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Die Allianz von Wissenschaft und Industrie. August Wilhelm Hofmann (1818Ц1892). Herausgegeben von C. Meinel und H. Scholz. VCH Verlagsgesellschaft Weinheim 1992. X 375 S. geb. 148.00 DM

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Reduktionen vergleichend eruieren, findet man iiber das
Stichwortverzeichnis hierzu nicht einen Seitenverweis. Selbst
zur Gewinnung von ,,Alcohols" via Reduktion finden sich
nur sechs Verweise [unter ,,via carboxylic acids", ,,via enantiomerict!) reduction of carbonyl compounds", ,,via epoxide
reduction", ,,via hydrogen transfer", ,,via metal hydride reduction'' und ,,via reduction of hydroperoxides"]. Derlei
Kritik IaBt sich beliebig fortsetzen, so auch beziiglich der
Moglichkeiten einer reduktiven Gewinnung von ,,Alkanes"
(nur drei Synthesemoglichkeiten laut Index, nlmlich ,,via
alcohols and amines", ,,via alkyl halide reduction" und ,,via
enzyme reduction of alkenes"), wo man sogar auf ganze
Kapitel, die dieses Problem betreffen, wie die heterogen oder
homogen katalysierte Hydrierung von C,C-Mehrfachbindungen oder die Wolff-Kishner-Reduktion nicht verwiesen
wird! Man mu13 sich in Anbetracht dieser Mangel erstens
fragen, ob wirklich Chemiker an der Abfassung des Stichwortverzeichnisses beteiligt waren, und zweitens, ob man
zum Kauf dieses an sich so exzellenten Werkes (!!) nicht erst
dann raten sollte, wenn der Verlag den gegenwartigen Band
,,Cumulative Index" durch einen neu verfaBten ersetzt hat.
Reinhard Briirkner
Institut fur Organische Chemie
der Universitit Gottingen
Die Allianz von Wissenschaft und Tndustrie. August Wilhelm
Hofmann (1818-1892). Herausgegeben von C. Meinelund
H. Scholz. VCH Verlagsgesellschaft, Weinheim, 1992. X,
375 S., geb. 148.00 DM. - ISBN 3-527-29009-5
Anlaljlich des 100. Todestages August Wilhelm Hofmanns, der zugleich das 125. Griindungsjahr der von ihm
initiierten Deutschen Chemischen Gesellschaft markiert, ist
der vorliegende Sammelband erschienen, in dem ein internationales Autorenteam in einer lockeren Folge von
22 Aufsatzen unter den verschiedensten Aspekten das Wirken dieses groRartigen Ahnherrn der modernen Organischen
Chemie beleuchtet.
Im einleitenden Kapitel stellt Heindirk tom Dieck (Frankfurt/Main) kurz Entwicklung und Aufgaben der Gesellschaft Deutscher Chemiker vor, deren friihe Stadien ja entscheidend von der Personlichkeit A. W. Hofmanns geprigt
waren. Der hier schon anklingenden engen Zusammenarbeit
von universitarer und industrieller Chemie wird dann im
folgenden Aufsatz von Lothar Burchardt (Konstanz), der
sich mit ,,Wissenschaft, Industrie und Kultur zur Zeit A. W
Hofmanns" beschaftigt, ausfiihrlicher Rechnung getragen.
Man stellt hier erniichtert fest, daB viele der Probleme, die
die Universitatschemiker damals umtrieben, sich mit nur geringen Akzentverschiebungen, wenn auch in ganz anderen
Dimensionen, bis auf den heutigen Tag erhalten haben:
wachsende Studentenzahlen, Autonomie der Universititen
und des Professorenstandes, Wechselspiel zwischen Forschung und Lehre, Abgrenzung der Universitaten von den
Technischen (heute Fach-) Hochschulen, Neugrundung von
Fakultaten etc. Selbst der gegenwartig nicht nur bei vielen
Intellektuellen, sondern auch bei einigen Politikern geradezu
inbriinstig gepflegte und sich in wenig konkreter Technikkritik auRernde Kulturpessimismus war durchaus auch in
dieser Grunderzeit wissenschaftlicher Gesellschaften und zugleich der chemischen GroBindustrie schon virulent. Dennoch haben weiterblickende Geister rechtzeitig den engen
Zusammenhang von kulturellerjzivilisatorischer Entwicklung und wissenschaftlichem/technischem Fortschritt erkannt und eine weltweit einmalige Forderung der Naturund Kulturwissenschaften auf den Weg gebracht. Nur vor
Angew. Chem. 1993, 105. Nr. 7
C
diesem Hintergrund ist zu verstehen, wie sehr Hofmann unter anderem auch als Pionier neuer Formen der Koopcration
von Universitit und Industrie gelten darf.
Praziser noch geht Christoph Meinel (Regensburg) auf die
gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ein,
in die die Karriere des ,,Regierenden Oberchemikers" A. W.
Hofmann, die ihn von Liebigs Laboratorium in GieBen iiber
Bonn, London und wieder Bonn schlieBlich nach Berlin
fuhrte, eingebettet war. Bald schon erkannte man in Hofmann den Bannertrager der revolutionaren Ideen Liebigs zu
einer an experimenteller Forschung ausgerichteten Lehre,
denen man auch in England grolje Beachtung schenkte. Es
war daher nur folgerichtig, ihn bereits rnit 27 Jahren 1845
zum Leiter und Griindungsprofessor des Royal College of
Chemistry in London zu berufen, um dort eine wissenschaftsorientierte Ausbildungsstitte zu realisieren. Auch die chemische Forschung orientierte sich zu jener Zeit neu, von
mehr analytischen Fragen hin zur Entwicklung gezielter
Synthesen. Hofmann bediente sich dabei der Stoffklassenorientierten Substitutions- oder Typentheorie quasi als Schablone zum systematischen Erkennen neuer Strukturen. Mit
seinen breitgestreuten Aktivitaten im Rahmen von Weltausstellungen, als zeitweiliger Prasident der Chemical Society
und als Referent popularwissenschaftlicher Vortrage war er
zudem eine herausragende Figur des offentlichen Lebens.
Nach seiner Ruckkehr nach Berlin, 1865, konnte Hofmann
dann mit dem ganzen Gewicht seines in England envorbenen
wissenschdftlichen Renommees die Chemie an die Spitze der
Universitatsmodernisierung setzen. Meinel vergiWt aber
auch nicht zu vermerken, daW Hofmanns wohl nur aus dem
damaligen Zeitgeist heraus verstandliche, pompos ubersteigerte Selbstdarstellung und Beweihraucherung sogar bei seinen engeren Kollegen heftigste Kritik hervorriefen.
Die nachsten drei Kapitel beschaftigen sich aus englischer
Sicht mit dem EinfluB A. W. Hofmanns und der GieBener
akademischen Tradition auf die britische Wissenschaftskultur. Dabei betont Colin A. Russell (Milton Keynes, GroBbritannien) vor allem den kosmopolitischen Wissenschaftler
in seiner freundschaftlichen Verbundenheit mil Europas
Spitzenchemikern und auch der Royal Family, dessen
Sprachgewandtheit beispielsweise rnit dazu beitrug, dem
Journal of the Chemical Socicty Weltgeltung zu verschaffen
und der spater in seinem Heimatland die Deutsche Chemische Gesellschaft nach dem Vorbild der Londoner Chemical
Society modellierte. Ein argerlicher Lapsus ist Russell insofern unterlaufen, als er Georg Wittig, der zur selben Zeit wie
Karl Ziegler in Marburg bei Hofmanns Schuler K. von Auwers arbeitete, in der Nachfolgergalerie Hofmanns schlicht
vergaB. William A. Brock (Leicester, GroDbritannien) analysiert dann einige von Hofmanns Vortragen zur Popularisierung der Cheniie, in denen dieser mit metaphernreicher
Sprachgewalt imnier wieder die Bedeutung seines Faches fur
Kultur und Wohlstand propagierte und fur niehr (staatliche)
Unterstutzung warb. Nach Gerrylynn K. Roberts (Milton
Keynes, GroBbritannien) spiegeln Hofmanns 20 englische
Jahre eine ,,uneasy balance between pure and applied science" wider, die Hofmann auch im Rahmen seiner Aufgaben
an der Government School of Mines verspiirte. Die dort
geforderte praktisch-analytische Ausbildung versuchte er
beharrlich durch starker wissenschaftlich angelegte Chemiestudien zu ersetzen, wie sie allerdings erst zum Zeitpunkt
seiner Riickkehr nach Berlin vom neugegrundeten Royal
College of Science in Dublin eingefiihrt wurden.
Im ersten reinen Sachkapitel beschaftigt sich Michael N .
Keas (Norman, USA) rnit Hofmanns Studien zur Natur organischer Basen, die zur Entwicklung einer Theorie des Ammoniak-Typs fuhrten. Darauf aufbauend propagierte Hofmann ab 1865 ein ,,truly natural chemical classification
VCH Verlugsgesellschuft mbH, 0-69469 Weinheim, 1993
0044-8?49:93:0707-1151$10.00+ .25j0
1151
system, a structurally-interpreted type theory consisting of
the hydrochloric acid, water, ammonia, and methane types".
Unter dem Titel .,Science and Technology for an Empire"
setzt sich Anthony S. Travis (Jerusalem) rnit Hofmanns Bedeutung fur die Chemie dcr Teer- und Anilinfarbstoffe und
ihre Kommerzialisierung auseinander, an der auch andere
damals in England weilende deutsche Chemiker (Heinrich
Caro, Carl Alexander Martius, Peter Griess) und naturlich
der Mauvein-Entdecker und Hofmann-Schuler William H.
Perkin gebuhrenden Anteil hatten. Gerade in den vielfaltigen
Wechselbeziehungen Hofmanns und Caros der sich unter
dem Einflulj des ersteren vom Coloristen zurn Chemiker
wandelte - mit britischen und deutschen Farbstoffunternehmen sieht der Autor den essentiellen Ausgangspunkt fur das
erstmalige Aufkommen einer wissenschaftsbegrundeten Industrie.
Die nun folgenden Ausfiihrungen von Hans-Werner
Schutt (Berlin) zum Zustand der Chemie in PreuBen vor
A. W. Hofmann sollte man direkt im AnschluD an die Kapitel von Burchardt und Meinel lesen, da sie sich ebenfalls an
dem gesellschafts- und bildungspolitischen Umfeld jener
Zeiten orientieren. Im wesentlichen wird hier auf Liebigs
Kritik an der Auffassung der preuBischen Kultusverwaltung
abgehoben, die Chemie sei keine fundamentale Wissenschaft
und infolgedessen auch keines eigenstandigen Studiums
wert. Immerhin scheinen Liebigs Belehrungen in Berlin soviel Eindruck gemacht zu haben, daR nach dem Tode seines
Widerparts Eilhard Mitscherlich schlieBlich A. W. Hofmann
dorthin berufen wurde. um auch in dieser Region die neuen
Ideen eines forschenden Lehrens in die Realitat umzusetzen.
So gesehen gehort auch Regine Zotts (Berlin) Studie zu Liebigs und Hofmanns Gemeinsamkeiten und Besonderheiten
eher in den Kontext der einleitenden Aufsatze. Kernthese ist
hier, da13 zwar beide Forscher gemeinsam und mit grol3em
taktischem Geschick fur die Selbstindigkeit ihres Faches
Chemie fochten, jedoch in ihrem theoretischen, philosophischen und politischen Engagement deutliche Unterschiede zeigten; obwohl junger, erwies sich Hofmann als
zeitgebundener und konventioneller denn sein ambitionierterer Lehrer und Freund Justus Liebig.
Ausgehend von den ,,fast mythischen Dimensionen" bei
der Einschatzung von A. W. Hofmanns Rolle bei der Entwicklung der Farbenindustrie durch seine Zeitgenossen und
Biographen, erstellt Willem J. Hornix (Nijmegen) eine kritische Analyse von dessen wissenschaftlichen Beitragen zur
Farbstoffthematik, wobei zum wiederholten Male der weitgespannte soziale Kontext und die internationale Verwobenheit dieser Arbeiten zutage tritt. Bemerkenswert auch, daB
Hofmanns EinfluR selbst dann dominierend blieb, wenn seine auf dem Ammoniak-Typ fuljenden falschen strukturellen
Vorstellungen von den Anilinfarbstoffen mit den richtigen
Triphenylmethan-Strukturen Kekules in Konflikt gerieten.
Mit sehr aufschluBreichen Detailbetrachtungen - auch zu
den politischen Hintergrunden - vermittelt Jeffry A. Johnson (Villanova, USA) eine weitere AuBensicht auf
,,Hofmann's Role in Reshaping the Academic-Industrial Alliance in German Chemistry". Mit viel Sympathie werden
hier A. W. Hofmanns Bemiihungen um moderne Ausbildungsstatten zum Betreiben zweckfreier Forschung, das
deutsche Patentwesen und die Institutionalisierung der akademischen/industriellen Zusammenarbeit im Rahmen der
wissenschaftlichen Gesellschaften gewurdigt. Dalj hieraus
entscheidende Vorteile fur Deutschlands Chemiker und Industrie erwuchsen, spricht fur kausale Zusammenhange, die
man gerade heutzutage wieder in Erinnerung rufen muB.
Einem ganz andern Thema widmet sich Elisabeth Christine Vaupel (Munchen) in ihrem Bericht zu ,,A. W. Hofmann
und die Chemie auf den Weltausstellungen". Man erfahrt,
~
1152
{C VCH Verlagsgesellschafl mbH, 0-69469 Wciizhrim, 1YY3
wie sich Hofmann hier durch brillante Berichterstattungen
als Juror systematisch in eine fuhrende Position hinaufarbeitete und somil ein weiteres Forum hatte, seine Vorstellungen
zur Gleichgewichtigkeit von angewandter und reiner Forschung zu propagieren. Allerdings rief diese Umtriebigkeit
auch deutliche Kritik bei vielen Kollegen hervor, die in Hofmanns ,,Prestigesucht, Amterhaufung und MachtmiBbrauch" (,,schamlose" Protektion z.B. bei Preisverleihungen)
bedenkliche menschliche Schwachen sahen. Unter umweltpolitischen Gesichtspunkten ist von Interesse, daB man sich
bereits seinerzeit (um 1855!) bemiihte, die giftigen blei- und
arsenhaltigen Farben zu achten.
In welcher Weise Hofmanns Wirken auch in den Osten
Europas ausstrahlte, dokumentiert Sona Strbinovli (Prag)
mit ihrer Sicht der Liebig- und Hofmann-Schulen an den
Prager Universitaten und der Entwicklung der Chemie in
Bohmen. Dort bezogen sich namlich die tschechischen ebenso wie die unabhangig daneben wirkenden deutschen Technischen Universitaten bei der Gestaltung ihrer Chemieausbildung direkt oder indirekt auf Hofmann. Es versteht sich von
selbst, daB Hofmann auch an den kontroversen Diskussionen zur Reform der Chemikerausbildung an den deutschen
Hochschulen im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts einigen Anteil hatte, wie Hartmut Scholz (Berlin) belegt. Im
Grunde waren hier ahnliche Statusfragen wie heute im Spiel,
wenn um die relativen Wertigkeiten von Gymnasial- und
Realschulbildung, Universitaten und technische Hochschulen, Staatsexamen und Dissertation oder um die Heraustrennung der Naturwissenschaften aus den philosophischen Fakultaten gestritten wurde.
Im Lichte der vielfaltigen Verbundenheit A. W. Hofmanns
mit der Farbstoffchemie und der Farbenindustrie markieren
die beiden folgenden Kapitel sicherlich einen der Angelpunkte des vorliegenden Sammelbandes. ,,Farbstoffe zu
Hofmanns Zeiten und heute" ist der historische Abrilj von
Peter Suchanek (Leverkusen) uberschrieben, in dem die
wichtigsten Entdeckungen und Verfahren auf diesem Gebiet
aus industrieller Sicht nachvollzogen werden. Man findet
hier unter anderem Informationen iiber die neuesten Entwicklungen in der Druckfarben-, Laserfarbstoff-, Farbbildner- und Tintendruckertechnik sowie uber die zunehmende
Berucksichtigung okologischer Belange bei der Produktforschung. Dem Bunten auf den theoretischen Grund geht dann
Siegfried Dahne (Berlin-Adlershof) in seinem Beitrag
,,Struktur-Farbe-Beziehungen im Wandel der Zeit." Aufbauend auf der Feststellung, daB Hofmann wegen seines
Beharrens auf der Typentheorie zeitlebens tiefere Erkenntnisse bezuglich des Zusammenhangs zwischen Struktur und
Farbe venvehrt bleiben muBten, beschaftigt sich der Autor
systematisch mit der Entwicklung der eigentlichen Farbstofftheorien von der Chromophortheorie iiber die Mesomerielehre und das Polymethinkonzept bis hin zu den modernen quantenchemischen Rechenvcrfahren. Dem gerade bei
letzteren zu beklagenden Verlust an Anschaulichkeit wird
dann mit dem heuristisch eindrucksvollen Triadenprinzip
und seinen einfachen Farbregeln begegnet.
DaB auch die eigentlichen Hofmann-Reaktionen in der
modernen Synthesechemie noch venvendet werden, erlautert
Hans-Georg Henning (Berlin) an einigen Beispielen, bei denen leider das Zusammenspiel von Text und Formeln etwas
durcheinandergeraten ist. Aber erst, wenn man den Titel
,,Phosphorchemie bei A. W. Hofmann und heute" vor Augen hat, wird man wieder gewahr, daB Hofmann neben seinen ,,groljen" Reaktionen und Arbeiten auch grundlegende
Untersuchungen zur Phosphorchemie zum Fundus unseres
heutigen chemischen Wissens beigetragen hat. Damn zu
erinnern, ist die Absicht Herbert Teichmanns (Berlin Adlersdorf), der in seinem Ruckblick unter anderem zeigt, dalj
0044-8249/93/0707-IfS2S tO.OO+ 2 S j O
Angew. ChPm. 1993, 105, N r . 7
Hofmann sich in seinen diesbeziiglichen Synthesestudien
erstmals des Umpolungsprinziys bediente. Selbst aus dem
Blickwinkel der medizinischen Chemie sieht man vielerlei
faszinierende Beziige zu Hofmanns Werk, wie Giinther Wess
(Frankfurt-Hoechst) seine Betrachtungen uber ,,A. W. Hofmann, Arzneimittelsynthesen und Aspekte der medizinischen Chemie" resiimiert. Und dies nicht nur, weil schon
einige der zu Hofmanns Zeiten bekannten Arzneimittel ein
Anilingeriist hatten, sondern auch, weil einige der von ihm
entdeckten Substanzen und Reaktionen bis in die heutige
Zeit in der Arzneimittelchemie Verwendung finden. Im iibrigen hat nach Ansicht des Autors Hofmann in seinen Ausfuhrungen zur Organischen Chemie und Heilmittcllehre wichtige Entwicklungen auf diesem Gebiet richtig vorhergesagt.
Als charakteristisch fur die Entstehungsgeschichte vieler
Unternehmen der heutigen GroBchemie kann Gerd J. Wlasichs (Berlin) ,,Geschichte der Schering AG -Von der griinen
Apotheke zum Chemiekonzern" angesehen werden, deren
Griindungsphase in Hofmanns Berliner Zeit fiel. Zentral
und das Leitmotiv dieses Sammelbandes unterstreichend
stehen auch hier wieder die engen Kontakte des Fabrikanten
Ernst Schering zu den Chemikern der Berliner Universitat
und seine Mitbeteiligung an der Griindung der Deutschen
Chemischen Gesellschaft 1867, deren erster Schatzmeister er
bis 1880 blieb.
Der abschlieoende Aufsatz von Uwe Biethan (Marl) uber
,,A. W Hofmann und die moderne Polymerchemie" konnte
auch als Japitel der verpahten Gelegenheiten" iiberschrieben sein. zeigt er doch, in wie vielen Fallen Hofmann schon
sehr nahe an der Polymerchemie dran war, daraus aber keine
Erkeniitniskette ableitete. So hat er als erster Polystyrol zwar
nicht entdeckt, aber beschrieben sowie Formaldehyd hergestellt und oligomerisiert, dies aber nicht weiterverfolgt. Auch
mit seinen Arbeiten zur (1so)Cyanat-Chemie ist er haarscharf am Polymerkonzept vorbeigeschrammt, wahrend die
von seinen Lieblingsuntersuchungsobjekten abgeleiteten
neueren Polyamin- und Polyanilin-Kunststoffe auherhalb
seines Erfahrungshorizonts lagen.
lnsgesamt hake ich diese umfassende Wurdigung von Person und Werk des - wie es mehrfach zum Ausdruck kommt
- ,,ersten Eurochemikers" A. W. Hofmann fur voll und ganz
gelungen. Es ist gerade das Zusammenwirken der zahlreichen von den unterschiedlichsten Ansatzen ausgehenden
Autoren aus Wissenschaft, Wissenschaftsgeschichte und Industrie, das uns ein so geschlossenes, durchaus auch kritisches Bild einer der friihen Leitpersonlichkeiten unserer Wissenschaft und ihrer Wechselwirkungen mit einem schon
damals europaweiten wissenschafts-, wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Gefuge vermittelt. Es ware angebracht gewesen, hier noch einige Stimmen zur Ausstrahlung von Hofmanns Wirken in die romanischen und slawischen Kulturkreise hinzuzufugen. Des weiteren hatte es auch nicht geschadet, einige biographische Informationen iiber die beteiligten Autoren zu geben, zumal am Ende der jeweiligen Kapitel hierfur geniigend Platz gewesen ware. lch kann dieses
Werk jedem ernsthaft an der Chemie Tnteressierten wirmstens empfehlen. Den professionellen Chemikern, um fur
einige besinnliche Stunden der hektischen Betriebsamkeit
des alltaglichen Wissenschaftsgeschafts zu entrinnen, den
Studierenden zur Erholung in den ,,harten Phasen" der Examensvorbereitungen, zumal sich je nach Interessens- und
Stimmungslage auch die selektive Lektiire der Einzelkapitel
lohnt. Dabei wird vielleicht manch einem, der nicht ganz
unempfindlich gegen den besonderen Reiz hundertjahriger
Anniversarien ist, in Erinnerung kommen, dal3 gerade ein
Jahrhundert vur A. W. Hofmanns Wirken in England (18451865) ein anderer groBer Deutscher, der Rarockmeister
Georg Friedrich Handel, dort seine Triumphe feierte, wahAnx:pw. C'hem.
1993, 10>, N r . 7
rend ziemlich genau ein Jahrhundert nach Hofmanns Ankunft in GroBbritannien ein weiterer groBer Neuerer der
Chemie, Otto Hahn, zusammen mit seinen Kollegen aus der
deutschen Atomzunft eher unfreiwillig die Gastfreundschaft
dieser Nation in Anspruch nehmen und dort das Kriegsende
erleben durfte.
Dieter Hellwinkel
Organisch-chemisches Institut
der Universitat Heidelberg
Homogeneous Catalysis. The Applications and Chemistry of
Catalysis by Soluble Transition Metal Complexes. 2. Auflage. Von G. W Parshall und S. D.Iftel. Wiley, New York,
1992. XII, 342 S., geb. 39.95 6.- ISBN 0-471-53829-9
Gegliedert nach den klassischen Reaktionen der homogenen Ubergangsmetallkatalyse beschreibt dieses nun in zweiter Auflage vorliegende Buch den aktuellen Stand dieses Arbeitsgebietes. Dabei liegt der Schwerpunkt weniger bei mechanistischen Fragen als vielmehr bei den vielfaltigen Anwendungen dieser Chemie. Neben zahlreichen Hinweisen
auf niitzlichc Methoden zur eleganten Synthese sonst
schwierig herstellbarer organischer Verbindungen im LabormaBstab umfaMt dieses Buch eine umfassende Zusammenstellung aller industriellen Anwendungen der homogenen
Katalyse.
Ein gliicklicher Umstand ist die Erfahrung der Autoren
aus langjahriger Tatigkeit an fuhrender Stelle der zentralen
Forschung der Pirma Du Pont. Dies zeigt sich nicht nur in
der Berucksichtigung der relevanten Patentliteratur, sondern
auch in der nahezu encyclopadischen Erfassung und Wichtung der kommerziellen Anwendungen. Das Spektrum reicht
hierbei von groRtechnischen Prozessen wie dem SHOP-Verfahren der Shell (Ethenoligomerisierung, Methathese) und
dem Adipodinitrilverfahren der Du Pont (Hydrocyanierung
von Butadien, Isomerisierung) iiber Verfahren zur Herstellung von Zwischenprodukten wie 1,4-Butandiol (Hydroformylierung von Allylalkohol nach Kuraray) bis zu Spezialitaten und Pharmaprodukten wie Synthesen von Vitamin A
(Hydroformylierung und Isomerisierung, BASF), L-Mentho1 (enantioselektive Isomerisierung, Takasago Perfumery)
sowie einer neuen Synthese von S-Naproxen 8 (enantioselektive Hydrierung, Monsanto).
Die Autoren zeigen, wie sich die homogene Katalyse nach
den spektakularen Erfolgen bei GroBverfahren in den Siebzigern und Aclitzigern nun zunehmend init neuen Anwendungen in der Feinchemie durchsetzt. Dies wird durch industrielle Synthesen von Pharmaca, Pflanzenschutzmitteln,
Riechstoffen und Chemikalien fur die Elektronikindustrie
belegt. Dariiber hinaus wird das methodische Arsenal stiindig
verfeinert, so daB enantioselektive Synthesen vor allem bei
Hydrierungen und Isomerisierungen heute ebenso als Standardverfahren zu werten sind wie homogenkatalytische Umsetzungen in zwei Flussigphasen, bei denen der Katalysator
durch Phasenscheidung abgetrennt wird.
Einen umfassenden Uberblick dieser Entwicklung zu geben
ist das besondere Verdienst dieses Buches. Sehr erfreulich und
niitzlich sind die den jeweiligen Kapiteln zugeordneten umfangreichen Literdturverzeichnisse, die nach Ubersichtsarbeiten und spezifischen Referenzen geordnet sind. Zu loben
ist hier neben der Vollstandigkeit auch die Aktualitat -erfal3t
ist die Literatur bis Ende 1991. Gut gelost ist auch der leichte
Zugriff iiber das Stichwortverzeichnis, das ein rasches Auffinden einer Reaktion nach Edukt/Produkt, Katalysatormetall und Reaktionstyp ermoglicht.
G VCH Vrriugsgesellschufz m h H . 1MY469 Weinheim,1993
0044-8249/Y3:0707-1153 B tO.OO+ .2jjO
1153
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