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Die Aufgaben des industriellen Chemikers.

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I
_
Die Aufgaben des industriellen Chemikus.
Die V e n t i 1 a t o r s c h w e f e 1 s a u r e (I)war eine in diinner
Schicht durchsichtige, Mare, ofige Fliiasigkeit von dunkelgriiner
Farbe, die bei vorsichtigem Zusatz von Waeeer zunii.chst die Ausscheidung eines w e i h n Niederachlages (Bleieulfat) zeigte, dem sich
bei weiterer Verdiinnung rotes Selen beimischte. Beim Verdiinnen
niit Wasser war ferner neben einem schwaohen, fadigen (rettigilhnlichen) Geruch (H,Se?) zugleich ein deutlicher Geruch nach
Schwefeldioxyd wahrnehmbar. Qualitativ konnten auch geringe
Mengen Areen festgestellt werden.
Bei der quantitativen Untersuchung wurde zuniichst, der Gehalt
an f r e i e r S c h w e f e 1 s ilu r e durch Titration der entapreohend
verdiinnten Saure mit l/*-n. Kalilauge zu 97,82% bestimmt6). Der
Gehalt an S e 1e n (nach erfolgter Oxydation des elementaren Selens
init Salpetersiiure), nach S. L i t t m a n n7) und auch gewichfsanabytisch ermittelt, ergab sich zu 0,211%. Der Gehalt an B 1 e i wurde
zu 0,84%, der A r s e n g e h a I t zu O,Oll% bestimmta).
Der Arsengehalt der im Ventilator abgeschiedenen Schwefeleiiure
ist demnach im Vergleich zu den beiden anderen Verunreinigungen
(Pb und Se) sehr gering, bestiitigt aber die einleitend erwiihnte,
schon von anderer Seite gebrachte Festatellung, daB eine vollstilndige
Abscheidung des Arsens im Eisenoxydkontakt nicht erfolgt. Durch
die relativ geringe Menge an Ventilatorsiiure wird uhrigens von dem
in den Gasen enthaltenen Arsen nur wenig entfernt; die weitaus
groBere Menge wird erst in dcr sich hiuter dem Ventilator anschlieknden Reinigungsanlage abgeschieden.
Fiir das Vorhandensein von S e 1e n in der ,,Ventilatoreohwefel%we'' sind die von S. L i t t m a n no) in seiner unter dem Titel:
,,Das Verhalten dea Selens im Schwefelsiiurebetrieb," veroffentlichten Arbeit gemachten Angaben von Intereeae. Nach L i t t m a n n
findet sich im Flugstaub der Kiesijfen und der anschliebnden Staubkanimern im allgemeinen kein Selen; auch im Gloverturm werden
nur hiichsteiis 20% dee Selens abgeschieden, wilhrend der weitaus
groilltc Teil in die Bleikanimern gelangtlo). Demnach wilre ee erkliirlich, daB grijDere Mengen des in den Riistgaeen enthaltenen Selens,
auch hier beim Kontaktverfahren, auf dem Wege bia zum Ventilator
unabsorbiert bleiben und sich mit der Ventilatorsiiure abscheiden
konnen. tfber die Form, in der das Selen in den Gasen enthalten
ist, gelangt L i t t m a n n zu der Anechauung, daB ,,der Hauptanteil des im Bleikammerbetrieb von der Abrostung bis zur vollendeten Schwefeleiiurebildung mit den Gaeen fortgefiihrten Selens
intermediar nur eine leichtfluchtige labile und in niedrigerer Oxydationsstufe - wahrscheinlich SeO-Stufe - stehende Selenverbinclung" win kann11).
Da bei der qualitativen Priifung (der Ventilatorsliure) neben
elementarem Selen bzw. der Verbindung (SeSO,)SO, auch SeO, und
H,SeO, nachgewiesen werden konnten, wurden auch die Mengen
an diesen Selensauerstoffverbindungen (neben Selen) quantitativ
e m i t t r l t und folgende Durchachnittswerte erhalten:
6e als freies &]en . . . . . . , . 0,105%
Se els ~%O,. . . . . . . . . . . 0,115,.
Se nls H&O.O,. . . . . . . . . . 0,004,,
der vorliegenden Abhandlung rnitgeteilten Ergebniase und Versuche
iiber die Loslichkeit von Bleisulfat in hochkonzentrierter und rauchender Schwefelsaure (vgl. Z. anorg. Chem. 98, 128 [1016]) auch auf
die Feststellung der Wirkungsweise der Hochofenschlacke bei der
Abscheidung des Arsens auu den Gasen (vor ihreni Eintritt in den
Platinkontakt) erstreckten. Da Herr K a n h B; u s e r seit Kriegsbeginn im Felde steht, sind die Untersuchungen bisher nicht vollstiindig abgeschloasen worden. Die vorliegende dbhandlung ist
von inir (nuf Grund der Laboratoriumubiicher) abgefalt worden.
a.m.
Das nlittels Pyknometer ermittelte spezifische Gewicht der
Siiure betrug bei 20" 1,8583.
') 8. L i t t m a n n (Angew. Chem. 19, 1088 [1006]).
8 ) Dic fur die Untersuchung angewendeten, von uns zum Teil
ausgearbeiteten oder iiberpriiften analytischen Methoden sollen,
soweit sie von allgemeinerem oder praktischem Interesse sind, bei
nnderer Gelegenheit mitgeteilt werden.
D, S. L i t t m a n n (Angew. Chem. IS, 1030, 1081 [1906]).
lo) I m vorliegenden Falle konnte ein Teil des Selens in den
Absorptionstiirmen zuriickgehalten werden, so daB die in der ersten
Absorption erhaltene Schwefelsiiiire sowohl As als auch Se enthalten wird. Eine Zuriickhaltimg von Selen im Eisenoxydkontakt
diirfte nicht merklich stattfinden, wenigstens konnten wir bei wiederholter qualitativer Priifung von (im Eisenoxydkontakt) a w e brauchten Kiesabbranden entweder gar kein oder nur iiuhrst geringe S uren von Selen nachweisen.
11) 8ber die Entstehung und Zusanimensetzung dieser Verbindung vgl. I, i t t m a n n (a. a. 0.).
6)
[sng%~d~lkle.
Von der Gesamtmenge dee Se ist d e m h etwas weniger als die
(SO3), vorhanden. Die Gegenwart von Selensiiure in der Ventilahrsiiure, also auch in den vom
Eisenoxydkontakt kommenden Gasen, wiire insofern auffallend, als
die Egistenz von Selensilureanhydrid bekanntlich nicht sichergestellt istl,), und die Annahme der Entstshung von tselensilure
unter den vorliegenden Verhilltnimen auch nicht ohne weiteres erkliblich erscheint'a).
(8chluB folgt.)
HUte als elementares Se bzw.
&I&
Die Aufgaben des industriellen Chemikers.
Aus ,,the Chemical Trade Journal'* vom 16. MPrr 1918, 9.2!?4 und vom 28. MBrz
9. 244.
(Eingeg. 2244. 191&)
Vorbemerkung des Ubersetzers: Der ersta Aafsatz stammt von
einem nicht genannten Mitarbeiter der Zeitschrift, wlihrend der
zweite, der eine Emiderung auf jene Ausfiihrungen enthiilt, von
Dr. E. P. H e d 1 e y gezeichnet ist. Beide Aufsbitze enthalten auch
fiir deuteche h e r mancherlei interessante Angaben und Schlaglichter zur Frage der soeialen Stellung der Chemiker in England.
,,In den Erorterungen, die sich an die Notwendigkeit einer besonderen Organieation der englischen Chemiker gekniipft haben, hat
man auch die Frage behandelt, wie die finanzielle Lage der einzelnen Fachgenoeeen verbessert werden kann. Durch die gewohnlichen
Methoden der Orgmisation und dea Zusammensehlussea kann der
Chemiker mindeatens darauf hoffen, so vie1 zu verdienen, daB er s d n
Leben frieten kann. Wenn man aber iiber jene bescheidenen Anspriiche hinaus will, so bietet sich nur eine Methode dar, die darin
beateht, daB man den Wirkungsbereich dea Chemikers vergr6Bert.
Dies kann nur dadurch geachehen, daB der Chemiker durch erhohte Leistungen seinen Wert in hoherem Grade beweisen kann,
und jedenfab emcheint ea dem Schreiber dieser Zeden, daB der
Chemiker zulzeit noch von dieaen wirklich nutzbringenden Leistungen allzuweit entfernt ist. Mit anderen Worten, der Chemiker
ist jetzt noch nicht in der Lage zu sagen: ,,Meine Leistungen haben
zugenommen, und die Kosten haben abgenommen." Wie kann
dieaem Zustande jedoch abgeholfen werden ?
Es iet kiirzlich darauf hingewiesen worden, daB man sich ernsthaft mit der Frage bchhilftigen solle, daB der Chemiker es a n der
F B; h i g k e i t z u r L e i t u n g u n d a n d e m r e c h t e n H a n d e l s g e i s t (controllmg ability and commercial instinct) fehlen lasse,
was man ihm beidea Z M Vorwurf mache. Wo solle er aber jene
Fiihigkeiten erwerben? Auf der Univemitiit wohl kaum. Ein Profeasor, der imetande w&re, seinen Studierenden jene Fiihigkeiten beizubringen, wiirde daa in ewter Linie zu seinem eigenen Nutzen tun.
EBbleiben also nur die Fabriken iibrig. Welche Moglichkeiten bietet
aber der Arbeitgeber dem einzelnen Chemiker, und b o n d e r s den
jtingemn unter ihnen, um d i e Fiihikeiten und jene geschllftlichen Kenntnisse eu erlernen? Bietet der Fabrikant wirklich
dem Chemiker eine ausreichende Gelegenheit, um zu hoheren Stellungen aufzusteigen? Ich mochte noch etwas weiter gehen als der
Verfaaser einea vor einiger %it im ,,Chemical Trade Journal'' erschienenen Aufsatzes, der sich mit der Fabrikorganbtion der groBen
chemischen Werke befaBt hat, und die Frage stellen, warum jene
hoheren Stellungen des technischen und selbst auch des kaufniannischen Leitew nicht ebenso gut auch den Chemikern offen etehen
sollen? Lie@ irgend ein Grund vor, weshalb die jiingeren Chemiker
nicht auch die Moglichkeit haben sollten, die Leitung auf dem Grbiete der Fabrikation, dea Handels und selbst der Lagerverwaltung
zu ubernehmen? Da die Jiingeren nicht alle Chefchemiker werden
kbnnen, so wiirde ea wiinschenswert erscheinen. daB man ihnen
wenigstens eine gowisee Hoffnung darauf macht, d a 5 sie nicht in
jener Sackgasae stecken bleiben, die dem chemischen Assistenten
droht.
In emter Reie kommt der kaufmiinnische Leiter der Fabrik iu
Betraoht. Maglioherweise besitzt der Chemiker nur einen m a n g e h f t
ausgebildeten Handelageist, weil seine rein wissenschaftliche Schulung
ea auf dieaem Gebiete ganz besondew fehlen Iiilt, aber sollte man
") V 1. G m e l i n - F r i e d h e i m , Handbuch d. anorgnn.
Chemie,
1, S. 768.
13) Bei der ermittelten sehr geringen Menge a n Seleuaiiure
miiohten wir dahcr unsere obige Angabe mit einigem Vorbehalt
angemhen wiseen. Nach L i t t m a n n (a. a. 0.) kommt Selenaiiure
unter normalen Verhaltnissen in den Bleikammern nicht vor. Er
konnte sie kaum in niinimalsten Spuren aiiffinden.
f.
Aaislrtzteil.
31. Jahrgang 19181-
151
Die Aufgaben des industriellen Chemikers.
aus diesern Grunde ihm alle Wttel nehmen, um diese Fiihigkeiten
spiiter zu erwerben? Vom Standpunkt der reinen Ausbildung betrachtet, entspricht der Chemiker mindestens dem reinen GeschHftsmann, und er sollte sich daher in einer weit besseren Lage befinden
iind viel eher imstande sein, die Entwicklungsmoglichkeiten neuer
Entdeckungen und Ersparnisse in der Fabrikation zu beurteilen.
AuJ3erdem verfugt der wissenschaftliche Chemiker aber auch sehr
hliufig iiber eine gewisse Kenntnis der Sprachen, die er sogar in
manchen Fiillen im Lade seiner akademischen Ausbildung im Auslande erworben hat. Das sollte aber in dem Kampfe um den auswiirtigen Handel als niitzlich angesehen werden.
Ferner kommt jene viel eriirterte Personlichkeit, der c h e m i
R c h e I n g e n i e u r ,in Betracht. In dem erwilhnten Aufsatz wird
darauf hingewiesen, daB der Chemiker eine griindliche Kenntnis des
Ingenieurwesens auf mechanischem und elektrischem Gebiete und
auch eine geniigende Kenntnis der angewandten Chemie und der
Ekktrochemie besitzen sollte. Man mu6 unwillkiirlich daran denken,
daB jene einzigartigen Personlichkeiten, welche solcheii Anforderungen geniigen konnen, doch wohl mehr in den Kreisen der konwltierenden Chemiker als in den Fabriken zu finden sein werden.
Wie die Dinge aber auch liegen mogen, so wiirde ea sicherlich unter
giinstigen Verhiiltnissen fiir den Chemiker leichter sein, eine geniigende
Kenntnis des Ingenieurweaens zu erwerben, um dadurch mit dem
Ingenieur auf seinem eigenen Gebiet verhandeln zu konnen, a1s e~
dem Ingenieur Miihe verursachen wiirde. geniigende chemische Kenntnisse zu erwerben, um sich dem Chemiker verstiindlich zu macheri.
(Eine sehr richtige Beobachtung - D. Red.)
Was dengewohnlichenF a b r i k - o d e r La b o r a t o r i u m s
r b e m i k e r a n b e t r i f f t , d e r d i e schlechteste Stell u n g v o n a l l e n e i n z u n e h m e n s c h e i n t , obwohIgera.de
seine Arbeit in den meisten Fiillen eine ausgebreitete und sich steta
erweiternde Kenntnis, gewohnlich auch eine sehr groBe Genauigkeit
und schlieBlich ganz besondem wertvolle moralische Charaktereigenxhaften erfordert, so soIIte die Fabrikleitung doch geniigendes Versthndnis fur jene Tiitigkeit beaitzen, urn die Leistungen dea Chemikers
hei der Kontrolle der Rohstoffe und Fabrikate, die fiir das Unternehmen von der podten Bedeutung erscheinen, richtig auszuwerten.
Endlich kommt noch der Forschungschemiker in Frage, der aber
vielleicht seine Sache wird selbst fiihren wollen.
Kurz gesagt, scheint es dem Verfasser dieser Ausfiihriingen,
daR der Chemiker in friiherer Zeit viel zu sehr im Laboratorium und
bei der win wissenschaftlichen Kontrolle festgehalten worden ist,
qo dal) er wenig oder gar keine Gelegenheit gehabt hat, zu zeigen,
daB seine Leistungen gestiegen sind, und daI3 die fur ihn bezahlten
Kosten entsprechend gesunken sind.
Herr L a n t s b e r r y macht in seinem Aufsatz iiber die Aufgaben des Fabriklaboratoriums folgende Bemerkungen: ,,Wenn der
Wiinsch der Industrie, naturwissenschaftliche Kenntnisse zur Hilfe
heranzuziehen, tatsiichlich vorhanden ist, so muB ein ganz ausgesprochenes Interesse daran bestehen, sich gute Technologen heranzubilden." Wenn nun, urn jenes Wort zu gebrauchen, daa so hiiufig
erwiihnt wird, die besten Intelligenzeen Englands der chemischen
Industrie zugefiihrt werden sollen, so muB man ibnen auch EntwickIungsmBglichkeiten eroffnen, wie sie anderen Berufen oder Gewerben
offen stehen.
Die einzige Methode, um die finanzielle Lage des Chemikem zu
vcrbessern, ist, wenn man von jenem keineswegs zu vernachliissigenden System des Zusammenschlussea absieht, in der Verbreiterung
wines Wirkungsbereichs zu erblicken. I c h m o c h t e j e d e n
f a l l s d i e B e h a u p t u n g a u f e t e l l e n , daB d i e A r b e i t g e b e r in friiherer Zeit den C h e m i k e r n keine ang e m e s s e n e n M o g 1i c h k e i t e n h o c h z u k o m m e n, geb o t e n h a b e n. Es scheint auch, ah wenn die Chemiker selbst
heute noch nicht geniigendes Interease an einer Vereinigung
besitzen, und daB sie ea ganz besondew auch an dem Willen fehlen
Inasen, ihre Wiinache in geeigneter Form zu iiuBern. Vielleicht ist ea
aber noch nicht zu spilt, so daB man die Hoffnung aussprechen kann,
CR werde aus der viel erorterten Frage der Organisation der Chemiker etwav herauskommen, das jene Bestrebungen fordern wiirde.
Der Zweck dieser Ausfiihrungen liegt darin, eine Erorterung in
Gang zu bringen, von der ich hoffe, daD die Arbeitgeber und Leiter
der chemischen Industrie ebenso wie die Chemiker eelbst sich an
ihr beteiligen werden.
Die erate Antwort auf dime Ausfuhrungen hat nun Dr. E. P.
H e d 1e y in folgender Weise gegeben:
,.In der letzten Nummer dea Chemical Trade Joiirnal hat ein
Mitarlwiter tlrr 7~it.schrift~
dic Frage aufgeworfen, wie die Aufgaben
-
-
-
des Chemikers erweitert werden konnten. Ww ist nun darunter zu
verstehen? Die Aufgaben des industriellen Chemikers sind ebenso
ausgedehnt wie die Welt. tfberall gibt ea Probleme, welche eine
Liisung erwarten, aber E n g 1 B n d b e R i t z t n i c h t g e n i i g e n d
Chemiker, um diese Aufgaben zu losen, und i n
vielen Fabriken ist auch die Moglichkeit gar
nicht vorhanden, jene Aufgaben einer Losung
e n t g e g e n z u f ii h r e n. Naturwissenschaftlich ausgebildete Leute
werden gar nicht zu den Stellungen berufen, die sie zum unberechenbaren Nutzen der Geaehhaften wiirden ausfiillen konnen, fur die
sie arbeiten w e n . M a n h a t i n E n g l a n d g e g l a u b t ,
d a B d e r B e s i t z a n K a p i t a l , sowie a n f i n a n z i e l l e n
u n d g e s c h i i f t l i c h e n E r f a h r u u g e n a u s r e i c h e , urn
a u c h i n d e r c h e m i s c h e n I n d u s t r i e E r f o l g zu
h a b e n . Das Beispiel Deutschlands an erster Stelle, und weiter
auch das der S c h w e i z . J a p a n s und A m e r i k a s hat nun
aber mit voller Khrheit gezeigt, daB eine solche Anschauung irrig
sei. Der Beaitz einea groBen Kapitab, der ja natiirlich stets von
groBer Bedeutung ist, kommt erst in zweit,erLinie. Das ,,g e i s t i g e
Kapital" d e r Firmen ist von viel groBerer Bed e u t u n g. Eine wissenschaftliche Leit,ung sollte stets in allen
Fabriken die Fiihrung haben. D e r r i e s i g e E r f o l g d e r
d e u t s c h e n F i r m e n riihrt im allgemeinen und in hohem
Grade von der Tatsache her, d a B d i e L e i t e r M i i n n e r m i t .
g u t e r c h e m i s c h e r u n d a l l g e m e i n e r Ausbildung
s i n d , u n d daB n i c h t n u r d i e technische, s o n d e r n
i m groBeii U m f a n g e a u c h d i e g e s c h a f t l i c h e P o l i t i k d e r F i r m e n v o n C h e m i k e r n g e l e i t e t wird.
Mehrere der bekanntesten Geschiiftsleute Deuhchiands sind ihrer
Ausbildung imd ihrem B e d nach Chemiker. Diese Tatsache s o h
daher die vorhwrschende irrige Ansicht beseitigen, daR e i 11 t.
wissenschaftliche Ausbildung eine schlecht n
V o r b e r e i t u n g f u r e i n e n U e s c h i i f t s m a n n darstelle.
Jenes System, wonach der Naturwissenschaftler die Moglichkeit erhiilt, sich an der Leitung zu beteiligen, bewirkte eine groaziigigere
Aqffassung und beflihigte die Fuhrer der Industrie, nicht niir 311
die Forderungen des Tagea zu denken. Die weitsichtige Politik jener
Miinner erscheint jedenfalls der groDteii Bewunderung und R'achahmung wert.
Die Vereinigung der drei deutschen Farbvtoffgescllechafteli der Badischen Anilin- und Sodafabrik,der Elberfelder Farben-Fabriken
und der Berliner Akt. Ges. fur Anilin-Fabrikation - beschiiftigte im
Jahre 1912 iiber 700 ausgebildete C h e u ~ e r von
,
denen die meisten
ihre Ausbildugg auf der Universitiit erhalten hatten. D e r U m f a n g d e r von d i e s e n W e r k e n g e l e i s t e t e n Arbeit
bestiitigt nach jeder Richtung hin meine Behauptung, daB auch der Chemiker sagen darf:
, , s e i n R e i c h s e i d i e W e l t . " Man denke doch daran, daB
jene Industrie urspriinglich in England ihre Heimat besaB, und da6
die Engliinder sie durch Mangel an Voraussicht verloren habn. Die
deutachen Farbenfabriken beschiiftigten sich in erster Linie mit der
Herstellung von Farbstoffen, aber sie dehnten ihre Arbeitstiitigkeit
auf die Gewinnung von pharmazeutischen und mediziischen Priiparaten aus. Sie arbeiteten auch Phne zur Bindung des Luftstickstoffs aus und beschiiftigten sich mit der Herstellung von kiinstiichen
Diingemitteln. Sie stellten ferner rauchende Schwefelsiiure und
synthetisch Kautschuk her, und sie arbeiteten auf dem h o n d e r s
anziehenden Gebiete der Katalyse und gewannen endlich auch kiinstliche Gerbstoffe. E s g i b t i n d e r T a t k e i n e n Z w e i g d e r
industriellen Chemie, i n den d i e Voraussicht,
die Energie und Erfindungsgabe jener Firmen
n i c h t e i n g e d r u n g e n i s t . Und trotzdem stellt man aber
noch jetzt die Forderung ad, daB der Chemiker seine Tiitigkeit
neuen Gebieten zuwenden solle !
Um nun die andere Seite der Medaille zu betrachten, so h a B
vorvielen JahrendieFirmaSimpson,Maul & N i c h o l s o n
eine Farbenfabrik in England. Dieae Firma wurde von E. C. N i c h o I s o n , einem hervorragend tiichtigen Chemiker, gegriindet
und geleitet, und unter seinerleitung war die Rentabilitat des Unternehmens auch geradezu hervorragend. Als er sich aber aus dem geschiiftlichen Leben zuriicbog, wurde seine Fabrik von den Herren
B r o o k e , S i m p s o n and S p i l l e r gekituft, und nach einer
kurzen Zeit der Bliite sank die Ergiebigkeit dea Unternehmens allm U i c h immer mehr. Wiihrend der Zeiten des Erfolges, die niit dem
deutmh-franzkischen Krieg zusammenfielen, wurden rieaige Gewinne
gemacht; tmtzdem wurden aber keinerlei Anstalten von der Firma
getroffen, urn mehr Chemiker einzu~telleiiund so fiir die Zukunft
m+
152
K. A. Hofmanns Lehrbuch der anorganischen Experirnentalchernie.
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--_rrn:~&elftC:kle
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chemie lehren und gerieten dabei aut beiden Gebieten in eine Halbheit, welche die Studierenden zur Oberfliiclilichkeit verleitete.
Einerseita hielt ?lie Tatsache. daU das Lehrbuch der anorganischen
Chemie nebenher die t.lieoretische Clieniie in erheblichem Umfang
behandeite, viele Studierende von dem heutzutage durchaus notwendigen Studium eines systematischen Lehrbuches der theoretischen
Chemie ab. Anderemits trat die Beschreibung der chemisehen
S t o f f e im Laufe der Zeiten immer mehr in den Hintsrgrund
gegeniiber der Theorie und wurde ellmahlich so liickenhaft, daO die
meisten Lehrbucher iiberhaupt kein zutreffendes Bild von deni
Umfange, den Arbeikgebieten und der Bedeutung der anorganischen
Experiinentalchelnie mehr gaben. Wohin man in d i e m Beziehung
gekommen war, zeigt z. B. ein Vergleich des weitverbreiteten
H o 1 1e in R n schen Buches mit dem alten trefflichen ,,R o s c o e S c ho rl e m m e r" in enchreckender Weise. Nur das E r d m a n n sche
Lehrbuch suchte sich von dem Fehler iibergrokr Beschriinkung
in der Auswahl des experimentellen Stoffes freizuhalten ; leider
war es aber in andemn Beziehungen iiickstllndig, so daB man clc
Studierenden hochstens ii e b e n einem zweiten Lehrbuch empfehlen konnte.
Die Zeiten haben sich geandert : Die Anforderungen, welche das
Studium der Chemie stellt, sind gegen friiher auDerordentlich gestiegen. Der Studierende kann nicht mehr wie einst mit einem
einzigen, miiDig uinfangreichen Lehrbuch der Chemie auskommen.
Zu seinein unentbehrlichen Werkzeug, das er sich recht bald zu
Beginn seines Studiums anschaffen sollte. gehoren heute neben
den Lehrbiichern der anorganischen und organischen Experimentalchemie Lehrbiicher der theoretiscben Chemie und chemischen Technologie. Erfreulicherweise stellen uns in Dentscliland jet.zt, nach
Erscheinen des H o f m a n n schen Werkes, fur alle die= GebietH
miistergiiltige Biicher zur Verfiigung.
Das H o f ni a n n sche Rucli kann rind wird dazu beitragen, dall
auch in der anorganischen C!emie, die man vielfach schon init
,,physikalischer Chemie" zu identifizieren pflegte, die Lehre voii
den chenischen Stoffen und den praparativen Verfahren und die
Experinientierkunst wieder zu vollem Rechte kommen, zu eineni
Rechte, wclches iibrigens in der o r g a n i s c h e n Chemie niemala
angetastet worden ist.. Die schonsten theoretischen Renntnisse
niitzen unseren jungen Chenukern, die in die Praxis gehen wollen,
nichts, wenn sie nicht verbunden sind tnit griindlicher Erfahrung
im Beobachten und ExperimentierPn, wie sie nur durch liingeren
personlichen Umgang mit chemischen Stoffen erworben werden kunn.
Voll Freupe am chemischen Stoff und an der Vielseit,igkeit chemiwhen Geschehens hat Herr H o f m e n n sein Buch geschrielien.
..- .- . . .... __
.
und diese Freude iibertriigt sich auch auf den Leser.
Mit Recht hat Herr H of m a n n mancherlei Ballast, den andere
khrhiicher mit sich schleppen, iiber Bord geworfen und verweist.
A. Hoftnanns Lehrbuch der anorga.nischen z. B. hinsichtlich physikalischer und mineralogischer Eleinentnrkenntiiisse sowie t,echnischer Einze1heil:en auf die diesbeziiglichen
Experim talehemie )
Ifihrbiicher. Er schildert die anorganische Chemie vom St,andpunkt
des d b s t . in vorderster L i n k schiirfenden Forscliers unter Beriick(Eingeg. 19./7. 1918.)
sichtignn~ tler Ietzten experimentellen und theoretischen UnterDa.9 Werk biltlet eine so wiclitige Brreicherung der deutxchen suchtingrn, ohne angstlich da.9 Gebiet des wissenschaftlich Umcheinischen Literatur, daU sich trotz der Papierknappheit eine strittenen zu meiden. Darurn stellt sein Buch ziemlich liohe Anausfuhrlichere Resprechung rechtfertigt. Von den vorhandenen forderungen an die geistige Mitarbeit seiner jungen Leser. was iiur
Lehrbiichern der anorganischen Chemie unterscheidet es sich, wie freudig begriiUt werden kann. hiltere Leser werden sich mit GennU
schon das Titelwort ,,E x p e r i m e n t a 1 chemie" andeutet, da- aus einzelnen zusamnienfassenden Ahschnitten uber die neimten
(lurch, daB es in erster Linie das Esperimentelle, die chemischen Fortscllrit,te der anorganischen Chemie unterrichten. Solche AbStoffe und deren Darstellufig. Eigenscheften und gegenseitigen schnitte sind 11. a. : ,,Elektronentheorie", ,,Molekularstrukt,ur dei,
Heziehungeii beriicksichtigt, dagegen die Reaktionslehre und die Krystalle", ,,Neuere anorganisch-chenlische Strukturlehre", ,,Radiotheoretische Chemie in die zweite Stelle riickt und nur so weit be- aktive Stoffe", ,,SchieU- und Sprengstoffe", ,,Verbreitung dcr
himdelt, als es fur das VerstLndnis der Experimentalchemie notig
Elemente auBerhalb der Erdoberflache". Auch der Physikochemikw
ixt. Dieses Verfahren konnte zunkhst als ein Riickschritt erscheinen,
kann reiche Anregungen fur neue Aufgaben schopfen.
els ein Riickfall in jene Zeit, d a es eine theoretische Chemie noch
Dab mancher Leser bei einem solchen, von einem vielbeschifnicht. gab und die Cliemie im wesentlichen noch die ,,ad Empirie
tigten Verfasser unter den schwierigen Zeitverhaltnissen neu geRich griindende ExperimentaUehre" war, als welche K a n t sie
schaffenen Werk hier und d a Ausstellungen zu machen hahen ~ird,
einst bezeichnete. I n Wirklichkeit ist es urngekehrt: Das H o f
ist selbstverstiindlich. J e nach seinem Standpunkt mag man seine
111 a n n sche Buch bedeutet einen wesentlichen P o r t s c h r i t t.
besonderen M'iinsche etwa hinsichtlich einzelner theoretischer AusEs riiumt endlich niit einem ubelstand auf, der sich in imere fiihrungen,
Abbildungen, Nomenklatur, Schreibweise oder teclinochemische Literatur eingeschlichen hatte und die Ausbildung unserer
logischer Angaben hegen. Dies sind Kleinigkeiten, welche bei der
jungen Chemiker schiidlich beeinfluBte. Die Lehrbiicher der an.
zweiten Auflage des Buches beriicksiclitigt werden konnen, die aber
oganisclien Cheniie, welche unseren Chemiestudierenden bisher zur
Verfiigung standen, waren unzuliinglich. Die meisten wollten zu- zuriicktreten neben der Freude an cler wertvollen Gabe, die urn Herr
gleich die t,heoretische Chemie und die anorganische Experimental- H o f m a n n beschert hat und die als wiohtiges Stuck un8ely.r
cheniischen Riistung fur die Zukunftakiimpfe heute besondere will Alfred Stock.
kommen zu heiUen ist.
I ) Brnunschweig 1918. Friedr. Vieweg & Sohn. XX und 7%
[A. 91.1
Yciten i l l i t 138 Abbildungen und 6 farbigen Spektraltafeln.
._ _
Verlry vou 0 t t o 9 v u iu e r , Lelpslg.
Verrntaortlleher Bedrkteur Prof. Dr. B 8 IIo 'w , LelpzlR.
3p&mericbe Bnebdruckeral In Lelprlg.
Voraorge zu treffcn. I m Gegenteil, das Unternehmen wurde beim
Aufhoren jener Gewinne geschwkht und fing bald an, in seiner
Bedeutungzo sinken. S e l b s t d i e E n t d e c k u n g e n e i i i e r
Anxahl wichtiger neuer Reaktionen und neuer
Parbstoffc, die in den Laboratoriender Firma
selbst gemacht wurden, konnte das Unternehm e n n i c h t v o r deni Riickgang b e w a h r e n , d a d i e
k a u f m a n ii i s c h e u n d u n w i s s e n s c h a f t l i c h e L e i
t u n g so unfiihig w a r , d a B sie d e n W e r t j e n e r n e u e n
E n t d e c k u n g e n g a r n i c h t v e r s t a n d , u n d daR sie
sich daher weigerte, die Entdeckungen ihrer
e i g e n e n C h e m i k c r a 11 s z u n u t z e n. Dies diente natiirlich dazu, die deuhche Konkurrenz zu stiirken, die von jenen Entdeckungeii schnell Gebrauch zu machen verstand. Beispiele von
jenen Entdeckungen. die dcr kiinlich ventorbene Professor M e 1
tl o 1 R gemaclit hatte, sind die Reduktion der' Nitrogruppe in den
Azoverbindungen, die ein lliittel gewahrt, um Diazofarben herzustellen, und seine Entdeckungen des E c h t b 1 a u e s , des ersten
Farbstoffes dcr Oxazinreihe. Weitere Entdeckungen wurden von
P r o f e s s o r G r e e n gemacht. Hierzu gehort die Fixiemng der
Farbstoffe auf der Faser mit Hilfe der Diazotierung und die Kupplung der Primulinfnrben und gelben Farbstoffe, die sphter ah T h i .z z o I g e 1 b und T li i o f 1 a v i n T beknnnt geworden sind. Diem
und andew Entdeckungen, die die deutschen Firmen schnell in ihrer
bdeutung erkannt baben, wurden in den Fabriklaborntorien Ton
H a c k n e y W i c k in dcn Jahren 1878-1888 gemacht, aber da im
Dircktorium dcr Fabrik keincrlei sachvcrstilndige Chemiker =Ben,
so brachtr das wcder der Firma. noch den Erfindern irgendwelchen
Nntzen.
I n der &it iinch dem Kricge wird England die Moglichkeit habcn,
seine Stellung wieder zu gewinnen. Ohne den Chemiker w i d Rich
das sber nicht durchfuhren laasen. J e t 7. t h a b e n w i r e i n
fach nicht genug Leute, um dem Bedarf zu gea iig e n. Professor L. V i g n o n meint, daB die Zahl der auagobildeten Chemiker im Verhiiltnis zur Bevolkerung in der Schweix, in
Deutschland, Fixnkreich und England sich wic 300 : 250 :7 : 6
atellt. \Venn man mit so wenig Hilfskriiften alle jenc Liicken wieder
nusfiillen will, SO darf man den jiingeren Chemiker, der auch einmal
ein iiltercr Chemiker werden wird, nicht in jene Sackgasso leiten und
ihm die hohen und die bedeutenden Gelehrtenstellungen eines
Handelsagenten iind s o g a r einea Chefs der Lagerverwaltung ubertmgeii wollen, wic cs in. dem vorhergehenden Auf6at.z angeregt
H. G. [A. 52.1
worden int."
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H.
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