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Die Empfindlichkeit des Augenpaars fr Doppelbilder.

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V. .Die Empjridiich keit tles Augeripaars fur
Dopptdbikler; con Dr. Fr. B u r c k h a r t l t .
Als W h e a t s ton e die Einriclitung des nunmehr allbekannten, in theoretischer, wie praktischer Hinsicht gleich
interessanteii Instruineiites, des Stereoskops, zuerst bekannt
machte, benutzte er einigc fhndamentale Beobachtungen, iiin
die Lehre von den identischen Netzhautstellen anzugreifen.
Seine Einwendungen sind von deli verschiedensten Seiten
widerlegt worden. Aehiiliche Einmiirfe wurden von R o g e r s
in seinen Obser~alions ou binomtar oision in S i 11i m an’s
Journ. ( 2 ) XXI 80-95, 173-189 u. 439 gemacht. Dr. P. 1,.
P a 11 u m , ha: in seiner vortreff lichen Abhandlung: u Physiologische Untersuchungen iiber das Sehen nait zwei Augen,
K i e 1 18581, ein besonderes Kapitel den Bedingungen rind
Ursachen des Einfachsehens von Contoiiren, welche nicht
correspondirende Netzhautpunkte beider Augen treffen, gewidinet. E r geht dabei yon einer einfachen Beobachtung
a u e, tiber welche er Folgendes sagt: D Zeichnet inan auf
ein Blatt Papier zwei Pnrallellinien, die von einauder etwa
3 Millimeter entfernt sind, fiir das linke, und in passender
Entfernung zwei andere, welche etwa 2 Millimeter, von einander entferut sind, fIir das rechte Auge, alle senkrecht zur
Visirebeiie und combinirt dic beiden Liuienpaare mittefst
des Stereo~tkops,oder irgend einer andern, gleiche Dienste
leistenden Vorriohtung, so zeigt das Sammelbild zwei Linien,
von den die rechte vorn, die linke aber schrag hioten lie&
Nach der Mitt~eilung venchiedener Beobachter ist dieses
Bild der Tiefendimension ganz rein und ohne Nebenbilder;
man sieht nach ihnen entschieden und unzweifelhaft nur
zwei Linien, obgleich nur eine Linie des linken Feldes mit
einer der Linien des rechten Feldes gleichzeitig auf wirklich iind vollstlndig identische Netzhautstellen fallen kann. a
Nun liegt die Frage nahe, wie grofs kann der Unterschied der Entfernungen zwischen den Parallelen werden
597
ohne dak das hugeupaar aufhbrt, cin eiufacbes Sniuiiielbild
wahrzunehinen? darauf autwortete P a 11 uin folgeuderniafseu:
'JBei huwendung gewbhulicher Linsenstereoskope fiudc ich,
dafs zwci Doppelliuien, dercn Abstande u m 2 Milliuueter von
einander differiren, leiclit und unfehlbar, im pmeiuschaftlichen Gesichtsfeldc beim binocularen Selien mit eiiiander
verschmelzen. BetrPgt der Untersohied der Abstande 2 Millimeter, so ist das Verschinelzen auch noch vollhomlnen
inoglich: bei einer Differenz von 3 Millimeter sehe ich aber
schou .immer Doppelbilder. Professor K a r s t e n gelaug ein
vollstandiges Verscliinclzen iiocli bei dieser Diffcrenz der Abstande; bei eiuem Unterschiede von 4 Millimeter aber tra.
teu die noppelbilder entschieden auf.
Bereclinet inau hiernacli die entsprechenden Grbfseuverhlltnisse im Netzhautbilde, deu Abstand der vereinigt
gedachten Kuoteupunkte des Augcs von der Retina gleich
12 Millimeter gesetzt, so betragt diese fur Qine Differenz
voii 2 Millimeter, im Objecte 0,052 Millimeter im Netzhantbilde, fur eine Uifferenz von 3 Millimeter in1 Objecte 0,078
Millimeter im Netzhautbilde und fur eine Differenz von 4
Millimeter im Objecte 0,104 Millimeter i m Netzhautbilde:
(Der Abstand des Objects VOII den vereiuigt gedachten
Knotellpunkten des jcderseitigen Augcs bctrug 460 Millimeter.) Da nun die Breite der Zapfen der Netzhaut zwi+
scheii 0,0045 uud 0,0067 Millimeter schwankt, die der
Stabchen aber 0,0018 Millimeter betrlgt, so scheiiit der
Grenzwerlh der Breite von 15 20 Zapfen eiuigermafsen
zu entsprecheu, und fur verschiedeue Individueu scheint der
Unterschied dcr G r b b e , bei wclcher die Doppelbilder das
Verschlnelzen zuni einfachen Bildc abll)sen, 0,026 Millimeter
im Netzhautbilde iiicht zu iibersteigen. M - u Fur horizoutale
Linieu scheinen die Grenzwerthe etwas geringere Grbfse
zn haben.tt JBBeina Sehen mit swei Augen cemaiftelt also
eine Netzhautpartie (von dein Durchniesser von reichlich
15 Zapfeubreiten) mit einena entsprechenden Nebzhaufpunkle
des andern Auges noch eine einseitliche Empfindung , wallreud jedes Auge fur sich schwer die Distanz senkrechter
1)
-
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yaralleler Liiiieu voii weuiger als ciue Zapfenbreite im Nelzhautbilde gesoudert zu erkennen vermag.11 - ’1Es kann also
eine einfache Ortsempfiudung nicht nur cturch je zwei Punkte
beider Netzhaiite, die man ideiitische oder korrespoudirende
zu nennen pflegt, verinittelt werdcn, sondern cin jeder empfindende Pankt der einen Retina kaun init einer gewissen
Anzahl zusamiiietiliegeuder l’uukte der andern Ketiua einc
einfache Ortseuipfindung geben. Wenn Inan also diejeuigeu
Netzhautpunkte beider Augeii korrespondirendc nennen will,
so mufs man sagen, daEs jedcr Ketzhautpuukt inehrere korresyondirende Punkte udcr eineii korrespondirenden Empfindungskreis iui andern Auge habe.
P a i i u m betont in einer ueuen Arbeit’), d a b die einfache
Ortseinpfiudung in dieseu Netzhautpartien verinittelt werden kanii, niclit mufs, wie er es selbst dwch zablreiche Versuchc nachgewiescii liabe, uiid weist dainit die Bedenken
und Einwendungen ab, welche ihin voii Seiten Hasuer’s 2,
und Vo 1k m a nu’s 3, geinacht wurden, welclie aber dadurcli
noch iiicht beseitigt sind.
Es giebt alierdings FSlle, in welcheu man einfach sieht,
obmohl differente Netzhautstelleu getroffen wcrden, uiid ebeii
so ist sicher, d a b die Differenz eiu nach den lndividuen
vcschiedeues, immerhin aber nicht sehr bedeuteiides Maafs
uicht iibersohreiten darf, whne die Walirsehinung von h p pelbilderri zii vermitteln.
Yanuin will nun das VcrmOgen des Sehapparates, trotz
der Affection differenter Stellen eiufache 5ilder wahrzunehmen, der Physiologic erohern, d. h. er will das VemSgeii
als Nerventhatigkeit anseheii und iiicht als das Resultat der
Erziehung des Sehapparates, als Angmohnung. Dieser Theoric inilchte ich mich aucli widersetzen, ivozu inicb inein filr
Doppelbilder sehr empfindliches Auge berechtigt: Idi mill
deshalb zuerst deli Grad der Einpfindlichkeit ineiiier Augen
fur .Ijoppelbilder bestimmen.
I ) Archiv f. Anat. und Plrys. 1861. 1. 63-111.
2 ) Abh. der Bcihnr Gesellschalt ( V ) 10, 25-34.
3) G r a c f e Arrliiv V. 2. I - 100
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Weiio beide Augen eineii kleiileri scharfen Punkt, oder
eiue scharfe, aber duniie Linie, z. B. eiueu feiueu schwarzen
Fadeu, welcher seukrecht auf der Visirebeiie steht, fixireu,
uud inan beivegt vor oder binter dein fixirten Punktj eiue
feinc Nadel hin und her, EO erscheint sie im Doppelbilde
uud zwar ist das Doppelbild uw so divergeuter, je weiter
sich die Nadel vom fixirteu Pupkt, beziehuiigsweise .vpin
Horoptcr entfernt, uud ,um so weniger divergent, je nahw
sich die Nadel dein Horoptcr befiudet, .wio diefs allgemein
bekaunt ist. Bewegt mau die Nadel so, dafs sie, immerhin
seukrecht auf der Visirebcne, auf der Axe des eiueu Auges
bleibt, so ftillt auch der eine Theil des Doppelbildes mit
dem fixirten Faden zusammen, der audere aber fiillt daneben. Nun kanu wan die Nadel dem fixirteu Fadeii so nahero, dafs wan ebeii no&, oder ebeii iiicht inehr eiu Dappelbild wahrzuiiehmeu iin Staude ist und a m der Eutfernung
des Ariges uud der Nadel voin fixirten Faden dcn Winkel,
uiiter welcliew das Doppelhild erscheint, uud daraus die.Eiit-.
fernung der beiden Retinapunkte berechueu, welche uoch
die Empfiudiiug eines Doppclbikdes hervorrufen kiinuen.
Es ist hicbei klar, dafs inau die Nadel eben so gut
ail eiuer anderii Stelle beobachteii kiinnte, als gerade auf
der Augeuaxc, iind die Beobaclituug inufste daswlbc ergebeu. Iinnierhin aber sind, wie schoii die anatoniisclie Anprduuug der Netzliauttheile erwarteu Iafst, uud wie zahlreiche Beobachtungeii ergeben, die Doppelbilder geiiau am
Pole des Auges am deutlichsteu .wahrzunehmen, und da cs’
sicli gcrade darain handelt, init aiiiglichster Geuauigkeit den
Grad der Empfindlichkeit fur Doppelbilder zu bestimmen,
so inufs ich auch solche Doppelbilder wahlen, welche auf
inaglichst ,empfiudlichen Stelleu der beiden Netzblute hervorgcbracht werdeu.
Die beideu Augeu A uud B richteu sich bei aufrechter
Haltuug des Kopfes auf einen scharfen Strjch, der. in C die
Visirebene, senkrecht durchschueidet, wobei angeuomlneu
wird, C sei von A und B glcich weit entfernt. Auf der
Axe B C, deren L h g e 300 Millimeter betragt, befiudet sich
600
die Nadel 1 Millimeter von C eiitfernt, dem Auge nlher
in D. Bei dieser Stellung der zu beobachteuden Gegenstlnde war es mir noch mirglich ein Doppelbild wahruinehmen. Das eine der beiden Bilder deekt den Strich. Die Eutfernung der beiden Augenmittelpaukte fur mein
Augenpaar betragt, wie ich iu den Verhandl. der Naturf.
Gesellsch. in Basel. I. 1. 142, nachgewiescn Babe, 61,55
Millimeter. Aus diesen Griibeu 1aLt sich nun berechnen,
dafs die beiden Piiukte, welche nocli die Wahrnehmuug
eines Doppelbildes gestatten und von denen natiirlich jede
einem Auge angehkt, urn einen Winkel ~ o neinander abstehen, der nicht grirlser als 2: Minuten ist.
Setzt man nun init P a n u m den Abstand der rereinigt
gedachten Knotenpwnkte des Auges von der Retiria gleich
12.Millimeter, so ergiebt sich als Eutfernung der beiden
Puukte 0,00873 Millimeter.
Die so geringe Entfernung ist aber, meiner Ansicht nach,
uoch Irein Greuzwedh. Vielleicht vemircbte das Auge seine
Empfiudlickkeit iioch einigemafsen zu iiben. Die beobachtcten Gegenstande selbst sind nicht so diian, dafs nicht sie
selbst auf der Retina eine bestimmtc Breite einniihmcn.
Die feine Nadel, dercn ich loich bediente, ntifst gegen
die Spitze hin wohl 0,l Millimeter, der feine Strich wohl
0,067 Millimeter iin hrchmesser Breite; dicselben nebinen
daher sclbst schon Sehwjnkel von 45 Sekunden und von
1 Minute ein d e r auf der Hetina cine Breite von 0b00262
uud 0,00349 Millimeter; a h Zwischenraiiin zwischen den
beiden DoppclbiMern erbielte man sonach:
0,00873
-(D’oR262
1= 0,00567 Millimeter.
0’00349
Es ist also rnein Auge~ipaar im Stande, dann noch ein
Doppelbild wahnunehmen, wcnn der Winkelabstaud der
beiden Ketinayuukte etwa 1 Minute, der absoluten Grirfse
nach 0,00567 Millimeter betragt. W e r sich im Sehen von
Doppelbildern uben will, der wird es ganz gewifs noch
weiter bringen: d e m ich selbst habe, wie gesagt, bei der
angegebenen Entfernung noch nicht die Empfindung, die
601
Greiize erreicht zu haben.
Aber gesetzt auch, die Grenze
ware erreicht, so hatte der Empfinduugskreis des eiuen Au-
ges, welcher eiiiein Punkt des andern huges entspricht, eineii nur sehr kleiuen Durchmesser, bei welchein jedeiifalls
von 15 Zapfen. lieiiie Rede ist.
W e n n ich nun iuit Hiilfe des Stcreoskopes zwei Bilder,
z. B. parallele Linien, welche einen etwas verscbiedenen Abstand habeu und zwar einen so ~ ~ O ~ S C dafs
I I , die Sehwiukeidifferenz uur 1Minute betragt, betrachte, so sehe ich die Linieii immcr combinirt. Daraus folgt uun mit Bestimmtheit,
dafs der Punkt a des einen Auges mit dern Punkt b des andern, bald die Empfindung des Doppelbildes, bald die eines
einfacheii einleiten kann. Man kann die beiden Augen in solche Verhaltnisse briugen, dafs die Empfindlichkeit fur Doppelbilder cine sehr hohe ist, dafs das Augenpaar cine Scb3rfe
in der Wahrnehinung der Doppelbilder besitzt , ahnlich
oder gleich’ der, welche eitiem Auge allein im Unterscheiden zweier iiaher Punkte zukommt; oder auch in solche
Verhaltuisse , bei welchen sehr differelite Punkte eiufach
empfindeu.
Sind nun beide . einander eutgegengesetztc
Wahrnehmungeu einfache Nerventhttigkeit? Odor tritt nicht
bei der Waliruebmoag der Einzelbilder trotz der Affection
differeiiter Steilen eiu neues nicht in dem Sehapparate liegendes Moment hinzu? Werden diese verschiedcneii E m pfindungsweisen einfaeher und uugezwungener erkkirt durGh
die Annahme, d a b beide MU~Iichkeitenim Sahapyarate selbst
sich befinden, oder dadurch, dafs man sich nach eiueni aufserhalb desselbeu liegenden Erklarungsgrunde uinsieht ? Die Verschmelzung dcr Eiiidrucke differenter Betzhantstellen
beruht auf einer geistigen Thatigkeit.
Die Versuche, welche ich zur Bestatigung dieser Thatsache angestelll habe, sind von der einfachsten Art und
von Jcdem leicht zu wiederholen. Zwar ziehe ich im Allgelneiiien vor, binoculare Versuche ohne irgend welche
andere Vorrichtung zu macheu; indesseii, da sic sich au
die P a num’s anschliefseu und diese mit einer stereoskopischen Vorrichtung gemacht sind, so bediente aach ich inich
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des gew8hnlichcn Linsenstereoskopes. ( Ich kaun hiebei
uicht umliiu, den Wunsch auszusprecheu, dafs, bei der Publikation stereosk opischer Zeichnungen, die beiden Figureu
inijchten in etwas geringerem Abstand gezeichnet werdeu,
als die Eritfernung der beiden Augen betragt, indcin dadurch die Beobachtung init den1 Stercoskop nicht wesentliclr erschwert, die Beobachtung ohne Stereoskop aber wescutlich crleichtert wird.) - Ich theile einige der angestellten
Versuche mit:
1. Ich zeichue zwei parallele Linien, die fiir das linke
Auge einen Abstand von 3, fur das rechte einen Abstand
von 4 Millimeter haben. Bei der Combination sehe ich
entwcder:
a ) beide Bilder zusainmenfallen, natirrlich nicht in derselben Entfernuug vom Auge oder bei aufinerksainer Reobachturig :
b ) erscheineu 3 Liuicu, dieses jedoch selten menu bcide
Linien schwarz und gleich stark gezeichuct sind.
2. Eiue der 4 Liuieu wird nun roth gezeichaet. L)a
tretcn immer oder beinahe ilnmer 3 Linicn auf, uiid zwar
eiiie rothe uud sctiwarze in uumittelbarer Nahe ued iu
griilserer Eiitfernung davou cine schwarze.
3. Ich zeichne fiir das liuke Auge eiueii Kreis, dessen
l\adius 12 Mi.Ziliimeter iiiifst, einen zweiteu fur das rcchte
Auge init eineni Radius von 13 Millimeter, beide scbwarz.
Fixire ich nun deli Mittelpunkt, so combitiiren sich beide
Krcise, fixire ich einen Punkt. wo der horizoiitate Durctiincsser den Kreis durcbschueidet, so erscheint mir der Ttieil
des Kreises, ,welcher diauietral entgegeugesetzt ist , doppelt,
also sclhst auf eincln seitlichen Theil des Gesichtsfeldes.
4. 1st abcr der grijkere Kreis roth, und ich fixire den
Mittelpunkt, so sehe ich eiuen von rothem Rand umsaumteu
qliwarzcii Kreis. Und uoch deutlicher doppelt erscheiut
ein Theil des coinbinirten Bildes, weiin ich den Endpunkt
des horizontalen Diameters fixire.
5. Ziehe ich eiueii Krcisbegen, desseii Radius 64 Millimeter, einen anderii, dessen Radius 55 Millimeter und
dcren Seliueii 13 Millimeter laug siud, so mcrdeii sie, wenli
-
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beide schwarz sind, vollkomnien combinirt, nicht mehr, weun
der eine davon roth gezeichnet ist.
Erbalt jcder der beiden Bogen seiue Schne, so sehe icli bald die Sehnc, bald
den Bogen, je nach dem fixirten l'unkt.
6. Zwei gerade Linien, vou wclchen die cine fur das
rechte, die andere fiir das h i k e Auge gezeichnet ist, meichen von der Senkrechten zur Visirebene jedc urn 3;", die
eiae rechts, die andere links ab. Sind heidc schwarz, so
lassen sic sich zur Noth combiniren, ist eine davon roih, so
lassen sie sich iiicht luehr combiniren.
7. Weiiii ich dic Projectionen einer stark abgestumpfteu Pgramide so zeichne, dafs deu schwarzen Projcctiouslinien dcr einen, rothe in den andern und umgekehrt entsprcchen, so erscheint die Grundflache init doppeiten Seiten
(senkrecht zur Visirebene) wenn die Abstumpfungsflache
einfacli gesehcu wird, rind letztere doppelt, wenn die Grandflache eiufach gesehen wird.
8. Hieran reilit sich eine anders gedeutete und zur
Erklariing den Glanzerscheiiiungen vori D o v e ') lnitgelhcilte
Beobachtung. Statt nanilich in der obeE angegebenen Weise
die Linien verschiedenfarbig zu sehen, kanu inan sich init
Erfolg auch farbiger Glaser bedieuen. Bevor das Stcreoskop Salonspielzecig war und die Photographien, welche allerdings aufserordeutliche Illusion hervorzubringen vermogen,
verbteitet waren, bediente man sich fast ausschliefslicli weiLer Zeichnungen auf schwarzem Grunde. Betrachtct man
das rechte Bild einer solchcn durch ein blaues, das h i k e
diirch ein rotlies G I s , so wird iiicht ein init violelten Linien begrenztes Samnielbild gesehen, sondcrn die rothen
und blauen Linien liegen nebeneinander, aoch bei solclieii
Figken, bei welchen ohne Anwendung farbiger Glaser niir
ein Relief mit eiufacher Linie erscheint. W e r nie geglaubt
bat, dafs er eigeutlich zwei verschiedene Bilder coinbinire,
der wircl sich der Vcrscliiedenheit auf diesein Wege bewufst.
W i r d aber nun einc einfaclie weifse Linie auf schwarzem
Grunde in dicser Weise betrachtet, so ersclieint sic iiicht
-
I ) P 0 g g . Ann. B. 33, S. 169 ff
604
etwa als aus zwei nebeueinander liegeiideii Liiiieu zusaiiimengesetzt, sondern inan sieht die Linie, wenn die Farbeii
sehr verschiedeu sind, bald in der einen, bald in der andern, indeln eiiie Farbe die aiidere in der Nichtting der
Linie verdrangt.
Ails atlen beschriebeneii Versuchen gelit iiun unzweideutig hervor, dafs verschiedene Fii~blnigder Linien , wcsenttich dazu beitriigt, das wirhliche Vorhandenseyn der
Ijoppelbilder deullich zu machen, iu zahlreichen Fallen, wo
gleichfarbige Linieii zu einein einfacben Bilde verschinelzen
kbnuen. Sollteo diese Versuche mit P a n u in’s Annahine
vereinigt ~+erden, so inufste ferner augenu~n~nen
werdeu,
dafs die Empfinduogskreise fur blos raiirnlich verscliiedeuc,
der Farbe iiacli aber gleiche Eiudrucke g r ~ seyen,
h
als
fur Eindriicke, welche sowohl rauidich als quallitativ verscbieden sind.
Allcin uicht in Uebereiustiuiinuug dainit zu bringen ist
die Thatsache, die weder inir allein, noch mir zuerst aufgefallen ist, die lnir aber bei allen und jeden binocularen
Versuchen folgt, dsfs es gauz in meiner Willkiihr steht,
lineare Figuren unter deui Stereoskop zu combiuiren, oder
als 1)oppelbilder zu sehen. Sclbst bei vortrefflichen Photegraphien, bei welchcn die meisten Beobachter kaum Doppelbilder wahrnehinen, selic icb oft beim Finiren entfernter Gegenst~ndedie u8hcrn doppelt und ebenso umgekellrt.
Dazu liabe ich aber meinern Sehapyarat kcine Gewalt angethait, sondern ich habe ihn in eiiier Richtung, welche
der des tdglichen Lcbeus geuau entgegengesetzt ist, geiibt.
Ijurch diese Uebung habe icli zwar iiicbt das Korpersehcn
yerlernt, dn es noch init vielen andern Verhaltuissen zusaminenhangt, allein sie befahigt midi, inicli von einer Gewohelieit loszusagen , die begreifliclier Weise den ineisteu
Rlenschen so sehr eiugewurzelt ist, daCs P a n u m sie selbst
fur angeborcu half, Was ich inir aber durch U e h n g und
sorgfdtige Beobachtung cabgew8huen kann , das darf ich
auch als durch Angewbhnuug erworben betrachien. Einer
airgehorncn Nervenfurictioii kann icb mich nicht cnt;iofsern.
605
Umgekehrt aber ist es namentlich flir schnrfsichtige Aiigen anfnngs nicht moglich oder schwer, im Stereoskop lineale Figuren zu coinbiniren und die dritte Dimension wahrzunehmen; es gelingt erst nach einigen Versuchen. Auch
hleibt dann nicht selten eine eigenthiimliche Anstrengung
beiin Stereoskopiren iibrig. Die Wahrnehmung der Differenz, nicht correspondirender Netzhnuteiudriicke, ist die
urspriingliche, die Combination derselben aber die secundare Erscheinung.
W e n n man nun dem Ausdruck, d a b ein Empfindungskreis des einen Auges init einem Punkt des andern eine
einfache Empfindung vermitteln kiinne, eine andere Bedeutung geben soll, als die, dafs ein in gewobnlicher iind natiirlicher Weise erzogenes Auge beim Stereoskopiren die
Doppelbilder erst wahr~~ehme,wenn sie cine gewisse Divergenz erreicht haben, so stimmt er nicht mit zahlreichen
Erfahrungen. Hat er aber nur diese Redeutung, so ist die
Wahrnebmung der Tiefendimension als aiif eineni yhpsischen Acte beruliend, fiir die Physiologie nicht erobert.
W i e nun die Wahrnehmung der dritten Dimension entsteht, kann ich wohl ijbergehen, da es von V o l k m a n n
besser gesagt worden ist, als ich es zu sagen verniochte.
Im Zusammenhang init dern Gesagteu steht folgeuder
Versiich:
9. Ich zeicblle die Projectioiien eioer regelmlfsigcn
secbsseitigen Pgramide fur beide Augen und ziehe in beiden Projectionen die Durchmesser des Sechsecks, alle T i nieu gleich stark, so d a b keiue von der andern ausgezeichnet ist. Combinire icb diese beiden Bilder, so kann ich
zweierlei Kgrperbilder erhalten, je nachdem ich die Augenaxen sich etwas weiter oder ntiher kreuzen lasse. W e r den nPmlich die Dnrchmesser der linken Figur mit den Seitenkauten der recbten vereinigt, und die Seitenkanten der
linken init dem Durchmesser der rechten, so erscheint nicht
mehr die einfache Pyramide, welche inan deshalb emarteu
sollte, weil man deren Projectionen gezeichnet hat, sondern
man sieht eine Doppelpyramide, d. h. eine hohle und eiiie
606
erhBhte iiber deuiselbeii Sechseck , eine Pgralnide , dercti
Axe schief, iiicht rcchtwinklich die Bildeberie durchsclineidet, und der Versnch gelingt fur etwas geUbte Augen sehr
leicht, wenu man die Spitze der Pyramide iiicht zu sebr
vom Mittelpoukte des Sechsecks entfernt.
Flir ganz ungeubte Augen aber gelingt cr beinahe unfehlbar, wenn man irgend zwei Liniengrupperi, also z. R.
die Durcbmesser der linken und die Kanten der anderen
Figur, durch irgend etwas auszeichnet, indem man sie m
anderer Farbe, oder puiiktirt, oder in anderer, iiicht einma1 sebr verschiedener Starke zeichnet. Die geringfugigsten Unterscbiede in deu geometrisch absolut gleichen Projcctionen ktinnen sonach bald zur Wahmehmung des einen,
bald zur Wahmehmung des andern Reliefs Anlafs geben.
Liegen der Mittelpunkt des Sechseckes und die Spitze der
Pyramide weit auseiuander, so kaon die eiofache gerade
Pyrainide gar nicht inehr wahrgeoomnieii werden, sonderii
cs erscheint die schiefe Doppelpyramide.
Basel im Marz 1861.
VI. Bemerkring iiber die
Restimmung drs W v r t h e s
der Scnlenthrite in magnetischm Olservntorien;
uon Dr. L n m o n t .
I n magnetkclien Observatorien stellt inan sich zonachst die
Aufgabe, die taglichen Variationen des Erdlnagnetismus mit
der fur die Theorie erforderlichen Genauigkeit ZII bestimmen, was eine richtige Kenutnifs des Werthes der Scalatheile voraussetzt. Es ist meine Absicht in diesein Aufsatze
versehiedene hierauf beziigliche Bestimmungsmetlioden anzugeben, die meines Wisseus bisher n i c k benutzt wordeii
sind, und die in der Praxis von wesentlichern Vortheile
seyn durften.
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