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Der Verein deutscher Chemiker in den letzten Jahren.

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Zeitschrift fur angewandte Chernie
I
7. Januar 1926, Nr. 1
I
Der Verein deutscher Chemiker in den lefzten Jahren
39. Jahrgang S. 1-32
lnhaltsverzeichnis Anzeigenteil S. 13.
von F. Quincke und F. Scharf.
N a c h den funf Jahren wirtschaftlicher Sorgen, die auch den Stand unseres Vereins schwer bedruckten, ist
es flir den scheidenden Vorsitzenden eine besondere Freude, da6 Vors tand und Geschaftsfuhrung wieder auf gefestigtere Zeiten blickeri konnen.
Freilich, ebenso wie die wirtschaftlichen Unternehmen aus der Goldmark-Eroffnungs-Bilanz fast ausnahmslos
einen schmerzlichen Substanzverliist feststellen mui3ten, so hat der Verein deutscher Chemiker so gut wie a l l e s
v e r l o r e n , was sparsame Wirtschaft frliherer Jahrzehnte dem Vereinsvermogen hinzugefugt oder Freunde und Gonner
des Vereins in Form von Stiftungen gespendet hatten. Aber fur uns sind wirtschaftliche Unternehmungen nicht
Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck, und unsere wertvollsten Aktivposten sind Imponderabilien, die in der
Goldmark-Bilanz keinen Platz haben.
Zu ihnen gehort zunachst das S o l i d a r i t a t s g e f t i h l unserer Berufs- und Standesgenossen, dessen Maastab die
Miigliederzahl unseres Vereins abgibt, und diese Zahl ist von etwa 5000 vor dem Kriege auf rund 7500 im Jahre
1924 gestiegen, also um 50 O j 0 . Da die Zahl der Berufsangehorigen in der gleichen Zeit nach sorgfaltiger Schatzung
nur um etwa 30°,', zugenommen hat, ist der Verein nicht nur absolut gewachsen, sondern er ist auch seinem Ziel,
alle deutschen Chemiker in sich zu vereinen, ein gutes Sttick nahergekommen! Aber Werbekraft und Werbeeifer
von uns allen in Bezirksvereinen, Fabriken und Hochschulen miissen noch gesteigert werden, urn die 25O/, noch
auDerhalb stehender Chemiker uns anzuschliefien.
Ein zweites, nicht minder wichtiges Aktivum ist die O p f e r w i l l i g k e i t und der G e m e i n e i n n der Vereinsmitglieder. Hatte sich der Verein nicht auf diese Opferwilligkeit in finanzieller Beziehung verlassen konnen, so waren
die schweren Zeiten des Krieges und der Inflation nicht ohne Ruckschlag zu uberstehen; seinerseits konnte
der Vorstand nur pflichtgema6 helfen, die B e i t r a g e a u f e in e n i m o g l i c h s t n i c d r i g e n MaB zu halten. Besonders dankbar erkennen wir dime Opferwilligkeit an den Z u w e n d u n g e n z u u n s e r e r H i l f s k a s s e , deren Vermligen
ja ebenfalls durch die Inflation vernichtet ist und die zur F o r tf a r u n g ihrer fur unseren Stand hochwichtigen
Aufgaben neuer Mittel bedarf. Nochmals sei a n dieser Stelle fUr die groi3en Spenden gedankt, die der Hilfskasse
in allen Jahren zuflossen I
Opfcrwilligkeit und Gemeinsinn zeigen aber vor allem auch die Mitglieder, die sich zu allen Zeiten bereit
gefunden haben, in den Ehrenamtern des Vereins und seiner Abteilungen ihre Arbeit im Interesse der deutschen
Chemiker einzusetzen. Die treibende Kraft Einzelner wird immer der Ansporn sein, der in Bezirksvereinen, Fachgruppen und Ausschussen das allgemeine Interesse und den Fortschritt einleitet, und wie wir heute den Kollegen,
die uns in diesen schweren Jahren so tatkraftig halfen, den Dauk des Vereins aussprechen, so mu6 es unser aller
Bestreben sein, dat3 wir an solchen Flihrern und ihrer Initiative dauernden Nachwuchs erhalten I Denn auf der
Passivseite unserer geistigen Vereins-Bilanz standen doch als Folge der Kriegs- und Inflationszeit erhebliche Minderleistungen und es war die Pflicht des Vorstandes hier helfend, fordernd, treibend einzugreifen.
Das galt zunachst fur die V e r e i n s z e i t s c h r i f t , deren Inhalt seit drei Jahren unser Herr Professor B inz so
erfolgreich gehoben hat, und deren Ausstattung durch holzfreies Papier, festeren Umschlag und kleineren Satzspiegel
wir jetzt verbesserten. Qleichzeitig wurde der Umfang vergrofiert und damit der Inhalt erweitert und durch R e f e r a t e
d e r A p p a r a t u r p a t e n t e , durch Berichte wissenschaftlicher Versammlungen, durch B e ila g e n uber P a t e n t l i s t e n
und A p p a r a t e ausgebaut. Vorztiglich mtissen wir aber Unterstiitzung und Werbung aller Mitglieder noch mehr
als bisher haben, um w i s s e n s c h a f t l i c h e A u f s a t z e a u s d e r a n g e w a n d t e n Chernie und B e r i c h t e iiber F o r t unsere spezielle
s c h r i t t e d e r e i n z e l n e n G e b i e t e d e r w i s s e n s c h a f t l i c h e n u n d t e c h n i s c h e n C h e mie
dauernd bringen zu konnen.
Aufgabe
Die Entwicklung des V e r l a g s Chemi e, die Bezugserleichterung flir ,Chemische Industrie" und Zentralblatt,
iiberhaupt die Beziehungen, die uns mit dem Verein zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie und
der Deutschen chemischen Gesellschaft verbinden, haben sich Jahr fiir Jabr weiter gefeatigt.
Dem Apparatewesen, fiir deren Forderung wir Herrn Dr. B u c h n e r stets neuen Dank schulden, galten eine
Reihe von Veroffentlichungen und galt vor allem die v i e r t e Ausstellung, die nach dreijahriger Inflationspause in
ihrer Ausdehnung und Vollkommenheit ein besonderer Glanzpunkt der Niirnberger Tagung wurde. Denn nach der
ganz improvisierten und trotzdem gut gelungenen Versammlung in Jena und nach der halb improvisierten und
gllnzenden Versammlung in Rostock konnten wir endlich zur richtigen Vorbereitung zuruckkehren und freuten une
besonders, dai3 die Vereinsmi ttel gestatteten, einen Vorschlag des Oeneralsekretars auszufuhren und zum ersten Male
63 jungeren Kollegen ein Stipendium zum Besuch der Hauptversammlung zu geben.
Angew. Chem. 1926. Nr. 1.
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Quincke, Scharf: Der Verein deutacher Chemiker in den leiqten Jahren
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Zeitschrift fCr
Csngmandte C b m i e
Die Vortriige u n d S i t e u n g e n der Bezirksvereine und Ortsgruppen werden neben der Zeitschrift stets die
Hauptsache des Vereinswirkens sein. Der Beschaffung solcher Vortrlge und dem Besuch der Bezirksvereine galt
eine erhohte Tatigkeit von Vorstand und Geschaftsstelle. Die Aufforderung an die Bezirksvereine zur Sammlung
ihrer Mitglieder, zu raschen Berichten Uber Sitzungen diente nur zu dem Zweck, Interesse und Leistung fur die
Gesamtheit der deutschen Chemiker zu heben. N u r der Zusammenschlufi unter dem einen groSen Verein, den wir
bei den liffentlichen Chemikern und den Kalichemikern in den letzten Jahren freudig bepiifiten, kann dem Chemikerstand nach auBen den notigen EinfluD und dem einzelnen Chemiker nach innen den notigen Anhalt geben.
Die ortlichen chemischen Gesellschaften, die Zusanimenkunfte von Professoren werden sicher ihren Sondergebieten
dienen ; aber durch Hinzuziehung aller Chemiker ihrer Nachbarschaft, wie sie durch gemeinsame Einladung mit dem
ortlichen Bezirksverein zu erzielen ist, wird das Sondergebiet ebenso gepflegt und zu dem richtigen A llgem eini n t e r e s s e u n s e r e s S t a n d e s erweitert. Fabrilien, ebenso wie Hochschullehrer sollten iiberzeugt sein, dafi der
Chemiker nur dann volle Hohe seiner Leistungen beibehalten kann, wenn ihm Gelegenheit gegeben wird, den
Fortschritten der Wissenschaft zu folgeri. Und deshalb hoffen wir, dal3 die Fabriken den Besuch unserer Vereinssitzungen, die Professoren die Vortrage auf ihnen mehr und mehr unterstiitzen werdenl
Eine ungeloste Frage fur die Zukunft bleibt die noch so ungleiche Starke der Bezirksvereine, die ortliche
merschneidung, die nachbarliche Zusarnmenarbei t , die Erweckung abgelegener Bezirke. Daneben lieBen aber die
B e z i r k s v e r e i n e , die unter der Zeiten Not schwer gelitten hatten, vielfach die intensive Arbeit und Regsamkeit
vermissen, ohne welche sie &re Werbekraft fiir neue und ihre Anregung fur alte Mitglieder nicht erfiillen konnen.
Mit Freude durfen wir feststellen, daB hierin fast allerorts Wandel geschaffen ist. Die aufierordentliche Sitzung
des Vorstandsrates, die im Miirz 1925 in Hannover zwecks eingehender Aussprache iiber die Lebensnotwendigkeiten
des Vereins stattfand, hat zweifellos Uberall anregend gewirkt ; hoffentlich werden sich solche Zusammenktinfte des
Vorstandsrates auch weiterhin ermoglichen lassen. In Nurnberg wurde die Lebensfrage dea Vereins, der als schadlich erkannten Oberalterung in den Ehrenamtern vorzubeugen und immer weitere Kreise der Mitglieder zu neuer
Anregung heranzuziehen, durch die Begrenzung einer sechsjahrigen Amtsdauer fiir Vorsitzende und Beisitzer geregelt.
Die wertvollen Erfahrungen und Heziehungen ausscheidender Vorstandsmitglieder werden deshalb nicht verloren
gehen. Das beste Beis pie1 hierfilr bieten uusere beiden Altvorsitzenden, die bei allen Versammlungen in unserer
Mitte weiIen und die nicht nur stets mit Rat und Tat den Vorstand untersmtzen, sondern auch nach aufieii mit
ihrem grofien EinfluB Ansehen und Ehre unseres Standes und Vereins zu mehren bestrebt sind. So danken wir
Herrn Dr. K r e y seine Anregung in der Frage der Pensionskassen fIir die Kollegen in den Fabriken; und dankbarst ruhmen wir an Herrn Geheimrat D u i s b e r g , daI3 er stets und stlndig sich als deutscher Chemiker flihlt und
wieder bei der Einweihung des deutschen Museums den Chemikerstand treffcnd bei dem Reichskanzler in Erinnerung zu bringen wufite!
D a s G e bi i hr en v e r z e i c h n i s , dessen Wert wir fur unseren gesamten Stand nicht hoch genug veranschlagen
konnen, hat sich dank der Tiitigkeit des ,,Gebiihrenausschusses fur chemische Arbeiten" und der GescbaftsfUhrung
immer weitere Anerkennungen im Wirtschaftsleben errungen. Nicht nur die Mehrzahl der offentlichen Chemiker
hat sich unterschriftlich auf seine Satze festgelegt, sondern es steht jetzt in unbestrittener Geltung bei Reichsgericht, Kammergericht und Handelskammern. Die sehr kleine Zahl von Handelschemikern, die bewul3termae)en die
Preise des Gebiihrenverzeichnisses unterschreitet und damit das Ansehen unseres ganzen Standes aufs schwerste
schadigt, muB einsehen, daI3 im Verein deutscher Chemiker fur sie kein Platz ist!
Von anderen Ausschiissen des Vereins haben der N o rme n a u s s c h u l3 der Fachgruppe fiir chemisches Apparatewesen und die Ech t h e i t s k o m m i s s i o n der Fachgruppe fiir Chemie der Farben- und Textilindustrie die wertvollsten Arbeiten zur Festlegung der Anforderungen auf ihrem Gebiet herausgebracht. Von dem vor kurzem gegriindeten R e c h t s a u s s c h u B erhoffen wir steigenden EinfluB bei Behorden und Gesetzgebern. Die Griindung von
Ausschiissen fiir Ausbiidungsfragen, fur Stellenvermittlung, fur Versicherungswesen und auch die Wiederaufnahme
der Tatigkeit eines sozialen Ausschusses werden Fragen der niichsten Zukunft sein.
Die E'achgruppe fur gewerblichen Rechtsschutz hat a n der Gestaltung verschiedener Gesetzentwkfe auf ihrem
Sondergebiet mitgewirkt ; ihre Umfrage bei den Bezirksvereinen nach Meinungsaufierungen zum Entwurf eines neuen
Patentanwaltsgesetzes hat aber noch im letzten Jahre gezeigt, daf3 Mitarbeit und Interesse fast ganz ausblieben.
Um fur Fragen, die im Interesse des gesamten Standes liegeo, uns die Mitarbeit der Bezirksvereine zu sichern
und gleichzeitig auf die Leistungen des Vereins fur seine Mitglieder, die Vielen ganz unbekannt bleiben, hinzuweisen, sollen in Zukunft zwei- b i s d reirn a l im J a h r e R u n d s c h r e i b e n d e r G e s c h a f t s s t e l l e diese Sachen
zrlsammenfassen und zu ihrer Erorterung in einer geschaftlichen Sitzung der Bezirksvereine auffordern.
Schwer lastet noch immer auf uns die Sorge der Beschaftigungsmoglichkeit fiir die zu groSe, regelmaflig
wachsende Zahl deutscher Chemiker. Warnungen vor dem Chemiestudium haben wohl wenig EinfluS; aber erPreulicherweise liil3t das vorige Jahr ein erstes Abdnken der Zahl der Chemiestudierenden erkennen. Wenn die
Oberzahl an Chemikern zunachst die Not der jungen Chemiker, keine Slellung zu finden, bedingt, so werden durch
das Uberangebot bald auch altere Kollegen stellungslos, und so entsteht die noch schwerere Not der iilteren
M. Jahrgang 19263
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Klages: Ober die Beksmpfung von Gefreidekrankheiten durch chemische Mittel
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Chemiker, so daB es sich um eine allgemeine brennende Frage handelt. Herr Dr. K a r l G o l d s c h m i d t , dem der Verein
schon fiir seine fruliere langjahrige Mitarbeit, vor allem in1 sozialen AusschuB, zu Dank verpflichtet ist, hat in
seinem Artikel ,zur Not der jungen Chemiker" die Initiative zu einer Aussprache auf breitester Grundlage ergriffen.
Zur Schaffung neuer Stellen fiir Chemiker wird einerseits eine Propaganda anderen Industriezweigen die Vorteile
der Einstellung von Chemikern klar zu machen haben; anderseits sind neue Ausbildungsmoglichkeiten fur diese
Spezialgebiete zu schaffen. Gleichzeitig tritt an uns die Frage der Alters- und Hinterbliebenen-Vcrsicheruog, die
heute nach dem durch die Inflation hervorgerufenen Verlust aller Ersparnisse fur die meisten Kollegm akut geworden ist, heran. In Nurnberg konnten wir eine ,,Liebig-Stelle" schaffen, die ferner stehende lndustrien fur
die Anstellung von Chernikern gewinneri soll. Wir durften gleichzeitig von der L i e b i g - G e s e l l s c h a f t die Einrichtung 50 w e i t e r e r S t i p e n d i e n , welche die Spezialausbildung junger Doktoren an den Hochschulen ermoglichen,
rnit aufrichtigem Dank erfahren. Wir hoffen endlich, daB eine Besserung der wirtschaftlichen Lage der chemischen
Industrie auch den alteren Kollegen eine Pensionszusicherung sei tens der in der Berufsgenossenschaft und im Arbeitgeberverband vereinigten chemischen Werke in nicht allzu ferner Zeit bringcn wird I Und jetzt noch ein persooliches SchIuBwort: Die fiinf Jahre meines Vorsitzes haben unserem Verein die schwierigste Zeit gebracht. Dem Zusamruenstehen aller Mitglieder und der Gewissenhaftigkeit unseres lieben Freundes,
Dr. S c h a r f , danke ich es, wenn wir sie iiberstanden, und eine Heruhigung ist es mir, da6 ich jetzt meinem Nachfolger geordnetere Verhaltnisse ubergeben kann.
Die Hebung der Zeitschrift verdanken derVerein und ich Herrn Professor B i n z ; den V e r l a g C h e m i e , die
Bezugsabrnachung fur ,,them. Industrie" und ,,Zentralblatt" gab uns der Zwang der Zeit; die Achema schuf uns
Dr. B u c h n e r ; das Gebiihrenverzeichnis gaben uns die wtirtternberger Kollegen; die Hohe der Vortrage erhielt
uus Professor Rasso w. So blieb fur den scheidenden Vorsitzenden nur das Bestreben, iiberall in Bezirksvereinen,
Ausschussen, Verhandlungen den Z u s a m m e n h a l t , das V e r e i n s l e b e n und die V e r e i n s g e l t u n g zu heben. Das
Wesentliche ftir einen Vorsitzenden ist wohl, daB er die I n i t i a t i v e , auch werin sie ilim oder anderen unangenehm werden kann, nicht scheut, und wenn mir alle unangenehmen Iaitiativen heute verziehen werden, SO wiinsche
ich dem Verein, dal3 die kunftigen Vorsitzenden in dern ,,suaviter in mod0 fortiter in re' mich recht weit ubertreffen!
31. Dezember 1925.
F. Qu.
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obar die Bakiinipfung von Ciatraidakrankheitan durch chemische Mittel.
Vorgetragen auf der Hauptversammlung des Vereins
deutscher Chemiker in Niirnberg, im September 1925
von Prof. Dr. A. KLAGES,
Direktor der Saccharin-Fabrilc A,-G. Magdeburg, Siidost.
(Eingep: 2019 1925)
Aus dem groflen Gebiete der Pflanzenkrankheiten
habe ich eine bestimmte Gruppe, diejenige der Getreideltrankheiten, herausgeschalt. Sie umfaiJt die fur
unsere Klimata wichtigsten Kulturgewachse: Weizen,
Gerste, Roggen, Hafer. Ich wahle diese Gruppe, weil ihre
volkswirtschaftliche Bedeutung - sie Iiefert unser Brotgetreide - am groaten ist, weiI die biologischen VerhaItnisse hier am Ilngsten bekannt und am besten erforscht
sind, und weil die Erfahrungen, die auf diesem Gebiete
gesammelt sind, sich auch auf die Bekampfung von
Krankheiten anderer Gewschse, in dieser oder jener
Form modifiziert, ubertragen lassen.
Die GetreWrankheiten sind, soweit sie sich aufierlich auspragen und Ernteausfalle bedingen, wohl so lange
bekannt, wie der Getreidebau existiert. Rost- und
Brandkrankheiten, die Hauptschadiger, sind bereits
im alten Testament als Strafen der Gottheit erwiihnt.
A r i s t o t e 1e s kennt bereits Rostjhhre und starke Ausfalle der Enite. P 1 i n i u s beschreibt die Rostkrankheiten unter dem Namen ,,Rubigo" und widmet ihnen ein
ganzes Kapitel. \'on den Brandkrankheiten sagt er: ,,Dw
Brand versengt die milchigen Augen d e r Keirne und
bewirkt das, was man a n d e r Bliite Kohle nennt."
Uber die Ursachen dieser Krankheiten hatten die
Alten keine rechte Vorstellung, sie fiihrten dieselben auf
den Einfluf3 der Gestirne und der Atmospharilien zuriick
und hatten insofern recht, als ungiinstige Witterungsein-
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fliisse, abnorme Trockenheit, unzeitige Kalte, gegen die
wir machtlos sind, auch heute noch groBere Ertragsminderungen bewirken, als Kranliheiten und Schadlinge, die
nir dank unserer gesteigerten Kenntnisse jetzt bekiimpfen konnen.
Unsere Fortschritte auf dem Gebiete der Getreidelirankheiten sind jungen Datums. Sie sind eine Folge der
steigenden Erkenntnis der Krankheitsbcdingungen, des
genauen Studiums der Erreger und der Beziehungen derselben zur Wirtspflanze. Sie fuhrten zur Auffindung der
beiden grundsatzlichen Bekampfungsmethoden, der
direkten, weIche die Vernichtung oder Schiidigung der
Erreger bezweckt, und der indirekten, welche durcli Erhiihung der Widerstandsfahigkeit der Pflanze, insbesondere durch KulturniaBnahnien und Sortenzuchtung, die
Wirkung der Erreger auszuschalten sucht.
In dem MaGe wie diese Kenntnisse heranreiften, hat
auch die Wirksanikeit der Bekaniyfung yon Pflnnzenlirankheiten zugenommen.
Noch bis in die neueste Zeit hinein wurden Hrandkrankheiten und dadurch entstandene Mifiernten als
etwas Unabhderliches hingenommen, gegen dessen Geschehen man machtlos war. Anderungen traten erst ein,
als die chemische Behandlung von Saatgut einsetzte. Im
Jahre 1761 finden sich die ersteri Angaben. Urn diese Zeit
gibt S c h u 1t h e B an, dafi fur die Saatgutzubereitung der
schwimmende Sarnen (sog. Brandbutten) abzuschopfen
sei, und da13 das Saatgut iriit einer verdiinntcn Kupferbitriollosung von 1,5016 behandelt werden miisse. 1807
beobachtete P r e v o s t die Keirnung der Brandsporen
und stellte fest, dalj sie in Wasser, welches aus Kupfer
destilliert war, oder auch in verdiinnter Kupfervitriollosung nicht keiniten. Forscher yon Natnen, wie
d e C a n d o l l e , waren zwar der Ansicht, dafi das Getreide durch Brandpilze krank gemacht werde, andere
1.
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