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Die Ausbildung des photographischen Chemikers.

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Kieser : Die Ausbildung des photographischen Chemikers.
Die Ausbildung des photographischen
Chemikers.')
Von K. KIESER,Beuel a. Rh.
Die photographisch-chcmische Industrie unterscheidet sich in
den allgerneinen Anforderungen, welche sic an ihre iMtarbeiter
stellen muD, im Prinzip nicht von dcn anderen Industrien, bei dencn
in erster Linie ein groDes Ma13 von technischer Erfahrung vcrlangt
wird, das geleitct sein soll von einer guten chcniischen Denkweisc,
die aber unterstiitzt sein mu13 von eincm unifanglichen, praktischen
chemischen Wissen, wozu noch eine mogliclist umfassende Kenntnis
der Nachbarwissenschaften, insbesondere der Physik hinzukommen
SOU. Die vielseitigen Anwendungen der Photographie crfordern ja
notwendigcrweise wcnigstens ein allgcnieines Verstiindnis fiir das
Wesen der Verwendungsgebiete selbst.
In vieler Bedehung ahnclt die photographische Technik in
ihren Anforderungen der der Farbcrei. Auch bci diescr ist die technische Erfahrung, welche nur durch lange Ubung crlangt werden
kann, die Hauptsache, die aber sehr wesentlich unterstiitzt werden
kann durch eine urnfassende chemische und allgemeine naturwissenschaftliche Bildung. Dazu kommt bei der Farberei wieder in Ihnlicher Wcise \vie bei der Photographie bzw. der photographischcn
Technik, wclche ja auch die Hilfsmittel fiir ein kiinstlerischcs oder
wenigstens kunstgewerbliches Arbeitsgebict zu liefern hat, guter
Geschmaak, bci dcr Farberei insbesondere ausgedriickt durch die
Gabe einwandfreier Farbenkompoiiierung.
Vor etwa zwei Jahren konnte man nun in einer bekannten Farberfachschrift h e n , daD die Farberei nur der Techniker, nicht aber
der eigentlichen wissenschaftlichen Chemikcr bediirfc. Es war mit
ziemlich scharfen Worten gesagt, daLi die Irtzteren nach einer kurzcn
Volontarausbildung in der praktischen Farberei und in der Textiltechnik sich einbildeten, daa ganze Textilgebiet zu beherrschen,
wahrend man in der Farberei nur L u t e brauchen konne, auch an
leitender Stelle, welche jeden Handgriff und jede Arbeit eines Meiters
oder Arbeiters auch selbst machcn konnten, und zwar - auch
praktisch - noch bcsser als diese.
Ich darf wohl sagen, daD auch in der photographischen Industrie
z. T. dieselbe schlechte Meinung von den wieserwchaftlich auf Universitaten oder technischen Hochschulcn ausgebildcten Mitarbeitern
besteht. I n Deutschland herrscht in der photographisch-chemischen
Industrie noch fast durchweg das Mcistersystem, und ich behaupte
sogar, daD dies auch d a nocli allermcist der Fall ist, wo nominell
ein Chemiker der Leiter, z. B. ciner Emulsionsabteilung, ist. Ein
guter Teil unserer photographisch-chcniischcnFabriken, darunter
gerade die am besten prosperierendcn, werdcn rein empirisch gcleitet,
wihrend andere niit einer wissenscliaftlich anscheinend vollkommeneren Organisation nicht deimlben guten Ruf oder nicht dieselbe groDc Ausdehnung oder nicht densclben wiitmhaftlichen Erfolg
haben. - Das gibt doch zu denkcn und laBt vcrmuten, da13 eine Verbesserung der Arbeibgemeimchaft zwischen rein praktischer Erfahrung und wisscnschaftlichcn Kenntnissen inijglich und wiinschcnswert sei. Wic allcnneist ist es ja die mittlcre Linie zwischen zwei
Anschauungcn - hier der des Empirikers eineweits und des wissenschaftlich ausgebildcten Chcmikers andercrscita, welche Zuni besten
Gedeihen fiihrt. I m Auslande, besonders im feindlichen, wird ja
jetzt des ofteren angefiihrt, daD die abcrlegenheit der deutschen
chemischer Industrie fast a k i n auf deren wissenschaftlichen Mcthoden beruhc. Abcr daa ist unrichtig - ich sage sogar glucklicherweise unrichtig -, denn die chemischc Industrie Dcutschlands
verdankt ihrcn Erfolg der harmonischen Zusanirnenarbcit dcr wcrktatigen Arbcit mit dcr wissenschaftlichen Arbeit. Im Grunde genommen ist dcr einfachste Arbeiter eincs chernischen Betrirbes in
der Zuverlassigkeit seiner h i s t u n g fur das Ergebnis des Betriebes
gerade so notwcndig wie die Zuverlassigkcit des Betricbslciters selbst
oder dcs dern Betricbe angegliedcrten wissenschaftlichen Laboratoriums. Wenn nicht alle ihre Pflicht tun und Intcresse fur ihre
Tatigkeit und Licbe zu ihr habcn, so hilft die WiPsenschaft allein
auch gar nichts.
Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit sind doch im wcsentlichen auch international, so da13 durch die Wiseenschaft allein kein
Grund des besonderen Vorsprungs von Deutschland gegcben sein
wiirde. E q ist also kurz gesagt die Trcuc a n der Arbeit, wclche unserer
Industrie, besondcrs auch unserer chemischen Industrie die Vormachtatellung gegeben hat, und welche cs Deutschland auch ermog1) Vortrag, geh. in der Sitzung der Fachgruppe fur Photochemie, Hauptverwnmlung Frankfurt a. M., am 29.19. 1917.
[anz%2Etie.
lichen wird, nacli dem Kriege die ungcheuren Schaden, welche dcr
Krieg auch unserer Industrie gebracht hat, wieder gut zu machen,
und welche auch in der Zukunft alle Anschlage unserer Feinde auf
unsere dauernde wirtschaftliche Vernichtung zuschanden machen wird.
Ich habe oben die Farbereiindustrie und damit auch indirekt
die Farbenindustric rnit der photographisch-chemischen Industrie
in Parallele gestellt, aber das gilt natiirlich nur in bezug auf die
h n l i c h k e i t der Anforderungen, welche dicse Industrien a n ihrc
Mitarbeiter stellen und keineswegs in bczug auf die AuEdehnung
der letzteren und auf deren Bedeutung im Weltbandel. Die Bedeutung der photographischen Industrie fur den Absatz im Auslande
ist keineswegs groD, war cs ihr ja vor dem Kriegc noch nicht einrnal
gelungen, den heinkchen Markt sich auch nur zum groBten Teil
zu sichern. Es ist auch unzweifelhaft, da13 die Glanzperiodc, die
durch den Krirg unsercr photographischen Industrie beschiedeii
wurdc, auch bei eineni sehr giinstigen Frieden einer Kampfperiode
Platz machen wird - cin Grund mehr, um durch sorgfaltigste Oqanisation, und d a m gehort insbesondere die Ausbildung dcr Mitarbciter, sich friihzeitig dafiir zu wappnen.
Die meisten photographisch-chemischen Betricbe Deut~chlaiids
sind nun nicht so pro& daD eine vollige Spezialisierung des Chemikeir,
d. h. eine Beschrankung auf sein chcmischcs Arbeitsgebiet moglich
ware. I n den Fabriken photographischer Praparate, den Tmckr 11plattenfabrikcn, den Fabrikcn photographischer Papiere und in den
photographischen Rotationsbetrieben wird der Chemiker fast ausnahmslos die gesamte technische Leitung, einschlieDlich des Maschinenwesens, iibernehnien miissen, und seine Ausbildung mu13 ihn
befahigen, auch dafiir PO vie1 Verstandnis zu haben, daB er normalcrweise sich selbst zu helfen wei5 und nur bei g r o h r e n Neuanlagcn.
der Hilfe eiiier Ingenieurbcratung bedarf. Schon dieser Hinweis auf
die selbstandige Stellung des photographischen Chernikers zeigt,
daD dieser Bcruf nur von Lcuten ergriffen wcrden soll, welche Interesse an praktischcr Betiitigung haben, und wclche nicht nur gelchi?,
sondern auch geschickt sind, und welche sich u n k r Umstandrn auch
einrnal niit kleinen tcchnischen Hilfsmitteln zu hclfen wissen. Jemand, der z. B. keine eigene Handfertigkeit hat, wird niernals in
dcr Lage sein, einen kleineren Betrieb rationell zu fiihren, nicht
weil eeinc eigene Handfertigkeit selbst beanspmcht wird, sonderq
weil ihm die Gabe fchlen wird, mit den kleineren ihm zu Gebote
stehenden Mitteln zurecht zu kornnien.
Nicht allein die Betricbsleitung a n sich, eondern auch dic Dctailarbeit des photographischen Chemikers fordert Handgcschick und
praktischen Blick; es ist durchaus richtig, was oben im Hinblick
auf den Flrbereichcmiker gesagt wurdc, auch der Chemiker einrr
photographischen Betriebsstiitte mu0 alle Handgriffe eines Bkisters,
eines Emulsionars oder eines seiner Maschinenfiihrcr selbst und womoglich noch besser machcn konnen als diese. Haufig wird er den
einen oder den anderen der Genannten sogar vorubergehend bei Erkrankungen oder Ikurlaubungen crsetzen miissen.
Die speziellen Facharbeiten des photographkchen Chemikc rs
neben der Betriebsiiberwachung erstrecken sich insbesondere auf
den Einkauf und die Priifung der angekauften Rohprodukte oder
wohl allermeist Halbfabrikate, auf gelegentliche eigene praparatire
Arbeiten, auf die Priifung der Fcrtigfabrikate, auf das Studium d e r
Fachliteratur, der Patentliteratur und damit vcrbunden dcr Nachpriifung fremder Anmeldungen, der Ausarbeitung und Eimeichung
von Anmeldungcn des cigenen Betriebes sowie auf die Priifung
angebotener Verfahren.
Dcr Einkauf rrfordert gute Kenntniese in dcr W r t r e n k u n d e
Es ist schon von berufener Seite darauf hingewiesen worden, daB
es damit bei den Absolventen unserer Hochschulen ini allgemeincn
recht schlecht bestellt ist, und meine Erfahrungen in dcr Praxis bestiitigen dies. Eine gute Ausbildung i n allgcmeiner c h e m i s c h e r
T e c h n o l o g i e gibt nicht nur ein gutes Bild technischer Moglichkeiten und Verfahren, sondern fordcrt auch die so wichtige Warenkunde. Gerade auch die jetzige &it mit der Notwendigkeit des
Ersatzes von Rohprodukten und Halbfabrikaten, mit deren Verschwinden aus dem Handel man friiher niemals rechnen zu miisscn
glaubte, zeigte den Vorteil eines umfarssenden Wiszens auf d r m Gebiet der allgemeinen Warenkunde.
Die Priifung der Rohmaterialien und Halbfabrikate sowie die
Betriebskontrolle selbst setzt gute a n a l y t i s c h e K e n n t n i s s e
voraus. Sie wissen alle, daB das Analysieren bei unseren Studenten
im allgcmeincn gar nicht beliebt ist
die meisten drangen so rasrh
wie moglich ZUM praparativen Arbeiten meist in der organischcii
Chemic oder aber neuerdings zu physikalisch-chemischen Arbeiten
und halten immer noch die Analyse fur etwas Minderwertiges. Es
-
I ~ I
AUhtZteil.
m. J-
Kieser : Die Ausbildung des photographischen Chemikers.
ist natiirlich nicht notwendig, daD der photographische Chemiker
ein vollendeter Analytiker ist, aber er mu13 so vie1 eigene praktische
Erfahrung in der Analyee haben, daD er technische Analysen selbst
ausfiihren kann, mit der GewiOheit, daJ3 sie innerhalb der erforderlichen Grenzen genau genug sind. Dazu gehort immerhin auch eine
gewisse Freude am analytischen Arbeiten, da man sonst zu seinen
cigenen Ergebnissen kein rcchtes Vertrauen haben kann. Die analytischen und Priifungsarbeiten des photographischcn Chemikers
sind aber rnit d r r Ausfiihrung der eigentlichen cheniischen Analysen
keineswegs erschopft. Die technischen Priifungsmethodcn der Gelatine, des Rohpapiers und sonstiger Substrate und Bildtriiger fordern
neben der Kenntnis der dafiir bckannten Priifungsmethoden, z. B.
der Viscositatsbestimmung, der Bestimmung von ZcrrciBfestigkeit
und Dehnung von Papieren und Filmcn, ein Vertrautsein mit dem
Mikroskop und der mikroskopischen Technik. Ich glaube fast, man
konnte dem werdenden photographischen Chcmiker empfehlen, ein
Semester botanisches Praktikum zu nehlaen, nicht um der Botanik
willen, sondern um so recht mit dcm Mikroskop und seiner Technik
vertraut zu werden.
Der Vorteil des Vertrautseim mit noch anderen ph ysikalischen
und physikalisch-chemischen Untersuchungsmethoden, den refraktrornetrischen, den spektroskopischen, polarimetriechen usw. und
des Verstandnisses fiir die wissenschaftlichen Grundlagrn der Farbenlehre und Farbenanalyse, der Photometric und der Aktinometrie
fiihrt zwanglos zu dcr eigentlichen photochemischcn Ausbildung.
Es ist selbstvcrstandlich, daO das Vertrautsein mit den Egebnissen
der a l l g e m e i n e n P h o t o c h e m i e und die Kenntnis derWcge,
die zu diesen Ergebniesen fiihrten, auch fur den photographischen
Chemiker hochst wiinschenswert sind, ermoglichen sic ihni doch ein
Verstitndnis fiir die Photochemie dcr Silbervcrbindungrn als eines
ganz kleincn Teils der allgemeinen Photochemie, zu drm er auf
einem anderen Wege nicht kommen kann. Aber diese speziellen
photochcmischen Kenntnisee sollen sich aufbauen auf d r r Grundlage eines recht umfaseenden und a l l g e m e i n e n c h e m i s c h e n
W i s s e n s , das den Hauptzweck der Ausbildung des photographischen Chemikers immer bilden soll.
Dieses allgemein chemische Wissen fordert ja an sich schon das
Verstandnis fur die allgemeinen Grundlagen der Chcmie, die sog.
physikalische Chcmie, die wieder die Basis fur dau Spezialgebiet
der Photochemie bilden.
D e r anorganische Teil der Chcmie ist EO eng verkniipft, einesteils mit dcr schon erwahnten cheniischen Technologie, anderenteils mit dcr Analyse und drittens mit der allgemeincn Chemie,
daD jedes chemisehe Studium ihn wohl ohne weiteres einschlieBt.
Nur daa nochte ich dazu bemcrkcn, daB auch praktischcs p r a p a r a t i v e s A r b e i t e n auf anorpnisrhcm Gebiete cine w h r niitzlichc
Betiitigung darstellen kann, dic auch gcrade j c t z t in der Kriegezeit
g u t anpcwcndet werden konnte.
Mu5 nun der photographische Chemikcr auch O r g n n i k e r sein?
G e w i D mu5 cr das eein! E r braucht natiirlich auch wicder kein vollendeter Synthetiker oder brillanter Farbenchemiker xu sein, das
ist ja nicht notwendig, aber dcr Umgang mit organischcn Kolloiden
aller Art, rnit Cellulore und Cellulom&mn, mit drn organischen
Entwicklern, den Sensibilisierungsfarbstoffen und den Filterfarbetoffen usw. erfordert zum mindesten ein guks Vcrtrautsein mit
den Grundlagen der organischen Chemie und ein gewisses MaB spezieller Kcnntnisse, besonders in organischcr Technologic, sowie einige
Erfahrungen im praktischen praparativcn Arbeiten.
Mit diescn grundlegenden Kcnntnissen in allgemeiner und
spezieller Chemie wird cs dcm photographischen Chrniiker auch
nicht schwer fallcn, die Priifung seiner Fertigfabrikate, die Nachpriifung fremdcr Fabrikate, die objektive Priifung firiner Firma
angebotener Arbeitsverfahrrn u. a. vorzunehmen, wrnn er gleichg u t p h o t o g r a p h i e r e n kann und Vrrstandnis und
eeitig noch
Urteilsfahigkeit photographischen Arbeiten gegeniibrr hat, so daB
er sich ein sichcres eigcnes und objektivcs Urteil dariibrr bilden kann.
Ein Betriebsleiter einer kleineren Fabrik mu13 auch eiriige R e c h t s k e n n t n i s s e besitzen, d a man sicli in Gewerbcrechts- und Arbciterrechtsfragen zwar allermeist, aber doch nicht immer durch cin
eigenea gesundes Rechtsgefiihl leiten lassen darf. Bei einigem Interesae dafiir bietet ja die Praxis mcist die Gelegenheit, die notwendigen
Kenntnisse zu erwerben.
Nicht ganz gilt dies dagcgen fur das Patentrecht und das Patentwesen iiberhaupt - hier wiirde es doch ein zu groDes lihrgeld
kokten, wenn man sich nur auf cigene Erfahrung stiitzen wollte.
Ein photugraphischer Chemiker €011 in der Lagc sein, eine Patcntanmeldung, eine Gebrauchsmusteranmeldung, einen Einspruch gegcn
-
27 7
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eine fremde Anmeldung odcr die Durchfechtung einer eigenen e l b stiindig und ohne fremde Hilfe vornehmen zu konnen, denn es ist
nicht jeder in der gliicklichen Lage, ein wohlorganisiertes Patentbureau zur Hilfe zu haben. Kenntnisse auf dem Gebiete des Patentwcsens sctzen gute Kenntnisse der technischen Literatur voraus,
und es gehort deshalb auch zur Ausbildungsfrage, daD es notwendig
ist, ein regclmaDiges Studium der chemischen Literatur und spater
der Fachlitcratur friilizeitig zu beginncn und es systeniatisch dauernd
fortzusetzen, dies uni so mchr, als die photographisch-chemisclieLiteratur a u h r s t primitiv und liickenhaft organisiert ist.
Sie sehen, daO ich recht hohe Anforderungcn a n den Umfana
der Kenntnisse eines photographischen Chemikers stellen zu miissen
glaubc. & ist ja nirht moglich, daB die Studienzeit ihm dime alle
vermittelt, so daD er sich uachher f a s t ganz auf das wahrend seiner
Studienzeit Erlernte stiit.zen konnte; aber das ist notwendig, d a 5
er die Grundlagen zu diesen Kenntnissen wiihrend der Studicnzeit
verniittelt bckommt. Jch weiO nicht, ob das allgemein so ist, und ob
ich aus meinen ciqenen Erfahrungcn ganz auf andere schlickn darf ;
aber ich selbst habe nicine game spatere technische und wiseenschaftd
liche Denkweise auf dcni System aufgebaut, das meine S t u d i e m i t
mir vermittelt hat, und ich greifc auch heute immer noch rnit Vorliebe zu den damals erlernten Arbeitsmethodcn zuriick. Das scheint
mir doch zu zeigen, daD die richtige Durchfiihrung der Ausbildung
von grundlcgender Bedcutung fur die spatere Leistungsfahigkeib
ist, und daB man sich nicht allznechr auf spatere Erganzungen und
Korrektionen in den prinzipiellen Teilen der Ausbildung verlassen ~011,
Ganz kurz mochtc ich nun schildern, wic ich mir die Ausbildung
eines photographiechm Chemikers denkc:
In den elsten drei Jahrcn des Studiums sol1 dcr Studierende,
falls er sich iiberhaupt schon entschieden haben sollte, photographischer Chemikcr zu werden, dies zu vergeseen suchen und ecin Augenmerk nur darauf richtcu, sich recht griindliche Kenntnisse in allen
moglichen WisEcnscbften anzucignen, daneben auch in solchen..
wclclie keinerlei Bczichungcn zur Pliotochemie oder Photographie
zu habcn schcincn. J e nach Neigung oder Fahigkeiten gehort dazu
auch reine Matheniatik, Mineralogic, Zoologie, Bc,tanik und andere.
naturwieee~chaftlicheund allgemein bildendc Fachcr. Den Vorlesungcn in dcr anorganischen Chemic und dcr Analysc Hchenkc rr
grol3e Aufmcrkaamkeit, cbenso den dazugehorigen praktischcn Arbriten. Spater folgt in gleicher Weise dic organischc Chcmie niit d r m
zugehorigen Praktikum, und viclleicht gleichlaufend der Besuch vom
Vorlcsungen und das praktische Arbeitcn in allgemeiner und physikalischer Chemie. Das physikalische Praktikum und der Besuch der
groBen Physikvorlesung wird sich in dicser Zeit wohl auch ermog-.
lichen lassen. So vorbciritet, kann eincrscits mit K'utzt 11 chcmischeTechnologie und Warenkunde, andelmwits eigentliche Photochcn ie
gehort werden. Die Maechinenkundc und Apparatenkundc, wclchr
die techriologischc Vorlesung vcrniittelt, wird, wenn irgcnd moglit 11,
begleikt von praktischen obungcn im Entwerfcn von Pliinen und
den Grundlagen dcs technischen Zeichnens iiberhaupt. Denn es ist
von g r o k m spateren Vorteil, wenn man einen Bauplan richtig zu
lesen versteht, und wenn man eine einfache Maschinen- odrr Apparatenskizze aelbst sachgemaD ausfiihren kann. Die Giundlagcn des
Patentrcchtes und Gewerberechtes k6nntcn viellcicht durch Kolloquien gelehrt wcrden.
Nach AbschluB dieses allgcmeinen Studiums ist cs vorteilhaft,
vor der Promotion, odcr vor dem Eintritt in die Praxis, noch ein
eigvntliches photographisch-chemiechcs Studium einzuxhalten, d a s
die Kenntnisee der photographischcn und unter Umstanden auch noch
der photomechanischen Vcrfahrcn vcrmittelt., in die zuphorige fite-.
ratur einfiihrt und auch die Anwendungagebiete der Photograpliie
kennrn zu lcrncn gestattet. Es ist das sehr vorteilhaft, denn zu einrm.
systeniatischen Aneignen dicecr Kenntnieec und Erfahrungcn h a t
man Fpatcr in der Fabrik oder der Untersuchungsprnxis kaum je
mehr Gelegenhcit und Zeit.
Srhwierig ist es aber zurzeit noch, diese niitzliche FoAetzulg.
3es Studiunis durchzufiihren, d a es in Deutschland an den Moglichkeiten dazu fchlt. Wohl bestehcn a n mehrcren technischen Hoch3chulcn photmgraphisch-chcniischc Abteilungen, abcr dicse habcn
cum Tcil ihrc Interessengebiete so verlegt, daB ihr Besuch eine grund-.
iche und allgcmeinc photographisch-chemische Ausbildung nicht
rermitteln kann, oder wo die dam notwendigc Organisstion, w k
5. B. in Dresden, vorhanden ist, hat der Krieg die Durchfiihrung des'
Lehrplans unterbunden, so daB heute noch nicht gesagt wcrden kann.
ib allc Bedingungrn fur ein volles Egebnis vorhanden sind. Die
?hotographischcn Kurse und Praktika dcr meisten anderen Horh
ichulen dienen ja ganz anderen Zwccken ah der der Ausbi1dui.g
-.
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Raikow: Zur Aufklarung der reduzierenden Wirkung des Chloroforms gegeniiber Fehlingscher Losung.
-
spater praktisch tatiger photographisclier Chemiker
sie sollen ja
nur bescheidene photographische Kenntnisse als Hilfsrnittel anderer
Wissenschaften vermitteln. Wir haben dann noch cine Anzahl
Lehranstalten der praktischen Photographie, welohe zum Teil, wie
die in Leipzig und die in Miinchen, nach ihren technischen Mitteln
m a r in der Lage waren, einem tiichtigen und wissenschaftlich gebildeten Chemiker die Grundlagen der photographisch-chcmischen
Praxis zu vermittcln, aber dies antsprache wieder nicht ihrern sonstigen Zweck.
SO ist der photographische Cheniiker im allgemcinen auf das
6elbshtudium angewiescn, und das Lehrgeld fur die grundlegende
praktische Erfahrung bczahlt die Firma, welche ihn zuerat anstellt.
Geradc dieser letztcre Urnstand ist nicht ganz ohne EinfluB auf die
verschiedene Meinung, welche in der photographisch-chemischcn
Industrie iiber dic Notwcndigkeit des Ersatzes des reincn Ernpirikers
oder Praktikers durch dcn wissenschaftlich gebildeten Cheniiker bcsteht. Es sind ja nur wenige photographisch-chemische Betriebe
in der Lage, ihre Mitarbeiter, bcvor sie sich in der Fabrikpraxis zu
btiitigen haben, im AnschluB an groI3e eigene wissenschaftliche
Laboratorien erst ausbilden und auf ihre technische Brauchbarkcit
priifen zu lassen.
Zum Schlussc niochte ich sagen, daB in manchen Krcisen der
photograpl~sch-chemischen Industrie eine Neigung besteht, bewiihrten Praktikern nachtraglich eine allgemeinc chcmische Ausbildung zu teil werdcn zu lassen. So sympathisch mir das Streben
nach Wissen und voller histun,osfahigkeit bci vielen dicser Praktiker
ist, SO h a h ich doch diesen Weg zur Forderung der photographischchemischen Industrie nur in den allcrselt-nstm Fallen fur gangbar.
Meist ist die dafiir z w Vcrfiigung stehcnde Zcit fur eine griindliche
Ausbildung vie1 zu k ~ ~und
n , die Vorbildung d a m zu unvollkommen,
um nicht von vornherein die Aussichtslosigkeit eines solchen Vorgchens zu zeigen. Einc andere Frage, wclche aber gar nicht mchr
zu meinem cigentlichen Thenla grhort, ware die, ob nicht die bcstehenden photographischen Lehmnstalten jungcn Photographen, welche
beaonderes Intercsse o&r besondere Fahigkeiten fur die technische
b i t e ihres Berufes haben, i n cinein besoiidcren Lehrgang cino Ausbildung zu sog. Photokchnikern ah niitzliche und notwendige Hilfskrafte verinitteln koiinten. Die photographisch-chemische Industrie
Utte sehr niitzliche Verwendung dafiir; jetzt muB sie sich meist
mit Photographen mit sehr unsystematisch erworbenen technischcn
und allgeineinen Kcnntnissen begnusen, meist solchcn, die in der
PortrLtphotographie kcin Fortkominen fanden.
@ir den photographischen Chemiker selbst ware aber der Ausbau
mehrorer photnchemischcr Institute unserer Hochschulen zu photographisch-chcmischen Instituten in der friiher gekennzcichncten
weise recht wunschcnswert.
[A. 110.1
Zur Aufklarung der reduzierenden Wirkung des
t%.loroPorms gegeniiber Fehlingscher Losung.
Von TKEODOBA
P. RAIKOW.
(Mitteilung aus dern ehem. Lnboratorium der Unlverait5t Solla.)
(Eingeg. 2/10. 1017.)
Das Chloroform wirkt aaf die F e 11 1 i n g sche Losung, wie bekannt, stark reduzierend, wobei das Kupfer als Cuprooxyd abgeschieden wird. Die :chemischen Vorginge, die dabei stattfinden,
sind Gegenstand spezieller Untersuchungen gewesen, ohne daO man
bis jetzt eine in jeder Bzziehung zufriedenstellende Erklarung gefnnden hat. Die zurzeit herrschende Ansicht dariiber stiitzt sich
auf die von D u m a s (1834) gefundene Urnwandlung des Chloroforms in Ameisensaure oder Formiat unter der Einwirkung von
Alkalien nach folgender Gleichung ;
CHCI,
4 KOH = ,HCOOK 3 KC1 2 H,O.
Demgemali kann nur das Formiat die aktive Substanz bei der Reduktion sein. Und in der Tat ist bisher allein dieser Verbindung
das Reduktionsvermogen des Chloroforms zugeschrieben worden.
80f i d e t man z. B. in dem bekannten M e y e r J a c o b 8 o n schen
Lehrbuche der Oganischen Chemie 2. Auflage folgende Stelle:
,,Auf die Bildung von ameisensaurem Alkali ist es auch zuruckzufiihren, daB Chloroform aus F e h 1 i n g scher Losung beim Erwarmen
Cuprooxyd abscheidet".
Man weiB allerdings aus den Untersuchungen von G e u t h e r
(1862), daO bei dieser Reaktion neben Formiat s t e t a auch Kohlenoxyd entsteht. Dieser Totsache wurde aber bis jetzt keine Bedeu-
+
+
+
-
Eernle.
[ a $ ~ ~ ~ d ~
tung bei der Aufkliirung der reduzierenden Wirkung des Chloroforms beigelegt. Nach G e u t h e r , dessen Meinung jetzt die herrschende ist, ist das Kohlenoxyd das einzige faDbare p r i m 3 entstehende Produkt bei der Einwirkung von Alkalien auf Chloroform,
welches erst sekundar in Alkaliformiat iibergeht. Zuerst entsteht,
nach ihm, daa unstabile Dichlormet.hylen, CCI,, welahes sofort in
Kohlenoxyd iibergeht, das rnit Alkalien Formiat bildet, wiihrend
eine, je nach der Konzentration der Alkalien, kleinere oder g r i i b r e
Menge Kohlenoxyd in unverinderter Form iibrig bleibt. Der Vorgang 1aBt sich wie folgt ausdriicken:
(KOH)
CHCl, __
0
H-C/
\
+CO
OK
Interessant ist es, daB man die reduzierende Wirkung des Chloroforms noch jetzt dem Alkaliformiate zuschreibt, trotz der liingst
bekannten Tataache, daB daa Alkaliormiat keine reduzierende Wirkung ausiibt. Um diesen schroffen Widerspruch zwischen den Tatsachen und der Erklarung zu beheben, nahm B a u d r i m o n t an,
daB das Alkaliformiat nur im ,,status nascendi" mduzierend wirkt,
wiihrend dem fertiggebildeten Produkte diese Eigenschaft abgeht.
Worin aber der Unterschied bei dem Formiate in diesen beiden Zustanden bestehen soll, ist nicht niiher angegeben. Die B a u d r i m o n t sche Annahrne kann nur dann cine gewisse Wahrscheinlichkeit fur sich beanspruchen, wenn das Molekiil des Formiate auch i n
polymerer Form existiert, in welche es nach seiner Entstehung
iibergcht. Dann konnte man rnit ebigem Grunde die Passivitat
des fertigen Forrniats seiner Polymerisierung zuschreiben. Da aber
eine Polymerisierung der Formiate bis jetzt nicht konstatiert ist und
voraussichtlich nicht existiert, so erscheint die B a u d r i m o n t
sche Erkliirung nicht begriindet. Diesem Umstande ist es vielleicht
zu verdanken, daB bei der spiteren Formulierung der B a u d r i
m o n t schen Ansicht der Kern seiner Erklarung ausgelessen wurde,
wodurch der oben erwahnte Widerspruch zwischen den Tatsachen
und der Erklarung weiter bestehen bleibt.
Durch nachfolgende Untersuchungen wird bezweckt, die R a g e
nach der Ursache des Reduktionsvermogenn des Chloroforms von
neuer Seite zu bcleuchten, und den erwiihnten Widerspruch in der
jetzigen Erkliirung zu beseitigen.
Es wurde zuerst das Verhalten des fertigen Alkaliformiate gegen
die F e h 1 i n g sche LGsung nachgepriift und dann Versuahe angestellt, urn festzustellen, welche Rolle das Kohlenoxyd bei der reduzierenden Wirkung des Chloroforms spielt.
1. 10 ccm frisch bereitete F e h 1 i n g sche Losung und etwa 1 g
Natriumformiat wurden in einer Eprouvette unter stetigem Umschwenken 15 Minuten iiber freier Flamme gekocht. E s trat dabei
keine Veranderung des Gemisches ein.
Dasselbe negative Resultat wurde auch erhalten, als bsi einem
zweiten Versuche mit 2 g Natriumfurmiat und 16 ccm F e h 1 i n g
scher Losung das Gemisch unter stetigem Schiitteln bis ZUT H a t e
eingedampft wurde.
Wcnn man aber daa Kochen des Gemisches in einer ruhig stehenden Eprouvette vorninimt, so findet unter denselben Umstiinden
eine nicht unbedeutende Reduktion der F e h 1 i n g schen Losung
statt, indem unmittelbar iiber dem Fliissigkeitsniveau an der Epmuvettenwand sich ein Rinz voii Reduktionsprodukten bildet, der allmahlich starker wird. und am Ende des Versuches sich auf dem Boden
der Eprouvette eine deutlich sichtbare Menge von Cuprooxydniederschlag sammelt.
Genau dieselben Resultate wurden erhalten auch bei der Wiederholuna des Versuches rnit grohren Mengen der Ingredienzien 80wie mit rainsr F e h 1i n g scher Lijsung allein.
Das Ergebnis dieser Versuche zeigt, daB beim Vermeiden einer
Uberhitzung der Eprouvettenwand wahrend des Erhitzens, die Alkaliformiste keine Reduktion in der F e h 1 i n g schen Liisung hervorbringen. D a r u m i s t e s f e h l e r h a f t , w e n n m a n , w i e
in dcm oben angefiihrten Zitate, die reduzier e n d e W i r k u n g d e s C h 1 o r o f o r m s g e g e n ii b e r Fe h
l i n g s c h e r L o s u n g auf d i e B i l d u n g v o n A l k a l i f o r m i a t z u r i i c k f ii h r t.
Nachdem die vollige Inaktivitiit der Alkaliformiate gegen die
F e h I i n g sche Losung experimentell bestiitigt wurde, warden
weiter Versuche mit dem zweiten faBbaren Zersetzungsprodukte
des Chloroforms - rnit dem Kohlenoxyd - gemacht, um win Ver-
-
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