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Der See bei Salzungen und Einiges von Erderschtterungen in Thringen.

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ANNALEN
DER PHYSIK UND CI3EMJ.E.
J A H R G A N G 1830, ACHTES STOCK.
I. Der See bei Snlzungen und Riniges von
Erderschiitterungen in Tliuringen;
con K E. A. v o n H o f f .
(1Iierzu Taf.
IV.).
Nnchrichten von gewissen Bewegungen, die man an cinem
See bei der klcineii Stadt Sakimngen, ziirvcilen gleichzeitig init Erderschutterungen entfernter Gegenden, wahrgeiioinweu haben will , veranlafsten mich vor einiger Zeit,
nahere AuPlilarung iiber diese Erscheinuugen zu suchen.
W a s ich dariihcr auf lniiglichst sichcrein Wegc habe erfabren kl)nuen, ist zwar nicht viel, doch vielleicht nicht
ohne alles Interesse. Dalier nehlnc icli lieinen hnstnnd,
solches hier mitzutheilen, wid einige eigene Wahrnclimt&
gen iiber die jiufscre Beschaffcnheit des See’s hitizuzuthun. Diese letzteren sind das Ergebiiifs einer Besichtigung des See’s, die icli in den letzten Tagen des verflosseiicn Mailnonats vorgenoniuicn habe.
Srslzluigeiz, bekannt durch ein uraltes Salzwerk, liest
auf dein liiilien TJfer der Werro, in dem Lande des Herzoglichen Hauses Sacliseii-Meiningen. Die Stndt ist an
cine kleinc Anliiilie gebaut, die sicli aus dein Thale dcr
niirdlich vorbeiflielenden Werra sanft gegeii Suden erAnn31.d.Physik.Bd.9j.St.Q.J.1&30.St.8.
Ff
450
hebt. Der hbchste Theil der eigentlichen Stadt, bei dem
AbHusse des See's, liegt 20 bis 30 Furs iiber deui Spiegel
des Flusses. Vielleiclit 40 Furs liiiher liegt das Schlol's
Schticpjenbzirg und noch eine kleiiie Vorstadt.
Die Fclsart riiigs urn die Stadt, uild uberhaiipt zu
beidm Seiteu der Werra, von Wal&orf bei ~ I c i n i ~ c n
an, bis xiach Vuch ti. s. w. hinab, ist - den von Alluvionen bedeckten Boden des Werralhales ausgenomiiien - der bunte Sandstein, aus welchem sich in Siideii
und Norden einzeine Busaltkuppm erheben. In Ost und
Nordost, ungefiihr 1 Meile von Salzungen, erhebt sich der
Furs des Thiiringer Waldes mit Felsarten Slterer Formationen.
Sudlich von der Stadt, also am hochliegenden TlieiIe
derselben, liegt der See. Die Grtifse seines Wasserspiegels wird verschieden angegeben; die wahrscheiiilichsten
Angaben aber bestiinmen sie zu uagefiahr 40 Meiningischen
Acker Laudes, d. i. 102500Quadratmeter oder lo+ Hectaren *>. Dieser See liegt nicht, wie gewtihnlich See'ii lie") E i n Meiningischer A c t e r hslt 160 Quadratruthen, die Huthe zu
14 Niirnberger Furs. odrr 1881,5 Duodecimal-Linien altes Pariscr
S r Ii u It es ( H i s t o r i d stutistischc B r s c h r r i l i m g der
g e f l i r s t e t m Grufschuft Hrnnebcrg, Th. 1. S.39.) giebt drm See
eincn Gelialt von 83 Acker. Dieses ist jedoch rin olfrnbarer
Sclireib- o d r r Druckfebler, dcr selir wahrscheinlich aus der Angabcvon39Acker entatanden ist. Lctztere findet sich bei J u n e t e r
i n seiner ( n u r in dcr Handschrift vorltandenen) Beschreibung
dieser Grafschaft. Diese Handschrift ist, w i e m i r wolrl beliannt
ist, von S c l i u l t e s bcnutzt worden, und ich selbst h a l e sic v u r
mir, da ich dieses schreibe. Sie riilrrt aus den ersten Jaliren der
aclltzehnten Jahrhunderts her, und man fiudet das S8here iibrr
diese h r b e i t und iiber den Verfasser dessrlben in S c h u l t e s
diplomutisther G'cschicftte d r griij2.
~
Huuses Henneberg, Th. 1.
V o r r e d e S. XIII.
In der Beseliiribung dcs Amtcs Salzungen,
die in der Llitte des siebrelinten Jaliiliuiiderts, a u f Berehl des
Herzogr E r n s t des Fronmcn (zugleicli mit den Uesrlircibuugen
allcr diesem Fiirsteii untcrworl'enen Aemter), gcfcrtigt w o r d e n
ist, und die ich gleichfalls vor mir Iiabc, wird dcr Yliclieninlialt
zu 60 Acker angegebcn; doch heifst es dabei ausdriicklich cceiner
Maafs.
-
-
451
gen, in eineln Thale, ond wird auch nicht. durch die Gewssser eines Thales genjihrt, sondern er lie@ auf einer
Anhahe zwiscben zwei flachen Thiilern. Eines .derselben
befindet sich im Westei:, und darin fliefst ein unbedeutender Bach, der Arrnbach genannt, durcb die westliche
Vorstadt von Salzungen der Werra eu. Oestlicli uiid
etwas weiter entfernt fliett ein schon ctwas stsrkerer
&ch, die Sorge, ebenfalls in die Werra. Dieser letztere
6 r d noch durch einen aus ,dem Armbach abgehenden,
md iin Siiden vom See voriiberfliefsenden Ann verstarkt;
so dafs der See, auf einein von allen Seiten von Vertiefuiigen umgebenen flnchen Hugel liegt. Die diesein hufsatze beigefiigte Zeichiiiing (Taf. IV. ) inacht diese Lage
deutlich. Die Form der Wasserfilche ist nach eineni in
J u n c k er's Beschreibung befindlicben Grundrisse dargestellt, und die Zeichnung des iimgebenden Terrains beruht auf meiner eigenen Anscbauung.
Das eigentlicbe Wasserbecken ist von einer fast kreisrunden kesselfijrinigen Uinwallung unigeben, welche im
Iniiern von allen Seiten, die Nordseite ausgenommen,
ziemlicli steil emporsteigt, am h6chsten Punkte in S. und
SO. (11der Zeichnung) zu 80 bis 100, an der West- und
Ostseite nur zu 30 bis 50 Fut. An der Nordseite hingegen befindet sicli in dieser hohen Uinwallung eiiie 100
bis 150 Schritt offene Liicke, und auf dieser Strecke ist
der See nur von cinem 10 bis 12 Fiifs hohen Rande eingefafst. Langs dieser Lucke treteh inebrere Gebaude der
Stadt bis in die Nrhe von 4 0 bis 50 Schritt an den See
heran, und dort (bei F) hat er seinen Abflub, der durcl:
die Stadt gebt. Vom See abwsrts, und zwar nach allen
Seiten verflscht sich die Uinwalluiig mehr oder weniger
sanft gegen die obenerwiihnten Thder.
Unmittelbar neben dcr Lucke im Nordrande, an der
Enrllich giebt densclben Hr. L u d w i g B e c h s t e i n
auf 40: Acker an; a. Allgem. An;e&r
der Deutschen. 1828.
Sage n a c l i . ~
No. 239.
Ff2
452
Westseite (bei C), bildet die innere Seite der UmwaE
lung eine 30 bis 40 Furs hohe, vSllig senkrechte Felswand von horizontal-geschichtetcin Sandstein; auf dieser
steht das Schlok Schnepfcnburg. Weiter siidlich fiihrt
eiii steiler W e g aus dein obereii Theil der Vorstadt nach
deui See hiiiab, mid dort f ~ l l tdiesem der Abflufs eiiies
auf der Hiibe angelegten Brunnens zu,
der einzige
Wasselziiflufs, den der See von aufsen erhdt. Mit ungefiihr gleicher Neigung, wie der erwahnte steile Weg,
zieht sic11, immer b6her werdend, die Umwallang des See’s
nach Siiden hin, und ihre innere B6schung fallt auf dieser Strecke ganz in den See hinein, ohne dafs ain Ufer
eine Fliiche fiir einen W e g iibrig bleibt, bis sie in Siiden den hbchsteii Prinkt erreicht. Dieser Strich wird der
Seeberg genannt; sein hiichster, sudlicher Theil ist rnit
sehr freundlichen Anlagen .geschiniickt, yon deren hsheren
Punkten inan einer herrlichen Aussicht geniefst iiber den
See, die Stadt, das Thal der Werra, bis zum Thiiringer
W a l d e u. s. w.
Am siidlichsten Punkte sieht man wieder cine senkrechte Felswand von horizontal-geschichtetem Sandstein.
Diese kriiinlnt sich halbmondfiirmig urn eincn kleinen Kessel herum, der als ein Anhang des grbfseren Kessels des
See’s erscheint ( H ) . Dieser kleinere Kreis ist ein Steinbriich, daher bleibt es ungewirs, ob dort die seiikreclite
Felswand jemals bis an den See vorgetreten ist und seine
natiirliche Einfassung mit hat biltlen helfen, oder ob dort
die W a n d vormals eben SO schriig abgedaclit gewese;:
ist, wie weiter westlich und ostlicb, wid nlir durch das
Brechen der Steine in cine senkrechte verwandelt lvorden ist?
An der Ostseite des See’s ist die ‘IJ~nwallungniedriger- als in Siid und West, and .zwischen ihrem Fufse und
dern See befindet sich ein brciter ebener Falirtieg.
Der fast kreisrunde Kesscl oder Trichter, den die
den See umgebende Anhohe bildet, giebt der Gegend ein
-
453
eigenthumliches Ansehen. Man kann nicht anders a h verlnuthen , dafs diese ganze trichterftirmige Vertiefung, und
der See selbst, ihr Daseyn durch einen grofsen Erdfall
erhalten haben. Bur See’n, die auf diese Weise entstanden sind , oder deren Entsteliung inan init Wahrschehlichkeit einem solchen Ereignisse ziiscbreiben kann, haben
eine ahnliche Form. Man erkeiint diese Gesta1t.z. B.
an den wabrscheinlich aus eingesunkenen Vulcan-Kratern
entstandenen See’n zwisclicn Neapel und Pozzuoli, wie
Agnuno, Astroni, Porto Puuonc uiid Auerno. Die Abbildungen, welche H a 111 i 1t o n in seinen C a r p i phlegrei
von diesen See’n gcgeben hat , zeigeu vide Aeliiilichkeit
lnit dein See von Salzungen, uiid zwar besondeis die auf
Taf. XXIX. gegebene Abhildung voin Avcrner See, der
dem Salzunger sehr alinlicli ist, nur aber, wegeii der bedcutendcrcn Hiihe dcr Uinii allung, eincn miiitler beiteren
Anblick gewahrt, als diescr.
Die grijfste Tiefe .des Sees wird von J u n k e r auf
92 Furs angegeben. Diese Tiefe soll er in der Bhhe dcr
Felswand linter dem Schlosse Schnepfcnburg (bei E )
aiif einem Rauiiie voii 4 bis 5 Ackcrn Iiabcn; der ubrigc:
siidlichere Tbcil des See’s soll 18 bis 20 Furs ticf seyn.
Seiu Wasserspiegel liegt 22 Fufs hoher als der Spiegel der Werra bei inittlerciu Wasserstande.
hi dein Steinbruche am siidliclicn Ende cles See’s
(H) bcfifidct sich iioch ein kleiaes Wasserbecheii, weldies die Tei@sg?xSe, auch Tcufelskuutt. genannt w i d .
\Vie es mir scliicii, licgt cler WasserspieScl rlesselbeu noch
uiii etwas hiiher, als dcr des See‘s. Dieser Tiimpfeel war,
nach J u n k e r ’ s Bcricht, zu desscn Zeit 1 hcker grofs,
und war iin Boveinber 15S6, 120 Fufs, hundert Jahre
spiiter aber nur 7.2 Furs ticf gcfunden worden. Jetzt ist
seine ‘l’icfe wahrsclieinlicli nocb geringcr, da iiiaii ilin mit
dein Scliritte BUS dciii Stcinbroch auszufullcn beiuuht ist
Ohne Zwcifcl steht die Eiitstehuiig dieses kleinercu Bekkcns wit der des SCC’Yin dcr cngstcn VcIhindiuig. Die
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grofse Tiefe des erstern gentigt auch wohl, die oben angerege Frage zu beantworten, ob die Felswand am Steinbruche nattirlich odcr kiinstlich sey? Der natiirliclie Erdfall hat dort die erste Veranlassung und Bequemlicbkeit
zur Anlage des Steinbruchs dargehoten.
Da dcr See von aufsen her keinen andern Zuflufs
hat, als den Abfall von eiiiem ‘auf der westlichen Umwallung bestehenden Brunnen, und dagegen einen starken
Abflufs, der auf die Werke der Saline geleitet ist, urn
dort die Rider zu treiben, so ergiebt sich von selbst,
dafs er sein Wasser aus Quellen innerhalb seines Bekkens iind auf seinem Grunde erhalten mufs. Diese @ellen sind salzbaltig; der Salzgebalt betriigt 3 bis 5 Grad
in dem Wasser, das aus den tiefsten Stellen dcs See’s entnommen wird. Es sol1 auch etwas SchwefelwasserstofE
beigemischt entbalten *).
Zwischen dcm See und der nbrdlich von der Stadt
Snlzungen vorbeifliefsendcn Werra kann, bei der Lagc
seines Wasserspiegels iind den tibrigen Verhiiltnissen,
wohl schwerlich eine Verbindung stattfinden. Elier kann
man eine solche zwiscben dcm See und den Salzbriut-.
Tien voraussetzen, die zwiscben dem Sce und der Werra.
liegen, uud von denen die meisten mit dem erstcn gleiches Niveau haben sollen. Drei diescr von Tage herein
im bunten Sandstein stehenden Brunnen sind nur 18 Fufs
tief, ein viertcr bestcht aus einem *Bohrloche Ton 96 bis
100 Fufs Ticfe. Ich bedauere, dafs ich nicht habe er-.
fahren kiinnen, in welcher Felsart das Tiefste dieses letztern steht.
J u n k e r sagt: dafs das Wasser des See’s jahrlich im
Frlihliiig sich ganz griin fsrbe, dafs diese Erscheinung von
dell Anwohuern das Bliihen des See’s genannt werde, und
dafs sie nur kurze Zeit dauere. Nach den von mir eingezogeiren Erkundigunpen findet diese Farbu~igdes See’s
auch jetzt rioch zu Ende des Mai oder Anfang des Junius
*) Dorfseitung. 1530. No. 14.
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daft, aber nicht in jddem Jahre. Sie son sich immer fast
pliitzlicb, oder docb in sehr kuner Zeit entwickeln. Von
dem Ausdruck sder See bliihet)) will aber in Salzungen
jetzt Niemand mehr etwas wissen. Dem Grnnde dieser
Erscheinung bat man noch nicht naher narligeforscht ; indessen Iafst her Umstand, dafs 'sie nn eine geivisse Jahreszeit gebunden ist, einen vegetabilischen Proceb als die
Usnclie derselben verinuthen. Vielleicht liefern Pflanzen,
die im See selbst wachsen, den fjirbenden Stoff. Wahrscheiiiliclier wenigsteiis ist dieses, als dafs er durch den
Wind aus Waldungen in den See gefulirt werden sollte;
denn theils befinden sich hienu keine Waldungen nahe
genug, theils wiirde inan einen solchen von fern hcrgofiihrten Stoff nicht blofs im See, sondern aiicli in deli
Umgebungen desselben und in andercn Gegcndcn, wohin
der Wind ihn fuhren ki)nnte, wahrnehinen.
Ueher die aufserordentliclien Erscheiiiun~enund Eewegungen, die man zn verscliiedenen Zeiten im See walirgenommen liat, finde icb folgende Nachricbten:
1.
I m Jahre 1670, im Winter, war der See auf einmal
ganz blutroth gefhrbt. Diesc Nachricbt gieht J u n k e r in
seiner melir erwahnten Schrift. In Beziehung auf das
Ton ihin nngefuhrtc Jabr aber setzt er hinzu: crwenn ich
inich rccht erinnere.jn Da er bestiinint angicbt, dafs die
Erscheinung im Winter wahrgenoinmcn worden sey, so
kanii sie wold kauu fur die Folge eiiies veKetabilischcii
Processes angciioiiiinen werden, wie die Fiirbung dek See's,
die sich haufig im Mai und Junius ereignete.
2.
Am 1. November 1565, am Tagc des grofssai Erdbcbclls voll Lissubol~,sol1 cIcr See in nuffaIIende ~ e w egiing gcrethe~i seyu. Diese Erscheiuung liat Aufsehrn
gemaclt, unmd cs wird derselbeii in verschiedenen der vie-
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kn Schriften gedacbt, die .iiber jenes Erdbeben kun nach
demselben erschienen. K a n t , in .der seinigen *), sagt:
Dafs das Wasser eines See's bei Meiningen an diesem
"age sich in verborgene Kliifte verlaufen Iiabe, aber bald
wieder gekolnmen sey. Da Salzungen nicht weit von
Meiningen liegt und zu dem gleichnainigen 'Furstenthum
gehiirt, auch andere Nachrichten die Ersclieinung von dein
See bei Salzungen berichten, so ist wahrscheinlich, dafs
auch K a n t ' s Nachricht sich auf diesen See Lezieht. Eine
audere Schrift aus dieser Zeit**) enahlt, dafs zur Zeit
des grofsen Erdbebens zu Lissaboil ( T a g und Stunde
sind nicht angegeben) der Abflufs a m deni See, der das
Had des Gradirwerks treibt, seiil Wasser verloren habc;
dafs darauf das (folglich gcsunkene) Wasser voin See
mit Brausen und mit Schaum bedeckt mieder gestiegen
sey, und zwar bis iiber seine Ufer. S c h u l t e s *) sagt:
Am 1. November 1755 sey das Wasser im See auf cinma1 mit furcbterlichem Getiise zuriickgetreten , und seine
Hahe habe in der Geschwindigkeit so abgenommen, d a k
man am Ausflusse den trocknen Boden gesehen habe.
Nach Verlauf weniger Minuten sey das Wasser mietler
mit solcher Heftiglieit emporgestiegen, dafs es iiber den
am Ausflusse befindlichen Recherr hingeschossen und der
Stadt eine Ueberschweminung gedroht habe. Ferner sey
nocb einige Minuten spZter ein zweiter brausender Ruck*) Geschiehte und Naturbescbreibung der merkwtirdigsten Vorfille
des Erdbebens, welches an dem Ende des l i 5 5 s t e n Jahres einen
grofslcn Theil der Erde erscliiittert hat, V. RI. I m m a n . Bant.
KBnigsberg. 1756. 4. S. 11.
**) Brtraclitung iiber die Ursaclien dsr Erdbeben und bisherigen
Witterung, nebst einer historiscl~enErtSlilung vnn den Erdbebcn und von den rnerkwiirdigen V'arserLewegungen unserer Zeiten. Leipzig. 1756. 6. S. 100.
"') Historischc statist. Beschreibung der gefiirst. Grafschaft Henneberg. Th. I. S. 39.
Er citirt Ada Historic0 ecchsiasfica,
oder Nachrichten yon den neuesten Kirchengeschiclrtcn. ( Wei-
-
mar.) Bd. 20. S. 2i4.
457
gang des Wassers, und dieses abwechselnde Sinken und
Anschwellen des See’s iiberhaupt in einer Viertelstunda
dreimal erfolgt. Dicse Begcbenheit, $ie man sich mit
dem Erdbeben in Lissabon in Verbindung gcdacht habe,
bafte das Ausschreiben eines auterordentlichen BuCstages
in dem Meinin$schen L a d e veranlafst. Aus dieser Erzzhliing von S c h u l t e s ist das geschiipft, was H o f f und
J a c o b s in die Beschreibnng dcs Thiiringer Waldes Th. 1.
S. 65. aufgenommen habcn. Wolier aber S c h u l t e s diese
so ausfuhrliche Beschrcibimg des PhSiiomens erhalten haben mag, ist mir unbekannt ; vcrmuthlich aus miiudlichen,
iiberladenen und viellcicht niclit ganz treu im Gedachtnifs behaltenen Traditionen. In der von ihm angefuhrteq
Quelle wenigstcns steht von dicscm Allen, ja von deln
Phinomen selbst, nicht ein Wort. Sic enthdt blocs die
Henogliche Verordnung wegen des Bufstages, und in dieser wird als Motiv uur im allgemeinen die Erscheiniing
von Erdbeben in mchreren LhdErn und auch irn deut-1
schen VaterZande angegeben.
Im AZLgernehen Anzeiger 1828, No. 20. S. 206., wird
die Erscheinung vom 1. Nov. 1735 auf folgende Art beschrieben. Das Wasser bildete nacb dcr Mittc dcs See’s
zu eiiien triclterfiirmigen Wirbel, und trat yon deln Ufer
zuriick; bald darauf sprudelte es mit laiitem G e t h e wicder empor i cntwurzeltes Schilf und schmutziger Schaum
bedeckten die Wasserflache, ziigleich wurdcn Erdslofse
fiihlbar und der Thiirmcr stiirmte. Dicses bericlitet e i s
Bewohner von Salzungcn , If. Ludwig Bechsteih, nach
der Erziihliii~g cines wiirc1ii;en Greises, der gewifs Glaubell verdicnte, und der als Gnabc Zeugc, dcr Begebenhcit
gewcsen mar.
Ails dcr Dorfzeitung 1530, No. 46., mufs,
man schliefsen, d a b clieser Zeuge dcr im Jnlire 1526 im
84steu Lebensjnhre gestorbene Keclor S c hw e r d t gewesen ist.
In demselben Stucke der Dorfieitung ivird nocli cin
andcrer Zcuge aiigcfiihrt, ails dcsseu Munde wenigstens
(1
1)
458
Aeltern jetzt lebender Personen die Beschreibung des Ph3nomens vernoinmen haben: - Ein Musicus Namens Vo1k e r t , dcssen Wohnung, dem See ganz iialie, den Blick
auf denselbeii gewiihrte, und der die Bewegungen des
Wassers, bei hellern Mondschein, aus seinem Fenster
deutlich gesehen haben soll.
Ich habe versucht, mir uber die Einzelnheiten der
Erscheiuiing voin 1. November 1755 nahere und zuverlassigere Nachrichten zii verschaffen. Doch meine Nachforschungen bei mehreren unterrichteten und einsichtsvollen Miinnern in Salzungen und Meiningen, und ineine
Versuche, amtliche Nachrichten daruber ails dortigen Archiven zu erhalten, sind vergehlich gewesen. Die Archive
zu Salzungen sind durch einen Brand, der im Jahre 1786
fast die ganze Stadt einlscherte, zum grbfsten Theile zerstOrt worden. Alle oben mitgetheilten Nachrichten iiber
den Gang der Erscheinungen sind anbefriedigend, zum
Theil unwahrscheinlich, und ziim Theil offenbar unwahr.
Schon uher die Stunde, in welcher sie sicli zeigte, herrscht
Ungewifsheit. Einige Nnchrichten sagen, es sey in Einer
Slunde mit dem Erdbeben zu Lissabon geschehen; dieses
erfolgte 9 Uhr 50 Miniiten Morgens (Lissabooer Zeit).
Weiiii es gegriindct ist, dafs die ganze Stadt Salziingen
dariiber in Unruhe gerathen ist, dak die Sturi;i$oclie gezogeii worden ist, dafs man die dreiinalige,' und zwar in
Zeit von niir Einer Viertelstunde beendigte 13ewegung
des See's so genau beobaclitet haben will, so mufs innn
allertlings glauben , dafs die Ersclieinung sich wenigstens
am helleii 'rage ereignet hat; deun nur sdir w-enige Hauser des Stadtchens liegen SO nrrhe bei dein See, dnrs man
ails denselben, zu einer Zcit, in welcher dic ganzc Einwohnerschaft in ihre HSuser zuriickgezo;;en zu scyn ytlegt
(wic in eiiier Novembemacht), irgelid eine Bewegung im
Sce hatte beinerkcn, oder gar von Anfang bis zu Ende
beobaclitcn hiinuen.
Nun enahlt aber gerade dcrjeiiige Augeuzeuge , von
459
dem der nmstfndlichste Bericht fiber die Erscheinung herriihrt
Volkert
(Dorfzeit. No. 46.): die Begebenbeit habe sich ereignet k u n darauf, nac,hdem er zu Bette
gegangen sey, und er 5ey durch ein Gerausch veranlafst
worden, aufzustehen und an sein Fenster zu gelien, von
ivelcbcin aus er, be; hellem Mondschein, Alles beobachtet babe. Diese hussage ist inehr als verdschtig. Ich
habe mir das Haus und die Fcnster zeigen lassen, aus
welcheu Vol k e r t diese Wahrnehmung geinacht haben
soll. Das Haus liegt nicht unter fuiifiig Schritt voin niirdlichen Ufer des See's entfernt, und die helleste Vollwonds~
nacht wiirde erforderlich gewesen seyn, um aus diesen
Fenstern irgend cine Bewegung h See, odcr gar einen.
aus seinein Grunde vorragenden Felscn erkeiinen zii koiiBen. Ini Jabre 1'7% aber ficl der Ncumond auf den 4.
November; wie ist es dalier zu glauben, dak in einer
Norembernacht, drei oder vier Tage vor dem Neumond,
da nur bei unbewiilktem Hinimel in den friihesten Morgenstunden eine sehr lileine Mondsichel siclitbar gewesen
seyn konnte, eiue solche Wahmehmung aus der Ferne
batte gemaclit werden kiinnen!
Der eigcntliche Hergang bei dieser Erscheinung bleibt
daher, uieines Eraclitens, noch iinmer ungemifs ; indessen
ganz bezweifeln miiclite ich sie doch niciit, da tlas Geriicht davon allgeinein als wahr angenoininen gewesen zu
seyn sclieint, und sich inehrcre gleichzeitige Zeugen dafiir,
aber kein einziger gleichzeitiycr Widerleger dagegen erklsrt haben. Dicscr Unistand inufs einigen historischen
Glauben begrunden. Als thatsHchlicli sclieint inan annehmen zu durfen: dafs am 1. November 1'795 im See bei
Salziingen eine ungewviihnliche Wasserbewegnng statt gefundcii hat. Die bewalirlieiteten Uuistande dabei diirfen
scyn : 1) Ein pliitziidies Sinlien des Wasserspicgels, wodurch der hbflufsgrabeu von Wasscr gclecrt, und das davon getriebene Rad des Gradirwerks zuin Stillestehen gebraclit worden ist; 2) eine Wiederkehr des gesludsenen
-
-
460
Wassers mit Gerlusch; 3) die Bedeckung des wieder
gestiegenen Wassers rnit entwurzelten Wasser-Pflanzen,
Schaum u. dergl.
Ungevvifs blciben: die hnzahl dcr
Wiederholungen dieses Phhomens, die Walirnchmungen,
die inan auf dem Grunde des See’s gemacht haben will,
und die Tageszeit.
-
3.
*Am 13. December 1827, in den Nachmittagsstunden, gingen zwei Dienstmiitlchen von Salziiiigen zu deni
nalie an dem niirdliclien Ufer des See’s gelegenen s o p
nannten Seebrunnen, um daselbst Wasser zu bolcn. Als
sie auf dem schmalen Pfade zwisclien dem Sce und der
das Ufer an dieser Seite begranzenden Felnvand (zwiund E ) hingiogen, wurden sic durch ein pliitzsclien
liches und starkes Gerausch, das sich in der Mitte des
See’s wahrnehinen liefs, erschreckt. Es mar, nach ihrer
Angabe, als ob ein grofser Stein in das Wasser gevorfen worden ware, und sie bemerkten eine wogcnde Bcwegiiug. des Waasers. Beide eiltcn, BUS der iushc des
Sec’s zu komrnen, und schlugen aus Furcht eiiieu. anderu
Ruckweg ein *).i
c
4.
aNach lange anhaltender, unbestiindiger und regnerischer Witterung, und nachdem es noch am 16. August
1829 fast den ganzen Tag geregnet hatte, auch in der
Nacht vom 15. zum 16. heftig gestiirmt, war der 17.
(Sonutag) sehr angenehm, und dein heitern Tage folgtc
eiil noch schiinerer Abend: Dcr Hiinmet mar bciiinlie
gnnz molkenfrei, die Luft ivnrm, und der See spiegclslatt,
von keinelu Liiftchen bewegt. Dic romantisch schiiiien Unigebungen des See’s, verbunden mit inehreren geschmack*) L u d w i g B c c h s t c i n im Allgem. Anzeiger 1828. No. 20. S. 205.
und K a s t n e r ’ r Arcliiv ftir die gesaruinte Iiaturlehre. Bd. 13.
S. 50.
461
vollen Anlagen, sind an heiteren Sommerabenden immer
von vielen Spaziergiingern belebt, und so wurde denn,
zuerst von Einzelnen, dann von Mehreren, urn 7 Uhr,
dicht am niirdlichen See-Ufer, gleich da, wo man zur
Seepforte heraustritt, eine auffallende Beiwgring des Wassers benierkt, die bald Hundertc von Zuscliauern kings
dem Ufer versammelte. Man gewahrte eiii zietnlich he€tiges Aufsprrtdeln, das aber in seiner ganzen Stsrke, wo
es dem Kochen der Soole in einer Salzpfanne glich, nicht
laoge anhielt; dann war es nur eiii sanftes Einyorquellen,
welches bald starker, bald schwscher in einem Uinkreise
von 12 bis 18 Schritten an verschiedenen Stellen nahe
dein Ufer sich zeigte, bald kommend, bald verschrvindend,
bald in einzelnen Luftblasen, die aus der 'l'iefe stiegen,
sich vers-ichtbarend. In einer Entferuung voii etwa 50,
und in einer von etwa 100 Schritten in den See hincin
sab man Stellen, 11-0 dieselbe Erscheinung statt fand, und
zwar so, dafs die Wallung heftiger an diesen Stellen
wurde, wenn sic am Ufer nacliliefs, und umSekchrt; jedoch ohne regcltnafsiges Zeitmazfs. Unzlihliche Luftblasen ylatzten auf der Obcrflsche, dafs es'in einiger Entfernung schien, als regne es auf dein See. Schmntziger
Schaum und Holzfraginente von vielein dort in den See
geworfenen Schutt schwamtnen auf der OberflScbe.~*
ccNaclidem diese Erscheinuiig schou iiber eine halbe
Stunde gedauert hatte, bestiegen der Rathsmeister und
Apotheker B r i i c k u e r upd ich eine Gondel und fuhren,
da die Wallung a m Ufcr zieinlich nachgelassen batte, nach
der Stelle des See$, ivo sie sich etwas starker noch zeigte.
Das Therinoineter in die Oberflkhe des Wassers gehalten, zeigte +17" R. Wir befestigten eiue Glasflasche
mit cinem Gewicht an Bindfaden, an dercn Stapse1 ein
zmeiter Bindfaden gebundeii war, und liefsen sie in die
Tiefe hinunter. W i e sie den Grunt1 erreicht batte, wurde
iuittelst des Fadens der Stiipscl herausgezosen, damit sic
sich unten fiille. I)as Ufer senlit sicli an dieser Stelle
462
jsh abschiissig hinab, und mir fanden eine Tiefe von 80
Fufs. Das heraufgezogene Wasser hielt nur loo Wdrme,
schiiieckte sehr salzig und roch aufserorduntlich stark hydrothionsauer. Bei einer nachherigen Priifung ergab sich,
da€s es dieselben Bestandtheile enthielt, wie dcr Salzbrunnen in der Stadt. Es bleibe jedoch nicht unbemerkt,
dafs das auch s@5ter auf diese Weise heraufgeholte Wasser
die gleiche Eigenschaft zeigte, und diese wohl nicht durch
das Ereipifs erbielt; denn es ist bckannt, dafs der See
mebrere Salzquellen entbglt. Wshrend dieses Vorgangs
auf einem kleinen Tbeil des See's behielt die ubrige FI5che dcsselben ihre Spiegelglatte, die nur zuweilen ein leiser Lufthauch iibemehete, und gab die Ufcrbilder, die im
Wiederscbcin eines reinen Abendroths ergluheten, mit aller der Scbiinheit zuriick, die der fremdlichen Umgebung
so eigenthiimlich ist. Ganz verschwunden iat die Erscheinung bis heute (23. Aug.) noch nicht *)..
5.
nAm 7. Januar 1630, nach 9 Uhr Morgens, wurde
bemerkt, dafs ungefihr 5 Furs vom Ufer des See's ab die
zwei Fufs dicke Eisdecke desselben durclibrochen war,
uud dafs aus der etwa zwei Quadratfurs grofsen Oeffnung das Wasser dergestalt aufwallte, dafs der aiif dem
Eise liegende Schnee ganz durchnafst wurde. Man fand,
dafs das Aufwallen des Wassers an derselhen Stelle und
auch ziemlich in derselben Art statt fand, wie inan schon
friiher beobnchte't hatte; namlich, daL von Zeit zu Zeit
eine Wassersaule von etma drei 2011 HBhe und Durchmesser iiber die Oherfltiche des Sees emporstieg. Die
Unterbrechungen waren von verschicdener Dauer, so auch
die L4ufwalliingenselbst. Das an der betreffenden Stelle
mittelst Hebers ansgehobene Wasser hatte keinen Reigescbmack oder Geruch , auch keinen andern Warmegrad,
') L u d w i g E e c h s t e i n im Allgcmeinrn Anzciger 1828. Ivo. 239.
S. 2649.
468
als das Wasser auf der Oberflzche des See's; jedoch W*
ren die defsfallsigen ~Jntersuchungen der vielen Hindernisse wegen nur uiivollkoiiimen. Man belnerkte ferner,
dafs did Wasserslule tinter deiii Eise heworkam, und um
die Stelle des Entstehens derselben genau zu suchen,
wurde das Eis auf lnehrcren Stellen in einiger Entfernung
von der erstgebildeten Oeffnung aufgehauen, und inan kam
endlich an eine Stelle, wo sich die Wassersaule senkrecht zu erhebcn schien. Zugleich war diese letztere auch
bedcutend starker gewordcn, SO dafs sie zuweilen vielleicht einen halben Fufs Hiihe und Durchmesser erlangte.
Naclmittags wurde beiiierkt , daL an mehreren anderen
Stellen des See's, und zwar einige hundert FuEs von der
ersten Oeffnung, noch drei andere sich gebildet hatten,
aus denen ebenfalls das Wasser, jedoch nicht in der obenbeschriebenen Stiirke, einporwallte. J a man hat sogar init
angesehen, wie das Wasser so an das Eis angestofsen
hat, dafs dieses iininer dunner und endlich vom Strahl
darchbrochen wurde, init einer Kraftsufserung, die nicht
unbedeutend gemesen scyn soll. Diese Bewegnngen im
See haben bis split in die Nacht fortgedauert, ohne d a t
man eine hbnahine in denselben hatte bemerken kdnnen. Auch ain 8. Januar wurden noch solche Beweguiigen, jedoch viel schw:icher uiid iiach weit ISngcren Unterbrcchungen, und auch nur an Eher Stelle wahrgenomuwn *).
Es ist bemerkenswerth, d a t gerade, um dieselbe Zeit,
als ain 7. Januar das Aufbrausen iin See bei Salzungen
erfolgte, in dein nicht viel ubcr 1 Meile davon entfernten
See bei Breilungen, eine ungeheure Menge Fische (mehrere himdert Centner) pliitzlich in dem eisfreien Punkte
des See's ziisaininenstrointen, und dort in dieser unerhdrten Menge gefangen wurdeo. Diese Nachricht ist mir von
eiiiein zaverlafsigeii Freunde rnitgctheilt worden, der in
der NYhe von Breitungeii ein Landgut besitzt.
') Durl'zeitung 1830. No. 14. S. 53.
)@
464
6.
Aufser den hier einzeln angemerkten Fallen, sollen
auch zu andereri Zeiten auf dem See besondere Erschcinungen, als laute gewaltige Schlage an die Eisdecka, das
in die Mijhefliegen von Eisschollen, pliitzliclies Aufwallcn
des Wassers an einzelneu Stellen, wahrgenommen worden seyn, wenn auch selten und ohne dafs sie zur allgeiueinen Kenntniis gekommen sind *).
Diese eigent hiimlichen Bewegingen des See’s, fur die
sich keine lufserlich wahrnehinbare Veranlassung findet,
verdienen als einc merkwurdige Naturcrscheiiiung sclion
an sich alle Aufmerksauikeit. Sie liaben dieselbe abcr
besonders dadurch crregt, dak die bis jetzt als die heftigste Bewegung dieser Art bekaiinte Erscheinung voin 1.
November 1755 wit der sehr verbreiteten Erdbewegnng
zusammenkaf, die an dem genannten Tnge Lissabon zersttirte, und an vielen yon dieser Stadt sehr weit entfernten Pmkten Europa’s, und selbst hie und da in Deutschland einpfunden wurde. Auffnllen mufs es in der That,
dafs aiich am 13. December 1827, als ebenfalls in Lissabon Vormittags Erdstiifse empfunden worden waren, der
See bei Salzungen Nachmittags micder in ungewijhnliche
Bewegung versetzt wurde.
Fur die drei anderen oben angefiihrten Erscheinungen habe ich in meiner ziemlich reichhnltigen Sauilnlung
von Nachricliten uber Ertlbcbeii und dergl. keine gleichzeitigen ahnlichen Pli3nomene ails andern Gegenden, wenigsteiis keine von der Art aoflindcn ki)nncn, welclie inan
ohne Zwang mit den Bewegiingen unsers See’s in Bezie.
hung bringcn kiinnte. Die Erscheinung vow Jahre 16‘70,
wo, clcln Berichte zufolge, der See nicht bewegt, soudern
iiur
’) Allgcrn. Anzeiger 1828. No. 20. S. 206.
466
nur roth geftirbt wurde, lZLt sich schon urn defswillen
nicht gut mit anderen Ersclieinungen in Beziehung bnngen, weil der Enlhler selbst iiber das Jahr ungewifs ist.
Ucbrigens haben sich im Jahrc 1670 wirklich einige Erdcrschiitteruugen ereignet ; im Januar in Liefluand,.und am
7. Julius zu lnnsbruck uud Hall in Tyrol, und schwachcr in Niirnberg. ZU den Bcwegungen, die man vom
17. bis 23. Aug. 1828 im See wahrgenommen hat, finde
ich auch keinc Parallelf& von andcrcn Orten. Es diirfte
leicht ein Lkheln crregen, wenn ich die Erderschlitterungen damit in Bczichung setzcn wollte, die in demselben
Monate am 6., 7., S., 9. und 14. in der Nzhe des cuspischen Meeres, am 10. und 14. in Chili und am 13. in
Belgien erfolgten. Ehcr l i e t c sich zu den Bewegungen
vom 7. und 8. Januar 1830 ein Parallelfall in eiiier nicht
sebr entfernten Gegend finden; da am 8. zu Wakdheirn
in Sachsen, auf beiden Ufern der Tschopa, ein leichter
Erdstofs von unterirdischem Getiise begleitet empfunden
worden ist.
Man hat die Erscheinung im See, am Tage des Erdbcbens von Lissabon, dadurch erkllren wollen, dafs man
annahm, dieser See stehe unmittelbar mit dem Meere in
Verbindung. Es bedarf kaum der Erwvlhnung, dafs man
mit dieser Erklzrung nicht ausreiche. Ein Landsec, dcssen Spiegel sechs bis siebenhundert Furs hiiber liegt als
der Spiegel des Meeres kann schwcrlich in einer solchen
Verbindung mit diesem stehen, dafs sie sich ihre Bewegungen inittheilen kiiunen.
Die Wahrnehmungen, die man in neuerer Zeit iiber
Erdbebcn und vulcanische Wirkungen gemacht hat, und
clic, wenngleich noch hypo thetischen Folgerungen, die man
dnraus abgeleitet hat, zeigcn einen andern Weg, wonicht
zu vollstzndiger Erklsrung der Erscheinungen im SalzunSer Sce, docli zii Hinweisung auf den letzten Theil eines
uiitcrii&clicn Processes d er sie muthmafslicli hervorbringt.
Es wird durch zahlrcichc Wahrnehmungen bestatigt,
Anna1.d. Pliysik. Bd. 95. St.4. J. 183O.St. 8.
Gg
466
dafs die Erschiitterungen der Erde, und die Aeufserungen
der vulcaniscben Krafte in gewissen, oft sehr langgedebnten, linearen Richtungen erfolgen, und dafs auf diesen
laiigen Liuien einzelne, oft sehr fern von einander liegende Punkte die Bewegurig sehr heftig, andere winder
heftig, und wieder andere sie gar nicht empfinden. Man
hat vennuthet, dafs die Richtung der aufrecht stehenden Schichten der Gebirgsinassen odcr Felsarten, welche
ebenfalls langen Linien zu folgcn pflegt, dieselbe sey,
welcher solche Bewegungen folgen. Viele Erscheinuiigen
Man hat ferner die bei Erdbebestatigen dieses.
ben ond vulcanischen Bewegungen sich zeigeiiden Erscheinungen als Wirkungen unterirdisch entwickelter, und
sich einen Ausweg nach der Oberflache, bahnender Gasarten und Wasserdlmpfe Jannstellen vermocht.
Endlich bat man geschlossen, dafs solche aus deln Innern emporstrebende Gasarten und Damyfe die schwlchsten Stellen der sie umschliefsenden Decke zuerst durchbrechen,
und auf Hirhlen und Kluften sich am leiclitesten uad
schnellesten expandiren miissen. Solclic Kliifte aber begleiten am meisten die Linien der emporgerichteten Gebirgsgesteine, da KO diese sich von anderen losgerissen
haben; daher werden unterirdische, sich befreiende Gasarten diesen Kliiften folgen, da wo sie frei durchgehen
kiinnen, keine Erschiitterung hemorbringen, aber an Stellen, wo die Kluft verengt oder verstopft ist, mit Gewnlt
anstofsen, die Wande zerrcifsen, oder wenn der Widerstand derselben zu iiiaclitig ist, zaruckschlagen, u ~ i dso
lange Erscliiitteriingen verursachen, bis sie sich eineli husweg gebahnt habcn; Erschiitterungen, welche nach Verhdtnils des Baues des Bodens, der Jjicke dcr dec!ienden
Massen u. s. w., auf der Oberflache lnellr oder bveniger
ernpfunden werdcn. Erreichcn die ausstriimenden Gasarten cine Wassersaminlung, so steigen sic als Glnsen in
derselben auf, und bringen, mch Verhaltnifs ihrer Kraft,
-
-
467
eine grSfsere oder geringere Bewegang in ila Wasset
hervor.
Es wird aber durch verschiedene Uinstznde glaublich, dafs der See zu Salzungen mit einer unterirdischen
Kluft, oder mit einem Spstein von Kliiften in Verbindung
steht, auf welchem sich vulcanische Wirkungen fortpflanZen kdnnen, und aiif welchem sic sich hochstwahrscheinlich seit den Hltesten Zeiten wirklicli geaufsert haben.
Man darf dieses aus folgenclen Griinden annehmen:
Die oben beschriebene Bescliaffenheit des See's, und seine
grofse Tiefe sefzten aufser Zweifel, dafs er seine Entstehung einem colossalen Erdfalle dankt. Ein Erdfall von
solcher GriiLe, mitten in) soliden, sehr inlchtigen und
regelmlfsig horizontal geschichteten Saiidstein kann nicht
anders entstanden seyn, als iiber einer darunter beiindlichen, entmeder ebenfalls pliitzlich durch Zerreifsen entstandenen, oder durch irgend eine Bewegung erweiterten
Kluft oder HBhle. Solche Kliifte siud bekanntlich man&en Febarten eigenthumlich, nament1ir.h' dem Gyps, und
zwar insbesondere einer gewissen Formation desselben,
welcher deshalb unser wiirtliger F r e i e s 1e b e n den Namen Schloftengyps gegehen hat, und demjenigen Knfkstein, der zwischen dem bunten und dein altercn oder
rothen Sandstein liegt. In Gegendcn, wo diese Felsarten
von andern bedeckt sind, entstehen daher hsufig Erdfalle.
Dafs auch in der Gegend von Salzungen der Gyps und
der erwahnte altere Kalkstein unter dem bunten Sandstein
liegen, ist sehr wahrschcinlich, de man kaurn eine Meile
von da die beiden erstern Felsarten unter der letztern
hervortreten sieht,
bci Altenstein, Gfiicksbrunn, Liebeiistein u. s. w. huch siiid in der dortigeii Gegend noch
inehrere Sce'n, deren grofse Tiefc iind andere Kennzeichcn vermuthen lassen, d a b sie dilrcli Erdfalle entstanden sind. Dahin gehBren der See bei Breitungen, der
Schiine See im Forst voii Lungelgeld, der unergriindlicli
Gg 2
-
468
segn SOU, der See bei Rosa, der bei Seba und der E’ge
See im Stattlinger Forst, die aber szmmtlich kleiner sind
als der von Salzungen. Sind diese See’n .durch Erdfdle,
und diese durch das Einbrechen der Dccke von Sandstein in die Hshlen der Gyps- oder Kalkstein-Lager entstanden, so kann insn allcrdings eine Bhnliche Entstehungsart auch fur den Salzunger See vermuthen.
Da indessen die ungewilhnlichen Bewegungen nur diesem eigen zu seyn scheinen, iind da dieser eine runde,
trichterfilrmige Vettiefung auf einer isL‘:rten Anhohe ausfiillt und hierin eine ganz besondere, ihn von andern
See’n unterscheidende Eigeiithiinilichlieit zeigt, so kann
seine Entstehung vielleicht noch eine andere mit- oder
alleinwirkende Ursache gehabt haben. Die ganz charakteristische Gestalt dieses See’s und seiner Umgebung erlaubt sehr wohl die Vermuthung, dafs hier der Erdfall
durch das Einsinken eines ehemaligen YuZcan- f i a t e n
bewirkt worden sey. Die Umgebung des See’s hat ganz
das Ansehen eines solchen. Dafs andere Anzeigen ehtmaliger vulcanischer Ausbriiche an diesem Dunkte mangeln, dak der See blofs von buntem Sandstein umgeben
ist, und d a t man daselbst keine Spuren. weder von Lavastrdmen, noch von Auswiirflingen, noch von anderen
Gesteinen vulcanischer Natur lindet, wiirde alleiii noch
kein Beweis gegen die Richtigkeit dieser Vcrmuthung seyn.
Diese Spuren kiinnen bei der Thalbildung in der dortigen tiefausgewaschenen Gegend ganz vertilgt worden seyn,
wenn die vulcanische ThZtigkeit dort vor der Periode der
Thalbildung aufgeh6rt hatte.
Es vereinigen sich such noch andere Umsthde, der
Ansiclit einiges (hvicht zu gcben, dafs, w n n auch an
der Stelle des See’s geradc niclit der Krater eines eigentlichen Volcans bestanden hat, doc11 eine vulcanischc Erhebung daselbst und dereii spiiteres Einsinken den Trichter des See’s gebildet haben mag. Dcr See ist nicht niir
auf der Siidost-, Siid- und Siidwcst-Seite von Easalhergen
469
umgeben, wo der Bless, der StopfeeLFkop. der Hornberg,
der Bayer, der Ochrenberg einen grofsen basaltischen
Halbkreis urn ihn her bilden; sondern er liegt auch genau
in der Linie, in welcher von der Gebn an bis zum Dorfe
Horsel. an der Werra eine Reihe von basaltischen A m
briichen (gangartigen Ausfiillungcn ) den bunt en Sandstein
durchbrechen, von deren nilrdlichem sich als eine gegen
Norden spitzig zulaufende Spalte darstellenden l'heile,
ich an einem andern Orte eiiie Beschreibung und Abbildung gegeben habe *). An allen auf dieser Linie bemerkten Punkten, wo sich Basalt zcigt, licgen die Iiorizontalen Schichten des bunten Sandsteins zu beiden Seiten des Basaltes SO unvcrriickt, wie uin den Salzunger
See, iind nur ganz nahe an den Hiiiidern des Basaltes
bemerkt inan Ver&~derungdes Sandsteins, und hie und
da einige Verschiebung seiner Schichten. Es scheint mir
daher ganz wohl denkbar, daCs aucli an dcr Stelle des
Salzunger See's, vielleicht zugleich init den in Eiiie Linie
lnit deinselben fallenden Emportreibungen des Basaltes,
bei Mrrrksulrl, an der Stoffdshuppe, bei dem Elutschhole und bei Hijrse!, eine Shnliche Einportreibung oder, wenn man wegen der kesselfiirmigen Gestalt lieber
erfolgt, aber an dieser
will, ein wirkliclier Aushruch
Stelle bald mieder in sich versunkeu ist, und cinen Theil
der Sandsteinwande mit in die Tiefe gerissen hat.
.Ich habe oben der anderen See'u gedacht, die in der
Gegend von Salzungen zerstreut liesen, und gleichfalls
durch Erdfdle gebildet worden zu seyn scheincn. I)a
ich keinen derselben selbst gesehen habe, so kanri ich
nicht dariiber urtheilen , ob ihre aukere Beschaifenlieit
eben so \vie die des Salzunger, eine vulcanische Entstehung derselben glaublicli macht. Es ist dalier allcrdings
der Muhe werth, sie in dieser Hinsicht n;ihcr zu uulersucheu. Der sonderbare. Vorfall wit den Fischen in dciu
-
) Magarin dcr Gesell~~ltartnaturforscltender Freunde zu Berlin.
Jahr 1816. S. 3011. U. Tarel.
470
See von Breitungen, dessen ich erwshnt habe, deutet auf
cine Beziehung zwischen diesem und dem See von Salzungen, und es kBnnte wohl seyn, d a t auch jener und
die iibrigen See’n auLerordentlicben Rewegungen unterworfeu waren, die aber viellbiclit Nieinaiid wahrgeoommen hat, weil sie nicht von Wobnungen uingeben und
taglich dem Anblick vieler Mcnschen ausgesctzt sind, wie
der bei Salzungen, sondern sich zinn Theil an abgelegeneu Orten befinden.
W i l l man die bier vorgetragene Ansicht als Erkliirung der ersten Bildung des Erdfalls, der dem See sein
Daseyn gegeben hat, gelten lassen, so sind dainit doc11
die Bewegungen, die man fortdariernd voii Zeit ZLI Zcit
in ihrn wahrnimmt, noch nicht erklsrt. Sie iniigen nbcr
allerdings als eine Folge jener ersten Eildiing beirachtct
werden und sich aus derselben erlsutern lassen. W e n n
gleich eine eigentlich vulcanische Thiitigkeit sich in den
dorligeii basaltischen Umgebungen nicht niehr zeigt , so
beweisen doch gerade die Bewegungen im See, dnk die
unterirdische Verbindung desselben init dem Sitze dejenigen Krafte, welclie die erste Bildung hcrvorgebracht haben, nicht ganz aufgehoben ist. Man kann sich, bei dem
Zusammentreffen der Uinstiinde, die von der Beschaffenheit und der Lage des See’s, von den Verhaltnissen der
Gegend, in welcher er liegt, von der Analogie mit anderen Gegenden und zugleich von dcm Phhomen der Bewegungen horgenommen werden, mohl erlaubeii, dieses
letztere Phanomen selbst rnit ziir Erliiuterring seiner Grundursache anzufiihren. Die Verbindung des Seebcckens mit
dem Sitze der e r w h t e n Krafte mag allerdings nur lose
oder vielfach unterbrochen segn, sonst wiirden sich w011l
in deiiiselben starkere rind anhaltendere Wirliungen voii
ihiien zeigen, wie z. 13. marme Quellen, permanente Gasnusskiimungen und dergl. Aber die sehr grofsen, heftigen, weitverbrciteten unterirdischen Gascntladungen miigcn
wohl ihre Wirkungen auch in die vou deiii Sitze der
471
Entladung entferntesten Winkel der der verbliebenen Spalten, und die frei gewordenen Gase mit grofser GewaIt
dahin treibeu. So k6nnen diese allerdings den Wcg in
den tiefliegenden Boden des See’s finden, von da als Blasen aofsteigcn, und bei vermehrter Kraft selbst seine Wassennasse in Bewegung setzen. Das aber ist das am haufigsten dort wahrgenom~nencPhanomen.
Etwas verschieden davon, und nicht auf dicselbe
Weise zu erklaren, ist das Versinken des Wassers in die
Ticfe und seine pliitzlichc Hiickkehr. Hierbci mufs man
eiiie pliitzliche Veriinderung im Gegcndnicke unterirdischer Gewasser und der auf dieselben drEckcndcn Luftmassen voraussetzen , welche sich bei gewissen Explosionen in solchen Rluincn wohl ercipen kiinncn. Diese
Erscheinung aher giebt ganz voniiglich zii erkennen, d a t
solche Rjiuinc vorhanden seyn miissen, und bcstatist, noch
mehr als die erste, die Yerbindung des Sees urit eineq
vielleicht sehr weit verbreiteten Systelne von unterirdischen Syalten.
Es ist bekannt, dafs zii gleicher Zcit mit dein Erdbcben zu Lissabon, 1. N
o:. 1755, an vieled von dieser
Stadt schr entfernten l’uakten Etiropa’s, tlieils Erderschiitteruugen , theils auffallende Bewegungen in Gewkisscrn
wahr~enominenworden sind. Aoch in einigcn Gegenden
?
Thihgens, also in der Nehe von Salzungen, sol1 dieses
dcr Fall gewesen scyn. So finde ich in einer, im Jahre
1736 erschieneiicn Chronik der Erdbeben *), dafs urn
dicsclbe Zeit in gauz Thiiringcn Erschutterungen empfull*) Clrronica o d e r Samnrluog a l ~ e rund neuer Nachriclrten
von
den
merkwiirdigsten Erdbcben, sowolil, wie siclr solclic seit der Schijp ~ r i n g bis zu g c p i w i ; r t i g e n Zeilen in aIIen vier TIieiIen d e r W e l l
ge:iuf.*ert, als mclr, w a s s c l l i g e Iiiv UrsacLen z u m Grunde habcn; ileiu l’ublico getreulieh mitgetbcilt, von 51. J. A.
(Frank-
w.
Kurt
1756. 8. S. 151.)
472
den worden seyen, namentlich in M2hhAamen und in
Gotha, und dafs die Henoglich Gothaische Familie unveniiglich das Residenzschlofs verlassen habe. Von dieser letztern Thatsache habe ichhdessen keine Best3tigung
finden ktinnen, und ich bezweifele ihre Wahrheit, da das
Fourierbuch des Hofes davon schwcigt, obgleich es berichtet, was an dieseln "age ain Hofe geschehen ist.
Da aber n2iiringen eine Gegend ist, in welcher man
am allernrenigsten von Erderschutterungen weifs, - inir
sind nur ein Paar Beispiele bekannt, da man in ErJlLrt
dergleichen empfunden haben SOH,
so kann icli niir
nicht versagen, zwei ziemlich gut beglanbigte Nachrichlen
von Erderschiitterungen, die in Gofha selbst wahrgenomu e n worden sind, bier mitzutheilen.
Am 18. Februar 1756, 8: Uhr Morgens, bei Windstille, empfand man zu Gotha zwei in Zeit von einer Viertelstunde auf einander folgende starke Bewegungen. Die
Thiirmer der beiden bewohiiten hachsten Thiirme der
Stadt hatten sie wahrgenoinmen. Nach der Aussage des
Einen sol1 die erste, starkere Cewegung in einein Schwanken des Thurmes auf dciu Rathhause von Nord nach Sucl
bestanden haben. Eine Shnliche Bewegung war auf dem
Kirchthuxm dcr 1; Meile siidwestlich von Gotha liegenden Stadt Waltershausen, iiin dieselbe Zeit, und zusleich
in der doriigen Kircbe wahrend des Gottesdienstes empfunden worden *). Urn jene Zeit erfolgten in vielen
Gegenden Europa's und auch anderer Welttheile Erschutteiwngen, nameiitlich im Januar, am 14. im Erzgebirge, am
15. in Lissabon, am 18. im Kirchenstaat, in Kamtschatka,
in Peru, am 26. in Julich, Cijln u. s. w.,am 1. Februar
in Piemont, am 13. in DelSien, an dcin obengenannten
19. in Paris, in vielen Gegendeii des westliclien Deutschlands und in Prag, a111 19. und 21. in Belgien und aui
'Niederrhein.
-
*) WBchentliche Gothrische Adragen uod Nacitrichten.
N ~ vm.
.
J. 15%.
473
Am 13. April 1767, 1und 3 Uhr Morgens, wurdea
auf denselben beiden Thurmen, und noch an anderen
Punkten der Stadt Gotha abnliche Eewegungen einpfunden, h e r Thurmer der St. Margarethen Kirche sagte aus:
E s sey zuerst eine Bewegong, und daraiif eine Erschutterung erfolgt, so stark, als wenn Alles auf tlcin Tliunne
zerbrechen wollte; drei Uhr sey wieder eine, docli vie1
scliwachere Bewegung erfolgt. Ganz eben so beschrieb
dcr Thurnier des RatMiauses die Erscheinung, nur mit
dein Zusatze, d a k er bci dcr auf die erste Bewegung erfolgten Erschiitterung einen Knall gehiirt habe. Auch die
zwei Stunden sp5ter erfolgte Bewegung batte dieser empfunden. Die Erschiitterung von 1 Uhr Morgcns war
zugleich von sechs Schildwachen, die uin das Sclilofs Friedenstein, in demsclben und an dem einen Stadthore gestanden hattcn, und von einigen iin Schlosse wohnenden
Personen bemerkt worden, zugleich mit Cetiise. Alle
vereinigten sich in ihren Aussngen dahin, dafs dabei viillige Windstille geherrscht hatte, sie sich also iiber das
Eigenthumliche der Erscheinung iiiclit wohl hztten tluschen konnen. In dem 2 Meilen von Gotha gegen Westen iiegenden Dorfe Sondra war die erste Erschutterung,
1 Uhr, rnit Getiise einein Canonenschafs iihnlich, wahrgenommen worden. Dicse Naclirichten habe icli aus clcii
zu Protocoll gegcbencii Aussagen der Zeugen genommen,
die iin Herzoglichen Archive zu Gotha liegen.
Auch in diesein Jnhre sollen an mehreren Orten iii
Europa, auch in Deutschland und in tler Schweiz Erderscliiittcrungen gcivcsen seyn, doch fehlen rnir dic Xachricbten daruber: a11 wclclrcn T a p ? Dafs dcn 23. Oclober ein grofser Ausbruch dcs Vesuv’s erfolgtc, is1 bekannt.
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