close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Die chemisch-pharmazeutische Industrie des feindlichen Auslandes whrend des Krieges.

код для вставкиСкачать
Aufsetzteil.
29, Jehrgallg It)l&]
413
Grossmann: Die chemisch-pharmazeutische Industrie des feindiichen Auslandes wahrend des dieges.
_____
-
Zeitschrift fm angewandte Chemie
I. Band, S. 413-416
1
Anfsatzt eil
Die chemisch-pharmazeutische Tndustrie
des feindlichen Auslandes wiihrend des Krieges.])
Von Prof. Dr. H. GROSSMANN,Berlin.
,Skit Beginn des gewaltigen Vdkerringeru vor jetzt fast 21/, Jahren
ha,t in den Kreisen der chemischen Industriellen aller Lander in der
Fachpresse sowohl wie in der Tagespresse eine aul3erordentlich rege
Diskussion iiber bestimmte Problenie der chemischen Industrie
stattgefunden, wie sie in ahnlicher Lebhaftigkeit kaum jeiiials zuvor
zu beiiierken gewesen ist. Es handelte sich dabei der Hauptsachc
nach uiii die R a g e der ausreichenden Beschaffung von 4 Klassen
chemischer Verbindungen, namlich von E x 1.' 1 o s i v s t o f f e 1 1 ,
k u n s t 1 i c h e n D u n g e m i t t e 1 n , F a r b s t o f f e n 11 n d
c h e m i s c h - p h a r in a z e u t i s c h e n
V e r b i n d u n g e n.
Bei dciii uberaus regen Bedarf an diesen Verbindungen, der seit dein
August 1914 in allen Landern einsetzte, uiid der sich nicht nur auf die
urimitt~elbnren am Kriege beteiligten Machte Ixschrlnkt hat,, war
es ohn? w-iteres klar, daO eine gewisse Knappheit an b1aterial n o t
wendigerwcise entstehen muBte. Diese Knappheit fuhrte dann in
der Folge zu jmen vielfach geradezu uiierhortcn Preissteigerungen,
die in manc!ica Landern auch heute noch nicht ihren Hohepunlrt
erreicht habcii. &n darf hier jedenfalls von einer allgenieinen Erscheitiung sprechcu, die gehr weit,e Kreise gezogeri hat. Der Bericht
des schweizerischcn Handels- und Industrievereiris fur 1914, also
eine neutrale Quc.ll:, zeigt in vollcr Deutlichlieit, wie ganz plot.zlich
eine Erschutterun; des gesamten Narktes erfolgte, die in einem
derartigen Umfanq! vor dem Kriege einfnch fiir unmoglich gehalten
worden ware. Als n:in darnals p16tzlich die Grenzen geschlossen
wurden, jede Traiisportmo~liclikeitim Inneren und im Ausland aufhfirte, uiid Angcstellte wie Arbeiter scharenweise, in den am Rricg beteiligten wie in den neutralen Landern, in gleichei-Wcise zu den Wafien
eilen muBten, war naturlich nianchcr Betrieb viele Wochen hindurch
vor die Fyage gestcllt, ob es ihin iiberha.upt ~iiligli.chsein n-erde, 'die
Fnbrikat.ion aufreclit zii erhalten. u;o der Wzngel an unentbehrlichen
Rohstoffen, Busfuhrverbote, ersch-werte .~bsatzniogliclikeitenund die
Unsicherheit des Geldmarktes von Tag zu Tag in stirkerein Ma.Be
ihre lahniende Wirkung aul3erten. \Venn nian auch in den kriegsfiihrenden Landern wie bei den Neut.raleii allmahlicli gelernt hat', sicli
den vollig veri-iiiderten Verhaltnissen anzupassen, su hielt, doch die
glanzende Konjunktur, die eineelne neutmle Staaten uiid besonders
die Schweiz suf deni Gebiet der pharmazeutisch-chemisclicn Industrie
einige Monate hiridurch erlebt haben, nicht an. I n der Schweiz waren
beispielsweise schon nach kurzer Zeit B r o in - und J o d s a 1 z e ,
W i s m u t - und Q u e c k s i l b e r p r a p a r a t e , 0 p i u in und
die verschiedenen Alkaloide des Opiui~is, C h i ii i n und andere
phsrmazeutisohe Chemikalien bald riicht mehr aufzutrciben. Auch
die Rohstoffe zui Herstellung von A n t i p y r i n , P h e n a c e t i n
und A c e t y l s a l i c y l s a u r e gingen bald aus, ohne daI3 es
iiiijglich gewesen ware, Ersatz zu schaffen. Es dauerte dnher auch
nicht lange, daB sich der Bundesrat in der Schweiz entschloD, dein
Beispiel der kriegfuhrenden Lander zu folgen und die Ausfuhr an
wichtigen pliarmazeutischen Produkten prinzipiell zu verbieteri ode].
diese Produ1rt.e zu den bekaiinten Kompensationsforderungeii gegen
andere notwendige Rohstoffe und Fabrikate, auf welche die Schweiz
angewiesen war, zu benutzen.
Ich liabe diese Schilderung von dem Zustand der pharmazeutisch-chemischen Industrie der Schweiz &us dem Grundc hier etwas
nalier betrachtet, weil sie den Schliissel zuin Verstandnis der Verhaltnime bietet, die im feindlichen Auslmd eingetreten sind. Bevor
ich aber zu einer Schilderung der einzelnen Lander ubergehe, mijchte
ich noch einige priiizipielle Vorbemerkungen machen, die Zuni volleri
Verst,andnis notwendig erscheinen. Durch die vollige Unterbinduiq
clrs gesainten Verkehrs zwischen den frindlichen Liindern uric1 die
Erschwerungen irn Verke.hr niit den neutralen LLndern ist die per,
1) VorLrg, gehalten auf der Hauptversammlung zu Leipzig,
a m Freitag, den 20. Oktober 1916, in der Sitzung cler Fachgruppe
fur medizinisch-pharmazeutische Chemie.
Angew. Chem. 1916. Aufsatsteil (I. Band) au Nr. 96.
I
28.Noveniber 1916
siinlichc.Kenntiiisnahine dcr auswartigen Verhkltniase teils unmog1ic.h
gemscht, teils sehr stark behindert worden. EHbleibt also nur die MGqIichkeit iibrig, die wissenschaftliche techniroha, wirtschsff,liche und
politische Literatur und die Tagespresse eingPhend zu verfolgen. Bie
alle wissen aber gerade aus dem Wcltkriege, dalj diese Quellen nicht
in allen Fiillen als zuverlbsig gelten kiinnen. Diese Erfahrung haben
nir ja besonders in den ersten JSi-iegwLonaten recht. reichlich niaclien
konnen. Es kann daher nicht, Wunder nehmen, d a B bei den1 plotzlich
erwachten allgenieinen Int,eresse fiir chemisclie h a g e n , das in allen
Lilndern zutage getreten ist; a'uch vielerlei unricht-ige Dinge ala wahr
geschildert worden sind, die m a r fiir einen Fachmanii nieiiials ernsthaft in 'Frage lioiiitnen konnten, die aber ihren Zwcclt, auf die kenntnisarme Masse einzumirken, nicht verfehlt haben. Wir diirfen der
deutschen Prease zuin Gluck nachsagen, da13 sie a.nf cliesem Gebiet
wenigstens die uilglaublichsten chemischen Rliirchenerzahlungen in7
Interesse ihrer Leser mit Frqezeichen oder leise zweifelndeii Heinerkungen versehen hat,; was aber im Auslande gerade auf dein Gebiet.
der chemischen Industrie an Phantarie ,actleistet, worden ist, grenzt
fast a,n das Wunderbare. Ich neine deshalb, tin13 diesen chemischen
Tartareimachrichteii gegenuber, die ~nanclin~ai
aucli aus deni Auslande ihren Weg nach Deutschlmd gefunden haben. allscir ein cin
giites Teil nZiDt,raucn geboieii ist. Snders stelit. es tiber init den
ernst- zu nehineiiden AuBerungen vrm Gelehrirn, 1 ii?.i!s!riel!cn mid
Politikcrn. Allrrdiiigs ist. die Zahl der fac!i!mniiigc 11 Yolit ikcr: tlic
auch von der Chcmie, ilirer Tcchnik und ihrer Wirkchafc; ctwas vcrstchen, in a.llen Landern nicht sehr groU, mid aus dieseni Oriindc
becliirferi ihre Busfuliruiigen auch mcist einw crlt1iirendc.nKoiniiient,ars. Das gilt abw auch von den Gelehrten und von deri Inc!uetriellen
Chtmikern iin feindlichen Auslantlc. Sie wisseii, dalJ Profemor
A. H F, s s e iind ich seit. den erskn Monat,.jn des Krieges derart.ige
,,Dokumeiite", aus deiieii man nocli laiige n a d i Bcendigung ilss
Krieges vie1 wird lcriicn lionnen, sanin:eln. Diese Dokuxc,nte mii~se.n
aber init Verst,%ndnisgelesen werdek Man 11: uf3 nirht iiur die einzelrien Ausfiihrungen an aich betrachten, sondern Ii'ali inulj sich
duriiber klar sein, wer die einze!nen Ausfiihrungen geiilaclit hat,
wo dieselhen erfolgt sind, uncl welchen Zweclt sir i i n gegebetien Rille
zit erreichen beabsichtigen. RIan kann d a m natiirlich auch n ~ c hin1
einzelnen Falle irren und nianches in seiner Bedeutung iiber- oder
unterschiitzen. Man niuO sich aber st,et,s dariiber klar s e h , da13
Englander, fianzoseii, Italiener und Russen eine andere Psyclic
besitzen als mir Dentschen. Daraus folgt aber, da13 m a n jene Auefuhrungen nicht' iuiiner ganz wortlich zii nehir.cn hat. Denken sie
z. R. an Propagandarcden, die zur Einfiihrung neuer Verfahreii
gehalten werden. Die ni.mint doch n,uch nieinand ganz ndrt,lich,
sondern man sieht sich den R,edfier an: fmgt sich, we!che Stellung
er einniuimt, iind bewertet dann seine Acsfuhrungen auf Gruiid
exsliten Materiala. Eiii derartiges exaktes Xaatcrial lie@ nun R I I C ~
in unserein Fitlle vor. Dieses Uaterial sind die statistischeri Ni:.chweisungen iiber die Preise von Cheniilta.lien vor and wahrenel cles
Krieges. Selbst wenn nian aber nur die liiclienhsft bckanni.gewordenen GroBhaiidelspreise fiir viele pharn:sneutisch-chei-r,iische Produkte
betrachtet,, die ini feindlichen Busland bezahlt \\-orden sind, so crgibt sich vhna weiteres, daB auf mnnchen Gcbietrri in der Tat. langc
Zeit hindurch w a h r e N o t s t a n d e gehe.rrscht haben nnd
vielfach noch herrschen, und dalj die Unterbindung der deutschen Augfuhr zu hochst bedenklichen Stiirungcn Veranlassung gegeben hat. D i e A b h i l f e d i e s e r M i B s t r l n c i e s c h e i n t
jedenfalls n a c h m e h r als zweijihl-iger K r i e g s d a u e r s e I b s t c 11 e IE i s c h h o c 11 e n t w i c k e 1 t e n L a 11 d e r n d e r f e i n d l i c h e n Miichte n u r i n rccht. u n v CJ 1 1 k o in in c n e r W e i s e g e 1 u n g e 11 z u s e i ii. Jcdcnfalls
weisen die imnier wiederholten Mahnrufe der CI~cli:iker, 1 x 3 3 mcgc
niit Hilfe der Regierungen und der Industrie in den EnteiitclLridern
die Forschung auf dein Gebiete der organisuhen Chcrnie sowcit als
niiiglich fordern, daraufhin, daO bisher ein rollkon~~nener
Ersatz der
deutschen Cheinikalien und besonders der iiberaus wic1iti:;rn sytithctischen pharma~zeutischenProdukte nicht gelungeii iat. Ob und inwieweit bei weiterer Kriegzdauer und riner Verfolgung des Wirt69
4 14
__
.
Grossmann: Die chemisch-pharrnazeutische Industrie des feindlichen Auslandes wahrend des Krieges.
~
schaftskrieges, den in Deut.schland kein verstandigcr Mensch wiinscht:
iiber den AbschluB der inilitarischen Feindseligkeiten hinaus tler.
artige Versuche Erfolg hsben diirften, wage ich nicht zu enixclieitlen
tlenn das Prophezeien hat sich irn Weltkriepe st,ets als eine sehr niih
liche Sache erwiesen.
Ich wende mich nun zur Schilderung der eiilzelnen L#ncle.r, 11111
im folgenden eine zusmnmenfassende knappc Darstellung dei
Bestrebungen zu geben, die sich in letzter Linie auf die eine Forniei
bringen lassen: ,,Los von der deutschen pharrnazeutisch-chelnischen
Industrie !" In dieser Gesimiung besteht h i iinseren Gegncrn volligc
Einigkeit, wenn auch der Ton in den einzelnen Ausfuhrurigen groBe
Unterschiede auf weist.
Ich beginne niit E n g 1 a n d , dcs..en cheinisch-pharniazeutische
Industrie ja seit vielen Jahren sehr entwickelt ist, wenn auch d i e
Entwicklung im einzelnen ganz andere cliarakteristische 'Ziige aufweist \vie in der pharinazeutisch-chemischen Industrie in Deut,sc.liland. Wenn man aber die Verhaltnisse richtig verstehen will, so mu13
man sich auch iiber den Zust,and der Industrie vor dem Kriege klar
sein. Wir besitzen nun uber die englische pharmazeutich-chemische
Industrie eine recht interessante, wenn auch etwas schonfarberisch
gehaltene Darete.llung in dein wissenscliaftlichen Saninielkatalog
der englischen Gruppe auf der Turiner Weltausstellung iin Jahre
1911. AuBerdem hat fast zur gleichen Zeit der Englander K e a n e 2 )
in der Hunter Memorial Lecture iiber die moderne Jatrochemie
eine weit griindlichere, auch wissenschaftlichen Anspriichen geniigende Darstellung dieser Verhlltnisse geliefert. I n dicsem Vortray
von K e a n e findet man auch eine sehr interessante statistische
Tabelle iiber die Einfuhr gewisser synthet,ischer Produlite nach England, woiiiber die englische Handelsstatistik kcinerlei Aufschlul3 gibt.
Nach dieser St,atistik gelangten im Jahre 1910 durch die englischen
Einfuhrhauser fur pharmazeutische Prodiikte folgende Mengen Z U
Verkauf :
Gesnmtwert
in Pfd.Ster1.
Anti-) rin, Lowcninarke, et.wa. I/, t zu 12/11 clas enpl. W i n d
723
t.Y
Aspinn 1'/2 t zu 15/9 da.s engl. Pfund . . . . . . . . . . 2 646
Phenacetiri 8l/, t zu 2/6 da.s engl. Pfund. . . . . . . . . 2 3130
Ant'ipyrin 6 - z u 6/6 das engl. Pfund . . . . . . . . . . . 4 368
Sulfonal 3 t zu 8/- das engl. Pfund . . . . . . . . . . 2 688
Trionnl 8l/, cwt. zii 17/9 d u engl. Pfund. . . . . . . . . 865
Veronal
cwt. zu 681- das engl. Pfund . . . . . . ~. . 2475
16 165
'
Das sind bekanntlich alles deutsche Produlite, wie ja ubcrhaupt
dic3e wichtige Industrie seit der Mitte der 80er Jahfe fast nur in
Deutschland und der S c h w e i z , wie auch K e a n e vollkommen
nnerkennt, zur Entwicklung gebracht worden sind. Er sagt in
seinem Vortrag ausdriiclrlich, daB in England prakt.isch keine derartige Verbindung hergestellt werde, und ex fuhrt als die Griinde
hierfiir vor allem an: die MLngel der dlkoliolgesetzgebung, die Eenachteiligung der englischen Industrie durch das cnglische Patentgesetz, den mangelhaften Unterriclit auf der Schule uncl den Hochschulen uncl die geringe Wiirdigung der chemischen Wissenscha.ft
durch die Fabrikanten. Daa sind alles Dinge, die man auch jctzt
wieder in England bis z u m UberdruR erortert hat, ohne daB anscheinend ein wesentlicher Umschwung bisher eingetreten zu sein scheint.
Die englischen Industriellen beschrankten sich vor dem Kriegc im
wesentlichen darauf, p h a r m a z e u t i s c h e S t a p e 1 p r o d u k t e iius d e r a n o r g a n i s c h e n u n d d e r o r g a n i s c h e n C h e ni i e h e r z u s t e 1 1 e n und fernel. auch die Herstellung von S p e z i a I i t & t e n zu bevorzugen, die in der grolien
englisch sprechenden Welt seit langen Jahren niiC allen hIitt,eln einer
groI3zugigen Reklame verbreitet worden sind. Dagegen hat man &ts
eine weit, geringere Bereitwilligkeit gezeigt, wenn es sich uin die Eiiifiihrung von Produkten handelte, deren Lehensdauer niit einer
gewissen Wahrscheinlichkeit als kurzer anzunehmen war. Man sieht
also auch hier, wie Deutschlands . Industrie das wagemutige Vorgehen mi; eineu] vielfach recht groBen Risiko iibcrna.hm, wahrend
man in England die vorsichtigere und vielfach trotzdem recht
eintragliche Beibehnltung des Althergebrachten bevorzugte, was ja
auch sonst fur groBe Teile der nach englischem U r t d mehr konservativ betriebenen englischen Industrie gilt.
Durch den Krieg sind aber diese Verhaltnisse ganz plotzlich veriindert worden, und man hat auch in England inimeiteren Iireisen
erkannt, daB ein solches Verhalten auf die Dauer grol3e Gefahren
in sich schlieot. Ich iibergehe hier die ganze piidagogisch-reformatorische Literatur, deren Bedeutung ich ubrigens keineswcgs untera)
[ a n g ~ $ ~ ~ , ~ ~ ~ , , , e .
_ _ _ _ ~ . _ _ _
_ _
_ _
_ _
_ . _____._~___
_
_
_
~
Journ. Soc. Chem. Ind. 1910, 383-395.
~
scliatzt wisscn niiichte, und mochtc Ihre Aufrncrksanikeit, hcute nur
nuf zwei beachtenswertc Stimmen lenken, die sich aiif dcr letzten
Hauptversaninilung der Society of Chemical Industry ini Juli
dieses Jahres hxben vernehmen lassen. Es hmdelt sich hier heuptsachlich um die beiden Vort,rage von F I' a. n c i s.H. C a r r iiber die
Berstellung synt'hetischer medizinischer Cheniikalien unter deni
Iiriege und uni den Vortrag von D. B. D o t t uber die Herstellung
von Alkaloiden. In dem erst.genannten Vortrag wird auch wiederuni
darauf hingewiesen, da,B zahlreiche wichtige Cheniikalicn vor dein
Kriege in England nicht hergestellt worden sind. Hierzu gehoren
vor allem A n t i p y r i n , A s p i r i n , S a 1 i c y 1 s a n r e , P h e n a c e t i n , C h 1 o ra! h y d r a t , S a I o I , P h e n o I p h 1 h a lein, Saccharin, Veronal, Sulfonal, Trional,
E u c n i n und N o v o c a i n. Der Wert . der Gesamteinfulir
an' diesen Produkten betrug dabei ungefahr eine Million Pfd. St.erl.
Als nun der Krieg ausbrach, schnellten die Preise plotzlich in geradezn
Schmindel erregender Weise empor. Die Fabrikanten fiirchteten
sicli aber anfangs davor, a n die Fabrikat,ion von synthetischen
phnrmazeut,ischen Prcdukten heranzugehen, d a man such in England trotz aller Groflsprechercien in industriellen Kreisen nicht, niit
e.iner Iangeri Kriegsdauer rechncte uncl unter diesen Umstiinden
Bedenken trug, groBe Kapitalien in eiiier Industrie zu investieren,
deren Fortbestehen nach Friedensschlul3 rnindestens als zweifelhaft
gelten niuB. J e langer aber der Krieg dauerte, und je niehr auc,h
die freihiindlerische Regierung in clas Fahrwasser der Schutzzollner
geriet, urn so groBer erschien die Moglichkeit einer dauernden Begriindung der synt'lietisch pharmizeutischen Indnstrie in England.
Die hohen Preise wirken natiirlich ilauernd in dieser Richtung fort,
und wenn die Angaben von C a r r richt'ig sind, so stehen heute ausreicheride Mengen ,von organischen Antisept,ica, Antipyretica,
Schlafmit.t.el, lokale Anasthesierungsniittel und Diuretica rein englischeri 'Ursprungs den Xrzten zur Verfugung. Wie groB die Produktion im einzelnen ist, wissen wir natiirlich nicht, urid ebensowenig knnn man heute schon beurtei!en, \vie sich die Zukunft cler
c.heii pharmazeutischen Industrie in England gesta.lten
'ivird, denn das wird schlieBlich in lotzter Linie auch von tler weiteren
Entwicklung dcr Farbenindust.rie a.bhangen, die dcr pharmazeutischcn Iiidustrie in ihren Zwischenprotlukten die notwendigen Roliniaterialien liefern niuB. Aus Clem Vortrag von C a r r .apricht aber
aucli deutlich die P u r c h t v o r d e r d e u t s c h e n K o n k u r t e n z , zu deren Schotze natiirlich die Behorden die erforderlichen
NIaf3regeln ergreifen sollen. C s r r fordert unbedingt wiihrend der
nachsten 10 Jahre eine Forni des Schutzes und betont,, daB man
wahrend d i e m Zeit in der phai~nazeut~ische~i
chemischen Industrie
?ine vollkommene Organisation zur Ent\vicklung bringen und die
Nnchteile, die aus einer unzweckmaDigen Ausbildung und Erziehung
3t.ammen, beseitigen sollte. Ohne diesen Schutz wurde nanilich allee,
was jetzt in die Wege geleitet worden sei, iiberaus sclinell und voll3tandig durch die 'fremde Konkurrcnz vernichtet werden. Es k m n
eine n i c h t g e nach C a r r keinem Zweifel unterliegen, ,&I3
1 c h ii t z t e
c h e m i s c h e p h a r m a ze u t i s c h e In d u itriein Englanddie Z'ielscheibeder deutschen
i c h w e r e n i l r t i l l e r i e w e r d e n wiirde, u n d daB s i e
l o c h g r o B e r e n S c h a d e n e r l e i d e n w i i r d e a.ls d i e
[ n d u s t r i e d e r F a r b s t c f f e , des Glases, desChlors
.I s w. v o r d e m K r i e g." DaB dar englische Chemiker sich auch
...
:ur hohe Preise fiir pharmazeutische Produkte, sofern sie nur engischen Ursprungs sind, begeistert, erwahne ich nebenbei, ebenso
tuch die Motivierung dieser Forderung, daB narnlich dsdurch clas
Crol3e Publikuru davon abgeschreckt merde, derartige Produkte in
:u groBen Mengen zu serbrauchen. Natiirlich fehlt auch bei ihm
iicht die Forderung ciner R e r i s i o n cler -4 1 k o 11 o 16 e s e t z
e b n n g , die sich auch D. R. D o t t zu eigen niacht. S u s dem
irortrag dieses Chcmikers erwlhne ich, daB die Preissteigerung beim
ialzsmren Morphin 63%, Eeirn schwefelsauren Atropin dagegen
;OOO,o gegeniiber der Zeit vor dem Kriege betmgen hat, wahrend die
lurchschnittliche . Preissteigermg hei 8 wichtigen Alkaloiden sich
iuf nicht wcniger als auf 237% belaufen hat. D o t t gibt auch
iffen zu, d a B b i s h e r k e i n s y n t h e t i s c h e s A l k a l o i d
I LI f d e n W a r k t g e k o n i ni e n i s t, ,,da ansclieinend gewisse
lchwierigkeiten vorkgen, die sich durch die Kompliziertheit der
'rozesse, die Ausgabcn fur Materialien und die geringen Ausbeuten
rklaren, welche man be.ini Arbeiten nach den verijffentlichten
lethoden erhalt". Auch den Vorschlag, man solle in ,England
nehr M1e d i z i n a 1p f 1 a n z e n anbauen, beurteilt D o t t sehr
keptisch, weil d a englische~Klimaund der Boden fur fast alle
Llkaloide liefernde Pflanzen nicht sehr gut geeignet zu sein scheine.
-
(Scblu0 folgt.)
418
Grossmann: Die chemisch-pharmazeutische Industrie des feindlichen Auslandes wahrend des Krieges.
Die gesamte Fliissigkeit war bei a und b = 250 ccm, bei
c = 100 ccm.
Die Mischungen m d e n gut umgeriihrt und nach mehrstiindigem
Stehen filtriert, der Niederschlag mit Wasser gut ausgewaschen und
der Stickstoff darin bestimmt. Fur jede Bestimmung war 166,6 mg N
verwendet. Bei je 2, gut untereinander iibereinstimmenden Analysen
wurden wieder gefunden.
Verlust
nach Verfahren a)
,,
b)
,,
c)
. . 163,6 rng
165,s ,,
. . 157,O ,,
..
Verlust auf 100 Teile
des verwendeten N
bezogen
3,O mg
1,1 ,,
11,6 ,,
197
0,6
698
Yo
,I
97
Bei Versuch b enthielt die Fliissigkeit 2 g NaOH in 250 ccm und
bei c die gleiche Menge von NaOH in 100 ccm. Durch die starkere
Konzentration entstanden kleine Verluste an N, trotzdem die Eliissigkeit nicht erwarmt war. Die Verlustziffern sind andere, wenn neben
NaOH auch Ammoniak zugegen ist,. Bei nachstehenden Versuchen
sind stets genommen: 25 ccm der Losung von Dicyandiamid, 10 ccm
Silbernitratlosung, wechselnde Mengen von Ammoniak und Natronlauge. Die gesamte Fliissigkeit nach der FLllung betrug 200-220 ccm.
Das Auswasehen des Niederschlages auf dem Filter wurde so lange
fortgesetzt, bis das Filtrat mindestens 400 ccm betrug und in 10 bis
20 ccm des Filtrates durcli N e B 1e r s Reagens keine Spur von
Ammoniak mehr nachweisbar war.
Nr.
Verwendete Menge von
Ammoniak
Natronlauge
ccm
-
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
10
10
10
10
10
10
10
10
10
30
ccm
10
20
30
50
60
50
60
60
75
50
Gefunden
N
Verlust
mg
w
136,9
151,8
157,3
165,O
163,O
157,s
160,O
156,4
127,O
74,5
29,7
14,s
993
196
396
8,s
6,O
10,2
39,6
92,l
an N
rerlust bezogen
.uf 100 Teile des
verwendeten N
%
~-
17,8
83
5,5
0,9
271
592
3,6
6,1
23,7
55,2
Hiernach waren die Verluste am geringsten, wenn in 200-220 ccm
der Fliissigkeit 1 g NH, und 5 g NaOH vorhanden waren. Ein g r o k rer Gehalt an Ammoniak (Vers. 7) bedingte groBe Verluste an Stickstoff, weil Ammoniak unter cliesen Verhaltnissen einen Teil des Dicyandiamidsilbers i n Liisung halt. Die Verwendung einer geringeren
Menge von Ammoniak diirfte (bei Analpen von Kalkstickstoff) nicht
empfehlenswert sein, weil anderenfalls die Gefahr vorliegt, daI3 eine
unvollstandige Scheidung des Dicyandiamids vom Cyanamid erfolgt. Die Menge der Natronlauge kann innerhalb gewisser Grenzen
schwanken. Die Verluste waren bei Versuch 3 nicht wesentlich verschieden von denjenigen des Versuchs 5, aber durchschnittlich am
niedrigsten bei Versuch 4.
Die Uotersuchung des Kalkstickstoffs auf den Gehalt a n Dicyandiamid kann in folgender Weise geschehen: 10 g Kalkstickstoff
werden in eine gut verschliel3bare Flasche gebracht, mit 100 ccm
94yoigem Alkohol iibergossen und entweder eine lialbe Stunde lang
im Rotierapparat geschiittelt, oder man laat die Mischung unter
hiiufigem Umschiitteln 2 Stunden lang stehen. Dann wird filtriert.
Vom Filtrat benutzt man 20 ccm zur Bestimmung der gesamten
Menge der in Alkohol IiiLIichen Stickstoffverbindungen. Andere
50 ccm werden mit 180 ccm Wasser verdiinnt, 10 ccm der 10Yoigen
Silberlosung und 10 ccm von lO%igem Ammoniak hinzugesetzt.
Daa ganze Volumen der Fliissigkeit betriigt 250 ccm. Man riihrt gut
um und bringt die im wesentlichen aus freiem Cyanamid (und nicht
oder n u zum sehr geringen Teil aus Calciumcyanamid) herstammende
Silberverbindung auf ein Filter, ohne zuniichst den Niederschlag
auszuwaschen.
Vom unverdunnten Filtrat vermischt man 200 ccm mit 50 ccm
einer 10yoigen Natronlauge, wodurch sich Dicyandiamidsilber ausscheidet. Nun werden beide Silberverbindungen (jede fur sich getrennt) rnit Wasser ausgewaschen, bis in 1&20 ccm des Filtrates
durch N e I3 1 e r s Reagens keine Spur einer Farbung mehr eintritt.
Die Niederschlage dienen zur Bestimmung des Stickfitoffs. Ermittelt
wurde der in Alkohol losliche Anteil des Kalkstickstoffs in 2 g Substanz, der Gehalt an Cyanamid iil 5 g, an Dicyandiarnid in 4 g Sub-
[
Zeitschrift fur
angewandte Chemie.
stanz. Den weder als Cyanamid, noch als Dicyandiamid vorhandenen
Stickstoff konnen w i r als in Form von Harnstoff vorhanden annehmen.
Rlit der oben erwlhnten Losung von Dicyandiamid habe icla zur
Kontrolle schlieBlich noch einige Analysen ausgefiihrt, indem ich
zusammen brachte: 25 ccm der Liisung von Dicyandiamid, 5.0 ccm
Alkohol, 10 ccm Silbernitratliisung, 10 ccm von 10Yoigem Ammoniak
und so vie1 Wasser, daB die Gesamtfliissigkeit 250 ccm betrug. Hiervon wurden 200 ccm mit 50 ccm einer 10Yoigen Losung von NaOH
versetzt, der entstehende Niederschlag ausgewaschen und der Stickstoff darin bestimmt. Zwei genau untereinander iibereinstimmende
Analysen ergaben folgendes:
Bei der Analyse sind verwendet an Stickstoff in Fonii von
Dicyandiamid . . . . . . . . . . . . . 0,1333 g
Gefunden . . . . . . . . . . . . . . 0,1284 g
Verlust . . . . . . . . . . . . . . .0,0049 g
Von 100 Teilen des bei der Analyse verwendeten Stickstoffs in Verlust geraten 3,7y0.
Ein Verlust bis zu 5% der ursprunglichen Menge scheint unvermeidlich zu sein, und ist es gleichgiiltig, ob man nach C a r o die ammoniakhaltige Fliissigkeit eindunstet oder das Eindunsten umgeht,
aber genau nach vorstehend angegebener Vorschrift arbeitet. Das
Ausziehen des Kalkstickstoffs mit Alkohol hat vor dem C a r o schen
Verfahren den Vorzug, daB beim Fallen des Cyanamids Verluste a n
Dicyandiamid fast vollstandig vermieden werden.
[A. 155.1
Die chemisch-pharmazeutische Industrie
des feindlichen Auslandes w iihrend des Krieges.
Von Prof. Dr. H. GROSSMA", Berlin.
(SchIuB von S. 414.)
Einige Ausfiihrungen iiber die pharmazeutisch-chemische Industrie befinden sich auch in einem weiteren sehr wichtigen Bericht
von C. A. H i 1I und T. D. M o r s o n iiber die Herstellung von cheinischen Praparaten und ihre Beziehung zur englischen chemischen
Industrie im allgemeinen. Ich erwahne aus diesem Vortrag, den ich
ebenfalls der allgemeinen Beachtung dringend empfehlen mochte,
nur einige Bemerkungen der beiden Vortragenden uber den gegenwartigen Zustand. Es heiBt in dem Abschnitt iiber die ,,Gegenwart"
niimlich wortlich: ,,Wenn man die gegenwiirtige Lage betrachtet,
so sollte man die Tatsache nicht iibersehen, daB ein solclier Krieg
von einer Ausdehnung wie der Weltkrieg zu eineni Mange1 an Chemikalien gefiihrt haben wiirde, selbst wenn Deutschland dabei neutrak
geblieben ware. Obwolil die Gegenwart voin Standpunkt jener
Moglichkeit, die deutschen Zufuhren abzuschneiden, als giirartig
erscheint, ist andererseits infolge dea Arbeiter- und Rohstoffmangels
die J e t z t z e i t s o u n g i i n s t i g w i e m o g l i c h z u r B e g r i i n d u n g i r g e n d e i n e r n e u e n I n d u s t r i e . Es hat
fast zwei Jahre gedauert, bevor die Herstellung von Verbindungen
der Salicylsaure in England einen derartigen Urnfang und eiiie Ausbildung erfahren hat, daB man diese Industrie als sicher begriindet
ansehen kann. Man kann aber jetzt, wo England init den Verbindungen der S a l i c y l s a u r e und der A c e t y l s a l i c y l s il u r e versorgt ist, hoffen, daB diese Industrie niemals mehr ein
deutsches Monopol sein wercle 3).
Wir diirfen also zusammenfassend sagen, daB Englands
pharmazeutisch-chemische und medizinische Literatur und Fachpresse leider sehr hiiufig in gehassigen Ausfallen gegen Deutschland
und seine Industrie vorgegangen ist, wahrend man sich anscheinend
kein Gefuhl fur die UnrechtmaBigkeit der Patentverletzungen inehr
hat bewahren konnen. I n der rein wissenschaftlichen und chernischen Literatur sind jedoch auch andere Stiminen zu Worte gckommen. Jedenfalls hat man auf dem Gebiet der pharmazeutischchemischen Industrie eine eifrige Tlitigkeit entfaltet, die ini Kriege
selbst n i c h t s l s g a n z l i c h e r f o l g l o s bezeichnet werden
3, Den nach englischer Anschauung iiberaus erfolgreichen
Kampf gegen die deutschen ,.Monopole" versinnbildlicht auch eine
reklametechnisch hochst geschickt gemachte ,,Landkarte" .der
E r m a B u r r o u g h s W e l l c o m e & Co., die im Snzeigenteil auf
S. 31 der Nummer des ,,Chemist and Druggist'' vom 30./9. 1916
abgebildet ist. Hiernach stellt diese Firm'a jetzt bereits groBere
Mengen folgender Chemikalien dar: Atropin, Pilocarpin, photographische Chemikalien, Glycerophosphate, Eserin, Homatropin,
salicylsaure Salze, Aspirin, Kharsivan, Hexamin, Phenacetin und
Benzaminsalze.
.
29 AufsateteiL
Jahrginrr
lsla]
Grossmann: Die chemisch-pharmazeutische Industrie des feindlichen Auslandes wahrend des Krieges
darf . Die Entwicklung der Indust.rie im fiieden 1aBt sich allerding-.
bisher noch nicht klar iibersehen .
In F r a n k r e i c h liegen die VerhLltnisse in der pharnmazeutischohemischen Industrie naturgemiiB weit ungiinstiger, was besonders
fur die Herstellung von synthetischen Produkten gilt . Sie wissen.
c1a.B es auch ill Frankreich neben der hemrnungsloseii Chauviiiiuten. die in dein Hasse gegen Deutschland tat-sachlich beinahe den Verstand verloren zu haben scheinen. doch auch sachlich
urteilende Manner gibt. die sich in jenem Wust von Schlagworten
ihre geistige 'Unabhiingigkeit bewahrt haben . Ich verweise hier
besonders a.uf den auch in unserer Vereiriszeitschrift. veriiffentlichten
Vortrag von F o u r n e a u der bei aller Bbneigung gegen Deutschland im Kriege doch nicht umhin kann. die nissenschaftlichen und
technischen Leistungeii Deutschlands auf deui Gebiet der organischen Arzneimittel riickhaltlos zuzugehn . F o u r n e a u
hat sich niemals der Tatsache verschlossen. daB die Deutschen
die Begriinder der Industrie chemisch einheitlicher synthetischer
Heilmittel wareu. was ihnen von vornherein eine bevorzugte stellung brachte . Wie andere objektiver urteilende Gelelu.t,e hat a d
F o u r n e a u d i e R i i c k s t a n d i g k e i t d e r franzosischen
I n d u s t 1'i e in scharfen 'VC'orten gegeigelt., wozu irn heutigen
Frankreich sicherlich ein groBerer Mut gehort 81s zu den Schmiihtiraden e k e s G a u c h e r der es fur seine vornehmste Pflicht erkl&t hat. dauernd den HaB gegen a.lles Deutsche zu predigen. und
der i n seinen Schniahungen schlieSlich doch. wenn auch widerwillig. den Leistungen Deutschlands Gerechtigkeit widerfahren
lassen muB. wenn er seine medizinischen Kollegen in Frankreich
heftig dafur tadelt. daB sie stets die deutschen synthetischen Produkte pharmarnutischen Spezialitaten zweifelhafter Natur aus
fra.nzijsisclieu Fabriken vorgezogen haben. W e groB allerdings der
EinfluB von Miinnern wie F o u r n e a u L e c h a t e I i e p
H a 1 l e r . V i c t o r C a m b o n und anderen veranschlagt
werden kann. niochte ich dahingestellt sein lassen . Imlnerhin
wissen Sie auch aus den Diskussionen uber die pharmazeutischen
Pllarken i n Frankreich. da13 einsichtige Juristen wie B o g e l o t
den umstiirzlerischen Gebaren jener L u t e entgegenget.reten sind.
die sich nicht nur gegen die deutschen Marken gewandt haben. sonclern die auch den ganzen Markenschutz an sich vernichten wollen
Ich inochte auf diese R a g e aber hier nicht iiiiher eingehen. da gegenwiirtig auch im franzosischen Parlament noch nicht abgeschlossene
Beratungen hieriiber gepflogen werden. deren Ergebnis wir ahwartenmiissen Immerhinhalteichdie Ansichteines hervorragenden
deutschen Patentanwaltes. daI3 fur die Zeit nach dem Kriege das
gesanite Gebiet des Urheberrechts besonders fur die chemisch .
pharmazeutische Industrie VOR aueschlaggebender Bedeutung sein
werde. fur vollkomiuen berechtigt . Man hat. wie aus der Tagesp r w e bekailnt geworden ist. in Frankreich zahllose S t u d i e n .
g e s e 1 1 s c h a f t e n gegriindet. die sich mit der Abstellung von
Miastanden auf technischem und industriellenl Gebiek beschiiftigen
sollen. Auch ein besonderes Koinitee fur die chemisch-pharmazeutische Industrie. i n welchem zahlreiche Redengehalten worden sind.
ist wenige Monate nach Kriegsausbruch gegriindet worden . Da die
Verhaiitnisse in Frankreich aber. was die Veisorgung mit Rohstoffen
und mit Zwischenprodukten anbetrifft. noch weit ungiinstiger
liogeri als in England. so glaube ich. scheint doch dafiir gesorgt zu
sein, daB ungeachtet aller Koriiitees und ungeachtet der Leistungen
einzelner frenzosischer Forscher. die man nicht unterschatzen sollte.
die Biiume auch hier nicht in den Himmel wachsen .
Nooh mehr gilt das naturlich von unserem eimtigen Bundesgenossen. von I t a l i e n . das auch i n bezug auf die Versorgung
mit Rohstoffen sich i n einer weit ungunstigeren Lage befindet
als England und selbst Frankreich . Wir besitzen uber die Verhaltnisse .in der pharmazeutisch-chemischen Industrie Italiens eine
uberraschend aufrichtige Darstellung von G i o v a n n i d ' A 1 .
f 0 11 s 0 . die am 3. September I915 in der Mailander Himdelszeitung
11 Sole veroffentlicht worden ist D A I f o n s o hebt wohl nicht
mit Unrecht hervor. daB alle Nationen voni Kriege unvorbereitet
uberrascht m r d e n . und daB infolge der Unmoglichkeit. sich aus
Deutschland die erforderlichen chemisch-pharmazeutischen Verbindungen zu beschaffen. die Preise nach den] Eintritt Italiens in
den Weltkrieg eine schier unglaubliche Hohe erreicht haben In
einer umfengreichen Tabelle. deren eingehelldere Erorterung natiirlich hier nicht moglich ist. hat d ' A 1 f o n 0 angegeben. wie sic11
die Preissteigerung voni Mai 1915 bis zum August 1915 allein in
Italien bemerkbar gemacht hat.. Schon in dieser Zeit belaufen sich
die Preissteigerungen gegen die Zeit vor dem Krieae fur viele &zeugnisse auf 500. ja auf loo0 und sogar auf 1200%
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
yo der
P r e i s s t e i g e r u n g in
.
.
419
.
Friedempreise
PreiaerhShung in %
im Monat
August Msi
Juni
Juli August
I9l4
i916
1915
1916
1916
Preis
Name
"Or
Acetylsalicylsaure . . . . . .
Benzoesiiure . . . . . . . . .
Borsaure . . . . . . . . . .
Citronensaure . . . . . . . .
Carbolsaure . . . . . . . . .
SaliCYlsiiure . * . * * * . :
Wasserstoffsuperoxyd . . . . .
Antipyrin . . . . . . . . . .
Aspirin . . . . . . . . . . .
Perubalsaln . . . . . . . . .
Benzonaphthol . . . . . . . .
Ba,3ischsalpetermures Wismutoxyd. lVLagisterium Bismuti
Bromka.liuu
Coffein . . . . . . . . . . .
~
~
~ . . .
Kalllillentee . . . . . . . . .
C1iinilibisulfat und ."Ifat
. *
Chloralhydrat . . . . . . . .
8,00
4.0. 90
5950
2y00
4950
0.70
60.00
60. 00
18.00
7.00
.
........
25.00
5.00
48. 00
12.
~00
. l.
54'00
G. 00
3'50
e
'
'
'
'
Salzsaures
*
*
'
*
. .
*
'
'
*
*
des 'piurns
pdverisiert . ' * '
300900
700900
3
'
Dernmtol . . . . . . . . . . 50900
Dionin (Alkaloid des Opiums) 1300.00
Helniitol . . . . . . . . . . 80. 00
1300.00
Heroin
70.00
Spritextrakt Hydrastis Canad .
Phenacetin . . . . . . . . . 15.00
1.20
Formalin . . . . . . . . . .
Glycerin . . . . . . . . . . 2.50
Gnajacol. flksig . . . . . . . 18.00
Guajaco]. kohlensaures . . . . 25.00
8.00
Hydrochinon . . . . . . . .
Jod . . . . . . . . . . . . . 40.
Jodoform . . . . . . . . . . 46. 00
Jodka]iunl . . . . . . . . . . 36.oo
Lycopodiutn
6.00
Lithiumcarbonat . . . . . . .
2.50
MethJ'lsalicylat
* * * . * *
7.00
Salzsaures Morphium . * . *
O>Oo
Naphtha1ir1
* *
*
*
*
O. 35
P-NaPhthol * * * * * * . * *
%O0
Lebertran
1.10
RicinuSijl . . . . . . . . . .
1710
Terpentinol . . . . . . . . .
1.20
Opium . . . . . . . . . . . 40. 00
Essigsaures Bleioxyd . . . . .
1.00
Pyramidon . . . . . . . . . 240.00
Kaliumchlorat . . . . . . . . 1.20
Guajacolsulfosaures Kalium . 18.00
Rhabarber . . . . . . . . . .
4.00
Resorcin . . . . . . . . . .
7.00
Salol . . . . . . . . . . . 7.00
Santonirl . . . . . . . . . . . 310.00
&nnesbl&tter . . . . . . . . 1. 10
Natriumbenzoat . . .
5.00
Natriulngalicylat . . . . . . . 5.50
stpax . . . . . . . . . . . 2.5o
Sublimat . . . . . . . . . .
6. oo
Theobromin . . . . . . . . . 60.00
Thymol . . . . . . . . . . . 22.00
Guajacolcarbonsaures Natrium 12g*00
Graue
.* * ' ' ' * '
UrotroPin (Schering) * .
*
90.00
Verona] . . . . . . . . . . . 240900
Zinhxyd . . . . . . . . . .
1.20
Zincum sulfocarbolicum . . . .
2.50
Xeroform (Wismutpraparat)
65.00
.
...........
.
.........
'
.
. .
..........
.
~
~
.
..
.
.
200
100
20
2o
200
loo
15
20
30 ..
50
100
500
950
300
30
40
340
30
75
900
600
70
60
75
300
300
300
70
40
50
150
200
25
70
100 190
25
70
25 ~ 25
25
25
35
35
50 200
150
loo
6o
30
25
30
25
10
300
150
30
20
20
20
20
100
100
50
70
50
70
50
70
100 200
20
30
20 . 30
20
30
50
20
200
50 200
50
75
2o
70
50 loo
50 140
100 100
50
50
50
50
50
80
20
50
50
255
70
30
200
200
50
125
200
300
50
100
100
.
5o
50
100
50
200
loo
170
'
'
50
50
50
30
100
100
25
50
100
600
150
50 ~
100
230
lo
lo
25
*O
25 . 40
25
50
50
90
100 380
25
50
'.OO
50
50
50
50
20
400
180
80
120
120
300
40
40
40
120
200
500
90
280
100
33
50
80
75
300
120
30
500
400
75
125
280
520
130
100
230
25
75
50
50
280
380
60
iO*
1200
400
35
106
1200
1100
100
150
150
300
900
140
800
200
60
90
90
250
150
200
100
130
100
60
75
60
20
600
180
80
170
170
500
60
50
50
200
200
600
1001
2204
250
300
80
50.
50
120
75
300
150
30
600
700
75
125
300
800
150
150
150
250
25
90
75
75
280
500
100
~
420
Grossmann: Die chemisch-pharmazeutische Industrie des feindlichen Auslandes wahrend des Krieges.
W i e d e r v e r k a u f s p r e i s e f u r C h e m i k a 1i e n i n
Genua.
Ware
19. Juni
SO. August
.
.
..
..
.
..
...
.
.
..
. .
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
......
.. .
.
.. .
.
.
.
.
..
.
1915
Weinsiiure .
.
415
750-760
Citronensaure, krystal700
975-1000
lisiert .
Borsiiure.
. .
95
105-107
Carbolsliure. . . .
65-70
90-92
Terpentin
.
122
120 -122
Doppelt kohlensaures
21-28
Natrium
.
29
Borax raff. in engl.
Krystallen . .
73-75
76-17
Kohlensaures Ammoniak. . . . .
51-52
58-60
Kohlensaure Magnesia
120-130
Solvaysoda. . . .
20-25
23,50-25
Wachs . . . . . . 330-350
330-350
Chlorsaures Kalium
350
375
Chlorkalk
. . . 26-28
33-35
Kolophonium.
- . 38-39
36-31
Dextrin .
. . . 100-102 100-102
Glycerin, raffiniert .
305
340-350
Glycerin, r o h . . .
270
300-305
Gummi arabicum . 110-120
145-150
Cymkalium
.. . 350-360
Campher, raffiniert . 800-820
760-780
82---85
him
85-89
Weinstein, krystallidert.
. . 410-420 560-570
35-38
Natriumthiosulfat . 28,-30
60-64
Chininwlfat
. 60-64
100-105
Kaustische Soda .
60-65
14-14,50
Krystallisierte Soda 14-14,50
Vaseline
.. . .
145
135-140
Milchzucker, krystallisiert
. ..
180
180
30. Oktober
1. Dezbr.
755-760
725-160
870-875
108-110
90-92
770-775
108-110
96-92
-
-
27-28
27-28
76-71
76-17
80-85
120-130
30-32
80-85
120-130
50-60
395-400
36-38
395-400
55-60
-
-
-
-
100-102
420
325
100-102
420
-
-
500
500
-
-
-
570-580
70-80
570-580
70-80
90-92
14-14,50
160
90-92
22-25
160
Steigende Fortgesetztes
MarktSteigen des
richtung. Yarktes, Angebote selten,
und schwer
zu erhalten.
Auch fur die Zukunft erscheinen die Aussichten der pharmazeutisch-chemischen Industrie Italiens, die i n den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege immerhin gewisse Fortschritw gemacht
hat (ich erinnere besonders an die Firma C a r 1o E r b a i n Mailand), nicht so glanzend wie heute manche patriotisch begeisterte,
menn auch reichlich kenntnisarme Schriftsteller i n Italien vorzuhtiuschen suchen.
W a s endlich R u B l a n d anbetrifft, wo die intelligenten Bevolkerungsklassen mit wenigen Ausnahmen zurzeit als die am
meisten erbitterten Feinde Deutschlands gelten miissen, und wo
die Moglichkeit fiii eine spiitere umfangreiche Entwicklung der
chemischen und der pharmazeutischen Industrie i n vie1 hoherem
M d e als i n Italicn gegeben scheint, so haben sich im Kriege selbst
auch hier groBe Mihtande bemerkbar gemacht. Wir haben zwar
m e M a c h gehort, daB die russischen wissenschaftlichen Institute
sioh eifrig mit der Herstellung von manchen Chemikalien und pharmazeutischen Verbindungen beschaftigt haben, daB man itus den
Algen am WeiBen Meer J o d gewinnen will, daB man angeblich
groBe S a l p e t e r l a g e r i n T u r k e s t a n entdeckt hat, aber
es fragt sich doch sehr, o b alle diese vielfach recht phantastisch
zurecht gestutzten Angaben a1s zuverliissig angesehen werden konnen.
Es sei fern von uns, die Leistungsfiihigkeit des riesigen und zukunftsreichen russischen Reichea zu unterschiitzen, aber ich zweifle
doch stark a n der Wahrheit jener Nachrichten von der iiberaw
g r o h n Leistungsfahigkeit der geschwiichten russischen pharmamutisch-chemischen Industrie im Kriege selbst. Es sei mir ge-
V e r h von 0 t t 0 S p a m e r , hip&.
[sngewandte
ZeitschriftChemie.
ftir
tattet, hier nur zwei etwas skeptischer klingende h o e r u n g e n von
Pesonders gut unterrichteten Gelehrten wiedeizugeben, die ganz anders
auten. Einem Aufsatze des Leiters des medizinischen Institutes
ler Universitiit Petersburg, des Chernikez Prof. A. S. G i n s b e r g ,
,iiber die Aussichten fiir die Zukunft der russischen pharmnzeutischrhemischen Industrie" entnehme ich die Angabe, daB die vielen
Zeden von der deutschen Unterjochung in RuBland nicht ganz
:mst zu nehmen seien, und daB es besonders einer Reihevon Reformen
wdiirfe, wenn man die pharmazeutisch-chemische Industrie R u b
ands auf eigene FiiOe stellen wolle. Man diirfe nicht aul3er rrcht
assen, daB RuBland gezwungen sei, aus dem Auslande halbfertige
7abrikate und Rohstoffe zu beziehen, wobei die Zollbehandlung
lurchaus nicht den Interemen der russischen Industrie entspreche,
ndem z. B. oft ein hoherer Zoll fur eine fertige Ware verlangt werde
LIS fiir das Rohprodukt, aus dem es gemonnen wiirde. Eine g r o h
Rolle spielt nach G i n s b e r g aber auch in R,uBland der Mangel
Ln gut susgebildeten Speziallisten, vor allem an Chemikern und Pharnazeuten, weshalb auch . hier Reformen gefordert werden. Ein
iveiterer Hinderungsgrund fur die Entwicklung der russischen Inlustrie liegt ferner in dem Umstand, daB sie mit nationalen Einichrinkungen zusammenhlngt, die das Auftreten einer Initiative
bereits in den Anfangen unmoglich macht. Alle Einschrankungen
mf diesem Gebiet muBten aber als unzweckmiiBig aufgehoben
werden, wenn nicht alles Phantasiegebilde bleiben soll.
Der hervorragende Nationalokonom T u g a n --,B it r a n o w s k i
hat ferner in einern Aufsatz uber den Krieg und die bevorstehenden
Handelsvertriige das russische Schutzzollsystem stark kritisiert
und geradezu die Ruckstiindigkeit der russischen chemischen Industrie in Verbindung mit diesem falschen System gebracht, wobei
t?r ausdrucklich hervorhebt, daB die chemische Industrie RuOlands,
die durch Unterbmdung der auslaiidischen Zufuhr auBerstande
war, die notigen Produktionsinittel zu beziehen, im Kriege nicht
anfgebliiht sei, sondern vielmehr in einen auBerordentlich gedruckten
Zustand geraten sei. Die russischen Preise fur pharmazeutisch-.
chemische P d u k t e iibersteigen j a be ka nnthh auch alles bisher
Dagewesene und gestatten den Verbiindeten des Zarenreiches, vor
allem E n g l a n d und J a p a n , aber auch den V e r e i n i g t e n
S t a a t e n v o n N o r d a m e r i k a , die Erzielung aukrordentlich
groBer Gewinne, die man unter dem Zwange der Verhaltnisse, wenn
auch vielfach mit recht deutlichen Buhrungen des Unwillens hat
ertragen miissen.
Betrachten wir nunmehr zusammenfassend diese Entwicklung,
so werden wir uns sagen miissen, daB m e r e Feinde in dem lang
andauernden Kriege zweifellos mancherlei gelernt haben, und daD
daher nach Beendigung des Krieges, unsere Ausfuhr von chemischpharmazeutischen Produkten auf die Dauer von diesen Fortschritten
nicht unbeeinfluBt bleiben wird. Es ist notwendig, sich dae ganz
klar zu machen 'md danach. seine Maonahmen einzurichten. DaB
die notwendigen AbwehrmaBnahmen getroffen werden, liegt j a
nicht nur im Interesse der deutschen pharmazeutisch-chemischen
Industrie, ihrer Chemiker und aller ihrer Angestellten und Arbeiter,
sondern auch im Interesse der gesamten deutschen Volkswirtschdt,
die sich in dem Sturme des Weltkrieges unter dem Schutze der
deutschen Waffen so wunderbar gehalten hat. Wir alle w h e n es,
und auch .daa neutrale und feindliche Ausland ist. sich dariiber klar,
daD die Leistungen der deutschen chemischen Industrie im Weltkriege ganz gewaltige gewesen sind. Wenn FGir aber auf der anderen
Seite auch die Leistungen unseper Gegner richtig wiirdigen und aelbst
unermudlich weitemchaffen, so bewahren wir urn dadurch auch zu
unserem eigenen Vorteil vor der Sdbstiiberhebung, vor der Deutschlands groAter Staatsmann, der Fiirst Bismarck, in einer Rede an
die Lehrer der hoheren Schulen PreuBens a m 8. April 1895 rnit
Recht in den folgenden Worten gewarnt hat: ,,Die Selbstiiberschiitzung totet denErfolg im Keim, und von der halten wir unsfern."
Was unsere Gegner. in dieser Hinsicht tun mogen, kann urn gleichgultig sein. Wir aber wollen dieses wahre und stolze Wort nicht nur
auf den Lippen tragen, sondern auch stets in die Tat umsetzen-
- Verantwortdicher BedPktenr Prof. Dr. B. B a
I Io w
, Leipatg. - Spamemhe Buchdraokerei in Leipdg.
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
0
Размер файла
847 Кб
Теги
chemisch, whrend, die, pharmazeutische, feindlichen, industries, krieger, des, auslandes
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа