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Der Entwurf des neuen schweizerischen Patentgesetzes.

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Zeitschrift fur angewandte Chernie.
Heft 33.
Alleinige Annahme von Inseraten bei den
und Danbe & Co., G. m. b.
17. August 1806.
editionen von Angnat Scherl GI. m. b. H.,
18, Zimmerstr. 37-41
sowie in deren Filialen :Bremen Obernstr. 16. Bremlru, Schweidnitzerstr. 11. Dremden, Seestr. 1. Elberfeld,
EerZOgStr. 38. F r m n k f U r t
Ilb.,kaiserstr. 10. H r m b a r g , A l t e r Wall 76. Hmnnover, Geosrgtr. 39. E a m m e l , Obero
K6ni tr. 21. Kbln a. Rh., .Hohestr. 146. Lelpdqf Petersstr. 19 I. Magdebar Breiteweg 184, I. MUnohen
KauEgerstraPe 26 (Domfreiheit). N m b e y f k ruserstrafie Jhke FleischbrUcE. Btuttaart, KOnigstr. 11, I?
ien I, Graben aS.
Der Insertionspreis betrilgt pro mm HOhe bei 46 mm Breits (3 gespalten 16 Pfennige, auf den beiden
8uAeren Umschlagseiten 20 Pfennige. Bei Wiederholungen tritt enta rechender.Raf!att ein. Beilagen werden pro
1000 Stlick rnit 10.60 M flir 6 Gramm Gewicht berechnet; fur schwere fleilagen tritt besondere Vereinbarung ein.
I.
INHALT:
E. El o e p p e l : Der Entwurf des neuen schweizerischen Patentgesetzes 1409.
A. E i c h e n g r u n : Ein ne,ues Formaldehyd-Desinfektionsverfahren,
das Autanuerfahren 1412.
A. B i n z : flber die Addition Yon Alkali an Indigo 1415.
~~.
F. H a b e r - 0 tische Analyse der Industriegase-1418.
E. G l i n z e r : %ie Heizwertbestimmung fltissiger Rrennstoffe rnit dem Junkersschen Kalorimeter 1422.
€
LI
e.
i s e r : Neuerungen in Laboratoriumsapparaten 1426.
G. P. Drossbach & Co.: Zuschrift a n die Redaktion 1427.
Sitzungeberichte.
Chemische Gesellschaft zu Heidelberg 1428.
Referate:
Explosivstoffe, Ztindstaffe 1429; - Kautschuk, Guttspercha 1430.
Wirtacheftlioh-gewrrblioherTeil:
Tayesveschichtliche und Handelsrundschau: Frankfurt: Lage der cbemischen Industrie 1431 ; - Galizische Patro.
leumicddustrie im Jahre 1905 1432;
Kampfermonopol; - Handel rnit Sprengstoffen in Britisch-Sild-Afrika; StraBLurg; - Die Eisenerzeugung der Welt; - London; - Paris 1433; - Berlin; - Handelsnotizen 14%: - Personalnotizen; - Neue Bilcher; - Blicherbespreohungen 1436; - Patentlisten 1436.
-
Verein deutscher Chemiker:
Dr. R. H a s e t ; - Beairksverein ftir Mittel- und Niederschlesien: Dr. A h r e n s : Uber einige technische Nenerungen
in der schlesischen Iadustrie; - F. K u h n : Uber Futtermittelverftilschungen; - Dr. R i c h t e r s : Uber die
sogenannte Verwitternng und SelbBtentztindung der Steinkohle; - Dr. 0. K6 h l e r : Plauderei liber die Untersuchung
von Melassemisehungen; - Dr. W o y : fjber die neueste Stijrung in der st&dtiscben Wasserveixorgung 1439; - Dr.
E a r a u : Das Glycerin, seine Darstellung und Verwertung; - Dr E. R i c h t e r s : n b e r einen ohemischen Runst riff
bei Herstellung mikrosknpischer Prtiparate; - Dr. U l r i c h: Italienische ReiseeindrUcke eines Teilnehmers am gongresae in Rom; - Dr. W o y : Bericht Uber die Hauptversaminlung des Vereins deutscher Chemiker in Nurnberg,
Juni 1906; - MBrkischer Bezirksverein: Dr. L o e v y : Die analytische Betriebskontrolle der Goldbergwerke 1440.
vom Patentschutz a u s g e s c h 1o s s e n Ebenso
sollen a 11e Erfindungen auf dem Gebiete der Heilund Niihrmittel, und zwar sowohl die Stoffe selbst
als auch Verfahren zu ihrer Herstellung nicht patentierbar sein. obrig bleiben also nur noch Erfin(Eingeg. d. 2.18. 1906.)
dungen, welche sich auf Verfahren zur Herstellung
Durch den vor kurzem abgeschlossenen deutsch- von Zwischenprodukten der Teerfarbenindustrie beschweizerischen Handelsvertrag war festgesetzt wor- ziehen, soweit dieselben nicht zu Heil- oder Niihrden, daI3 trotz der darin vorgesehenen Zollfreiheit zwecken dienen, und die Teerfarbstoffe selbst. Auch
fur Teerfarbstoffedas deutsche Reich berechtigt sein bei derartigen Erfindungen sol1 nur das Herstel5011, auf diese Artikel bei der Herkunft aus der lungsverfahren patentfkhig sein, dabei ist aber
Schweiz Zoll zu erheben, wenn die Schweiz nicht bis au8erdem noch in Art. 4, Abs. 2, vorgesehen, daB
zum 31./12. 1907 ihre Patentgesetzgebung in der ein Patent fur die Herstellung eines chemischen
Weise andert, dal3 ,,Artikel solcher oder Lhnlicher Stoffes ,,nur e i n e n e i n z i g e n S t o f f und nur
Art oder das Verfahren ihrer Herstellung bei Neu- e i n e auf g a n z b e s t i m m t e n A u s g a n g s
heit der Erfiidung patentierbar sind'&l). Die s t o f f e n ful3ende Art der Herstellung einbegreifen
schweizerische Bundesregierung hat sich deshalb he- darf". Jeder, der die Verhaltnisse auf dem Gebiete
eilt, dieser Verpflichtung nachzukommen und der der chemischen Industrie kennt, wird ohne weiteres
Bundesversammlung mit einer ,,Botschaft" vom zugeben, daB ein derartiger Schutz u b e r h a u p t
17./7. 1906 den Entwurf eines neuen Patentgesetzes k e i n S c h u t z i s t. Denn, da die nachststehenden
vorgelegt. Wie in der Einleitung dieser Botschaft Homologen uud Analogen des betreffenden Farhhervorgehoben wird, sind bei der Abfassung dieses stoffs durch ein solches, auf e i n e n Korper beEntwurfs die von den s c h w e i z e r i s c h e n In- schranktes Patent nicht mit geschiitzt Rindz), so
teressenten gestellten Antrage und geiiulerten
offnet diese Art des Patentschutzes Umgehungen
Wunsche voll und ganz beriicksichtigt worden. Das Tiir und Tor! Bekanntlich hat ein ahliches PatentErgebnis ist, daB der vorliegende Gesetzentwur€fur erteilungsverfahren vor liingeren Jahren in Amerika
die d e u t s c h e chemische Industrie eine bittere
bestanden. Man hat dort aber langst eingesehen,
Enttauschung bedeutet. Zunachst ist das wichtige da5 ein solchesverfahren nicht richtig ist, und ist
Gebiet der chemischen Veredelungsverfahren in der
2 ) Der Artikel 9 schreibt namlich ausdriicklich
Textilindustrie (Farbeverfahren usw.) vollstandig
vor, del3 fiir solche ,,Bquivalente" immer noch
l ) Osterr. Patentbl. 1905, 1.50.
besondere Zusatzpatente genommen werden miissen.
Der Entwurf des neuen
schweizerischen Patentgesetzes.
Voii Dr. jur. et phil. E. KLOEPPEL.
-
Ch. 1906.
I. 83
1410
Kloeppel: Der Entwurf des neuen schweizeriachen Patentgesetzes. [ a n g ~ ~ ~ ~ ~ ~ f ~
von dieser, ubrigens auch nicht im Gesetz begrundeten, Praxis zuruckgekommen, indem man jetzt
Patente nicht nur fur einzelne chemische Korper,
sondern fur grolere Gruppen von Farbstoffen usw.
erteilt. Dabei war die damalige amerikanische
Praxis noch bei weitem nicht so gefahrlich fur den
Patentinhaber, weil es damals eine konkurrenzfihige chemische Industrie in Amerika uberhaupt
nicht gab. Die Schweiz hingegen ist bekanntlich
der Sitz einer sehr entwickelten Industrie, die zu
ihrer heutigen GroDe hauptsachlich dadurch gekommen ist, daB sie mangels eines Patentschutzes
fiir chemische Erfindungen jahrzehntelang in der
Lage war, die wertvollen Erfindungen der deutschen
Firmen muhelos und ohne jede Gegenleistung auszunutzen3). Wenn a180 nach dem vorliegenden Gesetzentwurf immer nur ein einziger Farbstoff patentiert werden 8011, so ist dadurch der schweizerischen
Industrie in weitest gehendem MaBe die Moglichkeit
zu Umgehungen eroffnet. Ja, durch die onerose Bestimmung des Artikels 27 des Entwurfes, wonach
auf jeder Packung des patentierten Farbstoffes die
Nummer des betreffenden Patents angegeben werden 80114), ist der Schweizer Industrie die Ausbeutung der deutschen Erfindung sogar noch erleichtert
worden. Denn wahrend sie sich friiher &us den
deutschen chemischen Patenten, welche immer die
Herstellung groBerer Gruppen von Farbstoffen umfassen, das wichtigste Produkt wenigstens noch
selbst heraussuchen mnBte, um es kopieren zu
konnen, 8011 der deutsche Fabrikant jetzt seinen
schweizer Konkurrenten auch immer noch direkt
angeben, welches das wichtigste Produkt ist, damit
dieser dann bequem in der Lage ist, sich eine geeignete Umgehung, gestiitzt auf die Mangelhaftigkeit
des schweizer Patentschutzes, auszusuchen. Noch
nicht zufrieden mit der so erreichten Durchlocherung des Patentschutzes, hat die schweizer chemische Industrie es dann auch noch durchgesetzt,
daB, im Gegensatz zu dem bisherigen Rcchtszustande, ein A u s ii b u n g s z w a n g fur patentierte Erfindungen eingefuhrt werden soll, und zwar
s ~ ldas
l Patent erloschen, wenn die Ausiibung nicht
innerhalb dreier Jahre im Inlande ,,in angemessener
Weise" erfolgts).
Eine weitere, speziell gegen die chemischen Erfindungen gerichtete Bestimmung, findet sich in dem
Absatz 5 des Art. 19. Es heiBt dort : ,,Ist aber das
neue Erzeugnis ein chemischer Stoff, so ist nur ein
Patentanspruch fur das V e r f a h r e n zullissig,
welcher gleichzeitig die v o 1 1 s t ii n d i g e K e n n z e i c h n u n g d e s S t o f f e 8 enthilt". Was mit
dieser Kautschukbestimmung gemeint ist, daruber
3) Vgl. hierzu : K 1o e p p e 1, Gew. Rechtsschutz u. Urheberrecht 1902, 211 ff.; D i e h 1 ,
ibid. 1905, 1 ff.
4) Diese Bestimmung hat zwar keinen absolut
zwingenden Charakter, unterbleibt aber die Angabe,
so hat gemill3 Abs. 2 des Artikels ,,der Klager das
Verschulden des wegen Patentverletzung Beklagten zu bewcisen", m. a. W. wird dann die Vcrfolgung
von Patentverletzungcn auBerordentlioh erschwert.
6 ) Wenn ja auch diese Bestimmung wohl im
Hinblick auf Art. 5 des deutsch-schweizerischenAbkommens vom 13. A p r i l 1892 bzw. 26./5. 1902
deutschen Fabrikanten gegenuber keine Wirkung
haben diirfte, so ist sie doch kennzeichnend fiir den
Gcist, der die Befurworter dieser Neuerung beseelte.
schweigt sich die Botschaft des Bundesrats aus.
Wohl aber wird durch Art. 20 dem Patentamt das
Recht gegeben, ein Patentgesuch z u r ii c k z u w e i s e n ,&s dieser Bestimmung nicht entspricht!
Der Geist, von welchem diese Bestimmung diktiert ist, ergibt sich, wenn man berucksichtigt, daB
an sich das Gesetz fur alle Patente das einfachc
A n m e 1 d e s y 8 t e m ohne jede sachliche Priifung
vorsieht, und eine Zuruckweisung von Patentgesuchen im wesentlichen nur in d e n Fallen vorgeschrieben wird, wo das Gesuch den ncuen Bcstimmungen des Gesetzes uber den Schutz c h e
m i s c h e r Erfindungen nicht cntspricht. Trotzdem also, wie die Denkschrift ausdriicklich hervorhebt, (S. 4 u. 5) ein besonderer Prufungsapparat
n i c h t geschaffen werden soll, und infolgedessen
auf Grund des neuen Gesetzes auch in Zukunft
Tausende von nichtigen Patenten zur Erteilung gelangen konnen, sollen s p e z i e l l c h e m i s c h e
Patente direkt zuruckgewiesen werden, wenn sie
auch nur den formellen Vorschriften des Gesetzes
nicht entsprechen. So sieht, wie schon erwahnt, der
Art. 9, Abs. 2, vor, daB der Inhaber eincs Hauptpatentes fur die Herstellung eines chemischen Stoffs
ein Zusatzpatent fur eine Erfindung erhalten kann,
nach welcher im Verfahren des Hauptpatents die
Ausgangsstoffe durch ,,Aquivalente" ersetzt sind,
sofern der Endstoff des zweiten Verfahrens in seiner
Verwendbarkeit dcm Endstoff des ersten ,,ahnlich"
ist. Diese Bestimmung klingt ja auf den ersten Blick
sehr wohlwollend. Bekanntlich ist nun aber die
Frage der Aquivalenz auf dem Gebiete der Chemie,
oder gar der hier neu aufgctauchte, gar nicht naher
erlauterte Begriff der ,,Ahnlichkeit" dcr Endstoffe
aul3eret schwierig, und bekanntlich hat in Deutschland die Entscheidung der Bquivalenzfrage bei chemischen Erfindungen hiiufig erst nach jahrelangen
Prozessen getroffen werden konnen. Der vorliegende Gesetzentwurf gibt dagegen dem schweizerischen Patentamt, das fur irgendwelche s a c h 1 i c h e n Prufungen, wie schon hervorgehoben, gar
n i c h t organisiert werden soil, trotzdem ohne
weiteres das Recht, eine Anmeldung a u c h d a n n
zuruckzuweisen, wenn sie seiner Ansicht nach der
fraglichen Bestimmung des Art. 9 nicht entspricht.
Also auch hier ist eventueller Willkur Tur und Tor
geoffnet. Denn daD auch der in Art. 20 als einziges Remedium gegen solche Zuruckweisungen vorgesehene Rekurs ,,an das dem Amte vorstehende
Departement des Bundesrats", das, ,,notigenfalls
nach Anhorung von Sachverstindigen", e n d g u l t i g entscheidet, keine genugende Garantie fur eine
sachlich richtige Entscheidung dieser schwierigen
Frage bietet, liegt auf der Hand. Wenn also die
fragliche Bestimmung des Art. 9 iiber chemische
Zusatzpatcnte uberhaupt irgcndwelchen Nutzen
haben sol1 - und sie ware vielleicht geeignet, die
Harten des vorgeschlagenen Systems etwas zu mildern -, denn muBte zum mindesten die Entscheidung dariiber, ob das bctreffende Zusatzpatent dem
Art. 9 genugt, den G e r i c h t e n uberlasscn bleiben,
und jedenfalls nicht durch diese Frage die Erteilung
des betreffenden Patentes aufgehalten oder gar giinzlich verhindert werden. Wir sollten meinen, wenn
die schweizerische Industrie, speziell die mechanische, die doch schon auf jahrzehntelange Erfahrungen zuriickblickt, zu ihren Gerichten das Ver~
1411
XIX.
a l,.Jahrgang. 1906.] Kloeppel: Der Entwurf des neuen schweizeriaohen Patentgesetzes.
trauen hat, daB sie sie vor auf Grund des reinen Anmeldesystems erteilten nichtigen Patenten schutzen
werden, so sollte man auch die chemischen Erfiider
mit solchen onerosen Bestimmungen uber das Erteilungsverfahren verschonen und auch hier den G e r i c h t e n die Entscheidung dariiber iiberlassen,
ob das Patent der gesetzlichen Bestimmung entspricht!
Charakteristisch ist auch die Begriindung, die
die Botschaft (S. 3) fur den AusschluB der Hailmittel vom Patentschutz gibt. Es wird zunachst
gesagt, da13 sich besonders der Schweizer Apothekerverein hierfur ausgesprochen habe, wahrend
die Gruppe der chemischen Fabriken Basels ebenso
energisch dafiir eingetreten sei, daB w e n i g s t e n s die chemischen V e r f a h r e n zur Herstellung der H e i 1 s t o f f e patentierbar sein sollten,
indem sie speziell auf ,,die Gemeinschadlichkeit der
Nachahmung auf dem Gebiete der Heilmittelindustrie" hinwiesen und auch betonten, ,,daB die Patentierung von Verfahren zur Herstellung von Heilstoffen die Arzneien n i c h t oder nicht wesentlich
v e r t e u r e". Weiter heiJ3t es dann auf S. 6 ausdrucklich : ,,In der Tat ist auch von den Gegnern
dieser Patente in der Sachverstandigenkommission
der Beweis n i c h t erbracht worden, d a D Heilstoffe,
deren Herstellungsverfahren z. B. in Deutschland
patentiert sind, durch djese Tatsache eine groBere
Verteuerung erleiden, ah wenn sie nur unter dern
auch in der Schweiz zullissigen Namensschutz
(Wortmarkenschutz)stehen' Trotzdem glaubte der
Bundesrat, den Patentschutz fur solche Erfindungen
ablehnen zu mussen, da eine solche Verteuerung
doch ,,i m m e r h i n zu erwarten" sei. Statt einer
solchen mageren Begriindung hatte man lieber direkt
sagen sollen, daB man eben auch den schweizerischen Apothekerverein befriedigen wollte, ebenso,
wie man den Bestrebungen der Baseler chemischen
Industrie, den Patentschutz fur Farbstofferfindungen
moglichst illusorisch zu machen, stattgegeben hat.
Eine zusammenfassende Betrachtung der neuen
Bestimmungen mu13 zu dem harten Urteil fiihren,
daB der vorliegende Entwurf den Eindruck erweckt,
daB sein Zweck ist, die eingangs erwahnte Bestimmung des deutsch-schweizerischenHandelsvertrages
zwar formell zu erfiillen, im ubrigen aber die chemischen Erfindungen nach wie vor moglichst schutzlos
zu lassen.
Soweit nicht die Sonderinteressender schweizerischen chemischen Industrie in Frage kommen,
sind die neuen Bestimmungen des vorliegenden
Entwurfs zum Teil recht verstandig gefaBt. Meist
hat dabei eine Anlehnung an das deutsche Gesetz
stattgefunden, so heil3t es z. B. in Art. 5, daB die
Wirkung eines Patentes fur ein V e r f a h r e n sich
auch auf die u n m i t t e l b a r e n E r z e u g n i s s e des patentierten Verfahrens erstrecken soll.
Aus Art. 16, Abs. 3, in Verbindung mit Art. 31 Nr. 3
geht hervor, daR ein Patent fiir ein Verfahren zur
Herstellung eines neuen chemischen Stoffes diesen
chemischen Stoff noch in etwas weiter gehendem
MaRe schutzen soll, als das deutsche System. Es
sol1 namlich nach der nicht ganz klaren Fassung
dieser beiden Gesetzesstellen der spatere Erfinder
eines neuen Verfahrens zur Herstellung eines solchen
Stoffes den Stoff nur d a m in Verkehr bringen
diirfen. wenn er von dem Inhaber des alteren Pa-
-
tentes eine Lizenz erhalten hat. Diese Lizenz soll
nur erteilt werden, wenn die splitere Erfindung
,,einen namhaften technischen Fortschritt" aufweist. Als Gegenleistung soll der Lltere Patentinhaber eine Lizenz fur das neue vorteilhaftere Verfahren beanspruchen diirfen. Die Moglichkeit eines
solchen Systems des Patentschutzes fur chemische
Erfindungen ist bekanntlich auch in Deutschland
seinerzeit vie1 erortert worden. Man ist jedoch
heute allgemein der Ansicht, daB unser Patentsystem, gemiiB welchem derjenige, der spater ein
unabhangiges Verfahren zur Darstellung dea betreffenden Stoffes erfunden hat, keiner Beschriinkung durch das friihere Patent, durch welches der
Stoff zuerst bekannt geworden ist, unterworfen wird,
das richtigere ist. Besonders, da man d a m auch der
praktisch sehr schwierigen Festsetzung der Bedingungen einer solchen Lizenz uberhoben ist.
Einem auch schon in Deutschland ausgesprochenen Gedanken entsprechend, sieht der Gesetzentwurf neben einer teilweisen Vernichtung eines Patentes in Art. 13 auch die Moglichkeit eines teilweisen Verzichts, also eine A r t ,,disclaimer" vor.
Wie schon erwahnt, beruht der Entwurf ebenso
wie das heutige Gesetz auf dem reinen Anmeldeprinzip, jedoch soll das Patentamt, wenn es ,,gewahr wird, daB eine Erfindung nicht neu ist", den
Patentsucher darauf aufmerksam machen, wobei
aber dem letzteren ausdriicklich dabei iiberlassen
bleibt, ob er trotzdem seine Anmeldung aufrecht erhalten will oder nicht.
Interessant ist noch die Bestimmung des Art. 21,
:emaB welcher ein Anmelder in dem Zeitraum zwi3chen Anmeldung und Eintragung des Patentes bemtragen kann, das urspriingliche Anmeldungsdntum
iurch ein beliebqea spateres zu ersetzen. Es mu13
Eraglich erscheinen, ob diese Bestimmung nicht m i t
den Vorschriften des Art. 4 der Pariser Konvention
uber die Prioritiitsfristen in Konflikt kommen kann.
Entgegen den mehrfach von der Internationalen Vereinigung fur gewerblichen Rechtsschutz
ausgesprochenen Wunschen sieht der Entwurf in
Art. 29 die Moglichkeit der Entstehung eines Vorbenutzungsrechts in dem Prioritatsintervall des
Art. 4 der Pariser Konvention vor. Im Zusammenhang mit diesem Art. 4 steht dann auch noch eine
Bestimmung (Art. 42, Abs. 2), daB naoh Inkrafttreten des schweizerischen Gesetzes das Prioritatsrecht dea Art. 4 riickwirkend auch fur solche ausliindische Anmeldungen noch giiltig sein SOU, die in
einem Unionslande vor Inkrafttreten des schweizerischen Gesetzes eingereicht waren, und zwar a u c h
d a n n , wenn die betreffenden Erfiidungen bis
dahin in der Schweiz n i c h t p a t e n t i e r b a r
waren. Es ist dies in dem ganzen Gesetzentwurf
eigentlich die einzige Bestimmung, die wirklich einma1 zugunsten der deutschen chemischen Industrie
wirken konnte.
Bemerkemwert ist schlielJlich noch die Hohe
der fur vorslitzliche Patentverletzungen festgesetzten Freiheitsstrafen. Diese geht bis zu einem
Jahre, bei Ruckflillen sogar bis zu zwei Jahren Gefingnis (Art. 32), wahrend bekanntlich der Strafrahmen unseres Gesetzes nur bis zu einem Jahre geht.
Auch ist die Verjahrungsfrist fur solche Vergehen
auf 3 Jahre bemessen, (Art. 40)wahrend bei uns bekanntlich der Strafantrag innerhalb dreier Monate
183*
1412
Eichengriin: Daa Autanverfahren.
gestellt werden muB. Endlich wird der Anspmck
auf Schadensersatz bereits durch ,,fahr&ssige" Be
gehung der Patentverletzung erworben (Art. 33)
wiihrend unser Patentgesetz als Voraussetzung dei
Entschiidigungspflicht mindestens ,,grobe" Fahr.
liissigkeit verlangt.
Ein neues FormaldehydDesinfektionsverfahren, das Autan=
verfahren.
Von Dr. A. EICRENGR~~N,
Elberfeld
1).
(Eingeg. d. 11.16. 1906.j
Genau 20 Jahre sind es her, seitdem 0 s k a I
L o e w im J. prakt. Chem. (2)33, 321 (1886) seine
grundlegenden Versuche uber die Darstellung von
Formaldehyd durch Uberleiten von Methylalkohol
uber erhitzte Metalloxyde ver6ffentlichte und gleichzeitig zum ersten Male darauf hinwies, daD Formaldehyd auf Spaltpilze eine entwicklungshemmende
Wirkung ausube, daR also Formaldehyd ein Antiseptikum sei. Seitdem h a t sich das bis dahin kaum
bekannte und beachtete Produkt zu einem der meistgebrauchten organisch-chemischen Erzeugnisse entwickelt, so daD, wie ich einer Privatmitteilung der
Firma Hugo Blank entnehme, die jahrliche Produktion sich bereits auf 1 Mill. kg beliiuft. Zu diesem
bedeutenden Konsum hat zweifellos die groBe
Rolle beigetragen , welche der Formaldehyd in
der chemischen Synthese spielt, da er im
GroBbetrieb zu einer Anzahl Farbstoffsynthesen
aus der Triphenylmethan- und Akridinreihe,
sowie zur Darstellung einiger neuer Arzneimittel
in wesentlichen Mengen gebraucht wird. Doch
ist sowohl in diesen wie in anderen. Industriezweigen, speziell in der Lederfabrikation, in welcher
er zum Gerben und Harten des Leders Anwendung
findet, seine Verwendung nicht so umfangreich, daR
sie eine Erklarung fur die genannte gewaltige Verbrauchsziffer geben wurde.
Diese ist vielmehr im wesentlichen zuruckzufuliren auf seine Anwendung zu Zwecken der
Desinfektion, und zwar speziell der Wohnungsdesinfektion, 1st doch heute der Formaldehyd
das s o u v e r a n e , ja man kann wohl sagen,
das e i n z i g e Mittel, welches fur diese so uberaus wichtige und segensreiche MaBregel allgemein
benutzt wird. Allerdings hat es ziemlich lange gedauert,bisderdurch die L o e w - und T o l l e n s sche Methode allgemein zuganglich gewordene und
bald technisch dargestellte Formaldehyd sich diese
hervorragende Stellung unter den Desinfektionsmitteln errungen hatte, 1 a n g e sogar, bis man
s e i n e B r a u c h b a r k e i t u b e r h a u p t ane r k a n n t e. Zwar hatte sich der 'flussige Formaldehyd unter dem Namcn, ,Formalin" und ,Formal‘‘
relativ schnell fur die Zwecke der Desinfektion von
Gebraucbsgegenstiinden, fur die Skrilisation, Konservierung und Desodorierung eingefuhrt, zwar
1) Vortrag, gehalten auf der Hauptversammlung des Vereins Deutscher Chemiker zu Niirnberg,
am 8./6. 1906.
[
Zeitschrift fur
angewandte Chemie.
hetten B u c h n e r und S e g a 1 1 schon kurz nach
der L o e w schen Veriiffentlichung auf die hohe
Desinfektionswirkung des Formaldehyds in Dampfform hingewiesen, doch die ersten p r a k t i s c h e n
Desinf e k t i o n sv e r s u c h e wurden erst
v o r k a u m 10 J a h r e n a n g e s t e l l t u n d
fiihrten zu keinem definitiven Erg e b n i s. Der Grund hierfur war, daB sie mit unzureichenden Mitteln, namlich durch Verdunstenlassen groBer Formaldehydmengen auf ausgespannten Tuchstreifen, FlieBpapier, Betttuchern oder in
flachen Schalen, resp. durch Durchleiten eines Luftstromes durch die Formalinlosung oder Entwicklung
des Formaldehyds durch partielle Verbrennung von
Methylalkohol auf besonders konstruierten Lampen
angestellt wurden, wobei naturgemaD die entwickelten Formaldehydmengen zu gering waren.
Als dann T r i 11a t sein Formochlorolverfahren,
bei welchem eine chlorcalciumhaltige Formaldehydlosung aus Autoklaven unter Druck verdampft wird,
veroffentlichte, die Firma Schering ihre handlichen
Lampen Hygiea und Bskulap, auf welchen Trioxymethylen vergast w i d , in den Handel brachte,
Lingner & SchloBmann einen besonderen Apparat,
in welchem eine glycerinhaltige Formaldehydlosung
verdampft wurde, sowie Czapelewski und PrauRnitz Sprayapparate konstruiert hatten, durch welche
die Formaldehydlosungen verstaubt wurden, wurde
die allgemeine Aufmerksamkeit mehr und mehr auf
dm neue Desinfektionsverfahren gelenkt, und es
hauften sich nicht nur die Publikationen uber dasselbe, sondern auch die Apparate und Vorschlige
fur die zweckmail3igste Methode. T r o t z d e m
oder v i e l m e h r g e r a d e d e s h a l b konnte
das Formaldehydverfahren jedoch keinen festen
Boden gewinnen, denn die Publikationen uber die
3inzelnen Apparate im speziellen und das game Verfahren im allgemeinen widersprachen sich derart,
laR w e i t e r e K r e i s e kcin Vertrauen zu dem
letzteren gewinnen konnten, da beispielsweise in der
F u n d a m e n t a1 f r a g e , ob trockener, gasformiger Formaldehyd anzuwenden oder die Zimmerluft moglichst feucht zu halten sei, eventuell sogar
iie Gegenstande kunstlich zu befeuchten seien, sich
lie Ansichten diametral gegenuberstanden.
So lagen die Dinge, als im Jahre 1898
F l u g g e Licht in das Dunkel brachte und mit
:inem S c h 1 a g e den Kampf zwischen dem Formtldehyd einerseits und dem alten Desinfektionsver'ahren (der mechanischen Desinfektion, dem Sublinatsspray, der Anwendung von Chlor, Brom, schwefiger oder gar Salzsaure) zugunsten des ersteren entichied. F 1ii g g e wies nach, daD die groBe Anzahl
ier MiBerfolge, welche bisher mit der neuen Me$ode erzielt wurden, nur darauf zuriickzufuhren
lei, daB Formaldehyd nur bei Gegenwart von Wasser
virke, daR nicht nur eine Sattigung der Luft, eoniern eine gewisse U b e r s & t t i g u n g derselben
iotwendig sei, daD also nicht mit Formaldehydgasen
)der verdampften Formalinlosungen gearbeitet werten, sondern, daB die letzteren noch mit der 3- bis
Lfachen gleichzeitig zu verdampfenden Menge
Nasser verdiiint werden mufaten.
Gleichzeitig gab F 1 ii g g e einen relativ einachen Verdampfungsapparat und vor allem auch
lie Methode an, durch Einleiten von Ammoniakgas
tach der Desinfektion den Formaldehydgeruch
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