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Die Ansicht von Tarugi ber die Bildung und Zusammensetzung des Chlorkalks.

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1690
Ditz : Ansicht Tarugis uber Zusammensetzung des Chlorkalks. [ a n ~ ~ ! ~ ~ ~ f ~ ~
also fur technische Zwecke einfach und passend.
Will man gleichzeitig das Eisen bestimmen,
so muB man den Eisenhydroxydniederschlag durch
Auswaschen mit reinem Wasser von Ammoniumchlorid befreien, bevor man gluhen und wagen kann.
Es 1aBt sich aber erwarten, daB das unter Anwendung eines so groBen Ammoniakuberschusses gefallte Eisenhydroxyd bestimmbare Mengen Kieselsaure enthalt. DaB die Ermittlung der letzteren
nicht vernachlissigt werden darf, zeigen folgende
Versuche: Abgemessene Volumina Eisenchloridlosung wurden wie oben bei der Eisenzinktrennung
behandelt. Das durch doppelte FLllung erhaltene
Eisenhydroxyd wurde gegluht und gewogen, dann
das Eisenoxyd durch anhaltendes Gliihen im
Wasserstoffstrome reduziert, das metallische Eisen
gelost und der aus Kieselsaure bestehende Ruckstand abfiltriert und gewogen. Zur Sicherheit
wurde derselbe noch durch Eindampfen rnit etwas
Fluorwasserstoffsaure und zwei Tropfen Schwefelsaure auf Reinheit gepruft und ein hierbei bleibender
geringer Ruckstand in Abrechnung gebracht:
1. 10 ccm FeC13-Liisung, entsprechend 58,O mg
Fe,03, wurden mit 20 ccm Ammoniak gefkllt.
Gefunden: 60,l mg Fe,03, darinnen 1,7 mg
SiO,, entsprechend 2,9% der angewandten
Menge Fe,03.
2. 50 ccm FeCI3-LGsung, entsprechend 289,9 mg
Fez03, wurden mit 30 ccm Ammoniak gefallt.
Gefunden: 292,9 mg Fez03, darinnen 2,6 mg
SiO,, entsprechend O,S% der angewandten
Nenge Fe,03.
Der Kieselsauregchalt des ausgewogenen Eisenoxyds darf also keinesfalls vernachlassigt werden.
Dabei ist die Menge der im Eisenoxyd enthaltenen
Kieselsaure abhangig von der des angewandten
Ammoniaks.
Die Methode der Trennung des Eisens von Zink
durch Ammoniak ist also fur die titrimetrische Bestimmung des Zinks nach S c h a f f n e r oder
G a 11e t t i wohl brauchbar; fur gewichtsanalytische
Bestimmungen ist sie nicht zu empfehlen, und zwar
erstens, weil durch die Ermittlung des Kieselsauregehalts im Eisenniederschlage die Bestimmung dieses
Metalles umstandlicher wird, und weil zweitens das
Filtrat von der Eisenhydroxydfillung infolge Zusatzes von Ammoniumchlorid und Auswaschens mit
dieses Salz enthaltendem Wasser betrachtliche
Mengen Ammoniumsalze enthalt, welche die Bestimmung der in diesem Filtrate noch vorhandenen
Metalle hiiufig erschweren werden.
Aber auch sonst bietet die Trennung des Eisens
von Zink durch Ammouiak keine Vorteile vor der
genauen Bcetatmethode, die bei richtigcm Arbeiten
bei e i n m a 1 i g e r Ausfiihrung genaue Resultate
gibt. Allerdings sind die Ansichten uber die Genauigkeit und Brauchbarkeit dieser letzteren Methode ebenso verschieden wie die Vorschriften fur
ihre Ausfuhrung. Ich habe daher auch betreffs
dieses Verfahrens eingehende vergleichende Untersuehungen ausgefiihrt, uber deren Resultate ich
nachstens berichten werde.
Die Ansicht von Tarugi uber die
Bildung und Zusammensetzung des
Chlorkalks.
(Mitteilung a m dem chemisch-technologischen Laboratorium der deutschen Technischen Hochschule zu Brunn.)
Von HUGO
DITZ.
(Eingeg. d. 29.17 1905.)
Zu den vielen bereits vorhandenen Theorien
und Hypothesen iiber die Bildung und Zusammensetzung des Chlorkalks ist in neiiester Zeit noch
eine hinzugekommen, namlich die von X. T a r u g i 1). Die betreffende Arbeit wurde zu Anfang
dieses Jahres auch in dieser Zeitschriftp) referiert.
Ich hatte zufallig auch Gelegenheit, die nicht allgemein zugangliche Originalabhandlung zu lesen
und mich davon zu uberzeugen, daB einige, im
Referate enthaltene, unrichtigen Literaturangaben
von jenen der Originalabhandlung zwar etwas abweichen, aber auch in dieser ebenso unrichtig enthalten sind.
Vor der Richtigstellung dieser Literaturangaben will ich aber zunachst die Ansicht von T a r u g i uber die Bildung und Zusammensetzmg des
Chlorkalks selbst in Besprechung ziehen. Der genannte Autor hat die Beobachtung gemacht, daB
Kalkhydrat, wenn man es langere Zeit an der Luft
laBt, gewisse Reaktionen zeigt, welche nach ihm
darauf hinweisen, daB die Bildung eines Superoxyds
stattgefunden hat. Zunachst auf diese Beobachtung griindet T a r u g i seine ganz eigenartige
Hypothese der Chlorkalkbildung, indein er annimmt, daB auch in dem zur Fabrikation yon
Chlorkalk verwendeten Kalkhydrat die Gegenwart
einer geringen &lenge eines Kalkperoxyds anzunehmen ist. Andererseits entsteht nach ihm, durch
Einwirkung von Chlor auf Wasser, Salzsaure und
Sauerstoff; die Salzsiiure reagiert mit dem Kalkperoxyd unter Bildung ciner Verbindung CaO2ClZ.H,O,
wahrend der entstehende aktive Sauerstoff eine
frische Quautitat von Kalkhydrat in das Peroxyd verwandelt, welrhes mit der Salzsaure wieder
in Reaktion tritt. T a r u g i gibt fur die seiner
Ansicht nach stattfindenden Prozesse die foigenden
Gleichungen an :
+
4Q 2HzO =4HC1+ 0 2
CaO, .H,O, + 2HC1=Ca02C1, 2H20
CaO .H,O + 02=Ca02.H202
CaO, .H,O, + 2HC1= Ca02C1, 2H,O
+
+
T a r u g i nimmt nun fur den Chlorkalk die
Formel CaO,Cl,. H,O an, welcher ein Chlorgehalt
von 44,090/, aktives Chlor entsprechen wurde.
Es sei mir zunachst gestattet, diese Formel an
einigen von mir gelegentlich meiner Untersuchungen
uber die Bildung und Zusammensetzung des Chlorkalks3) durchgefiihrten Analysen voii Chlorkalk
rechnerisch zu prufen.
Der in dieser Arbeit mit (3 B.) bezeichnete
Chlorkalk hatte nach der Analyse die folgende Zusammensetzung .
1)
N. T a r u g i , Gaz. chim. ital. 34, 11, 254
(1904).
2)
3)
Diese Z. 18, 104 (1905).
H. D i t z , diese Z. 14, 3. 25. 49. 105 (1901).
1691
H e f t ~ ~ r l '~$i .~ ~ ~ ~ ~ g lDitz
W 5: ..Ansicht
1
Tarugis uber Zusammensetzung des Chlorkalks.
40,40% bleichendes Chlor.
4,900/, ,,freies" CaO4)
4,459/, CaC03
0,35% CaClz
17,56% Gesamtwasser.
Berechne ich nun nach der Formel von T a r u g i , CaO,Cl,. H,O, die Zusammensetzung des
Chlorkalks, so erhalte ich :
40,40yo bleichendes Chlor entsprechen 91,69%
der Verbindung Ca02C12.H20 nach der Proportion
40,40:x = GI, :CaO,Cl, .HnO = 70,9 :160,92
40,40.160,92
x== 91,60% CaO,CI,.H,O
70,9
Diese 91,6906 Ca 0,C12. H,O wiirden 10,26y0
H,O enthalten; durch Subt'raktion derselhen vom
Gesanitwassergehalte (17,56%) erhalt man das uberschiissigc W-asser in der Menge von 7,3004.
Bei Annahme der Formel von T a r u g i ware
also in diesem Chlorkalk enthalten :
91,69y1 Ca0,C12. H,O
4,9004 ,,freies" CaO
4,4504 CaC03
0,3506 CaCl,
7,29c3%uberschiissiges H,O.
108,6806.
Rechnet man nun noch fiir die noch nicht berucksichtigten Verunreinigiingen des urspriinglichen
Kalkhydrat,s (SiO,, Fe,O, usw-.) ca. 0,6?/,, so haben
v i r 109,3y0. Dieser Chlorkalk miiBte also bei Annahme der Formel von T a r u g i nach d.er Analyse 109,304 enthalten. Daraus ergibt sich schon
c"er notwendige SchluB, daR die von T a r u g i
p,ufgestellte Formel fur den Chlorkalk u n r i c h t i g sein muW. Der f'herschul3 voii 9,3% entspricht
einem Atom Sauerstoff; rechnnngsmaDig betragt
1 Atom Sauerstoff, gem5B dem vorhandenen aktiven Chlorgehalt 9,12%.
T a r u g i beging bei der r\ufstelluiig seiner
E'orniel in erster Linie die zwei folgenden Fehler:
nahm er stillschweigend an, daa im Chlorkalk
mtliches Kalkhydrat chloriert wirrl, sich also
kein unchlorierter Kalk in irgendeiner Form im
Chlorkalk vorfindet,, welche Annahnie aber mit
allen bisher gemachten Erfahrungen im Widerspruche steht; 2. machte er den alten Fehler, der
wiihrend des vorigen Jahrhunderts bei fast allen
Arbeiten uber die Bildang und Zusammensetzung
des Chlorkalks und bei der Aufstellung der verschiedenen Hypothesen inimer und immer wieder
gemacht wurde, ind.em er die im Chlorkalk vorhandenen Verunreinigungen, bestehend aus den
Verunreinigungen des urspriinglichen Kalkhydrats,
dem iiberschussigen Wasser und den durch Nebenreaktionen gebildeten CaC1, und CaC1,06, bei der
Aufstellung seiner Hypothese und seiner Formel
nicht in Betracht zog.
Wiirde man namlich von den genannt'en, durch
die Analyse bestimmbaren und in dem speziellen
.
~
~~
4) So bezeichne ich den nichtchlorierten Kalk,
welcher nach meinen Untersuohungen als Verbindung
('ao. ca<ga. H,O
im Chlorkalk enthalten ist.
Beispiele auch bestimmten Bestandteilen des Chlorkalks absehen, so hatte man in den 91,6S0~1der
nach T a r u g i im Chlorkalk enthaltenden Verbindung Ca02C1,. H 2 0 40,4096 bleichendes Chlor.
Wiirde man nun einfach rechnen, daB die Differenz
auf 100 aus den ,,Verunreinigungen" bestehen
wiirde, so wiirde man bei Beziehung des bleichenden
Chlorgehaltes auf loo?: die Proportion erhalten :
40,40 : y = 91,68 : 100
Daraus ware y = 44O4 bleichendes Chlor, was,
da nach der Formel von T a r u g i der Chlorkalk
44,09% enthaltrn 5011, eine sehr schone Obereinstimmung geben wiirde. Es ist eigentlich uberflussig noch besonders z d betonen, d a I3 d i e s e
Art, d e r R e c h n u n g g a n z n n r i c h t i g
w a r e , da man doch die analytisch festgestellten
Bestandteile eines Proddrtes nicht als nicht vorhanden betrachten kann.
Der seiner Analyse nach angegebene Chlorkalk (3 B) ist, wie aus meinen seinerzeitigen Untersuchungen hervorgeht, gemKB der von mir aufgestellten l'heorie nach der l'ormrl
zusammengesetzt. Er enthalt :
40,40°/, bleichendes Chlor
31,91°,() gebiindenes CaO
4,90% ,,freies" CaO
11,81O$ H,O entspr. dem Gesamt-CaO.
-~
89,05°/o ,,reiner" Chlorkalk
5 , 7 3 6 H,O entsprechend den1 iiberschusaigem H,O irn Kalkhydrat.
4,4504 CaCO,
Bezieht nian die erhaltenen Resnltate auf
89,050/, ,,reinen" Chlorkalk, so ergibt sich das bleichende Chlor zu 45,36OL (theoretisch 45,60), das
,,freie" CaO zu 5,50°/, (theoretisch 5,15).
Die Unrichtigkeit der von T a r u g i angegebenen Formel ergibt sich selbstverstandlich in
gleicher Weise nicht nur bei Priifung derselben an
der Analyse des angegcbenen Chlorkalks, sondern
auch bei jeder anderen, rirhtigen Chlorkalkanalyse.
-41s zweites Beispiel dafur sei die rechnungsmajlige
Priifung mit dem in ineiner Arbeit mit (4.) bezeichneten Chlorkalk durchgefuhrt.
nerselbe enthirlt 43,14O() bleichendes Chlor;
diesen wiirden nach T a r u g i 97,930/, der Verbindung CaOaClz.H,O entsprechen rnit einem
Wasscrgehplte von 10,96O/,. Das Gesamtwasser
betrug 16,360/,, daher das iiberschussige Wasser
5,40%. Die Zusammensetzung des Chlorkalks ergibt sich bei Anpassung der durch die Bnalyse
ermittelten Zahlen a n die Forinel von T a. r u g i ,
wie folgt:
97,93O4 Ca0,C12. H20
1,80%, ,,freies" CaO
5,40% uberschiissiges H,O
4,41°/, CaCO,,
109,54%,.
Wir hatten also in dieseiu Falle, wenn wir
noch die Verunreinignngen des urspriinglichen Kalkhydrats beriicksichtigen, anstatt 100yo ungefahr
11004 als Summe der Bestandteile. Das Plus von
212.
1692
Ditz: Ansicht Tarugis uber Zusammensetzung des Chlorkalks.
10% entspriclit wieder unqefahr einern &om
Sauerstoff (berechnet 9,73%).
Um nicht nur an v o n m i r durchgefiihrten
Chlorkalkanalysen die Formel von T a r Ligi zu
priifen, wahle ich noch a19 drittes Reispiel einp von
L u n g e 6) angegebene Analyse eines sehr guten
1,aboratoriumchlorkalks. Derselhe enthalt nach
der Analyse:
38,890/, CaO
43,13y0 bleichendes Chlor
0,29oL, Chloridchlor
entspr. 0,44y0 CaC1,
17,00% HzO
0,42% c07.
entspr. U,95Od> CaCO,.
Daraus wurde sich die Zusammensetzung des
Chlorkalks gemLB T a r u g i s Formel wie folgt
berechnen :
97,90% Ca02C1,. H20
(enthaltend 10,9C0/, HZO)
6,80% Ca(OH),G)
(enthaltend l,6Sy0 H,O)
0,95y0 CaCO,
0,44% CaC1,
4,3804 uberschussiges Wasser
1lO,a70/,.
Hier betragt das Plus uber lO0O;h 10,47%.
Die Resultate der angegebenen Berechnungen
bei Anwendung der von T a r u g i aufgestellten
Formel fur den Chlorkalk. zeigen demnach in sllen
drei angefuhrten Beispielen zur Genuge, daB dieselbe unrichtig sein niuD. Ob die von ihm beobachteten Realrtionen und ihre Deutung, bestehend in der miiglichen Bildung cines Calciumperoxyds im Kalkhydrate bei der Einwirkung von
Luft, richtig sind, will ich zunachst niaht in Zweifel
liehen. DaB dieselbe aber nicht die von T a r u g i
vermutete Rolle bei der Bildung des Chlorkalks
spielen kann, das steht wohl nach dem Gesagten
auBer Frage. Jch lasse es auch ganz dahingestellt,
in welcher Weise die von T a r u g i auch als Stiitze
seiner Ansicht angegebene Reaktion bei der Einwirkung von Chlorkalk auf Quecksilber verlauft.
Sicher ist fur mich nur eins, daR dieselbe wegen
der Unrichtigkeit der angenornmenen Formel fur
den Chlorkalk nicht quantitativ nach der angegebenen Cleichung Ca02C1, t Hg= CaO, HgCl,
verlaufen wird.
Narh dem Gesagten ist es wohl ube'rfliissig,
die von 'r a r u g i aufgestellten Rildungsgleichungen
naher zu diskutieren oder sonstige Grunde, welche
gegen die aufgestellte Formel CaO,Cl,. H20sprechen,
anzufuhren. Ich will bloB noch auf einen Umstand
hinweisen. Die Endgleichung von T a r u g i fur
die Bildung des Chlorkalks lautet :
CaO, .H,O, 2HC1= Ca02C12+2H20,
Wenn man nun selbst annehmen;wurde, daB
diese Gleichung richtig ware - was tatsachlich nicht
der Fall ist -, so sollte man doch glauben, daB
dem Chlorkalk die Formel Ca02Clz.2H20 zukommen
sollte. Es ist gar kein Moment angefiihrt, weshalb
denn das zweite Molekul Wasser bei der Formel
+
+
Handbuch der Sodaindustrie 3, 373 (1896).
6,80y0 Ca(OH), , entsprechend 5,14y0
,,freies" CaO.
5)
6,
[ an,","~~$~~'",~le.
tusgeschaltet werden soll. Logischerweise sollte
loch auch dieses zu der Formel gehoren, da es ja
tuch bei der Bildung des Produktes im Chlorlralk
verbleibt. Wahrscheinlich hat T a r u g i sich nur
deshalb zu der Formel Ca02C12.H 2 0 entschlossen,
damit nach derselben 44% bleichendes Chlor dem
Produkte zukomrnen und nicht 39,6y0, w-elche der
FormelCa02C1,.2H,O entsprechen wiirden, ein Argument, dem natiirlich keinerlei Beweiskraft zukommt. DaB T a r u g i auch nicht einmal den
Versuch gemacht hat, das gaiiz charakteristische
Verhalten des Chlorkalks in der Warme, die in
bestimmter Weise stattfindende Zersetzung unter
Abgabe von Wasser, Chlor und Sauerstoff mit
Hilfe seiner Formel zu erkllren, sei nur nehenbei
erw8hnt.
Es erubrigt mir nun noch, die von T a r u g i
gemachten unrichtigen Literaturangaben zu berichtigen. In der Einleitung zu seiner Abhandlung
fuhrt er zunachst die Ansichten uber die Bildung
und Zusammensetzung des Chlorkalks von B a lard, Frrsenius, Odling, Lunge,
L u n g e und 6 c h a p p i und zuletzt meine
Theorie an, die ihm aber nur aus meiner ersten
vorlaufigen Mitteilung hekannt ist7). da er meine
spateren Veroffentlichungen nicht erwahnt. Zunachst mochte ich richtig stellen, daB die Formel
2CaO,HCl+ CaC1, ninht von L u n g e , sondern von
S t a h 1s c h m i d t herriihrt. Ganz merkwiirdige
Angaben bringt nun T a r u g i bezuglich m e i n e r
Ansicht iiber die Bildung und Zusammensetzung
des Chlorkalks, die nach der Literaturangabe zwar
meiner ersten Arbeit entnommen sein sollten, aber
von T a r u g i , spedell was die in seiner Arbeit
angegebenen Gleichungen resp. besser gesagt Ungleichungen anbelangt, in einer mir unbegreiflichen Weise umgeandert sind. Er macht namlich
folgende Angaben :
,,In der ersten Periode bilden sich gleichzeitig
zwei Produkte, das eine nach der Reaktion
4Ca(OH), C1,= 2Ca0.CaOCl, + 4H20
=2CaOC1, + 2H,O
mit einem Gehalte VOD 48,9y0 aktivem Chlor,
das andere nach der Reaktion:
2Ca(OH), t C12=2Ca0. CaOCl, t 2H,O
mit einem Gehalte von 32,4y0 aktivem Chlors).
In diesen beiden Gleichungen, welche, wie ich wohl
nicht erst ausdriicklich zu benierken brauche, in
keiner meiner Arbeiten jemals enthalten waren,
sind zunachst sanitliche Gleichheitszeichen falsch,
weil auch nicht cin einziges Ma1 der ersten Forderung einer Gleichung entsprochen wird. daB die
Werte links vom Gleichheitszeichen, jenen rechts
von demselben entsprechen. Es ist mir nicht bekannt, ware mir auch nicht recht erkliirlich, ob
diese VerstiiRe vielleicht auf Druckfehler zuruckzufiihren sind, und ob T a r u g i dies vielleicht
spater richtiggestellt hat. Ich kann es mir auch
nicht erklaren, daR, wenn T a r u g i es suhon uber-
+
-
H. D i t z , Chem.-Ztg. 22, 7 (1898).
Im Referate in dieser Z. (loc. cit.) sind die
beiden etwas abgeanderten, aber ebenfalls unrichtigen Gleichungen angegeben :
4Ca( OH), C12 = 2Ca0. CaOCl, +4Hz0
2Ca(OH)z C12 = CaOCl, +2H,O.
7)
8)
+
+
H e f ~ ~ ~J$~~{~g.g.1905.]
l ~ , .
Kolb : Die Einwirkung von Salzsiiure auf Kaliumchlorat.
haupt fur notwendig findet, die von mir angegebenen Gleichungen ohne Grundangabe zu modifizieren, er dies einerseits nicht ausdriicklich angibt
und andererseits dies in so griindlicher Weise durchfiihrt, daR uberhaupt keine Gleichungen mehr vorliegen. Selbstverstandlich niuW ich die Autorscha€t der beiden angegebenen ,,Gleichungen" sowohl aueh die oben erwahnte Interpretation derselben entschieden ablehnen.
Ganz abgesehen von diesen fehlerhaften Angaben, halte ich cs im allgemeinen fur geradezu
bezeichnend fur die Art und Weise, mit welcher
noch immer manchmal die Frage nach der Bildung und Zusammensetzung des Chlorkalks behandelt wird, dalj der Autor, der sich zur Aufstellung einer neuen Ansicht iiber eine der schwierigsten Fragen der anorganischen Chemie bemiissigt
findet, es nicht fur notwendig erachtet, sich erst
iiber die betreffende Literatur eingehend zu informieren. Es ist ja gewiB nicht ausgeschlossen, in
dieser so grundlich durchgea.rbeiteten Materie noeh
neue, fur die Aufhellung mancher Detailfragen
vielleicht wichtige Beobachtungen zu machen. Ob
diese aber geeignet sind, die Grundlage einer neuen
,,Theorie" iiber die Bildung und Zusammensetzung
des Chlorkalks zu bilden, wenn letztere von vornherein mit einer Keihe von liingst bekannten Tatsachen im direktcn Widerspruch steht, erscheint
wohl sehr fraglich. Es genugt ehen nicht, irgend
eine neue Beobacbtung anzufiihren und derselben
eine Hypothese anzupassen. Iliese Hypothese mu8
vielmehr auch mit den ron anderen Butoren experimentell gefundenen Tatsachen in Ubereinstimmung stehen, soweit diese nicht von anzerer Seite
mit Sicherheit 81s irrig oder fehlerhaft hingestellt
worden sind. Man darf sich jedoch nicht damit
begnugen, hloR einige wenige, manahmal ganz unente anxnfiihren, welche dem Anie aufgestsllte Hypothese sprechen,
und darf nicht den, dem mit dem Gegenstande
vnrtrauten Fachmanne sich von selbst aufwerfenden
Hauptfragen einfach ails dem Wege gehen. Auf
die prinzipiellen Fehler, welche bei der Aufstellung
vieler Hypothesen iiber die Bildung und Zusammensetzung des Chlorkalks gemacht wurden, nnd
melche auch zum Teil in dem hier vorliegenden
Falle zu konstatieren sind, habe ichg) iibrigens gelegentlich meiner ltritischen Besprechung der von
W. v. T i e s e n h o 1t lo)aufgestellten Hypothese ausfiihrlioh erortert und kann mich daher hie, mit dem
Hinm-eke darnnf begniip;en.
Nochrnals die Einwirkung von Salz=
ssure auf Kaliurnchlorat.
Mitteilung aus dem cliemischen Institut von W. S t s e d e l ,
techn. Hochschule Darmstadt.
Von A. KOLB.
loo&)
(Eingeg. den 7/10.
I n Heft 38 dieser Zeitschrift, S. 1516, unterzieht Herr H u g o D i t z die Arbeiten von
H. D i t z , diese Z. 15, 749 (1902).
l o ) W. v. T i e s e n h o 1 t , J. prakt. Chem. 63,
30 (1901); diese Z. 14, 675 (1901).
9)
1693
D a v i d s o n und mirl) iiber die Einwirkung von
Salzsaure auf Kaliumchlorat einer Besprechung und
a& schlieBlich seine Ausfiihrungen in 5 Satze zu:ammen, in denen er fur sich und seine Mitarbeiter
Prioritatsanspriiche geltcnd macht. Da nun diese
Mitteilung des Herrn D i t z vielfach den Eindruck
iervorrufen wird, als oh wir uns unberechtigterweise auf ein Gebiet begeben hatten, das seither
iur von H e m D i t z und seinen Schiilern betrbeitet worden ware und dementsprechend auch
hm meiterhin bewahrt bleiben miiBte, mochte ich
tlierzu unsere Ansicht auBern.
Rcreits im Jahre 1901 hat mich die Zersetzung
ies Chlorats durch Salzsaure beschlftigt, und ich
mchte schon damals, dime Zersetzung bei gewohnlicher Temperatar vorzunehmen und, wenn miiglich,
7;u einer quantitativen Bcstimmung anszugestalten,
sber einzelne Versuche uberzeugten mich bald, daR
hierbei Nebenreaktionen stattfinden, die der Aufk6rung bedurften.
Ende des Sommerscmesters 1903 haben nun
D a v i d s o n und ich systematisch eine Untersuchung dieser Reaktion vorgenommen, woriiber
wir um so weniger Bedenken hegten, als die Herren
D i t z und K n o p f e l m a c h e r wegen der beobachteten Nebenreaktionen zur Bestimmung des
Chlorats die Reduktion mit Bromwasserstoff vorschlugen. Wenn nun die genannten Herren wirklich die Absicht hatten, das Studium der beobachteten Nebenreaktioncn aufzunehmen, so ware
innerhalb eines Zeitraumes von 2 Jahren eigentlich
Zeit genug gewesen, um diese Absicht einemgr6Beren
Leserkreis dieser Zeitschrift kund zu geben. Sber
abgesehen davon kann es meines Erachtens einer
Sache, die wegen der vielseitigen Bearbeitung in
den letzten Jahren doch wohl etwas Interesse haben
muB, nur forderlich sein, wenn sie von verschiedener
Seite in Angriff genommen wird. Ich mochte in
dieser Hinsicht hauptsachlich auf die Arbeiten von
B r a y2) und S a n d3) hinweisen. Dadurch, daB
wir die Arbeiten des Herrn D i t z und seiner
Schiiler in sachlicher Weise zitierten, gaben wir
doch zur Genuge kund, daB p i r die Verdienste,
welche die genannten Herren sich durch ihre Untersuchungen erwarben, in keiner Weise schmalern,
noch eine Prioritat fur uns in Bnspruch nehmen
wollten.
Als wir unsere Unterwchungen begannen, sind uns uber die erwkhnten Nebenreaktionen bei der Zersetzung des Chlorats durch Salzsaure eben nur Vermutungen bekannt gewesen, und
wir haben desbalb weiter nichts %vieTatsachen ermittelt, die in unseren teiden Bhhandlungen nicdergelegt und zur Erklarung des Reaktionsverlaufs
herangezogen wurden.
Was nun die %on uns zur Bestimmung des
Ghlorats empfohlene Arheitsweise, der von seiten
des Herrn D i t z jegliches praktischc Interesse
kurzerhand abgesprochrn wird, anbetrifft, so sind
wir daruber doch anderer Meinung.
Ich beabsichtige nun keineswegs, durch Anfiihrung der besonderen Vorteile oder Nachteile der
einen oder anderen Mcthode eine Lanze fiir die
Diese Z. 17, 1883 (1904); 18, 1047 (19051.
Centralblatt I, 907, (1903); I, 75 (1904).
Z. physikal. Chem. 47, 122, (1904).
3 ) Z. physikal. Chem. 50, 466.
1)
2)
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