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Die Bedeutung der Chemie fr die deutsche Volkswirtschaft.

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377
ANGEWANDTE C H E M I E
48. Irhr~ann.Nr.26
Ssften 371-408
30. Jd
1935
#
Die Bedeutung der Chemie fiir die deutsche Volkswirtschaft.
(~ingeg.la. ~
Von Prof. Dr. H. G. GRIMM, Ludwigshafen a. Rhein.')
Das dichtbevolkerte Deutsche Reich ist von der Natur
in bezug auf seine Versorgung mit den lebensnotwendigen
Stoffen nicht besonders begiinstigt worden. Was wir besitzen, sind ein engbegrenzter landwirtschaftlich nutzbarer
Boden und einige Bodenschatze. Der Boden ist jedoch
vielfach mager und das Klima nicht besonders giinstig. Der
deutsche Bodenertrag reicht deshalb zurzeit nur aus, um
unseren Bedarf an Kohlenhydraten zu decken, nicht jedoch,
urn die notigen Meqgen Fett, EiweilJ- und Faserstoffe zu
erzeugen. Die uns geschenkten Rohstdffe sind Luft, Wasser,
Kohlen, etwas Erdol, einige Salze, Erden und etwas Metalle.
Es fehlt jedoch an Eisen, den meisten anderen Metallen,
an Phosphor, Erdol, Kautschuk und anderen Produkten
tropischer Pflanzen. Angesichts einer solchen Lage ist es
selbstverstandlich, dal3 derjenigen W k n s c h a f t und Industrie, die sich mit Stoffen und Stoffumwandlungen
b e f d t , namlich der Chemie, in Deutschland von jeher und
besonders heute volkswirtschaftlich sehr wichtige Aufgaben
zufallen :
Mu13 die Chemie helfen, den deutschen Bodenertrag an
Nahrungs- und Faserstoffen durch Herstdung von
Diingemitteln, Ronservierungsmitteln, Schadlingsbekampfungsmitteln usw. zu steigern.
M a sie trachten, a m den vorhandenen Rohstoffen durch
Veredelung moglichst alle Stoffe zu schaffen, die sonst
im Lande benotigt sind.
M a sie aus den gleichen Rohstoffen hochwertige Amfuhrgiiter wie Teerfarben, Mineralfarben, Heilmittel usw.
schaffen, nit denen die Rohstoffe bezahlt werden konnen,
die Deutschland unbedingt einfiihren m a .
Der Umfmg der chemischen Industrie, der die
Bewiiltigung dieser Aufgaben in erster Linie zufdlt, wird
durch folgende Zahlen gekennzeichnet :
Das investierte Kapital wird zurzeit auf etwa 3 Milliarden RM. geschatzt, die sich auf mehrere tausend Betriebe,
Gesellschaften sowohl wie Einzelunternehmen, verteilen.
Die Zahl der beschiiftigten Angestellten und Arbeiter ist
verhaltnismaoig klein. Sie betrug nach der letzten gewerblichen Betriebszahlung im Jahre 1933 266000, Anfang 1935
schatzungsweise 310000,von denen zwei Drittel in mittleren
undkleineren Betrieben beschaftigt sind, wahrend dasrestliche
Drittel, namlich 108000 Menschen, in dem groaten deutschen
chemischen Unternehmen, .in der I. G. Farbenindustrie
A.-G., arbeitet.
Zu diesen Zahlen ist jedoch zu bemerken, da13 die amtliche Statistik nur einen Teil derjenigen Industriezweige
erfaat, die sich mit der Veredelung und Umwandlung von
Rohstoffen befdt, wiihrend grok andere Industriezweige aus
historischen Griinden gesondert behandelt werden. So gehoren
zur chemischen Industrie im Sinne der Statistik zwar
Kunstseide
Schwerchemikalien Teerfarben
Seifen
Holzverkohlung
Pharmazeutika
Photographika
Harze
Stickstoff
Kasmetika
Wachse
Kunstdiinger
Sprengstoffe
Teer- und ErdErd- und Mineralfarben
Kunststoffe
oldestillation
_---
1) Vorgetragen anlaljlich der R a u p t v e r s d u n g der Deutschen
Bunsen-Gesellschaft fiir angewandte physikalische C h e d e am
31. Mai 1935 zu Berlin.
M r .O h d , 1935. Nr. %.
~1~35.1
n l
nicht mitgezahlt werden jedoch
Zement
Textilveredelung
Stein- u. Braunkohle
Film
Glas
Kokereiu. Schwelerei
Kalisalze
Kautschuk
Eisen und Stahl
Leder
Brauerei und Spirituosen
Sonstige Metalle
Papier
Zucker.
Kalk und Gips
Wiirde man diese Industriezweige hinzurechnen, 50 wiirde sich
fur die Zahl der BeschUtigten folgendes Bild ergeben:
Tabelle 1.
A n z a h l d e r B e s c h i f t i g t e n in d e r c h e m i s c h e n I n d u s t r i e
n a c h d e r g e w e r b l i c h e n B e t r i e b s z l h l u n g v o m 16.J u n i 1933
I. Chemische Industrie im engeren S h e (Chemische
Industrie im Sinne der Statistik) ..................
266 000
11. Sonstige Industrien, die sich mit Rohstoffveredelung
oder -urnwandlung befassen ......................
858 000
darunter als wichtigste:
1. Eisen- und Stahlgewinnung ........... 235 000
2. Gewinnung der NE-Metalle . . . . . . . . . . . 52000
3. Kokerei .............................
28 000
4. Gasgewinnung .......................
26000
5. Glasgewinnung.. .....................
58000
6. Papierherstellung.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 000
7. Textilveredelung (Bleicherei, Farberei
usw.) ...............................
55000
8. Gerberei ............................
42000
9. Kautschukindustrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46000
10. G d g s g e w e r b e (Bier, Wein usw.) . . . . 136000
Industrie im weitaten
........... 124ooo
--
Die augenblickliche Zahl der Beschiftigten diirfte entsprechend
der seit T u n i 1933 einaetretenen Belebung
- der Lndustrie um
schatzungiweise 15% hohir liegen.
Der Bruttoproduktionswert a ) der deutschen ,$he-
mischen Industrie" ist infolge der geschilderten Eigenart der
Statistik ebenfds nicht sehr hoch. E r betrug auf dem Hohepunkt der Nachkriegskonjunktur 1928 4,6 Milliarden RM.,
sank 1932 auf 2.7 Milliarden ab und stiea bis 1934 wieder
auf 3,2 Milliarden RM. an. Vergleicht man ihn mit dem
Produktionswert der gesamten Industrie und der Landwirtschaft, so ergibt sich folgendes Bild:
Tabelle 2.
B r u t t o p r o d u k ti on d e r c h e m i s c h e n I ddus t r i e , Ges a m t
i n d u s t r i e und L a n d w i r t s c h a f t
(in Milliarden RM.).
Chemische
Industrie
1928
1932
1933
1934
...
...
...
...
4.6
2.7
2,8
3,2
industrie
(einschlieR Landwirts&&+)
mische In, dustriel
- ~
~
~
85,l
39.6
43,2
54.0
10.2
63
7.3
-
Prozentualer Anteil
der
Industrie
der gesamten Industrie
und Landwirtschaft
=
4,8%
5,9%
5.5 yo
n, Schltzungen des Volkswirtschaftlichen Archivs der I. G.
Farbenindustrie.
Etwas eindeutiger als die genannte Bruttoproduktion wiirde
die Nettoproduktion, d. h. die nach Abzug der verbrauchten Rohstoffe und Hilfsstoffe verbleibende Produktion angeben, welche
Werte durch die Umwandlungsarbeit und Veredelungsarbeit der
chemischen Industrie erzeugt werden. Die Nettoproduktion ist
jedoch auDerordentlich schwer zu erfassen. und die Schltzungen
hiarfiir . gehen dementsprechend weit auseinander (Zahlen zwischen
1.3 und 3.5 Milliarden RM.).
28
378
Angewandte Chemie
Grimm: Die Bedeutung der Chemie fur die deutsche Volkswirtschaft
[a.
Jahrg. 1935. Nr. 26
~~
Der Anteil der chemischen Industrie betragt also nur
etwa 5 4 % der gesamten deutschen Giitererzeugung.
Die besondere volkswirtschaftliche Bedeutung der
chemischen Industrie ergibt sich erst, wenn man die chemische Industrie mit der iibrigen Industrie hinsichtlich
der Ausfuhr vergleicht. Dann zeigt sich namlich, daB
sie im Verhdtnis zur Zahl der beschaftigten Menschen
eine wesentlich hohere Ausfuhr erzielt als die meisten
anderen Industriezweige und daB sie infolge des geringen
Verbrauches an auslandischen Rohstoffen einen besonders
hohen Deviseniiberschul3 erbringt . Dies geht besonders
anschaulich aus der folgenden, von der ausgezeichneten
Ausstellung ,,Deutsches Volk - Deutsche Arbeit" Berlin
1934 iibernommenen Tabelle hervor :
Tabelle 3.
1932
Chemische I n d u s t r i e:
Alle a n d e r e n I n d u s t r i e n :
Arbeiter und Angestellte:
300 000
8 000 000
1:27
Verbrauch ausliindischer Rohstoffe :
0.12 Milliarden
2,25 Milliarden
1 :20
Ausf uhr :
3 Milliarden
1:4,5
Ausfuhr
der deutschen c h e m i s c h e n Industrie nach Fachgruppen
(einschliel3lich Reparationslieferungen) in Millionen RM. :
1 1913 1 1925 1 1929 I 1932 I 1933 I 1934
~~
Jahr ................
1
Schwerchemikalien ... 192,3 211.9
Teerfarben . . . . . . . . . . 233,l 211.4
P h a z e u t i k a ...... 69.7 80.5
Mineralfarben. Farbwaren . . . . . . . . . . . . 80,2
82,5
Stickstoffdiingemittel.
35.5 143,7
35,4
Photographika . . . . . .
Kunstseide ..........
39,7
289 175
169.3 153.1
204,s 133,7 1133.7. 143.4
131 102 105.8 104.4
~
I
108
280
60
90
1
59
72
36
30
572
52,7
33,l
28.0
I
52.3
42,4
35,5
20.3
*) Kranz&in gibt in der Chemiker-Zeitung 59, 3 [1935].
fur 1933 155.4 Millionen RM. an, da er verschiedene Farbstoffprodukte mitgerechnet hat, die hier in Anlehnung an die offizielle
Statist& unter Schwerchemikalien miterfadt sind.
Tabelle 7.
Ein- und Ausfuhr chemischer Erzeugnisse im Vergleich
m i t D e u t s c h l a n d s G e s a m t h a n d e l in Millionen RM.:
Nettoproduktion
(nach Abzug der verbrauchten Rohstoffe) :
2.4 Milliarden
25 Milliarden
1:lO
0.7 Milliarden
Tabelle 6.
Devisenerbringung
(Saldo von Devisenablieferung und Devisenbeanspruchung) :
0.75 Milliarden
0,58 Milliarden
1:l.Z
Gesamtausfuhr . . . . . . .
Chemieausfuhr . . . . . . . .
Anteil der Chemie . . . .
13483
1420
10,5%
Gesamteinfuhr . . . . . . .
Chemieeinfuhr . . . . . . . .
AnteilderChemie . . . .
13447
299
2.2%
~
5739
726
12.7%
4871
695
14.3%
4167
658
15.8%
4666
162
3.5%
4203
138
3,3%
4451
150
3.4%
Mit den Zahlen von 1934, die zum Teil auf Schatzungen
beruhen, erhalt man praktisch das gleiche Gesamtergebnis:
Tabelle 4.
1934
Chemische Indus t r i e:
Alle a n d e r e n I n d u s t r i e n :
Arbeiter und Angestellte :
9 700 000
310 000
1:31
Verbrauch ausliindischer Rohstoffe :
0.23 Milliarden
2.0 Milliarden
1:9
Bruttoproduktion *) :
50.8 Milliarden
3.2 Milliarden
1:16
Ausfuhr *) :
3.1 Milliarden
0,66Milliarden
1 :4.7
Devisenerbringung
(Saldo von Devisenablieferung und Devisenbeanspruchung) :
1.0 Milliarden
0.53 Milliarden
1:1,9
*) Vgl. hierzu Anm. zu Tabelle 5.
'
Wir erganzen das Ergebnis der beiden Tabellen no&
durch die Tabellen 5, 6 und 7.
I
..............
..................
Deutschland
U.S.A.
GroDbritannien ............
Frankreich . . . . . . . . . . . . . . . .
Chile .....................
ubrige L k d e r .............
I
1913
M.RM.1
lgZ5
%
M.RM.1
%
910
283
930
22.1
310
500
310
470
700
3200
9,7
15,6
9.7
14.7
21.8
100
650
620
540
520
955
4215
15.4
14.7
12.8
12,3
22,7
I
-
I
1934
1420
(1597)
776
711
510
536
1161
I 100 I 5114 I
27.8
15.2
13.9
9.9
10.5
22.7
100
726
(823)
358
355
291
37
671
29,8
14.7
14,6
11,9
1.5
27.5
695
(787)
28,4
658
I
27
I
I 2438 1 100 I
*) Fiir die Ausfuhrzahlen Ist die chemische Indust.de etwas enger gefadt worden als fiir die auf Seite 377 angegebenen Bruttoproduktionswerte. Der diesen zugrunde gelegten Definition der chemischen Industrie entsprechen die eingeklammerten etwas
heheren Ausfuhrzahlen. In Tabelle 4 wurde trotzdem die niedrigere Zahl eingesetzt, um nicht mit zwei verschiedenen Zahlen
fiir die Chemienusfuhr zn arbeiten.
Angewandte Chemie
Grimm: Die Bedeutung der Chemie fiir die deutsche Volkswirtschaft
48.Jahrg. 19%. Nr. 281
Schon vor dem Kriege hatte Deutschland auf bestimmten Gebieten der chemischen Industrie einen Vorsprung VOI
anderen Ausfuhrlandern erreicht, so namentlich auf den
Gebieten der Teerfarben, Heilmittel und Stickstoffdiinger.
Der Krieg brachte dann die wichtigsten der friiheren Abnehmerlander zu der Einsicht der groBen Bedeutung einer
einheimischen chemischen Industrie und veranlaBte sie,
mit staatlichen Subventionen und unter unrechtmaBiger
Benutzung der deutschen Patente eigene Industrien aufzubauen, um die fehlenden deutschen Produkte zu ersetzen.
Diese Bewegung setzte sich auch nach dem Kriege fort
und fiihrte in vielen Landern zum Bau von chemischen
Fabriken, insbesondere auch von Stickstoff-Fabriken, die
neben der Erzeugung von Stickstoffdiingern namentlich die
Sprengstoffe zur nationalen Verteidigung liefern sollten. Es
kam hinzu, daB viele Liinder, insbesondere auch U. S. A.
und England, vom Freihandel zum Schutzzoll iibergingen,
daB U. S. A. das Antidumpinggesetz einfiihrte, daB in
den letzten Jahren der Weltkrise die Wahrungen von
England, U. S. A., Japan und vielen anderen Landern in
Verfall gerieten und daB in allen Landern die Autarkiebestrebungen im Wachsen sind. Wenn es Deutschland
trotz alledem gelungen ist, den prozentualen Anteil von
etwa 28% an der Weltchemieausfuhr zu halten, so ist
dies zum Ted wenigstens auf das lange und gliickliche
Zusammenwirken von reiner und industrieller Forschung
zuriickzufiihren.
Wie sehr es jedoch notig ist, alle Krafte anzuspannen,
um diesen hohen Anteil auch weiterhin zu erhalten und
wenn moglich noch zu erhohen, zeigt ein Blick auf die
Entwicklung unserer Gesamt-AuBenhandelsbilanz.
Tabelle 8.
Millionen RM.
D e u t s c h e AuDenhendelsbilanz
I
Lebensmittel und Gctranke ............
Rohstoffe und halbfertige Waren .....
Fertige Waren . . . . . .
Lebende Tiere .......
1932
Einfuhr
I 1933 I 1934
I
1932
Ausfuhr
1933 I 1934
I
1493
1082
1067
203
172
117
2412
727
34
2420
670
31
2600
751
33
1032
4489
14
903
3787
9
790
3256
4
I 4667 1 4203 I 4451 I 5739 1 4871 1 4167
Saldo :
1932
1933
1934
~
-~
~~~~~
.......... $1072 Millionen RM.
. . . . . . . . . . + 668 Millionen RM.
.......... - 284Millionen RM.
Die infolge des wachsenden Bedarfes an Rohstoffen
etwas gestiegene Einfuhr konnte danach im vergangenen
Jahr nicht mehr ganz durch die stark gesunkene Ausfuhr bezahlt werden. Hieraus ergeben sich fiir die deutsche
Chemie ohne weiteres die schon eingangs henrorgehobenen
beiden Aufgaben, narnlich mitzuhelfen, daI3 die Einfuhrziffern von Jahr zu Jahr starker gesenkt werden, namentlich
bei solchen L h d e r n , die uns nicht im gleichen MaBe unsere
Ausfuhrgiiter abnehmen, und da13 die Ausfuhrziffern gehoben
werden durch Schaffung immer neuer auf den neuesten Forschungsergebnissen basierender hochwertiger Ausfuhrgiiter.
Bei welchen Stoffklassen die Arbeit des Chemikers
zur Verringerung der Einfuhr besonders einzusetzen
hat, zeigen die nachsten 3 Tabellen, in denen die wichtigsten Posten unserer Einfuhr zusammengestellt sind.
Tabelle 9 zeigt zunachst bei den s t i c k s t o f f h a l t i g e n D i i n g e m i t t e l n einen der schonsten Erfolgsposten der auf physikalisch-chemischer Forschung gegriindeten chemischen Industrie, narnlich das Verschwinden der
Salpetereinfuhr, an deren Stelle in den Nachkriegsjahren
Stickstoffausfuhr getreten ist. Die deutsche Zahlungsbilanz konnte hierdurch gegeniiber 1913 zeitweise, z. B.
1928, um rund 500 Millionen RM., 1934 immer noch um
etwa 200 Millionen RM. verbessert werden. Hierzu kommt
D e u t s c h e Einfuhr.
Tabelle 9.
379
_
-
-
____
1913
Mill.
1933
Mill.
1934
Mill.
eingefiihrt
% des
Bedarfes
1000 t
000 t
RM. - RM. RM . -LOO0 t
Diingemittel
Stickstoffhaltigc
10
1
121
14' - 2
Diingemittel . 815
179
1013
32
29
980
18
Thomasmehl .. 441
Mineral688
15
17
832
46
phosphate .... 930
0
0
0
0
0
0
0
Kalisalze ......
Mineralole
1294
177
2647
128
3094
137
Metallindustrie
Eisen und Eisen.
264
5004
75
8873
113
erze ......... 4484
84**)
25
15
987
849
17
76**)
Schwefelkies . . 1026
Kupfer und
448
108
554
361
103
86**)
Kupfererze ... 273
Zink und Zink180
27
234
27
64
50 **)
erze ......... 371
*) tfberwiegendinfolgevon KompematiomgeschZftenmitChile
**) 1933; B. ffeieedes, Metall u. Erz 81, 450 [1934].
noch eine indirekte Verbesserung durch den gleichzeitig
eingetretenen Wegfall einer Getreideeinfuhr im Werte von
etwa 500 Millionen RM.
I m Gegensatz zu dieser befriedigenden I,age hinsichtlich
der Stickstoffdiingemittel sind wir in bezug auf P h o s p h o r diinger in starkem MaBe vom Ausland abhangig. Der
Phosphor wird zum kleineren Teil in Form von fertigem
Thomasmehl bzw. Superphosphat oder als Rohphosphat
eingefiihrt, zum grofleren Teil in Form von phosphorhaltigen Eisenerzen. Fur den im Eisenerz enthaltenen
Phosphor sind natiirlich besondere Devisen nicht notig.
ijber den dritten Pflanzennahrstoff, das K a l i , verfiigen wir gliicklicherweise in sehr reichem MaBe.
Bei den M i n e r a l o l e n zeigt sich die bekannte Abhhgigkeit vom Ausland, die jedoch, wie Herr Dr. Biitefiech
in seinem Vortrag eingehender erliiuterta), durch Steigerung der eigenen Forderung, durch Schwelung, Kohlehydrierung, Holzvergasung usw. voraussichtlich weitgehend
behoben werden kann.
Weit weniger gut sind die Aussichten hinsichtlich der
M e t a l l e i n f u h r . Aber auch hier diirften z. B. die Ausarbeitung geeigneter Verfahren zur Verarbeitung deutscher
Eisenerze, der Ersatz des Kupfers durch Aluminium und
andere kichtmetalle oder durch organische Kunststoffe in
Fallen, in denen die hitfahigkeit keine Rolle spielt, gute
Erfolge zeitigen.
I m Falle des Z i n k s diirfte das Ziel der Eigenversorgung
durch eigene Forderung und Verhiittung dank den Bemiihungen der staatlichen Stellen sogar schon bald erreicht werden.
Welche Bedeutung der chemischen, insbesondere der
physikalisch-chemischen Forschung fur die Losung dieser
Aufgaben der Metallindustrie zukommt, wird Prof. Koster
in seinem Vortrag4) behandeln.
Tabelle 10 1aBt erkennen, da13 unsere Abhangigkeit
auf dern T e x t i l g e b i e t besonders groB ist. Die Ma&
nahmen des Reichsnahrstandes zur Vermehrung des Hanfund Flachsanbaues und zur Erhohung der Wollschafzucht
werden jedoch die fur die Einfuhr der Rohtextilien notige
Summe allmahlich ebenso senken konnen wie die Vermehrung der deutschen Kunstseideproduktion und namentlich die Schaffung neuer Faserstoffe auf deutscher Basis,
bei denen durch jahrelange Forschung die Baumwollahnlichkeit bzw. Wollahnlichkeit allmahlich immer vollkommener erreicht wird, Dinge, auf die Herr Dr. Kriinzlein
in seinem Vortrag naher eingeht').
__
__.
Ausfiihrlich abgedruckt: Chem. Fabrik 8, 227 [1935].
Vgl. den demnachst in dieser Zeitschr. erscheinenden Bericht
iiber die Bunsentagung.
4,
_
380
-
Grimm: Die Bedeutung der Chemie fur die deutsche Volkswirtschaft
-~
..
__.__
~
Tabelle 10.
-
D e u t s c h e Einfuhr.
~
1913
1000 t
Textilien
Baumwolle und
Game daraus .
Wolle und Game
daraus . . . . . .
Rohseide und
Florettseide .
Flachs. Hanf,
Jute . . . . . . .
Kunstseide und
Florettseidengarn . . . . . . .
Harze und
Kautschuk
Harz, Kopale,
Schellack usw.
Kautschuk.
Guttapercha,
Balata . . . . . . .
~
Mill.
RM,
1933
000 t
1 ;g
I
1934
ioge'iihrt
g
.ooo t Mill.
RM.
Tabelle 11.
______
D e u t s c h e Einfuhr.
--__
1913
aes
Belarfes
1000 1
-- -
~
-
Landwirtschaftliche
616
Produkte
780
488
347
418
304
1. Holz u. Holz268
masse, Bau299
210
189
628
356
und Nutzholz 7525
6
2. Nahrungs10
RO-90
3
16
172
28
mittel und
I
364
250
Futtermittel :
246
94
tfberwiegend
227
79
kohlenhydrat.
4
12
haltig (Getrei49
52
12
48
de, Miillereiprodukte.
Kartoffeln
usw.) . . . . . . 8494
119
96
49
21
oberwiegend
eiwdhaltig
(Olkuchen,
29
72
147
42
Fleisch, Kase,
Eier. HiilsenUber H a r z e u n d W a c h s e ist allgemein zu sagen,
friichte usw.) 3563
daB die chemische Industrie durchaus in der Lage ist, die
tfberwiegend
Einfuhr heute schon zum gronten Teil, mit der Zeit wohl
fett- und olvollstiindig, und zwar mit gleichwertigen synthetischen
haltig (81friichte u. 81Produkten auf inlandischer Rohstoffbasis, zu ersetzen.
saaten, Milch,
Die folgende Tabelle 11 gibt schliefllich einen UberButter usw.) 2163
blick iiber die Einfuhr von l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n P r o - 3. Gemiise
und
d u k t e n . Bekanntlich fehlen uns zurzeit noch 2 0 - 3 0 ~ 0
Obst. . . . . . . . 1317
unseres Eiwdbedarfes und etwa 60% unseres Bedarfes 4. Kaffee und
Rohtabak . . . 249
a n 6len und Fetten, wahrend unser Bedarf an Kohlen-
.
.
.
.
1933
Mill.
000 t
Mill.
RM. - RM.
-
~-
eingefiihrt
% des
000 t Mill.
Be1 RM. darfs
1934
I
-
I
I
1
1
387
3700
116
5565
197
1159
1903
159
2091
169
782
1021
259
645
230
933
2764
479
2615
375
298
1325
304
1316
303
354
209
211
271
243
i
1
I
.
I
-20
bis 30
-
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hydraten durch Getreide- und Kartoffelbau annahernd
gedeckt ist. In erster Linie kann diese Lage nur durch dauernd neue Tats hen. ieue Srkenntniss und iamit
die groBziigigen, z w Gesundung des Bauernstandes er- zunachst wissenschaftliches Neuland zu erschlieflen, auf
griffenen Maonahmen des Reichsnahrstandes, ferner durch dem d a m auch neue praktische Ergebnisse gedeihen werden.
Beiden Aufgaben stehen wir jedoch mit einem guten
erhohten Anbau von Olfriichten, durch intensivere Griinlandwirtschaft und vermehrten Zwischenfutterbau sowie Rustzeug gegeniiber. Wir besitzen an unseren Hochschulen
durch Ausnutzung der Forschungsergebnisse der Pflanzen- und staatlichen Forschungsinstituten leistungsfahige Laboziichter gebessert werden. Der Chemiker kiimpft hier ratorien fur wissenschaftliche Forschung und in unserer
gewissermal3en in zweiter Linie, indem er Diingemittel, chemischen und physikalischen Industrie ausgezeichnete
Schadlingsbekiimpfungsmittel und Konservierungsmittel zur Laboratorien fur industrielle Forschung. Zwischen beiden
Verfiigung stellt. Geht doch etwa ein Viertel des erzeugten Forschungsarten, der rein wissenschaftlichen und der
EiweiBes bei der bisher iiblichen Trocknung und Lagerung angewandten, bcsteht a d e r d e m seit jeher eine gliickliche
unseres Griinfutters verloren. Hier kann der Chemiker Symbiose, der wir in Wahrheit die grol3en Erfolge der Verdurch Schaffung billiger und guter Silierungsmittel helfen, gangenheit verdanken. Wenn wir daher die uns gestellten
fast die game deutsche EiweiBeinfuhr iibexfliissig zu machen. Aufgaben erfiillen wollen, so miissen wir dieses Riistzeug
Da weiter durch tierische und pflanzliche Schadlinge die noch besser niitzen und auf unserer grol3en chemischen
folgenden Bruchteile unserer Ernte vernichtet werden : Tradition aufbauend noch mehr Forschung treiben als
Wein 40%, Obst 30%, Kartoffeln 30%, Gemiise 20%, bisher. Das bekannte Wort ,,Forschung t u t not!" sollte
Zuckeniiben 15%, Getreide 10%. ist die Schaffung spezifi- man heute iiberhaupt nicht mehr als Forderung erheben
scher Schadlingsbekampfungsmittel ebenfalls von grol3er miissen, da F o r s c h u n g fur alle Kulturstaaten eine S e l b s t volkswirtschaftlicher Bedeutung. Die Fettliicke kann von v e r s t a n d l i c h k e i t geworden ist.
Unter Forschung ist hierbei insbesondere die r e i n e
seiten der Chemiker, soweit wir sehen, nicht geschlossen
werden. Dagegen konnen unter Urnstinden die Holzver- Forschung zu verstehen; denn die reine Forschung ist nicht
zuckerungsverfahren von Berqiua und von rScholbr billige nur die Wurzel, aus der die neuen Erkenntnisse, die Beitrage
Futtermittel schaffen, die- natiirlich nur bei gleichzeitiger zu unserem geistigen Weltbild wachsen, sondern sie ist
Verfiittemg von eiweil3haltigen Futtermitteln - im auch die Wurzel unserer industriellen Forschung, aus der
Schwein Fett schaffen. Es konnen a a e r d e m vielleicht sich wiederum Produktion und weiterhin Verkauf ins Ineinmal die 20% der Fetteinfuhr, die in die Seifenindustrie und Ausland entwickeln. Aus der Kette: reine Forschung,
gehen, durch deutsche auf der Basis der Kohle hergestellte industrielle Forschung, Produktion und Verkauf kann man
kein Glied herausnehmen oder durch ein anderes ersetzen.
Fettsiiuren ersetzt werden.
Wahrend wir so fur die eine grol3e Aufgabe, namlich Keines der Glieder darf auch besonders geschwacht werden,
die uns aufgezwungene Verminderung der Einfuhr, an Hand ohne das Ganze zu gefahrden. Man mu13 deshalb sagen,
der Einfuhrzahlen in grooen Zugen angeben konnen, an dal3 es e k e Lebensnotwendigkeit fur Deutschland ist, das
welchen Stellen die Arbeit der Chemiker und Techniker heute vielleicht schwachste Glied der Kette, die reine
einzusetzen hat, ist dies fur die andere Aufgabe, namlich Forschung, noch viel mehr zu pflegen als bisher; denn
die Erzeugung neuer Produkte fur die Ausfuhr, nicht ohne heute gilt in Wahrheit:
weiteres moglich. Hier gilt es, durch unermudliches Forschen
F o r s c h u n g ist M a c h t !
[A. 61.2
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