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Die Elektrochemie (Section X) auf dem IV. Internationalen Congress fr angewandte Chemie zu Paris

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980
Fanto: Usbsr
Leguminosen-Brot.
damit beschiiftigt , durch Zumischen von
frischem Weizenkleber backfilhige Mehle aus
den Leguminosen darzustellen. Uber einzelne der Versuche, die zu diesem Zwecke
angestellt wurden, die ich aber nach dem
Erscheinen der Arbeit von Prof. B a u m e r t
i n Heft 33 dieser Zeitschrift nicht mehr
fortzusetzen gedenke, erlaube ich mir Nachfolgendes zu berichten.
Der frisch ausgewaschene Kleber, der in
feuchtem Zustande sehr leicht der Fiiulniss
unterliegt, trocknet in nicht zu dicken
Schichten bei einer Temperatur von 4 0 bis
45 O C. im Vacuum in ganz kurzer Zeit zu
einer gelblichen, glasharten und spriiden
Masse ein, die sich leicht pulvern liisst und
von unbegrenzter Haltbarkeit ist.
Der
Kleber verliert durch diese Behandlung
nichts von seiner Quellungsfiihigkeit. Durch
Zumischen von 4-5 Proc. dieses Klebers
zu Bohnenmehl, welches wegen seiner hellen
Farbe in erster Linie zu den Versuchen
herangezogen wurde, wird dasselbe backfiihig und liefert nach dem Backen ein Brot
von tadelloser Beschaffenheit. Der an sich
schon hohe Eiweissgehalt der Leguminosen
wird dadurch noch vermehrt. Bei einem
Bohnenbrote z. B., das aus einem Mehl von
22,2 Proc. Eiweissgehalt durch Zumischen
von 4 Proc. des getrockneten roheu Klebers
hergestellt wurde, war der Eiweissgehalt auf
24,45 Proc. gestiegen. Der hierzu verwendete Kleber erhielt noch Starke beigemengt. Werden solche Leguminosenbrote
mittels Hefe hergestellt, so schmecken sie
fade, leer und siisslich. Wird statt Hefe
Sauerteig verwendet uud setzt man eine
ganz geringe Quantitiit von Kummel, Fenchel
oder Anis, als ,Geschmackscorrigens, dem
Teige zu, so resultirt ein wohlschmeckendes
Brot, dessen Geschmack nicht wesentlich
von dem der Cerealienbrote abweicht. Dass
sich Gemische von mit Kleber versetzten
Leguminosenmehlen mit Cerealienmehlen gut
verbacken lassen, braucht wohl nicht eriirtert
zu werden.
Die Elektrochemie (Section X)
auf dem IV. Internationalen Congress fur
angewandte Chemie zu Paris.
Von F. Quincke.
Die Zweckmiissigkeit i n t e r n a t i o n a l e r
Congresse ist ein vie1 umstrittener Punkt.
Dem Erfolge des Pariser Congresses vom
Jahre 1881, der die elektrischen Maasseinheiten schuf, aber freilich bei seinen Benennungen (Volt, Ampere, Ohm) die Begriinder des absoluten Maasssystems, G a u s s
[:angewsndte
Zeitschrift fiir
Cheniie.
u. W e b e r , vergass, steht der Misserfolg des
Genfer Congresses, welchem die Nomenclatur
der organischen Verbindungen oblag, und
die Thatsache, dass alle internationalen Vereinigungen das ungeeignete Maass- und Gewichtssystem Englands noch nicht abschaffen
konnten, schroff gegenuber. Es kommt hinzu,
dass fur eine internationale Behandlung nur
allgemeine Fragen in Betracht kommen
sollten, die aber specie11 entweder schon
durchgearbeitet sind oder eine erneute Durcharbeitung verlangen, dass jeder Section ein
genaues, iibersichtlich geordnetes Programm
vorliegen sollte, dass wegen der fiir den
einen Theil der Besucher vorhandenen Sprachschwierigkeiten die Vortragenden das Wesentliche ihrer Ergebnisse t a b e l l a r i s c h o d e r
g e d r u c k t v o r f i i h r e n miissten, und endlich,
dass die Leiter der Sectionen den allgemeinen Charakter der Verhandlungen stets
hervorzukehren wissen.
I m Ganzen muss hervorgehoben werden,
dass i n P a r i s die Berichterstattung iiber
die gehaltenen Vortriige, welche schon am
folgenden Tage in einer Sonderausgabe der
,,Revue gknkrale des Sciences pures e t
appliqu6es" stets gedruckt erfolgte, vorziiglich war, wahrend die Disposition in den
Programmen der Sectionen, die Festhaltung
allgemeiner Verhandlungsthemata und vor
Allem die Vorlage von Tabellen und gedruckten Resolutionen oder Motivirungen
Seitens der Referenten manches zu wiinschen liess.
Die Section fiir E l e k t r o c h e m i e durfte
unter zwei besonders giinstigen Bedingungen
arbeiten: einmal hat sich ihr Gebiet erst in
den letzten 10 Jahren entwickelt, und jeder
Theilnehmer konnte die behandelten Fragen
iiberschauen und beherrschen. Ferner genoss
sie die specielle Leitung H e n r i M o i s s a n ' s ,
der nicht nur wissenschaftlich an der Spitze
der heutigen Elektrochemie steht, sondern
auch ihrer praktischen Seite so hiiufig niiher
getreten ist. Naturgemiiss war den Vortragen der Stempel der franziisischen Schule
aufgedriickt; die Berichte erstreckten sich
ausgiebig auf die Carbidindustrie, die Abhandlungen auf die im elektrischen Ofen gewonnenen Verbindungen; nur eine verhiiltnissmlssig geringe Anzahl von Referaten
behandelte andere Fragen von wirklich
internationalem Interesse.
1. Calciumcarbid und Acetylen. - G i n eriiffnete mit einem ausfiihrlichen Vortrag iiber
die in 0 s t e r r e i c h - U n g a r n ausgenutzten
Wasserkriifte die Reihe der B e r i c h t e u b e r
d i e C a r b i d i n d u s t r i e . Die Fiille der E t s c h
bei M e r a n (7000 PS), des K r e n z n e r b a c h bei P a t e r n i o n , des T a i f e n b a c h bei
Jahrgang 1900.
Weft 39. 25. September 1900]
Quincke: Elektrochemie.
L e n d - G a s t e i n (4000 PS), der Sill bei
M a t r e i (Tirol) (1600 PS), der P l i v a bei
J a j c e (Bosnien), der Elbe bei L o b k o w i t z ,
des K e r k a in Ungarn nutzen 2 3 500 Pferde
aus; die projectirten Anlagen sollen sie auf
Im Einzelnen
beinahe 80 000 bringen.
wurde zuerst die M e r a n e r A n l a g e beschrieben, der bei einem Gefiille von 9 0 m
im Mittel 10-12 cbm, bei niedrigem Stande
7, bei hohem 20 Ma1 mehr an Wasser z u r
Verfiigung stehen. Die Carbidfabrikation,
deren Kalk aus einem Marmorkalkstein gewomen wird, wurde in ihren Einzelheiten
bis zur Zerkleinerung und Verpackung des
Productes geschildert.
Die Anlage zu
P a t e r n i o n benutzt drei Turbinen von 400
Pferden mittels eines Gefilles von 60 m
und einer Wassermenge von 0,7 cbm, die
zu L e n d - G a s t e i n arbeitet mit 4-5000
Pferden bei 63 m Gefiille; die letztere producirt neben Carbid Aluminium. Der Abfall
beim Zerkleinern des Carbids wurde zu
5Proc., die Selbstkosten in Meran zu 210 Fr.
pro Tonne angegeben und zahlreiche Einzelheiten der verschiedenen Anlagen geschildert.
A. M a t h e w s erlauterte den Stand der
a m e r i k a n i s c h e n Carbidwerke, von denen
das am N i a g a r a 2 5 0 0 0 , das in S a u l t S a i n t e - M a r i e 20 000, das bei S a i n t e C a t h e r i n e (Canada) 1200 und das in
Ottawa 5000 PS verwerthen kijnnen; augenblicklich werden im Niagarawerk 1000 tons
monatlich in H o r r e y - O f e n mit 10 000 Pferden, in Sainte-Catherine in Wilson-Ofen
1 2 0 0 tons jlhrlich producirt. Die Tonne gebraucht 3 0 0 PStd. und verlangt etwa 150 Mk.
Selbstkosten. Die Bemerkung M a t h e w s ' ,
dass der Aufschwung der Carbidindustrie
yon W i l s o n ' s Patent 1 8 9 3 datire, gab
M o i s s a n Veranlassung auszufiihren, dass er
selbst am 1 2 . Dezember 1892 die Darstellung
des Calciumcarbids publicirt habe, wiihrend
W i l s o n in dem am 21. Februar 1 8 9 3 veriiffentlichten Patent nur sagt, dass er die
Reduction auf andere Metalle, wie Aluminium,
ausgedehnt habe, namlich Baryum, Calcium,
Mangan, Strontium, Magnesium, Titan,
Wolfram und Zirkon.
R o s s e l entwickelte, wie in der S c h w e i z
den alteren elektrochemischen Werken fiir
Aluminium in N e u h a u s e n und fur Chlorat
in V a l l o r b e s die Carbidfabriken von N e u h a u s e n , ,,Volta" bei G e n f , L a n g e n t h a l ,
L o n z a bei Gampel (Wallis), T h u s i s und
V e r n a y a z sich anschlossen und das Aluminiumwerk zu L u t e r b a c h in ein Carbidwerk
umgewandelt wurde. Wahrend der Kalk f i r
diese Fabriken aus der Schweiz stammt, wird
die Kohle aus Frankreich und Deutschland
eingefiihrt.
981
G a l l gab ein iibersichtliches Bild der
f r a n z i j s i s c h e n Carbidindustrie, in dem er
die Starke der verwandten Wasserkrafte, die
benutzten Ofenconstructionen ( B u l l i e r und
G i n - L e l e u x ) , das Elektrodenmaterial, die
Rohmaterialien und die allgemeine Production erijrterte und die Analysenmethode der
Handelswaare skizzirte.
P a l m a e r beschrieb die 4 Carbidfabriken
S c h w e d e n s, deren Kraftvorrath 1000 bis
5000 PS betragt, und besprach zugleich die
zwei schwedischen Chloratwerke und das dort
auf caustisches Kali und Chlor arbeitende
Quecksilberverfahren.
Diesen Berichten iiber die Ausdehnung
der Carbidindustrie , bei deren Discussion
von K o r d a und M o i s s a n die drohende
Uberproduction betont wurde, schlossen sich
noch allgemeine Fragen dieser Industrie an:
L a c r o i x entwickelte die Nothwendigkeit
(besonders fir Frankreich), giinstigere T r a n s p o r t b e d i n g u n g e n fir Carbid auf den
Bahnen zu erhalten, wie sie z. B. das gefihrlichere Petroleum geniesst. H u b o u forderte
die Festsetzung bestimmter B e d i n g u n g e n
fiir d i e Q u a l i t a t des fabricirten C a r b i d s
und A c e t y l e n s und e r l h t e r t e , dass bei den
von der deutschen Acetylenvereinigung vorgeschlagenen Bedingungen die Gehaltsbestimmung der Verunreinigungen fehle. Auf Vorschlag von M o i s s a n wird zum Studium
dieser Fragen eice Commission, bestehend
aus den Herren M o i s s a n , G a l l , L u n g e ,
Bullier, Lacroix, Hubou, Strauss,
L e b e a u , ernannt.
Acetylenapparate. - F. B e s n a r d , der
Vorsitzende des Syndicats der franziisischen
Acetylenauasteller, gruppirte in ausfiihrlichem,
leider durch keine schematischen Skizzen
unterstiitztem Vortrage die auf der Weltausstellung vorgefiihrten Acetplenapparate
nach 5 Hauptklassen : 1. tragbare Apparate,
2. Apparate, bei denen der Wasserstrahl auf
das Carbid fHllt, 3. Contactapparate, bei
welchen das Wasser von unten und in getrennten Abtheilungen wirkt, 4. Apparate,
bei denen das Carbid - entweder grauulirt oder beliebig gross - in die Wassermasse fallt, 5. Apparate mit in einer Fliissigkeit gelijstem Acetylen, comprimirtem Gas etc.
J o u r c h o t t e beschrieb seinen der dritten
dieser Gruppen angehijrigen Apparat rnit
automatischer Acetylenentwicklung und automatisch wirkenden hydraulischen Verschliissen, D e r o J seinen Entwicklungsapparat, bei
dem das Wasser aus einer M a r i o t t e ' s c h e n
Flasche die auf verschiedener Hijhe vertheilte
Carbidcharge angreift.
P. L a c r o i x skizzirte den HeliogkneApparat C a p e l l e - L a c r o i x , welcher der
982
Quincke: Eloktrochemie.
Gruppe 2 angehiirt und vermittelst des Druckgleichgewichtes zwischen dem Gasometer und
einem unabhiingig vom Gasometer gespeisten
Siphon functionirt. Weitere Apparate beschrieben M a c 8 , d e M o n t a i s und J a v a l ,
bei dessen zu Gruppe 4 ziihlender Construction Biichsen mit Carbid auf der Peripherie
eines Rades durch Ubertragung von dem sich
senkenden Gasometer iiber den Entwickler
gefiihrt werden und sich dort entleeren,
wiihrend das Wasser mit den Riickstiinden
zeitweise abgelassen wird.
E d . F o u c h B , Director der Comp. frang.
de l'Ac8tylkne dissous, entwickelte das Verfahren dieser Gesellschaft, unter einem Druck
von 10 Atm. Acetylen in Stahlbomben, welche
mit Aceton getraokte porijse Ziegelstiicke
enthalten, zu sammeln, so dass dieselben
das 100fache ihres Volums an Acetylen fassen.
H u b o u besprach kurz seine H e r s t e l l u n g v o n A c e t y l e n s c h w a r z . Durch Explosion von Acetylen in einer Bombe unter
4 Atm. Druck mittels elektrischer Ziindung
wird ein viillig reines, fettfreies Schwarz gewonnen, dessen Kosten pro k g [bei einem
Verkaufswerth von 2 Fr.) sich berechnen auf:
3,4 X 0,25 = 0,85 Fr., denn:
1 k g Carbid giebt 290 1 Acetylen und
kostet 0,25 Fr. und
1 cbm Acetylen giebt 1 k g Schwarz und
erfordert 3,4 k g Carbid.
Diesen technischen Vortriigen schliesst
sich noch ein mehr wissenschaftlicher an :
S a b a t i e r erlauterte ausfiihrlich die
Wirkung einer Reihe von Metallen (Kupfer,
Nickel, Kobalt, Eisen) in verschiedener Vertheilung auf Acetylen, besonders auf die
Abscheidung von Kohle aus demselben und
die Uberfiihrung in hijhere Kohlenwasserstoffe.
II. Arbeiten im elektrischen Ofen. - C l e r c
gab einen B e r i c h t i i b e r d i e e l e k t r i s c h e n
O f e n und ihre Verwendbarkeit, indem er
mit Recht betonte, dass die einfachsten
Constructionen die besten fur den Betrieb
seien und dass man sich von jedem allzu
feinen Mechanismus fern halten miisse; die
Anwendung beruht in der Hauptsache auf
der durch den elektrischen Lichtbogen erzeugten WBrme; dieser Zweig der Elektrometallurgie droht aber gegeniiber der Ausdehnung der Carbidindustrie und des G o 1d s c hm i d t'schen Aluminiumverfahrens in den
Hintergr und zu treten,
M o i s s a n fuhrte die Darstellung eines
f a r b l o s e n , k r y s t a l l i s i r t e n , reinen Galc i u m c a r b i d s aus reiner Kohle und Calcium
oder durch Einwirkung von Acetylen auf
Calciumammonium vor; ebenso zeigte er die
durch Reduction der Oxyde erhaltenen C a r -
[angewlrndte
Zeitschrift Wr
Chemie.
b i d e d e s N e o d y m s , P r a s e o d y m s und
S a m a r i u m s , welche mit Wnsser feste und
Eiissige Kohlenwasserstoffe und daneben ein
Gasgemisch von Acetylen, Athylen, Methan
und Wasserstoff geben.
L e b e a u beschrieb zwei krystallisirte
E i s e n s i l i c i d e rnit 66,5 F e und 33,3 si
und 71 F e und 29 Si; in einer weiteren
Mittheilun g beschrieb er A r s e n v e r b i n d u n g e n der Erdalkalimetalle und in der Discussion ein 98-proc. geschmolzenes S i l i c i u m ,
das er durch Reduction des rohen Berylls
rnit Kohle erhalten hat. I n M o i s s a n ' s
Namen sprach er endlich iiber die Bildung
und Zersetzung von C a l c i u m p h o s p h i d .
C l e r c besprach die Darstellung von
kohlenstoffhaltigem und reinem P e r r o c h r o m , S t o c k die von B o r s i l i c i u m ' ) der
Formeln S i B 3 und S i B 6 durch Einwirkung
von Bor auf Silicide, G u i c h a r d die von
M o 1y b d a n durch Erhitzen des natiirlichen
Molybdiinsulfids im elektrischen Ofen.
D e f a c q z hat ein W o l f r a m (mit 2,5 Proc.
Eisen, 5 Proc. Kohle) durch Erhitzen von
Wolframerz (wolframsaures Eisen und Mangan mit Kalksilicat gemischt) mit 14 Proc.
Petroleumkoks dnrch einen Strom von 5OVolt
und 1000 Amp. in 10 Minuten dargestellt.
111. Allgemeine andere Referate. - M a r i e
gab einen sehr sachgemassen Uberblick uber
dieverwendung der E l e k t r o l y s e in d e r o r g a n i s c h e n I n d u s t r i e und kam trotz ihrer
Benutzung zur Jodoformdarstellung (und der
Isoeugenoloxydation m i t Ozon fiir Vanillinfabrikation) zu dem Schlusse, dass ihre
thatsachliche Anwendung momentan noch
verschwindend sei, obwohl bei diesen verhiiltnissmiissig werthvolleren Producten trotz
der kostspieligen Apparatur und einem vielleicht hohen Stromaufwande ein allmahliches
Durchdringen elektrolytischer Methoden zu
erwarten sei.
M i n e t entwickelte, theilweise historisch,
den S t a n d d e r E l e k t r o c h e m i e i. J. 1 9 0 0
und lehnte sich bei der Aufziihlung der industriellenwerke hauptsiichlich an B o r c h er's
vorjiihrigen Versuch an, dieselben mit ihren
in Aussicht genommenen Anlagen zusammenzustellen (Zeitschr. f. Elektrochem. 6 , 61,
1899).
Frankreich sol1 augenblicklich
6 elektrolytische Fabriken zur Soda- und
Chlordarstellung, 3 Chloratwerke, 1 Carborundumfabrik, 1 9 Carbidwerke, 5 elektrometallurgische Werkstiitten mit elektrischen
Ofen, 4 Kupferraffinerien und 9 Galvanisiranstalten besitzen (ein Theil derselben ist
aber ohne Frage noch nicht in vollem Betriebe !).
--_____
I)
Vgl. diese Zeitschr. 1900, 962.
Jrhrgsng 1900.
Heft 39. 25. September 1900]
983
Quincke: Elektrochsmle.
~~
M. L e b l a n c betonte in kurzen Worten
das Bediirfniss, i n e l e k t r o c h e m i s c h e n Arbeiten die stets wiederkehrenden G r i i s s e n
(Stromdichte, Widerstand des Elektrolyten
etc.) e i n h e i t l i c h zu bezeichnen und auf
gleiche Normen zu beziehen; er schlug daher
vor, die von K o h l r a u s c h und H o l b o r n in
ihrem Werke iiber ,,Leitvermiigen der Elektrolyte" angewandte Bezeichnungsweise zu adoptiren. Auf Antrag von G a l l und M o i s s a n
soll diese Frage dem Congress fur Physik
unterbreitet und von einer Commission berathen werden, in die M o i s s a n , B l o n d i n ,
Guntz, Hollard, Gyll, Lippmann, Leblanc, C l a s s e n , E t a r d , P a l m a e r ,
B r o c h e t , L e b e a u , M u l l e r , M a r i e gewlihlt wurden.
IV. Analytisches. - D e f a c q z e r l h t e r t e
die M e t h o d e n zur A n a l y s e d e s t e c h n i s c h e n A l u m i n i u m s , die von M o i s s a n ,
G o u t h i k r e , H a n d y , J e a n , B a l l a n d und
B a l d y vorgeschlagen sind, und giebt der
M o i s s a n ' schen den Vorzug.
H o l l a r d betont in seinem Vortrage uber
e l e k t r o l y t i s c h e A n a1y s e , besonders des
K u p f e r s . dass die Trennung der Metalle
durch Verwendung verschiedener Badspannung nur anwendbar sei, wenn die Polarisationsunterschiede griisser seien zwischen
den einzelnen Bestandtheilen, als die durch
die allmiihliche Concentrationsverlinderung
des Elektrolyten bedingten Spannungsdifferenzen; er zieht deshalb vor, die Metalle
zuerst gruppenweise gemeinsam nach ihren
griisseren Spannungsunterschieden auszufillen.
D u p o n t bestimmt in einer dreitheiligen
Zelle, deren mittlere Abtheilung die Anode,
die ausseren dieKathoden enthalten, Z u c k e r u n d a n d e r e P f l a n z e n s i i f t e , indem deren
Alkali i n die Kathodenriiume wandert, die
Sauren schwer lijsliche oder leicht fallbare
Metallsalze rnit dem Anodenmetall bilden
und die Anodenlijsung schliesslich reinen
Zucker zeigt.
M a r i e giebt eine elektrolytische Methode
fiir Bestimmung u n l i i s l i c h e r B l e i v e r b i n d u n g e n , indem er z. B. Sulfate oder Chromate in Salpetersaure unter Zusatz von Ammoniumnitrat 16st. Industrielle Silikate
(Glasuren) werden zuerst mit Flusssaure
aufgeschlossen, dann in die Sulfate zu obiger
Be handlung ub ergefuhrt .
C. Z e n g h e l i s bestimmte die A n d e r u n g e n d e s e l e k t r i s c h e n P o t e n t i a l s wahrend
des Verlaufes einer c h e m i s c h e n U m s e t z u n g (so gaben Lijsungen von Zink in
Alkali schon in der Kalte deutliche Anzeicben ihrer Zersetzung) und konnte auf
die Weise quantitativ die Componenten eines
gelijsten Salzes oder die Menge von SilberCh. 1900.
nitrat und Chloriden in einer Lijsung oder
von Zucker im Harn bestimmen.
V.
Ozonapparate und Accumulatoren.
-
N. T e s l a bescbrieb einen neuen Ozonapparat,
S e i d m a n n den von O t t o construirten Ozonisator , bei dem eine Zwischenelektrode
durch automatische Unterbrechung die Funkenbildung zwischen den ozonisirenden
Spitzen verhindert und die Verwendung
eines Glasdielektrikums unniithig macbt.
C o m m e l i n sprach uber einen unter
Druck arbeitenden Gasaccumulator, Verb n o L a s c y n s k i entwickelte die Verwendung von
Metalloxyden als Depolarisatoren bei galvanischen Saulen mit besonderer Reziehung
auf einen Zink-Alkali-Nickel-Accumulator.
F i s c h e r h a t rnit E l b s B l e i t e t r a s u l f a t
und entsprechende Alkali- Blei-Doppelsalze
durch Elektrolyse einer Schwefelsaure von
1,7 spec. Gew. zwischen Bleipolen erhalten;
mit Wasser zersetzen sie sich sofort unter
Bildung von Bleisuperoxyd. Die Bildung
dieser Salze ist fur den Bleiaccumulator
und seine Theorie von grasster Bedeutung.
VI. Verschiedenes. - B r o c h e t eriirterte
die E l e k t r o l p s e v o n H y p o c h l o r i t lijsungen bei Gegenwart von Alkali;
in concentrirter Lijsung h a t dieses keinen
Einfluss auf die Stromausbeute, bei wenig
Hypochlorit dagegen vermindert sie der Alkalizusatz , so dass der schiidliche Einfluss
etwa bei demselben Punkte wie bei Chloridlijsungen auftritt. Der Ruckgang des Hypochlorits in concentrirter Liisung wird n i c k
nur durch elektrolytische Reduction, sondern
durch freiwillige Spaltung (in Folge der
Aciditat an der Anode) veranlasst.
P e y r u s s o n fuhrte einen elektrolytischen
Apparat, der die Vorgauge im Elektrolyten
vereinfachen soll, Tor; C h r i s t o m a n o s beschrieb die Bildung eines schwarzen Niederschlags bei Verbrennen von Magnesium auf
Marmor.
M o i s s a n zeigte in 'einem Experimentalvortrage die D a r s t e l l u n g u n d V e r f l u s s i g u n g d e s F l u o r s , die Unangreifbarkeit des
Glases durch trockenes Fluor und die Bilduug
von Ozon durch Einwirkung auf Wasser.
M e sl a n c - P o u l e n c endlich berichteten
iiber einen Kupferapparat zur technischen
Fluordarstellung , dessen Diaphragma aus
Kupferjalousien, die sich mit einer in Flusssiure unliislichen Fluorkupferschicht uberziehen, besteht.
Neben den Sitzungen war ein besonderer
Nachmittag dem Besuche der Abtheilung fur
Elektrochemie auf der Weltausstellung gewidmet, bei dem besonders gezeigt wurden:
der R h o d i n ' s c h e Apparat zur Kochsalzelektroly se,
81
984
Quincke: Elektrochemie.
~ _ _
die Abbildungen der Solvay’schen elektrolytischen Anlage zu J e m e p p e ,
die galvanoplastische Ausstellung von
Christoffle,
die Grauer’sche Vernickelung kleiner
Stiicke in einem r o t i r e n d e n K o r b e ,
durch dessen Achse diesen der kathodische Strom zugefiihrt w i d ,
die Aluminiumausstellung der Soc. dlectromdtallurgique (Froges, la Praz, Gardanne) und der SOC.d’Alais et de la
Camargue (St. Michel),
die Carbidiifen von R u l l i e r und G i n L e l e u x , ersterer i m Betrieb,
die Apparate zur F l u o r d a r s t e l l u n g und
der Moissan’sche elektrische Ofen aus
Porzellanmasse,
die A c e t y l e n b e l e u c h t u n g des Seineufers und die A c e t y l e n a p p a r a t e .
Uberblickt man die vorstehend ihrem
Inhalte nach geordneten Verhandlungen,
deren einzelne Vortrage aber i n b u n t e s t e m
D u r c h e i n a n d e r wahrend voller 6 Tage
gehalten wurden, so w i d man erkennen,
dass in der That eine Reihe allgemein interessanter Fragen vorlag, dass aber haufig
zu vie1 in Einzelheiten gegangen und oft
auch Dinge speciellsten Fachinteresses oder
sogar specieller Apparaturschwierigkeiten eriirtert wurden, die einen Congress unniithig
belasten miissen. Vor Allem aber sieht man,
wie die endlose Reihe der Vortrage sich
leicht nach einem genauen Programm eintheilen liess und wie auf diese Weise den
Theilnehmern das Fernbleiben an den Tagen,
wo Dioge ihres besonderen Interesses nicht
vorlagen, und dafur zugleich der Besuch
anderer Abtheilungen, die fiir den Einzelnen oft ebenso Bedeutsames brachten, zu
ermiiglichen war. Ebenso lassen sich aus
dem Gesammtbild der Verhandlnngen die
Schwierigkeiten entnehmen, einen solchen
Congress i n t e r n a t i o n a l zu halten und aus
ihm i n t e r n a ti onal verwerthbare Anregungen
oder gar Beschliisse zu ziehen.
Indem ich des hervorragend liebenswiirdigen Entgegenkommens der franziisischen,
namentlich der jiingeren, Collegen noch gedenke, miichte ich betonen, dass ein H a u p t z w e c k b e i d e r A b f a s s u n g d i e s e s Ber i c h t e s die Riicksicht auf den (leider schon
in 2 Jahren) in B e r l i n t a g e n d e n n a c h s t e n C o n g r e s s war, bei dem man suchen
kiinnte, den i n t e r n a t i o n a l e n Werth besser
zu wahren:
1. Durch genau disponirte Sectionsprogramme,
2. durch Beschriinkung der Vortragszahl,
[
_
Zeitachrift filr
angewandte Chemie.
3. durch Festlegung des Wesentlichen der
Vortrage mittels vorgezeigter Tabellen
oder i n der Sitzung zu vertheilender
gedruckter Uberblicke.
Leverkusen, August 1900.
Bericht uber die 72. Versammlung deutscher
Naturforscher und Arate in Aachen.
1.
Die 72. V e r s a m m l u n g d e u t s c h e r
N a t u r f o r s c h e r u n d A r z t e in Aachen wurde
zm Morgen des 17. September durch eine
allgemeine Sitzung im grossen Curhaussaale
erijffnet. Nach den iiblichen Begriissungsansprachen, welche Geheimrath W i i l l n e r
namens des Ortsausschusses, Oberregierungsrath B 6 h m namens der Staatsregierung,
Oberbiirgermeister V e l t m a n n fiir die Stadt
und Rector v o n M a n g o l d t fiir die Techoische Hochschule hielten, sprach Geheimrath
v o n L e u b e aus Wiirzburg iiber die E n t wick lu n g u n d d en Aufschwung d e r
Naturwissenschaften i n den letzten
3 J a h r h u n d e r t e n , worauf Vortrlige iiber
die Entwicklung der vier Hauptdisciplinen
von v a n t ’ H o f f und H e r t w i g aus Berlin
folgten. Nachmittags erfolgte die Bildung
der Abtheilungen.
Die Abtheilung
Pharmacie und Pharmakognosie
trat in der Stiirke von 42 Theilnehmern zusammen. Der Einfiihrende, Herr Apotheker
T h e 1en, begriisste diegrschienenen, darunter
die Herren Professoren P a r t h e i l , P a u l ,
S ch e e r und verschiedene ausliindische Jiinger
der Pharmacie. NachErledigung der Geschaftsordnung referirte zuniichst Herr A r e n d s
(Berlin) iiber den Vortrag des an persiinlichem
Erscheinen verhinderten Herrn Dr. D i e t e r i c h
(Helfenberg): Z u r Wer t h b e s t i m m u n g d e s
S e n f s a m e n s . Da.rauf Schluss der 1. Sitziing.
Am Dienstag den 18. Morgens 9 Uhr
eriiffnete Herr Prof. P a r t h e i l (Bonn) den
Reigen der Vortriige, indem er iiber d i e
E i n w i r k u n g d e r n a c h d e m T y p u s NH,
gebildeten Wasserstoffverbindungen
d e r S t i c k s t o f f r e i h e auf Q u e c k s i l b e r chlorid und das Verhalten d e r erhalten en P r o d u c t e auf J o d a l k y l e berichtete.
Wir kommen auf den interessanten Vortrag
noch zuriick.
Sodann hielt Herr Prof. Paul (Tiibingen)
einen fesselnden Vortrag iiber: P h y s i kalisch-chemische Untersuchungen
iiber d a s V e r h a l t e n d e r H a r n s i i u r e u n d
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