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Der Meteorsteinfall von Orvinio im August 1872.

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171
Ansicht auazuaprechen, dafs, wie sehr ich auch das Betlenken gewisser Forscher gegen die alten elektriachen
Fluida wiirdige, die sie selbst bis auf' die Erinnerung
d;rran verbannen mochten, ich es dcnnoch fiir verfriiht
hirlte, die ErklOrurig der Elektricitit und des Magnetismxls
in den Schulen auf neue Theorien zu griinden, welche zwar
i n besserer Uebereinstimmung a d den ubrigen Lehren
erscheinen, aber dadurch iiicht aufhijren blol'se Hypothesen zu seyn, und minder vollstaindig sind als die alten.
Andererseits ist es wohl zu bedenken, dai's die mathem:itischen Gleichungen fur die Elektrictit in Wirklichkeit
der Ausdruck and die Folge einiger festbegriindeten ThatsacLen und duher unahhangig von jeder Hypothese sind;
such hat die Hypothese von den Flussiykeiten nur Redeformen und Benennungen eingcfiihrt, von denen man sich
selir gut wiirde losmachen konnen. Es giebt keinen einsichtigen Physiker, der davon nicht tiberzeugt ware.
Der 21efeorsteinfa!l won Orvinin im
.dugust 1852; aon P h i l i p p K c l l e r .
XII.
A m 31.
August vergangenen Jahres (1872) bei Tagesanbruch 5: U h r wurde in der rijmischen Proviuz, sowie
auch in den angrenzenden Provinzen Umbria, Abruzzo und
Terra di Lavoro tbine F e u e r k u g ~ lbeobachtet, von welcher
Begebenheit sich schon eine Notiz in den Compfes Rendirs
der Pariser Akademie von 16. September 1572 befindet
.Das Ereignirs wird von Augenzeugen in Rom iibereinstim.mend in der folgcnden Weise geschildert. Die Feuererscheinuxig, zuerst klein und einem grofsen Sterne gleichend, war.
von rijthlicher Farbe; sie bewegte sich laugsam von SW.
nach NO. und nahm dabei immer mehr an Glanz zu; sie
lief6 dabei einen leuchtenden weifslichen Streif hinter eich.
172
An einem gewissen Punkt angekomrnen, ging der Glanz
in's blendend Weiiie iiher und bald darauf verschwand
sie, eine leuchtende Wolke zuriicklassend , welche etwa
eine Viertelstunde anhielt ; ihr scheinbarer Durchmesser
beim Verschwinden wird im Allgemeinen wohl iibertrieben
gleich dem des Mondes angegeben.
Ich selbst hnbe das Meteor nicht gesehen, wohl aber
die Detonation gebijr-t, welche fernern lang anlialtenderii
Donner glich. Ich habe viel Zeit daraut' verwandt, urn i n
den Ortschaften im Siideri und Osten Roms Erkundigungen
einzuziehen, :ills welcher sich intiglicher Weise die Bahn
des Metcoriten berechrien lielse, doc11 fiind icli hierin, besonders in Bezug der Zeitangaben, so viel Wideroprechendeb
d a b ich diiraiif verzichten mufste
Es war nicht leicht die Zone ausznmitteln, in welcher
das Phanomcn heobachtet oder die Explosinn gehijrt worden.
Im Sudosten mufs die Grenze weit unter Sora, jedoch
noch oberhalb Neapels lieqen; im Osten wurde das Phiinornen zu Avezzano, am Lago di Fucino, und im Norden
zu Viterbo noch recht wohl beobachtet. I n allen mehr
siidlicli gelegenen Orten wie Sora, Terracina, Velletri, Cori
wird die Bahn als vollkommen gerade angegeben, aber in
dem Maafse, in welchem man weiter nach Nordcn, d. h
X U dem Punkt des Niederfalls kommt, desto unbestiminter
werden die Angaben. Nimmt man aber Alles zusammeii,
SO scheint daraus hervorzugehen, dals die Feuerkugel
zwiachen Terracina und Ncttuno das Festland Italiens erreichte und hierauf, sich ungefiihr von Siiden nach Norden
bewegend, die Richtung iiber Cori und Gennazzano nahm
und dafs die I-Iauptmasse zuletzt bei Orvinio (friiher Canemorto genannt) niederfiel. Es scheint , dafs wenigstens
zwei Explosionen stattgefunden haben. I n den sildliohen
Orten Sora, Cori, Gennazzano wird die Explosion iibereinstimlriend mit einem Kanonenschub verglichen, welchem
ein dumpfes Donnern folgte ; in Orvinio, Pozzaglio, Petescio
hingegen spricht man allgemein von Biillerschiissen (3 bis S),
welche ganz nahe zu seyn schienen und eich deutlich
173
unterscheiden lielben. Hijchst wahrscheinlich explodirte
der Meteorit als er noch in grol'ser Hijhe war, etwa iiber
Gennazaiio (denn bier wird der Kanonendonner als ganz
hesonders stark geschildert) und die Hauptm:isse ihren
Weg weiter fortsetzend, explodirte dann ein zweites Ma]
hei Orvinio: diese letzte Explosion war rbcr selbst wieder
~nehrfach.
Bis jetzt wurden 6 Frngmente dieses Meteoriten aufgetunden und hievon blos zwei im Moirient des Wiederfalls.
No. I wiegt blos 4: Grni., es fie1 bei Gerano; ein I?auer,
l i a f f a e l P r o j e t t i , sah es in geringer Entfernuiig vor
hich mit Gezische niederfallen. Dieses Hruchstuck besitzt
jetzt Herr A l v a r e z in Subiaco. No. 2 wiegt 92 Grni. und
wurde bei La Scarpa von einem Landniann, P i e t r o L a t i n i ,
gefunden; er sali das Pragnicnt in beiliiiifig 10 Meter Entfernung vor sich niederfdlen und hob es nocli lieil's auf;
es befindet sich jetzt in der Steriiwarte des Collegio
Itomano. No. 3 fand Hr. A u g u s t P a n c o t t i aus PozLaglia, als er zwci oder drei Tage nncb dcm Fall von
Pozzaglia nach dern 3 Kilometer entfernten Orvinio ging,
in einer Localitiit Pczza del Melfito genannt. Er w i d e
ituf den Fund durch eiiie frisch aufgelockerte Stclle im
Stoppclfelde aufinerksam und weil er von Augenzeugen
qehort hatte, dals ungefiihr an dieser Stellr ein Blitz iiietlergef'allen seyri solte. Man glnubte niirnlich, sowohl iri
Orvinio als in Poxzaglia, dsl's die ganze Erscheiniing ein
Gewitter gewesen sey , obwohl der Hinimel vollkommeii
woIlcenlos war. Dieses Bruchstiick, welches sich in weniKen Centimetern Tiefe unter dem Boden befand, wiegt
622 Grm., seineExistenz war bisher in Rom ganz unbekannt;
ich horte vor einigen Wochen ganz zufallig davon und
und brachte es kiiuflich an mich. Beim Ausgraben sprang
ein Bruchstuck ab, wie deutlich an dem Bruch zu erkennen ist, der Finder beachtete es nicht weiter; ich kounte
es trotz allen Suchens nicht mehr auffinden; vielIeicht ist
es durch das Umpfliigen im vorigen November in etwas
yrijkere Tiefe gekornmen; aufserdem ist auch die Stelle
~
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jm Inrlern des Feldes nicht mehr [nit Genauigkeit bekannt.
Das Fragment No. 4 wurde ganz riahe bei Orvinio gefunden, etwa 1600 Meter voii Pezza del Melcto entfernt und
zwar ungefihr eine Woche nach dem Fall; es wiegt
12424 &-in. Hr. I h . V s l e n t i n i von Orvinio iibermittelte
es Hrn. S t e p h a n R o s s i ill l i o i n , welcher es noch jetzt
besitzt. Das Bruchstiick No. 5, ebeiifiJls im Besitz des
Hrn. H o s s i , wi.irde g:inz nuhe bei Pezza del Meleto gefiinden und zwar ungef'iihr gleichzeitig mit No. 4 ; es wiegt
433 &n.
Das Rruchstiick NO. G eiidlich fand N i c o l a n s
T a s c h e t t i m i 8. Mai Leirn Uiriarl)eiten des Feldes etwa
200 Meter von No. 4 entf'ertit tirid wurde mir kiioflich
iiherlassen; es wog iirspriinglich 1005 Grm.; es b e f h d sicli
ebenf'alls in ganz geriiiger Tiefe uritcr der Ercloberfliiclie.
Eiii % h i i n , C a r l o B a n a l l i , welclier die Pferde zur Triinkv
fiihrend, sich zur Zeit des "iederfdls ganz nahe an dem
Orte befand, wo diti Frngmente 4 iitid G niederfielen, versicliert , aufser cler Detonation iiocli deutlicli gehiirt Z I I
Iiabt.n, dafs eine schwere Mnsse i n den Boden einschlug.
Er fie1 vor Schreckcn xu Boden; dcr Glaiibe an eincti
L.)litzschlag verhinderte die Nachfimchungen in d m ersteii
Tagen riacli der Bcgebcnlieit.
Ich zersclilug das Fragment No. 6 in drei Stiicke;
das grolste von 735 Grm. Gewicbt sclienkte ich dew
Mineraliencabinet der rijmisclien Universitiit ; eiti zweites
Stuck iiberliefs ich clcm Miner:rliencabinet yon S. Maria
sopra Minerva Das Gesammtgewicht aller bis jetzt gefundenen Fragmente des ganzeti Meteoriten betriigt 3396 Grm.;
hiichst w:rhrscheinliclr war er aber vie1 w-ol'ser und 1.9
steht zu erwarten, dais noch mehr Bruchs7iicke gefiindeii
werden; doch ist diese Auffindiing diirch die ungernciii
bergige Beschaffenheit des Terrains sehr erscliwert. Orvinio liegt etwa 800 Meter iiber dem Meer; doch gibt ('Y
in der Nahe Berge wie Pietrs, Monte Pendente, Cortasole,
die bis zu 1200 Meter hoch sind.
Es bleibt hier noch iibrig zii erwahnen, dafs zur Zeit
des Niederfalls oder wenig spater in einer Scheune zii
Affile, worin Heu sufhewalirt wurde, ein Brand auubracl,,
welcher nach dem allgemeinen Glauben der Leute aus cler
Umgegend durch den Meteoriten verursacht wurde. Doc:li
ist biefur kein positiver Beweisgrund vorhanden und der
gehofie Meteorit wurde beim Wegraumen des Schutt's
nicht gefunden. Affile lie@ etwa 10 Kilometer von Ge-
175
zano im SO. Auf dem KLrtchen Fig. 4, Taf. XI sind die
Punkte, wo die Fragmente nicderfielen, mit grijkerer S(:hrift
bezeichnet und %war mit der ISumnier, wie sie der vorhergehenden Beschreibung entsprechen. Die grofse Nahe
in welcher die Stucke 3, 4, 5 uncl G niederfielen, maolien
es hijchst wahrscheinlich, dafs die letzte Explosion ganz
in der Nahe von Orvinio stattfarid und wirklich wurde
mir auch von vielcn Personen in Orviaio und Pozzaglia
versichert, ganz deutlich gesehen zu haben, wie die nocli
!euchtendeu Stucke in dem Thal, welches die beiden Ortschaften trennt, nacfi allen Riclitungen zerstiiubend nicderfielen. Die Fallgeschwindigkeit mufs verhiiltnil'sm5lYig
klein gewesen sein. denn keins der gefiindenrn Briichsttieke drang tief' in das Erdreich ein. Blos von No. 2
ist die Warme im Augenblick des Niederfallens thatsiichsaichlich constatirt und bei No. 4 fand man das Gras umber
theilweise versengt.
Das bisher gesagte ist AIl(~s,was ich auf rneinen wiederholteo Excursiouen zur Auffindurig dieses &teoriteli
ermitteln konnte ; sollten sicli noch weitere Urriclistiicktfinden, so werde ich davou Nachricht p b e n Iu Bczr~g
m f die mineralogische Beschaffenheit 1U'st sic11 folgendes
sagen. Die versehiedenen Bruchstiicke gleiclien sich in
ihrem h f s e r n Ansehen vollkommen, sie brsitzen die folgenden specifischen Gewichte :
No. 1
3,65
No. 2
3,73
j
;
No. 3
3,64
I
:
I
No. 4
3.70
No. 5
No. 6
3,5s
Wenn man bederikt, wie weiiig ho1nogen die htlrssc.
dieser Stucke ist, 60 ist zu rerwuiidern, daIs diese Zahleii
nicht mehr von einarider abweiclien. Die Fr:tgmeiite :-i
und 6 (welche ich naher beschreiben kann) haben beidti
eine hochst unregelmiihige Form, die sich auf kein geometrisches Gebilde zuriickfiihren Iaibt. No. 3 ist etwa
8 Decimeter lang, 7 Dec. breit und 7 Dec. hoch; sein
Volum betriigt 170 Cub. Dec. No. 6 , als es noch unversehrt war, hatte etwa 11 Dec. Lange, S Dec. Dicke und
5: Dec. Hohe; das Volum betriigt 2SO Cub. Dec. Sit!
besitzen beide theilweise die bekanntr? sclwitrze Kruste,
welche den Meteoriten eigen ist und welche wia mit dem
Daumen in cine weiche Maese ebgedrilckte Vertiefungen
zeigt. Die Dicke der Kruste ist sehr gering und betriigt
wohl weniger als Mm.; ihre Farbe ist pechschwarz, theils
176
wachsartig schimmernd. No. 3 zeigt an einer Stelle seiner
Oberflache eine Menge weilser Flecke, welche nur mit
geringer Kraft anhaften und wohl nichts weiter sind als
Kalktheilchen des Erdreichs, welche sich in die weiche
Kruste eiiidriickten als der Stein niederfiel. Die Grundmasse der Steine lafst eine Menge verschiedenartiger
Korper wahrnehmen. Sie ist im Allgemeinen von bleigrauer Farbe uud dunkler als die Masse der Meteorsteine
von Monte Milone, Pultusk und Aigle, wovon Exemplare
in dem Mineraliencabinet der Universitat auf‘bewahrt werden. Aucli ist die Kruste schwiirzer als die dieser letztgeiiannten Steine und zugleich viel unebener.
Das von No. 6 abgeschnittene und geschliffene Stuck
zeigt, wie in der Grundmasse eine Menge weikr, kleiner
metnllischgliinzender Kiiriichen eingesprengt ; das @Me
hat etwo 2 Mm. Durcliniesser. Aul’ser diesen Kornchen,
welche vermutblich nickellialtiges Eisen sind, sieht man
noch einige kleine griinc Krystdle , vielleicht Olivine,
welche in Meteoriten so Iihfig vorkommen. Aufserdem
zeigt noch der Schliff, dafs die Grundmasse nicht uberall
von derselben Beschaffenheit ist ; man uiiterscheidet deutlich zwei vrrscliiedeue Grundmassen, die eine heller und
gleichf’ormiger, die andere dunkler und weniger homogen.
Das Ganze ist von einer Menge Risse durchzogen.
Die Steine besitzeii eine ziemliche Hiirte , der Quarzsand eignete sich wenig zum Zerschneiden, doch ging
dieses Geschiift mit Smirgel gut von Statten. Die M i m e
ist nicht selbst magnetisch, wird aber stark vom Magnete
gezogen.
Ueber die chemische Beschaffenheit kann ich bis ietzt
nur so viel mittheilen, dafs Eisen uiid Schwefel in” der
Masse enthalten sind. Herr C a m p b e l l , Assistent am
pb ysikalischen Cabinet der Universitlit wird die Giite
haben, die Analyse wiihrend der jetzigen Vacanzen vorzunehmen und sie zu iiberschicken.
R o m , 5 September 1873.
A. W . S c h a d e ’ s Buchdruckerei
(L Schade)
it,
Barlin. Btallscbreibarstr. 47
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