. Es wurde
dies dann auch durch das Ergebniss der Abstimmung, die sich iibrigens zu einem sehr
dramatischen Vorgang gestaltete, bestiitigt.
Die beiden ersten Resolutionen des Berichterstatters wurden zwar angenommen, die
principiell wichtigste u n d den Kernpunkt
der Commissionsvorechlage zum Ausdruck
bringende Resolution 111 dagegen mit der
s e h r b e t r i i c h t l i c h e n Majoritat von 59
gegen 31 Stimmen abgelehnt. D e r Congress
hatte damit k l a r zum Ausdruck gebracht,
dass die deutsche Industrie in ihrer grossen
Majoritat eine Abiinderung der Grundprincipien
nnseres Patentrechts ablehnt.
M i t Riicksicht auf d a s Ergebniss der Abstimmung iiber die Resolution I11 wurde
dann die Resolution I V von dem Antragsteller zuriickgezogen u n d darauf die zweite
Sitzung des Congresses geschlossen.
Mit derAbstimmungiiber die Resolution 111
war der wichtigste Theil der Aufgaben des
Congresses, soweit sie sich auf das Patentreclit bezogen, erledigt.
[
Zeitsclirift ftir
angewrmrtte C h r i i e .
In der dritten Sitzung am Morgen des
15. Mai wurden allerdings noch eiue ganze
Reihe von Fragen behandelt, die indess an
Bedeutung dem Verhandlungsgegenstande des
ersten Tages nicht gleichkamen. Es sei aus
dem Verlauf dieser Sitzung zuniichst erwahnt,
dass der Berichterstatter den Vorschlag, d a s
Einspruchsverfahren abzuschaffen und an seine
Stelle die Niclitigkeitsklage zu setzen, der
bereits a m ersten Verhandlungstage eingehend
erortert, aber noch nicht zur AbstimmuDg gclangt war, rnit Rucksicht auf die bei diesen
Verhandlungen zu Tage getretenen Stimmung
der Versammlung zuruckzog.
Es wurden in der dritten Sitzung folgende
Beschliisse gefasst : Angenommen wurde die
V. Resolution des Berichterstatters , nach
welcher diePriifung der Anmeldungen zuniichst
nur durch ein tecbnisches Mitglied d e s Patentamts erfolgt und die Anmeldeabtheilung
nur dann iiber die Anmeldung zu einer Beschlusssitzung zusammentritt, wenn d a s Ergebniss der ersten Priifung fur den Anmelder
ungiinstig ausgefallen ist. Diesen Vorschlag
h a t t e der Prasident des Patentamts bereits
am ersten Tage als wohl discutabel bezeichnet.
I n der VI. Resolution hatte d e r Berichterstatter vorgeschlagen, dass in den Fallen,
wo der erste Prufer ein P a t e n t versagen zu
miissen glauht, ein contradictorisches Verfahren vor der Anmeldeabtheilung eintreten
solle. Diese Resolution wurde gleichfalls
angenommen, jedoch m i t der Beschrankung,
dass dieses contradictorische Verfahren n u r
a u f A n t r a g d e r P a r t e i einzutreten hat.
Diese Einschrankung wurde von dem Antragsteller rnit dem Hinweise darauf begriindet,
dass es dem Anmelder i n sehr vielen Fallen
unmiiglich oder doch n u r m i t einem grossen
Kostenaufwande miiglich sei, zu einem solchen
contradictorischen Verfahren persiinlich zu
erscheinen, oder einen Vertreter zu bestellen,
u n d dass man die Bestimmung deshalb nicht
zu einer obligatorischen machen diirfe.
Die VII. Resolution des Berichterstatters,
durch welche beantragt war, dem Anmelder
gegen einen ablehnenden Bescheid der Beschwerdeabtheilung noch die Revision an
d a s Reichsgericht zu eriiffnen, gelangte in
der Form zur Annahme, dass dadurch lediglich ausgedriickt wird, dass dem Anmelder
gegen einen ablehnenden Bescheid der Beschwerdeabtheilung noch eine 3. Instanz eroffnet werden soll, wobei die Frage, in
welcher Weise diese 3. Instanz zu organisiren
ist, zuniichst offen gelassen wurde.
Beziiglich der Frage, wie in den Fallen
der Collision einer jiingeren m i t einer alteren
noch nicht ausgelegten Anmeldung zu yerfahren sei, gelangte ein Vorschlag zur An-
Jahrgang 1900.
Heft 24. 12. Joni 19OO.l
nahme, nach welchem in solchen Fiillen beide
Anmelder von der Thatsache der Collision
zu unterrichten sind, und falls die Anmelder
einverstanden sind, ein contradictorisches
Verfahren eiuzuleiten ist.
Ferner wurde gemiiss dem Vorschlage
der Commission noch beschlossen, dass dem
Patentsucher vor der Ertheilung des Patentes
der Text der Patentschrift zur Ausserung
vorzulegen ist und dass dem Anmelder, falls
das Patentamt eine Anderung der urspriinglichen Beschreibung verfiigt hat, das Recht
der Beschwerde zustehen soll.
Abgelehnt wurde dagegen mit grosser
Mehrheit ein Vorschlag der Commission,
nach welchem die Acten uber ertheilte Patente, ebenso wie die amerikanischen Patentacten, Jederman auf Verlangen vorzulegen
und auf Antrag beglaubigte Abschriften daraus
anzufertigen sein sollen. Gegen diesen Vorschlag war von verschiedenen Seiten und
besonders auch von dem Vertreter des Reichsamts des Innern entschieden Widerspruch
erhoben worden.
Nachdem diese Beschliisse gefasst waren,
wurde in die Berathung der Frage eingetreten, ob eine Errichtung eines besonderen
Patentgerichtshofes wiinschenswerth sei. Ausser den noch gleich zu besprechenden Vorschliigen der Commission des V e r e i n s fiir
d e n Schutz d e s gewerblichen Eigent h u m s lagen noch eine ganze Reihe anderer
Vorschliige zu dieser Frage vor, unter denen
besonders der Antrag zu erwiihnen ist, fur
grijssere Bezirke Sonderkammern fur Streitsachen des gewerblichen Urheberrechts einzurichten. Diese Kammern sollen analog
den Kammern fur Handelssachen mit einem
Mitglied eines Landgerichts als Vorsitzenden
und zwei Technikern als Beisitzern besetzt
werden. Das Verfahren vor diesen Kammern,
sowie die gegen deren Beschliisse mijglichen
Rechtsmittel waren von den betr. Antragstellern schon eingehend dargelegt. E s wiirde
jedoch zu weit fiihren, hier olher auf diese
Antriige einzugehen.
Die Vorschlage der Commission wurden
von dem Berichterstatter Rechtsanwalt P a u l
S c h m i d (Ber1in)begriindet. Diese Vorschlage
hatten kurz folgenden Inhalt: Der zu griindende Patent-Gerichtshof soll als erste Instanz
f i r die Entscheidung iiber Nichtigkeit, Abh b g i g k e i t und Zuriicknahme von Patenten
fungiren. Ferner soll dieser Gerichtshof
auch ausschliesslich zustiindig sein, zur Entscheidung iiber die materielle Tragweite eines
Patentes. Das betr. Verfahren soll sich dabei
wie folgt gestalten. Wenn in einem Strafverfahren oder bei Gelegenheit einer biirgerlichen Rechtsstreitigkeit, insbesondere zum
Ch. 1900.
591
Kloppel: Congreaa fur gewerblichen Rechtsschutz.
Beispiel bei einem Patentverletzungeprocess,
oder bei einer Schadenersatzklage wegen
Patentanmaassungoder dergleichen, die Rechtsbestiindigkeit oder der Umfang des betr. Patentes i n Frage gezogen wird, so sollen die
ordentlichen Gerichte die Parteien zunachst
zwecks Austragung dieses patentrechtlichen
Incidentstreites an den Patent-Gerichtshof verweisen und erst nach der Entscheidung
dieses Incidentstreites selbst die weitere
Sachentscheidung treffen; wobei sie dann an
die Entscheidung des Patent-Gerichtshofes
gebunden sein sollen. o b e r die Frage, in
welcher Weise die obere Instanz fur die
erstinstanzlichen Entscheidungen des PatentGerichtshofes einzurichten sei, hatte die
Commission noch keine bestimmte Entscheidung getroffen. Sie stellte dem Congress
folgende beide Vorschllge zur Wahl. Entweder solle als zweite und letzte Instanz
das Reichsgericht fungiren, welches zu den
betr. Verhandlungen Sachverstlndige mit berathender oder wenn mijglich auch mit beschliessender Stimme hinzuzuziehen haben
wiirde, oder es solle eine aus Technikern und
Juristen zusammengesetzte zweite Kammer
des Patent-Gerichtshofs als Berufungsinstanz
eingerichtet werden, in welcher diejuristischen
Mitglieder an Zahl iiberwiegen sollen. Gegen
die Entscheidung dieser Berufungskammer
solle dann noch eine Revision an das Reichsgericht zuliissig sein.
Zu einer erschijpfenden Eriirterung dieser
Commissionsvorschliige kam es nicht mehr,
vielmehr wurde nach kurzer Debatte (in
welcher der Geheime Ober- Regierungsrath
H a u s s eine nochmalige eingehende Priifung
der Frage der Errichtung eines Patent-Gerichtshofes seitens der Reichsregierung zugesichert, zugleich aber auch schon eine
Reihe von Bedenken geiiussert hatte, die
seiner Ansicht nach gegen die Ausfihrbarkeit
der Commissionsvorschlllge spracheo) aus
der Versammlung der Antrag gestellt, die
weitere Berathung dieser Frage zu vertagen
und die definitive Entscheidung einem eventuellen splteren Congress vorzubehalten.
Dieser Antrag wurde seitens der Versammlung
angenommen.
Von den auf das materielle Patentrecht
bezuglichen Vorschlagen der Kommission
wurde dann noch kurz derjenige erijrtert,
welcher sich auf die Abschaffung der bekannten Bestimmung des Patentgesetzes iiber
die fiinfjiihrige Prlclusivfrist fur Nichtigkeitsklagen bezog. Auch iiber diese Besfimmung,
f i r deren Aufrechterhaltung Dr. C. D u i s b e r g
lebhaft eintrat, wurde jedoch kein Beschluss
gefasst, vielmehr wurde die Entscheidung
fiber diese Frage, ebeuso wie diejenige iiber
50
Guttmann:
592
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Stabilit3tsproben iiir Schiessbaumwolle.
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die ubrigen noch nicht zur Abstimmung geIangten Vorschlage der Commission vertagt.
Darauf wurde die Sitzung geschlossen.
Auch an den Verbandlungen dieser dritten
Sitzung hatten sich die anwesenden Vertreter
der verschiedenen Reichsbehiirden mit lebhaftemhteresse betheiligt und wurden specie11
von Director Dr. R h en i u s und Regierungsrath
Dr. R i i s i n g eine Reihe von sehr bemerkenswerthen Mittheilungen iiber die neuere Praxis
des Patentamts beim Nichtigkeitsverfahren,
bei der Vorpriifung und bei der Behandlung
collidirender Anmeldungen gemacht.
Von den beiden nun noch folgenden
Sitzungen des Congresses am Dienstag Nachmittag und Mittwoch den 16. Mai Morgens
war die erste Halfte der Nachmittagssitzung
dem W a a r e n z e i c h e n r e c h t und der Rest
dieser Sitzung sowie die folgende Morgensitzung dem G e s c h m a c k s m u s t e r r e c b t gewidmet. Die geschmacksmusterrechtlichen
Verhandlungsn durften f i r die Leser dieser
Zeitschrift wohl von geringerem Interesse
sein. Aus den Verhandlungen iiber die Reform des Waarenzeichenrechts sei nur kurz
hervorgehoben, dass der Congress sich dahin
aussprach, auch fur Waarenzeichen ein Vorbenu tzungsrecht, analog dem patentrecbtlichen
Vorbenutzungsrecht einzufiihren.
Elberfelcl, i m Mai 1900.
Ueber Stabilitatsproben fur
Schiessbauniwolle und rauchloses Pulver.
Von Oscar Guttrnann, London.
Auf Seite 543 dieser Zeitschrift ist ein
Auszug aus einem Artikel von G i o v a n n i
S p i c a enthalten. Die von S p i c a an der
von mir vorgescblagenen Diphenylaminprobe
geiibte Kritik und sein Vorscblag, statt dessen
salzsaures m-Phenylendiamin zu verwenden,
sind nicht geniigend berechtigt. Ich bin der
M h g e l der Diphenylaminprobe wohl bewusst,
allein H o i t s e m a h a t gezeigt, dass ein grosser
Tbeil dieser Xiingel durch etwas starkere
Concentration der Diphenylaminlijsung zu beheben sei. Dagegen i s t die von S p i c a vorgeschlagene Methode so ausserordentlich empfindlich, trotzdem sie bei einer vie1 niedrigeren
Temperatur angestellt wird, dass sie dadurch
allein unbrauchbar wird. Diese Empfindlichkeit gibt gar keinen Spielraum fiir Irrthum
in Beobachtung und Behandlung und ihr
Werth wird nocb mebr dadurch beeintrachtigt,
dass ein grosser Theil der zur Probe erforderlichen 5 Minuten, wie ich seiner Zeit gezeigt
habe, auf die Erwarmung des Glases und der
Substanz verwendet werden muss.
_
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_
_
_
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_
[
~
~
Zeitschrift N r
angewandte Chnmie.
Mir sind die verachiedenen auf meine
Iipheriylaminprobe Bezug habenden Verijffentichungen durch dieFreundlichkeit der Autoren
itets bekannt geworden, und wenn ich es
)isher vermieden habe, eingehend auf dieielben zu erwidern, SO ist dies nicht als ein
Leichen aufzufassen, als ob ich mit denselben
ibereinstimmte. Ich bin anderweitig sehr
rtark beschaftigt, arbeite aber trotzdem an
:iner eingehenden Untersuchung dieser Frage,
ind werde zu geeigneter Zeit die Resultate
lerselben verijffentlichen.
Ueber Polierroth.
Von Anton Munkert.
(Mittheilung ans dem chem-teclinischen Labora:orium der Kgl. technisclien Hochschale in Mfiuchen.)
Die eisenoxj-clhaltigen Materialien, welche unter
den verschiedensten Namen als Parben a n d Policrmittel in der Technik eine wichtige Rolle spielen,
sind theils Producte, welche aus in der Natur vorkommenden Mineralien durch einfache Operationen
gewonnen, theils Fabrilrate, welche auf kiinstlichem
Wege durch Vcrarbeitung von Eisensalzen hergestellt werden. Zur letzteren Gruppe ist Caput
mortuum, Colcothar, Englischroth zu rechnen. Bei
Herstellung der rauchenden Schwefelsaure, beim
Verarbeiten van hlaun- nnd Vitriolschlamm, beim
Abriisten der Scliwefellticse u. s. w. gewinnt man
belranntlich eisenoxydhaltige Materialien, welche
man entwecler direct oder nach einem weiteren, oft
unter Zusatz anderer Stoffe erfolgten, Gluhprocess,
einer sorgfaltigen Zerkleinerung und Reinigung
durch Schlammoperationen unterzieht.
Die Untersuchang uncl Beurtheilung Ton Englischrotli liat nattirlich yon verschiedenen Gesichtspunkten aus zu erfolgcn, j e nachdem das F:tbrikat
als Parbe oder als Poliermittel Vermendang finden
soll. Bei den Eiscnoxydfarben kommt haoptsachlich die Nuance, der Glnnz des Tones, die Feinheit der Mahlung, die Deckkraft, die Dauerhaftigkeit des hustriches u. s. w. in Betracht,. Bei eincm
Schleif- nnd Poliermittel spielt aber die Harte und
der Feinheitsgracl des Fabrikats j e nach Beschaffenheit des zu bearbeitenden Materials eine so hervorragelide Rolle, dass fiir nianche Zwecke t3as Polierpulyer den hoclisten Grad der Feinheit und Zartheit
aufweisen muss.
Polierioth kann in nachstehend beschriebener
Weise untersucht werden.
2 g Substanz verden lingere Zeit mit concentrirtcr SalzsBure gekocht, nsch crfolgter vollstandiger
Losung des Eisenoxyds die Mmse zur T r o c h e abgedampft, der Ruckstand mit Siiure aufgenommen
und von der ungeliist bleibenden Mineralsubstanz
abfiltrirt. Von dem 250 ccm betrngenden Piltrat
finden 50 ccm nach husfallung des Eiscns mit
Ammoniak znr Bestimmung der Schwefelsiiui-e und
weitere 50 ccm zur Ermittelung von Eisenoxyd,
Thonerde, ICal k und Magnesia Verwendung. Znr
Bestimniung des Iinpfers zersctzt man 10 g Substanz mit concentrirter Salzszure, filtrirt von der
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