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Die Chemie auf der Albertina. Anl05lich des 400-jhrigen Bestehens der Knigsberger Universitt

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D i e C h e m i e auf der A l b e r t i n a
AnlaiBlich des 400-jahrigen Bestehens der Konigsberger Universitat
Iron D r . H . V A L E N T I N , K o n i g s b e r g ( P r . ) .
ie erste Halfte des 16. Jahrhunderts, wahrend der die geubt wird: den Studierenden wurde das notwendige Wissen
Grundung unserer Universitat vorbereitet wurde, ist in nicht nur in der bisher iiblichen theoretischen Vorlesung,
der Geschichte der Chemie durch die reformatorischeTatig- sondern zum erstenmal im Zusammenhang mit letzterer auch
keit des grol3en Meisters Paracelsus charakterisiert, der aus der in systematisch angelegten p r a k t i s c h e n U b u n g e n
stark inMil3kredit geratenen Scheide- und Goldmacherkunst eine analytischer und synthetischer Natur vermittelt. Den gleichen
Geist atmen seine Lehrbiicher, die noch weit nach seinem Tode
exakte experimentelle Wissenschaft schuf. Obwohl Paracelsus
auf seinen Reisen auch durch Ostpreurjen gekommen und hier die Stoffquelle fur die akademische Jugend in Deutschland
praktisch tatig gewesen ist l), obwohl Herzog Albrecht, der Be- und im Ausland blieben und erst durch die Werke von Berzelius
grunder unserer Universitat, zu seinen ersten Hochschullehrern und Wohler abgelost wurden. Natiirlich gab es schon vor
Manner aus dem Westen berief oder, soweit er junge preullische Hagen chemische Vorlesungen, praktische Laboratoriumsarbeit
Gelehrte forderte, diese nach Siiddeutschland oder Italien und chemische Lehrbucher. Das Neue in der Hagenschen Unterschickte, um sich in den dortigen Hochschulen das notwendige richtsmethodik bestand darin, daB er diese Arbeiten in einem
System vereinigte, die einzelnen Kapitel logisch miteinander
Wissen anzueignen, und damals ein reger wissenschaftlicher
Verkehr zwischen Ost und West herrschte, fand die Jatro- verkniipfte und das Vielerlei a n Gedankengut, das in der
Chemie und Pharmazie zusammenhanglos bestand, zu einer
chemie jahrhundertelang hier im Osten keine Anhanger.
Der erste Vertreter der Naturwissenschaften an unserer festen Kette schmiedete, in der jedes Glied - der induktiven
Albertina, Andreas Aurifaber, ein Schwager des bekannten Forschungsform entsprechend - eine logische Folgerung des
streitlustigen Theologen Osiander, h a t sich nur wenig mit vorherigen war. Da merkt man den EinfluB Kants, seines
chemischen Fragen beschaftigt. Eine gewisse Beriihmtheit friiheren Lehrers und spateren Freundes, der von der akaerlangte er dadurch, daB er die erste Schrift iiber den Bern- demischen Arbeit seines Kollegen begeistert war und seine
Lehrbiicher Meisterstiicke der Logik nannte.
stein in deutscher Sprache verfaljte (1551).
Diese Ausbildungsart fand gegen Ende des 18. JahrAuch im 17. Jahrhundert konnten die hier wirkenden Anhanger der Paracelsus Lehre diese nicht popular machen. Zu hunderts im Reich derart Anklang, dalj sie in vielen Universiihnen gehorten Ludwig Keppler (gest. 1663), ein Sohn des be- taten Nachgestalter €and und das preullische Ministerium daran
kannten Astronomen, und vor allem Christoph Gluckrad (gest. dachte, die Ausbildung der Pharmazeuten und Chemiker in
besonderen Akademien vorzunehmen, die man Academiae
1620), der bei Johann Hartmann in Marburg ausgebildet war z),
und die neue chemische Lehre in einem Werk: ,,Tyrocinium Hagenii nennen wollte. Auf Wunsch Hagens, fur den Chemie
chymicum", erschienen 1618 in Konigsberg, niedergelegt hatte. und die anderen Naturwissenschaften ein Stuck Philosophie
Jedoch der konservative Geist der Konigsberger Vertreter der waren, wurde dieser Plan aufgegeben, und die Ausbildung der
Natunvissenschaften lehnte alles Neue ab. ,,Das Licht, so der angewandten Naturwissenschaftler vollzog sich auch weiterberiihmte Englander Baco a Verulam dieser Wissenschaft auf- hin auf den Universitaten.
Wahrend Hagens Amtszeit wurden die Naturwissenschafzustecken anfing, scheint mit seinen Strahlen PreuBen nicht
erreicht zu haben. Den preurjischen Philosophen muBte auch ten, die bisher als Hilfswissenschaft der Medizin gelehrt wurden,
jede neue Entdeckung sogleich dadurch verdachtig werden, als selbstandige Disziplin in die philosophische Fakultat verdaB sie von den Meynungen des Aristoteles abgieng; den man legt (1808) und ihr Vertreter, unser Konigsberger Hofapotheker,
gern auch von den geringsten Irrtumern freysprechen wollte zum ordentlichen Professor ernannt.
und von diesem Vorurtheile eingenommen, manche WahrDie von ihm ins Leben gerufene Einrichtung, das chemische
nehmung anderer schon venvarf und bestritt, ehe man sie ge- Laboratorium, die bisherige Forschungsstelle, nun auch zur
priift hatte." 3)
Lehrstatte des Nachwuchses zn machen, ist in Konigsberg seit
Wie groB damals der Mange1 a n erfahrenen Analytikern 1775 bis zum heutigen Tage ununterbrochen weiter gepflegt,
in Konigsberg war, erhellt aus der Tatsache, daB beschlag- zunachst natiirlich in den privaten Apothekenlaboratorien.
nahmte Waren zur chemischen Untersuchung nach Berlin nn Erst spat (1849) erhielt unsere Universitat eine derartige staatdas Collegium medicum gesandt werden mullten.
liche Ausbildungsstatte, wahrend Liebig in Giellen bereits 1825
sein staatliches Institut eroffnen konnte.
Erst im 18. Jahrhundert wird ein aurjerordentlicher ProMit Recht wurde Hagen schon zu seinen Lebzeiten als
fessor fur Chemie a n die hiesige medizinische Fakultat berufen,
der damalige Besitzer der Altstadtapotheke Friedrich Gottlieb ,,der Schutzpatron der deutschen Pharmazie" 4, und als BeHaupt, der sich des besonderen Wohlwollens des auBerst spar- grunder des wissenschaftlichen Lehrverfahrens verehrt. Wenn
samen PreuBenkonigs Friedrich Wilhelm I . erfreute, von ihm er in den letzten Jahrzehnten in diesem Zusammenhang weniger
1725 zum Hofapotheker ernannt und 1740, ohne promoviert genannt ist, so sollte es Ehrenpflicht eines jeden Chemie- und
zu sein, gegen den Willen der Fakultat zum Professor ernannt Pharmaziehistorikers sein, der Bedeutung dieses Gelehrten im
wurde. Haupt hat eine Schrift iiber die Zusammensetzung des einschlagigen Schrifttum wieder gerecht zu werden.
Sal polychrestum verfaljt. Unter diesem Namen verstand man
Nozh wahrend seiner amtlichen Tatigkeit erkannte Hagen
damals das spater Sal Seignette genannte Natrium-Kalium- darj es infolge der grollen Fortschritte in allen Zweigen der
tartrat, wahrend das aus Salpeter uiid Schwefel hergestellte Natunvissenschalten fur e i n e n Forscher unmoglich sei, das
Kaliumsulfat den Namen Sal polychrestum erhielt.
gesamte Gebiet eingehend zu beherrschen, und veranlaBte daNach dem Tode Haupts (1742) blieb die Chemikerstelle her das Ministerium, junge Gelehrte nach Konigsberg zu entjahrzehntelang unbesetzt. Die Kriege Friedrichs des GroBen,
senden, die einzelne Disziplinen iibernehmen sollten, um ihn
vor allem der siebenjahrige Krieg, in dessen Verlauf OstpreuBen zu entlasten. Schweigger wurde der erste B o t a n i k e r ,
von den Russen besetzt wurde, machten wohl eine Neu- IJ. Baer der erste Z o o 1 o g e und Neumann, der spater sein
ernennung unmoglich.
Schwiegersohn wurde, der erste P h y s i k e r. Chemie und
Erst 1775 fand die verwaiste Professur einen Nachfolger, pharmazeutische Chemie blieben in den Handen des Meisters
u. zw. in Karl Gottfried Hagen, Besitzer der hiesigen Hof- bis zu seinem Tode (1829).
Sein Nachfolger Friedrich Philipp Dulk (geb. 1788 in
apotheke ( 1749-1829).
Diesem Konigsberger Gelehrten gelang es, wahrend seiner iiber ein halbes Jahrhundert dauernden Schirwindt Opr., gest. 1852 in Konigsberg) war ebenfalls
akademischen Tatigkeit - im Schatten des Titanen Kant - Apothekenbesitzer und hat seine Laboratoriumsiibungen unter
Konigsberg zu einem geistigen Mittelpunkt auf pharma- Verwertung der von Hagen benutzten Apparatur in seiner
zeutischem und chemischem Gebiet zu machen. Sein unsterb- Apotheke durchgefiihrt, bis endlich 1849 das erste staatliche
liches Verdienst ist es, fur die jungen Pharmazeuten und chemische Institut in den Raumen der alten Universitat am
Chemiker a u f der Universitat das moderne Ausbildungs- Bischofshof bezogen werden konnte. Dulk h a t chemischverfahren geschaffen zu haben, das im wesentlichen noch heute pharmazeutische Lehrbucher verfallt und analytische Untersuchun.gen iiber tierische und pflanzliche Drogen veroffent') Bis zu Beginn des i Y . Jahrhunderts wurde in cinem graflichen SchloD in der Nahe der
licht, auljerdem gehorte er als Abgeordneter der ersten preuBiKleinstadt Domnau ein Zimmer, in dem der beriibmte Arzt Paracelsus seine chemischen
Heilmittel hergestellt haben soll, und eine Grabstdtte gezeigt, unter der die irdischen
schen Volksvertretung in Berlin a n und h a t es wohl in dieser
Reste des bekanntlich in Salzbnrg bestatteten Gelehrten ruhen sollten.
einflullreichen Stellung erreicht, daB der Wunsch der Konigsz, GaneenmtZillm, ,,Das chemische Laboratorium der Universitat Marburgim Jahre 1616".
D
3,
diese Ztschr. 54, 215 [1941].
Pisanski: Entwurf einer preuDischen Literargeschichte. Konigsberg 1886, S. 504.
Die Chemie
57. Jahrg. 1944. Nr. 9/13
~4,
Marlius, Erinnerungen aus meinem neunzigjahrigen Lebcn. Leipzig 1847.
71
berger nach einem staatlichen chemischen Institut endlich
erfullt wurde.
Nach Dulks Tode wurcle auch in Konigsberg d i e r e i n e
Chemie von der pharmazeutischen abgez w e i g t . Wahrend die Professur fur reine Chemie Werther
(s. u.) iibertragen wurde, erhielt wieder ein Konigsberger
Apotheker Hermann Spirgatis (geb. 1822, gest. 1899 in Konigsberg) den Lehrauftrag fur pharmazeutische Chemie unter Ernennung zum personlichen ordentlichen Professor. Auch sein
Arbeitsgebiet war rein pharmazeutischer Natur und bewegte
sich in Harzuntersuchungen, die er zunachst in dem alten Laboratorium ausfiihrte, wo auch Werther seines Amtes waltete.
Als diesem ein Neubau in der BesselstraBe als Arbeitsraum fur
sich und seine Studierenden zugewiesen wurde (1857), konnte
Spirgatis das bisherige Institut fur sich allein in Anspruch
nehmen. E r erlebte es aber noch, daB Werthers Nachfolger
Lossen ein neues, das heutige Laboratorium in der DrummstraBe erhielt und das alte chemische Institut in der BesselstraBe fur pharmazeutische Zwecke zur Verfugung gestellt
werden konnte (1888).
Als Spirgatis 1896 in den Ruhestand trat, wurde sein Nachfolger Heinrich Klinger (geb. 1853 in Leipzig), der jedoch 1903
die Leitung des chemischen Instituts iibernahm. Ihm haben
die Pharmazeuten den U m b a u d e s p h a r m a z e u t i s c h e n L a b o r a t o r i u m s zu verdanken, dessen Arbeitsriiume auch heute noch - nach 44 Jahren - in ihrer Anlage
mustergultig sind. Viele ostpreuljische Apotheker und Chemiker haben die lebensfrohe Natur Klingers, seine rnit viel
Schonheitssinn durchgefuhrten Vorlesungsversuche und seine
klare, von philosophischem Gedankengut durchdrungene Vortragsart, die auch in seinem um die Jahrhundertwende allein
anerkannten anorganischen Lehrbuch zum Ausdruck kam, in
lebharter Erinnerung. Im Herbst des verflossenen Jahres
konnte er - leider nicht mehr in gesundheitlicher Frische seinen go. Geburtstag begehen.
1903 wurde Alfred Partheil (geb. 1861 in Zerbst) als Leiter
des pharmazeutischen Instituts nach Konigsberg berufen. I n
der wissenschaftlichen Welt wurde er besonders durch seine
Ausfuhrungen : ,,Uber zahlenmaaige Beziehungen der Atomgewichte" bekannt, in denen er auch quantitative Korrelationen zwischen Atomgewichten und bestimmten akustischen
Eigenschaften der Elemente rnitgeteilt hat, ein Gebiet, das bisher nicht weiter untersucht ist, zumal die von Partheil gefundenen Zahlen nicht immer befriedigen konnten. Ersetzt
man jedoch die um die Jahrhundertwende gebrauchlichen
AtomgewichtsgroBen durch die neuerdings von der Atomgewichtskommission bekanntgegebenen Zahlen, so stellt man
fest, daB die Unstimmigkeiten der Partheilschen Untersuchungen in den meisten Fallen gemildert werden. I n jener
Zeit wurde durch die von dem preuBischen Ministerialdirigenten
Althoff eingeleiteten Sparmaonahmen das Ordinariat fur
pharmazeutische Chemie in ein Extraordinariat verwandel t.
Diese Verhaltnisse anderten sich erst, als nach Partheils
Tode (1909) Erwin Rupp (geb. 1872 in Kirchheim) die Leitung
des Instituts iibernahm. E r wurde 1912 zum ordentlichen
Professor ernannt, verliel3 aber 1919 Konigsberg, urn in Breslau
Nachfolger Gadamers zu werden, und lebt heute als Emeritus
in Freiburg i. Br.
Nachdem nach Rupps Weggang der damalige Privatdozent
Franz Lehvnann (geb. 1881 zu Tarputschen, Opr.) das Institut
kurze Zeit verwaltet hatte, dann aber einen Ruf nach Greifswald erhielt; iibernahm 1920 Hermann Matthes (geb. 1869 zu
Eisenach, gest. 1931 zu Konigsberg) und nach dessen Tode
Hermann Emde (geb. 1880 in Opladen, gest. 1935 in Thnn)
Professur und Leitung des Instituts. Wahrend Matthes sich
mit Vorliebe der Untersuchung von Arzneimitteln und der
Neubearbeitung ihrer Bestimmungsmethoden widmete, h a t
sich Emde mehr rnit experimentellen Forschungen auf dem
Gebiet der organischen Chemie und dem Ziel der Konfigurationsaufklarung beschaftigt. Neben dem Emde-Abbau,
der reduzierenden Spaltung quartarer Ammonium-Verbindungen, verdankt ihm die Wissenschaft die K o n s t i t u t i o n.s e r m i t t e 1 u n g d e s E p h e d r i n s und geistvolle spekulative Arbeiten uber die Biogenese zahlreicher
Pflanzenstoffe, Alkaloide, Zuckerarten u. a.
Seit 1936 wirkt hier als Professor fur pharmazeutische
Chemie und Leiter des Instituts Kurt Walter M e w .
Nach der Abzweigung der reinen Chemie von der Pharmazie (1852) wurde das Lehramt fur reine Chemie August
Friedrich Gustav Werther (geb. 1815 zu RoBla in der Goldenen
72
Aue, gest. 1869 in Konigsberg) iibertragen, der zuerst Theologie
studiert und bereits ein Pfarramt verwaltet hatte, ehe er sich
entschlolj, Chemiker zu werden. -41s er 1853 nach Konigsberg
gekommen war, hielt er es fiir seine dringendste Aufgabe, den
N e u b a u d e s c h e m i s c h e n I n s t i t u t s zufordern,
der jedoch erst 1857 vollendet wurde. Seine wissenschaftlichen
Arbeiten bemegten sich auf dem Gebiet der anorganischen
Chemie. Unter seiner Leitung fuhrten seine Schuler Untersuchungen uber Wolframsaure, Cer- und Lanthan-Verbindungen
aus, wahrend er selbst viel Miihe und Zeit der Redaktion des
J o u r n a l s f i i r p r a k t i s c h e C h e m i e widmete5).
Als nach seinem Tode (1869) Carl Gvaebe (geb. 1841, gest. 1927
in Frankfurt a. M.) hierher berufen wurde, hatte er sich durch
die gemeinsam mit Liebevwann durchgefuhrte Synthese des
A 1 i z a r i n s bereits Weltruf erworben und setzte zunachst
seine Arbeiten erfolgreich fort. 1871 stellte er C h 1 o r a c e t o p h e n o n her, das spater im Weltkrieg als wirksamer
Kampfstoff Verwendung fand, isolierte in gemeinsamer Arbeit
mit den leitenden Mannern der deutschen chemischen Industrie,
vor allem mit C a Y 0 , A c r i d i n , C a r b a z o 1 , P h e n a n t h r e n , P y r e n und C h r y s e n underkanntedieKonstitution dieser Teerdestillate, so daB ihm auch teilweise ihre
Synthese gelang. Trotzdem fuhlte Graebe sich hier nicht wohl.
Die unzulanglichen Raume des Laboratoriums, das rauhe
Klima, Heimweh nach der siidwestlichen deutschen Landschaft und personliche Differenzen mit amtlichen Stellen gestalteten das Leben unertraglich. Als alle seine Bemuhungen,
eine andere Professur zu erreichen, mifigluckten, kam es zu
einem Nervenzusammenbruch (1877), der einen Aufenthalt in
auswartigen Sanatorien notwendig machte. Graebe kehrte nicht
mehr nach Konigsberg zuruck, sondern erhielt einen Ruf nach
Genf, wo er 1906 in den Ruhestand t r a t . 1927 starb er in
greater Armut, d a die Inflation ihm sein Vermogen geraubt
und die Pensionsanspruche durch eine einmalige Abfindung
getilgt waren 6 ) .
Sein Konigsberger Nachfolger Wilhelm Lossen (geb. 1838
in Kreuznach, gest. 1906 in Aachen) war auch bereits, als er
hierher kam, durch die Entdeckung des H y d r o x y 1 a m i n s
ein beriihmter Gelehrter geworden, fand aber im Gegensatz zu
seinem Vorganger hier alles, was das Leben angenehm gestaltete, eine befriedigende lehrende und forschende Tatigkeit
- vor allem nach dem vollendeten Neubau des chemischen
Instituts in der DrummstraBe ( 1888), geselligen anregenden
Verkehr mit Kollegen und Schulern und eine innige Liebe zur
ostpreuBischen Natur. Wertvolle wissenschaftliche Arbeiten
wurden in Konigsberg vollendet, teils physikalisch-chemischer
Art iiber die Konstitution chemischer Verbindungen, uber das
spezifische Volumen, Molekular- und Atomvolumen. Zahlreich
sind seine Veroffentlichungen iiber die von ihm rnit Hilfe seines
Hydroxylamins hergestellten Stoffe wie H y d r o x a m s a u r e n , A m i d i n e , T e t r a z o t s a u r e n u. a. Beobaclitungen a n der D i b r o x x b e r n s t e i n s a u r e und
ihren Salzen fuhrten ihn zu theoretischen Erorterungen uber
die Konstitution der optisch-isomeren Stoffe, die ihn in Gegensatz zu Kekulk brachten 7.
Nach seinem Weggang (1904) folgte ihm im Amt Heinrich
Klinger, der bisherige Leiter des hiesigen pharmazeutischchemischen Instituts (s. o.), der nach seiner Pensionierung
(1922) den Lehrstuhl Hans Meerwein (geb. 1879 in Hamburg)
uberlieB. Als dieser 1929 einem Ruf nach Marburg Folge
leistete, wurde das Konigsberger Ordinariat zunachst von
Fritz Adolf Paneth (geb. 1887 in Wien) und seit 1934 von
Robert Schwarz (geb. 1887 in Berlin) verwaltet.
Inzwixhen war auch ein l a n d w i r t s c h a f t l i c h c h e m i s c h e s I n s t i t u t der Universitat angegliedert
(1873), dessen erster Leiter Heinrich Ritthausen (geb. 1826 in
Armenruh/Schlesien, gest. 1912 in Berlin) wertvolle chemische
Arbeiten iiber das Vorkommen von Harnstoff-Derivaten und
Aminosauren in pflanzlichen Korpern lieferte. E r iiberlieB den
Lehrstuhl 1899 Albert Stutzer (geb. 1849 in Weimar, gest. 1923
in Godesberg), der sich auf dem Gebiet der Nahrungs-, Futterund Geheimmittel betatigte und durch Verbesserung der
Spezialapparaturen manche Bestimmungsverfahren exakter gestaltete. Sein Nachfolger wurde 1916 WilljZielstorff (geb. 1866
in Jeesen, Pommern, gest. 1938 in Plieningen), der durch seine
Ackerbodenuntersuchungen der ostpreuBischen Landwirtschaft
gute Dienste leisten konnte. Nach seiner Pensionierung wird das
Institut kommissarisch verwaltet. E
~ zI. Februar
~
~Iodd. ~ [A.
~
. 16.1
Nachruf von Lzeorezch, Ber. dtsch. chem. ties. 3, 372 [1870].
$) Nachruf von Duden u. Decker, ebenda 61, 9 [1928].
') Nachruf von Lassar-Cohn, Ber. dtsch. chem. Ges. 40, 5079 [19071.
6,
Die Chemie
57. Jahrg. 1944. Nr. glra
.
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